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der
NaturwissensehaftlieheH-Gesellsehaft
in Dresden.
Heransgegeben
von dem Redactions - Comitö.
Jahrgang 1898.
Mit 1 Tafel und 32 Abbildungen iui Text.
Dresden.
In Commission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach.
1899. ,
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5 3 'S '-f
Sitzungsberichte
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1898.
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Sitzungsberichte
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1898.
Exchange Duplicate, J. O.
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L Section fflr Zoologie.
Erst« Sitzung am 13. Januar 1898. Vorsitzender; Prof. Dr. H.
Nit sehe. — Anwesend 27 Mitglieder.
Lehrer CI. Vogel spricht über Bastardirungsvorgänge bei Säuge-
thieren.
Director A. Schöpf giebt im Anschluss hieran Mittheilungen über
KreuzungsTersuche im Dresdner zoologischen Garten und
Prof. Dr. H. Nitsche erwähnt noch die angeblich in Südamerika
häufigeren und von den Franzosen „chahin'' gemannten Kreuzungen von
Ziege und Schaf.
Prof. Dr. H. Nitsche spricht ferner über Entwickelung und
Wechsel der Hörner bei der amerikanischen Gabelantilope
{Anülocapra americana) und berichtet unter Vorlage mikroskopischer
Präparate über seine histologischen Untersuchungen ihrer llornscheide.
Zweite Sitzung am 3. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. II.
Nitsche. — Anwesend 26 Mitglieder.
Prof. Dr. II. Nitsche widmet dem am 6. Februar 1898 verstorbenen
Ehrenraitgliede der Isis Prof. Dr. It. Leuckart einen Nachruf. Die Ver-
sammlung ehrt das Andenken des berühmten Verstorbenen durch Erheben
von den Sitzen.
Institutsdirector Th. Ileibisch zeigt und bespricht von Dr. Th. Wolf
gesammelte und von dem Redner bearbeitete Binnenconchy lieu aus
Ecuador.
Prof. Dr. H. Nitsche erläutert die Wandelungen, welche die
Linne’sche Systematik der Säugethiere in den verschiedenen Aus-
gaben des „Systema naturae“ durchgeniacht hat, unter V’orlegung der
wichtigeren Ausgaben dieses Werkes und eines in seinem Privatbesitz
befindlichen C'ollegienheftes nach den Vorlesungen Linne's vom Jahre 1748.
Dritte Sitzung am 5. Mai 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche.
— Anwesend 36 Mitglieder.
Prof. Dr. H. Nitsche spricht über die elektrischen Fische, und
erläutert seinen Vortrag durch Spirituspräj).arate und eine Tafel.
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Dr. J. Thallwitz gieht im Anschluss Auskunft über die von ihm in
der zoologischen Station zu Neapel beobachtete Stärke der Schläge des
Zitterrochens.
Institutsdirector Th. lieibisch und I’rof. Dr. U. Kbert stellen einige
in der „Zoologie“ von C. Haenitz, Herlin 1880, 8", beiindliche Angaben
über Purpurschnecke und Bandwurm richtig.
Institutsdirector Th. lieibisch berichtet über die Einführung von
Helix candicans im Pluuenschen Grunde.
Helix (Xerophila) cnndicane Eiegl., welche neuerdings auf einer Höhe neben dem
Plauenschen Uninde gesammelt worden ist, gehört ursprünglich nicht in die sächsische
Fauna. Weder Ros-smaessler noch Andere gedenken ihrer in dieser Beziehung. Zur
Kiklärung dieses neuen Vorkommens theilt der Vortragende mit, dass er vor ungefähr
fjO Jahren die Bekanntschaft eines Herrn Karl Urust gemacht habe, welcher die Koss-
maessler'sche Iconographie eifrig studirte und fieis.sig darnach sammelte. Auf den vielen
Sanimeltouren, welche derselbe ausführte, prägte er sich auch die ßodenformen und
deren Bestandtheile, wo seine Lieblinge vorkamen, besonders ein. Einstmals, beim Be-
suche des „Weissen Berges“ bei IVag, faml er eine ähnliche Bergform wie hier am
„Plauenschen Grunde ' und fragte sich dabei: Ob wohl die Schnecken, die am „Weissen
Berge“ Vorkommen, auch am „Plauenschen Grunde“ leben können? Um eine bestimmte
Antwort auf seine Frage zu erhalten, sammelte er eine Menge Schnecken, die er für
Helix ericetorum Müll, hielt, und siedelte die.selben als Colonisten auf der genannten
Höhe an, wo sie noch heute lustig gedeihen.
II. Section für Botanik.
Erste Sitzung am 20. Januar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. O.
Drude. — Anwesend 27 Mitglieder, 2 Gäste.
Prof. Dr. 0. Drude trägt vor über die Milchsaft röhren der
Euphorbien, unter Vorführung eines abgesclmittenen Busches aus dem
K. Botanischen Garten und zahlreicher mikroskopischer Präparate von
EuphoHna piscatoria Ait., die letzteren hergestellt von Herrn 11. Pohle,
Assistenten um botanisclien Institut der K. Technischen Hochschule.
Hieran schliesst derselbe Mittlieilungen über den gegenwärtigen
Stand der Nomenclaturfrage, insbesondere über die sehr massvoll
gehaltene Erklärung der Beamten des Berliner botanischen Gartens und
.Museums.
Dr. B. Schorler trägt vor über den Antheil der Pflanzen an der
Selbstreinigung der Elüsse, speciell der Elbe bei Dresden.
Eine ausführliche Untersuchung Uber (Uesen Gegeiistanrt ist zunächst als Gut-
achten an den Stailtraüi zu Dresden vom Vortragenden ergangen und wird weiterhin
verfolgt werden. Dieselbe licliiidct sich auch an anderer Stelle in Druck.
Zweite Sitzung am 10. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude.
— Anwesend 44 .\litglieder, 2 Gäste.
Dr. R. Walther, Privatdocent für Chemie an der K. Technischen Hoch-
schule, bespricht den von ihm construirten neuen Desinfectionsapparat,
welcher geschlossene Räume mit damjtfförinig zerstäubtem Eormaidehyd
zu erfüllen bestimmt ist, und theilt die von Dr. med. A. Schloss manu
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ausgefülirten Controlen über die energische Wirkung auf die lebens-
fühigsteu Bakterien in Kürze mit.
Assistent R. Pohle hat im botanischen Laboratorium eine mikro-
skopische Demonstration des Heu-Bakteriums: Bacillus mhtilis, mit
intensiver Geisselfärbung veranstaltet und bespricht das hierbei an-
gewendete Tinctionsverfahren.
Prof. Dr. 0. Drude hält, anknüpfend an die ausführlichen Mit-
tbeilungen von Nobbe in der November-Hauptversammlung 1896, einen
kurz zusammenfassenden Vortrag über die jetzigen Anschauungen, welche
der stickstoffsaiumelnden Thätigkeit der in den Legurainosen-
Knöllchen vegetirenden Bodenbakterien gelten, besonders über die
b’rage nach Symbiose oder parasitärer Infection mit späterem für die
Ernährung günstigen Erfolge.
Vorgelegt werden Prof. Dr. Ä. Fischer s Vorlesungen Uber Bakterien.
Dritte Sitzung am 12. Mai 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude.
— Anwesend 40 Mitglieder, 6 Gäste.
Dr. med. J. Gründler hat mit 20 aufgestellten Mikroskopen, unter
welchen die doppelte Anzahl auserlesener Präparate seiner selbst ver-
fertigten Sammlung vorgeführt wird, einen grossen Demonstrationsvortrag
über Bacillariaceen (Diatomeen) vorbereitet.
Der Vortragende erlSntcrt das für die Aufbewahrung tmd den Einschluss der
Bacillariaceen Übliche Verfahren und die Herstellung der sogen. T}'penplattcn, ver-
anschaulicht ausserdem den Gegenstand durch zahlreiche Tafelwerke seiner Privat-
bibliüthek
Assistent R. Pohle hält darauf eine zweite mikroskopische Demon-
stration über den Beginn der Cambium-Thätigkeit bei Fopulus
canadensis, verfolgt an einem dieser Beobachtung im botanischen
Garten gewidmeten Exemplare im April und der ersten Mai -Dekade
dieses Jahres.
Vorgelegt werden von Herrn F. Fritzsche mehrere Blüthen-Ab-
normitäten, besonders die Convaüaria majalis tl. roseo von dem Original-
Standorte in der Lössnitz, sowne
vom Vorsitzenden verschiedene neuere Werke: Annals of R. Garden,
Calcutta; F. von Müller: Salsolaceous plants; Tschirch: Anatomischer
Atlas u. a. m.
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Erste Sitzung am 3. Februar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 41 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende bespricht die Zwillingsbildungen des Quarzes’
unter Vorlegung von Zwillingen mit gekreuzten Axensystemen ans Japan
und von Doppelzwillingen von Amethyst aus Brasilien nebst Präparaten.
Sodann bespricht er ausführlich das Werk von Dr. Alphons Stübel:
Die Vulkanberge von Ecuador, Berlin 1897, 4®.
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Zweite Sitzung am 17. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. E.
Kalküwsky. — Anwesend 29 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende macht zu der von Herrn W. Put sc her ausgestellten
Edelsteinsuite einige allgemeine Bemerkungen über den Begriff der
Edelsteine und ihren Werth.
Dr.W. Bergt hält seinen angekündigten Vortrag über die Geologie
der Antillen.
Prof. Dr. E. Kalkowsky bespricht die zweite Hälfte der von Ober-
lehrer Dr. 11. Nessig als Prograinmschrift des Realgymnasiums zu Dresden-
Neustadt ausgearheiteten „Geologischen Excursionen in der Umgegend
von Dresden“.
Prof. H. Engelhardt legt vor den ersten Theil des zweiten Bandes
der Beschreibung der unter der Leitung von E. von Drygalski 1891 — 1893
ausgeführten Grönland-Expedition und
berichtet über seine neuesten Untersuchungen von Pflanzen aus
dem Polirschiefer von SuHoditz in Böhmen.
Dritte Sitzuug am 9. Juni 1898. Vorsitzender: Privatdoceut Dr. W.
Bergt. — .\nwesend 32 Mitglieder und Gäste.
Oberlehrer Dr. R. Nessig hält einen Vortrag über Studien über
den Dresdner Haidesand. (Vergl. Abhandlung II.)
Dr. E. Naumann berichtet über Concretionen im Glacialmergel
von Sellhu in Norwegen und von den Imatrafällen in Finnland.
Der Vorsitzende legt vor die neueste Arbeit von Geh. Rath Prof.
Dr. 11. B. Geinitz: Die Calamarien der Steinkohlenformation und des
Rothliegenden im Dresdner K. Mineralogisch-geologischen Museum, Leipzig
1898, 4", und
macht im Anschluss daran einige allgemeine Bemerkungen über die
Bestimmung von Calamiten.
lY. Sectioü für prähistorische Forschungen.
Erste Sitzung am 10. Februar 1898. Vorsitzender: Dr. J. Deich-
müller. — Anwesend 27 Mitglieder.
Prof. Dr. H. Nitsche spricht über die sogenannten Wetzikon-
stäbo als angeblichen Beweis für die Existenz des Menschen zur luter-
glacialzeit in der Schweiz.
Die in den interalatialcn Seliieferkidileu von Wetzikon bei Zürich gefundenen, an-
geblich dnreh Menschenhand zngesnitzten Jlolz.itücke, welche Kütiineyer für Zeugen
der Existenz des Menschen zur lutcrglacialzeit in Europa erklärte, sind nach den
neuesten Untersuchungen von C. Schröter (Fest.sehr. d, natnrforsch. Des. Zürich, ISttü,
2. Th. , S. 407 u. f.) nur heransgewitterte Aeste von Eichte und Kiefer, sogen. ..Honi-
äste“, ohne jede S|mr menschlicher Bearbeitung. Der Vortragende legt verschiedene
denirtige, aus der Sammlung der K. E’orstakndemie Tharandt stammende Homä-ste,
theils ausgewitterte, theils noch im Stammholz sitzende, vor.
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Hieran schliesst derselbe Bemerkungen über uralte, bis heute im Nor-
den und Osten von Europa erhaltene Formen von Ang elgeräthen, ver-
bunden mit Demonstrationen und der Vorlage von Schriften von 0. Grimm:
Der erste Fischer und die erste Angel, und von F. Trybom: Angel-
haken von Holz aus den Scheeren von Norbotten (Tidning förldrott., No. 24,
1888).
Diese Geräthe, die von den Karelen an den Nowgorod'schen Seen nnd den Finnen
am Nordende des botnischen Meerbnsens zum Fange grosser Aalraupen gebraucht
werden, sind mit kleinen lebenden Fischen geköderte Setzangeln mit hölzernen Haken.
Ein solcher Haken wird dadurch hergestellt, dass ein gerades F'ichten- oder Birken-
ästchen etwas ober- nnd nnterhalb der Stelle, wo von ihm ein Seitenzweig abgeht, ah-
geschnitten nnd zugespitzt wird. Der gleichfalls passend gekürzte und gespitzte Seiten-
zweig bildet daun den Widerhaken, an dessen Ursprungsstelle die Angelleine angebunden
wird. Der Haken wird derartig in den Köderfisch geschoben, dass nur der Seiteuzweig
am Bauche nach hinten vorra^ und die Schnur in einer Schlinge um den Köder ge-
legt ist.
Prof. Dr. H. Nitsche erläutert noch den Bau der Fischspeere und
die Art des Fischfangs mit denselben.
Dr. J. Deicbmüller berichtet über den Erfolg der Eingaben an die
K. Ministerien, den Schutz der urgeschichtlichen Alterthümer in Sachsen
betreffend, und
bespricht einen zur Ansicht ausgestellten Bronzefund von Velem
St. Veit in Ungarn unter Hinweis auf die Beschreibung dieses Fundes
in den Mittheil. d. Wien, anthrop. Ges. 1897, XVU. Bd.
Exeorslon am 18. Jnni 1898.
Unter Führung von Dr. J. Deichmüller besuchten 13 Mitglieder von
Niedersedlitz aus zunächst die zum Rittergut Lockwitz gehörende Kies-
grube westlich der Niedermühle, in welcher Herdstellen aus der jüngeren
Steinzeit mit den charakteristischen Resten der Bandkeramik aufgeschlossen
sind, und später den Burgberg südwestlich von Lockwitz, wo ein dort
angelegter Steinbruch Gelegenheit gab, Gefässscherben aus slavischer
Zeit in reichlicher Menge zu sammeln.
V. Section für Physik und Chemie.
Erste Sitzung am 17. Febmar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. F.
Foerster. — Anwesend 63 Mitglieder und Gäste.
Privatdocent Dr.R. Walther spricht über Explosivstoffe und er-
läutert seinen Vortrag durch Versuche und durch Vorlage von Präparaten.
Nach einem geschicbtlichen Ueberblick über die Erfindung des Schiesspulvers, seine
Herstellnng und Verbrennungsproducte (feste und gasförmige) geht der Vortragende von
diesen impnlsiven auf die fulminanten Explosivstoffe (Knallqnecksilber, Knallgold,
Acetylen- Metallverhindongen) über, von denen das Knallquecksilber als CarbyIo.vim-
quecitsilber (C=NO),Hg in neuester Zeit von Nef erkannt wurde. Seit 18.'12 nitrirte
man Stärke, Holzfaser u. s. w. und gelange 184.o (Böttger) ziw Schiesswolle, dem
Vorläufer des Jjynamits. Dieses Del, als Trinitroglycerin 1845 von Sobrero entdeckt,
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»Tirde 1866 durch Nobel praktisch anwendbar i?emacht durch seine Vereinignns’ mit
Kieselgnhr. Hierauf füllte die Entdeckuug der Sprcnfflfelatiiie und 1886 die des rauch-
losen Pulvers (Schiessbaumwolle und Pikrinsäure). Tecluiischc Darstellung der Seliiesa-
banmwolle, ihre Anwendung und Wirkung, sowie eine eingehende Be.sprechuug des
Nitroglycerins neben den Pikraten bilden den Schluss des Vortrags.
Zweite Sitzung am 24. März 1898. Vorsitzender; Prof. Dr. F.
Pockels. — Anwesend 40 Mitglieder.
Prof. Dr. F. Pockels spricht über die bei Blitzentladungen vor-
komnienden Stromstärken.
Der Vortragende erwähnt zunächst die bisher vorliegenden Schätzungen der bei
Blitzschlägen anftretenden mittleren Stromstärken durch W Kohlrausch und die Be-
rechnung der entladenen Elektricitätsmenge durch E. Riccke. Sodatm bespricht er
seine eigenen Versuche über die Magneti.sirnng von Basaltstäben durch nicht oscillirende
Batterieentladuugen, durch welche nachgewiesen ist, dass die remanente Magneti.simng-
als Mass für das Hazimum der Entladungsstromstärke dienen kann. Es wird ein solcher
Versuch vorgefilhrt, bei dem ein in einigen Centiraetem Abstand neben einer gerad-
linigen Strecke des Sohliessnngskreises der Batterie liegendes kurzes Basaltprisma durch
eine nicht oscillirende Entladung von 1500 Ampen' nm.vimaler Stromstärke .stark magne-
tisirt wurde, durch eine viel stärkere oscillirende Entladung dagegen gar nicht, ja sogar
den vorhanclenen Magnetisinns ganz verlor. Da nun die Blitze aller Wahrscheinlichkeit
nach nicht oscillirende Entladungen sind, so glaubt der Vortragende, da.ss diese Methode
auch zur Ermittelung von deren Maximal.stromstärke würde dienen können, indem man an
besonders exnonirteu Blitzahli item Basaltstäbe in geeigneter Weise anbrüchte. In Er-
mangelung derartiger Beobachtungen konnte zunächst nur eine rohe Schätzung der
Stärke von Blitzschlägen, welche an Waldhäumcn auf Basaltbergen ihre Spuren hinter-
la.ssen haben, durch Slessung des mogneti.schea Momentes von am Fusse. dieser Bäume
gesammelten Basaltstücken ansgefilhrt werden; es ergaben sich dabei in S Fällen für
die Maximalstromstärke untere Grenzwerthe von 64(K) — 10800 Ampere.
Der Vortragende schliesst mit der an die Isis -Mitglieder gerichteten Bitte, ihm
von ähnlichen etwa in den benachbarten Basaltgehieten beobachteten Fällen Mittheilung
zu machen.
Dr. M. T oepler spriebt über die Sebiebtung elektrischer Funken
und über (ileitfit nken.
Der Vortragende bespricht zunächst die eigenthUmliche Erscheinung, dass bei
Elektricitätsenthidung durch Duft oder Gase die Intensität der Licht- und Wärme-
entwickelung nicht au allen Stellen der Entladnugsbahn (des Funkens. Blitzes, Licht-
bogens u, s. w.) die gleiche ist. Es bilden sich sogen. Schichten (Licht- oder Wärme-
schichten) aus, d. h. Stellen grösserer nnd kleinerer Lieht- und äVärmcwirkung folgen
einiuiiler in mehr oder minder grosser Regelmässigkeit. Nach Besprechung hierher ge-
höriger Beobachtungen von A. Toeplcr, Lehmann, Kayser, von Obermayer u. A. w ird die
noch wenig beachtete Erscheinung, dass auch der Mctalldampf dünner (durch eine
Batterieentladung zerstäubter) Metalldmhte unter Umständen klar geschichtet ist, ein-
gehender behandelt. Nach Projection von geschichteten Mctalldampf-Niiderschlägen
verschiedener zerstäubter Drähte wird die Bildung von Gleitfunken längs Metallpulver,
auf Wasseroberflächen und Gipsplatten, sowie aut einseitig metallisch helegten Glas-
platten (vergl. hierzu Ahh. d. natnrwissenschaftl. Ges. Isis m Dresden. 1807, S. 41) be-
sprochen. Vortragender weist nach, dass man zwei Arten von Gleitfunken zu unter-
scheiden hat; die Ausbildung des langen Gleitfnnkenkanales kann entweder ilnrch eine
einmal in geeigneter Weise an den Gleitfunkenpolen anftretcmlc Potentialdiflerenz
veranlasst werden, oder auch dadurch, dass letztere mehrmals innerhalb sehr
kurzer Zeit (im Rhythmus elektrischer Oscillationen) ihr Vorzeichen wechselt. Gleit-
fuukeu von mehr als einem Meter Länge werden zum Schlüsse vorgefilhrt.
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Dritte Sitzung am 23. Juni 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. F.
Fo erster. — Anwesend 37 Mitglieder und Gäste.
Dr. A. Scblossinaun spricht über die Milcli und ihre Bedeutung
als Nahrungsmittel und erläutert den Vortrag durch Versuche und
Vorlegung von Präparaten. (Vergl. Abhandlung III.)
Dr. A. Lotternioser spricht über das colloidale Quecksilber.
Anschliessend an die Arbeiten E. von Meyer's nnd des Vortragenden Uber colloidales
Silber versuchte Letzterer auch Quecksilber in colloidaler Form zu gewinnen. Nach vielen
vergeblichen Versuchen, dasselbe durch Einwirkung der verschiedensten Keductionsraittel
auf Qnecksilbersalzc, namentlich Quecksilberoxydulnitrat, zu gewinnen, wobei meist un-
lösliches graues Metall entstand, führte endlich die Anwendung von Zinnoxydulsalzen
zum Ziele. Znr technischen Gewinnung wird eine I.ösung von Zinnoxydulnitrat ver-
wendet, welches, mit einer Lösnng von Quecksilberoxydiiluitrat versetzt, eine tiefbranne
Flüssigkeit, die Lösung des coUoidalen (tnecksilbers, giebt, aus welcher durch Ammon-
citrat dasselbe in fester Form ausgcsalzen wird.
Andere Zinnoxydulsalze, namentlich ZinnchlorUr, zu verwenden bietet noch einige
Schwierigkeiten, doch lioflt der Vortragende, durch fortgesetzte Versuche die.selben zu
heben. Zinnoxydulsulfat erzeugt einen tiefbraunen Niederschlag, welcher als Analogon
des Goldpurpurs des Cassius als ein basischer Zinnsalznieilerschlag, auf dem sich colloidales
QuecksUber abgeschieden liat. angesehen wenlen muss.
Das Priiparat, welches von der Firma von Heyden in Kadebeul fabricirt. wird, soll
in der Medicin als Ersatz des gewöhnlichen l^uecksilbers dienen; Versuche in die.ser
Richtung sollen in der nächsten Zeit beginnen. Das colloidale Quecksilber wird wegen
seiner Löslichkeit in Wasser entschiedene Vortheile vor dem gewöhnlichen Quecksilber
bieten.
VI. Section für Mathematik.
Erste Sitzung am 10. Februar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K.
liohn. — Anwesend 13 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. K. Rohn spricht über Zusammensetzung von Beweg-
ungen und reguläre llaumeintheilung.
Die reguläre Raumeinthcilung oder, was damit gleichbedeutend ist, die reguläre
Anordnung von Punkten im Raume ist von grös.ster Bedeutung für die Erklämng der
Molekularstructnr der Krystallc. Um niidit die Grenzflächen der Kry.«talle in Betracht
ziehen zu müssen, denkt man sich die reguläre Anordnung der Punkte ins Unbegrenzte
fortgesetzt; dann kann man diese Anordnung so definiren, da.ss man sagt: jeder Punkt
des unbegrenzten Systems sei von der Gesammtheit der übrigen Punkte in ganz gleicher
Weise umgeben, wie jeder andere. Darin liegt aber das .Mittel, solche reguläre Punkt-
systeme zu erzeugen ; denn nach der Deflnition winl es Bewegungen des Kanmes in
sich geben, bei welchen das reguläre Punktsystem mit sich selbst znr Deckung kommt.
Solcher Raumbewegnngen werden unendlich viele existiren und zwar wird dabei irgend
ein Punkt des Systems in einen beliebigen anderen übergefUhrt werden können. Um-
gekehrt kann man aus einem Punkte alle übrigen Punkte des Systems ableiten, indem
man ihn alle jene Raumhowegungen aii.-sfUhren lässt. Diese Raiimbewegungeu bilden
aber eine tiriippe, d. h. : Kennt man irgend zwei Raumbeweguiigen, welche das reguläre
Punktsystem mit sich selbst znr Deckung hringen, so thmi dies auch alle Jtaum-
beweguugen, die sich aus jenen beiden durch Wiederholung und Combinatinii zusammen-
setzen lassen; das liegt ja ganz auf der Hand. Eine allgemeine Ranmbeweguiig lässt
sich aber durch eine Schraubenbewegmig ersetzen. Gieht cs also irgend zwei Schrauhen-
bewegtungen, welche das reguläre Punktsystem in sich überfüliren, so thiin ilies alle
Schraubenhewegungen , die ans jenen durch Wiederholung und Zusammensetzung her-
vorgehen. Mit anderen Worten: Aus einem Punkte erhält man alle Punkte des regu-
lären Systems, indem man ihn allen Bewegungen unterwirft, die sich aus zwei
Bchraubüngen durch Wiederholung nnd Combination ergeben.
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Es wird nnn die Frage sein, ob man mit zwei beliebigen Schranbnngen ein regn-
läres Punktsystem erzengen kann. Zum näheren Studium dieser Frage wenien zunächst
die Zusammensetzung und Zerlegung von Bewegungen in der Ebene (Drehung und
Schiebung), und sodann von Bewe^ngen im Baume (Drehung, Schiebung und
Schraubung) be.Hprocheu. Als die wicditigsten Sätze hierbei mögen folgende beide her-
vorgehohen werden: 1. Jede Schraubung um eine Axe kann ersetzt werden durch eine
Schraubung um irgend eine dazu parallele Axe und eine vorausgehende oder nach-
fidgende Schiebmig; die zu den Schraubungen gehörigen Winkel smd gleich. 2. Zwei
auitdnanderfolgende Schraubungen lassen sich durch eine einzige Schraubung ersetzen;
Axenrichtung und Winkel der letzteren hängen nur von den Axeurichtungen und Winkeln
der ersteren ab. Diese Abhängigkeit ist die gleiche, wenn man statt der Schraubungen
drei Drehungen um drei durch einen Punkt laufende Axen nusfilhrt, wenn nur die
Drchungsaxen den bez. Schraubenaxen parallel und die Drehungswinkel den bez.
Schranbnngswinkeln gleich sind.
Mit Hilfe dieser Sätze wird hierauf ein Beweis von Schönfliea entwickelt, worin
gezeigt wird, dass man im Allgemeinen aus zwei Schraubungen durch Zusammensetzung
stets beliebig kleine Schraubungen ableitcn kann, d. h. solche, die sich in eine beliebig
kleine Schiebung und in eine beliebig kleine Drehung zerlegen lassen. Nur wenn die
Schraubungswiukel fUr die beiden Schraubungen ganzzahlige Theile von 2 n sind, lassen
sich aus ihnen keine beliebig kleinen Schraubungen ableiten. Im ersten Falle werden
die Punkte des regulären Systems beliebig dicht bei einander liegen Solche Systeme
können aber nicht die Anordnung der Moleküle eines Krystalls reprilsentiren , denn die
Abstände dieser Moleküle von einander werden zwar sehr klein, aber immerhin endlich
sein. Es werden also nur zwei Schrauhungen, deren Winkel ganzzahlige Teile von 2 n
sind, zur Erzeugung regulärer Punktsysteme, wie sic die Molekularstmctur fordert,
Verwendung finden können. Daraus geht sofort hervor, dass es auch reine Schiebungen
in der Richtung der Schraubenaxen giebt, welche das reguläre Punktsystem in siih
selbst überfuhren. Das l’imktsystem lässt sich demzufolge m mehrere Piinktgitter auf-
löisen, W(d>ei jedes Gitter einer regulären Eintheilung des Raumes in Parallelepipeda
entspricht. Diese Bemerkung ermöglicht aber die Aufsuchung aller regulären Punkt-
systeme.
Zweite Sitzung am 14. April 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K.
Rohn. — Anw'esend 9 Mitglieder.
Dr. A.VVitting spricht über planimetrische Constructionen in
begrenzter Ebene.
Der Vortragende führt zunächst ein Beispiel dafür an, dass bei sehr bekannten
planimetrischen Elementaraufgalien nicht immer die einfachsten mit Zirkel und Lineal
möglichen Constructionen nusgeführt zu werden ptiegen. Sodann wird an einer Anzahl
Fundamentalaufgaben gezeigt, wie eine exae t« Construction praktisch möglich ist, wenn
einzelne der gegebenen Punkte ausserhalb des Randes des Reissbretts liegen. Dabei
wurde insbesondere angenommen, dass sich gegebene Geraden in weiter Kerne unter so
spitzen Winkeln schneiden, dass Parallclverschi'elmngen und Aehnliehkeitsconstructionen
ausgeschlossen werden müssen. Den Schluss bilden einige Aufgaben, bei denen Punkte
in unendliche Entfernung gerückt waren.
Dritte Sitzung am 16. Juni 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Rohn.
— Anwesend 10 .Mitglieder.
Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause spricht über Partialbrueh-
zerlegung hei transcendenten Functionen.
Gegenstand des Vortrags bildet ein Beweis des berühmten Mittag-Leffler'schen
Theorems über die Zerlegung der sogen, gebrochenen transcendenten Functionen. Zu
den elementaren Begriffiii der ganzen rationalen und der gebrochenen rationalen
Function hat die neuere Functiouciitheorie zwei nattirgemässe Gegenstücke geschaffen:
die Begriffe der ganzen transcendenten und der gebroehenen transcendenten Function.
Nachdem Weieräfrass gezeigt hatte, dass jede ganze franscendente Function mit
einer endlichen oder unendlichen .\nzahl von Nullstcllen in ähnlicher Weise wie eine
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ganze rationale Fnnction als ein Product von Ausdrücken darstellbar ist, deren jeder
nvir an einer Stelle verschwindet, lag die Vermuthung nahe, dass jede gebrochene trana-
eendente Function sich ähnlich wie eine gehroehene rationale Function als eine Summe
von Ausdrücken darstellen lassen werde, die im Endlichen nur je eine ausserwesentliche
singuläre Stelle besitzen. Diese Vermuthtmg wurde durch das genannte Theorem be-
stätigt — Vortragender zeigt nun, im Anschluss an Betrachtungen, welche H. Burk-
hardt in seinem jüngst erscliienenen „Lehrbuch der Functiouentheorie“ angestellt hat,
dass der schwierige und umständliche Beweis, den Mittag-Leffler ursprünglich für
sein Theorem gegeben hat, durch einen kürzeren und wesentlich einfacheren ersetzt
werden kann.
An der kurzen Besprechung, die sich an den Vortrag knüpft, be-
theiligen sich Prof. Dr. K. Rohn und Dr. A. VVitting.
Vn. Hauptversammlungen.
Erste Sitzung am 27. Januar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 54 Mitglieder und Gäste.
Oberlehrer Dr. H. Lohmann spricht über Eishöhlen und Höhleneis.
Vortragender erläutert an einer gros.sen Zahl von Zeichnungen, Photographien,
Gips- und Paraffinahgüssen den Charakter der Eishöhlen und die Stmetur und Art der
Entstehung de.s in denselben abgelagerten Eises. Eine eingehende Bearbeitung dieses
Gegenstandes durch den Vortragenden wird voraussichtlich in der Zeitschrift des deutsch-
österreichischen Alpenvercins veröffentlicht werden.
Dr. med. J. Grosse spricht über Ctirl Gustav Carus in seiner
Bedeutung für die Naturwissenschaften.
Zum Schluss giebt der Vorsitzende eine kurze Uebersicht über die bis-
her erzielten Erfolge der Eingaben, in welchen die Isis und der K. Sachs.
Alterthumsverein hei den K. Ministerien um Schutz der vorgeschichtlichen
Alterthümer des Landes nachgesucht haben.
Zweite Sitzung am 24. Februar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 44 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende des Verwaltungsraths, Prof. H. Engelhardt, legt
den Rechenschaftsbericht für 1897 (s. S. 15) und den Voranschlag für 1898
vor. Letzterer wird einstimmig genehmigt. Als Rechnungsrevisoren werden
Bankier A. Kuntze und Architect R. Günther gewählt.
Geh. Hofrath Prof. L. Lewicki spricht über das maschinen-
technische Laboratorium der K. Technischen Hochschule.
Hieran schliesst 'sich unter der Führung des Vortragenden eine Be-
sichtigung dieses Laboratoriums und seiner Einrichtungen.
Dritte Sitzung am 31. März 1898. Vorsitzender: Prof Dr. G. Helm.
— Anwesend 24 Mitglieder und Gäste.
Nachdem der Rechenschaftsbericht für 1897 von den Rechnungs-
revisoren geprüft und richtig befunden worden ist, wird dem Kassirer
Decharge ertheilt.
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Oberlehrer Dr. P. Wagner spricht über die physikalischen und
geologischen Untersuchungen der Höhmerwaldseen und erläutert
seinen Vortrag durch zahlreiche Photographien und Zeichnungen.
Vergl. hierzu; Wissenschaft!. Veröffentlich, d. Vereins für Erdkunde zn Leipzig,
1898, Bd. IV.
Vierte Sit2nng am 28. April 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. ü.
Helm. — Anwesend 31 Mitglieder und Gäste.
Das K. Sächs. Ministerium des Innern wünscht die Einreichung eines
Entwurfs einer kurzen Belehrung und Anweisung über die den urgeschicht-
lichen Alterthümern zu widmende Beachtung und Fürsorge. Mit der
Bearbeitung eines solchen Entwurfs wird Dr. J. Deichmüller beauftragt.
Ingenieur E. Lewicki hält unter Vorführung von Experimenten einen
Vortrag über Centrifugalguss.
Vergl. hierzu; Zeitsclirift des Vereins deutscher Ingenieure, Bd, XLII.
An den Vortrag schliesst sich eine kurze Discussiuu.
Fünfte Sitzung und Excursiou am 19. Mai 1898. 14 Mitglieder
der Dresdner Isis vereinigten sich in Demitz bei Bischofswerda mit
fünf Mitgliedern der Bautzner Schwestergesellschaft zu einem gemein-
schaftlichen Ausflug in das Granitgebict der dortigen Gegend.
Nach Besichtigung der dicht an der Haltestelle Demitz aufgedeckten
Gletscherschliffe und Rundhöcker auf dem Granit wanderten die Theil-
nehmer unter Führung des Herrn E. Rodig, Geschäftsführers der Firma
C. G. Kunath, nach dem Klosterbcrg, um hier die Lagerungsverhältnisse
und die Gewinnung des Granits in den ausgedehnten Steinbrüchen kennen
zu lernen.
Hieran schloss sich unter Vorsitz von Prof. H. Engelhardt eine
kui-ze Hauptversammlung im Bahnhofsrestaurant Demitz, in welcher
verschiedene geschäftliche Angelegenheiten erledigt wurden.
Eine Fusswanderung nach Bischofswerda schloss den vom Wetter
begünstigten Ausflug ab.
Sechste Sitzung am 26. Mai 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm.
— Anwesend 43 .Mitglieder und Gäste.
Dr. med. A. Schlossmann spricht über eine neue Art der Wohnungs-
Desinfection durch Zerstäuben von Formaldehyd und führt den
hici'zu beuutzteti Apparat in Thätigkeit vor.
Privatdocent Dr. W. Bergt hält einen Vortrag über die Geologie
von Schantung (Iviautschou).
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Siebente Sitzung am 30. Juni 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. ~ .\nwesend 48 Mitglieder und Gäste.
Prof. II. Engelhardt legt vor und bespricht die „Jubiläumsschrift
zur Feier des 25jährigen Bestehens der Gelsenkirchener ßergwerksactien-
gesellschaft zu Rheinelbe bei Gelsenkirchen“, Düsseldorf 1898, 4®, mit
zahlreichen Tafeln.
Prof. II. Fischer hält einen Demonstrationsvortrag über die
Westinghouse-Bremse, an welchen sich eine kurze Debatte anschliesst.
Yeränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder;
Am 7. Februar 1898 starb in Leipzig Geh. Rath Dr. Rudolf
Leuckart, Professor der Zoologie und Zootomie an der dortigen Uni-
versität, einer der hervorragendsten und verdiente.sten Zoologen der
Gegenwart. Unserer Gesellschaft gehörte der Verewigte seit 1869 als
Ehrenmitglied an.
Am 12. April 1898 starb in München Geh. Rath Dr. Fridolin von
Sandberger, bis vor kurzer Zeit Professor der Mineralogie und Geo-
logie an der Universität Würzburg, correspondirendes Mitglied der Isis
seit 1862.
Am 17. April 1898 verschied in Cambridge, Mass,, im Alter von
74 Jahren Jules Marcou, früher Professor der paläontologischen Geo-
logie am Polytechnikum in Zürich, später Staatsgeolog der Vereinigten
Staaten von Nordamerika, bekannt durch seine Forschungen im Gebiete
der „Dyas“, Ehrenmitglied unserer Gesellschaft seit 1866.
Am 22. April 1898 starb in Celle im 83. Lebensjahr Überappellations-
rath a. D. Dr. Karl Nöldeke, bekannt als Florist wie als Bearbeiter
der hannoverschen Landesgeschichte, Ehrenmitglied der Isis seit 1888.
Am 18. Juni 1898 starb in München Dr. Karl Wilhelm von Gümbel,
K. Bayerischer Oberbergdirector und Professor an der dortigen Universität,
ein um die geologische Erforschung Bayerns hochverdienter Gelehrter,
seit 1860 Ehrenmitglied unserer Gesellschaft.
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Biedermann, Paul, Dr. phil., Realgymnasial-Oberlehrer in Dresden, am
27. Januar 1898;
Heinrich, Karl, Buclidruckereibesitzer in Dresden, am 24. Februar 1898;
Henke, Rieh., Prof. Dr., Conrector am .\nnenrealgymnasium in Dresden,
am 27. Januar J898;
Jorre, Friedr., Dr. phil., Chemiker in Dresden, am 30. Juni 1898;
von Laffert, Rieh., Major in Dresden, am 27. Januar 1898;
Lewicki, Ernst, Ingenieur und Adjunct am Maschinenbau-Laboratorium
der K. Techn. Hochschule in Dresden, am 19. Mai 1898;
Lottermoser, Alfr., Dr. phil., Assistent am anorg.-cheni. Labonatoriuni
der K. Techn. Hochschule in Dresden, am 30. Juni 1898;
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Mühlfriedel, Rieb., Bezirksschullehrer in Dresden, am 27. Januar 1898;
Müller, Erich, Ür. phil., Chemiker in Dresden, am 30. Juni 1898;
Paulack, Theodor, Apotheker in Dresden, am 24. Februar 1898;
Prinzhorn, Job. Ludw., Realschuldirector in Dresden, am 27. Januar 1898;
Röhner, Willi., Bezirksschullehrer in Dresden, am 31. März 1898;
Scheidhauer, Rieh., Civilingenieur in Dresden, am 19. Mai 1898;
Struve, Alex., Dr. phil., Fabrikbesitzer in Dresden, ) ... ,
Viehmeyer, Herrn., Bezirksschullehrer in Dresden, | 1898
Wähmann, Friedr., Bezirksschullehrer in Dresden, J
Aus den correspondirenden in die wirklichen Mitglieder sind
übergetreten;
Menzel, Paul, Dr. med., in Dresden;
Thallwitz, Joh., Dr. phil., Realschul-Oberlehrer in Dresden.
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Kassenabschluss der ISIS vom Jahre 1897.
Position. Einnahmen. Position. Ausgaben.
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I. Section für Zoologie.
Tiert« Sitzung am 6. October 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. H.
Nit sehe. — Anwesend 40 Mitglieder.
Prof. Dr. 0. Schneider überreicht durch Vermittelung des Vorsitzen-
den für die Bibliothek der Gesellschaft ein Exemplar seiner neuesten
Arbeit: Die Thierwelt der Nordsee-Insel Borkum unter Berück-
sichtigung der von den übrigen ostfriesischen Inseln bekannten Arten.
(Sonder-Abdruck aus den Abhandl., herausgeg. vom naturwissenschaftl.
Verein zu Bremen, Bd. XVI, Heft 1.)
Lehrer A. Jenke zeigt verschiedene von ihm im Zimmer gezüchtete
Entwickelungsstufen der Blutlaus, Schizonenra lanigera, vor.
Dr. P. Wagner legt einige sogenannte llillensteine aus dem Starn-
berger See vor und bespricht die augenblicklichen, noch nicht ganz ge-
klärten Anschauungen über deren Entstehung, welche meist der Thätig-
keit von Insectenlarven zugeschrieben wird.
Prof. Dr. H. Nitsche berichtet über seine zoologischen Reise-
eindrücke aus England.
Der Vortragende hat an dem vierten internationalen Zoologencongresse, der Ende
Angnst in Cainliridge tagte, theilgenommen, dai< Rothschildmuseum zu Tniig, den Hirsch-
park des Herzogs von Bedfurd, den zoologischen Garten und die grossen Sammlungen
zu London, sowie das Aquarium in Brighton besucht und schildert in zwangloser
Plauderei die so gewonnenen reichen Eindrücke.
Dr. J. Thallwitz berichtet über das Vorkommen des Ziesels,
Spermophilus citillus, im sächsischen Erzgebirge. (Vergl. Abhand-
lung VI.)
Prof. Dr. H. Nitsche tbeilt mit, dass er kürzlich das Vorkommen
d es Moderlieschens, Leiicaspius delineatus, und des Bitterlings,
Rhodeus amarus, in einigen der Moritzhurger Teiche, im Jäger-
teiche und oberen Altenteiche feststellen konnte.
Herr K. Schiller legt mikroskopische Präparate kleiner Crustaceen
aus der Elbe vor, besonders aus den Gattungen Cyclops und Daphnia.
Fünft« Sitzung am 1. December 1898 (in Gemeinschaft mit der
Section für Botanik). Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend
32 Mitglieder.
Dr. J. Grosse überreicht durch den Vorsitzenden für die Bibliothek
der Gesellschaft einen Abdruck seines in der Gesellschaft für Natur- und
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Heilkunde in Dresden gehaltenen und in deren Jahresberichte 1897 — 98
veröffentlichten Vortrags: Leuckart in seiner Bedeutung für die
Natur- und Heilkunde.
Dr. J. Thallwitz spricht über Hydroidpolypen und Medusen des
Mittelraeeres und erläutert seinen Vortrag durch zahlreiche mikrosko-
pische Präparate und Wandtafeln. Er giebt ferner auf Anregung von
Prof. Dr. ü. Drude Auskunft über die bei der Herstellung der Präparate
angewandten Methoden.
Anschliessende Bemerkungen machen Prof. Dr. R. Ebert und Prof. Dr.
11. Kitsche, welch’ Letzterer berichtet, dass es neuerdings Hickson ge-
lungen ist, auch bei Hydroidpolypen mit Kalkskelett, bei der so variabeln
Gattung Millepora, medusoide und zwar männliche Geschlechtsindividuen
nachzuweisen.
Dr. B. Schorler spricht im Anschluss an R. Chodat: fitudes de biologie
lacustre (Genf 1898) über Kalkalgen des Süsswassers und ihre Be-
ziehungen zu den sogenannten „Furchensteinen“.
Zu der noch nicht endgiltig gelösten Frage über die Entstehung der
letzteren sprechen Dr. P. Wagner, Prof. Dr. H. Kitsche und Prof. Dr.
0. Drude.
II. Section für Botanik.
Vierte Sitzung am 20. October 1898 (in Gemeinschaft mit der
Section für Zoologie). Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend
39 Mitglieder und 2 Gäste.
Prof. Dr. 0. Drude hält einen Vortrag über die Resultate bota-
nischer Reisen in Sachsen und Thüringen. (Vergl. Abhandlung V.)
Die Reisen bezweckten das .Studium des pflanzengeographischen Charakters des
herc.vui8cheu Lftndergehietes für das vom Vortragenden in Angriff' genommene Buch;
GrumlzUge der Pflanzenverbreitnng im hereyuischen Berg- und UUgellande, welches einen
Theil der in der „Vegetation der Erde“ von Englcr-Drade erscheinenden (etwa 12)
pflanzengeo^phischen Monographien des deutschen Ländergehietes bilden wirf.
Der V'ortragende betont schliesslich das Bedttrfiiiss, zur Erhöhung des Verständ-
nisses für da.« organische Leben in den uns zunächst umgehenden Ländern auch die
Verbreituugsverhältnisse der Thiere mit den getroffenen pflanzengeographischen Ein-
theilungen in Vergleich zu bringen und zu erproben, in wie weit deren Lebensbedin-
gungen an die Existenz bestimmter Formationen geknüpft sind, welche nur einzelnen
Landschaften angehiiren (z. B. steppenartig bekleidete Ueröllhänge, Hochmoore, Gebirgs-
wald u. s. w.).
Dr. B. Schorler berichtet über steinzerstörende Algen, deren
Wirkung Vielen bis dabin als Spuren von thierischer Thätigkeit er-
schienen war.
Vergl. auch die zoologisch - botanische Section vom 1, December d. J.
Fünfte Sitzung am 8. December 1898 (Floristenabend). Vorsitzender:
Oberlehrer K. Wobst — Anwesend 28 Mitglieder.
Prof. Dr. O. Drude legt vor und bespricht eingehend die Schrift von
W. Meigen: Die deutschen Pflanzennamen, Berlin 1898, und macht ferner
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eine kurze Mittheilung über eine vortreffliche süddeutsche LocalHora von
Dr. R. Gradmann: Pflanzenleben der Schwäbischen Alb, 2 Rande,
Tübingen 1898; über dieselbe soll später ausführlicher berichtet werden.
Hierauf hält Lehrer H. Stiefelhagen seinen angeküudigten Vortrag:
Neue Caresr-Formen und -Hybriden und erläutert denselben durch
viele von ihm selbst gesammelte charakteristische Belegexemplare.
Zum Schlüsse berichtet Dr. B. Schorler über Bereicherungen der
Flora Saxonica und bringt die im K. Herbarium eingegangenen zahl-
reichen Pflanzen zur Vorlage. (Vergl. Abhandlung VH.)
lU. Section für Mineralogie und Geologie.
Viert« Sitzung am 3. November 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 42 Mitglieder und Gäste.
Dr. W. Bergt bespricht die Abhandlung von H. Credner; Die säch-
sischen Erdbeben während der Jahre 1889 — 97 (K. S. Ges. d. Wissensch.
math.-phys. CI. Bd. 24).
Prof. Dr. E. Kalkowsky macht auf einen neuen Aufschluss im
Diluvium beim Schnittpunkte der Reichenbach- und FrankUnstrasse in
Dresden aufmerksam; derselbe legt einige für das K. Mineralogische
Museum neu erworbene Mineralien vor und berichtet über einige Verände-
rungen im K. Mineralogisch -geologischen Museum.
FQnft« Sitzung am 15. December 1898. Vorsitzender: Privatdocent
Dr. W. Bergt. — Anwesend 32 Mitglieder.
Oberlehrer Dr. R. Nessig hält seinen angekündigten Vortrag über
Graphit-Vorkommnisse im Lausitzer Granit südlich von Dresden.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Zweit« Sitzung am 17. November 1898. Voi-sitzender: Dr. J. Deich-
müller. — Anwesend 28 Mitglieder und Gäste.
Dr. J. Deichmüller hält einen Vortrag über die Vorgeschichte
Sachsens.
Zar Vorlage kommen hierbei merovingische Funde aus Skelettgräbem nud die Ab-
bUdang eines Hacksilberfundes aus Sachsen.
Lehrer H. Döring spricht über Prähistoriscbes aus dem Mulden-
thal zwischen Nossen und Rosswein.
Der Vortragende berichtet Uber die von ihm auf einer prfthistorischen Excursion
gewonnenen Beobachtungen, welche sich auf die bereits von Premsker (Blicke in die
vaterländische Vorzeit III, 8. 230) erwähnten Burgwälle auf dem Uodig bei Nossen,
auf dem Burgberg bei Uleisberg und der Wunderburg beiHosswein erstrecken.
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Bei wio<lerholten Besnelien der genannten Oertlichkeiten stellte sich der Vortragende
die Aufgabe, auch andere liervortretcndc Höhen der Thalgeb&nge zu besii-htigen und
auf das Vorhamiensein von Burgwällen hin zu prüfen. Es gelang ihm hierbei, ganz
nahe bei Nossen einen in der Idtteratur der Alterthumswissensehaft noch unbekannten
Wall, der .selb.st von den nächsten Anwohnern nicht gekannt war, anfznfinden. Die
Höhe wird in der Liegend als Texeisberg, Dechantsberg oder Diegensberg
bezeichnet und liegt den Rnincn des Klosters Altzella direct gegenüber.
Der Burgwall liert auf steiler Felshöhe an der Mulde ca. 50 m über dem Wasser-
spiegel des Flösse.«. Die Felswände des Muldenthaies werden hier von Diabastnffen
oder Schal.steinen gebildet und gehören den cambrischen Grüusteinen an. Auf der direct
über einem Steinbriieh liegenden Höbe wurde ein l'JO Schritt langer, nuregelraässig
geformter Wall vorgefunden, der den Innenranm nach VV, N und O schützt, während
nach S hin der Steilabsturz natürlichen Schutz bietet. Der Wall hat eitle Höhe von
1,5 m und wird au zwei Seiten durch verschlacktes Gestein gebildet, an der Nord-
seitc dagegen ist ein Erdwall zn erkennen. Es konnte leider wegen des dichten Wald-
bestande« nicht festgestellt werden, ob unter demselben der Sclilackenwall verborgen
liegt. Da.« .\nfireten der vcr.schlackten Masse beschränkte sich nicht blos auf einzelne,
aus verschiedenen Stücken znsammengeschraolzene Klumpen, wie mau sie auf Burg-
wällen fast überall findet und als „Burgwallschlacke“ bezeichnet, sondern es ragen hier
gemäuerartigo Schlackenma.ssen ans dem Waldbodeu hervor, sodass man wohl die Anlage
einen Schlaekenwall nennen darf. Bisher sind innerhalb des Königreichs Sachsen drei
derartige Wälle aufgefunden worden und zwar auf dem Stromberge bei Weissenberg,
auf dem Rothstein und auf dem Löbauer Berge. Die Annahme, dass verschlackte Wälle
innerhalb Sachsen« nur in der Lausitz auftreten, ist nach Auffindung des Schlacken-
widU auf dem Texelsherge bei Nossen als eine irrige zu bezeichnen. Auf dem Walle
wurden keinerlei Artefacte gefunden.
ln einer Entfernung von 70 Schritt nach N zeigten sich zwei parallele Wallgräben,
welche in der Richtung von N t) nach S W sich zur Muldenaue hiuabsenken. Die Ge-
sauimtlänge der Gräben beträgt 35fi Sc hritt. Die .\nlage wird von der Nossen - Lom-
matzscher ßivhidinie so geschnitten, ilass auf den nordöstlichen Theil 220 Schritt und
auf ilen südwestlichen Btö Schritt kommen Die Tiefe des äusseren Grabens beträgt
ca. 2'/., m, die des inneren dagegen 1 m, Der zwischen beiden Gräben gelegene Wall
ragt nicht üImt das Niveau de.s Wahlbodens hervor.
Da die hier beobachtete Erscheinung von den auf Bnrgwällen sonst vorhandenen
Wallatilageu wesentlich abweicht, so ist eine sichere Deutung zur Zeit nicht möglich.
Wahrscheinlich stammt die Anlage nicht aus der nrgeschichtlichen, sondern ans früh-
geschichtlicher Zeit und wurde nicht zum Zwecke der Abwehr von Feinden, sondern
zur Abgrenzung idnes grösseren Besitzgebietes angelegt. Es könnten die parallel ver-
laufenden Gräben demnach als eine Art Limes oder Grenzgräben betrachtet werden.
Derartige l’arallelgräben sind in der Gegend noch häufig anzntreffen , z. B. zwischen
Kainmergut .Altzella und der Chaussee, an iler „.Alten Zelle“ im Zellwald (Semmelflflgeli,
am neuen AVege nach Siebenlehn und an der Grabe „Ltesegnete Bergmanns Hoffnung“
in Obergruna
Der Zellwald bietet noch manche räthselhafte Erscheinung und stellt sowohl dem
Historiker als auch dem Urge.schichtsforscher manche Aufgabe, deren Lösung der Zu-
kunft Vorbehalten bleiben wird. Das reiche rrkuudenmaterial ans dem Cistercienser-
kloster .Altzella vermag vielleicht noch Uber die frUhgeschichtliche Zeit jener Gegend
einiges Licht zu verbreiten, soda.ss ein Schein desselben auch dem Brähistoriker zugute
kommt. In der Nähe der ..Allen Zelle“ im Zellwald fand der Vortragende noch
8( herben von «iiät.slnvi8chem Typus.
Hier mögen um Ufer des l’ictschbaches die slavischen Bewohner bis ins zwölfte
■lahrhundert gewohnt haben. Darauf deutet die älteste Klosteranlage hin, welche zwischen
IUI und lUö sich hier befand. Diesen ersten Versuch, den Wald zu lichten und das
Land anzubauen und vor Allem die heidnischen Bewohner zu bekehren, machten die
schwarzen .Mönche (also Brüder vom Benedictinerorden). Tammo von Strehla, der das
Stück Wald vom Bisthum Meissen zu Lehen hatte, gab es unter Einwilligung des
Bischofs Meginward an die schwarzen Mönche ab. Das hier erbaute Kloster war der
heiligen Walpurgis gewidmet, wurde aber wegen der Rauhigkeit der Gegend von den
Mönchen bahl wieder verlassen.
Da« 11Ö2 gegründete Cistercienserkloster .Vltzella wurde an anderer Stelle, näm-
lich an der Mündung des Piet.se bbacdies in die Mulde errichtet, also da, wo wir heute
die Klosterrnineu bemerken. Die schwarzen .Mönche, also jene ersten .Ansiedler
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hatten sich die Bekehrung der Wenden zur besonderen Aufgabe gemacht.
Sie mögen also wohl durch die Anwesenheit der Slaven am Pietschbache zu jener
Niederlassung im Zellwald veranlasst worden sein. — Möpe es der vergleichenden For-
schung gelingen, das Dunkel, welches über der Urgescbicbte dieser tiegend liegt, zu
durchdringen.
Zum Schluss wird ein schönes Räuchergefäss aus dem Urncnfeld
von Stetzsch aus der Sammlung des Lehrers 0. Ebcrt vorgelegt.
V. Section für Physik und Chemie.
TIerte Sit^nng am 10. November 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. F.
Fo erster. — Anwesend 50 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. R. Möhlau hält einen Vortrag über neue .Auwendungs-
formen der Cellulose und erläutert seine Ausfuhningen durch Versuche
und zahlreiche Vorlagen.
Die neuere Richtung der Textilindustrie erhalt ihr Oeprüge wesentlich dadurch,
dass sie die Cellulosefaser chemisch umzuwandeln sucht Sie fiisst damit in erster Linie
auf der Entdeckung .lohn Mercer's, welcher zeigte, da.ss die Cellulosefaser durch Be-
handeln mit Natronlauge tiefgreifende Veränderungen erfährt. Die Faser wird stärker
und kürzer, ihre Wand verdickt sich, während das Lumen auf ein feines Capillarrohr
zusammensehrumpft ; zugleich ist aber auch ihre Affinität gegenüber Farbstoffen grösser
geworden.
Praktische Bedeutung erhielten die Mercer'schen Versuche zunächst durch Deponilly,
welcher die Schrumpfung der Baumwollenfaser bei Einwirkung von Natronlauge benutzte,
um einen Kreppeflect der Gewebe zu erreichen. Es gelang ihm. diesen Efl'ect auch auf
reinem Baumwollengewebe durch streifenweises Bedrucken mit Natronlauge zu erzielen
unter Anwendung einer entsprechend anfgetragenen Reserve aus Leinöl und Gummi
arabicum.
Thomas und Prevost ferner vermochten der Baumwolle einen seidenartigen
Glanz zu ertheilcn, indem sie durch Au.srecken während des Merceri.sireii.s die Schrnmpf-
nng der Faser verhinderten und darauf in ansgerecktem Zustande auswuschen. Nur
gewisse Baumwollsorten erwiesen sich für diesen Zweck geeignet, namentlich die ägyp-
tische Banmwolle. Die nähere Untersncimng zeigt, dass die betreffenden Sorten eine
leicht veränderliche Cuticula he.sitzen, welche bei dem Spannungsprocess jedenfalls sich
mechanisch loslöst.
Als ein weiteres Product der chemischen Umwandlung von Cellulose tritt sodann
die Viscose auf, ein lösliches Cellulosexanthogenat, welches sich heim Behandeln der
Faser mit Natronlauge und Schwefelkohlenstoff ergieht. Dieses Präparat lässt sich
leicht beliebig formen und ermöglicht auch die einfache Herstellung sogenannter Opalin-
artikel, da sich auf Geweben, welche mit Viscose hedrnekt wurden, schon dnrcli die
Trockenwärme regenerirte Cellulose unabwas<-hbar aus.scheidet.
Die von de Chardonnet aus Collodium erhaltene sogeuauute künstliche Seide besitzt
leider wenig Zugfestigkeit, besonders im feuchten Zustande.
Als neuestes Cellulosepräparat erscheint das Pegamoid, ein aus Nitrocellnlose
gewonnener Lederersatz, sehr widerstandsfähig gegen Wasser und Seifen, infolge seiner
glatten Oberfläche nicht schmntzend. Durch dünnes Aufträgen des Pegamoids auf Ge-
webe erhält man Stoffe mit seidenartigem Glanz, durch Aufträgen einer dickeren Schicht
wachstuchartige Stoffe.
Prof. Dr. R. Heger macht Mittheilungen über zwei optische Re-
obachtungen in den Alpen.
An dem durch besonders klares Wasser ausgezeichneten Karersee erschien — von
einem Boote ans gesehen — iu sehr auffälliger Weise das Brechnngsbild wagerechter
Stellen des Bodens in Gestalt einer unter dem Boote vertieften Schüssel mit breitem,
flachem, dem Spiegel rasch sich näherndem Rande. Die heim Durchgang durch eine
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ebene Grenzfläche zweier Mittel gebrochenen Strahlen eines Punktes A sind bekanntlich
nach der Brechung nicht mehr Strahlen eines Punktes, selbst niebt, wenn man sieh auf
Betrachtung eines sehr dünnen Kegels beschränkt (des in die Pupille gelangenden Lichtes);
das dünne StrablenbUschel, das in einer Ebene enthalten ist, die zur brechenden Ebene
senkreiht steht, ergiebt einen wesentlich anderen Bildpunkt, als die Mantellinien des
Umdrehungskegels, der den mittleren dieser -Strahlen als Mantellinie, A zur Spitze und
auf der brechenden hibene einen Parallelkreis hat. Nach den Beobachtungen scheint das
Auge den erstgenannten Bildpunkt zu bevorzugen.
Die andere Beobachtung betrifft das Auftreten schöner Beugungserscheinungen
beim Durchgänge des Sonnenlichtes durch Nadelbäuine, besonders beim Anf- und Unter-
gang der Sonne. Erheblich über der Geraden Sonne-Beobachter stehende Bäume erscheinen
in glänzender (iluth, anfangs orangegelb, mit bräunlicher Tönung der dichteren Theile,
näher der Sonne weissglühend.
Prof. Dr. F. Pockels macht auf iihiiliclie, aus der Litteratur bekannte
Beobachtungen aufmerksam; auch in unseren Gegenden ist Gelegenheit,
diese auffällig schöne Erscheinung wahrzunehmen, nur tritt sie infolge
der geringeren Reinheit und Klarheit der Luft viel seltener und wohl
kaum je so schön auf wie im Hochgebirge.
Pro/. Ür. F. Foerster berichtet über die Fiinwirkung von Chlor
auf Alkalien, insbesondere über den Process der Chloratbildung und
über die Deutung der Vorgänge bei der elektrolytischen Gewinnung von
Kaliumchlorat.
VI. Section für Mathematik.
Tiei’te Sitzung am 13. October 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K.
Rohn. — Anwesend 13 Mitglieder.
Prof. Dr. K. Rohn spricht über einige Eigenschaften der Curven
dritter und vierter Ordnung, abgeleitet aus den Schnittpunkt-
systemsätzen.
In dem Vorfrage werden zunächst in bekannter Weise die Sebnittpunktesystem-
sätze für ebene Cnrven abgeleitet, um dann an einzelnen Beispielen zu zeigen, wie
iiiaunigfach die Anwendung derselben sich gestalten kann. 8o folgt der Pa.scal’sche
Satz filr einen Kegelschnitt oder ein Geradenpaar daraus. Ebenso ergiebt sich der
Satz: Schreibt mau einem Kegelschnitt ein Achteck ein, so schneiden die ungeraden
Seiten die geraden in acht Punkten eines neuen Kegelschnitts; beide .tchtecke besitzen
also die nämlichen ungeraden und die nämlichen geraden Seiten. Noch verschiedene
andere Sätze über Kegelschnitte können au.s jenen Sätzen abgeleitet werden.
Für die Curven dritter Ordnung ergehen sich mit ihrer Hilfe folgende Jtesultate.
Alle Kegelschnitte durch vier feste Punkte einer Curve dritter Ordnung schneiden diese
in Punktepaaren, deren Ve.rbindung.«linien durch den nämlichen Punkt auf ihr, den Rest-
punkt, gehen. Die drei reellen Wendepunkte einer solchen Cnrve liegen auf einer Ge-
mden. Aus jedem Punkt der Curve kann man vier Tangenten an dieselbe legen; ihre
Berühning.spunkte liegen auf einem Kegelschnitt, der die t'nrve in jenem Punkt berührt-
Die Verbinunngslinien dieser vier Berühruiig.spnnkte schneiden sich paarweise auf der
Curve dritter Grdming. Im S^ecicllen liegen die BerOhruugspunkte der drei Tangenten
ans einem Wendepunkte auf einer Geraden.
Für die Curven vierter Ordnung führen die Si hnittpnnktssysterasätzc zu den
Systemen von viermal berührenden Kegelschnitten und den Do|ipeltangenten. Jedem
System gehören sechs Doppeltangeutenpaare an, die BerUlmmg.spunkte je zweier Paare
liegen anf einem Kegelschnitt u, s. w.
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Fünfte Sitzung am 8. December 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K.
Rolui. — Anwesend 11 Mitglieder.
Dr. H. Gravelius spricht über einen Grundgedanken der Gyldeu-
schen Störu ngstheorie.
In einer kurzen historischen Einleitung werden die älteren Methoden ziu Ermitte-
lung der ab.soluten Störungen der Planeten nach ihren gnindlegenden Principien skizzirt.
Es wird gezeigt, dals — ganz abgesehen von der keineswegs immer hinreichend ver-
sicherten Convergeuz dieser Methoden — der Urund dafür, dass diese Methoden für
eine Darstellung der Störungen auf 50 bis 100 .lahre hinaus nicht ausreichen, in dem
Festhalten der Kepler'schen Bahn auch für die gestörte Bewegung zu .suchen ist. In-
dem der Vortragende eine Darlegung der tiyldön'schen Integrationamethoden und Con-
vergenzbeweise für später sich vorbehält, entwickelt er, vom Begriff der periplegmati-
scheu Curve ausgehend, die üleichnng der absoluten Bahn Gylden'a.
Prof. Dr. K. Ilohu zeigt mit Hilfe eines Satzes von den perspectiven
Figuren eine einfache Methode, den Krüniniungskreis an einem
der fünf gegebenen Punkte eines Kegelschnitts zu con-
struiren. Die Coiistructiou erfordert nur das Zeichnen von Parallelen
und Normalen.
VII. Hauptversammlungen.
Achte Sitzung und Exenrsion am 29. September 1898.
Am Nachmittag dieses Tages besichtigten 20 Mitglieder die Hof-
kunstmUhle und Oelfabrik von T. Dienert in Plauen b. Dr., deren
Einrichtungen ihnen in der zuvorkommendsten Weise durch Ingenieur
F. Pleissnor erläutert wurden.
Hieran schloss sich eine Hauptversammlung im Dathskeller-
llestiiurant zu Plauen, in welcher unter Vorsitz von Prof. H. Engel-
hardt geschäftliche Angelegenheiten erledigt werden und
Dr. J. Deichmüllcr die von ihm auf Veranlassung des K. Ministeriums
des Innern entworfene „Belehrung und Anweisung über die den urgeschicht-
lichen Alterthümern zu widmende Beachtung und Fürsorge“, Dresden 1898,
vorlegt.
Neunte Sitzung am 27. October 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 64 Mitglieder und Gäste.
Dr. med. A. Schlossmann hält einen Vortrag über seine Reise nach
Spanien und erläutert denselben durch eine grosse Anzahl von Photo-
graphien und Projectionsbildeni.
Zehnte Sitzung am 24. November 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 61 Mitglieder und Gäste.
Zunächst werden die Beamten der Gesell.schaft für das .lahr 1899
gewählt. (Vergl. die Uebersicht auf Seite 28.)
Hierauf wird beschlossen. Geh. Hofrath Prof. Dr. G. Zeuner zu seinem
70. Geburtstage die Glückwünsche der Gesellschaft durch den Vorstand iti
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Gemeinschaft mit dem ersten Secretär und dem Bibliothekar überbringen
zu lassen.
Geh. Ilofrath Prof. Dr. M. Krause spricht nun über Universität und
Technische Hochschule.
An den Vortrag schliesst sich eine lebhafte Debatte.
Elfte Sitzung am 22. Deeember 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 54 Mitglieder und G.äste.
Der Vorsitzende giebt eine Uebcrsicht über den gegenwärtigen Mit-
gliederbestand der (iesellschaft, nach welcher die Zahl der wirklichen
.Slitglieder gegen das Vorjahr um 19 gewachsen (z. Z. 230), die der Ehren-
mitglieder um 0 (28) und die der correspondireuden Mitglieder um 3 (132)
zurückgegangen ist.
Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Fr. Renk hält einen Vortrag über das
hygienische Institut der K. Technischen Hochschule und die K.
Centralstelle für öffentliche Gesundheitspflege.
Per Vortragende giebt einen kurzen Ueberblick über Geschichte, Entwickelung
und Zweck beider jetzt in einem Kaunie vereinten und unter einer Direetion stehenden
Institute und erlUutert au einem au.sgeatellten Plaue die Vertheilung der einzelnen Ab-
theilungen in den beiden Gescho3.sen des Hauses und deren Bestimmung. Ein unter
Führung des Vortragenden unternommener Kundgang durch die verschiedenen Raume
giebt den Anwesenden Gelegeuheit, Einblick in die Thätigkeit beider Institute zu nehmen.
Teränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 7. August 1898 starb James Hall, Professor und Director des
New-York State Museum in Albany, einer der bedeutendsten amerikani-
schen Paläontologen, Ehrenmitglied der Isis seit 1873.
.\m 25. September 1898 verstarb in St. Germain-en-Laye im Alter
von 77 Jahren Gabriel de Mortillct, Professor und Subdirector der
fäule d'anthropologie de Paris, correspondirendes Mitglied seit 1867.
Am 15. October 1898 verschied in Dresden Dr. Ewald AlbertGeissler,
Professor an der K. Thierärztlichen Hochschule und Apothekenrevisor, wirk-
liches Mitglied seit 1877.
Am 14. November 1898 starb in Charlottenburg Oberberghauptmann
und Ministerialdirector a. D. Dr. Albert Ludwig Serie, Ehrenmitglied
seit 1870.
Am 8. Deeember 1898 starb Maler Karl Friedrich Seidel in Wein-
böhla, wirkliches Mitglied seit 1860. Der Verewigte gehörte in den Jahren
1867 — 68, 1875 — 76 und 1878 — 81 dem Vorstande der Section für Botanik
als erster oder zweiter Vorsitzender an und hat verschiedene botanische
Beobachtungen in unseren Sitzungsberichten veröflentlicht, die letzte noch
im Jahre 1888 über Peucedatmm aeifopodioides.
Am 10. Deeember 1898 starb in Tharandt Alfred Bartel, Assistent
am chemischen Laboratoriuin der K. Forstakademie, wirkliches Mitglied
seit 1897.
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27
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Baensch, Wilh., Buchdruckerei und Vcrlagshandlung in Dresden, am
24. November 1898;
Berger, Karl, Dr. med. in Dresden, am 22. Decemher 1898;
Bidlingmaior, Friedr., Assistent am physikalischen Laboratorium der
K. Technischen Hochschule in Dresden, am 24. November 1898;
Dickhoff, Alphons, Privatus in Blasewitz, am 27. October 1898;
Lehmann, Georg, K. Hofbuchhändler in Dresden, am 29. September 1898;
Müller, Felix, Prof. Dr., in Oberloschwitz, am 24. November 1898;
Naumann, Ernst, Dr. phil., Assistent am mineral.-geologischen Institut der
K. Technischen flochschule in Dresden, am 29. September 1898;
Osborne, Wilh., Dr. phil., Chemiker in Radebeul, am 24. November 1898;
Range, Ernst Albert, K. Strassen- und Wasserbauinspector
in Dresden,
Richter, Wilh., Dr. med. in Dresden,
Schmidt, Hermann, Lehrer in Dresden, am 24. November 1898;
Sommer, Karl, Gymnasiallehrer, a. D. in Meissen, am 22. Deceraber 1898;
Thoss, Friedr. Aug., Seminaroberlchrer in Plauen bei Dr., am 29. Sep-
tember 1898.
In die correspondirenden Mitglieder ist übergetreten:
von Baensch, William, K. Hofverlagshuchhäudler, in Stralsund.
am 27. October
1898.
Freiwillige Beiträge zur GeseUschaftskasse
zahlten: Dr. Amthor, Hannover, 3 Mk.; Prof. Dr. Bachmann, Plauen
i. V., 3 Mk.; K. Bihliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. Modelleur
Blaschka, Hosterwitz, 3 Mk. 5 I’f.; Privatus Eisei, Gera, 3 Mk.; Berg-
meister Hartung, Lobenstein, 5 .Mk.; Prof. Dr. Hibsch, läebwerd, 3 Mk.
1 Pf.; Bürgerschullehrer Hofmann, Grossenhain, 3 Mk.; Apotheker Dr.
Imnge, Werningshausen, 6Mk. 10 Pf.; Oberlehrer Dr. Lohrmann, Anna-
berg, 3 Mk.; Stabsarzt Dr. Naumann, Gera, 3 Mk.; Oberlehrer Nau-
mann, Bautzen, 6 Mk.; Betriebsingenieur Prasse, Leipzig, 3 Mk.; Dr.
Reiche, Santiago, Chile, 3 Mk.; Director Dr. Reidemeister, Schöne-
beck, 3 Mk.; Prof. Dr. Schneider, Blasewitz, 10 Mk.; Oberlehrer Seidel I,
Zschopau, 3 Mk. 10 Pf.; Rittergutspachter Sieber, Grossgrabe, 3 Mk. 15 Pf.;
I'abrikbesitzer Siemens, Dresden, 100 Mk.; Chemiker Dr. Stauss, Ham-
burg, 3 Mk ; Oberlehrer Dr. Sterzei, Chemnitz, 3 Mk.; Privatdocent Dr.
Steuer, .Jena, 3 Mk.; Prof. Dr. Vater, Tharandt. 3 Mk. 5 Pf.; Baurath
Wiechel, Chemnitz, 3 Mk. 15 Pf.; Oberlehrer Wolff, Pirna, 3 Mk.; Prof.
Dr. Wünsche, Zwickau, 3 Mk. — ln Summa 190 Mk. 61 Pf.
H. Warn atz.
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28
Beamte der Isis im Jahre 1899.
Torstand.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. E, Kalkowsky.
Zweiter Vorsitzender: Prof. II. Engelhardt.
Kassirer: Hofhuchhändler G. Lehmann.
Directorium.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kalkowsky.
Zweiter Vorsitzender: Prof. II. Engelhardt.
Als Sectionsvorstände:
Privatdocent Dr. W. Hergt,
Dr. J. Deichinü Iler,
Prof. Dr. ü. Drude,
Prof. Dr. F. Förster,
Prof. Dr. H. Nitsche,
Prof. Dr. K. Rohn.
Erster Secretär: Dr. J. Deichraüller.
Zweiter Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
T erwaltungsrath.
Vorsitzender: Prof. II. Engelhardt.
Mitglieder: 1. Fabrikbesitzer L. Guthmann,
2. Privatus W. Putscher,
3. Fabrikant E. Kühnscherf,
4. Dr. Fr. Raspe,
B. Prof. H. Fischer,
6. Fabrikbesitzer Fr. Siemens.
Kassirer: Hofbuchhändler G. Lehmann.
Bibliothekar: Privatus K. Schiller.
Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
Meetionsbeamte.
I. Section für Zoologie.
Vorstand: Prof. Dr. H. Nitsche.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. J. Thallwitz.
Protokollant: Institutsdirector A. Thümer.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
n. Section für Botanik.
Vorstand: Prof. Dr. 0. Drude.
Stellvertreter: Oberlehrer K. Wobst.
Protokollant: Garteninspector F. Le dien.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
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29
TTT. Seotion für Uineralogie und Geologie.
Vorstand: Privatdocent Dr. W. Bergt
Stellvertreter: Oberlehrer Ür. R. Nessig.
Protokollant: Dr. H. Prancke.
Stellvertreter: Dr. E. Naumann.
IV. Seotion für Physik und Chemie.
Vorstand: Prof. Dr. F. Förster.
Stellvertreter: Prof. Dr. F. Pockels.
Protokollant: Oberlehrer Dr. G. Schulze.
Stellvertreter: Dr. R. Engelhardt.
V. Seotion für prähistorisohe Forsohungen.
Vorstand: Dr. J. Deichmüller.
Stellvertreter: Lehrer H. Döring.
Protokollant: Lehrer 0. Ebert.
Stellvertreter: Lehrer A. Jentsch.
VI. Seotion für Mathematik.
Vorstand: Prof. Dr. K. Rohn.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. A. Witting.
Protokollant: Oberlehrer Dr. J. von Vieth.
Stellvertreter: Privatdocent Dr. E. N ätsch.
Redactions - Comitd.
Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Secretärs.
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Bericht des Bibliothekars.
Im Jahre 1898 wurde die Bibliothek der „Isis“ durch folgende Zeit-
schriften und Bücher vermehrt:
A. Durch Tansch.
I. E !• o p a.
1. DentBohland.
Altenburg: Naturforschende Gesellschaft des üsterlandes.
Annaberg -Buchholz: Verein für Naturkunde.
Augsburg: Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg.
Bamberg: Naturforechende Gesellschaft.
Bautzen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Sitzungsber. und
Abhandl., 1896-97. [Aa 327.]
Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verhaudl., Jahrg.39.
[Ca 6.]
Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 49, Heft 3
und 4; Bd. 50, Heft 1 und 2. [Da 17.]
Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. —
Verhandl., October 1897 bis Mai 1898. [G 55.]
Bonn: Naturhistorischer Verein der preussiscnen Rneinlande, Westfalens
und des Reg.-Bez. Osnabrück. — Verhandl., 54. Jabrg., 2. Hälfte.
[Aa 93.]
Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Sitzungs-
ber., 1897, 2. Hälfte. [Aa 322.]
Braunschueig: Verein für Naturwissenschaft.
Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XIV, Heft 3;
Bd. XV, Heft 2. [Aa 2.]
Breslau: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 75. Jahresber.,
1897, mit Ergänzungsheft bibliograph. Inlialts. [Aa 46.]
Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft.
Chemnitz: K. Sächsisches meteorologisches Institut. — Ahhandl., Heft 3.
[Ec 57b.] — Klima des Königreichs Sachsen, Heft 5. [Ec 79.] —
Jahrbuch, Xlll. Jahrg., 3. Abth.; XIV. Jahrg., l.u. 2. Ahth. [Ec 57.)
Danzig: Naturforschende Gesellschaft.
Darmstadt: Verein für Erdkunde und mittelrheinischer geologischer
Verein. — Notizhh, 4. Folge, 18. Heft. [Fa 8.J
Donaueschingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und
der angrenzenden Landestheile.
Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber., 1897 — 98.
[Aa 47.]
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31
Dresden'. Gesellschaft für Botanik und Gartenbau „Flora“. — Sitzungsber.
und Abhandl., n. F., Jhrg. 1 — 2, mit Bücherverzeichniss. [Ca 26.]
Dresden: K. Mineralogisch -geologisches und praehistorisches Museum. —
Mittheil., Heft XIV. [Db 51.]
Dresden: K. Zoologisches und Anthrop.-ethnogr. Museum. — Catalog der
Handbibliothek. [Je 117.]
Dresden: K. Oeifentliche Bibliothek.
Dresden: Verein für Erdkunde. — Jahresberichte, Jahr. XXVI. [Fa 6.]
Dresden: K. Sächsischer Altertumsverein. — Neues Archiv für Sachs.
Geschichte und Altertumskunde, Bd. XIX. [G 75.] — Die Samm-
lung des K. Sachs. Alterturasvereins in ihren Hauptwerken. Lief. 1,
Bl. I-X. [G 75b.]
Dresden: Oekonoraische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mittheil.
1892—93, 1897-98. |Ha 9.1
Dresden: K. Thierärztliche Hochschule. — Bericht über das Veterinärwesen
in Sachsen, 33., 37., 40. und 42. Jahrg. [Ha 26.1
Dresden: K. Sächsische Technische Hochschule. — Bericht über die K. Sächs.
Techn. Hochschule a. d. Jahr 1897 — 98. [Je 63.] — Pcrsonalverz. Nr.
X— XVIII. [Je 63b.l
Dürkheim: Naturwissenschaftlicher Verein der Ilheinpfalz „Pollichia“.
Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher Verein.
Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein.
Emden: Naturforschende Gesellschaft. — 82. Jahresbericht, 1896 — 97.
[Aa 48.]
Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer.
Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahrbücher,
Heft XXIV. [Aa 263.]
Erlangen: Physikalisch-medicinischeSocietät. — Sitzungsber., 29. Heft, 1897.
[Aa 212.J
Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht
für 1898. [Aa 9 a.]
Frankfurt a. M.: Physikalischer Verein. — Jahresber. für 1896 — 97.
[Eb 35.]
Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks
Frankfurt. — „Helios“, 15. Bd. — Societatum litterae, Jahrg. XI,
Nr. 7 — 12; Jahrg. XII, Nr. 1—4. [Aa 282.]
Freiberg: K. Sächs. Bergakademie. — Programm für das 133. Lehrjahr
1898-99. [Aa 323.]
Freibur^ i. B.: Naturforschende Gesellschaft.
Oera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften.
Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.
Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. — Abhandl., 22. Bd. [Aa 3.]
Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Neues Lau-
sitzisches Magazin, Bd. 73, 2. Heft; Bd. 74. [Aa 64.]
Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz.
Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu -Vorpommern und
Rügen. — Mittheil., 29. Jahrg., 1897. [Aa 68.1
Greifswald: Geographische Gesellschaft. — Jahresber. Nr. VI, II. Theil,
1896-98. [Fa 20.]
Guben: Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. — ■
Mittheil., V. Bd., Heft 1 — 7. [G 102.]
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32
Güstrow : Verein der Freunde der Naturgeschicbte in Mecklenburg.
Halle a. S.: Naturforschende (iesellschaft.
Halle a. S.: Kais. Leopoldino-Curolinische deutsche Akademie. — Leopoldina,
Heft XXXIIl, Nr. 12; Heft XXXIV, Nr. 1-11. [Aa 62.]
Halle a. S.' Verein für Erdkunde. — Mitteil., Jahrg. 1898. ^Fa IG.]
Hamburg- Naturhistorisches Museum. — Jahrbücher, Jahrg. XIV', mit Bei-
heft 1—5. [Aa 276.]
Hamburg: Naturwissenschaftlicher V'ereiu. — Verhandl., IV. Folge, 5. Heft.
1897. [Aa 293 b.]
Hamburg: Verein für naturwissenschaftliche Ünterhaltung.
Hanau: W'etterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde.
Hannover: Natuihistorische Geselkschaft. — Jahresber., 44. — 47. Bd.
[Festschrift.] [Aa 52.]
Hannover: Geographische Gesellschaft.
Heidelberg: Naturhistorisch -medicinischer Verein.
Hof: Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landes-
kunde.
Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein.
Kassel: Verein für Naturkunde. — Abliandl. und Berichte, Nr. 42 u. 43.
[Aa 242.]
Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. — Zeitschr.,
22. — 23. Bd. u. 12. SuppL; Mittheil., Jahrg. 1896—97. [Fa 21.]
Kiel: Naturwissenschaftliclier Verein für Schleswig-Holstein.
Köln: Kedaction der Gaea. — Natur und Leben, Jahrg, 34. [Aa 41.1
Königsberg i. P>-.: Physikalisch -ökonomische Gesellschaft. — Schriiteu,
38. Jahrg., 1897. [Aa 81.]
Königsberg i. Fr.: Altertums-Gesellschaft Prussia. — Sitzungsber. Nr. 46,
1890. [G 114.]
Krefeld: V'erein für Naturkunde. — Jahresber. II und III, 1895—98.
lAa 329.]
Landshut: Botanischer Verein. — Bericht 15. [Ca 14.]
Lcip^ig: Natnrforschende Gesellschaft.
Leipzig: K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über
die Verhandl., mathem.-physikal. Klasse, 1897, \'— \H; 1898, I — V.
[Aa 296.1
Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung. — Geologische
Specialkarte des Königreichs Sachsen: Sect. Ostritz-Bernstadt. Bl. 73;
Sect. Hinterhermsdorf- Daubitz, Bl. 86; Sect. Hirschfelde-Ueichenau,
Bl. 89; Sect. Zittau- Oybin -Lausche, Bl. 107; Sect. Bobenneukirch-
Gattendorf. Bl. 150, mit 5 Heften Erläuterungen. [De 146.]
Lübeelc: Geographische Gesellschaft und naturhistorisches Museum.
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher V'erein für das Fürstentum Lüneburg.
— Jahresheft XIV, 1896—98. [Aa 210.]
Magdeburg: Naturwissenschaftlicher V'erein. — Jahresber. und .Ahhandl.,
Jahrg. 1896- 98. [Aa 173.]
Mannheim: V'erein für Naturkunde.
Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesammten Naturwissenschaften.
— Sitzungsher., Jahrg. 1897. [.\a 2(>6.]
Meisse7i: Naturwissenschaftliche Gesellschalt ,.Isis“. — Beobacht, d. Isis-
Wetterwarte zu .Meissen i. J. 1897. [Ec 40.]
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33
Münster: Westfalischer Provinzialverein fiir Wissenschaft und Kunst. —
25. Jahresber., Jahrg. 1896—97. [Ca 231.]
Neisse: Wissenschaftliche Gesellschaft „Philoniathie“. — Bericht, 25.-28.,
1888 - 96. [.\a 28.]
Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. — Jahresber. für 1897, nebst
.\bhaiull., XI. Bd. [Aa 5.]
Offenbach: Verein fiir Naturkunde.
Osnahriiclc: Naturwissenschaftlicher Verein. — 12.Jahresber., 1897. [Aa 177.1
PUssau: Naturhistorischer Verein. — 17. Bericht fiir 1896 — 97. [Aa 55.]
Posen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Zeitschr. der hotan. Abtheil.,
4. Jahrg., Heft 3; 5. Jahrg., Heft 1 — 2. [Aa 316.]
Regensburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Berichte, Heft VI, 1896 — 97.
[Aa 295.]
Regensburg: K. Bayerische botanische Gesellschaft.
Reichenbach i. F.: Vogtländischer Verein für Naturkunde. — Mitteil.,
Jahrg. 29. [Aa 70.]
Reutlingen: Naturwissenschaftlicher Verein.
Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein.
Stettin: ümithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt.
Geflügelzucht, Jahrg. XXII. [Bf 57.J
Stuttgart: Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres-
hefte, Jahrg. 54. [Aa 60.]
Stuttgart: Württembergischer Alturtumsverein. — Württen)berg. Viertel-
jahrshefte für Landesgeschichte, n. F., 6.-7. Jahrg. [G 70.]
Tharandt: Iledaction der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land-
wirtsch. Versuchsstationen, Bd. XLIX, Heft 4 — 6; L; LI, Heft 1.
(In der Bibliothek der Versuchsstation im hotan. Garten.)
Thom: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst.
Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen.
TJltn: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften. — Jahreshefte,
8. Jahrg. [Aa 299.]
ültn: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben.
Weimar: Thüringischer botanischer Verein. — Mittheil., n. F., 11. Heft.
[Ca 23.]
Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes.
Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jahrg. 51.
[Aa 43.|
Würzburg: Physikalisch-inedicinische Gesellschaft. — Sitzungsber., Jahrg.
1897. [Aa 86.]
Zuiclcau: Verein für Naturkunde. — Jahresber. 1897. [Aa 179.]
2. Oesterreioh-Üngarn.
Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein.
ßistritz: Gewerbeschule.
Brünn: Naturforschender Verein.
Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft. — Földtaui Közlöny, XXVII.
küt., 11.— 12. füz.; XXVHI. küt., 1.— 9. füz. [Da 25.]
Budapest: K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und; Ungarische
.Akademie der Wissenschaften. — .Mathemat. und naturwissenschaftl.
Berichte, Bd. 13. [Fa 37.]
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(t)Oz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — Mittheil., Jahrg.
1897. [Aa 72.]
Hermanrntadt : SiebenbürgischerVerein für Naturwissenschaften. — Verhandl.
und Mittheil., XLYII. Jahrg. [Aa 94.]
J^lo: Ungarischer Kai-pathen -Verein. — Jahrbuch, XXV. Jahrg. [Aa 198.]
hmshruck: Naturwisseuschaftlich-mediciiiischer Verein.
Klagenfurt-. Naturhistorisches Landes -Museum von Kärnthen. — Festschrift
z. öOjähr. Bestehen, 1898. [Aa 42.]
Krakau: Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1897, Nr. 9— 10; 1898,
Nr. 1-4 und 6-8. [Aa 302.]
Laibach: Musealverein für Krain.
Linz: Verein für N.aturkunde in Oesterreich ob der Enns. — Jahres-
ber. 19, 26 und 27. [Aa 213.]
Linz: Museum Francisco-Carolinum, — 56. Bericht nebst der 50. Lieferung
der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. [Fa 9.]
Pi'ug: Naturwissenschaftlicher Verein „Lotos“.
Prag: K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsher.,
mathem.-naturw. CI., 1897. [Aa 269.1 — Jahresber. für 1897. [Aa 270.]
Prag: Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — I’amdtky
archaeologickc, dilu XVII, ses. 4 — 8; X\'III, ses. 1 — 2. [G 71.]
P-ag: Lese- und Uedehalle der deutschen Studenten.
Pag: Ceska Akademie Cisafe Frantiska Josefa. — Rozpravy, Trida II,
Rocnik 6. [Aa 313.] — Bulletin international, classe des Sciences
mathematiques et naturelles, Nr. IV. [Aa 313h.|
P-essburq: Verein für Heil- und Naturkunde. — Vernandl., n. F., Heft 9.
[Aa '92.]
Reimenberg: Verein der Naturfreunde. — Mittheil., Jahrg. 29. [.\a 70. J
Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mittheilungen,
Bd. XXXVII und XXXVIIl. [Aa 71.1
Temcsvür: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Tennes-
zettudomanyi Füzetek. XXII. köt., füz. 2 — 3. [Aa 216.]
P-encsin : Naturwissenschaftlicher Verein des Trencsiner Comitates. —
Jahresheft, Jahrg. XIX — XX. [Aa 277.]
TViesi: Museo civico di storia naturale.
Triest: Societä Adriatica di scienze naturali.
Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, Jahrg. 1897,
Nr. 27; 1898, Nr. 1—12. [Aa 11.]
I17cw: Verein zur Verbreitung naturwissenscliaftlicher Kenntnisse. —
Schriften, Bd. XXXVIH. [Aa 82.]
H7(«: K. K. naturhistorisches llofmuseum. — Annalen, Bd. XII, Nr. 2—4;
Bd. XIII, Nr. 1. [Aa 280.]
117'e«: Anthropologische Gesellschaft. — Mittheil., Bd. XXVII, Heft 6;
Bd. XXVIII, Heft 1- 4. [Bd 1.]
117'eM: K. K. geologische Ueichsanstalt. — Verhandl., 1897, Nr. 14 — 18;
1898, Nr. 1—12. [Da 16.] — Ahhandl., Bd. XVII, Heft 4. [Da 1.]
TI7'e?i: K. K. zoologisch-botanische Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XLVH.
[Aa 95.]
117'e«: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität.
H7'e«: Central -Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. — Jahr-
bücher, Jahrg. 1894 und 1897. [Ec 82.]
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35
3. Rnmänien.
Bukarest: Institut meteorologique de Roumanie. — Annales, tome XII, 1896.
[Ec 75.]
4. Schweiz.
^arait: Aargauische naturforschende Gesellschaft. — Mitteil., Heft VIII.
[Aa 317.1
Basel: Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XII, Heft 1. [Aa 86.]
Bern: Naturforschende Gesellschaft.
Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft.
Chur: Naturforschende Gesellschaft Graubiindens. — Jahresber., n. F.,
Jahrg. XXXVI, XL und XLI. [Aa 51.]
Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesellschaft. — Mitteil., Heft 13.
[Aa 261.] _
Freiburg: Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. — Compte rendu,
1893—97. [Aa 264.]
St. Gallen: Naturforschende Gesellschaft, — Bericht für 1895 — 96. [Aa 23.]
Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 4. ser.,
vül. XXXIII, no. 126; vol. XXXIV, no. 127—129. [Aa 248.]
Xeuchatel: Societe des Sciences naturelles.
Schaffhausen: Schweizerische entoniologische Gesellschaft. — Mittheil.,
Vol. X, Heft 2—4 [Bk 222. |
Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles. —
Bulletin, fasc. XXVI. [Ca 13.]
Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Vierteljahrsschr. , Jahrg. 42,
Heft 3 — 4; Jahrg. 43, Heft 1—3. [Aa 96.] — Neujahrsblatt für 1898.
[Aa96b.]
Zürich: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte, Heft 8. [Ca 24.]
5. Frankreich.
Amiens: Societe Linneenne du nord de la France. — Memoires, tome IX,
1892—98. [Aa 252b.] — Bulletin inensuel, tome XIII, no. 283 — 292.
[Aa 252.]
Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles. — Memoires,
ser. 5, tome I — II; III, cah. 1; proces-verbaux, annee 1896 — 97.
[Aa 253.]
Cherbourg: Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. —
Memoires, tome XXX. [Aa 137.]
Dijon: Academie des Sciences, arts et belles lettres. — Memoires, ser. 4,
tome V. [Aa 138.]
Le Mails: Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. — Bulletin,
tome XXVIII, fasc. 2 — 3. [Aa 221.]
Lgon: Societe Linneenne. — Annales, tome 43—44. [Aa 132.]
Lgon: Societe d’agriculture, d’histoiro naturelle et des arts utiles. —
Annales, ser. 7, tome 4. [Aa 133.]
Lyon: Academie nationale des Sciences, helles lettres et arts. — Memoires,
ser. 3, tome 4. [Aa 139.)
Paris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXII. [Ba 24.)
Toulouse: Societe Framjaise de botanique. - Bulletin mensuel, tome XIII,
Nr. 147—156. [Ca 18.]
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6. Belgien.
Brüssel: Societe royale malacologique de Belgique, — Aiinales, tome
XXVIII — ,\XXI, fase. 1. IBi 1.] — Proces-verbaux des seances. tonie
XXV— XXyil, Jan.-Juli. [Bi 4.]
Brüssel: Societe entomologiquc de Belgique. — Annales, tome 41. [Bk 13.]
— Memoires, tome VI. [Bk 13b.j
Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique. — Bulletin, tome XXXVI.
[Ca 16.]
Oemlloux: Station agronomique de l’etat. — Bulletin, no. 64 — 65.
[Hb 75.]
Lütheh: Societe geologique de Belgique.
7. Holland.
Gent: Kniidkundig Genootschap „Dodonaea“.
Gronivijen: Naturkundig Genootschap. — 97. Verslag, 1897. (Je 80.]
Harlan: Mus6e Teyler. — Archives, ser. II, vol. V, p. 4; vol. VI, p. 1 — 2.
[Aa 217.]
Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises,
ser. II, tome I, livr. 4—5; tome II, livr. 1. [Aa 257.]
8. Luxemburg.
Luxemburg: Societe botanique du Grandduche de Luxembourg. — Recueil
des memoires et des travaux. no. XIII. [Ca 11.]
Luxemburg: Institut royal grand-ducal.
Liuemburg: Verein Luxemburger Naturfreunde .,Kauna‘-. — Mittheil., 1897.
[Ba 26.]
9. Italien.
Brescia: Ateneo. — Commentari per l'anno 1897. [.\a 199.]
Catania: Accademia Gioenia di scienze naturale. — Atti, ser. IV, vol.
10 — 11. — Bollettino, fase. L, LH — LIV. [Aa 149.]
Florenz: R. Instituto. — Sect. f. Physik und Naturgescli., Bd. 19—21;
Sect. f. Medicin, 7. Publicat. [Aa 229.]
Florenz: Societä entomologica Italiana. — Bullettino, anno XIX. [Ilk 193.1
Mailand: Societä Italiana di scienze naturali. — Atti, vol. XXXVII,
fase. 2—3. [Aa 150.]
Mailand: R. Instituto Lombardo di scienze e lettere. — Rendiconti, ser. 2.
vol. XX.X. [.\a 161.] — -Meinorie, vol. XVIII, fase. 2-5. [Aa 167.]
Modena: Societä dei naturalisti.
lüdua: Societä N’eneto Trentina di scienze naturali. — Bullettino, tomo VI,
no. 3. [Aa 193 b.]
Fai-nia: Redazione del Bullettino di paletnologia Italiana. — Bullettino,
ser. III, anno XXIII, no. 7 — 12; anno XXIV, no. 1 — 3. [G 54.]
IHsa: Societä Toscana di scienze naturali. — Processi verbali. vol. X
(22. XI. 96—4. VH. 97;; vol. XI (28. XI. 97—1. V. 98). [Aa 209.]
Rom: Accademia dei Lincei. — Atti, Rendiconti, ser. 5, vol. V — VII,
2. sem., fase. 1 — 10. [Aa 226.]
Rom: R. Comitato geologico d’Italia.
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37
Turin: Societä meteorologica Italiana. — Bollettino mensualc, ser. II,
vol. XVII, no. 9—12; vol. XVffl, no. 1=3. [Ec 2.]
Venedig: R. Instituto Veneto di scieuze, lettere e arti.
Verona: Accaderaia di Verona. — Memoire, ser. III, vol. LXXIII, fase. 1 —2.
[Ha 14.]
IQ. Qrossbritannien und Irland.
Dublin: Royal geological society of Irland.
Edinburg: Geological Society. — Transactions, vol. VII, p. 3. [Da 14.]
Edinburg: Scottish meteorological society. — Journal, 3. ser., no. 13 — 14.
[Ec 3.1
Olasgow: Natural history society. — Transactions, vol. V, p. L [Aa 244.]
Glasgow : Geological society.
Manchester: Geological society. — Transactions, vol. XXV, p. 12—15,
20-21. [Da 20.1
Neucastle-upon-Tgne: Tyneside naturalists field club, und: Natural history
society of Nortlmmberland, Durham and N'ewcastle-upon-Tyne. —
Nat. history transactions, vol. XIII, p. 2. [Aa 126.1
IL Schweden, Norwegen.
Bergen: Museum. — Aarbog for 1897. [Aa 294.]
Christiania: Universität. — Universitets- Programm for 2. sem. 1894.
[Aa 251.]
Christiania: Foreningen til Norske fortidsmindesmerkers bevaring. — Aavs-
beretning for 1896. [G 2.] — Kunst og liandverk fra Norges fortid,
2. Reihe, 2. Heft. [G 71.]
Stockholm: Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Arg. 18.
[Bk 12.1
Stockholm: K. Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien. — Antiquarisk
Tidskrift, Del XVI, 4. [G 1.35.] — Mänadsblad, 1894. [G 135a.]
Tromsoe: Museum. — Aarsberetning 1894. [Aa 243.1
üpsala: The geological Institution of the university. . — Bulletin, vol. III, p. 2
(no. 6}, 1897. [Da 30J
12. Russland.
Ekathariuenburg : Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles. —
Bulletin, tome XVI, livr. 5^ tome XVH; tome XIX, livr. L [Aa 269.]
Helsingfors: Societas pro fauna et flora fennica.
Kharkow: Societe des naturalistes ä l’universite imperiale. — Travaux,
tome XXXI u. XXXII. [Aa 224.]
Kiew: Societe des naturalistes. — Memoires, tome XIV, livr. 2^ tome XV,
livr. 1—2. [Aa 298.]
Moskau: Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, annee 1897, no. 2 — 4;
annee 1898, no. L [Aa 1.34.1
Odessa: Societe des naturalistes de la Nouvelle-Russie. — Memoires, tome
XXI, p. ^ tome XXII, p. L [Aa 256.]
Petersburg: Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, toni.XIV,
fase. 2. [Ca 10.]
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38
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no. 1 — 5; supplem. au tome XVI. [Da 23.] — Memoires, vol. XVI, no. 1.
[Da 24.]'
Petersburg: Physikalisches Centralobservatorium. — Annalen, Jahrg. 1896.
[Ec 7.]
Petersburg: Academie imperiale des Sciences. — Bulletin, nouv. Serie V,
tome VII, no. 2 — 5; tome VIII, no. 1 — 4. (Aa 315.]
Petersburg: Kaiserl. Russische mineralogische Gesellschaft. — Verhandl.,
2. Ser., Bd. 35. pa 29.]
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no. 134 — 136. [.4a 278.] — American journal of mathematics, vol.XIX;
XX, no. 1—3. [Ea 38.] — American Chemical journal, vol. XIX, 5 — 10;
vol. XX, no. 1— 7. [Ed 60.] — Studies in histor. and politic. Science,
ser. XV, no. 6—12; ser. XVI, no. 1 — 9. [Fb 125.] — American journal
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[Aa 111.]
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vol. XXXII — XXIII; XXXIV, 1. — Memoirs, vol. V, no. 3. [Aa 170.]
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[Aa 185.1
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1896 — 1897. — Bulletin, vol. XXVIII, no. 4 — 5; vol. XXXI, no. 5 — 7;
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New- York: State geologist.
Phüaddphia: Academy of natural Sciences. — Proceedings, 1897, p. II— III;
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Ftiiladelphia: American pnilosoplucal society. — Proceedings, vol. XXXV,
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St. Louis: Academy of Science. — Transactions, vol. VII, no. 17—20;
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Topeka: Kansas academy of Science. — Transactions, vol. XV. [Aa 303.
Toronto: Canadian institute. — Proceedings, 5. ser., vol. I, p. 4—6; Supplem.
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Tufts College: Studios, no. V. [Aa 314.]
Washington : Sniithsouian institution. — Report of the U. St nat museum,
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(De 120b. ] — Monographs, vol. XXV— XXVHI mit Atlas. [De 120c.]
Wusiiingtofi: Bureau of education.
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2. Süd-Amerika.
(Argentinien, Brasilien, Chile, Costarica.)
Buenos-Aires: Museo nacional. — Communicaciones, tomo I, no.l. [Aa 147b.]
Buenos- Aires: Sociedad cientifica Argentina. — Anales, tomo XLIV,
tomo 6—6; tomo XLV; tomo XLVI, entr. 1 — 4; Inhaltsveraeichniss
d. B. 1-40. [Aa- 230.]
Cordoha: .Academia nacional de ciencias. — Boletin, tomo XV, entr. 4.
[Aa 208 b.l
Montemdeo: Museo nacional. — Anales, fase. I — III, VHI — IX. [Aa 326.
Bio de Janeiro: Museo nacional. — Revista,vol.I(=Archivos,vol. IX). [Aa211.
San Jos6: Institute fisico-geografico y del museo nacional de Costa-Rica. —
Informe 1897—98. [Aa 297.]
Sao Paido: Commissao geographica e geologica de S. Paulo. — Boletim,
1897, no. 10—14 lAa 305 a.]
La Plata: Museum. — Revista, tomo VIII. [Aa 308.]
Santiago de Chile: Deutscher wissenschaftlicher Verein.
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40
III. A.sien.
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Calcutta: Cxeologiciil survcy of liidia. — Ueconls, vol. XXX, no. 4. [Da 11.]
— Menioirs, vol. XXV; XXVI; vol. XXVII, p. 2. [Da 8.] — Palaeon-
tologica Indica, Ser. XV, vol. 1, p. 1, vol. 2, p. 1; Ser. XVI, vol. 1,
p. 1-3. [Da 9.]
Tokio: Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Osta.sÜMis. —
Supplem.; Khmann, Japan. Sprichwörter, Th. II — IV. [.Aa 187.]
IV. Aiiüstralien.
Melhoiirne: Mining departmont of Victoria — Anmial report of the sccretiuw
for Ulines, 1897. [Da 21.]
13. Durch Geschenke.
Aquila: Zeitschrift für Ornithologie, .lahrg. II — IV. [I3f 68.]
Baden b. Zürich: Kin römischer Militärhospital in Daden bei Zürich.
(Gesch, des Herrn Dr. Grüudler.) [G 143.]
Boettijer, ().: Katalog der Ueptiliensamuilung ini Museum der Sencken-
bergischen naturfoi-schenden Gesellschaft in Frankfurt a. M. II. Teil.
(Schlangen). [Bg 28b.]
Brandcii, TI'.; Verzeichniss der in der Provinz Hannover vorkomnienden
Uefassptlanzen. 1897. [Cd 117.]
Calcutta: Pamir boundari Commission. — Report nn the natural history
resiilts. 1898. [.Ab 86.]
Cctitral-Comnih.'iion, k. k., für Erforschung und Erhaltung der Kunst-
und historischen Denkmale: Normative und Berichte. Wien 1895, 1897.
[G 142.]
Clemen, P.: Die DenkmalpHege in der Rheinproviiiz. 1896. [G 141.]
Conklin, K.: The embryology of CT'ejüdula. 1H97. (Bin 57.]
Credner, JL: Die sächsischen Erdbeben während der .Jahre 1889 — 97.
Sep. 1898. [De 137 h.]
Dathv, E.: Bemerkungen zum schlesisch-sudetischen Erdbeben vom 11. .luni
1895. Sep. 18!)8. [De 196i.]
Dauhrve, .4.; Sein Leben und seine Werke. A on Bertrand, 1896. [.Ib 77.1
France, li.: Der Organismus der Craspedomonaden. Seji. 1897. [Bin 58.]
Friedrich, ().: Die geologischen Verhältnisse der Umgebung von Zittau.
Progr. 1898. [De 109 b.]
Oehirqsvercin für die Sächsische Schweiz: Uelicr Berg und Thal, 237 — 244.
[Fa 19.]
Oeinitz, K.: Mittheil. a. d. (irossherzogl. .Mecklenburgischen geologischen
Landesanstalt. Mergellager in Samigobieten. Sep. 1898. [Dc217e.]
Gra.s’, O.: Zäkladove theoreticke astronomie. 1897. [Ea 45.]
Hannover: Provinzial-Musenm. — Verzeichniss der vorhandenen Säuge-
thiere und Vögel. [Bf 71 u. 72.]
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41
Hauser, O,: Das Auiphitbeater Vindoiiissa. 1898. [G 189.]
Kohaiit, !{.: Die Libellen ünganis. 189G. [Bk 242.[
Krii, M.: Ueber die Quartärzeit in Mäbren. Sep. 1898. [De 238.]
Kurh'inder, J.\ Erdniagnetiscbc Messungen in Ungarn in den Jahren 1892
bis 1894. [Lc 88.]
Laube, G.: Die geologischen Verhältnisse des Mineralgehietes von Giess-
hübel-Sauerbrunn. [De 140 f.]
Leuicki, E.: Ueber Centrifugalguss. Sep. 1898. (Hb 127.1
Haiden, J.: Botanic gardeus and doinains in Sydney. [Cu 118.]
Mindesmaerker fra oltidon. — National müsset, 1. afd. Koppenh.ogen, 1891
bis 1896. [G 136.]
Ncssiij, ir. R.\ Geologische Excursionen in der Umgegend von Dresden.
Brogr. II. Teil, 1897. [De 236.]
Osirishlatt: Der Lange. 1. Jahrg. 1861, 1 — 6; 2. Jahrg. 1862, 14; 3. Jahrg.
1863, 16—21, 24-25; 5. Jahrg. 1866, 27-28. (Gesell, des Herrn
Geh. Rath Prof. Dr. Geinitz.) [Ja 78.]
Baleif/h: Elisha Mitchell scientific society, — Journal, vol. XIV. [Aa 300.]
&do7iique: Bulletin annuaire de la Station raeteorologique pres du Gymnas
pour Tannee 1897. [Ec 89.]
Sars, G.: An account of the Crustacea of Norway, vol. II, p. 9 — 12. [Bl 29b.[
Schneider, O.: Die Tienvelt der Xordsee-Insel Borkum. Sep. 1898. [Bk 63.'
tkJiube, Th.: Die Verbreitung der Gefässptlanzeii in Schlesien. [Cd 116.
Stossich, M.: Saggio di una Fauna elmintologica di Trieste e Provincie
contermini. Sep. 1898. [Bm 64hb.]
Templc, R.: Thierschutzt'reumiliche Besprechungen. 1897. [Bb 62.]
Töpler, M.\ Geschichtete Entladung in freier Luft. Sep. 1897. [Eb 44c.]
Verein zur Erhaltung der Denkmäler der Provinz Sachsen. Janresber. 1
bis HI, 1894-96. [G 140.1
Voretzsch, M.: Die Stätte des Herzogi. Ernst- Realgymnasiums in Alten-
burg. Sep. [Aa 69. 1
Weher, Fr.: Die Hügelgiüber auf dem bayrischen Lechfeld. Sep. 1898.
[G 138.]
Weber, Fr.: Zur Frage der keltischen Wohnsitze im jetzigen Deutschland.
Sep. 1897. [G 138a.]
Wilisch, E.: Zur Vorgeschichte des Oybin. 1897. [G 137.]
C. Durch Kauf.
Abhandlum/en der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft,
Bd. XJüI, Heft 1—2; Bd. XXIV, Heft 1-3. [Aa 9.]
Anzeiger für Schweizer Alterthümer, Jahrg. XXX, Nr. 2 — 4; XXXI, Nr. 1 —3.
1-] . .
Anzeiger, zoologischer, Jahrg. XXI, Nr. 549 — 576. [Ba 21.J
Bronn's Klassen und Ordnungen des Thierreichs, Bd. III (Alollusca), Lief.
.30— .34; Supph, Lief. 1 1 — 20; Bd. IV (Vennes), Lief. 56—58; Supph,
Lief. 5—13; Bd. V, Abth. 2 (Crustacea), Lief. 47—52; Bd. VI, Abtli. 4
(Aves), Lief. 50—52; Abth. 5 (Mammalia), Lief. 51 — 53. [Bb 54.]
Hedtdgia, Bd. 37. [Ca 2.1
.Tahrbuch des Schweizer Alpcnclub. Jahrg. 33. [Fa 5.|
Monatsschrift, deutsche botanische, Jahrg. 16. [Ca 22.]
Nachrichten, entomologische, Jahrg. 14. [Bk 235.] (Vom Isis-Lesezirkel.)
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42
Natur, Jahrg. 46. [Aa 76.1 (Vom Isis-Lesezirkel.)
Polaeonto^raphical society, London, vol. L — LL [Da 10.]
Prähistorische Blätter, Jahrg. X. [G 112.1
Wochenschrift, naturwissenschaftliche, Bd. XIII. [Aa 311.] (Vom Isis-Lese-
zirkel.)
Zeitschrift fiir die gesammten Naturwissenschaften, Bd. 70, Nr. 3 — 6;
Bd. 71, Nr. 1—3. [Ca 98.]
Zeitschrift für Meteorologie, Bu. 16. [Ec 66j
Zeitschrift fiir wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. XIV, Heft 3 — 4; Bd. XV,
Heft 1 — 2. [Ee 16.]
Zeitschrift, Oesterreichische botanische, Jahrg. 48. [Ca 8.]
Zeitung, botanische, Jahrg. 66. [Ca 9.]
Abgeschlossen am 31. December 1898.
C. Schiller,
Bibliothekar der „Isis“.
Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der
„Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag
von 3 Mark können eine grosse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung
der Lesemappen zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Biblio-
thekar entgegen.
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Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1898.
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IV. Ueber ein Doppeltrogrefractoiueter und Unter-
suchungen mit demselben an Lösungen von Bromcad-
niluin, Zucker, Di- und Tricliloressigsäure sowie deren
Kaliuinsalzen.
Von Wilhelm Hallwaohs.
§ 1. Einleitnng.
Vor einiger Zeit habe ich eine Differentialmethode mit streifender
Incidenz zur Bestimmung der Unterschiede der Lichtbrechungsverhältnisse
von Losungen beschrieben*). Diese Methode eignet sich insbesondere für
verdünnte Lösungen und gestattet Brechungsunterschiede bis zu etwa
3X10“* hinab mit grosser Genauigkeit auszuwerthen, also in einem
Gebiet zu arbeiten, welches sonst nur mit dem Interferentialrefractor zu
erreichen ist. Sie füllt eine Lücke aus, zwischen dem mit letzterem
ohne unbequem grosse Streifenzahlen oder zu dünnen Flüssigkeitsschichten
zu durchraessenden Gebiet und demjenigen, welches mit den gewöhnlichen
Prismen- oder totalrefractometrischen Methoden genügend grosse Ab-
lenkungen ergiebt.
Früher konnte ich die Methode nur durch wenige Versuche stützen.
Inzwischen ist dieselbe von Herrn Tornoe in die technische Bieranalyse
eingeführt worden**). In letzter Zeit habe ich die .Müsse gefunden die
Methode weiter zu verfolgen und durch Messungen damit völlig sicher
zu stellen. F'rüher war 1. c. das Um füll verfahren angewendet worden,
weil gerade nur zwei geeignete Planplatten zur Verfügung standen. Unter
Anwendung von drei Planplatten lässt sich das Umfüllen vermeiden, indem
statt dessen der Trog von entgegengesetzten Seiten her beobachtet wird.
*) W. Hallwachs, Wied. Ami. .iO, 1893, p. 577.
**) W. Hallwachs, H8. Naturtorschervcra. 1898, II, 1, p. Al; II. Toriiüe,
.Spectrometrisch-aräomctrische Bieranalyse initHilfe des Differentialpriäma'a von Hallwaehs.
Zeitschr. für das ge.sammtc Brauwesen (Mlinehcn. Olde.nhoarg) XX, 1897; E. Prior,
Bayerisches Brauerjournal (Nürnberg, Tilmmel) VII. 1897, p. 1K9; s. a. Pharmaceuthiche
Centralhalle (Berlin, täpringer)' .'18, 1897, p. 871. Herr Tomöe hat Tafeln berechnet,
welche gestatten, direct aus den mittelst meiner Methode gewonnenen Ablesungen und
dem aiäometrisch bestimmten specifischeii (lewicht der Biere .Alkohol- und Extractgehalt zu
entnehmen Diese Tafeln sind im Verein mit einem von Herrn Tomöe zum vorliegenden
Zweck möglichst einfach coustruirteu Spectrometer und Doppeltrog von Schmidt & Uaensch
für iätiö M. zu beziehen.
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50
Dieses zweite Verfahren benutzte schon Herr Tornöe, der sich für seine
Zwecke mit einem Trog aus Spiegelglas begnügen konnte. Die grösste
Schärfe der Heohachtungen ergieht sich, wenn sowohl umgefüllt als auch
bei jeder Füllart von entgegengesetzten Seiten beobachtet wird.
Das Folgende geht einerseits auf die Methode seihst weiter ein, giebt
die Theorie des Umdrehverfahrens, Untersuchungen über den Genauigkeits-
grad, den Temperatureinfluss u. s. w., andererseits sucht es durch geeignete
Wahl der Messobjecte eine Vervollständigung meiner frülieren Unter-
suchungen über Lichtbrechung und Dichte zu liefern*). Dieser Gegen-
stand erhielt in letzter Zeit .weitere b’örderung durch Arbeiten von
Dijken**) in derselben und solche von Leblanc und Rohland***) in
ähnlicher Richtung.
§ 2. Versuchsanordnnng.j)
Die Glasplatten für den Doppeltrog lieferte Steinheil j j). Während
Stirn- und Rückplatte (B. u. C. Fig. 1), welche aus dickerem Glas bestehen
können, so gut waren, dass ihr Keilwinkel unter 0,.V' hli^b, dem kleinsten
mit meinen Mitteln noch erkennbaren Betrag, hatte die nothwendigerweise
dünnere Scheidewand einen solchen von 4". Durch geeignetes Ausschneiden
dieser Platte aus dem Ganzen wurde erstrebt, die brechende Kante mög-
lichst horizontal zu stellen, was soweit gelang, dass in einem Horizontal-
schnitt der Keilwinkel nur noch 1,3" betrug (s. p. 61). Das Zusammen-
kitten des Troges, dessen weitere, aus Spiegelglas bestehende Platten
ebenfalls von Steinheil herrührten, besorgte ich selbst und verwendete
dabei theilweise Asphalt, da das früher verwendete Wachs und Colophonium
bei Temperatuiänderungen zuweilen ahspringt, was Aenderungen der
Trogwinkel veraiilasste. Hart gewordener Asphaltlack mit etwas Chloro-
form dickflüssig in der Wärme ungerührt, kittete ausserordentlich constant.
Der Winkel y (Fig. 1) zwischen Stirn- und Rückplatte betrug z. B.
Januar 1898 4' 2", August 1898 wieder 4' 2". Da der Nonius des Spectro-
metersttf) ^0" angab und 5" im Allgemeinen zu schätzen gestattete, ist
die Ueliereinstimmung beider Werthe zum Theil Zufall.
Um die erforderliche Temperaturconstanz zu erhalten, befand sich
das Spectrometer in einem fensterlosen Zimmer des Sockelgeschosses,
welches, rings von anderen Zimmern umgehen, keine .kussenwand besass.
Die Temperatur hielt sich viel constanter wie in den „Räumen für constante
Temperatur“ im Keller, welche ich früher a. a. 0. benutzte. Ueber Nacht
traten nur Aenderungen von 0,i“ ein. Durch Heizen der einen, Lüften
der anderen umliegenden Zimmer und Oett'nen der geeigneten, vom
Beobachtungsraum zu diesen führenden Thüren Hess sich die Temperatur
auch während des Arheiteus halten.
•) W. Hallwach.s, (iiitt, Nadir. 1892, Nr. 9; Wieil. Aun. 17, 1892, p. 380;
50, 1893, p. 577; 53, 1894. ji. 1; 55. 1895, p. 282.
•') Dijken, De Hiileuulairrcfnictie van verdnnile Zontoplossingcn. Diss. Groningen
(Hoitsema) 1897; a. ferner Borgesiu«, Wied. Ann, .5-1. 1895, p 221.
*••) Lehlanc und Koliland, Zeitschr. f. phy.s. Cheni. XIX, 2, 1896, p. 261; s. a.
Leblanc, 1. c IV, 1889, p. 55:1
f) S. n. Wied Ann, 60, 1893, p. 689 und 581.
+■{•) Trüge ans prima Glas winl derselbe zu ca. 90 M. inol. Kittung (Asphalt) liefern.
-j-+f) Das Spcctrumeter hatte mir Herr A. Toepler die Freundlichkeit zu leiben,
wofür ich ihm auch hier meiueu besten Dank auaspreehe
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51
Eine Nische von 120 cm Höhe ging nach einem der Nebenzimmer
durch eine 60 cm starke Wand hindurch. Vom Beobacbtungsraum schloss
dieselbe ein Glasfenster, vom Nebenraum ein Holzladen ab. ln der
Nische befand sich oben eine Glühlampe, welche den Beobachtungsraum
erleuchtete, und in der Höhe des Spectrometers die Natriumflamme für
die Versuche. Letztere wurde mit Na Br gespeist, um auch bei sehr
geringen Brechungsdiflerenzen die genügende Lichtstärke zu erhalten.
Zur Reinigung des mit Klebwachs auf dem Spectrometer befestigten
Troges dienten wie früher Scblauchpipetten, zum Urarühren kleine Federchen.
Alle zu verwendenden Flüssigkeiten wurden vor der Einfüllung auf die
Temperatur des Beobachtungsraumes gebracht, gewöhnlich dadurch, dass
sic über Nacht darin standen.
Die Temperaturbestimmung der Flüssigkeiten geschah gewöhnlich
mit einem in ’/io> zuweilen mit einem in Grad gethoilten Thermometer.
Im Allgemeinen lag ein Deckel auf dem Trog. Zwei am Rande des
letzteren aufgehängte Blenden schlossen die eine Troghälfte vorn , die
andere hinten gegen das Licht ab, z. B. im Fall der Fig. 1, bei Beobachtung
von Sj aus die linke Hälfte von B und die rechte von C. Namentlich
bei kleinen Brechungsdifferenzen ist der dadurch ei-zielte Schutz des
Beobachters gegen Blendung unerlässlich. Bei den Nonienablesungen
lieferte ein Glühlämpchen das Licht.
§ 3. Theorie des llmdrehnngsverfahrens.
Der folgende Paragraph enthält die Herleitung der Beziehung zwischen
den mittelst des „Umdrehuugsverfahrens“ (s. nächster Absatz) beobachteten
Winkeln und der Brechungs-
difierenz der beiden
Flüssigkeiten unter Berück-
sichtigung der Unvoll-
kommenheit des Paral-
lelismus zwischen Stirn-
und Rückplatte, sowie der
Keilförmigkeit und der
Orientirungsfehler der
Scheidewand. Auch der im
.■Mlgemeinon zu vernach-
lässigende Einfluss von Keil-
förinigkeit der Stirn- und
Rückplatte gelangt zur Be-
sprechung. Die an der
Gruudformel
n — n„ =
*).
n-l-n,
welche auch hier gilt, anzu-
bringenden Correctionen fallen, wenn auch die Herleitung derselben nicht
ganz kurz abgemacht werden kann, schliesslich doch sehr einfach aus.
*) AVieit. Ann. 50, 1893, p. 577.
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52
Beim „Umdrehungsverfahren“ tritt zuerst das Licht von L, aus
(Fig. 1) in die mit Wasser (bozw. der Flüssigkeit mit n,,) gefüllte Zelle D
und dann in die Scheidewand A ein. Der letztere streifende Strahl ist
in der Figur eingezeichnet. Das auf unendlich stehende Fernrohr wird
zuerst auf die in der Richtung Sj auftretende Grenze zwischen hell und
dunkel eingestellt und, nachdem sodann die Lichtquelle nach L^ verbracht
ist, auf die in der Richtung S, erscheinende Grenze. Statt die Lichtquelle
zu verstellen, dreht man einfacher das ganze Spectroineter auf seinem
Zapfen so herum, dass die Richtung L. von der Lichtquelle bestrichen
werden kann. Während dessen muss der Trog mit seinem Theilkreis
bezw. seinen Nonien fest verbunden bleiben.
Es ist aufzusuchen die Beziehung des gemessenen 2^. Sj S, zu den
Winkeln und welche diese Richtungen mit den Normalen Nh und No
der Rück- und Stirnplatte machen, und der Zusammenhang von «j und
mit dem Brechungsunterschied n — n„ der in E und 1) befindlichen
Flüssigkeiten.
Es mögen bezeichnen (vergl. Fig. 1):
y den sehr kleinen Winkel zwischen den möglichst parallel auf-
zukitteuden Platten B und C; er ist positiv gerechnet, wenn seine
Spitze nach der Zelle mit dem grösseren Brechungsexponent n
hin liegt (wie in der F’igur gezeichnet), anderenfalls ist er negativ;
d den Keilwinkel der Scheidewand A; für denselben berücksichtigt
die folgende Rechnung Werthe von 1 — 5". Feinste Planplatten
haben zwar geringere Winkel, aber nur bei genügender Dicke,
die für die Scheidewand des Temperaturausgleichs halber nicht
anwendbar ist;
fj, f,, den Üeberschuss der Winkel, welchen die Scheidewand
mit der Stirn- und Rückplattc bildet, über 90";
N den Brechungsexponent der Scheidewand;
n, u„ den höheren bezw. den tieferen der Brechungsexponenten der
beiden Flüssigkeiten; in unserem Falle bezieht sich n„ auf Wasser;
ß, und ß, die Winkel, welche die Grenzstrahlen S, und S4 mit der
Normale Nc bezw. Nn bilden;
N' die Abkürzung für yN^ —
den ^ Sj S^.
Dann ist, wie früher hergeleitet*)
1) sin ß, = ^1 — j y" n‘^ — (n„ — N' d) - + (n„ — N' d).
Mittelst entsprechender flerleitung würde sich finden:
2) sin o, = — 2*^ y n* — (n,, + N' d) = -f f, (n„ -f N' d).
Aus der Figur folgt:
3) *, + »4 + y = 0, sowie -f — j- = 0,
letzteres wird später gebraucht.
Indem wir die Summe der Gleichungen 1) und 2) bilden, vernach-
lässigen wir erstens das unter der Wurzel auftretende Glied von der
*; Formel 7 a in Wied. Anu. .50, 1893, p. .582.
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63
Ordnung ferner das Glied N'd — e,), welche bei einem d von selbst
6" und VVerthen e von selbst 10' zusammen nur einen Fehler liefern, der
höchstens 3,fiX10’® des Ganzen beträgt, nämlich dann, wenn die
geringsten zu messenden n — n„ (etwa 0, 00027) vorliegen. Ebenso sind ^
und ^ gegen die 1 zu vernachlässigen, wodurch sich, für den Extrem-
fall, dass die t auf 10' ansteigen. n — iin erst um 8 Milliontel seines
Werthes ändert. Die Erreichung einer solchen Genauigkeit würde ver-
langen, dass die Winkel auf 0,a", die Temperaturdilferenzen der Trog-
hälftcn auf 0,0015” bekannt wären und zwar für mittlere Werthe von
n — n„ z. B. 0,02. Für grössere n — n, würde proportional damit die
Genauigkeit der Winkelmessungen steigen müssen, die der Temperatur-
bestimmung fallen dürfen.
Mit diesen Vernachlässigungen erhalten wir durch Addition von 1)
und 2) unter Berücksichtigung von 3) :
sin -f- sin n„ y = n* — nj -f- 2 n„ d N' -j- ”y/n® — n’ — 2 n„ d N'.
Nach Einführung der halben Summe und Differenz der Winkel und
Quadriren ergiebt sich, wenn noch zur Abküi7,ung
1 ' 9
gesetzt, und das Glied
nJ (fl + fl) * = f
vernachlässigt wird:
4) 4 sin’a cos’f 4 n^ y sin a cos s = 2 (n’— n’)
InJcTN'»!
Hierin kann cos f im zweiten Glied gleich 1 gesetzt werden; ebenso
cos des ersten Gliedes, denn nach Subtraction von 1) und 2) erhält man:
5)
C — ^*0
d
sin u
Danach nimmt f*, der Betrag, um welchen cos^t von der Einheit
y _
abweicht, z. B. bei einem guten Trog (sj<2'; ' d < 1,,5") W'erthe
zwischen 0.08X 10~® und 0,2 X 10~®, bei einem schlechten Trog (f, = 10';
y = 5'; d = 5") Werthe von 2,5 bis 3,5X10-® an. Der durch die Ver-
nachlässigung bewirkte Fehler ist an sich schon sehr klein, wird aber
überdies zum Theil noch durch die oben vorgenommeue Vernachlässigung der
Grössen corapensirt.
4>
Auf der rechten Seite der Gleichung 4) entsteht aus der Klammer
nach dem Ausziehen der Wurzel der Ausdruck
2 1
n’d^vn
(n’ — iC)’!
Bei einer schlechten Scheidewand, d = 5", bewirkt die Vernachlässigung
des Correctionsgliedes in dieser Klammer absolut genommen im Maximum,
nämlich bei den vcrdünnte.stcn der messbaren Lösungen, nur eine .\enderung
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54
um 4 — 5 Einheiten der siebenten Decimale des Brechungsverhältnisses,
bei einer guten Scheidewand, J = 1,5", eine solche von 2 — 3 Einheiten
der achten Decimale, so dass diese Vernachlässigung ebenfalls vorzu-
nehmon ist.
Kach Einführung der erwähnten Vereinfachungen erhalten wir dann:
6 a)
n— n„
sinV ,
— i h
n + no
y sin «.
Diese Formel setzt voraus, dass sich die Flüssigkeit mit dem
grösseren Brechungscsponent n in der Troghälfte befindet, welche nach
der Spitze des Winkels y zu
liegt (Fig. 2). Ist umgekehrt
derartig eingefüllt, dass n nach
der üeffnung von y liegt, so
tritt eine Ablenkung u' ein
(Fig. 3), und /i in der Formel Ga)
erhält, da y sein Zeichen
wechselt, ebenfalls entgegen-
gesetztes Zeichen. Es ergiebt
sich also:
sinV
6b) n-n.= ^_p---,,.
geschlossenen 2^ (f , bezw. nach
Winkel hat man (Fig. 1, 2 und 3):
Die Beobachtung liefert nun
nicht direct u und sondern
den von S, und S^ ein-
ümfüllung einen ^ <f'. lür diese
/7y.Ä
8)
2 sin ce cos «
7 a) 2 ß = 180 — (f — y
7b) 2ß’= 180 — y' -l-y.
Da hiernach die beob-
achteten Winkel doch eine
Correction erfordern, ist
es bequemer auch die in 6)
vorkotnmende Correction
/I statt am Kesultat am
abgclesenen Winkel anzu-
bringen. Diese Correction
des Winkels heisse Ja
bezw. dann ist
nach 6)
d'(.
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Es soll nun
n,
B5
J (n-
-no) = =t/( = ± " ysinc
n + Ofl '
gemacht werden, wo sich das obere Vorzeichen auf Fall a (Fig. 2), das
untere auf b (Fig. 3) bezieht. Dann findet sich:
Ju — + ; Aa' = — ^ ^ •
n '• 2 COS Ci
2 COS a
Nennen wir den wegen ii corrigirten Winkel or„
so ist
1 or,.,,p, =■« -f J« =
180- y
Y
2“ ^
~ 2
Vcos « /
1 f/* r/' _l_ Ar/^
180 — 9;'
Y
( . _ A
1 ** c«>rT **
2
2
\cOS C4 )
Für kleine Werthe von « nimmt die Correction den einfachen Werth
± — y, speciell falls n„ sich auf Wasser bezieht ±-w- an, so dass in
•c b
letzterem, häufigsten Fall
_180 — y y
«cnrr — + g ,
Y
6
ist. «corr und a'rorr würden bei absolut richtiger Beobachtung einander
gleich sein, ihr Unterschied liefert daher ein Urtheil über die Genauigkeit
der Beobachtungen; y lässt sich natürlich mit grosser Genauigkeit direct
bestimmen.
Unter Einführung von erhalten wir als Schlussfonnel
10)
u —
n„ =
sin *^corr
n + n,;'
wo Cf der beobachtete Winkel, y der Trogwinkel ist (s. pag. 52),
und das obere Vorzeichen gilt, falls die Flüssigkeit mit n nach
der Spitze, das untere, falls sie nach der Oeffnung des y hin
liegt (Fig. 2 und 3).
Genauigkeit der F'ormel. Die weitere Ueberrechnung der Fehler
zeigt, dass sämmtliche cingeführten Vernachlässigungen im Zusammen-
wirken das Resultat n — n„ nur um 1 — 2 Milliontel seines Werthes bei
sehr guten Trögen (<• = 2'; y = 2'; d = 1,5"), um 1 bis 2Xl()-‘ bei schlech-
teren Trögen (e = 10'; y = 6'; d=5") beeintlussen. Zur Erzielung letzterer
Genauigkeit müssten indess die IVinkel auf einige Zehntelsecunden scharf
beobachtet sein, was sich n.atürlich nicht erreiclicn lässt. Die einfache
Schlussformel 10) berücksichtigt daher alle Correctionen, welche
erforderlich sind, um keine den Beobachtungsfehlern gegenüber
in Betracht kommenden Fehler in n — n„ zu veranlassen.
Wird für die nämlichen Flüssigkeiten auf beide Weisen, a und b,
beobachtet, so liefert 6a) und Gb), da sich it weghebt:
sinV -4- sin*«'
'‘~”«-^~2 (n + nj^‘
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50
Berechnen wir abkürzend:
, (180-y) + C180-y')
2a=a-\-a= ’ '
A
2<? =
so ergiebt sich durch Vereinigen der beiden Sinus, wenn der im Laufe der
Rechnung bei sin’ä auftretende Factor 1 + \ — l) gleich 1 ge-
setzt wird:
11)
sin* ff
■ "“ir+liV
Die soeben eingeführte Vernachlässigung ist zulässig, wie nach Aus-
rechnung von sin®«' — -sin®« aus 6a) und Gb), welches
r = -
' 3 cos u
liefert, leicht erhellt.
Einfluss der Keilföruiigkeit von Stirn- und Rückplatte.
Dieser Einfluss kann hei nicht zu starker .\bw'eichung vom l'latiparallelismus
immer vernachlässigt werden Hat nämlich die Platte, durch welche der
Strahl austritt, deii Keilwinkel rf', so wird die beobachtete Ablenkung «
unrichtig um
-> = ± d' "^/n® -f tg®« (N*— 1).
Die Wurzel durchläuft von fz = 0 bis tf = 46® die Werthe von 1„5
bis 1,9, so dass also die beobachteten Winkel um 1,6 bis 1,9 Xd' zu gross,
bezw. bei umgekehrter Lage des Keils zu klein ausfallen.
«) Bei der Umfüllmethode fallt, falls nur die Flächen der Platten
eben sind, der Fehler ganz heraus, weil nach Vertauschung der Flüssig-
keiten der entgegengesetzt gleiche Fehler eintritt.
/i) Bei dem Ümdrehverfahren fällt unter derselben Voraussetzung der
Fehler heraus, wenn noch Stirn- und Rückplatte denselben Keilwinkel
haben und entgegengesetzt liegen. Sind im letzteren Fall die Keilwinkel
verschieden (d' und d"), so ist der Fehler 1,5 bis 1,9 (d' — d") und liegen
selbst die Kanten nach dereelben Seite, so wird der Fehler immer erst
1,5 bis 1,9 (d'-f- d"). Da bei meinen Platten die d weniger als 0,5" betragen,
betrüge der Fehler nur 1,5" in diesem ungünstigsten Fall.
Bei schlechteren Platten wird man die Ablenkung eines geeigneten
Objectes (Spalt) beobachten, welche bei Zwischenschaltung des leeren
Troges entsteht, sie giebt den Fehler bei §^) für kleine 2^ u direct an, für
gi'ossere wäre sie mit den angegebenen Factoren zu berechnen, z. B. für
1 9
ß = 45“ mit — = 1,27; für 30® mit 1,09; für 15“ mit 1,02 zu multiphciren.
Ii5
§ 4. Genauigkeit der Methode.
Zur Beurtheilung der Genauigkeit der Methode diente eine Reihe von
Bestimmungen mit verdünnten wässrigen Lösungen gegen Wasser, bei
welchen alle vier Einstellungen S^, Sj, S,, Sj zur Aufnahme gelangten.
Indem dann z. H, an Sj S^ und Sj Sj die Correctionen des vorigen Paragraphen
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67
(s. Gleichung 9) angebracht wurden, ergab der Grad der Uebereinstiinmung
der beiden daraus erhaltenen Werthe «corr und a'corr einen Massstab für
die Genauigkeit.
Der zur Correction erforderliche Winkel y findet sich aus directer
Messung mittelst gespiegeltem Fadenkreuz mit genügender Genauigkeit.
Während beim Umdrehverfahren die Correction die Ordnung y sin « hat,
hat sie beim Urafüllverfahren die Ordnung S (ohne den Factor sin a).
Die directe Bestimmung des nur nach wenig Secunden zählenden Winkels S
reicht deshalb, aussergewöbnlich feine Hilfsmittel ausgenommen, hier nicht
aus. Man benutzt deshalb das Verfahren selbst zur Ermittelung von d,
wobei sich unter Anwendung geeigneter, mittlerer Werthe von n — n„ leicht
d in bOfacher Vergrösserung einer scharfen Messung darbietet, so dass
die Methode zur Bestimmung des Keilwinkels von Planplatten sehr
gut ist.
Die in der folgenden Tabelle mitgetheilten Messungen wurden mit
verdünnten Tri- und Dichloressigsäurelösungen gegen Wasser ausgeführt,
sie finden später weitere Verwendung. Die beiden ersten Spalten ent-
halten die beobachteten Werthe — und , die dritte Spalte
die nach 9) anzubringende Correction. Der darin vorkommende Winkel y
betrug 4' 2" (s. § 2); für a in der Correction dient natürlich der un-
corrigirte Werth davon. Spalte 4 und 5 enthalten die mittelst Spalte 3
erhaltenen Werthe die sechste Spalte giebt die Differenzen der jeweils
zusammengehörigen «, in der letzten Spalte finden sich die zugehörigen
Werthe n — n,. Die Sicherheit der Einstellung auf die Grenze wächst mit
Vergrösserung von n — n„.
Tabelle I.
180-9>
180 -ijc'
2
2
1»43' Si"
1»44'27"
2® 25' 21"
2» 26' 48 .9"
3»25'47,s"
3» 26' 62, s"
4«49'44.(i"
4» 51' 2, j"
H»49'38.j"
8*30'63.2"
9» 87 56,0"
9® 39' 0,6"
13»3«'48,o"
13® 36' 13,6"
1« 32' 40,9"
1®34' 2ji"
2« 9' 20,9"
2® 10' 39,6"
3» 0'529"
3® 2' 149"
6»51'88,o"
6®62'49..9"
U ”» -l)
Ja = .
ffeorr
f^rOTT
1,
1
n — no
1
i
1
Q(,«corr-«<orr^ '
« 1
1 40.4"
1® 13'
■ "^'1
43,1." '
1® 13'
46,6"
-1,4"
0,0003414
1 40.4"
2® 26'
I.1" ;
2« 26'
81"
-
-3,4"
6766
1 40,7"
3» 26'
28,-/'
3® 26'
11,6"
-j
h8o"
13487
41.o"
4" 60'
259"
4» 50'
21,j"
H
-2,3"
Ü867
419"
6® 50'
20.n"
6» 6»»'
11,/'
H
hl./'
5306
42,6"
9® 38
37.6"
iy'38'
18,o"
H
-9,h"
10478
44,(."
13» 36'
32,9"
13» 3.6'
28,6"
H
- 2.0"
0,tr.»0553
40,4"
1®33'
21,3"
i»3;i'
21,9":
_
-O.3"
0, 0002765
40,4"
2® 10'
1.!"
2® iY
69,s"
-I- 1.0" 1
5350
40,e"
1 3® 1'
33.1"
3® r
3,3,1."
-
-0,4"
1(M46
41,s"
5® .62'
19,7" 1
5» 52'
89"
+ B.4"
0,003918
Man wird bei Messungen nach dieser Methode gewöhnlich nur eine
der beiden Bestimmungen, a oder vornehmen. Die Abweichung eines
dieser Werthe von ihrem Mittel giebt also ein Mass des für gewöhnlich
zu erwartenden Fehlers, sie ist gleich ''’elcher Werth jetzt unter
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58
Jf( verstanden wird. Wir haben dann für den J« entsprechenden Felder
in (n — n„):
I J (n — n„) = Ju und
121 I “ + ''0
j J (n — n„) 2 Ju
n — n» tg «
Damit ergiebt sich aus der obigen Tabelle, dass J (n — n„) im Durch-
schnitt 1,46X10~® beträgt, dass also der Drechungsexponent relativ zu
Wasser bis auf etwa 1X10~® seines Werthes gefunden wird. Diese
Genauigkeit reicht nahe au diejenige heran, welche bei den schärfsten
Dichtebestimmungen von Lösungen erreicht wurde*), ausserdem überstreicht
die Methode ein Intervall der n — n^, welches einerseits in das Gebiet
des Interferentialrefractors, andererseits in das der gewöhnlichen Prismen-
und totalreflectometrischen Methoden eingreift.
Was andererseits die relative Genauigkeit betrifft, so betrügt dieselbe im
Durchschnitt etwa 4X i0~*. Zur quantitativen Beurtheilung der Werthe Ja
der Tabelle I möge die Bemerkung dienen, dass in jedes Ja sechs Spec-
trometereinstellungen eingeheii: je zwei für »/, <p' und y. Da die directe
Messung 180 — (f und 180 — (/’, d. h. 2a und 2a' giebt, während Ja = —
ist, würden also, falls sich die einzelnen Kinstellungsfehler im Zusammen-
wirken addiren. Ja ein Viertel von vier iMnstelliingsfehlern haben, oder
der Fehler von Ja würde etwa dem einer Einstellung gleich kommen.
Daran fügt sich dann noch der durcli y bewirkte Fehler, der aber sehr
klein ist, da y nur mit etwa seinem sechsten Theil auf das Resultat wirkt.
Nun gab der Nonius des Spectrometers direct 20", im Allgemeinen
waren 5" zu schätzen, aber ein Ablesefehler von 10" ist wohl auch
öfters unterlaufen, besonders auch weil an manchen Stellen der Theilung
die letzte Schätzung von der Beleuchtungsweise der Theilung nicht ganz
unabhängig war. Die Winkelwertho gingen gewöhnlich aus 2 — 3, bei der
zweiten und achten Bestimmung der obigen Tabelle aus 5 Eiuzeleinstellungcn
hervor. Nimmt man dies hinzu, so ergiebt sich, dass die Werthe von
Ja etwa bis zu 5" hin durch die Ablesefehler des Spectrometers erklärt
werden könnten.
Hierzu kommen nun noch die Fehler beim Einstellen auf die Grenze
und die Temperaturfehler, über letztere s. ^ 5. Berücksichtigt man dies,
so erklären sich die Werthe Ja der Tabelle nicht nur, sondern die Fehler
bei kleinen Wertben von Jn erweisen sich als geringer wie wegen der
ungenaueren Einstellung auf die Grenze l)ei verdünnteren Lösungen
erwartet werden kann. Bei Jn unterhalb 0,oo3 würde ein feineres Spec-
trometer zwecklos sein, bei den concentrirteren Lösungen, bei denen die
Grenzeinstellung äusserst scharf ist, würde dadurch an Genauigkeit noch
gewonnen werden können. Der verhältnissinässig grosse Werth von Ja
in der sechsten Reihe der Tabelle beruht wohl auf einer kleinen Unschärfe
der Tbeilstriche; im Beobachtungsjournal ist ..Ablesungsschwierigkeit des
Nonius“ notirt, der verhältnissinässig grosse Werth von u aber erst bei
der leider nur sehr viel später möglichen .Ausrechnung bemerkt worden,
K. Kohli auscli u. W. Iliillwnchs, Wied. Aun. äa, 1S94, p. 14.
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69
als eine Wiederholung der Beobachtung nicht mehr möglich und auch
für die anderen Zwecke der Beobachtungen (s. § 8) nicht erforderlich war.
Als Beleg für die Genauigkeit der Einzelbeobachtungen mögen zunächst
die Einzelwerthe der Versuchsreihe , welche der ersten Beobachtung der
Tabelle (Jn = 3,4KlO*‘) entspricht, mitgetheilt werden, aus welchen
zugleich der Gang der Beobachtungen ersichtlich ist.
Tabelle II.
tll’o
t Lötung
Stellung
Nr. der
Ablefiang
Nonius I
Nonius II
12,2.V
12,25"
S.
1
85“ 49' 10"
265“ 48' 30"
2
49' 8"
48' 30"
S.
1
262“ 19' 55"
82“ 20' 27"
2
20' 10"
20' 45"
1
85" 49' 25"
265“ 48' 37"
2
49' 22"
48' 35"
12,ü9"
12.71“
ümgel'UUt
12,22“
12,20"
Sr
1
82 “24' 5"
262“ 23' 25"
2
2.T45"
23' 5"
Sg
1
265“49'10"
85“49' .38"
2
49' 20"
49'48"
S.
1
82 "23' 45"
262“ 22' 55"
2
23' 52"
23' 5"
12,51“
12,54"
Daraus würde sich ein mittlerer Einstellungsfehler von etwa 9" er-
geben. Ueber die Berücksichtigung der Temperatur siehe § 5.
Als zweites Beispiel diene die letzte Beobachtung von Tabelle I, wo
Ju etwa den zehnfachen Werth wie im vorigen Falle hat, und die Ein-
stellungen wegen der grösseren Lichtstärke viel schneller von statten gehen
und wohl auch genauer sind. Die zusammengehörigen Paare von Minuten
und Secunden anzugeben ist ausreichend. Man erhält:
19'55"jl9'10" i33’35" .M'K/' .•«>'40" 35'l(r 18''Z8" li« 0"|
6' ,5"
49" 52" 49' 5"
• 48"' 5" 1 »r 5"; 40" 10"' 25"|lH'5<r
5"
4(4"
1 0"
Je 4 Zahlen entsprechen derselben Trogstellung, der Verticalstrich
dazwischen trennt die Werthe der beiden Nonien, liier bleibt der mittlere
Fehler einer Einstellung etwas unter 4". Genauere Abschätzung als auf
5", wie sie in den vorigen .\ngaben enthalten sind, haben nur unter-
geordneten Werth, da der Nonius direct 20" liefert.
Es ist erforderlich, für sehr helles Licht, namentlich bei den ver-
dünntesten Lösungen, .Sorge zu tragen, auch gelingt es erst nach einiger
Uebung, die Einstellungen bis zu der aus den angegebenen Zahlen ersicht-
lichen Schärfe zu treiben. Bei den Vorversuchen waren die drei ersten
Lösungen der Tabelle I zur Einübung schon einmal bestimmt worden.
Dabei unterschieden sich die Einzelablesungen erheblich mehr. Es wird
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60
iiidess zum Urtheil darüber, wie weit ein ungeübter Beobachter kommt,
dienen, wenn die damals erhaltenen Wertlie hier aufgeführt werden.
Viirverauche
1“44' 0”
2» 25' 54"
3“ 26’ 25"
Haiiptversuche
1“ 43' 45"
2" 26' 5"
3" 26' 20"
Man sieht, dass es bereits zu Anfang, um den ungünstigsten Fall zu
nehmen, kleine n — n^, z. B. 3,4X10'^ so genau zu messen möglich war,
dass die Differenz von dem schliesslich erhaltenen Werth nur “ j beträgt.
Es möge noch darauf hingewiesen werden, dass es besser ist, mit
breitem als mit schmalem Licht zu arbeiten. Eine geeignete Drehung
des ganzen Spectrometers bewirkt nämlich, dass sich das Licht auf einen
beliel)ig schmalen Streif zusammenzieht, der auf der einen Seite von der
Einstellungsgrenze und dem anschliessenden dunkeln Gebiet, auf der andern
Seite von einem durch Ahblendung verdunkelten Gebiet begrenzt wird.
Das mit der Einstcllungsgrenze endigende dunkle Gebiet erscheint dann
zwar schwärzer, aber die Grenze ist, da auch der beleuchtete Theil dunkler
ist, weniger scharf, wodurch die Einstellung unsichrer wird. Bei möglichst
ausgebreitetem und hellem Licht diesseits der Grenze scheint zwar .\nfaugs
infolge von Blendung die Grenze matter, indess ist sie schärfer und ge-
stattet bessere Einstellung.
Die Bestimmung von d, auf welche zu Anfang dieses Paragraphen ver-
wiesen wurde, möge jetzt erläutert werden. Gleichung 9) der früheren
Arbeit*) giebt;
n— i'o
sin*a
n-f n„
wo
• = — d [l — (n — n,,)] (X'— V sin «)■
a bedeutet hier den halben Winkel, welchen S, und 8.3 der Fig. 1
dieser hier vorliegenden Arbeit einschliessen. Analog würde man für den
halben Winkel zwischen S, und S^, der mit ct' bezeichnet werden möge,
erhalten
* n -j- n„
Durch Subtraction beider Gleichungen findet sich durch eine einfache
llechnung
, sin («-{-«')
V = (0: — n ) / -p- -r >
äln-t-n^)
oder wenn man den vorher angeführten Werth von v einsetzt:
13) ^ «' — K sin(«-l-a')
^ (n-f nfli ^ (n — n„l) (X'— ’ sin n)
Fällt d positiv aus, so liegt die Spitze des Keilwinkels nach derjenigen
Platte zu, aus welcher die den ^ a' bildenden Strahlen Sj und Sj aus-
•) Wied. Anii. .")0, 18ti3, p. ,"i83.
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61
treten (in Fig. Platte B), fällt J negativ aus, so liegt sie nach der andern
Platte zu.
Die Formel zeigt, dass a — « für stärkere Lösungen sehr klein wird,
so dass die Ablesefehler erheblichen Einfluss gewinnen, für schwächere
Lösungen sind zwar die Werthe «' — a grösser, aber die Einstellungsfehler
auf die Grenze ebenfalls. Zur Bestimmung von d eignen sich daher
mittlere Lösungen am besten, etwa solche, welche Minute für u' — a
geben. Dem entsprechend findet sich aus der dritten, vierten und zweit-
letzten Bestimmung von Tabelle I (für die letzte Lösung wurden <p und
nicht unmittelbar hintereinander bestimmt, inzwischen war der Trog weg-
genommen gewesen, so dass a und «' nicht zu ermitteln sind), für S die
Werthe 1,34", 1,35" und 1,Z4", im Mittel l,3l", hei der Verwerthuiig aller
Bestimmungen der Tabelle 1 findet sich 1,4" für den Mittelwerth.
Benutzt man diese Werthe von d zur Berechnung der Correction r.
so finden sich die Abweichungen der berechneten Werthe
von den
beobachteten für die Bestimmungen unter Tabelle I (ohne die letzte Lösung)
nach der dortigen Reihenfolge zu:
-10,5"; -11,8"; +0,5"; +l,i"; +1,6"; -0,s"; +2,3"; -0,8"; -3, 5"; +3,o"
woraus der Genauigkeitsgrad von Neuem entnommen werden kann und
eher noch etwas höher wie früher bewerthet würde.
§ 6. Temperatureinflüsse.
Zweierlei Temperaturcon-ectionen sind zu erörtern, erstens die durch
Unterschiede der Temperatur in den beiden Troghälften, zweitens die durch
Aenderung der Gesammtteinperatur veranlassten. Die ersteren bleiben
meist sehr klein, um sie richtig zu messen, müsste eine thermoelektrische
Temperaturmessung eingerichtet werden. Von der Erstrebung der damit
zu erreichenden Vergrösserung der Genauigkeit konnte ich in den meisten
Fällen bei meinen Versuchen abstehen. Ist ß der Temperaturcoefficient
des Brechungsexponenteu n„ (z. B. für Wasser bei 12„5“, meine Beobachtungs-
temperatur, gleich — 6 X 10^®) und t — 1„ die Temperaturdifl'erenz der
beiden Troghälften, so würde sich n„ bei (ler Verbringung der Flüssigkeit
mit n„ auf die Temperatur t vermehren um
Jn„ = ^(t— g.
Die damit verknüpfte Aenderung von « wäre (siehe auch p. 58 Formel 12):
14)
J« = - (t-t„).
sin 2 « ' "
Für jedes 0,oi“, um welches die Temperatur von Flüssigkeit tiefer
ist, wie die von n, ist daher a um einen Betrag zu vermehren,
hezw. bei höherer Temperatur zu vermindern, der sich für unser Temperatur-
intervall aus folgender Tabelle für verschiedene Werthe von a ergiebt:
«=1.5" 3 6 12 24
= 6,3" 3,1 1,6 0,8 0,46.
Bei meinen Beobachtungen heben sich diese Correctionen im Mittel-
werth von a fast überall bis auf sehr kleine Beträge heraus. Bei den
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62
verdünntereu Lösungen wurden sie indess augebraclit, insbesondere für
die Bildung der im vorigen I’aragrapb zur Beurtheilung der Genauigkeit
angegebenen Werthe “ Die Correctionen sind an jeder einzelnen Ein-
Stellung S nieht erst an den daraus resultirenden Winkeln (Sj S»; 180 — S,
u. 8. w.) anzubringen, wobei etwas Voreicbt wegen des Vorzeichens notb-
wendig, zu berücksichtigen ist, dass die « die ^ der S mit den Platten-
normalen bedeuten.
Die Abnahme der Brecbungsdifferenz mit steigender Gesammttemperatur
wurde für die untersuchten Substanzen beobachtet. Aus Gleichung 6 a)
und 7a) ergicbt sich:
15) _* = ^ lO'T “ü) = ^ ^ 'f
n — n„ dt tg « (1 1 ’
wo X die Bezeichnung für den Temperaturcoefticienten ist, und worin statt
(f natürlich auch <f,' genommen werden kann.
Die Bestimmung ist einfach auszuführea, indem man den mit Deckel
ver.sehenen Trog, nach Vornahme einer Messung nach dem Umdreh-
verfahren in einem Kaum von tieferer Temperatur, in ein Zimmer von
höherer Temperatur verbringt und, sobald er letztere angenommen, eine
neue Bestimmung macht.
Auf diese Weise ergab sich (u„ bezieht sich immer auf Wasser) für
X
Trichloressigsäure, t» = 8, zwischen
11 ^ 1 e ^1 11
Dichloressigsäure , r = 0,2,
11 1 *’ liOi
Zucker, ii = 2,.'>fj,
Bromcadinium, jji=0,52.
12,4 und 17,6** (•!</
12, ö „ 17,6" (%
bei 12,5"
11 12„ä"
11 17i8"
11 18,6"
3' 17") 2,18- 10-s
6' 3") 2,08- 10- »
2,69 10-s
3,03 • 10-»
0,95 -IO-»
1,30- 10-=>.
Alle Beobachtungen an den verschiedenen Lösungen eines Körpers
sind mit diesen Tem])eraturcoefficienteu auf dieselbe Temperatur reducirt
worden. Dabei fanden die Correctionen wieder direct an den beobachteten
Winkeln statt, welche um
Jf/ = X ( t — t.v),
wo t die Beobaclituugs-, t.N die Normaltemperatur, vergrössert wurden.
Während der Ausführung der verschiedenen Einstellungen an einer
l,ösung geht die Gesammttemperatur langsam etwas in die Höhe, etwa
0,2 — 0,3“, wodurch die Einstellungen, wie sich aus den vorstehend
gegebenen Temperaturcoefticienten tindet, Aenderungen von einigen
Secunden, bei den concentrirtesten Lösungen etwas mehr (bis 12" im
Ma.ximum) erleidet. In den meisten Eällen ist durch die Anordnung der
Beobachtungen schon für die Elimination dieses Teraper.atureinllusses
gesorgt, indem z. B. erst Sj dann S,, dann nochmals S, ermittelt wmrde.
Durch .Anbringung der Temperaturcorrection an den einzelnen Beobachtungen
ergab sich eine Controle, welche fast immer zeigte, dass die angegebene
Anordnung genügte.
Im üebrigen wurden nicht nur die an einem Elüssigkeitspaar gewonnenen
ff< und (/', sondern wie erwähnt siimmtliche der nämlichen Substanz zu-
gehörigen .Messungen auf eine gemeinsame Mitteltemperatur reducirt.
Vielleicht Hesse sich die Genauigkeit durch Auweiidung eines Bades
noch etwas vergrössem.
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63
§ 6. Heber die Abhängigkeit des BrechuugsTermögens von Lösungen
Tou der Concentration.
ln einigen früheren Arbeiten habe ich mich mit der Abhängigkeit
der Lichtgeschwindigkeit in verdünnten, wässerigen Lösungen von deren
Concentration bescliäftigt Es zeigte sich, dass die molecularen Brechungs-
differenzen t’Jn, wo i’ die Verdünnung der Lösung, Jn die Brechungs-
exponentdifferenz bedeutet, auch bis in sehr grosse Verdünnungen hinein
nocli in vielen Fällen stark ansteigen*j.
Da die grössere oder geringere Stärke dieses Anstieges im Allgemeinen
mit der Dissociation der Lösungen parallel lief (1. c. p. 394), lag es nahe,
diese für die Erklärung herauzuziehen. Indess war auch der Verlauf des
Molecularvolumens mit der Verdünnung zu beachten, welcher zunächst
für so verdünnte Lösungen noch nicht hatte beobachtet werden können.
Nachdem er bekannt geworden war**), ergab sich das Resultat***): „der
Gang in den Werthen“ von vJii ist „durch den Gang des sogenannten
Molecularvolumens bedingt: die Diclitigkeit ist es im Wesentlichen, auf
die sich constitutive Einflüsse (Dissociation) geltend machen, das Bfechungs-
vermögen wird von ihnen nur sehr wenig berührt.“ Letzteres behielt
nämlich noch einen Rest von Zunahme, der indess sehr klein war, etwa
1*0 bei Anwendung der R'-Forinel. Es fr.igte sich, oh dieser Rest noch
weiter erklärbar sein würde. Es konnte die mit der Verdünnung
fortschreitende Dissociation einen Einfluss haben, aber es konnten auch
andere Umstände einwirken, denn es ergaben z. B. auch Lösungen von
Körpern, die sich niclit dissociiren, wie z. B. von Zucker, einen Anstieg,
auch ist das Brechungsvermögen von Mischungen nicht aufeinander
reagirender Flüssigkeiten aus dem Brechungsvermögen der Coraponenten
nur annäherungsweise zu berechnen u. A. m. Es hat sich eben bei allen
einschlägigen Untersuchungen gezeigt, dass das Brechungsvermögen, nach
welcher der dafür aufgestellten Formeln es auch l)erechnet werden mag,
zwar die Aenderungeii der chemischen Natur wiederspiegelt, aber doch
nur als annäherndes Mass dafür betrachtet werden kann, da es eine nur
annäherungsweise nicht vollständig von anderen Einflüssen befreite Grösse
istf). Jene nur auf etwa 1"„ bei den R', 2"/o den R-Werthen
anwachseiiden Reste des Anstieges vom Brechungsvermögen Hessen nun
irgend einen Schluss darauf, ob einer der erwähnten Ursachen in hervor-
ragender Weise der Anstieg zuzusr,hreil)en sei, niclit zu, somit war das
Resultat jener Versuche, dass der Anstieg mit der Verdünnung „nahezu
durch die Dichteänderungen erklärt“ werde, dass die letzteren die oben
genannten Constitutionsänderungen“, des Dissociationsgraiies, „wieder-
spiegeln, während das Brechungsverniögen von ihnen einen Fänfluss von
sicher deutbarer Grösse nicht erleidetft)-“
Dabei blieben es offene Fragen, ob die Dissociation vielleicht doch
einen directen Einfluss hätte, der aber quantitativ zu gering wäre, um in
den beobachteten Fällen erkennbar zu sein und wenn dies der Fall war.
*) W. Iliillwachs, (tütt. Naohr. 1H92, Nr, 9; Wied. Ann. 17, 1892, p. 391.
**) F. Kotilranscli und \V. Hallwae.hs, (lütt Nadir. 1893, p 350; Wied Auii.
60. 189.3, p. 118; 53, 1894, p. 14; F. Kohlrausch, Wied. .4nn. 56, 1893, p. 18.5.
•••) Wied. Ami. 50, 1893, p .587
f) s a. p. 79 Aiiincrkiiiig **•).
f-fj Wied Ann. 53, 1894, p. 1 und 2.
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64
ob es vielleicht einzelne Jonen gebe, welche beim Uebergang in den
neutralen Zustand eine Aenderung des Brechungsvennögens von beträcht-
licherer Grösse bewirkten. Ein Einfluss derselben auf den Gang des
Brechungsvermögens bei fortschreitender Verdünnung konnte etwa erkennbar
werden, wenn sich Lösungen damit bilden Hessen, welche in dem Gebiet
zwischen den mit den optischen Methoden erreichbaren grössten Ver-
dünnungen und nicht allzu grossen Concentrationen, bei denen andere
Complicationen in Aussicht standen, ihren üissociationsgrad genügend
änderten.
§ 7. Versuche von Herrn Dijken.
Eine grössere Anzahl von Beobachtungen der Brechungsdiflerenz
und des Molecularvolumens von Lösungen bis zu stärkeren Verdünnungen
hinab, hat inzwischen Herr Dijken*) veröffentlicht. Dieselben liefern das
mit dem meinigen übereinstimmende Resultat, dass das Brechungs-
vermögen „bij verschillende graad van dissociatie bijna constant blijft“.
Die optischen Grössen hat Herr Dijken mittelst des luterferential-
refractors unter Anwendung eines Flüssigkeitscompensators bestimmt.
Mit letzterem hatte schon vor einiger Zeit Herr Borgesius gearbeitet**),
aber, wie ich früher darlegte***), keine zu weiteren Schlüssen genügend
genaue Resultate erhalten. Herr Dijken hat eine sehr beträchtliche
Fehlerquelle dabei nachgowiesen, nämlich dass Herr Borgesius das Wasser
in dem Flüs.sigkeitstrog nicht regelmässig erneuerte. Herr Dijken zeigt
p. 42 und 43 durch Versuche, dass dann zu kleine Werthe iur n — n„
erhalten werden , da natürlich das Wasser Verunreinigungen sowohl vom
Trog als von der Umgebung aufnimmt. Da der Gang in den Werthen
für die moleculare Brechungsdifferonz bei Dijken ganz normal ist und mit
dem früher von mir beobachteten gut überoinstimmt, dürfte der erwähnte
Fehler in den meisten Fällen die Abweichung der Resultate des Herrn
Borgesius grösstentheils erklären , so dass sich die Einwände gegen diese
Methode vermindern und man im Allgemeinen sagen kann, dass Herr
Dijken den Flüssigkcitscompensator brauchbar gemacht hat.
Es bleibt bestehen eine Vergrösserung der Fehler im Vergleich mit
meinen früheren Beobachtungen, welche aus zu geringer Troglänge hervor-
gehen. Dijken vertauscht nur 35 mm lange Flüssigkeitsschichten, während
ich 210 mm dazu benutzte, so dass er nur den sechsten Theil der Streifen
erhält und das zu bearbeitende Gebiet nur bis zum sechsten Theil der
Verdünnung hinab erstrecken kann. Es wird demgemäss angegeben (p. 26),
dass für XIDNO* Lösung mit einem f; = 128 (n — n„ = 0,76 X 10^*) nur
4 — 5 Streifen am Fadenkreuz vorübergehen und die Messungen dadurch
weniger genau sind, so dass dann grössere Tiefe der Flüssigkeit vor-
zuziehen ist. Da nun aber mit -anderen Methoden (s. § 1 — 6 dieser Arbeit)
*) 1). Dijken, De Moleculairrefractie vun ventunde Zoiitoplossingen , tiriminsen,
lloitsemn, lHil7; s. a Ztschr. ph.v», Clieni 24, 1867, ji. 81, wo indess Theil« der Arbeit
nur im Auszug mitgetlieilt sind, weshalb im B'idgendcni die Seiten der Originalablmndlung
eitirt werden. Beobachtet sind an je etwa 8 (’oneentnitionen. « — l bis e=128,
NID NO»; NH‘C1-, (XH*)‘SOL K CI; ■/, Mg(XO=)ä; V,Jlg8l>‘; ‘'jMgCl«; ’/iZnCXOVi
Va Zn CI*.
**) Borgesius, Wied. Ann. 54, 1895, p. 221.
••*) Wied. Ann. 55, 1895, p. 282.
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G3
bis zu sehr grossen Verdünnungen (entsprechend etwa n — n„ = 3X10“^),
die lirechungsdifferenzen viel einfacher und schneller wie mit dem Inter-
ferentialrefractor bestimmbar sind, wäre dieser gerade für die äussersten
Verdünnungen auszubilden, also auf griissere Zellenlänge des Flüssigkeits-
compensators hin zu arbeiten. Vielleicht möchten aber dann durch die
Schwierigkeit, die Temperatur in dem ganzen Apparat constant zu halten,
grössere Fehler entstehen. Wenigstens fand sich bei meiner früheren
Anordnung eine grössere Uohrlängc als etwa 200 mm zwecklos*).
Hinsichtlich Temperaturausgleich und Constanz war diese aber dem
Flüssigkeitscompensator überlegen, indem Wasser und Lösung nur durch
eine dünne Platinwand, statt durch dicke Glasplatten und eine Flüssigkeits-
schicht, getrennt waren und sich die Flüssigkeiten innerhalb einer ge-
schlossenen Röhre mitten in einem grossen Wasserbad von 6 Liter Inhalt
befanden, während der Trog des Compensators wohl nur etwa ’/s Liter
fasst. D.ass man den Compensator auf 200 mm Länge zu bringen ver-
mag, ist mir der TemperatureinÜüsse halber daher zweifelhaft, wenigstens
so lange nicht sehr umfangreiche Anordnungen getroffen werden.
Die früher hcrvorgehobcno Schwierigkeit, dass bei sehr geringer
Streifeuzahl die Streifen breit und verwaschen werden, eliminirt Herr
Dijken dadurch, dass er für Krechungsditferenzen, die kleiner als 6X10~‘
sind, die Phasenditferenz nicht durch Null hindurchschlägt, sondern durch
Drehung der einen Uefractorplatte einen anderen Theil des Streifensystems,
wo dann die Streifen schärfer, wenn auch schmäler werden, ins Gesichts-
feld des Fernrolirs bringt. Die Einstellung ist dann genauer.
Ein Hauptvortheil des Flüssigkeitscompensators besteht darin, dass
die Vertauschung der Flüssigkeiten ohne den Zeitverlust, welchen das
ümfüllen mit sich bringt, geschieht, so dass sie öfters wiederholt und
dadurch die Genauigkeit gesteigert werden kann.
Die Differenzen der Beobachtungsteraperaturen bei den verschiedenen
Conccntrationcn derselben Substanz sind bei Dijken sehr gross. Sie
steigen auf nahezu 7 Grad an, während ich früher ihre Beschränkung
auf einige Zehntel Grad für nöthig fand; dazu kommt, dass gerade wo
die stärksten Temperaturditferenzen eintreten, die Temperaturcoeflicienten
von n — n„ nicht bestimmt sind.
Wenn nun auch nicht überall die grösste Genauigkeit erreicht ist,
so liefern doch die Beobachtungen des Herrn Dijken [.Mg(NO“)^ vielleicht
ausgenommen] ein sehr brauchbares Material.
Was .Mg(N'()=‘)2 betrifft, so findet sich von v=l bis i»==128 eine
Abnahme von R, dem Brechungsvermögen nach der ” ^ Formel, von
nicht weniger als 8“/„, während alle anderen sowohl von Herrn Dijken
als auch von mir ausgeführten Bestimmungen eine Zunahme liefern und
zwar von etwa 2“„ im Maximum. Mau darf wohl vermuthen, dass dies
abnorme Resultat auf Fehlern in den Werthen des Molecularvolurnens
beruht. Denn bei den Sulfaten, sowohl nach F. Kohlrausch und mir,
wie aucli bei den Chloriden, nach Dijken, haben Zink und .Magnesium
einen ganz analogen Verlauf der Curven, welche die .M(decularvolumina
als Function der Concentration darstellen. Bei den Nitraten findet aber
•) Wied. Ann. 47, 18Ö2, p. 384.
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GG
Dijken einen durchaus verschiedenen Verlauf. Zugleich ist die Abnahme
des Molecularvolumens im Intervall von r = 1 bis v = 128 grösser als
ilie irgend eines der bisher in diesem Intervall beobachteten Körper und
dazu haben sich die stärksten Aeuderungen bisher bei den Säuren ergeben,
während die Salze viel kleinere Aenderungen zeigen. Die Resultate mit
Mg (NO*)® sind also sowohl hinsichtlich der R-\Vertlie, als auch hin-
sichtlich der Molecularvolumina ohne Vergleich. Bei der Beachtung, die
ein so abweichendes Verhalten erforderte, wäre eine Wiederholung dieser
Versuche sehr zu wünschen.
Hinsichtlich der Dichtebestimmungen ist noch auf eine Ungenauigkeit
hinzuweisen. Die Kiuzeltemperaturen weichen von der Mittelteinjieratur
für die Lösungen einer Substanz um Beträge ab, die 0,5 — 1“, bei einer
Substanz sogar mehr als 2® erreichen. F. Kohlrausch und ich haben
es bei unseren Versuchen für nöthig gefunden, die Temperatur auf
einige 0,oi" constant zu halten. Der Eintluss der Teinperaturschwankungen
könnte durch eine grössere Anzahl von Ansdehnungscoefticienten-
bestimmungen corrigirt werden. Solche Bestimmungen hat nun Herr
Dijken fast durchaus für ein beträchtlich höher liegendes Temperatur-
intervall, als dasjenige, über welches corrigirt werden muss, gemacht;
ebenso werden dio Reductionen des Gewichts des Glaskörpei's in Wasser
alle mit einem Mittelwerth des Ausdehnungscoefticienten ausgeführt, ohne
Rücksicht auf die Lage des Correctionsintervalls. Dadundi treten beträcht-
liche Fehler auf. Zum Beispiel: Bei .Mg(NO'*j® ist das Gewicht in Wasser
von 15,13® auf 16,00® zu reduciren. Dafür würde sich mit dem zugehörigen
ai,,„=l,5(iX10^^ und einem «oia., = 0,2ti 10'^ eine Correction von 18,5“«
ergeben, während Dijken mit einem mittleren l'einperaturcoefficienten
20,1"« berechnet, was volle Unterschied macht. Aehnlich wie bei
diesem Beispiel mit Wasser ist es, wie es scheint, bei den Lösungen,
deren Ausdehnungscoefticienten noch überdies immer nur an der con-
centrirtesten ermittelt wunlon, was hier der grossen Teinperaturintervalle
wegen, über die corrigirt werden muss, nicht genügt. Dadurch entstehen
beträchtliche Fehler für die .Molecularvolumina; so wünle z. B., wenn
man die richtigen einsetzt, letzteres für die dritte .Mg (NO®)- Lösung
(p. 54) um eine Fänheit anders ausfallcn.
S; 8. Unter.siichnng der Abhängigkeit des Brerhimgsverniögens von
der Concentration bei wässerigen Lösungen von Broincadniinni,
Zucker, Di- und Trieliloressigsäure und deren Kaliunisalzen.
A. Bromcad niiuin.
Bei den im ersten Theil erwähnten Untersuchungen wählte ich die
Substanzen so, dass gleichzeitig die 5j G letzter Absatz erwähnte Fnige
nach dem eventuellen (luaiititativen llervortreten einzelner .Ionen geprüft
werden konnte. Diese Wahl konnte nach vorhandenen Untersuchungen
über die .\eiiderung des Brecliimgsvermögen.s bei der N'eutndisation
getrotleri werden*). Die Arbeit des Herrn Le Blanc hatte ich schon
') Ostwftlcl, .Tuum. piakt. Clum. (XF) IS, |S7S, p. 32S; ],e Ulaiic, Zeitschr.
phjä. t’hem. 4, IHSO, p. 5.')3; Le IltLiiic und Kuhlaud, Zeitsehr. phjs. t'hem. 19, 189tj,
p. 201.
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früher*) erwähnt und auch seine Beobachtungen an H*S0‘ zum Ver-
gleich herangezogen. In dieser Arbeit stiess ich bei einer Nachrechnung
einiger Angaben wiederholt auf Fehler**), so dass ich mich zunächst
darauf beschränken musste, eine Revision des Zahlenmaterials von Herrn
Le Blanc als wünschenswerth zu bezeichnen. Dies ist nun in dankens-
werther Weise durch die Herren Le Blanc und Rohland 1. c. geschehen,
die meisten Bestimmungen wurden wiederholt, so dass man sich nur
an die neue Arbeit zu halten hat***), ln dieser Arbeit werden die
Differenzen der Aequivalentrefractioueu von Säuren und ihrem N'a-Salz,
sowie von Salzen und anderen Salzen untersucht, wobei die Substanzen
so gewählt sind, dass sie sehr verschiedenen Dissociationsgrad zeigen.
Durch Vergleich jener Differenzen für sehr stark und sehr schwach
dissociirte Substanzen kann dann ein directer Einfluss von Dissociation
wahrscheinlich gemacht werden. Die Unterschiede dieser Differenzen
sind im Allgemeinen klein, so dass wegen bestehender Nebeneinflüsse
(s. p. 74, 75, 79) auf den Einfluss der Dissociation nicht mit voller
Sicherheit geschlossen werden kann.
Nur in einem Falle kommt eine grössere Differenz vor, welche einen
völlig einwandfreien Nachweis für die Einwirkung der Dissociation geben
würde: einer Differenz der Aequivalentrefractionen stark dissociirter
Bromide und Jodide von 11,4 steht nämlich gegenüber eine Differenz
zwischen dem schwach dissociirten Brom- und Jodcadmium von nur
•) Wied. Auii. öd, 1S04, p. 11.
•*) So auch Herr Di.jken I. c. p. 60.
***) Le Blanc. Zeitschr. plija. Chem, 19, 1896, p. 262, Aniuerkc, ,.AlIe in Betracht
komniendcn Daten koinnieu in dieser .Arbeit vor, ao dass auf die Tabellen meiner
früheren .Arbeit nicht mehr zurückgeKriifen werden darf.“ In dieser Anmerkiing sagt
Ilerr Le Blanc auch, dass er die Behalte der verschieden concentrirten Jei.'iunKeu einer
imd derselben Substanz, einzeln durch Titriren erhalten hat. Da die relative Richtigkeit
der Conccntratiouen durch Verdimuen mit Messkolben und Pipette weit schärfer erhalten
werden kann, wie durch Titraticni, werden durch die Einzeltitration vermeidbare Fehler
in die Goucentrationsverhältnisse eingefUhrt. Man sollte die relativen Verdünnungen
daher für sich bestimmen und das Resultat der Titrationen zu einem Mittel vereinigen.
Hätte ich aus der Arbeit des Herrn Le Blanc entnehmen können, da.ss dic.s nicht ge-
schehen ist, so würde ich natürlich keine Muthmassungen Uber den Grund der gefun-
denen IrrthOmer gemacht, insbesondere diese nicht inFehlern der Dichtigkeitsbestimmungen
gesucht haben. — Auf p. 268 1. c. werden meine Beobachtungen an H*S()‘, HOI und
Weinsäure niitgetheilt, aber nur die AR-Werthe angegeben, dazu wird eine Stelle aus
einer früheren Arbeit von mir {AVied. Ami. 58, 1894, p. lil) citirt, welche sich auf die
R'-Werthe bezieht. Da der im Original vorhaiideiio Biichstabe R' im Oitat irrthUmlich
wcggeblieben i.st, in den Zahlen hingegen, wie erwähnt, gerade umgekehrt die R'-Werthe
weggebliebeii sind, so erscheint meine Behauptung ganz ungereimt. Ferner ist innerhalb
des citirten Satzes meiner früheren Arbeit eine Verweisung auf eine Anmerkung, welche
besagt; „sollten sich diejenigen Substanzen des Herrn Le Blanc, welche ich nicht
untersucht habe, anders verhalten, wie die mitersuclitcn, so wären sie hier auszunehtnen“.
Ich hätte gewünscht, dass diese zu dem Satze gehörige .Anmerkung mit ihm erwähnt
worden wäre, weil ans ihr hervorgeht, dass ich die Eveiitnaliiät von Siib.stanzeii mit
anderem A'erhalten anerk.annte. — Ilerr Le Blanc macht mir .sodann den A’orwnrf. dass
ich seine Resultate nicht versucht hätte mit den ineinigen in Einklang zu bringen.
Wie erwähnt, habe ich seine Versuche aiiH^SO*, die sich, bis auf die 22 “ „ige Liwuiig,
bei welcher ein Fehler vorliegon musste, zu meinem Zwecke, iiäiiilicli ilen Gang der
molcciilarcn Brecliungsdiflerenz bei Coneentrationsänderungeii auf seine Ursachen znrück-
zuführen, verwertlien Hess, p. 12 I. c., anfgenomnien. Sie ergaben dasselbe Resultat wie
meine eigenen Beobachtungen. Auf die übrigen Versuche hatte ich auch die .Absicht
einztigehcn, stiess aber, indem ich dies versuclitc, sofort und wiederholt auf IrrthUnier,
so dass ich nicht weiter kam, und nur den Wunsch auf Revision der Beobachtungen
aussprecheii konnte. Diese ist nunmehr inzwischen erfolgt.
**
Digilized b, '"'ooglt
68
6,8 Einheiten. Die Differenz ist 4,8 bei ilireiu Bestehen würden secundäre
Einflüsse den Schluss auf Einwirkung der Dissociation nicht mehr stören.
Die Herren Le Blanc und Uohland geben an (p. 281): „diese Salze, in
sehr verschiedener Verdünnung untersucht, müssen (ebenso wie bei Dichlor-
essigsäure) mit steigender Dissociation ihr Brechungsvermögen ändem“.
Gelegentlich des ersten Theils dieser Arbeit habe ich das Brcchungs-
verraögen von Bromcadmiuinlösungen in Wasser für verschiedene Concen-
trationen untersucht, konnte aber die Versuche von Herren Le Blanc und
Rohland an Br- Cd nicht bestätigen und gelangte schliesslich dazu zu
vermuthen, dass sie auf einem Irrthura beruhen, der wohl darin besteht,
dass der l’rocentgehalt an krystallisirtem statt an wasserfreiem Salz in
die Rechnung eingesetzt wurde.
Zunächst theile ich meine eigenen Versuche mit. Das Cd Br“ war
von Gehe & Co., frisch bezogen und zeigte keine Verwitterung. Unter
Rücksicht axif 4 Molecüle Krystallwasser ergab sich aus der Herstellung,
durch Abwägen von Substanz und Wasser, der Gehalt meiner Original-
lösung zu 35,84 Das spec. Gewicht derselben fand ich s-'^ = 1,4231,
den Ausdehnungscoefticienten a = 4,«yi0-*. Mit Hülfe dieser beiden
letzten Daten erliält man aus den Angaben von Grotrian*) einen Procent-
gehalt von 36,14, der mit dem obigen gut übereinstimmt. Nach den An-
gaben von Kremers**) über specifisches Gewicht und Procentgehalt würde
sich 36,7 finden, was bis auf 1,5", o mit Grotrian übereinstimmt, wobei zu
berücksichtigen, dass Kreiners nur drei Decimalen giebt.
Bei den folgenden Resultaten habe ich den nach Grotrian erhaltenen
Werth 36,1 zu Grunde gelegt, da seinen Angaben eine Analyse zu Grande
liegt, während ich mich darauf beschränkte, durch Ab wägen von Substanz
und Wasser eine Controle zu erhalten; überdies sind die spccifischen Ge-
wichte von Grotrian sehr zuverlässig.
Aus der Originallösung ergaben sich durch Verdünnen mittelst selbst
naehgeaichter Pipetten und Messkolben vier verdünntere Lösungen, deren
Brecliungsdifferenz und deren Dichte beobachtet und zur Berechnung des
Brechungsverniögens verwendet wurden.
Die Bestimmung von n — n„ erläutert § 1 — 5, hinsichtlich der Re-
duction auf gemeinsame Temperatur siche speciell § 5, wo auch der
Temporaturcoefficient von n — n„ angegeben ist. Die Bestimmung der
specifischen Gewichte erfolgte in der früheren Weise***) mit der Abänderung,
dass als Aufhängefaden ein matter Platindraht von ' mm Dicke zur
Verwendung kam f ). Das Volum des Ghuskörpers betrug etwa 80 ccm,
sein Gewicht in Wasser 3,2 bis 9,,5g, ersteres ohne, letzteres mit der grösseren
von zwei Platinzulageu, welche die Bestimmung der concontrirteren Lösungen
möglich machten.
Die Ausdehnungscoefticienten berechnete man aus dem oben an-
gegebenen der Ausgangslösung unter der Annahme, dass « — «uto <ler
Goncentration proportional sei. Diese Annahme lieferte z. B. für die ver-
*) Urotrinn, Wictl. Anu. 18, 1883, p. liK).
••) Ivremcrs, l’ogg. .\nn. 104, 1858, p. 182; .Viigiibcn und Citat nach Urotrian,
1. c., p. 187.
**•) F. Kohlrausch und W. Halhvachs, Wied. .4im. 63, 18!)4, p. 14.
y) F. Kohl rausch, Wied. Aun. 50, 1895, p. 180.
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(!9
dünnteste Lösung bei 18, i“ eine Gewichtszunahme des Glaskörpers in
der Lösung von 13,2 mg pro Grad, während die directe Bestimmung
13,15 mg ergab.
Für die Verdünnung v der Originallösung [Liter auf Grammäquivaleut
’i» Cd Br®] folgt aus den p. 68 gegebenen Werthen nach Ileduction
auf 18,50° i’ori* = 0,26426. Aus dieser Zahl und den Inhalten der Kolben
und Pipetten finden sich die in Tabelle III angegebenen Verdünnungen.
Die sich entsprechenden optischen und Dichtehestiramungen fanden
immer an ein und derselben Lösung statt.
In den folgenden Tabellen bedeuten:
t,, t die Mittelteraperatur und die Versuchstemperatur.
= — 1^ siehe Gleichung 9) p. 55, Trogcorrection.
Jat = -^tgaJt siehe Gleichung 15) und 7a), Temperaturcorrection.
ttcrr den mit beiden Correctionen versehenen in Gleichung 10) einzu-
führenden Winkel.
V, n — n„ Verdünnung bezw. BrechungsdiiTerenz gegen Wasser,
9 siehe p. 52.
Tabelle III.
Cd Br’; t„ = 18,50“.
u IS.5«
t
180 — 9
I
Jfty
1
i
*^eorr
1K,50®
n — no
l,a590
18,21“
11“ 58' 46.0"
+
43,9"!
— 8.5" '
11“
59' 21"
0,016082
1
19,08“
58'21,2"|
i
1
4,2438
18,41“
i 6“ 1' 0,o"'
+
41,2";
— 1,3"
6“
1' 40"
0,004128
17,008
18,44"
3" 1' 6,o"
+
40,6" 1
— <>.■*'' 1
3"
1'46" j
1 0,(H)10470
34,059
18,46“
1 2“ 8' 20,8"
+
40,4" 1
- 0,2" '
2“
9' 1"
1 0,(KK)5277
Die nächste Tabelle giebt die specifischen Gewichte: T ist die Be-
obachtungstemperatur, g das Gewicht in Flüssigkeit, g^orr das auf 18,5oo“
corrigirte Gewicht, s J|].’ das specifische Gewicht bei 18,5“ bezogen auf
W’'asser gleicher Temperatur, f/ das Molecularvolumen
y ='^-1000 V (s-l)‘),
wo A das Aequivalentgewicht, Q die Dichtigkeit des Wassers bedeutet.
') Wied. .lim. 53, 16!)4, p. 3 und .37.
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70
Tabelle IV.
Br'' Cd = 135,9«; ^ = 136, i«; t„ = 18,5o".
l'lsi”
T
g
gforr
18.5* (lici.
18.5
” 18..5 ^ )
ttes.
1000
t.(s-l)
V<8.5"
Glaskilrper
in IDO
n,«.««"
3,2a572
3,29625
-
—
—
Glask. 4* Pt-
Zula^^^e in H*0
17,05«“
9,31594
9,32.565
O.iki.34219**)
(17.G56«)
0,00.34208
(18,50®)
_
—
34,059
17,7«-“
3,0099«
3,<K)811'^
(17,(i5<i»)
116,51
19,65
—
18.516 "
3,01982
3,01915
0.)K)34219
116..55'
17,00«
18,048“
2,74433
2.74191
0,(KHiSI,55
116,42
19,74
4,2438
18,504"
1,08717
1 ,08095
0,02728:1
115,78
20, '18
1,0590
18,310“
0,53775
0„541.37
0, 108078
114,45
21,71
0,2342«
19,40“
1»,4
J‘,1.4
= 1,42.54
0,4260
112,67
23,59
Aus (len Wertlien vorstehender beider Tabellen ergiebt sich nun die
Aerjuivalentrefraction All nach der Gleichung
All = 1000 u (n — n„) + >; ***),
ö
und AR' nach der ara gerade citirten Ort p. 4 gegebenen Formel. « be-
deutet den Dissociationsgrad. Alle einzelnen Werthe sind auf 18,50“ roducirt.
'rabell
e V.
V
1000
g (n - n„)
's V
AU
All'
u
1,0590
17,030
7,237
24,267
13,96«
0,16
4,2438
17„520
6,79.3
24,3 13
14,003
0,29
17,008
17,80«
6,,580
24,39
14,04
0,46
34,059
17,973
6,643
■24,52
14,11
0,54
Die Vergrösserung von All mit steigender Concentration beträgt 1 "o
und ist etwa von derselben Grössenordnuog, wie in den früher beobachteten
*) VQ d. h. Volum des ( 1 laskörjttrs x Wasserdichte bei 18,ri“ ist bei Versuch 7)
81,a-si g; bei Versuch «) 5) iin<l 4) SO.msi g; bei ^■e^such 3) für ly.avi® 80,nisi g.
Die obere Zahl gilt für 17, «.'ic", die untere ist ilaraus durch Ueduetion auf 18,5®
mittelst re — re H'o — 1.5 X IO-® entstanden. Für gti»o wunte 3,es'itj — 0,47 ~ 3, JS5S5 be-
nutzt, da allgemein die Gewichtsstücke auf luftleeren Kaum redneirt sind.
**•) Wied. .knn. 53, 1894, p. 3.
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71
Fällen. Bei Zuekerlösung von gleichem Procentgelialt wächst AR absolut
genommen um 0,.^), also um mehr als Cd Br*, procentisch um 0,4"/„, also
weniger. Im Allgemeinen müsste man annehmen . dass sich ein Einfluss
der Dissociation darin zeigt, dass AR um einen bestimmten numerischen
Betrag geändert wird, so dass die absoluten Beträge zu vergleichen wären.
Aber auch beim Vergleich der relativen wird man bei der Kleinheit der
Unterschiede zwischen Zucker und Bromcadniium einen Schluss auf directen
Einfluss der Dissociation auf AR nicht wagen können.
Vergleichen wir nun mit den angegebenen Werthen die von Le Blanc
und Rohlund 1. c. p. 282. Sie ÜTiden für .\R 28,.^3 und 28.«6, für AR' 16.68
und 16,86, welche Werthe sich um 17 " j, von den nieinigcn unterscheiden,
ganz abgesehen davon, dass die zwei .Angaben, w'elche für Lösungen von
noch nicht 20 verschiedener Coneentration gelten, untereinander um
mehr als einen l’rocent abweichen.
Um die Ursache davon aufzuklären, mögen in folgender Tabelle die
von Le Blanc und Rohland für Cd CB, Cd Br* und Cd J* Lösungen beob-
achteten specifischen Gewichte und l’rocentgehalte zusammengestellt werden
mit den aus denselben specifischen Gewichten nach Grotrian und Kremers
folgenden Gehalten:
Tabelle VI.
Substanz
?0
Zu s®’ gehö
rige "„Gehalt nach
(Le Blanc) Le Blanc
Grotrian
Kremers
Cd CP
1,0H82
8,91
7,78
8,(»
Cd Br-
1,1!)78
18,06
M.67
14,6
Cd ’P
1,1666
21,:i9
17,.ii
17,3
1,0982
10,97
10,88
11,1
n
1,1562
16,53
16,58
16,8
Die Interpolation dieser tiehalte aus den Angaben von Grotrian ge-
schah so, dass seine s auf s und dann mit dem genügend genau
bekannten Ausdehnungscoefficienten gegen Wasser (« — nH«o) auf die von
Le Blanc angegebenen s umgerechnet wurden. Aus diesen ergab sich
die wegen ihrer geringen Aenderungen mit der Coneentration zum Inter-
poliren geeignetste Grösse lg
s— 1
ps ’
welche mittelst der aus Le Blanc’s
s 1
Beobachtungen folgenden Werthe von dann p lieferten (p = Proccnt-
gehalt). Diese Interpolirform ist sehr scharf, so dass sie bei den Gehalten
Fehler von auch nur einer Einheit der dritten Decimale nicht veranlasst.
Aus der Tabelle ergieht sich: erstens stimmen Grotrian und Kremers
miteinander durchgängig überein, auch hinsichtlich meiner Originallösung
war dies der Fall und der für diese von mir durch Abwägen von Substanz
und Wasser ermittelte Controlwerth stimmte ebenfalls damit; zweitens:
die Werthe von Le Blanc und Rohland weichen für die beiden ersten Sub-
•) Da Kremers nur drei Dccimalcn giebt, haben die Gehalte eine Stelle weniger.
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7-2
stanzen weit ab, um 14 “o bei Cd CI-, um 23 bei Cd Br’, sie stimmen
indess bei Cd J’ vollkommen mit denen der anderen Beobachter überein.
Dies Ergebniss liefert den Fingerzeig zur Erklärung der .\bweichungen :
J’Cd enthält kein Krystallwasscr, Br’Cd und d'-Cd thun dies. Offenbar
ist dies von Herren Le Blanc und Uohland übersehen und in die Rech-
nung der Gehalt an krystallisirtem Salz eingesetzt worden. Denn miilti-
plicirt man die von ihnen angegebenen l’rocentgehalte mit
Br’ Cd 272,0 „
Br^f+'4H’ Ö “ 344,1 ~
so ergeben sich die Zahlen 14,28 und 10,91, wodurch Uebereinstimmung
bis auf 2,3 bezw. 2,(i"/„ mit (irotrian und Kremers erreicht ist. Für
CF Cd würde sich unter der Annahme von 2 .Molecülen Krystalhvasser
7,45 l’rocent ergeben, was ebenfalls mit Grotrian und Kremers viel besser
übereinstimmt*).
Da der Grund des Irrthums wohl klar liegt, sind im Folgenden die
Werthe an Cd Br’ in der Weise umgereclmet, dass mau die von l.e Blanc
und Rohlaud angegebenen Brocentgehalte p' auf Gehalte an w^asserfreiera
Salz p durch Slultiplication mit 0,7906 umrechnete. Dann ergiebt sich
Bromcadmium.
(|> — Ho)s»"
B'
KKK)
HXMJ
P
t'
9
r(n — n„)
0,o2ai
18,06
14,28
0,838
115.6
20,6
17,0
0,0250
21,39
16,91
0,691
115,0
21,2
17,3
Ein Vergleich mit Tabelle V zeigt, dass die Werthe All nunmehr
mit den von mir gefundenen genügend übereinstimmen, so dass also die
Annahme, der Krystallwassergehalt sei übersehen worden, zu allseitiger
Uebereinstimmung sowohl hinsichtlich der Dichten mit Grotrian und
Kremers als auch hinsichtlich der optischen Beobachtungen mit mir führt
Auf p. 67, 08 wurde nun erwähnt dass das quantitativ hervorstechendste
Resultat von Herren Le Blanc und Rohland darin besteht, dass sie für
die Differenz der AR-Werthe von .lod- und Bromcadraium den Werth
6,8 finden, während sie für stark dissociirte balze 11,4 erh.alten, so
dass also ein Unterschied von nicht weniger als 4,6 Einheiten bestünde.
Dieser Unterschied fällt nun nach der vorstehend erläuterten Berichtigung
der Brocentgehalte weg, an die Stelle von 6,s tritt 35,,3,, — 24,]g = ll,2o.
was mit dem für stark dissociirte Salze gefundenen Werthe so gut über-
einstiimnt, wie nur irgend gefordert werden kann. Für Cd J’ ist hier der
Werth von Le Blanc und Rohland direct eingesetzt, da derselbe nach
p. 71 und 72 keine stärkeren Fehler vermuthen lässt.
Legt man bei den Cd CB Werthen die Dichten von Le Blanc und Rohland
zu Grund und berechnet daraus den Brocentgehalt, so findet sich daraus
AR = 18,t. Die Difierenz der AR-Werthe für Cd CB und Cd J’, welche
*) Die .\ngaben für ücn Knstnilwassergehalt von CiU'l* .«ehwanken in der Litteratur.
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73
jene Verfasser zu 15,5« angeben, würde sich dadurch auf 16,6 erhöhen,
dem für stark dissociirte \Verthe nach Le Blanc und Rohland 17,4 zu
vergleichen ist. Die Differenz dieser beiden Werthe ist zu klein, als
dass man unter Rücksicht auf die Genauigkeit der Beobachtungen und
die Unsicherheit im Wassergehalt des Ausgangsmaterials etwas daraus
schliessen könnte. Hätte sich die oben angegebene Differenz von 4,«
Einheiten für die Bromid- Jodid Difl'erenz der Cadmium- und der sehr
stark dissociirten Salze andererseits bewahrheitet, so wäre zwingend zu
schliessen gewesen, dass die Cd-Jonen beim Uebergang aus dem neutralen
in den dissociirten Zustand ihre Refraction ändern. Mit dem Verschwinden
der Differenz fällt auch das Resultat weg.
Die für die übrigen schwach dissociirten Salze gefundenen Differenzen
in den Differenzen von AR gegenüber stark dissociirten Salzen 1. c. p. 282
sind zu klein, als dass man, besonders wegen der weiter unten* ••)) zu be-
sprechenden Fehlerquellen (Concentrationseinlluss, Differenzen der Differenzen
von Differenzen), weitere Schlüsse ziehen könnte.
B. Zuckerlösungen.
Da die in dieser Arbeit verwendeten Lösungen im Allgemeinen eine
etwas grössere Concentration besassen, wie die früher untersuchten, fanden
zur Orieutirung, wie gross etwa der Anstieg von AR bei einem Nicht-
elektrolyten sein möchte, wieder Beobachtungen an analog concentrirten
Zuckerlösungen statt.
Die Concentration der Originallösung wurde aus ihrem specifischen
Gewicht nach den früheren Bestimmungen von F. Kohlrausch und mir unter
Berücksichtigung der Zahlen von Gerlach ermittelt und das Molecular-
volumen der übrigen Lösungen ebenfalls diesen früheren Versuchen
entnommen.
Die folgende Tabelle enthält zunächst das Ergebniss der optischen
Versuche (über die Bezeichnung s. p. 69), sodann die aus der genannten
Quelle stammenden Werthe von ferner die moleculare Brechungs-
dift'erenz und die Aeciuivalentrefraction. Die J«;- sind mit dem § 5
gegebenen x berechnet.
Tabelle VII.
Zucker; 1^=17,76'’.
V I7.1H" j
t 1
1
180 — 7)
2 ■
^ .'/fr.i
Jftt
! «corr (I7,7(/’)
n-n„
1 , llHK) I 4
, l.'(n-n«)|
2,5C47
17,7(1»
13« 5'28,r"
— 1.8"
13« 16' 12"
0,019137
70,1» 1 49.01 119,19
17,(i6»
17.m" :
H»2K'51,j"
+ 41,4"!
— 1.4"
6« 29' 31"
0,00478«
0,0011971
69.m 49,73 '119,17
41,3h7
3« 13' 43,4"
, 4- t".n"
— 0.»"
3»1.3'23"
69,88 1 49,55 ' 1 19.43
KJ, 012
17,7fS»
2« 16' 52, c"
1 -f 40,4"
±
2» 17' 33"
0,0005999
69,87 ' 49,83 1 1 19,09
Meine früheren Beobachtungen über Zuckerlösungen**) ergeben unter
Benutzung meiner optischen Werthe und der Ausdohnungscoefäcienten
*) S. p. 80.
••) Wied. Ann. 53, 1891, p. 9.
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74
von Marignac, wenn man für die beiden concentrirteren und die beiden
verdünnteren Lösungen je das Mittel niniint, bei i'=24 AI{=119.;)0 und
bei t = 680 AR = 119,56. Diese Wertlie reilien sich in die der Tabelle
genügend ein. Die Tabelle zeigt, dass die Aequivalentrcfractiou beim
Uebergang von einer nahezu l.H“/„ Lösung zu einer von um etwa
0,6 Kinheiten steigt. Dies giebt einen Anhaltspunkt für die Urössenordnung
des Betrags, um welchen die Aequivalentrefraction einer Lösung aus anderen
Gründen als wegen Dissociation aasteigen mag.
Einen directen Einfluss der Dissociation auf die Aequivalentrefraction
durch den Anstieg der letzteren zu begründen, liegt also gegenwärtig die
Möglichkeit nicht vor, wenn bei wachsender Verdünnung in den angegebenen
Grenzen der Anstieg nur von der Grössenordnung von 0,5 Einheiten ist.
Die etwa 20 von mir und von Herrn Dijken untersuchten Körper in
wässeriger Lösung zeigen keinen grösseren Anstieg , so dass sich also bei
diesen ein erkennbarer Einfluss der Dissociation auf das Brechungs-
vermögen nicht ergiebt*).
Herr Le Blanc hat Versuche gemacht, aus welchen in gleicher Weise
folgt, dass die nicht durch Dissociation erklärbaren Einflüsse auf die
Aequivalentrefraction noch grössere Beträge erreichen können, diese bis
zu zwei Einheiten zu ändern vermögen. So ergab z. B. CdJ- in Aceton
eine um eine Einheit, KJ in Aceton eine um zwei Einheiten grössere
Aequivalentrefraction wie in Wasser. Dabei ist noch besonders bemerkens-
werth, dass die dissociirte wässerige Lösung den kleineren Werth liefert,
während doch nach den übrigen Versuchen des Herrn Le Blanc der
directe Einfluss der Dissociation eine Vergrösserung bewirkt. Unter diesen
Umständen wird man zu keinem anderen Schluss gelangen können, als
dass sowohl die Anstiege der Aequivalentrefraction bei wachsender Ver-
dünnung als auch die bei der Neutralisation mit verschieden dissociirten
Säuren auftretenden Differenzen nur mit grösster Vorsicht zu weiteren
Schlüssen über den Einfluss der Dissociation benutzt werden können.
C. Di- und Trichloressigsäure sowie deren Kaliumsalze.
Das einzige Jon, welches, nach den bisherigen Untersuchungen zu
schliessen, beim Uebergang aus dem neutralen in den dissociirten Zu.stand
seine Refraction etwas beträchtlicher ändert, scheint der Wasserstoff zu
sein. 13 Säuren sind von Herrn Le Blanc und Rohland 1. c. untersucht
auf die Differenz ihrer Aequivalentrefraction mit derjenigen ihres Natrium-
salzes und ergeben einen Anstieg dieser DiÜerenz um etwa zwei Einheiten,
wenn man sie in umgekehrter Reihenfolge des für halhnormale Lösungen
gütigen Dissociationsgrades der Säure durchläuft.
Es tritt die Frage auf, ob sich in dem bei der Verdünnung ein-
tretenden Anstieg des molecularen Brechungsvermögens, der, wie wir sahen,
im Allgemeinen durch den Verlauf des Molecularvolumens erklärt wird,
vielleieht wenigstens beim H-.Ion ein Einfluss der Dissociation noch er-
kennen lasse, ob dort etwa nach Berücksiclitigung der .\enderuug des
.Molecularvolumens noch eine genügend grosse .Aemleruug des molecularen
•) S. auch .\imioikmi!; ***) )i. 7!t.
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75
Brecliungsvermögens bestehen bliebe, um trotz des Vorhandenseins des
erwälinten Nebeneinflusses, den wir kurz Concentrationseinfluss nennen
wollen, noch einen einwandfreien Schluss zuzulassen.
Zur Beantwortung dieser Frage können die bereits in den ersten
Paragraphen zum Theil verwendeten Versuche an Trichlor- und Dichlor-
essigsäure dienen. Darauf, dass gerade die letztere hier die meiste Aus-
sicht bietet, hat schon Herr Le Blanc hingewiesen.
Zunächst mögen die Versuche an den genannten Körpern mitgetheilt
werden. Ich habe dieselben bis zu grossen Concentrationen fortgesetzt,
obwohl bei diesen Concentrationseinflüsse auf die Aeiiuivalentrefraction
im Allgemeinen stärker wirken werden, so dass es nicht möglich ist, den
Kinfluss der Dissociation daneben einigermassen sicher zu bestimmen.
Diese concentrirteren Lösungen sollten dann beim Vergleich mit den ver-
dünnteren einen Aidialtspunkt fiir den Concentrationseinfluss liefern.
Die folgenden, die Resultate der Messungen enthaltenden Tabellen
sind ira Allgemeinen ebenso angeordnet, wie die § 8 für Cd Br® gegebenen.
Da bei Di- und Trichloressigsiiure alle vier Einstellungen genommen, nicht
nur a, sondern auch a' (siehe p. 54) beobachtet worden war, ergaben sich
die ßcurr einfach als deren .Mittel. Die Keduction auf 12,5" war hier bereits
an den Einzelbeobachtungen bewirkt worden.
Tabelle VIII.
Trichloressigsäure, Dichtebeobachtungen.
t^,= 12,50“; CC1‘>C0®H= 163,35; Q = 0,(«W4«; A,Q = 163,44.
V 1J,5“
T
g
1 ßeorr
8 — 1
® 12, i
1000
tt(s— 1) 1
9' l»4i®
OO
12,fi36“
' 3,23610
’ 3,23457
,
—
—
62,»i
12,792"
3,13108
.3,12833
0,IX)1311
82,5
' 80,9
CC*)
12,5liO"
•3.23517
3,2.3422
—
—
—
31,49
12.529"
3,02487
.3,02419
0,002592
81,60
81,64
15,725
12, .530"
2.61639
2,61.5,2
0,IK)51I44 '
81,21
82,23
7,873
12, .529"
2,40113
2,40051
0,010286
80,99
82,45
3,930
12,501" :
1,57121
1,57096
0,020524
80,66
; 82,78
Pt Zulage**)
in H*0
12,5o"
1,59108 '
1
1, .59084
j
—
j
1,9081
12.4144"
1
1,51776 1
1,51600
0,040767
80,23
83,21
0,9814 1
12,7o"
8 = 1,08092
0,06094
79,43
84,01
0,19«7t> j
12.f50"
S = 1,36124
0,36133 '
71,10
92,34
*1 Kin Stückchen Platimlraht war verloren. .Ausserdem tiefand .sich von hier ab
von zwei durch sehr dünnen Pt Draht, der durch die Klüssigkeitsobcritäche ging, ver-
bundenen Platinringen, in deren einen der (ilaskürpcr. in deren anderen der zur Wagsehale
führende Dniht eingehiingt war. der anilere wie beim ersten Versuch innerhalb der
Flü.ssigkeit. Deshalb neue Wägung in Il'U.
ülaskörper erhielt eine Platinbesehwening, so da,ss das Gewicht in Wasser
von 12, 5o" nun + l,rs«wi = d.uers» wurde.
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76
Tabelle IX.
Trichloressigsäure, Optische Heobachtungen; 12, .Vi“.
t' 13^“ j
j «corr 13.5»
n — iio
1 1000
l'’0>-no)
1
j '^8 1
AU 1
I
AR'
rt
62,9«
1“ 43' 50"*)
0,000.3419
21,53
[ 26,97
48,50
28,72
0.9«
31,49
2“ 26' 0"
O,000(i758
21,27s
! 27,28,
48,5« i
28,77
0,9.3
15,725
.3“ 26' 22"
0,0018490
1 21,21,
27,4 lo
48,62
28,81
0.91
7,873
4“ 50' 24"
0,ooo2««7
20,99-
27,48,
48,48
28,73
i 0,88
3,930
6“ 50' 16"
0,0tXi.530«
20,8.5,
27,59,
48,44
28,71
i 0,81
1,!)Ö81
9“ 38' 28"
O,0t)10478
27,73,
48,36
28,65
1 0,71
0,9814
13® .35' 2,3"
0,0020547
20,16,
28,00
48,16
28,.52
, 0,54
0,1967«
28» 55' 69"
0,8.5059
16,73,
30,78 1
47,52 j
28,14
0,Ot>
Von den benutzten Lösungen wurde gelegentlich auch das Leit-
Termögen k für die hier benutzten tiefen Temperaturen bestimmt. Aus
den Curven für das moleculare Leitvermögen A ergab sich unter Mit-
benutzung der Curven, welche nach Ostwald’s für 25“ gütigen Werthen
construirt wurden, A^.u^=292. Damit sind die Dissociationsgrade a
berechnet. Die Bestimmungen der Leitvermögen mögen hier Platz finden.
Tabelle X.
Trichloressigsäure, Leitvermögen, 12,.%“.
t’rt.5“
“o’‘
t
10’ k
10’ k
ia,5"
ISX"
a
62,96
0,2514
12,45®
4,405
4,415
277,4
0,9,55
31,49
0,3167
12,31
8,62
8,646
272,3
0,933
16,725
0„3991
12,71
16,97
16,92
266,1
0,911
3,9:io
0,f>;i37
12,79
60,52
60,25
236,9
0,811
1,968
0,7980
12,57
105,4
105,3
207,4
0,711
0,9814
l,<Xt«
12,52
161,7
161,6
158,6
0,545
0,1968
1,719
12,55
87,5
87,4
17,21
0,o56
Tabelle XI
Dichlores
sigsäure
!, Dichtebeobachtungen
.
t„= 12,50®
; A=CC1-HC0’H
= 128,91
; = 128,98; Q =
= 0,99948.
V
12.5
1000
t3j,S“
T
g
Scott
s ,, —1
12,5
r(s-l)
CO**)
12,560®
3f2.3517
3,23422
—
—
—
64,4
1 2,515
3,15608
3, 1,5550
0,000971
62,6
66,4
32,18
12 „539
3,07913
3,07837
0,001923
61,89
67,09
16,068
12,497
2,92904
2.92862
0,003771
60,59
68,39
4,017
12,580
2,05283
2,0,5176
0,014593
58,62
70.36
1,0054***;
1 12,528
0,2.5589
0,2-5537
0,O,5t>338
56,63s
72,34
0,20110
13,42
1 = 1,
25321
0,2.5;)89
52,90
76,08
*) Pie Werthe sind der Tabelle auf |>. 57 entnommen, in einigen Fallen, wo
zwei Versuchsreihen ausgefiihrt woidcn waren, siehe y. BO, wurde denm Mittel henUtzt,
wodurch sich die in der 7., hezw. hei der c = 1 Losung in der 6. Peeimale eintretenden
kleinen .\endeniugen erklären.
**) 8iehe Talielle VUI und p. 75 .Anmerkung *).
•**) (ilasköriier mit l’t-Zulage gebraucht, siehe l>. 75 Anmerkung **).
Digitizod by Google
77
Tabelle XII.
Dichloressigsäure, Optische Beobachtungen; 12,50®.
r i!,.v
u
corr
i2,!y
n — n„
KXK)
r(n— nj
vU
AR
AR'
a
64,40
1®
33'
22"*)
0,(KX)276,5
17,74
22,14
39,88
23,62
0,81
32,18
2®
10'
13"
0,0005377
17,30
22,36
39,67
23,50
0,77
16,068
3®
1'
34"
0,(XII0446
16,785
22,797
39„58
23,48
0,69
4,017
5®
52'
15"
0,003918
15,738
23,458
39,19
23,30
0,43
1,0054
11«
26'
14"
0,014664
14.743
24,113
38,86
23,12
0,23
0,2üllü
24®
50'
7"
0,064589
12,987
25,360
38.35
22,80
0,025
Tabelle XIII.
Diehlo
ressigsäure, Leitv
ermögen; 12,50®
l'lS.5»
mV«
t
10® k
10® k
i.
u
284
0,0920
12.39
0,2160
0,2164
277,3
0,934
64,40
0,2495
12.38
3,773
3,780
243,4
0,813
4,017
0,6290
12,54
31.80
31,78
127,6
0,431
2,011
0,7923
12,71
48,15
48,01
96,5
0,330
1,005
0,9982
12,43
65,91
65,98
66,3
0,229
0,2011
1,707
12„58
37,71
37,67
7,67
0,025
Analog
wie oben für C CP’CO*H angegeben ist.
fand sich
. =
Tabelle XIV.
Kaliumsalze der beiden Säuren.
-r T . 1000 A
•'la-v 1 gri gimT S,. — 1 r(9_i) ^ SPx
CCl®CO*K 7,852 12,040® 2,08444 3,23577 0,014205 111,.54 201„59 90,05
CCl^HCO’K 7,921 ,554 2,28149 3,23512 0,011766 93,22 1 67,13 73,91
180 — tp
Ja.,
Jut
1000
»0 «(n— u,,)
AR AK'
CCFCO’K 12,(4” 5" 4'.33" +41,o" +3,3" 5” 5'17" 0,(k»2946 23,130 63,15 31,49
CCPHCO’K „55 4'’42'25"+41,ü +1,2"4“43' 7" 0,oo2r,3o 20, o85 44,72 26,46
Der Gehalt der Lösungen beruht aufTitrining mit 0,i KOH Lösung.
Bei C Cl*CO’H ergab letztere bei etwa ' normalen Säurelösung t’jy. =
15,724, bei einer etwa normalen Lösung = 3,93.53. Berechnet man
aus diesen Werthen den Gehalt der Originallösung, aus welcher alle anderen
durch Verdünnen mit Pipette und Messkolben hervorgingen, so findet sich
dafür i',2» = 5,082 bezw. 5,076. Die Wertlie stimmen bis auf l,2®/oo überein;
der erstere derselben wurde, da er auf umfangreicheren Beobachtungen
beruht, zu Grund gelegt. Aus dem Gewicht der zur Originallösung ver-
wendeten Substanz (Kahlbaum) und dem Lösungsvolumen fand sich
ti,y> = 5,054, was in guter Uebereinstimmung mit dem obigen ist.
*) Siehe p. 76 Anmerkung *).
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78
Für CC1*HC0*H ergab die Titrirung der etwa ’ Uisung für die
Originallösung t’is.,« = 0,2012. während aus der Herstellung 0,2005 folgt.
Der erstere \Verth war in den Tabellen anzuwendon.
Den Gehalt der K- Salzlösungen lieferte deren Herstellung. Eine der
Säurelüsungen wurde mit KO II scharf ncutralisirt, der Haltbarkeit wegen
eine Spur Säure zugesetzt und dann auf gemessenes Volum aufgefüllt.
Den Temperaturreductionen der optischen Beobachtungen liegen die
X des § 5 zu Grunde. Die für die Dichtereductionen erforderlichen Aus-
dehnungscoefficienten wurden bestimmt und ergaben;
Tabelle XV.
10*«
t
C CP CO- 11
0,197
7,17
12,6"
3,93
1.17
12, h"
11
G3,0
1,17
12,6"
CCFHCO’H
0,201
7.1
12,5"
-1,02
1,16
12„5«
CCPCO’K
7,8.')
L.il
12,4"
CCPHCOMv
7,92
1.50
12„5"
Was den Vergleich mit meinen früheren Beobachtungen betrifft, so
ist zu berücksichtigen, dass jetzt ein viel grösseres Conceutrationsintervall
benutzt ist. Dadurch wird, wie sicli aus dem Folgenden ergiobt, schon
wegen des Concentratiouseiuflusses ein Ansteigen der Aequivalentrefraction
bewirkt. Bescliränkt man sicli auf das früher benutzte Intervall, so ist
der Anstieg von B, procentiscli genommen, etwa so gross, wie früher bei
Schwefelsäure, indess bleibt er jetzt aber auch in den li'-Werthen bestehen.
Absolut genommen, ist er etwa so gross, wie früher bei Zucker, bei dem
jedoch der Grösse der Molecularrefraction wegen der .absolute Betrag der
Aeuderung nur mit geringer Genauigkeit bestimmt werden kann.
Um etwas darüber schliessen zu können, inwieweit der aus den Tabellen
ersichtliche Anstieg der Refraction mit der Verdünnung von der Dissociatiou
abhängt, mögen zunächst die Refractionsuuterschiede zwischen Salz und
Säure für gleich dissociirte Lösungen von Salzsäure, Di- und Trichlor-
essigsäure zusammengestellt werden. Der erste Absatz der Tabelle enthält
die von Herrn Le Blanc und Rohland gegebenen Werthe, die folgenden
wesentlich auf meinen Bestimmungen beruhende. Die Bezeichnungen sind
die oben gebrauchten.
Tabelle XVI.
a
AR
Diffe-
AR'
Diffe-
Säure
Xa-Salz
Säure Xa-.Salz
renz
Säure
Na- Salz
renz
HCl*)
1 0,65
0.66
14,5
15.9
1.4
8.18
0,23
0,76
CCPCO-'H
1 0,65
0,71
48.1
50.2
2,1
28„52
29.68
l,n
CCFH CO’ 11
1 0,13
0,66
.38,8
41,6
2,8 i
23.11
24..50
1,39
•) Dieser erste Tlicil der Tabelle nach Le Blanc und Rohland.
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79
a
All
Difle-
AR'
Diffe-
Säure
K - Salz
Säure
K-8alz
renz
Säure
K - Salz
renz
C CPCODI
0,81
47,.->2
53,14
5,62
28,14
31.49
3,35
C CP 11 CO" 11
1»
9«, 42
44,78
6,36
22,84
26,46
3,62
HCl*)
0,21
0.81
I l,2(i
19,04
4,78
8,;4o
11.18
2,88
CCPCO’H
n
47,72
53.11
5,42
28,27
31.49
3,22
CCTIICO II
1»
38,82
44.78
5,96
23,12
26,46
3,34
II CI
0,*)5
0,81
14.5
19,04
4, .54
8.48
11,18
2,70
ccp’coni
1 V
48,29
53,14
4,85
28,62
31,49
2,87
CCPIlCü-lI
•■i
»J
39,5
44,78
5,28
23,49
26,46
2,97
HCl
' 0,81
0,81
14,44
19,04
4,60
8,43
11,18
2,75
CCFCOHI
48,44
53,14
4,70
28,71
31,49
2,78
C CP H CO- 11
39,88
44,78
4,j)o
23,62
26,16
2,81
IPSO***)
0,75
)}
11,(14
16.59
4j75
9,60
6,74
2,86
Aus der Tabelle sind die für eine Reihe gleicher Dissociationsgrade
bestehenden Kefractionsdiffereuzen der drei Säuren gegen ihr Kaliumsalz
zu ersehen. Sie sind bei sehr grosser Dissociation (grosser Verdünnung)
für die verschiedenen Säuren einander fast gleich, werden aber mit ab-
nehmender Concentration immer ungleicher. Bei 20 " „ Dissociation unter-
scheiden sie sich für Salz- und Dichloressigsäure um 1,2 Einheiten. Daraus
ergiebt sich wieder eine quantitative Schätzung des Conceutratioiisein-
flusses***), derselbe ist, falls bei andern Substanzen ähnliche Aenderungen
eintreten, wie bei den obigen drei Säuren, von gleicher ürössenordnung
wie ein wahrscheiidich bestehender Einfluss der Dissociation.
Dass der letztere besteht, dass er zur Erklärung eines Theiles des
Anstieges der Aequivalentrefraction jedenfalls bei der Dichloressig.säure
sehr wahrscheinlich herangezogen werden muss, ist ebenfalls aus der
Zusammenstellung ersichtlich. Wenn darüber wegen des verhältnissmässig
grossen Concentrationseindusses noch Zweifel Zurückbleiben könnten, so
heben sich diese bei einer Vergleichung mit den für Essigsäure früher
gefundenen Werthen, bei denen innerhalb der Verdünnungen von 1 bis 100
eine Constanz der 21,4.5 betragenden Aequivaletitrefraction bis auf 0,02
Einheiten uachgewiesen werden konnte. Von solchen Einflüssen, welche
*) Die Werthe für HCl nach I.e Jllunc. die für KCl nach Düken.
**i Für U*.S0‘ ans eisrenen Werthen für diese Säure, uuit Wcilhen von Ilemi
Dijken für XH,Ci und KCl berechnet.
•**i Den Umstand, dass auf die Wertlie AR liezw. AH' noch iinbekannte Einiiü.sse.
hier Concentrationseinlfttsse genannt, wirken, hielt ich lieitn Abfn.ssen früherer .■\rbeiten
für allgemein bckiinut und beschrankte mich deshalb auf die Untersuchung möglichst
verdünnter l.ösungen. Ich wies auf denselben (z. R. Wied. .\nn. 5.1, 1894. p. 11) mit
den Worten hin: . . . „andererseits ist ja ilie Unveriinderliclikeit des Ilrechuugsvermögens
auch sonst nur annäherungsweise vorhanden und zu erwarten." Zu diesen Worten fügt
Herr Dijken nicht in »einer Dis.«ertation, aber in dem Auszug derselben in Ztschr.
jihys. Chem. 1. c. die Bemerkung, du.ss sie ihm nicht klar seien. .\us dem Obigen ist
ersichtlich, was ich damit gemeint habe. Uehrigens m'öchte iih hinznfügen, dass
Herr Dijken meine Schlüsse in seiner Dis.sertation zwar genügend vollständig oitirt,
dass dieselben in dem erwähnten Auszug aber infolge des Zusammenstreichens meine
Auschauiutg nicht mehr genügend wietK'rgeben.
Digitized by Google
80
mit der Dissociation weder direct noch indirect zusammeiihänpen, dürfte
aber bei der Essigsäure aucli noch etwas constatirbar sein müssen,
wenn sie bei ilireii Cblorsubstitutionsproducten eine grössere Rolle spielen
würden.
Wenn sich also die Schlüsse der Herren Le Blanc und Rohland in
einem der beiden von ihnen angegebenen Fällen, beim Bronicadmiuin,
als irrthümlich erwiesen haben, so erbalten wir in dem anderen, bei
Dichloressigsäure, durch den Verlauf der Ae<juivalentrefractiou bei Ver-
änderung der Conceiitration eher eine Bestätigung derselben. Der II nimmt
sehr wahrscheinlicher Weise eine quantitative Ausnahmestellung in der
Richtung ein, dass bei ihm die Dissociation genügend grossen Kintluss
auf die Aequivalentrefraction hat, um auch trotz sich überlagernder anderer
Einwirkungen wahrgenommen werden zu können.
Hinsichtlich der Frage, von welcher Art der „ConcentrationseinHuss“
ist, folgt zunächst aus den Beobachtungen mit Zucker, d.ass er jedenfalls
zum Theil mit der Dissociation auch indirect nicht zusammenhängt, zum
Theil könnte er aber auch von der Dissociation mit veranlasst sein,
indem beispielsweise eine von der Conceiitration abhängige Wechsel-
wirkung zwischen Jonen und Lösung, welche einen EinRuss auf die
Aequivalentrefraction hätte, bestehen könnte.
Was die Quantität des Einflusses der Dissociation auf das Brecliungs-
vermögen des II betrift't, so lässt sich darüber weder aus den hier ange-
gebenen Versuchen noch aus denen der Herren Le Blanc und Rohlaud
etwas schliesseu, da über den Concentrationscinfluss genügende, quantitative
Annahmen nicht gemacht werden können. Die Messungen an den Essig-
säuren würden für den Uebergang vom undissociirten in den vollständig
dissociirten Zustand etwa O.h Einheiten ergeben (für AR'). Bei Salzsäure
kann ein ähnlicher Vergleich, wie der mit Essigsäure, nicht herangezogen
werden. Wenn man aber die Werthe für Salzsäure überblickt und mit denen
für Essigsäure vergleicht, so sieht man sich zu der im vorigen Absatz
angegebenen Folgerung gedrängt, so dass für die Dissociirung des II
ein von der Substanz, in welclier er enthalten ist, unabhängiger Werth
der Steigerung der Aequivalentrefraction, vielleicht gar nicht zu erhalten
ist (d. h. e.xperimentell könnte ein constanter und ein variabeler Theil
untrennbar sein), was ja mit der Dissociationstheorie keinen Widerspruch
bildet.
Bei weiteren Versuchen etwa die verschiedenen Einflüsse zu trennen,
dürfte es augezeigt sein zu berücksichtigen, dass die Schlussweise des Herrn
Le Blanc auf Wertlien beruht, welche DitVerenzen von Difterenzen von
Differenzen sind. Es handelt sich ja um die Unterschiede der .\equivaleiit-
refractionsdifferenzen von Säure und zugehörigem Salz. Die Aeiiuivaleut-
refractionen bilden aber selbst, wie aus der p. 7ü citirten Formel ersicht-
lich ist, die Summe zweier Diflerenzen, nämlich der molecularen
Brechungsdifferenz und des Molectilarvolumens, welch’ letzteres die
Differenz des Volumens von Lösung und darin befindlichem Wasser dar-
stellt. Daraus folgt, dass für weitere Bestimmungen die schärfstoii
Methoden, insbesondere auch für die optischen Bestimmungen, Diff'erential-
methoden, anzuwenden sind. Ferner wäre zu berücksichtigen, dass der
Schlussweise des Herrn Le Blanc wesentlich durch die systematische Folge
der untersuchten Verbindungen Wahrscheinlichkeit verliehen wird, so dass
es erwünscht ist, die Zahl der untersuchten Säuren zu vermehren.
Digitized by Google
S1
Schliesslich möge noch darauf hingewiesen werden, dass die Durch-
sicht der Tab. XVI zeigt, dass die R'-Werthe den Concentrationseinfluss
besser eliminiren wie die It-\Verthe*).
Zusammenstellung der Resultate. Es ist die Theorie des
Umdrehverfahrens bei der Differentialmethode mit streifender - Incidenz
des Verfassers gegeben und zwar unter Berücksichtigung der VVinkelfehler
des Trogs und der Abweichungen <!er Platte vom Planparallelismus. Die
Genauigkeit der Methode ist e.\periraentell nachgewiesen, die Brechungs-
differenzen lassen sich bis auf etwa 1,5 Eiidieiten der sechsten Decimalo
bestimmen. Die untere Grenze der erreichbaren n — n„ ist etwa 3X10-^
wobei man noch über '/i **/o Genauigkeit hat. Der Einfluss der
Temperatur auf die Beobachtungen und die daraus entspringenden
Temperaturcorrectionen sind dargelegt.
Die Frage nach der Abhängigkeit des Brechungsvermögens von der
Concentration, insbesondere, ob sich dabei ein Einfluss der Dissociation
zeigt, ist dahin zu beantworten, dass ein solcher Einfluss von sicher deut-
barer Grösse im Allgemeinen nicht vorhanden ist, dass etwa bestehende
Aenderungen zu klein sind, um sicher gedeutet werden zu können.
Die Zunahme der Breohungsdifl’erenz mit wachsender Verdünnung findet
im Allgemeinen eine Erklärung durch den Gang der Dichte. Dass der
H wahrscheinlicher Weise hiervon eine Ausnahme bildet, worauf Herr
Le Blanc geschlossen hat, wurde bestätigt. Ueber die Grösse des Einflusses
lässt sich nichts Sicheres aussageu, da der sich überlagernde Concentrations-
einfluss von derselben Grössenordnung ist. Der hei Bromcadmium von
Herren Le Blanc und Rohland gefundene grosse Einfluss der Dissociation,
der einzige Fall, in dem der Concentrationseinfluss gegenüber dem anderen
verschwändet, und der somit einen einwandfreien Schluss gestattet hätte,
beruht auf einem Irrthum.
*) S. auch Wied. .\nn. 53, 189-t, p. 11.
December 1898.
Technische Hochschule Dresden.
Digitized by Google
V. Resultate der floristisclien Reisen in Sachsen und
Thüringen.*)
Von Prof. Dr. O. Drude.
In der Festsitzung unserer Gesellschaft am 14. Mai 1885 hatte ich
die Ehre, als wissenschaftliches Vortragstheina „Sachsens ptlanzengeo-
graphischen Charakter“ zu behandeln; eine Anmerkung im Referat über
diese Sitzung besagt, dass von einer Drucklegung dieses Vortrages ab-
gesehen werden sollte in Hinsicht auf die geplante Erweiterung des ganzen
Gegenstandes zu einer grösseren, durch Karten erläuterten Abhandlung.
Dreizehn Sommer sind inzwischen in das Land gegangen, und jeder
fügte wesentliche Hausteine zu der Lösung jener Aufgabe hinzu. Vom
Jahre 1888 an .stellte das Ministerium des Cultus und üft'entlichen Unter-
richts einen besonderen Etat für die Vorbereitungen zu einer „Flora
Sa.\onica“ dem botanischen Institut zur Verfügung, so dass die vielen
nothwendigen E.\cursionen und weiteren Reisen gleichzeitig mit dessen
Assistenten veranstaltet und auch der Samralungsdiener zur Unterstützung
beim Sammeln und Trocknen der Helegexemplare herangezogen werden
konnten. Dr. C. Reiche, Dr. Naumann und Dr. H. Schorler traten so
der Reihe nach in den Dienst der schönen Aufgabe, in unserem Herbarium
zunächst einmal eine grosse, das nächstliegende Landesinteresse berück-
sichtigende Sammlung zusammenzubringen und die speciellen Ausarbei-
tungen vorzubereiten in einer consequent durchgeführten Etikettirung und
Aktenführung; Dr. Schorler, nunmehr als Custos unserer bosnischen
Sammlungen an der Technischen Hochschule, übernahm dann si)äter auch
die zeitraubende Abtheilung der niederen Sporenpflanzen und hat häufig
der botanischen Section Proben seiner andauernden Untersuchungen luit-
getheilt. 258 Tage habe ich pcrsöidich in meinen Floreunotizbüchern
verzeichnet als solche, die ich in den ganzen .Jahren mit pflanzengeogra-
phischem Studium des hercynischen Florenbezirks zwischen Weser und
Lausitzer Neisse in freier Natur zugebracht. Tage genussreich und arbeits-
voll zugleich, die das volle Gefühl einer harmonischen Hefriedigung zurück-
gelassen haben, indem sie zeigten, dass auch in unseren gut durchforschten
Gauen die .\rbeit für den Naturforscher nicht aufhört, dass im Gegentheil
jede neue Idee dazu zwingt, die alten Pfade der Vorgänger wieder zu be-
treten und die Naturvorgäuge in neuem Lichte wiederum an der Quelle zu
*) Vortrag, gehalten in der botanisch -zoologischen Section der naturwissenschaft-
lichen Gesellschaft Isis in Dresden am 20. October I8f)S.
Digitized by GoogI(
8.-!
beobachten. Zugleich enthält eine solche pflanzengeographische Landes-
durchforschung die Grundzüge über die Vertheilung der Gunst und Ungunst
in der Bodencultur. — Die grössere „pflanzengeographische Abhandlung“
über Sachsen und Thüringen ist nunmehr im Werden; sie soll einen Band
des grossen, von mir in Gemeinschaft mit A. Engler-Berlin unter dem
Titel „Vegetation der Erde“ in Einzelbearbeitungeu herauszugebenden
Werkes bilden. Im Augenblicke, wo der ganze Stoff zur ausführlichen
Verarbeitung herangezogen wird, drängt es mich, unserer Section in
freierer Weise über die leitenden wissenschaftlichen Principien kurze
Mittheilung zu machen.
Wenn heute naturwissenschaftliche Reisen und Ausflüge unternommen
werden, so hängen die zu erwartenden Resultate wesentlich von den Ideen ab,
die auf den Schienengleisen der Eisenbahn in die Natur hinausgetragen wer-
den, von den wissenschaftlichen Vorbereitungen, die dafür getroffen sind,
von den Zwecken, die als Beohachtungsziele vorschweben, ln floristischer
Beziehung gab es in alten Zeiten nur eine Mauptriclitung, die der Species-
systematik; in neuer Zeit ist die geographisch-biologische Forschung als
selbständiges und neues, sich in mannigfache Aufgaben theilendes Gebiet
dazugeküininen. Wenn ich mit meinen wissenschaftlichen Reisebegleitern
hauptsächlich der letzteren Richtung zu dienen mir vorgenominen hatte,
so geschah das in Erkenntniss der veränderten Anschauungen über das
w'andelbare Wesen der ISpecies, w'elchc nur auf dem Umwege der zweiten
Richtung erfolgreicher Forschung weichen können, während die ältere
Herbarium -Richtung der einfachen diagnostischen Definition unter Hinzu-
fügung eines Namens in vielfacher Hinsicht zur Belastung und Verwirrung
der höheren Ziele in der Naturbeschreibung beiträgt. Jedenfalls stehen
sich die beiden Richtungen niclit fremdartig gegenüber, sondern ergänzen
sich zu einer nothwendigen Einheit und durclidringen sich gegenseitig;
dass ausserdem die ältere Speciessystematik das Grundgerüst der ganzen
F'lora liefert, an dessen correctein Ausbau und Verbessern unausgesetzt
w eitergearbeitet werden muss, ist so selbstverständlich, wie etwa die An-
lehnung von Geschichtsforschern an die nackten, in den Geschichtstabellen
überlieferten Namen und Jahreszahlen, welche gleichwohl nicht das Wesen
der Geschichte ausmachen. Zudem muss betont werden, djiss die Weiter-
entwickeluug des schwierigen Speciesbegriff’s auf Reisen viel weniger ge-
fördert werden kann, als durch Versuche in botanischen Gärten und durch
analytische Vergleiche im Herbarium, wozu allerdings eine fornienreiche
Sammlung unermüdlich zusammengetragen sein will. Und wie dies unsere
Absicht war, davon legt das sächsisch-thüringische Herbarium im bota-
nischen Institut Zeuguiss ab, welches sich aus den unbedeutenden An-
fängen weniger Fascikel unter Mitwirkung so mancher eifriger Floristen
im Lande zu einer ansehnlichen Sammlung vergrössert h.at.
Es musste sich also darum handeln, durch eigene Beobachtungen den
grösseren floristischen Bezirk zu erkennen, der Sachsen und Thüringen ein-
schliesst, dessen Grenzen festzusetzen und eine naturgemässe häntheilung
seiner einzelnen Glieder vorzunehmen. Dies konnte nur geschehen auf
Grundlage der natürlichen Bestände oder Vegetations-Formationen
sammt ihren hervorragenden „Leitpflanzen“, wie dieselben in der Isis-
Festschrift vom Jahre 1885 (S. 81) erklärt sind.
Es ist die grössere floristische Einheit gefunden worden in der Zu-
sammenfassung eines „hercynischen Florenbezirkes“, welcher sich
«•
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vom Lausitzer Gebirge bis zu den westlichen Wasserscheideu der Weser
gegen das rheinische Gebiet eretreckt, im Norden den Harz mit seinem
ganzen Vorlande Braunschweig — Magdeburg umfasst, als Südgrenze den
grossen zusammenhängenden Gehirgswall Lausitzer Bergland — Erzgebirge —
Eichtelgehirge — EraTikenwald — Thüringer Wald nimmt, dabei aber den am
Fichtelgebirge angeknoteten Böhmerwald als südöstlichste Zunge mit ein-
schliesst, und endlich im Südwesten als Grenzmark gegen Franken und
den Khein die basaltische Itliön zum Eckpfeiler wählt, so class das vom
Thüringer Becken nicht ahzutrennende Werraland, von Meiningen an bis
herüber zur Fulda, mit eingeschlossen wird. Dieser hercynische Bezirk
nimmt noch Theil an den gemeinsam um die Alpen herum gruppirten und
zum Theil von ihnen ausstrahlcnden l'rtanzenheständen der Berg- und
Hügelregion; er hat demnach grössere Beziehungen zum Süden als zum
Norden und macht gegen die norddeutsche Niederung Front mit seinem
Grenzwall von Hügelketten aus den Trias-, Jura- und Kreideschichten von
Hannover bis Magdeburg. Besonders deutlich ist die Grenze gegen den
deutschen Nordwesten, gegen die sogenannte „nordatlantische Niederung“;
von den 1564 im hercynischen Florenbezirk zusammenkominenden Arten
an Blüthenptlanzen und Farnen kann man nur ungefähr die Hälfte noch
zum wirklichen Besitz dieses nordwestlichen Deutschlands rechnen, wie
allerdings auch ebenso unter den 1564 hercynischen Arten nicht wenige
sind, welche nur als äusserste Vorposten und gleichsam verschlagene Stand-
orte an einzelnen Stationen mitgezählt sind und als fremdartige Zuzügler
erscheinen.
Das hercynische Berg- und Hügelland ist demnach in seinem Floren-
charakter wesentlich mitteldeutsch und tlieilt daher viele Eigenschaften
mit seinen östlich und westlich angrenzenden Nachbargauen, zwischen
welche es sich wie ein Keil hineinschieht und naturgemäss Verbindungs-
glieder in den Grenzlandschaften erzeugt. Im Osten hat es den sudeti-
schen Florenbezirk, im Westen den rheinischen zum Nachbarn; die Sudeten
haben mit ihrer karpathischen Verwandtschaft zugleich eine viel stärkere
Entwickelung von Formationen des oberen Berglandes, als irgend eines
der hercynischen Gebirge; sogar schon in den niederen Uegionen stecken
ganz neue Areale, wie das grünlich blühende Veratrum allnim Jedem zeigt,
der vom Jeschken ausgehend d.as der Lausitz angrenzende Isergebirge
betritt. Und am Bhein nehmen I’tlanzenarten des Südwestens ihre Grenze
(z. B. Acer mompeasulumim uiul R-unus Mulialeb), welche im hercynischen
Hügellande nur noch als CulturpHanzen der geschützten Hügelregion ge-
deihen.
Der hercynische Bezirk ist am besten in seinen Borgwald- und Hügel-
formationen ausgeprägt, während z. B. die Wasserpflanzen -Formationen
eine unbedeutendere Holle spielen. Selbstverständlich herrschen ähnliche
Verhältnisse in den sudetisciicn und rheinischen G.aucn, doch in vielfach
geänderter Zusammensetzung und Ausprägung; besonders aber muss die
Erwägung, dass die von dem sächsisch-thüringischen Grenzwall umschlos-
senen und mit dem Harz im Nonien zu neuem Gebirge aufgethürmten
Landschaften eine geographische Einheit bilden, in der die Eigenschaften
des Beckens von den Gebirgen selbst abhängen, den Grundgedanken zu
dieser hercynischen Gru[)penhildung liefern, und dann wird die Anglicdc-
rung des Böhmerwaldes im Süden und die des Werra- Fulda-Weserlaudes
im Westen zur weiteren Nothwendigkeit, um zu der einfachsten Dreithei-
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lung des mitteldeutschen Berg- und Hügellandes iin vorhingenannten Sinne
zu gelangen. In diesem hercynischen Bezirke erfreuen sich nun die Berg-
wälder überall des Besitzes von Acer Pi-eudojilatanm, alle mit Ausschluss
des Harzes auch noch der Abies pcctinata, überall ist Sambucus racemosa
Cliarakterstraueh, vielfach auch Loniccra ni(jru\ die Massenstaude Stmecio
nemoremis, d;is wogende Gehiilm von Calnmaijrostis Hallerüina, die Rudel
von Atropa Belladonna, im westlichen Theil die ungeheuren Massen von
Digitalis purjnirea: sie alle zeigen den hercynischen, gen Norden scharf
abschliessenden h’lorencharakter an. In den Hügelformationen herrscht
neben der allgemeinen Salvia pratensis auch S. verticillata, selten auch
S. silvestris; die Teucrinm - Arten spielen zumal auf Kalkboden eine im-
posante Rolle; Ornithogalum nmbellatam blüht in Masse auf den Hügel-
wiesen und Meiim athanianticnm bildet im Berglande fast überall die
Zierde torfiger Wiesen; von den unteren Hainen bis zu den kahlen Berg-
gipfeln hinauf steigeti die Rudel von Lazuln nemorosa (albida), und in
manchen östlichen Gauen ist Carex brizoides wie in Süddeutschland eines
der gemeinsten, ganze Hainbestände dicht erfüllenden Riedgräser: auch
diese enden alle mit N'ordgrenzen gegen die Niederung oder verlieren sich
nach dorthin unregelmässig. Es fehlt aber in dieser gedrängten Skizze an
Raum, um in die tloristischen Einzelheiten tiefer einzudringen.
Die Frage drängt sich dagegen von selbst als eine von hervorragen-
der Bedeutung auf: wie sieht es mit der inneren Gliederung des ganzen
Florenbezirkes aus? Sind etwa nur Berg- und Hügellandschaften zu unter-
scheiden, oder drückt sich ein weiterer Unterschied in deren Lage nach
O., W. oder S. aus? Diese Frage, die Abgrenzung natürlicher Landschaften
im Ganzen, w'ar selbstverständlich eine der wichtigsten Aufgaben für die
pflanzengeographische Durchforschung und hat zu der Aufstellung von
14 „Landschaften“ (oder Territorien) geführt, deren Namen nachher
folgen werden. Wovon hängt diese innere Gliederung, ilie Beschaffenheit
iler einzelnen Theile ab? Drei Hauptfactoren lassen sich dafür angeben:
a) Der Einfluss der verschiedenen Floreneleinente, welche zur Be-
siedelung zur Verfügung standen, und je nach südöstlicher, nord-
östlicher, südwestlicher o<ler nordwestlicher Lage der Landschaft
nicht unerheblich verschieden waren; in dieser Lage muss sich
zugleich der Einfluss des sudetischen, böhmischen, fränkischen
oder rheinischen Nachbarbezirkes ausdrücken. Hierbei handelt
es sich also haui)tsächlich um den Einfluss der postterfiären und
postglacialen Entwickelung, die Ablagerungen von Löss für steppen-
artige Formationen (und es ist sicher, dass die östlichen Genossen-
schaften von Meissen bis Magileburg alle auf Bodensorlen mit
gewissen gleichmässigen, staubig-trockenen Eindruck hervorrufen-
den Eigenschaften Vorkommen); die Erklärung der Relicte fällt
hier hinein.
b) Der Einfluss der Höhenlage und des davon abhängigen Klimas
nach den beiden wichtigsten liebeln der Vegetationsprocesse, Wärme
und Nässe. Bei 400 — 500 m Höhe beginnt an Nordhängen im
-Allgemeinen die Bergzone, bei 1100 — 1300 m endet die letztere
mit dem Fichtenwalde und es beginnt ein schwacher Anfang von
subalpiner Zone, welche zu Ende ist, ehe sie zum ordentlichen
•Ausdruck gelangen konnte. In diesem Mangel der Entwickelung
einer besonderen llochgebirgsrcgion liegt ein wesentlicher herey-
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H(!
nischer Charakter; ihm ist die im Grossen und Ganzen herrschende
Einförmigkeit in den dichten Eichtenbeständeii der Bergkämme
zuzuschreiben, die sich nur einmal da ändert, wo ein Hochmoor
ausgebreitet liegt, oder wo für hochgelegene qucllige Schluchten
und geröllführende Berghaiden genügender Platz vorhanden ist.
c) Der Eintluss des Bodens, in seiner Zusammenwirkung mit Ver-
witterung, Insolation und Befeuchtung, welche dem Boden erst
die eigentliche Bedeutung verleihen. Die Bodenarten sind iin
hercynischen Bezirke in allen möglichen Abstufungen von Ur-
gesteinen, paläozoischen Grauwacken, Thon- und Kieselschiefern,
in der .Abwechselung von Buntsandstein und Muschelkalk in den
Triaslandschaften, seltener mit Keupersandsteinen, in Quadersand-
steinen, diluvialen Geschieben und endlich in mächtigen Basalt-
erhebungen und Porphyrmassen vertreten; bis zu einem gewissen,
mit floristischem Takt einzubaltenden Grade sind einzelne Land-
schaftsgrenzen sehr wohl mit bestimmten geognostischen Boden-
klassen in Uebereinstimmung zu bringen; oft ist aber eine rein
orographische Linie wichtiger als das Auftreten einer anderen
geologischen Formation.
Das waren die wesentlichen Gesichtspunkte, welche an der Hand der
nöthigen Hilfsmittel auf unseren Botanisirreisen den Leitfaden für die
Florenaufnahmen bildeten und welche mit den wirklich Vorgefundenen
Beständen in Uebereinstimmung zu bringen waren. Und welche Viel-
heit in diesen Beständen! Gleichen sich schon die Wiesen selten, wie
viel weniger noch der Wald in seiner, je nach Banmarten wechselvollen
Zusammensetzung. Hierüber kann ich heute um so rascher hinweggehen,
als ich schon früher (Isis 1888, S. 68) eine .ausführliche Formationsliste
von den hercynischen Landschaften .als Krgebniss der <larauf gerichteten
Untersuchungen entworfen habe. Dieselbe ist aber vielleicht noch etwas
zu mannigfaltig, was eher zu Schwierigkeiten in der Verwendung führt
.als das Gegentheil; daher gebe ich hier eine kurze, handlichere Zusamraen-
ziehung unter Anführung mancher charakteristischer Pflanzcnartcn als
Beispiele. Diese Zus.aramenziehung entspricht einer biologischen Gliede-
rung der Standorte nach dem geringsten Maasse.
Die 10 hercynischen Formationsgruppen in charakteristischer
Ausprägung. (Höhenangaben im Mittel.)
I. AVälder, trocken, 100 — 500 m (CaTjiimis, TiUa, Betula, Quercus,
Fagus). — (Aor cainjuvtre, L. Xglosteiim).
II. Wälder, bruchig, 80 — .800 m {Ahntti! Fraiinus, Quercus, Car-
piniis). (Frangida! Angelica silvestris :);).
III. a) Wälder, montan, 500 — 1200 in {Ahies, Fagus, Acer Pseudoplal.,
Picea). — {Sambucus racemosa, Loniccra nigra).
b) Quellflur. (Chrgsosplenium, Chaernphgllum hirsutum. — Mul-
gedium alpiuum 600 — 1200 m).
IV. Kiefernhaidewald. {Pnus silvestris, Betula). {Crdluna, Saro-
thumnus, Gnaphal. dioicum).
V. Hain-, Fels- und Geröllfluren auf dysgeogen-pelit. Boden.
(Bosaceae: Crataegus, Bosa , Pnnius spinosa, Cotoneaster,
Aroma, Sorhus Aria.)
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87
150
liis
öiKJ m
|a)
Ibi
c)
VI.
VII.
VIII.
IX. a)
b)
X.
Kalk: Bupleurum falcatum, Sesleria, Clematis Vitalba. Gen-
tiana ciliata. — Die TeMcnxw-Gruppe.
Silicat und indifferent: Anthericum , Lactnca perennis. Carex
hamilis, Puuced. Cei'varia. {Puls, pratensis, Potcnlilla arenaria).
montan- subalpin: Diantlms caesius. Woodsia ilvensis. Saxifrai)a
decipiens. Aster aljnntts. — Andreaea! Gi/rophora und Um-
hilicaria.
Wiesen, a) 100 — 500 m (Cirsium oleraceim, Geranium pratense,
Carum und Heradeum, Crcpis l/iennis).
b) 600— 1200 m (Meum alliamanticum, Geranium silva-
ticum, Crepis succisifolia, Cirsitim heterophijUum).
Moore, a) Caricetum ohne Sphai/na und Vaccinium Oxijcoccus.
Erioph. pohjstachpum ; Carex vulgaris, panicea etc.),
b) Sphagncta mit Erioph. vaginatum, Vaccinia! Cal-
luna. — (Phius montana, Andromeda, Empctrum etc.)
Herghaide und Borstgrasmatte. (Callitna und Vitis idaea!
Calamagrostis HaUcriana! Nardus! Luzula sudetka. Jtmcus
squarrosas. Empetrum. Trientalis. Cetraria).
Binnengewässer-(Ufer- und Wasserpflanzen-) Formationen.
Salicomia - Salzsümpfe.
Culturfo rmationen; Unkräuter, Brachpflanzen, Ruderalpflanzen.
Nach dem Auftreten dieser Formationsgruppen in besonderer ört-
licher .\usgestaltung („Facies“) und mit besonderen oder allgemein durch-
gehenden Lcitpflauzen versehen, bestimmen sich die Charaktere der 14
Landschaften im hercynischen Florenbezirk. Um von ihrer Bestaudesab-
wechselung eine flüchtige Skizze zu zeichnen, versetzen wir uns in die
Eindrücke einer Botanisirfahrt durch einen grossen Theil unseres Gebietes
und verlassen die uns am genauesten bekannten Gefilde im Dresdner Elb-
thal zu raschem Aufstieg auf die Höhen des Erzgebirges bei Oberwiesen-
thal und Gottesgab. Hier, an den Abhängen des Fichtel- uml Keilherges,
finden wir die Formationen F. lila und HIb, VI b, Vllb und VIII, während
fast alles Andere fehlt. Die Quellflur erhält ihre besondere Ausprägung
liier durch Streptopus, Bergwald und Borstgrasmatte durch Homoggne.
während Mulgedium und liatiunculus aconitifolius als gemeinsame her-
cynische Bestandtheile auftreten; Udieudizeria, Carex limosa, Betula nana,
tinertia und die dichten Bestände von Pinus montana und Betula carpathica
machen die Hochmoore besonders interessant.
Ira raschen Wechsel der Unterholzflora in den Bergwäldern steigen
wir am Südabhang des Gebirges von unseren 1200 m überragenden Höhen
herab und treflen hier, in voller Sonuenwirkung, schon bei relativ bedeu-
tenden Höhen (über 600 m) in den zahlreichen die Gebüsche durchsetzen-
den Trauben goldgelber Blüthen von Cgtisus nigricans die obersten Merk-
zeichen von F. \ b, während rasch Meum athamantkum nebst Hrnfcn montana
auf den Bergwiesen abnimmt und schwindet. Nicht lange dauert es und
Balvia pratensis tritt dafür an deren Stelle, auf kahlen Felsen erblühen
die Nedum-Arten, Labiaten häufen sich und bei Hauenstein oberlndb der
Eger ist Campanula glomerata ein gemeiner Bestandtheil der Haine. Das
Egerthal tritt hier ein in das böhmische Mittelgebirgsland; wir eilen strom-
auf nach den Höhen des Kaiserwaldes, wo uns (wie im Elstergebirge) in
Erica camea und Pulygala Chamadmxus zwei am Fichtelgebirgsknoten
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H8
allein im (jebiet auftretende nordalpiue Arten aufstossen, hier als selt-
sames Beigeraisch zu der unteren Stufe der Bergwälder, im Schutze mäch-
tiger Weisstannen und Fichten. Ueber Eger geht es zum Fichtelgebirge
hinauf, über Pingtticula und Meum führende Bergwiesen, zum alten Moor
am Fichtclsee im Bereich hochstämmiger Pinus montana. Im Südosten
schimmern die Kuppen des tannenreichen Böhmerwaldes herüber, auf
denen das gemeine Mcum athamanticum durch beschränkteres .\uftreten
von Liijustimni Mutellhia ersetzt wird. Wir wollen aber unsere botanische
Reise nordwärts fortsetzen und wählen als Wegweiser die Thüringer Saale.
Ihre Quelle hat sie 7ÜB m hoch unter dem Granitwall des Waldsteins und
von hier bis zu ihrer Einmündung in die Elbe durchströnit sie wechsel-
volle Landschaften in anziehender Abwechselung der Ilauptformatiouen.
Die Saale ist von allen hercynischen Flüssen der bedeutungsvollste, weil
sie der hercynischen Flora durchaus treu bleibt; die reizvollen Abschnitte
des Elbe- und Weser-Stromthales, soweit sie unserem Beziike angehören,
enthalten die Marksteine der östlichen und der westlichen Hügelformationen
an ihren beiderseitigen Ufern, aber die Saale bezeichnet in ihrem mit
vielen Krümmungen nordwärts gerichteten Laufe selbst eine der wichtig-
sten Scheiden von östlichen und westlichen Formations-Ausprägungen, wenn
auch der eine und andere Florencharakter bald hier, bald ila über den
Fluss herübergreift und sich seiner ganzen Gehänge bemächtigt. Zuerst
greift der östlich-montane Florencharakter nach West herüber: Piwinthes,
Ariincus, in den Gebüschen Ci/tisus nifp'icans, finden sich zahlreich. In
den schluchtenartigen Engpässen von Burgk und Ziegenrück bis Saalfeld
ist die F. Vc mit Diantliiis caesius, Woodsia üvvnsis und Aater (djiinus
recht hübsch vertreten, und bei Ziegenrück, wo der Saalespiegel nur noch
etwa 300 m Höhe besitzt, trifft sich ein merkwürdiges Gemisch von Berg-
waldarten {Diyitalis purpurca, Lonicera 7iiyra, Anincus) mit IIügeli)fianzen
wie Digitalis amhigua, Sedum rupestre und Anthemis tinctoria, welche
stromabwärts bald zahlreichere Genossen finden. Einen lehrreichen For-
raationswechsel kann man sich vor .\ugen führen, indem man von Ziegen-
rück aus, da w'o die Saale sich westwärts nach Saalfeld wendet, um als-
bald in den Triasschichten nordwärts umzubiegen und dann nach Osten
zurückzukehren, quer über das zwischenliegende Gefilde nach Ranis-Bössneck
zu marschirt, wo schon der hier auftretende Zechsteingürtel ganz neue
Yegetationsbilder schafft, und nun von Bössneck weiter nordwärts auf die
Saale zustrebt, die man in ca. 170 m Höhe bei Orlamünde wieder erreicht.
Und wie findet man sie wieder! Breite Wiesenthäler an einer Seite des
Stromes, bedeckt mit F. Via, an der anderen Seite die Steilmauern rothen
Sandsteines, und an diesen im Gebüsch oder in den Felsspalten eine ge-
wöhnliche warme Hügelfiora der Gruppe Vb mit Conyza als Leitptlanze,
d.arin schon Isatis tinctoria. Aber über Orlamünde steigen auf dem breiten
Sockel des Buntsandsteines spitzere Kuppen von Muschelkalk auf, die sich
schon aus der Ferne durch hellen Schimmer verrathen; ihr Schotterboden
ist mit zerstreut stehenden, ganz kurzen Kiefern überdeckt, dazwischen
ganz kahle, sonnenheisse Stellen: hier wogt im Winde eine kleine Steppe
von Melica ciliata und im Geröll ist anstatt des Thymian Alles erfüllt
von Teutrium Chamaedrys-, Antherkum ramosum wetteifert an Häufigkeit
mit Bupleurumfalcatum und in den Ligustrum- wie Cbrnits-Büschen klettert
w'eithin die Clematis V’italhn. Da ist zum ersten .Male auf diesem unserem
Reisewege die Vollentwickelung der F. Va uns entgegen getreten und sie
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8i)
bezeichnet nebst den humusreichen Buchenwäldern mit vielerlei neuen Arten
den Charakter des Thüringer Beckens am schönsten.
Wir folgen der Saale bis zur ünstrutmündung nahe Freyhurg; neue
Arten beginnen hier sich zu zeigen, seltenere Areale reichen bis hierher.
Der fest anstehende Kalk wird spärlicher; Geschiebe treten dazwischen,
Porphyrhügel umsäumen das Flussbett bei Halle: hier sind die Uferhöhen
bei Wettin und Rothenburg durch eine ganz andere Variante der Hügel-
formationen bekleidet, südöstliche Arten sind häufig wie im böhmischen
Mittelgebirge; Sei‘eli Hippomarathrum giebt den Ton an, weniger häufig
zu sehen stimmen Astrayalns exscapus und Oxytropis pilosa in dieselbe
Melodie.
Wir wählen den letzten Nebenfluss der Saale von Westen her, die
Bode, zu einer erneuten Bergwanderung zum Harz. Sie führt uns aus
dem Hügelgelände mit Steppencharakter und Abhängen voll fliegender
Grannen der Stipa capillata heraus in die Engpässe eines steilen Gebirgs-
thales, wo an 200 m hohen Granitwänden Saxifraya decipiens, spärlich
auch Aster alpinus den Montancbarakter verratben, während die geringe
Durchschnittshöhe den Arten von F. Vb (wie Allitim fallax) die Ansiede-
lung auch noch gestattete. Aus dem Bodekcssel wandern wir zu den
schweigsamen Hochwäldern des Oberharzes, bis uns der kleiner werdende
Bach stromauf bis zum Brockenfelde geleitet und nordwärts hinauf zum
Vater Brocken selbst, durch die letzten mit dem Sturme kämpfenden
F’ichten auf die kahle Höhe mit ihrer Berghaide. Keine Homoyyne, kein
Streptopiis ist hier zu sehen, wohl aber dieselben Rosetten von Athyrium
alpestre wie am Keilberge, und — ein neuer Reiz an dieser Stelle — die
Brockenblume mit ihren zu „Hexeubesen“ verwandelten Früchten, Pidsa-
tilla alpina, und neben richtigem Hieracium cdpinum auch eine beson-
dere Abart des H, niyrescens. W'ie hier die ’F. VHl in anderer Ausprä-
gung durch neue Artgenossenschaft erscheint, so auch die Moore, die
Fichtenwälder. Betida nana wird hier an ihren seltenen Stellen fast
erstickt von den grossen Rasen des Scirpus {Trichophoram) caesjnlosus,
aber kein Sumpfkiefergehüsch unterbricht den graugrünen Ton des Moores
mit den weissen Köpfen von Eriophorum vayinatum. In den Wäldern kein
E^enanthes, kein Thalictrnm aquUeyifoUum oder Anmcus, keine Euphorhia
dtdds; aber bei Andreasherg tritt uns zuerst auch hier in En. amyydaloides
eine Art des W^estens entgegen, Digitalis purjmrea erfüllt alle Gehänge,
in den Quellgründen wächst Midyvdiim mit Eaminculus aconitifolius wie
in allen hercynischen Gebirgen.
Durch den Hildesheimischen Gau lenken wir zur Weser; Rudel von
Bosa arvensis auf Aengern mit Spiranthes autumnalis sind wohl der Auf-
merksamkeit werth, noch mehr auf den Kalkhöhen bei Holzminden und
Höxter die seltene Dolde Siler trilohiim. Weniger reiche Bergwälder der
unteren Stufe geleiten uns die Weser aufwärts bis zu der Stätte, wo Werra
und Fulda sich zum Hauptstrom vereinigen, und diese beiden w'estlichsten
Ströme führen uns durch das Casseler und Meininger Land bis zu den
Südwestgrenzen unserer Ilercynia. Zunächst lockt uns die W'erra in dem
Bereich zwischen Eisenach und Witzenhausen, wo sie in prächtigen Win-
dungen um den Ringgau herum durch die Schichten der Trias bricht und
westwärts ihres Thaies den mächtigen Basaltklotz des Meissner zum
Wächter hat. Zwischen quellenreichen Buntsandsteinwaldungen wechselt
hier die Landschaft mit Steilniaucrn von Muschelkalk, einer neuen präch-
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90
tigen Entfaltung von F. Va in ähnlicher, doch anderer Zusammensetzung
wie an der Saale. Amelanchier krönt mit Sorhis Aria, Cormis mas und
Cotoncuster viele Steilhiinge, Lanerpitium und Libanotis sind häufige
Charaktenlolden, Aster Amdlus mischt sich mit Linum tenuiflorum.
Und so können wir zum Schluss den südwestlichen Eckpfeiler, die
Rhön, betreten, ein Gebirge mit schon weit mehr südlichem Anstrich als
irgend eines der anderen. Denn hier fehlt auch bei Erhebungen über
900 m der montane hercynische Fichtenwald, nur das untere Glied von
F. lila mit vorwaltender Ruche ist entwickelt, und in deren Schatten
wächst hier Jitnuinadus aconitifolius mit Aconitum Li/coctonnm und Cen-
taurea montana, zeigen sich die schönen Blüthensträusse von Campanula
latifoUa und ganze gesellige Unterwuchsbestände von Lunaria rediviva.
An einzelner Stelle ist Fleurospcrmum austriamm üppig entwickelt, wie
in der Tatra oder dem Gesenke; die weiten Rasenflächen sind bis hoch
hinauf auf die Höhen mit Ibunclla grandißora geschmückt. Aber auch
hercynische Moore sind eingestreut in 820 ra Höhe und nahe den obersten
Kuppen der östlichen Gebirgserhebung, monoton und nicht so pflanzen-
reich wie die ersten auf unserem Reisewege, doch durch Carex limosci
und iicheuchzeria ihnen verwandt; Sumpfkiefer fehlt, nur Empetrum mit
Andromeda sind neben den nie fehlenden Restandtheilen der F. VHb
eben so häufig, und es fehlt auch nicht an den Krüppelgehölzen der
Sumpfbirken.
So können wir vom Gipfel des Kreuzberges aus, der besser als die
waldlose Wasserkuppe djis Aushalten der Buche im Gemenge mit Fichte
und Tanne zeigt, hinüberschauen auf die Thalzüge der fränkischen Saale
und wir vei-steheu bei der Geringfügigkeit der Erhebungen, welche deren
Wasserscheide gegen die Werra bilden, wie an der Ostflanke der hohen
Rhön die fränkische Flora ihre Sendlinge nordwärts ausbreiten konnte bis
zum südlichen Hannover und mit ostwärts gerichteter Abschwenkung auch
theilwcise in das Thüringer Becken, wo immer die Gesteinsbildiing vor-
nehmlich des Muschelkalkes die für wärmere Hügel])flanzen erforderlichen
Plätze bot. Das böhmische Mittelgebirge gab seine Sendlinge an die
Lausitz und das Dresdner Elbthal ab, das Frankenland an die von Werra
und Fulda durchströmten Lande.
Fassen wir nun entsprechende Wahrnehmungen im ganzen hercyui-
schen Bezirke zusammen zu einer Gliederung des (>anzeu, so ergeben
sich als ziemlich natürlich folgende 14 Landschaften : D,as Weserland,
Braunschweiger Land, Werra- und Fuldaland mit der Rhön, das Thüringer
Becken, das Land der unteren Saale, das Land der Weissen Filster (Gera-
Leipzig), das vogtländische Berg- und Hügelland mit dem Frankenwalde,
das sächsische Muldenland, das Hügelland der mittleren Elbe (Pirna-Strehla),
das Lausitzer Hügel- und Bergland; diesen zehn L.andschaften mit vor-
wiegendem Charakter der Hügel- und niederen Bergzone gesellen sich
nunmehr noch die vier hercynischen bedeutenderen Ilergländer zu: der
Harz, Thüringer Wald, das Erzgebirge und der Böhmer Wald. Sie liefern
die kleineren Einheiten für Schilderung der ptlanzengeographischen For-
mationen, für die Untersuchungen der Wanderung und Fiorenbesiedelung
nach Beurtheilung der geologischen Entwickelung und der Arealstudien
(siehe .Anhang!), oder für die ganz andere ökologische Seite der Forschung,
welche die Mittel zu prüfen hat, mit denen die einzelnen Arten sich an
ihren oft heiss umstrittenen Standorten zu erhalten vermögen.
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91
Von grosser Bedeutung würde es sein, wenn die zoologischen Facli-
genossen in unserer Gesellschaft nach den von der Pflanzengeographie
gelieferten Grundzügen die Verhreitungsverhältnisse der heimischen Thier-
welt und deren Abhängigkeit entweder direct von bestimmten Vegetations-
forniationen, oder aber von den gleichen zwingenden Verbreitungsursachen
in Hinsicht auf Areal und geologisches Aushreitungsvermögen, zu ent-
sprechenden Bildern verarbeiten wollten, ln manchen Fällen, wie z. B.
bei der Verbreitung des Hamsters und ähnlicher, erscheint es schon jetzt
nicht schwierig; in anderen Fällen werden wahrscheinlich die Resultate
je nach ThierUassen verschiedenartig ausfallen und da wären vielleicht
die Schnecken und die Schmetterlinge zunächst mit einander zu ver-
gleichen.
Anhang.
• Die Arealstudien, die Zugehörigkeit der charakteristischen Arten
bestimmter Formationen zu verschiedenen Verbreitungsgruppen, bilden
den streng pflanzengeographischen Theil der im Vorhergehenden kurz an-
gedeuteten Formationsschilderungen. Nach einem weiteren Vortrage in
der botanischen Section der Isis am 9. Februar 1899 über diesen Gegen-
stand sei daher zur Ergänzung des ersten Vortrages noch Folgendes hier
kurz angeführt:
Die Areale, welche für die Mehrzahl der Arten in einzelnen Ländern
geschlossene Figuren bilden und von deren Rändern aus sich noch als
„sporadische Standorte“ in weiteren Umkreisen ausdehnen, werden zweck-
mässiger Weise nach besonderen Typen zusainmengefasst. Die für Deutsch-
land gütigen Typen umfassen sowohl geschlossene Areale, wie z. B. das
Areal der Buche und Tanne in wichtigen Autheilen, als auch sporadische
Standorte jenseits der Grenzen nordischer, östlicher, westlicher und süd-
licher Hauptareale, wie z. B. derjenigen von Lmnaea horealis, Adonis vcr-
nalis, Erica cinerea und Rata graveolens. Nach der Form und Lage
dieser Areale, welche Deutschland theils mit der geschlossenen Hauptfigur,
theils nur mit den sporadischen Standorten erreichen und durchsetzen,
unterscheideich für das ganze in „Deutschlands Pflanzengeographie“, Bd. I
durchmusterte Gebiet von 3020 Blüthenpflanzenarten 24 Typen, welche
ich zur leichteren Kennzeichnung mit einer abgekürzten Signatur versehe;
dabei bedeuten die Buchstaben:
H. Hochgebirge (Alpen, Karpathen, ausstrahlend auf die Mittelgebirge),
E. Europa, bezw. europäischer Antheil borealer Areale,
M. Mitteleuropa im Sinne des Florengebietes,
B. Boreal, d. h. von weiter nördlicher Verbreitung,
U. Uralisch, d. h. für Europa besonders von Westsibirien und dem nord-
östlichen Russland herkommend,
Po. Pontisch, d. h. mit dem Hauptareal in den südrussischen Steppen
vorkommend,
P. Pontisch im weiteren Sinne, d. h. mit dem Hauptareal auf das untere
Donaugebiet fallend,
Atl. Atlantisch, NAtl. Nordatlantisch,
W. Westeuropäisch in der Bergregion Pyrenäen — Rhein etc. und
A. Arktisch, d. h. in Island — Grönland — Spitzbergen vorkominend.
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Diese Arealtypen und Abkürzungen sind auf mitteleuropäische Pflanzen-
geographie zugeschnitten und würden für andere Gebiete zweckmässig
anders zu fassen sein; sie schliessen gleichzeitig bestimmte Vegetations-
linien in sich, z. B. den bekannten Gegensatz pontischer Areale mit nord-
westlichen, und atlantischer Areale mit südöstlichen Vegetationslinien.
Die deutschen Arealtypen mit ihren Signaturen sind in der folgen-
den Liste zusammengestellt und durch bequem vorliegende Beispiele ge-
kennzeichnet; diejenigen, welche für den hercynischen Florenbezirk von
Bedeutung sind, erhalten Fettdruck.
ME‘ Fagns silratka: engeres Mitteleuropa.
ME' Ahiuti ghitinosa: Mitteleuropa, erweitertes Gebiet.
Mm Abtes pedinata, Acer Pseudopintanus: engeres montanes Areal
von dem den Alpen vorgelagerten Theile Mitteleuropas.
S Castanea, Ostrya: Südeuropäische, Deutschland im SW. und SO.
berührende Areale.
Mb' Picea excelsa: erweitertes mitteleuropäisch -boreales Areal.
MbA Vaccinium Vitis idaea: das Fichtenareal Mb' bis zum arktischen
Gebiet erweiternd.
HU Cemhra, Larix: mitteleuropäische Hochgebirge und uralisches
Europa, das Areal disjunct, d. b. durch einen breiten Länderraum
getrennt.
H' Widfenia carinthiaca: auf die Alpen als Endemismen beschränkte
Areale.
II' tdaxifraga carpathica, perdnram: auf die Karpathen als Endemis-
inen beschränkte Areale.
H" lihododcndron ferrugineum, hirsutum. — Pidsatilla alpina, Hoino-
ggne: alpin-karpathische, auch sonst weiter in den Hoch- und
.Mittelgebirgen des Gebietes Mm verbreitete, den Harz nach
Norden nicht überschreitende .^rcale.
Stcertia peretinis: dem Areal wie unter II’ gesellen sich noch
sporadische Standorte in der atlantisch -baltischen .Niederung zu.
H' linnutiadus aconitifoUus: das Arc.al wie unter 11’ ist auf Skan-
dinavien ausgedehnt, wo die .Moutanarten in tieferen Regionen
wiederkehren.
A H IJrgas octopetalu : ein der Haujitsache nach arktisch-circumpolares
Areal ist gleichzeitig auf die in 11’ bozeiclineten Gebirge ausgedehnt
(nicht auf die Niederung).
-\E' Pcdicularis sudetica: ein arktisches Areal hat, durch weite Länder-
rätiine getrennt, in den mitteleuropäischen Gebirgen beschränkte
Standorte und ist nicht alpin-verbreitet.
AE' Bdula nana: ein arktisches Areal von weiter nordeuropäischer
Hauptfigur durchsetzt mit nach S. abnehmenden sporadischen
Standorten die baltische und mitteldeutsche Flora bis zu den
Alpen.
BU' Chamaedaphue calgculata: boreale, in Europa uralische Are.ale
schliessen mit einer westlichen Vegetationslinie vor den Arealen
ME' beziv. Mm ab.
HF' Heiirospermum aiistrianini: die gleichen Areale durchsetzen Mittel-
europa weit gen W.
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93
WM in Digitalis purjmrea, Meum athamanticion: westeuropäische Berg-
areale, welche von den Pyrenäen bezw. Central Frankreich an über
die den Uhein begleitenden Bergländer bis in die bercyniscben
Berge ausgedehnt sind, die Alpen aber nur berühren oder aus-
scbliessen.
Atl Aquifoliam: Areale des ganzen südwestlichen Europas.
NAtl Erica Tetralix, Mgrica Oale: Areale, welche ihre Hauptfigur an
der Atlantischen Küste von Frankreich — Holland — England be-
sitzen.
Po* Jurinea cyanoides: politische Areale von enger Ausbreitung nach W.
Po* Stipa pennata, capillata: pontische Areale von weiter Ausbreitung
nach W., zugleich auch in der nördlichen Mediterranregion ver-
breitet.
PM* Daphne Blagayana: endemische Arten des westpontischen Be-
zirkes, welche von Serbien — Bosnien aus die Ostalpen berühren.
PM* Cytisns nigricans: weite Areale desselben Bezirkes, deren Haupt-
figur vom südwestlichen Russland bis zum östlichen Deutschland
reicht und die russischen Steppen am Don ausschliesst.
Diese Arealtypen lassen sich nun zur Ermittelung des eigentlichen
pflanzengeographischen Charakters der Formationen benutzen, indem man
sowohl auf die Arten achtet, welche deren Grundton ausraacheii, als be-
sonders auf die charakteristischen, als „Leitpflanzen“ bezeichneten Arten.
(Siehe Festschrift der Isis 1885, S. 81 u. flg.) Wenn wir z. B. die Areale
der in den Abhandlungen unserer Gesellschaft 1895, S. 47 aufgeführten
Formationsglieder unserer Elbhügel -Flora daraufhin j)rüfen, so ergiebt
sich eine Hauptmasse von politischen und westpontischen Arealen der
Gruppe Po* und P.M*, kein einziges atlantisches oder arktisch -boreales.
Diese letzteren sind dagegen in den Gebirgsformationen zahlreich vor-
handen, von denen ich hier zunächst eine Probe aus den quelligen Matten
und Hochmooren des Erzgebirges am Fichtel- und Keilberge mittheile.
Zusammenstellung von Charakterarten aus der Formationsgruppe Vllb
und VIII des oberen Erzgebirges nach typischen Arealformen.
AH (Dr(/os- Typus) Streptopus amplexif alias.
AE* Betula nana unil 'i* airpathica, Empetrum yiigrum, Andromeda
polifulia, Vacciniiim Oxycoccus und idiginosum, Gymnadenia albida.
BU* (P/ei«'osperwi»m-Typus.) Sdmirhzeria palustris, Carex limosa *ir-
rigtia, C. paaciflora, Trientalis europaea.
H* Ran unculus aconitif alias *plalanif alias, Peucedanum (Sect.
Imperatoria) Ostruthium.
H* Swertia perennis.
H* (Pulsatüla rtfpma-Typus) Homoyyne alpina, Pinus montana 'uli-
ginosa.
WMm Me um athamanticum.
MbA Vaccinium Vitis idaea, Jancus sqaarrosus.
Mb’ (P'cea- Typus) Vaccinium Myrtillus, Arnica montana^.
ln dem oberen Erzgehirgswald derselben Landschaft am Fichtel- und
Keilberge treten bekanntlich auch als Charakterpflanzen Homogyne alpina
mit Trientalis ein; dennoch ist es für die Homogyne wohl nicht zweifel-
haft, dass sie ursjirünglich zu den Mattenformatiouen der Gebirge gehört,
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während wir in Trientalis vielleicht eine ursprünglich nordische Waldpflanze
vor uns haben könnten. Lassen wir aber diese beiden Arten bei Seite
und stellen ohne sie eine Reihe von Charakterarten des oberen Erzgebirgs-
waldes zusammen, so erhalten wir folgende Typen:
H» Ra nunculus aconitifolius, Athyrium alpestre, lAizula silvatica.
Mm (A6ies-Typus) Cliaerophyllum hirmtnm, Lonicera nigra, Prcnanthes
pnrpurca.
Mb' Picea excelsa, Pirola unifiora, Sorbus aumparia, Polyyonaium
vertidllatam, Melampyrum süvaticum. —
Diese kurzgefassten Beispiele mögen genügen, um die pflanzengeo-
graphische Charakteristik der Formationen durch die Arealformen der
Leitpflanzen zu erläutern. Wie man sieht, kommt es darauf an, bei
solcher pflanzengeographischer Analyse sich an die natürlichen Einheiten
zu halten und diese sind in den V egetationsforinationen gegeben. Nicht
um eine summarische Statistik handelt es sich, wie man sie nach einem
Florenkataloge von Sachsen entwerfen könnte, sondern um den Hinweis
darauf, dass sich entwickelungsgeschichtlich verschiedenartige Ele-
mente in demselben Lande dadurch zusammengefunden haben, dass
dieses Land verschiedenen Formationen geeignete Besiedelungs- und Er-
haltungsbedingungen hot.
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VI. lieber das Vorkommen des Ziesels ln Sachsen.
Von Dr. J. Thallwitz.
Ueberall, wo man das’ Ziesel {Spermophilus citülm L.) als Bürger
der deutschen Fauna aufgeführt findet, knüpft sich daran die einschränkende
Bemerkung, dass es nur in Ostdeutschlaml heimisch sei. Weiter östlich
reicht sein Verhreitungsbezirk allerdings bis Sibirien. Als europäische
Heimathländer des Ziesels sind insbesondere Schlesien, Polen, Oesterreich,
Ungarn und Russland verzeichnet. Neuerdings machte Prof. Wiesbaur
in den „Mittheilungen des nordböhmischen Excursionsclubs“, 1894, Heft 3
Angaben über die V'erbreitung und Benennung des Ziesels im nordwest-
lichen Böhmen. Er konnte feststellen , dass Spermophilus citillus fast in
der ganzen Nordhälfte Böhmens verbreitet ist. Obwohl auch dort das
Ziesel in der Niederung häufiger ist, fehlt es doch in den Bergen nicht
und ist selbst auf dem Erzgebirge heimisch. Es sei wahrscheinlich, meint
Wiesbaur, dass das Thier auch jenseits der sächsischen und bayrischen
Grenze noch verkomme, und dass es überhaupt weiter westwärts ver-
breitet sei, als bisher angenommen wird. In Th. Reibisch’s „Verzeichniss
der Säugethiere Sachsens“ {Isisbericht 1869, S. 86 — 89) ist die Lausitz
als einziger Fundplatz angeführt.
Es interessirte mich, naehzuforschen, ob das Ziesel anderwärts in
Sachsen noch anzutreffen sei, und ob sich insbesondere Wiesbaur's Ver-
rauthung bestätige, dass der Verbreitungsbezirk des Thieres die Erzgebirgs-
grenze nach Sachsen zu überschreite. Unter freundlicher Beihilfe des
Herrn Oberförsters a. U. Lasse aus Lauenstein gelang es festzustellen,
dass das Ziesel in der Gegend der Orte Oelsen, Oclsengrund, Breitenau,
Liebenau, sowie auch um Lauenstein sich vorfindet und daselbst durchaus
nicht selten ist. Um Oelsengrund und auf Breitenauer Flur hat Ober-
förster Lasse selber in kurzer Zeit 30 Stück mit Hilfe von Klappfallen
gefangen, die er in der Nähe der Baue auf Halden und Feldrändern
aufstellte, wobei er Schoten als Lockspeise benützte. Der Landbevölkerung
der oben genannten Orte ist das Ziesel unter dem Namen ,,Kritschel“
wohlbekannt, einem Namen, den es nach Wiesbaur in einigen Gegenden
Nordböhmens*) ebenfalls führt. Auch bei uns wird das Thier als Getreide-
schädling von der Bevölkerung verfolgt. Gewiss wird sich schliesslich
herausstellen, dass das Ziesel in Sachsen noch anderwärts vorkommt,
*) In Bühmen führt es noch die l,oralnamen Tritschel. Sislich, Erdhundel, Rätzel,
nirgend.« aber scheint es hier wie dort ,.JCiesel“ genannt zn werden.
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9G
doch habe ich trotz wiederholter Bemühung Belege über sein Vorkommen
in anderen Gegenden bisher nicht erlangen können.
Nachdem ich dies niedergeschrieben, erhielt ich von Herrn Cantor
Böhme in .Markersbach bei Pirna noch die briefliche Mittheilung, dass
auch auf Hellendorfer Feldern das Ziesel anzutreffcn ist und insbesondere
im Sommer 1894 sehr häutig dort gefangen wonlen ist. Cantor Böhme
fing selbst innerhalb dreier Tage auf einem Brachfelde fünf dieser Nager
in von ihm gelegten Schlingen. In den folgenden Jahren konnte er keine
neuen Baue auffinden, doch versichern ihn Personen, welche das Thier
genau kennen, einzelne Ziesel letztes Jahr auf dortiger Flur gesehen
zu haben. Dass solche um Bienhof und Peterswald jenseits der liUndes-
grenze vielfach gefangen und getödtet werden, war auch Herrn Lasse
bekannt. Vielleicht gelingt es Herrn Böhme in diesem Jahre, mir doch
noch ein Kxemplar aus der Gegend von Markersbach und Hellendorf zu
übermitteln.
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VII. Bereicherungen der Flora Saxonica im Jahre 1898.
Von Dr. B. Schorler.
Auch in diesem Jahre sind wieder eine Anzahl bemerkenswerther
Pflanzenfuiide in unserem engeren Vaterlande gemacht worden, darunter
auch einige Arten, die für das Gebiet neu sind. Neben verschiedenen
Adveutivpflanzen, die in der folgenden Liste durch das übliche f hervor-
geboben wurden, sind hier besonders Helianthemum guttatum Mill. und
Spergularia echinosperma Cel. zu neunen, üie erstere, eine südliche, resp.
südwestliche Form, ist in Mitteleuropa recht selten, die letztere, von
Celakovsky ursprünglich als Varietät von Sp. rubra aufgestellt, ist wohl
bisher nur vielfach übersehen worden. Die meisten Funde wurden im
Elbhügellande gemacht und Belegexemplare von den Findern, die in der
Liste bei jeder Art angegeben sind, in daukeuswerther Weise dem Herbarium
der Flora Saxonica zur Verfügung gestellt
Equisetum hiemale L. var. Schleicheri Milde. Elbthal : auf Kiesbänken im
alten Elbbette unterhalb der Niederwarthaer Brücke, cop. (Stiefelhagen).
Woodsia ilvensis Babington* rufidula Aschers. Lausitz: am Tollenstein
bei Wamsdorf i. B. (Hofmann).
Idiegopteria Rohertianum A. Br. Dresden: zwischen Neundorf und Lang-
hennersdorf auf Kalkblöcken. In derselben Schlucht wächst Carex
maxima (Stiefelhagen).
Änthericum Liliago L. Wurzen: Hohburger Berge (Müller).
Juncus tenuis Willd. Dresden: Kiefernhaine nördlich vom Lössnitzgrundc
und Wegrand bei Lindenau. cop. (Drude, Stiefelhagen).
Fotamogeton obtusifolius M. et K. Dresden: bei Steinbach in den Tümpeln
von Lehmgruben (Stiefelhagen). — Grossenhain: bei Skassa (Müller).
— trichoides Cham, et Schldl. Dresden: Volkersdorf im oberen Waldteich,
cop. (Stiefelhagen).
Carex paradoxa Willd. Rochlitz: bei Tautenhain (Schorler).
Cyperu» fusctts L Dresden: in diesem Jahre bei Loschwitz, Saloppe,
Gehege, Uebigau und Kötzschenbroda auf Elbschlamm nicht selten
(Stiefelhagen).
■\ Fhalaris trwncata Guss. Dresden: auf einem Schuttplatze bei Plauen,
spärlich (Dr. Wolf).
t — paradoxa L. Dresden: sandiges Elbufer gegenüber Uebigau (Dr. Wolf).
Panicuin capillare L. Dresden: bei Kötzschenbroda am sandigen Elbufer
unter Weiden (Fritzsche).
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98
t Polamoi/cton proUfpmm Lam. (N’ach der Bestiinmuag von (lackel.) Dresden:
sandiges Klbufer gegenüber Uebigau mit Eragrostis major und E. tm’nor,
Pünicum capülare etc. (Stiefelhagen).
Melica unijlora Retz. Wurzen; Ilohburger Berge (Müller).
\ Eragrostis major Host. Dresden: sandiges Elbufer gegenüber Uebigau
mit Solanum rostratum, Diplotaxis etc. (Stiefelhagen),
f — minor Ilost. Dresden: 1898 am ganzen Elbufer von Pirna bis Meissen
vereinzelt (Stiefelhagen).
Olgceria distans Wahlbg. Meissen: Schuttplatz in Cölln (Stiefelhageii).
Fcstuca sciuroides Roth. Riesa: bei Zeithain nicht selten (.Müller).
Bromus erectus Huds. Meissen: Trockene Hügel zwischen Schieritz und
Piskowitz (Stiefelhageii).
f — unioloides Humb. Kth. Dresden: Schuttplätze unter der Marienbrücke,
spärlich (Dr. Wolf).
t — squarrosus U. Dresden; ini Gehege (Müller),
t — commutatus Schrad. Dresden: im Gehege (Müller).
Polggomim minus Huds. Dresden: bei Brockwitz und Volkersdorf. Hier
auch eine sehr üppige Form von P. minus, die mit dem Reichen-
bach’schen P. multispicatum übereinstinimt (Stiefelhagen).
■f — orten täte E. Dresden; Elbufer unterhalb Uebigau unter Weiden
(Sticfelhagen).
jKochia scoparia L. Dresden: Elbufer gegenüber Uebigau in nur einem
üppigen Exemplare. Die Art ist schon 1890 einmal am Neustädter
Elbquai gefunden worden (Stiefelhagen).
Chenopodium ficifolium Sm. Dresden: von Pirna bis Meissen am Elbufer
unter Weiden nicht selten (Stiefelhagen).
— album X Vulvaria. Diesen bisher wohl noch nicht beobachteten Bastard
fanden Dr. Wolf und Stiefelhagen auf Schuttplätzen an der Marieu-
brücke unterhalb Dresden unter den Eltern. Die Pflanze war fast
meterhoch, sehr üppig, aber die ßlüthenstände verkümmert und un-
fruchtbar. Blätter zwischen denen der Eltern, dem C. opidifolium
sich nähernd. Geruch genau wie C. Vulvaria.
jAmarantus albus L. Dresden: Elbufer gegenüber Uebigau (Stiefelhagen).
Der in den tsis-.\l)handlungeu 1897, 2. 11. erwähnte Amarantus Silvester,
welcher als neuer Bürger der Flora Saxonica angegeben war, stellte
sich beim Vergleich mit den Arten des Kg. Herbariums auch als die
nordamerikanische Art A. albus heraus. An dem ersten Standort
Meissen: unterhalb der Knorre, war sie auch in diesem Jahre noch
zu finden.
t — paniculatus L. Dresden; Elbkies zwischen Kötzschenbroda und Meissen
(Stiefelhagen).
Spi rgularia echinosperma Cc\ak. Dresden: bei Loschwitz (Dr. Wolf). Ein
für Sachsen neuer Fund, der die bisher weit von einander entfernten
Standorte in Böhmen und Wittenberg, resp. der Altmark (Billberge
und Arneburg) einander etwas näher bringt. Kommt wahrscheinlich
auch an anderen Stellen des Elbufers vor, ist aber bis jetzt über-
sehen worden. (Näheres über diese Art s. b. Ascherson und Gräbner
in Ber. d. d. Botan. Ges. 1893, S. 516.)
Cerastium brach gpetal um Desp. Im ganzen Meissener Gebiet auf trockenen
Hügeln überall zu finden, bei Zadel copiös (Stiefelhagen).
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m
Silcne Otites Sm. Riesa: bei Gohlis und Glaubitz, hier in und an den
Steiiibrüchcn mit Potentilla cinerea, Carex humüis, Phleam Boehmeri
und Festuca Myurm. Auch weiter nördlich ausserhalb Sachsens bei
Mühlberg. Hier mit Jurinea, Stachys rccta, Bismtella lueviyata und
Alysmm montanum (Müller).
NiyeUa arvensis L. Riesa: bei Gohlis auf einem Brachfelde häufig (Müller).
Nasturtium armoracioides Tausch. Meissen: am Elbufer bei Meissen und
Zehren (Stiefelhagen).
•f Sisymlirium Columnac L. Dresden: Plauenscher Gnind, auf Schuttplätzen
am Hohen Stein. Stiefelhagen beobachtete diese Art nicht nur an
dem angegebenen, sondern zahlreichen anderen Standorten, auch bei
Meissen. Sie hält sich jedoch überall nirgends lange und gewinnt
nicht so an Ausdehnung wie Sisyfnhriam Simwistrum. Auch ist
auffallend, dass die Schoten sehr häufig nicht recht zur Entwickelung
gelangen.
i Erysimum repandum L. Dresden: Plauenscher Grund auf Schultplätzen
auf dem Hohen Stein schon seit mehreren Jahren (Stiefelliagen).
t — odoratum Ehrh. Dresden: Elbufer im Grossen Gehege (Stiefelliagen).
Alyssim montamim L. Riesa: bei Gohlis (.Müller). Auch ausserhalb der
Grenze bei Mühlberg mit der folgenden Art.
Biscutella laeviyata L. Riesa: bei Gohlis. War bisher auch nur aus der
Umgebung von Dresden und Meissen bekannt (Müller).
fLepidium pcrfoUatum L. Dresden: in Coswig auf Schutt (Stiefelhagen),
an der Spitzgrundmühle bei Coswig (Müller).
Bapistrum perenne All. Dresden: Plänerkalkhügel au der Leutewitzer
Windmühle mit Lepidium perfoliatum, doch nur vereinzelt (Stiefel-
hagen).
t — ruyosum. A\L Dresden: Altstädter Elbquai, selten und stets nur ver-
einzelt auftretend, auch im Plauenschen Grunde und im Grossen
Gehege (Stiefelhagen).
Helianthennim yuttatum Mill. Riesa: unweit Gohlis bei Zeithain. In
lichtem Kiefernwald auf sandigen begrasten Boden mit Helianllmiium
vidgare, Helichrynum armariam, Centaurea panicuJatu, Jasione
Montana und Biscutella laeviyata. Neu für Sachsen (Müller). Viel-
leicht findet sich diese interessante Art zwischen Elsterwerda, dem
nächsten aussersächsischen Standorte, und Riesa auch noch ander-
weitig.
Hypericum pulchrum L. üschatz; Striesaer Haide (Müller).
Halva rotundifolia L. Dresden: auf Schuttplätzen unter der Marionbrücke,
ira Plauenscheu Grunde und verschiedenen anderen Standorten. Um
Dresden gar nicht selten, aber bis jetzt übersehen (Dr. Wolf), zwischen
Loschwitz und der Saloppe im Elbkies sehr üppig (Stiefelliagen).
Geranium divaricatum Ehrh. Wünsche giebt als Standorte für diese Art
nur Schwarzeuberg und Wolkenstein an. Sie kommt jedoch auch
noch bei Dohna (1890 Prof. Drude) und Dresden bei Zitzschewig
1893 (Fritzsche) vor.
Pötentilla arenaria Borkh. Riesa: unweit Gohlis bei Zeithain (.Müller).
Ulex europaeus L. Dresden: bei Königsbrück an der Waldstrasse zwischen
Schwepnitz und Cosel (Stiefelliagen). Ob augepfianztV
Lotus corniculatus L. var. tenuifoUus Rchb. Dresden: zwischen Dresden und
Plauen an mehreren Stellen in einer aufgelasseuen Gärtnerei (I)r. Wolf).
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lOÜ
Hrola umbellata L. Dresden; bei Königsbriick zwischen Cosel und Gute-
born im Kiefemwalde sparsam (Stiefelhagen),
t Solanum rostratum Dum. Dresden: Sandflächen am Elbufer gegenüber
Uebigau, hier schon 1889 einmal gesammelt (Stiefelhagen). Ist bis-
her aus Sachsen nur von Bautzen bekannt, wo ihn 1893 und 94
Neumann beobachtete. (Verbreitung etc. s. bei Ascherson in Naturw.
Wochenschr. 1894, Nr. 2, u. 1896, S. 177).
Verbascum jyhoeniceum L. Riesa: unweit Gohlis bei Zeithain (Müller).
Diese interessante Art wurde in diesem Jahre am 22. September 1898
in wenigen blühenden Exemplaren von Stiefelhagen auf Elbkies ober-
halb Kötzschenbroda gesammelt.
Linaria Elatine Mill. Dresden: am Wiudberg bei Deuben. Hier schon
seit 1889 (Stiefelhagen).
Melampijrum cristatum L. Meissen; VValdschlag bei Naundörfel bei Cölln
mit Rosa gallica und Potentilla alba. cop. (Stiefelhagen).
Stafhys recta L. Mühlberg: hei Weinberge an der Elbe (Müller).
Teucrium Dotrys L. Dresden: an der Elbe bei Kötitz unter Elaeagnus-
Sträuchern (Stiefelhagen i.
\ Ambrosia artemisiifolia L. Dresden; am Elbufer auf Geröll bei Kötzschen-
broda, ca. 20 kräftige Exemplare (Fritzsche).
f — trifida L. Dresden: am Elbufer bei Kötzschenbroda unter Weiden in
nur einem Exemplar (Fritzsche).
t Artemisia Toumefortiana Rchb. Dresden: bei Striesen auf dem Brach-
land einer aufgelassenen Gärtnerei (Dr. Saupe).
Anthemis austriaca Jacq. Dresden: alljährlich am Elbufer von Pirna bis
Meissen vereinzelt auftretend, z. B. bei Pirna, Tolkewitz, Loschwitz,
Gehege, Serkowitz und Kötzschenbroda (Dr. Wolf, Stiefelhagen).
— rttihenica MB. Tritt auch von Dresden bis Meissen .am Elbufer oft
mit der vorigen zusammen sporadisch auf. Wurde 1898 von Dr. Wolf
und Stiefelhagen beobachtet bei Tolkewitz, Uebigau, Briesnitz, Gohlis,
Kötzschenbroda und Kötitz. An dom Standort im Birkenwäldchen
scheint sie in den letzten Jahren verschwunden zu sein.
Cirsium lanceolatum Scop. var. nemoralc Rchb. Leipzig: in der Lauer
(Müller).
Cirsium canum palustre. Meissen: n.asse Aue, unter den Eltern (Stiefel-
hagen).
Thrincia hirta Roth. Dresden: am Karauschenbruch an der Grossenhainer
Strasse sehr häufig, auch bei Steinbach (Stiefelhagen).
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ym. Sardinische Tertiärpflanzen. 11.
VoB Prof. H. Engelhardt.
Im Jahre 1897 gab ich in Heft II unserer Abhandlungen ein Ver-
zeichniss von Tertiärpflanzen, welche von Herrn Prof. Lovisato in
Cagliari auf Sardinien gesammelt worden waren. Bei dem Interesse, das
fossilen Pflanzen, welche aus weniger durchforschten Gebieten stammen,
entgegen gebracht wird, halte ich es für meine Pflicht, mich, wenn auch
in aller Kürze, über die zu verbreiten, welche mir in zweiter Sendung
von derselben Insel zukamen.
Mittleres Eocin.
Aus dem feinkörnigen Sandstein von Bacu-Abis (Gonnesa, Cagliari):
Sahal maior Ung. sp. Die untere Seite eines Fächerstücks mit Spindel
und Blattstiel. Der stachellose Blattstiel ist bis zur Länge von 15 cm
vorhanden, 3 cm breit, fein gestreift; die dreieckige, spiessförmig in den
Fächer eindringende Bhachis reichlich 5 cm lang; die Blattstrahlen sind
bis zur Länge von 10 cm erhalten , am Grunde schmal (die unteren am
meisten, die oberen breiter), nach vom erweitert, stark gefaltet, die Längs-
nerven deutlich sichtbar.
Darunter befindet sich in schräger Lage ein ebenfalls flacher Blatt-
stiel, auf dessen einem Theile die Spindel des oben beschriebenen Blattes
auflagert. Er ist sogar 4 cm breit. Auf der einen Seite desselben zeigen
sich Strahlen aus der mittleren Partie eines Fächers, der derselben Art
zugerechnet werden muss, auf der anderen solche, die vielleicht hierher
zu ziehen sind.
Ein zweites Stück von geringerer Grösse. Der Blattstiel ist nur bis
zur Länge von 6 cm erhalten und 3 cm breit, die Spindel 4 cm lang; die
Strahlen zeigen eine Länge bis 5 cm. Alle Theile sind von Kohlen-
substanz, die am vorigen Stücke nur stellenweise zu sehen ist, geschwärzt.
Ein Fächerstück von 9 starkgefalteten Strahlen, das man leicht zu
Sahal Lamanonis Brongn. sp. rechnen könnte, aber der zahlreicheren Nerven
wegen wohl hierher zu ziehen ist.
Stücke eines Fächers, dessen Strahlen 1,5 — 2 cm breit waren und die
Nervatur ausgezeichnet sehen Hessen.
Ein solches von 13 Strahlen mit ausgezeichnet erhaltener Nervatur.
Eine wenig gut erhaltene Fächerpartie.
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Flabelia) ia latiloba Heer. Es sind nur neben einander hegende
Strahlenstucke eines zerfetzten Fächers vorhanden, nicht Spindel, nicht
Stiel. Dieselben zeigen eine Breite von 3 cm, in der Mitte einen starken
Mittelnerven, dem eine Menge sehr deutlich sichtbarer Längsnerven
parallel laufen. Die Faltung ist gering.
Dazu kommt noch ein kleineres Fächerstück, das hierher gehören
dürfte.
Ein grösseres Stück Blattstiel, an dessen Grunde sich einige Dornen
zeigen, welche auf eine dritte Palmcnart {ChamacropsT) hinweisen. Neben
ihm einige nicht bestimmbare Blattfetzen.
Sonst noch BlattstUcke, die Palmen angehören können, aber mit
Sicherheit nicht zu diesen gezogen werden dürfen.
Ein Stammstück von 15 cm Breite, 54 cm Länge und 2 cm Dicke
liegt in zusammengepresstem Zustande vor. An der Aussenseite ist es
von dicht an einander liegenden, senkrecht verlaufenden Gefässbündeln
bedeckt. An einigen Stellen sieht man darunter schräg verlaufende.
Das Innere zeigt nur feinen Sandstein, der wohl als Ausfüllungsmasse des
ausgefaulten Inneren anzusehen ist. Dasselbe gehört wahi-scheinlich einer der
Palmenarten an, von denen Blattstücke gefunden worden sind. Bestimmteres
lässt sich wegen der ungenügenden Erhaltung des Ganzen, die eine
mikroskopische Untersuchung nicht zulässt, nicht sagen.
Ein Stamm stück, von dem nicht gesagt werden kann, zu welcher
Familie oder Gattung es gehöre. Es zeigt unter dem weicheren Aeusseren
einen harten cylindrischen Kern von elliptischem Durchmesser.
Ein Staramstück von geringerem Durchmesser, das an der Ober-
fläche Gefässbüudel zeigt.
Juylans acuminata A. Braun. Neben einem sehr verdrückten Blatt-
fetzen liegt eine wohl erhaltene flach gerunzelte Frucht dieser Art.
Länge 2 cm, Breite 1,6 cm. — Ein Blatt, dem die Sjjitze fehlt und das
sich am einen Rande etwas verletzt zeigt. Es gehört der Form latifolia
an, ist ain Grunde spitz und hat in der Mitte G — 7 cm grösste Breite.
Wahrscheinlich betrug die Länge 13 — 14 cm. Nervillen sind gut sichtbar.
Terra Segada (Gonnesa, Cagliari):
Stücke mit Blätterdetritus.
Tongrien oder Aqnitanien.
Aus dem Sandstein von Nurri (Prov. Cagliari):
Ein fossiler Rest, von dem mir nur das in VVasserfarben ausgeführte
Bild vorlag. Es steckt iti einem 50 cm breiten und gegen 30 cm hoben
Steinblock und dürfte wohl zu Bainbusa zu rechnen sein. Es ist reichlich
40 cm lang, 8 — 9 cm breit und an drei Stellen geknickt oder ganz ge-
brochen. Das Innere erweist sich da, wo die obere Halnipartie verloren
gegangen, so dass die Infolge von Quetschung unmittelbar darunter
liegende untere sichtbar wird, als hohl, nicht ausgefüllt. Der Halm hat
die Dicke eines lebenden Bambus von gleicher Grösse. Zw'ei Knoten sind
sichtbar, am einen auch der Ansatz eines Blattes.
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103
Ein unbestimmbares Ast- oder Stiuiunstück, dem die Spitze fehlt,
von 6 cm Länge. Es ist an dem einen Ende 3,4 ctn breit, am anderen
nach der einen Richtung 1,8 cm, nacli der anderen l,i cm breit und an
der Oberfläche mit 6 mm von einander entfernten, wenig hervortretenden
Längsstreifen versehen. Das Innere bildet feiner Sandstein.
Langhien.
Aus dem Thonmergel von Biugia Fargeni (Fangana, Cagliari):
Ein Rindenstück mit Ausfüllungen von sich dicht an einander
reihenden Larvengängeu. Dieselben, im Durchmesser von 2 — 4 mm,
machen zuerst eine Biegung, laufen dann geraile aus, um sich darauf
wieder umzubiegen.
Sonst waren noch vorhanden Stücke mehrerer Arten von Cylindrites,
ein Stück versteinertes Holz und aus dem Sandstein von Fesdas de Fogu,
der zahlreiche Einschlüsse von Chalcedon zeigt, eine nicht vollständig
erhaltene Muschelschale (Pecten?).
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Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1898.
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I. (üeschlchtete Danerentladung in freier Lnft (Büschel
lichtbogen) nnd Righi’sclie Kngelfunken.
Von Dr. Max Toepler.
(Mit Tafel I.)
An anderem Orte*) habe ich angegeben, wie man leiebt geschichtete
elektrische Entladungen in freier Luft erhalten kann und zugleich nach-
gewiesen, dass die Gesetze der Schichtenbildung ähnlich sind denen der
bekannten Schichtung des sogenannten Anodenlichtes in stark evaeuirten
Kohren.
Ich stellte mir nun die Aufgabe, erstgenannte geschichtete Entladungs-
art in ihrer Gestalt und Earbenanordnung der einzelnen Lichtschichten über
einen möglichst grossen Druckbereich zu verfolgen. Es zeigte sich hier-
bei, dass im ganzen Bereiche von Atmosphärendruck his zu 0,oi cm Queck-
silberdruck abwärts eine einheitliche Beschreibung der in Rede
stehenden Erscheinung möglich ist, worüber im Nachfolgenden be-
richtet wird. Es wird sich dabei zeigen, dass eine von Herrn A. Wüllner**)
beobachtete Form der Ruhmkortfentladung, sowie eine von Herrn A. Righi***)
eingehend untersuchte stark verlangsamte Eutladungsart grosser Leydener
Batterien (von ihm „Kugelfunken“ genannt) mit der von mir behandelten
geschichteten Entladung identisch sind, nur beschränken sich die Unter-
suchungen von Herrn Wüllner und Herrn Righi auf Drucke zwischen 6
und 1 cm. Die nähere Beschreibung der Lichterscheinungen im Uebergangs-
gebiete zwischen Kugelfunken und der bekannten gewöhnlichen geschich-
teten Entladung (in Geisslerröhren bei niedrigstem Drucke) wird ergeben,
dass in demselben Rohre bei gleichem Drucke je nach der
Stromstärke beide schichtenbildenden Entladungsarten auf-
treten können.
Bei der bedeutenden Veränderlichkeit der Schichtenstellung je nach
der Stromstärke ist sowohl die Ruhmkorff- als auch die (durch Widerstände
im Schliessungskreise stark verlangsamte) Batterieentladung zur Unter-
suchung der Schichtung wenig geeignet, da bei beiden die Stromstärke
während jeder einzelnen Entladung variirt. Ich habe daher in vorliegender
Notiz von diesen Hilfsmitteln abgesehen und einfach den directen Strom
*) M. Toepler, Wied. Ann. 6.% 1897, p. 109.
**) A Wllllner, Fogg. Ann. .Inbelhand 1874, p. 32.
•••) A. liiglii, Lnm. Electr. 42, 1891, p. 501 n. (i04; Mcm. Acend. Bol. 189.5, p. 446.
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4
einer 60 plattigen Toepler'schen Maschine benutzt*). Der Maschinenstrom
ist bei Einschaltung grosser Flüssigkeitswiderstäude als nahe constant zu
betrachten; auch ist seine mittlere Intensität, wie bekannt, innerhalb recht
weiter Grenzen unabhängig von der Spannungsdifferenz der Maschinen-
pole, er bot also für meinen Zweck ganz besonders günstige Verhält-
nisse.
Die Art des entstehenden Entladungsvorganges in einer im Stromkreise
befindlichen Funkenstrecke hängt ausser von der mittleren Stromstärke
vor Allem ab von der Grösse und Anordnung eingeschalteter Widerstände,
der Schlagweite, dem Drucke der Luft im Schlagraume und der Tempe-
ratur in letzterem. Die Entladung kann dem zeitlichen Verlaufe nach
ausgesprochen discontinuirlich, nahe continuirlich oder, soweit zu er-
kennen, continuirlich sein**); eine scharfe Grenze zwischen diesen Eiit-
ladungsarten gieht es freilich nicht In vorliegender Arbeit wird nun fast
ausschliesslich die Schichtenbildung bei nahe continuirlicher Entladung
(Dauerentladuug) behandelt werden; als nahe continuirlich glaube
ich die untersuchte Art von elektrischen Lichtbogen, abgesehen von anderen
Gründen, deshalb bezeichnen zu dürfen, weil sie, wie man im rotircnden
Spiegel erkennt, zumeist zwar aus einer zeitlich mehr oder minder
zusammengedrängten Reihe von Partialentladungen bestand, zwischen
denen jedoch der Lichtbogen nie ganz erlosch (vergl. z. B. Phot 17).
Seine Intensität schwankte nur zwischen mehr oder minder einander an
Lichtstärke nalie kommenden Leuchtmaximis und Minimis ***).
Herr 0. Lehmann unterscheidet bekanntlich f) vier Tj’pen der (leuch-
tenden) Entladung durch Gase, Glimm-, Büschel-, Streifen- und Funken-
entladung. Will man eine Zuordnung vornehmen, so hätte man die
geschichtete Dauerentladung (nahe continuirliche Entladung)
und demnach auch die Uighi’schen Kugelfunken als specielle
Fälle der Büschelentladung aufzufassen; man würde sie dann
zweckmässigerweise als „Büschellichtboigen“ z u bezeichnen haben.
Ich halte es jedoch für möglich, dass bei eingehenderem Studium die
nahe continuirliche Entladungsfonn den Weg zu einer einheitlichen
Beschreibung aller Entladungsformen durch Luft zeigen wird.
Um eine klare und richtige Auffassung der Lichterscheinungen zu
erleichtern, glaubte ich, soweit es möglich war, besonderes Gewicht auf
eine Ergänzung dos Textes und seiner Figuren durch photographische
Darstellungen legen zu müssen. Ich habe deshalb von meinen mehr als
400 Einzelaufnahmen der Entladungen die am meisten charakteristischen
auf der beigegebenen Tafel No. I mitgethcilt Ein V'erzeichniss der Photo-
gramme mit Angaben über zugehörige Einzelheiten findet sich am Schlüsse
*) Nnr wo die .Stromstärke der benutzten Maschine nicht voll ansreicht, habe ich
ganz vorübergehend zur langsamen Batterieentladung gegriflVn.
**) Ob es im strengsten Sinne continuirliche Entladung selbst dim-h verdünnte
Oase Überhaupt gieht, ist bekanntlich noch immer zweifelhalt.
**•) .Schaltet man in den Schliessungskreis einer grös.seren Influenzmaschine hinter-
einander ein üeisslerrohr und eine Punkenstrecke, so erhält man in erstcrem keine
.Schichtenbildung, solange in der Funkenstrecke der Maschinenstrom in F’orm einer Reihe
zeitlich getrennter Einzeltünken übergeht (vergl. E. Wiedemann, W'ied. Ann. 20, 18S3,
p. 760). Schichtung im Geis.sleiTohre trat aber in der Regel mit dem Augenblicke ein,
in dem in der Eunkenstrecke an Stelle der Einzelfnnken nahe continiürlicbe Entladung
zur Ausbildung kam; dies n'qhtfertigt gleichfalls die Bezeichnung .nahe continuirlich“.
f) i). Lehmann, Wied. Ann. U, 1860, p. 687; 22, 1884, p. 305.
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5
der Abhandlung. Es sei jedoch schon hier vorausbemerkt, dass die Photo-
gramme 1 bis 16, 23 bis 31 und 36 bis 45 Lichterscheinungen wiedergeben,
M'elche bei constautem Drucke und constanter Stromstärke beliebig
lange (stundenlang) nahe ungeändert dauernd die gleichen bleiben.
Die Photographien 1 bis 11 zeigen derartige Dauererscheinungen in
freier Luft, desgleichen 12 bis 16 in Glasröhren bei Atmosphärendruck,
23 bis 31 bei etwa 5 cm Druck, 36 bis 45 schliesslich bei niedrigsten
Drucken unter 0,03 cm). Die Photogramme 17 bis 21 geben geschichtete
Batterieentladungen in freier Luft wieder.
Die Lichterscbeinungen in unmittelbarer Nähe der Kathode sind bei
höheren Drucken wegen ihrer geringen räumlichen Ausdehnung nur auf
Üriginal-Photogrammen klar zu unterscheiden*). Es sei daher schon hier
ein für alle Mal bemerkt, dass bei nahe continuirlicher Entladung (ganz
wie bei den bekannten Lichterscheinungen in Geisslerröhren) bei allen
Drucken an der Kathode auftreten:
der dunkele (Goldstein’s) Kathodenraum,
das helle Kathodenlicht,
der Trennungsraum**) (Faraday’s Dunkelraum),
auf letzteren folgten dann die übrigen Lichter, deren Beschreibung Auf-
gabe der vorliegenden Arbeit sein wird.
I. Nahe continnirliche Entladung (Büschellichtbogen) ln freier Luft
Im Vergleiche zu den Lichterscheinungen in sehr verdünnten Räumen
erscheint die geschichtete Entladung in freier Luft als ein räumlich sehr
zusammengedrängtes Gebilde. Besonders der interessanteste Tbcil, das
Eunkengebiet in der Nähe des negativen Poles, ist so zusammengeschrumpft,
dass eine genaue Beobachtung desselben schwer ist. Wir denken uns da-
her die für die Beobachtung günstigste Versuchsanordnung hergestellt:
negativer Maschinenpol, metallische Leitung, negative Polspitze — Eunken-
strecke mit Halbleiter (Basaltplatte)***) — positive Polspitze, metallische
Leitung, positiver Maschinenpol.
1. MetaUspitse Kathode — Halbleiter Anode.
Liegt der Halbleiter an der positiven Metallspitze an, so beobachtet
man, solange der Schlagraum zwischen ihm und der negativen Polspitze
klein ist, bei wachsender Stromstärke Folgendes:
Bei geringer Stromstärke tritt an der Metall- Kathode zunächst der
bekannte negative Büschel auf, bestehend aus hellster weissvioletter Aus-
•) Von den Reprodnetionen auf Taf. I lässt Phot. 21 manche Details recht gnt
erkennen.
••) Diese Bezeichnungen sind von E. Wiedemann eingefühlt; vergl. Wied. Ann.
20, 18«3, p. 7.57.
*•*) Die Vorzüge speciell des Basaltes bestehen darin, dass in ihm ein gegen
Zerstörung widerstandsfähiges, leitendes .5Iaterial (Magnetit) in kleinsten Tlieilen gleich-
mHssig vertheilt ist, während in dem sonst auch recht geeigneten Schiefer die Kohle-
theilcnen rasch verbrennen. Auch zwischen Metallkathode und einer Alkoholoberfläche
als Anoile erhielt ich schön geschichtete Kugelfunken. Selbst vorgeschaltete (Jcissler-
rohre können die Ausbildung geschichteter nahe continuirlicher Entladung in freien
Luftstrecken begünstigen.
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trittsfläche (dem hellen Kathodenlichte) und dem von ihm
durch einen verwaschenen dunklen Trenuungsraum geschie-
, denen Büschel (Fig. 1). Aus der Mitte des Letzteren wächst
‘ bei gesteigerter Stromintensität eine rosa gefärbte Licht-
spitze heraus (Fig. 2), welche bei weiter vermehrter Strom-
stärke nach dem Halbleiter zu sich verlängert. Die Ober-
tiäche des Halbleiters, d. h. die Anode, zeigt unterdessen
+ folgende Lichteiitwickelung. Aus einer violetten Lichthaut
(Phot. 1) wächst ein violetter Lichtpilz*) heraus (Fig. 3). Trifft
bei grösserer Stroiniutensität der positive LichtpUz mit der
negativen Lichtspitze zusammen, so weicht er ihr aus
-t- (Fig. 4 und Phot. 2). Diese Deformation, sowie die Rotation,
welche der deformirte Lichtpilz bei weiter vermehrter
Stromstärke um die negative Lichtspitze zuweilen aus-
führt (Fig. 5 und Phot. 3) dürfte durch den von der nega-
tiven Polspitze ausgehenden heissen Luftstrom veranlasst
werden. Schbesslich verschmelzen die beiden Theile der
Lichterscbeinung (Fig. 6 sowie Phot. 4 und 5); hierbei
wird, soviel sich erkennen Hess**), die Lichtspitze zur
_|_ ersten Schicht, d. h. zum zweiten Lichte (das helle Kathoden-
licht als erstes gezählt), der Lichtpilz zur zweiten Schicht,
d. h. zum dritten Lichte. Der Abstand des dritten Lichtes
von der Kathode nimmt mit weiter gesteigerter Strom-
I stärke erst rasch, dann langsamer alJ (Phot. 6, 7 und 8
zeigt dies bei grösserer Schlagweite***); hierbei ändert
sich auch die Färbung der einzelnen Dauerfunkeutheile in der Weise, dass
die Lichts])itze (resp. erste Schicht) ziegelrot he, der Lichtpilz (resp.
zweite Schicht) dagegen karminrothe Färbung annimmtf).
Der geschilderte allmähliche Uebergang aus BUschelentladung in
die nahe continuirliche Hess sich nur bei der hier angegebenen Versuchs-
anordnung und nur bei kleinen Schlagweiten (unter 0,5 cm) beobachten.
Im Allgemeinen tritt bei successiver Stromvermenrung zunächst ein Funkeu-
strom an die Stelle der Büschelentladung und erst bei wesentHch höherer
Stroniintensität geht die zeitlich discontinuirliche Funkenfolge in Dauer-
entladung über. Letztere erscheint dann sogleich in dem der Poldistanz
und Stromstärke entsprechenden Entwickclungsstadium (Phot. 9 zeigt ver-
grössert dieses SUdiuru für 2 cm Schlagweite). Die längsten Dauer-
funken, die ich erhalten konnte, waren ca. 8 cm lang (Phot 10 zeigt
verkleinert Dauerentladung bei 5 cm Scblagweite, ver^l. auch Phot. 11).
Die Lichtgestalt langer Funken difl'erirt von der kurzer nur insofern, als zu
*) Der obere Theil des Pilzes kann sich bei constant erhaltenem Strome von
dem Stiele ablösen ntid nach der Kathode zu in Bewegung setzen, wobei er rasch ver-
blasst; das neu entstehende Pilzende kann dies wiederholen u. s. f. (Vergl. hierzu
Abschnitt 8 und Fig. 18.)
••) Dieser Uebergang bedarf noch eingehenderer Untersnehnng; wahrscheinlich
liegen genau genommen die Verhältnisse nicht immer ganz so einfach, wie hier ge-
schildert ist.
♦♦•) Ueber die Abhängigkeit des Kathodenabstandes des zweiten Lichtes von
der Stromstärke vergl. das Ende des sechsten Abschnittes.
t) Besonders deutlich tritt dieser Unterschied der Färbung bei niedrigeren Gas-
drücken hervor. Man kann diese Färbung als typisch für Luft (bei mittleren Strom-
stärken) auschen. Vergl. such 0. Lehmann, Zciuchr. f. phys. Chemie, XVIII, p. 104.
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der ersten karminrothen Schicht noch weitere hinzutreten, einfache Wieder-
holungen der ersten. Es erscheint mir daher zweckmässig, die Schichten-
zählung nicht mit dem oben als ziegelroth (in Luft) gekennzeichneten
Lichte zu beginnen, sondern mit der ersten karminrothen Schicht
Die vollständige Lichtgestalt der Dauerentladung zerfällt also in:
[Metallkathode] helles weissviolettes Kathodenlicht mit Trennungsraum
— zweites (ziegelrothes) Licht — drittes, karminrothes Licht, eventuell in
eine Anzahl karminrother Schichten zerfallend — Änodeudonkelraum —
zahlreiche aequivalente*) positive Gliinmlichtpunkte [Halbleiter],
Für die Schichtung des karminrothen Lichtes gilt nun:
Die Schichten haften an der Kathode; (genauer in Hinsicht
auf Abschnitt 4 und 7: Die Schichten des negativen Antheiles
haften an der Kathode; bei Schlagweitenvergrösserung treten
mehr und mehr neue Schichten aus der ausgezeichneten Stelle
resp. dem dunklen Anodenraume hervor, und umgekehrt ver-
schwinden sie daselbst bei Schlagweitenverkleinerung).
Mit wachsender Stromstärke verringert sich sowohl der
Abstand der ersten (karminrothen) Schicht von der Kathode, als
auch der gegenseitige Schichtenabstand; bei constauter Schlagweite
treten demnach zu den schon vorhandenen neue Schichten aus der Anode
(genauer: aus der ausgezeichneten Stelle resp. dem Anodendunkelraume)
hervor.
Die Schichten sind wahrscheinlich völlig aequidistant, wenn
die Entladungsbahn gleich breit, d. h. die Stromdichte auf derselben die
gleiche bleibt**).
Die Schichten wenden in freier Luft der Kathode stets die abgekugelte,
der Anode die zugespitzte Seite zu (vergl. Phot. B bis 11 sowie 19; Phot. 12
bis 16, Schichten in Glasröhren zeigend, gehören nicht hierher).
Während der Dauerentladung herrscht in der Nähe der Funkenbahn
eine starke Luftbewegung von der Kathodenspitze nach dem Halbleiter
hin. Mit dem bekannten Schlierenapparate meines Vaters erkennt man,
dass sich an die Kathodenspitze ein Kegel heisser Luft ansetzt, dessen
Spitze das helle Kathodenlicht ist. In der Nähe der Kegelachse befindet
sich der Dauerfunken, d. h. der leuchtende Theil des gesummten Entladungs-
vorganges. Bei Anwendung momentaner Beleuchtung konnte ich mit dem
Schlierenapparate erkennen, dass in den leuchtenden Dauerfunken-
tbeilen (karminrothen Schichten) eine höhere Temperatur
herrscht als in den dunklen Zwischenräumen***).
Im langsam rotirenden Spiegel erscheint der Dauerfunken meist als mattes
Lichtband, welches von hellen Partialentladungen durchsetzt ist (vergl. die
Einleitung). Man bemerkt nun folgende auffallende Thatsache. Die Bilder
der Partialentladungen stehen um so schiefer im Lichtbande, je rascher der
Spiegel rotirt; der Sinn der Neigung hängt vom Sinne der Spiegel-
*) „Aeqoivalent“ in dem Sinne, als sie zusammen eine einzige ansgedehntere
Olimmlläcbe ersetzen.
♦*) Da bei (iegenOberstellung von Metallspitze und Halbleiter die Strombahn sich
nach dem Halbleiter zu öffnet und somit die Stromdichte abnimmt, so drängen sich die
Schichten meist nach der Metallspitze zu etwas zusammen. Siehe Pliot. 17, 18, 19, 20.
(Dies gilt sowohl, wenn letztere Kathode als auch, wenn sic Anode ist).
***) Die Temperatur im Dauerfunken ist nicht unerheblich; Siegellack schmilzt und
entzündet sich au ihm wie in einem Kerzenlichte, dünne Glasfäden werden geschmolzen.
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8
tlrehung ab. Dies scheint darauf hinzuweisen*), dass das Aufleuchten
der einzelnen Schichten jeder Partialentladung nicht gleichzei-
tig, sondern (von der Kathode ausgehend) nach einander erfolgt
2. Motallspitze Anode — Halbleiter Kathode.
War die Metallspitze Anode, lag also der Halbleiter an der
negativen Metallspitze an, so änderte sich der Charakter der Licht-
erscheinungen nur insofern, als es nicht möglich war, auch bei schwachen
Strömen Üauerentladungen zu erhalten. Vielmehr trat bei allmählicher
Stromstärkenvermehrung selbst bei kleinen Polabständen der Daucrfunkeu
plötzlich in voller Ausbildung an die Stelle der discontinuirlichen Funken-
folge. Figuren 7, 8 und 9 geben verschiedene Formen der discontinuir-
lichen Entladung, Figuren 10, 11 und 12 der Dauerentladung. Letztere
zeigt auch hier von der Kalliode (Halbleiter) ausgehend den Trennungs-
raum, einen ziegelrothen (paraboloidischen) Lichtstumpf (oder auch mehrere,
aequivalente, in einander zusaminentliessende) und das karminrothe Licht.
Hemerkenswerth fürdas Verständniss der Analogien der
Lichterscheiuungen in freier Luft und in gasverdünnten
lläumen ist es, dass, wie Fig. 11 andeutet, manchmal
vor dem karminrothen Lichtkolben nach der Kathode
zu noch ein ziegelrothes Lichtwölkchen erscheint;
zuweilen ist dieses auch mit dem ziegelrothen Licht-
paraboloide durch eine lichtschwache Brücke ver-
bunden (Fig. 12). Das ziegelrothe Licht kann also in
zwei lichtstärkste Theile, einen am Trennungsraume
und einen zweiten am karminrothen Liebte zerfallen.
Bei Verlängerung der Funken gilt hier dasselbe
wie oben; es treten auf der Funkenbahn Wieder-
holungen der ersten karminrothen Schicht auf. Diese
Schiehten haften bei Schlagweiten vergrös-
serung an der Anode, oder vielmehr mit Hinweis
auf Abschnitt 7 au der ausgezeichneten Stelle,
welche sich hier stets nahe am Halbleiter ausbildete.
Die Lichterscheinungen der Dauerentladung
unterscheiden sich also nicht wesentlich, wenn der
Halbleiter Kathode oder wenn er Anode ist.
Natürlich kann man aiich zwischen zwei
Halbleitern geschichtete Dauerentladung erhalten.
Für die richtige Auffassung der zeitlich disconti-
nuirlichen Entladung ist noch hervorzubeben, dass
sich das karminrothe Licht offenbar schon bei
dieser angedeutet findet in dem Stiele des bekannten positiven
Lichtpinsels (siehe Figuren 7 bis 9**).
*) Leider wird die Deutung von Beobachtungen im rotirenden Spiegel ausser durch
hiliifige Unregelmässigkeiten auch dadurch erschwert, da.ss auch hei grösserer Schlagweite
die Dauerfunkenbahn oft rotirt, und zwar beschreibt sic hierbei einen Kegelmantel, dessen
Spitze in dem hellen Kathodenlichte liegt. Der Einliuss der Luftbewegung infolge der
Spicgeldrehiing war leicht (durch eine zwlschengcschobene Glasplatte) anszuschliesscn.
'*) Die Eärbung des hellen Stieles in Fig. 7— i) ist karminroth bis violettroth, des
lichtschwächeren Tbeiles violcttblau bis blau. Eine der Fig. 9 gleichende Entladungs-
fomi (gewundene, halb roth und blau gefärbte Liehtfäden) tritt bei niederen Drucken
häutig auf , vergl. Abschnitt 9 und l’hotogr. 23 und iA.
Fig. 7-9.
+
+
+
Fig. 10—13.
-I —
-f
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9
3. Halbleiter mitten im Scblagraume.
Steht ein plattenformiger Halbleiter frei mitten zwischen zwei
gleichbeschaffenen Metallpolen, so dass links und rechts je ein
Zwischenraum bleibt, so bilden sich natürlich zwei Funken aus, deren
einer Metall als Kathode, Halbleiterplatte als Anode hat, der andere um-
gekehrt Nur bei Anwendung sehr starker Ströme erhielt ich hier ausnahms-
weise beiderseits Dauerfunken. Diese zeigen dann das Aussehen wie
Fig. 6 und 10 combinirt Die Entladung erfolgt also in diesem Falle voll-
ständigster Ausbildung nach dem Schema: [Metallkathode] helles Kathoden-
licht mit Trennungsraum, — zweites (ziegelrothes) Licht — drittes eventuell
geschichtetes (karminrothes) Licht, — Anodendunkelraum, — zahlreiche
aequivalente Änodenglimmstellen [Halbleiter] zahlreiche aequivalente helle
Katbodenlichter mit zugehörigen Treuuungsräumen — zu einem zusammen-
lliessende aequivalente zweite (ziegelrothe) Lichter, — drittes, karmin-
rothes, eventuell geschichtetes Licht — Anodenglimmen [Metallanode].
In der Hegel erhält man jedoch nach der Seite der Metallkathode
bei Weitem leichter Dauerentladung als auf der anderen Seite, auf letzte-
rer tritt meist discontinuirliche Entladung auf; wir haben daher meist
etwa Fig. 8 mit Fig. 6 combinirt*). Hieraus erklärt es sich, dass der
Anblick des positiven und negativen Antheiles meist sehr verschieden ist
(Vergl. Fig. 1, 2 und 3 meiner Eingangs citirten Arbeit in Wied. Ann.)
4. Haften der Sobiohten an den Elektroden.
Der Satz, dass alle Schichten an einer Elektrode haften, hat nur als
Grenzfall volle Giltigkeit. Bei Dauerfunken zwischen Metallelektroden
tritt dagegen in der Regel der Fall ein, dass ein Theil der Schichten an
der Kathode, ein andrer jedoch bis zu einem gewissen Grade an der
Anode haftet**). Aber auch bei Anwendung eines Halbleiters als Anode
kann man derartige Entladungen erhalten. Bei Phot. 11 war z. B. die
Versuchsanordnung folgende: positiver Maschinenpol, grosser Wasserwider-
stand, Metallspitze, 2 cm starke Basaltplatte, — Funkenstrecke — Messing-
polspitze, negativer MaschinenpoL Um die successive Entwickelung der
Lichterscheinungen bei geänderter Schlagweite in einem Bilde zu erhalten,
wurde die Kathodenspitze während der Aufnahme continuirlich zurück-
gezogen, und zugleich die photographische Platte langsam senkrecht zur
Funkenrichtung verschoben. Das so entstandene merkwürdige Photo-
gramra 11 zeigt, dass hierin der That nicht alle Schichten sich mit der
bewegten Kathode verschoben haben.
Da, wie Eingangs erwähnt, die mittlere Stromstärke (bei gleichmässigem
Gange der Maschine) unabhängig von der Schlagweite ist, so zeigt Phot. 11,
dass für die- an der Kathode haftenden Schichten der Satz gilt: Der Ab-
stand der Schichten von der Kathode ist, bei gleichbleibender
Stromstärke, unabhängig von der Schlagweite des Dauerfunkens.
P'ür die Beurtheilung des Wesens der Schichtenbildung ist die That-
*) Dieser Unterschied steht im Einklänge mit den Versiichsergebnissen von G. Wiede-
mann und Hilhlmann über da.s verschiedene Ausströmen positiver und negativer Elektri-
zität. Vergl. Wied., Elektr., Bd. IV, S. 462. 1885.
*•) Es ist dies wahrscheinlich eine analoge Erscheinung, wie sie bei Entladung in
einzelnen Funken in der Kegel eintritt, nämlich der Zerlall jedes Funkens in einen
positiven und einen negativen Antheil; vergl. hierzu Abschn. 7.
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Sache von hoher Wichtigkeit, dass (wie Phot. 11 dreimal wiederholt er-
kennen lässt) zwei Schichten ohne Weiteres ganz allmählich aus
einer entstehen oder umgekehrt verschmelzen können*). Dies
deutet darauf hin, dass die Schichten keineswegs als eine Art
stehender Schwingungen aufzufassen sind. Auf weitere Erechein-
ungen, die in demselben Sinne sprechen, werden wir hei der Lcuchtmassen-
bildung in gasverdünntcn Räumen stosseu.
6. Entladung in Olasrohren.
Ganz besonders schön ausgehildet waren die Lichterscheinungen,
manchmal bei Dauerentladung in engen (mit der freien Luft communi-
cirenden) Glasröhren. Phot. 12 bis lü zeigen die hier auftretende Gestalt
und Ausbildung der einzelnen Lichter in einem 5 mm w'eiten Glasrohre
bei etwa 5 cm Distanz der Metallpolspitzen, wenn in den Schliessungskreis
ein grosser Basalt- oder Alkoholwideretand eingeschaltet war. Hier nahmen
die karminrothen Schichten schon ganz das Aussehen an, welches sie, wie
wir sehen werden, auch in Glasröhren bei nur geringem Luftdrucke zeigen
(vergl.. hierzu z. B. Phot. 29 bis 31).
Die Photogramme 12 bis 16 sind aufgenommen bei je etwas vermehrter
Stromstärke; die Erscheinung beginnt (Phot. 12) mit zeitlich getrennt das
ganze Rohr erfüllenden Lichterscheinungen, welche beim Anwachsen der
Stromstärke in geschichtete Danereutladung (Phot. 13 bis 16) übergeht. Ein
V'ergleich der Phot, 13, 14 und 15 lässt die allmähliche Umwandlung
einer Schicht in zwei durch Stromstärkenvermehrung erkennen
(ganz analog wie oben bei Phot. 11 durch Schlagweitenvergrüsserung).
Das Glasrohr erwärmte sich beim Stromdurchgange jedesmal in kurzer
Zeit so sehr, dass bald die ganze Entladung weiterhin durch das leitend
gewordene Glas erfolgte.
Fig. 13 zeigt in schematischer Zeichnung die Lichtentwickelung in
Fig. 13.
K ^ ~~ A
flb| C| Cg Cg
Glasröhren bei Atmosphärendruck; es folgen nach einander:
(nach Goldstein’s Dunkelraum zunächst)
a = helles Kathodenlicht,
(dann Trennungsraum, hierauf)
b, = erstes Lichtinaximura des zweiten ziegelrothen Lichtes,
(lichtschwaches Gebiet)
bj = zweites Maximum des zweiten, ziegelrothen Lichtes,
c, , Cj und Cj drei Schichten des dritten, karminrothen Lichtes.
Fig. 13 kann als typisch betrachtet werden für die nahe continuir-
liche Entladung in Glasröhren (auch bei niedrigeren Drucken)**).
*) Bemerkenswerth ist auch, lia.ss ein zur Erde abgeleiteter Draht (abgesehen von
einer Atilenkuug der Fniikenl)shn) in der Umgebung seines dem Dauerfunken auf etwa
0,05 cm genäherten freien Endes eine dunkle Stelle in der Funkenbahn erzeugt, ohne
den Dauerfunken zu zerstören ; auf diese Weise läs.st sich z. B. eine Schicht des Dauer-
funkens während der Drahtaiinäliernng in zwei Hälften zertheilcn.
••) Zu berücksichtigen ist freilich, dass diese Lichtge.stalt sich etwas ändert, je
nach der specicllen Lage der ausgezeichneten Stelle in ihr (vergl. Abschnitt 7 und 12).
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6. Verlangsamte Batterieentladving.
Unter den zeitlich discontinuirlichen Entladungen in einzelnen Funken
steht der nahe continuirlichen wohl am nächsten die (in der 1. c. von mir
angegebenen Weise) stark verlangsamte Entladung grosser Leyde-
ner Batterien. Jede derartige Entladung besteht (ähnlich dem kurzen
Iluhmkorfffunken) aus einem die Entladung einleitenden Initialfunken und
dem darauf folgenden nahe continuirlichen langsamen Ahdiessen der Elek-
tricität mit rasch abnehmender Stromintensität in der sogenannten Aureole;
schliesslich erlischt der langsame Funken und nach einiger Zeit setzt eine
neue Entladung mit einem neuen Initialfunken ein. Die Abnahme der
Stromintensität während jeder langsamen Entladung erklärt es, dass die
zu Beginn derselben dicht gedrängten Schichten während jeder Entladung
mehr oder minder auseinander-, von der Kathode abrücken. Phot. 17
zeigt derartige stark verlangsamte Batterieentladungen (Metallkathode,
Basaltanode), Phot. 18 eine weniger verlangsamte (zwischen Metallelektro-
den*).
Ist bei kleineren Schlagweiten die Stromzuführung hinreichend ergiebig,
um Dauerentladung zu geben, so kann auch die Batterieentladung nur der
Dauerentladung die Strombahn öffnen; für letztere dient die Batterie
weiterhin**) nur noch als stromregulirendes Sammelbecken. Phot. 19 zeigt
einen solchen Uebergang einer langsamen Batterieentladung in Dauer-
entladung; zugleich erkennt man hier besonders deutlich die Auflösung
der Entladung in geschichtete Partialfunken.
Als eine dritte Form langsamer Batterieentladungon kann man schliess-
lich diejenigen auffassen, bei denen unter sehr grosser Rückstandsbildung
die Reihe der Partialentladungen ahbricht, noch ehe die mittlere
Stromstärke der Entladung wesentlich abgenommen hat, d. h. ehe sich
die Schichtenstellung im Schlagraumc geändert hatte. Nur solche nach
Kurzem abbrechende Entladungen können natürlich auf photographischen
Platten, die während der Aufnahme ruhten, Photogramme mit klarer
Schichtung hervorrufen (vergl. Phot. 20).
Trotz der Inconstanz der Stromstärke langsamer Batterieentladungen,
wird man letztere für das Studium der geschichteten Entladung zunächst
kaum ganz entbehren können, da die in ihnen auftretenden (hohen
Spannungen und zugleich) grossen Stromstärken auf anderem Wege nur
sehr schwer zu erreichen sind. So konnte ich nur an langsamen Batterie-
entladungen (vergl. Phot. 21, eine Vergrösserung des betreffenden Theiles
einer langsamen Batterieentladung nach Art von Phot. 17) constatiren, dass
sich das lichtschwache ziegelrothe Licht mit abnehmender
Stromstärke der Kathode resp. dem hellen Kathodenlichte nähert,
während (wie im ersten Abschnitte schon angegeben) die karminrothen
Schichten sich gleichzeitig von der Kathode entfernen.
•) Bei Phot. 17, 18, 19 und 21 war die photographische Platte während der Aufnahme
gleichmäasig schnell (je circa 1 cm pro Seennde) bewegt worden; bei Phot. 20 ruhte die
Platte während der Aufnahme. .\uf Phot. 18 und 21 erkennt mau deutlich den Initial-
funken. Derselbe besteht, soweit meine Phutogramme erkennen la.s.sen, aus dem hellen
Kathüdenlichte, dem (sehr verwaschenen) Trennungsraum und einer in der Kegel mige-
schichteten Lichtsänle. In Phot. 21 Uegt die Kathode unten, sonst links.
**) Nattlrlii-h ist stets gleichmässiger Gang der stromgebenden Maschine während
der Versuche vorausgesetzt.
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7. Metallelektroden ohne Halbleiter; ausgezeiohnete Stelle*) der
Entladung.
Stehen sich zwei Metallelektroden in grösserer Entfernung als Kathode
und Anode gegenüber, so bildet sich hei genügender Potentialdifferenz
auf ersterer der bekannte negative Büschel, auf letzterer der in der Regel
gestielte positive Lichtpinsel.
In ihnen lassen sich meist nur folgende Lichttheile der Dauerentladung
wiedererkennen: [Metallkathode] helles Kathodenlicht mit Trennuugsraum
— zweites, hier meist violett, nicht ziegelroth gefärbtes Licht — . . . .
[Luftschicht ohne Licht] .... — drittes (karminrothes) Licht, d. h. Stiel
des positiven Pinsels — Anodenglimmen [Metallanodej.
Bei dem Nähern der Elektroden bleibt (Widerstände im
Schliessungskreise vorausgesetzt) das dunkle Luftstück, welches
gcwissermassen die Rolle eines Halbleiters (einer gasförmigen Zwischen-
elektrode) in der Funkenbahn spielt, auch hei nahestehenden Elektroden
erhalten. Jeder einzelne verlangsamte Funken resp. der Dauerfunken
zerfällt deutlich in zwei Theile, in einen negativen und in einen positiven
Antheil (vergleichbar dem negativen und dem positiven Büschel); der
erhöhten Stromdichte entsprechend, ist hier jedoch die Ausbildung der
Lichter eine vollkommenere. Man erkennt jetzt:
pietallkathode]
helles Kathodenlicht mit Trennungsraom ...»
zweites (ziegelrothes) Licht InegativerFunkenantheil,
drittes (karminrothes) Licht resp. seine Sclüchten )
schmale dunkle Luftschicht (ausgezeichnete Dunkelstelle),
drittes (karminrothes) Licht, weist ungeschichtet |
[Metallanode].
Folgen eine Reihe verlangsamter Einzelentladungen rasch hinter ein-
ander, oder geht der Funkenstrom in Dauerentladung über, so kann die
sich ausl)ildende, heftige, von den Elektroden ahgewandte Bewegung
erhitzter Luft einen wesentlichen Einfluss auf die Gestalt der F'unken-
bahn, sjjeciell auch auf Lage und Ausbildung der ausgezeichneten Dunkel-
steile zwischen positivem und negativem Antheile haben. Dies lässt
sich durch folgendes Experiment zeigen.
Zwei Metallspitzen seien einander bei a
— — ■ , und c (Fig. 14) gegenübergestellt. Die Ent-
' V. fernungen ah, bc, cd, da, seien je ca. 2 cm,
dann geht der Funkenstrom (resp. der
Dauerfunken) von a über b nach c. Der
negative Antheil reicht von c bis b, der
positive von a bis b. Bei b liegt die aus-
gezeichnete Dunkelstelle zwischen dem posi-
tiven und negativen Antheile, wohl zu
unterscheiden von dem bei c angedeuteten
dunklen (Goldstein’schen) Kathodeninum
und dem gleichfalls bei c angegebenen
Trennungsraum (dem Faraday’schen Dunkel-
raume zwischen Kathoden und Anodenlicht
\
*) Vergi. Wiedemaun, Elektr. IV, §§816, 861, 868 und 1012.
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13
in hochverdünnten Geisslerrohren). Hierbei kann jeder der beiden Antheile
für sich mehr oder minder klar geschichtet sein, ln der Verlängerung
von ab und cb kann man je einen warmen Luftstrom fühlen (welcher
z. B. im Stande ist, bis auf ca. 2 cm von b entfernt Wachs zu schmelzen*).
Am bezeichnendsten ist aber folgende Erscheinung. Bewegt man die
Kathode c parallel sich selbst langsam nach d hin, so verschiebt sich
auch mit ihr der negative Antheil cb parallel sich selbst, während der
positive Antheil successive kürzer und kürzer wird. Schliesslich ver-
schwindet letzterer ganz, wenn die Kathode die Stelle d erreicht bat; von
d nach a findet jetzt geradlinig Entladung nur negativen Charakters
statt. Gerade" umgekehrt verschwindet der negative Antheil, wenn die
Kathode von c nach b hin, oder die Anode von a nach d hin sich selbst
parallel verschoben werden. Stehen sich die Elektroden direkt gegen-
über, sind also die Gebläse unter 180“ gegeneinander gerichtet, so liegt
die ausgezeichnete Stelle bald hier bald dort auf der Funkenbahn, meist
bekanntlich näher der Kathode als der Anode. Mit dem Schlierenapparate
erkennt man, dass auch hier die ausgezeichnete Dunkelstelle stets
dort liegt, wo die beiden warmen Luftströmungen aufeinander
treffen. Hierdurch erst gewinnen wir volles Verständniss der in den
vorigen Abschnitten geschilderten Lichtgestalten bei nahe continuirlicher
Entladung unter Anwendung von Ilalbleiterelektroden.
Eine spitze Metallelektrode begünstigt mechanisch und elektrisch die
Ausbildung des zugehörigen Gebläses, eine plattenförmige Ilalbleiter-
elektrode erschwert sie.
Dies giebt uns einen Anhalt, wo wir in den behandelten Lichter-
scheinungen die ausgezeichnete Stelle zu suchen haben.
Fehlt das positive Gebläse ganz, so erkennen wir die ausgezeichnete
Stelle wieder in dem in diesem Falle meist zu beobachtenden auffallend
ausgedehnten Anodendunkelraume zwischen Anodenglimmen und
den karminrothen Schichten des negativen Autheiles. Das Anodenglimmen
ist der letzte Rest des unterdrückten positiven Antheiles (vergl. Phot. 17,
19, 20 und 21).
Fehlt das negative Gebläse ganz, so finden wir die ausgezeichnete
Stelle meist als einen ausgedehnten Dunkelraura wieder, welche zwischen
der letzten karminrothen Schicht des positiven Antheiles und dem ziegel-
rothen Lichte des negativen liegt; von letzterem bleibt also nur die helle
Austrittsfläche und das ziegelrothe Licht erhalten (vergl. Fig. 10). Häufig
freilich ist in diesem Falle die ausgezeichnete Stelle nur wenig markirt,
wie bei Fig. 11 und 12.
Oft verschmelzen auch die Lichter beider Antheile continuirlich in
einander**), wobei jedoch die ausgezeichnete Stelle nur scheinbar ver-
schwindet. Ihr Vorhandensein und ihre Lage ist dann nur indirect
z. B. aus dem Verhalten der Lichttheile bei Aenderung der Schlagweite
(wie in Phot. 11 Abschn. 4) oder der Strorasstärke (wie in Phot. 13 bis 16
Abschn. 5) zu erkennen; auch der Schlierenapparat kann hier gute Dienste
leisten.
*) Besonders bequem und deutlich lassen sich die beiden Luftstriime (des positiven
und des negativen Funkenantheiles) natürlich mit dem Sehliereuapiiunite beobachten.
*•) Hierher gehört n, A. Fig. 5 und 6 sowie Phot. 4 bis mit 10; in Fig. 3 und 4
sowie in Phot. 2 und 3 gehörte der Liuhtpilz sicher zum positiven Antheile, die wenig
markirte ausgezeichnete Stelle liegt hier zwischen ihm und dem ziegelrothen Lichte.
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14
Das letzte Beispiel und vor Allem das Auftreten der ausgezeichneten
Stelle auch in luftverdiinnten Bäumen (wo von heftigen Luftströmungen
kaum die Rede sein kann, vergl. Abschn. 12) zeigt, dass zwar in freier Luft
die Lage der ausgezeichneten Stelle durch Luftströmungen beeinflusst
wird, dass jedoch elektrische Vorgänge ihre Ausbildung veranlassen.
Die ausgezeichnete Stelle zwischen negativem und positivem Antheile ist
vielfach untersucht worden. Sie lässt sich bekanntlich sogar bei immer
weniger verlangsamten Entladungen beobachten, bis weit in den Be-
reich nichtoscillirender Funkenentladung hinein. Es liegt demnach
nahe, das oben angegebene Schema der Lichterfolge auch hier als das zu
Gninde liegende anzuselien, wenn auch die Lichterscheinuhg, wohl infolge
ihrer Helligkeit, keine Unterschiede mehr auf der Funkenbahn zeigt, und
solche nur noch an den verschiedenen Wärme Wirkungen längs derselben
(z. B. mittels des Schlierenapparates)*) nachweisbar sind. Selbstverständlich
kann man jedoch bei dem hervorragend mitbestimmenden Einflüsse von
Zufälligkeiten auf die Funkenbildung bei dieser bis ins Einzelne gehende
Regelmässigkeit nicht erwarten.
Ganz besonders deutlich lässt sich bekanntlich die ausgezeichnete
Stelle oft in den Russspuren erkennen, welche Funken, längs berusster
Glasplatten entlang schlagend, hinterlassen*). Nach Beobachtungen meines
Vaters kann man sogar das Auftreten eines augenförmigen Russgebildes
an der ausgezeichneten Stelle als Kriterium dafür betrachten, dass die
Russspuren gebende Entladung soeben nicht mehr oscillircnd, sondern
gleichgerichtet (jedoch noch ohne Partialfunkenbildung) erfolgte; Phot. 22
zeigt in natürlicher Grösse das Bild einer derartigen Russspur mit aus-
gezeichneter Stelle. Die Unzulänglichkeit unserer Kenntniss über das
Wesen der ausgezeichneten Stelle und über den Einfluss ihrer Lage in
der Funkenbahn auf die Lichterscheinung der elektrischen Entladung ist
sicher das llaupthinderniss, welches uns noch immer von einer einheitlichen
Auffassungsweise der letzteren (und zwar nicht nur bei höheren Drucken)
fernhält.
n. Nahe continuirliche Entladnng (Bascheilichtbogen) in
verdünnter Luft.
Mit abnehmendem Drucke nimmt die Längendimension der Lichter
rasch zu, und nur in langen Rohren lassen sich infolge dessen bei niederen
Drucken alle Lichter vollkommen ausgebildet erhalten.
Da in dem Druckbereiche von 76 cm bis ca. 5 cm hinunter, soviel
ich beobachten konnte, der Charakter der Lichterscheinungen sich in regel-
mässiger Weise stetig ändert, so genügt es, für die vorliegende qualitative
Untersuchung die Ausbildung der Lichter zu schildern, wie wir sie bei
Drucken um 5 cm wiederfinden. Erst bei weiter abnehmendem Drucke
treten dann wesentliche Complicationen ein.
Um mich möglichst davor zu schützen, auf Nebenerscheinungen Ge-
wicht zu legen, welche nur von dem Einflüsse der Rohrwand herrühren,
habe ich die Entladung in verschieden weiten Rohren beobachtet. Freilich
konnte ich in weiten Rohren manche der erwarteten Erscheinungen bei
Dauerentladuug selbst mit der benutzten öOplattigen Toepler’schen
Maschine nur schwer oder überhaupt nicht erhalten.
*) A. Toepler, Wien. AcaU. Anz. 1874, Nr. 1,4, p. lOö; Pogg. Ann. 134, p. 191.
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8. Bohr A.
In einen 15 cm weiten 60 cm hoben Glascylinder (Fig. 15) führte von
oben durch eine 1 cm starke Glasplatte ein Messingstab (umhüllt von
einer den Elektricitätsaustritt verhindernden Glasröhre), dessen Ende_ eine
Messingkugel trug. Den Luftabschluss unten bewirkte eine 2 cm starke
Schieferplatte. Eine gut functionirende Wasserstrahlpumpe hielt den
Innenraum constant auf dem Maximum der von ihr geleisteten Verdünn-
ung (ca. 3 cm).
Die höchst mannigfachen Lichterscheinungen, welche man hier beobach-
ten kann, sind Vergrösserungen der entsprechenden bei Atinosphärendruck.
Speciell die bei nahe continuirlichem Stromdurchgange auftretenden
Entladungsforinen sind denen in freier Luft (z. B. Fig. 3) ganz ähnlich,
^ergl. Fig. 16 — 19 in ’/g natürlicher Grösse und Fig. 20 in '/j natürlicher
Grösse.)
Ist die Schieferplatte Anode und steht ihr die negative Messingpol-
kugel auf ca. 5 cm nahe, so erscheint eine ca. 1 qcm grosse Fläche der
Schieferplatte von hellen violetten Glimralichtpunkten bedeckt, üeber
diesen schwebt, wenn der mittlere Strom 1/3000 Amp. überschritt, eine
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sehr lichtschwache ziegelrothe Lichtmasse. Wird die Polkugel auf 15 cm
Abstand zurückgezogen (vergl. Fig. 16), so erhebt sich über der Schiefer-
platte eine ca. 1 cm breite kamiinrothe Lichtsäule mit karminrothem End-
knoten; letzterer ist von einem schwachen, ziegelrotheu Lichte umhüllt.
Wird der negative Pol bis ca. 40 cm von der Schieferplatte entfernt
(Fig. 17 und 18), so erhebt sieb die positive kamiinrothe Lichtsäule etwa
10 cm hoch mit ca. 2 cm dickem Endknoten. Bei starkem Strome bewegt
sich letzterer langsam auf und nieder und kann sich auch von der Lichtsäule
ganz loslösen (Fig. 17), ja bei weiter vermehrter, con sta nt e r mittlerer Strom-
stärke stösst diese Lichtsäule successive eine Reihe gleicher Lichtkugeln von
sich, welche langsam nach oben der Kathode zuschweben*,) hierbei jedoch
je immer lichtschwächer werden, bis sie ganz verschwinden, wenn sie etwa
die Hälfte des Weges zum negativen Pole zurückgelegt haben (Fig. 18).
Diese Erscheinung vollzieht sich innerhalb eines sehr lichtschwachen, ziegel-
rothen Lichteylinders.
Die Lichterscheinungen am negativen Pole sind bekannt; sie bestehen
aus hellem Kathodenlichte mit Trennungsraume und dem ziegelrothen
Lichtparaboloide; diese Lichter waren zusammen etwa 0,ö cm lang.
Ist der Schiefer Kathode (Fig. 19), so erhebt sich über einer grossen
Zahl aequivalenter violetter Lichtpunkte (dem hellen Kathodenlichte) eine
bis zu 6 cm hohe, 1 cm breite ziegelrothe Lichtsäule von paraboloidischer
Begrenzung (Fig. 19). Unter Umständen bildet sich auch über jeder ein-
zelnen hellen Kathodenschicht je das zugehörige ziegelrothe Theilparaboloid
aus (Fig. 20); diese Paraboloide convergiren dann nach einem gemeinsamen
lichtlosen Mittelpunkte und es gewährt einen eigenartigen Anblick, wie
sich alle bei zufälliger Lagenänderung des lichtlosen Centrums gemein-
sam hin- und herneigen; diese Erscheinung beweist, dass auch die unsicht-
bare, lichtlose Entladung zwischen den Lichtem an den Elektroden nur
auf verhältnissmässig schmaler Bahn erfolgt.
Aus der (Metall-) Anode wuchs hier das nur ca. 1 cm lange karmin-
rothe Anodenlicht keulenartig heraus (Fig. 19); an das knotige Ende setzte
sich auch hier eine sehr lichtschwache ziegelrothe Lichtsäule an.
Der ausgedehnte Dunkelraum zwischen den Lichtern än der Kathode
und denen an der Anode entspricht offenbar der ausgezeichneten Stelle
des siebenten Abschnittes.
Zu voller Ausbildung der Lichterscheinungen reichte der Maschinen-
stroin nicht aus ; mit grossen Batterien konnte ich, wie zu erwarten, auch
hier ganz wie in freier Luft langsame Entladungen mit mehreren (je etwa
5 cm langen und 0,5 cm breiten) karminrothen Schichten erhalten.
9. Rohr B.
Als ich . bei Drucken um 2 cm an Stelle des 16 cm weiten Rohres
ein solches von 3 cm Weite und 82,8 cm Abstand der beiden Kupfer-
polspitzon benutzte, erhielt ich den oben beschriebenen ähnliche Licht-
erscheinungen. Diese bildeten sich meist in der Achse des Rohres aus
und füllten den Querschnitt desselben noch an keiner Stelle.
*) Derartige bei coustanter Stromstärke wandernde Leuchtkugeln konnte ich hei
Atinosphärendruck nur ganz ausnahmsweise (vergl. Anmerkung zu Ahschn. 1) heobachten;
hier waren sie oft und leicht zu erhalten.
Cicru^lc
17
Die Photogramme 23 bis 27, aiifgenommen bei immer grösseren aber
je constanten mittleren Stromstärken (und je 6 Secunden Belichtung),
zeigen die zu besprechenden Lichterscheinuugen.
Auf das helle Kathodenlicht mit Dunkelraum folgt auch hier das erste
Lichtmaximum des zweiten, ziegelrothen Lichtes, diese Lichter sind jedoch
auf den Photogrammen wegen ihrer geringen räumlichen Ausdehnung nicht
von einander zu unterscheiden*). Nach dem ausgedehnten lichtschwachen
Theile des ziegelrothen Lichtes lolgt dann, als lange ziegelrothe Lichtsäule,
dessen zweites Lichtmaximum.
Als auffallendster Lichttheil folgte schliesslich das hier sehr helle
dritte, karminrothe Licht. Charakteristisch war auch hier für dieses Licht
sein pilzartiges, der Kathode zugekehrtes Ende. Photogramm 28 zeigt das
Grenzgebiet zwischen ziegelrothem und karminrothem Lichte nochmals,
jedoch nur mit 1 Sec. Belichtung, um den bedeutenden Helligkeitsunter-
schied beider Lichttheile deutlich zu machen.
Vorübergehend konnte ich auch schon in diesem Rohre einen Zerfall
des karminrothen Lichtes in (drei) ruhende, klare Schichten — Leucht-
massen, Lichtwolken — erhalten.
Die Photogramme 23 bis 28 zeigen aber auch folgende interessante
Thatsache; man sieht, dass das karminrothe Licht schon bei ausgesprochen
zeitlich discontinuirlichen Entladungen, auf Funkenbahnen, welche sonst von
einer Schichtung noch keine Spur zeigen (vergl. Phot. 23 und 24), deutlich
zu erkennen ist. In all den Fällen, in denen in gasverdünnten Räumen die
discontinuirliche Entladung aus Lichtfäden besteht, die je aus einem blauen
Theile nach der Kathode zu und einem röthlichen, violettrothen oder
karminrothen nach der Anode hin bestehen, müssen wir in dieser Zwei-
theilung einen Ansatz zur Ausbildung des zweiten und dritten Lichtes
erkennen, mit der angegebenen, den veränderten Verhältnissen ent-
sprechenden Farbentönung. Der rothe Theil der Lichtfäden in (engen)
Glasröhren und niederen Drucken entspricht hiernach und nach den
Bemerkungen in Abschn. 2 dem Stiele des positiven Büschels in freier
Luft**).
10. Bohr C.
Bei constanter Stromstärke absolut ruhende Schichten des dritten
karminrothen Lichtes (Righi’sche Leuch tmassen — „masse luminose“)
erhielt ich im Druckbereiche um 5 cm mit den verfügbaren Stromiutensi-
täten erst in einem noch etwas engeren Rohre als dem ira vorigen Ab-
schnitte benutzten.
In dem hier verwendeten 2,3 cm (ira Lichten) weiten Rohre standen
sich im Abstande von 61,5 cm als Elektroden zwei Aluminiumscheiben
*) Das erste Lichtmaiinuini des ziegelrothen Lichtes zeigte hier oft einen eigen-
thilmlichen Zerfall in dichtgedrlngtc Schichten, Untcrahtheilungen. jp-
Stromvennehrung begünstigte diese seenndäre Schichtung, welche
sich am hellsten und deutlichsten nach dem Trennungsrauin zu aus-
bildete. Fig. ZI zeigt (vergriissert) diese Krscheinung. An der
Metallkathodp K liegt zunächst das helle KathiMlenlieht, in etwas
grösserer Entfernung folgt das in Rede stehende geschichtete ziegel-
rothe Licht. Der Abstand der ersten Schicht des letzteren von der Kathode nahm
zu mit zunehmender Strom.stärke.
*•) Die karminrothe Lichtsäulc zeigt die Tendenz spiraliger Anordnung mit conti-
nnirlicher Rotation (auf welche hier nicht eingegangen werden soll), man sieht sic in
Phot. 23 bis 27 angedeutet.
«
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18
gegenüber, den Rohrquerschnitt fast vollständig ausfullend. Um auch
schon hei schwachem Strome und höheren Drucken nahe continuirliche
Entladung zu erhalten, war auch hier der Kathode ein (kleiner) Flüssigkeits-
Widerstand vorgeschaltet.
Bei Drucken oberhalb 5,5 cm wurde das Rohr, wenn überhaupt, nur
von zeitlich getrennten (discontinuirlichen) Funkenentladungen durchsetzt.
Bei einem Drucke von 5,3 cm und schwachem Strome war die Entladung
auch noch discontinuirlich; jeder Funken bestand (ganz wie im vorigen
Abschnitte behandelt) aus einer blauen Hälfte nach der Kathode zu und
einer rothen Änodenhälfte. Bei Stroravermehrung erschienen dann die
analogen Lichterscheinungen wie Phot 23 bis 27, nur waren sie hier licht-
schwächer und unvollkommen ausgebildet'').
Wurde (nach Erreichung des Stadiums, welches Phot. 27 entsprach)
die Stromstärke weiter vermehrt, so schnürte sich der der Kathode nächste
Theil des karminrothen Lichtes ab und bildete eine bei constantem Strome
absolut ruhende Schicht, eine Righi’sche Leuchtmasse. Zugleich zerfiel
der übrige Theil des karminrothen Lichtes in eine Reihe von Leucht-
massen; letztere ruhten aber bei constantem Strome keineswegs, vielmehr
stiess die Anode beständig Leuchtmassen von sich, welche, nach der Ka-
thode zu eilend, in dem Augenblicke erloschen, wo sie die erste, ruhende
Leuchtmasse erreichten.
War der Strom weiter verstärkt worden, so bildete sich zwischen der
ersten ruhenden Leuchtmasse und der Anode eine zweite, gleichfalls ruhende
Leuchtmasse aus. Die von der Anode aus wandernden Massen erloschen
jetzt beim Erreichen der zweiten ruhenden Leuclitmasse.
Dieser Process wiederholte sich bei abermaliger passender Stroraver-
mehrung; eine dritte Leuchtmasse wurde fest, sodass schliesslich das
61,5 cm lange Rohr bei constantem Strome drei (oder mehr) beliebig lange,
absolut ruhig stehende Leuchtmassen zeigte (vergl. Phot. 31 **).
Ging, nachdem sich die drei ruhenden Schichten gebildet hatten,
längere Zeit ein constanter, möglichst starker Strom durch das Rohr, so
wurden, offenbar im Zusammenhänge mit den Temperaturverhältnissen,
die ruhenden Leuchtmassen immer stabilere Gebilde. Wurde jetzt die
Stromstärke successive geändert, so erschienen wandernde Schichten nur
vorübergehend. Es galten jetzt folgende Sätze:
Die ruhenden Lcuchtmassen sind nahe aequidistanL
Die Leuchtintensität der Leuchtmassen ist bei den von der
Kathode fernsten am geringsten (vergl. Phot. 30 und 31).
Mit zunehmender Stromstärke nimmt sowohl der Abstand
der ersten ruhenden Leuchtmasse von der Kathode, als auch
der Abstand je zweier ruhender Leuchtmassen von einander ab.
Mit abnehmender Stromstärke verschwand daher eine Leuchtmasse nach
der anderen in der Anode; im Schlagraum bilden sich nur so viel ruhende
Leuchtraassen aus, als der Stromstärke entsprechend zwischen Anode und
Kathode Platz haben.
Es sind das dieselben Sätze, die, wie nachgewiesen wurde, auch für
die Schichteubildung in freier Luft Geltung haben.
•) Besonders lichtschwach war hier meist der zweite Theil des ziegelrothen Lichtes.
•*) Wurde das Kohr C in geeigneter AV>ise vorgewärmt, ao erfolgte in ihm auch
schon hei Lntcken von 9 cm und mehr die Bildung ruhender Leuchtma.s.sen.
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19
Phot. 29, 30 und 31 (aufgenonimen mit je 6 Secunden Beleuchtungs-
dauer) zeigen für 5,3 cm Druck geschichtete Entladung (Kugelfunken) mit
ruhenden Leuchtmassen bei je constantem Strome und zwar Phot. 29
bei kleinster (ca. 1/2000 Amp.), Phot 30 bei grösserer und Phot 31 bei
grösster (ca. 1600 Amp.) Stromstärke.
Das zweite Lichtmaximum des ziegelrothen Lichtes war im benutzten
Rohre meist sehr lichtschwach*), das erste dagegen sehr deutlich;
dieses entfernt sich (ebenso wie bei Atmosphärendruck, vergl. Abschn. 6)
mit wachsender Stromstärke von der Kathode. Auch das helle
Kathodenlicht mit Trennungsraum war scharf ausgebildet**).
11. Nahe oontinuirliohe Entlsdxmg (Büsohelliohtbogen) und ‘
Blghi’sohe KugelfUnhen.
Die Lichterscheinungen der untersuchten Entladungsart zeigen also
vom Atmosphärendruck bis zu 5 cm herab genau die gleichen charak-
teristischen Gestaltseigenthümlichkeiten und die gleiche Anordnung der
Lichter, zeigen auch qualitativ die gleiche Abhängigkeit von der Strom-
stärke.
Ueber die hier von mir behandelte Eutladungsart liegen meines
Wissens bisher nur zwei eingehendere Untersuchungen vor, nämlich die
schon Eingangs erwähnten***) von A. Wüllner und A. Righi, beide für den
Druckbereich um 5 cm. Dass die von mir behandelte „nahe continuirliche“
Entladungsart (Dauerfunken, Büschellichtbogen) mit der von genannten
Beobachtern untersuchten, von A. Righi als „Kugelfunken“ bezeichneten,
identisch ist, lehrt ohne Weiteres ein Vergleich meiner Phot. 29, 30 und
31 mit den von Righi mitgetheilten Abbildungen.
Bei der hier untersuchten geschichteten Entladungsart (Righi’schen
Kugelfunken) mit Leuchtmassen erfolgt der Elektricitätsfluss zwischen den
Elektroden oflfenbar streckenweise fast lichtlos auf breiter, streckenweise
mit Lichtentwickelung auf enger Bahnt). Diese Bahnverengerung kann
sehr weit gehen, und man hat wahrscheinlich jede Lcuchtmasse aufzufassen
als einen Funken zwischen lichtlosen Räumen, Gaselektroden ff). Die
Leuchtmässenbildung besteht also in einem Zerfalle des Gesammtfunkens
in mehr oder minder ausgedehnte Theilfunken (gewissermassen unter Ein-
fügung gasförmiger Zwischenelektroden ftt)- Hieraus erklärt sich unge-
•) Daher ist auch auf Phot. 29 l)is 81 die ziegelrothe Lichtsänle nicht zu sehen.
Es sei gleich hier voransgreifend bemerkt, dass, wohl aus demselben Grunde, auch auf
den Phot ogrammen von Righi die ziegelrothe Lichtsänle fast ausnahmslos fehlt;
dagegen findet sie sich deutlich wiedergegehen auf der Zeichnung von Wüllner,
1. c. Taf. I, Fig. 4.
**) Wegen ihrer Kleinheit ist die Lichterfolge an der Kathode auf den Phot. 29
bis 31 nicht klar zu unterscheiden.
••*) Vergl. die Litteraturangabe in der Einleitung. Zur nahe continuirlichen Ent-
ladungsart gehören auch die Entladungsformen, welche 0. I.ehmaim, Zeitschr. f. phjs.
Chemie 18, 107, 1895 beschreibt; jedoch war hierbei die Schlagweite zu klein im Ver-
hältnisse zu dem geringen Drucke und zu der grossen Rohrweite, als dass sich Leucht-
massen hätten bilden können; dagegen ist bei diesen Formen die ausgezeichnete Stelle
gut zu erkennen.
f) Die Glasfluorescenz um die Orte des Lenchtens in der Rohrachse täuscht leicht
bei erster Betrachtung.
fi) Die elektrische Ladung der tilaswand ist bei engen Rohren ebenfalls zu be-
rücksichtigen.
ttt) VergL die ähnliche Deutung von Righi, Lura. EL 42, 1891, [i. 618.
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zwungen die Möglichkeit des leichten Verschmelzens zweier Schichten
(vergl. Abschnitt 4), sowie die Mehrzahl der Erscheinungen, welche im
folgenden Abschnitte behandelt werden sollen. Um speciell das Wandern
der Schichten mit oder gegen den elektrischen Strom zu erklären, braucht
man nur anzunehmen, dass durch die Leuchtmassen um ein Geringes
weniger resp. mehr Elektricität in der Zeiteinheit fliesst als durch die
dunklen Zwischenräume.
12. Qegeneinander wandernde IieuohtmaBsen.
In den vorangegangenen Abschnitten sind wir fast ausschliesslich Licht-
erscheinuugen begegnet, deren Theile ihre Lage im Schlagraume bei con-
stanter Stromstärke und constantem Drucke constant heibebalten. Ganz
anderen Verhältnissen begegnete ich jedoch (bei dem zuletzt benutzten
llohre C) in dem Druckbereiche zwischen 4,6 cm und 0,8 cm. Sank der
Druck nämlich unter 4,6 cm, so wurde mehr und mehr der Zustand im
Rohrinnern labil in Bezug auf das Entstehen von Leuchtmassen. Zur
Ausbildung ruhender Leuchtmassen kam es hier überhaupt nicht mehri
oder nur ganz vorübergehend.
Zunächst, bei Drucken um 4 cm, bildete das zweite Lichtmaxiraum
des ziegelrotheu Lichtes wie bei höherem Drucke noch eine zusammen-
hängende lange Lichtsäule*). Die bei constanter Stromstärke rasch
wandernden Schichten des karminrothen Lichtes Hessen sich aber nicht
mehr durch Stromvermehrung fest machen**); sie erloschen auch hier,
sobald sie das Ende der ziogelrothen Lichtsäule erreichten.
Bei möglichst starkem constanten Strome trat nun noch eine weitere
höchst beraerkenswerthe Complication der Leuchtmassenbildung ein. Bei
constantem Strome beobachtete ich folgende sich beliebig oft in nahe
gleichen Zeiten wiederholende Erscheinung. Das der Anode zugekehrte
Ende des ziegelrothen Lichtes rückte nach der Anode zu vor, schliesslich
löste sich von der ziegelrothen Lichtsäule ein Säulenstück (von nicht
immer gleicher Länge***) ab, welches sich langsam nach der Anode
zu in liewegung setzte, während das neue Ende der ziegelrothen Licht-
säule nach der Kathode zu zurUckschnellte. Phot. 32 bis 35 zeigen das
der Anode zugekehrte Ende der ziegelrothen Licbtsäulc in verschiedenen
Stadien des Losreissens langsam der Anode zuwandernder Leuchtmassen.
Man kann den Process der Losreissung von Leuchtmassen beschleu-
nigen oder auch unter Verhältnissen, bei denen er noch nicht spontan
erfolgt, hervorrufen, indem man mit der Hand von der Kathode nach der
Anode zu an der ziegelrothen Lichtsäule längs des Glasrohres entlang
streicht f); die so erzeugte Schicht setzt dann ebenso wie eine selbständig
gebildete beim Wegziehen der Hand ihren Weg nach der Anode zu fort.
*) Es kam sogar vor, da.ss das ziegelrotlie Licht sieh bis auf etwa 5 cm der
Anode näherte, also beinahe 60 cm lang war.
**) Die Wanderungsgeschwiudigkeit nahm zn mit wachsender Stromstärke. Bei
sehr raschem tVandem modilicirtc .sich die Gestalt der Leuchtmassen etwas; diese
wurden mehr und mehr a.symmetrisch und ihr voraiiaeilendc.s Ende kugelte sich pilzartig ab.
•**) Das bei gleichem Drucke und gleicher Stromstärke sich ablösende Säulenstilck
war 5 bis ZO cm lang; die ganze Ijic.hf.säiilo des ziegelrothen X/ichtes kann man daher
auch auffassen als eine ruhende Lenchtmasse von grosser l.,änge| welche die Fähigkeit
besitzt, sich beliebig zu theih n.
f) Die Ura.Hpanunng mit der Hand wirkt analog einer Rohrverengemng in dem
Sinne, als die letztere nach Itighi die Aushibiiing einer l.euchtschicht erleichtert.
Digitiz=ri '-xk
21
bis sie auf eine der von der Anode ihr entgegenkommenden Leuehtmassen
des karminrothen Lichtes trifft*).
Wir haben also zwei Schaaren von Leuchtmassen, die eine
zeigt von der Kathode langsam fortwandernde, die andere von
der Anode aus der ersteren rasch entgegeneilende Leucht-
massen. Es bildeten sich also ganz wie bei Atmosphärendruck (vergl.
Abschnitt 4) zwei von einander unabhängige Systeme von Schichten, nur
ruhten dort die Schichten (bei ruhenden Elektroden), hier wandern sie;
es kann demnach hier wie dort die Entladung als in einen
positiven und negativen Antheil (je mit selbständiger Schichten-
bildung) zerfallend angesehen werden**). In dem Zusammentreff-
punkte der gegen einander wandernden Leuchtmassen erkennen wir dem-
nach die ausgezeichnete Stelle (vergl. Abschn. 7) wieder.
Besonders auffallend war es hierbei, dass sich beim Aufeinandertreffen
zweier Schichten weder mit blossem Auge noch im rotirenden Spiegel
irgend welche Eigenthümlichkeit zeigte; zwei aufeinandertreffende
Leuchtmassen verschmelzen zunächst; die verschmolzene Licht-
säule verkürzt sich mehr und mehr und verschwindet schliess-
lich spurlos***).
Die Ausgleichstelle, bis zu welcher die von der Anode aus wandernden
Leuehtmassen nach der Kathode zu Vordringen, rückt sowohl mit wach-
sender Stromstärke, als auch mit wachsender Verdünnung immer weiter
nach der Kathode zu vor; der negative Antheil der Entladung verkürzt
sich dem entsprechend. Mit abnehmendem Drucke verwischen sich die
Lichterscheinungen und bei Drucken unter 0,8 waren zwar bei schwachem
Strome noch deutlich ruhende Leuehtmassen zu erkennen, diese flössen je-
doch bei Stromvermehrung (ohne deutliche Ausbildung wandernder Schichten)
in einander und verschmolzen schliesslich zu einer homogenen Lichtsäule.
13. Letzte Spuren der nahe continuirliohen Entladungsart.
Die (irenzverhältnisse zwischen nahe continuirlicher Entladung und dem
bekannten Phänomen der zeitlich continuirlicken Entladung in (leisslerrohren
hat mau sich etwa folgenderraassen zu denken. Die Grenzstromstärke, bei
der soeben die letztgenannte (continuirliche) Entladungsai't auftritt, nimmt
*) Oft genügte ein Bewegen der Hand schon im Abstande von 10 cm vom Kohre, um
eine derartig fortschreitende .sinxessive Entladung auszniiisen; man sieht, in wie hohem
Grade die Entwickelung der Lichtphänomene von äusseren Umständen abhängig sein kann.
**) Zu genauerer Untersuchung müssten wohl die Elektroden in den Kohren ver-
schieblich gemacht werden, anch müsste der Eiuliiiss der Anordnung des Widerstandes
im Stromkreise beriick.sichtigt werden.
**') Auf die vielfachen Eigenthümlichkeiten der wamlemden Leuehtmassen einzu-
gehen, würde zu weit führen; es sei nur noch auf einige si(rher zu beobachtende That-
sachen hingewiesen. Die Wandemngsgeschwindigkeit der von der Katliode wegwan-
demden Leuehtmassen war stets geringer als diejenige der entgegenkommenden. Bei
höheren Drucken zeigten erstere mehr ziegclrothe, letztere mehr karminrothe Färbung;
mit abnehmendem Drucke verschwand bald ilieser Farbenunterschied (bei den hier be-
nutzten höheren Drucken spielt der Quccksilherdampf hez, der Sclüchtenfärbung noch
keine wesentliche Kolle). Es kam vor, dass das ganze Kohr bis znr Anode hin, nur
Lenchtmassen enthielt, die von der Kathode w e g wanderten ; erlölgte dies Wandern
hinreichend langsam (ca. 1 cm per Secunde), so konnte man deutlich erkennen, da.ss
die Lenchtmassen nicht in der Anode allmählich untertauchten, sondern je ganz succes-
sive an der Grenze eines erst hierdurch bemerkbar werdenden (bis zu 2 cm langen)
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22
rasch ab mit abnehmendem Drucke*). Das Stromstärkengebiet der nahe
continuirbchen Entladungsart wird daher mit abnehmendem Drucke immer
schmäler und unterhalb 0,8 cm geht die discontinuirliche Entladung bei
successiver Stromverstärkung meist direct in die continuirliche über. Einen
bestimmten Druck (oder Druckbereich), welcher etwa die Grenze
zwischen Schichtenbildung durch Leuchtmassen und der gewöhnlichen
Schichtung des Anodenlichtes niedrigster Drucke bildet, giebt es nicht
Ich konnte vielmehr selbst hei so geringen Drucken, bei denen das
Anodenlicht schon längst in der bekannten Weise deutlich geschichtet
war, in der Kegel noch die nahe continuirliche Entladungsart unzweifel-
haft erkennen, wenn ich nur auf die Lichterbildung bei sehr schwachen
Strömen mein
Augenmerk rich-
tete. Hierbei bin
ich auf manche
eigenthümUche
Erscheinungen ge-
stossen, von denen
die bemerkens-
wertheste im Fol-
genden geschildert
ist.
Bei einem Drucke
von 0,007 cm Hg. er-
hielt ich im Rohre
C folgende Licht-
entwickelung.
Bei sehr schwa-
chem mittleren
Strome ruhte nahe
der Anode in der
Rohrachse eine
Licbtsäule , deren
freies Ende (vergl.
den Pfeil der
Fig. 22) nach der
Kathode hin rhyth-
misch aufzuckte.
Bei etwas stärkerem Strome war zu erkennen Goldstein’s Dunkel-
raum, helles Kathodenlicht mit ziemlich ausgedehnten Glimmlichtstrahlen
Fig. 22.
Fig. 23.
Fig. 24.
Fig. 25.
Fig. 2 6.
Fig. 27.
Fig. 28.
Fig.29.
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Anodcndnnkelriuimes verschwanden. (Die Lenchfmaasen, welche nach der Kathode zn
wandern, kamen dagegen direct ans der Metallanode heraus.) Die Ausbildung eines
ausgedehnten, scharf begrenzten Anodendunkelraumes scheint demnach
nur stattzufinden, wenn der negative Entladungsantheil bis nahe zur
Anode heranreicht. Dasselbe war auch bei nahe eontinuirlicher Entladung in freier
Luft zu beobachten (vergl. Phot. 17, und 20 mit 11). Der Anodendunkelraum dürfte
also hier (vergl. Abschn. 7) der ausgezeii hneten Stelle entsprechen. Die Anode selbst
zeigt auch hier ganz wie im analogen Falle bei Atmosphäreudruek zahlreiche Anoden-
glimmpunkte. d. b. den letzten Best des positiven Antheiles.
*) VergU die Zahlenangaben von Hittorf, Wied. Ann. 20, 1883, p. 722. Es wird
jedoch sicher miiglich sein, bei allen Drucken die einzelnen Entladnngsarten ganz all-
mählich in einander überzuführen, wenn man nur die Versuchsbedingungeh geeignet wählt.
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23
(a in Figur 23)*) und Trennungsraum, eine äusserst matte ziegelrothe Licht-
säule (b), eine matte rothe ruhende Leuchtmasse (c) imd nach der Anode
zu eine Lichtsäule (d)**). Es war also die nahe continuirliche Ent-
ladungsart bei einem Drucke unter 0,oi cm noch sicher zu be-
obachten! Näherte ich in diesem Stadium die Hand oder ein Stück
abgeleitetes Stanniol (S in Figur 24 und 25) dem Rohre, so bildete sich
im Rohre auf der abgewandten Seite eine Leuchtmasse, ganz wie bei
höheren Drucken; diese zerfiel aber hier in eine Reihe von Schichten
(vergL Fig. 24 und 25). Diese lichtschwache secundäre Schichtung ähnelte
der Schichtenbildung des bekannten Anodenlichtes, ist aber mit dieser
keineswegs zu verwechseln.
Bei stärkerem Strome erschien plötzlich die helle, rosa gefärbte
Säule des bekannten Anodenlichtes (Figur 26); es zeigte, der Verdünnung
entsprechend, schon deutlich seine bekannte üeisslerrohr- Schichtung.
Zwischen seiner ersten Schicht und der Kathode blieb aber deutlich ein
lichtschwaches ziegelrothes Lichtwölkchen (w) zu erkennen***). Näherte
ich jetzt, wie oben, Hand oder Stanniol (S in Figur 27, 28 und 29),
so wui'de die Säule des bekannten Anodenlichtes nur wenig beeinflusst,
um so mehr aber das ziegelrothe Lichtwölkchen. Hierbei zeigte sich, dass
diese Lichtwolke nur ein Theil einer die Anodenlichtsäule mindestens
20 cm weit durchdringenden, von dieser aber so gut wie unabhängigen
Lichterscheinung war. Durch Nähern des Leiters S Hess sich auch jetzt
noch (ganz wie in Figur 24 und 25) aus der Rohnnitte an die entgegen-
gesetzte Rohrwand eine geschichtete Lichtsäule drängen (Figur 27 und 28),
ganz, als ob die ihrerseits geschichtete Anodenlichtsäule gar nicht vor-
handen wäre. Durch Verschieben des Leiters längs des Glasrohres liess
sich constatiren, dass das vom Leiter bewegte Schichtensystem stets die
erste Schicht gegenüber der Berührungsstelle des Leiters ausbildete; dass
an dieser ersten Schicht nach der Anode zu eine ganze Reihe (10 bis 15)
weitere aequidistante Schichten hingen, welche bei einer durch Bewegung
des Leiters veranlassten Verschiebung der ersten Schicht sämmtlich mit-
genommen wurden, dass diese lichtschwache zweite Schichtung auch vor-
handen war bei Abwesenheit des Leiters und dass die lichtschwachen
Schichten in diesem Falle meist zusammenfielen mit den Schichten des
Anodenlichtes (mit Ausnahme der ersten, der schwachen Lichtwolke).
Es hatte demnach ganz den Anschein, als ob zwei von einander un-
abhängige, gegen äussere Einflüsse verschieden empfindliche Lichters<;hei-
nungen , jede mit selbständiger Schichtung, sich durchdrängen. Mehr-
maliges Lufteinlassen in das Rohr und erneutes Auspumpen, Vorschalten
von Widerständen an Anode oder Kathode, Ableitung von Kathode oder
Anode zur Erde, alles dies änderte die Erscheinung nicht wesentlich.
Durch Stromstärkenvermehrung bis zu 1/600 Ampere konnte freilich die
*) Fig. 22 und 23 sind etwa in ’/s nnt. Grösse, Fig. 24 bis 29 etwa in V, nat. Grösse
schematisch gezeichnet, jedoch ohne genaue Innehaltung der relativen Grössenverhältnisse
der Lichter.
•*) Auch Uchtschwache, verwaschene, wandernde Leuchtmassen waren in diesem
Stadium (im rotirenden Spiegel) ab und zu zu bemerken.
*♦*) Mit der ersten Anodenschicht war das lächtwülkchen keineswegs zu verwechseln;
es war wesentlich lichtschwächer als alle Anodenschichten, auch stand es von der ersten
derselben weiter ab als die Anodenschichten unter einander. Auch sonst zeigte die
Lichtwolke besondere Kigenthiimlichkeiten.
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24
Scliichtenzahl des Geissler’schen Anodenlichtes vermehrt, die eigenthüm-
liche lichtschwache zweite Entladungserscheinung aber nicht zum Erlöschen
gebracht werden. Beobachtungen im rotirenden Spiegel schienen darauf
hinzudeuten, dass beide Entladungsarten zeitlich rasch alterni-
rend im Uohr auftraten.
Bei Verdünnungen unter O.oi cm nimmt die Ausdehnung und Licht-
intensität der Glimmlichtstrahlen rasch zu, ebenso die Glasfluorescenz,
(erzeugt durch die alle Schichten allmählich durchdringenden Kathoden-
strahlen). Im Glanze dieser Lichterscheinungen verschwindet zuerst das
(ziegelrothe) Lichtwölkchen, dann auch das mehr und mehr verblassende
geschichtete Anodenlicht, schliesslich erstrahlt das ganze 60 cm lange
Glasrohr im blendenden hellgrünen Fluorescenzlichte und sendet seiner
ganzen Länge nach die bekannten Itüntgenstrahlen aus.
Trotz der in diesem Abschnitte geschilderten und anderer weniger
interessanten Complicationen der Erscheinungen ist es kaum zweifelhaft,
dass die nahe continuirliche Entladungsart (Kugclfunken, Büschellicbtbogen)
und die gewöhnliche continuirliche Geisslerrohrentladung sich ohne üu-
stätigkeit ineinander überführen lassen, dass beide Entladungen derselben
Art sind.
Die gewöhnlich auftretende Anndeidichtsäule der continuirlichen Ent-
ladung ist wahrscheinlich aufzufassen als eine Lcuchtmasse (resp. auch
nach den Angaben am Schlüsse des 12. Abschnittes als mehrere vollständig
ineinander geHossene Leuchtmassen) des positiven Antheiles. Der aus-
gezeichneten Stelle entspricht dann das Gebiet zwischen der Anodonlicht-
säulo und dem ziegelrothen Lichtwölkchen, wir haben also dieselbe
Entladungsform vor uns, welche Fig. 10 Abschnitt 2 für den
Elektricitätsdurchgang durch Funkenstrecken in freier Luft
zeigt. Fehlt, wie es wohl in der Kegel der Fall ist, das ziegelrothe
Licht ganz, so fallen Trenuuugsraum und ausgezeichnete Stelle zusammen.
Bei der Entladung in freier Luft (Fig. 10) bildete sich, wie schon an-
gegeben, die ausgezeichnete Stelle immer in nahe gleichem Abstande von
der Halbleiterkathode aus, das positive kanninrothe Licht endigte stets
in gleicher Entfernung von der Kathode; das .\nalogon hierzu ist die von
Faraday bemerkte Thatsache, dass die Anodenlichtsäule (in gasverdünnten
Käumen) bei Verschieben der Elektroden stets in nahe demselben Abstande
von der Kathode endigt.
In Abschnitt 7 wunle nun gezeigt, dass die Entladungsform der
Fig. 10 nur ein Specialfall einer allgemeineren, vollständigeren ist, deren
Schema sich gleichfalls in Abschnitt 7 angegeben findet. Wir haben
demnacb anzunebmen, dass auch die gewöhnliche Geisslerrohrentladung
(ebenso wie ihr Analogon Fig. 10) nur ein (in der Regel auftretender)
specieller Fall einer ganzen Anzahl möglicher Eutladungsformen ist*),
deren Lichtcrbildung sich auf das .\bschnitt 7 angegebene allgemeinere
Schema zurückführen lässt. Letzteres würde freilich noch durch einige
erst in gasverdünnten Räumen zu beobachtende Einzelheiten zu er-
gänzen sein.
*) Welche Entla<lungKf()rm Rpccicll bei lien Beotjachtmieen im Abschiiin 13 mit
der gewöhiiliehcii alteniireml auftiat, muss (luhiin;estcllt bleiben. Mehrere Schichten-
svHtcnie bei (leii.ielbeii Dmekbciliiignnfren beobachtete auch V. Felix; vcrgl. Sitzungsber.
lies uaturwiss. Vereins f. Schleswig-Uulsteiu, Ud. XI, 1H!*6, p. 21.
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25
Der Zerfall der Anodenlichtsäule in die bekannten Anodenschichten
Ö. Phot. 3G — 45) ist nur ein specieller Fall der oft zu beobachtenden
ache, dass ausgedehntere Lichter leicht in Unterabtheilungen zer-
fallen (wie es z. B. Fig. 21 für das erste Lichtniaximum des ziegelrothen
Lichtes zeigt; vergl. vor Allem auch Fig. 24). Diese Schichtung des
(Geissler’schen) Anodenlichtes ist nach den verschiedensten Seiten durch-
forscht. Der Vollständigkeit halber sei durch Phot. 36 bis 45 für das
Rohr C die Abhängigkeit der Stellung dieser Schichten von Druck und
Stromstärke illustrirt*); zugleich wollte ich durch den Anblick letzterer
Photogramme im Vergleiche mit Phot 29, 30 und 31 den grossen Unter-
schied zwischen dem Zerfalle der üesammtentlailung in Leuchtmassen und
der Schichtung des Anodenlichtes anschaulich hervortreten lassen.
Beiden Schichtenbildungen (Leuchtmassen und Anodenschichten) sind
gemeinsam :
Die Abnahme der Ausbildungsschärfe der Schichten mit
zunehmender Entfernung von der Kathode.
Die Aequidistanz der Schichten.
Die Abnahme des Abstandes benachbarter Schichten mit
wachsender Stromstärke.
Dagegen unterscheiden sich beide Schichtungsarten dadurch, dass
bei höheren Drucken die erste der alsdann entstehenden Leuchtraassen
(von der Kathode aus gezälilt) mit wachsender Stromstärke sich der
Kathode nähert, während die erste Anodenschicht der bei niederen Drucken
entstehenden Lichterscheinung sich mit wachsender Stromstärke von der
Kathode entfernt (vergl. Phot. 29 bis 31 mit 36 bis 40).
In dem Druckbereiche, in welchem beide Schichtungserscheinungen
zugleich auftreten, besitzen die „Leuchtraassen“ viel grössere (ca. die
10 fache) Längenausdehnung als die Anodenschichten.
Januar 1898.
Physikalisches Institut
der K. Technischen Hochschule zu Dresden.
*) Es war hierlipi
No. des Phot.
38
37
3M
;i9
40
41
42
43
44
46
Druck in cm Hg
Mittl. Strom.st.
in Tausentel
0,019
0,019
0,019
0,019
0,019
O,0027
0,0027
ü,0027
0,0027
O,0027
Ampere
0,n
0,50
I
0,8S
i,18
1,42
0,31
0,58
0,80
liH
1,51
Bei allen Photogrammen (3G bis 4.'j) war die Expositionszeit die gleiehe, je ca.
5 Seennden.
Da bei Stromvermehmng der Abstand der ersten Anodenschicht von der Kathode
zn-, der Abstand der Schichten unter einander jedoch abninimt, so rückt zwar die erste
Anodenschicht bei Stromvemiehning von der Kathode ab, gleichzeitig kommen jedoch
ferner stehende Schichten der Kathode näher (vergl in Phot. 41 bis 4.Ö die Lagen-
ändemng der ersten etwa mit der zehnten Schicht, beide von der Kathode aus ge-
zählt).
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26
Erklärung zn Tafel I.
No.
Ver-
Druck in
Abschn.,
Phot.-Pl.
Art der
der Photo-
grösser-
cm
Kathode Anode
indem da^
während
Ent-
grapbie
ung
Queok-
1
Phot, be-
der Auf-
laduug
(GeRennt. I)
Silber
handelt ist
nähme
1 bis 5
2
ca. 70
Messingsp. Basaltpl.
1
mhend
1 nahe con-
6 bis 9
2
1
1 tinuirl.
10
0,70
«• «
1
(Entldg. in
11
0,70
•• n
4
bewegt
1 freier Luft
12 bis 10
0,70
ca. 70
Messingsp. Jb-ssingsp.
5
mhend
i. Glasrohr
17 bis 19
0,63
ca. 70
MeotiDgkugel ßasaltpl.
H
bewegt
1 Verlang».
20
0,76
. Scbicferpl.
0
mhend
I Battofieraü.
21
U
. Basaltpl
0
bewegt
(ln freier La fl
22
1
■
7
—
Zi bis 28
0,188
ca. 4
Kupfersp. Kupfersp.
9
mhend
)nahc eont.
29 bis Bl
0,1SS
5,3
Alnm.-Pl. Alum.-Pl.
10
^ Entl. bei
32 bis 35
ca. 4
12
J Luftverd.
30 bis 40
0yl67
0,01»
" i ^
13
40 bis 4.Ö
0,167
0,oo»7
1.
13
"
Alle Photogi'amrae geben elektrische Entladungen in Luft wieder.
Die Kathode liegt in allen Photogrammen links (nur in Phot 21 unten,
in Phot. 22 oben). Die jo zusammengehörigen Phot. 1— 5, 6 — 8, 12 — 16,
23—27, 29—31, 36—40, 41 — 45 zeigen Lichterscheinungen je unter
sonst gleichen Umständen nur hei schrittweise vermehrter Stromstärke.
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II. Studien über den Dresdner Haidesand.
Von Oberlehrer Dr. H. STessig.
Wenn es heute nicht mehr zweifelhaft erscheint, dass die ausgedehnten
Ählagerungen sandiger Sedimente, sowohl im Dresdner Elbthalkessel, wie
am Abfalle und auf der Lausitzer Hochfläche selbst, den Fluthen der
diluvialen Elbe zuzuschreiben sind, so wissen wir doch über die Herkunft
des klastischen Materials, über die Antheiluahme von eruptiven und von
Schichtgesteinen der näheren und weiteren Umgehung noch recht wenig. Im
Allgemeinen begnügt man sich damit, die Beisteuer zur Sandbildung den
im heutigen Stromgebiet der Elbe anstehenden Felsarten zuzuschreiben,
obwohl viele dieser Gesteine, z. B. die Lausitzer Granite, nach ihrem grusigen
Zerfall und nach Abrollung der discreten Gesteinspartikel so wenig
charakteristische Bestandtheile liefern, dass man sie aus dem wirren Durch-
einander der Sandkörner nicht mehr auf ihr Ursprungsgebiet zurückführen
kann. Was vom Granite gilt, lässt sich auch von dem archäischen Grund-
gebirge sagen, welches bei der jedenfalls ganz erheblichen Erosion der
Wasserläufe im Quellgebiet der Elbe angeschnitten und nach der Zer-
störung als von granitischen Zerfallproducten nicht unterscheidbares Ge-
trümmer den Schwemmgebilden einverleibt worden ist. Es erscheint dem-
nach geradezu unmöglich, die im Elbsande, Thalsande und Haidesande
vorherrschenden, gewöhnlichen Quarze, das relativ widerstandsfähigste
Material dieser Bildungen, auf Granit oder Gneiss zurückzuführen. Anders
steht es mit den spärlicheren Quarzen von grauer bis graublauer, ja bis-
weilen Cordierit-ähnliclier Färbung, bei denen es möglicherweise gelingen
wird, das Ursprungsgebiet zu ermitteln. Es dürften die grauen bis rauch-
grauen Quarze zumeist aus dem Granitit oder einglimmerigen Granit der
Lausitz und des lliesengebirgsmassivs, die mehr Cordierit-ähnlichen*) aus
dem nur in untergeordneteren Partieen im Granitit vorkommenden, zwei-
glimmerigen Granit stammen. So beobachtete Jokely**) Cordierit- ähnliche,
blaugraue Quarze im Granit von Hohenwald und Wetzwalde im Isergebirge,
und mir gelang es, solche ganz charakteristische Quarze zu entdecken in
einer Probe von rothliegenden Conglomeraton, die. ich aus Schlesien, von
dem am Bober gelegenen Frauenberge zwischen Löwenberg und Lähn
*) ErlHuternngen za dergeologischenUebcrsichtskartc von Schlesien, von Dr. Georg
Güricn. Breslau 1890, S. 9 und 13.
•*) Jahrliucli der geologischen Reich.sanstalt 18.o9, S.376; vergl auch Zirkel:
Petrographie 11, S. 7.
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28
erhielt. Diese Mineralkörner sind mit Sicherheit auf die Hirachherger
Graniteinlagerung zurückzuführen. Im Gegensatz hierzu fehlen die blauen
Quarze in einer Probe des Rothliegenden vom „Rothen Berge“ zwischen
Löwenberg und Ilagendorf, da Granit in der Umgebung nicht auftritt.
Noch günstiger wie für diese grauen und graublauen Quarze scheinen die
Verhältnisse für die in den Sanden so auffälligen, gelblichen und rosen-
rotheu Körner dieses Minerals zu liegen. Sie finden sich nicht nur in den
recenten Flusssanden des Elhstromes, sondern auch in den diluvialen
Thal- und Haidesanden, ja sie bilden einen oft recht häufigen Bestandtheil
vieler grobkörnigen Quadersandsteine, besonders des Brongniarti-Hori-
zontes.*) Massenhaft konnte ich dieselben im verwitterten Sandstein
des mittleren Gipfels der Kaiserkrone, im Quader oberhalb des Schramm-
thores und an anderen Orten nachweisen.
Was zunächst die Färbung dieser Körner anbetrifft, so scheint die
rosenrothe Farbe bewirkt zu werden durch Titanoxyd-haltiges Eisenoxyd,
welches die ganze .Mineralmasse gleichmässig durchtränkt, auf feinsten
Haarrissen und Mikrospaltcn infiltrirt erscheint. Daher erklärt es sich
auch, dass eine Behandlung mit Säuren keine Entfärbung zur Folge hatte.
Um nun zu entscheiden, oh etwa ein Gehalt an Bitumen die Färbung
bewirkt, wurden rothe Quarzkörner im Gebläsefeuer geglüht, aber keine
Zerstörung der färbenden Substanz erzielt, im Gegentheil, die gelblichen
Quarze wurden durch das Glühen zu rosenrothen, eine Erscheinung, die
uns erkennen lässt, dass das gelbfärbende Pigment Eisenoxydhydrat ist,
welches durch Wasserverlust in Eisenoxyd übergeht.
Woher stammen nun diese charakteristischen Bestandtheile der
schüttigen Sande wie der cementirten Sandsteine? Dass diese Körner in
die diluvialen Sande zumeist erst aus zerstörten Quadersandsteinen gelangt
sind, ist bei der weiten Verbreitung derselben in solchen Felsarten und bei
der ausgiebigen und noch heute fortgesetzten Erosion dieses cretaceischen
Schichtcncomplexes leicht einzusehen, anders steht es mit der Frage, von
woher diese farbigen Mineralkörner in die Sandsteine gelangt sind. Nimmt
man die geologischen Karten der Sudeten und des Böhmerlandes zur Hand,
überhaupt des Elbstromgebietes, so erkennt man, dass die Urgesteine,
Gneiss- und (ilimmcrschiefer zumal, ebenso der Granit grosse zusammen-
hängende Areale eiunehmen, dass aber die Sedimentärforraationen in mehr
oder minder zerschlitzten und isolirten Lapiien und Fetzen erscheinen.
Dies gilt namentlich von den Bildungen der oberen Kreide, weniger von
denen der Uenomanstufe, besonders aber noch von dem Rothliegenden und
dem Silur. Es unterliegt keinem Zweifel, dass alle diese Formationen einst
zusammeidiängende Gesteinsfelder gebildet haben, dass aber eine gewaltige
Erosion und Abtragung sie auf die heute noch vorhandenen Reste reducirt
hat. Am greifbarsten ist die Ausnagung der cenomanen Felsgebilde im
Gebiet der Ileuschouer, wo die Adersbacher und Weckelsdorfer Felslabyrinthe
eine verständliche Sprache reden. Die Formation nun, welche infolge ihrer
beträchtlichen Abtragung namentlich in Frage kommt, wenn es sich darum
handelt, für unsere rothen Elbquarze die Heimath zu ermitteln, ist das
Rothliegende. Es findet sich am Nordabfalle des Riesen- und Eulengebirges
im Verein mit dem Zechstein in vielen isolirten Fetzen erhalten, füllt im
*) Sect. Königstein, S. 12; I.sisberichte 1895, S. 78, und 1897, 3.27.
' / C'iooglc
29
Süden den Innenraum der Waldenburger Kohlenmulde*) aus, in dessen
Mitte es vom Kreidegebirge überdeckt wird, und greift dann bei Schatzlar
über das Carbon in einem inselartigen Reste über, der letzte Zeuge der
einst zwischen dem nordböhmischen Uothliegenden und dem der ülatzer
Mulde vorhanden gewesenen Verbindung. Hier, wo eine intensive Erosion
den Zusammenhang zerstörte, fiiesst heute ein Nebenfluss der Elbe, die bei
Josephstadt in die Elbe sich ergiessende Äupa, die unterhalb Trautenau
noch Zuflüsse aus dem Rothliegenden - Rest von Schatzlar und dem der
Waldenburger Carbonnmlde empfängt. In Nordböhmen bildet das von der
Aupa und Elbe durchflossene Rothliegende eine breite Zone, die zwischen
Iser und Aupa auf dem krystallinischen Schiefermantel der Riesengebirgs-
Granitellipse aufruht Hier, meine ich, hat man den Ursprung vieler Be-
standtheile des Quaders und der Thal- und Haidesande, vielleicht auch die
Heimath unserer farbigen Quarze zu suchen. Die Gesteine, welche daselbst
das Rothliegende aufbauen, sind rothe Sandsteine und Conglomerate, **)
und von den letzteren wird berichtet, dass sie namentlich aus Quarzen
bestehen. Auch das Gebiet des Rothliegenden, welches sich nördlich von
Pilsen ausdehut und von der Berauii durchflossen wird, dürfte mit seinen
Zerstörungsproducten zur Sandbildung des Elbstromes beigetragen haben,
zugleich mit den silurischen Kieselschiefern, die im Berauner, Rakonitzer
und Leitmeritzer Kreis von der Uslawa, Rakonitza und Beraun aufge-
nommen und in die Elbe eingeschwemmt worden sind, in deren jüngsten
Geröllabsätzen sie so häufig erkennbar sind.***) Wir haben bisher das
Rothliegende nur für die Mitbildung der Quader- und Diluvialschichten in
Anspruch genommen, doch sind auch von einem böhmischen Geologen,
Herrn Prof. Hibschf) Gerölle und Geschiebe aus dem Rothliegenden im
Tertiär (Oligocänsande) erkannt und ein Transport aus dem Osten des
Böbmerlandes nach dem Elbgebiet angenommen worden.
Selbstverständlich haben auch die vom Ostabhange des Böhmerwaldes
und vom mährischen Hügelland herabkommenden Zuflüsse des Elbstromes
sieb an der Schutt- und Geröllabfuhr betheiligt, doch kommen dieselben aus
Gebieten, wo fast ausschliesslich archäische Schichten abgetragen, also keine
charakteristischen Gesteinstrümmer geliefert wurden. Bei der ausseror-
dentlichen Mächtigkeit der noch vorhandenen Kreideformation muss auf
eine ganz gewaltige Abtragung in den archäischen Gebieten sowohl, wie im
Bereich der paläozoischen Formationen geschlossen werden, die in der meso-
zoischen Zeit fortgesetzt, in der Zeit des Diluviums ihr Maximum erreichte
und die z. B. in der heutigen sächsischen Schweiz fast den ganzen Ueber-
quader abtrug, der sicher einst in grösserer Ausdehnung den Oberquader be-
deckte. In der Richtung der Elbthalspalte wurde die Erosion weiter ge-
führt, bis bei Niedergrund die Grundschwelle des Lausitzer Granites erreicht
und das cafionartige Elbthal fertiggestellt wurde. Leider ist es mir bisher
noch nicht gelungen, geeignete Proben des Rothliegenden vom Südfusse
des Sudetenzuges zu erhalten, um die Frage nach der Herkunft der rosen-
rothen Quarze endgültig zu entscheiden, immerhin aber hat die Prüfung der
schon erwähnten Proben des Rothliegenden, wie es in der Umgebung von
*) G. Gürich, a. a. (), S. 90 ; Creilner: Geologie, 8. Anfl., 1897, S. 510,
•*) G. G ürich, a. a. 0. S. 91.
*•*) F. Zirkel: Petrographie III, S. 545.
f) .1. K. Hibach: Geologische Karte des bShmisiheii Miltelgebirge.s, Blall I
(Tetachen), 8.27; Blatt III (Bensen), 8. 9, 10.
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30
Löwenl)erg entwickelt ist, die Abstammung der fraglichen Mineralkörner
aus dieser Formation höchst wahrscheinlich gemacht. Vor einer Täuschung
hat man sich bei diesen Untersuchungen zu hüten. Die feinkörnigen Trümmer-
gesteine, wie sie auch in unserem Döhlener Becken Vorkommen und im
Profil des Windbergesund des Backofenfelsens aufgeschlossen sind, enthalten
gleichfalls zahlreiche durch eisenschüssigen Detritus pigmentirte Quarze,
doch hier durchdringt das färbende Eisenoxyd meist nicht das Mineral-
korn, sondern überzieht es nur als abwaschbare oder durch Säure ent-
fernbare Haut.
Die Betheiligung der rothen und gelben Quarze an der Zusammen-
setzung der diluvialen und recenten Sande des Elbthales ist meist eine
solche, dass von einem Einflüsse auf die allgemeine Färbung dieser
schüttigen Sedimente nicht wohl geredet werden kann. Der Farbenton
wird vornehmlich bestimmt durch die überwiegenden grauen und weissen
Quarze und die anderen Gesteinspartikel, unter denen die gerundeten
Grusbrocken des Lausitzer Granites bisweilen eine hervorragende Rolle
spielen, ln der Hauptsache wird die Färbung durch einen mehr oder
minder starken Gehalt von Eisenoxydhydrat bedingt, der den Sanden eine
gelbliche Farbe verleiht. Neben diesem vorherrschenden Farbenton sind
es besonders noch zwei Färbungen, die unser Interesse erregen, einmal
die intensiv dunkelrothbraune Pigmeutirung, wie sie im Bereich des
Eisenborngrundes und in der Sandstufe südlicb vom Wolfshügel entwickelt
ist, und eine fast schneeweisse, an Oligocänsande erinnernde Beschaffenheit.
Die chemische Prüfung der rothbraunen Sande ergab, dass die als Pigmeut-
haut die Sandkörner überziehende Schicht vorzugsweise aus Eisenoxyd
und etwas Manganoxyd besteht. Woher rührt aber der starke Eisengehalt
dieser Sedimente? Nun der Name Eisenborubach verräth uns schon, dass
er seinen Ursprung an einem Orte hat, wo eisenhaltiges AVasser dem Boden
entquillt, und damit sind wir zugleich in ein Gebiet unseres Haideplateaus
verwiesen, in dem mir die Lösung der interessanten Frage nach der Her-
kunft des Eisenpigmentes in schöner Weise gelungen ist.
Wie bekannt, enthält unsere Haide zwischen dem der Elbe zuge-
wandten Steilrande und dem erst in Lausitzer Richtung eingeschuittenen,
dann in die zwischen dem Meissner und Lausitzer Massiv vorhandene Ver-
werfungskluft einleiikenden Priessnitzbache ein zerlapptes Sumpfgebiet.
Das granitische Grundgebirge weist vielfach Senkungen und flach mulden-
förmige Vertiefungen auf, die meist miteinander communiciren. Vereinzelt
heben sich Rücken und Buckel des Grundgebirges aus dem flachen Sumpf-
lande heraus, so <lass es dadurch seinen zerlappten Charakter gewinnt.
In früheren Zeiten jedenfalls fast abflusslos, wird es jetzt durch eine Anzahl
kleiner Rinnsale, welche die granitische Randschwelle durchsägt haben,
nach der Elbe zu durch das verlorene Wasser, den Eisenbornbach, den
Gutebornliach, den Mordgrund- und den Loschwitzbach entwässert. Auch
nordwärts, nach der Priessnitz zu findet eine theilweise Entwässerung
statt. Wenn nun durcli die muldenförmigen Depressionen des Granites
die Gelegenheit zur Bildung von Moorgebieten gegeben war, so wurde sie
factisch bewirkt durch die Verwitterung dieses Gesteines, dessen Zer-
setzungsrückstände bekanntlich Wasser undurchlässige Thone sind. Dieser
mechanisch-chemische Umwandlungsprocess Hess aber auch Minerallösungen
entstehen, die thcils durch die natürlichen Abzugskanäle fortgeführt, theils
im Sumpfgebiet zurückgehalten wurden und dort Mineralstofie zur Aus-
31
Scheidung brachten. Ein solcher Bestandtheil ist das Eisen. Vergleicht
man chemische Analysen von Graniten im frischen und im angewitterten,
schliesslich im verwitterten Zustande, so erkennt man sofort eine relative
Anreicherung der Kieselsäure, der Thonerde und des Eisens, während der
Alkaliengehalt schnell abnimmt. Zum Vergleich dienen drei Analysen des
Granites vom Hauzenberg bei Passau.*)
I.
II.
III.
Si 0, . . .
Frisch:
Verwittert:
Gefüge gelockert
. 73,13
73,71
73,78
A1,U, . .
. 10,50
10,78
11,61
Fbj Oj . .
. 3,16
3,18
3,76
Mg 0 . . .
. 1,12
0,82
0,99
K,0 . . .
. 9,04
8,51
7,07
Na- 0 . . .
. 1,80
0,92
0,33
H,U . . .
. 0,46
0,92
1,76.
Diese Zunahme namentlich des Eisenoiydgehaltes unter gleichzeitiger
Abnahme des Gehaltes von Eisenoxydul wurde neuerdings von der geo-
logischen Landesuntersuchung des Grossherzogthums Hessen am Granit
von Weinheim**) beobachtet. In unserer Haide, wo in den Depressionen die
Verwitterung des Granites grosse Fortschritte gemacht und thonige Lagen
im Grunde geschaffen hat, sind nun die Bedingungen für die Abfuhr der
durch die Granitverwitterung geschaffenen Rückstände verschieden. Stellen-
weise wird nach der Vergrusung, d. h. nach dem schüttigen Zerfall der
Felsart, das zersetzte Gestein schnell seiner leicht abschlämmbaren Be-
standtheile, wie der Glimmerblättchen beraubt, es verliert beim Abrollen
der Grusbrocken in den Rinnsalen alsbald die braune, auf hohen Eisen-
gehalt deutende Färbung, und die in kürzester Frist abgerollten Körner
erscheinen dann als Bestandtheile des Sandes in den Bächen. Ein Ort,
wo man dies auf einer Strecke von wenigen Metern beobachten kann, ist
der. Wassergraben zur Rechten der Strasse, die von der Haidemühle auf-
wärts nach der Hofewiese führt. Nicht immer aber gelangen die Ver-
witterungsproducte gleich in schnellfliessende Gewässer. In den Sumpf-
regionen schwängern sich die stagnirenden Wasser mehr und mehr mit
Mineralsolutionen und es kommt alsbald zum Absatz dieser Producte,
namentlich der Eisenverbindungen gewöhnlich direct auf dem in der Zer-
setzung begriffenen Granitgesteiue, dessen Feldspath, mehr noch dessen
Glimmer das Eisen geliefert haben. So kommt es zur Bildung von Braun-
eisen, und wo organische Säuren mitwirken, zur Bildung von Raseneisen-
stein,***) während das in Lösung bleibende und vom fliessenden Wasser
Weggefährte Eisen sich entweder in den von den Abflussrinnen durch-
schnittenen Sandschichten ahsetzt und dieselben dann roth färbt oder durch
die Lebeusthätigkeit von Mikroorganismen allmählich ausgeschieden wird.
Es ist mir gelungen, in der Umgebung des Flügel C, zwischen
Schneise 16 und 14, wo man in diesem Frühjahr gerodet und neue Culturen
angelegt hat, die Verwitterung des Granites, der hier übrigens von einem
schönen Schriftgranitgang durchsetzt zu werden scheint, die Eisenab-
•) Zirkel; Petrographie II, S 31.
**) Urläntemngen zur geol. Karte des Grossherzogthums Hessen, IV. Lieferung:
Blätter Zwingenherg und Bensheim, S. 42.
**•) Vergl. Section Pillnitz, S. 56.
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Scheidung in Form von Brauneisen und Raseneisen nachzuweisen. Wir
sehen hier den übrigens nicht aufgeschlossenen, sondern nur in Form von
zahlreichen Fragmenten im Moorboden eingebetteten Granit mit einer
eisenschüssigen Verwitterungskruste auftreten, die sich bei fortschreitender
Zersetzung verdickt und auf welcher alsbald kleine Inkrustate von Braun-
eisen sich zeigen, bis endlich hei dem schaligen und schüttigen Zerfall des
alterirten Gesteines das Eisenerz die restirenden Granitkenie und den
sandigen Schutt verkittet und in mehr oder minder dicken, schwammigen
Lagen im Boden zur Ausscheidung gelangt. Was hier von dem Eisen-
gehalt in das Bereich der Abflussrinnen gelangt, erscheint alsbald als
schmierig rostbrauner Belag auf dem Boden der leise sickernden und träge
rinnenden Wasseradern. Die chemische Untersuchung der Brauneisenerze
ergab neben dem Eisenoxyd nur einen schwachen Gehalt von Manganoxyd,
ein Umstand, der seine Erklärung darin findet, dass die Granite über-
haupt entweder gar kein Mangan oder nur Spuren desselben enthalten.
Bekannt ist ein Mangangehalt eigentlich nur von britischen Graniten.
Auffällig bleibt nun noch, dass gerade in diesem Sumpfgebiet, wo die
färbenden Eisensolutionen Alles durchdringen, ganz schneeweisse Haide-
sande verkommen, und zwar entweder auf breiten, höher liegenden Moor-
rücken oberflächlich oder in den Ahflussrinnen schnellfliessender Ge-
wässer. Hier ist es das schnell zu Thal rinnende Wasser, auf höher ge-
legenen Moorrücken das aufschlagende Regenwasser, welches den Eisen-
schuss rasch auswäscht und Quarze und Granitkörner ohne Brauneisen-
steinhaut zurücklässt.
Interessant ist hier ein Vergleich mit der rasch fliessenden Priessnitz.
Zum Zwecke der Wasserversorgung der Militäranstalten der Albertstadt
hat man vor Kurzem drei Bohrlöcher unten im Grunde zwischen der
„Neuen Brücke“ und der „Kücheubrücke“ geschlagen, aber in den durch-
teuften Sandeu keine oder nur unbedeutende Spuren von Eisenschuss
beobachtet. Die Bohrlöcher stehen bei 26,50 m Tiefe im kiesigen Haide-
sande, der neben zahlreichen rosenrothen und gelben Quarzen in den Kies-
lagen auffällig viel Geschiebe von böhmischen Basalten aufwies, zum
Zeugniss dafür, dass auch hier die diluvialen Gewässer böhmisches Ge-
schiebeinaterial zum Absatz brachten.
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III. Ueber die Bedeutung der Milch als Nahrungsmittel.
Von Dr. med. Arthur Sohlossmaim.
Unter Milch versteht man ein Secret des thierischen Körpers, das
von gewissen Thierarten, nämlich den Säugethieren, und zwar im Allgemeinen
nur von den weiblichen Individuen dieser Klasse und auch nur in gewissen
Entwickelungsphasen ausgeschieden wird. Das Organ, dem die Secretion
der Milch zukoromt, sind bekanntlich die Brustdrüsen, die im Anschluss
an die der Befruchtung folgenden Vorgänge während der Schwanger-
schaft resp. Trächtigkeit sich successive entwickeln und so in der Lage
sind, nach der Geburt dem jungen Individuum, das bisher direct alles
zu seinem Aufbau Nöthige von der Mutter bezogen hatte, wenigstens in-
direct noch eine gewisse Zeit in ähnlicher Weise als Nahrungsquelle zu
dienen. Die Ernährung des eigenen Jungen, das ist also die Aufgabe der
Milch eines jeden Individuums und dieser seiner Aufgabe vermag die
Milch einer jeden Thierart auch vollständig gerecht zu werden, denn die ,
Milch jeder Thierart enthält alles das, was das betreffende Junge zum
Aufbau seines Körpers sowie zum Unterhalt seiner vitalen Functionen
wenigstens für eine gewisse Zeit seines Lebens bedarf. Hierüber lässt ja
schon die tägliche rirfahrung gar keinen Zweifel aufkommen, die uns
immer von Neuem zeigt, wie durch die Milch des mütterlichen Organismus
das junge Säugethier und allen voran der junge Mensch in seiner Ent-
wickelung gefördert wird. Da somit die Milch jeder Säugetliierart für
kürzere oder längere Zeit Individuen derselben Klasse als einzige Nahrung
dient und auch genügt, so müssen wir die Milch als ein Nahrungsmittel
im allerweitesten Sinne dieses Wortes auffassen. Ja, kein anderes Nahrungs-
mittel kann sich der Milch in dieser Beziehung an die Seite stellen, da
keins im Stande ist, für sich allein genossen dauernd dem Menschen in
irgend einer Phase seines Lebens alles das zuzuführen, was er zur Ver-
richtung der ihm obliegenden Lebensthätigkeiten bedarf. Ist die Milch
ein vollständiges Nahrungsmittel, das den Anforderungen des Säuglings
als einzige Nahrung ganz genügt, so muss sie auch alles enthalten, was
zur Unterhaltung des thierischen Lebens erfahrungsgemäss unbedingt
nöthig ist, uämlich Wasser, Eiweiss, Fett, Kohlehydrate und anorganische
Salze, denn aus diesen Bestandtheilen setzt sich ja bekanntlich der thierische
Körper zusammen, und da fortgesetzt einzelne Theile dieser Substanzen
zu Grunde gehen und ausgeschieden werden, so muss eben für ihren
Ersatz Sorge getragen werden. Dieser fundamentalen Anforderung wird
also die \Ulch in vollem Maasse gerecht, indem sie alle diese Bcstand-
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theile enthält. Ich füge liier gleich ein, dass das quantitative Verhältniss,
in dein die verschiedenen llestandtlieile der Milch zu einander stehen, ein
sehr verschiedenes ist, je nachdem von welchem Säugethiere die Milch
stammt; ja, auch bei ein und derselben Thierart ist ganz abgesehen von
individuellen oder durch die Ernährung bedingten Verschiedenheiten die
Zusammensetzung quantitativ keine ganz gleichmässige, sondern je nach
der seit der Geburt des Jungen verflossenen Zeit in gewissen Grenzen
differirend. Auf die Bedeutung dieser Thatsachen komme ich nochmals
zurück.
Die Milch aller Thierarten ist eine weissliche bis weisslich- gelbe
Flüssigkeit, die zum grössten Tbeile aus Wasser besteht und die übrigen
Bestandtheile theils gelöst, theils in suspendirtem Zustande enthält. Be-
trachten wir zunächst den Wassergehalt, so ist derselbe bei den ver-
schiedenen Thierarteii ganz besonderen Schwankungen unterworfen und
übt natürlich auf Farbe und Coiisistenz der Milch einen ganz hervor-
ragenden Einfluss aus. So enthält z. B. die Milch des Delphins nur etwa
48 ®/p Wasser, während bei den uns vorwiegend interessirenden Miloharten,
nämuch der Kuhmilch und etwa noch der Frauenmilch, auch vielleicht
noch der Ziegen- und Eselsmilch der Wassergehalt ein bedeutend höherer
ist und zwischen 86 und 90 “ „ schwankt (siehe auch Tabelle auf Seite 38).
In dem das Constituens der Milch bildenden Wasser gelöst finden
sich die Kohlehydrate, die anorganischen Salze und ein Theil der stick-
stoffhaltigen Substanzen. Von Kohlehydraten findet sich in der Milch
aller uns interessirenden Thierarten ein und dasselbe und zwar nur dieses
eine, nämlich der Milchzucker. Der Milchzucker gehört zu der Klasse der
Disaccharide und es ist eine jedenfalls auffällige und bis jetzt noch nicht
genügend erklärte Thatsache, warum die Milch gerade ausschliesslich einen
, ilepräsentanten dieser Zuckerart enthält an Stelle der sonst im Thierkörper
verbreiteteren Monosaccharide. Diese Thatsache wird um so auffallender,
wenn wir berücksichtigen, dass der Milchzucker im Organismus des jungen
Individuums erst wieder in Monosaccharide gespalten wird, ehe er zur Ver-
brennung gelangt. Es zerfällt der Milchzucker dabei in seine beiden
Componenten, in Galactose und De.xtrose. Somit findet in der Milchdrüse
zunächst eine Synthese statt; denn unzweifelhaft wird der Milchzueker
daselbst aus den He.\osen des Blutes aufgebaut, und dieses synthetische
l’roduct wird im jugendlichen Organismus sofort wieder gespalten. Man
könnte nun daran denken, dass die Bindung der beiden Uexosen als ein
Vorgang aufzufassen sei, der dazu dient, dem jugendlichen Organismus Spann-
kräfte zuzuführen derart, dass durch die Spaltung des Milchzuckers mehr
tVärmequellen zugeführt würden, als wie wenn einfach die beiden Uexosen
direct consumirt würden. Diese von mir ursprünglich gehegte Anschauung
ist jedoch eine irrige, denn wie mir Herr l’rofessor Ostwald, au den ich
mich als die auf diesem Gebiete hervorragendste Capacität wandte, freund-
lichst mittheilte, beträgt die Verbrennungswärme der Galactose 6586 Calorien,
die der Dextrose 6646 Calorien, in Summa also 13 232 Calorien, die des
Milchzuckers 13 259 Calorien (alles auf ein Gramm Molekulargewicht be-
rechnet). Es wird somit also beim Zerfall des .Milchzuckers eine geringe
Wärmemenge gebunden, da diese aber nur 2 pro Mille von der gesammten
Verbrennungswärme bidrägt, so kommt sie praktisch nicht in Betracht.
Dahingegen weist mich l’rofessor Ostwald auf ein anderes Moment hin, das
in der That sehr beachtenswerth ist und uns den Schlüssel für die bc-
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sprochene Erscheinung an die Hand geben dürfte. Es liegt ja die Noth-
wendigkeit vor, dass der mütterliche Organismus den Milchzucker aus dem
Blute aufspeichern muss, da ja die Zellen der Brustdrüse und das diese
umspülende Serum während der Ruhezeiten, während der Zeiten also, in
welchen Anforderungen an die Drüse nicht gestellt werden, dafür besorgt
sein müssen, alle die Stoffe, die bei der Milchausscheidung von Nöthen sind,
in grösserer Menge in Vorrath bereit zu stellen. Der Organismus des Kindes
hat umgekehrt die Aufgabe, den Milchzucker der Verdauung zugänglich
zu machen. Da nun aller Wahrscheinlichkeit nach Milchzucker schwerer
dissociirt als seine Bestandtheile, so ist seine Bildung in der Milchzelle
ein ebenso nützlicher Vorgang als seine Spaltung im Darme des Kindes.
Was die Menge an Milchzucker anbetriff't, die in den verschiedenen Milch-
arten enthalten ist, so steht die Frauenmilch obenan mit einem Gehalt
von 6, ja sogar häufig noch höherem bis zu 7 ®/„ reichendem Gehalt,
während die Kuhmilch nur 3,5—4 "L aufzuweisen hat; Ziege und Esel
stehen in dieser Beziehung zwischen Kuh und Mensch. An anorganischen
Bestandtheilen übortrifft die Kuhmilch ganz bedeutend die der anderen
Hausthiere sowie des Menschen; ihr nahe steht die Ziege, es folgen Esel
und Mensch. Der Gehalt an Salzen beeinflusst im Speciellen ebenso wie
die Gesammtzusammensetzung der Milch überhaupt die Entwickelung des
jungen Individuums und so konnte erst vor Kurzem Pröscher*) in Bunge's
Laboratorium zeigen, wie der Aschengehalt und die Gewichtszunahme
in einem ganz eclatanten Verhältniss zu einander stehen. Dabei ergiebt
sich Folgendes: Es verdoppelt sein Gewicht von der Geburt ab
der Mensch in 180 Tagen, Asche der menschlichen Milch 2,2
das Pferd „ 60 „ Aschengehalt der Milch . . 4,1
das Rind „ 41 „ „ „ „ . . 8,o
der Hund „ 8 „ „ „ „ . . 13,1 pro Mille.
In ähnlicher Weise habe ich**) bereits vor geraumer Zeit auf den
Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung der Milch und der Ent-
wickelung der verschiedenen Thierarten hinweisen können.
Gelöst finden sich endlich in der Milch gewisse stickstoffhaltige Be-
standtheile der Milch, so in erster Linie die sogenannten Extractivstoffe,
die wohl in keiner Milch fehlen und die direct aus dem Blute stammen.
Erwähnenswerth, weniger durch die Wichtigkeit, die sie für den Werth
der Milch besitzen, als durch die Regelmässigkeit ihres Vorkommens, sind
Harnstoff, Kreatin und Kreatinin. Ungleich bedeutungsvoller sind die-
jenigen stickstoffhaltigen Substanzen, die in der Milch gelöst enthalten
sind und sich unbedingt nur zu den Eiweisskörpern rechnen lassen. Es
enthält nämlich die Milch aller Thiere, soweit man bisher dieselbe darauf-
hin untersucht hat, ebenso wie die der Frau ausser dem Hauptmilch-
eiweisskörper, dem Casein, noch andere Eiweissköq)er, die sich gerade in
Bezug auf die Art und Weise, wie sie in der Milch enthalten sind, von
diesem unterscheiden. Das Casein nämlich ist nicht eigentlich in der
Milch gelöst, es ist vielmehr in derselben in einem Zustande enthalten,
den man als den der colloidalen Quellung bezeichnen kann. Gerade in
neuester Zeit haben ja derartige colloidale Körper das Interesse der
*) Zeitsebr. für physiol. Chemie, Bd. XXIV.
•*) Zeitsebr. für physiol. Chemie, Bd. XXII.
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36
Chemiker in hohem Grade erregt und ich brauche nur an die Mittheilungen
der Herren Professor von Meyer und l)r. Lottermoser in dieser Gesell-
schaft über das von ihnen dargestellte colloidale Silber und Quecksilber
zu erinnern. Nun, ganz ähnlich scheint die Sache sich bei dem Casein
zu verhalten, auch dieses findet sich in einem colloidaleu Zustande in der
Milch. Neben dem Casein enthält nun die Milch noch andere Eiwoiss-
körper, die im Gegensatz hierzu wirklich gelöst sind. Es sind dies
Globulin und vor Allem ein Albumin, also ein Körper, der dem Serum-
albumin des Blutes und dem Ovalbumin des Hühnereies sehr nahe steht
und mit diesen die Eigenschaft gemein hat, bei höheren Temperaturen
zu coaguliren, andererseits aber sehr leicht resorbirbar zu sein. In
Bezug auf das Verhältniss, in dem Casein zu dem gelüsten Eiweiss steht,
finden sich nun ganz eclatante Unterschiede zwischen den verschiedenen
Milcharten. Wenn auch so manches in dieser Beziehung noch strittig
ist, so lassen sich doch zwei Thatsachen als fest erwiesen annehmen,
erstlich einmal, dass die Milch aller Thierarten unmittelbar nach der
Gebm’t des Jungen wesentlich mehr an gelöstem Eiweiss im Verhältniss
zum Gesammteiweiss enthält, als in späteren Stillperioden. Das geht so
weit, dass die Milch der ersten Tage oder Wochen so viel gelöstes Eiweiss
und zwar im Speciellen gerade Lactalbumin enthält, dass dieses seine
Eigenschaft, bei Erliitzung zu gerinnen, auf die gesammte Milch überträgt.
Wenn Sie also eine solche .Milch sieden, so gerinnt dieselbe in feinen
Klocken. Man benennt eine solche Milch, die sich auch anderweit in
Bezug auf ihre Zusammensetzung noch wesentlich von der der späteren
Milchporiode unterscheidet, Colostrum. Die.ser colostr.ale Zustand der Milch
hält bei den verachiedenon Thierarten verschieden lange an, im Allgemeinen
etwa 10 Tage in maxiino. Es nimmt alsdann der Gehalt an Lactalbumin
ganz wesentlich ab. Als zweite Thatsachc in dieser Beziehung müssen
wir aber daran festhalten, dass keine andere Milchart relativ im Verhältniss
zum Gesammteiweiss soviel Albumin dauernd enthält als die Frauenmilch.
Hierin ist einer der Hauptunterschiede zwischen Frauen- und Kuhmilch
begründet, hierin liegt aber auch die Ursache zu der ebenso bedauerlichen
als bisher durch nichts aus der Welt zu schaffenden Thatsache, dass
S.äuglinge die Kuhmilch um so viel schlechter vertragen als die Mutter-
milch. Der Grund für diese Thatsachen wird uns leicht verständlich,
wenn wir uns vergegenwärtigen, welche Schicksale denn die Eiweisskörper
der Milch bei ihrer Verdauung im thierischen Organismus erleiden. Wenn
die Milch in den Magen kommt, so gelangt dieselbe nämlich zur Gerinnung.
Diese Gerinnung beruht dar.auf, dass das Casein ausgefällt wird und zwar
kommt diese Ausfällung durch zwei Momente zu Stande, einmal nämlich
durch die saure Keaction des Magensaftes, die in erster Linie durch den
Gehalt an Salzsäure desselben bedingt ist, und zweitens durch die Gegen-
wart eines durch die Magendrüsen abgeschiedenen Fermentes, des Lab-
fermentes, dem eben die merkwürdige Eigenschaft zukommt, die Gerinnung
des Caseins herbeizuführen. Wenn Sie den Labmagen eines Kalbes mit
Glycerin ausziehen und sich auf diese Weise eine Lablösung beschaffen,
oder wenn Sie ein getrocknetes Stück Kalbsniagen in eine beliebig grosse
Monge Milch, in .5 — 10 Liter werfen und die -Milch etwa eine halbe Stunde
auf Körpertemperatur — 37 Grad Celsius — erwärmen, so gerinnt die ge-
sammte Milch zu einem dicken Kuchen, über dem eine durchsichtige
Flüssigkeitsschicht, das Milchseium, steht, das aus dem Wasser, den Kohle-
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hydraten, den Salzen sowie dem gelüsten Eiweiss besteht, während das
ganze Casein ausgefällt ist und eben den vorerwähnten Kuchen bildet.
Aehnlich wohl, aber nicht gerade analog, ist das Schicksal der Milch im
Magen des lebenden Thieres, nur kommt es hier nicht zur Bildung eines
zusammenhängenden Coagulums, vielmehr bewirkt die motorische Kraft
des Magens, dass der Inhalt desselben bei der V’erdauung fortgesetzt be-
wegt wird, es bilden sich dabei also statt eines zusammenhängenden
Gerinnsels zahlreiche kleine. Die Grösse und die Festigkeit dieser Ge-
rinnsel ist nun einerseits eine recht verschiedene je nach der Milchart,
denn offenbar ist das Casein der verschiedenen Milcharten nicht ein und
derselbe Körper, sondern es sind chemisch verschiedene, wenn auch zu
einer grossen Familie gehörige Körper. Die verschiedenen Caseinarten
haben aber die Eigenschaft, verschieden zu gerinnen, und zwar gerinnt
am feindockigstcn das Casein der Frauenmilch, während das der Kuh-
milch im Gegensatz hierzu sehr compacte, zähe Gerinnsel bildet. Aber
noch durch andere Umstände wird die Gerinnungsart des Caseins beeinflusst.
So bängt dieselbe wesentlich von dem Fettgehalt der Milch mit ab, indem
die Coagula um so feinflockiger, um so zarter werden, je mehr Fett in
der Milch enthalten ist. Der weit verbreitete Glaube, dass eine magere
Milch leichter zu verdauen ist als eine fette, ist daher in dieser Allgemein-
heit gefasst als Irrthum zu bezeichnen. Weiter hängt die Gerinnungsart
des Caseins von der procentualcn Menge ab, die dieselbe an Casein ent-
hält. Eine Milch, die wenig Casein enthält oder bei der der Case'ingebalt
durch Verdünnen herabgesetzt worden ist, wird immer feinflockiger aus-
gescbieden werden als eine mit höherem Caseiugehalt. Endlich spielt in
gleicher Richtung auch die Gegenwart von gelöstem Eiweiss eine bedeu-
tende Rolle. Aus allen diesen Punkten ist ersichtlich, dass die Frauen-
milch vor der Kuhmilch — ich will mich auf die Gegenüberstellung dieser
beiden Milcharten beschränken — in jeder Beziehung den Vortheil der
feineren Caseingerinnung voraushaben muss. Denn einmal enthält die
Frauenmilch ein Casein, das schon an und für sich ungleich feiner
gerinnt, dann enthält die Frauenmilch noch nicht einmal ganz 1 "/o
Casein, während die Kuhmilch gegen 3 % aufzuweisen hat, ferner
ist die Frauenmilch relativ viel fettreicher, denn dieselbe schwankt in
ihrem Fettgehalt zwischen 3 und 4 während unsere Marktmilch
selten viel über 3 enthält, endlich aber finden wir in der Frauen-
milch ganz bedeutende Mengen gelösten Eiweisses, während die Kuh-
milch hierin sehr arm ist. So sind denn alle Bedingungen gegeben,
ilie dazu führen müssen, dass die I’rauenmilch im kindlichen Magen sehr
fein und zartflockig gerinnt, während die Kuhmilch in zähen compacten
Coagulis durch den Magensaft niedergeschlagen wird. Die Art der Milch-
gerinnung ist aber von allergrösstem Einfluss, denn die Ausscheidung in
Coagulis bedeutet ja nur den ersten Schritt bei der Verdauung, müssen
doch nunmehr die Milchgerinnsel ordentlich von den Säften des Magens
und des Darmes durchtränkt wenlen und die Caseinflocken wieder gelöst
und in solche Eiweisskörper übergeführt werden, die sich zur directen
.Aufsaugung durch die Drüsen des Darmes eignen. Es ist aber ohne
Weiteres leicht verständlich, dass eine feine zarte Caseinflocke leichter
von den Verdauungssäften angegrifieu und gelöst werden kann, als ein
zähes dickes Coagulum. Der Vortheil der Frauenmilch vor der Kuhmilch
ist somit ein doppelter, erstlich enthält dieselbe einen namhaften Theil
• -lugle
ea C“
38
ihres Eiweisses gar nicht als Casein, sondern als Albumin, und dieser
Eiweisskörper braucht gar nicht erst coagulirt und wieder gelöst zu werden,
sondern kann direct im Magen und Darm aufgesaugt werden, andererseits
wird das Casein der Frauenmilch bei der Verdauung des Kindes feiner
ausgeschieden und rascher und vollständiger wieder gelöst. Ungelöste
Eiweissmassen, die, um verdaut zu werden, lange im Darme weilen müssen,
bilden aber eine grosse Gefahr für das betretl'ende Individuum, da es
alsdann leicht zur Fäulniss und zur Zersetzung der im Darmkanal stagni-
renden Eiweissmassen kommen kann, ilie zu den schwersten Erscheinungen,
zu langwierigen Darmkatarrhen und dem erschreckenden Hilde der Kinder-
cholera zu führen vermögen. Der Verdauungsapparat des Menschen und
vor Allem der des Kindes, ist eben von dem des Thieres — hier des
Kalbes — wesentlich verschieden eingerichtet. Wer je den mächtigen Magen
eines neugeborenen Kalbes und dasselbe Organ eines jungen Kindes ge-
sehen hat, dem wird es auch völlig selbstverständlich erscheinen, dass
eine Aufgabe, die von dem ersteren spielend gelöst wird, von dem letzteren
nicht verlangt werden kann, und dass jeder Versuch zu dauernden Schä-
digungen führen muss. Von der Darreichung unverdünnter Kuhmilch ist
man denn auch wenigstens bei jüngeren Säuglingen völlig abgekommen
und versucht auf mancherlei mehr oder weniger zweckmässige Art und
Weise die Unterschiede zwischen Kuh- und Frauenmilch auszugleichen,
deren Erörterung an dieser Stelle uns freilich zu weit führen würde.
Durchschnittliche Zusammensetzung der Milch in Procent:
Frau
Kuh
Ziege
Esel
Fett ....
3,5 -4,0
3,0 — 3,6
3,6 — 4,0
0,3 — 1,0
Eiweiss . . .
0.8 — 1.2
3,0 — 3,6
2,8— 3,8
1,2— 1,8
Milchzucker
6,0 — 7,0
3,5 — 4,5
4,0— 4,5
4,6 — 6,5
Salz ....
0,25
0,70
0,70
0,35
Wasser . . .
88—89
87—88
GO
1
00
88—89
M’'as das Fett der Milch nnbetrifft, so ist es in derselben in feinsten
kleinen Tröpfchen suspendirt und keineswegs in gelöstem Zustande. Um
das in der Milch suspendirte Fett zu lösen, ist es nöthig, die feine aus
Eiweiss bestehende Membran, die jedes dieser nur mikroskopisch wahr-
nehmbaren Fetttröpfchen umgiebt, zu lösen, was durch eine geringe Menge
von Säure oder Uauge mit Leichtigkeit geschehen kann. Alsdann kann
man das .Milchfett in Aether oder Amylalkohol lösen und seine Menge
gewichtsanalytisch, volumetrisch oder aerometrisch feststellen. Wie schon
erwähnt, beträgt der Fettgeh.alt unserer Marktmilch in der Hegel 3 “L,
bei geeigneter Fütterung gelingt es aber, eine Kuhmilch zu erzielen, die
ungleich fettreicher, die 4, ja 5 Fett enthält. Die Frauenmilch enthält
in der Regel 3’/« — 4% Fett, doch spielt auch hier die Ernährung eine
wichtige Rolle. Etwa gleich in Hezug auf den Fettgehalt kommt der
Frauenmilch der Fettgehalt der Ziegenmilch, während die Fiseismilch, die
eine veraltete Lehranschauutig für der Muttermilch sehr ähnlich hielt, von
dieser aber sich mehr als irgend eine andere Milchart unterscheidet, kaum
1 " häutig sogar noch viel weniger Fett enthält und sich somit als völlig
ungeeignet zur Ernährung von Säuglingen erweist, für die schon der hohe
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39
Preis hinderlich sein würde. In Bezug auf die Art, in der sich das Fett
in der Milch findet, wäre noch zu erwähnen, dass die Fettkügelchen
am kleinsten, dass die Vertlieilung derselben am feinsten in der Frauen-
milch ist, während die Milch aller übrigen Thierarten grössere Fett-
tröpfchen enthält.
Die Zusammensetzung der Milch lässt es ohne Weiteres als verständ-
lich erscheinen, dass die Ausnutzung, die die Milch im menschlichen Ver-
dauungskanal erfahrt, eine ganz vorzügliche ist. Das letzte Wort über
diese i'rage ist zwar noch nicht gesprochen, doch lässt sich so viel mit
Sicherheit sagen, dass in vielen Fällen, vor Allem dann, wenn keine allzu
reiche Zufuhr statthat, der Säugling die Muttermilch nahezu ideal ausnutzt,
das heisst, dass alle in der Nahniug enthaltene Energie auch seinem Organis-
mus zu Gute kommt und nicht unverbraucht wieder ausgeschieden wird.
In ganz besonderem .Maassstabe gilt dies für die Kohlehydrate, nicht viel
weniger für das Eiweiss, während von Salzen und Fett sich mitunter
etwas grössere Mengen in den Stühlen wiederfinden, doch dürfte nur
ausnahmsweise der V^erlust mehr als 10 betragen, wenn die Er-
nährung eine genau beobachtete war. Etwas schlechter, immerhin aber
noch ausgezeichnet wird die Kuhmilch vom Kinde wie vom Erwachsenen
ausgenutzt. Während aber für das Kind die Milch als einzige Nahrung
genügt, ja, während der ersten Monate seines Lebens sogar seine einzige
Nahrung bilden muss, wenn anders man seine Lobensaussichten nicht ge-
fährden will, kann man einen Erwachsenen nicht dauernd rationell mit
Milch ernähren, wie eine kurze Betrachtung der einschlägigen Verhältnisse
uns ohne Weiteres erkennen lässt. Ein erwachsener arbeitender Mann
bedarf täglich, um die Ausgaben seines Stoffwechsels zu decken, 105 Gramm
Eiweiss, 50 Gramm Fett und 400 — 500 Gramm Kohlehydrate. Diese be-
nöthigten 105 Gramm Eiweiss würden sich in 3'/a Liter Milch finden (pro
Liter 3 ®/„ Eiweiss gerechnet), mit diesen 3' „ Liter Milch würde der Be-
treffende auch 105 Gramm Fett consumiren, an Kohlehydraten jedoch kaum
140 Gramm aufnehmen. Nun enthalten ja die 3'/.^ Liter Milch statt der
benöthigten 50 Gramm Fett deren 105, also 55 Gramm mehr, und diese
55 Gramm Fett entsprechen etwa 125 Gramm Kohlehydrat, da 1 Gramm
Fett 9,3 Calorien, 1 Gramm Kohlehydrat 4,1 Calorien ausmacht, und bei
der Ernährung des Erwachsenen eine Vertretung der einzelnen Nahrungs-
mittel in gewissem Grade nach ihrem Calorienweithe möglich ist. Immer-
hin würden dem mit 3 Liter Milch genährten Individuum noch 140 bis
240 Gramm Kohlehydrat fehlen. Es müsste somit hierfür eine entsprechende
Menge Brot mitgenossen werden. Eine ausschliessliche Milchernähruug
hat übrigens den Nachtheil für Erwachsene, dass sich gegen den ausschliess-
lichen Gennss von Milch in Bälde ein Widerwille einstellt. Ist eine aus-
schliessliche Milebernährung, abgesehen vom frühen Kindesalter, .also un-
rationell und verwerflich, so ist doch die Milch ein ganz vorzügliches und
überaus wohlfeiles Hilfsmittel bei der Ernährung und verdiente als solches
sogar noch viel mehr Beachtung, als ihr hier bei uns zu Theil wird.
Ganz besonders in der Form der milchhaltigen Mehlspeisen, wie man
solche in Oesterreich und auch in Süddeutschland geniesst, kann dieselbe
für die Tafel von Arm und Reich empfohlen werden. Wie billig man in
der Milch Nährstoffe zu kaufen bekommt, zeigt folgende Rechnung: Für
eine Mark erhält man circa 6 Liter Milch mit 180 (Jramm Eiweiss, 180 Gramm
Fett und mit 240 Gramm Kohlehydraten. Für dasselbe Geld erhält man
ea D"
40
1 Kilo Ochsenfleisch und dabei sogar blos eine geringe Qualität, und mit
diesem Kilo mageren Ochsenfleisches 210 Gramm Eiweiss, 17 Gramm Fett
und so gut wie gar keine Kohlehydrate. Hierbei ist pro Pfund Rindfleisch
nur 50 Pf. gesetzt, was entschieden doch bei den heutigen Fleischpreisen
zu niedrig gegriffen sein dürfte.
Aus dem eben Angeführten geht hervor, welclie Bedeutung die Milch
als Nahrungsmittel hat, und lässt es erklärlich erscheinen, dass der Milch-
consum ein ganz bedeutender ist, und die Milchgewinnung und der Ver-
kehr und Handel mit Milch eine Ausdehnung angenommen hat, die der
ferner Stehende in der Regel wohl unterschätzen dürfte. So consumirt
Dresden — ich entnehme diese Zahlen einer sehr lesenswerthen Schrift
des Herrn Dr. Pfund — täglich etwa 90000 Liter Milch, von denen 5600
in der Stadt selbst producirt werden, 33000 Liter werden per Wagen von
den umliegenden Ortschaften eingeführt und 51000, also der bei Weitem
grösste Theil, kommt per Bahn, also wie man wohl annchmen kann, aus
dem weiteren Umkreise der Stadt. Dabei erweist sich Dresden durchaus
nicht als eine stark Milch consumirende Stadt, da ja pro Tag und Kopf
noch nicht einmal ein Drittelliter verbraucht wird.
Ein derartiger Consumartikel, als den wir somit die Milch betrachten
müssen, wird natürlich, umsomehr als sehr zahlreiche und ökonomisch
schwache Hände bei Gewinnung, Transport und Verkauf in Betracht kommen,
menschlicher Habsucht als willkommenes Ausnutzungsobject dienen, und
in der That giebt es kein Nahrungsmittel, das so oft verfälscht oder
minderwerthig in den Handel gebracht wird, deshalb ist die Aufmerksam-
keit der Behörden schon seit langer Zeit auf den Wandel und Handel der
Milch gerichtet.
Fassen wir zunächst die Verfälschungen, denen die Milch ausgesetzt
ist, ins Auge, so ist als die häutigst vorkommende diejenige anzuseheu,
die durch Wasserzusatz das Volumen der Milch vermehren, und, da ja
allgemein nach volumetrischen Maassen gekauft wird, somit die zu er-
zielende Einnahme erhöhen will. Der Nachweis des erfolgten Wasser-
zusatzes kann mit grossen Schwierigkeiten verknüpft sein, vorausgesetzt,
dass der Milchfälscher vorsichtig zu Werke geht, was ja glücklicherweise
nicht der Fall zu sein pflegt. So vennag der Nachweis von Salpetersäure,
die sich im Brunnenwasser fast ausnahmslos findet, während sie der reinen
Milch stets fehlt, schon zur Erkennung des Wasserzusatzes hinzuführen.
An und für sich wird ja ein Wasserzusatz zur Milch sogar häufig nöthig
sein, wenn man dieselbe zum Beispiel kleinen Kindern geben will, und
natürlich kann man einer Mutter, die ihrem Säugling die .Milch ent-
sprechend verdünnt, keine Fälschung vorwerfen. Die Benachtheiligung
aber, die der Milchkäufer durch den Wasserzusatz seitens des Milch-
producenten oder seitens des Milchhändlers erfährt, liegt einmal darin,
dass die werthvollen, der Ernährung dienenden Bestandtheile hierdurch
verdünnt werden, der Käufer somit weniger davon erhält, als er in dem
Glauben, reine Milch zu erhalten, bezahlt. Andererseits ist das zu-
gesetzte Wasser aber meist von recht frngwünliger Güte und Reinheit
und kann so direct zu Gcsundheitsschädiguugen führen. Da sich ein be-
deutenderer Wasserzusatz, besonders wenn derselbe zu an und für sich
schon nicht sehr guter Milch erfolgt, sich leicht durch die durchsichtige
bläuliche Farbe der so behandelten Milch verräth, so wird nicht selten
durch Zusatz von Stärke, Mehl oder sogar von Gyps die Farbe wieder
ea cy vjcjuglc
41
aufgebessert. Natürlich ist der Nachweis dieser Körper unschwer zu er-
bringen.
Eine weitere und wohl die allerhäufigste betrügerische Manipulation,
der die Milch unterworfen wird, ist die des Abrahmens. Bekanntlich ist
die Sahne, das Milchfett das relativ Werthvollste an der ganzen Milch,
da diese ja in ihrer Verarbeitung zu Butter sowie in ihrer Verwendung
als Sahne und Schlagsahne viel begehrt ist. Es liegt also sehr nahe,
dass man die Milch durch Abschöpfen des sieh oben abscheidenden
Fettes von einem Theil ihrer werthvollsten Nährsubstanzen beraubt. An
und für sich ist ein derartiges Vorgehen durchaus nichts Ungerechtes und
geschieht in allen Molkereien, ja die moderne Technik hat sogar vortreff-
liche Apparate ersonnen, mit Hilfe deren es möglich ist, das Fett aus der
Milch so gut wie vollständig abzuscheiden. Die so mit Centrifugen ent-
fettete Milch nennt man Magermilch. Unbedingt nöthig und zu verlangen
ist es nun aber, dass der Käufer der Milch genau weiss, ob er sämmt-
liche von vornherein in der Milch befindliche Bestandtheile der Milch auch
wirklich erhält oder ob solche derselben entnommen worden sind. Daher
fordert mit Recht die Behörde, dass jedes Milchgefäss eine genaue Be-
zeichnung trägt, ob in derselben Magermilch oder Vollmilch enthalten ist.
So kann sich der Käufer genügend orientiren und entweder eine Milch
erstehen, die nur einen Theil der naturgemäss in ihr vorkommenden Nähr-
stoffe enthält, oder aber eine, die in dieser Beziehung vollwerthig ist.
Der Kauf von Magermilch bedeutet übrigens keinen Nachtheil, sondern
vielmehr sogar einen Vortheil für den Käufer und ist daher armen Leuten
anzurathen, denn der Marktpreis der Magermilch ist im Verhältniss zu den
darin enthaltenen Nährstoffeinheiten ein geringerer, wie die folgende Er-
wägung zeigt: Ein Liter Vollmilch enthält in 30 Gramm Fett 273 Calorien, in
30 Gramm Eiweiss 123 Calorien und in 46 Gramm Milchzucker 184 Calorien,
zusammen 680 Calorien; ein Liter centrifugirte Magermilch enthält etwa
3 Gramm Fett entsprechend 27 Calorien, wieder 30 Gramm Eiweiss mit
123 Calorien und 46 Gramm .Milchzucker mit 187 Calorien, zusammen
333 Calorien. Es enthält also die Magermilch etwa 66 % ‘l^r in der Voll-
milch zu findenden Nährstoffe in Calorien, der Preis derselben ist jedoch
nur wenig mehr als ein Drittel der Vollmilch, da nach der Regel für einen
Liter gute Vollmilch 18, für einen Liter Magermilch nur 7 Pf. gezahlt
werden. Die Magermilch ist somit nicht nur aljsolut, sondern auch relativ
billiger als die Vollmilch. Freilich muss das dabei weniger verabreichte
Fett auf andere Weise dem Organismus zugeführt werden. Ganz anders
ist die Entrahmung natürlich zu beurtheilen, wenn dieselbe ohne Vorwissen
des Käufers geschehen ist, wie dies überaus häufig vorkoramt. F^s sind
daher gesetzliche Bestimmungen getroffen, die der Entrahmung der Milch
Einhalt gebieten sollen. Doch leiden alle hierauf abzielendcn Maassregeln
unter der Schwierigkeit, sie exact durchzuführen. Da nämlich der Fett-
gehalt bei verschiedenen Kühen — und um Kuhmilch handelt es sich ja
so gut wie ausschliesslich — nach Rasse und Emährungsart äusserst ver-
schieden ist, so lässt sich natürlich keine Zahl finden, die wirklich als
stricte Grenze aufgefasst werden kann, bis zu der der Fettgehalt in minimo
sinken darf. An verschiedenen .Orten ist diese Grenze verschieden hoch
angenommen, hier bei uns beträgt dieselbe zur Zeit 3 °/^. Fintbält also
eine Milch weniger als 3 Fett, so wird angenommen, dass dieselbe ent-
weder abgerahmt oder mit Wasser verdünnt worden ist. Nach beiden
42
Seiten liin wird diese Annalime freilich im einzelnen Falle falsch sein
können. Einmal steht es nämlich demjenigen Milchproducenten oder Milch-
händler, dessen Milch etwa 3*/i — 4“/„ oder mehr Fett enthält, frei, seine
Milch his auf einen Fettgehalt von 3% abzurahmen, ohne dass er für
diese That Entdeckung oder Strafe zu erwarten hat, andererseits kann
es aber auch Vorkommen, dass eine Milch wirklich nur 2,9 oder sogar
noch weniger Fett enthält, ohne dass irgend ein betrügerischer Eingriff
erfolgt ist, und der Betreffende kann somit in den falschen Verdacht der
Milchpanscherei kommen. Die Controle der Milch erfolgt hier durch Beamte
der Wohlfahrtspolizei, die alle diejenigen Milcharten, die ihnen verdächtig
erscheinen, der Behörde zur Vornahme der chemischen Analyse anzuhalten
haben. Zur vorläufigen Bestimmung des Fettgehaltes an Ort und Stelle der
Entrahmung dienen calorimetrische Methoden, verbunden mit der Bestim-
mung des specitischen Gewichts. Alle diese Methoden sind vollkommen un-
genügend und cs steht zu erhoffen, dass seitens der Wohlfahrtspolizei
nunmehr eine neue zur Einführung gelangt, die allen Anforderungen , die
man an eine marktpolizeiliche stellen darf, genügt, und zwar sowohl in
Bezug auf die Einfachheit und Schnelligkeit in der Ausführung, als auch
in Bezug auf die Genauigkeit. Es ist dies die Gerber’sche Methode, die
vermittelst einer IlugersholTschen Centrifuge volumetrisch den Fettgehalt
der Milch ermittelt. Es werden zu diesem Zwecke in bestimmten graduirten
Messgefässen 11 Cubikeentimeter .Milch mit 10 Cubikeentimeter concentrirter
Schwefelsäure versetzt und hierdurch die Eiweisskörper zunächst ausgefällt
und alsdann wieder zur Lösung gebracht; hierauf wird 1 Cubikeentimeter
Amylalkohol zugesotzt, der das Fett in durchsichtiger Flüssigkeit löst, und
das Gemisch gut centrifugirt. Man vermag in kuraerZeit den Fettgehalt direct
abzulesen. Die ganze Methode gestattet, eine grosse Anzahl von Bestimmungen
zu gleicher Zeit vorzunehmen, und ich kann aus vielen Hunderten von Unter-
suchungen, die ich auf diese Weise mit der Milch verschiedener Thierarten
vorgenommen habe, bestätigen, dass die Bestimmung eine überaus genaue
ist, die mit den gewichtsanalytisch gefundenen Uesultaten sehr gut überein-
stimmt.
Die Abrahmung der Milch hat uns schon darauf hinweisen lassen,
dass manche Milch nur sehr wenig Fett enthält; und solche Milch, die von
vornherein sehr fettarm ist, müssen wir als minderwerthig bezeichnen.
Statt im Melkeimer verdünnen nämlich manche Milchproducenten die Milch
schon im Euter des Thieres, indem sie demselben eine wasserreiche, an
festen Bestandtheilen, vor Allem an Fett arme Xahrung gewähren. Auf
diese Weise bringen sie die Kühe dahin, viel, aber fettarme .Milch zu geben.
Die Grossconsumenten wissen sich nun neuerdings sehr gut gegen derartige
.Manipulationen zu schützen, indem sie die .Milch nicht mehr per Liter,
.sondern nach dem gelieferten Fett bezahlen. Sie untersuchen jeden Tag
auf die vorhin angedeutete Weise die zur Ablieferung gebrachte .Milch und
bezahlen dieselbe je n.ich ihrem Fettgehalte mit höherem oder geringerem
l’reise. Eine immer weitere Verbreitung dieser Maassnahmen lässt er-
hoffen, dass die Landwirthe mehr und mehr auch in ihrem Interesse
darauf sehen werden, eine fetthaltige Milch zu produciren.
Als minderwerthig ist ferner ausnahmslos alle Milch zu bezeichnen,
die von kranken Thiercn stammt. Dem Laien erscheint dies eigentlich
ganz selbstverständlich, doch ist man in Wirklichkeit noch sehr weit
davon entfernt, diese Forderung des Hygienikers anzuerkennen. Ja, vor
,.jglc
43
nicht langer Zeit hat ein Oekonom in der vom preussischen Ministerium
zur Besprechung dieser Fragen zusammengerufenen Commission erklärt,
dass bei Durchfühning einer solchen Forderung die Landwirthe es sich
wohl überlegen würden, weiter Milch wirthschaft zu betreiben. Diese
Behauptung entbehrt jeder Berechtigung, denn diejenigen Oekonomen,
die ausschliesslich gesundes Vieh zur Milchgewinnung benutzen, machen
hierbei brillante Geschäfte. Betrübend ist allerdings die Thatsache, dass
es in ganz Deutschland wohl kaum ein Dutzend Ställe giebt, in denen
nur gesundes Vieh steht. Bei den meisten Ställen leiden ein Drittel, die
Hälfte oder noch mehr Thiere an der Perlsucht, dieser der Tuberkulose
des Menschen entsprechenden Krankheit, welche in gar nicht zu seltenen
h'ällen auch wirklich auf diese Weise eben durch den Genuss der rohen,
von perlsüchtigen Thieren stammenden Milch auf den Menschen übertragen
wird. Ebenso können auch die Erreger anderer Seuchen auf den Menschen
überschlcppt werden.
Ebenfalls als minderwerthig ist alle diejenige Milch zu bezeichnen,
die nicht sauber gemolken und nicht zweckentsprechend aufbewahrt wird.
Schon was die Reinlichkeitsverhältnisse in den Ställen anbclangt, so be-
kommt man da manchmal fast Unglaubliches in Bezug auf Unreinlichkeit
zu sehen. Ein Herkules würde da an der Möglichkeit einer Säuberung
verzagen. Der Volksmund rechnet übrigens hiermit schon als einer fest-
stehenden Thatsache und nennt eben einen besonders schmutzigen Ort
einen Stall. Dieses Vomrtheil zu widerlegen ist der erste Schritt auf dem
Wege der Besserung.
Es ist nämlich eine durch die Erfahrung immer wieder bestätigte
Thatsache, dass durch Unsauberkeit bei der Gewinnung und der Auf-
bewahrung der Milch die Haltbarkeit derselben naebtheilig beeinflusst wird.
Es kommen, wenn man nicht die nöthigen Vorsichtsmaassregcln bewahrt,
in die von Haus aus keimfreie Milch zahlreiche Mikroorganismen hinein,
die sich in dem für ihre Entwickelung sehr geeigneten Nährboden, zumal
wenn die Aussentemperatur hierzu günstig ist, schrankenlos vermehren.
Hierbei findet eine Veränderung statt, die der regelmässig im Nlagen ein-
tretenden bis zu einem gewissen Grade ähnelt; nämlich auch durch die
Vermehrung der Mikroorganismen kann es zu einer Gerinnung der Milch
kommen, indem der Milchzucker in Milchsäure gespalten wird. Ist auf
diese Weise eine bestimmte Menge Milchsäure entstanden, so kommt es
durch dieselbe ebenso zur Gerinnung der Milch, wie durch die Salzsäure
des Magens. Andere Keime wieder, die durch Uusauberkeit in die Milch
gelangen können, sind noch verhängnissvoller gerade dadurch, dass sie
keine Säurebildner sind; sie vermehren sich, ohne zur Gerinnung zu führen.
Gerade die Gerinnung der Milch ist aber auch dem Laien ein deutlicher
Hinweis darauf, dass die betreffende Milch verdorben ist. Im Uebrigen
ist es ja bekannt, dass auch eine sauer gewordene Milch sich sehr gut
zur Nahrung eignen kann und von manchen Menschen sehr gern genommen
wird. Gefährlich ist aber jede angesäuerte Milch für kleine Kinder, die
auf den Genuss derselben schwer zu erkranken pflegen. Für diese und
ebenso für Erwachsene kann aber eine nicht sauere Milch auch im höchsten
Grade schädlich sein, wenn dieselbe die vorhin erwähnten anderen Keime
enthält. Von der Zahl der Mikroorganismen, die sich in der Kuhmilch
finden, wenn diese nicht sauber gemolken worden ist, kann sich der mit
diesen Verhältnissen nicht Vertraute kaum eine Vorstellung machen. So
.oj^le
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kann es Vorkommen, dass in einer Milch, die noch nicht einmal so weit
verdorben ist, dass sie durch Gerinnung Jedermann als minderwerthig ins
Auge füllt, im Cubikcentiraeter 15 Millionen Keime enthalten sind. Ausser
den Keimen enthält jedoch eine unsauber gemolkene Milch auch noch eine
beträchtliche Menge anderer directer Verunreinigungen. Auf diese That-
sache ist zuerst von einem Mitgliede unserer Gesellschaft, Herrn Professor
Renk, mit dem nöthigen Nachdruck hingewiesen und zugleich eine Methode
ausgesomien worden, mit Hülfe derselben es leicht gelingt, die Menge des
Milchschmutzes zu bestimmen. Es ist nun die Ptlicht des Milchproducenten,
uns eine Milch zu liefern, die möglichst wenig Keime und möglichst wenig
.Milchschmutz enthält. Die ideale Forderung, ganz keimfreie und reinliche
Milch zu erhalten, würde sich ja doch vorläufig noch nicht realisiren lassen,
den guten Willen hierzu konnte man aber wenigstens verlangen. Die Ställe
müssten luftig gebaut sein, und ebenso wie unsere W ohnungspolizei darauf
sieht, dass in keinem Raume mehr Menschen zusammengepfercht werden,
als hygienisch gedacht darin Platz haben, ebenso müsste jedem Landwirth,
der die Milch seiner Kühe zu Markt bringen will, genau vorgezeichnet
sein, wie geräumig und wie hoch sein Stall sein muss. Ebenso erwächst
der liehörde meines Erachtens die Ptlicht, die Entwässerungs- und Ent-
kothungsvorrichtungen zu überwachen. Mindestens einmal am Tage ist der
helle geräumige Idealstall sorgfältig zu reinigen. Vor dem Melken sind
die Euter der Thiere abzuwaschen, desgleichen die Hände des Melkenden
sorgfältigst zu säubern. Das übliche schmutzige Kostüm, das die Schweizer
oder Kuhmägde dabei zu tragen pflegen, vermag den Appetit auf die so
gemolkene Jlilch auch nicht zu erhöhen und die Haltbarkeit der Milch
nicht günstig zu beeinflussen. Man wird dem melkenden Personal zweck-
entsprechend weisse Kittel zum Anziehen geben und schliesslich auch noch
dafür Sorge tragen, dass die Kuh nicht mit ihrem Schwänze die Milch zu
verunreinigen vermag. Die ersten Striche lässt man nicht in den Melk-
eimer, sondern in ein e.vtra Gefäss, da diese ersten Portionen der Milch
noch die in den Milchgängen sitzenden Unreinlichkeiten mit enthalten.
Dieselbe kann an die Schweine verfüttert werden oder ist sofort abzu-
kochen, um dann auch noch für menschlichen Gebrauch geniessbar zu sein.
Die (Jefässe, in welche hinein gemolken wird, müssen peiulichst sauber, wenn
möglich durch Auskochen oder Sterilisiren im Dampfe keimfrei gemacht
sein. Die gemolkene Milch ist sofort ziizudecken und andauernd zugedeckt
zu halten, auch das Umschütten in andere Gefässe möglichst zu vermeiden.
Aeusserst wichtig ist ferner, dass die .Milch sofort nach dem Melken nach
.Möglichkeit abgekühlt wird, jedenfalls soll die Temperatur, auf der sie
erhalten wird, nicht über 8 Grad Celsius liegen, denn es entwickeln sich
bei einer derartig niedi-igen Temperatur die eventuell doch in die Milch
gelangten Keime gar nicht oder doch nur spärlich und langsam. Auch
beim Transport in das Haus des Abnehmers und bis zum (Jonsum soll die
.Milch authmernd auf gleicher Temperatur erhalten werden. Eine so ge-
wonnene .Milch — natürlich unter der Voraussetzung, ilass sie ausschliess-
lich von gesunilen Thieren stammt, ist als tadellose Milch zu bezeichnen
und könnte innerhalb 24 Stunden nach der erfolgten Gewinnung anstands-
los von Gross und Klein sogar in unabgekochtcin Zustande genossen werden.
Freilich in der Wirklichkeit, da wirtl es heute wohl kaum irgendwo eine
Milch geben, die diesen idealen .■tnforderungen entspricht. Ich freilich
für meine Person zweifle nicht daran, dass wir noch einmal hierzu ge-
C.oo>ilc
45
langen werden. Wie viel Zeit bis daliin vergehen wird, wie viele Tausende
von Kindern vorher noch zu Grunde gehen werden, bis man durch Schaffung
der nöthigen Tliierseuchen- und Milchhandelsgesetze die erwünschte Sicher-
heit hierin schaffen wird, das steht dahin. An unermüdlichen Mahnern
wird es nicht fehlen. Natürlich wird es nicht möglich sein, all den auf-
gestellten Forderungen auf einmal gleich Geltung zu schaffen. Zweierlei
thut aber eiligst Noth; einmal nämlich, dass wenigstens diejenige
Milch, die unter dem Namen Kindermilch verkauft wird, im
Wesentlichen den oben aufgestellten Grundsätzen entsprechend
gewonnen werden muss; denn jetzt bedeutet die Bezeichnung
Kindermilch vielfach weiter nichts, als dass das betreffende
Product theurer ist als andere Milch. Zum anderen aber
müssten staatliche oder städtische Musterställe eingerichtet
werden, in denen den Landwirthen gezeigt wird, wie man eine
ideale Milch gewinnen kann, und aus denen nicht nur für die
entsprechenden Krankenanstalten eine einwandfreie Milch ge-
wonnen wird, sondern auch die ärmeren Bevölkerungsschichten
mit einem tadellosen und preiswerthen Product besonders zum
Zwecke der Säuglingsernährung versorgt werden könnten. Da
ja viele Städte Landbesitz haben, ist der Gedanke jedenfalls
ausführbar.
Heute sind wir nun noch sehr weit davon entfernt, diese Idealmilch
zu einem Idealpreise uns im städtischen Musterstall holen zu können, wir
müssen also erwägen, wie wir uns vor den Gefahren schützen können, die
uns aus dem Genüsse weniger subtil gewonnener Milch drohen. Bis zu
einem gewissen Grade giebt uns nun das Abkochen und noch mehr das
Sterilisireu eine relative Sicherheit, da ja bei einer höheren, dom Siede-
punkt nahe liegenden Temperatur die meisten Mikroorganismen zu Grunde
gehen. Freilich verliert die Milch durch das Kochen und Sterilisiren in
ganz beträchtlichem Grade an Nährwerth. Ganz neuerdings hat man
übrigens auf einem dem Kochen gerade entgegengesetzten Wege eine Ver-
besserung der einschlägigen V'erhältnisse erstrebt, indem man die Milch
unmittelbar nach dem Melken zum Gefrieren gebracht hat. Dadurch
kann man die Milch auch beliebig lauge haltbar machen und milcharme
Gegenden durch die Milch aus milchreichen Gegenden entsprecliend ver-
sorgen. In einer sehr geschickten Weise benutzt die Firma Gehr. Pfund
bereits diese V'erbesserung der Molkerei-Technik, indem sie in die Milch,
die sie auf ihren Wagen zu den Kunden fahren lässt, solche Stücken ge-
frorene Milch hineinwirft. Hierdurch wird die Temperatur der Milch
herabgedrückt und die Wahrscheinlichkeit ihres Verderbens herabgesetzt.
Ich bin am Schlüsse meiner Auseinandersetzung; sollte dieselbe den Er-
folg haben, dass Sie mit mir die enorme Wichtigkeit der Milch als Nahrungs-
mittel anerkennen, und dass Sie Jeder von seiner Stelle aus die Bc.sserung
besserungsbedürftiger Zustände in Bezug auf Gewinnung und Vertrieb
derselben erstreben wollen, so hat dieselbe in vollstem Maasse ihren
Zweck erreicht.
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Iler
Naturwissenschaft! iehen Gesellschaft
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redactions-Comite.
Jahrgang 1899.
Mit Alibiliiungen im Text.
Dresden.
In Commission der K. Sachs. Ilofbiiclihandlung H. Biinlacli.
I 000.
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Inhalt des Jahrganges 1899.
Verzeichnis» der Mitf^Iieder S. I.
Dr. meil. Friedrich Theiie -j- S. V.
A. Sitzungsberichte.
I. Section für Zoologie S. 3 und 19. — Kalkowsky, E.; Nene LiUerutur S. 19. —
Kuntzc, A.: Vorlagen 8.3. — Nitsclie, H.: Morphologie der Mnndwerkzeugc bei
den Insecten 8. 3; Bau der Lungen und Gefangenleljen des Chiunäleon, Einschleppung
japanischer Laubhenschreckeu, Fra.ss des Fi< htenne.«twicklcr.s S. 4; zoologische Reise-
eindrücke aus Ungarn, Bosnien und der Herzegowina S. 19; neue Litteratnr S. 19. —
Putscher, W.: vVirlagen S. 4. — Reibisch, Th.: Elektrische Erscheinungen an
einer Land.schnei:ke S. 3; Knochenbau des Chamäleon S. 4. — Thallwitz, J.: Kampf
zwischen Käfern, Hydrobiologie der Elbe S. 3; Befruchtung und Zelltheorie S. 19. —
Geschenk für die Bibliothek S. 3.
II. Section für Botanik S. 4 und 19. — Drude, 0.: Areale der Leitplianzen in den
PHanzenformationen Sachsens und Thüringens S. 4 ; die Petersburger Gartenbau-
Au.sstellung, Referat über Schimper: „Pflanzengeographie auf physiologischer Grund-
lage“, neue Litteratnr S. 5; Thätigkeit der biogeographischen .Section des VII. inter-
nationalen Geographeutagfs zu Berlin 8. 20, mit Bemerkungen von \V. Bergt. —
.Schorler, B.: Das Plankton der Elbe liei Dresden S. 19. — Stiefelhagen, H.:
Vorlagen frühblühender Pflanzen 8. 4, mit Bemerkungen von F. Ledien und
A. Thümer. — Auffordening zum .Sammeln sächsischer Moorhölzer S. B.
III. Section für Mineralogie und Geologie S. 5 und 20. — Bergt. W. : Musclielkalk-
brüche von Rüdersdorf 8.5; Uber vulkanischen Staub, über Moldawite 8.6; Vor-
kommen von Turmalingranit bei Miltitz 8.21; neue Litteratnr S. 5, 6 und 20. —
Engelhardt. H.: Neue Kreidepttanze ans Sachsen, tertiäre Pflanzen von Sardinien
und ans der Rhön. Bestimmung fossiler Palmenreste. Thoneinlagerungen unter dem
Haidesand, neue Litteratnr 8 3. — Franckc, H.: Neue Mineral Vorkommnisse 8.20.
— K alkowsky, E.; Natur und Entstehung des Chilisalpeters 8.5; paläozoische Korallen
aus Nordamerika S. 20. — Naumann, E.: Tektonische Störungen der triadischen
Schichten bei Kahla 8.21. — Nessig, R.: Rechtselbische Bohrlöcher, Aufschlnss
im Syeuitconglomerat und Leopardensandstein bei Coschütz 8.6. — Nit sehe. H. ;
Verbreitung des Fischreihers in Sachsen und ihre Beziehung zu Urstrorathälern
8.20. — Siegert, L.: Urströme in Norddeutscbland 8.20. — Wagner, P. : Erd-
pyramiden, neue Litteratnr 8. 3.
IV. Section für prähistorische Forschungen 8. 3 und 21. — DeichmUller. .1.:
lieber die Büste einer Frau aus dem Pfahlbau Auvernier. neue Enverbungen der K. Prä-
historischen Sammlung 8.7; Urnenfnnde bei Klein - Zschachwitz und am Bahnhof
Klotzsche, neue Litter.Uur 8. 22; Vorlagen 8. 7 und 22. — Döring. H.; Der
Burgwall von Arkona, Vorlagen 8.7. — Kalkowsky. E.; Ueber das Hakenkreuz
(Sva.stika) 8.21, mit Bemerkungen von A. Pcuckert. — Nobbe, F.: Vorgeschicht-
liche Funde im K. Forstgarten zu Tharandt S. 6. — Osborne, W.; Das Alter des
Menschengeschlechts, Vorlagen 8. 7. — Excursion nach Heriiisdorf und Klotzsche 8. 7
und nach Klein -Zschachwitz 8.22.
V. Section für Physik und Chemie .S. 8 und 22. — Drossbach, G. P.: Die industrielle
Verwerthung der Elemente der Ger- uud Zirkongruppe 8. 22. — Hcmpel, W.: Leber
Kryoihcmie 8. 8. — Heutschel, W.: Die chmnischen Grundlagen des Pflanzenbaues
.S. 2.'l. — Kelling, G.: Physikalische Methoden znr Imtersnchnng des Magens und
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IV
«lor Speiseröhre S. 9. — Müller, K.: Elcktroljtisibes Verfahren zur Herstellung
ehlor-, brom- und jodsanrer Salze S. 9. — Rehenstorff, A.; Neue Versuche und
Apparate für den physikalischen Unterricht S. 10. — Schlossmann, A.: Entwickelung
der Heilkunde unter dem Einfluss von Physik und Chemie S. 9. — Uhlmann, P.; Die
eporhemachend-sten Fort.schritte der Theerfarben-Industrie seit 1890 S. 8.
VI. Secttoii fUr Mathematik .S. 10 und 24. — Müller, K.: Ueher Wiukeltlieilunp-
curvin und Krci.stheilungsgleichungen S. 24. — Rohn, K.: Anwendung der Schnitt-
imnkt.syslem.siitze auf die elieuen Curven 4. Ordnung S. 10; die .Viiordnung der Kiystall-
molekeln S. 24. — Wittin g, A.: Die Constructionen von Mascheroni mit dem
Zirkel S. 11.
VII. Ilauptversammlongen S. 11 und 25. — V'eräudeningen im Mitgliederbestände .S. 14
und 2fi. — Beamte im .fahre 1900 .S. 28. — Reehenschaftabericht für 1898 S. 13 und 1«. —
Voranschlag für 1899 S. 13 und 14. — Uehergabe der Kasse S. 13; freiwillige Beiträge
zur Kasse S. 27. — Bericht des Bibliothekars .S. 30. — Dr. med. Friedrich Theil e ■{■
S. 25 — Drude, O.: Pflanzengeogiaphisehe Betrachtungen ül)or Klima und Flora der
Eiszeit in Mitteleuropa .S. 13. — Ehert , R.: Zusammenhang von Wald und Niederschlags-
mengen S. 2«. — Engels, H.: Das neue Flussbaulaboratorium der K. Technischen
Hochschule S. 14. — Uravelius, H.: Vertheilung des Regens auf der Erde S. 11. —
H e 1 m . U. : Statistische Beobachtungen biologischer Erscheinungen S. 1 1 . — H e m p e 1 . W. ;
Ent.stehung der Golderzlagerstätten in den Propyliien S. 13; die Argongruppe und das
Vorkommen von Oasen in Üesteinen S. 20. — Kalko wsky , E. ; Zur Oeologie des Ooldes
S. 13; neue Litteratur S. 25. — Pattenhausen, B.; Wissenschaftliche Begründung des
metrischen Syatenm S. 14. — Petrascheck, W. : p'aciesbildungen im Gebiete der
sächsischen Kreidefonnation S. 25. — StUbel, A.: Die Vulkauberge von l'olombia
S. 25. — Treu, G.; Galton's Ertimlnng, auf dem Wege photographischer Registrirnng
zu einer Darstellung von Typen des menschlichen Antlitzes zu gelangen S. 12. —
Wagner, P.: Die Schneeverhältnisse des Bayrischen Waldes S. 26.
B. Abhaiidlunjs^en.
Bergt, W. : Das erste Anhydritvorkommiiiss in Sachsen (und Böhmen). S. 88.
Deichmüller, J.: Neue Urnenfelder aus Sachsen. I. II. Mit Abbildimgen. S. 23 und 85.
Nessig, R.: .Neue Tiefbohrungen. .S. 16.
Nobhe, F.: Ueher die Funde antiker Bronzen im akademischen Forstgarten zu
Tharandt. S. 19.
.Schlimpert, X. M.: Hosenformen der Umgebung von Meissen. S. 3.
Petrascbeck, W.; Studien über Faciesbildungen im Gebiete der .sächsischen Kreide-
formation. Mit 14 Abbildungen. 8. 31.
Die Autoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer
Allhandlungen.
Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den .Sitzungsberichten auf
besonderen Wunsch 25 Sonder- Abzüge gratis, eine grössere Anzahl gegen Erstattung
der Herstellungskosten.
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t
Dr. med. Friedrich Tlieile.
Am 16. August cl. J. ist der letzte der Männer, welche vor
nunmehr 66 Jahren unsere naturwissenschaftliche Gesellschaft
Isis gegründet haben, Dr. med. Friedrich Theile in Lockwitz in
die Ewigkeit abgerufen worden.
Friedrich Theile wurde am 12. Juli 1814 in Chemnitz geboren, wohin
die Mutter von Dresden zu den Eltern gezogen war, nachdem der Vater
als Feldproviantbeamter der sächsischen Armee den Verbündeten nach
Frankreich gefolgt war. Kaum ein Jahr alt verlor der Knabe schon die
Mutter, ohne dass diese den Gatten wiedergesehen hatte, der erst im
Herbst 1815 aus Frankreich nach Dresden zurückkehrte. Hier zuerst im
grosselterlichen Hause erzogen fand das Kind nach der Wiederverehelichung
des Vaters in der zweiten G.attin desselben eine treufürsorgende Mutter.
Den ersten Unterricht genoss er in einer Privatschule, vom zehnten Jahre
an besuchte er die Kreuzsehule, welche er 18.82 als Abiturient verliess.
Die Pedanterie, welche damals das Gymnasium beherrschte und den
Schüler wohl in die grammatikalischen Kegeln des Latein und Griechisch,
nicht aber in den Geist der alten klassischen Schriftsteller eiuweihtc,
hatte ihn nicht befriedigt, sein Sinn verlangte nach Naturwissenschaften
und bestimmte ihn, das medicinische Studium zu ergreifen.
Zunächst besuchte Friedrich Theile drei Jahre lang die zur Ausbildung
von .Militärärzten bestimmte chirurgisch-medicinische Akademie in Dresden.
In die Zeit dieses Dresdner Studiums fällt die Gründung unserer Gesell-
schaft; am 13. December 1833 versammelten sich zwölf Herren, unter
ihnen auch Friedrich Theile, um über die Statuten einer neuzubegründenden
Gesellschaft für Naturkunde zu berathen, aus welcher in der Folge unsere
naturwissenschaftliche Gesellschaft Isis hervorging. In einer der ersten vier
monatlichen Versammlungen der neubegründeten Gesellschaft hielt Theile
einen Vortrag über die physiologischen und physischen Farben.
Zur Fortsetzung seiner Studien bezog er 1835 die Universität Leipzig,
wo er sich auch mit der d.amals verpönten Homöopathie beschäftigte und
an seinem eigenen Körper die Wirkungen homöopathischer .Arzneimittel
erprobte. Mit eisernem Fleisse gal) er sich seinen Studien hin, von den
Ausschreitungen des Studentenlebens hielt er sich fern. Botanische Studien
führten ihn oft in die nähere und weitere Umgebung der Universitäts-
stadt; das lebhafte Interesse auch an den technischen Errungenschaften
der damaligen Zeit veranlasste ihn sogar zu einer Fusswanderung nach
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Nürubcrg, um die von dort nach Fürth erhaute erste deutsche Eisenhalin
zu sehen und zu hefalircn. Nach drei Jahren sddoss er 18B8 seine
Studien in Leipzig ah und machte mit günstigem Erfolge sein Doct('r-
examen. Die von ihm verfasste Dissertation hehandelt die Wirkungen des
Kellerhalses; „De viribus Daphnes Mezerii nonnulla“.
Seine Liehe zum Landleben bestimmte ihn, sich als Arat auf dem
Lande niederzulasson, um mit der ärztlichen Praxis auch den Betrieb der
Landwirthschaft verbinden zu kiinnen. Zur Erlangung der hierzu nöthigen
Kenntnisse wählte er sich zunächst das Rittergut Rottwerndorf hei Pirna
zum Aufenthalt, wohin ihm auch seine ihm kurz zuvor angetraute üattin
Pauline geh. Rinnehösel aus Leipzig folgte. Zwei Jahre wurden so in
Rottwerndorf verlebt, bis sich 1840 Gelegenheit hot, ein seinen Wünschen
entsprechendes Landgut in Lungwitz hei Kreischa zu erwerben. Trotzdem
die Rewirthschaftung dieses und des später hinzugekauften N'aehhargutes
seine Thätigkeit stark in -■Vnspruch nahm, fand Theile noch Zeit, auch
helehrcnd auf seine Umgehung einzuwirken. Die von ihm ins Lehen ge-
rufenen allmonatlichen Ahcndunterhaltungen versammelten in seinem Hause
die Nachbarn zur Resprechung kirchlicher und ])nlitischer, wie natur-
wissenschaftlicher und landwirthschäftlicher Fragen. Zur Hebung dieses
regen geistigen Verkehrs wurde Ostern 184(> von ihm ein anfänglich ge-
schriebenes „Kreischaer Wochenblatt“ herausgegehen, welches seit Anfang
1847 als „Kreischaer Dorfzeitung“, von 1848 an als „Vaterländische
Dorfzeitung“ gedruckt erschien, ln dieser Zeitung, welche auch dem 1846
von Theile gegründeten Kreischaer Turnverein als \'ereinsorgan diente,
wurde iler in jenen .\hendnnterhaltiingen begonnene gegenseitige Gedanken-
austausch in geeigneter Weise fortgesetzt und nach Gewährung der Press-
freiheit auch die Politik zum Gegenstand der Resprechungen gemacht.
In der ersten Nummer der „Vaterländischen Dorfzeitung“ legte Theile
sein politiscdies Glauhenshekenntniss nieder, aus welchem hervorgeht, dass
der später so vielfach mit Unrecht angefeiudete .Mann mit Ueherzeugung
und Entschiedenheit sich gegen die republikanische Staatsverfassung aus-
sprach und für die Erhaltung der constitutionell monarchischen Staats-
form eiutrat. Das Vertrauen seiner .Mitbürger berief ihn zunächst in das
Amt des Gemeindevorstandes für Lungwitz und 1848 als Abgeordneter
in die erste Kammer des sächsischen Landtages.
Der schwere Uonflict, in welchen Dr. Theile durch seine Retheilignng
an der Volkserhebung dos Jahres 1849 mit der Regierung gerieth, zog
ihm eine mehrjährige Freiheitsstrafe zu, die er in Waldheim verhüsste.
Hier wurde ihm gestattet, sich schriftstellerisch zu beschäftigen, von hier
aus leitete er auch schriftlich die Erziehung seiner beiden Kinder Hedwig
und Uonrad, wie die Rewirthschaftung seiner mit Reschlag belegten Güter.
In den Jahren nach seiner Rückkehr in den Familienkreis, 1854 — 1862,
widmete sich Dr. Theile in erster Linie der Verwaltung seiner beiden
Güter, ergriff aber auch jetzt wieder jede Gelegenheit, durch Wort und
Schrift die Volksbildung zu fördern; nebenbei arbeitete er als Lehrer der
Naturwissenschaften, der Mathematik und des Turnens in Dippoldiswalde
und gab N’eranlassuug zur Gründung eines Localmuseums für Dippoldis-
walde und Umgehung, welches aber später mangels eines geeigneten Leiters
wieder oinging.
Die vom Staate und der Stadt Dresden erhobenen grossen Schaden-
ans])rüche uiul die Verheirathung seiner Tochter, durch woh'he ihm eine
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VII
wesentliclie Stütze in der llewirthschaftuiig seiner (iüter verloren ging,
veranlassten ilin, sein Ilesitzthuni in Lungwitz zu veräussern in der Ab-
sicht, die ärztliche Praxis wieder aufzunehmen. Zu diesem Zwecke be-
suchte der nun 48 Jahre alte Mann nochmals drei Semester von 1862 bis 1864
die inedicinischen Kliniken und Vorlesungen an der Universität Leipzig, im
Sommersemester 1864 die Kliniken von Oppolzer, Skoda, Hebra u, A. in Wien,
und siedelte Ende September 1864 als Arzt nach Lockwitz über. Seine Liebe
zu anderen Wissenschaften und die Neigung, als Lehrer für die Ver-
breitung namentlich naturwissenschaftlicher Kenntnisse im Volke zu wirken,
veranlassten ihn aber, als Lehrer der Naturwissenschaften am Institut des
Fräulein von Schcpke in Dresden, als Gemeinderathsmitglied in Lockwitz
wie als Vortragender in verschiedenen Vereinen von Lockwitz und Um-
gegend thätig zu sein, seine ärztliche Wirksamkeit trat mehr und mehr
zurück.
Im Jahre 1877 traf ihn und seine Gattin, die ihm in schweren und
frohen Stunden immer treu und liebevoll zur Seite stand, ein schwerer
Schlag durch den Tod seines einzigen Sohnes Conrad, der als Thierarzt
auf einem Rittergute in Preusseu lebte.
Seit 1880 bis Anfang 1899 widmete sich Dr. Theile fast au.sschliesslich
der Redaction des vom Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz heraus-
gegebenen Vereinsorgans ,,Ueber Berg und Thal“, in welcher Zeitschrift
er auch mit Vorliebe die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Thätigkeit
niederlegte. Diese Aufsätze legen Zeugniss von seinen vielumfassenden
Kenntnissen ab; mit Vorliebe arbeitete er für die Ortskunde, daneben
beschäftigten ihn geologische Fragen, wie die Eiszeit und die Entstehung
der Kantengeschiebe, der sogenannten Dreikantner, deren Ausbildung er
durch gegenseitige Abreibung kugeliger und eiförmiger Geschiebe in der
Grundmoräne der diluvialen Gletscher zu erklären suchte. Von seinem
grossen Interesse für Botanik zeugt der Garten, welcher sein Wohnhaus
in Lockwitz umgiebt; liier entwickelten sich unter seiner sorgsamen Pflege
zahlreiche fremde und einheimische Pflanzen, und man konnte ihm eine
grosse Freude hereiten, wenn man ihn um eine seiner Seltenheiten bat,
die er gern und willig abgab.
1885 ernannte ihn unsere Gesellschaft Isis aus Anlass ihres fünfzig-
jährigen Bestehens zum Ehrenmitgliede. Zu wiederholten Malen ist er
dann in unseren Versammlungen erschienen und hat in unserem Kreise
sein geologisches Lieblingsthema, die Entstehung der Dreikantner, welchem
er bis zu seinem Ende fortgesetzte Aufmerksamkeit zuwendete, in Vor-
trägen behandelt.
1888 feierte Dr. Theile in möglichster Stille sein fünfzigjähriges Doctor-
jubiläum, beglückwünscht von Behörden und Vereinen, und 1894 in geistiger
und körperlicher Frische im Kreise der Seinen den 80. Geburtstag, bei
welcher Gelegenheit ihm auch unsere Gesellschaft ihre Glückwünsche durch
eine Abordnung darbringen liess.
Nachdem Dr. Theile Anfang April 1899 trotz seines hohen Alters
seine Redactionsgcschäfte noch selbst in Dresden erledigt und sich in ver-
schiedenen Bibliotheken Unterlagen für seine schriftstellerische Thätigkeit
geholt hatte, erlitt er am 16. .April d. J. in l'olge zu grosser körperlicher
Anstrengungen bei Arbeiten in seinem Garten einen Schlaganfall, von dem
er sich nicht wieder vollständig erholen konnte. .Am 16. August 1899 früh
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^|^b Uhr setzte ein erneuter Sclilaganfull seinem arbeitsreichen Lehen
ein Ziel.
Am 19, August d. J. fand sein Begrähniss auf dem stillen Friedhofe
in Lockwitz statt, nachdem zuvor der Ortsgeistliche am Sarge des Ver-
ewigten inmitten des sein schlichtes Heim umgehenden Blumengartens in
erhellenden Worten die trefHichen Charaktereigenschaften des Dahin-
geschiedenen geschildert hatte. Die herzliche Theilnahme zahlreicher
Freunde aus allen Lehens- und Berufskreisen, von Vereinen und Körper-
schaften aus Dresden und Lockwitz legte ein beredtes Zeugniss von der
Liebe ab, welche der Verewigte unter seinen Freunden und Mitbürgern
genossen batte.
Mit voller Ueberzeugung können wir die Worte wiederholen, die ihm
der Gebirgsverein in seinem Vereinsorgan „Ueber Berg und Thal“ nach-
gerufen hat: „Das ganze Lehen des Verstorbenen war nur dem Dienste
Anderer gewidmet. Nie arbeitete er für sich selbst; selbstlos und be-
scheiden fand er sein grösstes Glück in der Beglückung Anderer. Darum
war er hochgeachtet, geliebt und verehrt in den weitesten Kreisen. Er
hatte keinen Feind.“
Sein für alles Wahre, Gute und Schöne stets empfänglicher Geist,
seine grosse Liebe für die Menschheit sichern ihm ein bleibendes An-
denken.
J. Deichmüller.
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Verzeichniss der Mitglieder
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden
im Jnni 1899.
Berichtiijnngon bittet man an den Spcretär der Gesellsdmft,
d. Z. l’rof. Dr. J. V. DoIehmUIler in Ilrenden, K. Mineral.- geolonisclies Museum im
Zwinger, zn richten.
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Inhalt des Jahrganges 1899.
A. Sitzungsberichte.
I. Sectlon für Zoologie S. 3 und 19. — Jenke, A.: Vorlagen von Schizoneura lanigera
8. 19. — Nitache, H.; Entwickelung nnd Wechael der Hörner bei der amerikanischen
Gabelantilope, Linnö'sche Systematik der Sängethiere, elektrische Fische, K. Leuckart •{•
S. 3; zoologische Reiseeindrücke ans England, Vorkommen von Leveaspius delineatus
und Khodeu$ amarus 8. 19. — Reibisch, Th.: Binnenconchylien aus Ecuador 8.3;
Einfühning von Helix eandicane im Planenachen Grunde 8. 4; und R. Ebert:
Berichtigungen ,S. 4. — Schiller, K.: Vorlagen von Cyclops und Daphnia S. 19. —
Schorler, B.: Kalkalgen des Süsswa-asera nnd ihre Beziehungen zu den sogenannten
Fnrehensteinen S. 2il, mit Bemerkungen von 0. Drude, H. Nitsche und P. W agner.
— Thallwitz, J.: Stärke der Schläge de.a Zitterrochens S. 4; Vorkommen von Sper-
mophilus cilillus im sächsischen Erzgebirge S. 19; über Hydroidpolypen und Medusen
des Mittelmeeres S. 20, mit Bemerkungen von R. Ebert und H. Nitsch e. — Vogel, CI.;
Bastardirungsvorgänge bei Sängethieren S. 3, mit Bemerknn^n von U. Nitsche und
A. Schöpf. — Wagner, P.: üeber Rillensteine S. 19. — Geschenke für die Biblio-
thek S. 19.
n. Sectlon fOr Bottinik S. 4 nnd 20. — Drude, 0.; Milchsaftröhren der Euphorbien,
gegenwärtiger Stand der Nomenclaturfrage 8. 4; stickstoffsammelnde Thätigkeit der
Bodenbakterien S. 5; Resultate botanischer Reisen in Sachsen und Thüringen S. 20;
neue Littcratur S. 5 nnd 20. — Fritzsche, F.: Vorlagen von Blttthen-Abuormitüton
S. 5 — Oründler, J.: Ueber Bacillariaceen 8. 5. — Pohle, R.: Demonstration
des Heu - Bakteriums, Beginn der Cambium- Thätigkeit bei Populua canadensis S. h.
— Schorler, B.: -\ntheil der Pflanzen an der Selbstreinigung der Flüsse S. 4; stein-
zerstörende Algen 8. 20; Bereicherungen der Flora Saxonica S. 21. — Stiefel-
hagen, H.; Neue Carc.i-- Formen nnd Hybriden S. 21. — Walther, R.: Neuer
Desinfectionsapparat für geschlossene Räume S. 4.
III. Sectlon für Mineralogie nnd Geologie S. ö nnd 21. — Bergt, W.: Geologie
der Antillen, Bestimmung von Calamiten S. ö; neue Eitteratur S. K und 21. — Engel-
hardt, H. : Pflanzen ans dem Polirschiefer von Sniloditz, neue Litteratur S. 6. —
Kalkowsky, E.; Zwillingsbildungen des Quarzes S. 5; Begriff und Werth der Edel-
steine S. 6; neuer Aufschluss im Diluvium in Dresden, Vorlagen S. 21; neue Litte-
ratur S. 5 und f). — Naumann, E. : Concretionen im Glacialmergel S. ti. — Nessig, R :
Studien Uber den Dresdner Haidesand S. 6; Graphit-Vorkommnisse im Lausitzer Granit
bei Dresden S. 21.
IV. Sectlon für prähistorische Forschungen S. K und 21. — Deichmüller, _J.-
Schutz der vorgeschichtlichen Alterthttmer, Brouzefnnd von Velem St. Veit S. 7; Vor-
geschichte .Sachsens, mit Vorlagen 8. 21. — Döring, H.: Prähistorisches aus dem
Muldenthal zwischen Nossen und Ros.swein ,S. 21. — Ebert, O.: Vorlagen S. 23. —
Nitsche, H. ; Die sogen. Wetzikonstäbe S. fi; uralte Formen von Angelgeräthen,
über Fisch.speere S. 7. — Exenraion nach Lockwitz S. 7.
V. Sectlon für Physik und Chemie S. 7 und 23 — Foerster, F. : Einwirkung von
Chlor auf Alkalien 8. 24. — Heger, R.: Optische Beobachtungen in den Alpen
8. 23, mit Bemerkung von F. Pockels ,S il — Lottermoser, A.: Das collmdale
Quecksilber S. 9. — Möhlau, R.: Neue Anwendungsfurmen der Cellulose S. 2.3. —
Pockels, F. : Die bei Blitzentladungen vorkommenden Stromstärken 8. H. — Schloas-
mann, A.: Die Milch nnd ihre Bedeutung als Nahrungsmittel S 9. — Toepler, M :
Schichtung elektrischer Funken nnd über Gleitfnnken S. 8. — Walther, R.: Ueber
Explosivstoffe S. 7.
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IV
VI. Sectlon für Mathematik S. 9 und 24. — Gravelins, H.: Grundgedanken der
GyldSn'schen Stömngstheorie S. 25. — Krause, M : Partialbruclizerlegung bei trans-
cendenten Functionen S. 10. — Rohn, K.: Zusammensetiung von Bewegungen und
reguläre Raumeintheiinng S. 9; Kigenschaften der Gurren d. und 4. Ordnung S. 24 ;
Methode der Construction des Krllmmungskreises an einem der fünf gegebenen Punkte
eines Kegelschnitts ,S. 2.5. — Witting, A.: Planimetrische Constructionen in be-
grenzter Ebene S. 10.
Yll. HaoptTersammlnngeii S. 11 und 25. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 10
und 2ti. — Beamte ira .Tahre 1899 S. 28. — Rechenschaftsbericht für 1897 S. 11 und 15.
— Voran.schlag für 1998 S 11. — Freiwillige Beiträge zur Kas.se S 27. — Bericht
des Bibliothekars S. 90. — Massregeln zum Schutz der vorgeschichtlichen AlterthUmer
S. II, 12 und 25. — G. Zeuner's 70. Geburtstag S. 25. — Bergt, W.; Geologie von
Schantun^ (Kiautschon) S. 12. — Engelhardt, H.: Neue Litteratur S. 13. — Fiacher,H.:
Die Wesfinghouse - Bremse S. 13. — Grosse, J.: Garl Gustav Carus in seiner Be-
deutung für die Naturwissenschaften S. 11. — Krause, M. : Uebcr Universität und
Technische Hochschule S. 20. — Lewicki, E.: Ueber Centrifwalguss S. 12. —
Lewicki, L.: Das maschinentcchnische Laboratorium der K. Tcchn. Hochschule
,S. 11. — Lohmann, H.: Ueber Eishöhlen und Höhleneis S. 11. — Renk, F.: Das
hygicinische Institut der K. Teehn. Hochschule und die K. Centralstelle für öffent-
liche Gesundheitspflege S. 28. — Schlossmann, A.: Nene Art der Wohnungsdea-
infection S. 12; Reiseschilderungen ans Spanien S. 26. — Wagner, P. : Physikalische
und geolo^sche Untersuchungen der Böbmerwaldseen S. 12. — Excursionen nach
Demitz bei Bischofswerda S. 12 und nach Planen b. Dr. 8. 25.
B. Abhandlungen.
Drude, 0.: Resultate der floristischen Reisen in Sachsen und Thüringen. S. 82.
Engelhardt, H.: Sardinische Tertiärpflanzen. II. S. 101.
Hallwachs, W.; Ueber ein Doppeltrogrefractometer und Untersuchungen mit dem-
selben an Lösungen von Bromcadmium, Zucker, Di- und Trichloressigsänre
sowie deren Kalinmsalzen, mit 3 .Abbildungen. S. 49.
Nessig, R.: Studien über den Dresdner Haidesand. S. 27.
Schlossmann, A.; Ueber die Bedeutung der Milch als Nahrungsmittel, fi. 33.
Schorler, B.: Bereicherungen der Flora Saxonica im Jahre 1898. S. 97.
Thallwitz, J. : Ueber das Vorkommen des Ziesels in Sachsen. S. 95.
Toepler, M. ; Geschichtete Danerentladung in freier liuft (ßüschellichtbogen) uml
Righi’sche Kugelfunken, mit Tafel I und 29 Abbildungen. S. 3.
Die Autoren »ind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer
Abhandlungen.
Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf
besonderen Wun.sch 25 Sonder-Abzüge gratis, eine grössere Anzahl gegen Erstattung
der Herstellungskosten.
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I. Wirkliche Mitglieder.
A. in Dresden. j.hr der
Aufnahmn.
1. AlTenslebpn, Ludw. Osc. von, Landschaftsmaler, Kaitzerstr. 7 ..... . 1895
2. Baenach, Willi., VerlaKsbuidihandlmig und Buchdrnckerei, Waiseiihansstr. 34 1898
'3. Barth, C'urt, T>r. phil., Chemiker an der städtischen (jasanstalt, Kitnigshrücker-
strasse 97 1899
4. Banmeren G. Hermann, Privatns, Holbeimstr. 38 1852
5. Beck, F. Heinr., Bczirksschiillehrcr, Mathildenstr. 60 1896
6. Becker, Herrn., Dr. med., Pragerstr. 46 1897
7. Beiger, Gottl. Und., BUrgerschnllehrer, Wittenbergerstr. 67 1893
8. Berger, Carl, Dr. med., Striivestr. 9 1898
9. Besser, C. Emst, Professor a. D., LSbtanerstr. 24 1863
10. Beyer, Th. Washington, Ma.schinenfabrikant, Grossenhainerstr. 9 1871
11. Biedermann, Paul, Dr. phil., Oberlehrer an der Annenschule. Rabenerstr, 7 1898
12. Bley, W. Carl, Apothekenverwalter am Stadtkrankenhause, Friedrichstr. 39 . 1882
13. BSttger, Adolf, Healschnloberlehrer, Seidnitzerstr. 14 1897
14. Bose, C. Mor. von, Dr. phil., Chemiker, Leipzigerstr. 11 1868
15. Bothe, F. Alb., Dr. phil., Professor, Conrector an der Dreiklinigschule, Tieck-
strasse 9 1859
16. Calberla, Gnst. Mor., Privatus, BUrgerwiese 8 1846
17. Calberla, Heinr., Privatus, Biirgerwiese 8 1897
18. Crnslns, Georg, Dr. phil., Privatu.s, Lindenga.s.se 24 1888
19. Clippers, Friedr., Kaufmann, Comeniusstr. 43 1896
20. Delchmilller, Job. Vict., Dr. phil., Professor, Dircctorial- Assistent am
K. Mineral. -geolog. Museum nebst der Prahistor. Sainmlnng, Fürstenstr. 64 1874
21. Düring, Herrn., Bü^ersehullehrer, Keissigerstr. 19 1885
22. Doerlng, Carl, Bezirksschnllehrer, Cottaerstr. 7 1899
23. Drude, Osc., Dr. phil., (ich.Uofrath, Professor an der K. Technischen Hochschule
und Dircctor des K. Botanischen Gartens, StUbel-Allee 2 1879
24. Ebert, Gust. Kob., Dr. phil., Professor am VitztUum’schen Gymnasium,
Gr. Plauenschestr. 15 1863
25. Ebert, Otto, Lehrer an der Tanhstnmmen- Anstalt, Llibtanerstr. 9 . . . . 1885
26. Ehneia, Osc. Max, Vemiessungs- Ingenieur, Zinzendorfstr. 6t) . . . . . 1893
27. Engelhardt, Bas. von, Dr. phil., Kais. Rnss. Staatsrath, Astronom, Liebig-
stra.sse 1 • 1884
28. Engelhardt, Herrn., Professor an der DreikBnigschnle, Bautznerstr. 34 . . . 1865
29. Fickel, Job., Dr. phil, Professor am Wettiner Gymnasium. Fürstenstr. 65 . . 1894
30. Fischer, Hugo Kob., Professor an der K. Technischen Hochschule, Sclinorr-
strasse 67 1879
31 Flachs, Rieh., Dr. med., Pragerstr. 21 1897
32. Foerster, J. S. Friedr., Dr. phil, Professor an der K. Technischen Hochschule,
Wertlerstr. 23 1895
33. Freude, Aug. Bnino, Bürgerschullehrer, Bcrlinerstr. 8 1889
31. FVeyer, Carl, Bürgerschnllehrer, Tittinaniistr. 25 1896
,35. Friedrich, Eilm., Dr. med., lundcngasse 20 1865
36. Frölich, Gust., K. Hofarchitekt und Hof hauinspector, Ludwig Kichterstr. 9 . 1888
37. Galewsky, Eug. Eman., Dr. med., Waisenhans.str. 21 18i)9
38. Gebhardt, Mart, Dr. phil, Realgymna.siallehrer an der Annenschule, Winckel-
raannstr. 47 1894
*•
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IV
Jfthr dpr
Aufofthtn^.
3H. (ieinitz, C. Lcop., Bürean-Assistont an den K. SSclia. StaatsUahnen, I.iudenau-
Btraase 10 1886
40. Glseke, Carl, Privatus, Franklinstr. 9 1893
41. draTelina, Harry, I)r. phil., Astronom, Profes.sor an der K. Technischen
Hochschale. Beissigerstr. 13 1897
42. OroBse, C. Joh., lir. med., Chcranitzerstr. ,53 1893
43. Grab, Carl, .8tabsapotheker a. D., Hasseslr. 6 1890
44. (ilrUndler, .Joh., Dr. med., Comeniusstr. 31 1897
45. GOhne, Herrn. Beruh., Dr. phil., Oberlehrer an der Dreikönigachule, Ji%'ei-str. 28 1896
46. Günther, Rud. Biedemi., Dr. med., (leh. Rath, Präsident des K. Landes-
medicinal- Collegiums, Eliasstr. 22 1873
47. Gnthmann, Louis, Fabrikbesitzer, Pragerstr. 34 . _ 1884
48. Häiiel, l’aul, Chemiker, Hertelstr. 29 ’ 1899
49. Uallwachs, Wilh., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochaclmle,
Schweizerstr. 14 1893
60. Hartig, C. Emst, Dr. ])liil.. Geh. Regierungsrath, Professor an di^r K. Tech-
nischen Hochschule, Winckelnianustr 31 1866
61. Hartmaun, Alb., Ingenieur, Reichenbachstr. 11 1896
62. Uefelmann, Kud., l)r. phil., Chemiker, .Sehreibergasse 6 1884
53. Heger, Gust Rieh., Dr. phil., Professor an der K Technischen Hochschule nud
am Wettiner Gymnasium, W’inckelmannstr. 37 1868
64. Heinrich, Carl, Ilui hdruckereibesitzer, .Vieritzstr 14 1898
66. Helm, Georg Fenl,, Dr. phil., Professor an der K. Techni.schen Hochschule,
Winckelmannstr. 27 1874
66. Hempel, Waith. .Matthias, Dr. phil.. Geh. Hofrath, Piofessor au der K. Tecli-
uisehen Hochschule, Zelle.schestr. 44 1874
67. Henke, C. Rieh., Dr. phil., Professor, Conrcctor an der Annensehule, Linilenan-
strassc 9 1898
68. Hering, C. Adolph, Berg- und Hiitten-ingenieur, Gutzkowstr. lü 1893
69. Hertnrig, Theod., Bergdirectnr a. 1)., .Stephanienstr. 26 1888
(X), Hirt, F. Roh., Stadtrath a. D., Fabrikbesitzer, Btirgenviese 1 1886
61. Hofniann, Alei. Emil, Dr, phil.. Geh. Hofrath, Giithestr. 6 1866
62. Hofmann, Herrn., Dr. phil., Rittergntshesitzer, Eliasstr. 31 1883
63. Hoyer, (’. Emst, Dr. phil., Oberlehrer an der 1. Realschule, Schnbertstr. 29 1897
64. Hübner, Georg, Dr. ])hil., Apotheker, .Am Markt 3 und 4 1888
65. Hupfer, Paul, Dr. phil., Lehrer an der öfl'enlliehen Handelslehranstalt, Loth-
riiigerstr. 4 1896
66. Jani, F. Herrn., Privatus, Kiiiiigstr. 17 1871
67. Jenke, Andreas, Bezirkssehullehrer, Circusstr. 10 1891
68. Jentseh, .loh. Ang., Bezirksschullehrer, Ei.senbergerstr. 13 188.5
69. Ihle, Carl Herrn., Oberlehrer am K. Gymna-sinm zu Neustadt, Kamenzerstr. 9 1894
70. Kämnltz, Max, Chemiker, Bautznerstr. 79 1894
71. Küseberg, Mor. Rieh., Dr. phil., Institntslehrer, Kl. Planensehest r. 29 . . . 188ti
72. Kalkonsky, Emst, J)r. phil., Profe.ssor an der K. Technischen Hochschule
und Direetor des K. Mincr.-geidog. Museums nebst der Prähistor. Sammlung,
Franklinstr. 32 1894
73. Kavser, Agnes, Sanilätsraths-Wittwe, Terrassenufer 3 1883
74. Keil, Rieh., Dr. phil., Professor an der Annensehule, Lindenanstrasse 12 . 1873
75. Kelling, E m. Georg, Dr. med., Cliristianstr. 30 1899
76. Klein, Herrn., Dr. phil., Profes.sor am Vitzthnm’schen Gymnasium, Grosse
Plauenschestr. 13 186;{
77. Klette, Alphons. Privatus, Residenzstr. 18 1883
78. Klette, Emil, Privatus, Elsasserstr. 2 1893
79. König, Clem., Professor am K. Gymnasium zu Neustadt, Katharineiistr. 16. 1890
80. Kopeke, Clausa, Geh. Rath. Strehlencrstr. 23 1877
81. Krause, Mart., Dr. phil.. Geh. Hofrath, Professor au der K. Techni.schen Hoeh-
seliiile, Kaitzer.str. 12 1888
82. Krone, Herrn., Professor an der K. Technischen Hoch.schule, .loscphinenstr. 2 18,52
Hi). KUhnseherf, Emil, Fabrikbesitzer, Gr. Plauen-schestr. 20 1866
84. Kuntze, F. Alb. Artli., Bankier, Hohestr. 4 1880
83 LangsdorlT, Carl Alex, von, Geh. Oekonoraicrath, Professor an der K. Thier-
ärztlichen lloehsehiile, Franklinstr. 22 1885
86. Ledebnr, Haus Ein. Freiherr von, Friedensrichter, IJhlandstr. 6 . ... 18K5
87. Ledien, F'ranz, Garten-IusiK’ctor am K. Botanischen Garten, .StUhel-Allec 2 1889
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V
Jahr der
Aufoabme.
88. Lehmann, F. Georg, K. Hofbachhändlcr, Albrechtstr. 22 1898
89. Leuner, F. Oac., Ingenieur, Franklinstr. 84 1885
90. Lewlcki, .1. Leonidas, Geh. Hofrath, Professor an der K. Technischen Hoch-
schule, Zelleschestr. 29 1875
91. Littrow, Arth, von, Dr. phil., SecretSr des landwirthschaftl. Kreisvereins,
Gr. Planen.schestr. 21 1891
92. Lohmann, H-aiis, Dr. uhil., Oberlehrer an der Annenschule. Schnorratr. 82 . 1896
93. Lotternioser, C. A. Alfred, Dr. phil., Assistent an der K Technischen Hoch-
schule, Zelleschestr. 31 1898
94. Lndwlg, J. Herrn., liezirksschullehrer, Wintergartenstr. 58 1897
95. Meinert, Eng., Dr. jnr., Moltkeplatz 3 1895
96. Meissner, Herra. Linus, BUrgerschullehrer, Löbtauerstr. 24 1872
97. Menzel, Paul. Dr. raed., Mathildenstr. 46 1894
98. Meyer, Ad. Benih., Dr. med., Geh. Hofrath, Direetor des K. Zoolog, und
Anthrop.-ethnogr. Musenms, Wiencrstr. 43 1875
99. Meyer, Emst von, Dr. phil., Geh Hofrath, Professor an der K. Technischen
Hochschule, Lessingstr. 6 1894
100. Modes, Henn., Ingenieur, Antonstr. 18 1887
101. Mühlan, Rieh., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule,
.Semperstr. I 1895
102. Mollier, Kob. Rieh., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule,
Gutzkowstr. 29 1897
K^. Morgenstern, Osc. Wold., Oberlehrer an der Annenschule, Ohemnitzerstr. 21 1891
104. Miihlfrledel, Rieh., Bezirksschul-Oberlchrer, Haydnstr. 9 1898
105. Mttller, C. Alb., Dr. phil., Oberlehrer an der ilffentlichen Handelslehrunstalt,
Mathildenstr. 66 1888
106. Müller, Herrn. Otto, Forstasses.sor, Sohnorrstr. 12 1896
107. Müller, Mas Erich, Dr. phil., Chemiker, Wasastr. 15 1898
108. >’fttsch, Emil, Dr. phil., Privatdocent an der K. Technischen Hochschule,
Gluckstr. 6 1896
109. Kanmann, C. Amo, Dr. phil., Assistent am K. Botanischen Garten und Lehrer
an der Gartcnbauschule, Ziillnerstr. 7 1889
110. Tianmann, Emst, Dr. phil., Assistent am K. lliner.-geolog Museum, Holbein-
str.isse 17 1898
111. Jiessig, Roh., Dr. phil., Oberlehrer au der Dreikünigschule, Martin Lntherstr. 6 1893
112. Kledner, dir. Franz, Dr. med., Olicrmediciualrath, Stadtbezirksarzt, Winckel-
mannstrasse 33 1873
113. Nowotny, Franz, Ober- Finanzrath a. D., Chemnitzerstr. 27 1870
114. Ostermaier, .Joseph, Kaufmann, Gcrok.str. 45 1896
115. Pattenhansen, Berah., Professor an der K. Technischen Hochschule und
Direetor des K. Mathem.-physikal. 8alon.s. Eisenstuekstr. 43 1893
116. Panlack, Theml., Apotheker, Pani Gerhardtatr. 4 1898
117. Pestei, Rieh. Martin, Mechaniker und Optiker, Hanptstr. 1 und 3 . . . . 1899
118. Penckert, F Adolf. Institntslehrer, Seilergasse 2 1873
119. Pockels, Fricdr., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule,
Sedanstr. 8 1896
120. Pütsrhke, .Tul.. Techniker, Gärtnerga.s.se 5 1882
121. Pohle, Rieh., Assistent an der K. Technischen Hochschule, .Schweizerstr. 12 1897
122. Polscher, A., Zahnklinstler, Prager.str. 13 1897
123. Prinzhorn, Joh. Lndw., Direetor einer T,ehr- und Erziehungsanstalt für
Knaben, Ferdinandstr. 17 1896
124. Pntscher, .1. Wilh., Privatns, Bergstr. 44 1872
125. Rabenhorst, G. Ludw., Privatu.«, Stolpenerstr. 8 1881
126. Range, E. .Albert, Strassen- und Wasserbau-Inspector, BUrgenviese 8 . . 1898
127. Raspe, Frledr., Dr. pbil., Chemiker, Terra.ssenufer 3 1880
128. RebenstorlT, Herrn. Alb., Oberlehrer beim K. Cadcttencoriis, Priessnitzstr. 2 18it5
129. Reichardt, Alex. Wilibald, Dr. phil., Oberlehrer am Wettiner Gymnasium,
Chemnitzerstr. 35 1897
130. Renk, Frledr., Dr. med.. Geh. Medi<’inalrath, Professor an der K. Technischen
Hochschule und Direetor der Centralstelle für öfl'entliche Gesundheitspflege,
Residenzstr. 10 1894
131. Richter, C. Wilh., Dr. med., Hiihnelstr. 1 1898
1.32. Risch, Osc., Privatns, Gutzkowstr. 10 1893
1.33. Röbner, C. Willi., Bezirksschnllehrcr, Elisenstr. 16 1898
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VI
J4br d«r
Aufokbrne.
184. Robn, Carl, Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule, Liehig-
strasse 18 1885
1.85. Sslbacli, Franz, Ingenieur, Victoriastr. 3 1895
13fi. Schaedc, Benno, Amtsgerichtsrath a. D., Uhlanilstr. 24 1891
137. Schanz, Alfr., Dr. med., Georgplatz 11 1897
138. Scheele, Curt, Dr. phil., Oberlehrer am Wettiner Gvmuasinm, Keichenbach-
1 ^*^03
139. Schiller, Carl, Privatus, Bautzner.«tr. 49 1872
140. Schlossmann, Arth. Herrn., Dr. med., I’rivatdocent an der K. Technischen
Hochschule, Franklinstr. 7 1896
141. Schmidt^ Herrn., Bezirkssi hnllehrer. Schumannstr. 29 1898
142. Schneider, Bernh. Alfr, Dr. phil., Corpsstabsapotheker, Bietschelstr. 14 . . 1895
143. SchSpf, Adolf, Betriebsilirector des Zoologischen Gartens, Thiergartenstr. 1 1897
144. Schorler, Bernh., Dr. phil., Kealschullehrer nud Assistent an der K. Tech-
nischen Hochschule, Haydnstr. 5 1887
145. Schulze, Georg, Dr. phil., Oberlehrer an der Dreikönigschule, Markgrafen-
strasse 34 1891
146. Schulze, .lul. Ferd., Privatus, Liebigstr. 2 1882
147. Schuster, Osc., Generalmajor z. D., Sedanstr. 1 18ti9
148. Schweissinger, Otto, Dr. phil., Apotheker, Dippoldiswaldaetjdatz 3 . . . 1890
149. Schwotzer, Mor., Btirgerschullebrer, Kl. l’hmenschcstr. 12 1891
150. Seyde, F. Ernst, Kaufmann, Strehlenerstr. 29 1891
151. Slegert, Theod., Professor, Antonstr. 16 1895
152. Siemens, Friedr., Civil -Ingenieur und Fabrikbesitzer, Liebigstr. 4 . . . . 1872
1.53. Slemers, Auguste, Privata, Schnorrstr. 45 1872
154. Slemers, Florentine, TonkUnstlers Wittwe, Schnorrstr. 45 1872
155. Steuer, Wilibald Ferd., Privatus, Unterer Kreuzweg 3 1889
166. Stlefelhngen, Hans, Bezirks.schullehrer, LUttichaustr. 13 1897
157. Stopp, Paul, Bankbeamter, .Schiissergasse 4 1895
158. Streit, Willi., Verlagsbuch- und Kunsthilndler, llhlandstr. 8 1897
159. Stresemann, Kich. Theod., Dr. phil., Aiiolheker, Kesideuzstr. 42 .... 1897
160. Struve, Alex., Dr. phil , Fabrikbe.sitzer, Stnivestr. 8 1898
161. StUbel, Mor. Aluhons, Dr. phil., Geolog, Feldgasse lo 1856
162. Süss, P., Dr. phil., Assistent an der K. Teehni.'‘cheii Hochschule, Behrischstr. 1 1899
163. Teicbmann, Balduin, Major a. D., Wieneiatr. 26 1895
164. Tempel, Paul. Oberlehrer am K. Gymnasium zu Neustadt, Markgrafenstr. 37 1891
165. Tballwltz, Job,, Dr. phil., Oberlehrer an der II. llealschnlc, Sehiiorrstr. 70 . 1888
166. Thiele, Henn., Dr. phil., Chemiker, Winckelmannstr. 27 1895
187. Thonuer, Franz, l’nvatus, Uhlandstr. 9 1896
168. Toepler, Ang„ Dr. phil. et med.. Geh. llofratli, Profes.sor au der K. Technisehen
Hoehsehnle, Winckelmannstr. 43 1877
169. Toepler, Maximilian. Dr. phil., Assistent an der K. Teehui.sehen Hochsi hule,
Wincki ImannstT. 43 1896
170. Ulbricht, F. llich., Dr. phil., Finanz- und Baurath, Professor an der K. Tech-
nischen Hia hsehnle, Strehlenerstr. 43 1885
171. Umlauf, Carl. Dr. phil., Oberlehrer an der. Dreikouigsclmle, Sehillerstr. 40 . 1897
172. Vetters, Carl W. E,. em. BUrgersehul- Oberlehrer, Gorlilzerstr. 28 .... 1865
173. Vlehmeter, Hugo, Bczirkssehullehrer, Beissigerstr. 21 1898
174. Vieth, Job. von, Dr. phil., Oberlehrer am K. Gymnasium zu Neustadt, Arndt-
strasse 6 1884
175. A'ogel, G. Clem., Bezirksschnllehrer, Liiidcnanstr. 25 1891
176. Vogel, J. Carl, Fabrikhesitzer. Leuhnitzerstr. 14 1881
177. Vorländer, Herrn., Privatus, Parkstr. 2 1872
178. IVähmuiiii, Friedr., Bezirkssihullelirer, Fürstcuplatz 1 1898
179. Wagner, J’aul, Dr. phil., Oberlehrer an der I. Kealsehnle, HUlderstr. 9 . . 1897
180. Walther, Beinhohl, Dr. phil., l’rofessor an der K. Technischen Hoehsehnle,
Schnorrstr. 40 189.5
181. AVeber, Friedr. Ang„ Imstitiitslehrer, Circusstr. 34 186.5
182. Weigel, Johannes, Kaufmann. Marienstr. 12 1894
183. Welssliach, Kob., Geh. Jlofrath, Professor .m der K. Technischen Hochschule,
Schnorrstr. 5 1877
184. Werther, Johannes, Dr. med., Amalienstr. 23 1896
185. B'ilkens. Carl, Dr. i>hil., Direetor der Steingtitfahrik von Villeroy it Bwb.
Leipzigerstr. 4 1876
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VII
.lahr iler
All fDahmo.
IS6. Wlnthropp. JJeilson, Privatns, Wienerstr. 32 189ö
187. WittlD^, Alex., Dr. phil., Oberlehrer an der Krenzschnle, Residenzstr. 32 . 1886
188. Wobst, Carl, Oberlehrer an der Annen.schule, Ammonstr. 78 1868
189. WollT, Ernst, Dr. phil., Oberlehrer am K. Cadettencorp.s, Weintranbenstr. 11 1896
190. Worjrltzky, Eng. Georg, Dr. phil., Oberlehrer an der Kreuzsehule, Pestalozzi-
strasse 10 18!H
191. Zeoner, Gust., Dr. phil.. Geh. Rath, Professor a. D., 'Winekelmannstr. 25 . 1874
192. Zielke, Otto, Apotheker, Altmarkt 10 1899
193. Zipfel, E. Aug., Oberlehrer und Dirigent der II. städtischen Fortbildungs-
schule, Zöllnerstr. 7 1876
194. Zschsu, E. Fehgtt., Professor a. D., Zwickanerstr. 44 1849
193. Zschuppe, F. Aug., Finanz -Yermessungs- Ingenieur, Holbeinstr. 15 . . . 1879
B. insserhalb Dresden.
196. AUenkirch, Gust Mor., Dr. phil., Realschullehrer, in Plauen b. Dr , Coschützer-
strasse 39 ' 1892
197. Beck, Ant. Rieh., Porstassessor in Tharandt 1896
198. Bergt, Waith., Dr. phil, Privatdocent an der K. Technischen Hochschule
und Assistent am K. Mineral.- geolog. Museum, in Plauen b. Dr., Bienert-
strasse. 19 1891
199. Boxberg, Georg von, Rittergutsbesitzer auf Rehnsdorf bei Kamenz . . . 1883
200. Büttner, Gust. Ad., Forst^'ärtner in Tharandt 1896
201. Carlowitz, Carl von, K. Kammerherr, Majoratsherr auf Liebstadt .... 1885
202. Contractor, Noshirvan, Student an der K. Forstakademie in Tharandt . . 1899
203. Degenkolb, Herrn., Rittergutsbesitzer auf Rottwerndorf bei Pirna .... 1870
204. DiekbolT, Alphous, l’rivatus in Bla.sewitz, Forsthausstr. 5 1898
205. Dressier, Heinr., Seminar-Oberlehrer in Plauen b. Dr., Reisewitzerstr. 30 . 1893
20<>. Drossbacb, G. P., Dr. phil., Chemiker in Deuben 1897
207. Engelhardt, Rnd., Dr. phil., Chemiker in Radebeul, Leipzigerstr. 2 . . . 1896
208. Erancke, Hugo, Dr. phil., Mineralog in Planen b. Dr., Kathhaus.<tr. 5 . . . 1889
209. Fritzscbe, Foix, Privatus in Kötzschenbroda. Moritzburgerstr. 2 . . . . 1890
210. Günther, Osw., Chemiker in Blasewitz, Weststr. 1 1899
211. Günther, Rieh., Architekt in Blasewitz, Forsthausstr. 7 1891
212. Ilühle, H., Dr. phil., Chemiker in Kadebeul, Albcrtstr. 20 1897
213. Jacob]', Julius, K. llofjuwelier in Blasewitz, Einser Allee 12 1882
214. Jentzscb, Albin, Dr. phil., Fabrikbesitzer in Kadebeul, Friedrich August-
strasse 4 1896
213. Kesaelmeyer, Carl, Privatgelehrter in Altrinchaiii, Cheshire 1863
216. Krntzscb, Herrn., K. ObeiTörster in Hohnsteiii 1894
217. Lewickl, Emst, Ingenieur, Adjmiet an der K. Technischen Hochschule, in
Plauen b. Dr, Bernhardstr. 20 1898
218. Müller, Felix, Dr. phil., Profes.sor a. I). in l/oscliwitz, Ueinrichstr. 12. . . 1898
219. Müller, Rnd. Lndw., Dr. med. in Blasewitz, Friedrich Augiistslr. 25 . . . 1877
220. Osborne, Wilh., Privatus in Serkowitz, AVasastr. 1 1876
221. Osborne, AAMlb, Dr. phil., Chemiker in Serkowitz, Wasastr. 1 1898
222. Reibisch, Tlieod., Privatlehrer in l’lauen b. Dr, Bieuertstr. 24 1851
223. Beheldhauer , Rieh., Civil- Ingenieur in Klotz.schc- Königswald, Richard
Wagnerstr. 16 1898
224. Schrelter, Br, Bergdirector a D. in Berggic.sshUhcl 1883
225. Sehnnke, Th. Huldreich, Dr. phil., Seminaroberlehrer in Blasewitz, Waldpark-
Strasse 2 1877
226. Seidel, T. J. Rudolf, Kunst- und Handelsgartncr in Laubegast, Uferstr. 7 . 1899
227. Somme^ Carl, Gymnasiallehrer a. D. in Meissen, Bismarckplatz .... 1898
228. Tboss, Fr. Aug., Seminarobcriehrer in Plauen li. Dr, Hohestr. 56 ... . 1898
229. Tbümer, Ant. Jul., Institutsdircetor in Blasewitz, Residenzstr. 12 ... . 1872
230. Weber, Rieh., Apotheker in Königstein a. E 189.3
231. Wolf, Curt, Dr. med., K. Polizeiarzt in Planen b. Dr, Reisewitzerstr. 22 . 1894
232. Wolf, Theod., Dr. phil.. Privatgelehrter in Plauen b. Dr., Hohestr. 15 . . 1891
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vm
II. Ehrenmitglieder . J>br der
Aufnabme,
1. Agasslz, Alex., Dr. phil., Cnrator a. D. des Museum of Coiuparalive Zoology in
Cambridge, Mass 1877
2. Corns, Jul. Vict., Dr. phil., Professor an der UniversitSt in Leipzig . . . 1869
3. Credner, Herrn., Dr. phil., Geh. Bergrath, Professor an der üniversitSt und
Director der geologischen Landesuntersuchung des Königreichs Sachsen in
4. Flügel, Felix. Dr. phil., Vertreter der Smithsonian Institution in Leipzig . 18.55
5. Galle, J. O., Dr. phil.. Geh. Kegieruiigsrath, Professor a. D. in Potsdam . . 1866
6. Gelnltz, Hans Bnino, Dr. phil.. Geh. Bath, Professor und Director a. D. des
K. Mineral.-geolog. Museums nebst der I’rähistor. Sammlung in Dresden,
Lindenaustr. 10 (18^)1894
7. Haughton, Rev. Sam., Professor am Trinity College in Dublin 1862
8. Jones, T. Rupert, Professor a. D. in London 1878
9. KSIIieker, Alb. von, Dr., Geh. Rath, Professor an der Universität in Würzbnrg 1866
10. Laube, Gust.. Dr. phil., Professor an der Universität in Prag 1870
11. Ludwig, Friedr.. Dr. phil.. Professor am Gvinnasium in Greiz. . . . (1887)1895
12. Magnus, Pani, Dr. phil., Professor an der Universität in Berlin 1895
13. Mereklin, (^arl von, Dr„ Geh. Rath, in Petersburg 1868
14. Möhl, Heinr., Dr. phil., Professor in Kassel 1875
15. Nltsene, Heinr., Dr. phil., Profe.ssor an der K. Forstakadeinie in Tharandt . 1893
16. Jiostiz-Wallwilz, Herrn, von, Dr., Staatsminister a. D. in Dresden, Kai.ser
Wilhelmsplatz 10 1869
17. Omboni, Giov., Professor an der Universität in Padua 1868
18. Silva, Mig. Ant. da, Professor an der Ecole centrale in Rio de Janeiro . . 1868
19. Stäche, Guido, Dr. phil., K. K. Oherbergrath , Director der K. K. Geolo-
a-ia /v x o«-» *
^IMIUCU rVCK.UBnilMttiL III «V ICH
20. Theile, Friedr., Dr. med. in Lockwitz (Mitstiftcr der Isis) 1885
21. Tscherinnk, (ist.. Dr., Hofrath, Professor an der Universität in Wien . . . 1869
22. Yerbeek, Rogier D. M., Dr. phil., Director der geologischen Landesuntersuchung
von Niederländisch-lndicn in Buiteuzorg 1886
23. Vlrchow, Rnd.,Dr. ined..Geh. Medicinalrath, Professor an der Universität in Berlin 1871
24. Wolf, Frz., Dr. phil., Professor, Realschnldirector in Rochlitz 1893
25. Zeuner, Gust., Dr. phil.. Geh. Rath, Profes.sor a. D. in Dresden, Winckelmann-
strasse 25 1874
‘26. Zirkel, Ferd., Dr. phil.. Geh. Bergrath, Professor an der Universität in Leipzig 1893
III, Correspondirende Mitglieder.
1. Albert!, Osc. von, Berganilsreferendar in Freiberg 1890
2. Amthor, C. E. A., Dr. phil., in Hannover '. . 1877
3. Ancona, Cesare de, Dr., Professor am R, Institnto di .stndi superiori in Florenz 1863
4. Ardissone, Frz., Dr. phil., Professor an dem Technischen Institut und der
Ackerbauschnle in liailaiifl 1880
6. Artzt, .Ant., Vermessungs ingenieur in Plauen i. V 1883
6. Ascherson, Paul, Dr. pliil.. Professor an der Universität in Berlin .... 1870
7. Itachinann, Ewald, Dr. phil., Professor an der Realschule in Plauen i. V. . 1883
8. Baensch, William von, Privatus in Stralsund 1886
9. Haessler, Herrn., Director der Strafan.stalt in V'oigtsberg 1866
10. Baldanf, Rieh., Bergdirector in Dux 1878
11. Baltzer, A., Dr. phil., Professor au der Universität in Bern 188.3
12. Bernbardi, ,Ioh., Landhatiinspector in Altenlmrg 1891
13. Bibliothek, Königliche, in Berlin 1882
14. Blanford, Will. T., Esqu., in Loinlon 1862
15. Blaschka, Rud., naturwisscnsch. Modelleur in Hosterwitz 1880
16. Bloebniaiin, Rud., Dr. phil., Physiker am Marine-Laboratorium in Kiel . . 1890
17. Boniblcci, Luigi. Profe.ssor an der Universität in Bologna 1869
16. Brusina, Spiiidion, Profe.ssor au der Universität in Agram 1870
19 Bnrean, Ed.. Dr.. Professor am nafnrhi.stor. Mnsenm in Paris 1868
20. Canestrini, G., Profe.ssor au der Universität in Padua 1860
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IX
.I*hr der
Aufnahme.
21. Carstens. C. Dietr., Ingenieur in Varel 1874
22. Conwentz, Hugo Wilh., Dr. phil., Professor, Director des Westprenss. Pro-
vincialrauseums in Danzig 1886
23. Danzig, Emil, Dr. phil., Oberlehrer an der Healschnle in Rochlitz .... 1883
24. Datbe, Emst, Dr. phil., K. Prenss. Lajidesgeolog in Berlin 1880
25. Dittmarsch, A., Berg.schuldirector in Zwickan 1870
26. Döll. Ed., Dr., Oherrealschnldirectür in Wien 1864
27. Dass, Bruno, Dr. phil., Doccnt am Kais. Polytechnikum in Riga 1888
28. Dzlednszjrcki. Wladimir tlnif, in Lemberg 1852
29. Eisei, Koh., Curator des städtischen Museums in Gera 1857
30. Fischer, Aiig., Kaufmann in Pösneck 1868
31. Flohr, Conrad, Amtsgerichtsrath, Amtsrichter in Leipzig 1879
32. French, C., Esqn , Govemement Entomologist in Mellmurne 1877
33. Frenzei, A.,Dr. phil., Lehrer an der Bergschule iiudK. HUttenchemiker in Freiberg 1872
34. Frlederirh, A., Dr. mcd., S.anität.srath in Wernigerode 1881
36. Friedrich, Osc., Dr. phil.. Professor, Conrector am Grmnasinm in Zittau ! 1872
36. Fritsch, Ant., Dr. med., Professor an der Universität und Custos am böhmi-
schen Landcsmuscum in Prag 1867
37. (landry, Alb., Dr., Merabrc de llustitut, Professor am uaturhistorischeu
Museum in Paris 18»i8
38. fJeheeb, Adelb.. Apotheker in Geisa 1877
39. Geinitz, Frz. Eiig., Dr. phil , Professor an der Universität in Rostock . . . 1877
40. Gonnermann, Max, Dr. phil., Apotheker und Chemiker in Rostock . . . 1865
41. Groth, Paul, Dr. phil, Professor an der Universität in München 1865
42. Härtung, 11., liergmei.ster in Lohenstein- 1867
43. Helm, Alb., Dr phil. Professor an der Universität und am Polytechnikum in Zürich 1872
44. Heine, Ferd , K. Domänenpächter und Klo.stergutsbesitzer auf Hadmersleben 186.3
45. Hennig, Georg Rieh., Dr. phil, Docent am Kais. Polytechnikum in Riga 1888
46. Herb, .Salinendirector in Traunstein 1862
47. Hrrrmann, Wilh., Dr. theol. et phil, Professor an der Universität in Marburg 1862
48. Hlbsch, Enmnuel, Dr. phil, l'rofesaor an der Höh. Ackerbauschule in Lieb-
wenl bei Tetschen I8R5
49. Hilgard, W. Eng., I’roft'ssor an der Universität in Berkeley. Californien . . 1869
50. Hilgendorr, Frz , Dr. phil, Professor, Custos am K. zoolog. Museum iu Ih-rlin 1871
51. Hirzel, Heinr., Dr. phil, Professor a. D. in Leipzig 1802
,52. Hofmann, Hmn., Biirgerschullehrer in Gros.senhain 1894
53. Hflbncr, Ad., Oberhüttenmeister anf der Halsbrückner Hütte bei Freiberg . 1871
54. HnU, Ed., Dr., Professor iu London 1870
55. Isral'l, A., Schulrath. Scminanlirector n D. in Zschopau 1868
56. Issel, Arth., Dr., l’rofessor an der Universität in Genua 1874
57. Jentzsch, Alfr., Dr. phil, Professor an der Universität und Director des
Ostpreuss. Provincialniuseums in Königsberg 1871
58 Kcsselmeyer, Wilh.. in Manchester 1863
59. Kirbach, Fr. Paul, Dr. phil, Oberlehrer an der Realschule in Mei.ssen . . 1894
60. Klein, Herrn., Herausgeber der „Gaea“ in Köln 1865
61. Köhler, Emst. Dr. phil, .Scouinaroberlehrer a. D. in Schueeberg 1858
62. König von Warthansen, Wilh. Rieh. Freiherr von, Kamnutrhetr auf Wart-
hsusen bei Hiberach 1855
63. Kornbaber, Andreas von, Dr., Professor am Polytechnikum in Wien . . . 18,57
6-t. Kosmabl. Friedr., K. Oberförster a D. in Lange'hrück 1882
65. Krebs, Willi., Privutgelehrter in .-Vltona 1885
Wi. Krieger, W., Lehrer in Königstein 1888
67. KUhn, E., Dr. phil, Schulrath, Bezirk.sschulin.spector in Leipzig 1865
68. Kyber, Arth., Chemiker in Riga 1870
69. Lange, Theml., Dr. phil, .äpotheker in Werningshausen 1890
70. lainzi, Matthaeus, Dr med., in Rom 1880
71. Lapparent, Alb. de, Ingenieur des mines, Professor in Paris 1868
72. Lefevre, Tbeod., Dr., in Brüssel 1876
73. Le Jolis, Aiig., Dr. phil, Direetor der Soeiitä nation. des Sciences natiir. et
matbfm. in Cherbourg 1866
74. Leonbardt, Otto Emil, Seminaroberlehrer in Nossen 18fl0
7.5. Ia>hrmann, Emst, Dr. phil, Oberlehrer am Realgyimmsinm in .\nnaberg 1892
76. LDttke, Job., Fabrikbesitzer in Hamburg iHHl
77. Mayer, Charles, Dr., Professor an der Universität in Zürich 1869
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X
Jahr der
Aufaahme.
78. Xehnert, Ernst, Dr. phil., Seminaroberlehrer in Pirna 1882
79. Menzel, Carl, Oberbergrath, Hergamtarath in Ereiberg . 1869
80. MBller, Valerian von, wirkl. Staatarath, Oberberghanptmann in Petersburg . 1869
81. Nascliold, Heinr., Dr. phil., Fabrikbesitzer in Au.ssig 1866
82. Kaumann, Ferd., Dr. med., Jlarinestab.sarzt a. D. in Gera 1889
83. Tianmann, Herrn., Oberlehrer an der Kealschule in Bautzen 1884
84. Nenbert, Gust. Ad., Hofrath, Profe.ssor a. D. in Klotzsche -Königswald . . 18.57
85. Sobbe,Friedr.,Dr. phil., Geh.Hofrath,Prof.anderK.Forstakadeuiie in Tharandt 1864
86. Pabst, Mor., Dr. phil., Professor, Conrector am Kealgymnasium in Chemnitz 1866
87. Pabst, Wilb., Dr. phil., Cnstos der naturhistor. Sammlungen in Gotha . . 1881
88. Papperitz, Erwin, Dr. phil.. Professor an der K. Bergakademie in Freiberg 1886
89. Peschei, Emst, Lehrer in Nttnehritz 1899
90. Petermann, A., Dr., Director der Station agronomique in Gembloux . . . 1868
91. Pigorlni, L., Dr., Professor an der Universität und Director des Museums
Kircherianum in Rom 1876
92. Prasse, Emst Alfr., Betriebsingenienr a. D. in Leipzig 1866
93. Rehmann, Antoni, Dr., Professor an der Universität in Lemberg .... 1869
94. Reiche, Carl, Dr. phil., in 8antia§:o, Chile 1886
95. Reidemeister, C., Dr. phil., Fabnkdirector in Schönebeck 1884
96. Richter, Cour., Realschnllehrer in Aue 1895
97. Schimumy, Paul Rieh., Lehrer in Lommatzsch 1894
98. Schllenen, H. L. von. Oberst z. D. in Radebeul lSt>2
99. Schlimpcrt, Alfr. Mor., Apotheker in Cölln bei Meissen 1893
100. Schneider, Ose., Dr. phil., Professor a. D. in Bla.sewitz 1863
101. Schnorr, Veit Hanns, Professor a. D: in Zwickau 1867
102. Schreiber, Paul, Dr. phil., Professor, Director des K. Sächs. Mcteorolog.
Instituts in Chemnitz 1888
103. Scott, Dr. phil., Director der Meteorological Office in London 1862
104. Seidel, Osc. Mor., Seminaroberlehrer in Zschopau 18R3
105. Seidel, Heinr. Bemh., Seminaroberlehrer in Zschopau 1872
106. Seldlltz, Georg von, Dr. phil., in Ludwigsort bei Königsberg i. Pr. ... 1868
107. Sieber, Georg. Kittergutspächter in Grossgrabe bei Kamenz 1879
108. Sonntag, F., Privatns in Berlin 1869
109. Stauss, Waith., Dr. phil., Ch«niker in Hamhurg 188.5
110. Stephani, Franz, Kaufmann in Leipzig 1893
111. Sterzei, Joh. Trang., Dr. phil., Oberlehrer an der I. höheren Mädchenschule
in Chemnitz 1876
112. Steuer, Alei., Dr. phil., Privatdocent an der Universität in Jena .... 1888
113. Steven.son, J(jhn .1., Profe.ssor an der University of the City in New-York 1892
114. Stossich, Mich., Profes.sur in Triest 1860
115. Temple, Kud., Director des Landesversicherangsamtes in Pesth 1869
116. Ulbricht, R., Dr. phil., Professor a. D. in Dahme 1884
117. Ulrich, George 11. F., Dr phil., Professor an der Universität in Dnnedin,
Nen-Seeland 1876
118. Vater, Heinr., Dr. phil., Professor an der K. Foratakademie in Tharandt 1882
1 19. Vetters, K., Dr. phil., Lehrer an den Tccbniscbcn Stjiatalehranstalten in Chemnitz 1 884
120. Voigt, Bernh., Steuerrath, Bezirks.steuerinspeetor in Chemnitz 18t!7
121. Voretzscli, Max, Dr phil., Oberlehrer am Herzogi. Erast-Realgymnasium in
Altenburg 1893
122. Waagen, Wilh. Heinr., Dr. phil., Oberbergrath, Professor an der Universität
in Wien ' . 1877
123. Wartmann, B., Dr. mi^d., Professor in St. Gallen 1861
124. Weinland, Dav. Friedr., Dr., in Hohen Wittlingen bei Urach 1861
125. Welse, Aug., Buchhalter in Ebershach 1881
126. Welemensky, Jac., Dr. med. in Prag , 1882
127. Wentzel, Gg. Alb., K Hofgärtner a. D. in Pillnitz 1871
128. White, Charles, Dr., Curator am National -31u.seum in Washington . . . 1893
129. Wiechel, Hugo, Baiiratli, Betriebsinspector in Chemnitz 1880
13<». Wiesiier, Jul., Dr., Professor an der Universität in Wien 1868
131. WollT, F. A., Seminaroherlehrer in Pirna 188:1
132. W'lliische, F. Otto, Dr. phil., Professor am Gymnasium in Zwickan . . . 1869
133 Zimmerninnii, Osc , Dr phil., Prtifessor am Realgymnasium in Chemnitz . 188t)
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Sitzungsberichte
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1899.
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I. Section für Zoologie.
Erste Sitznngani 2. Februar 1899. Vorsitzender: Prof.Dr. H. Nit sehe.
— Anwesend 27 Mitglieder.
Prof. Dr. H. Nitsche überreicht für die Bibliothek der Gesellschaft
ein Exemplar seines jüngst erschienenen Buches: „Studien über Hirsche“,
Heft I.
Institutsdirector Th. Iteibisch berichtet, dass neuerdings an einer
Landschnecke elektrische Erscheinungen beobachtet worden seien.
Dr. J. Thallwitz schildert einen von ihm beobachteten Kampf
zwischen zwei Käfern.
,Ini Spiitxommcr 1898 Lciuerkte ich an einem 'WaldrÄmlchcn bei Pirna einen zwischen
dem Oras <lahineilenden und auf meinen Standort zukommenden Carabmi aurahts. Kaum
znfiillig auf ihu aufmerksam geworden, sah ich, wie das Thier von einem Xecrophorus
vespillo angegriffen wurde, der es von der .Seite her antiel. Da sieh der Laufkäfer kurze
Zeit darauf nicht mehr regte, fasste ich ihn und sah, dass er eine klaffende Wunde
uuterseits hinter dem ersten Brustring aufwies Wenn der Laufkäfer clie schwere
Schädigung auch wahrscheinlich vorher anderswo davongetragen hat, so erschien mir
der hastige Angritf des Secropbcfrus auf ein lebendes Iiisect, noch dazu auf einen
Carabus, immerhin als eine merkwürdige Sache, zumal mich der umgekehrte Fall viel
weniger verwundert hätte “
Prof. Dr. H. Nitsche bespricht in einem längeren Vortrage die
Morphologie der Mundwerkzeuge bei den Insecten mit besonderer
Berücksichtigung der saugenden.
Zweite Sitzung am 6. April 1899. Vorsitzender: Dr. J. Thallwitz. —
Anwesend 20 Mitglieder.
Dr. J. Thallwitz hält einen Vortrag: Zur Hydrobiologie der
Elbe, in dem er den Bau, die Entwickelung und die Lebensart der in
der Elbe vorkommenden niederen Krebse, besonders die der Blattfuss-,
Muschel- und Spnltfusskrebse, d. h. der Phyllopoden, Ostracoden und
Copepoden behandelt. Zur Erläuterung dienen von ihm selbst angefertigte
Tafeln und mikroskopische Präparate. Einschlägige Litteratur wiial vor-
gelegt.
Bankier A. A. Kuntze legt eine mit Schildläusen (wahrscheinlich der
Gattung Afyiilasjris angehörig) besetzte Apfelsine vor.
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Dritte Sitznn? am 1. Juni 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. H. Kitsche.
— Anwesend 28 .Mitglieder.
HerrM'. Putsch er lässt zunächst den genauen Katalog seiner Mineralien-
sammlung circuliren und zeigt ein in seinem Garten aus Samen gezogenes
Exemplar von Aquilcffia vulgaris vor, dessen Bliithen merkwürdig miss-
gebildet und vergrünt sind.
Institutsdirector Th. Reibisch erläutert an einem sehr schönen
Chamäleon-Skelett die besonderen Eigenthümlichkeiten des Knochen-
baues dieser Gruppe.
Prof. Dr. H. Kitsche schliesst hieran einige Bemerkungen über den
Bau der Lungen und das Gefangenleben dieses Thieres.
Prof. Dr. H. Kitsche berichtet über die Einschleppung einer
japanischen ungetiügelten Laubheuschrecke {lihaphidophorus marmo-
rahis) durch Eier. Die vorgelegten Exemplare stammen aus zwei Glas-
häusern in Mittweida in Sachsen und Bückeburg.
Derselbe schildert schliesslich in längerem Vortrage den 1897 und
1898 über fast alle sächsischen Staatswaldungen verbreiteten Prass des
Pichtennestwicklers, OrapJiolitha tedeUa.
Besonders hervorznheben ist, dass in einigen Revieren dieser Fras.s durch einen
inseetentildtenden Pilz, durch die (jewühulich nur nnf Kohlweisslingsranpen vorkommende
pAitomophthora radicans sein Ende fand.
II. Section für Botanik.
Erste Sitzung am 9. Februar 1899. Vorsitzender: Geh. Ilofrath
Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 36 Mitglieder.
Prof. Dr. 0. Drude hält einen Vortrag über die Areale der Leit-
pflanzen in den Pflanzenformationen Sachsens und Thüringens.
Derselbe bildet die Fortsetzung des am ao. October 1898 vor der Gesellschaft ge-
haltenen Vortrages und ist in seinem wesentlichsten Inhalte in den Abhandlungen der
Isis, Jahrgang 1898, S. 91, als „Anhang“ zu demselben gedruckt.
Lehrer II. Stiefelhagen legt unter anderen vom Herbste her bis
jetzt unausgesetzt weiterblühenden llerbstpflanzen Aruhis alhida als frühen
Frühlingsblüber dieses merkwürdig milden M'inters vor, mitgebracht
von Cossebaude.
Garteninspector F. Ledien lenkt die Aufmerksamkeit auf den sibiri-
schen Frühblüher Rhododendron chrgsanthinn im botanischen Garten.
Institutsdirector A. Thümer berichtet, dass Oalantlms seit Mitte
J.anuar in Blasewitz blühe.
Zweite Sitzuug vom 13. April 1899 fim liörsaale des K. Botanischen
Gartens). Vorsitzender: Geb. llofratb Prof. Dr. O. Drude. — Anwesend
22 Mitglieder und 15 Gäste. — Der Sitzung ist eine demonstrative „Monats-
versaminlung“ im K. Botanischen Garten um 5 Uhr Kachmittags voraus-
gegangen.
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o
Prof. Dr. 0. Drude bespricht das neu erschienene, höchst anregend
geschriebene und glänzend ausgestattete Werk von Prof. Dr. Schimper:
„Pflanzengeographie auf physiologischer Grundlage“, beleuchtet dessen
Stellung und den in ihm gebotenen Fortschritt zu Grisebach’s „Vegetation
der F.rde“, sowie zu dem in jüngerer Zeit von Warming herausgegebenen
„Lehrbuch der ökologischen Pflanzengeographie“, und erklärt unter De-
monstration geeigneter Pflanzen der Gewächshäuser die Tendenz des Werkes
an einzelnen herausgcgriffenen Capiteln, um auf das Studium desselben
hinzu wirken.
Eine von Prof. Dr. H. Conwentz, Danzig, als Geschenk eingegangene
Broschüre über das Vorkommen der Eibe in Deutschland wird vor-
gelegt und die Bitte des Verfassers mitgetbeilt, dass zu seinen Unter-
suchungszwecken Proben sächsischer Moorhölzer gesammelt und an ihn
gesendet werden möchten.*)
Dritte Sitzung am 15. Juni 1899 (im Kalthause des K. Botanischen
Gartens). Vorsitzender; Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend
30 Mitglieder und 2 Gäste. — Der Sitzung ist wiederum eine „Monats-
versammlung“ um 5 Uhr Nachmittags vorangegangen, doch mussten sich
die geplanten Besichtigungen wegen anhaltenden Regens auf die Gewächs-
häuser beschränken.
Prof. Dr. 0. Drude hält einen Vortrag über die Petersburger
Gartenbau-Austeilung vom 16. — 27. Mai d. J., zu welcher ihn ein
Auftrag des K. Ministeriums des Innern als Vertreter des sächsischen
Gartenbaues entsendet hat, legt Photographien jener Ausstellung im Tau-
rischen P.alais vor, und bespricht die allgemeinen, auf das strengere Klima
begründeten Verhältnisse des russischen Gartenbaues.
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Erst« Sitzung am 16. Februar 1899. Vorsitzender: Privatdocent
Dr. W. Bergt. — Anwesend 38 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende macht .an der Hand einer Probenummer auf die in
Spemann’s Verlag erscheinende naturwissenschaftliche Zeitschrift „Mutter
Erde“, im Einzelnen .auf einen darin enthaltenen Aufsatz über die geo-
logischen Verhältnisse Norddeutschlands aufmerksam und knüpft
daran einige Bemerkungen über die interessanten .Muschelkalkbrüche
von Rüdersdorf bei Berlin, in denen für den Berliner Geologentag im
Herbst 1898 Gletschertöpfe, Gletscherschlitfe und ein tiefes Gletscherthal
von hervorragender Schönheit freigelegt worden waren.
Prof. Dr. E. Kalkowsky hält den .angekündigten Vortr.ag über Natur
und Entstehung des Chilisalpeters mit Vorführung von Gesteiiis-
proben und Lichtbildern.
*) Vielleicht hat die Verbreitung dieser Bitte durch den Druck Erfolg; zur Ver-
mittelung erbietet sich der Vorstand der botanischen .Section (Drude, Wobst).
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Prof. H. Engelhardt berichtet über eine neuentdeckte Kreide-
pflaiize, ikissafras Oeinitzi Engelh., aus dem cenomanen Quadersandstein
von Eutschütz, über neue tertiäre Pflanzen von Sardinien*) und
über die Bestimmung von fossilen Palmenresten im Allgemeinen.
Zweit« Sitzung am 20. April 1899. Vorsitzender: Privatdocent
Dr. W. Bergt. — Anwesend 26 Mitglieder.
Dr. \V. Bergt hält einen Vortrag über vulkanischen Staub und
veranschaulicht denselben durch Proben und mikroskopische Präparate.
Oberlehrer Dr. P. Wagner spricht über Erdpyramiden unter Hin-
weis auf die Schrift von Chr. Kittlcr: „Ueber die geographische Ver-
breitung und Natur der Erdpyrainiden“, Inaug.-Diss. Erlangen 1897.
Dr. W. Bergt spricht unter Vorlage von Moldawiten und ähnlichen
Bildungen über Suess: „Ueber den kosmischen Ursprung der Moldawite.“
Dritte Sitzung am 22. Juni 1899. Vorsitzender: Privatdocent Dr. W.
Bergt. — Anwesend 22 Mitglieder.
Der Vorsitzende legt mit kurzer Besprechung das Werk von 0. Herr-
manu; „Steinbruchindustrie und Steinbruchgeologie“ und den Katalog der
Mineraliensammlung des Herrn W. Putscher zur Einsicht vor.
Oberlehrer Dr. P. Wagner macht auf das neu erschienene Werk von
Gürich: „Das Mineralreich“ aufmerksam.
Oberlehrer Dr. K. N'essig giebt einen Bericht über rechtselbische
Bohrlöcher (vergl. Abhandlung II) und weist auf einen verbesserten
Aufschluss im Syenitconglomerat und Leopardensandstein bei
Coschütz hin.
Prof. 11. Engelhardt macht einige ergänzende Bemerkungen über
Thoneinlageruugen unter dem Haidesand, legt eine Arbeit von
U. Zeiller über SteinkohlenpHanzen vor und berichtet über neue tertiäre
Pflanzen fundo in der Uhön.
Dr. W. Bergt ergänzt seinen früheren Vortrag über die Moldawite
und führt Präparate natürlicher Gläser vor.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Erste Sitzung am 19. Januar 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. J. Deich-
müller. — Anwesend 26 Mitglieder.
Geh. Hofrath Prof. Dr. F. Nobbe spricht über vorgeschichtliche
Funde im K. Forstgarten zu Tharandt. (Vergl. Abhandlung III.)
In der sich an den Vortrag anschliessenden Debatte wird namentlich
die Frage erörtert, ob diese Funde als Depotfunde oder, falls sich in der
*) Vergl. Abliandl. I.^is 1898, S. 101.
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Nähe des Fundortes in urgeschichtlicher Zeit eine Cultusstätte befunden
haben sollte, als Opfergaben anzusehen seien.
Herr W. Osborne legt eine Bronzefibel aus dem La Tene-Griiber-
felde von Iludnikersee bei Graudenz und ein Feuersteingeräth von
der Insel Seeland vor und
referirt über einen von John Evans auf der Jahresversammlung der
Gesellschaft zur Beförderung der Wissenschaften zu Toronto gehaltenen
Vortrag über das Alter des Menschengeschlechts.
Prof. Dr. J. Deichmüller bringt zur Ansicht einen in der rauhen
Fuhrt bei Diesbar aus der Elbe gebaggerten Steinhammer, in dessen
fast vollendetem Bohrloch noch der wohlerhaltene Bohrkern steht,
sowie das Bruchstück eines Steinbeils, ein topfartiges Gefäss mit drei
warzenförmigen Ansätzen und eine Anzahl Gefassscherhen mit Stichband-
verzierungen, welche aus einer Niederlassung der jüngeren Stein-
zeit im Dorfe Ilöderau stammen.
Zweite Sitzung am 16, März 1899. Vorsitzender: Prof Dr. J. Deich-
müller. — Anwesend 15 .Mitglieder.
Prof Dr. J. Deichmüller spricht über die als „Frau von Auver-
nier“ bekannte Büste, welche von Prof Dr. J. Kollmann in Basel durch
Aufträgen der IVeichtheile auf den Schädel einer Frau aus dem Pfahlbau
Auvernier hergestellt worden ist
Lehrer H. Döring hält einen Vortrag über den Burgwall von
Arkona auf Bügen und legt Photographien und Fundgegenstände von
demselben vor.
Derselbe bringt ferner zur Ansicht ein Steinbeil von Stönzsch
bei Pegau, ein Flachbeil, einen Spinnwirtel und einen bandverzierten
Gefässscherben aus neolithischen Herdstellen in der fiscalischen Kies-
grube von Wiederau bei Pegau, sowie eine Anzahl Gefässreste von dem
ßurgwall bei Altoschatz.
Unter letzteren befinden sieh auch solche von germanischem Typus, welche darauf
hindeuteu, dass dieser Burgwall vielleicht bereits in vurslavischer Zeit errichtet worden ist.
Prof Dr. J. Deichmüller berichtet über neue Erwerbungen der
K. Prähistorischen Sammlung:
Von Steinhach hei Radeburg erhielt die Sammlung einen Lappeneelt aus
Bronze, ans dem beim Kasernenhau zu Kamenz aufgedeckten (irfiberfelde eine
grosse Anzahl z. Th. wohlerhaltener Gefilsse, deren Formen den jüngeren Lausitzer
Typus zeigen und, wie die spärlichen Eisenbeigaben, beweisen, dass dieses Gräberfeld
in den letzten Jahrhunderten vor Chr. angelegt worden ist.
Excursion am 10. Juni 1899 zur Besichtigung einer angeblichen
vorgeschichtlichen Opferstätte bei Hermsdorf zwischen Klotzsche und
Königsbrück und eines Burgwalls bei Klotzsche. — Zahl der Theil-
nehmer 9.
Pie nur wenige Minuten sttdiieh Hermsdorf dicht am Wege nach Lansa gelegene
sogenannte Opfer stätte ist eine flache natürliche Bodenerhebung ohne jede Spur künst-
licher Erhöhung oder Umwallnng, welche von einer regellosen Anhäufung grosser Stein-
blöcke gekrönt wird. Das zur letzteren verwendete Material sind theils kantige Bruch-
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stücke des den Untergrund bildenden Lausitzer Granits, theils abgeroUte Blöcke be-
nachbarter contactmetaniorphischer Grauwacken und nordischer Granite oder erzgebirgisch-
böhmischer GranitiHirphvre und Basalte, wie sie im Diluvium der Umgebung nicht selten
sind. Dass dieser Steinban in vorgeschichtlicher Zeit errichtet und der Platz als Opfer-
Stätte benutzt wonien sei, dürfte sich nach dciuirtlichen Verhältnissen kaum bew eisen la.ssen.
Der östlich des Bahnhofs Klotzsche über dem Steinbruch auf dem linken Ufer iles
Priessnitzbaches befindliche Burgwall, welcher schon auf der ans dem 16, .lahrhundert
stammenden Oeder'schen Karte als Burgstadl bezeichnet wird (vergl. Sitzungsber. Isis
1897, S. 7), ist ein ans Granitstücken errichteter Wallrest, dessen Alter jedoch mangels
jeglicher Fnndstücke noch unsicher ist.
V. Section für Physik und Chemie.
Erste Sitzung am 12. Januar 1899. Vorsitzender: Prof. Dr.F. Foerster.
— Anwesend 198 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. Dr. W. Hempel hält einen Vortrag über Kryo-
chemie.
Der Vortragende erörtert zunächst die Fortschritte, welche Theorie und e.vperimen-
telle Hilfsmittel erfuhren, bis rann zu der heute im technischen Ma.saslabe möglich gewor-
denen V'ertlUssigung der früher für „permanent" gehaltenen Gase, zumal der ßestandtheile
der atmosphärischen Luft, gelangen konnte. Die Liiide'sche Maschine erlaubt heute,
flüssigen Sauerstoff in beliebiger Menge zu erzeugen. Mit Hülfe eines voni Vortragenden
selbst nach den bei dieser Maschine l>efolgten Gnindsälzen construirlen .Apparates wurde
flüssiger Saiierstoft' in reichlichem Masse hergestellt und dnreh eine Reihe sehr an-
schaulicher Versuche dargethan, welche Wirkungen durch eine Emieilrigung der Tem-
peratur auf diejenige des siedenden Sauerstoffs hervorgebracht werdmi können ; es wurde
z. B. Ozon als indigoblauc Fiüs,sigkeit aus ozonisirtcr Luft niedergeschlagen nn<l die
grosse Reactionsträgheit bei gewöhnlicher Temperatur explosionsartig auf einander
wirkender .Stoffe, wie Brom und Kalium, gezeigt. Die Chemie bei niederen Tempera-
turen, die Krvochemie, ist nun aber auch bei erlieblich über dem Siedepunkte des Sauer-
stoffs liegenden Temperaturen noch so gut wie unerforscht. So bietet z. B. die durch
Kintragen fester Kohlensäure in Aether verhältnismässig leicht zn erhaltende Temperatur
von — ■ft'’ der Forschung noch ein weites Feld. Der Vortragende hat es sich an-
gelegen sein lassen, die Hiilfsmittel zn suchen, die man zur Aufrechterhaltnng so
niedriger Temperaturen zweckmässig verwendet. Er hat gefunden, dass ähnlich guter
Kälte.schutz wie durch das Vaciium der Dewar'schen Köhren auch durch Einpacken der
die kalte Flü.ssigkcit enthaltenden Geftissc in Eiderdaunen, oder billiger in gut ge-
trocknete, Schafwolle zu erreichen ist. Mit solchen Mitteln arbeitend, hat er flüssige
Kohlensänrc mit Wasser wie mit .Alkoholen zu starren Verbindungen vereinigen können.
Die Bedeutung dieser sauren Aether und des Uvdrates der Kohlensäure ffir das Ver-
ständuiss des merkwürdigen Unterschieds zwischen der Festigkeit, mit der einerseits
die natürlichen kidilensaurcn Wasser und der echte Champagner ihre Kohlensäure znrück-
halten, und der Leichtigkeit, mit der künstliches Selterwasser oder .Schaumwein das
eingepresste Kohleusäuregas wieder entlassen, wird am Schluss des mit grossem Beifall
anfgenommenen Vortrages erörtert.
Zweite Sitzung am 2. Mürz 1899. Vorsitzender; Prof. Dr. F'. F^oerster.
— Anwesend 50 .Mitglieder und Gäste.
Dr. P. Uhlinann spricht über die epochemachendsten F'ort-
schritte der Theerfiirben- Industrie seit 1890.
Der Vortragende bespricht zunächst nach einigen historischen Bemerkungen die
Bedeutung des Indigos als Farbstoff und schildert des.sen Verwendung und künstliche
Darstellung unter Vorlegung zahlreicher i’räparate und Atnsfärlinngen nebst Druik-
nmstern Im zweiten Theile seines Vortrages wendet er sieh dann zu der enormen
Bedeutung, welche die grosse Gruppe der Azolärhstofte in Färberei und Zeugdnick cr-
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lanift haben, und illustrirt deren Fixirung und Erzeugung auf der Fager durch viel-
fache Experimente, um dann zu den erst in neuerer Zeit, zuerst von Vidal, entdeckten
gchwefelhaltigcm Farbstoffen üherzugehen, wie sie neuerdings auch in den deutschen
Faliriken im grossen Massstabe dargestellt werden, um mit einem kurzen statistischen
Uelierblick über Import, Export und Fabrication zu schliessen.
Xächstdem spricht Dr. E. Müller über ein elektrolytisches Ver-
fahren zur Herstellung chlor-, brom- und jodsaurer Salze.
Nach einer Erliinterung und Vorführung der Verfahren und der Apparate, mit
, deren Hülfe man elektrolytische Vorgiinge an unlilslichen Elektroden verfolgen kann,
erörtert der Vortragende <lie Schwierigkeiten, welche die Herstellung chlor-, brom- und
jodsaurer Salze durch Elektrolyse der Lösungen von Chloriden, Bromiden und Jodiden
entgegenstehen. Diese sind vor allen Dingen darin zu suchen, dass die durch die anodi-
schen Vorgänge in der Lösung erzeugten Hnlogcnsauerstoflverbindungen mehr oder
weniger leicht an der Kathode wieder zu den Halogeniden reducirt werden. Es ist
dem Vortragenden gelungen, im eiufachchromsauren Kali einen Stoff' zu finden, der, in
kleiner Menge dem Elektrolyten zugesetzt, die kathodische Reduction fast ganz aus-
schliesst. Auf diese Weise gelingt es, Bromate und .Iipdate elektrolytisch mit einer
über iW/olichen Strom- uml Materialansbeute herznstellen
An der sich hieran anschliessenden Debatte betheiligen sich Geh. Hof-
rath Prof. Dr. W. Hcinpcl, Prof. Dr. F. Foerster und der Vortragende selbst.
Dritte Sitzung am 4. Mai 1899. Vorsitzender; Prof. Dr. F. F oerster.
— Anwesend 59 Jlitglieder.
Privatdocent Dr. A. Schlossniann spricht über die Entwickelung
der Heilkunde unter dem Einfluss von Physik und Chemie.
Der Vortragende schildert einleitend den tiefen Stanil der Medicin zu Anfang
unseres .lahrhunderts. da die Diagnose eine rein speciilative war und die Behandlung
der Krankheiten wesentlich in der Verabreichung möglichst zusammengesetzter Arzneien
bestand: ferner ilie Einflüsse des Mesmerismus, des Spiritismus und der Homöopathie.
Erst mit der syntheti.scheu Darstellung des Harnstoffes durch Wühler im Jahre 1828
begann eine neue Epoche, die alte Lehre von der Lebenskraft fiel, und clas (lesetz von
der Erhaltung der Kraft wurde auch fiir den Aufljau der modernen Meilicin grundlegend,
die nun erst zu einer selbständigen Wissen.schaft hcranwuchs.
Für die Erkennung der Krankbeiti'n wurden namentlich die phy.sikalischen Methoden
der Percussion, der .\useultation , der Thernnimetrie und der Beidiachtung des Pulses
dienstbar gemacht. Es folgte ilie Erfindung des Augenspiegels durch ILlmholtz und
daran anschliesscnil die Ausbildung von Methoden zur Beleuchtung des Kehlkopfes, des
Magens, der Blase u. s. w. Auch die Elektricität konnte in den Dienst der Diagnostik
treten, da sich die Keizbarkeit der Muskeln und Nerven gegenüber dem .Strome in
verschiedenen abnormen Zuständen als verschieden berausstellte. Für manche Fälle
»Tirde die Bestimmung iles specitisehen Gewichts, z. B. des Urins, uni’rlässlich. Endlich
brachte die Entdeckung der X-Strahlen für einen ganzen Kreis von Erkrankungen ein
unentbehrliches Erkennungsmittel. Die Chemie leistete nicht minder wichtige Dienste
durch Stofi'wechseluntcrsuchungen, durch Untersiubung des Blutes bei einer ganzen
Reihe von Krankheiten, besonders bei Vergiftnngsersebeinnugen.
Beide Wissenschaften wirkten aber auch fördernd auf dem Gebiete der Therapie.
Der Physik entsprangen namentlich die Methoden der Elektrotherapie, il(>r mechanischen
und der pneumatischen Behandlungsweise, während die Chemie eine Unzahl wirksamer
chemischer Verbindungen der Medicin zur Verfügung stellte.
Von grosser Bedeutung endlich waren auch die Vortheile, welche aus der An-
wendung der iihysikalischen Üntersuchiingsmethoden für die Verhütung der Krankheiten
erwuchsen. Als die wichtigste Hülfe aber, welche, Physik und Chemie der Medicin ge-
leistet haben, ist die zu betrachten, dass sie ihr methodisch den Weg gewiesen haben,
eine exacte Naturwissenschaft zu werden.
Im Anschluss an den Vortrag macht Dr. med. G. Kolling einige
Mittheilungen über physikalische Methoden zur Untersuchung des
Magens und der Speiseröhre.
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Oberlehrer H. A. Rebenstorff spricht über einige neueVersuahe
und Apparate für den physikalischen Unterricht.
Der Vortragende zeigt, wie man beim Lnftleermachen eines Kolbens durch Ans-
kochen das Wasser durch den Dampf selbst aus dem Kolben entfernen kann. Es gelingt
dies durch Anfügen einer langen Glasröhre, welche naih schnellem Umkebren des
Kolbens den Druck so herabsetzt, dass das Wasser weiterkocht, lii.s iler Kolben leer ist.
Hierauf wird do.s Motlell einer Dampfstrahlpumpe vorgefilhrt (Zeitschr. für den phys.
und ehern. Unt. 1K99, S. 18). Es ist leicht herstellbar, enthiilt keine durchbohrten Korke
und gcestattet, wahrend de.s Hctriebes der Dampfröhre <iic beste Stellung zu gel»en. Zu
Imziehen durch die Glasbläserei von Eichhorn. Dre.sdcn, Mittelstrasse. •
Nach VorfUhning einiger Versuche mit Tauchern (Zeitschr. f. d. phvs. und ehern.
Unt. 1898, S. 213 — 221) wird der neue Apparat für Wärmeleitung des ifolzes gezeigt.
Derselbe besteht aus einer Holzpyramide mit in der Achse gelegenem Dampfrohr und
äusserem thermoskopisehen Earbmantel. Mit dem Farbentlicrmoskop (zu l>eziehen von
G. Ijoronz, Chemnitz, Sehillerstrasse) wird auch die Wärmeentwickelung beim Er-
starren des überkalteten Schmelzflusses von Natriumaeetat nachgewiesen und gezeigt,
wie man zu verfahren hat, um mit einem farbenthcrmo.skopischen l’apierstreifen eine
Temperaturerhöhung sichtbar zu machen, welche den Umwandlungspunkt des Silber-
quei k.silberjodids (4ö®) noch nicht erreichL
Zu Mittheilungen über die Vorführung der Funkentelegraphie im Unterricht über-
gehcuil, zeigt der Vortragende einen leicht ans Alumininmbilie herzn.stellenden Cohärer
von bedeutender Emptindlichkeit, berichtet über andere Cohärerarten und erläutert ein
neues Verfahren, die bei der Funkentelegraphie so störenden Welten, welche von dem
elektromagnetischen .\bklopfer ausgehen, wirkungslos zu machen. Der Cohärer wird
hierbei nur am einen Ende und zwar federnd befestigt, während am anderen Ende sich
ein leicht lösbarer Platineontaet betindet. Mit der Mitte des Cohärers ist der Hammer
einer elektriseheii Klingel durch einen dünnen Faden verbunden, den man durch Aus-
einanderrücken der Apparate so amspannt, dass der federnde Cohärer durch das An-
schlägen des Hammers mitbewegt und dailiirch ahgeklopft winl, dass er gegen ein sehr
nahe angebrachtes Widerlager schlägt, lieiin Zurückspringtui wird er zum zweiten
Mal erschüttert. Die störenden Wellen treden dann nur in solchen Augenblicken auf,
in denen der Cohürerstromkreis geöffnet ist, sodass für die Zuleitung der Wellen durch
die zum Relais führenden Drähte der eine ausser Betracht kommt. Auch die Erregung
durch die Wellen in dem zum befestigten Uohärereude führenden Draht ist bei offenem
Cohärerstromkreis nicht vorhanden, wenn vor dem Cohärer ein langer, dünner Draht
(am besten ein Galvanoskop von etwa 100 Ohm) eingeschaltet ist. Man kann auch
statt des Cohärer und Relais verhimlendeu Drahtes zwei Leitungen zur Erde anwenden.
Die in zweiter Linie mögliche Erregung des Cohärers durch akimtische Einwirkimg
der Klingel wird infolge des grösseren Abstandes zwischen beiden Apparaten gehindert;
es ist indessen rathsam, zwei getrenut stehende Tische zur Aufstellung zu benutzen.
Bei dem mitgetheilteu Verfahren ist es möglich, mit den empfindlichsten Cohärern zu
arbeiten, sodass nach dem Berichte iles Vortragenden die schwachen Fmiken eines
Elektrophors innerhalb i'ines grossen Zimmers, sowie hinter einer 5 m entfernten Thür
ausreichten, die Klingid zum jedesmaligen Anschlägen zu bringen.
Der V'ortragende macht ferner <laranf aufmerksam, dass man in bequemer Weise
einen Ebonitelektrophor iladureh sehr stark elektrisiren kann, dass man ihn wie einen
Coudensator und zwar den Deckel negativ von der Influenzmaschine aus ladet
Aluminiumstriche auf Glas besitzen ein erhebliches Leitnugsvermügen, welches
durch starke elektrische Wellen sehr herabgesetzt wird.
VI. Section für Mathematik.
Erste Sitzung am 19. Januar 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. Iv. Rohn.
— Anwesend 10 Mitglieder.
Prof.Dr. K. Rohn spricht über die Anwendung der Schnittpunkt-
systemsätze auf die ebenen Kurven 4. ürdnung.
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Es wenlen die 63 Systeme der einhüllenden Kegelschnitte, die 28 Doppeltangenten
und gewisse Qruppimngen derselben, sowie ihrer Berührungspunkte behandelt.
Zireite Sitzung am 20. April 1899. Voreitzender: Prof. Dr. K. Rohn.
— Anwesend 8 Mitglieder.
Dr. A. Witting spricht über die Constructionen von Mascheroni
mit dem Zirkel.
Nach einigen historisch-litterarischcn Bemerkungen über die in älterer und neuerer
Zeit gemachten Versuche, planimetrische Constructionen entweder bloss mit dem Lineal,
oder bloss mit dem Zirkel auszuführen, setzt der Vortragende die Constructionen aus-
einander, durch welche Mascheroni eine Reihe von Grnndaufgaben der Planimetrie unter
ausschliesslicher Benutzung des Zirkels zu lösen gelehrt hat. Insbesondere werden die
Aufgaben behandelt, einen gegebenen Kreisbogen zu halbircn, einen Kreis sowie eine
Strecke in eine gegebene Anzahl gleicher Theile zu zerlegen, eine Strecke zu verviel-
fachen, Strecken zu addiren sowie zu subtrahiren, an einen Kreis in einem gegebenen
l’eripheriepnnkte die Tangente zu legen u. a.
Vn. Hauptversammlungen.
Erste Sitzung am 26. Januar 1899. Vorsitzender: Prof Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 64 Mitglieder und Gäste.
Prof Dr. G. Helm spricht über statistische Beobachtungen
biologischer Erscheinungen.
Der Vortrag geht von den zahlreichen Beobachtungen Lndwig's (Botan. Cbl. 189.Ö ff.)
über die Zahl der Strahlcnblttthen bei Chri/sanihemum Tjeuc. ans, um zunächst im All-
gemeinen das Eigenartige biologischer Massenerscheinnngen zn erläutern. Als derartige
Ma-ssenerscheinnngen werden nicht nur in den anthropometrischen Untersuchungen die
Eigenschaften des menschlichen Körpers aufgefasst, sondern es fügen sich auch die
menschlichen Handlungen dieser Betrachtungsweise, wie schon SUssmilch's „Göttliche
Ordnung“ 1741 in weitem Umfange darlegte. Die besonders durch (iuetelet's zahlreiche
Arbeiten hervorgerufenen Bedenken metaphysischer Natur berührt der Vortrag nur, um
dann sogleich das Tbatsächliche, allen Massenerscheinungen Gemeinsame zu beschreiben.
Vor Allem wird über das Individuum Nichtwi.sseu constatirt, wenn ein Vorgang
als Massenerscheinung aufgefasst winl ; nicht die Höhe dieses Individnnms vor mir oder
»eine Todesgefabren sind bekannt, sondern die Höhe etwa des Sachsen, die Sterblichkeit
der säebsiseneu weiblichen Bevölkerung bilden den Gegenstand der Untersuchung. Daher
stehen die Massenersebeinungen in der innigsten Beziehung zum Wahrschcinlichkeits-
begriff, er ist es, der (etwa wie der Eni^rgiebegriff die Verändemngen in der Natur) die
ganze Gesaramtheit der Miuiseiierscheinnngun imispannt, ohne d.ass deswegen für einzelne
Gebiete, wie etwa die Beobachtung.sfehler, besondere Begriffsbildungen neben der Wahr-
scheinlichkeitsauftassnng unberechtigt oder ausgeschlossen wären.
Es ist nämlich in allen seinen Anwendungen das Wesentliche des in logischer
Hinsicht aus dem disjunctiven Urtheil hervorgegangenen Wahrscheinliehkeitsbegriffes,
da.ss elementare Einzelfälle des Vorganges, auf den er aiigewendet wird, abgezählt
werden können, die zwar individuell verschieden sind, jedoch so. dass ihre Unterschiede
uns unbekannt bleiben oder als unbekannt betrachtet werden, sodass diese Einzelfälle
als ^leichmöglich erscheinen. Wenn die Wahrscheinlichkeit, mit einem Wüi-fel eine
besüinmte Nummer zu werfen, als V« angegeben winl, so wird damit über keinen ein-
zelnen Wurf etwas ausgesagt als das Negative, dass wir über die individuellen Be-
dingungen dieses einzelnen Wurfs nichts wissen. Dagegen enthält die Angabe ’/o eine
Eigenschaft des Würfels, und der Würfel ist es gerade, der das bei allen einzelnen
Würfen Unveränderliche darstellt. Ihm entspricht in den Massenerscheinnngen socialer
Natur der sociale Körper, in den biologischen Massenerscheinnngen etwa der Species-
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begriff; allgemein der Typna. So kommt es denn bei den Anwendungen des Wahr-
scheiulichkeitsbegriffs im Grunde genommen nicht auf die grosse Zahl der Einselfiille
an, wie so oft behauptet wird, sondern vielmehr auf die Gleichgültigkeit der Einzel-
falie, die allerdings im Allgemeinen um so mehr gewährleistet erscheint, je grösser die
Anzahl der Einzelfälle wird.
Wie nun nach der Wahrscheinlichkeitstheorie bei Versnoben über den wiederholten
Eintritt eines Ereigni.sses von nnveränderlicher Wahrscheinlichkeit .sieh die möglichen
Häutigkeitszahlen nach dem bekannten mathematischen Gesetze der Fehlerkurve um
den wahrscheinlichsten Fall vertheilen, so müssen auch die Versuche über eine Massen-
erscheinung dieses Gesetz der Vertheilung um den wahrscheinlichsten Fall zeigen,
wenn die einzelnen Versuchsreihen unter denselben Bedingungen stehen, also der Typus,
auf den sie sich beziehen, unverändert derselbe bleibt. Eine Massenerscheinung soll
eine einfache Massenerscheinnng oder einfache statistische Erscheinung heissen, wenn
sie diese theoretisch ideale Vertheilung der Wahrscheinlichkeitstheorie zeigt. Eine
solche einfache Erscheinung ist z. B. die Höhe der Schulkinder gleichen Stammes, Alters
und Geschlechts (Geissler und Uhlitzsch, Zeitschr. K. stat Bur. 1888), während sich
offenbar die Höhen einer aus Erwachsenen und Kindern gemischten Personengnippe
keineswegs um die mittlere Höhe der Wahrscheinlichkeitskurve gemäss vertheüen
würden.
Schon eine einfache statistische Erscheinnng erfordt rt zu ihrer Beschreibung zwei
Angaben : neben dem mittleren, durchschnittlichen oder wahrscheinlichsten Wertne muss
ein Mass für die Streuung der Versuchsergebnisse um ihn angegeben werden, etwa die
wahrscheinliche oder die uurchschnittlicbe oder die mittlere Abweichung, das Präcisions-
ma.ss Oller die Dispersion. Hierbei wird zur Erläuterung auf Galton’s Apparat hin-
gewiesen, bei dem Schrot aus einem Trichter durch Keilien von Drahtstiften hindurch-
mllt, die wie beim Tivolispiel angeordnet sind ; die Sebrotkörner hänfen sich schliesslich
nach einer Wahrscheinlichkeitskurve an, und die Streuung ist um so grösser, je grösser
das Kaliber des Schrots im Vergleich zum Abstande der Stifte ist.
Im Allgemeinen aber wird eine Massenerscheinuiig nur durch möglichst voll-
ständige Angabe der ganzen Vertheilungskurve beschrieben, z. B. durch Angaben nach
Galton’s percentiler Skala. (Vergl. Gei.ssler, Allg. slatist. Archiv 1892.)
Wie weit eine Massenerscheinnng vom Charakter einer einfachen Erscheinung ab-
weicht, haben Fechner (Collectivmasslehre, 1897), Levis (Massenerscheinungen. 1877) und
Galton (Inijuiries into human faculty, 1883 und Natural inheritance, 1889) untersucht.
Jedenfalls ist die Statistik meist unliewusst bestrebt, die Erscheinungen der Natur und
des socialen Lebens in einfache statistische Erscheinungen zu zerlegen und ihre Frage-
stellungen auf diese zn richten. Mehr ins Bewusstsein wird dieses Verfahren der
Analyse gehoben, wenn man aus biologischen Massenerscheinungen, die unregelmässige
Vertheilung, z. B. zwcigipfelige Varia! ionskurven zeigen, geradezu auf Vermi.schung
mehrerer Species oder Typen scbliesst, ja sogar diese, wie bei de Vries' ZUchtungs-
versuehen, rein darzu.stellen vermag, wonach die einfache Massenerscheinung den reinen
Typus charakterisirt. (Litteratur von liUdwig, Zeitschr. f. Math, und Phys., Bd. 43
zusammengestellt.)
Solchen Bestrebungen gegenüber ist man zu der Erwartung berechtigt, dass der
Wahrschcinliehkeitsbegriff . von dem die französischen Analytiker des 18. Jahrhunderts
so grosse, vielfach übertriebene Hoffnungen hegten und der dann in den Händen von
Gauss und seinen Nachfolgern zu einem mächtigen Mittel der Kritik auf dem Gebiete
der Fehleftheorie geworden ist. auch berufen sein durfte, zu einer schärferen Theorie
sociologischer und biologischer Massenerscheinungen hinzufuhren und zu einer wissen-
schaftlichen Erkenntniss des Wesens der Begriffe Species und Typus vorzudringen.
Im Anschluss an diese Ausführungen bespricht Geh. Hofrath Prof.
Dr. G. Treu Galton’s Erfindung, auf dem Wege photographischer
Uegistrirung zu einer Darstellung von Typen des mensch-
lichen Antlitzes zu gelangen (Inquirios into human faculty, p. 8ff.
und 339 ff.).
Galten stellte seine photographischen Durchschnitts- oder Gattungsbilder in der
Weise her, dass er Vorderansichten von Einzelküpfcn in gleichem Ma.ssstab, gleicher
Beleuchtung und in gleichen ßruchtheilcn der zur Herstellung eines Gcsammtbildes
nötbigen Evpositionszeit auf dieselbe photograpbi.sche Platte anf einander projicirte. Da
bei einem solchen Verfahren die den einzelnen Bildern gemeinsamen Formen sich durch
Deckung verstärken, die abweichenden individuellen Züge znrücktreten und sich ver-
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wischen, ohne doch ganz zu verschwinden, so wird es anf diese Weise möglich, Tjpen-
hilder zu gewinnen, welche neben den constitnirenden Hauptzügen auch Umfang und
Stärke der Abweichungen zur Anschauung bringen.
Galton hatte sein Verfahren zur Herstellung von Familien-, Verbrecher- und
Krankheitstypen angewandt. Fortgeführt hat seine Versuche namentlich der Professor
der Physiologie in Boston, Dr. H. P. Bowditch, und zwar mit der Herstellung von
Standes- und Kassentypen amerikanischer Studenten und Studentinnen, sächsischer und
wendischer Soldaten und dergl. mehr. Vergl, dessen Aufsatz: „Are composite photo-
graphs typical pictures?“ in Mc. Clure's Magazine, September 1893, und P. Pumpelly,
Science V, p. 378.
Eine hochbedentsame Eigenschaft aller dieser Typenbilder ist die, dass sie, je mehr
EinzcUndividuen sie umfassen, nicht nur um so charakteristischer, sondern auch uni so
schöner erscheinen. Es ist dies ein Umstand, der die Vennuthungen Kant s über
die Ent-stehnng der „ästhetischen Norraalidec“ vom Menschen in schlagendster Weise
bestätigt und di(! hiergegen von Lotze vorgebrachten Bedenken widerlegt (Kant, Kritik
der Urthcilskraft, Bd. 8. 79 ff. der Ausgabe von Hartenstein; Lotze, Gesch. der
Aesthetik, S. .’)66 f. und 21 f.). Jene photographischen Gattnngsbilder geben uns in der
That ein Analogon für den physischen und psychischen Hergang bei der Typen- und
Idealbildnng innerhalb der künstlerischen Phantasie. Sie gewinnen damit einen hohen
und bisher noch nicht gewürdigten Werth für die ästhetische Theorie des Schönheits-
begriffea. Vergl. hierüber die Ausführungen von Treu im Jahrbuch des K. Archäo-
logischen Institutes, Bd. V (1890), Anzeiger S. fil ff.
Zweite Sitzung am 23. Februar 1899. Vorsitzender; Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 48 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende des Verwaltungsrathes, Prof. H. Engelhardt, be-
richtet über den Rechnungsabschluss vom Jahre 1898 (s. S. 16) und legt
den Voranschlag für 1899 vor. Als Rechnungsrevisoren werden Bankier
A. Kuntze und Architect R. Günther gewählt. Der Voranschlag wird
einstinimig genehmigt.
Prof. H. Engelhardt theilt weiter mit, dass die Uebergabe der Kasse
an den neugewählten Kassirer, Hofbuchhändler G. Lehmann, statuten-
gemäss erfolgt sei. Die Gesellschaft beschliesst, dem nach 26jähriger
uneigennütziger Thätigkeit aus seinem Amte scheidenden bisherigen Kassirer,
Ilofbuchhändler H. Warnatz ihren Dank durch ein Schreiben zum Aus-
druck zu bringen.
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude hält hierauf den angekündigten
Vortrag; Pflanzengeographische Betrachtungen über Klima und
Flora der Eiszeit in Mitteleuropa.
Dritte Sitzung am 23. März 1899. Vorsitzender Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 61 Mitglieder und Gäste.
Nach Prüfung des Rechnungsabschlusses für 1898 wird dem Kassirer
Decharge ertheilL
Prof. Dr. E. Kalkowsky hält einen Vortrag; Zur Geologie des
Goldes.
An diesen Vortrag knüpft Geh. Ilofrath Prof. Dr. W. Hempel Be-
merkungen über die Entstehung der Golderzlagerstätten in den
jungen Eruptivgesteinen, den Propyliten.
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Tierte Sitzung am 27. April 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 64 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. H. Engels spricht über das neue Flussbau-
laboratorium der K. Technischen Hochschule.
Der Vortraffende schildert zunächst die Einwirkuns; des fliesaenden Wassers auf
das Flussbett, welche die Ausführung von Flussbauten zur Hegulirniig der Wasserliefen
erforderlich macht. Im Laboratorium, welches dazu bestimmt ist, den Studirenden am
Experiment diese Wirkungen vorzufiihren , zeigt der Vortragende dann au einer im
kleinen Massstab ausgefiihrten Nachbildnng eines Theile.s des Elblaufes, wie das lüessende
Wasser und seine Sinkstoffe das Flussbett bei Hoch- und Niederwasser verändern und
welchen Einfluss auf die Regelung der Waasertiefe die in den Strom eingebauten
Buhnen haben.
Fünfte Sitzung am 18. Hai 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 25 Mitglieder.
Prof. Dr. H. Gravelius spricht über die Vertheilung des Regens
auf der Erde.
An den Vertrag schliesst sich eine längere Debatte.
Sechste Sitzung am 29. Juni 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 41 Mitglieder und Gäste.
Prof. B. Pattenhausen hält einen Vortrag über die wissenschaft-
liche Begründung des metrischen Systems.
Auf Antrag des Vorsitzenden des Verwaltungsrathes, Prof. H. Engel-
hardt, wird eine zum Neudruck von Statuten bestimmte Nachtrags-
forderung zum Voranschlag für 1899 einstimmig genehmigt.
Teränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 18. März 1899 verschied in Newhaven, Conn., Dr. Othniel
Charles Marsh, Ehrenmitglied der Isis seit 1881.
Othn. Ch. Marsh hat sich gros.se Verdienste um die Kenntnias der fossilen Wirbel-
thiere Nordamerikas erworben, die Ergebni.s.«c seiner UnterBuchungen sind in mehreren
bedeutenden Werken niedergclegf. Seine mit grossen üclilopfcrn erworbenen Samm-
lungen hat er in hoihherziger Weise der Yale Üniversity in Newhaven hinterlassen, an
welcher er seit 18Ö6 abs Professor der Paliluntologie gewirkt hat.
.\m 20. März 1899 starb in Wien ira Alter von 77 Jahren Hofrath
Franz Ritter von Hauer, ein um die geologische Erforschung der
österreichisch-ungarischen Monarchie hochverdienter Gelehrter, vormaliger
Director der K. K. Geologischen Reichsanstalt, seit 1885 Intendant des
K. K. Naturhistorischen Hofmuseunis in Wien. Unserer Gesellchaft gehörte
der Verewigte seit 1857 als Ehrenmitglied an.
Am 26. März 1899 starb im 52. Lebensjahre K. Hofbuchhändler
Heinrich Warn atz in Dresden.
Einer Dresdner Familie entstammend, widmete sich II. Warnatz nach dem Besuche
ilcr Kreuzschule dem Buchhandel und erwarb im December 1872 gemeinsam mit seinem
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Freunde G. Lehmann die alte, ihren Ursprung bia auf das Jahr 1672 zurückfUhrende
K. S. Hofbucbhaudlung H. Jlurdach in Dresden, Ans dieser Firma trat er im Juni 1898
aus, um die grosse Verlagsbuchhandlung von Otto Hendel in Halle a. S., zu der neben
dem Buchverlag auch der Verlag mehrerer grosser Tageszeitungen gehört, zu über-
nehmen. Im Frühjahr 1899 schwer erkrankt, suchte H. Wamatz Genesung im Süden,
wo ihn in Locarno am 26. M&rz d. J. ein plötzlicher Tod ereilte.
Unserer Gesellschaft gehörte der Verewigte seit November 1872 als wirkliches
Mitglied an. Nach dem im Herbst jenes Jahres erfolgten Tode des früheren Kassirers
H. Burdach wählte ihn die Isis zu dessen Nachfolger, und der Verewigte hat dieses
Amt bis Ende des Jahres 1898 mit grosser Hingebung verwaltet. Unsere Gesellschaft
wird ihm für seine 26jährige uneigennützige Thätigkeit immer ein dankbares Andenken
bewahren.
Am 26. April 1899 starb in Dresden Verlagsbuchhändler Alexander
Köhler, wirkliches Mitglied seit 1884
Am 3. Juni 1899 starb Fabrikbesitzer Ernst Heuer in Cotta b. Dr.,
wirkliches Mitglied seit 1879.
Als wirkliche Mitglieder sind aufgenommen:
Barth, Gurt, Dr. phil., Chemiker in Dresden, am 23. März 1899;
Contractor, Noshirvan, Forststudent in Tharandt, am 29. Juni 1899;
Döring, Carl, Lehrer in Dresden, am 27. April 1899;
Galewsky, Eugen, Dr. med. in Dresden, am 18. Mai 1899;
Günther, Oswald, Chemiker in Blasewitz, i i inr,r>
Ilänel, Paul, Chemiker in Dresden, I ^6- Januar 1899;
Kelling, Georg, Dr. med. in Dresden, am 23. Februar 1899;
Pestei, Rieh. Martin, Optiker und Mechaniker in Dresden, am 29. Juni 1899;
Seidel, Rudolf, Kunst- und Handelsgärtner in Laubegast, am 18. Mai 1899;
Süss, Paul, Dr. phil., Assistent an der K. Technischen Hochschule, am
23. März 1899;
Zielke, Otto, Apotheker in Dresden, am 23. Februar 1899.
Zum correspondirenden Mitglied ist ernannt:
Pesch el, Ernst, Lehrer in Nünchritz, am 26. Januar 1899.
Uebergetreten sind in die correspondirenden Mitglieder:
Kosmahl, Friedr., K. Oberförster a. D. in Langebrück;
Richter, Conrad, Realscbullehrer in Aue;
in die wirklichen Mitglieder:
Schuster, Oscar, Generalmajor z. D. in Dresden.
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Kassenabschluss der ISIS vom Jahre 1898.
Position. Ehiiiahineu. Position. Ausgabeu.
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Sitzungsberichte
der
N atunvisseiischaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1899.
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I. Section für Zoologie.
Vierte Sitzung am 19. October 1899. V orsitzcnder; Oberlehrer
L)r. J. Thallwitis. — Anwesend 32 iiitglieder.
Prof. Dr. E. Kalkowsky legt vor und bespricht mit warmer Enipfebliing
Hftckel, E.: Die Kunstformen in der Natur, und
„ „ Welträthsel, Studien über monistische Philosophie.
Dr. J. Thallwitz hält einen Vortrag über Ilefruchtung und Zell-
th eorie.
Fünfte Sitzung am 7. December 1899 (in Gemeinschaft mit der
Section für Botanik). Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend
45 Mitglieder, und 1 Gast.
Prof. Dr. II. Nitsche legt vor und bespricht kurz zwei neue zoologische
Prachtwerke
Becker, L.: Les Arachnides de lieleique. Fol. 3 Theile mit 70 Tafeln;
V. Graff, h.'. Mnnngraphie der Turhellarien. II. I.andplanarien. Fol. Mit einem
.Atlas Von 58 Tafeln.
Derselbe berichtet hierauf über zoologische Iteiseeindrücke
aus Ungarn, Bosnien und der Herzegowina, die er gelegentlich
desJBesuches des ornithologischen Congresses zu Sarajewo im September
1899 sammeln konnte.
Der Vortrag winl durch Vorlage bezüglicher Pnhiieatiouen, Photographien und
einzelner Präparate und ethnographischer Gegeustilnde erläutert.
II. Section für Botanik.
Vierte Sitzung am 2. November 1899 (in Gemeinschaft mit ' der
Section für Zoologie). \'orsitzender: Geh. Hofratli Prof. Dr. 0. Drude. —
Anwesend 42 Mitglieder.
Zunächst spricht Dr. B. Schorler über das Plankton der Elbe
bei Dresden (mit Demonstrationen unter dem Mikroskop).
Es knüpft sich daran eine rege Discussion über die Assimilation der
niederen Algen bei trübem Wetter und Sonnenmangel.
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Darauf folgt der Vortrag des Vorsitzenden Prof. Dr. 0. Drude: Die
Thiitigkeit der biogeograpliischeii Section des Vll. iiiternatio-
naleu Geographeii-Tages zu Berlin, September bis October dieses
Jahres.
Redner stliilderf zunächst die schönen äusseren Verhältnisse, unter denen die Ver-
sanimlnngen slattfanden, sowie die innere Einrichtung der internationalen geographischen
Congresse, Einer der biographisch wichtigsten allgemeinen Vorträge war der
tlber die Deutsche Tiefsce-Expeditiou der ^Valdivia“ von Prof. Chnn aus Leipzig.
Einen Hanptgegenstand in den Sitzungen der biogeographischen Section
bildeten die modernen Arbeiten in der kartographischen Pflanzengeogfraphie. einen zweiten
die liegrilndung einer internationalen Xomenclatur für die pHanzeugeograpbischen Begriffe
(Drude, Warhnrg). Von allgemeinerem Intere.sse war auch ein Bericht über Versuche,
die südrussischeii Stejipeii wieder aufznforsten. von Prof. Kra.«snow-Charkow, Herr M.
Ewan sprach Uber die Anbau- und Absatzländer des Thees u. s, w.
Dnter den Excursionen war eine der interessantesten die nach den Kildersdorfer
Kalkstcinbröchen unter Wahn.schaffe's Fühlung. Den Schluss bildete auf die Einladung
der Hamburger Gesellscbaft für Erdkunde ein Ausflug nach Hamburg znr Besichtigung
der dortigen wissenschaftlichen Institute und des Hafenverkehrs. Sehr beachtenswerth
ist das neue colonialbotanische Museum unter Prof. Sadebeck's Leitung, dessen Ein-
richtung Vortragender bespricht. In der Seewarte waren die Tiefsee-Mess- und -Fang-
Instrumente der „Valdivia^“ aufgestellt.
Dr. W. Bergt fügt einige Bemerkungen über die Itüdersdorfer Kalk-
brüche hinzu und ladet zu der nächsten Sitzung der geologischen Section
der Isis ein, in welcher von einem Geologen über den Geograpben-
Congress berichtet werden wird.
III. Section für Mineralogie und Geologie.
vierte Sitzung am 9. November 1899. Vorsitzender: Privatdocent
Dr. W. Bergt. — Anwesend 51 Mitglieder.
Der Vorsitzende legt E. Treptow; ..Der Bergbau“, W. Deecke:
„Geologischer Führer durch Pommern und Bornholui“, E. Geinitz: „Geo-
logischer Führer durch Mecklenburg“ und L. von Ammon: „Geologischer
Führer durch die Fränkische Alp“ vor.
Dr. L. Siegert hält einen Vortrag über Urströme in Nord-
deutschland.
Vcrgl. hierzu u. A. K. Keilhack: „Thal- und .Secbilduiig im Gebiet des Baltischen
Höhenrückens“ (Verhandl. der Gesellschaft für Enikunde zu Berlin, Bd. XXVI, 18U9,
Xo. 2 und 3. mit 1 Karte).
Im Anschluss daran spricht Prof. Dr. H. Nitsche über die Ver-
breitung des Fischreihers in Sachsen und ihre Beziehung zu
Urstromthälern.
Dr. II. Francke zeigt und bespricht eine Anzahl interessanter
Mineral vorkomm nisse (Zinnober, Aragonit, Boleit, Sapphir, Pyrit, lloth-
kupfererz) und neuer Mineralien (Bouglisit),
Prof Dr. E. Kalkowsky vom K. Mineralogisch-geologischen Museum
neuerworbene paläozoische Korallen aus Nordamerika.
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21
Fünfte Sitzung am 14. December 1899. V orsitzeiuler; rrivutdocent
Dr. W. liergt. — Amveseml 30 Mitglieder.
Dr. E. Naumann spricht unter Vorlage von Karten und Verstei-
nerungen über tektonische Störungen der triadischen Schichten
in der Umgebung von Kahla.
Vergl. die Veröffentlichungin des Vortragenden im Jahrbuch der K. Preussischen
Cicologischen I.andesanatalt fui 1897 98.
Dr. W. Bergt berichtet über ein neues Vorkoinraniss von Turmalin-
granit bei Miltitz im Trieliischthal, welcher durch Uebirgsdruck stufen-
weise in Turnialinsericitgneiss-artige Gesteine ausgewalzt ist.
Die Umwandlungaerseheinungen weiilen an Hnnd.stücken und Diinnschliffjirojectioneu
vorgetilhrt und ihre ßedentung fiir die Kruge der Eutatehung der krjstallinen Schiefer
kurz erörtert.
Sectiou für prähistorische Forschungen.
Dritte Sitzuug am 16. November 1899. V orsitzender: Prof. Dr. J.
Deichmüller. — .\nwesend 30 .Mitglieder.
Prof. Dr. E. Kalkowsky hält einen Vortrag über das Hakenkreuz
(Svastika).
Das fast über die ganze Erde verbreitete Hakenkreuz (der Svastika) tritt in vor-
historischer Zeit wohl zuerst in .Vsien nördlich vom Uimalaya auf und verbreitet sich
von hier ans, aber ohne nach Eräu und zu den semitischen und hamitischen Völkern
vnrzudringen. Im Sanskrit ist svastika, das .\djectiv zu svasti (su = wohI; asti = esist),
Wohlsein, Segen, zur Zeit des Urammatikers Fänini (nra 300 vor Chr.) ein allgemein
tiekanntes Wort und Symbol; letzteres kann nicht als altindischea Schriftzeicheu , alier
auch nicht als Bild der Sonne oder als das eines Feuerzeuges gedeutet werden. Im
Buddha - Dien.st wird der .Sva.slika vielfach verwendet, und in der im ö. Jahrhundert
vor Chr. entstandenen .laina-Iteligion ist das Hakenkreuz noch heute gemein gebräuch-
lich als Symbol für die Verbindung von Körper und Seele.
In China ist das Hakenkreuz seit alter Zeit wahrscheinlich bei der Sekte der
taö ssT. im 7. Jahrhundert nach Chr. eine Zeit lang als Schriftzeichen für .Sonne“ und
gegenwärtig noch als Oniamcnt mit dem Namen wän, d. h. lOiXKI, alle, und mit der
au.sgeaproi henen Bedeutung .langes Leben, viele Jahre, (ilUck“ im Gebrauch. In
Japan, Koren. Tibet tindet sich das Hakenkreuz ebenfalls noch jetzt, in letzterem Lande
z. B. auf die Hand tatuirt.
Von Innerasien hat sich das Hakenkreuz nach den Kauka.snsländem (Koban) und
nach Vordera.sien schon in prähistorischer Zeit verbreitet. Reichlich tindet cs sich z. Th.
in tlilchtigeu Formen auf Gebrauchsgegeustilnden des gemeinen Lebens (Spinnwirteln)
in Ilios; auf griechischen Inseln, in Griechenland (z. B. Olympia-Fibel mit quadrati.scher
F'nssplatte) finden sich auch die Formen des Mäander- und .spiralhakenkrenzcs. Die
Inschrift auf einer thrakischen .Münze (.Mes und Hakenkreuz von derselben Höhe) giebt
eine sichere Deutung, hier im .Staiitnamen Mesembria als .Tag“.
,\nch nach ünteritalien, Etnirien. alpinen Pfahlbaugebicten, .Südrussland, Polen,
Schlesien hat das Hakenkreuz seinen Weg gefunden, und ebenso nach .Süd- und Nord-
Dentscbland und Skandinavien und mit spärlicherer Verbreitung nach dem alten Gallien
und den britischen Inseln. Ein ausgezeichnetes Beiajiiel für geschichtUch nachweisbare
Wanderung von Symbolen i.st die Verwendung der sicilischen Triskele im Wappen der
Insel Man; doch hat dies Zeichen nichts gemein mit dem Hakenkreuz.
Das Hakenkreuz hat sich spärlich in .Vfrika gefunden, hier wohl von Aegypten
her in jüngerer Zeit durch Metallverkehr verbreitet.
Sehr auffällig ist das Vorkommen von ganz normalen Hakenkreuzen in vor-
historischer Zeit und bis in die Gegenwart bei Indianern verschiedener Stämme in
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iSorilftiiierikii . z. Th. mit der gfradezti Hngegtdiemn Hedcutung „tililikl gut tiliUkl“
iSioher ist auch die -Angabe, dass hei den Azteken ein dem nurnialeii Hakenkreuz sehr
nahestehendes Zeichen Syiiibid des Jahreslaufes war.
In Europa ist das Hakenkreuz in vorhistorischer Zeit sicher nicht bloss Ümament.
sondern ein hedentungsvolles Zeichen gewesen; sein (iebrauch ist völlig erloschen: (d>
das Hakenkreuz, das noch in neuerer Zeit als Steiumetzzeichen gebraucht worden i.st.
mit dem vorhistorischen .Symljol zusanunenhängt , oder ob es eine neue Ertindung ist.
bleibt ungewiss.
Instilutslelirer A. Peuckert weist darauf liiii, dass das llakeiikreiu
in den Steinnietzzeielien nicht selten vorkommt.
Prof. Dr. J. Deichmiiller legt das soeben erschienene Werk von
li. Wuttke: „Sächsische Volkskunde“ vor und
berichtet über neue Urnenfunde auf Klcinzschachwitzer Flur,
auf dem Gebiete der Haltestelle Klotzsche und in der nordnordüstlich
von dort liegenden Kiesgrube. (Vergl. Abhandlung VI.)
Zur Vorlage kommen weiter ein in der liaumschule von 0. Poscharsky
in Laubegast gefundener Steinhammer, ein zweiter von der Halte-
stelle Klotzsche, welcher zusammen mit schnurverzierten Gefässen ge-
funden worden ist, und ein hei Höhlen bei liCisnig ausgeaekerter, mit
prachtvoller blaugrüner Patina überzogener Flachcelt aus Hroiize.
Sämmtliche Gegenstände befinden sich in der K. Prähistorischen Samm-
lung in Dresden.
Exenrsion am 2S. October 1899 zur Untersuchung eines Urnen-
feldes auf Kleinzschachwitzer Flur. — Zahl der Theilnehmer 19.
Die Aufdeckung mehrerer Umengräber gab hier den Theilnehraent (felegcuheit.
iii der Natur den Kau deiselbcn mit ihren Steiiisctzungen und den Inhalt un<l die
Anordnung der (iefilsse in ilcn (Jrühem nach Entfernung der Stcinhedcckungen kennen
zu lenien. Oelüuden wurden eine grössere Anzahl meist zerdrückter Thongefiissc,
luelirere Bronzcnadeln und Thonperlcu und in der Steinsetznng des einen Grabes ein
tiacher .Mahlstein ans .Syenit. Das Gräberfeld gehört zur jüngeren Gmppe der Urnen-
felder vom Lausitzer Tyjius.
V. Section für Physik und Chemie.
Vierte Sitzung am 5. October 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. F. Foerster.
— ;\nwesend 62 Mitglieder und (iäste.
Dr. G. P. Drosshach spricht über die industrielle Verwerthung
der Elemente der Cer- und Zirkongruppe.
Unter Vorzeignng zahlreicher Moiiazitprobcn mid Präparate führt der Vortragende
etwa Eolgendes aus:
Die Gewinnung der sogen, selteueu Erden, d. li. der Oxyde der Elemente der Cer-
und Zirkongrnppe beginnt mit der Kntwickelnng der Gasgiuhlicht- Industrie und ist
heute noeh ausschliesslich von dieser abhängig. .Seit Zirkonerde als LelIehtkül^ler eine
xvesentliche Itolle nicht mclir spielt, ist die Verarbeitung d(*s in den beiden Staaten
Garolina uinl t'irginia nnissenliaft vnrkominenden Zirkons selir znrUckgegangen und
lisn]itsächiicli di r Monazit an seine Stelle getreten Die Verwenilliarkeit dieses Alinerals
lieriilit auf seinem Thorium-Gelialt. Da der Monazit nur .1— „ Thoriumoxyd entliält,
rc.<nltiren die restlichen der (’ergmiipe als znm Tlieil lästiges Ncbcuprodnct.
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Der Muiiazit tiielct sieh sowohl iu Brasilien (Bahia), als in den beiden Carolina als
intejrrirender Bcstandtheil des dortigen Anirengneisses. Durch Vermahlen nnd Waschen
des tiesteins wird der Monazit nur vereinzelt in Xord- Carolina gewonnen, die Haupt-
masse entstammt dem durch Verwitterung des Uneisses entstandenen Latent, welcher
insbesondere in den Bächen dnrch einen natürlichen Waschprocess (iu Brasilien auch an
der Ktlste) soweit in Bezug auf den specifisch schweren Monazit (spec. Uew. = 5,0 — ,ö,3)
angcreichert ist. dass dessen Gewinnung lohnt.
Die Monazite der verschiedenen Fundstätten sind oft sehr verschieden, die Brasil-
inonaz.ite stellen sämmtlich einen ans glänzenden bernsteingelben, völlig abgeriebenen,
hirsekorngrosseu Mineralindividnen bestehenden Sand dar, der vielfach durch t^uarz,
Titanit. Chromit nnd dergleich<‘ii ventnreinigt ist. Sein Gehalt an Tliorininoxyd s<hwankt
meist zwischen 2.5 — 4,5"„, doch kommen in Sao Paulo auch sechsprocentige Monazite
vor. Der Monazit von SUd-Carolina bildet grüngelbe, der Monazit Xorf-Carolinas
gelbe bis dunkelbraune, wohlausgebildete, monokline Krystalle vermengt mit Granat,
Chromit, Zirkon, Columbit, \’ivianit, selbst Gold und Platin, Der Gehalt dieser Monazite
an ThorinmoNyil beträgt 4,5 — 8 “/„.
Die Verarbeitung des Monazits selbst erfolgt in der Weise, dass das feinst gemahlene
Mineral in geeigneter Weise aufgeschlossen wird. Obwohl sich der Monazit mit So<la
sehr leicht anfscliliessen lässt, und die zurUckblcibenden Ozyde sich sehr gut fractionirt
lösen lassen, verwendet man hierzu ausschliesslich die .Schwefelsäure. Die .Sulfate wnr<len
früher in O.valate verwandelt (direct durch Fällen mit freier Oxalsäure aus stark sattrer
j/osung) nnd diesen durch Soda die Thorerde entzogen. Heute fractionirt man aus der
Snlf.itlauge ilie Thorerde direct als Phosphat aus und lässt die Mutterlauge, welche
tä.st sämmtliches Cer, Lanthan, Didym, Krbium, Yttrium und Ytterbium enthält, fort-
laufeu, insofern nicht ein kleiner Theil zu deren Gewinnung zurückgehalten wird. Der
Thorphosphat- Niederschlag kann nai^h der Bunsen’schen llethodc weiter gereinigt und
in Nitrat übergeführt werden.
Die Gewinnung des Cers ci-folgt analog den älteren aus der Verarbeitung des Cerits
Iiekannten Methoilen, Meist dient hierfür sowie für die Gewinnung aller übrigen Klemente
der Gruppe der mit dem Thoriumphosphat mitgeris.seue Gemeugtheil.
Die Verwendung des Thoriums in der tiasglüblicht lndustrie erfolgt in der Weise,
dass die aus Baumwolle gestrickten Netze mit einer Lösung von Thoriumuitrut unter
Zusatz von 1% Cerinmnitrat getränkt, getrocknet nnd verascht werden. Killing und
Bunte führen das Leuchten der Glühkörper auf die Fähigkeit des Ceriums. zwei (jxyde
zu bilden und somit als Sauerstotlübei träger wirken zu können, zurück. Vortragender
tbeilt diese Ansicht nicht, sie steht im Widerspruch mit der Thatsache, dass nochu.3“„
Cer einen intensiv leuchtenden Glühkörper bilden, während bei Erhöhung des C'ergehalts
die Leuchtkraft rasch herabgeht. .Andererseits wirkt das Cerium nur im Gemenge
mit Thoriumoxyd, aber mit keinem anderen Gxvde. Da nun andererseits jede Wärme-
übertragung als rein iihysikalischer A'organg heim Thor-Cer-Gemenge keine andere sein
kann als hei anderen Gemengen, die Leuchtkraft aber von der .Amplitude der Licht-
schwingungen abhängt, so ist es wahrscheinlich, dass das Ceriumoxyd lediglich dazu
dient, die Thorinmmolekiile bis zur günstigsten Kesonanz mit den heissen Flammengasen
abzustimmeu. Dementsprecheinl wirken auch andere Oxyde ähnlich, wenn auch (ihrer
Flüchtigkeit wegen) nur vorübergehend. So z. B. Umnoxyd, aber auch dieses nur im
Gemenge mit Tlioriumoxyd.
Cer. Lanthan, Didym linden als Oxyde in der Glasteehnik einige A'erwendung, sei
es zum Färlam oder Eutlärben <les Glases. Die Balze des Didyms und Lanthans sind
ausserdem sehr wirksame, absolut ungiftige Desinfectionsmittel.
ln der sich anschliessenden Discussion wenleti namentlich die An-
sichten des Vortragenden über die Rolle des Cers in den tilühkörpern
erörtert nnd finden Zustimtnung.
Fünfte Sitzung; am 23. November 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. F.
Foerster. — Anwesend 54 .Mitglieder und üäste.
Dr. phil. W. 11 entschel hält einen Vortrag über die cheinisclien
Grundlagen des Pflanzenbaues.
Beit Liebig hat sich die Erkenntniss Bahn gebrochen, dass die hauptsächlichste
Aufgabe des Pflanzenbaues in dem Ersatz der mineralisihen Pflauzennährstofte, wie sie
in ih n Pflanzimaschen vorliegen, besteht.
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Von Xatnr arme, sanjige oder moorige Ackerflilclieu sind iiberhaujjt erst iiaiti
Zufuhr ausreichender Mengen dieser UlBliehen mineralischen lUlngestoffc zn einer den
Anfor<lerungeu entsprechenden l’roduetion zu bringen: hier erseticinen jene als Roh-
producte, während die Ackertliiehe im Wesentlichen die Rolle eines Werkzeugs spielt.
Reichliche Zufuhr von Kali und Kalk in erster l.inie, in zweiter l’hosphorsänre-
DUngnng erschlies.sen hier durch V'emiittelnng stickstoffsammelnder Pflanzen den almo-
sphärischen .Stickstoff und ermöglichen so eine gesfeigertc billige PHanzenproduction
selbst auf änusten Haidchöden. die wie ein modernes Wunder erscheint.
Die reicheren Rüden enthalten oftmals für Jahrzehnte und .Tahrhuuderte ausreichende
Vorräthe an mineralischen Planzeuniihrstofl'en. Dieselben können indessen nicht in dem
i^wüusehten Tempo in lösliche Pflanzenkost übergefubrt wenleii. Hier ist die künst-
liche IMlngung die Voranssetzung der gerade auf diesen Böden gebotenen „intensiven
Wirthschaft“ ; zugleich bietet sie (lewähr. dass die von TJebig zuerst erkannte Uefahr
der endlichen Erschöpfung der Ackerflächen für <lie Zukunft niclit mehr in Frage kommt.
In diesem Sinne erscheinen hesondeis die endlosen Schätze an Kalisalzen, die in
Deutschland entdeckt worden sind, als eine tlewähr für Deutschlands Zukunft.
Der Vortragende sucht in liem hier nur angedeuteten Rahmen seines Vnrtiugs
besonders den Nachweis zu führen, da.ss der deutsche PHanzenhaii vielfach im (legensatz
zu ileni des Auslandes auf der Höhe der Zeit steht, dass es sich in ihm um eine voll-
werthige chemische Technik handelt, was besonders auch ans dem Zusammenwirken mit
einer durch vervollkommuete Forschimgsmethoden gehobenen Theorie zum Au.sdntck
kommt.
An der Debatte betheiligen sich Prof. Dr. F. Foerster, Dr. A. Scliloss-
mann, Chemiker M. Kiininitz und der Vortragende selbst.
Sectioii für Mathematik.
Dritte Sitzung am 12. October 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. K. U o h n.
— Anwesend IR .Mitglieder und Gäste.
i’rof. Dr. K. Uobn spricht über die Anordnung der Krystall-
molekcln.
Die Anordmiug der Molekeln eines Krvstalls lässt sieh als eine regelmässige
ansehen, imlem man annehmen kann, dass jedes auf die Anordnung der Xachharmolekeln
genau so einwirkt, wie jedes andere. Jede Molekel ersetzt man dnndi einen Punkt
und erhält dann eine regelmässige Piinktgruppe im Rannt, die man sich in nnbegreuzter
Ausilehimng vorstellen kann. Jeder Punkt ilieser (iruppe ist dann von allen übrigen
genau in der gleichen Weise umlagert, wie jeder andere. Es bieten sich hier drei
Möglichkeiten ilar: I. Verschiebt man die tiriippe parallel, sndass der .Ausgangspunkt
in die Lage eines hcliebigen anderen gelangt, so kommt die ganze (iruppe mit sieh
seihst zur Deckung. 2. Kur ein Theil der Punkte hat die Eigenschaft, dass eine
Parallidverschiehiing des Ausgangspunktes in ihre I.age die ganze (Iruitpe mit sieh zur
Deckung bringt, a. Für keinen Punkt ist diese Eigenschaft vorhanden. Es wird
gezeigt, dass Ilieser letzte Fall nicht eintreten kann hei regelmässigen Punktgrnppen,
deren N'achbarpnnkte keine unemllieh kleinen Abstände anfweisen. Im ersten Falle ist
die Anonlimng der Molekeln die eines Pniiktgitters. Im zweiten Falle ordnen sich ilie
Molekeln in mehrere Piinktgilter an.
Vierte Sitzung am 14. December 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. K.
Pvobii. — Anwesend 11 .Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. F. Müller spricht über M'iukeltheilungscurven und
Kr ei st hei luiigsgleicliungen.
Der Vortragende geht aus von der elementaren Aufgabe, die Beziehung zwischen
den .Seiten eines Dreiecks zn suchen, in welchem Winkel t; = 2 ist. Die rationalen
llreiecke dieser Art hat hendts .Schweriiig untersucht und für seine .Xufgahensammlniig
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verwertliet. Es lässt sich imii die Aufgabe dahin verallgcineinern. dass « = n;f ist; doch
wird die allgemeine Relation zwischen den drei Seiten, die mit Hilfe der Moivre’schen
Formel abgeleitet werden kann, filr die wirkliche Aufstellung der Beziehungen in den
specicllen Fällen sehr bald unbrauchbar. Nun giebt es aber eine einfache Substitution
1,2 1, _ ß
= b„ = , welche diese Relation fUr den Fall n in die folgende
‘‘n + 1 *11 + 1
für den Fall n + 1 überführt. Mit ihrer Hülfe lassen sich die Relationen für n = 2, 3, H
leicht herleiten; sie gewinnen eine noch einfachere Form, wenn man * **=n, ^ = v
° c 0
setzt. Die obige Aufgabe, als kinematisches Problem: ,Die Dnrchschnittspunkte zweier
unendlichen Geraden zu linden, die sich um die Endpunkte einer Strecke c, von dieser
ausgehend, mit den Winkelgeschwindigkeiten w und n.w drehen“, führt auf die Winkel-
theilungscurven, sectrices genannt, weil sie einen gegebenen Winkel in n gleiche Theile
theilen. Diese Cnrven sind schon 1885 von Schonte, dann von ile Longchamps, Brocaird
u. A., und kürzlich von Heymann, der sie ihrer Gestalt wegen Araneiden nennt, unter-
sucht worden. Der Vortragende stellt die allgemeine Gleichung derselben in recht-
winkeligen Coordinaten auf und geht näher auf die Trisectrix und die Slaclaurin'sche
Transformation ein. Alsdann zeigt er, wie sich aus den zuerst abgeleiteten Relationen
durch die Substitution a = c = l. b = x auf sehr einfache Weise die Kreistheilungs-
gleichungen fyn(x) = 0 herleiten la.s.«en, d. h. die Gleichungen n. Grades, denen die Seite
des regelmäsigen 2 (2n -|- 1)- Ecks genügt. Mit Hülfe der Moivre’schen Formel kann
man die allgemeine Form dieser Gleichungen aufstellen, aus der sich die Gauss’sche
Kreistheilnn^gleichnng z» = 1 ableiten lä.sst. Aua der allgemeinen Form ergiebt sich,
dass unsere Gleichungen Abelsche Gleichungen sind; ferner ergeben sich merkwürdige
Beziehungen zwischen den rationalen Functionen einer einzigen Wurzel, als welche sich
die übrigen Wurzeln darstellen las.seu. Sic führen wieder zu einer neuen Darstellung
iler Function 711 (x).
Den .Schluss des Vortrags bildet der Nachweis, dass durch geeignete Gruppining
der Wurzeln der Gleichung 7s (x) - 0 für die Seite des regelmässigen 34 - Ecks eine
sehr einfache Construction des regelmässigen 17-Eeks gewonnen wird
VII. Hauptversammlungen.
Siebente Sitzung am 28. September 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. E.
Kiilkowsky. — Anwesend 28 Mitglieder.
Prof. Dr. J. Deichin üller widmet dem am 16. August d. J. ver-
storbenen letzten Stifter der Isis, Dr. med. Friedrich Theile in Lock-
witz, einen warm empfundenen Nachruf.
Dr. W. l’etrascheck spricht über Faciesbildungen im Gebiete
der sächsischen Kreideformation. (Vergl. Abhandlung V.)
Achte Sitzung am 26. October 1899. Vorsitzender; Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 67 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. E. Kalkowsky legt als Einleitung für den nachfolgenden
Vortrag das Werk von Dr. W. Bergt; „Die älteren Massengesteine,
krystallinen Schiefer und Sedimente“, aus W. Ueiss und A. Stübel, Geo-
logische Studien in der Republik Colombia, Bd. II, 2, Berlin 1899 vor.
Hierauf hält Dr. A. Stübel einen durch Vorführung zahlreicher Licht-
bilder erläuterten Vortrag über die Vulkanberge von Colombia.
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Neunte Sitzung am 30. November 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 32 Mitglieder.
Nacli der Wahl der Beamten der Gesellschaft für das Jahr 1900
(vergl. die Zusammenstellung auf S. 28) spricht
Oberlehrer Dr. P. Wagner über die Schneeverhältnisse des
Bayrischen Waldes.
Eingclieucle Untersuclnmgen Uber die Sehncedecke des bayriseh-bShiuischen <irenz-
gebirges sind von dem Vortragenden in der ..Iieo]ioMiiia“, lieft XXXIIl — XXXV,
lSi)7— H!» verilffenlliiht worden.
Prof. Dr. 11. Ebert knüpft an diesen Vortrag Bemerkungen über den
Zusammenhang von Wald und Niederschlagsmengen.
Zehnte Sitzung am 21. December 1899. Vorsitzender: Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 11.3 Mitglieder und Gäste.
Geh. Ilofrath Prof. Dr. W. Ilempel hält einen E.\perimentalvortrag
über die Argongruppe und das Vorkommen von Gasen in Ge-
steinen.
Veränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 5. August 1899 starb Privatus Hermann Jani in Dresden,
wirkliches .Mitglied seit 1871.
Am 16. .\ugust 1899 verschied der letzte der Stifter unserer Gesell-
schaft, l)r. mcd. Friedrich Theile in Lockwitz, Ehrenmitglied seit 1885.
Nekrolog ». am Anfang dieses Heftes.
Am 19. November 1899 starb in Meissen Gymnasiallebrer a. D. Carl
Sommer, wirkliches Mitglied seit 1898.
Ara 27. November 1899 starb Geheimer Conimerzienrath Wilhelm
von Baensch, K. llofverlagsbuchhändler, Begründer und Senior-Chef der
Firma Wilhelm Baensch, Buchdruckerei und Verlagshandlung in Dresden,
wirkliches .Mitglied seit 1898.
Am 30. Deceniher 1899 starb in Langebrück Friedrich August
Kosmahl, K. Sächsischer Oberförster a. D., seit 1882 wirkliches, zuletzt
correspondirendes -Mitglied.
Neu aufgenomraene wirkliche -Mitglieder:
Franck, Paul, HetUschullehrer in Dresden, am 30. November 1899;
Ilentschel, W., Dr. jthil., in Neugruna,
Jahr, Bich., Photochemiker in Dresden,
Klähr, .Ma.vimilian, Kealschullehrer in Dresden,
Uichter, Arthur, Chemiker in Blasewitz,
Secfehlner, Egon, Privatdocent und Assistent an
der K. Technischen Hochschule in Dresden,
Siegert, Leo, Dr. phil., Assistent an der K. Tech-
nischen Hochschule in Dre.sden,
I am 26. October 1899;
I am 30. November 1899;
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Specht, Carl. Privatus in Niederlössnitz,
Wislicenus, Adolf, iJr. phil., Professor an der
K. Forstakadeniie in Tharandt,
am 21. Deeemher 189!);
In die correspondirenden Mitglieder ist übergetreten:
Hering, Adolf, Berg- und llütten-Ingenieur in Freiberg.
Freiwillige Beiträge zur Gesellscliaftskasse
zahlten: Dr. Amthor, Hannover, 3 Mk.; Prof. Dr. B achinann, Plauen i. V.,
3 Mk.; Stadtarchivar von Baensch, Stralsund, 3 Mk. 10 Pf.; K. Biblio-
thek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. Modelleur Blaschka, Hosterwitz,
3 Mk. 10 Pf.; Privatus Eisei, üera. 3 Mk.; Bergmeister Hartung, Lohen-
steiu, 5 Mk.; Prof. Dr. Hi bsch, Eiebwerd, 3 Mk. 1 Pf.; Bürgerschullehrer
Hofmann, Grossenhain, 3 Mk.; Oberlehrer Dr. Lohrmann, Annaberg,
3 Mk.; Stabsarzt Dr. Naumann, Gera, 3 Mk.; Oberlehrer Naumann,
Bautzen, 3 Mk.; Dr. lleiche, Santi.ago, Chile, 3 Mk.; Director Dr. lleide-
meister, Schönebeck, 3 Mk.; Apotheker Schlimpert, Cölln, 6 Mk.; Prof.
Dr. Schneider, Blascwitz, 10 Mk.; Oberlehrer Seidel 1, Zschopau, 3 Mk.
15 Pf.; Hittergutspachtcr Sieber, Grossgrabe, 3 .Mk. 10 Pf.; Fabrikbesitzer
Siemens, Dresden, 100 .Mk.; Chemiker Dr. Stauss, Hamburg, 3 .Mk.;
Oberlehrer Dr. Sterzei, Chemnitz, 3 Mk.; Privatdocent Dr. Steuer, Jena,
.3 Mk.; Prof. Dr. Vater, Tharandt, 3 Mk.; Baurath Wiechel, Chemnitz,
3 Mk. 10 Pf.; Oberlehrer Wolff, Pirna, 3 Mk.; Prof. Dr. Wünsche,
Zwickau, 3 Mk. — ln Summa 187 Mk. 56 Pf.
G. Lehmann,
Kassirer der „Isis“.
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Beamte der Isis im Jahre 1900.
Vorstand.
Krster Vorsitzender: Prof. Dr. !•’. Kalkowsky.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Hngelhardt.
Kassirer: Ilofbuchhämller G. 1. eh mann.
Directorium.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kalkowsky.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Als Sectionsvorstände:
Privatdocent Dr. W. Dergt,
Prof. Dr. .1. Deiehmüller,
Geh. llofratli Prof. Dr. 0. Drude,
Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause,
Prof. Dr. H. Kitsche,
Oherlehrer H. A. liehen stör ff.
Erster Secretär: Prof Dr. J. Deichmüller.
Zweiter Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
Verwaltungsrath.
Vorsitzender: Prof 11. Engelhardt.
-Mitglieder: 1. Fahrikhesitzer E. Kühnscherf,
2. Dr. Er. Raspe,
'd. Prof 11. Fischer,
4. Civil-lngenicur und I'ahrikhositzer Fr. Siemens,
5. Fahrikhesitzer L. Guthinann,
6. Privatus W. Putscher.
Kassirer: Hofhuchhändler G. Lehmann.
Bihliothekar: Privatus K. Schiller.
Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
Sectionsboanite.
I. Seotion für Zoologio.
Vorstand: Prof Dr. H. Kitsche.
Stellvertreter: Oherlehrer Dr. J. Thallwitz.
Protokollant: Institutsdirector A. Thümer.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
n. Seotion für Botanik.
Vorstand: Geh. Hofrath Prof Dr. 0. Drude.
Stellvertreter: Oherlehrer K. Wohst.
Protokollant: Garteninspector F. Ledien.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
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m. Seotion für Mineralogie und Oeologio.
Vorstand: Privatdocent Dr. W. I3ergt.
Stellvertreter; Oberlehrer ür. K. Nessig.
Protokollant: Dr. E. Naumann.
Stellvertreter: Dr. L. Siegert
IV. Seotion für prähiatorlBohe Forsohungen.
Vorstand: Prof. Dr. J. Deichmüller.
Stellvertreter: Lehrer II. Döring.
Protokollant: Lehrer O. Ebert.
Stellvertreter: Lehrer II. Ludwig.
V. Seotion für Physik und Chemie.
Vorstand: Oberlehrer H. A. Heben stör ff.
Stellvertreter: Prof. Dr. R. Freiherr von Walther.
Protokollant: Oberlehrer Dr. G. Schulze.
Stellvertreter: Dr. R. Engelhardt.
VI. Seotion für Mathematik.
Vorstand: Geh. Ilofrath Prof. Dr. M. Krause.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. A. Witting.
Protokollant; Privatdocent Dr. E. Nätsch.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. J. von Vieth.
Kedactions - Coniit^.
Besteht aus den Mitgliedern des Diroctoriums mit Ausnahme des
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Secretärs.
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Bericht des Bibliothekars.
Im Jalire 1899 wunle die Ilibliotliok der „Isis“ durch folgende Zeit-
scliriften und Bücher vermehrt:
A. Durch Tausch.
I. Lil IX I' o i> n.
1. Dentsohland.
AUvnhitrg: Niiturforscliende Gesellschaft des üsterlandes. — Mitteil., neue
Folge, 8. Bd. [Aa fi9.]
Annaherij-lituhholz: Verein für Naturkunde. — .X, Bericht. 1894—98. [.\a 50.]
Angshitr;/: Naturwissenschaftlicher Verein für Sehwahen uinl Neuhurg. —
33. Bericht. [Aa 18.]
Jiamht'rg: Naturforschende Gesellschaft.
Bautzen’ Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“.
Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenhurg. — Verhandl., .Jahrg.40.
[Ca 6.]
Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 50, lieft 3
und 4; Bd. 51, Heft 1 uml ’i. [Da 17.]
Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, F.thnologie und Urgeschichte. —
Verhandl., Juni 1898 his Mürz 1899. [G 55,]
Bonn: Naturhistorischer Verein der preussischen llheinlande, Westfalens
und des Ueg.-Bez. üsnahrück. — Verh.andl., 55. Jahrg.; 56. Jahrg.,
1. Hälfte. [Aa 9.3.]
Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Sitzungs-
her., 1898; 1899, 1. Hälfte. [Aa 3:12.|
Brannschu eig: Verein für Naturwissenschaft. — 11. Jahresher. [Aa ‘J45.]
Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Ahhandl., Bd. XVI, Heft 1—2.
[Aa 2.1
Breslau : Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 76. Jahresher.,
1898. [Aa 46.]
Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft.
Chemnitz: K. Sächsisches meteorologisches Institut. — Jahrhueh, XI V. Jahrg.,
3. .\l)th.; .XV. Jahrg., l.u. 2. .Vhth. [Kc 57.)
Danzig: Naturforschende Gesellschaft. — Schriften, Bd. IX, Heft 3 — 4.
[Aa 80.]
Darmslailt: Verein für Krdkundc und Grossherzogi. geologische Landes-
anstalt. — Notizhl., 4. Folge, 19. Heft. [Fa 8.J
Donaucschingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und
der angrenzenden Landestheile.
Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.
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Dremletr. Gesellscluift für llotanik und Gartenbau „Flora“. — Sitzungsbcr.
und Abhandl., n. F., Jalirg. 3. [Ca 20.]
Dresden: K. Mineralogisch -geologisches Museum.
Dresden: K. Zoologisches und Anthrop.-ethnogr. Museum.
Dresden: K. Oefientliche Bibliothek.
Dresden: Verein für Erdkunde. — Jahresberichte, Jahrg. XXIV. [Fa 6.]
Dresden: K. Sächsischer Altertumsverein. — Neues Ai’chiv für Sachs.
Geschichte und Altertumskunde, Bd. XX. [G 75.1 — Die Sammlung
des K. Säclis. Altertumsvereins in ihren Hauptwerken. Lief. 2 und 3,
Bl. XI -XXX. [^G 75b.]
Dresden: Oekonomismie Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mittheil.
1898-99. jlla 9.]
Dresden: K. Thierärztliche Hochschule. — Bericht über das Veterinärwesen
in Sachsen, 43. Jahrg. [Ha 26.]
Dresden: K. Sächsische Technische Hochschule. — Bericht über die K. Sachs.
Techn. Hochschule a. d. Jahr 1898—99. [Je 63.] — I’ersoualverz. Nr.
XIX— XX. [Je 63b.]
Dürkheim: Naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz „Pollichia“. —
LVI. Jahresber.; Mitteil. Nr. 12, [Aa 66.]
Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher Verein.
Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein. — Jahresberichte, Heft 9.
[Aa 2,36.]
Emden: Naturforschende Gesellschaft. — Kleine Schriften, Nr. XIX.
[Aa 48b.l
Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer.
Erfurt: K. .\kademie gemeinnütziger Wissenschaften.
Erlum/en: l’hysikalisch-mcdicinische Societät, — Sitzungsber., SO.Heft, 1898.
[Äa 212.]
Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht
für 1899. [Aa 9a.]
Frankfurt a. M.: Physikalischer Verein. — Jahresber. für 1897 — 98.
[El. ,35.]
Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks
Frankfurt. — „Helios“, 16. Bd.; Societatum litterae, Jalirg. XII,
Nr. 5-12. [Aa 282.]
Freiherg: K. Sachs. Bergakademie. — Programm für das 134. Studien-
jahr 1899-1900. [Aa 32.3.]
Freiburg i. ß.: Naturforschende Gesellschaft.
Clera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften.
Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — 32. Bericht.
[Aa 26.]
Görlitz: Naturforschende Gesellschaft.
Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Neues Lau-
sitzisches Magazin, Bd. 75, 1. Heft; Code.x diplomaticus Lusatiae
superioris, Heft 4. [Aa 64.]
Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz.
Greifsieald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu -Vorpommern und
Rügen. — .Mittheil., 30. Jahrg., 1898. [Aa 68.]
< Greifsieald: Geographische Gesellschaft.
Gubien: Niederlausitzer (iesellschaft für .\nthropologie und Urgeschichte. —
Mittheil., V. Bd., Heft 8; VI. Bd., Heft 1. [G 102.]
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32
Onxtrow : Verein der Freunde der Naturgcscliichtc in Mecklenburg.
Halle a. S.: Naturforschende Gesellschaft.
Halle a. S.'. Kais. Leopoldino-Carolinisclie deutsche .\kademie. — Leopoldina,
Heft XXXIV, Xr. 12; Heft XXXV, N'r. 1-11. [Aa 02.]
Halle a. S.: Verein für Erdkunde. — Mitteil., Jahrg. 1899. IFa 16.]
Hamhurf): Xaturhistorisches Museum. — Jahrbücher, Jahrg. XV, mit Bei-
heft 1 — 2. [Aa 276.]
Hamhurq-, Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., III. Folge, 6. Heft.
1898. [Aa 293b.]
Hamhurg: Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung.
Hatiati: Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde. —
Berichte vom 1. Mai 1895 bis 31. März 1899. [Aa 30.]
Hannover-. Naturhistorische Gesellschaft.
Hannover: Geographische Gesellschaft.
Heidelberg: Naturhistorisch -medicinischer Verein. — Verhandl.. Bd. VI,
Heft 1-2. [Aa 90.]
Huf: Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landes-
kunde.
Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein.
Kassel: Verein für Naturkunde. — Abhandl. und Berichte, Nr. 41 u. 44.
[Aa 242.]
Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde, — Zeitschr.,
Bd. 24, 1. Hälfte; .Mittheil., Jahrg. 1898. [Fa 21.]
Kiel: Naturwissenschaftlicher \ erein für Schleswig-Holstein. — Schriften,
Bd. XI, 2. Heft. JAa 189.]
Köln : Bedaction der Gaea. — Natur und Leben, Jahrg. 35. [Aa 41.1
Königsberg i. P>.: riiysikalisch-ökonomische Gesellschaft. — Schriften.
39. Jahrg., 1898. [Aa 81.]
Königsberg i. iV.: Altertums-Gesellschaft Frussia.
Krefeld: Verein für Naturkunde.
Landshut: Botanischer Verein.
Leipzig: .Naturforschende Gesellschaft. — Sitzungsberichte, 24.-25. Jahrg.
[Äa 202.]
Leipzig: K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über
die Verhandl.. mathem.-physikal. Klasse, 1898, L. Bd., naturwissensch.
Theil; 1899, LI. Bd., mathemat. Theil, Heft 1—5. [Aa 296.]
Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung.
Lübeck: Geographische •Gesellschaft und naturhistorisches Museum. —
Mitteil., 2. Beihe, Heft 12 und 13. [Aa 279b.]
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg.
Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein.
Mannheim: Verein für Naturkunde.
Marburg: Gesellschaft zur Befiirderung der gesammten Naturwissenschaften.
Meissen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Beobacht, d. Isis-
Wetterwarte zu Meissen i. J. 1898. [Ec 40.] — ^ Mittheilungen aus den
Sitzungen des Vereinsjahres 1898 — 99. [.\a 319.]
Münster: Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. —
26. Jahresber., Jahrg. 1897 — 98. [Ca 231.]
Xeisse: Wissenschaftliche Gesellschaft „l’hilomathie“. — 29. Bericht,
1896-98. [Aa 28.]
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33
NürnlMrif. Naturliistorische Gesellschaft. — .lahresbcr. für 1891 uml
1898, nebst Abbandl., IX. uiul XII. liil. [Aa 6.]
Offenbach: Verein für Naturkunde.
Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein. — 13. Jahresber., 1898. [Aal77.]
Passati: Naturhistorischer Verein.
Posen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Zeitschr. der botan. Abtheil.,
5. Jahrg., Heft 3; 6. Jahrg., Heft 1—2. [Aa 316.]
Eegensburej: Naturwissenschaftlicher Verein.
Pegcnsbnrg: K. botanische Gesellschaft. — Denkschr., n. F., 1. Bd. [Cb 42.]
Peichenbach i. V.: Vogtländischer Verein für Naturkunde.
Reutlingen: Naturwissenschaftlicher Verein.
Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein. — Mitteil., Heft 4. [Aa 236.]
Stettin: Ornithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt.
Geflügelzucht, Jahrg. XXIII. [Bf 57.]
Stuttgart: Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres-
hefte, Jahrg, 55. [.\a 60.]
StutUjart: Württembergischer Altertuinsverein. — Württemberg Viertel-
jahrsheftc für Landesgeschichte, n. F., 8. Jahrg. [G 70.]
Tharandt: Redaction der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land-
wirtsch. Versuchsstationen, Bd. LI, Heft 2 — 6; LH, Heft 1—4.
(In der Bibliothek der Versuchsstation im botan. Garten.)
Thom: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst. — Mitteil.,
XII. Heft. [Aa 145.]
Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen.
Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften.
Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben.
Weimar: Thüringischer botanischer Verein. — Mittheil., n. F., 12. Heft.
[Ca 23.]
Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes.
Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jahrg. 52.
[Aa 43.]
Würzburg: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. — Sitzungsber., Jahrg.
1898. [Aa 85.]
Ztiiekau: Verein für Naturkunde. — Jahresber. 1898. [Aa 179.]
2. Oesterreich- Ungarn.
Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein.
Bistritz: Gewerbelchrlingsschule. — X.XHI. Jahresber. [Je 105.]
Brünn: Naturforschender Verein. — Verhandl., Bd. .XXXVI, u. 16. Bericht
der meteorolog. Commission. [Aa 87.]
Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft. — Földtaui Közlönv, XXVHI.
köt., 10.— 12. füz.; XXIX. köt., 1., 5—10. füz. [Da 25.]
Budapest: K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische
Akademie der Wissenschaften.
Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — Mittheil., Jahrg.
1898. [Aa 72.)
Hermannstadt: SiebcnbürgischerVerein für Naturwissenschaften. — Verhandl.
und Mittheil., XLVHI. Jahrg. [Aa 94.]
Iglo: Ungarischer Karpathen -Verein. — Jahrbuch, XXVJ. .Jahrg. [Aa 198.]
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Inmbnak: Xaturwissensclmftlich-nicdicinisdier Verein. — Bericlite, XXIV.
Jalirg. [Aa 171.]
Khujcufurt-, Katurliistorisclies Land es -Museum von Kärnthen. — Jahrbuch.
25. Heft. [Aa 42.] — Diagramme der magn. und meteorolog. Be-
obaclitungeii zu Klagenfurt von 1898. [Ec 94.]
Knihnr. Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1898. Xr. 9—10; 1899,
Xr. 1-7. TAa .302.]
Laibach'. Musealverein für Krain.
Lim: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. — 28. Jahresber.
[Aa 213.]
Linz: Museum I’rancisco-Carolinum. — 57. Bericht nebst der 51. Lieferuiif'
der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. [Fa 9.]
Pra(j: Deutscher naturwissenschaftlich -medicinischer Verein für Böhmen
„Lotos“. — Sitzungsber., Jahrg. 1896, XVI. Bd.; Jahrg. 1897, XVII. BO.
[Aa 6.3.]
Prag: K. Böhmische Oescllschuft der Wissenschaften. — Sitzungsber.,
mathem.-naturwissensch. CI., 1898. [Aa 269.] — Jahresber. für 1898.
[Aa 270.]
P-ag: Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Pamdtky
archaeologicke, dilu XVIII, ses. 3 — 5. [G 71.]
P-ag: Lese- und Iledehalle der deutschen Studenten.
P-ag: Ce.ska Akademie Cisare Frantiska Josefa. — Rozpravy, Trida II,
Uocnik 7. [Aa 313.] — Bulletin international, classe des Sciences
niathematiques et naturelles, Xr. V. [Aa 31.3 b.J
P'esbarg: Verein für Heil- und Xaturkunde. — Vernandl., n. F., Heft 10.
[Aa 92.]
lieichenherg : Verein der Xaturfreunde. — Mittheil., Jahrg. 30. [.\a 70. J
isalzburq: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mittheilungen,
lUi; XXXIX. [Aa 71.]
Temesvär: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes-
zcttudoiuiinyi Füzetek, XXII. köt., füz. 1 und 4; XXXIII. köt., füz. 3 und 4.
[Aa 216.]
Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein des Trencsiner Comitates. —
.lahresheft, Jahrg. XI — XII. [Aa 277.]
Triest: iMuseo civico di storia natur.ale.
Triest: Societä Adriatica di scicnze naturali.
HVen: Kais. .Akademie der AVissenschaften.
Wien: Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. —
Schriften, Bd. XXXIX. [.Aa 82.]
IFön: K. K. naturhistorisches Ilofmuseum. — Annalen, Bd. XIII, Xr. 2 — 4;
Bd. XIV, Nr. 1-2. [Aa 280.]
HVt'W: Anthropologische (iesellschaft. — Mittheil., Bd. XXVIII, Heft 5— 6;
Bd. XXIX, Heft 1— .5. [B.l 1.]
HVcn: K. K. geologische KeichsanstaU. — Jahrbuch, Bd. XLVIII; Bd. XLIX,
Heft 1—2. [Da 4.] — Verh.amlL, 1898, Xr. 13-18; 1899, Xr. 1— 10.
[Da 16.] — Geologische Karte der Oesterreich-Ungarischen Monarchie.
Zone 5, Col. XA'I; Zone 6, Col. XVII; Zone 8, Col. XV; Zone 9,
Col. XVI; Zone 10, Col. Xl\ ; Zone 18, Col. XVI; Zone 20. Col. XI — XIV.
[Da 33.]
KVcm: K. K. zoologisch -botanische Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XLVIII.
[Aa 95.]
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35
Wien: Naturwisseiiscliaftliclier Verein an der Universität.
Wien: Central- Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. — Jahr-
bücher, Jahrg. 1895, 189G und 1898. [Ec 82.]
3. Rumänien.
Bukarest: Institut meteorologique de Uoumanie. — Annales, tome XIII, 1897.
[Ec 75.]
4. Schweiz.
Aarau: Aarg.<iuische naturforschende Gesellschaft.
Basel: Naturforschende Gesellschaft.
Bern: Xaturforschende Gesellschaft. — Mittheil., 1807, Nr. 1436 — 1450.
[Aa 254.]
Bern: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte, Heft 9. [Ca 24.]
Bern: Schweizerische naturfoi’schende Gesellschaft. — Verhandl. der 80.
(Engelberg 1897] und 81. [Bern 1898] Jahresversammlung. [Aa 255.]
Chur: Naturforschende Gesellschaft Graubündens. — Jahresber., n. I'.,
Jahrg. XXXIX und XLII. [Aa 51.]
Frauenfehl: Thurgauische naturforschende Gesellschaft.
Freihurg: Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles.
St. Oallen: Naturforschende Gesellschaft. — Bericht für 1896 — 97. [Aa 23.]
Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 4. ser.,
vol. XXXIV, no. 130; vol. XXXV, no. 131—132. [Aa 248.J
Neuchatel: Societe des Sciences naturelles. — Bulletin, tome XXI — XXV.
[Aa 247.]
Schaff hausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — .Mittheil.,
Vol. X, Heft 5. [Bk 222.]
Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles.
Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Vierteljahrsschr., Jahrg. 43,
Heft 4; Jahrg. 44, Heft 1 — 2. [Aa 96.]
5. Frankreich.
Amiens: Societe Linneenne du nord de la France.
Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles. — Memoires,
ser. 5, tome IV et appendice au tome IV; proces-verbaux, annee
1897 — 98. [Aa 253.]
Cherbourg: Societe nationale des Sciences naturelles et matheuiatiques.
Dijon: Academie des Sciences, arts et helles lettres. — Memoires, ser. 4,
tome VI. [Aa 138. |
Le Mans: Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. — Bulletin,
tome XXVIII, fase. 4; tome XXIX, fase. 1. |.\a 221.1
Lgon: Societe Linneenne. — .\nnales. tome 45. [Aa 132.J
Lyon: Societe d’agriculture, Sciences et industrie. — Annales, ser. 7. tome 5.
[Aa 133.] ,
Lyon: Academie des Sciences et lettres. — Memoires, ser. 3, tome 6.
[Aa 139.]
Rtris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXIll. [Ba 24.]
Toulouse: Societe Framjaise de botanique.
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6. Belgien.
Brüssel: Societe royale malacologique de Belgique. — Aniiales, lome
XXXIl. [Bi 1.] — Proces-verbaux des seaiices. tome XXVII, August-
Deceniber 1898; Bulletins des seances, tonie XXXIV, pag. 1 — 50;
meinoires, tome XXXIV, pag. 1 — 16. [Bi 4.]
Brüssel: Societe entomologique de Belgique.
Brüssel : Societe royale de botauiciue de Belgique. — Bulletin, tome XXXVII.
rCa 16.1
Gembloux: Station agronoinique de l'etat. — Bulletin, no. 66. [11b 75.]
Lüttich: Societe geologique de Belgique.
7. Holland.
Qent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“. — Botanisch Jaarboek,
9. — 10. Jaarg. [Ca 21.]
Groningen: Naturkundig Genootschap. — 98. Verslag, 1898. [Je 80.] —
Centralbureau voor de Kennis van de Proviiicie Groningen en omgebgen
streken: Bejdragen, deel I, stuk 1. [Je 80b.]
Harlem: Mus6e Tej-ler. — Arehives, ser. II, vol. VI, p. 3 — 4. [Aa 217.]
Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Arehives Xeenandaiscs
des Sciences exactes et naturelles, ser. II, tome II, livr. 2 — 5; tome 111,
livr. 1 - 2. [Aa 257.]
8. Luxemburg.
Luxemburg: Societe botanique du Grandduche de Luxembourg.
Luxemburg: Institut royal grand-ducal.
Luxemburg: Verein Luxemburger Naturfreunde „Fauna“.
9. Italien.
Brescia: Ateneo. — Commentari per Tanno 1898. [Aa 199.]
Catania: .Accademia Gioenia di seienze naturale. — Bollettino, fase. L,
LI, LV-LIX. [Aa 149.]
Florenz: R. Instituto.
Florenz: Societä entoraologica Italiana. — Bullettino, anno XXX. IBk 193.]
Mailand: Societä Italiana di seienze naturali. — Atti, vol. XXXVII.
fase. 4; vol. XXXVIII, fase. 1—3. [Aa 150.]
Mailand: K. Instituto Lombardo di seienze e lettere. — Rendiconti, ser. 2,
vol. XXXI. [Aa 161.] — Memorie, vol. XVIII, fase. 6. [Aa 167.]
Modena: Societä dei naturalisti. — Atti, ser. 3, vol. XV, fase. 1 — 2;
vol. XVI, fase. 1—3. [Aa 148.]
lüdtta: Societä Veiieto Trentina di seienze naturali. — Bullettino, tomo VI,
no. 4. [Aa 193b.l — Atti, vol. III, fase. 2. [Aa 193.]
Parma: Redazione del Bullettino di paletnologia Italiana.
Pisa: Societä Toscana di seienze naturali. — Processi verl)ali, vol. XI
(.3. VII. 98 — 7. V. 99'; Memorie, vol. XVL [Aa209.]
Rom: .Accademia dei Lincei. — Atti, Rendiconti, ser. 5, vol. VII, fase. 11 — 12;
vol. VllL 1. sein.; 2. sem., fase. 1 — 10. [Aa 226.]
Rom: R. Comitato genlogico d’Ualia.
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37
Turin: Societä nieteorologica Italiana. — liollettiiio mcusuale, ser. II,
vol. Will, no. 9—11; vol. XIX, no. 1—7. [Ec 2.] — Annuario storico
meteorologico italiano, vol. 1, 1898. [Ec 2 o.]
Venedig: R. Instituto Veneto di scienze, lettere e arti.
Verona: Accademia di Verona. — Memoire, ser. 111, vol. LXXIV, fase. 1 — 2.
[Ha 14.)
10. Grossbritannien und Irland.
Dublin: Royal geologic.al society of Irland.
Edinlmrg: Geological Society. — Transactions, vol. VH, p. 4. [Da 14.]
Edinhurg: Scottish meteorological society.
Glasgow: Natural history society. — Transactions, vol. V, p. 2. [Aa 244.]
Glasgow: Geological society.
Manchester: Geological society. — Transactions, vol. XXVI, p. 1 — 9.
[Da 20.]
Xeucastle-upon-Tgne: Tyneside naturalists field club, und: Natural history
society of Nortliumberland, Durham and Newcastle-upon-Tyne. —
Nat. histoi7 transactions, vol. XII, p. 1. [Aa 126.]
11. Schweden, Norwegen.
Bergen: Museum. — Aarbog for 1898 und 1899. [Aa 294.] — Report on
Norft'egian marine investigations 1895 — 97. [Ab 87. [
Christiania: Universität. — Üniversitets- Programm for 1897. [Aa 251.]
Chrisliania: Foreningen til Norske fortidsmindesmerkers bevaring. — Aars-
beretning for 1897. [G 2.] — Kunst og bandverk fra Norges fortid,
2. Reihe, 3. Heft. [G 81.]
Stockholm: Entomologiska Föreniiigen. - Entomologisk Tidskrift, Arg. 19.
[Bk 12.]
Stockholm: K. Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien. — Antiquarisk
Tidskrift, Del XIV, 1. [G 135.] — Mäuadsblad, 1895. [G 135a.J
Tromsoe: Museum. — Aarsberetning 1895 — 97; Museums Aarsheftcr,
XIX — XX. [Aa 243.]
Upsala: The geological institution of the uiiiversity. — Bulletin, vol. IV, p. 1
(no. 7), 1898. [Da 30.]
12. Russland.
Ekathurinenburg: Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles.
Helsinyfors: Societas pro fauna et Hora fennica. — Meddelanden, Heft 23.
[Ba 20.] — Acta, vol XIII — XIV. [Ba 17.]
Khurkow: Societe des naturalistes ä l’universite imperiale.
Kiew: Societe des naturalistes.
Moskan: Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, annee 1898, no. 2— 4.
[Aa 134.[
Odessa: Societe des naturalistes de la Nouvelle-Russie. — Memoires, tome
XXII, p. 2. [Aa 256.]
Petersburg: Kais, botanischer Garten.
Petersburg: Coniite geologique. — Bulletins, vol. XVH, no. 6—10; vol. XVIII,
no. 1 — 2. [Da 23.] — Memoires, vrd. \ lll, no. 4; vol. XII, no. 3.
[Da 24.]
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Pftembim/: riivsikalischos Centralobservatüiiiim. — Aimaleii, Jalirg. 1897.
[Kc7.] ■
Petersburg: Academie imiieriale des Sciences, — Bulletin, nouv. Serie
tonie VIH. no. 5; toine IX; tome X, no. 1 — 4. [Aa 315.]
Petersburg: Kaiser!. Russische mineralogische Gesellschaft. — Verhamil.,
2. Ser., Bd. 30. |Üa 29.] — Materialien zur Geologie Russlands,
XIX. Bd. [Da 29h, J
Biga: Naturforscher- Verein.
II. .A. in e I* i Iz a.
1. Nord-Amerika.
Albang: New York state nuiseum of natural history. — Annual report 49;
50. p. 1. [Aa 119.]
Baltimore: John Hopkins university. — University circulare, vol. XIII,
no, 108; vol. XIV, no. 115; vol. XV, no. 121; vol. XVIII, no. 137—138,
141. [.\a 278.1 — American journal of inatheinatics, vol. XX, no. 4;
XXI, no. 1 — 2. [Ka 38.1 — American Chemical journal, vol. XX, no.8 — 10;
vol. XXI, no. 1 — 5. [rld 60.] — Studies in histor. and politic. scienoe,
ser. XI, no. 7—8; ser. XV, no. 3—5; ser. XVI, no. 10 — 12; ser. XVII,
no. 1—5. [Bh 125.] — American journal of philology, vol. XIX, no. 2-4.
[Ja 64.J
Berkeley: Lniversity of California. — Departement of geology; Bulletin II,
no. 4. [Da 31.] — ,\griculturial experinient Station: I’arti.al report
1895 — 96, 1896 — 97; hiennial report 1896 — 98; .annual report 1898.
[Da 31h.j
Boston: Society of natural history. — Memoirs, vol. V, no. 4 — 5.
[Aa 106.]
Boston: American academy of arts and Sciences. — l’roceedings, new ser.,
vol. XXXIV, 2-23; XXXV, 1-3. [Aa 170.]
Buffalo: Society of natural Sciences.
Cambridge: Museum of comi)urative zoology. — Annual report for 1897—98.
1898—99; Bulletin, vol. XXXIl, no. 9 — 10; vol. XXXIII; vol. XXXIV;
vol. XXXV, no. 1—6. [Ba 14.]
Chicago: Academy of Sciences. — Bulletin, vol. II, no. 2; 40. annual report,
1897. [Aa 123 b.]
Chicago: Field Columbian Museum. — l’ublic.ations 29—39. [Aa 324.]
Davenyort: .\cademy of natural Sciences.
Halifax: Nova Scotian institute of natural science. — Proceedings and
transaetions, 2. ser., vol. II, p. 4. [;\a 304.]
Lawrence: Kansas University. — Quarterly, series A: Science and mathe-
matics. vol. 1, no. 1, 3, 4; vol. 11 — IV; vol. V, no. 1 — 2; vol. VI— Vll;
vol. VIII. no. 1 — 3. [Aa 328.]
Madison: Wisconsin Academy of Sciences, arts and letters. — Transactions,
vol. XII, p. 1. [,\a 206.j
Mexiko: Sociedad cientitica „Antonio Alzate“. — Memorias y Revista,
tomo XI, cuad. 9 — 12; tomo Xll, cuad. 1 — 10. |.\a 291.1
Milwaukee: Public Museum of the City of .Milwaukee. -- 16. annual report.
[Aa 233.]
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39
Montrrul: Xatuial liistory society. — The caiiadian record of Science,
vol. VII, 110. 8. [Aa 109.]
Neiv-Haven: Connecticut academy of arts and Sciences. — Transactions,
vol. X, p. 1. [Aa.l24,]
Netc- Yorlx". .Academy of Sciences. — Annals, vol. XI, no. 3; vol. XII,
no. 1. [Aa 101.]
iVcM'- lorÄ:; .American niuseuin of natural liistorj-.
York: State geologist.
FItiladehthia: Academy of natural Sciences. — Procecdings, 1898. n. 11— III;
1899, p. I. [Aa 117.]
Philadelphia: American philosopliieal society. — l’roceediiigs, vol. XXXVII,
no. 158; vol. XXX VIII, no. 159. [Aa 283.]
PItiladelphia: Wagner free institute of Science.
Piiladdphia: Zoological society. — Annual report 27. [Ha 22.)
Itoihester: Academy of Science.
Rocliester: Gcological society of America. — Bulletin, vol. IX— X. [Da 28.]
Salem: Essex Institute. — Bulletin, vol. XXVIII, no. 7-12; vol. XXIX,
no. 7— 12; vol. XXX. [Aa 16.3.]
San Francisco: California academy of Sciences. — üccasional papers,
vol. VI. [Aa 1121).] — Proceedings, 3. ser., vol. I, no, 6 — 12.
[Aa 112.]
St. Louis: Academy of Science. — Transactions, vol. VIII, no. 8-12;
vol. IX, no. 1 — 5, 7, [Aa 125.]
St. Louis: .Missouri botanical garden. — 1., 2., 4. — 10. annual report.
[Ca 25.]
Topeka: Kansas academy of Science.
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Aliliandlun</en der Senckenhergischen naturforschenden Gesellschaft,
Bd. XXI, Heft 3-4; Bd. XXIV, Heft 4. [Aa 9.]
Anzeiger für Schweizer Alterthümer, Jahrg. XXXI. Nr. 4; neue Folge, Bd. 1,
Heft 1 — 3, mit Beil. [G 1.1
Anzeiger, zoologischer, Jahrg. XXII, Nr. .577 — 604. [Ba 21.1
Bromis Klassen und Ordnungen des Thierreichs, Bd. II. Abtli. 3 (Echino-
dennen), Lief. 22— 28; Bd. lll (Mollusca), Lief. 35—47; Bd. IV (Vennes),
Suppl., Lief. 14—17; Suppl., Bd. V (Crustacea), Ahth. 2, Lief. 53 — 56;
Bd. VI, Ahth. 5 (Mammalia), Lief. 54 — 56. [Bh ,54.]
Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz: Ueber Berg und Thal, Nr. 245
bis 262. [Fa 19.J
Geradflügler Mitteleurop.a’s von Tümpel, Lief 1—6. [Bk 243.]
Hedwigia, Bd. ,38. [Ca 2.1
Jahrbuch des Schweizer Alpencluh, Jahrg. 34. [Fa 5.]
Monatsschrift, deutsche botanische, Jahrg. 17. [Ca 22.]
Mutter Erde, Jahrg. I — 11. [Ila 35.] (Vom Isis-Lesezirkel.)
Eaehrichten, entomologische, Jahrg. 15. [Bk 235.] (Vom Isis-Lesezirkel.)
Natur, Jahrg. 47. [Aa 76.] (Vom Isis- Lesezirkel.)
Ptdaeontographical societg, London, vol. LH. [Da 10.]
Prähistorische Blätter, Jahrg. XI. [G 112.]
Wochenschrift, naturwissenschaftliche, Bd. XIV. [Aa 311.] (Vom Isis-Lese-
zirkel.)
Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, Bd. 71, Nr. 4—6;
Bd. 72, Nr. 1—2. [Aa 98.]
Zeitschrift für Meteorologie, Bei. 16. [Ec 66.]
Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. XVy Heft 2 — 4; Bd. XVI,
Heft 1 — 3. [Ee 16.]
Zeitschrift, Oestcrreichische botanische, Jahrg. 49. [Ca 8.]
Zeitung, botanische, Jahrg. 57. [Ca 9.]
Abgeschlossen am 31. Deceinber 1899.
C. Schiller,
Ilibliotbekar der „Uia“.
Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der
„Isis" ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag
von 3 Mark können eine grosse .\nzahl Schriften bei Sclbstheförderung
der Lesemappen zu Hause gelesen werden. .Vnmeldungen nimmt der Biblio-
thekar entgegen.
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Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1899.
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I. Roseiiformen der Umgebung von Meissen
Von A. M. Sohlimpert.*)
Bei dem Versuche, eine Specialflora der Umgegend von Meissen auf-
zustellen, fiel mir der Fonnenreichthum unserer wilden Rosen auf, und
während ich in derselben nur die wichtigsten guten Arten anführte, gebe
ich, nach sechsjährigem Studium und nach über 500 zurückgelegteii
grösseren und kleineren Excursionen, eine Ergänzung jener Lücke.
Wenn Christ die schweizerische Jurakette vom Saleve bis zum Schaff-
hauser Hügelland den „Rosengarten Europas“ nennt, so dürfte das Meissner
Terrain ein herrliches Bosquet in demselben bilden, ja nach Aussage einiger
bekannter Rhodologen soll dasselbe sogar jenem Rosengarten mindestens
sehr nahe kommen.
Wohl mag unser Gebiet nicht so viel Gelegenheit bieten, Beobachtungen
über den Einfluss der Höhenlage etc. anstellen zu können, denn die Höhen-
lage desselben variirt nur von 100 bis höchstens 260 ra über dem Meere,
aber trotzdem weist es auch seinen eigenartigen Charakter auf.
So ist z. B. der Parallelismus der Caninen bezüglich der Bekleidung
und Zahnung schön ausgeprägt:
Zahnung einfach
Lutetiana Li^m.
anderthalbfach
Swartzii Fr.
Nudae Desegl.
zweifach
(Inmalis Bchst.
mehrfach
biserrata Mer.
Kelchzipfel nnd
Blilthenst. drüsig
dolosa God.
subcanina Chr. svbeanina t'hr.
Reuteri f. typica Chr.
(Uebergangsform.)
subcanina Chr. subcanina Chr. —
complicata Chr. myriodonta Chr. cabaUicens Bug.
Pubescentes Crep.
(Uebergangsform.)
subcollina Chr. subcollina Chr. subcollina Chr. subcollina Chr. —
coriifolia Fries. complicata Chr. biserrata Chr. scaphusiensis Chr.
dumetorum Th. und Formen derselben — —
Andegavensis
Bast.
Hispidae Desegl.
hirtella Chr. Kosinsciana verticillacantha
„ Ripart Besser. Baker.
•) Kine vollständige Sammlung der Belegexemplare in Originalbenennung ist von
dem Verfasser der Flora Saxonica - Abtlieiluiig des K. Herbariums iu der Techiiischen
Hochschule als Geschenk einverleibt. (Anm. d. Ked.)
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4
Benieikenswcrth ist das Auftieten coniplicirter Zahnung fast aller
Hosen.
Bei der dumetorum ist dies nicht ohne Wichtigkeit, denn sie erhält
dadurch den Charakter einer tomentclla und führt zu irrigen Bestimmungen.
So habe ich im folgenden Verzeichniss auch nur eine einzige Tomentella-
form aufgenommen und diese nur, weil Hasse, W'itten, dieselbe Form in
Westfalen fand und f. rotundifolia H. mod. Giiglingenais H. benannte.
Diese, der tomentella ähnlichen, kritischen Dumetorumformen sandte
ich an Herrn l’rof. Dr. Christ. Derselbe schreibt; „Ob Formen wie
Ihre Nr. x zu tomentella oder zu dumetorum zu rechnen sind, darüber
wiril man nie einig worden“, und weiter: ,,lhr Gebiet zeichnet sich aus
durch starke doppelte Zahnung aller Kosen, besonders der dumetorum, die
dadurch schwer von tomentella za trennen sind“. Mons. Direct Crepin
äusserte sich über dieselben Formen; „Neben der typischen tomentella
giebt es eine ganze Anzahl von Formen, die man mit ihr nicht identificiren
kann, und die man erst noch classificiren muss. Dies erklärt Ihnen meine
Verlegenheit, die Varietäten dieser Gruppe aus Sachsen genau zu be-
stimmen. Die E. tomentella in ihrem echten Typus ist nur ira Südosten
Fiuropas verbreitet".
Nachdem ich echte Tomenteilen mach Zahnung und Drüsigkeit unter-
sucht, glaube ich kaum tomentella im Gebiet zu haben — es sind nur
Formen der dumetorum.
Von den Tomentosen findet sich im Gebiet nur die f. dimorpha
Besser = f. subglobom Baker = E. subglobom Sm. — alle anderen sind
Formen der vennsta Scheutz.
Durch Hochüuthen wurden an den Elbufern angeschlemmt: E. acati-
thina Desegl. et üzan., E. amhhjphylla Kip., E. acutiformis H. Br.
Möge das folgende Verzeichniss beitragen, das Interesse an unseren
wilden Kosen anzuregen.
I. Sect. Synstylae.*)
Vacat.
H. Sect. Indicae.
Vide II. Gruner’s „praktischer Blumengärtner“ v. L. Reissner; Wünsche’s
ExcursionsHora für das Königreich Sachsen.
III. Sect. Luteae.
Eosa lutea Miller, dict. Nr. 11, cd. franc., 1785, VI, p. 326 (= E. Eglan-
terki L. sp. 1764, p. 70.3 pr. part.).
Eosa punicea Miller, Nr. 13, 1. c.
In Oberspaar u. a. 0. häufig in Gärten.
IV. Sect. Fimpinellaefoliae.
Eosa jnmpinellifolia L. (= E. spmosissima Sm.).
In Gärten, Anlagen und an Hecken nicht selten anzutreffen.
•) Sci'tionen und .Subscctionen nach Crepin in: „Die Kosen von Tirol und Vorarlberg.“
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V. Sect. Cinnamonieae L.
ßosa cinnamomea L. God., tl., 200, suppl. 68; Grenier, fl., 233; Reuter,
cat., 65; Kapin, Guide, 193.
f. foecundissima Münchh., hausT. V, 279.
In Gärten und oft verwildert, z. B. am Fürstengraben. In
Grobem in einer Hecke.
Jiosa alpina L., spec. ed. II, p. 703.
Von Bienenhof in den Garten der Frau Bücher in Coswig
verpflanzt worden.
VI. Sect. Oallicae.
Mosa gallica L. (jodet, fl., 207, und suppl. 67; Rapin, guidc, 197; Reuter,
cat. 73.
(1) f. typica Chr. (M. yallica f. inimila L. fil. M. austriaca Crntz. bei
Gren., fl., 223).
Kommt in verschiedenen Modiflcationen vor.
(2) a) Blättchen auf der Ünterflächc entweder nur auf den Nerven
oder auf der ganzen Blattfläche behaart und am Rande
gewimpert;
b) Blättchen mehr oder w-eniger behaart, mit Subfoliardrüsen;
(3) c) Blättchen klein, oval-elliptisch, 13 : 23 mm breit und lang,
Mittelnerv, theilweise auch die Nervillen behaart und drüsig.
Am Naundörfler Holz, Nasse Aue, Uberau.
(4) f. data Chr.
Kommt wie oben in den Modiflcationen a und b vor. Naun-
dörfler Holz, Nasse Aue, Wachtnitz.
(5) f. Axmanni Gmel.
Griffel behaart und säulenartig verwachsen und hochgehoben.
Unter den vorhergehenden Formen im Naundörfler Holz.
Die Rosa yallica ist sehr geneigt, hybride Formen zu erzeugen. Die-
selben kennzeichnen sich 1. durch das .Auftreten einzelner borstlicher
Stacheln und Stieldrüsen zwischen den normalen der Eltern auf den
Zweigen, 2. durch Starrheit und seichte Zahnung der grossen Blättchen,
die sitzend und meist an der Basis etwas herzförmig sind, 3. durch die
Länge der Blüthenstiele und 4. durch eine auffallend starke Entwickelung
und Färbung der Corolle. Dies sind die wesentlichen Merkmale, die der
Bastard von der gallica ererbt hat. Was die Ermittelung des anderen
Parens anlangt, so zeigt sich dieselbe im Allgemeinen durch die Zahnung
und die verschiedenartige Bekleidung der Blattstiele und Blättchen. (Siehe
Christ, Rosen der Schweiz, p. 200, und Jena’s wilde Rosen von Max
Schulze, p. 43.) Aufgefunden wurden bis jetzt die wenigen folgenden*):
R. canina L. var. Lutetiana et dumetorum x gallica.
Zwischen Piskowitz und Prositz rechts am Abhange.
R. gallica x glauca var. complicata.
Am Fusse des Wachtnitzer Abhanges.
*) Ks steht wohl sicher zu erwarten, dass noch mehr Hybriden aufgcfiinden wcnlen!
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VII. Sect. Caninae.
1. Subsect. Villosae.
Rosa pomifera Ilcrrmann. Koch, syn. ed. I, 229; Reuter, cat., p. 67; Rapin,
guide, 193.
f. rccondita Chr.
Bei Weinböhla, Bei Zehren. Ara Gartenzaun und in der Hecke
der Rotunde bei Thürraer auf der Posel.
2. Subsect. Tomentosae.
Rosa tomcntosa Sm. Sraith, fl. brit., 1800, II, p. 639; Grenier, fl., 233
bis 234; Reuter, cat., p. 67 und 68.
(6) f. dimorj)ha Besser, apud Gren., fl. jurassi., 1864, 69.
An der Strasse von Priestewitz nach Grossenhain; iin Gebiet
nicht häufig.
(7) f. cuspidatoides Crej)in var. timhelUßora Christ, Flora, 1874, p. 612
(= R. umbflliflora Swartz in Sched.).
In reiner, der Diagnose ganz entsprechender Form kommt
dieselbe nicht vor. Alle Sträucher, die man obiger Form
angehörig ansehen könnte, befinden sich im Uebergang zur
venusta und lassen sich nach den von Max Schulze in ,,Jena’s
wilde Rosen“ aufgestellten Schema wohl placiren. Solche Formen
kommen vor: auf der Posel, der Karlshöhe, bei Weinböhla
an der Köhlerstrasse und bei Löbsal.
(8) lieber eine blendend weissblühende Form von dem Spaargebirge
schreibt (dirist in litt, den 11. VIII. 1897: „Eine sehr schöne
Tomentosen-Form, meiner «mAellj/Ior« „ähnlich“, während die-
selbe von Anderen (Hasse und Dufl't) für die echte cristafa Chr.
gehalten wurde. Diese Form deckt sich aber mit der Seite 6
B 1. b. in „Jena’s wilde Rosen“.
(9) f. venusta Scheutz, Studier öfver de Scandin. art. af sclägtet Rosa,
1872, p. 36. — R. pscudoruspidata Crepin. Christ, Flora, 1874,
p. 612; id. Flora, 1876, p. 371.
Rein typische Formen bei Zscheila und der Riesensteinen,
Klause-Steinberg und bei Weinböhla; Preuskermühle.
Ein hochinteressanter Strauch, der verschiedene Deutung erfahren —
z. B. als R. alpina x tomcntosa var. vimiistu, als ein Bastard etwa der
canina biserrata X tomcntosa oder glatica tni/riodonta mit der letzteren,
endlich als pomifera alabreseens'. — harrt noch der Bestimmung und der
Beobachtung im blühenden Zustande; nichtsdestoweniger gebe ich vor-
läufig die Diagnose unter meiner Herbarnummer:
,304b. Strauch ca. 2 m hoch. Jüngere Zweige blaubereift.
Stacheln an den Schösslingen aus breiter Basis (8 mm lang) zugespitzt,
gerade und plattgedrückt bis 12 nun lang, gelbbraun; an den Aesten und
Blüthenzweigen zart pfriemenfünnig, gerade oder nur leicht gebogen, hie
und da dicht und gehäuft stehend. Nebenblätter bis 18mm lang, aus
schmaler Basis sich meist bogig erweiternd, auf beiden Flächen kahl und
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haarlos, der Rand mit dunkelbraunen Stieldrüsen dicht gewimpert bis fast
gezähnelt, Oehrchen divergirend, gespitzt. Blattstiel dicht filzig behaart,
mit aus dem Filz hervorragenden braunen Stieldrüsen und ziemlich zahl-
reichen gelben, gebogenen Stächelchen. Blättchen zu 5, 7 und „neun“
etwas gestielt, oberseits grün und kahl, selten mit Spuren von Haaren,
unterseits hellblaugrün, auf den Nerven und Nervillen kahl oder mit einigen
braunen Drüsen und nur dann auch mit einzelnen Härchen. Endblättchen
länglich eirund 15 : 28 mm bis 22 : 40 mm Breite und Länge. Die
Zahnung ist eine mehrfache, der Hauptzahn mit brauner Weichspitze,
auf dem Rücken mit ein oder zwei Drüsenzähnen, vorn meist nur mit
einem. Blumenstiele von verschiedener Länge, 10 — 25 mm, ein- und
zweiblütliig, haarlos mit horizontal abstehenden Drüsenborsten mehr oder
weniger dicht bekleidet. Brakteen, obere lanzcttlich zugespitzt oder oval
gespitzt, unterseits drüsig und filzig, oberseits kahl, am Rande fast drüsig
gezähnelt und gewimpert; untere oftmals kräftiger entwickelt und meist
blatttragend. Kelchzipfel aufrecht, die reife Frucht krönend. Die drei
äusseren bis 20 mm lang, auf dem Rücken dicht drüsig, mit untennischten
Drüsenborsten und zwei bis drei l’aaren linealen, 6 mm langen, dicht
drüsig und haarig gewimperten Fiedercheu. Anhängsel gestielt, lanzettlich
verbreitert mit 1 — 2 Zähnchen; die beiden inneren wesentlich kürzer
(10 mm), innen filzig, auf dem Rücken drüsig und drüsenborstig. Griffel-
köpfchen dicht filzig, den Discus meist verdeckend. Frucht eiförmig,
seltener rundlich, in einen Hals verjüngt, 12 mm breit und 16 mm lang,
theils kahl, theils mehr oder weniger drüsenborstig.
f. farinosa Bechstoin.
Diese Form soll nach Roichenbach bei Meissen Vorkommen,
der Diagnose auch wirklich entsprechend fand ich sie noch
nicht, weder am rechten noch linken Elbufer,
3. Subsect. Rubiginosae.
Eosa rubiginosu L. Godet, fl., 214, excl. var. ß, suppl. 77.
f. comosa dir. {E. comosa Ripart. Gren., fl., 249, var. y).
Am Waebtnitzer Abhang mit der nächst folgenden Form. In
Meissen an Hecken.
(10) f. comosa Chr. in transitu var. umbelluta.
Am Schieritzer und Waebtnitzer Abhänge. In Oberau auf dem
Tunnel.
(11) f. umhellata Chr. (var. ß und y. Gren., fl., 249, 250; E. umhellata
Leers; E. echinocarpa Ripart.).
In rein typischer Form, d. h. mit vollständiger Heteracanthie
versehen, tritt dieselbe im Gebiet häufig auf, z. B. an der
inneren Mauer des Stadtkrankenhauscs, auf der Karlshöhe an
einem Feldraine, Oberau am Bahndamme nach dem Grenz-
stein 25, hinter der Kötitzer Fabrik und dem unmittelbar an-
grenzenden Acaziengebüsch, in Weinböhla, im Triebischtliale
an Felsen.
E. micrantha Sm.
Bisher nur an der Friedensburg von F. Fritzsche naebgewiesen
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B. graceolens Gien., fl. jur., 248. R. pulverulenia Baker, mon., 223, non M. B.
(12) f. ti^ka Chr.
Nach der Poselspitze zu, links am Wege. In Semmelsberg
unter dem Hause 15 b an der Strasse. Am llafendamme. In
der Gartenecke der Bezirksanstalt in Bohnitzscb. Am Eingänge
zum Rottewitzer Ileuwege. Auf der Proscbwitzer Hübe.
(13) f. calcarea Chr.
Klause-Steinberg auf der Höhe, an der alten Weinbergsinauer.
Ara Wege zur Karlsböbe. Auf den Korbitzer Schanzen. Am
Dorfwege in Gruben.
R. sepkim Tbuillier, fl. Paris, 1799, p. 252.
(14) f. tijpica Gremli. (Jf. arvatica Pug. = f. arvatica Chr.)
Auf dem Knorrplateau ein einziger kleiner Strauch.
(15) f. Oizcllae Borbas.
Bei Zscheila ein einziger Strauch. (Neuerdings daselbst noch
zwei Sträucber aufgefunden.)
(IG) f. inodora Pries.
ln Miilbitz bei Grossenhain.
f. rohusta Chr.
Bei Dobritz.
4. Subsect Jnndzilliae.
Rosa Jnndzilliatm Besser ex Charin in Sched., 1861.
(17) Auf dem Iloitzscbberge. Oberspaar an der P’örster’scben
Weinbergsmauer. Auf der Poselspitze. Ara rechten Elbufer.
R. trachyphylla. Rauenum, ros. Wirceburg., 124.
(18) f. typica Chr.
In der Nähe von Schlechte auf der Posel links am Wege. Vor
dem Tunnel hei Oberau. Nasse Aue nach Grobem zu am
Raine. Auf dem Roitzsebberge am Weinberge. Ara rechten
Elbufer vor der Karpfeusebänke. Am Wege nach den Kor-
bitzer Schanzen vom Triebiscbtbale aus. Am Tunnel in Oberau
in der Nähe der Bahmvärterbäuser. Unmittelbar hinter der
Knorre am steilen l'clsen. Am Bahndämme zwischen Niederau
und Oberau. Am Bahndämme obnweit des Bahnhofes in
Niederau. Auf der Karlsbühe.
(19) f. nitidiila Christ. P'!., 1875, p. 294.
Am Riesensteine vor dem Bahnübergang. Auf der Proscb-
witzer Hübe. .Am Bretstuble bis zur halben Höhe hinauf.
(20) f. virgata Gremli.
Im Walde hinter Naundörfel.
(21) f. Aliothü dir.
Vor dem Winkewitzer Gastbause in der Stcinhalde rechts vom
Wege. Am Waebtnitzer Abhänge. In Ober.au auf dem Tunuel-
plateau.
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6. Subsect. Encaninae.
Rosa ferruginea Vill. 1799 (= R. nibrifolia Vill. 1789).
f. Jurana Uaudin, fl. helv. 111, 347.
Wird in Gärten und Anlagen in Meissen und Cölln sehr häufig
angetrofi’en.
R. montana Chaix.
ln Sachsen wohl fehlend.
R. glauca Villars (= R. Reuteri Godet).
f. typica ehr. (= R. montivuga Desegl.)
lin Gebiet noch nicht angetroffen. Sträucher, die man dafür
hätte ansehen können, entpuppten sich immer als R. globosa
Desv.
(22) f. complicata Chr.
Bei Weinböhla. Am rechten Elbufcr eine Form mit auffällig
langen, flaschenförmigen Früchten, ln Daubnitz am Abhange,
ln Diesbar ohnweit des l’avillon. ln Oberspaar an der Weinbergs-
mauer von Fischer. Bei Kotitz. Am Uottewitzer Heuwege.
Am Wege nach Zscheila.
(23) f. acuiiformis 11. Braun.
Am rechten Elbufer.
(24) f Sandbergi Chr.
Auf dem Riesenstein, ohnweit des Bahnüberganges, selten.
(25) f. CdbalUcensis Chr. (= R. CahaUicensis Füget).
Am Wege von Niederau nach der Buschmühle. Sehr charak-
teristisch! Die Stieldrüsen sind zuweilen auf den Blütheustiel
erstreckt. Selten.
(26) f. myriodemta Chr.
Auf der Foselspitze. ln den Proschwitzer Anlagen.
(27) f. subcanina Chr.
Am Elbufer bei Oberspaar. Hinter dem Fichtner’schen Gut
in Zscheila. Auf der Posel an der kleinen Bingc.
R. coriifolia Fries. Reuter, cat, 69.
(28) f. tgpica Chr.
Selten rein typisch! Daubnitz, ohnweit der Schule am Fusse
des Abhanges.
(29) f. frutetonm Chr.
Bei Bockwen an der Strasse. Am Wege nach der Korbitzer
Höhe. Hinter Polenz am Sandwege. Nach der Foselspitze zu,
rechts an den Felsen. Auf dem Tunnel bei Oberau au mehreren
Stellen.
(30) f biserrata Chr. Separat-Abdruck aus den Mittheilungen des
Bot. Vor. für Gesammt-Thüringen, Bd. V, S. 84.
Vom Rösschen in Diesbar aus, nach Löbsal zu, rechts an der
Weinbergsmauer. An der Strasse nach Bohnitzsch zu.
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(31) f. Scaphuiiiemis Clir. Fl., 1874, p. 190; Jena’s wilde Hosen von
Max Schulze, S. 39.
Bliitlienstiele oder Basis der Früchte hie und da hispid —
so an der Uorfstrasse in Lindenau. Selten.
(32) f. subcoUina Chr.
Am Kalkberge ohnweit des Wasserbassins.
K. canina L. ex parte.
var. Lutetiana Bemann.
(33) f. glancescens Desv.
Am Wege zur Karlshöhe von Klause -Steinberg aus und sonst
verbreitet.
(34) f. syntrichostyla Hip.
Bei Winkewitz am Heuwege. An der Priestewitzer Strasse.
(35) f. nitens Desv. (Ist die „viridis Hasse“.)
An Rainen auf der Posel. An Weinbergsmauern und allen
Süd- und nordwestlichen Abhängen nicht selten.
(36) f. globosa Desv.
Klause-Steinberg. Am Berliner Eisenbahndamme in der Nähe
des Ziegenbusches. Auf dem Tunnelplateau. .\in Fahrwege
in der Nassen Aue. Am Wege nach Questenberg zu.
(37) f. fdiformis Ozanon.
Am Abhange vor der Knorre und der Karlshöhe. Der Be-
schreibung Ozanon’s vorzüglich entsprechend.
(38) f. oxyodonta Keni. in Sched. und Desegl. in litter. ad Kerner.
An dem Elbufer bei N'iederfälira. (Wohl aus Böhmen an-
geschwommen.)
T ransitoriae
var. Schwartzii Fr.
(39) f. (issidens Borbas.
(40) modificat. acummata H. Braun.
Bei Oberau am Tunnel. Am rechten Elbufer nicht selten. Bei
der Knorre. ln den Proschwitzer Anlagen. An den westlichen
Abhängen. In der Brombeergasse. Ueberall verbreitet.
(41) f. mncronidata Desegl.
In der Nassen Aue, nach dem Roitzsehberge zu. Spaargebirge.
f. finmda Godet, suppl. 71 (= M. dolosa Godet, suppl. 72).
Am Bocksberge, an mehreren Stellen. Am Fusse des Bret-
stuhlos.
(42) f. spuria Pug.
Auf dem Spaargebirge, selten! Nasse Aue an einem Haine,
var. dumalis Christ. (= R. dumalis Bechst.)
(43) f. rotinidifolia Bräuker, Deutschlands wilde Hosen, Nr. 113.
Am Elbdamme ohnweit des Fürstengrabens.
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(44) f. eriostyla Rip.
Bisher ausschliesslich nur längs des rechten Elbufers nicht
selten angetroffeu und wohl daselbst angeschwemmt.
(45) f. rubelliflora Rip.
Im Naundorf 1er Gehölz.
(46) f. rubescens Rip.
Auf dem Knorrplateau und den westlichen Abhängen daselbst.
Im Naundörfler Gehölz. Häufig i. G.
(47) f. glaherrima Du Mortier.
Kommt nicht, wie die von Sagorski, die Rosen der Flora von
Naumburg, Seite 37 beschriebene ochrolnica mit gelblich-
weisser, sondern mit blass-röthlicher Blumenkrone im Gebiete
vor, z. B. bei Wiukewitz, in den Garlowitz’schen Anlagen, bei
Lindenau.
(48) f. insiynis Gren.
An dem rechten Elbufer.
(49) f. oblonya Desegl.
An den I’roschwitzer Stufen. Auf Münch’s Elbwiese. Bei
Scharfenberg.
(50) f. sphaeroidea Rip.
In Weinböhla an der Köhlerstrasse. In Diesbar nach dem
Pavillon zu.
(51) f. Schlimperti Hofmann (siehe Anhang I).
var. biserrata M6rat.
(52) f. typica bei Baker, mon. 228.
An der Knorre. Am Bretstuhle. Bei Niederau am Bahndamme
Am Fürstengraben bei Niederfähre.
(53) f. Chaboisaei Gren.
Bei Proschwitz.
(54) f. ascita Desegl. (Stacheln hakig).
An den westlichen Abhängen. In der Nähe des Cöllner Wasser-
bassins. Bei Prositz an einem Feldrande. Auf dem Spaar-
gebirge.
(56) f. squarrosida Keil. (Stacheln gerade).
Am Riesenstein. Unter der Poselspitze mehrere Sträucher.
(56) f. labilijmda Keller.
Auf dem Roitzschberge.
(57) f. villosiuscula Rip.
Am Steinbruche ohnweit der Knorre.
var. Andegavensis Bast.
(58) f. Andegavensis Rapin, Guide, 196.
Jlünch’s Elbwiese. In Weinböhla an der Köhlerstrasse. Am
Bocksborg. .4m rechten Elbufer. In Züchner’s Weinberg.
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(59) f. Kosinsciana Hess.
Auf dem Knorrplateau. Ara Katzensprung. Am Bretstuhle.
Bei Zscheila. In Weinböhla.
var. dumetonim Thuill.
(60) f. trichoneura Chr.
An den Abhängen bei Daubnitz nicht vereinzelt.
(Gl) f. sphaerocarpa Puget.
In Prositz am Abhange. Im Züchner’scheu Weinberge bei
Zscheila. Am Karlshöhenweg. Hinter der Knurre. Hinter
Zscheila nach dem heiligen Grunde zu.
(62) f. amhlyjthylla Uip.
Am rechten Elbufer zwischen Weiden.
(63) f. urhica Chr.
Zwischen Zscheila und Gröbern an der Strasse. In Winkewitz
nach der Winzerei zu.
(64) f. acanthina Des. et Ozan.
Am rechten Klbufer in Weidengebüschen und wohl durch Hoch-
wasser angeschwemmt.
(65) f. decalvala Crep.
Bei Weinböhla nicht selten. Vor Sörnewitz an der Strassen-
mauer. In Winkewitz an der Weinbcrgsmauor von Krumbiegel.
(66) f. suhatrichostyla Borb.
Oberspaar an der Eörster’schen Weinbergsmauer.
(67) f. suhglahm Borb.
Auf dem Knorrplateau.
(68) f. interposita mihi (siehe Anhang II).
Rottewitzer Abhang an verschiedenen Stellen,
var. tomentdla Lern.
(69) f. rolundifulia Hasse mod. Güylinyrnsis Hasse.
An der Lehne zwischen der Knorre und Winkewitz,
var. .‘‘cahrata Crep.
(70) f. Miifsniensis mihi (siehe .\nhang III).
Im Triebischthale, nach den Korbitzcr Schanzen zu. Bei Garse-
bach. Am Steinbruche bei der Knorre. Am Bretstuhle. An
den westlichen .Abhängen. Bei Wachtnitz. Bei Lindenau.
Anhang I.
Rosa canina L. var. dumalis Chr. L Schlimperti Ilofmann.
(j’rejiin in litt. <lc 31. I. 1H97: ..Eine smz eigcnni-tise Fenn. Ihr Gesamintausseben
erinnert an gewisse zweifellose Varietäten von 1{. sepitim Tlmill.“ Derselbe den
4. III. 1898; „Fonn ans der Gnippe „dtimalis".
W. Hasse den 12. III. 1897; — „ist ein wunderliebes Gebilde, wahrscheinlich ein
Bastard, aber wovon?“ Dei-selbe den 1. A'. 1898; „f. multiflora AVirtg. Für
falcata sind die Fruchtstiele viel zu laug und die Griffel zu wenig behaart.“
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M. Schulze, Jena; B. qlavca Vill. yar. falcala Füget (Christ in Flora, 1874, p. 472).
„Eine sehr seltene Form, die ich noch niemals selbst antraf.“
C. Diifft den 15. X. 1898: „Wiii-de ich anch fllr eine R. dumalis Bechst., die durch
schattigen Standort*) entstellt ist, halten, wenn die Kelchzipfel an den Schein-
früchten znriickgeschlagen yrären. Sie sind aber abstehend.“
Am 5. Mai d. J. theilt mir Herr Hofmann, Grossenhain, mit: „Die mir seiner Zeit
frcnndlichst übersandte intere.ssante Kosenform habe ich an Herrn Frof. Sagorski ge-
schickt und zwar habe ich mir erlaubt, dieselbe als R. Schlimperlinna zu bezeichnen.
Herr Prof Sagorski hält dieselbe für eine der zahlreichen Formen der dumalia Bechst.“
Strauch ca. 2'/o m hoch. Stamm stark, Rinde desselben aschgrau.
Stacheln des Stammes aus verlängerter Basis hakig, gerundet, dunkel-
aschgrau. Zweige dünn, bogig oder hin und her gebogen, Rinde grün.
Blüthenzweige unbewehrt, ein- und zwei-, seltener dreiblüthig. Neben-
blätter beiderseits kahl, drüsig gewimpert, Oehrchen ziemlich lang ge-
spitzt. Blattstiel reichlich mit gelben Stächelchen, einigen Stieldrüsen
und nur selten mit einzelnen Härchen versehen. Blättchen etwas ge-
stielt, kahl, vorwiegend zu fünf, seltener zu sieben, meist 18 mm von
einander entfernt, oberseits dunkelgrün, etwas fettglänzend, Unterseite
heller, bläulich grün, hie und da leicht weinroth überlaufen. End-
blättchen an ein und demselben Zweige oft verschieden gestaltet. Vor-
herrschend ist die oviillängliche Form von 30 : 60 mm Breite und Länge.
Das untere Blattpaar misst gewöhnlich annähernd die Hälfte, 15 : 30 mm
Breite und Länge. Die Basis der Endblättchen ist verschmälert oder ab-
gestumpft. Die andere breitovale Form der Endblättchen mit mehr ge-
rundeter Basis misst 30 : 45 mm Breite und Länge, die ellyptische dagegen
meist 18:32 mm Breite und Länge. Die Zahnung ist doppelt bis drei-
fach. Nebenzähnchen drüsentragend, im Alter theilweise vergänglich.
Brakteen so lang oder länger als die Fruchtstiele mit aufsitzendem Blatt
oder ohne ein solches und dann aus breitovaler Form, langgespitzt, Hand
drüsig gewimpert. Blüthenstiele kahl, meist 18 mm lang, mittlerer bei
mehrblüthigen sehr kurz, im Allgemeinen vorwiegend einblüthig, seltener
in Corymben zu sieben Blütheu. Kelchzipfel die Knospe überragend,
die beiden inneren 20 mm lang, unterseits ganz, aussen bis zur Mitte
filzig, mit lanzettlichem, drüsig gesägtem Anhängsel; die drei äusseren
26 mm lang, innen filzig, aussen kahl mit drei bis vier Paaren linealen
drüsig gezähnten Fiedern und erweitertem drüsig gezahntem Anhängsel,
anfangs zurückgeschlagen, mit beginnender Fruchtreife theilweise hori-
zontal abstehend, vor der Reife aber hinfällig. Discus breit, schwach
kegelförmig. Griffel wenig zahlreich, in der Jugend leicht beborstet,
auf der Frucht etwas verkahlt und säulenartig gehoben. Blumenkrone
hellrosa, bis 52 mm im Durchmesser. Frucht rundlich, oben eingeschnürt
oder oval bis tiaschenförmig.
Anhang II.
Rosa dimetorum Thuill. f. intcfposita Schlimpert.
Crepin in litt. 1894: „Eine interi'S.^iaiite Fonn der Gnippe dumetorum Thuill.“
— in litt. 1895: „Ich wage nirlit, über diese Xnmmcr luiili ansziisiireclien , weil die
Exemplare mir nicht alle zur sicheren Bestimmung nöthigen Theile bieten.“
— in litt. 1897: „Diese Nummern können wegen ihrer weichhaarigen Blätter mitraehr
oder weniger drüsig zusamraengeselztcr Zahnung zu der .Art gezählt werden,
•) Standort sonnig.
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welche man gewöhnlich mit dem Namen tomentcUa Ldm. bezeichnet, aber keine
stellt die tyijische Art dar. Sollten sie Varietäten der tomentel/a darstellen V Dies
ist möglich, aber nicht sicher. Man muss sic provisorisch unter den Namen zur
lomenfella var.? bringen.“
Crepin in litt. 1898; „Es giebt unter den zahlreichen Fonnen der Ji. canina eine Formen-
grappe mit mehr oiier weniger behaarten Blättchen, manchmal mit drüsigen Secundär-
ncrven, mit drüsigen zusaimnengesetzten Zähnen. Zu dieser Gruppe gehört die
R. tomenlella, welche als eine Subspceies der R. canina betrachtet werden kann.
Die R. tomenlethi in ihrem echten Typus ist im Südosten Europas verbreitet. Aber
neben der typischen R. lomcnictla giebt es eine ganze Anzahl von Formen, die
man mit ihr nicht identillciren kann und die man erst noch classificiren muss.
D.as erklärt Ihnen meine Verlegenheit, die Varietäten dieser Grappe aus Sachsen
genau zu identiüciren.“
Max Schulze in litt. 189«; ,11. coriifolia Fr. var. subcollina Ohr.“
— in litt 1897; „R. coriifolia Fr. var. complicata Chr.“
— in litt. 1898; „R. tomenlella var. affinis.“
C. Dufft in litt. 1898; „Halte ich für eine Form der R dumetorum Th. mit vollständig
doppelt gesägten Blättchen, sie scheint mir der var. juncta Fuget (Beck s Flor,
v. Nieder-Oesterrcich, n. 798) am nächsten zu stehen und von derselben nur durch
stärker behaarte Griffel abzuweiehen.“ *)
Christ in litt, den 4. VI. 1897: „Schwache tomenlella gegen dumetorum hin“
— in litt, den 11. VIII. 1897; „ — ist für mich dumetorum mit starker Hinneigung
zur tomentella durch Dürftigkeit mid doppelte Zahnung Man sollte dieser Form
einen Varietätsnamen geben unter dumetorum als Hauptart.“
Strauch l'/j bis 2 ni lioch, gedrungen und durch sein dunkles
Colorit schon von Weitem auffällig. Blüthenzweige rechtwinklig auf-
strebend, robust, bis 8 cm lang und meist wehrlos, selten an der Basis
der Blätter mit zwei kleinen hakigen Stachelchen. Die starken Zweige
dagegen an der Basis der Blätter mit gepaarten grossen, hakigen Stacheln
versehen. Stacheln der Aeste aus langovaler Basis rund, aschgrau, hakig.
Nebenblätter gerade gestreckt mit gespitzten Oehrchen, oberseits kahl,
unterseits dicht behaart, am Rande drüsig und langhaarig gewimpert
Blattstiel dicht filzig mit mehr oder wenigeren gestielten oder auch im
l'ilze sitzenden Drüsen, stachellos. Blättchen fünf bis sieben, lederig,
kui-z gestielt, sich gegenseitig meist deckend, oberseits dunkelgrün mit
eingesenkten Nerven, dicht angedrückt behaart, unterseits heller, graugrün
mit stark hervortretendem Adernetz und dichter Behaarung. Endblättchen
oval; meist 16 ; 25 mm, seltener 18 : 2(i mm breit und lang. Die Zahnung
könnte wohl eine vorwiegend einfache genannt werden, nicht selten aber
hat der mit Weichspitze versehene Hauptzahn noch ein, auch zwei drüsige
Nebenzähnchen. Alle Zähne lang wimperhaarig. Blüthenstiele kahl,
cinblüthige 10 mm lang, bei vier- bis fünfblüthigen die seitenständigen bis
14 mm lang. Brakteen blatttragend, oberseits kahl, unterseits dicht
behaart, am Rande drüsig und haarig gewimpert. Kelchzipfel vor der
Reife hinfällig; die drei äusseren 15 mm lang, aussen nur im oberen
Drittel, innen aber ganz behaart. Fiederchen, die unteren zwei länglich-
oval mit zwei bis drei Stieldrüsen, das obere lineal. Die inneren beiden
Kelchzipfel beiderseits filzig. Anhängsel lanzettförmig, beiderseits filzig,
ganzrandig. Griffel mässig behaart, sich später säulenförmig über den
couischen Discus erhebend. Blumeukrone hellrosa. 30 — 66 mm im
Durchmesser. Frucht klein, kugelig, 10 mm lang und breit oder etwas
oval, 10 mm breit und 12 mm lang.
*) Blättchen und Blüthenzweige weichen ebenfalls ab! Schlinipert.
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Anhang UI.
Bosa scahrata Crepin f. Missniensis mihi.
Crcpin in litt: „Varietät aus der ürnppe seabratae. — Diese Form unterscheidet sich
von R. »cabrata Cm. durch die behaarten Blattstiele nnd die Behaarung — sie
nähert sich der aclerophylla Schentz — aber sie kann nicht mit ihr identilicirt
werden; in der sclerophylla sind die Blättchen drüsiger nnd von anderer Form.“
Max Schulze in litt: „Einzelne folioli, auch die Zahnung, erinnern allerdings bereits
an die aclerophylla Schentz.“
W. Hasse in litt.; „var. acabrata Crep. — die stark behaarte Form müssen Sie Miaa-
nienaa heissen.“
Strauch ca. 2 m hoch. Zweige dünn, reich bestachelt. Blüthen-
zweige kürzer oder länger, meist unbewehrt. Stacheln des Stammes
aus langer Basis hakig, plattgerundet, aschgrau, an den Aestcben weniger
gebogen bis gerade. Nebenblätter breit, drüsig gewimpert, üehrcbcn
an der Spitze mitunter leicht behaart. Blattstiel dicht filzig, stieldrüsig
mit kleinen Häkchen. Blättchen dicklich, oben grün, unten bläulicb-
grün. Endblättcben länglich-oval, meist 18:24 mm breit und lang,
die verkehrt eiförmigen, in den Stiel verscbmälerten 18 : 27 mm breit und
lang. Mittelnerv deutlich behaart und drüsig. Nebennerven nur
leicht behaart bis kahl. Das Ademetz unterseits deutlich hervortretend
und vom Bande herein zerstreut drüsig. Die Zahnung ist zwei- bis
dreifach; die grossen Zähne mit hornartiger Spitze, tragen nach vorn
meist einen, auf dem Rücken aber bis drei kleine Drüsenzähne, Blumen-
stiel kahl, 14 mm lang, ein- bis dreiblüthig. Brakteen sehr breit,
blattig, dicht drüsig und leicht haarig gewimpert. Kelch zipfel, die
beiden inneren auch auf dem Rücken leicht filzig behaart, die drei äusseren
gefiedert, I'iedern drüsig gezahnt oder nur stioldrüsig, schwach haarig
gewimpert. üriffelköpfchen säulenartig gehoben, deutlich behaart.
Discus nur wenig erhaben. Blume nkroiie hellrosa, meist nur 23 mm
im Durchmesser. Frucht länglich -eiförmig oder oval, meist in einen
kurzen Hals verjüngt.
Auf verwittertem Granit.
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II. Neue Tiefbolii’ungcii.
Von Oberlehrer Dr. H. Nesslg.
Die in der Dresdner Elbthalwanne unter diluvialen und alluvialen
Absätzen lagernden, stark erodirtcn Pläner wurden linkselbisch durch den
artesischen Brunnen auf dem Antonsplatze in 16, i m Tiefe, mit dem Bohr-
loch in der Antonstrasse in Neustadt in 16 m Tiefe erreicht Dass die
Pläner auch unter den Thal- und Haidesaiiden bis zum Granitplateau
weiterziehen, beweisen die Aufschlüsse an den Hellerbergen, wo die durch
die Lausitzer Hauptverwerfung stark zerrütteten Labiatuspläner mit etwa
45® nach SO einfallen.*) Neuerdings ist nun eine Tiefbohrung von Inter-
esse geworden, w'elche im Priessnitzgrunde, in der Nähe des Wasserhauses
rechts der Priessnitz ausgeführt, die thonig verwitterten Pläner sowohl
wie das feste Gestein in 30,60 m Tiefe erreichte, während eine andere
Bohrung links vom Bach mit 28 m das Plänergebirge noch nicht auf-
schloss. Bemerkenswerth ist bei dem erstcren Aufschluss der Wechsel in
der Eärbung der durchteuften Sandschichten, weiter das Auftreten von
festen Brauneiseusteinschichten und schliesslich das Gröberwerden des
Materials mit zunehmender Tiefe, so dass schliesslich über dem Pläner
echter Kies mit elbgebirgischen Gerollen und Geschieben von Sandstein,
Basalt u. s. w. lagert.
Diese Verhältnisse mag beistehende Bohrliste offenbaren:
Von
0,0 — 1,20 m Waldboden,
1,20— 1,60 „ lehmiger Sand,
1,50 — 3,70 „ weisser Sand,
3,70 — 4,0 „ rother Sand mit Eisenschicht,
4,0 — 6,40 „ gelber Sand,
6,40 — S,2o „ gelber Saud mit grossen Steinen,
8,20 — 16,90 „ feiner, weisser Sand (bei 10, 20 m Eisenschicht),
16,90 — 19,.tO „ grauer Sand,
19,50 — 23,0 „ grauer Kies,
23,0 — 30,70 „ grober Kies,
30,70 — 30,so „ Thonschicht, ^
30,80 — 33,70 „ Letten und Felsen (Pläner).
*) SecL Moritzburg, S. 46.
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Eine weitere Bohrung hinter dem Waldschlösschen auf dem Exercir-
platze des 177. Regiments schloss folgenden Schichtenverband auf:
Von 0,0 — 0,20 m Rasennarbe,
„ 0,20 — 13,80 „ feiner Haidesand,
„ 13,80 — 14,70 „ „ „ mit Steinen,
„ 14,70 — 16,0 „ „ „ „ Granitfragmenten,
„ 16,0 — 18,40 „ gelber Haidesand (Wasserzufluss),
„ 18,40 — 20,80 „ kiesiger Haidesand,
„ 20.80 — 22,20 „ brauner Thon,
„ 22,20 — 24,50 ,, grauer, fetter Thon,
„ 24,50 — 25,20 „ Kies,
„ 25,20 — 26,80 „ Sand,
„ 26,80 — 28,70 „ grober Sand,
„ 28,70 — 30,80 „ feiner Schwimmsand (Wasser),
„ 30,80 — 33,30 „ grober Sand,
„ 33,30 — 35,50 „ feiner Sand,
„ 35, .50 — 38,60 „ Kies,
„ 38,60 — 40,10 „ grober Kies.
Auffällig in dem gebotenen Profile ist das Auftreten der in 20,80 m
Tiefe sich einstellenden, 3,7o m mächtigen Thonschicht, deren Vorhanden-
sein in Wannen, Sätteln und Linsen im Material des Haidesandes, und
zwar zumeist in der Höhe des heutigen Elbspiegels, schon von Gutbier*)
nachweisen konnte. Einen Einblick in diese Verhältnisse gewährten s. Z.
die Ausschachtungen für das rechtselbische Wasserwerk, die Kunstbauten
im Albrechtsberg und die Brunnenbauten für das Waldschlösschen und für
die Saloppe. Der Thon wird von von Gutbier als mager bezeichnet, offen-
barte aber in dem neuen Bohrloche durchaus nicht diese Beschaffenheit.
Die obersten Lagen waren bräunlich durch Eisensnhuss, bald aber wurde
das Material hellgrau, von feinen schwarzen Streifen und Striemen durch-
zogen, fett und speckig, und ergab nach dem Aufweichen und Abschlämmen
als Rückstand nur wenige kaolinisirtc Granitkörner, Quarze und kleine
Eisenkiesconcretionen. Die Behandlung mit HCl ergab einen starken Kalk-
gehalt, und nach dem Aufschluss mit conc. H„SO, (nach Seger)**) blieb
nur ein minimaler, feinsandiger Rückstand. Eine Probe dieses Thones,
welche im Steingutofen bei 1200® gebrannt wurde, stand nicht im Feuer,
sondern zerfloss zu einem rothbraun und strohgelb gestreiften und ge-
flammten Kuchen, ein Verhalten, welches auf den reichen Kalkgehalt
zurückzufübren ist. So erscheint nun das Material nicht als Thon, sondern
als kalkreicher Mergel, und es entsteht die Vermuthung, dass diese Lager
als Elbschlicke über dem ältesten, meist von groben Sanden und Kiesen
ausgefüllten, alten Elbbett zum Absatz gelangten — eine Ansicht, die
dadurch noch eine Stütze enthält, dass über dem Thon echter Haidesand,
unter demselben nur schlecht gerollter, meist grober Sand und Kies mit
Basalt- und Quadersandsteingeschieben angetroffen wurde. Wir haben hier
jedenfalls das Elbbett vor uns, welches nach den Trachenbergen zu ge-
richtet war. Die Höhenhage der Thonschicht ist wenig höher als der
•) v. Gutbier; Die Sandformen der Dresdner Haide, S. 37. ’ — Vergl. anih Sect.
Dresden, S 71.
••) F. Fischer: Handbuch der chemischen Technologie, Leipzig 1893, S. 778.
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heutige Elbspiegel. Während Pegel -Null der Carolabrücke 105,832 m
beträgt, liegt die Umgebung des Hohrloches (Höhenbolzen am Einnehmer-
häuscben an der Dresden-Loschwitzer Stadtgreuze, Hautzner Landstrasse)
in 133,772 m Hohe. Die Differenz von 27,H.to entspricht ungefähr der
Höhenlage der Sandschichten, in denen das Grund wasser sich einstellte,
welches nach Auflassen der Hohrung in 40, lo Tiefe ca 10 m hoch im
Bohrloche stand.
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ni. ücber die Funde antiker Bronzen im akademischen
Forstgarten zu Tharandt.
Von Geh. Hofrath Prof. Dr. F. Nobbe.
Im Herbst 1898 sind auf der höchsten Kuppe des Königlichen Forst-
gartens zu Tharandt eine Anzahl prähistorischer Gegenstände aus Bronze-
guss und Stein — im Ganzen 20 — ausgegraben worden.
Der genannte botanische Garten liegt an den Hängen und auf der
Höhe des Kiehnherges, eines Ausläufers des Erzgebirges. Das Plateau
fällt nordwestlich zum „Zeisiggrund“, südöstlich zum Weisseritzthale steil
ah; nach Osten dagegen tragen die letzten zwei Abstufungen die Schloss-
ruine und weiterhin die Kirche von Tharandt
Die Höhenlage des Forstgartens schwankt zwischen 252 m (am Grenz-
stein im Zeisiggrund) und 331 m (an den „Königseichen“) üb. d. Ostsee.
Der specielle Fundort der antiken Bronzegeräthe ist ein sanft nach
Osten geneigter Hang dicht unter der Hochfläche, welche zwei von Sr. Majestät
dem König Johann im Jahre 1855 gepflanzte „Königseicheu“ und eine
im Frühjahr 1898 aus Anlass des Regierungsjubiläums Sr, Majestät des
Königs gesetzte „König Albert- Fichte“ {Picea pungem var. glauca
Hort) trägt
Veranlassung zu dem Funde wurde dadurch gegeben, dass der er-
wähnte Hang, behufs seiner Einbeziehung in die seit 1874 erfolgreich
angestrebte systematische Ordnung der Bestände des Gartens, mit aus-
ländischen Tannenarten bepflanzt werden sollte. Zu diesem Zwecke wurde
die ganze etw’a 12 a grosse Fläche, nach Räumung des bisherigen dichten
und ungeregelten Bestandes von Fichten, Wald- und Schwarzkiefern und
Birken, gründlich rajolt. Die humose Bodendecke überlagert hier nur
‘/j — 7s ™ stark in allmählichem Uebergange zu den Verwitterungstrümmern
das Felsgestein (Felsitporphyr). Sämmtliche antike Gegenstände ruhten
in geringer Tiefe, und zwar lagerte je ein Theil derselben in drei wenig
von einander entfernten Nestern dicht beisammen. Dieses Vorkommen
deutet wohl mit Sicherheit darauf hin, dass hier Werthgegenstände vor-
liegen, welche die Urbewohner der Gegend auf diesen einsamen Höhen
vor herannahenden Feinden zu verbergen wünschten. Dass es sich um
eine Opferstätte handelte, erscheint aus weiterhin anzufdhrenden Gründen
minder wahrscheinlich.
Eine sehr feste Kruste von Erde und Oxyden überzieht die Bronze-
körper, nach deren sorgfältiger Beseitigung ein oft sehr schöner blau-
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grüner, aus basisch koklensaurem Kupferoxyd bestehender Edelrost zum
Vorschein kommt, welcher die an sich goldglänzende Legirung in dünner
Schicht bekleidet.
I. Am 20. October 1898 wurden zunächst folgende sechs Gegenstände
ausgegraben. Sie lagen zwischen den Wurzeln einer gefällten Birke, deren
Stock gerodet wurde, in einem Neste von etwa 35 cm Durchmesser und
25 cm Tiefe.
No. 1—5. Sogenannte „SiclielmeBser“ ans Bronzegnss mit 1cm langem Stielfortsatz
zur Befestigung des (nicht mehr vorhandenen) Griffes. Sie repräsentiren zwei
Formen, wie sie in den ethnographischen Museen aus Fundstätten ganz Deutsch-
iauds Uhereinstirainend vorhanden sind.
No. 1 — 3 sind imtcr sich von gleicher Form, 15 cm lang, 2,5 cm grösste Breite, je etwa
78.V g (zusammen 2.34,7 g) schwer, nach der Spitze verjüngt und so stark ge-
krümmt, dass der Abstand der Schneide von einer die Spitze und Basis ver-
bindend gedachten Linie in der Mitte 4 — 5 cm beträgt. Die eine Seite der
Klinge ist flach, die andere, welche den erwähnten Stielfortsatz trägt, ist vom
Kücken her plötzlich verjüngt und besitzt zwei dem Kücken parallel laufende
erhabene Linien, An der noch ziemlich scharfen Schneide sind mit der Lupe
Spuren des Schärfens deutlich erkennbar und die Schneide ist durch ihre Uand-
habung stellenweise etwas umgebogen.
No 4 u. 5 sind unter einander wiederum von gleicbcr Form , aber länger und .scbwäcber
gekrümmt als No, 1—3, und an der verjüngten Spitze scalpellartig zurück-
gebogen. Ihre Länge beträgt 18 — 19 cm, die grösste Breite 2,i cm, Gewicht
67,3 bezw. 65,3 g. No. 4 trägt auf der Unterfläche eine erhöhte Linie parallel
dem Rücken, No. 5, welchem die Spitze fehlt, dagegen zwei, wie die Sichcl-
messer 1 — 3. Der grösste Abstand der Schneide von einer gedachten geraden
Verbindungslinie beträgt hier nur 2,7 cm.
No. 6, ein kleiner flacher Bronzering von 18 mm Durchmesser, 1,5 mm Höhe und 3 mm
Breite. Gewicht 0,s g. Das Kinglein ist leider in zwei Theile zerbrochen
und nicht mehr festzustcUen , ob es geschlossen oder etwas klaffend gewesen.
II. Am 5. November 1898 fand man, 4 m südöstlich von der ersten
Fundstätte,
No. 7, ein kreisnmdes Bronzeschild von 11 cm Durchme.sser. Das SchUd ist schwach
(etwa 6 mm) gewölbt, im Centrum iler concaven Innenfläche mit einer Ue.se
(Griff) versehen. Gewicht 78, i g. Dieses werthvolle Ftmdstück ist namentlich
an der convexen Oberfläche von schöner glänzender Patina überzogen. Auf
den ersten Blick erinnert die Scheibe an einen Topf- oder ümendeckel, und
wurde auch von den Arbeitern als „Stürze“ angesprochen. Wahrscheinlicher
stellt sie ein Brust Schild, jedenfalls ein Schmuck.stück dar.
III. Am 3. December 1898 wurde am oberen (Südwest-) Ende des
Hanges, etwa 25 m von dem eisten Fundorte entfernt, ein dritter bloss-
gclegt. Auch dieser lagerte in etwa 25 cm Tiefe und hat einen Durch-
messer von 30 — 40 cm. Er enthielt folgende 9 Gegenstände.
No. 8. Eine wohlerhaltcnc bronzene „Spiralspange“. Sie licsteht aus 12 engen
schrauljenförmigcn Windungen, ist 10 cm hoch und — ahgerollt — 2,so m lang.
Ihr Gewicht betragt 232,5 g. Die Weite der Spange ist am unteren Ende
6 cm, am oberen 5 cm im Durchmesser, würde mithin, als Armspange gedacht,
eine recht schmächtige Extremität voraussetzen. Das Band selbst ist unten
7 mm breit und 1,6 mm dick, verjüngt sich aber nach oben bis auf kaum
4 mm Breite. I>ie letzten Enden fehlen beiderseits. Die etwas convexe Aussen-
Seite ist in primitiver Weise durch verticale Strichelungen verziert und von
schöner Patina ganz überzogen. Sie entspricht genau einer Abbildung in
Dr, B Platz: „Der Mensch etc.“, 3. Auf!., S. 421.
No. 9. Eine der No. 8 ähnliche Spiralspange, aber mit nur sieben Windungen und nur
6 cm hoch. Durchmesser 4,5 cm. Gesammtlänge des Bandes 98 cm, sein Ge-
wicht beträgt 41,7 g- Das Band selbst ist auch hier in der Mitte am brei-
testen (8 mm) und veijüugt sich nach beiden Seiten bis auf mm. Ver-
zierungen fehlen.
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No. 10. Ein unretrelmilssig anfge^vundene.? Bronzeband von 206 cm Eänge, 10 mm
grösster Breite, veijüngt sich nach beiden Seiten, um scliliesslich in ein beider-
seits 23 cm langes stielrundea Ende ansziilaufen Gewicht 204,7 g. Wahr-
scheinlich ein vorläufig roh znsammengeschlagenes Band, dessen regelmässige
Ausformung zur Spange Vorbehalten blieb, vielleicht auch war dasselbe für
die Einschmclzung bestimmt.
No. 11. Ein Bronzeband, wie No. 10, jedoch nur l,sim lang, 241,s g schwer.
No. 12, 13. Zwei ganz identische massive Bronzeringe von 6 cm äusserem Durch-
messer. Das eine Ende greift 2,s cm über das andere hinaus, nnd zwar aussen
an der Peripherie, nicht schraubenfBrmig. Die obere nnd untere Fläche des
liegenden Ringes ist flach, die äussere etwas convex und in regelmässigen
Abständen vertieal gestrichelt in der Art, dass je 10 — 12 Striche den Raum
von etwa 7 mm Breite einuehmen, worauf ein fast 2 cm breiter Zwischenraum
folgt, hierauf wiederum Strichelung etc. Höhe des liegenden Ringes 4 mm,
Dicke 3 mm. Ihr Gewicht beträgt 20,9 bezw. 17,5 g.
No. 14. Ein massiver Bronzering, nach Entfernung der Erdkruste malachitartig
glänzend. Aensserer Durchmesser 90 — 92 mm Gewicht 164,5 g. Die Ring-
masse ist an einer Seite flach ; ihre grösste Höhe beträgt 10 mm ; sie ist nach
beiden — um 5 mm klaffenden — Enden etwas veijüngt und gerundet und
hier oberseits fein schräg gestrichelt.
No. 15. Ein etwas klaffender ma.ssiver Bronzering von 124,o g Gewicht. Die Ent-
fernung der beiden abgeplatteteu Enden von einander beträgt 4 cm. Dieser
Ring ist nicht kreisnind, sondern etwas in die Breite gezogen; der grösste
Durchmesser beträgt (aussen) 11 cm, der kleinere 10, j cm. Die Masse ist fast
1 cm breit, mit einer schraubenförmig gewundenen Furche verziert, welche in
etwa 15 mm Entfernung von beiden gestrichelten Enden aufhört, und deren
Schraubenwindnngen durch eine Abplattung der oberen und unteren Fläche
unterbrochen iverdeu. Die Patina ist, wie bei No. 14, sehr schön ausgebildet.
No. 16. Ein 12 cm langes gewundenes Brouzestück (Fragment), der No. 15 ähnlich.
Gewicht 53,i g.
Von No. 16 wurde ein 2 cm langes Stück (5 g) abgeschnitten, um
nach Entfernung der Oxydationsschicht der chemischen Analyse unter-
zogen zu werden. Diese im Laboratorium der Königlichen pflanzen-
physiologischen Versuchs-Station zu Tharandt durch Herrn Assistenten
Störmer ausgeführte Analyse hat ergehen:
91,60 Procent Kupfer,
8,60 „ Zinn,
nebst unwägbaren Spuren von Blei, Nickel, Kobalt und Wismuth.
Schon in früheren Zeiten — vor 40 — 50 Jahren und wiederum vor
etwa 25 Jahren — sind antike Bronze- und Steingeräthe an verschiedenen
von den obigen entfernten Punkten des Forstgartens gefunden worden,
ein Umstand, 5velcher nicht zu Gunsten der Annahme spricht, dass es
sich hier um eine Opferstätto handelt. Diese Gegenstände — darunter
Lanzenspitzen etc. — sind s. Z. bedauerlich in Privatbesitz übergegangen.
Einiges hofife ich noch wieder beizuziehen. Bisher war es nur möglich,
wieder zu erlangen:
No. 17. Ein Steinbeil von 10 cm Länge, 4 cm Höhe nnd 4,5 cm Rückenbreite.
Die sehr harte Ge.'teinsart scheint Grünstein zu sein, was durch Dünnschliffe
zn erörtern sein wird Das Beil besitzt eine 15 mm weite, sich auf 12 mm
veijüngende Durchbohrung für die Einführung des Stieles.
Eine so enge Durchbohrung dürfte ein Beweis dafür sein, dass das Beil für einen
metallenen Stiel bestimmt gewesen ist; ein hölzerner würde eine kräftige Handhabung
nicht erlaubt haben; woraus dann folgen würde, dass das Steinbeil der Bronzezeit
angehürt. Beispiele für ein Herüberragen von Instiumenten einer früheren urzeitlichen
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Periode in eine apiltcre sind ja überhaupt nicht selten, wie denn neuerdings eine strenge
Folge der Stein-, Bronze- und Eisenzeit entschieden in Abrede gestellt wird.*)
No. 18—20. Drei durch Wasser linsenförmig ahmschliffene Steine, der eine ans
Qnarz, die anderen beiden ans einem noch nicht näher bestimmten Gestein.
Ihre Grösse beträgt:
Länge
Breite
grösste Höhe
No. 18
70
55
35 mm.
» 1»
60
48
30 „
n 20
52
50
80 .
Unzweifelhaft sind diese Steine aus dem Flussthal an den Fundort
geschaift worden. Vielleicht waren es sogenannte Siedesteine, welche
geglüht und in Wasser geworfen wurden, das in nicht feuerbeständigen Ge-
fässen zum Sieden gebracht werden sollte: ein Verfahren, welches noch heute
bei manchen wilden Völkern in Gebrauch ist.**) Doch ist auch die An-
nahme nicht ausgeschlossen, dass sie als Klopfsteine zur Zerkleinerung
von Getreidekörnern gedient haben.
Die vorstehend beschriebenen Fundstücke sind mit Genehmigung des
Königlichen Finanzministeriums der prähistorischen Sammlung zu Dresden,
als Beitrag zur Vaterlandskunde, überwiesen worden. Da mit Wahrschein-
lichkeit anzunehmen ist, dass der akademische Forstgarten noch mehr
dergleichen ethnographisch werthvolles Material in seinem Schosse birgt,
wird keine Gelegenheit verabsäumt werden, solches zu Tage zu fördern.
*) Vergl. Dr. B. Platz: Der Mensch, sein Ursprung, seine Rasse und sein Alter.
3. Aufl. 1898, S. 415.
*•) Vergl. W. Boy d Dawkins: Die Höhlen und die Ureinwohner Europas (deutsch
von J. W. Spengel). 1878, S. 72.
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IV. Neue Urnenfelder aus Sachsen. I.
Von Prof. Dr. J. Deichmüller.
Weissbach bei Königsbrück.
Beim Bau der Eisenbahn Königsbrüok- Schwepnitz wurde im Januar
1898 auf Flur Weissbach nordöstlich Königsbrück ein Urnenfeld*) auf-
geschlossen, welches dem Beginn der Periode der grossen Urnenfelder,
flem älteren Lausitzer Typus, angehört. Die Fundstelle liegt ca. 0,27 km
vom südlichen Ausgang des Dorfes in der Ilichtung nach Königshriick
entfernt, im sogenannten „Grund“, einer flachen Einsenkung zwischen dem
Lindenberg W Weissbach und dem Wagenberg ONO Königsbrück.
Ueber die Auffindung berichtet das Baubureau Königsbrück an die
K. Generaldirection der Sächsischen Staatseisenbahnen unter dem
13. Februar 1899 Folgendes:
„Die Urnen wurden im Scheiteleinschnitt bei Station 28 -j- 50 südlich
des Ortes Weissbach etwa unter 31“ 35' 36" w, L. und 61“ 16' 45" n. Br.
angetroffen.
Die Oberfläche des Fundortes war mit Jungholz — Birken mit Kiefern
vermischt — bestanden gewesen, der aufgeschnittene Einschnitt enthält
festgowachsene, sandige Massen. Auf der Fundstelle lagen flache Haufen
von Grauwackensteinen, welche, da derartige Steine in unmittelbarer Nähe
nicht Vorkommen, zusammengetragen sein müssen. Unter diesen Grau-
wackenhaufen wurden zumeist die Urnenreste vorgefunden.
Es kam zunächst eine 40 — 50 cm starke Humusschicht, unter welcher
eine höchstens 5 cm mächtige Schicht grobkörnigen Kieses augetroften
wurde, die mitunter auf einige Quadratmeter gänzlich fehlte oder auf noch
kleineren Flächen trichterförmig gesenkt war. W'ährend der Boden sonst
festlagernder gelber Sand über glacialem Schotter war, war er an den
F'undstellen locker und rostbraun gefärbt. Unter der erwähnten dünnen
Kiesschicht lagen die Urnen, fast alle bereits zertrümmert und zerbrochen,
Bodass die einzelnen Scherben mit der Hand aus dem Boden gezogen
werden konnten. Es war jedoch noch zu erkennen, dass die Urnen meistens
— nicht immer — verkehrt und in Gruppen, welche in sehr flachen,
schalenartigen Becken lagen, zusammengesetzt waren. Das ganze Urnen-
*) Die in mehreren Tageszcitnnpen anfcenommene Mitthcilnng von dem Fnnde
von Skeletten mit Münzen de» 8. JahrlinnderU n. dir. ist »piiter widerrufen und he-
richtigt worden.
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feld dürfte sich wohl noch über die Breite des Einschnittes nach Osten
zu erstrecken.
Die Urnen waren mit schwarzem Boden fest ausgestopft, irgend welche
Gebrauchs- oder Schmuckgegenstände wurden nicht entdeckt, an einigen
Stellen lagen geringe Knochen- und Aschenreste.
In der geringen Tiefenlage der Urnen unter der Oberfläche dürfte
wohl der Grund zu suchen sein, warum dieselben fast alle zertrümmert
Yorgefunden wurden, sie waren offenbar vom Froste zersprengt worden.“
Aus diesem Berichte geht hervor, dass die einzelnen Grabstätten
ihrem Bau nach P'lacbgräber mit Steinsetzungen waren, welche in der
Tiefe von wenig mehr als 0,n m unter der Oberfläche in den diluvialen
Decksand der Fundstelle eingesetzt waren. Das Material zu den Stein-
setzungcn dürften die naheliegenden untersilurischen Grauwacken des
Linden- oder des Wagenbergs geliefert haben. Leider ist der Direction der
prähistorischen Sammlung in Dresden eine Anzeige des P’undes nicht zu-
gegaugen, sodass eine Untersuchung einzelner Gräber an der Fundstelle
selbst nicht mehr möglich war; auch sind in Folge der Unkenutniss der
beim Bau beschäftigten Arbeiter und aufsichtführeuden Beamten fast keine
unbeschädigten Gefässe, nur eine Anzahl grösserer Bruchstücke und ein-
zelner Scherben in die Dresdner Sammlung gelangt. Aus diesen Resten
wurden mehrere Gefässe fast vollständig, andere so weit zusammengesetzt,
dass sie den nachstehenden Abbildungen zu Grunde gelegt werden konnten.
Die Fundstelle ist ziemlich reich an verschiedenen Gefässforroen, welche
sämmtlich zu den in den älteren Urnenfeldern des Lausitzer Typus ge-
wöhnlichen gehören. Doppclconische Näpfe sind in zw'eierlei Gestalt vor-
handen, theils in der häutigen mit hohem Ober- und flachem Untertheil
(Fig. 1), theils in der selteneren niedrigen und weiten, bei welcher der
fast senkrecht aufsteigende obere Theil und der flache untere nahezu die
gleiche Höhe haben (Fig. 2). Auf die an anderen Fundorten häufigen
eiförmigen Töpfe mit umgelegtem Rand w’eisen verschiedene Bruchstücke
mit geglätteter oder gerauhter Aussenwandung hin. Die für die älteren
Urnenfelder charakteristischen Buckelgefässe sind durch Bruchstücke mit
aufgeklebten oder aus der Gefässwanduug herausgeformten, elliptisch um-
randeten Buckeln, sowie durch ein kleines napfartiges Gefäss vertreten,
dessen spitzwarzenförmige Buckel von je fünf flachen, halbkreisförmigen
P’urchen umgeben werden (Fig. 10). Unter den Gefässen mit bauchigem
Untertheil und hohem, steil aufsteigendem Halse (Fig. 4) erscheint auch
eine seltenere Form, welche durch die Einschnürung über der Standflächo
pokalartig wird (Fig. 3). Mit diesen Gefässen verwandt sind doppelhenkelige.
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weitbauchige mit niedrigem, senkrechtem Hals und kugeligem oder nach
dem Hoden conisch verjüngtem Bauch (Fig. 6 und 6). Hierzu kommen
Näpfe mit bauchigem Untertheil und niedrigem, ausladendem Kande (Fig. 7),
zum Theil mit engem, ösenartigem Henkel (Fig. 8), halbkugelige Näpfe mit
centraler Bodenerhebung (Fig. 16), breite, niedrige, tassenartige Formen mit
■weitoffciiem, bandartigem Henkel (Fig. 9) und kegelförmige Tassen, deren
breiter Henkel in der Mitte kantig verdickt und deren Band beiderseits
neben dem Henkel höckerartig erhöht ist (Fig. 12). Grosse Schalen oder
Schüsseln, welche vielleicht als Deckel zu den Knochenurnen dienten, haben
entweder flachkegelige Form mit breiter Standfläche (Fig. 13 — 15), oder
sind zusammengesetzt aus einem niedrigen Untertheil mit massig grosser
Standfläche und einem kurzen, leicht concav geschweiften Hals (Fig. 17).
Die Verzierungen der Gefässe sind einfacher Natur: die .Mittclkanten
doppelconischer Näpfe oder der Oberrand einer Schüssel sind durch mehr
oder weniger scharfe und tiefe Einschnitte oder Eindrücke gekerbt, die
Wandungen mancher Gefässe dicht mit radial um den Boden geordneten
Strichen oder mit horizontalen, durch verticale getrennten Strichgrup])en
oder mit Gruppen senkrechter Striche zwischen flachen Horizontalfurclien
bedeckt. Als plastische Ornamente erscheinen umrandete Buckel oder
höckerartige Erhöhungen auf Gefässrändern.
Der zu den aus freier Hand geformten Gefässen verwendete Thon
ist mit Gesteinsgrus gemengt, die Gefiissoberflächen sind mit feingeschlämm-
tem Thon übei-zt)gen und zumeist sorgfältig geglättet. Der Brand ist
massig hart, lichte Farben wiegen vor.
Der Inhalt mancher Gefässe bestand nach dem angeführten Bericht
aus schwaraer (holzkohlehaltiger) Erde und aus gebrannten Knochenresten;
Bronze- und andere Beigaben fehlten. Welche (iefässfonnen als Knochen-
behälter gedient haben, ist unbekannt, weil Gefässe mit Inhalt nicht auf-
bewahrt worden sind.
Das Urnenfeld von Weissbach gehört zweifellos zur älteren Gruppe
sächsischer Urnenfelder vom Lausitzer Tyjms. Bau der Gräber, Formen
und Verzierungswoisen der Gefässe entsprechen denen, welche aus dem
zu Beginn der Periode der grossen L'rnenfelder angelegten Gräberfelde
auf dem Knochenberge bei Niederrödern in Sachsen *) bekannt geworden sind.
Unterhalb Yorwerk Mannewitz bei Pirna.
Von Pirna erstreckt sich nach SO ein Sandsteinplateau, die Pirna-
Struppener Ebenheit, an dessen westlichem Baude, etwa 1,2 km südlich
von Schloss Sonnenstein, über dem Gottleubathal das Vorwerk Manne-
w'itz liegt. Von der Thalsohle aufwärts steigend überschreitet man hier
ein sanft geböschtes Gehänge, den .\usstrich der Grünsandsteine und Mergel
der oberen Kreideformation, welche den darüber steil aufsteigenden
Brongniarti-Quader inantelartig umgeben. Das zum Theil mit Obstbäumen
bepflanzte Gehänge ist in l’arzellen getheilt, welche als Acker- oder
Wiesenland benutzt werden.
Beim Umgrabeu eines solchen bisher mit Gras bedeckten Grundstücks
wurde im März d. J. ein Urnenfund gemacht, von welchem ich durch
*) Mittheiluntfen ans dem K. Mineral. -gcolog. und Priiliislor. Mnsi-nm in l're.sden,
Heft 12 Ka.ssel IH97.
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2C.
Herrn Seminaroberlehrer F. A. Wolff in Pirna sofort Kenntniss erhielt.
Die Untersuchung der etwa auf halber Höhe des Abhangs liegenden Fund-
stelle ergab das Vorhandensein von Urnengräbern, welche aber leider
in Folge der wiederholten Umarbeitung des Hodens bis auf wenige Reste
zerstört waren. Die Gräber liegen so flach unter der Oberfläche, dass
die Scherben der Gefässe schon beim Umwenden der Grasnarbe mit dem
Spaten zwischen den Wurzeln der Gräser zum Vorschein kommen. Diese
aussergewöhnlich geringe Tiefenlage erklärt sich ans der fortgesetzten
Abschwemmung des Erdreichs nach der 'I’halsohle hin.
Ausser einzelnen, auf dem schon umgegrabenen Theile des Feldes
umhcrliegenden Scherben fanden sich noch zwei Grabstätten. In einer
derselben lagen Hruchstücke eines doppelconischen Napfes mit Ueberresten
des Kuocheninlialts und einer Deckelschale oder -Schüssel. Das Erdreich
war in der nächsten Umgebung des mit einem Kranz grösserer Sandstein-
stüeke umstellten Grabes durch beigemengte feinere und gröbere Holz-
kohlenbrückchen dunkel gefärbt.
Nur wenige Schritte davon entfernt lag ein zweites, ebenfalls schon
stark beschädigtes Grab ohne Steinsetzung. Als Urne diente auch hier
ein an der .Mittelkante gekerbter,
unten gerauhter doppelconischer
Napf (Fig. 20), welcher mit
calcinirten Knochen zwischen
schwärzlich gefärbter Erde ge-
füllt war. Auf dem Inhalt lagen
Boden- und andere Stücke einer
Schüssel (Fig. 19), um die Urne
herum Randstücke desselben Ge-
fässes, Bronzebeigaben fehlten.
Dicht neben der Urne fanden
sich Bruchstücke eines umge-
kehrt gestellten tassenartigen,
auf der Olierseite des Gefäss-
bauchs mit flachen, schrägen
Furchen verzierten Kruges (Fig.
21). Die Ausfüllung der Grube,
in welche das Grab eingesetzt
war, bestand auch hier aus holz-
kohlereicher, schwarzer Erde, die
sich von dem gelblichen, lehmigen Sandboden der Umgebung scharf abhob,
Ini Juni d. J. erhielt die Dresdner prähistorische Sammlung durch
Herrn Walter Gebier in Pirna von derselben Fundstelle noch eine
grössere Zahl Gcfässscherben, die sieh aber leider nur zum kleinsten Theil
zusammensetzen Hessen, Ein durch seine Grösse bemerkenswerther
doppelconischer Napf (Fig. 18) ist über der durch aneinander gereihte
Eindrücke perlschnurartig gekerbten Mittelkante mit sieben horizontalen
Furchen verziert, auf der Unterseite mit Gruppen radial um den Boden
gestellter Striche, deren genauer Parallelisinus nur mittels eines kamm-
artigen Instruments erzeugt sein kann. Ein zweiter .Napf der gleichen
Form (Fig. 24) zeigt dieselbe Verzierung der Mittclkante und gerauhte
Unterseite. Ein kleinerer (Fig. 22), dessen Oberthcil leicht nach aussen
gewölbt ist, trägt über der perlschnurartig verzierten Mittelkante vier
Fig. 18—24 in der natilrlielien Grösse.
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27
seicht eingezogene Horizontallinien. Von einem dickwandigen, grossen
kesselartigen Gefäss aus grobsandigem Material (Fig. 23) ist nur ein Bruch-
stück vorhanden, welches aussen roh gerauht und mit einer aufgeklebten,
durch Fingereindrücke kettenartig gekerbten Thonleise verziert ist.
Alle hier gefundenen Gefässe sind dunkel gefärbt.
Zu welcher Gruppe der Urnenfelder vom Lausitzer Typus das hier
beschriebene gehört, lässt sich bei der geringen Zahl der Gefässe und
dem Fehlen charakteristischer Formen nicht mit Sicherheit sagen. Für
den älteren Abschnitt der Periode der grossen Urnenfelder spricht die
Form der anscheinend häufigeren doppelconischen Näpfe, deren beide in
der Höhe so verschiedene Theile in einer scharfen Kante zusammen-
stossen, während die in den jüngeren Urnenfeldern Sachsens vorkommenden
gerundetere Form haben und der obere Theil dieselbe, oft sogar geringere
Höhe als der untere hat.
Wie weit sich das Urnenfeld in nördlicher oder südlicher Richtung
erstreckt, war nicht festzustellen. Vielleicht bilden die Urnenfunde, welche
1886 am unteren Gehänge des Hausbergs, im Garten des der scharfen
Umbiegung der Hausbergstrasse nach Norden gegenüber liegenden Grund-
stücks gemacht wurden*), nur die nördlichen Ausläufer desselben. Von
letzterer Stelle wird ein doppelconischer Napf im Museum des Gebirgs-
vereins für die Sächsische Schweiz in Pirna aufbewahrt.
Casabrs bei Oachatz.
Im October 1898 theilte mir Herr Lehrer 0. Gutte in Casabra mit,
dass beim Ausheben von Erde zur Bedeckung eines Kartofl'elfeims Urnen
gefunden und bereits mehrere Gräber von ihm aufgedeckt worden seien.
Die vom Eigenthümer des Feldes, Herrn Gutsbesitzer Henuig in Casabra
bereitwilligst gestattete Untersuchung der Fundstelle ergab das Vorhanden-
sein eines anscheinend ausgedehnten Urnenfeldes vom älteren Lausitzer Typus.
Dasselbe liegt etwa 250 m vom östlichen Ausgange des Dorfes
Casabra links der Strasse nach Stauchitz, nur wenige Schritte davon
entfernt. Durch die zur Gewinnung des Erdreichs längs der Kartoft’elfdmcn
ausgehobenen flachen Gräben waren mehrere Urnengrabstätten blosgelegt
und angeschnitten worden. In einer derselben, deren photographische
Aufnahme ich Herrn Gutte verdanke, hatten in einem Steinkranz zwei
grössere, mit Knochen gefüllte und mit Schüsseln bedeckte Urnen und
eine Anzahl grösserer und kleinerer Beigefässe gestanden; ein zweites,
dicht daneben befindliches Grab enthielt einen doppelconischen Napf mit
Knochenresten, bedeckt von den Trümmern eines Deckelgefässes, und
einen Topf, über den eine grössere kegelförmige, auf der Aussenseite mit
senkrechten Strichen verzierte Tasse gestellt war. In einem dritten Grabe,
welches leider fast vollständig zerstört war, fanden sich Bruchstücke eines
Buckelgefässes und einer mit schwarzer, durch beigemengte Holzkohlen-
stückchen gefärbter Erde und mit Kesten des Leichenbrandes gefüllten Urne.
Ziemlich vollständig erhalten waren zwei weitere Gräber ohne Stein-
packungen, welche in den Wandungen der Gräben zum Vorschein kamen.
Das eine derselben enthielt als Urne ein doppelhenkeliges Gefäss mit
•) Sitzungsber. Isis Dresden 1885, S. 40.
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vier aus der Wandung herausgeforinten flachen Buckeln (Fig. 33), das
von einer niedrigen gehenkelten Schüssel (Fig. 32) überdeckt war.
Der Boden der Urne lag 30 cm unter der Erdoberfläche. Als Beigefäss
stand neben der Urne umgekehrt ein eiförmiger Topf mit niedrigem,
wenig ausladendem Rande (Fig. 31); von einem zweiten Topfe derselben
Form waren nur noch einzelne Scherben vorhanden. Im anderen Urabe
standen ein weitoffener, bauchiger Napf (Fig. 25) mit Leichenbrandresten
und drei Beigefässe; ein doppelhenkeliges Gefäss mit seichten, senkrechten
Furchen auf dem oberen Gefässbauch (Fig. 26), ein kleineres ähnliches
ohne Verzierungen (Fig. 29) und ein kleiner tassenartiger Krug (Fig. 27).
Die Bodentiefe aller (Jefässe betrag 46 cm. Die Beigefässe waren dicht
an die Urne herangerückt, zum Theil unter dieselbe geschoben. Die geringe
Tiefenlago der Gräber mag wohl auch die L'rsachc sein, warum sämmtliche
Gefässe mehr oder weniger zertrümmert und zerdrückt sind.
Ausser den den letzterwähnten beiden Gräbern entnommenen Gefä.ssen
erhielt die Dresdner prähistorische Sammlung von Herrn Lehrer 0. Gutte
noch einen grösseren terrinenartigen Napf (Fig. 34), einen Krug mit ge-
drückt kugeligem Untertheil und neben dem Henkel zu niedrigen Höckern
ausgezogenem Rande (Fig. 30) und ein kleines birnenförmiges Näpfchen
(Fig. 28), dessen Oberfläche im Brande rissig geworden ist; andere
Gefässe sind in den Besitz des Herrn Rechtsanwalt Schmorl II in Oschatz
übergegangen.
Von Beigaben hat sich bis jetzt nur ein wenige Centimeter langer,
angeschmolzener Bronzedraht und das Bruchstück eines flachen Mahlsteines
aus röthlichem Quarzpor])hyr gefunden, doch ist zu erwarten, dass fort-
gesetzte Ausgrabungen noch weitere Beigaben aus Bronze oder Thon zu
Tage fördern werden.
Betreffs der Zeitstellung des Urnenfeldes von Casabra gilt das für das
Weissbacher Gräberfeld Gesagte. Formen und Technik der keramischen
Erzeugnisse weisen auf den Beginn der Periode der Lausitzer Gräberfelder
hin, wenn sich auch in der Herstelhingsweise der Gefässe von Casabra
geringe, nur als örtliche anzusehende Unterschiede gegenüber denen von
Weissbach bemerkbar machen. So ist der zu den Gefässen verwendete
Thon nicht so reich an groben Gesteinsbrocken, sondern mehr gleich-
körnig grobsandig, und (lie an den Weissbacher Urnen vorherrschenden
gelben Farbentöne sind hier durch weisse, graue bis schwarze, selten
röthliche ersetzt.
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Ahhandlimgen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1899.
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V. Studien über Faciesbildiingeii im Gebiete der
sächsischen Kreideformatioii.
Von Dr. Wilhelm Fetrasoheok.
Das Gebiet der sächsischen Kreideformation zerfällt in zwei Facies-
bezirke, den des Quaders und denjenigen des Pläners. Die gegenseitigen
Beziehungen beider zu einander zu verfolgen und Zwar namentlich fest-
zustellen, welche Schichten des einen Complexes speciell denen des anderen
entsprechen, sowie klar zu legen, in welchem .Maasse mit den petro-
graphischen Faciesunterschieden eine faunistische Differenzirung Hand in
Hand geht, ist die Aufgabe der folgenden Untersuchungen.
Als Grundlage für die nachstehenden FJrörterungen dienten
1. H. B. Geinitz: Charakteristik der Schichten und Petrefacten des
sächsisch -höhniischeu Kreidegehirges. Dresden und Leipzig 1839 — 42.
2. H. B. Geinitz: Das hähthalgehirge in Sachsen. Palacontographica
Bd. 20, 1871—75.
3. Die nachstehenden Blätter und zugehörigen Erläuterungen der
geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, bearbeitet
unter der Leitung von Hermann Credner:
Section Meissen und Freiherg von A. Sauer,
„ Kötzschenhroda von Th. Siegert,
„ Tharandt von R, Beck und A. Sauer,
„ Wilsdruff, Dresden, Kreischa- Hänichen, Pirna, Königstein
und Berggiesshühel von R. Beck,
„ Glashütte -Dippoldiswalde und Rosenthal -Hoher Schnce-
berg von F. Sc ha Ich,
„ Grosser Winterberg -Tetschen von R. Beck und J. Hibsch.
Die übrige in Betracht kommende Litteratur findet sich an der be-
treffenden Stelle citirt.
Die von der geologiscben Landcsuntersuchuug Sachsens cingeführte
und in deren Publicationen kartographisch und textlich zur Anwendung
gebrachte Stufen-Gliederung der sächsischen Kreideformation ist auch
unserer Arbeit über die Faciesbildungen der letzteren zu Grunde ge-
legt worden.
Den erforderlichen palacontologischen Studien süinden die reichen
Sammlungen des K. Mineralogisch -geologischen Museums zu Dresden und
der K. Sächsischen Technischen Hochschule, sowie die Sammlung der
K. Sächsischen Geologischen Landesanstalt in Leipzig zu Gebote. Das
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iiuf solclic Weise verfiigl)are geologische und palaeontologische Material
wurde durch eigene seit mehreren Jahren angestellte Beobachtungen uiul
sanmilerische Ausbeutungen ergänzt und vervollständigt.
Ks ist meine l'tlicht, aucli an dieser Stelle meinen Lehrern, Herrn
Geheimen Bergrath l’rof. Dr. H. Credner und Herrn I’rof. Dr. E. Kalkowsky
fiir die vielfachen Förderungen und Unterstützungen, die sie mir hei der
Abfassung vorliegender Arbeit zu Theil werden liessen, meinen wärmsten
Dank auszusprechen. Auch den Herren l’rof. Dr. K. Beck, Prof. Dr.
J. Ilibsch und Dr. J. Jahn bin ich für schätzenswerthe Unterweisungen
selir zu Dank verbunden.
Innerhalb des sächsischen Kreidegehietes erscheint die Stufe des
Inonramus lahiatus zur Prüfung und Beantwortung der einschlägigen
Fragen besonders geeignet, weil gerade sie die ausgesprochenste petro-
graphische Faciesdiflerenzirung aufweist, von der vorauszusetzen ist,
dass sie auch in faunistischen Unterschieden ihren Ausdruck finde.
I. Die Quader- und Plänerfacies der Stufe des Inoceramns
Utbiatutt.
Das Unter-Turon, also die Labiatus-Stufe, ist in Sachsen in zwei
einander schroft’ gegenübersfehenden pctrographischen Facies zur F.nt-
wickelung gelangt, nämlich dem Labiatus- Quader und dem Lahi.atus- Pläner.
Der erstere beschränkt sich .auf das Verbreitungsgehict der Sächsisch-
Böhmischen Schweiz, der letztere hingegen .auf das nordwestlich vor-
liegende Elhthalareal von Mügeln bis Meissen. Zwischen diesen beiden
pefrographisehen (iegensätzen wird ein Uebergang durch kalkige Quader
und sandige Pläner vermittelt. Beck*) hat diesen genau verfolgt und
gezeigt, dass der Kalkgehalt zunächst in den liegenden Schichten auftritt
und dann nach -\ W in immer höhere (Jesteinsbänke hinaufsteigt. Ganz
allmählich und stetig ändern die Quader utid Pläner ihre Beschatfenheit.
Bei Königswahl im Eulauer Thal in Böhmen ist der Labiatus-Quader
niittelkörnig, er bleibt es bis in die Gegend von Klein-Cotta in der süd-
östlichen Ecke von Section Pirna, von hier ah beginnt er feinsandig zu
werden und bildet den wegen seines feinen und glcichmässigen Kornes
geschätzten Bildhauersandstein von Gross-Cotta, Rottwerndorf und Dohna.
Weiter nach NW wird sein Bindemittel kalkig, und kaum merklich geht
er in sandigen Pläner über. Solcher steht am Wege von Gross-Sedlitz
nach Krebs an und reicht, immer ärmer an Sand werdend, bis in die
Gegend nördlich von Dohna. Erst im (Jehiete der Section Dresden und
zwar zunächst hei Leubnitz ist die Lahiatus-Stufe als eigentlicher Pläner
entwickelt. Die Strecke, auf der dieser ganz langsame Uebergang statt-
lindet, entspricht einer Entfernung von fast 20 km.
1. Die Quaderfaoies.
Der Labiatus-Quader stellt einen in dicke, 1 bis 3 m mächtige Bänke
geschichteten, fein-, mittel- bis grobkörnigen Sandstein dar, der im
äussersten Südosten, bei Königswahl, sogar einzelne Gerölle in sich nuf-
*) Kilauti nniKCii Seel. Pirim, S. lio.
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nimmt. Quarz und zwar von weisser, grauer, seltener von rötlilicher Farbe
ist bei weitem vorwiegend, daneben treten vereinzelte, ganz kleine Glimmer-
schiippcben, Glaukonit und, jedoeh nur als mikroskopische llestandtbeile,
Turmalin, Zirkon und Rutil auf.*) Das Bindemittel ist thouig, im NW
kalkig, seltener eisenschüssig. Vom Carinaten-Quader unterscheidet sich
der Labiatus- Quader durch seine kleineren und spärlichen Muskovit-
schüppchen, vom Brongniarti-Quader durch das Fehlen kaolinisirter Feld-
spathe, durch die geringere Zahl rosarother Quarze und durch das Binde-
mittel, das bei letzterem meist eisenschüssig ist. Diagonalschichtung und
Wellenfurchen kennzeichnen den Labiatus -Quader als eine Ablagerung
des seichten Wassers** ••*)).
Die Verbandsverhältnisse des Labiatus -Quaders sind durch die tief
in die Kreideschichten einschneidenden Flussthäler wiederholt klar auf-
geschlossen. Sein Liegendes wird von einem plattigen, feinkörnigen
Sandstein (Plänersandstein) gebildet, der, wie später gezeigt werden soll,
eine selbständige obere Stufe des Cenomans repräsentirt, ein Lagerungs-
verhältniss, welches durch das von Herrn Geheimen Bergrath Prof. Dr.
11. Credner aufgenommene und mir zur Verfügung gestellte Profil 1
Fig. 1.
HU&od.
Auf den Carinaten-Quader (qc) folgt die obere Stufe des Cenomans, ein Pläner-
sandstein (pac), auf diesen der lanbiatus-t^uader (ql). Nach H. tlredner.
veranschaulicht wird. Im Gottleuhathal bei Langenhennersdorf bildet ein
blaugrauer Thon, der nach Geinitz Inoceramus labiatm Schloth. und
Ammmiites peramplus .Mant. führt, das Liegende, erst unter diesem folgt
der feinkörnige Sandstein des Cenoman. Das Hangende des Labiatus-
Quaders stellt die Stufe des Inoceranms Brongiüiirti dar, die an ihrer
Basis insofern eine ziemlich wechselvolle Ausbildung zeigt, als sie im
Gottlcubathal mit einem sandigen glaukonitischen Mergel beginnt, auf den
glaukonitischer Sandstein mit Ithynchondla bohvniica Schlönb. folgt.
•) Erhäutcrangen Sect. Hosenthal. S. IH.
**) Erläuterungen Sect. (irosser Winlerberg-Tetschen. S. 28, und Beck: Ueher
LitoralbUdungen in der säch.sischen Kreidefoniiation. Her. iiatf. Ues. Leipzig l89.')/9lj, S.5.
••*) .\nini rkung zu Figur 1 : Die von uns zur Erklärung aämmtlicher Texttiguren
benutzten Buchstaliensyinb<de für die einzelnen Schichten der sächsischen Kreide ent-
sprechen folgenden , auf der geologischen Specialkarte des Königreichs Sa<’hsen für die
gleichen Ablagerungen zur Anwendung gebrachten Symbolen. Cenoman: qc = cl 9,
pc = c 1 p, pjc = tls. — Labiatus -Stufe: ql = 1 1 s, pl = 1 1 p. — Brongniart i-
Stufe; in = t 2 ni, q Yi = t 2g, pb, = t 2 ]i, q y, = 1 2 g, p bj = 1 2 m ~ t 2 p, q b
= t3s. — Scaphiten-Stufe: msc = t 4.
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wiihrciiil im Uielathal uml am l'usse des Hohen Scliiieeberges dieser
letztere den Lahiatus-Quader direct überlagert.
Der Labiatus-Quader bat eine betriiclitliclie Zahl von Fossilien ge-
liefert, die hauptsäcldicb in den zablreichen und grossen Steiidjrücben des
(iottleubatbales und des Lohmgrundes gesammelt wurden. Oeinitz,
Deck und Scbalcb citiren die folgenden Arten:
Callianai^sa antiqua Otto. ss.
Avmonites Austeni Sharpe. s.
— peramphis Mant. s.
Lima canalifera Goldf. ss.
— psetidocardium liss. s.
.Ire« yluhra l’ark. ss.
IMen decemcontatus Münst. s.
Pinna Cottai Gein. s.
— dcciissata Goldf. bb.
— cretacea Schlotb. b.
Inoceramus lahialus Scblotb. bb.
— Vripsii .Mant. 8.
L’xoyyra tulumha Dam. b.
lihijnchontjlla hohenüca Scblönb. 8.
StvlUxster albensis Gein. ss.
Hohlster snborliicularis Defr. s.
Der unbedeutenden Spccieszabl steht der Heiebtbum an Indiviilueii
einzelner Arten gegenüber. Inoreramns htbiaius Scblotb. kommt in
ausserordentlich grosser .Menge vor; in den llottwerndorfer Drüchen bildet
er oft Nester, am böbmisclien Abhang bei Königswald erscheinen die
Scbicbtfläcben zuweilen wie damit gepflastert. Auch Ea'ogyra columba Dam.
ist nicht nur in zablreichen einzelnen Exemplaren anzutreften, sondern
tritt ausserdem hie und da bankförmig angereichert auf.
2. Bio Flänerfaoios.
Das Verbreitungsgebiet der typischen Labiatus-I’läner liegt, wie bereits
bervorgeboben, nordwestlich von dem des Quaders und breitet sich in
der Elbthalwanne zwischen Mügeln und Meissen aus. Charakteristisch für
den riäner ist seine Schichtung in Dünke, deren Mächtigkeit in der
Kegel zwischen 0,2 und 0.5 m schwankt und denen zuweilen sebwaebo
schieferige Lagen zwischengeschaltet sind. Der Pläner ist sehr feinkörnig
bis dicht, von blaugrauer, aschgrauer oilcr bräunlicher Farbe und weist
meist bräunliche oder graue Flecken auf. Gewöhnlich ist er kalkig,
ausserdem noch thonig oder feinsandig. Spärlich enthält er kleine
Glimmerblättchen oder Glaukonit. Wenn auch der Carinaten- Pläner ge-
wöhnlich zahlreichere .Muskovitscbüppchen enthält als der Labiatus- Pläner,
so ist es doch nicht möglich, beide lediglich auf Gi-und des Gesteins-
habitus sicher zu unterscheiden. Ebensowenig finden sich durchgreifende
pctrographiscbe Verschiedenheiten zwischen dem Labiatus- Pläner und dem
Drongniarti - Pläner.
Das Liegende der Labiatus-Stufe der Dresdner Fdbthalwanne besteht
aus dem Carinaten-PIäner. welcher durch eine O.5 bis 1 m mächtige Schicht
von gelblichem .Mergel, die in den Steiiibrüchen von Cotta und Leutewitz
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die Conglomeratc entwickelt, die liier aus abgerollten Porphyr- und
tiranititgeschieben bestehen. Beides, das Pehlen des Quaders und das
Auftreten von groben Conglomeraten ist eine Folge davon, dass sich der
Untergrund hier zu einer Klippe erhebt.
Südöstlich von Dohna befindet sich ini Bahrethal ein von Beck*)
erwähnter .\ufschluss, welcher den auf Granit liegenden Carinaten-Qiiader,
hierauf ein lockeres Conglotnerat und Thon (zusammen 2 m mächtig),
sodann Plänersandstein zeigt. Diesen letzteren beschreibt Beck als
feinkörnig, von thonigem Bindemittel, porös, daher auffallend leicht und
von nur noch geringem, durch Auslaugung reducirtem Kalkgehalt. In ihm
fand Beck Cidaris Sorüjneti Des. und betrachtet ihn deshalb mit Recht
als ein Aeijuivalent des Carinaten- Pläners. Darüber erst lagert der
Labiatus-Quader, gerade so wie unterhalb Dohna über dem Carinaten-
Pläncr der Labiatus -Pläner folgt. Am besten ist diese Ueberlagerung
an der Haltestelle Langenhennersdorf**) aufgeschlossen. Hier liegt über
der Crednerien-Stufe der Carinaten -Quader, darauf folgen lose Sande
und feinkörnige Sandsteine, die dem Plänersandstein entsprechen, und
hierüber eine Schicht Thon, die nach Geinitz***) Inoceramus lahintm
Schloth. und Ammonites pcrampliis Mant. führt, endlich der Labiatus-
Quader. Ebenso bildet, wie diis Profil 1 S. 33 darstellt, bei Eiland ein
Plänersandstein das Hangende des Carinaten -Quailers und auf diesen
folgt erst der Labiatus-Quader.
In übersichtlicber Zusammenfassung der obigen Darlegungen ergiebt
sich also bei Dohna und südöstlich davon folgende Reihenfülgo der Schichten;
4. Labiatus-Pläner oder -Quader,
Zwiscbenrnittel: Tbon.
3. Carinaten-Pläner nach SO übergehend in Plänersan dstein.
Zwischen mittel: Conglomerat und .Muschelbreccie in der
Nähe der Kahlebuschklippe, sonst Mergel oder Thon.
2. Carinaten-Quader, local, besonders am Fusse der Klippe
fehlend.
1. Crednerien-Stufe, local fehlend.
Ganz analoge Lagerungsverhältiiisse sind südlich und westlich von
Dresden und zwar am vollständigsten bei Merbitz und Leutewitz zu
beobachten t). Ueber der Crednerien-Stufe liegt hier der Carinaten-Quader
mit Peden asper Lam , darauf folgt, wie Beck in Erfahrung gebracht
hat, durch eine Thonschicht getrentit der Carinaten-Pläner, darüber,
wiederum unter Zwischenschaltung einer Mergelschicht, der Labiatus-Pläner.
An den Hängen des Plauenschen Grundes liegt der Carinaten-Pläner
dem Syenit direct auf. Er darf al)cr trotzdem nicht als ältestes Glied
der Kreide aufgefasst werden, denn der Syenit bildet hier, wie später
ausführlicher gezeigt werden wird, eine dem Kahlebusch und dem Gamig-
hübel entsprechende, die untersten Schichten der Kreide durchragende
Klippe. Der Carinaten-Quader umlagert den Syenit mantelförmig, ja
selbst vom Carinaten-Pläner greifen nur die hängendsten Schichten über
den Syenit hinweg, während ihn die älteren ebenfalls in mantelförmiger
•) Erläuterungen Sect. Pirna, S. 50.
**i Erläutenineen Sect. Berggies.sliiibcl, .S. titj und Fig. 3.
•**) Ell.tlmlgcbirge II, S. VII.
f) Erläuterungen Sect. Wilsdruff, S. 51.
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Umlaserung umgeben, wie aus dem steilen Einfallen des Syenits unter
den IMilner an verschiedenen Stellen hervorgeht. Itei Coschütz und ebenso
bei Döltzschen liegt, wie Profil 2 darstellt, der Carinaten- Pläner über
dem Carinaten -Quader und wird von ihm durch mächtige Conglomerate
getrennt. Der Quader, der den S)'enit überlagert und sich nach W an
dessen Böschung auskeilt, wird durch ganz schwache Conglomeratschicliten
in drei Bänke gesondert, deren oberste eine rasch wechselnde Mächtigkeit
besitzt. Dieselbe zeigt zugleich stellenweise discordante Parallelstructur
Fig. 2.
</c ßiC
Profil durch das dem Syenit aufgelagerte Cenoman von Coschütz
am Plauenscheu Gründe hei Dresden.
S — Syenit, qc = (’arinaten-Quadcr, bei y einen Descensionsgang, den sogenannten
Muschelfels von Coschütz bildend, k c = Conglomerat, p c = Carinaten - Pläner.
und führt häufig Petrefacten, von denen Kudisten am interessantesten
und gar nicht selten sind. Von solchen fanden sich KadioUtes Saxoniae
Rüm. und liadioUtes Oermari üein., ausserdem Patella, radioUtarum Gein.
und Aledrijonia carinata Lam. Exemplare von Inoceramus striatus Mant.
kommen in grosser Menge nesterweise vor. Das über dem Quader
liegende grobe Conglomerat nimmt nach oben hin kalkiges Bindemittel
auf, worin sich Ostrea hippopodium Nilss. fand. Noch höher geht es in
eine kalkige, überaus harte Muschel breccie über, was sich auch am
gegenüberliegenden Thalrande, an der Str.asse nach Döltzschen, beobachten
lässt. Die Schalen der Muscheln sind vollständig zertrümmert, nur hie
und da kann man zwischen den unbestimmbaren Fragmenten den Quer-
bruch eines CVdam- Stachels vesindosu), zuweilen auch einen Pecten
cf. doni/ahts entdecken. Der nun folgende Pläner ist in dicke B.änke
geschichtet, die theils sandig, theils so k.alkreich sind, dass sie früher
behufs Kalkgewinnung gebrochen und gebrannt wurden. Er ist arm an
organischen Resten und lieferte nur Aleefnjonia carinata Lam., Vola
notabilis Münst. mit ausgezeichnet erhaltener OberHächenskulptur und
unbestimmbare Inoceramus- und Spondi/lus-lle&ta. Das K. Mineralogisch-
geologische Museum zu Dresden bewahrt aus dem „unteren Pläner von
Coschütz“ einen Inoceramus stnatus Mant. und einen Pecten memhranacens
Nilss., die dem Gesteinshabitus nach zu schliessen aus den kalkreichen
Bänken dieses Pläners stammen. Verniuthlich und nach Analogie mit
benachbarten Vorkommnissen grilT dieser Carinaten -Pläner früher von
hier ans über die jetzt zu Tage ansstreichenden Conglomerate und Sand-
steine weg und lagerte dann direct auf dem Syenit der westlich an-
stossenden Kuppe auf. Die uni-egelmässige Lagerung, insbesondere auch
das abnorme nach OSO gerichtete Einfallen der Schichten erklärt sich
durch mantelförniige Auflagerung auf den Syenit, der dort, wie mati
wiederholt beobachten kann, eine verschiedentlich auf- und absteigende
^ioogle
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Oberfläche besitzt, auf deren- tiefer liegenden Stellen der Quader zur
Ablagerung gelangte, während auf den Einporragungen nur der Pläner
liegt. Nuturgcmäss wurden locale Klüfte und kesselartige Vertiefungen
des Syenituiitcrgiundes ini Pereiche des Quaders von letzterem ausgefüllt,
so dass gangartige Descensionen entstanden, wie der Coschützer Muschel-
fels vielleicht eine solche vorstellt.
Nur in der Nähe von Coschütz und Döltzschen wird der Carinaten-
Pläner von Syenitconglonieraten unterlagert, weiter nach Westen treten
Mergel an ihre Stelle. Auf den Carinaten- Pläner folgt bei Döltzschen
und Plauen, und zwar durch eine zweite Mergelschicht getrennt, der
Labiatus- Pläner.
In übersichtlicher Zusammenstellung ergiebt sich hieraus für die
Oegend südlich und westlich von Dresden folgendes, demjenigen von Dohna
ganz analoge Profil:
4. Dabiatus-Pläner,
Zwischenniittel: Mergel.
3. Carinaten- Pläner,
Zwischenniittel: Conglomerat und Muschelbreccie, sonst
Thon.
2. Carinaten-Quader, local auf dem Syenitrücken fehlend.
1. Crednerien-Stufe, local fehlend.
Das Voretehende lehrt, dass in der ganzen bisher betrachteten
(legend, in der das Cenoman am vollständigsten entwickelt ist, zwei ver-
schiedene thonige Zwischenmittel auftreten, das eine liegt im Cenoman
und trennt den Carinaten-Quader vom Carinatcn-Pläner, das zweite bildet
die (irenze zwischen Cenoman und Turon, gehört aber bereits dem Turon
an. Dei Vergleichung von an verschiedenen Orten diesen beiden thonig-
inergeligen Schichten entnonnnenen Proben, wobei besonders deren Oehalt
an Sand, Kalk, Glimmer und Glaukonit berücksichtigt wurde, konnten
keine durchgreifenden Unterschiede zwischen beiden Schichten gefunden
werden. Jedenfalls aber ergiebt sich, dass man aus der Trennung des
Carinaten- Quaders und Plänersandsteins auf der Goldenen Höhe durch
eine Thonschicht allein noch nicht schlicssen darf, dass letzterer zuin
Turon gehört.
Ferner wurde gezeigt, dass nirgends in der besjirochenen Gegend das
Turon, sei es als (juader oder als Pläner entwickelt, direct auf dem
Carinaten-Quader liegt. Vielmehr besteht die Heihenfolge der Schichten
im Plänerareal (Dohna, Plauen, Leutewitz):
Labiatus- Pläner,
Carinaten - Pläner,
Carinaten - Quader ;
im Plänersandsteinareal (Zwirtschkau, Langenhennersdorf,
Eiland):
Labiatus - Quader,
Carinaten - Plänersandstein,
Carinaten - Quader.
Da nun auf der Goldenen Höhe der Plänersandstein direct über
Carinaten-Quader liegt, so ergiebt sich mit zwingender N'othwendigkeit,
d.ass auch dieser I’länersandstein 1. dem Cenoman angehört.
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2. eine Faciesbildung des Carinaten-Pläners ist. Sein Gesteins-
habitus und seine Fossilien stehen damit völlig im Einklang.
Der Plänersandstein, der auf der Prinzenhöhe und Goldenen Höhe,
ferner von hier bis nach Sobrigau und Lockwitz den Carinaten- Quader
überlagert, ist in dicke Bänke geschichtet. Auf der Prinzenhöhe zählt
man deren vier von je ca. 1,5 m Mächtigkeit, bei Cunnersdorf sechs von
geringerer Stärke. Der Sandstein ist sehr feinkörnig, reich an thonigem
Bindemittel, mürbe, porös und daher auffallend leicht. Er ist entweder
schwach bräunlich gefärbt oder weiss, und dann gewöhnlich von vielen
kurzen Streifen oder kleinen Flecken von brauner Farbe durchsetzt; ausser-
dem führt er zahlreiche weisse Glimnierscliüppchen. Auf der Goldenen
Höhe und auf der Prinzenhöhe bemerkt man in seinem unteren Niveau
reihenweise angeordnete, von lockerem Sande erfüllte Höhlungen, die be-
kannten Serpelhöhlen. Kalk ist kaum noch nachweisbar. Dieser Umstand,
sowie die Porosität des Gesteins und das Vorhandensein der Höhlungen,
deutet darauf hin, dass der Kalkstein durch Auslaugung seines kalkigen
Bindemittels verlustig gegangen ist. Die kohlensäurehaltigen Wässer, die
auf (len Kalk lösend wirkten, griffen auch den Quarzsand au, doch schied
sich die Kieselsäure wenigstens zum Theil bald wieder aus, indem sie die
berpeln verkieselte, sich zuweilen an die Stelle der eingeschlossenen Kalk-
schalen der Brachiopoden und Zweischaler setzte oder in kleinen Krystall-
aggregaten auskrystallisirte. Denn die wasserhellen, scharfkantig aus-
geliildeten Quarzkryställchen, die man nicht selten im Serpelsande findet,
können nichts anderes als derartige Neubildungen sein. Der Gesteins-
habitus entspricht also durchaus demjenigen des S. 39 beschriebenen
Plänereandsteins von Zuschendorf und Liuclenthal südöstlich von Dohna,
welcher letztere auch von Beck als sandige Facies des Carinaten-Pläners
betr.aehtet wird. Zwar sind den Serpelhöhlen ähnliche Gebilde dort noch
nicht beobachtet worden, aber auch im Gebiet südlich von Dresden sind
sie nicht überall vorhanden und fehlen z. B. im Steinbruch bei Cunners-
dorf völlig. Da der Carinaten -Pläner nicht selten ein rein klastisches,
fast kalkfreies Gestein ist, sind ihm die Plänersandsteine von der Goldenen
Höhe auch habituell etwas ähnlich.
Die Zahl der früher aus diesem Plänersandstein bekannten Fossilien
ist sehr gering. Beck*) führt nur Serpula gordiaU$ Schloth. an und
nennt den Samlstein sonst fast versteinerungsleer. Er erwähnt jedoch, dass
Günil)el hier Protocardiim hiUanum Sow. und eine .-IrfcMte cf. anomala
fiow. gesammelt habe. Nachdem es uns vor einigen .Tahren gelungen war,
im Steinljruch auf der Prinzenhöhe einige Fossilien in dieser Schicht auf-
zufinden, l)esuchten wir seit Sommer 1897 die Steinbrüche dieser Gegend
behufs Aufsammlung organischer Reste regelmässig, von denen uns bis
jetzt folgende bekannt geworden sind:
Micrabacia coronulu Goldf sp. 2 Exemplare. Steinbruch bei Cunnersdorf.
ücrpitla yordialis Schloth. lih. Kommt nicht nur, ebenso wie die folgende
Art, in den Serpelliöhlen, sondern auch einzeln im Sandstein zerstreut
vor. Cunnersdorf, Prinzenhölie, llorkenberg, Welschhufe, Boderitz.
— S(pknisuk(tta Reich, hb. Aus denselben Orten.
rioconcgphia pertusa Gein. s. ln den Serpelliöhlen der Prinzenhöhe.
*) Erläiiteningen Sect. Kreisclia. .S. 7i>.
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Cihrospongia heteromorpha Gein. ss. Ebendaher.
Holdster mborhimlaris Defr. s. Nesterweise zusammengeschaart, von der
Prinzenhöhe.
Terebratula jihaseolina Lani. hh. Cunnersdorf und Prinzenliöhe.
Rhynchonella compressa Lam. ss. Prinzenhöhe.
Exogtjra columba Lam. s. Horkenberg.
— haliotoidea Sow. h. Cunnersdorf und Prinzenhöhe.
— lateralis Nilss. ss. Prinzenhöhe.
Pecten membranaceus Nilss. hh. Cunnersdorf und Prinzenhöhe.
Vola notabilis Münst. h. Cunnersdorf und Prinzenhölie.
Lima pseudocardium Kss. s. Prinzenhöhe, Cunnersdorf.
Lima cenomanense d’Orb. h. Cunnersdorf, Boderitz, Prinzenhöhe, Ilorken-
berg.
Unna cretacea Schloth. ss. Prinzenhöhe.
— decussata Goldf. s. Cunnersdorf, Prinzenhölie.
Avicula anomala Sow. Cunnersdorf.
Inoceramus striatus Mant. hh. Bei Cunnersdorf, auf der Prinzenhölie und
am Ilorkenberge fanden sich eine grössere Zahl von Exemplaren, die
sicher zu dieser Species gehören. Nessig*) will im Plänersandstein
von Cunnersdorf ein Exemplar von Inoceramus labiatus Schloth. ge-
funden haben. Wir hingegen sind geneigt, dasselbe zu I. striatus
zu stellen, üeberhaupt gelang es uns nicht, 1. labiatus in diesem
Plänersandstein nachzuweisen; allerdings besitzen wir ein Exemplar,
das wir seiner Unvollständigkeit halber nicht zu bestimmen wagen,
das aber allenfalls I. labiatus sein könnte.
Area glabra Park. s. Prinzenhöhe.
Eriphgla lenticularis Sow. ss. Cunnersdorf.
Hierzu käme nach Gümbel**) noch Protocardium hillanum Sow. sp.
Die Fauna besitzt einen ausgesprochenen cenomanen Charakter, wenn
auch einzelne Arten derselben in höhere Stufen hinaufsteigen. Das einzige
Fossil, das auf Turon hindeutet, ist Pintia cretacea Schloth., doch ist
diese bereits anderwärts***) im Cenoman gefunden worden, und auch bei
Hetzdorf in Sachsen ist ihr Vorkommen im Carinaten-Quader wahrscheinlich.
Sollte es noch gelingen, Inoceramus labiatus Schloth. in diesem Pläner-
sandstein nachzuweisen, so würde auch dieser Fund nicht im Stande sein,
die Bestimmung dieses Horizontes als Cenoman zu ändern, denn Söhlef)
hat auch diese Art bereits im Cenoman beobachtet.
Zum Vergleiche und zur Erhärtung des cenomanen Alters des Pläner-
sandsteins der Prinzenhöhe mag die Fauna eines Aufschlusses heran-
gezogen werden, dessen cenomanes Alter auf Grund seiner Verbands-
verhältnisse und Verstoinerungsführung nicht zu bezweifeln ist. In der
nordöstlich von Alt-Coschütz gelegenen Seitenschlucht des l’lauenschen
Grundes war eine Zeit lang ein sehr mürber, feinkörniger und glauko-
nitischer Sandstein entblöst, der voraussichtlich dem Carinaten- Pläner
•) Geologische Excursionen in der Umgehnng von Dresden. Dresden 1898, S. 151.
••) 1. c. S. 53.
•*•) Sohle; Geognostische Anfnainne des Laberirebirgcs. Geognostiwhe .lahresbefie
Bd. IX, S. 37. — Nötling: Fauna der balli.seben (Vnoiuaiigesehiebe. Damesn. Kavser.
Pal. Abh. II, 1885, S. 205.
t) I. c. S. 38, Taf 4. Kiu; 4.
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eingeschaltet ist. Er führt eine der oben aufgezählten Fauna des Pläner-
sandsteins von der Goldenen Höhe etc. in hohem Grade gleichende Thier-
welt, nämlich :
Vhcnendcpora undniatii Mich. ss.
Micrahacia coronula Goldf. s.
Pijgaster truncatus Ag. ss.
Ciilaris vi i<iciiIosa Goldf. ss.
Serpula gordialis Schloth. hh.
— septem.iuhata Ueicli. hh.
lihynchonella compressa Lani. s.
Exoggra haliotoidca Sow. h.
— sigmoidea Kss. h.
— culumba Lam. s.
J\‘cten mevtbranacens Nilss. h.
— clongatus Lam. s.
— airvatiis Gein. s.
Vola notahilis Münst. h.
Lima Ix’cichenhachi Gein. ss.
— pseudocardium Kss. h.
— cmomatmuis d’Ürb. h.
Inoceramm striatiis Mant. h.
Pinna decnssata Goldf. ss.
Avictda anomala Sow. h.
— Eoxellana d’Ürb. ss.
Modiola Vottae Köm. ss.
Ammoniten ManteUi Sow. ss.
und Zapfen von Sequoia Eekhenhuchi Gein. ss.
Die grosse Aehnliehkeit dieser Fauna, die sich auch in der relativen
Häufigkeit einzelner Arten zeigt, mit derjenigen des Plänersandsteins von
der Goldenen Höhe, Prinzeidiöhe und Cunnersdorf, beweist die Zugehörig-
keit des letzteren zum Cenoman.
Ist aber das cenomane Alter des Plänersandsteins auf der Goldenen
Höhe, Prinzenhöhe und Cunnersdorf erwiesen, so kann auch kein Zweifel
darüber bestehen, dass er ebenso wie der Pliinersandstein von Zuschendorf
ein Aeipiivident des Carinaten- Pläners ist, wenn auch Alcctrgonia carinata
laiiii. bis jetzt noch nicht in demselben nachgewiesen worden ist. Der
Plänersandstein allein ist es, der nach Norden zu allmählich
in Pläner übergeht, er allein hat zwei verschiedene Facies,
der Quader dagegen erstreckt sich als solcher unter ihm
weiter, ohne diesem Facieswechsel unterworfen zu sein. Der
allniäldiche IJebergang des Plänersandsteins in Pläner lässt sich auch
tbatsäehlich verfolgen, insbesondere wenn man im Auge behält, dass der
eigentliche Plänerkalk immer nur in Form einzelner Bänke oder Knollen
zwischen mehr sandige Schichten eingelagert vorkommt, welche letztere
man gewöhnlich ebenfalls Pläner nennt, wenn es auch richtiger wäre, sie
als Plänersandsteiu zu bezeichnen, da weder chemisch noch mikroskopisch
t'alcit in ihnen nachweisbar ist.
Allerdings beobachtet man von der Prinzenhöhe über Cunnersdorf in
der Kichtung auf Coschütz wandernd, dass sieh auch der Carinaten-
Qu.ader in seinem Habitus dem Pläner nähert, indem er immer feinkörniger
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wird. Er geht bei Cunnersdorf in ein Gestein über, das zwar dem
Plänersandstein sehr nahe steht, dem aber die für diesen charakteristische
dünnbanki»e Schichtung und das Vorkommen von Kalkknollen fehlt.
In diesem Uehergang mag mit ein Grund zu der Annahme Beck’s gelegen
haben, dass der Carinaten -Quader dem Facieswechsel unterworfen sei.
An der Ileidenschanze bei Coschütz und im Untergründe Dresdens hin-
gegen ist der Carinaten -Quader wieder grobkörnig. Es beweist dies, dass
bei Cunnersdorf nur eine locale Modification, wie sie gerade der Carinaten-
Quader öfters zeigt, vorliegt. Man vergleiche, um sich von der Häufig-
keit dieser Abänderungen des Carinaten-Quaders zu überzeugen, nur die
in ihrem Habitus grundverschiedenen Gesteine von Malter, Mobschatz,
Oberau, Reinhardtsgrimma, Tyssa und anderen Orten. Da von Reck
keine Fossilien aus der dem Plänersandstein ähnlichen Modification des
Carinaten-Quaders angeführt werden und auch Nessig*) daraus nur
Hemiaater mhlucunosm Gein. citirt, mögen unsere Funde kurz erwähnt
werden. Rudolfs Stoinbruch bei Cunnersdorf lieferte: Sequoia Iteichen-
bachi Gein. sp., Crihrospongia heteromorpha Reuss, Ithj/ncliotieUa com-
jyressa Lam., Aledrtjonia larinuta Lam., Mytilus Nepiuni Goldf. und
Ammonites Mantelli Sow. Aus Mauls Steinbruch bei Cunnersdorf besitzen
wir Inoceramus sp., Mytilus Neptuni Goldf. und ebenfalls Hemiaster
suhlacunostts Gein., von Boderitz endlich Pinna dcciissata Goldf.
Für die Lagerungsverhältnisse der Kreideforniation südlich von Dresden
ergeben die bisherigen Untersuchungen folgendes schematische Profil 3.
Fig. 3.
S = Syenitrikken des PlanensobPii Grundes, r = Kofhliefrendes, qc = Carinaten-
Quader, nic= Mergel, local Conglomerat, pc = Carinaten-l’läner nach SlUl übergehend
in Plänersandstein pjc, ml = tnroner Mergel, pl = Labiatus- Pläner.
Der Carinaten -Quader, der nördlich und südlich vom Syenitrücken dem
Rothliegenden auflagert, umgiebt den Syenit. Durch ein thoniges in der
Nähe des Syenits als Conglomerat entwickeltes Z\vischenmittel (nie) ge-
trennt, folgt auf dem Quader das jüngere Glied des Cenoraans, der
Carinaten- Pläner, der nach S in Plänersandstein übergeht. Dem Gipfel
des Syenitrückens liegt der Carinaten- Pläner allein auf. Ueber letz-
terem breitet sich, durch eine mergelige Schicht getrennt, der Labiatus-
Pläner aus.
*) L c. S. 15z.
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46
2. Die Gliedemng des Cenomans.
Aus dem Vorstehenden ergiebt sich für die Gegend von Dresden eine
Gliederung des über der nur local entwickelten Crednerien -Stufe folgenden
Cenoinans in zwei Zonen, eine ältere, den Carinaten-Quader, und
eine jüngere, den Cariuaten-l’läner und Plänersandstein, eine
Theilung, die von Geinitz schon längst im Princip erkannt war und die
auch auf der geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen insofern
zum Ausdruck gebracht ist, als beide Schichten mit verschiedener Farbe
eingetragen sind. Es fragt sich nun weiter, ob und wie weit diese Zwei-
theilung auch in den übrigen Cenomanarealen Sachsens durchführbar ist.
Da im Gebiete des Tliaraudter Waldes im Cenoman bereits zwei
Schichtengruppen unterschieden werden, indem vom Carinaten-Qu.ader
ein jüngerer aus glaukonitischem Plänersandstein bestehender Complex
abgeschieden wurde, ist zunächst zu erörtern, in welchem Verhältniss
dieser letztere zum Carinaten- Pläner und Plänersandstein der näheren
Umgebung Dresdens steht. Der Umstand, dass dieser glaukonitische
Plänersandstein dem Carinaten-Quader aufgelagert ist und von ihm durch
lockeren Sand oder Sandstein, hie und da auch durch grobkörnige,
conglomoratartige oder endlich durch thonige Zwischenmittel getrennt ist*),
macht es wahrscheinlich, dass hier ebenfalls die sandige Facies des
Carinaten- Pläners vorliegt. An Fossilien hat dieser Plänersandstein bis-
her nur Cühiris Sorigneti Des. und Exoggra cohimha Lam. geliefert**),
denen wir noch Exoggra lateralis Nilss. und Vribrofqiongia isoplcura Reuss,
beide aus dem Steinbruch südlich von Gross-Opitz, und Chenendopora
undulata Mich, von Grülleuburg hinzufügen können. Die Serpelhöhleri
liegen hier unter dem glaukonitischen Plänersandstein und nicht in dem-
selben wie auf der Goldenen Höhe. Den wichtigsten Aufschluss hierüber
bot Knöbers, leider jetzt ganz verschütteter und ausgeglichener Steinbrucli
in Iletzdorf, der von Sauer***) sorgfältig auch in Bezug auf seine
Fossilien untersucht worden ist. Nach der Häufigkeit einzelner, auch in
dem Plänersandstein der Goldenen Höhe etc. sehr gewöhnlicher Fossilien
(Serpeln und Terehratula phasrolina Lam.), sowie nach dem Vorkommen
von Micrabacia coronula Goldf. zu schliessen, hat man wohl in Sauer's
Profil dieses Steiubruches die lockeren Sand- und Sandsteinschichten bis
zu den Serpelhohlen hinab zur oberen, also Plänersandstein-Stufe des
Cenonians zu ziehen.
Die glaukonitischen Plänersandsteine, die im Tharandter Walde weite
Verbreitung gewinnen, erstrecken sich bis in die Nähe des Zschoner Grundes,
wo sie bei l’ennrich aufgeschlossen sind. Ueber dem lehmigen Sande der
von Beckf) erwähnten Ziegelei liegt eine Sandsteinbank, die ihrem
Habitus nach völlig mit dem Grünsandstein des Tharandter Waldes
ül)ereinstimmt. Der Sandstein ist wie dort stark thonig, daher sehr zähe,
feinkörnig und von gelblich-grauer Farbe, enthält in grosser Zahl
Glaukonitkörner eingesprengt und bricht in dicken, unebenen Platten.
Da er reich an organischen Resten ist, Hessen sich bei wiederholtem
Besuch folgende Fossilien aufsammeln;
*1 ErläiUernngen ,Scct. Freibi'rg, S. 48, 49.
**) Erläiitenuigiai Sret. Frtähorg, S -17. umi KrlSiatcruagcn .Hect. Tliarantlt. .S. 7.5.
•*•) ErlSufcrmigc'ii Sect Kreilwig. ,S. 44.
t) Erlüiiteriiiigen Si'c.t. WilsilrulV, .S. iVl.
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47
Serpula gordialis Schloth. h.
— septemsulcata Reicli. h.
Osirea hippopodium Sow. ss.
Kxogyra haliotoidea Sow. s.
— lateralis Nilss. hh.
Vola notabilis Müust. h.
Fecten memhranaceus Nilss. hh.
— nov. spec. s.
Lima psettdocardiitm Reuss. s.
— cefwmanensis d'Orh. h.
Avicula RoxeUuna d’Orh. s.
— anomala Sow. s.
Pinna decussata Goldf. ss.
Die Fauna zeigt namentlich durch das Vorkommen vieler Serpcln,
der Vola notabilis Münst, des Pecten membranaceus Nilss. und vor Allem
der Lima cenomanensis d’Orb. grosse Üehereinstimmung mit der, die oben
aus dem Plänersandstein der Goldenen Höhe etc. raitgetheilt wurde,
weshalb die Zugehörigkeit des glaukonitischen Plänersandsteins zu der
durch den Plänersandstein der Goldenen Höhe und den Carinaten- Pläner
gebildeten jüngeren Zone des Cenomans nicht zu bezweifeln ist.
Sauer*) hält den Plänersandstein des Tharandter Waldes für eine
Faciesbildung des Carinaten-Quaders, da der erstere am Landberge bei
Tharandt in grosser Mächtigkeit auftritt, während der letztere, also der
Carinaten-Quader, stark reducirt erscheint. Es lässt sich dies aber auch
dadurch erklären, dass sich der Plänorsaudstein unter dem Schutze der
darüber liegenden Rasaltdecke des Landberges in grösserer Mächtigkeit
erhalten konnte, als in der Umgebung, wo er dieses Schutzes entbehrte.
Berücksichtigt man, dass der C'arinaten-Pläner bei Uöltzschen einen fast
25 m mächtigen Schichtencomplex bildet, so wird man die Mächtigkeit
von 30 m für den Plänersandstein als nicht zu gross finden, um so
weniger, als es begreiflich ist, dass sandige Aequivalente kalkiger oder
thoniger Ablagerungen mächtiger als diese letzteren sein können, was
auch in anderen Gegenden beobachtet wurde**). Dass aber die Mächtig-
keit des Carinaten-Quaders gleichzeitig sehr reducirt erscheint, was, wie
oben erwähnt, z. B. auch im Untergründe Dresdens der Fall ist, kann
nicht auffallen, fehlt er doch hei dem nahen Gross-Opitz gänzlich. Es ist
dies lediglich durch die Contiguration des Bodens zu erklären, auf den
sich das älteste Glied der Kreide, der Carinaten-Quader auflagerte,
wodurch die Unebenheiten des Untergrundes planirt und ausgeglichen
werden.
Auf die Verbandsverhältnisse, nämlich Unterlagerung durch
den Carinaten-Quader und Trennung von ihm durch ein thonig-
sandiges oder conglomeratartiges Zwischenmittel, sowie auf
die Fossilien gestützt, halten wir den glaukonitischen IMäner-
sandstein des Tharandter Waldes ebenso wie den Plänersand-
stein der Goldenen Höhe etc. für eine sandige Facies des
Carinaten -Pläners.
*) Krlänternnpfn Sect. Tliaranüt, S. 76, nmi ErUinterntnrPn Sect. Freibortr, S. 47.
*•) Vergl. Zahalka; lieber die stratiirraplii.icbe Hedeutimgderliisi lüUerllebergangs-
»chii bteii. Jalirb. d. K. K. tieol. Iteicbsaiist. IH'.to, S, !K).
««
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48
In den übrigen Verbreitungsgebieten der sächsischen Kreide ist das
Cenoman niclit in der Vollständigkeit aufgeschlossen, wie in dem bisher
behandelten Gelände. Immerhin sind aber genügend Anzeichen dafür
vorhanden, dass die Zweitheilung durchführbar ist. Im Tunnel von
Oberau füllt ein der Carinaten- Stufe angehöriger Grünsandstein die
Klüfte und Aussackungen des Gneisses aus. Er wird von Pläner über-
lagert, in dem Geinitz unter anderem Inoceramus striatus Mant. und
Äctinocamax pleniis lilainv. fand, welche beide im K. Mineralogisch -
geologischen Museum zu Dresden aufbewahrt werden. Diese Funde be-
weisen, dass die untersten Plänerschichten des Tunnels noch zur Carinaten-
Stufe gehören und nur die oberen Complexe, in denen Sicgert*)
JwocerawiMS laifnfMS Schloth. nachwies, zur Labiatus- Stufe zu stellen sind.
Es ist somit auch hier das Cenoman in zwei Horizonten entwickelt, einem
unteren, der aus dem Grünsandstein gebildet wird, und einem oberen,
der aus dem Carinaten -Pläner besteht.
Im Gebiete der Sächsischen Schweiz ist die Zweitheilung des Cenomans
bei Eiland und Tyssa nachweisbar. Das Profil 1 S. 33 zeigt, dass
zwischen dem Carinaten -Quader und dem Labiatus -Quader bei Eiland
ein Plänersandstein vorhanden ist. Auch bei lieitza und Tyssa wies
Schalch**) an mehreren Stellen im Hangenden des Carinaten -Quaders
und im Liegenden des Labiatus -Quaders diesen feinkörnigen, mürben,
stellenweise glaukonitischen, stellenweise porösen und glaukonitfreien
Sandstein nach und fand in ihm Micrahaciu coronida Goldf. und
Tercbratula phaseolina Lam. Aber auch die für diesen Horizont höchst
charakteristische Z/fma cenomanensis d’Orb. ist, wie an einem von Schal ch
geschlagenen und in Leipzig aufbewahrten Handstück dieses Plänersand-
steins zu erkennen ist, vorhanden.
Ist somit die weite und allgemeine Verbreitung der beiden Abtheilungen
der Carinaten-Stufe, als der unteren des Carinaten-Quaders und der oberen
des Carinaten-Pläners beziehentlich seines aequivalenten Faciesgebildes,
des Pläuersandsteins, nachgewiesen, so erübrigt es noch hervorzuheben,
auf welche Weise sich beide Horizonte faunistisch unterscheiden. Zwischen
der Fauna des Quaders und der des Pläners besteht allerdings eine be-
deutende Verschiedenheit, doch ist einleuchtend, dass diese zum gi'ossen
Theil auf der veränderten petrographischen Facies des letzteren beruht.
Zwischen dem Quader und dem Plänersandstciu ist dieser Unterschied
naturgemäss weit geringer. Immerhin sind beide Schichten durch etliche
Fossilien gekennzeichnet, von denen einige sicherlich keine Beziehung zur
Facies haben und darum als Unterscheiduugsmittel werthvoll sind. Zu
diesen letzteren gehört vor Allem AcHnocamax plenus Blainv., der als dem
Nekton angchörig, auch in einer Quaderfacies Vorkommen könnte und,
wie Funde von Belemniten in anderen Gegenden und anderen Formationen
beweisen, auch vorkommt. Trotzdem fehlt er im Carinaten-Quader, also
in der älteren Abtheiliing der Carinaten-Stufe durchaus, während er in der
jüngeren Abtheilung derselben wiederholt, und zwar nicht nur im Pläner
von Plauen, Ocknrwitz **♦), Oberau und Dohna, sondern auch im Pläner-
*) Erläntomngen Sect. Eütz.’rfinntirnda, .“J. 37.
**) Krläiileriingi-n .Sect. Koseiitlml, S. 13 iiml 1.').
***) Nc.<isig, 1. c. ,S. 159.
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49
Sandstein von Goppeln*) gefunden wurde. Ebenso ist Cidaris Sorigneti
nur aus der oberen Däner- und Plänersandstein -Zone des Cenomans be-
kannt und hierin weit verbreitet. Dasselbe gilt für Lhna cenomanmsis
d’Orb. und Micrabacia coronula Goldf., die beide noch nicht mit Sicher-
heit im Carinaten-Quader nachgewiesen wurden. Ferner begegnet man
Pecten metnbranaceus Nilss. und Vola notahilis Münst. gerade in der
jüngeren Zone des Cenomans sehr häufig, im Carinaten-Quader da-
gegen recht selten. Dieser letztere führt jedoch im Gegensatz zur
Stufe des Carinaten- Pläners und Plänersandsteins Ptcrocera incerta
d’Orb., Vola aequkostata Sow., Pecten asper Lam. und Pyyurus Lampas
de la Beche.
Wir bezeichnen demnach den älteren Coinplex der Carinaten-Stufo,
also den Carinaten-Quader, als Zone mit Pecten asper und Vola
aequicostata, den jüngeren dagegen, also den Carinaten- Pläner und
Plänersandstein, als Zone mit Actinocamax plenus und Cidaris
Soriyneti. Eine genaue Vergleichung und Parallelisirung des sächsischen
Cenomans mit den drei ceuomaneu Zonen, die Schlüter in Norddeutsch-
land unterscheidet, ist ebensowenig wie in anderen Gebieten der „her-
cynischen Kreidebucht“ (Gümbel) möglich, da die für diese drei Zonen
charakteristischen Fossilien, nämlich Ammonites lihotomagensis Brng.,
Aviada grgphaeoides Sow., Ilemiaster Griepenkerli Stromb., Holaster
mliglobosus Leske und andere der Kreide Sachsens vollständig fremd sind.
Catopggus carinatus Goldf. dagegen wurde bisher nur bei Tyssa und zwar
im Carinaten-Quader und Ammoiiites varians Sow. erst einmal bei Meissen
gefunden**), ohne dass es sicher bekannt wäre, welchem speciellen Hori-
zont des Cenomans er entstammt. Dahingegen ist das Vorkommen von
Actinocamax plenus Blainv. ausschliesslich in der jüngeren cenomanen
Zone Sachsens für die Gliederung des Cenomans von grösster Bedeutung,
denn dieses Leitfossil wurde noch nirgends tiefer als in den jüngsten
cenomanen Complexen gefunden. Wird doch die nach ihm benannte
Zone von manchen Geologen (Hebert***) und Schlüterf) bereits als
unterstes Turon aufgefasst. In der That beobachtet man in dieser Zone
überall, wo sie abtrennbar ist, eine eigenthümliche .Mischung cenomaner
und turoner Arten. So enthält sie in Frankreich Inoceramus labiatus
Schloth. und Terebratula semiglobosa Sow., in Nieder -Schlesien ff)
RhgnchoneUa Mantelliana Sow. und plicatilis Sow. Auch in Sachsen
zeigt der Actinocamax plenus Blainv. führende Horizont gewisse Auklänge
an das Turon, indem in ihm einige turone Arten auftreten, was nament-
lich von Pinna cretacea Schloth., Mutiella liingmertnsis Mant., Lima
cenomanensis d'Orb. und Natica Oetüii Sow. gilt. In Frankreich wurde
die Zone des Actinocamax plenus durch Hebert fff) als solche erkannt
und durch Barroisf*) in den Departements Marne, Ardennes und Aisue
nachgewiesen. Später wurde dieselbe auch in Aube, Normandie, Cham-
•) Geinitz: Charakteristik, .S. 42 und liH.
**j (ieinitz: Sitzungsberichte der Isis 1877, S. 17.
♦•*) Bull, de la Soc. Ofnlug. de France, 3. .Ser., Bd. 16, S. 485.
f ) Zeit. d. d. geolog. Oes. 1879, Bd. 28, S. 469.
ff) Williger; Uie Löwenberger Kreidemulde. Jahrb. der I’reuss. geolog. I.andes-
anstalt 1881, S. 69.
Comptes renilus hebd., 25. Juni 1866.
t*) l.a Zone ä lielemnites plenus. Ami. soc. g4id du Nord. Lille 187.5. p. 14ti
(ioogle
50
pagnc, Ilaiiiout und liouloiiais erkannt*), bis sie Coquand**) als etage
carentonien noch weiter verfolgte und ihre Aequivalente auch im Süden
Frankreichs constatirtc. Von den 64 Arten, die Barrois aus seiner
rienus-Zone namhaft macht, kommen folgende 22 auch im obersten, von
uns als Zone mit Actinocamax plenus und Cidaris Soriyncti angesprocheneii
Cenoman Sachsens vor:
Pti/chodiis mammillaris Ag.
Actinocamax plenus Blainv.
Inoceramus striatus Mant.
Vota qiiiuquecostata Sow.
Pvden curvatiis Gein.
— memhranaccus Nilss.
— laminosus Mant.
— (raüie^inei d’ürh.
— elongatus Lam.
Spondijlus stii'alus Goldf.
Exoggra haliotoidea Sow.
— sigmoidea Ueiiss.
— luteralis Nilss.
Serjiula annidata Sow.
— amphisbnena Goldf.
Mugas Oeinitzi Schliinh.
TcrehraluUna striata Schhith.
Jilignclionelta Mnnteltiami Sow.
— grasiana d'Orh.
Cidaris vesicutosa Goldf.
Epiaster distinctus Ag.
Micrahacia coronula Goldf.
Nach Barrois***) sind sechs .\rten für die Zone des Actinocamax
plenus höchst charakteristisch, von ihnen führt der entsprechende Hori-
zont t^achsens Actinocamax plenus Blainv. und Magns Oeinitzi Schlönh.,
die übrigen vier {Ostrea Xatimanni Keuss, Plicatula nodosa Duj., 71re-
bratulina rigida Sow. und Vermicularia umbonata Sow.) stellen sich, so-
weit sie in Sachsen überhaupt bekannt sind, erst in weit jüngeren Schichten
ein. Coquand f) nennt ausser den von Barrois angeführten noch
19 weitere Arten aus der Blenus-Zone; von ihnen sind im cenomaneu
l’läner und riänersandstein, also dem wabrseheiulichen Aequi valent der
genannten Zone, folgende sieben vorhanden:
Ammunites Mantelli Sow.
Cgprina quadrata d'Orb.
Exoggra columba Lam.
Alectrgonia carinata l.am.
Rbgnchonelta compressa Lam.
Cidaris Oorigneti Des.
Discoidea subuculus Lam.
*) De Lapimreiil: Traite de geologio. p 1156, 11.5H, 1162 und 116.3.
**) Evistence de l eingc carentoiiien. Uull. sec. geel. de Franee 111, 8, 187U «0,
p. 311.
**•) I. c. p. 187.
I) 1. c. p. 315.
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61
Die Uebereinstinimung beider Faunen ist demnach beträchtlich, und
es kann daher kaum zu bezweifeln sein, dass der Pläner und
Plänersandstein der Stufe der Alectrijonia carhiata in Sachsen
mit der Zone des Actinocamax plenus Frankreichs zu paral-
lelisiren und somit aus dem Gesammtcomplcxe der Carinateu-
stufe als Zone mit Actinocamax plenus und Cidaris Sorigneti
abzuscheiden ist. Dass diese letztere aber noch dem Cenoman, nicht
aber dem Turon zugehört, geht daraus hervor, dass sie die charakteristi-
schen Leitfossilien des sächsischen Cenomans, nämlich Ammonites Man-
telli Sow., Nautilus elegans Sow., Peden acumiuatus (iein., Vola phascola
Lam., Inocernmus sfrialus Mant., Alectrgonia carinata Lam. und andere
mit dem darunter lagernden Quader gemeinsam führt. Auch Barrois
und Coquand rechnen die Zone ä Belemnitcs plenus noch dem Ceno-
man zu.
Nach Obigem erhalten wir folgende
Tabellarische TJebersiebt über die Stufe der Ostroa carinata
Sachsens.
Sandsteinfacies.
Plänerfacies.
Klippenfacies.
c5
cö
00
"ut
es
Typus Sächsische
Schweiz.
Typus Dohna.
Ty]ins Kahlebuseh.
cf. S 63 u. f.
c
O
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ü
'O
Plänersanilstciii
IMilner
M erg ei, Kalke,
s
von Tvssa, Eiliiml,
von Dolma, I’lanen.
M nschelbreccicn
es
o
Zwirtsclikau, (iol-
l.eutewitz, mit Acti-
vom Kahlehnsch,
s
^ o
(lenp Hübe, Cunners-
nocartia.r plenus,
(lamighühel, Hoher
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ei tß
(iorf uud Tlmrandf,
Pecten membrana-
Stein, 1’l.anen, mit
s ‘g
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mit JcHiwcnmax
ceus, Vola notabilis.
Actinocamaj- ple-
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pienug, Linui ceno-
Ofitrea carinatn.
nus, Oaslropoden,
0)
mmiensig, Pecten
Inoceranius stria-
Pecten, Modiola,
membranaceuH^
tu8f Cidaris Sorig^
zahlrciciiCMi Ausfgrn
3
Vo/a notabilig, lno~
ncti.
und Ihacliiopoden,
a
ceramus striatus.
Cidaris ISorigneti
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0)
Ciilaris Sorigneti,
und vesiculosa.
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Micrabacin coro-
Stockkorallen und
nula.
Spongien,
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Ouadersandstein
von lianncwitz. Co-
Sandstein der
Hl
schütz, im Unlergrnndc Dresdens, Weissig,
Dohna, Malter, Tjssa, mit Alectrgonia
Klippenfacies von
larekwilz u. Oberau,
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carinata, Vota aequieostata und phascola,
mit Austern, einigen
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S fc.
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Pcctcn ngpcTf yautilus eiegans.
Gastrojyoden und
Cidaris vesiculosa.
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52
S. Vergleioh der Fauna des Carinaten -Pläners mit derjenigen des
Flänersandsteins.
Wir hatten Eingangs am Quader und Pläner der Labiatus-Stufe Be-
obachtungen darüber angestellt, ob die petrographische Facies mit gewissen
Unterschieden der von ihr beherbergten Fauna Hand in Hand gehe. Während
die Labiatus-Stufe zur Prüfung dieser Frage sehr geeignet war, weil in ihr
die beiden schroffen Gegensätze, Quadcrsaudstcin und Pläner, repräsentirt
sind, gilt dies nicht in gleichem Maasse von der Plenus-Zone. Der Carinaten-
Pläner weist zwar einen Wechsel in der Facies auf, indem er in Pläner-
sandstein übergeht, doch stehen sich beide nicht so direct gegenüber, wie
Pläner und Quader. Der Plänersandstein ist, was schon der Xaine aus-
drückt, dem Pläner viel verwandter, als der Quader dem Pläner, er stand
ihm früher noch näher, als es uns heute erscheint, denn er war kalkig
und hat seinen Kalkgehalt erst nachträglich verloren. Es ist einleuchtend,
dass in F'olge dessen kein bedeutender Unterschied in den Faunen beider
Sedimente zu erwarten ist.
Zwar kennt man aus dem Carinaten -Pläner eine beträchtliche Zahl
von Fossilien, doch wurden diese meist in einer ganz eigenthümlichen,
sofort zu behandelnden F’.acies, der Klippenfacies, gefunden, und dürfen
deshalb nicht zum Vergleiche herangezogen werden. In der eigentlichen,
in continuirlicher und schwebender Lage zur Ablagerung gelangten Pläner-
facies sind bis jetzt wenig organische Reste gefunden worden, von denen
nach Beck, Deichmüller, Geinitz und Nessig nur folgende anzu-
führen sind.
Actinocamax i>lenus Blainv. s.
Ammoniten Manteüi Sow. s.
— Xejdiini Gein. ss.
Hustellitria l^iikhisoni Mant. ss.
Tiirritella sp. ss.
Area Gulliennei d’Orb. ss.
Inoceramun striatus Mant. h.
Avicnla glahra Rss. ss.
Lima pseudocardium Rss. ss.
Vota notahilis .Münst. s.
Pecten membranaccun Xilss. s.
— curvatus Gein. ss.
— elongatus Lam. 8.
Spondghts truncatm Lam. ss.
Exoggra lateralin Xilss. s.
Alectrgonia carinata Lam. s.
Terebratula pliaseolhia Lam. h.
— capillata d’Arch. ss.
Terebrutidina striaUda Wahlbg. s.
Ehgnrhonella comprensa Lam. s.
Cidarin vesiculona Goldf. ss.
— Sorigneti Dosr. 8.
Segphia inopleara Rss. ss.
Serpida septvmsidcata Reich. s.
Vergleicht man mit dieser Fauna diejenige, die S. 42, 44 und 47 aus
dem, dem Carinaten-Pläner aequivalenten Plänersandstein angeführt wurde.
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53
so fällt wieder die vcrliältnissmässig grössere Zahl von Lamellibranchiaten
in den sandigen Schichten auf. Vor Allem ist Inoceramus striatm Mant
im Plänersandstein viel häufiger anzutreffen als ira Pläner. Auch ^vurde
Pinna wiederholt im Plänersandstein, aber noch nicht im Pläner gefunden.
Nur aus letzterem sind, wenn auch als Seltenheit, üastropoden bekannt,
Von den Terebrateln lieferte zwar der Pläner mehrere Arten , doch ist
auffälligerweise Terebrahda phaseolina Lam. im Sandstein häufiger, wo-
bei aber in Betracht zu ziehen ist, dass hier ein nachträglich entkalkter
Plänersandstein, aber kein eigenllicher Quadersandstein vorliegt.
Wir kommen demnach zu dem Resultat, dass sich zwar
zwischen dem Pläner und dem Plänersandstein der Pläner-
stufe gewisse, der verschiedenen petrographischen Facies ent-
sprechende faunistische Unterschiede geltend machen, die
denjenigen, die zwischen Lahiatus-Pläner und -tjuader be-
stehen, analog sind, dass sie aber noch unbedeutender sind,
als diejenigen zwischen diesen letzteren beiden petrographisch
viel schrofferen Gegensätzen.
III. Die Klippenfacies des Cenoniuns.
1. Wesen und Charakteristik der Klippenfacies.
Ueher die Verfolgung der Südwestküste des sich von Böhmen aus
nach N und NW erstreckenden ohercretaceischen Meeres genaue Angaben
zu machen, ist namentlich aus zwei Gründen sehr erschwert. Erstens
vollzog sich nach Ablagerung der oberen Kreide und zwar voraussichtlich
in der Mitte der Tertiärperiode die gewaltige Dislocation, aus der der
böhmische Steilabsturz des Erzgebirges hervorgegangen ist, durch welche
grossartige Verwerfung der Zusammenhang der nordböhmischen Kreide-
ablagerungen mit denjenigen der Hochfläche des heutigen F’.rzgehirges und
seines N'ordabhanges aufgehoben worden ist. Zweitens vernichteten seit
der Ablagerung und Trockenlegung der am weitesten auf das Erzgebirge
vorgeschobenen cenomanen Urednerien-Stufe und Carinaten-Quaders bis in
die Diluvialzeit hinein intensive Denudationen weite Flächen dieses Com-
ple.xes und liessen nur local minimale Lappen als Residua derselben zurück.
Ein solches Beispiel ist der auf dem Rücken des Erzgebirges gelegene
Schönwalder Spitzberg, auf dem sich unter dem Schutze einer Basaltkuppe
der Carinaten- Quader erhalten hat, und der mit einem zweiten jenseits
der Karamhöhe bei Jungferndorf gelegenen Vorkommniss desselben Quaders
die einzigen Lappen auf einer Fläche von über 100 (jkm vorstellt. Ein
anderes weit vorgeschobenes Kreiderelict sind die Kiese von Langen-
hennersdorf hei Freiherg, die 10 km von dem nächsten Kreidecomplex,
dem des Tharandter Waldes, entfernt liegen. Auch dieser letztere zeichnet
sich durch grosse Zerrissenheit aus und ist noch ziemlich isolirt, da
seine Flntfemung vom zusammenhängenden Kreidegebiet im Minimum 4 km
beträgt. Gleichfalls ganz vereinzelte Lappen von cenomanem Quader be-
finden sich mindestens 5 km von der (irenze des geschlossenen Kreide-
areals entfernt zwischen Rabenau und Reinhardtsgrimma.
Wenn auch in Folge dieser vollständigen Zerstückelung und theilweisen
Vernichtung jener Sedimente ohne weiteres keine südwestliche Uferlinie
des cenomanen Meeres zu ziehen ist, so ergieht sich doch aus den fol-
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genden Beobachtuugen , dass alle diese Ablagoningen sieb ganz in der
Nähe des Strandes vollzogen haben müssen, wonacb dieselben wenigstens
eine ungefähre Reconstruction der alten Küste gestatten.
(ierade am Südrande der heutigen Kreideresidua ist die litorale
Crednerien- Stufe nicht nur am häutigsten, sondern auch am besten ent-
wickelt, so bei Niederschöna, Grüllenburg, I’aulsdorf, im Wilischbachthal,
im Uahrethal, bei Langenhennersdorf und bei Tyssa. Innerhalb des ge-
schlossenen Kreidegebietes dagegen ist dieselbe nur bei Leuteritz und
Dohna vorhanden. Der Reichthum dieses Coinplexes an wohlerhaltenen
Resten der Blätter und Früchte von Laubhölzern weist demselben auf das
Bestimmteste die Uferzone als Ablagerungsgebiet zu. Ferner nehmen an
diesem, der voraussichtlichen Küste des cenomanen Meeres entsprechenden
Südrande der Kreiderelicte Conglomerate ausserordentlich weite Verbreitung
an, sie bilden nicht allein die Basis der cenomanen Schichten, sondern
iinden sich auch in diese eingeschaltet. Ihre (leschiebe erreichen Faust-
grösse und bestehen meist aus Quarzit, oft auch aus silurischem Kiesel-
schiefer, SchloUwitzer Amethyst, (^uarzporphyr und Gneissen, welche
sämmtlich der erzgel)irgischcn HochUiiehe entstammen und im Beginn der
Cenomanzeit von dort aus der nahen Küste zugefübrt wurden. Das häuäge
Auftreten von discordauter l’arallelstriictur in den Sandsteinen des Süd-
randes, besonders schön am (.iötzenbüsebgen*) unweit Rabenau und bei
Niederschöna**), sowie das \'orkommen von wohlerbaltenen in ilie marinen
Sandsteine der Carinaten-Stufe eingeschwemmten l’flanzenresten, z. B. bei
Malter und Welschhufe veranschaulichen ebenfalls die Nähe der Küste.
So lässt sich denn mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit annehmen,
dass die südwestliche Grenzlinie der cenomanen Ablagerungen auf der
llocliHäclie des jetzigen Erzgebirges von etwa der Nollendorfer Gegend
in nordwestlicher Richtung südlich von Dipimldiswalde vorüber, und von
hier aus in mehr westliclier Richtung auf Freiberg zu verlaufen sei. Von
dieser freilich nur ganz im Allgemeinen reconstruirbaren Küstenlinie aus
erstreckte sich das Huche cenomane Meer nach Nord und Nordost. In der
Nachbarschaft jener Küste kam zunächst, voraussichtlich als Deltabildung,
der Complex der Crednerien-Stufe zur Ablagerung, üeber diesem folgt,
wie gezeigt wurde, in weiter und allgemeiner Verbreitung der cenomane
tjuader. Durch beide Complcxe erfolgte eine Flanirung des Meeresbodens,
soweit dessen Erhebungen keine beträchtlichen Maasse erreichten. Höher
vom Boden aiifragende Rücken und Kui)pen des felsigen Meeresgrundes
blieben von diesen ältesten Cenoman -Ablagerungen unbedeckt, da auf
ihren Gipfeln die lockeren Sande meist keinen Halt fanden. In Folge dessen
durchragen erstere den altcenonianen Com]dex meist vollständig, in zwei
Fällen, bei Lockwitz und bei Oberau jedoch nur zum grössten Theil,
so dass sich dessen hängendste Schichten über diese Emporragung hinweg
erstrecken.
Anders gestalteten sich die Verhältnisse in der nun folgenden oberen
Stufe des Cenoman, nämlich im Carinaten- l’läner und l’länersandstein.
Nicht nur auf den erst kürzlich zur Ablagerung gelangten QuaderHäcben,
sondern auch auf den noch von Sedimv'nten freien Emporragungen breiteten
sieb die kalkig-tbonigen Massen des l'läners aus. In Folge -der durch
*) Beck, Krlänterungen Sect. Tharandt, S.
**J Erläuterungen Sect. Freiljtrg, S. .ä5.
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diese felsigen Pirhebungen bedingten örtlichen Verhältnisse kommt inner-
halb der jüngeren cenomanen Stufe eine Localfacies zur Ausbildung, welche
an die Gehänge und Gipfel dieser submarinen Erhebungen gebunden ist
Sie ist es, welche wir mit Beck*) als „Klippenfacies“ bezeichnen. Ihre
Eigenart giebt sich in folgenden Merkmalen kund;
1. In ihren Niveauverhältnissen, indem die hierher gehörigen
Sedimente in einem höheren Niveau zur Ablagerung gelangt sind, als die
rings um diese Klippen verbreiteten, aequivalenten jungcenomanen Schichten.
2. In der Lagerungsform und den Verbandsverhältnissen,
indem die Sedimente der Klippenfacies verschiedentlich gestaltete, zum
Theil tief eingreifende Unebenheiten der Auflagerungsfläche, als Kessel,
sack- oder spaltenartige Vertiefungen und Taschen ausfüllen. Wie charak-
teristisch gerade diese durch die Unregelmässigkeit des Untergrundes be-
dingte Lagerungsform für die Klippenfacies ist, erhellt durch die That-
sache, dass in der übrigen allgemeinen Verbreitung der cenomanen Schichten
eine höchst gleichmässige und continuirliche, durchaus schwebende Lagerung
herrscht. Eine solche ist zu beohachten z. B. an der Auflagerungsfläche
des Carinaten-tiuaders auf das Rothliegende bei Cunnersdorf unweit Üresden,
ferner an derjenigen auf Granit von z. B. Dohna, Zwirtschkau bei l’irna
und Niedergrund, endlich auf den im Contact mit Granit in Hornfelse
umgcwandelten Grauwacken bei Kauscha unweit Dresden.
3. In ihrer petrographischen Ausbildung, indem die Klippen-
sedimente kleinere oder grössere (ierölle des Untergrundes in beträcht-
licher Zahl in sich aufnehmen. Diese erreichen zuweilen einen Durch-
messer von 1 ni und stellen dann gewaltige Rollhlöcke \'or, die fast stets
wohl gerundet sind und augenscheinlich ihre Losreissung und Abrundung
dem Wogenschwall der einstigen Untiefe verdanken. Ausserdem beobachtet
man, dass der Pläner, der den Klippen auflagert, meist Glaukonit in
Gestalt grösserer Flecken und Flatschen führt und dass glaukonitische
Substanz auch einen Theil der Petrefacten, sogar gewisse Gerölle überzieht.
4. In der Fauna, indem die Ablagerungen der Klippenfacies durch
das Ueberwiegen von mit Haftapparaten ausgestatteten und dem Unter-
gründe aufwachsenden Thierfornien, insbesondere massenhaften Austern
und Spongien, sowie zahlreichen stockbildenden Korallen charakterisirt sind.
Ganz analog gestalten sich die Verhältnisse im Carinaten- Quader,
dort, wo derselbe wie an den beiden bereits genannten Stellen, nämlich
bei Lockwitz und bei Oberau, ebenfalls auf die Oberfläche der dortigen
submarinen Erhebungen übergreift.
Derartige cenomane Sedimente vom Charakter der geschilderten Klippen-
facies sind auf folgenden Emporragungen des Litorals bekannt:
auf dem Syenitrücken, welcher sich der cenomanen Küsten-
linie in nordöstlicher Richtung vorlagert und jetzt von dem tiefen
Erosionsthal der Weisseritz durclujuert wird und zwar bei Plauen,
auf den Emporragungen des sich weiter südöstlich an-
schliessenden Granitmassivs am Gamighübel, hei Kauscha und
bei Lockwitz,
auf der Porphyrkuppe des Kahlebusches bei Dohna,
auf dem Granit von Zscheila bei Meissen,
auf dem Gneiss hoi Oberau.
■) Erläuterungen Sect. Pirna, S. 55.
56
Die Verbältnisse, wie sie sich der Beobachtung auf diesen Vor-
kommnissen der Klippcnfacics bieten, sollen im Folgenden ausführlich
dargelegt werden.
2. Besohreibung der Klippen faoies.
a) Die Klippenfacies auf dem Syenitrücken bei Plauen.
Das Meissener Syenitmassiv erstreckt sich von Meissen in südöstlicher,
also Lausitzer Richtung, südwestlich von Dresden vorüber, und bildet hier
einen Rücken, der sich zwischen der Elbthalwanne und dom rothliegenden
Döhlener Becken erhebt und der von der Weisseritz in einem tiefen Thal,
dem Plauenschen (irund, durchschnitten wird. Nördlich und südlich vom
Syenit verbreiten sich, wie es das S. 46 initgetheilte schematische Profil
Fig. 3 veranschaulicht, die Schichten des Rothliegenden. Diese werden
vom Carinaten- Quader überlagert, welcher bis an den Syenit herantritl
und auch noch eine Strecke weit auf dessen Böschung übergreift, üeber
diesen Quader und die von letzterem unbedeckt gebliebene Gipfelzoiie von
Syenit lagert sich der Carinaten-Pläner, wobei er, als Klippenfacies
ausgebildet, die Unregelmässigkeiten der Syenitoberfläche ausfüllt, und
mannigfach in Taschen und Klüfte desselben eingreift, Verhältnisse, die
an den Gehängen des Weisseritzthales wiederholt aufgeschlossen und zu
beobachten sind.
Eine deutliche Vorstellung von diesen Lagerungsverhältnissen ergeben
die Aufschlüsse an der Nordostböschung des Syenitrückens. Bei Rossthal
wird der Carinaten-Pläner von einer kleinen Syenitkuppe durchragt, während
der Aufschluss bei Döltzschen in nur 600 m südöstlicher Entfernung zeigt,
dass hier der Syenit ca. 25 m tiefer liegt und zunächst vom Carinaten-
Quader, dann von Conglomerat und endlich vom Carinaten-Pläner über-
htgert wird, die sich demnach sämmtlich bis auf den letzteren in der
Richtung nach der Rossthalcr Kuppe zu an den Böschungen des Syenits
auskeilen. Die gleichen Verhältnisse wiederholen sich von Döltzschen aus
Fig. 4.
(V'iltucbeo. BegerburR. IMauenirbcr Grund.
PC
mc ~
Diirchragung der unteren cenomanen Schichten durch den Syenitrücken
des Plauenschen Grundes. Nur die hängendsten Schichten des üarinaten-
Pläners greifen als Klippenfacies entwickelt Uber den Syenit weg.
S = Syenit, (je = Carina ten- Quader, kc = Conglomerat, mc = Mergel, pc — Cari-
uatcu-Pläuer.
in nordöstlicher Richtung an den Gehängen des sich hier sanft erhebenden
Syenits des Plauenschen Grundes. Während, wie oben gezeigt, das Cenoman
bei Döltzschen noch vollständig entwickelt ist, greift nur sein oberster
Complex auf den Syenitrücken hinauf, und bedeckt ihn, als Klippenfacies
ausgebildet, contiuuirlich, sodass an den beiderseitigen Steilrändern des
Plauenschen Grundes unterhalb der Brauerei zum Felsenkeller nur die
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vcrhältnissmiissig schwache Hülle des obersten Cenoman angeschnitten
ist, die in der liegend des Hohen Steins in voller Mannigfaltigkeit ihrer
charakteristischen Merkmale an verschiedenen Tunkten aufgeschlossen ist,
LagerungsverhiUtnisse, die das Profil 4 veranschaulichen soll. Noch weiter
nach Dresden zu beginnt die Syenitoberllächc sich wieder zu senken, in
Folge dessen nimmt das oberste Cenoman, also der Carinaten - Pläner, in
gleichem Schritte fin Mächtigkeit zu, nahe an der Bienertstrasse in Plauen
wurde er, den Syenit noch direct überlagernd, erbohrt, und erst beim
Plauenschen Lagerkeller stellen sich zwischen diesem letzteren und dem
Carinaten-Pläner Vertreter des Carinaten-Quaders ein.
Aus diesem von uns hiermit verfolgten Profile leuchtet die Thatsache
klar ein, dass auf die Erhebung des sycnitischen Untergrundes nur der
oberste cenomane Complex, rings um diesen Syenitrücken aber und an
seinem Abfalle das gesammte Cenoman in seiner normalen Entwickelung
ausgebildet ist. Dass aber diese schwache Cenomanbedeckung des Syenit-
rückens den Habitus einer typischen Klippenfacies besitzt, ergiebt sich
aus den folgenden an den dortigen Aufschlüssen gemachten Beobach-
tungen.
Den schönsten Einblick in die der Klippenfacies des Syenitrückens
eigenthümlichen Gebilde bot ein Steinbruch, der am Eingang in den
Plauenschen Grund dicht hinter der Gasanstalt gelegen ist und dessen
prächtige Profile jetzt leider verschüttet werden. Die Figur 5 vcranschau-
Fig. 5.
Auflagerung des Carinaten-l’läners der Klippenfacies auf den Syenit
ini Steinbruch hinter der Plauenschen Gasanstalt
S = Syenit, p c = Carinaten-Pläner.
licht einen Theil der felsig zerrissenen und zerspaltenen Oberfläche des
Syenits. Man gewahrt in diesem verschiedene tiefe und enge Spalten,
von denen eine bei einer Breite von 10 — 16 cm nicht weniger als H m
tief in den harten, kaum zersetzten Syenitfels hineinreicht. Ausserdem
weist die Oberfläche noch etliche sackartige oder ganz unregelmässig ge-
staltete Vertiefungen auf, die mit grobem Geröll erfüllt sind. Zahlreiche
ganz feine Spältchen , die nicht immer auf der Skizze dargestellt werden
konnten, durchsetzen den Syenit am Boden dieser Ausbuchtungen. Daneben
erheben sich steilwandige, durch die Wogen abgerundete Buckel und
Kämme bis zu mehreren Metern Höhe. Alle diese Erscheinungen ver-
einigen sich zum Bilde eines rauhen uiul wilden Klippenuntergrundes
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des cenomanen Meeres. Vervollständigt wird dasselbe durch die An-
häufung zum Theil gewaltiger, dann über 1 m grosser Uollblöcke des
Syenits, welche sich namentlich in den Vertiefungen zwischen den Einzel-
klippen concentriren und jetzt ein ausserordentlich grobes, local Riesen-
Conglomerat repräsentiren. Ausser diesen Syenitgeröllen fanden sich ganz
vereinzelt kleine, ebenfalls gut gerundete Geschiebe von anderen Gesteinen,
die zum Theil einen weiteren Transport durchgemacht haben, z. B. horn-
steinartige aus dem Uothliegenden stammende Gerölle, Kieselschiefer und
glaukonitiscber Pläner von derselben Beschaffenheit;' wie er hie und da
in diesem Bruche ansteht. Alle diese letzteren waren im Gegensatz zu
den Syenitgeschieben von einer glaukonitischen Hülle umgehen. Der
diesen Klippen auflagernde Pläner weist grosse 1—2 cm messende Fiat-
scheu von Glaukonit auf und enthält ausserdem stellenweise zahlreiche
kleine Glaukonitkörner, sowie einzelne Schwefelkiespartikelchen einge-
sprengt. Unter dem Mikroskop erw'eist er sich vorwiegend aus Calcit
und Quarz, ausserdem spärlich aus Biotit, Pyrit und Glaukonit zusammen-
gesetzt, neben dem man noch einzelne Foraminiferen gewahrt.
Der Pläner ist, soweit er die Unregelmässigkeiten des Syenits erfüllt,
und soweit er als Conglomerat entwickelt ist, ungescliichtet, nach oben
zu sondert er sich in einzelne Bänke, die sich ungefähr der Configuration
des Syenitbodens anschmiegen, deren welliger Verlauf sich aber nach oben
beständig verflacht und ausgleicht.
Namentlich als Ausfüllung der Klüfte und Kessel des Syenits enthält
der Pläner viele organische Ueberreste und so hat dieser Ort eine reich-
h.altige und für die Klippenfacies höchst charakteristische Fauna geliefert,
die um so besser bekannt ist, als hier ein weit grösseres Stück des alten
Meeresbodens abgedeckt und durchforscht worden ist, als es hei allen
anderen Fundorten innerhalb der Klippenfacies der ^äll war. Unter
Benutzung der sehr umfangreichen, uns in dankenswerther Weise zur
Bestimmung überlassenen Sammlung des Herrn Ingenieur Pohle, Dresden,
können wir folgendes Verzeichniss der hier vorgekommenen Fossilien
gehen:
Dimorphastraca parallela Reuss sp. hh.
iMÜmaeamlra Fromenteh Bölsche. h.
Thamnustrava conferta M. Edw. s.
Cidaris vesiculom Goldf. ss.
lilnjyidionella compressa Lam. hh.
Tcrehmtula hiplicaia Sow. h.
— phaseoUnn Lam. h.
Odrea hippopodium Nilss. hh.
AI(‘ctri/onia carinata Lam. ss.
— diluviana L. s.
E.rogifra lateraUs Nilss. hh.
— sigmoidea Reuss. h.
— haliotoidea Sow. hh.
Spondglits striutiis Sow. sp. hh.
l'ectv.n lilwtomagensif! d'tirh. s.
— clongatm Lam. h.
— muminaius Gein. ss.
Vola dit/ilalis Röm. ss.
Modioht Cottae Röni. hh.
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Modiola cariUtoidcs Gein. s.
— arcacea Gein. s.
— irregulnris Gein. ss.
Eriphi/la striata Sow. sp. ss.
cf. Protocardium hillanum Sow. sp. ss.
Area Galliennei d’Orb. s.
— gtabra l’ark. sp. 8.
Mutivlla Ringmn-ensis Mnnt. ss.
Cgprina quadrata d Orb. ss.
— trapezoides Riim. ss.
Cardium cenomanense d’ürb. s.
— alternans Ucuss. s.
Psammolna Zitteliana Gein. h.
cf TurriMla granidata (iein. ss.
Plenrolomaria plauensis Gein. s.
— Gfinitzi d'Orb. ss.
— sp. SS.
Natiea pungens Sow. sp. ss.
Neritopsis costidata A. Köln. ss.
— nodosa (iein. ss.
Stidz7icria cepacea (iein. ss.
Trochus Bimeli d’Arch. ss.
Turbo Geslini d’Arcli. s.
Euchrgsalis Luuheana Gein. ss.
Vhemnitzia Reussiana (iein. ss.
Actinocamaa: plenus Blainv. s.
Gjgrhina angiistidem Keuss. ss.
Ausser den drei erstgenannten Stockkorallen kommt hier nach Nessig*)
noch eine weitere, nämlich PsunmtoheUa granidata Ilölsche vor.
Auf die Eigenthiimlichkeiten dieser Klippenfauna wird später ein-
gegangen werden, hier soll nur auf die Häufigkeit der Austern, Brachio-
poden und der Korallen, sowie darauf hingewiesen werden, dass fast
alle Arten mit Haftapparaten ausgestattel oder dem Untergründe auf-
gewachsen sind.
Während sich bei den meisten Petrefacten die kalkigen Bestandtheile
.aufgelöst und durch (ilaukonit ersetzt haben, ist dies nie bei den Brachio-
poden und selten bei den Austern, sowie bei manchen Per.ten- und Modiola-
Arten der Fall, w.as ganz mit analogen von Süss**) mitgetheilten Be-
obachtungen übereinstimmt.
Andere sehr schöne Aufschlüsse der Klippenfacies auf dem Syenit
des Plauenschen Grundes bietet der in der Nähe dieses Ortes gelegene
Kathssteinbruch, in dem auf einer c.a. 120 m langen Strecke die Auf-
lagerung des cenomanen Pläners auf den Syenit ersichtlich ist. Wir geben
eine Gesamratansicht derselben Eig. 6 und zwei Dctailprofilo Fig. 7 und
Fig. 8 (s. nächste Seite) wieder, die ebenfalls die auffallend unregelmässige
Gestaltung der Syenitobertläche veranschaulichen. Der sich hier nach N
senkende Syenit weist auf dieser Linie vier buckelartige Erhebungen auf,
*) 1. e. S. 122.
•*) Der Bullen der Stadt Wien. 18Ö2. 8. 112.
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Fig. 6.
Auflagernng des Carinaten-PIKners der Klippenfacies anf den Syenit
im KaMissteinbrnch bei Plauen.
Fig. 6 Gcsammtprohl der Auflagemngsfläi lip. Fig. 7 und Fig. 8 Spedali)rofile der
in Fig. (> mit * bezeicbncten .Stellen. S — .Syenit, p c = Carinaten-Pläner.
deren Oberflächen verschiedene Vertiefungen und Spalten zeigen. Zwischen
diesen Buckeln sind local üerüllansamralungen aufgeschlossen. Die Syenit-
geschiebe erreichen nicht die gewaltige Grösse wie im vorigen Steinbruche,
stellenweise sinken sie zu solcher Kleinheit und Beschaffenheit herab, dass sie
einen Syenitgrus darstellcn, der in grosser Menge von l’läner eingeschlossen
und völlig zersetzt ist. Der l’läner gleicht demjenigen, der im Steinbruch
bei der Gasanstalt ansteht, völlig. Auch er ist in Bänke gesondert, die
sich den grösseren Unebenheiten des Bodens anschmiegen und sich nach
oben ausgleichcn. Zum Sammeln von l’etrefacten sind hier die Verhält-
nisse nicht günstig, immerhin wurden doch einige Gastropoden, Beeten
und Brachiopoden gefunden.
Gegenüber vom Rathssteinbruch liegt das Forsthaus, neben dem
auch noch beute die Spaltenausfüllungen sichtbar sind, die Geinitz im
„Elbthalgebirge“ Bd. I, S. 13 abbildet und die ihm in früherer Zeit eine
Unmasse verschiedenster, vor Allem auch winzig kleiner Fossilien geliefert
haben, so dass Geinitz von einer Uiliputfauna spricht. Ein grauer oder
bräunlicher Bläncr mit Glaukonittiecken erfüllt diese Spalten. Die in
denselben und zwischen den Conglomeratcn eingescblossene Fauna war
sehr reich an Gastropoden und zwar waren sowohl grosse dickschalige.
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als auch eine Menge kleiner Formen vorhanden. Ferner fanden sich
zahlreiche Austern, Brachiopoden, Seeigel und Seesterne, Bryozoen und
einzelne Stockkorallen.
Kine ebenfalls sehr reichliche Ausbeute an Fossilien im Gebiet der
Klippcnfacies wurde früher am nahen Hohen Stein gemacht. Hier be-
findet sich auf dem Gipfel eines Syenitbuckels, auf dem der „Frohberg’s
Burg“ genannte Thurm steht, eine etwa .3 ra tiefe, grosse Einsackung,
in die ein gelblicher, sehr kalkreicher, zahllose Fossilien einschliessender
Mergel eingelagert ist. Es ist das diejenige Stelle, welche Geinitz im
Fig. 9.
„Elbthalgebirge“ Bd. I, S. 11 abbildet,
und von der wir die I’rofildarstellung
Fig. 9 geben. Vor Allem sind Austern
und zwar Exoyijra haliotoidea Sow.,
sigmoidea Ileuss, lateralis Nilss., ferner
und zwar nur an dieser Stelle in solch
grosser Zahl Alectnjonia carinata Lam.
und dütiviana L. häufig. Auch Stacheln
und Tafeln von Seeigeln und Seesternen,
Zähne von Haifischen und vei-schiedene
Gastropoden, namentlich grosse Ceri-
thien und Pleurotomarien waren hier
sehr gewöhnlich. Ungefähr 60 m süd-
lich von dieser Stelle erhebt sich jen-
seits des Teiches eine niedrige Syenit-
wand, an deren oberem Bande die Auf- l’liinefs als Ausfüllung eines tie-
lafreriint^fläclie des l^läners deutlich fen Ivessels im Syenit au ,,I*roh-
lagcrungsnacne aes i laners aeutnen jjurg« östlich vom Plauen-
autgeschlossen ist. Auch hier ist eine scheu Grunde.
ganz ähnliche Einsackung wie au „Froh- „ „ ,,
berg s Burg“ vorhanden. Das diese
erfüllende Material hat eine mehr sandige Beschaffenheit und ist stellen-
weise hornsteinartig silificirt. Petrefacten, namentlich Austern und Cidaris-
Stacbel sind auch hier in grosser Anzahl vorhanden.
Klippcnfacies des Carinaten-
Am Wege neben der Begerburg lässt sich gleichfalls das Eingreifen
des Cariuaten-Pläners in mehrere enge Spalten des Syenits wahrnehmen.
Dieselben werden theils von grauem, kalkreichem Pläner mit grossen
Glaukonitfleckcn , theils von gelblichem Hornstein erfüllt, welche beide
an organischen Besten reich sind und Cidaris vesicidosa Goldf., Ostrea
hippopodium Nilss., Exogijra haliotoidea Sow. und Pecten elongatus Ijani.
lieferten. — Noch an einigen benachbarten Stellen des Syenitrückens sind
diese der Klippenfacies eigenthümlichen Gebilde aufgeschlossen, doch meist
nicht so schön, wie an den beschriebenen Orten, oft auch, wie am oberen
Bande der tiefen Syenitbrüche, nicht zugänglich.
b) Die Klippenfacies auf dem Granitit des Gamighübels,
bei Kauscha und bei Lockwitz.
Zwischen Kauscha und Leubnitz, südöstlich von Dresden, erhebt sieb
der sich unter der Kreide ausbreitende Granitit zu einer kleinen Kuppe,
dem Gamighübel*), die zwar orographisch wenig auffiillt, die aber doch
*) ?>läuternngen Sect Di-csilen, S. 49.
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eine beträchtliche Emporragung des altcenoinanen Meeresbodens darstellt,
denn sie durchragt nicht nur den gesaramten Carinaten- Quader und
Carinaten-l’läner, sondern auch noch einen Theil des turonen Labiatus-
riäners, von welchem sie rings umgeben wird. Das l’rofil Fig. 10, das
unter Benutzung der Aufschlüsse der Nachbarschaft zusammengestellt ist,
veranschaulicht diese Lagerungsverhältnisse. Auf dem Granitit und zwar
in Vertiefungen seiner Oberfläche liegt cenomancr I’läner und ist dem-
nach hier in einem höheren Niveau zur Ablagerung gekommen, als sogar
die turone Labiatus-Stufe. ln der etwa 1200 m westlich vom Gamighübel
am Wege nach Gostritz gelegenen Grube ist die Auflageningsfläche des
Carinaten -Pläners auf dem Carinaten -Quader blossgelegt, und zwar liegt
dieselbe in einem 20 m tieferen Niveau .als diejenige der entsprechenden
.Schichten auf dem Gamighübel, ein Umstand, der letzteren als Klippe
Fig. 10.
Durchragung des gesammten Cenomans und des Labiatua-Pl&ners durch
die Granitit-Klipjie des liamigbtUiel s südöstlich von Dresden.
O = Granitit, qc = Carinaten-Quader, mc = Mergel, pc = Carinaten-Pl&ner auf
dem Gipfel der Granititkuppe in Klippenfacics entwickelt, p 1 = Dabiatus - Planer.
kennzeichnet. Der im Granitit dieser Kuppe angesetzte Steinbruch zeigt
drei unregelmässig wannenförmige Vertiefungen in der granitischen Ober-
fläche, welche durch Ablagerungen der Plänerfacies ausgefdllt sind. Zwei
dieser Kessel enthalten, in einem gelblichen Mergel eingebettet, vereinzelte
Granititgeschiebe, die theils abgerollt, theils aber noch kantig sind und
jedenfalls dem granitischen Grundgebirge entstammen. Von organischen
Besten werden in diesen Mergeln zahlreiche Spongien und Austern (siehe
unten) angetroflen. Die dritte, 2 — 3 m tiefe, an der Nordwand des Stoin-
bruches sichtbare, von B eck in Fig. 3 seiner Erläuterungen zu Section Dresden
abgobildete Einsackung hat einen ausserordentlich unregelmässigen Boden,
der sich theils zu kleinen Buckeln erhebt, theils sich rasch auskeilende
Spalten in den Granituntergrund entsendet. Sie wird ebenfalls von weichem
gelblichen Mergel erfüllt, dem zwei schwache Bänke von hartem Pläner-
kalk eingelagert sind, die entsprechend der Confignration ihrer Basis
flach beckenförmige Lagerung besitzen. Dieselben sind voll von winzigen
Fischkoprolithen und enthalten ausserdem eine Menge Austern, H.aifisch-
zäbne und Stoinkerne unbestimmbarer Ceritbien. Die unter diesen Bänken
liegenden Mergel sind am reichsten an Petreläeten. Neben Unmassen von
Ejoijip-u haliotoidea Sow. und sit/moidea Keuss, sowie TervhraUdina stria-
iula Maut, stellt sich häufig Ah‘drijonia diluviana L. ein; Ahriryonia ruri-
nnta Lain. dagegen ist seltener, ln .Menge sind Stacheln von Oidaris
vesinilot<a Goldf. und Horigudi Des. vorhanden, ebenso Spongien wie
Siphovin piriformis Goldf., SUIUspomjia plnuriisis Gein., Cupxdospongin
ixifinidihiiliformis G(ddf. und Kpitheks rohusiu Gein. Nicht selten bc-
“ly Google
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obachtet man Steinkerne von Cerithien und Pleiirotomaria Oeinitzi d’Orb.,
sowie eine Stockkuralle tSijnhelia (jibbom Miinst. Auch Haifischzähnc sind
sehr häutig, Nessig*) nennt vier Species derselben. Namentlich sind es
die massenhaften Austern und Spongien, die dieser Fauna ihren eigen-
thümlichen Charakter verleihen.
Die nächste Stelle, an welcher der Granitit in südöstlicher Richtung
vom Gamighübel zu Tage tritt, befindet sich bei Kauscha in 1 km Ent-
fernung von dem eben beschriebenen Aufschlüsse. Der Granitit markirt
sich hier topographisch in keinerlei Weise, sondern ist durch das Erosions-
tbal des l’rohliser Baches angeschnitten, also an dessen Gehängen bloss-
gelegt worden. Trotzdem sind auch an dieser Stelle, und zwar am Nord-
gehünge des genannten Baches, Reste einer einstmaligen Klippenfacies
nicht zu verkennen. In dem Steinhruche östlich von Kauscha sieht man
von der denudirten, verwaschenen und von Löss bedeckten Oberfläche des
Granitits aus eine cenomane Spaltcnausfüllung 2 m tief hinabsteigen, die
den von den Höben am I’lauenschen Grunde S. 57 beschriebenen analogen
Gebilden in jeder Richtung gleicht. Dieselbe besteht aus einem bräun-
lichen, staubfeinen Sande, der durch ein thoniges Bindemittel locker zu-
sammengehalten wird und neben unbestimmbaren Resten von Austern
einen scharfen Abdruck von Cidaris vesiculosa Goldf. lieferte.
Je weiter wir von hier aus den Granitit nach SO verfolgen, desto
tiefer sinkt seine Oberfläche. Bei dem nur 1,5 km von Kauscha entfernten
Lockwitz fallen deshalb die dortigen Klippenbildungen bereits in die untere
Abtbeilung des Cenomans, in den Carinaten-Quader, bei dem 4,5 km weiter
südöstlich gelegenen Dohna lag sie so tief, dass der Quader und sein Han-
gendes, der l’läner, sich ihr continuirlich und zwar schwebend auflagerten,
während erst die dem granitischen Meeresboden aufgesetzte Porphyrkuppe
des Kahlebusches von Neuem zur Klippenbildung Veranlassung gab.
Die Klippenfacies des Carinaten - Quaders bei Lockwitz ist dicht
oberhalb des Ortes durch den Granitbruch bei Adam’s Mühle am oberen
linken Thalrande aufgeschlossen. Wie
das Profil Fig. 11 darstellt, erfüllt der
Carinaten -Quader grössere unregel-
mässige Vertiefungen und die spaltcn-
förmigen Ausläufer derselben, wäh-
rend zugleich steilbucklige Köpfe und
Kämme des Granitits in ihn hinein-
ragen. Der Quader dieser Ausfül-
lungen ist sehr feinkörmig, dem Pläner-
sandstein ähnlich. An den tiefsten
Stellen hat er graue, sonst graulich-
weisse Farbe und weist grössere
grünliche, glaukonitische Flecken auf.
Eine reiche Fauna stellt sich auch
hier wie an allen übrigen Klippen
ein, während in derNähedieses Ortes,
ausserlnalb der Klippenfacies der-
selbe Quader überaus arm an Fossilien ist. Wir sammelten in diesen
Quadertaschen:
•) 1. c. 9».
Fig. 11.
'c r
' - 1 I _
NW 1 m SO
KlippenfaciesdcsCarinaten-Quaders
auf dem O raniti t von Lock witz (Seetion
Krcischa-Hänicheii).
6 = Granitit, i] c = Cariiiatcu-Qnader.
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64
Micriibacia coromila Goldf. ss.
Serpula gordialis Schloth. h.
Rhynchonella comprcssa Lam. s.
Pecten elovgatus Lam. s.
Vola notabilis Münst. ss.
Sponih/lus striatus Sow. s.
Lima cenomanensis d’Orb., ss.
vor Allem aber in grösster Häufigkeit
Exogyra lateralis Nilss. hh.
— haliotoidea Sow. hb.
— conica Sow. h.
sowie Cidaris vesiculosa Goldf. bb.
Hieraus ist ersicbtlicb, dass die Fauna dieses Ortes derjenigen der
oben beschriebenen Aufscblüsse ganz analog ist. Austern treten auch hier
in bei Weitem überwiegender Zahl auf, ein, wie bereits betont, charak-
teristiscbes Merkmal der Klippenfacies.
c) Die Klippenfacies auf der l’orpbyrkuppe des Kablebusches*).
Bei Dohna und nördlich von dieser Stadt breitet sich die denudirte
Oberfläche des Granitits durchaus eben und zwar in 160—170 m Meeres-
höhe aus. Ihr conform, also in fast schwebender, nur flach nach N ge-
neigter Schichtenlage ist das Cenoman, und zwar wesentlich als l’läner-
sandstein zur Ablagerung gelangt Ueber diese Ebenheit erhebt sich bis
zu 208, (i m Meereshöhe, also ca. 40 in über das Niveau des I’läners eine
dem Granitit aufgesetzte glockenförmige l’orphyrkuppe, der Kahlebuscli.
Durch den Flauer bis in den unterlagernden Granitit ist das Thal der
Müglitz eingeschnitten, dessen Gehänge somit aus letzteren Gesteinen be-
steht, während die die Stadt Dohna tragende Hochfläche von der Pläner-
decke gebildet wird. Am besten lassen sich diese topographisch-geologischen
Verhältnisse von einem hoch liegenden Funkte direct südlich von Dohna
überblicken und sind in dem durch die geologische Darstellung auf Section
Firna sich zum plastischen Bilde ergänzenden Textprofil Fig. 12 wieder-
gegeben worden. Die, wie erwähnt, die Hochfläche bedeckenden Fläner-
Fig. 12.
Stftdt Dobna Kabl«busch
Profil vom Wasserreservoir westlich von Dohna his jenseits der
Porphyrklippe des Kahlebusches.
(1 = ( iranitit. Pq = (Inarzporpliyr, me — cenomaner Mergel, pc = Carinaten-l’liiner,
auf dem Gipfel des Kahlebusches in der Klippenfacies .'nl.s Ansfüllung von Vertiefungen
des Porphyr.s. Nach H. Credner.
*) Deichmüller, I c. S. iltl; Lange, I. c. .S. 10; Heck, Erläuterungen Sech
Pirna, 8. 55 und Fig. 5.
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65
scliichtcn ziehen sich eine Strecke weit die Böschung des Kahlebusches
hinauf, um sich dann auszukeilen. Erst auf dem äussersten Gipfel und
dessen Umrahmung, also in einem Niveau von beinahe 40 m über der
Stadt Dohna, stellen sich von Neuem ausschliesslich als Ausfüllung von
Vertiefungen auf der Borphyrklippe cenomane Gebilde ein. Dieselben
charakterisiren sich durch ihre beträchtliche Höhenlage über dem normal
ausgebildeten Cenoman, durch ihre Lagerungsform zwischen den Uneben-
heiten der Borphyrklippe, durch ihren petrographischen Habitus und durch
ihre Fauna als ausgezeichnete Vorkommnisse der Klippenfacies, für welche
diese letztere Bezeichnung von Beck zur Einführung gelangte.
Während früher eine grössere Anzahl solcher kessel- oder wannen-
förmigen Vertiefungen auf der Höhe des Kahlebusches beobachtet wurden,
sind augenblicklich nur drei solche aufgeschlossen. Zwei derselben, von
denen die eine 2, die andere 6 m tief ist, enthalten ein grobes Borphyr-
conglomerat, dessen völlig abgerundete und zersetzte, offenbar dem Unter-
grund entstammende Rollstücke 10 bis 25 cm Durchmesser haben. Die-
selben werden durch ein kalkiges Bindemittel verkittet, in dem man nicht
selten Fragmente von Austern findet. Die dritte, .S m breite und 1,.^ m
tiefe wannenförmige Einbuchtung der Borphyroberfläche liegt direct auf
dem Gipfel der Kuppe und enthält einen gelblichen, schwach glaukonitischen
Mergel. In ihm sind Fossilien in grösster Menge enthalten. Die von
Deichmüller*) aufgezählte Fauna ähnelt durchaus derjenigen der Klippen
vom Gamighübel und von „Frohberg’s Burg“.
Vorwaltend sind auch hier die folgenden Austern: Exoi/ifni haliotoidea
Sow., sigmaideaReuss, lateralis Nilss., Ostrea hippopodinm Nilss., Alectrgonia
diluriana L. und carinata Lam., ferner Spongien und zwar namentlich
Siphonia piriformis Goldf. Sehr häufig sind auch Bryozoön und die
SÜicheln von Cidaris vesiculosa Goldf. und Sorigneti Des. Von Brachio-
poden ist Terehratulina striatida Mant. am gewöhnlichsten. Gastropoden
dagegen sind selten. Von Bedeutung ist ausserdem das reichliche Vor-
kommen von Stockkorallen, so von Synhelia gibbosa Münst., Isis tenuistriata
Reuss, Stichobothrion foveolatum Reuss sp. und Thamnastrvu conferta
M. Edw., sowie dasjenige von Rudisten, von Stellaster plaucnsis Gein.,
Oreaster thoracifer Gern, und endlich von Pentarrinus lanceolatus libm. und
Actinocamax plenus Blainv. Wiederum spielen, das zeigen schon diese kurzen
Angaben, sessile .\rton die hauptsächlichste Rolle in dieser Klippenfauna.
Wie auf dem Gipfel und an den obersten Abhängen der Borphyr-
kuppe des Kahlebusches, so haben die Schichten mit Actinocamax plenus
auch am Fusse derselben, nämlich auf der Böschung seines Sockels eine
von der normalen abweichende, in vielen Beziehungen an die echte Klippen-
facies erinnernde Ausbildung angenommen. So sieht man an dem Ein-
schnitte des Weges, der nach dem Steinbruche des Kahlebusches führt,
<lirect auf dem, die Basis der Borphyrqucllkuppe bildenden Granitit ein
0,5 m mächtiges, grusiges Conglomerat anstehen, welches wesentlich aus
bis kopfgrossen Geröllen des benachbarten Granitits und Borphyrs besteht,
auf welches ein 0,3 m mächtiger Blänermergel folgt. In ihm findet sich
eine Fauna, in der Austern und Schwämme {Crihrospongia subreücidata
Münst. und Sgphonia piriformis Goldf.) verhältnissmässig reichlich ver-
treten sind.
•) 1. c. S. 100.
C6
d) Die Klippenfacies auf dem (iranitit von Meissen.
Wie im SO, so sind auch im äussersten NW der das sächsische Elb-
thalgebirge durchziehenden Küstenlinie des Kreidenioeres cenomane Gebilde
vom Charakter der Klippenfacies zur Ablagerung gelangt. Ein derartiges
Beispiel lieferte die directe Umgehung von .Meissen und zwar von Zscheibi.
Dieselben wurden von Gumprecht im Beginne der 30er Jahre sorgfältig
untersucht und in seinen „Beiträgen zur geognostischen Kenntniss einiger
Theile von Sachsen und Böhmen“, Berlin 1835, S. 10 u. f. beschrieben und
auf Tafel 1 abgebildet. Es galt damals naclizuweisen, dass die schein-
baren Einschlüsse vom Pläner im dortigen Granit thatsächlich keine Ein-
schlüsse seien, sondern mit der dem Granit aufgelagerten Plänerdecke in
directem Zusammenhang gestanden haben, also als Descensionen zu be-
trachten seien. Wie bei Plauen, so füllte auch hier ein grauer Kalkstein
mit Glaukonitflecken die spaltenartigen Unebenheiten des Granits aus.
Glaukonit überzog ebenfalls die recht häufigen Fossilien, von denen haupt-
sächlich Brachiopoden, sowie einige Gastropoden citirt werden*). Aehn-
liche Gebilde beobachtete derselbe Autor auf dem Syenit der Kaths-
weinberge. Trotzdem ihn die Fauna an <liejenige der Felscnrifi'e der
heutigen Meere erinnerte, spricht er diese Erscheinui>gcn nicht als Klippen
an, sondern erklärt, dass ihre Entstehung eine „wahrscheinlich nie zu
enträthselnde Ursache“ habe. Heute sind diese Spaltenausfüllungen nicht
mehr zu sehen; bereits 1840, so berichtet Geinitz**), hatte der Eifer
älterer Geologen nichts mehr davon übrig gelassen. Später (1877) fand
Dittraarsch über dem Granit von Zscheila rothe, eisenschüssige, etwas
sandige Mergel, die zahlreiche von G einitz***) bestimmte Fossilien lieferten,
darunter eine Stockkoralle, ferner die von den Kli])pen bekannten Brachio-
poden und Austern, Spondi/liiH striaUis Sow., Pedm elomiatus L.ani.,
Opin bicomis Gein,, Modiola- und Mtjfilus-Krien, sowie einige Gastropoden,
eine Fauna, welche für die Klippenfacies dieser Loc.alablagerung spricht.
e) Die Klippenfacies auf dem Gneiss des Oberauer Tunnels.
Zur Klippenfacies ge-
hören endlich diejenigen
cenomanen Ablagerungen,
welche nebst ihrem aus
Gneiss gebildeten Unter-
gründe mit dem Oberauer
Tunnel durchfahren wur-
den und von denen G ei-
nitz in seiner „Charak-
teristik“ Tafel A eine
ansch.auliche Abbildung
giebt, der wir das Profil
Fig. 13 entnehmen. Der
Gneiss stellt hier eine
vielfach von Granitgängen
durchschwärmte Scholle
*) Vergl. Leonhardt im Neuen .Tahrhuch 18.SJ, ,S. 140.
Charakteristik, S. li.
•**j Sitzuiiffsberii hte der Isis 1877, ,S. 17 und 74.
Fig. 13.
Profil durch den Oberauer Tunnel nach
G einitz 1840.
gn — Gneiss, eine Sihollc im Granit des Meissener
Massivs bildend, seine OberHiiehe durch klippenartige Vor-
sprünge und spaltenartige Klüfte unregehnüssig zerrissen,
qc = r.arinaten-()undiT, diese Unebenheiten ansfüllend,
als Klippenfacies entwickelt, pc = Carinaten-l’läner.
.i; vC;„.rglc
67
im Meissener Syenit- Graiiitmassiv dar. Die Emporragung, die dieses
Grundgebirge auf dem altcenomanen Meeresboden bildete, war offenbar
nicht sehr bedeutend, sodass sie bereits vom Carinaten- Quader über-
lagert wurde, welcher hier als ein an Glaukonit überaus reicher Grün-
sandstein entwickelt ist. Ausfüllungen von Spalten, die sich zum Theil
ähnlich wie diejenigen von Zscheila in der Tiefe sackförmig erweitern,
ferner von kleineren und grösseren, unregelmässig kesselförmigen Ver-
tiefungen, klippen förmige llervorragungen, endlich grosse, wohlgerundete
Gerölle, zuweilen auch scharfeckige Bruchstücke des den Untergrund
bildenden Gueiss und Granits kennzeichnen diese Ablagerung als höchst
charakteristisches Gebilde der Klippen facies. Auch die Fauna zeigte
Analogien zu derjenigen anderer Klippenbildungen; Terehratula hiplicata
Sow., Rhynchonella compressa Lam., die folgenden Austern: Exogyra
lialiotoidea Sow., Oatrea hippopotliuin Nilss., Alntrijonia diluviana L. und
curimita Lam., ferner Trochus Geinitsi Reuss, TurriteUa yranulata Gein.
und Ideurotomaria sp., auch kleine Ilij)puritcn wurden meist recht häufig
gefunden.
3. Büokbliok auf die Fauna der Klippenfaoies.
Allen diesen Klippenbildungen ist, wie schon ein Blick auf die ge-
gebenen Aufzählungen der in ihnen enthaltenen Fossilien zeigt, eine höchst
charakteristische Fauna eigenthümlich, deren Eigenart besonders durch
das Ueberwiegen solcher Formen zum Ausdruck kommt, die mit llaft-
apparaten ausgestattet oder dem Untergrund direct aufgewachsen waren.
Analogien zu den Faunen der heutigen felsigen Meeresküsten sind in der
fossilen Thierwelt der cenomanen Klippenfacics Sachsens auf das deut-
lichste ausgesprochen. So spiegelt sich in diesen Ablagerungen die Vor-
liebe der stockhildenden Korallen, sieb an felsigen Klippen in geringer
Meerestiefe anzusiedeln*), unverkennbar wieder. Die ein festes Substrat
erfordernden Crinoiden kommen gleichfalls, wenn auch als Seltenheit, in
der Klippenfacies vor. Die Brachiopoden leben nach Walther**) in ihrer
grossen Mehrzahl auf felsigen Klippen und härteren Bänken, die am
Meeresboden aus sandigen und schlammigen Gründen hervorragen. Ihre
reichliche Verbreitung in verschiedenen Arten der Gattungen Tcrehratidu,
Tvrvhratidina und Rhynchonella steht damit vollständig im Einklang.
Von den mit einer Schale aufgewachseneu Lamellibrancliiaten sind die
Ostreiden ganz besonders zahlreich vertreten und können wahre Hauf-
werke und bankartige Vergesellschaftungen bilden. Einzelne Arten (Exoyyra
lialiotoidea und siynwidea, auch lateralis und Ostrea hippopodiiim) sind
allerorts in der Klippenfacies in solcher Zahl vorhanden, dass sie schon
für sich allein dieser F’aeies ein eigenthümliches Gepräge verleihen. Zu
diesen Zweischalern gehören ferner auch jetzt noch dem Untergründe
direct aufsitzende Individua von ISjumdylits striatiis Sow. sp., sowie die
selteneren Rudisten und Chamen, weiche sich jedoch nicht selten auch im
Quader der Carinaten-Stufe vortinden, der ja dort ebenfalls eine Ablagerung
des seichten Meeres oder der Litoralzone repräsentirt. Von den Gattungen
2Iytilus, Modiola und Pecten, die sich mit ihrem Byssus befestigen,
•) Walther: Die Korallenriffe der Sinaihalhiusel, Ahh. der sächs. Ges.
der Wiss. Bd. 1-1, S. 473.
**) Einleitung etc. S. 348.
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68
kommen verschiedene Species in der Klippenfacies in grosser Häufigkeit
vor, was ganz besonders für Modiola Cottae Itiim. gilt. L)ie in den Felsen
bohrenden Lithoilomiis und Phohis sind durch mehrere Allen vertreten
und ebenfalls gerade in dieser Facies häutig. Stellenweise sind auch
Gastropoden sehr gewöhnlich und sind viele derselben nur aus dieser
Facies bekannt geworden. Als charakteristisch sind die dickschaligen
Vertreter der Gattungen Turbo, TAiorina, Cmthium, CUvmnitzia und
Nerinea, sowie die an Felstlächen aufsitzenden l’atellen zu nennen. Cepha-
lopodeu dagegen sind durcliwog selten.
Sehr merkwürdig ist es, dass in der Kli])penfacies auf dem Syenit des
Plauenschen Grundes, welche auf ihre Fauna am besten durchforscht ist,
verachiedene Fundorte gewisse, auffallende Unterschiede in der Zusammen-
setzung ihrer Thierwelt aufweisen. Hesondei-s deutlich kommen diese localen
Eigcnthümlichkeiten an der von Geinitz aus den Siialtenausfüllungen unter-
halb des Forsthauses im Plauenschen Grunde mitgetheilten Fauna und
derjenigen des S. 57 genannten, in einem etwas tieferen Niveau gelegenen
Steinbruches bei der Plauenschen Gasanstalt zum Ausdruck. I)cr erste
Fundort, also der am Forsthause, ist besonders durch seinen Ueichthuni
an Gastropoden ausgezeichnet. Die Spalten waren ., überfüllt“ von den
kleinen Schalen derselben, fast alle <lie im Hand 1 des „Klbthalgebirges“
abgcbildeten Arten stammen von dieser Stelle. Während viele derselben
recht selten waren, traten andere in um so grösserer Zahl auf. Von
Litorina f/racilis Sow. sammelte Geinitz*) gegen 50 Exemplare, von
Turbo lirichi Gein. mindestens 60, auch Xatica- und Chcnuiitzia- Arten
waren häutig. Ausserdem fanden sich noch ziemlich zahlreiche Prachio-
podeu, verschiedene Echinoiden und L.imellibranchiaten, wie Pvden und
Mytilus. Die Korallen waren hier selten, ln dem Aufschlüsse bei der
(iasanstalt hingegen spielen die Gastropoden eine untergeordnete Holle,
hier dominiren die Hrachiopoden und Uaniellibranchiaten, auch die Korallen
sind häufig. Die Echinoiden scheinen dagegen fast ganz zu fehlen, gelang
es uns doch nur einen einzigen CWam-Stachel aufzutinden. Es ist nicht
zu verkennen, dass sich hier gewisse Anklänge an die Tiefenzouen, wie
man sie au verschiedenen Küsten unterschieden hat**), offenbaren. Der
erste Fundort, beim Forsthause, ähnelt den Regionen der Patellen und
Korallinen, während der zweite die tieferen Regionen repräsentiren könnte.
Da jedoch nicht vorauszusetzen ist, dass alle Organismen an den Stellen
der Klippen gelebt haben, wo wir sie heute finden, und da die Fauna
des im höchsten Niveau gelegenen Fundortes, „Frohberg’s Burg“ durchaus
nicht mit den durch die beiden anderen l.ocalfaunen angedeuteten Regionen
der Litoralzone übereinstimmt, lässt sich über den Grund dieser Eigeu-
thümlichkeiten nichts Sicheres aussagen und ist abzuwarten, ob auch an
anderen Klippen, vielleicht am Kahlebusch, ähnliche Beobachtungen ge-
macht wurden.
Von der Fauna der sich in der Nachbarschaft der Klippen ausbrei-
tenden (juader- und Plänerfacies ist diejenige der Klipi)enfacies ausser-
ordentlich verschieden. Wir gaben S. 42, 44, 47 und 52 die Veraeichnissc
der im Caiinaten-Pläner und Pläncrsand.stein aufgefundenen F'ossilien; es
waren deren verhältnissmässig wenige, und nur einige derselben sind häufig.
*) Elbthalgehirae, S. 249 uinl 2.ä3.
*•) Walther, Eiuleituug, 8. 112 u. f.
Digltized by igle
6»
Genau dasselbe gilt für den Carinatcn-Quader. Nicht gross ist die Zahl
seiner Arten, etliche aber, besonders Krofiyra volumha laiin., Inoceramun
strintiis Mant. und Vola phasvula Lam. sind sehr gewöhnlich und kommen
innerhalb gewisser Bänke und Nester sogar massenhaft angehäuft vor.
An den bereits besprochenen Faunen des Lahiatus- Quaders und -Pläners
machten wir wiederum dieselbe Beobachtung. Es ist dies offenbar ein
charakteristischer Zug der am flachen Meeresboden erfolgten Ablagerungen.
Ganz anders verhält sich die Fauna der Klippenfacies. Sie zeichnet sich
durch die F’ülle der in ihr vertretenen Gattungen und Arten aus, die
ebenfalls zum Theil in grosser Zahl der Individuen vergesellschaftet sind,
ln dieser Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit besteht <lie vollste Analogie
zu den Verhältnissen, die heute am Boden wenig tiefer Mecrestheile zu
bemerken sind.*j Auch hier findet sich an steil aufsteigenden Felsen
eine artenreiche, am flachen mit Sand oder Schlick bedeckten Boden hin-
gegen eine artenarme, aber individuenreiche Thierwelt. Dass auch die
Fauna submariner felsiger Erhebungen von derjenigen des diese umgebenden
Meeresbodens verscliieden ist, hat Walther**) nachgewiesen. Der Um-
stand, dass in der Klippenfacies hauptsächlich sich am Boden anheftende
Thiere lebten , unterscheidet die Fauna derselben ebenfalls scharf von
derjenigen des Quaders und Pläners, die nur verschwindend wenige solcher
Arten führen. Die Spongien, Korallen, Crinoiden, Brachiopoden, llryozoen,
Cirrhipedien und Itudisten, die fa.st ausschliesslich sessil leben, haben im
Cenoman Sachsens ihre Vertreter hauptsäclilich in der Klifipenfacies. Zu
ilinen gesellen sich viele Gattungen der Lamellibranchiaten und einige
der Gastropoden***) (I'utdla und Litoriiia) von festsitzeuder Lebensweise.
Stockbildende Korallen, die in den geschilderten Ablagerungen durch die
Gattungen Syniiclia, Tliumnastraca, Dimorphaxtraea, Astrocoenia, Placo-
xeriit, Isis und SticJiohothrion vertreten sind, gehören ausschliesslich der
Klippenfacies an. Auch gewisse Asteroiden (Stdlaster plauetisis Gein. und
Grellster sp.) sind im Cenoman Sachsens bisher nur in dieser Facies nach-
gewiesen worden und hier nicht selten. Von den Echinoiden sind die
Cularis-ktien besonders häufig, I^eudodiailema variolae Brongn., Orthopsis
gramdosus .\g. und Cyphosoina cenomaninse Cott. sind bisher allein,
wenn auch als Seltenheit, an den beschriebenen Klippen beobachtet worden.
Anderentheils aber zeigt es sich, dass einige im Pläner und (juader sehr
häufige Ai'ten gerade in der Klippenfacies nur selten Vorkommen, ein
Verhältniss, das bei Jnoceramus striatiis Mant. und Exogyra colnmha am
auffälligsten ist.
Blicken wir auf die oben geschilderten Eigenthümlich-
keiten der F’auna der Klippenfacies des sächsischen Cenomans
zurück, so lassen sich diese in kurzen Worten wie folgt zu-
sammenfassen. Sie bestehen 1. in der Reichhaltigkeit dieser
Fauna, verglichen mit der formenarmen Thierwelt des nor-
malen Quaders und Pläners, 2. in dem Vorwalten von fest-
gewachsenen oder mit Haftapparaten ausgestatteten Arten,
darunter eine zum Theil grosse Zahl von Spongien, Brachio-
poden, Austern, Rudisten und Modiola-Arten, 3. im Vorhanden-
•) Vergl. Moebius: Das Thierleben am Boden der Ost- und Nordsee.
•• i Kinleitnng, S. iJO.
*•*) Walther, Kinleitung, 8.43!).
70
sein vieler und zwar besonders grosser und dickschaliger
üastropoden (Nerinea, Chemnitgia, Cerithium und Naticu),
4. in dem auf diese Facies beschränkten Vertretensein von Stock-
korallen.
IV. Die Faclesgebilde der Stnfe des Inoceranins Itrongniarti.
1. Die bisherigen Ansichten bezüglich der Aequivalenzgebilde der
Brongnisrti - Stufe.
Der Broiigniarti- Quader, der in der Sächsischen Schweiz die all-
gemeinste W'rbreitung besitzt, lässt sich in unveränderter h'acies weit nach
Böhmen hinein verfolgen, wo er einen Theil des Complexes bildet, der
von böhmischen Geologen als „Iser -Schichten“ bezeichnet wird. Ebenso
ist das Aequivalent des Broiigniarti- Bläners von Strehlen und Weinböhla
längst und mit grösster Sicherheit in den Pliinerkalken von Huudorf bei
Teplitz erkannt und ist der Typus der Zone, welche man als „Teplitzer
Schichten“ bezeichnet hat, die ebenfalls in Böhmen eine grosse Aus-
dehnung gewinnen. Da sich beide Complexe, Iser-Schichten und Teplitzer
Schichten, in ihrer räumlichen Verbreitung ausschliessen, erwog man schon
längst, üb beide aequivaleute Faciesbildungen seien. Diese Frage wurde
dadurch complicirt, dass in Böhmen stellenweise die Teplitzer Schichten
die Iser-Schichten überlagern*) und demnach jünger als diese sein sollten,
währcnil in .Sachsen das Umgekehrte der Fall sein sollte**), da hier der
Brongniarti-tjuader (Iser-Schichten) über derjenigen Bank von Brongniarti-
l’läner (Teplitzer Schichten) lagert, welche unter dem Namen des Krietzsch-
witzer Bläners, des oberen Bläners oder des Spinosus-Bläners der Säch-
sischen Schweiz bekannt ist. J. J. Jahn’s Untersuchungen***) zeigten
jodocli, dass die erstere .Annahme unrichtig sei, da die in Böhmen für
Teplitzer Schichten gehaltenen, die Iser-Schichten überlagernden Sedimente,
nicht diesen ersteren, sondern einer jüngeren Stufe angehören. Jahn
machte es hierdurch aufs Neue wahrscheinlich, dass in den Iser-Schichten
und Teplitzer Schichten aequivaleute Faciesgebilde vorliegen. Aber
auch darüber, dass in Sachsen die Teplitzer Schichten (Brongniarti-Bläner)
die Iser-Schichten (Brongniarti-Quader) imterlagern sollen, herrscht inso-
fern keine völlige üebereinstimmung, als die oben erwähnte, unter dem
Brongniarti-Quader der Sächsischen Schweiz liegende Bank von Brongniarti-
Bläner von den eineiif) zu den Teplitzer Schichten, von den anderenfj)
zu den älteren Malnitzer Schichten gestellt wird.
In tabellarischer Zusammenstellung würden sich diese bisherigen
Anschauungen über die Gliederung und Aequivalenz der Brongniarti-Stufe
wäe folgt ausdrücken lassen.
*) .t.Fritsch: Studien in derbölimisihen Kreidetörm. iV: Die Teplitzer Siliiclilcn.
Archiv für die natnrwi.ss. J.andesdurehfürrtcliuug von Böhmen, Bd. 7, S 51.
**) Kriiiuterunfri’u .Scct Kosentlml. S. 10.
•••) Bcitr, zur Kenntn. der hühniisclien Kroidefonn. Jahrh. der K. K. geol. Keiclis-
anstalt 1895, S. Z15.
f) (ieinitz: Elhthalgeh. IT, .S. 250: Beck: Krläuterungen Sect. Uros^er Wintcr-
herg, S 23: Sclialch; Erlivmerungen Sect. Uuseuthal, S. 10.
i't) Weissenherg. Schichten, .S. 48.
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71
Sachsen.
Sachsen.
Böhmen. Böhmen.
(Geologische I.andcs-
nntersuchnng)
Brongniarti- Quader
= Iser-Schicnten.
Bron^ 11 iarti- Pläner
von Krietzschwitz -Hoher
Schneelierg = Teplitzer
Schichten.
(A. Fritsch)
Brongniarti- Quader
= Iser-Schichten.
Brongniarti -Pläner
der .Sächsischen Schweiz
= Malnitzer Schich-
ten.
(X. Fritsch)
Teplitzer
Schichten.
Iser-
Schichten.
(Jahn)
Teplitzer
Schichten
- Iser-
Schichten.
Die uns vorschwebende Aufg.ibe beschränkt sich auf die Klarlegung
der Ausbildung der Brongniarti-Stufe innerhalb Sachsens. Hier und zwar
in der Sächsischen Schweiz gliedert sich diese von unten nach oben I. in
gl.aukonitischen Sandstein mit Bhi/nchonella hohemica Schlönb., 30-40 m
mächtig*), 2. in glaukonitischen l’lätier oder Mergel {Krietzschwitzer Pläner
oder Brongniarti-Pläner der Sächsischen Schweiz), 20—30 m**), die beide
vielfach wechsellagern und als ein einheitlicher Complex aufgefasst werden,
3. in ()uader, den Brongniarti -Quader (bis 250 ra mächtig), der von der
Klbe durchfurcht wird und wesentlich die als Sächsische Schweiz bekannte
pittoreske Landschaft liefert. Kr wird von den wenig mächtigen, schon
nicht mehr zur Brongniarti-Stufe gehörigen Scaphiten-.Mergeln überlagert.
Weiter westwärts, in der Dresdner Elbthalwanne, fehlen die für die
Sächsische Schweiz so charakteristischen Quadersandsteine, an ihre Stelle
tritt die Brongniarti-Stufe in kal kig-thoniger Entwickelung, hauptsächlich
als Plänermergel. Durch Bohrungen war erwiesen, dass diese eine ganz
bedeutende Mächtigkeit (über 150 m) besitzen, doch war es nicht möglich,
diese Pläuermergel zu gliedern, da es an geeigneten Aufschlüssen fehlte.
Ein solcher war früher bei Strehlen vorhanden, ist aber längst verschüttet.
Den hier gebrochenen Plänerkalk betrachtet Beck***) als zur Brongniarti-
und Scaphiten-Stufe gehörig.
Bezüglich der Aequivalenz der Quader- und Pläncrfacies der sächsi-
schen Brongniarti-Stufe ging die Ansicht dahin, dass der Strehlener Pläner
dieGesammtheit der Brongniarti-Schichteu der Sächischen Schweiz vertrete,
wie cs folgende, in Uredner’s Elementen der Geologie, 8. Autl., S. G43
gegebene tabellarische Uebersicht veranschaulicht.
Stufe der Scaphiten.
Stufe des Inoceramus Brongniarti:
a
Brongniarti - (Quader,
Im
o>
Brongniarti-Pläner von Krietzschwitz,
Glaukonitsandsteine mit Rhynchonella
u
bohemica.
Ueber die Stellung der einzelnen Complexe der Brongniarti-Stufe, wie
sie in der Sächsischen Schweiz entwickelt sind, zu dem Gcsammtconiplexe
•) Erläiitcningen Sect. Rosenthal, 8. 28.
*•) Erläuterungen Ro.senthal, S. .'tO.
*‘*j Erläuterungen Scet Dresden, .8. öo.
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72
der Ktrehleiier I’läiienncrgel war man jedoch keinesfalls zu einer klaren
Auffassung gelangt. Um eine solche zu erzielen, handelt es sich zunächst
um die Feststellung des genauen Horizontes der den Ilrongniarti-Quader
in der Sächsischen Schweiz unterteufenden Hank von Hrongniarti-l’läner
und deren Kecoguoscirung in der riänerfacies der Gegend von Dresden.
2. Der Brongniarti-PlSnor der Sächsischen Schweiz als selbständige
untere Zone der Brongniarti-Stufe.
Dem Hrongniarti-l’läner der Sächsischen Schweiz begegnet man, von
Dresden kommend, zunächst hei l’irna (vergl. Fig. 14, S. 77). Er liegt
hier zwischen zwei Schichten von Griinsandstein, von denen die untere
in ihrem Liegenden, die obere in ihrem llatigcnden eine schwache Mergel-
schicht führt. Diese letzteren beiden .Mergel und auch der über dem
l’läner liegende Grünsandstein, keilen sich nach SO bald aus, sodass nur
der Hrongiarti- l’läner und der Grünsandstein allein sich weiter in das
Gebiet der Sächsischen Schweiz hinein erstrecken. Hier aber nehmen
beide grosse Verbreitung an und sind bis zum Hohen Schneeberg, den sie
unterlagern und dessen Fuss ihr Ausgehendes kranztormig umzieht, zu
verfolgen. Dieser Erietzschwitz-Schneeherger l’läner nimmt oft mergelige
Heschallenheit an, ist dünnbankig geschichtet, sandig und führt Glaukonit*).
Der ihn begleitende Grünsandstein ist mittel- bis feinkörnig, besitzt ein
kalkiges oder kalkig -tboniges Hindemittel und ist ebenfalls in Hänke ge-
sebiebtet**). Heide, l’läner- und (irünsandstein, scbliessen sieb eng an
einander an, wecbsellagern wiederholt mit einander und sind als ein Complex
zu betrachten, der zum Liegenden den Labiatus-Quader, zum Hangenden
den Brongniarti-(juader bat. Diege Verbandsverhältnisse weisen deutlich
auf die Malnitzer Schichten in Höbmen bin, wie sie bei Lippenz und
Malnitz unweit l’ostelberg aufgeschlossen sind und von wo sie vielen
deutschen Geologen bekannt sind. Hier liegt auf der kalkigsandigen
Labiatus-Stufe ein zur Brongniarti-Stufe gehörender Grünsandstein, der im
Hangenden einen gelblichen, sandigen Mergel führt, auf welchen erst
die jüngere Abtheilung der Hrongniarti -Stufe folgt, die hier nicht wie
in der Sächsischen Schweiz in sandiger, sondern in kalkiger Facies als
sogenannte Teplitzer Schichten***) entwickelt ist.
Der die Basis der Brongniarti-Stufe innerhalb der Sächsischen Schweiz
bildende Grünsandstein lieferte nach Schalchf) unter anderem Inocerii-
mus Brongniarti Sow. und Khijnchondlu holwmica Schlönb. Letztere ist
darin ausserordentlich häufig und wurde von Schlönbach -i-j-) aus dem
Exügyrensaiidstein und Grünsandstein der Malnitzer Schichten Böhmens
beschrieben, für welchen Horizont sie charakteristisch ist. Schalch’s
uud Heck’sftt) Bemühungen gelang es ferner auch, in den mit diesem
Grünsandstein vergesellschafteten Bänken von Brongniarti -Pläner inner-
halb der Sächsischen Schweiz 23 verschiedene Arten zu sammeln, die bis
’) Krliiuterungen Sect. l’irna, S. 64, mal Erläuterungen Scct. Rosenthal, S. 28.
**i Erläuterungen Sect. Ro.sentlial, S. 24.
*•*) G. Bruder: Die Gegend uni .Siuiz II, S. 9.
f) Erläuterungen Sect. Ro.'tenthiil, S. 26.
■j"!-) Kleine palacontnlogischc Mittheilungeu. Jalirb. d. k. k. geid. Reichsanstalt 1868,
Bd. 18, S. 157.
Ltt) Erläuterungen Sect. Rosenthal, S. 29.
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73
auf FtitrlJa inconstans Gein. sänimtlich in den MalnitzLT Schichten Böhmens,
insbesondere in der erwähnten mergelig-sandigen, unserem Pläner ent-
sprechenden Schicht bei Malnitz und Laun gefunden wurden. Von den
nach A. Fritsch*) für die Malnitzer Schichten ganz besonders charak-
teristischen Arten sind Ammonites Wooh/ari Mant., Area suhglabra d'Orb.
und Bapa cancellata Sow. sp. auch aus dem Brongniarti-Pläner der Säch-
sischen Schweiz bekannt. Es mag hauptsächlich das Vorkommen des
Inoceramus Bromjniarti Sow. und des freilich ausserordentlich seltenen
SiMfuIylus S2mu)siu<s Sow. gewesen sein, welches schon Geinitz und
Gümbel und später Beck und Schalch bestimmten, den Brongniarti-
Pläner der Sächsischen Schweiz mit den „Strehlener“ = „Teplitzer Schich-
ten“ zu identificiren. Allerdings sind diese beiden organischen Reste in den
letztgenannten Schichtcomplexen sehr häutig, jedoch nicht ausschliesslich
auf sie beschränkt. So erscheint Inoceramus Brongniarti Sow. in Böhmen,
Nieder-Schlesien und am Nordrande des Harzes bereits in der Labiatus-
Stufe, ebenso ist Spondglus spinosus Sow. von A. Fritsch in Böhmen in
den unserer Labiatus-Stufe entsprechenden Weissenberger Plänern wieder-
holt angetroffen worden. Es kann demnach das seltene Vorkommen des
letzteren ebensowenig wie dasjenige von Inoceramus Brongniarti Sow. als
Beweis für die Aequivalenz der Krietzschwitz- Schneeberger Plänerbank
gerade mit den „Strehlener Plänern“ gelten. Andererseits ist aber auch
kein einziges der speciell für die Strehlener, also Teplitzer Schichten
charakteristischen Fossilien in dem Brongniarti-Pläner der Sächsischen
Schweiz vorhanden, selbst nicht die in ersterem Horizonte so gewöhnliche
Terebratula semiglobosa Sow. Es kann daher kaum einem Zweifel
unterliegen, dass der Brongniarti- Pläner von Krietzschwitz und
dem Hohen Schneeberg einen von dem Strehlener Pläner ver-
schiedenen Horizont repräsenti rt. In diesem Falle weist seine
Lage an der Basis der gesammten Brongniarti-Stufe der Sächsischen Schweiz
von vornherein darauf hin, dass sein Aecjuivalent im Liegenden der
Strehlener Pläner zu suchen sein wird. Diese unterste Zone
der Brongniarti-Stufe entspricht somit nicht den Teplitzer Schichten
(= Strehlener Pläner), sondern vielmehr, wie auch A. Fritsch annimmt,
(len Malnitzer Schichten von Postelherg und I.aun, die in genannter
Gegend direct unter den Teplitzer Schichten liegen.
3. ITaohweis der unteren Abtheilung der Brongniarti-Stufe
bei Dresden.
Aufschlüsse, aus denen unmittelbar hervorginge, dass eine solche
unterste Brongniarti-Zone die Strehlener Schichten thatsächlich unterteuft,
sind nicht vorhanden. Dahingegen ist es im höchsten Grade wahrschein-
lich, dass die kalkreichen, schwach glaukonitischen Plänerraergel, welche
in den Ziegeleien von Bossecker und Kehr zwischen Plauen und Räcknitz
anstehen, der Repräsentant dieser untersten Brongniarti-Zone sind. Beck**)
hat diese Plänermergel auf Grund eines im K. mineralogisch-geologischen
Museum anfbewahrten Exemplars von Inoceramus lahiatus Schloth., das
nach seiner Eti(juette aus einer dieser Giuben stammen soll, als zur
*) Weissenberger und Malnitzer .Sehicliten, S. 21.
**) Erläuterungen Sect. Dresden, S. üti.
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74
Lal)iatus-Stufe gehörig betrachtet. Jedoch ist dieser Fund ein sehr frag-
licher und wird nach dem tiesteinshabitus des Handstückes zu schliessen
noch zweifelhafter, sodass seine Verwerthung zur Horizontbestimmung der
Uäcknitzer riänermcrgel unthunlich ist. Dahingegen steht fest, dass die
genannten, mithin in ihrer Stellung noch fraglichen Uäcknitzer Pläner-
inergel von echten Labiatus- Plänern unterteuft werden und unter die
Strehlener Plänerkalke einfallen. Sie würden also älter sein als der letztere
und genau dieselbe geologische Stellung eiunehmen, wie die Malnitzer
Schichten in Böhmen und die Krietzschwitzer Plänerbank in der Sächsi-
schen Schweiz, falls, wie gezeigt werden soll, der dortige Brongniarti-
Quader dem Strehlener Pläner entsprechen sollte.
Dieser Uäcknitzer Plänermergel lieferte folgende organische Beste:
Macrojioma ManteUi Ag. ss, ein Koprolith. Von ferneren Fisch resten fanden
sich ein schlecht erhaltener Zahn, vielleicht von Corax heUrodon Beuss
und Flossenstacheln ähnliche Gebilde.
Ammonitcs WooUgari Mant. h, oft in jungen Flxemplaren, wie sie Geinitz
im Elbthalgcbirge II, Taf. 33, Fig. 4 und 6 abbihlet.
Criocvras cf. eUipticum Mant. sp. ss.
Bamlites haculoules Mant. h. Schlecht erhaltene Exemplare sind sehr
häutig, doch fand sich auch eins mit deutlicher Sutur.
Aporrhais calcarata Sow. s.
— Eeiissi var. meyaloptera Beuss. s.
Cerilliium sp. ss. als Steinkern. Auf 12 mm Länge kommen 8 kantige
Umgänge. Es entspricht dem von Fritsch. VVeissenberger Schichten,
S. 111, Ihg. 60 aus den Launer Kalkknollen abgebildeten lixemplar.
Natica Genta Sow. h.
Tarritella mulüstriata Beuss. s.
DentuUum medium Sow. h.
— tstrehlense Gein. h.
Eriphyla lenticularis Goldf. s.
Ivniis falia Sow. s.
Nucula pectinala Sow. hh.
Avicula yluhra Beuss. ss.
1‘inna cf. dccussata Goldf. ss.
Gervillia solmoides Defr. ss.
Inocerumus sp., verdrückte und schlecht erhaltene Exemplare, wahr-
scheinlich I. Bronyniarti Sow.
Beeten curvatus Gein. h.
— orhiculuris Sow. hh.
Lima elonyata Sow. sp. hh.
iSpotidylus hystrix Goldf. ss.
Anomia siditruncata d’ürb. ss.
Exogyrn lateralis Nilss. ss.
Micraster cor testudinarium Goldf. ss.
Jlolasicr planus .Mant. s]>. s.
Cidaris subvesiculosu d'Orh. ss. Stachel.
Diese Fauna zeigt, dass man diesen Mergel nicht zur L.abiatus-Stufe
stellen darf, namentlich weist das Vorkommen verschiedener G.astropoden,
der Dentalien, von Micraster uml Holaster sowie Cidaris subeesiculosa
d'Orb. mit Bestimmtheit auf die Brongniarti-Stufe hin.
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75
Die geologische Verbreitung der Arten innerhalb der in Frage kom-
menden Schichten soll folgende tabellarische Uebersicht veranschaulichen:
LabiatuB-
Krietzscbw.
Malnitzer
strehlener
Macropoma Mantelli . .
•Stufe.
Pläner.
.Sdiichteu.
Pläner.
X
Ammonites Woolh/ari
X
X
X
X
Crioceras cf. ellipticnin .
—
—
—
X
DacuUtos baculoides . .
X
—
X
X
Aporrhais calcarata . .
—
—
—
X
— Reussi
X
X
X
X
Cerithium sp
—
—
X
—
Natica Gentii ....
X
X
X
X
l\irriteVa muUintriata .
X
X
X
X
Dmtalium medium . .
X
X
X
X
— strehlense ....
—
—
—
X
Eriphtßa lenticularis . .
X
X
X
X
Venus faha
—
—
—
X
Nucula pectinata . . .
X
X
X
X
Pinna cf. decussata . .
X
—
X
—
Oervillia solenoidcs . .
X
—
X
X
Avictda glabra ....
—
—
X
X
Pecten curvatus . . .
X
X
X
X
— orbicularis ....
X
—
X
X
Lima clont/ata ....
X
X
X
X
Hpondglus hystrix . . .
X
—
X
—
Anomia sublmncata . .
X
X
X
X
Exoqyra lateralis . . .
X
—
X
X
Micraster cor testudinarium
—
X
?
X
Holaster jdanus . . .
—
—
—
X
Cidaris subvesiculosa . .
,
—
—
—
X
Aus dieser tabellarischen Zusammenstellung ergiebt sich, dass die
Fauna des Räcknit/er 1‘länermergels die grösste Aehnlichkeit mit der-
jenigen besitzt, die als solche der „Strchloner Schichten“ niifgeführt zu
werden pflegt, .ledoch fallen bei dieser anscheinenden Uebereinstinimung
folgende Erwägungen ins Gewicht: 1. fehlen in den Räcknitzer Mergeln
gerade diejenigen Formen, welche für die echten Strehlener Schicliten
charakteristisch sind, so z. R. Hi/])so(hm Lewesieims Ag., T'roihus armatus
(iein., Cardita teniiicosta Sow., Lima Hoperi Mant., Scaphites Qeinitzi
d’Orb. u. a., vor Allem aber auch die dort so häufige Tirchratula simii-
glohofd Sow. 2. ist es nicht unwahrscheinlich, dass in den früheren, jetzt
längst verschütteten Strehlener Steinbrüchen nicht nur der echte Strehlener
l'läncr, sondern auch an deren Rasis die hängendsten Schichten gerade
jener Stufe aufgeschlossen waren, die als unterste Rrongniarti-Zone auf-
gefasst werden muss und in der wir gesammelt haben. Da damals die
palaeontologische Ausbeute nicht nach ihrer Herkunft Schicht für Schicht
getrennt gehalten wurde, mag eine Vermischung der Fossilien beider
Horizonte stattgefunden haben. Diese Venmithung wird durch die Re-
merkung Schlönbach's*) be.stärkt, dass in den tiefsten Schichten, die in
*) .Jalirb. der k. k. geolog. ReidisansUilt 1SH8, Bd. 18, S. Mo.
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früherer Zeit in den Strehlener Kalkbrüchen zugänglich waren, Ammonites
WooUgari Mant. in solchen Exemplaren häufig war, die ebenso wie die-
jenigen der Malnitzer Schichten früher für Ammonites Ehotomagensis
llrougn. gehalten wurden. Ebendieselben Formen liegen uns, und zwar
in grösserer Zahl aus den Ziegelgruben von Kücknitz vor. Da dieser
Auimonit nirgends in den Teplitzer Schichten Böhmens und auch bei
Weinböhla nicht gefunden wurde, ist es wahrscheinlich, dass er nur in
diesen liegendsten Schichten Strehlens vorkam. Die üehereinstimmung
der Fauna des Käcknitzer I’länermergels mit derjenigen des Krietzschwitz-
Schnceherger Brongniarti- Pläners ist zwar eine sehr geringe, immerhin
ist aber bedeutungsvoll, dass alle bei Kücknitz häufigeren Arten auch ini
Krietzschwitzer Pläner nachgewiesen sind, und dass in letzterem wie bei
Kücknitz Ammoniien WuoUgnri Mant. mit Imceramm Brongniiirti Sow.
und Miaaster cor tesUulinarium Goldf. vergesellschaftet ist. Mit den
Malnitzer Schichten Böhmens zeigt dagegen die l'auna von Räcknitz grosse
Verwandtschaft,
Durch obige Beobachtungen und Erörterungen dürfte nach-
gewiesen sein, dass sowohl in der Sächsischen Schweiz, wie
bei Dresden im Hangenden der Labiatus-Stufc ein bisher nicht
abgeschiedener, zur Brongniarti-Stufe gehörender Complex vor-
handen ist, welcher einen untersten Horizont der letzteren re-
präsentirt, also älter ist als der Strehlener Pläner.
Es ist zu erwarten, dass sich diese Beziehungen später, wenn in ver-
schiedenen anderen Ziegeleien, z. B. bei Leubnitz etc., dieselben Pläner-
mergel besser aufgeschlossen sein werden, weiter begründen und erhärten
lassen. So wird bei Klein-Luga unweit Niedersedlitz ein Mergel gegraben,
aus dem Beck*) Micraster cor festudinarium Goldf. sowie Lima elnngata
Sow'. nennt, denen wir noch TurriUdla multidriata Keuss und Natica
Oentii Sow. zufügen können. Wegen seiner Lagerung im Hangenden der
Labiatus-Stufe, sowie der Häufigkeit der auch bei Kücknitz reichlich ver-
tretenen Lima dongata Sow. und der oben genannten Xatica, dürften die
.Mergel von Luga dem nämlichen Horizonte angehören wie die von Räck-
nitz. Dahingegen repräsentiren die bei Zschertnitz aufgeschlossenen Mergel
ein jüngeres Niveau. Wenn sie auch an dieser Stelle nur sehr w'enige
und zur Horizontbestimmung nicht geeignete Fossilien lieferten, so ent-
hielten doch die direct in ihrem Liegenden durch einen Brunnen erreichten
Mergel Vertreter der typischen Strehlener Fauna und zwar, wie Geinitz**)
berichtet, u. a. Lima Hoperi Mant., Inoccramus Brongniarti Sow., Tere-
hratula semiglohosa Sow, und Terehratidina gradlm Schloth., weshalb
diese und die ihr unmittelbares Hangende bildenden erst erwähnten Mergel
Von Zschertnitz zu den Strehlener Schichten zu stellen sind.
4. Ser Brongniarti-Quader und der Strehlener Pläner als aequivalente
Faoiesgebilde.
Haben wir somit erkannt, dass über demselben, den untersten Hori-
zont der Brongniarti-Stufe bildenden Complex von Plilnern und Pläiier-
mergeln im Gebiet der Sächsischen Schweiz der Brongniarti -Quader, bei
•) Krläutcruiifreu Sect. Kreisclio, S. 74.
*•) Sitzuiigsberiilile ilcr Isis 18(>"), S. nö.
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77
Dresden dagegen der Brongniarti- Pläner folgt, so kann kein Zweifel ob-
walten, dass beide letzteren gleiches Alter besitzen und demnach aequivalcute
Faciesgebilde repräsentiren.
Der Brongniarti-Quader der Sächsischen Schweiz und der Brongniarti-
Pläner von Strehlen schliessen sich räumlich aus und gelangen nur in
einer in nord-südlicher Richtung ül)cr Pirna verlaufenden schmalen Zone
zur Vergesellschaftung. Aus Beck’s genauer Aufnahme und Kartirung
dieses Striches lässt sich schliessen, dass hier nicht, wie es bei den bisher
behandelten Stufen des Inoceramus labiatus und des Actinommax pUmus
der Pall war, ein allmählicher Uebergang, sondern vielmehr eine aus-
keilende Wechsellagerung zwischen beiden Facies besteht.
Eine solche auskcilende Wechsellagerung findet aber nicht nur zwischen
den eben genannten beiden Faciesgebilden der oberen Brongniarti -Stufe,
also zwischen dem Quader und dem Strehlener Pläner, sondern auch
innerhalb der im vorigen Abschnitt betrachteten untersten Abtheilung der
Brongniarti -Stufe statt, indem sich die in der Sächsischen Schweiz im
engsten Verbände mit dem Krietzschwitzer Brongniarti Pläner auftretenden
Grünsandsteine nach NW auskeilen, so dass in der Dresdner Gegend, wie
oben dargethan, die gesammte Zone aus Plänermergel besteht. Zur Er-
läuterung der angedeuteten Verbandsverhältnisse der einzelnen Glieder
der Brongniarti-Stufe diene das beistehende schematische Profil Fig. 14.
Fig. 14.
Firna
j6
Scüema.tisches Profil der Brongniarti-Stufe in der Pirnaer Gegend znr
ErlSute'rung der Verknüpfung der Quader- und Pliinerfacies dieser
Stufe durch auskeilende Wechsellagerung*).
Labiatus-Stufe: ql = Labiatus- Quader, pl = Labiatus -Pläner, in einander
übergehend. — Untere Brongniarti-Stufe: pb, ^ unterer Brongniarti-l’länermergel
und -Pläner, m= Mergel im Liegenden vou qj',, qy, = unterer GrUnsandstein, qy,
= oberer Grünsandstein. — Obere Brongniarti-Stufe: pbj = oberer Brnngniarti-
Plänermergel, q b = Brongniarti - Quader. — Scaphiten-Stufe: msc = Seapbiten-
Mergel.
Jlati sieht auf demselben zu unterst die I-abiutus-Stufe, die von SO nach
NW aus dem Quader ((jl) in den Pläner fplj übergeht, ferner als Han-
gendes des gesammten zur Darstellung gebrachten Schichten -Complexes
die Scaphiten- Mergel (msc), zwischen beiden die verschiedenartigen Ver-
treter der Brongniarti-Stufe, zunächst deren untere Abtheilung, und zwar
rechts in der Entwickelung der Sächsischen Schweiz die Grünsandsteine (iiyi)
und (ii/,), den Brongniarti -Pläner (pb,) und den untersten Mergel (m),
säinmtlich in Wechsellagerung. Nach NW zu, also im linken Thcile des
*) Siehe die .\umerkiing auf S. 3d ül»er die Bm-hstabensymbole.
Digiti
78
Profils, tindet eine allmähliche Auskeilung der Grünsandsteine statt, so
dass die Pläner und Mergel allein zur lleri-schaft gelangen. Das gleiche
Verhältniss lierrecht innerhalb der oberen Ahtheilung der Brongniarti-Stufe,
dem Brongniarti -Quader der Sächsischen Schweiz (qb) und dem oberen
Brongniarti-Pläner, also dem Strehlener Pläner (pbj).
innerhalb der unteren Brongniarti-Stufe ist der obere Grünsand-
stein (qy!) nur von localer Bedeutung, er steht bei llottwerndorf und
Krietzschwitz als /wischenmittel zwischen dem unteren (qb,) und dem
oberen (pb,) Plänermergel an, keilt sich aber nacli jeder Kichtung, nach
der er sich verfolgen lässt, bald aus. Der untere Grünsandstein (qy,)
dagegen bleibt im Gebiet der Sächsischen Schweiz allerwärts im Liegemlen
des dortigen Brongniarti-Pläners (pb,), also des Krietzschwitz-Schneeberger
Pläners entwickelt und greift auch am weitesten von allen turonen Sand-
steinen nach NW über. Während er am Gottaer Spitzberg und von hier
bis in die Gegend von Pirna noch mehrfach mit Plänerraergeln (m) wefhsel-
lagcrt, die sich dort zwischen ihn und die Labiatus -Stufe einschieben*),
findet bei Hinterjessen das gleiche Verhandverhälfniss zwischen ihm, dem
Grünsandstein und ilem sein directes Hangendes bildenden Krietzschwitzer
Pläuermergel statt**). Hierin kommt die auskeilende Wechsellagerung
zum Ausdruck, in Folge deren der Grünsandstein von der Gegend von
Pirna aus gänzlich durch den Pläner und Plänermergel ersetzt wird, ln
dem nordwestlich sich anschliessenden Plänergebiet selbst ist derselbe
nirgends aufgeschlossen oder erhohrt worden.
Aehnliche Verhältnisse wie in der unteren Abtheilung der Brongniarti-
Stufe herrschen in deren oberen Abtheilung, also zwischen dem
Brongniarti- Quader (qb) der Sächsischen Schweiz und dem bei Dresden
als Strehlener l’läner entwickelten oberen Brongniarti-Pläner und Pläner-
niergel (pb,). Letzterer schiebt sich bereits in der Gegend von Neundorf
und Krietzschwitz zwischen ilie hier local entw-ickelte obere Grünsandstein-
bank der unteren Stufe und den normalen Brongniarti -Quader ein, lässt
sich von hier aus am rechten Thalgehänge der Gottleuba bis jenseits
i’irna verfolgen, ist bei Copitz und Hinterjessen unmittelbar im Liegenden
des Brongniarti -Quaders aufgeschlossen und in der Klbniederung bei
Birkwitz durch eine ausgedehnte Grube blossgelegt. Von hier aus bis
in die Dresdner Gegend fehlen .\ufschlüsse dieses oberen kalkigen Com-
j)lexes der Brongniarti-Stufe, erst bei Strehlen war derselbe in früheren
Jahrzehnten durch die dortigen Steinbrüche blossgelegt und hat eine so
reiche paliieontologische Ausbeute geliefert, dass die ganze Zone nach
diesem, ihrem günstigsten Aufschlussorte die Bezeichnung „Strehlener
Pläner" erhalten hat. Dass die Plänermergel, welche sich von Birkwitz
und Hinterjessen aus unter den sich hier bereits auskeilenden Brongniarti-
tjuader***) einschieben und sich ebenfalls bald auskeilen, in der That dem
Horizonte der Strehlener Pläner entsprechen, geht daraus hervor, dass
ilicse Mergel, trotzdem es dort an günstigen Aufschlüssen fehlt, ausser
Foraminiferen die folgenden typischen Vertreter der Strehlener Fauna
geliefert haben f):
*) Erläuterungen Sect, l'irna, S. (i‘i.
**) Erläuterungen ,Se< t. Pim.v, ,S. «6.
*•*) Erläuterungen Scct. Pinia. ,S 71.
•fl Mach (ieinitz; Charakteristik, S. 106; Bcck: Erläuterungen Sect. Pirna, ,S. 67.
und eigenen Funden.
79
Hifpsodon Lewcsiemin Ag.
(J.ri/rhina MantelU Ag.
Corax hetorodon Iteuss.
Knoplodi/tia Leachi Mant.
&aphiten Geinitzi il'ürb.
yaatilus siiblaevigalus d’Orb.
Tniclius armatus d’Orb.
Curdita tenuicosta Sow.
T'c-niis öoldfussi Gein.
Inoctramus latus Mant.
Pectcn Nilssoni Goldf.
Exogijra lateralis Nilss.
Micrastvr cor testndinarium Goldf. sp.
Cidaris suhvesiculosa d’Orb.
Aus der Tliatsache, dass diese dem Strehlener Horizonte entspret'benden
I’länermergcl von der Gegend südlich und östlich von I'irna aus durch
den sie hier überlagernden llrongniarti -Quader alltnählich bis zu ihrem
Verschwinden verdrängt werden, da'-s sie andererseits nach NW, also nach
Dresden zu, an Mächtigkeit zunclinien und zugleich der Quader vollständig
verschwunden ist, — aus diesen Thatsachen lässt sich bereits schliessen,
dass der Brongniarti- (Quader der Sächsischen Schweiz und die oberen
d. h. Strehlener l’länermergel und Pläner der Dresdener Klbthalwanne
aequivalente Faciesbildungen der oberen Abtlieilung der Brongniarti-Stufe
sind. Es fragt sich nun, ob diese Schlussfolgerung durch den Vergleich
der beiderseitigen Faunen, also derjenigen des Brongniarti -Quaders mit
derjenigen des Brongniarti-riäners von Strehlen, eine Unterstützung tindet.
Ob, mit anderen Worten, beide trotz der herrschenden Faciesvcrschieden-
beit eine genügende Aehulichkeit aufweisen.
Aus dem jJrongniarti-Quader der Sächsischen Schweiz sind bis jetzt
folgende Fossilien bekannt geworden*):
Bergx- nmatus Ag. (St.)
AmmoHites peramplus Sow. (St.)
Jdioladomga nodutifera Münst. (St.)
Glgcimeris Geinitzi Holzapfel. (St.)
cf. Fenns faha Sow. (St.)
Eriphgla lenticularis Goldf. (St.)
Finna cretarea Schlötb. (St.)
— decussata (ioldf. (St.)
cf. Modiola Cottae Rom. (St.)
Inoceramns Brongniarti Sow. (St.)
— Lumarcki i’ark. (St.)
Lima pseudocardium Heuss. (St.)
— semistdeata Nilss. (St.)
— Boperi Mant. (St.)
— ranalifvra Goldf. (St.)
Pectcn laevis Nilss. (St.)
— cretosus Defr. (St.)
*) Geinitz in SitznngHliericlite der Isis lH7rt. .S. HJ. u. 1882, S. 70. Die Ori-
ginale beKnden sieh theils iui K. Jlaseum. theiis in der Terlinisclien Hocbschnle.
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Vola qiiadricostafa Sow. (St.)
Kxo(/!/ra columha Lai«. (St.)
Rhi/nchondla plicdtiUa Sow. (St. (
Cidaris siihvesiculosa il'ürb. (St )
Ci/phnsoma rudiatum Sorg«. (St.)
Ötrdutsler anatichi/tin Lfske.
Catop!/!iug albensis (iein.
Stell(wier Scliuhii Uoicli.
— allends Gein.
Die überwiegende iMelirzahl derselben, niimlich die durch (St.) ge-
kennzeichneten Formen, kommt auch im Strehlener Pläner vor. Das
Fehlen einiger dieser Qnaderfossilien im Pläner, so von Finna, Car-
diasfer, Catopyi/us, Sttdluster sp., wohl auch der im Quader freilich über-
aus seltenen Flioludomya, dürfte dadurch zu erklären sein, dass diese
Formen die sandige Facies bevorzugen. Auch die sonstigen Verschieden-
heiten, die sich in den Faunen des Quaders und des Strehlener Pläners
und zwar in erster Linie in der grösseren Reichhaltigkeit des letzteren
kundgeben, sind wesentlich Folgen der Faciesverschiedeuheit beider Ge-
bilde. So ist der Strehlener Pläner ausgezeichnet durch zahlreiche Fisch-
roste, wie sie im Quader fast nie erhalten sind, wo nur Wirbel als grosse
Seltenheit gefunden werden, so solche von lirryx ornatw> Ag., einer der
charakteristischen Arten des Strehlener Pläners. Der häutigste der Streh-
lener Cephalopodcn, Ammonites perumplus Sow. ist im Quader vorhanden.
Dass in letzterem Gastropoden, von denen namentlich JioateUaria in Strehlen
häutig war, fehlen, kann nicht befremden, da solche, wie S. 3G und 53
erörtert, kalkig-tlionige Sedimente bevorzugen. Auch die V’erbreitung
mancher Lamellibranchiaten ist von der Art der Facies abhängig. So ist
z. 1!. der in Strehlen sehr häutige Spondi/lns ftjiinoifits Sow. noch nirgends
im Q>uadersandstein gefunden worden, ist er doch durch seine langen
Stacheln als eine Form gekennzeichnet, die milden schlammigen Roden
liebt. Untel- den sonstigen Zweischalern Strehlens befinden sich viele mit
dünner Schale, die entweder überhaupt nicht im Quailer auftreten, oder
in ihm nicht erhalten blieben. Als höchst charakteristisch für den Streh-
lener Plänerkalk gelten ferner Ihrbratula mninlobom Sow. und Tere-
bratidma grarilis Schloth., welche, wie S. 3(i gezeigt, ebenfalls nicht in
dem meist grobkörnigen Quadersandstein erwartet werden können. Ferner
dürfte das Fehlen von Micrader und Holasler im Quader mit grosser
Wahrscheinlichkeit auf den Finfiuss der Facies zurückzuführen sein, da
beide sowohl in den Pläncrniergeln, die älter als der Rrongniarti-Quader,
als auch in denen, die .jünger als dieser letztere sind, Vorkommen. End-
lich waren die Foraminiferen, wie sie im Strehlener Pläner zahlreich vor-
handen sind, zur Erhaltung im Quader nicht geeignet und voraussichtlich
in seinem .Vblagerungsgebiet überhaupt nicht vertreten. jMit Rcriicksich-
tigung dieser faunistischen Faciesuntcrschiede zeigt es sich, dass die Fauna
des l$rongniarti-()uaders derjenigen des Strehlener Pläners analog ist und
dass beide eine Anzahl charakteristischer Leitfossilien, so Ammoniten
j/eramphis Sow., Inocvramiis Brongniarti Sow. unil Lamarchi Park., Lima
Hoperi .Mant. und Vgphosoma radiutum Sorgn. gemeinsam haben. Auch
aus palaeon tologischen Gründen kann es somit nicht zweifel-
haft sein, dass beide Sedimente, der Rrongniarti-tjuader der
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81
Sächsischen Schweiz und der Strehlener Plänerkalk als gleich-
alterige Faciesgebilde zu betrachten sind.
Das Ergebniss der vorstehenden Untersuchungen lässt sich dahin zu-
samnaenfassen, dass in der Brongniarti-Stute Sachsens eine Gliederung in
zwei Zonen durchführbar ist. Die ältere, direct auf die Labiatus-
Stufe folgende Zone umfasst einerseits den als Krietzschwitzer Pläner
bekannten Brongniarti- Pläner und den früher als Copitzer Griinsandstein
bezeichneten Glaukonitsandstein der Sächsischen Schweiz, anderentheils als
dessen reine Kalkfacies einen bisher als zur I.abiatus- Stufe gehörig be-
trachteten Pläuermergel, der augenblicklich bei Räcknitz und Klein-Luga
aufgeschlossen ist. Charakterisirt ist diese Zone ausser durch Inoce-
ratnus Brongniarti Sow. durch Ammonites Woollgari Maut., Lima dongata
Sow., ..4rca snbglabra d’Orb. und Bapa cancellata Sow. sp. Sie ist sowohl
in der Sächsischen Schweiz, wie bei Dresden als Pläner und Pläuermergel
entwickelt, mit denen sich irn erstgenannten Gebiete noch Grünsandsteine
vergesellschaften. Die jüngere Zone der Brongniarti-Stufe besteht
aus jenen Plänern und Plänermergeln, denen der Brongniarti-Plänerkalk
von Weinböhla und Strehlen, der Plänermergel von Birkwitz und Ilinter-
jessen im Wesenitz -Grunde zugehören, andererseits aus dem sie in der
Sächsischen Schweiz vertretenden Brongniarti-Quader. Als für diese Zone
charakteristische Fossilien sind u. a. Inoceramns Brongniarti Sow.,
Ammonites peramplns Sow., Lima Hoperi Mant., Terebratula semigJobosa
Sow. und Cgphosoma radiatnm Sorgn. zu nennen. Dieser Comple.v zeigt
die ausgesprochenste Faciesdifferenzirung, indem er in dem einen Gebiet
als Quader, in dem anderen als Pläner und Pläuermergel auftritt. Beide
Facies sind durch auskeilendc Wechsellagerung verbunden.
Nicht im Einklang mit dieser Zweitheilung scheint auf den ersten
Blick der Umstand zu stehen, dass bei Tetscheu ein Brongniarti -Quader
dem Labiatus-Quader direct auflagert, ohne dass, wie bei Pirna und am
Hohen Schneeberg der aus Grünsandstein und Pläner bestehende untere
C'omplex der Brongniarti-Stufe beiden zwischengeschaltet ist. Oflenbar
findet hier eine Vertretung auch dieser unteren Abtheilung der Brong-
niarti-Stufe durch den Quader statt. Bereits auf Section Rosenthal hat
der Krietzschwitz - Schneeberger Pläner, wie Schalch*) berichtet, die
Tendenz, sich in nördlicher Richtung auszukeilen: ebenso verliert der
Grünsandstein mehr und mehr seinen Glaukonitgehalt, bis er endlich in
der Nähe der Elbthalrinne glaukonitfreie Ausbildung erlangt bat**). Dort
wo diese GrUnsandsteine und Pläner fehlen, also in der Gegend von
Tetschen und Elbleiten, weist der Brongniarti-Quader zwei, je nach ihrem
Niveau verschiedene Ausbildungen auf***). Der untere Complex ist fein-
körnig, weich, plattig oder bankig geschichtet und giebt einen bindigen
Verwitterungsbollen, der obere hingegen ist grob- bis niittelkörnig, dick-
bankig geschichtet und verwittert zu Sand. Da der erstere auch in seiner
Mächtigkeit, nämlich 30 — 60 m, völlig dem Complex des Krietzschwitz-
Schneeberger l’läners und Grünsandsteins entspricht, der zweite, darüber
*) Erläuterungen Seit. Kosenthal, S. .14.
•*) Erläutemngeii Seit. Rosenthal, S. Z7, u. Erläuterungen Sect. Oro.sser Winterberg-
Tetsi'hen, S. 31.
***) Erläuterungeu Sect. Grosser Wiuterberg-Xetschen, S. 34.
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82
folgende aber viel grössere Mächtigkeit besitzt, ist es sehr walir-
scbeiiilich, dass dieser untere, feinkörnige Ürongniarti-Quader
eine rein sandige Facies des Krietzschwitz - Schneeberger
Brongniarti-l’läners und (irünsandsteins, also der unteren Ab-
theilung der Brongniarti-Stufe vorstellt, und dass mir der obere,
grobkörnige Bningniarti- (Quader die Fortsetzung des zwischen Pirna und
dem Hohen Schneeberg über dem Krietzschwitzer Planer liegenden Brong-
niarti-Quaders ist und somit allein die obere Abtheilung der Brongniarti-
Stufe repräsentirt. Zahalka*) constatirte bei liaudnitz in Böhmen ganz
ähnliche Verhältnisse, indem er zeigte, dass die unteren Quader der Iser-
Scbichten einem gewissen Horizont der Malnitzer Schichten entsprechen.
In der Gegend von Dresden und derjenigen von Totschen-Elbleiten
würden also die Extreme der Faciesuntcrschiede innerhalb der gesammten
Brongniarti-Stufe zu suchen sein, in ersterem Gebiet die rein mergelig-
kalkige, in letzterem die rein sandige Facies.
*) 1. c. S. 85.
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Stale fies Inocei’amus Hi'onj^niarti.
83
Nach Obigem erhalten wir folgende
Tabellarische XJebersleht über die Gliederung der Brongniarti-Stufe
Saohsens.
Kein sandige
Sandig-kalkige
Rein kalkige
Aequiva-
Facies.
Facies.
Facies.
lentc in
Ty]ius Tetschen.
Typus Hoher
.Sclmeeberg.
Typus Dresden.
Biihraen.
1
Grobkörniger
lOiadersandstcin
Plänerkalk nml ^
QuadersaniUtein
der Sächs. Schweiz
• Merisel von Wein*
von Tetsclicn ninl 1
von I’irna bis zum
hohla, Strehlen nnd
1 3
Klbleiten, mit /«o*
Hohen Schneeberg,
Birkwitz mit Ino-
1 «
cmmiiis Broufj^
mit Inoceramus
Cframus Brong-
Teplitzer
1 JS
niarti niid Lima
Brongniarfi, Lima
niarti , Lima Ho-
1 ^
ca«rt/i/ern. '
canalifera und Ho-
peri, Spondylus «/n-
Schichten
peri.Ct/phosoma r«-!
nosus, Terebraluin
und
1 ^
(lialum nnd Ammo-
gemigloboga, Cypho-
1 s
1
niteg peramptus.
8oma radiatum, Mi-
Iser-
cragter cor testmti-
I O
narium, Anmioniteg
peraniplug und Xep-
luni, Heteroeerag
Hengginnum, Sca-
phiteg Geinitzi und
/I cfinocamnj- gtreh-
Schichten
z. Tb.
lense. |
Feinkörniger
Plänern. -Mergel
Plänermergel
Quadcrsandstein
von Krietz.«chwitz,
von Räcknitz, Klein-
bb
0
von TeUclien und
Langenliennersilorf
I.nga nnd im Unter-
Elbleiten mit Ino-
nnd Schneeherg. mit
gnindc von Drt‘.sden
Iser-
SS
0)
ccranius Brony-
niarti.
fnoceratnns Brong-
fiiarti, Lima eloti-
mit Mieraster cor
tesfudifinrium, Ho-
Schichten
JA
gnta, Area eub-
lasfer planus, Lima
z. Th.
JS
glabra, Hapa can-
e/ongata, .-Immom-
und
ceUata^ Ämmonites
teg ifoollgari.
V
u,
Woollgari, u.(t r ü n -
Malnitzer
O)
.Sandstein mit
Schichten.
Inoceramtis Brony-
i
5
niarti f Area 8ub-
glnhra, Rhyncho-
nella bohemica.
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84
Inhalts-VerzeichnisB.
8cil«
Kinleitendp Benierkmigeii 31
I. Hie Qnftiier- und IMHiierfnoies der Stufe des Inocernmu» Inliiatus 32
1. Die Quaderfaeies (Profil 11 32
2. Die Plänerfat-ies 34
3. Vergleich der Faunen beider Facies 35
II. Das obere Cenoman und seine Faciesverschiedenheiten .... 37
1. Da.s Verbältniss des Carinaten-t:iuader8 zum (‘arinaten-Pläner (Profil 2 und 3) 37
2. Die Gliederung des Cenomans 46
3. V'ergleieh der Fauna des Carinaten- Pläners mit deijeuigen des PlSner-
sandsfeins »52
III. Die K lippenfaeies des Cenomans 53
1. IVesen und Cliarakteristik der Klippenfaiies 53
2. Beschreibung der Klippenfaeies .56
a) Die Klippenfaeies auf dem .Syenitrücken bei Planen (Profil 4—9) . 56
b) Die Klippenfaeies auf dem Granitit des Gamighübela, bei Kauscha
lind bei l.ockwitz (Profil 10 und 11) 61
c1 Die Klippenfaeies auf der Porphyrknpiie des Kahlebusches (Profil 12) 64
d) Die Klippenfaeies anf dem Granitit von Meissen 66
e) Die Klippenfaeies auf dem Gneiss des Oherauer Tunnels (Profil 13) 66
3. KHckblick auf die Fauna der Klippenfaeies 67
IV. Die Faciesgebilde der Stufe des Inoceramus Brongniarti .... 70
1. Die bisherigen .\nsichten bezüglich der Aeqnivalentgebilde in der Brong-
uiarti- Stufe 70
2. Der Brongniarti -Pläner der Sächsischen Schweiz als selbständige untere
Zone der Brongniarti- Stufe 72
3. Nachweis der unteren Abtheilung der Brongniarti -Stufe bei Dresden . . 73
I. Brongniarti - (piader und Sirehlencr Pläner als aeiinivalcnte Faciesgebilde
(Profil 14; 76
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VI. Neue Unieiifelder aus Sachsen. II.
Von Prof. Dr. J. Deichmüller.
Haltestelle Klotzsche.
Ira Frülijaltr 1884 wurde beim Bau der Secuiidäreisenbabn Klotzsclie-
Köriigsbrück an der Stelle, wo dieselbe von der Dresden-Görlitzer Haupt-
bahn abzweigt, in unmittelbarer Nähe der Haltestelle Klotzsche eine
Anzald Urnengräber aufgefunden, über deren Aufdeckung und Inhalt
H. Wiechel in der „Festschrift der naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis“
1885, S. 125 u. flg. einen kurzen Bericht veröffentlichte. Aus diesem geht
hervor, dass an dem Fundort ein Gräberfeld der älteren Gruppe der
Urnenfelder vom Lausitzer Typus angeschnitten worden ist, dessen Zeit-
stellung durch das mehrfache Vorkommen von Buckelurnen bestimmt wird.
Eine vom Verfasser jenes Berichtes in Aussicht gestellte, ausführlichere
Veröffentlichung über die Ausgrabung mit beigegebenen Abbildungen ist nicht
erfolgt, die Funde selbst gelangten auch nur zum Theil und zumeist zer-
brochen in den Besitz der prähistori-
schen Sammlung in Dresden. Die
wenigen besser erhaltenen Gefässe
sind in den nebenstehenden Figuren
1 — 7, die Bronzebeigaben in Fig. 16,
17, 19 und 20 nach Skizzen dar-
gestellt, welche sich bei einem von
H. Wiechel an das Königliche Finanz-
ministerium erstatteten Berichte über
die Funde von Klotzsche befinden.
Unter den Gefässen, deren Fonnen
zu den in den ältesten Urnenfeldern
Sachsens sehr häufigen gehören,
fallen durch ihre Verzierungen zwei
Bruchstücke*) auf, deren eines (Fig.4)
mit eingefurchten parallelen länien
und dazwischen gestellten Reihen
scharf eingestochener Punkto ver-
ziert ist, während das andere (Fig. 5) am Gefässhals eine horizontal vor-
stehende breite Thonleiste mit Henkelansatz trägt — üriiamente, welche
vorher aus sächsischen Urnenfeldern nicht bekannt waren.
♦) An.s Grab 1 kü H. Wiechel, a. a. 0. .8. 126.
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86
11. Wiechel sprach a, a. O. S. 126 die Verinuthuiig aus, dass sich das
Gräberfeld wohl auch über den Theil des liahnhofsareals erstrecken
dürfte, auf welchem die Geleise der Dresden-Görlitzor Eisenbahn und die
Anschlussgeleise der Sccundärbahn Klotzsche- Kiinigsbrück gelegt sind —
eine Vermuthung, die in neuester Zeit durch weitere Urnenfunde auf der
östlichen Seite des Bahnhofsgebietes bestätigt worden ist. Wenig mehr
als 100 in von der älteren Fundstelle in südlicher Richtung entfernt
wurden im Herbst 1899 bei den Vorarbeiten für eine ausgedehnte Central-
weichenanlage in dem lockeren Sandboden wiedeiaini versebiedene Urnen-
gräber aufgedeckt, die Gefässe aber in Folge der Unkenntniss der Arbeiter
bis auf wenige, jetzt in der Dresdner prähistorischen Sammlung aufbewahrte
Reste vernichtet. Von grösseren tiefässen waren nur einzelne Bruchstücke
erhalten, u. a. auch solche von Buckelurncn. Als Deckel zu Urnen mögen
wohl die beiden Schüsseln (Fig. 1.8 und 14) gedient haben, deren eine
gehenkelt, <am mittleren Umfange mit perlschnurartig an einander gereihten
Hachen, elli])tischen Tupfen geziert und auf der Unterseite durch Gruppen
radi.al gestellter Striche in einzelne, mit horizontalen Strichen ausgefülltc
F’elder getheilt ist. Weiter vorhanden sind ein kleines doppelheukeliges
Gefäss (Fig. 9) und mehrere halbkugelige oder fluchgewölbte Näpfchen
(Fig. 8, 10 und 12). Das eine in Fig. 8 abgebildete ist am Rande mit
einem griffartigen Ansatz versehen und war mit feinem, durch reichlich
beigemengte llolzkohlentheilchen dunkelgefärbtem Sand gefüllt. Zu den
selteneren Formen gehört ein durch seine geringe Grösse auffallendes
enghalsiges Gefäss (Fig. 11). Von Beigaben wurden gefunden eine scheiben-
förmige Thonperle (Fig. 15) und eine Bronzenadel mit quergerippteni,
scheibenförmigem, nach oben fiaclikegelig erhöhtem Kopf (Fig. 18).
Üeher die Grabanlagen selbst konnte nur wenig in Erfahrung gebracht
werden; alle Gräber waren in geringer Tiefe unter der Oberfläche gefunden
worden, einzelne mit flachen Bruchstücken des in der Nachbarschaft überall
auftretenden Lausitzer Granits umstellt gewesen, in mehreren Gefässen
hatten sich gebrannte Knochen befunden.
Zweifellos gehören die neuesten Funde derselben Zeit an wie die-
jenigen aus dem J.ahre 1884; nach den örtlichen Verhältnissen kann als
sicher angenommen werden, d.ass dieselben nur die südlichen Ausläufer
desselben Gräberfeldes sind, dessen nördlicher Rand an der Secundär-
eisenbahn nach Königsbrück angeschnitten wurde, wenn auch über das
Vorkommen von Urnengräbern in dem zwischenliegenden Gebiete nur
unsichere Angaben vorhanden sind*).
Batin-Kiesgrube NNO Haltestelle Klotzsche.
In Abtheilung 6.8 des Langebrücker Staatsforstreviers, etwa 1,5 km
nordnordwestlich der Haltestelle Klotzsche, zwischen der Dresden-
Görlitzer Flisenbahn und der Strasse von Klotzsche nach Langebrück ist
vor längerer Zeit zur Gewinnung von Schüttungsmassen für Eisenbahn-
bauten eine Kiesgrube angelegt worden, ln dieser wurde im September
1899 beim Abräumen der oberfläcblichen, humusreichen Erdschicht durch
Aufdeckung zweier Urnengräber ein neues Urneufeld aufgeschlossen, welches
•) H. Wiechel, a. a. ü. 8. 1!16.
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87
sich nach Lage der Grabstellen in östlicher liichtiing nach der Klotzsche-
Langehrücker Strasse hin zu erstrecken scheint. Die Urnen standen in
CU. 60 cm Tiefe unter der Dodenobertläche und waren nach Angabe des
den Betrieb der Kiesgrube überwachenden Schachtineisters mit grösseren
Steinen umstellt. Das eine Grab enthielt nur eine grössere, mit Knochen
gefüllte, doppelhenkelige Urne (Fig. '21) mit hohem, nach der Mündung
nur massig verengtem Hals und in der Mitte stumpfkantig gebrochenem
Gefässhauch; in dem anderen standen um die leider gänzlich zerstörte
Urne iin Kreise vier Beigefässe herum, unter denen sich ein henkelloser,
eiförmiger Topf mit verhält-
nissmässig hohem, einge-
schnürtem Hals und nach
aussen umgelegtem Rand (Fig.
il2), ein hoher Krug mit wei-
tem, bandförmigem Henkel
(Fig. 2S) und zwei kleinere
krugartige Tassen (Fig. 24
und 25) befinden. Als Beigabe
Lag in einem der beiden Grä-
ber eine zusaminengebogene
Bronzenadel aus rundem
Fig. 21—25 in ’ Fig. 26 in ’/j rler natürlichen
Griisse.
Draht, deren oberes Endo flach gehämmert und spiralig eingerollt ist
(Fig. 26). Die Fuiulgegenstände werden in der prähistorischen Sammlung
in Dresden aufbewahrt.
Wenn auch in diesem Funde von den für die älteren Gräberfelder
vom Lausitzer Typus um meisten charakteristischen Gefässformen, den
Buckelgertissen, doppelconischen Näpfen und henkellosen eiförmigen Töpfen
nur die letztere vertreten ist, so weisen doch die übrigen Formen, welche
bisher in Sachsen nur in den ältesten Urnenfeldern gefunden worden sind,
darauf hin, dass die Urnengräher in der Bahnkiesgrube auch zu Beginn
der Periode der grossen Urnenfelder angelegt und gleichalterig mit den
an der Haltestelle Klotzsche uufgedeckten sind. Wegen der weiten, mehr
als 1 km betragenden Entfernung von letzterer F’undstelle können beide
Fundstätten kaum mit einander in Verbindung gebracht werden. Es ist
sicher zu erwarten, dass beim Fortschreiten des Abbaues der Kiesgrube
in östlicher Richtung weitere Urnengräher aufgefundeu werden.
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VII. Das ei*ste Aiiliydritvorkominniss in Sachsen
(und Böhmen).
Von Dr. W. Bergt.
Im l’hoiiolithbrucli von Schlössel bei Uammer-l'iiterwiesentlial*)
fand Herr Lehrer H. Döring zu Dresden im Jahre 1896 ein MineraL
welches nach mehreren Seiten grösseres Interesse hcansprucht. Der basalt-
ähnliche, augitreiche l’honolithstock des genannten Ortes ist durch einen
tiefen Einschnitt der Bahn und durch einen in lebhaftem Gange befind-
lichen Steinbruch sehr gut aufgeschlossen. Er zeichnet sich durch prächtig
entwickelte, säulenförmige Absonderung, radialstrahlige Stellung der Säulen
und senkrecht zu diesen durch ebenplattige Auflösung hei der Verwitterung
aus. In den im Bruch aufgehäuften l’honolithblöcken und -stücken findet
mau stets zum Theil recht hübsch ausgebildete Zeolithdrusen. Die Er-
läuterung zu Blatt Kupferherg führt Natrolith, Analciin, VSkolezit, ?Thom-
sonit und Kalkspath an.
Das von Herrn Döring hier gefundene Mineral ist blauer Anhydrit.
Er scheint eine kugelige oder ellipsoidische, mandelähnliche Masse von
beträchtlicher Grösse im Phonolith gebildet zu haben. Denn mehrere
Proben zeigen den Anhydrit in festem Zusammenhang mit dem Gestein;
an einem 90 X 70 mm grossen Handstück .stellt die scharfe Grenze zwischen
Mineral und Gestein eine leicht gekrümmte Fläche mit grossem Krümmungs-
radius dar, vielleicht den Ausschnitt aus der breiten flachsten Stelle eines
Ellipsoides.
Das Mineral ist, wie eine qualitative und ijuantitative Analyse ergab.
Anhydrit von lebhaft und schön smalteblauer Farbe, ln seinem groben
Korn und seiner meist stengelig-strahligen Structur gleicht es z. B. der in
den Sammlungen verbreiteten gelblichen und röthlichen grobkörnigen Aus-
bildung von Hallein. Nach den Grenzen zum Phonolith hin nimmt unser
Anhydrit meist eine weisse Farbe an, weisse Partien schiessen unregel-
mässig strahlenförmig in die blaue .\nhydritmasse hinein. Während diese die
dem Mineral eigenen rechtwinkeligen Spaltbarkeiten nach o&Poo, ocPco
und nach oP deutlich zeigen, bemerkt man beim Uebergang in die er-
wähnten weissen Stellen eine allmähliche Verwischung der .Anhydrit-
spaltbarkeit, ebenso eine Umwandlung der grobkörnigen in eine feinkörnige
Structur und eine Abnahme der Härte des Anhydrites von 3—8,5 bis zur
•) Gi'olugische Spicialkarte des KiSnigreichs Sachsen. Watt Kujiferberg Xo. 118
von X. Sauer. 1882. S. 65.
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80
Härte 2. Eine chemische Untersuchung bestätigte, dass diese Erscheinungen
die bekannte Umwandlung des Anhydrites in üyps darstellen. Während
der blaue Anhydrit einen (Jlühverlust (Wasser) von 0,37 “o zeigte, ergaben
zwei Bestimmungen der veränderten Substanz 2,54 “ i, und 19,67 “o Wasser.
Dieser letzte Wassergehalt kommt dem des (jypses mit 20,9.5 “ o fast gleich.
Zwei über wallnussgrosse Proben weissen grob- bis feinblätterig körnigen
Gypses aus dem gleichen Steinhruch dürften zu diesem Vorkommniss
geboren und ebenfalls aus .\nhydrit entstanden sein.
Anhydrit hez. Gyps stossen aber nicht unmittelbar an den Phonolith,
vielmehr schiebt sich zwischen sie eine die W’ände des Hohlraumes aus-
kleidende schmale Schicht dichten weissen Kalkes, der unter dem Mikro-
skop ein ziemlich gleichmässiges gröberes Korn zeigt.
Anhydrit scheint in dem Phonolith von Schlüssel nur äusserst selten
aufzutreten; ja das von Herrn Döring aufgefundene Vorkommen dürfte
bisher das einzige bekannte sein. Das mineralogische Le.xikon für
das Königreich Sachsen von A. Erenzel (1874) und die Erläuterung zu
Blatt Kupferherg berichten davon nichts, auch sonst sind dem Verfasser
keine Nachrichten darüber bekannt. Als der Verfasser im Jahre 180.8
den Bruch besuchte, waren nur Zeolithe zu finden. Auch ein von Herrn
Döring vcranlasstes N’achforschen nach weiteren Anhydritproben in den
Jahren 1897 und 1898 blieb erfolglos.
Das Vorkommen von Anhydrit im Phonolith von Schlüssel beansprucht
aus zwei Gründen noch besondere Beachtung, 1. weil es das erste Auhydrit-
vorkommniss für Sachsen hez. Böhmen überhaupt zu sein scheint, 2. wegen
der Frage nach seiner Entstehung.
1. Der Phonolithhruch von Schlüssel liegt unmittelbar an der säch-
sischen Grenze auf böhmischem Gebiet. Politisch gehört also unser An-
hydrit unbestritten zu Böhmen. Da aus diesem Lande weder im minera-
logischen Le.xikon für Österreich von V. v. Zepharovich (3 Bde. 1859,
1873, 1893) noch in der Geologie von Böhmen von F. Katzer (1892) An-
hydrit aufgeführt wird, so scheinen wir das erste Auhydritvorkommen
in Böhmen vor uns zu haben.
Wissenschaftlich aber kann man den Anhydrit von Schlüssel, von der
unmittelbaren Nachbarschaft abgesehen, deshalb auch für Sachsen in An-
spruch nehmen, weil das genannte Gebiet zugleich im Bereiche der sächsi-
schen geologischen Karte liegt. Für Sachsen sind nun die den Anhydrit
betreffenden Verhältnisse recht merkwürdig, ln dem mineralogischen Lexikon
von A. Frenzei (1874) fehlt Aidiydrit ganz, und in den Erläuterungen zur
sächsischen geologischen Specialkarte wird das Mineral, soweit dem Ver-
fasser bekannt, nicht aufgeführt. Dagegen sind schon lange zahlreiche,
auf Erzgängen vorkommende Pseudoiuorphosen nach Anhydrit bekannt.
J. Roth*) gieht folgende Zusammenstellung mit Litteraturangahen: Pseudo-
morphosen nach Anhydrit von Tautoklin (Braunspath) von Kurprinz
Friedrich August bei Freiherg nach Breithaupt, von Spatheisen von Kur-
prinz bei Freiberg nach Dana (Sideroplesit nach Frenzei), von Quarz in
Geyer, Grube Kurprinz bei Freiberg, Frisch Glück bei Blaucnthal und
Spitzleite im Eibenstöcker Revier nach Blum, Gemenge von Quarz und
Rotheisen von der Spitzleite nach Breithaupt, von Rotheisen auf der Grube
*) Chemische (ieologie I, 1879, ,S. 19Z.3; s. anih A. Fretizel: Mineralngischcs
Lexikon, 8 83, 1.51, ilöl, Z9<J.
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90
Frisch Glück bei Eibenstock nach Zepharovicb, Gemenge von Eisenkies
und Kalkspatb von der (irube Neue Ilofinung Gottes bei Brilunsdorf nach
Breitbaupt. Bagegen ist dem Verfasser keine Nachricht über stofflich
erhaltenen Anhydrit bekannt, ein Umstand, welcher Zweifel darüber
aufkommen lässt, ob alle Deutungen der genannten Pseudomorphosen
nach Atdiydrit richtig sind*).
Wir hätten demnach auch für den Bereich der sächsischen
geologischen Karte stofflich das erste Auftreten des Minerales.
2. .Anh}'drit und mit ihm Gyps, welche aus einander hervorgehen,
sind als Mineralien und Gesteine an drei verschiedene Lagerstätten ge-
bunden. Die allermeisten Vorkommnisse mit den grössten .Massen tindeii
sich in den Sedimentformationen vei-schiedenen Alters als Begleiter des
Steinsalzes. Man hielt sie hier bis etwa zur Mitte dieses Jahrhunderts
auf der einen Seite für platonisch, auf der anderen für nmgewandelte
Kalke (durch Schwefelverbindungen, besonders schwefelige und Schwefel-
säure), während heute allgemein eine nicht inetaraorphe Bildung, ein ur-
sprünglicher .Absatz aus dem .Meereswasser für sie angenommen wird.
Diesem lager- oder Hötzförmigen .Auftreten gegenüber bergen die beiden
anderen Arten auf Erzlagerstätten und in vulkanischen tjcbicten nur
verschwindende .Mengen dieser Mineralien. An A'ulkanen entstehen sie
durch Einwirkung von Schwefelverbindungen auf sublimirte Chloride.
Wie oben erwähnt, giebt es in Sachsen verhältnissmässig zahlreiche
Vorkommnisse von Anhydrit auf Erzgängen, freilich nur noch der Form
nach, nicht stofflich. L'nd aus vulkanischen Gebieten wird Gyps häutig,
Anhydrit dagegen sehr selten und .ausdrücklich als sehr selten auftretend
erwähnt. Einige der wenigen dieser Anhydritvorkommnisse sind: Einschlüsse
in der Lava von Aphroessa bei Santorin, in Auswürflingen des Vesuvs, au
den Soffionen in Toskana, in Kalinka in Ungarn (nach llaidinger hier durch
Einwirkung von Schwefelwasserstoff auf Augitandesit entstanden)**).
Für die Entstehung des Anhydrites im l'honolith von Schlüssel
kommen zwei Möglichkeiten in Betracht. Entw'eder ist das Mineral
A. eine Neubildung im Gestein wie die Zeolithe, oder
B. ein fremder Einschluss.
A. „.Als secundäres neptunisches Mineral in den Leucitgesteinen“
erwähnt J. Both***) Gyps, „dessen Schwefelsäure aus dem Hauyn her-
rührt"; und „unter den Verwitterungsproducten der schwefelsäurehaltigen
Ilauyne findet sich Gyp.s“T). ln gleicher Weise würde die Schwefelsäure
unseres Anhydrites auf den llauyn zurückzuführen sein. Dabei muss
aber die merkwürdige Thatsache berücksichtigt werden, dass Hauyn in
den Gesteinen, Phonolithen wie Basalten, des Gebietes (vergl. Blatt
Kupferberg 14S und Blatt Wiesenthal 147) zwar ganz allgemein und
zum Theil sehr reichlich verbreitet ist, dass aber gerade der Phonolith
von Schlüssel ebenso wie die drei Phonolithlappen von Hammer- Untcr-
*1 Die Herren Oberbergrath Prof. I)r. Wei.sstiacb uinl Dr. .A. Freiizel in Frei-
berg halten die Frenndlichkeit, dem Verfasser auf seine Anfrage niitzntbeilen , dass
ihnen auch kein .Anhvdritvorkommniss in .Sachsen hekaiiut sai. Herr Dr. Frenzei be-
zweifelt ehenfalla die l’seudoinorphoscn Itreithanpl's.
Vergl. auch .1. Koth: Chemische Oeedogie III. Is90. S. 103, 282. 297/8, 301.
**') Chemische Oeologie II, .S. 208.
t) Khenda, S. 2.')4, Ztkj
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91
wiesenthal nach den Ausfulirunf;en in der Erläuterung zu Blatt Kupler-
berg frei von Hauyn sind. Dieser ITinstaiul bildet aber keinen end-
gültigen Beweis gegen die Annahme nachträglicher Entstehung des An-
hydrites. Ist es doch zur Genüge bekannt, wie wechselnd selbst in
kleinen Eruptivniassen und -gebieten die petrographische Zusammensetzung
häutig ist. So wird der nicht weit nordwestlich von unserem Phonolith
im Kalk aufsetzende Phonolithgang ;ils hauyuhaltig angegeben. Unter
den Bruchstücken an dem Gehänge dem Kalkberge gegenüber (Bl. 14H)
finden sich hauynarme und haiiynreiche Phonolitbe, darunter solche, in
denen erbsengrosse zahlreiche Hauyue allein den porphyrischen Geineng-
theil ausmachen.
Man könnte vermutben, dass sich bei wässeriger Bildung nicht das
wasserfreie Sulfat Anhydrit, sondern das wasserhaltige Gyps ausscheiden
würde. Diesem Einwand gegenüber ist zu berücksichtigen, dass man den
Anhydrit in den Sedimentforniationen ebenfalls für eine ursprüngliche
neptunisebe Bildung hält und zwar gestützt auf Erscheinungen in der
Chemie und auf Experimente, welche zeigen, dass unter gewissen, aller-
dings noch nicht ganz geklärten Verhältnissen (bedingt durch Druck,
Temperatur und Gegenwart von Cblornatrium) nicht Gyps, sondern An-
hydrit entsteht*).
B. Scheint so die Möglichkeit der nachträglichen wässerigen Bildung
unseres Anhydrites zu bestehen, so si)rechen zwei Umstände für die zweite
Annahme, für die Einscblussnatur. Die beiden Umstände sind: 1. Der
einschliessendc Phonolith zeigt auch in der Nachbarschaft
keine Zersetzungs- und Auslaugungserscheinungen, er ist bis
an den Einschluss heran frisch, und 2. an der unter dem Mikro-
skoi> buchtig erscheinenden Grenze von Gestein und Mineral,
auch frei iin Mineraleinscbluss schwimmend findet man zahl-
reiche kleine runde, etwa stecknadelkopfgrosse Phonolith-
bröckchen, welche ebenfalls unverändert, höchstens durch die
nachträgliche Wasserzufubr beeinträchtigt sind. Als endogene
Contaetwirkung müssen aufgefasst werden die feinblasigc
(mikroskopisch) Beschaffonlieit und die abweichende Structur
einer etwa 1 — 2 mm breiten Grenzzone des Phonolithes. In
dieser findet eine Verdichtung des Gesteins statt, ausserdem
nehmen die Grundmassenfeldspät he eine schärfere und zwar
nadelförmige Gestalt und eine ausgeprägt radialstrahlige An-
ordnung an. Die gleiche Erscheinung bemerkt man an den
erwähnten Bröckchen der Grenzschicht.
Bei der zweiten .\nnahme bieten sich wiedernm zwei Möglichkeiten;
entweder ist der Anhydrit ein ursprünglicher unveränderter Eremd-
einschluss oder ein metamorphes Gebilde.
Dass Anhydrit in Sachsen und Böhmen bisher unbekannt ist, wurde
schon oben erwähnt. Wir befinden uns hier in einem rein archäischen
Gebiet, in der Glimmerschieferformation, in der bisher unbekannt ge-
bliebene Anbydriteinlagerungen, denen unser Einschluss entnommen sein
könnte, so gut wie ausgeschlossen erscheinen. Ebensowenig ist hier in dem
nur aus Basaltconglomerat und -tufl' bestehenden Tertiär .\nhydrit bekannt.
*) Vergl. F. Zirkel: Petrographie III. 1894. S. .523 4. — .1. Roth: Chemische
üeologie I, 1879, S. 6.52.
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0>
Eine Möglichkeit wäre, dass sich in kalkigthonigen Tertiärschichten,
ähnlich wie hei den oben erwähnten Soflionen von Toscana, Anhydrit
gebildet hätte, der dann vom Phonolith aufgenominen wurde.
Eine nicht von der Hand zu weisende Annahme ist endlich, dass der
Anhydrit umgowandelter Kalk ist.
Bereits oben wurde die bis zur Mitte dieses Jahrhunderts vertretene
Ansicht erwähnt, der Elötzanhydrit und -gyps wäre durch Schwefel-
verbindungen umgewandelter Kalk. Wenn auch diese Ansicht der neueren
hat weichen müssen, so sind doch eine ganze Anzahl von kleineren Gyps-
und Anhydritvorkominnissen nacliweisbar durch vulkanische Gase, durch
Schwefelwasserstoff und Scbwefel<iuellen umgewandelte Kalke und Uolo-
mite (Gyps bei Selvena in Toscana nach Coquand 1849, Gyps von Aix in
Savoyen nach Murchison , die Anhydrite von Modane in Savoyen nach
Ues Cloizeau.x 1895, Gypse von Tarascon in den Pyrenäen nach Zirkel und
Pouech 1867 und 1882 u. s. «’.)*). Für eine derartige Entstehung des
Anhydrites von Schlüssel bieten sich folgende Anhaltspunkte. Die Gliminer-
scliieferformation unseres Gebietes ist sehr reich an Kalkeinlagerungen.
Der Kalkbcrg südlich von Schlüssel dürfte den zahlreichen Kalkvorkomni-
nissen seinen Namen verdanken. Wenig über 1 km nordwestlich von dem
Phonolith von Schlüssel streichen bei den Berghäusern sechs kleinere und
grössere Kalklager zu Tage aus. Das südöstliche Hauptlager setzt, wie
man durch einen Stölln weiss, noch wenigstens 100 m unter dem Dasalt-
tuff fort**), also auf den Phonolith von Schlüssel zu. Es liegt so durchaus
in dem Bereich der W'ahrscheinlichkeit, dass der Phonolithstock von
Schlüssel eine solche Kalkeinlagerung berührt und Gestein davon los-
gerissen hat, welches dann durch die im Phonolithmagma enthaltene
Schwefelsäure in Anhydrit verwandelt wurde.
Merkwürdigerweise bietet die nächste Umgebung hierfür das allerbeste
Beispiel. Die eine von den sechs Kalkeinlagerungen bei den Berghäusern
wird von einem 2 m mächtigen Phonolithgang durchsetzt. Dieser Phono-
lith enthält nun Bruchstücke des Nebengesteines, des krystallinischen
Kalkes, die stellenweise so häutig werden, dass eine durch Phonolithceinent
verbundene Breccie entsteht***).
Bemerkenswerth und für die obige .\nnahme scheinbar ungünstig ist
hier nun das in der Erläuterung zu Blatt Kupferberg (148. S. 69) er-
wähnte Ausbleiben von Contacterscheinungen: „Die Kalkeinschlüsse schei-
nen keine Veränderungen erlitten zu haben.“ Aber auch dafür giebt es
in der grossen Litteratur der Contactmctamorphose zahlreiche Beispiele.
Aus den Erörterungen geht zur Genüge hervor, welche Bedeutung
dem an sieh geringfügigen Anhydrit im Phonolith von Schlüssel zukommt.
Vielleicht sind weitere Funde und Untersuchungen (z. B. der zuletzt er-
wähnten Kalksteinschlüsse) in dem Gebiet geeignet, die hier gepflogenen,
mehr hypothetischen und theoretischen Erörterungen auf sicherere Füsse
zu stellen.
*1 F. Zirkel: Petrugrnphie III. 1894, S. 5Z4 5.
*•) m 148. S 48.
Bl. 148, S. 68 9.
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der
Naturwissensehaftliehen Gesellschaft
^ ISIS
in Dresden.
Uerausgegeben
von dem Redactions-Gomitö.
Jahrgang 1900.
Mit K Tafeln lud Vi Abbildungen im Text.
Dresden.
In Commission der K. Sachs. Hofbuchhandluug H. Bnrdach.
1901.
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Inhalt des Jahrganges 1900.
Hanns Brnno fleinitz | S. V.
A. Sitzungsberichte.
I. Sectlon für Zoolog^le S. 3 und 21. — Bär, W.: Zwei für die Omis DenUchlands
neue Vogelarten 8.3. — Drude, O.; Ueber F. Unger's „Die Pflanze im Moment der
Thierwerdung“, mit Bemerkungen von H. Xitache, 8. 4; neues Mikroskop der Firma
Seibert S. 22; Vorlagen 8. 4; neue I.itteratur S. 4 und 22. — Ebert, R.: Die Fauna
der Tiefsee im .\llgemeinen 8.3; Zunabme einhcimi-siher Vögel 8.4; Chun’s Tiefsee-
Ezpedition 8. 22. — Heiler, K.; Biologie der (.'opropliagen , über eine bei Oi-öditz
gefangene 8childkrötc 8. 21. — Nitscbe, H.; H. B, Oeiiiitz -j-, .Sehwungfedern des
Kasuars 8. 3; verschiedenartige Ausbildung der oberen Eckziibne bei den verschiedenen
Formen der recenten Hirsche, Vorkommen dos Wasserschmätzers in Sachsen 8. 4,
Aussetzung nichtsächsLscher Amphibien bei Tharandt, Schädel einer vierhörnigen
iTabelantilone 8.21; ornithidogische Beobachtungen im Engadin 8. 22; neue Littcratnr
8. 21. — Schiller, K.: Neue Lilteratur 8. 3, 4 und 21. — Schöpf, A.: lieber
sibirisches Rehwild, Vorlagen 8. 22. — Schorler, B.; Neue Litteratur 8. 22. —
Thallwitz, J.: Ueber Höhleuthiere 8.4; Missbrauch beim Verkauf von Krammets-
vögeln S. 22.
II. Sectlon für Botanik 8. 5 und 23. — Drude, O.: Einrichtung von Herbarien für
pflanzengeo^phische Demonstrationen, vorläniige Bemerkungen (Iber die floristi.sche
Kartographie von Sachsen >S. 5; phänologiscbe Bemerkungen Uber die Ketardation
des Frühlings im Jahre IHOO S. B; Ueberwinterung immergrüner Gewächse, Aufblüh-
geschwindigkeit der Biuthen, Anordnung der Vegetation im Karwendelgehirge 8.7;
neue Litteratur 8.5, 6 und 23; und Schorler, B.: Floristische Arbeiten
und Ezeursionen im Sommer 1900 8.23. — Ostermaier. ,T.: Vorlage von Ab-
bildungen von Alpenpflanzen 8. ,5; .Schutz der Alpenpflanzen, Eintritt der Frühlings-
flora von Überammergau 8. 6. — Schiller, K. : Neue Litteratur 8. 5 und 23. —
Schorler, B.: Referat über Gradraann's „Pflanzenleben der Schwäbischen Alb“,
neue Litteratur 8. .5. — Wobst, K.: Vorlage verschiedener Ro.seuformeii 8. 5.
III. Sectlon für Hineralogic und Geologie 8. 8 und 23. — Bergt, W.; Anhydrit
ans dem Phonolith von Schlössel, über Mikromineralogie 8. 8, neue Litteratur 8. 8
und 23. — Engelhardt, H.: Neue Litteratur 8.8. — Kalkowsky. E.: Kieselige
Sandsteine aus den „Salzpfannen“ Südafrikas 8.21 — Menzel, P.: Entstehung der
Alpen und Bildung des .Mittelmeeres 8.8. — Naumann. E.: Neues Kalkspath-
vorkommniss vom Zwieseler Erbstolln ,S. 24. — Excursion in die RathssteinbrUebe
bei Planen 8. 9.
IV. Section für prflhlstorisrhe Forschnngen ,S. 9 und 24. — DeichmUller, .1.:
Bemalt.! Geschiebe aus der Höhle von .Mas d'Azil 8 9; neolithiache Gefässe von
Klotzsche, NUnchritz und t'ossebaude, spät.slavisches Skelcttgräberfeld von Nieder-
sedlitz. Vorlage von .Steingerätlien 8. II ; der 12. internationale Anthropologencongress
und die prähistorischen Sammlungen in Paris 8. 24; schnurverzierle Gefässe aus
Sachsen 8. 25, neue Litteratur 8. 10, 24 und 25. — Döring, H.: Feuersteinwerk-
stätten auf Rügen, Nationalmnseum nordischer Alterthümer in Kopenhagen, Fener-
steingerüthe aus sächsischen Fundorten 8. 9; Funde von den Burgwällcn bei Alt-
coschütz, Niederwartha, Lockwitz, Altoschatz, Leckwitz und Löbsal, von den neo-
lithischen Herdstellen in Lockwitz, neuer .Steinzeitfund aus Lackwitz 8. 10; über
Kinderklappem aus Sachsen 8.24; Vorlage von Steingeräthen .S 24. — Ebert, O.:
Vorgeschichtliche Wandtafeln für Westpreussen und lUr die Provinz Sachsen 8. II.
— Engelhardt, H : Vorlage eines Steinbeils .8. 25. — Kalkowsky. E : Prä-
historisches aus Ungarn S 25. — Ludwig, H. ; Vorlage eines Mahlsteins von Kan.scha
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IV
S. 11; vorgesehiclitliche Xiederlassuiig bei Obcrpovritz S 24. — Wagner, P.: Neue
Litteratnr S. 24
V. Sectlon für Phjalk und Chemie S. II und 25. — Kevthien, A.; lieber Geheim-
mittel und Nährpräparate S 27. — Hallwaehs. W.: Die elektrolythiache Leitung
in festen Körjiem und deren Anwendung bei der Nemstlampe S. 12. — Heger, R. ;
lieber Kueraetik ini Unterricht S. 2ti. Meyer. E. von: Rückblick auf die wich-
tigsten Entwickelnn^phn.sen der Chemie im 19. Jahrhundert S. 11. — Pinnow, J.:
Unterscheidung von Talg und Schmalz S 28. — Rehenatorff, H. HersGlInng der
f rauen Modilication des Zinns, Beobachtung vagabondirender Ströme S 12; neue
orm des Cartesianischen Tauchers S. 12 und 2.5; Vorführung physikalischer und
chemischer Versuche S. 25; über eine neue der Taucherglocke ähnliche Vorrichtung,
Elfindung der Taucherglocke, Geschichte der Erlindung des Thermometers S. 25 —
Wolf. C. : Zerstörung der Salpetersäuren Salze durch Bakterien 8. II.
VI. Sectlon für Mathematik S. 13 und 27. — Heger, R.: Berührungsaufgaben und
Kreisverwaiidt.schaft S. 13; Kugelberührnngsaufgaben und Kugelverwandtschaft S. 27.
— Helm.G.: Ueber Mathematik und Chemie S 29. — Krause, M : Ueher graphischen
Calcül .S. 13 — Müller, F.: Tabelle zur Kalenderhcsiimmung S. 13. — Nätscli, E.:
Ueher Translationsflächeu S. 27. — Pestel, R. M.: Sphärometer für dioptrische Zwecke
S. 28. — Vieth, .1 von: Ueher Ceniralhewegung S. 13. — Witting, A.; Fadeu-
modell der abwickelbaren SchraubenHäche S. 14. — .
VII. Hanptversammlungen .S 14 und 29. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 15
uud 30. — tiedenkfeier für H. B. Geinitz S. 14. — Beamte im Jahre 1901 S. 32. —
Beschluss über 8 ühr-Beainn der .Sitzungen S. 30. — Rechenschaftsbericht für 1899
8. 14, 15 und 18. — Voranschlag für 1900 S. 14. — Freiwillige Beiträge zur Kasse
S. 80. — G uthmauu- Stiftung S. 14. — Bericht des Bibliothekars S. 34. — Deich-
milller, J.: Ueber megalithische Denkmäler S. .30 — Drude, O.i Entwickelungs-
geschichte der mitteldeutschen Hügelflora S 30. — Engelhardt, H.: Neue IJttera-
tur S. 29. — Kalkowsky. E.: Uand uud läiute von Nordwales S 14; Oclächtniss-
rede auf H, B. Geinitz .S. 1.5. — Michael, E.: Formen uud Ursprung der Uorfanlageu
und der Flurauftheilung in Sach.<eu S. 1.5. — Ostermaier, .1.: Vorlagen 8.30. —
Pohle, R.: Reiseschilderuiigeu aus Nordrussland S. 15. — .Schlussmann, A.: Bei-
trag zur praktischen Ernährungslehre 8. 14. — Schneider, O.: Pillenwälzende Käfer
und ihre Bedeutung für die ägypti.sche Mythologie S. 29. — StUbel, A.; Rückblick
auf den vulkanischen Ausbruch des .lahres 1866 im Golfe zu Santorin S. .30. — Toepler,
M. : Kathoden- und Becquerel- Strahlen S. 1.5. — Exenrsion nach Nossen S. 1.5.
ü. Abhandlungen.
Bergt, W.; Der Plänerkalkhrnch hei Weinböhla. Mit Tafel I. S. .37.
Bergt. W.; Lausitzer Diabas mit Kantengeröllen. Mit Tafel VI. S. 111.
Deichmüller. .1.; Zwei neue Funde neolithischer achnurverzierter Gefässe aus Sachsen.
Mit 3 Abbildungen. S. 18.
Deichmüller. J.: Spätslavisches Skelettgräberfeld hei Niedersedlitz. Mit3 Abbild. S 22.
Düring. H. : Ueber Feuersteingeräthe aus sächsischen Fundorten. S. 15.
Drude, 0.: Vorläufige Bemerkungen über die floristische Kaidographie von Sachsen. S.26.
Drude, 0.: Die posiglaciale Entwickelungsgcschichte der hercynischen Hügelformationen
und der monfanen Felstlora. S. 70.
Menzel, P.; Die Gymuospermen der uordbfihmischen Braunkohlenfomiation.
Theil I. Mit Tafel II -IV S. 49.
Theil II Mit Tafel V und 1 Abbildung im Text. S. 8.5.
Nitsche, H.: Bemerkungen über das Vorkommen des schwarzbäuchigen Wasserschmätzers
uud einiger anderer seltenerer Vögel im Königreiche Sachsen S. 32.
Rebenstorff, H.: Schulversuche mit dcni Gartesianischen Taucher. Mit 5 Abbildungen.
S. 3.
Die Autoren sinU allein verantwortlich für den Inhalt ihrer
Abhandlungen.
Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf
besondereu Wunsch 25 Sonder- Abzüge gratis, eine grössere Anzahl gegen Erstattung
der Hcrstelluugakosten.
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t
Hanns Bruno Geinitz.
Die Arbeit seines Lebens.
Rede in der öffentlichen Sitzung der Isis am 22. Febmar 1900
ruD
Prof. Dr. Ernst Ealkowsky.
In Hanns Bruno Geinitz hat die naturwnssenschaftliche Gesellschaft
Isis vor wenigen Wochen, am 28. Januar, ihren Ehrenvorsitzenden verloren.
Er ist der Einzige gewesen, dem die Isis dieses in ihren Satzungen nicht
vorgesehene Ehrenamt übertragen hat in der Erkenntniss, dass diese Ehre
einem um die Gesellschaft hochverdienten Mitgliede und einem welt-
bekannten Gelehrten erwiesen wurde. Obwohl Geinitz als stiller deutscher
Gelehrter niemals vor die breite Oeffentlichkeit getreten ist, obwohl er
niemals anderswo als in Dresden gewirkt hat, ist sein Name doch überall
auf der Erde, wo Naturwissenschaft getrieben wird, bekannt und geehrt;
durch seine eigene Arbeit hat er sich unvergänglichen Ruhm erworben.
Erst in hohem Alter, im 86. Lebensjahre, ist er am Ende seiner Lauf-
bahn angelangt; vor 63 Jahren begann er seine wissenschaftliche Thätig-
keit, ununterbrochen folgte ein Werk dem .anderen, er erreichte den Gipfel
seines Wirkens und hatte dann noch Jahre lang ordnend und ergänzend
auf d.as Werk seines Lebens zurückblicken können, geehrt von Allen, die
mit ihm in Berührung kamen. Jetzt gehört seine Thätigkeit der Geschichte
an, und als eine Huldigung mag es betrachtet werden, wenn wir im Schoosse
unserer Gesellschaft seine Arbeiten und seine Leistungen an uns vorüber-
ziehen lassen.
ln diesem Hörsaale, von dieser Stelle aus hat H. B. Geinitz vor nun-
mehr sechs Jahren zuletzt zu seinen Studenten gesprochen, ihnen von
seinen reichen Kenntnissen und Erfahrungen mittheilend und selbst immer
wieder Kraft ziehend aus dem Verkehr mit der .Jugend. Wer nicht selbst
sein Schüler gewesen ist, kann über seine Lehrerfolge und seinen Einfluss
auf die Studirenden nicht urtheilen, aber alle seine Schüler haben ein-
müthig ihre Anhänglichkeit und ihre Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht,
als er hochbetagt aus dem Lehramte schied, um bei Gelegenheit der Er-
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VI
richtung eines vergrösscrten mineralogisch-geologischen Institutes in einem
neuen Gebäude selbstlos der Zukunft freie Ilahu zu lassen. Auf Tauseude
unserer Studenten hat er als Lehrer gewirkt, sie ausgestattet im Ilörsaal
mit mannigfaltigen Kenntnissen für den Bedarf in ihrer Stellung im prak-
tischen Leben, sie eingefübrt auf Ausflügen in die Erkennung des Scbalfens
der Natur in unendlichen Zeiträumen. Und mit Freude durfte er darauf
hinweisen, dass es ihm auch gelungen war, trotz der dem nicht günstigen Auf-
gaben der Technischen Hochschule, einige seiner Schüler für seine Wissen-
schaften so zu begeistern, dass sie ihre Thätigkeit dem rein wissenschaft-
lichen Betriebe der .Mineralogie, Geologie und Prähistorie gewidmet haben.
Diesen Wissenschaften widmete er ja selbst sein Leben ausschliesslich,
als die Zeit dafür gekommen war. Zuerst aber hatte er sich mit allen
Naturwissenschaften in umfangreichem Maasse bekannt gemacht, wie dies
in den dreissiger Jahren für joden Naturforscher selbstverständlich und
damals eben auch noch leichter möglich war, ohne eine besonders lange
Lehrzeit durchmachen zu müssen. Wir wollen aber auch nicht vergessen,
dass er überhauiit damals einer der Wenigen war, die sich ganz und gar
den Naturwissenschaften zu widmen wagten zu einer Zeit, als die Gegen-
stände dersell)en als blosse „Curiositäten“ bezeichnet wurden. Seine all-
seitige naturwissenschaftliche Bildung hat er dann auch in seinem Special-
fache in reichlichem Maasse verwenden können.
Nicht etwa in allen l)isci|)linen, die er amtlich zu vertreten hatte,
ist Geinitz gleichmässig als Forscher thätig gewesen, üeber einzelne
Mineralien hat er sich nur gelegentlich geäussert, und doch war er auch
Mineralog. Davon zeugen die prachtvollen Stufen, die er für das K. Mine-
ralogische Museum ausgewählt hat; sie beweisen, wie allgemein anerkannt
worden ist, dass er einen vorzüglichen Blick hatte für lehrreiche und
werthvolle Stücke. Und besondei-s hervorgehoben muss es werden, dass
er auch schon vor langen Jahren die Mineriilien nach seinem eigenen
Systeme angeordnet hatte, das durchaus .als N'orläufcr des jetzt allgemein
und allein gültigen Systems der Aufeinanderfolge nach rein chemischen
Grundsätzen gelten muss.
Auch in der Lehre von den Gesteinen hat II. B. Geinitz nur wenig
selbständig gearbeitet; immerhin verdanken wir ihm auch einige wichtige
Beobachtungen über Kohlen und andere Sedimentgesteine. Die „Uebersiclit
der im Königreiche Sachsen zur Chaussee- Unterhaltung verwendeten Stein-
arten“, die er mit C. Th. Sorge „zusammenstellte“, wie es im Titel heisst,
verfolgte mehr praktisch -technische Zwecke; sie hat keinen rein wissen-
schaftlichen Werth, wohl aber die Bedeutung, dass hier den Ergebnissen
der Wissenschaft Beachtung in der Praxis erobert wurde.
Ueberall in 11. B. Geinitzens Werken linden wir die Spuren, dass er
den Problemen der allgemeinen und der dynamischen Geologie rege Theil-
nahme entgegenbrachte, und dass er mit dem bekannt war, w.as Andere
erforscht hatten; aber diese Gegenstände, mit denen vor 40 und 50 Jahren
leider oft genug wenig wis.senschaftlich und wenig ergebnissvoll gespielt
wurde, waren vielleicht eben deshalb nicht gerade nach seinem Geschmack.
Fis berühren uns dennoch jetzt manche seiner Darstellungen recht ab-
sonderlich, z. B. die über lirhaltung von Versteinerungen, die auffällige
Fehler in der palaeontologischen Behanillung zur Folge hatten, die Angaben
über die Firhebung der Gesteinsschichten und Th.albildung durch Basalte
und .\nderes. Manche solcher bis in die letzte Zeit festgehalteuer Au-
VII
Behauungen galten längst als veraltet, jedoch um ihretwillen nimmt man
auch nicht seine Werke in die Hand. Immerhin hleiht es höchst charak-
teristisch, wie H. B. Geinitz sich in solchen Fragen nicht selten sehr
vorsichtig ausdrückt und sich den Rückzug deckt für den Fall, dass eine
andere Ansicht als die seine sich doch als die richtige erweisen sollte.
Dass H. B. Geinitz trotz seiner so umfangreichen geologischen Arbeit
für allgemeine Geologie kaum etwas geleistet hat, hängt mit seiner Sinnes-
art und vor Allem mit seinem eigensten Forschungsgebiete zusammen.
Wer ihn aber jetzt gerecht beurtheilen will, muss sich bemühen, nicht
von der Gegenwart aus zu urtheilen; er muss sich bemühen, die An-
schauungen von vor 40 Jahren zur Richtschnur zu nehmen und dabei
noch im Auge behalten, dass H. B. Geinitz stets innerlich ebenso fest
und unveränderlich blieb, wie er äusserlich als eine höchst charakteristische
Persönlichkeit allen jüngeren Geologen stets unverändert vor Augen stand.
Eine Aufgabe hatte er sich bei dem Beginn seiner Thätigkeit in
Dresden gestellt, und daran hat er sein ganzes Leben lang mit aller Kraft
und ohne alle Abschweifungen festgehalten, die Aufgabe, um seine eigenen
Worte in seiner letzten Veröffentlichung vom December vorigen Jahres
zu gebrauchen, „die Urgeschichte Sachsens in allen ihren einzelnen Epochen
zu erforschen und in dem wohlgeordneten Museum zu verewigen“. Dieses
Ziel hat er hartnäckig verfolgt, nicht nur mit aller seiner Arbeit, sondern
auch mit Hülfe seiner ausgebreiteten Bekanntschaft, mit Hülfe seiner
Kenntnisse, seiner Besuche in in- und ausländischen Museen und seiner
wissenschaftlichen Reisen in Deutschland und in fremden Ländern. Und
dieses Ziel hat er auch verfolgt selbstbewusst und sich wohl bewusst,
dass er das als einzelner Mann geleistet hatte, was in anderen Gebieten
auch viele Andere nicht zu Stande gebracht. Als ein in sich abgeschlos-
sener Charakter verhielt er sich Neuerungen gegenüber stets sehr zurück-
haltend; er war daher auch nicht geneigt, sich von Anderen belehren zu
lassen, bis er seinen Sinn durch eigenes Studium geändert hatte. Wenn
er dieses nicht durchführen konnte, blieb er standhaft bei seiner Ansicht
oder doch bei seinen Zweifeln; aber oft hat er sich auch selbst verbessert.
Seiner Zähigkeit entspricht es auch, diiss er mehrfach denselben Gegen-
stand nicht in einer neuen Auflage seines Werkes, sondern in einem ganz
neuen behandelt hat, sobald durch anhaltenden Sammeleifer und erneute
Untersuchungen für sein Thema ein neues Gewand gerechtfertigt war,
wie dies besonders für die Werke über Kreideformation in Sachsen gilt.
Wer in günstigen Verhältnissen lebt, ist eher geneigt, sein Thema auf-
zugeben, anderen nachzugeben, als wer durch unablässige harte Arbeit
mit mancherlei äusseren Schwierigkeiten kämpfend allmählich vorwärts
dringt. Und hart gearbeitet und brav gekämpft hat H. B. Geinitz in der
That wie wenig Andere. Wenn man ihm nicht lange persönlich nahe ge-
standen hat, kann man überhaupt gar nicht ausmachen, wie viel er in
Wirklichkeit gearbeitet hat: aber was der Fremde übereehen kann, wenn
er das ganze Lebenswerk an sich vorüberziehen lässt, zeigt doch unzweifel-
haft — unwillkürlich drängt sich liier eine Uebertreibung auf — er hat
die Arbeit geleistet von zwei Menschen. Menschlich ist es da nur, wenn
er auch öfters geirrt hat, wenn er manches Mal anderen Forschem nicht
gerecht geworden ist. Hundert«! von Geologen haben mit seinen Leistungen
sowie mit seinen Irrthümern zu thun gehabt, und viele werden sich auch
noch weiter mit dem Werke seines Lebens zu beschäftigen haben.
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VIII
Eine eines hervorragenden Mannes würdige Beurtheilung darf seine
Irrthümer nicht verschweigen; auch nach Abzug dieser enthalten seine
Leistungen immer noch so sehr viel, dass er mit Fug und Recht als einer
der verdienstvollsten Gelehrten unseres Vaterlandes für alle Zeiten gelten
muss. Die Gelehrtenwelt hat ja auch stets sein Wirken voll anerkannt
und ihm ihre Würden und Ehren zu Theil werden lassen in Deutschland
wie im Auslande. Die letzte Ehrung hat ihm in feiner und stiller Weise die
Societe geologique de France in Paris erwiesen. Vor zwei Jahren glaubte
er seine langjährige Mitgliedschaft bei derselben aufgeben zu müssen:
man antwortete ihm, dass die Societe geologique leider keine Ehren-
mitglieder ernenne; sie wolle es sich aber zur Ehre anrechnen, ihn als
Mitglied in ihren Listen weiter zu führen, auch wenn er ihr nicht mehr
die jährlichen Leistungen zukommen Hesse.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Aufgabe, die sich H. B. Geinitz
für seine Lebensarbeit gestellt hatte, nicht ganz so umfangreich war, als
wie er sie mit seinen vorhin angeführten Worten bezeichnete. Er wollte
die in Sachsen vorkomnienden geologischen Formationen vom palaeonto-
logischen Standpunkte aus durchforschen und die in den verschiedenen
Epochen auftretenden Formen des thierischen und pflanzlichen Lebens
schildern. Die ])alaeontologische Geologie in Sachsen, das war sein un-
beschränktes Reich. Obwohl in Sachsen, dem in vieler Beziehung
klassischen Lande der Geologie in Deutschland, im ganzen 19. Jahrhundert
viele Mineralogen und Geologen gewirkt haben, die auf den verschieden-
sten Gebieten Hervorragendes leisteten, so hat doch Niemand das palaeonto-
logische Material dieses Landes auch' nur annähernd so eingehend be-
handelt, wie H. B. Geinitz: mau darf selbst sagen, dass auf diesem Ge-
biete seinen Leistungen gegenüber alles Andere verschwindet. Ihm stand
ein überwältigendes .Material zur Verfügung, das er selbst gesammelt und
das ihm in noch viel reicherem Maasse von allen Seiten zur Verfügung
gestellt wurde. Er konnte dann aus dem Vollen schöpfen: er bestimmte
es, beschrieb es, bildete es ab, inventarisirte es. Einmal in dieser
Weise bei der Arbeit, hielt er auch alles Material fest, um es selbst zu
verarbeiten.
H. B. Geinitz erstrebte die Beschreibung und Abbildung aller in
Sachsen vorkomnienden l’etrefacten; viele derselben stellten sich als bis-
her unbekannte Species heraus, und die seinen Autornamen tragenden
Species zählen nach Hunderten. Der Vergleichung wegen ging er aber
auch oft über Sachsen hinaus in andere Gebiete Europas und auch Nord-
amerikas nach pei-sönlichen Studien an Ort und Stelle und nach dem
Material, das ihm als dem dafür Geeignetsten von anderer Seite zur
Bearbeitung überwiesen wurde. Hierbei beschränkte er sich durchaus
auf die l’etrefacten führenden geologischen Formationen, die im Gebiete
Sachsens zur Ablagerung gelangt sind: er hat niemals die archäische
Gruppe, die .Jura -Formation, die untere Kreide, das Tertiär und das
Diluvium in den Bereich seiner eingehenderen Studien gezogen.
Vor der Besprechung seiner Werke muss noch eines Verhältnisses
gedacht werdgn, das jene erst voll verstehen lehrt. Es ist schwer, sich
hierüber knapp auszudrücken, ohne ein Missverständniss befürchten zu
müssen. Eis mag paradox klingen: H. B. (ieinitz w.ar weder (Jeolog noch
Palaeontolog; er war eben beides zugleich, palaeontologischer Geologe
oder geologischer Palaeontologe, wenn man so sagen darf. Nie hat er
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IX
kartirt oder auch nur Skizzen veröffentlicht, die die Ergebnisse seiner
Studien und seiner Wanderungen leichter verständlich gemacht hätten
und dazu beigetragen hätten, seine Arbeiten seihst zu klären. Die
einzelnen geologischen Horizonte im Gelände streng und Schritt für Schritt
zu verfolgen, war ihm nicht genehm; doch muss man auch hierbei wieder
eingedenk bleiben der Art und Weise, wie diese Verhältnisse vielfach von
seinen älteren Zeitgenossen aufgefasst wurden. Was heute nicht mehr
erlaubt ist, galt damals für selbstverständlich und natürlich. Ferner:
obwohl H. B, Geinitz es wesentlich immer nur mit organischen Formen zu
thun hatte, hat er unsere Kenntniss der einzelnen Gruppen ausgestorbener
Lebewesen doch fast niemals durch rein palaeontologische Forschungen
anders gefördert, als durch eingehendere Schilderung einzelner Formen;
dabei hat er selten die Kunst der Präparation zu Hilfe genommen.
Wesentlich bezog er immer nur die organischen Reste auf die geologischen
Formationen. Auch hierin war er ein Sohn seiner Zeit; die Lehre von
der allmählichen Umwandlung der Arten hat sich ja zunächst den Palaeonto-
logen aufgedrängt, aber die zielbewusste Verfolgung ihrer Grundsätze hat
doch erst in den siebziger Jahren begonnen, als H. B. Geinitz die Haupt-
arbeit bereits hinter sich hatte. In seinem „Grundriss der Versteinerung.s-
kuude“ von 1846 wollte er den Zeitgenossen die bisherigen Ergebnisse
der palaeontologischen Forschung leichter zugänglich machen; in dieser
ergebuissreichen Zeit der Beschreibung immer wieder neuer Formen er-
schienen noch mehrere gleiche Zwecke verfolgende Werke, über die
die Geschichte das hart scheinende ürtheil fällen musste, dass sie kurz
nach ihrem Erscheinen veraltet waren. So hat auch 11. B. Geinitz’ um-
fangreicher „Grundriss“ keine weitere Auflage erlebt, zumal die Zahl
seiner Schüler, die dafür Interesse hatten und die Zahl derjenigen, die
sich mit diesen Dingen tiefer beschäftigten, doch nur verhältnissmässig
gering war.
Wollen wir die lange und äusserst umfangreiche Reihe der Abhand-
lungen und Werke, die H. B. Geinitz’ Namen tragen, hier nur im Allge-
meinen überblicken, so müssen wir einmal alle kleineren Veröffentlich-
ungen übergehen, und uns andererseits an die Reihenfolge der Formationen
halten, um die auf diese bezüglichen Werke zu würdigen.
Die ältesten versteinerungsführenden Formationen finden sich in
Sachsen namentlich im Vogtlande und in dem sich ostwärts anschliessenden
Gebiete Ost-Thüringens sowie im Fichtelgebirge. Dort treten die Schichten
der Cambriuras, Silurs, Devons und Untercarbons auf in stark gestörter
Lagerung und nur an vereinzelten Punkten petrefactenhaltig. Auch trotz
neuerer sorgfältiger Kartirungsarbeiten ist es, wie es scheint, noch nicht
gelungen, völlige Klarheit in die Verhältnisse des ganzen grossen Gebietes
zu bringen; so ist es auch nicht wunderbar, dass H. B. Geiuitz die hier
vorhandenen Aufgaben durch die Veröffentlichung seines Werkes „Die
Versteinerungen der Grauwackenformation in Sachsen und den angrenzen-
den Länderabtheilungen“ in den Jahren 1852 — 53 nicht lösen konnte.
Wir finden hier die Petrefacten, die schon aus anderen Ländern be-
schrieben waren, bestimmt und auf 26 Steindrucktafeln abgebildet. Das
Fossilien -Material ist wenig gut erhalten, und seit H. B. Geinitz ist
unsere Kenntniss nur durch wenige Einzeldarstellungen vermehrt worden,
in diesem Werke hat 11. B. Geinitz besonders auch die Graptolithen be-
handelt, damit aber wenig Glück gehabt; bei seinem scharfen Auge für
X
Thierformen erecheint es uns ganz befremdend, dass er die sogenannten
Nereiten und ähnliche schwer deutbare und ziemlich undeutliche Gebilde
zu der doch sonst scharf und klar definirten Gruppe der Graptolithen
rechnete. Er hat es wohl selbst gefühlt, dass die in Sachsen auch nicht
sonderlich gut erhaltenen echten Graptolithen einer erneuten Untersuchung
bedurften, die er 1890 in einer Abhandlung über „Die Graptolithen ira
K. Mineralogischen Museum in Dresden“ gab. Aber auch hiermit dürften
die Acten über die sächsischen Graptolithen noch nicht geschlossen sein.
Ein grösserer Formenreichthum von organischen Resten und zwar
von Pflanzen tritt uns in der productiven Steinkohlenformation in Sachsen
entgegen. Das reichliche Material aus Sachsen und umfangreiches V'er-
gleichsmaterial aus anderen deutschen und ausländischen Gebieten ging
H. B. Geinitz in grosser Fülle zu, und er hat die Pflanzenformen fast
aller einzelnen Gebiete untersucht und bestimmt in der Art und Weise,
wie (las seiner Zeit alle Geologen machten. Die Phytopalaeontologie aber
ist gerade eines der dem geologisch geschulten Forscher am schwersten
zugänglichen Gebiete, das auch in seinen Bereich hineinragt; erst in
neuerer Zeit ist man zu der Ueberzeugung gekommen, dass die fossilen
Pflanzen von botanisch geschulten Specialisten untersucht werden müssen,
nicht nur um ihre Stellung im natürlichen System der Pflanzen zu be-
stimmen, ihre Verwandtschaftsverhältnisse aufzuklären, sondern auch um
ihren Werth für die geologische Stratigraphie festzustcllen. Dem Scharf-
blick H. B. Geinitzens gelang es aber doch, bei seinen eingehenden
Prüfungen der aus den verschiedenen Teufen herstammenden Pflanzenreste
schon 1856 in seiner „Geognostischen Darstellung der Steinkohlenformation
in Sachsen“ mit 48 Steindrucktafeln in Folio zu erkennen, dass im
Zwickau-Chemnitzer Becken verschiedenartige Floren auf einander folgen,
die er von unten nach oben als Sigillarien-, Cal.amiten-, Annularien- und
F’amenzone bezeichnete. Allerdings wissen wir heute, dass eine solche
Gliederung nur localen Werth besitzt, und dass es nöthig ist, für eine
allgemeine Gliederung der productiven Steinkohlenformation ein anderes
Schema aufzustellen. H. B. Geinitz war auch selbst überzeugt, dass mit
seinen Untersuchungen über die Pflanzen der sächsischen Steinkohlenfelder
dieses Thema noch nicht erschöpft war, und in den letzten Jahren seines
arbeitsamen Lebens tiug der nie rastende Gelehrte von Neuem an, hier-
über zu arbeiten, um von Neuem zu prüfen, was ihm vor langen Jahren
bei der Fülle des zu bewältigenden Materiales vielleicht zu flüclitig durch
die Hände gegangen war.
Die steigende Bedeutung der Steinkohlen für unser ganzes wirth-
schaftliches Leben bewog II. B. Geinitz 1865 mit Fleck und Hartig, das
gross angelegte Werk „Die Steinkohlen Deutschlands und anderer Länder
Europas“ in Angriff zu nehmen, von dem er den ersten Band, die
„Geologie“, mit einem Atlas von 28 Karten herausgab unter der Mit-
wirkung von mehreren Dutzend Gelehrten und Bergleuten. Es ist seit-
dem kein ähnliches umfassendes Werk mehr erschienen, und man muss
staunen, mit welch bedeutender Kenntniss, mit welcher Mühe und Sorg-
falt nach äusserst beschwerlicher und weitschichtiger Correspondenz
II. B. Geinitz hier ein Bild der rein wissenschaftlichen wie auch der
technisch -bergbaulichen Verhältnisse zu Stande zu bringen bemüht ge-
wesen ist. Wir sehen ihn hier in ganz hervorragender Weise auf dem
Gebiete der gleichzeitigen Behandlung von Wissenschaft und Praxis sein
XI
reiches Wissen und Können verwerthen, und wem nicht genaue Kenntniss
seines Verkehrs und seiner persönlichen Beziehungen und auch seiner
Correspondenz zur Verfügung steht, der kann nur ahnen, welchen Ein-
fluss er auch auf die Entwickelung des Kohlenbergbaues in Sachsen ge-
habt hat. Zur Genüge aber ist cs Allen bekannt, wie er auf Grund
seiner geologischen Kenntnisse vor vergeblichen Bohrungen auf Kohle
gewarnt hat, leider ohne dass auf seine Stimme gehört wurde.
Da die Pflanzenreste führenden Schichten des Carbons zum Theil
ganz allmählich in die des Rothliegenden übergehen, so erstreckten sich
die Arbeiten von H. B. Geinitz auch auf die Floren dieses Systems, und
von den geringen Ueberbleibseln des folgenden Zechsteins in Sachsen aus
gelaugte er zum Studium des Thüringer, des deutschen Zechsteins, des
Zechsteins in anderen Ländern. Das Perm oder die Dyas, welch’ letztere
von Marcou eingeführte Bezeichnung II. B. Geinitz aufnahm, erhielt durch
ihn, den „besten Kenner dieser Formation“, die umfassendste Darstellung.
Nach vielen Einzeluntersuchungen und kleineren Abhandlungen gab er
1861 — 62 das grosse Werk in zwei Abtheilungen „Dyas oder die Zech-
steinformation und das llothliegende“ heraus, das für lange Zeit noch
das Grundwerk bleiben wird für die faunistischen Studien über diese
Formationen. Die erste Abtheilung mit 23 Steindrucktafeln behandelt
die animalischen üeberreste, die zweite Abtheilung mit 42 Steindruck-
tafeln die Pflanzen der Dyas und Geologisches. Eine grosso Anzahl von
Versteinerungen ist hier besclirieben und abgebildet worden, viele davon
als neue Formen zum ersten Male. In dem geologischen Theil finden
wir ausführliche Schilderungen der einzelnen Verbreitungsgebiete der Dyas
in Deutschland und in England, wo H. B. Geinitz selbst Beobachtungen
angestellt und gesammelt hatte. Die Beiträge von anderer Seite in
diesem grossen Werke sind unbedeutend gegenüber der persönlichen
Leistung von H. B. Geinitz.
Nach seinen eigenen Untersuchungen hatte er sich über die Gliederung
der Dyas eine feste Vorstellung gebildet, an der er festhielt, auch als
durch neuere Foi-schungen namentlich auch in entfernteren Gebieten un-
zweifelhaft dargethan war, dass schon allein der Name „Dyas“ nicht
mehr das Richtige traf. Der Streit nm ,,Dyas“ und „Perm“ und um die
specielle Gliederung dieser Schichtengruppe hat ihm bitteren Aerger und
Kummer bereitet.
lieber die triassische Schichtenreihe hat H. B. Geinitz wenig ver-
öftentlicht; hierher gehört aber seine Jenaer Inaugural- Dissertation vom
Jahre 1837 „Beitrag zur Kenntniss des Thüringer Muschelkalkgebirges“.
Diese erste Arbeit mag besonders genannt werden, um die Anhänglichkeit
und Vorliebe zu erwähnen, die H. B. Geinitz stets für Jena bewiesen hat.
Eine grosse Freude war ihm die Erneuerung des Doctor- Diploms nach
50 Jahren, und rührend und zugleich für ihn höchst bezeichnend war
es zu sehen, wie er 1890 auf einer E.\cursion mit Studirenden der
Hochschule nach Jena kam und seine dort auch noch lebende Wirtbin
aus der Studienzeit in seiner alten Wohnung besuchte, als wäre das
etwas Alltägliches.
In Dresden und im Elbthale fand H. B. Geinitz sich anf dem Boden
der Kreideformation mit ihrem in mehreren damaligen Aufschlüssen er-
staunlichen Fossilien- Rcichthum. Hier sammelte er selbst und hier
gingen ihm von vielen anderen Sammlern grosse Mengen von Petrefacten
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XII
zu : sind doch aus den Terhältnissmässig kleinen Kalkbrüchen bei Strehlen
gegen 200 verschiedene Thiere gekommen von der jetzt völlig bebauten
Stelle, die nichts mehr ergiebt. Dieses Kreidegebiet wurde nun von
H. B. Geinitz in allen Beziehungen durchforscht und in mehreren zu-
sammenfassenden Werken wiederholt beschrieben. Die complicirten \^er-
hältnisse der Kreideformation in Deutschland wurden nur schrittweise
klargelegt; H. B. Geinitz nahm daran auf Grund seiner Untersuchungen
an Ort und Stelle regen Antheil, kam aber auch bald mit anderen
deutschen Geologen in Widerspruch, bis er sich dann auf die Durch-
forschung der Kreideformation in Sachsen beschränkte, immer aber noch
den Namen Ouadersandsteinformation als allgemeine Bezeichnung ver-
theidigend, ohne sich überzeugen zu lassen, dass diese Bezeichnung
genau so wenig zutreffend ist, wie der gemeinübliche Name der Kreide.
Die l’etrefacten aber hat er immer wieder von Neuem und mit neuen
litterarischen und Sammlungshilfsmitteln durchgearbeitet und bestimmt,
sich selbst in zahlreichen Fällen verbessernd, bis er seine Arbeit zu
einem gewissen Abschlüsse brachte in dem umfangreichen zweibändigen
Werke 1871 — 75 „Das Filbthalgebirge in Sachsen“ mit zusammen 113 Taf^eln
Abbildungen von Fossilien. Das ist ein weiteres hervorragendes Werk
H. B. Geinitzens, das noch durch manches Geologen Hände gehen und
noch manche weiteren Untersuchungen veranlassen, manche Bestätigungen
und manche Verbesserungen erfahren wird.
Das „Klbthalgebirge“ war sein letztes grosses Werk, aber seine
Forschorarbeit ging noch rastlos weiter; lange nicht Alles, was er be-
arbeitet hat, konnte erwähnt werden — und noch nicht genug, noch
andere Seiten seiner wissenschaftlichen Thätigkeit müssen erwähnt werden.
Im Jahre 18G3 trat II. B. Geinitz nach dem Tode Bronn’s in die
Redaction des Neuen Jahrbuches für Mineralogie, Geologie und l’alaeonto-
logie ein; 16 Jahre lang hat er sich dieser Thätigkeit gewidmet bis zum
Tode seines treuen Mitarbeiters Leonhard. Als 1879 die Redaction dieser
Zeitschrift in amlere Hände überging, mussten alsbald zahlreiche Mit-
arbeiter für dieselbe herbeigezogen werden. Was H. B. Geinitz allein zu
bewältigen versucht hatte, fiel nun auf die Schultern einer grossen An-
zahl von Gelehrten. Die Referate über Geologie und Palaeontologie in
den 16 Jahren sind nicht unterzeichnet; es lässt sich nicht erkennen, wie
viele gerade in der Abtheilung für Geologie von H. B. Geinitz herrühren,
aber eine einfache Durchsicht der 16 Bände ergiebt doch, dass ungefähr
3 — 400Ü Referate aus seiner Feder stammen. Welche ungeheure, müh-
same und oft undankbare Arbeit steckt in diesen Artikeln und in der
Correspondenz, die die Redaction mit sich brachte. Es erscheint geradezu
unbegreiflich, wie er auch noch diese Arbeit neben all seiner sonstigen
Thätigkeit leisten konnte. Dafür musste es aber auch mit Dank an-
erkannt werden, dass H. B. Geinitz in Dresden seiner Zeit geradezu ein
j)ersönlicher Centralpunkt für alle geologische Arbeit in Deutschland war.
Und noch nicht genug! Hand in Hand mit dieser Thätigkeit als
Forscher und als Lehrer ging noch seine Verwaltung des Königl. .Minera-
logisch-geologischen .Museums, das er ja in den 51 Jahren seiner Leitung
nicht bloss verwaltet, sondern zum grössten Theile erst geschalTen hat.
Alles was er selbst gesammelt hatte, was ihm von so vielen Freunden
und Fachgenossen niitgetheilt wurde, ist schliesslich in dieses Museum
gekommen, dessen Schätze die Bewunderung und Anerkennung aller
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XIII
Kenner finden. Und nicht bloss Material, das ihm leicht zufloss, hat er
hier in dem Museum aufgehäuft, unter beschränkten Verhältnissen hat
er auch durch zahlreiche Tauschgeschäfte, ja selbst durch Handel die
Sammlungen vermehrt, stets alles ordnend, bestimmend, mühsam kata-
logisirend. In den mittleren Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, als
I’etrefacten und Mineralien in Deutschland oft genug noch als gemeine
Waare angesehen werden konnten, gelangte so viel Material in das
Museum, dass es uns nicht Wunder nehmen kann, wenn II. B. Geinitz
nun auch bemüht war, in den immerhin beschränkten Bäumen möglichst
viel, möglichst vielerlei dem Publikum zugänglich aufzustellen, jedem
Laien ein solches Fassungsvermögen ziimuthend, wie er es seihst hesass.
Und nicht bloss Mineralogie und Geologie brachte er in dem Museum
zur Anschauung, er bereitete dort seit Mitte der siebziger Jahre auch
noch der jüngsten in die Culturgeschichtc verlaufenden Periode der Erd-
geschichte, der Periode des vorhistorischen Menschen eine würdige
Stätte, auch auf diesem Gebiete seihst litterarisch thätig.
Und noch nicht genug! Nicht nur im engeren Kreise der Fach-
wissenschaft hat II. B. Geiuitz gewirkt, sondern auch noch als Mitglied
gemeinnütziger Gesellschaften in Dresden, im Gewerbe -Verein, in der
Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, in dem Sächs. Ingenieur- und
Architekten-Verein und vor allem in unserer Isis, Jahrzehnte lang deren
rührigstes Mitglied. Fast zwei Jahrzehnte lang war er zweiter V' ersitzender
und dann viermal 1868, 1874 — 76, 1881 — 82, 1885 — 86 erster Vor-
sitzender und inzwischen fast stets Vorstand der Section für Mineralogie
und Geologie oder der von ihm ins Leben gerufenen prähistorischen
Section. Unzählige Vorträge hat er in den Sitzungen der Isis gehalten
und sehr oft auch Excursioncn veranstaltet: mehrere seiner kürzeren
Abhandlungen gereichen den Veröffentlichungen der Gesellschaft zur Zierde.
Ueberdies verdankt es ihm die Isis auch, dass ihr zur Förderung ihrer
Aufgaben mehrere Stiftungen zugingen. Wir haben reichlichen Anlass,
ihm ein dankbares Angedenken zu bewahren.
In Hanns Bruno Geinitz war mit einem äusserst widerstandsfähigen
Köi-per ein reicher Geist verbunden; seine unerschöpfliche Arbeitskraft
hatte er unaufhörlich und allein dem Dienste der Wissenschaft und des
Vaterlandes geweiht.
Ehre seinem Angedenken!
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Sitzungsberichte
der
N aturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1900.
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I. Section für Zoologie.
Erste Sitzung am 1. Februar 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. H.
Nitsche. — Anwesend 42 Mitglieder und 4 Gäste.
Prof. Dr. n. Nitsche betont in tiefer Wehmuth, dass dies die erste
Gesellschaftssitzung nach dem Heimgange des am gestrigen Tage zur ewigen
Ruhe bestatteten Ehrenvorsitzenden, Geh. Rathes Prof. Dr. H. B. Geinilz
sei. Ohne einem späteren Nekrologe von berufenerer Seite aus vorgreifen
zu wollen, gedenkt er der hervorragenden Verdienste des Verstorbenen
um die Isis.
Die Anwesenden erheben sich von den Sitzen.
Bibliothekar K. Schiller legt ein neues populäres Werk über die
Vögel des östlichen Nordamerikas vor und betont dessen knappe Fassung
und reiche Illustrirung. Es ist dies
Cory, Ch. B.: The Birds of eastcm North America. Parti: Water Binls.
Cliicago 1899. 4".
Prof. Dr. II. Nitsche demonstrirt fahnenlose Schwungfedern des
Casuars, die der Tharandter Sammlung von Herrn Walter Rothschild
zugewendet wurden.
Prof. Dr. R. Ebert bespricht in längerem Vortrage, ausgehend von
den Ergebnissen der Chun’schen Tiefsee-Expedition, die Fauna der Tief-
see im Allgemeinen.
Zweite Sitzung am 22. März 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. H.
Nitsche. — Anwesend 16 Mitglieder und 1 Gast.
Bibliothekar K. Schiller legt als neue Erwerbungen vor
Abhandlungen der Senckenbergischen naturforschenden Ge.sell8chaft, ßd. XXVI,
Heft 1 (Entwickelung des Krokodileies);
Den Norske Nordhavs expediticm 1876—1878. Zoologi. Bd. XXV und XXVI.
Herr W. Bär als Gast referirt über zwei für die Ornis Deutsch-
lands neue Vogelarten.
C. Gessner beschrieb 1.555 den „Waldrapp“ Corvus aylvaticua sehr genau als
schweizer und bayerischen Zug- und Brutvogel. Später wurde derscllm von Linnd als
Upupa eremita aufgefiihrt. Da er aber mit keinem Mitglicde der jetzigen europäischen
Fauna sicher indentificirt werden konnte, wurile diese Beschreibung später entweder anf
die schlecht geschilderte Alpeukrähc, UijTrhocomx maculua bezogen oder als apogryph
angesehen. Neuerdings haben nun W. llothschild und 0. Kleinscb midt nachge-
wiesen, dass alle Angaben Ge.ssner's genau anf die bisher meist als Ibia oder Oeronticua
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oder Comatibia comalus bezeiebnete abbessynisebe, durch ihre Lebensweise als Gebirgn-
und Felseiivogel vun den übrigen Arten vUllig verschiedene Ibisforni passen. Es stellt
also dieser jetzt richtig als Geronticus eremila L. bezeichnete \’ogel ein früheres, jetüt
nach Afrika verdrängtes Mitglied der Vogeltäuna Deutschlands dar.
Der Vortragende referirt ferner über die neueren, die Sumpfnieise betreffenden
Arbeiten 0. Kleinschinidt’s, der die alte Species Parua palustris in zwei Arten
zerlegt: Farus subpahisln's und Parus salicarius, die beide wieder in eine Keilie
analoger Ixicalfonnen zerfallen.
l’rof. l)r. II. Ebert berichtet über einen in der wissenschaftlichen
Beilage der Leipziger Zeitung erschienenen Aufsatz von G. Kretzschmar :
„Ueber Zunahme einheiniischer Vögel“, in welchem besonders die neuerliche
Vermehrung des Gartenspötters, des grauen Fliegenschnäppers, der Amsel,
der Laubvögel, der Gartengrasmücke, des Baumpiepers und des roth-
rückigen Würgers betont wird.
Prof. Dr. IL Nitschc spricht schliesslich über die verschieden-
artige Ausbildung der oberen Eckzähne bei den verschiedenen
Formen der recenten Hirsche.
Dritte Sitzang am 17. Hai 1900 (in Gemeinschaft mit der Section
für Botanik). Vorsitzender: Prof. Dr. II. Kitsche. — Anwesend 43 Mit-
glieder und Gäste.
Bibliothekar K. Schiller legt als neue Erwerbung vor
Cory, t'h. B. : Tbc Birda of eastem North America. Part II: Land Bird.s.
Chicago 1899. 4».
Geh. Ilofrath Prof. Dr. O. Drude lässt circuliren
Radde, G.: Die Sammlungen de.s kauka.sischen Museums. Bd. I: Säugethiere.
Titü.s 1899. 4".
Derselbe weist dann zunächst von Dr. K. Reiche-Santiago ein-
gesendete Photographien von eigenthümlichen chilenischen, Rasenpolster
bildenden Umbelliferen vor und hält einen ausführlichen Vortrag über
F. Unger: „Die Pflanze im Moment der Thierwerdung“ und dessen
Correspondenz hierüber mit Endlicher, anschliessend an eine neue
Publication von
Ilaberland, G.: Briefwechsel zwischen Franz Unger und Stephan EndUeher.
Berlin 1899. 8».
Prof. Dr. H. Nitschc fügt als weitere Beispiele irriger ,\n-
sichteu, den Uebergang vom Plauzen- zum Thierreiche betreffend,
einige Bemerkungen bei über Buffon’s Anschauungen über die vegeta-
bilische Natur des Hirschgeweihes und die zuerst von einem spanischen
•Mönche Torrubia beschriebene „zoophytische Fliege“, d. h. der Verbindung
eines todten Inscctes mit dem Fruchtträger eines Pilzes aus der zu den
Pyroinyceten gehörenden Gattung Cordyceps.
Oberlehrer Dr. J. Thallwitz hält einen ausführlichen Vortrag über
Höhlenthiere, anschliessend an die neueren Publicationen über dieses
Thema.
Prof. Dr. 11. Nitsche weist nach, dass in S.aehsen auch die nordische
schwarzbäiichige Abart des Wasserschmätzers, Cindus cindus L. als
Brutvogel vorkomnit, z. B. an der Bobritzsch. (Vergl. Abhandlung VT.)
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II. Section für Botanik.
Erste Sitzung am 8. Februar 1900 (Floristenabend). Vorsitzender:
Oberlehrer K. Wobst. — Anwesend 28 Mitglieder.
Geh. Hofrath Trof. Dr. 0. Drude bespricht und legt vor
Pospichal: Flora der österreichischen Küstenländer;
ßannkiacr, C.: Morpholoi'isch - hiologische liearheitung der Monokotyledonen
Dänemarks*), ein vortreffliches Werk!
Ira Anschluss daran berichtet Dr. ü. Schorler über
Häck, F.: GrundzUge der Pflanzengeographie;
Kronteld, M.; Bilderatlas zur Pfl.anzengeographic ;
Radde, G.; (rrundzüge der Pflanzenverbreitnng in den Kankasnsländem;
Knuth, P.: Handhuch der UlUtenhiologie ;
Ludwig, F.; Lehrbuch der niedem Kryptogamen.
Oberlehrer K. W'ohst erläutert und bringt zur Vorlage folgende
Pflanzenfornien : Itosa Gremlii dir., gesammelt bei Bad Salzungen in
Thüringen; Bosa alba L. und Rosa tomenfosa Sm. var. cmtrascens Dum.
aus der Umgebung von Hosterwitz, erstere in mächtigen Stöcken daselbst
verwildert
Bibliothekar K. Schiller setzt hierauf in Umlauf
Thonner, Fr.: Im afrikanisihen Urwald, und
Report, annnal, of the Missouri Botanical Ganlen, 8t. Louis.
Verlagsbuchhändler J. Osterraaier legt zahlreiche Postkarten mit
Blüthenabhildungen, welche der Alpenflora entnommen sind, sowie grossere
Tafeln, Alpenpflanzen darstellend, vor.
Zum Schluss hält Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude einen Vortrag
über Einrichtung von Herbarien für pflanzengeographische
Demonstrationen und erläutert denselben durch reichhaltige Vorlagen,
welche verschiedene Pflanzenformationen Sachsens illustrircn.
Zweite (ansserordentliche) Sitzung am 8. März 1900. (Floristen-
abend). Vorsitzender: Oberlehrer K. Wobst. — Anwesend 26 Slitglieder.
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude hält folgenden Vortrag: Vorläufige
Bemerkungen über die floristische Kartographie von Sachsen.
(Vergl. Abhandlung V.)
Dieser Vortrag verfolgt die Absicht, der Gesellschaft Mittheilung über den ge-
planten Fortgang weiterer floristiacher Arbeiten aus unserem Herbarium zu machen
und womöglich Mitarbeiterschaft in ihren Kreisen zu gewinnen. Denn kartograpliLsche
Aufnahmen setzen eine Vertrautheit mit den Kiuzelheiten voraus, wie sie ein Einzelner
sich schwer zu erwerben im Stande ist.
Dr. B. Schorler referirt über Gradmann’s „Pflanzenlehen der
Schwäbischen Alb“, das als ein nachahmenswerthes Muster einer modernen
Localflora hingestellt wird.
*) Dänischer Titel: De Danske Blumstcrplantcrs Naturhistorie; fürste Bind:
Enkimbladede. Med 1089 Figurer i 293 Gntpper, for stür.ste delen teguede af Ingehorg
Raunkiaer og C. Raunkiaer. Kjohenhavn 1895 — 1899. 724 S. in gr. 8".
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Verfasser begnügt sieb nicht mit einer blossen Änfzählnng der Arten nnd Stand-
orte seines Gebietes, sondern charaktcrisirt dieses auch in vortrefflichster Weise pfianzen-
geographiseb. Wir erfahren, dass die Schwäbische Alb mit der Fränkischen zusammen
einen pflanzengeographischen Bezirk bildet, der sich von den benachbarten Bezirken,
dem Schwarzwald, dem Alpenvorland, dem Schwäbisch -Fränkischen Httgellande und
dem Schweizer Jura, deutlich heraushebt. Charakteristisch für die Schwäbische Alb
sind die als Glacialrelicte gedeuteten alpinen und präalpinen Arten, die im Süd westen
am häufigsten auftreten, im mittleren Theile seltener werden und im Xordosten voll-
ständig fehlen. So bat beispielsweise die südwestliche Alb an alpinen Arten: Androsace
lactea, Anemone narcissiflora, Athamanta eretensis, Carex aempervirena , Cyatopterie
montana, an präalpinen (montanen) Arten Dentaria digitata, Hoaa alpina, Adenostylia,
Hieracium amplexicaule , Lonicera alpigena etc.; die mittlere Alb dagegen als Wahr-
zeichen Saxifraga Aiioon, der bis 60i) m hcrabsteigt, Draba aiiotdea, Cochlcaria
aaxatilis, Campanula puasilla und als verbreitetstes Felsen-//ifraci«»» d.as H. Jaeguini,
während als präalpine Arten hier aufgeznhlt werden Hieracium bupleuroides , Belli-
diaalrum, Valeriana tripteria, Gentiana lutea, Eoaa rubrifolia, Anthriscus nitida
nnd andere, ln der nordöstlichen Alb »erden die alpinen und präalpinen Arten durch
poutische ersetzt, wie Eryaimum odoratum, Linum flavum, die beide hier ihre W'est-
grenze erreichen, Arabia pauciflora, Huta graveolena, Potentilla rupeatria, Stipa
capillata, Pleuroapermum auatriacum u. s. »'. Bei der Masse von alpinen Arten, die
übrigens durch bunte Tafeln vortrefflich dargestellt sind, ist das Fehlen aller subalpinen
Arten, die im Schwarzwalde, dem Schweizer Jura und auch dem Alpenvorlande reichlich
auftreten, recht anffiillig. Kin weiterer bemerkenswerther L'ntcrschied gegen die Nach-
bargebiete besteht in dem Mangel aller atlantischen Arten. Während z. B. Ilex, Bu.rua
und Tamua im Schwarzwald, Jura und Alpenvorland gar nicht selten Vorkommen,
fehlen diese in der Alb vollständig. Verfasser erklärt diese auffällige Vertheilung durch
die klimatischen Verhältnisse, die Alb hat continentales, die benachbarten Bezirke
ozeanisches Klima: die Januar-Null -Isothennc verläuft längs der Donau bis zu deren
(^uellgebiet , biegt daun, östlich vom Khein und Sehwarzwald, nach Norden um und
verläuft zur Westküste von Schweden und Norwegen. Durch die weitere eingehende
Schilderung der Flora der Nachbarbezirke, durch die Hervorhebung von deren Charakter-
pflanzen, welche in der Alb fehlen, wird die pflanzengeographische Stellung der
Schwäbischen Alb noch näher präcisirt.
Ein grosser Raum ist ferner der Schilderung der Formationen nnd ihrer Ausbreitung
f gewidmet. Es werden Haupt- und Nebentypen unterschieden, die Formationsglieder
istenmässig aufgezählt und, »-as be.sonders beachtenswert h ist. auch die Ausrüstung
derselben, ihre tdologischen und ökologischen A'erhältuisse geschildert und zwar in ,«o
eingehender und anziehender Weise, dass das Studium dieser Capitel als Vorbereitung
zu Excursioneu auch in unserem hereynischen Bezirk mancherlei Anregungen bietet.
Den Scliluss bililen Heinerkungen des Verlagsbuchhilndlers J. Oster-
maier über den Schutz der Alpenpflanzen und Beobachtungen über
den Eintritt der Erühlingsflora von Oberamraergau.
Dritte Sitzung: am 5. April 1900 (im Ilörsaale des K. Botanischen
Gartens). Vorsitzender: (>eb. Hofrath l’rof. I)r. 0. Drude. — Anwesend
20 Mitglieder und 5 Gäste.
Der Vorsitzende logt eine von Dr. L. Meyer, meteorologische
Centralstation in Stuttgart, entworfene Aufbliihkarte der Kirsche in
Württemberg im Jahre 1899 vor und knüpft an dieselbe phänologische
Bemerkungen über die Betardation dieses Frühlings unter Vor-
lage der meteorologischen Aufzeichnungen an der Station des K. Botani-
schen Gartens.
Die Frühlingshiiuptphase ist im Mittel der .Tahre 1891 bis 1899 nach den Beob-
achtuiigeu im Grossen Garten und neuen Botanischen Garten auf
Tag 130 = 30. April
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gefallen. Den frühesten um! längsten Vorfrühling hatte das vergangene Jahr, einen
der spätesten Vorfrühlinge dieses; trotzdem kann die Hauptphase noch ziemlich recht-
zeitig fallen, wenn jetzt warme Witterung eintritt*).
Darauf bespricht der Vorsitzende im Anschluss an Versuche, welche
im K. Botanischen Garten angestellt worden sind, die Ueberwinterung
immergrüner Gewächse im borealen Klima und hebt die Gefahren
der Austrocknung hervor, welche bislang nicht genügend gewürdigt sind.
Es werden Verdunstungsversuche an Thuja occidentali» währeml der Winter-
monate December bis Jlärz besprochen, lin Anschluss daran wird die Aufnahmefähig-
keit der Blätter für Wasser kurz beleuchtet und Präparate der von Schimper genauer
untersuchten Bromeliaceen- Blätter vorgelegt.
Schliesslich lenkt der Vortragende die Aufmerksamkeit auf den
bisher wenig gewürdigten Charakter der Aufhlühgeschwindigkeit der
Blüthen einer und derselben InÜorescenz, für deren langsamen Ablauf
soeben Möbius ein Beispiel aus den Bromeliaceen in der Gartenflora rait-
theilt.
Auch in der deutschen Floristik gicbt es hier no<h vielerlei zu sammeln und zu
beobachten, was zum Verständniss der Blilthenerscheinungen in unseren Formationen
dienen kann, obwohl im Allgemeinen bei uns Alles zu einem ra.scberen Abschluss der
Blüthenentfaltung drängt.
Vierte Sitzung am 14. Juni 1900 (im K. Botanischen Garten).
Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 28 Mit-
glieder und Gäste.
Der Vorsitzende hält einen Vortrag über die Anordnung der
Vegetation im Karwendelgebirge, anknüpfend an Beobachtungen auf
einer soeben beendigten zweiten Heise nach Oberbayern zur Frühlingszeit.
Die Situation des Gebirges wird durch Schildenmg des Aufstieges vom Kochel-
und Walchensee her erläutert. Mittenwabl, so hoch als Oberwiesenthal gelegen, zeigte
in seiner phänologischen Entwickelung in die.sem Jahre (2. bis 10. Juni) um fast einen
3Ionat spätere Phasen al.s Dresden, wälirend die lArche imd Birke in 1500 m Hübe
ca. 40 bis 45 Tage Verspätung ihrer Ergrünung zeigten. So standen in Mittenwald
am 10. Juni Aeaculua Uippocastanum und Horhus aucuparia iu Vollblüthe, während
sie in Dresden am 10. Mai, bez. 18. Mai ihren Blüthenbeginn gehabt hatten. Aber der
Frühlingseinzng hatte sich in diesem Jahre im Gebirge besonders verspätet und bei
1700 m traf man noch auf ausgedehnte Schneefelder, welche an Nordhängen die ürat-
pfade völlig überdeckt hielten, während iler oberste Eärchenwabl sich jetzt erst mit
zartem Grün bekleidete.
Der Vortragende skizzirt die zu unterscheidenden Formationen und vergleicht
dieselben ihrem Vorkommen nach mit entsprechenden Beständen in den hercjmisch-
mitteldeutschen Gebirgen. Für die Florenentwickelungsgeschichle Deutschlands ist
besonders die von G. v. Beck aufgestellte und sehr gut begründete Formation des Vor-
alpenwaldes von grosser Bedeutung. Versetzen wir uns in den Anfang der postglacialen
Entwickelung zurück, so wird damals ein weiter Kaum der jetzigen Tiiasgebirge in
Südhannover, Hessen und Thüringen mit einem ähnlichen Voralpenwalde bedeckt ge-
wesen sein, welcher gerade auf dem Kalke seine beste und kräftigste Entwickelung
erreicht. Der Schwäbische Jura zeigt noch beute in zahlreicben Kelictcn (vergl. das
Referat Schorler's über Gradmann's ausgezeichnete Flora) die Verbreitnngslinien präalpiner
und alpiner KalkpHanzen auf Höhen von Ufki bis lOOt) m, wie wir sie heute mindestens
400 m höher in den Bayrischen Alpen zahlreich linden, und auch die Kclicte auf den
Gypsbergen am südlichen Harz gehören höchst wahrscheinlich in diese Kategorie.
*) .Spätere Anmerkung: Dieselbe ist mit viertägiger Verspätung gegen das letzte
Mittel auf den 4. Mai gefallen.
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Während Sachsen (im Vogtlande) nur wenige Relicte solcher Voralpenwald- Pflanzen
besitzt. Erica carnea und Volygata Chamaeöuxus, ist Thüringen bis zur Rhön und
zum Harz, besonders auch noch das Werragebirge bei AUendorf, reichlich damit rer-
.sehen, und viele dort jetzt als Seltenheiten oder verbreitet vorkommende Arten, die diesseits
der Saale auf den Urgesteinen Sach-seus völlig fehlen, scheinen ihr Vorkommen von
der weiten Ausbreitung einer üppigen präalpinen Wald- und Geröllformation herzuleiten.
Dahin zählt Vortragender besonders folgende Arten:
Amelanchier vulgaris I
Berberis vulgaris.
Yiburnum Lantanal
Sorbus Ariai
Pleurospermum austriacum.
Laserpitium latifolium.
Helianthemum oelandicum.
Polygala amara.
Hippocrepis comosa]
Coronüla vaginalis,
Sesleria coe^ea'.
Ophrys muscifera,
lauter Pflanzen, welche dem warmen Hügellande Sachsens fehlen und deren Zusammen-
schlnss zu kennzeichnenden Mitgliedern der westhercyiiischen Httgelformationen auf
liedeutungsvolle Ursachen in vorvergangenen Perioden hinzuweisen scheint. Vortragender
betrachtet dieselben also als ver.sjircugte oder mit der gemeinen trockenen Httgelland-sflora
sowie mit .Steppenpflanzen vermischte Ueberbleibsel aus der Zeit, wo ein dem jetzigen
Voralpeuwalde der Kalkalpen von HOO bis llüKl m Höbe ähnlicher Uestand auf den
Tria-skalken an der Werra imd südlich des Harzes die Dbcrhand hatte.
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Erste Sitzung am 15. Februar 1900. Vorsitzender: Prof. Dr.VV. Bergt.
— Anwesend 31 Mitglieder.
Der Vorsitzende legt ein von Lehrer H. Döring gefundenes neues
süchsisclies (und böhmisches) Mineral, Anhydrit aus dem Phonolith
von Schlössel bei Hammer-Unterwiesenthal, vor (siehe Abhandlungen der
Isis 1899, S. 88—92) und
erläutert in einem Vortrag über Mikromineralogie an Mineral-
und Gesteinsdünnschliffen die Bedeutung der in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts für die mineralogischen VVissenschaften fruchtbar ge-
machten mikroskopischen Untersuchungsmethode.
Zweite Sitzung am 19. April 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. W. Bergt. —
Anwesend 33 Mitglieder.
Prof. H. Engelhardt legt mit erläuternden Bemerkungen G. Laube:
„Neue Schildkröttm und h’ische aus der böhmischen Braunkohleiiformation“,
1900, und „Schildkrötenreste aus der böhmischen Braunkohlenformation“,
1890, sowie P. Grosser: „Die Ergebnisse von Dr. A. Stübel’s Vulkan-
forschungen“, 1900, vor.
Dr. P. Menzel spricht eingehend über die Entstehung der Alpen
und die Bildung des Mittelmeeres.
Prof. Dr. W. Bergt macht an der Hand von A. Rothpletz: „Das
geotektonische Problem der Glarner Alpen“, 1898, auf Wandlungen in der
Auflassung der .Vlpentektonik aufmerksam.
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ExenrsiOB am 21. Jnni 1900 uach den Rathssteinbrüchen am
Ausgange des Plauenschen Grundes. — Zahl der Tbeilnohmer 3B.
Hier wurde zunächst die maschinenmässiee Herstellung des Steinschlags ver-
schiedener Grösse besichtigt. Im unteren Theile des Bruches, im Syenit, war ein
2'(, m mächtiger, sehr frischer, am oberen Ende verworfener Kersantit^ng aus-
gezeichnet aufgeschlossen. Der obere Theil des Bruches bot Gelegenheit, die unebene,
laschen- und klippenreiche Oberfläche des Syenits (vergl. Isis- Abhandlungen 1899, S. 60,
Fig. 6—8), ferner den auflagemden Carinaten- Pläner mit seiner Grundschicht, dem
versteinerungsreichen Syenitconglomerat, und den Plänerbänken zu studiren. Zum ersteu
Male wohl kam hier in dem obersten Anschnitt die, Cariuaten- und Lahiaten-Pläner
trennende- Mergelschicht zum Vorschein. Sie wird bisher in den Rathssteinbrüchen nicht
erwähnt, ist aber durch den starken Abbau in den letzten Jahren blosgelegt worden
Als ein deutlich sichtbares 0,jo — 0,to m breites Band verläuft diese Mcrgcbschicht vom
Süd- bis zum Nordende des Bruches, am Nordende von der geneigten Oberfläche ahge-
schnitten. Der überlagernde Labiatus- Pläner von wechselnder Mächtigkeit bis zu 2 m
ist meistens in kleine Platten und Scherben aufgelöst
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Erste Sitzung am 18. Januar 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. J. Deich-
müller. — Anwesend 23 Mitglieder.
Lehrer H. D öring spricht über Feuersteinwerkstätten auf Rügen.
Der Vortragende weist einleitend darauf hin, dass die vergleichende Forschunm-
methode, welche allein sichere Ergebnisse verspricht, uns dazu iiöthigt, öfter über die
Grenzen der Heimath hinaus zn blicken und die Resultate der Urgeschichtsforschung
in anderen Ländern fortdauernd im Auge zu behalten.
Der Berichterstatter benutzte einen mehrmaligen Kuraufenthalt auf der Insel
Rügen, um einige der daselbst zahlreich vorhandenen Fenersteinwerkstätten zu besich-
tigen und auf das Vorhandensein prähistorischer Geräthe wiederholt abzusnehen. Aus
der vorhandenen Litteratur führt er 16 Rügen’sche Werkstätten an, berichtet über die
beiden umfiluglichsteu Fundstätten von Jäetzow und über die kleinere von Drewoldtke
unter Benutzung der Veröffentlichungen von Dr. Haas - Stettin, wie auf Grund der durch
Besichtigung gewonnenen Anschauung. Unter Vorlegung einer reichen Sammlung von
nahezu 4UO piäbistorischen FiinilstUckeii sjiricht der V'ortragende sodann über das ver-
arbeitete Material, Uber die angewandte Technik, die verschiedenen Formen der Waffen
und Werkzeuge, sowie Uber die veminthlichc Verwendung derselben im Leben der
prähistorischen Bevölkerung.
Ein Besuch des Nationalmuseums nordischer Alterthümer in
Kopenhagen giebt dem Referenten Veranlassung, über die dortige Ab-
theilung der Steinzeitreste zu berichten.
Im Anschlüsse hieran spricht derselbe Redner weiterhin über b’euer-
steingeräthe aus sächsischen Fundorten. (Vergl. Abhandlung 11.)
Prof. Dr. J. Deichmüller legt vor und bespricht eine Anzahl be-
malter Geschiebe aus der Höhle von Mas d’Azil in den Pyrenäen,
welche von Herrn Ed. Piette-Rumigny der K. Prähistorischen Sammlung
in Dresden geschenkt worden sind.
Ed, Piette hat diesen mit merkwürdigen Zeichen liemalten Flussgeröllen in der
Zeitschrift „L'Authro]>ologie - VII. p. -Wi eine eingehende Beschreibung und Deutung
gewidmet. Die Lagerstätte derselben ist eine Schicht, welche zwisihcn der jüngsten
Abtheilnng der älteren Steinzeit, der Renthierepoebe, und der ältesten der jüngeren
Steinzeit eingeschaltet ist uud als Uebergangsformation zwischen beiden betrachtet wird.
Die aus grauem, quarzigem Gestein oder Schiefer bestehenden Geschiebe entstammen
dem nahen Flussbett der Arize und sind mit in rotbem Eisenocker kunstlos ausgetührten
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an einander gereihten parallelen Strichen oder rundlichen Flecken , krenzfJlrmigcn
Strichen in Verbindung mit Kreisen, leiterartigen Zeichnungen, Schlangenlinien und
schriftähnlichen Zeichen bemalt, die von Kd. Piette als Sonnenbilder, Oarstellungcn von
Bäumen, uralte Zahlen- und Schriftsysteme gedeutet werden.
Zweite Sitzung am 10. Mai 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. J. Deicli-
müller. — Anwesend 22 Mitglieder.
Der Vorsitzende macht auf eine in den Protokollen der General-
versammlung des Gesammtvereins der deutschen (ieschichts- und Alter-
thumsvereine zu Strassburg i. E. 1899 enthaltene Arbeit von Dr. Köhl:
„üeber die neolithische Keramik Südwostdeutschlands“, Berlin 1900, auf-
merksam.
Lehrer H. Döring berichtet über die Ergebnisse einiger von ihm
unternommenen Excursionen nach prähistorischen Siedelungen.
Von dem doppelschichtigen Burgwall Altcoschütz, der in der Urzeit von
(Jermanen und darnach von Slaveu benutzt wurde, gelangen eine Anzahl auf Tafeln
geordneter germanischer Scherben, Knocheupfriemen nnd Knocheunadeln, bearbeitete
(ieweihstangen und Röhrenknochen, eine thönerne Kinderklapper in Form einer kleinen
Buckelnme, ein Webstuhlgewicht, zwei halbe slavische Töpfe und eine Anzahl Scherben
mit den bekannten slavischcn ( iniamenten zur Vorlage.
Auf dem Burgberge bei Niederwartha fand der Berichterstatter wiederum
eine grössere Zahl slavischer Scherben, unter denen Bndenstücke mit eingepriig-ter
Töpfermarke, sowie Randstücke mit abnormem Profil und verschiedene auffällige Cora-
binationen von Verzierungsl'orinen bemerkenswerth sind. Von derselben Fundstelle
werden noch vorgelegt das Bruchstück eines dun h Punkte verzierten Spinuwirtels ans
Thon, sowie sechs Werkzeuge aus Stein, die zum Schleifen nnd Poliren der Knochen-
und jletallwerkzeuge gedient haben mögen.
Unter den vom Burg wall Kockwitz stammenden urgeschichtlichen Funden
zeigen sich ebenfalls zwei .Steinwerkzenge zum Schleifen und Poliren. Als besonders
interessanter Burgwallfund wird das Bruchstück eines mit slavischen Ornamenten ver-
sehenen Gmiihitgefässes hervorgelioben.
Der Berichterstatter legt weitere slavische Reste von den Burgwällen Alt-
oschatz und Leckwitz a. K. vor und macht dabei auf einen Knochenpfriemen von
Leckwitz und auf mehrere abweichende slavische Verzierungsformen an Scherben auf-
merksam.
Bei einem Besuche der Bnrgkuppe zu Löbsal oberhalb Diesbar, die bereits
von Preusker (Blicke in die vaterländi.sche Vorzeit, Band III, S. 1Z4) ausführlich
beschrieben ist, fand Redner an der Böschung des hoebaufragenden berasten Hügels,
sowie auf dem auliegeudi-n Felde Scherben, von denen sich die grössere Zahl als Bruch-
stücke germanischen Topfgeräthes erwies, während andere die Characterzeichen der
slavischen Herkunft trugen. Die Burgkuppe ist demnach ein kleiner doppcischichtiger
Wall, der von den Uermaneu angelegt und später von den Slaveu in Benutzung
genommen wimle. Unter den slavi.schen Gefii.ssscherben wuide als auffällige Neuheit
ein Ornament bezeichnet, das aus fünf ketteuartig in einander greifenden Riu^undrückeii
besteht. Dieselben sind sehr scharf beg'renzt und mögen wohl durch .■Vufdrücken einer
Metallröhre von reichlich 1 cm Durchmesser hcrvorgcbracht worden sein.
Von den neolithischen Herdstellen in Lockwitz, die seit 1884 dnreh
Dr. Theilc bekannt geworden sind und namentlich in den letzten Jahren zahlreiche
Fundstücke ergaben, legt der Belichterstatter .Messer, .Schaber und Bohrer aus Feuer-
stein, sowie eine grosse Reibschale aus Porjdiyr vor. Die Scherben zeigen sogenannte
Bandverziemng.
Derselbe Redner berichtet sodann über einen neuen Steinzeit-
fund aus Lockwitz.
Bei den Abräumung'sarbeiten im zweiten Steinbruch am rechten Lockwitzgehänge
fanden die ArbeiU>r ein Haches Steinbeil und das BmchstUck einer durchbohrten
Steinaxt. Die Fundstelle ist au der steilen Böschung oberhalb des Braches gelegen
und zeigt weder .schwarze Krde noch Scherben, sondern nur Oesteinsschutt.
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Das flache Steinbeil besteht ans lichtem Grünstein, ist 16,5 cm lang, oben 3 cm
nnd unten 8,5 cm breit und 2,5 cm dick. Die Schneide zeigt bedeutende Scharten und
lässt eine ausgiebige Benutzung vermuthen. Das l’undstück weicht in Form und GrSsse
von den in neolithischen Herdstellen gefundenen Flachbeilen ab.
Das BnichstUck der durchbohrten Steinaxt besteht ans schiefrigem Gestein nnd
hat eine Länge von 15 cm nnd eine Breite von 4,5 cm. Das Geruth mag in unverletztem
Zustande in der Länge 18 cm und an dem breiten oberen Ende 7 cm gemessen haben.
Es ist Jedenfalls bei der Arbeit und zwar ganz der Natnr des schiefrigen Materials
entsprechend längs gespalten.
Die beiden Fundstücke dürfen als Einzelfunde aus neolithischcr Zeit gelten. Sie
sind jedenfalls nicht mit den auf der anderen Seite des Thaies befindlichen neolithischen
Herdstellen von Lockwitz in Verbindung zu bringen.
Lehrer 0. Ebert bespricht die zur Ansicht aushängenden
Vorgeschichtliche Wandtafeln für Westpreusson, entworfen im West-
m-eussischen Provinzial - Museum. 6 Blatt mit colorirten Abbildungen und Erläuterungen,
Berlin 1898;
Vor- und frühgescbichtliche Gegenstände aus der Provinz Sachsen,
herausgegeben von der Historischen Commission für die Provinz Sachsen. 1 Blatt
colorirter Abbildungen mit erläuterndem Text, Halle a. S. 1898.
Lehrer 11. Ludwig legt das Bruchstück eines hei Kauscha gefundenen
Mahlsteins aus Quarzporphyr vor.
Prof. Dr. J. Deichmüller berichtet über neuere Funde schnurver-
zierter neolithischer üefässe auf der Haltestelle Klotzsche und bei
Nünchritz (vergl. Abhandlung 111), neolithischer Kugelflaschen bei
Cossebaude und über ein spätslavisches Skelettgrähcrfeld hei
Niedersedlitz (vergl. Abhandlung IV).
Derselbe legt zum Schluss vier Flachbeile und eine durchbohrte
Hacke aus Ainphiholschiefer vor, welche in den Lehmgruben der
sächsischen Dachsteinwerke am „Weinberg“ NW. Forherge bei Riesa
gefunden worden sind.
V. Section für Physik und Chemie.
Erste Sitzung am 11. Januar 1900. Vorsitzender: Oberlehrer 11.
Rebenstorff. — Anwesend 72 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. Dr. E. von Meyer hält einen Vortrag: Rück-
blick auf die wichtigsten Entwickelungsphasen der Chemie im
19. Jahrhundert.
Zweite Sitzung am 15. März 1900. Vorsitzender: Oberlehrer 11.
Rebenstorff. — Anwesend 61 Mitglieder und Gäste.
Privatdocent Dr. C. Wolf spricht über die Zerstörung der salpeter-
sauren Salze durch Bakterien.
Der Vortrageniie führt eine grössere Anzahl von Cnlturen derjenigen Bakterien
vor, welche die Processe der Denitritication oder Salpetergähmng hervorrufen, und
begründet ausführlich seine Ansicht, dass die Reduction des Nitrates zu Nitrit und endlich
zu Stickstoff durch die Stoffwechselproducte der betreffonden Bakterien bewirkt werde.
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Oberlehrer H. Rebenstorff zeigt eine Form des Cartesian ischen
Tauchers, welche nach hlossem Einsenken sofort die richtige Füllung hat.
(Vergl. Abhandlung 1.)
Früher mitgetheilte sowie neue Versuche lassen sich daher mit diesem Taucher
besonders beijuem ansführen. Zur Vorführung gelangt der Nachweis der l./öslichkeit
der Kohlensäure in Wasser. Pie Taucher sind von A, Kichhorn-Dresden, Mittelstrasse,
sowie von (i. Lorenz-(’hemnitz zu beziehen. Nähere Mittheilungen erfolgen in der
Zeitschrift für den physikalischen und chemis< hen Unterricht
Der Vortragende zeigt sodann eine Probe der sogenannten grauen
Modification des Zinns und berichtet über die erst vor Kurzem den
Niederländern Cohen und van Eyk gelungene Herstellung der grauen
Zinnform in beliebigen Mengen.
Derselbe theilt hierauf mit, dass man die von den Schienen der
elektrischen Strassenbahn sich abzweigenden vagahondirenden Ströme
sehr leicht beobachten kann, wenn man die Gas- und Wasserleitung des
Experiineiitirtisches mit einem Spiegelgalvanometer von geringem Wider-
stande verbindet.
Bei der auch in grösserem Abstande von der Bahnlinie (460 m am Beobachtungs-
orte des Vortragenden) verhältnissmässig bedeutenden Stromstärke (1 — 8 MUliamper)
ist für empfindliche Apjiarate die Benntznng von Nebenschlüssen nothwendig. Der
Lichtzeiger schwankt beständig mit der Annäherung und Kntfemung der Motorwagen.
Zur subjectiven Beobachtung der Ströme und ihrer mannigfaltigen schnellen lutensitäts-
ändemngen in Folge des Arbeitens der Motoren genügt die Verwendung eines Telephons
nebst Inductor. Näheres in der Zeitschrift für den physikalischen und cheuii.schen
Unterricht 1900, Heft 3.
Dritte Sitzung am 3. Mai 1900. Vorsitzender: Oberlehrer H.
Uehenstorff. — Anwesend 82 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. W. Hallwachs spricht über die elektrolytische Lei-
tung in festen Körpern und deren Anwendung hei der Nernst-
lanipe.
Der Vortragende führt von ihm seihst nach vielfachem Probiren ans erdigen Oxyden
hergestcllte Glühkörper vor und erläutert das dabei benutzte Verfahren eingcliend. Ver-
suche erläutern dann die Abhängigkeit des Lcitungsvermögens von der Temperatur.
Bei gewöhnlicher Temperatur liesson sic auch nicht den schwächsten Strom durch
(10 Amp. wäre nachweisbar gewesen), bei höchster Weissgluth nahmen sie Ströme von
derselben Grössenordnnng wie die gewöhnlichen Glühlampen auf. Die elektrolytische
Natur des Lcitnngsvorganges wird bcsiirochen. Im weiteren Verlauf der Demonstrationen
kommen auch einige von A. E. G. entliehene Nernstlampen in Betrieb. Sowohl Wechscl-
als auch Gleichstrom ist anwendbar.
Als Vorzüge der Nernstlampe hebt der Vortragende die ausserordentliche Weisse,
welche er duirh einen Versuch demonstrirt, sowie die verhältnissmässige Billigkeit
(etwa 0,6 der gewöhnlichen Glühlampen) des Betriebs hervor, als Niuhtheile den Mangel
der S.elbstentzündnng. welcher erst durch besondere ZUndvoirichtnngcn, deren Einrichtung
dargclegt wird, zu beseitigen ist, sowie die doppelt so stark wie in den gewülmlichen
Glühlampen auftretende Variation der Lichtstärke mit der Spannung.
Die weitere, unter Wahrung iler durch das wenig zahlreiche Versuchsmaterial
gebotenen Einschränkung, auch ((uantitativ ausgeführte Beurtheilnng, welche nicht nur
die Lampen selbst, sondeni auch ihren eventuellen Einfiuss auf die t.'entralen u. a.
ins -Auge fasste, führt zu dem Schluss, dass die Nernstlampe in ihrer jetzigen (iestalt
die elektrische Beleuchtung in das Stadium einer allgemeinen Gebrauchsbeleuchtung
überführen wenle, sei nicht wahrscheinlich. Vor der Hand stehe für dieselbe nur eine
Anzahl Specialgehiete offen. Ausgeschlossen sei natürlich nicht und bei der kurzen
Lebensgeschichte der Lampe .sogar wahrscheinlich, das.s noch beträchtliche, die um-
fassendere Einführung begünstigende Verbes.scrungcn aufgefunden würden.
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Auf eine bezügliche Anfrage des Photochemikers R. Jahr fügt der
Vortragende hinzu, dass die Lampen bis 100 Kerzen fabricirt würden,
dass aber für eine Lampe bestimmter Kerzenzabl noch weitere Ver-
kleinerung des Glühkörpers bei dem jetzigen Material nicht möglich sei.
VI. SectioD für Mathematik.
Erste SitzDDg am 18. Januar 1900. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 13 Mitglieder und Gäste.
Oberlehrer Dr. J. von Vieth spricht über Centralbewegung.
Der Vortragende behandelt mit Hülfe der Grassmann’schen Au.sdehnnngslehre die
Bewegung eines von einem festen Centmm angezogenen Massen punktcs, insbesondere
die Bewegung eines Planeten um die Sonne.
Zweite Sitzung am 8. Härz 1900. Vorsitzender: Geb. Hofrath Prof.
Dr. M. Krause. — Anwesend 16 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause spricht über graphischen
Calcül.
Vortragender erinnert zunächst an die in älterer und neuerer Zeit, zum Theil aus
rein theoretischem Interesse, zum Theil ans praktisch - pädagogischen Gründen nuter-
nommeneu Versuche, mehr oder minder ausgedehnte Partien der Analysis einer geo-
metrischen und selbst graphisch -constructiven Behandlung zugänglich zu machen, und
wendet sich dann zu einer eingehenderen Besprechung der vor Allem in der neuesten
englischen Litteratur zu Tage getretenen Bestrebungen, die analytischen Methoden sogar
ans der Differential- und Integralrechnung möglichst ganz durch graphische Methoden
zu verdrängen.
Redner legt ausführlich dar, in welcher Weise diese Bestrebungen in einem neuer-
dings erschienenen Lehrbuch (Barker: „Graphical Calculus“, mit einer Vorrede von
Goodman) an den Grundbegriffen des genannten Wissenschaftszweiges diirchgeführt
sind und macht liierbei auf wesentliche .Schwächen aufmerksam, welche diese — übrigens
theilweise nnverhältnissmässig langen — Betrachtungen sowohl in logischer als auch
in pädagogischer Hinsicht aufweisen.
An den Vortrag schliesst sich eine kurze Discussion.
Prof. Dr. P. Müller legt eine von ihm construirto Tabelle vor,
welche es in einfacher Weise ermöglicht, für jedes Jahr des 19. und
20. Jahrhunderts den Kalender aufzustellen.
Dritte Sitznng am 10. Mai 1900. Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof.
Dr. M. Krause. — Anwesend 10 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. R. Heger spricht über Berührungsaufgaben und Kreis-
verwandtschaft.
Vortragender erläutert zunächst kurz die theoretischen Grundlagen der Lehre von
der Kreisverwandtschaft, insbesondere die auf die Abbildung von geraden I.inien und
Kreisen bezüglichen Sätze, und giebt zugleich ein liequemes Mittel zur graphischen
Herstellung kreisverwandter Figuren an; auch wird die Möglichkeit erörtert, zwei
gegebene Kreise mittels Kreisverwandtschaft so abzuhilden, dass ihre BUder cougnieut
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werden. Hierauf setzt Uedner aus einander, wie die Kreisverwandtschaft benutzt werden
kann, um die complicirten Aufgaben des sogenannten Tactions- Problems auf die ein-
facheren znrückzufiibren ; so lässt sich die Aufgabe , einen Kreis zu ennitteln, der drei
gegel)ene Kreise berilhrt, falls zwei von diesen Kreisen einander schmaden, sofort
redneiren auf die Aufgabe, einen Kreis zu construiren, welcher zwei gegebene gerade
Linien und einen gegebenen Kreis berührt; dic.se Aufgabe aber löst Vortragender durch
ein auf Äehnlichkeitsbezichungen beruhendes Verfahren.
An der auf den Vortrag folgenden Discussion betheiligen sich Dr. J.
von Vieth, Prof. Dr. G. Helm und Dr. A. Witting.
Oberlehrer Dr. A. Witting legt ein von ihm für die Sammlung der
K. Technischen Hochschule construirtes Fadenmodell der abwickel-
baren Schraubenfläche vor und erläutert die Herstellung desselben.
VII. Haiiptversammluiigeii.
Erste Sitzung am 26. Jaiinar 1900. Vorsitzender; Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 41 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. E. Kalkowsky schildert unter Vorführung zahlreicher
Projectionsbilder Land und Leute von Nordwales, welche er auf einer
Studienreise durch Grossbritannien und Irland im Sommer 1899 kennen
zu leiTien Gelegenheit hatte.
Zweit« Sitzung am 22. Februar 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 47 Mitglieder und 2 Gäste.
Prof. H. Engelhardt, Vorsitzender des Verwaltungsrathes, erstattet
den Rechenschaftsbericht für 1899 (siehe S. 18) und legt den Vor-
anschlag für 1900 vor, welcher geiiehinigt wird. Als Rechnungsprüfer
werden Architect R. Günther und Rankier A. Kuntze gewählt.
Derselbe tbeilt ferner mit, dass der Gesellschaft von ihrem Mit-
glieds Fabrikbesitzer L. Guthmann in Dresden 500 Mark zum Geschenk
gemacht worden seien. Für diese hochherzige Schenkung wird ihm der
Dank der Gesellschaft ausgesprochen.
Privatdocent Dr. A. Scblossmann hält einen Vortrag: Beitrag zur
praktischen Ernährungslehre.
Die sich an diese Hauptversammlung anschliessende, von 68 Mitgliedern
und Gästen besuchte
OefTenfllche Sitzung
ist dem Andenken des am 28. Januar 1900 verschiedenen Ehren-
vorsitzenden der Isis, des Geheimen Rathes Prof Dr. Hanns
Bruno Geinitz gewidmet.
Von derselben Stelle, an welcher der Verewigte bis vor wenigen
Jahren als anregender Lehrer gewirkt und Tausende dankbarer Schüler
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herangebildet hat, schildert sein Amtsnachfolger Prof. Dr. E. Kalkowsky
in längerer Rede das Lebenswerk des bedeutenden Gelehrten und Forschers
und die grossen Verdienste, welche er sich während seiner mehr als
sechzigjührigen Mitgliedschaft um die Entwickelung der Isis erworben hat.
(Diese Rede siehe S. V.)
Die Anwesenden ehren das Andenken ihres geschiedenen Mitgliedes
durch Erheben von den Plätzen.
Dritte Sitzung am 29. März 1900. Vorsitzender: Prof. H. Engel-
hardt. — Anwesend 54 Mitglieder und Gäste.
Nachdem der Rechnungsabschluss für 1899 von den Rechnungsprüfern
für richtig befunden worden ist, wird der Kassirer entlastet.
Herr R. Pohle hält einen Vortrag: Reiseschilderungen aus Nord-
russland. Eine grosse Zahl von Photographien der vom Vortragenden
besuchten Gegenden wird in Umlauf gesetzt.
Vierte Sitzung am 26. April 1900. Vorsitzender: Prof. H. Engel-
hardt. — Anwesend 40 Mitglieder und Gäste.
Regierungsrath E. Michael spricht Uber die Formen und den
Ursprung der Dorfanlagen und der Flurauftheilung in Sachsen.
Zur Erläuterung ist eine reiche Sammlung von Flurkarten ausgestellt.
Fünfte Sitzung und Excursion am 24. Mai 1900.
Von Dittmannsdorf wunderten die 12 Theilnehmer bis Krummen-
hennersdorf, führten von hier aus die romantische Grahentour bis Oher-
reinsherg aus und wandten sich daun dem Zollhause von Bieberstein zu.
Nach einer Wanderung durch das Muldenthal bis Nossen und nach der
Besichtigung des Parkes von Altzella mit seiner Klosterruine wurde in
„Stadt Dresden“ in Nossen zur Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten
eine kurze Hauptversammlung unter Vorsitz von Prof. H. Engelhardt
abgehalten. Die Rückkehr erfolgte über Meissen.
Sechste Sitzung am 28. Juni 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 70 Mitglieder und Gäste.
Privatdocent Dr. M. Toepler hält einen Vortrag: Kathoden- und
Becquerel-Strahlen.
Veränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder;
Am 28. Januar 1900 verschied im 86. Lebensjahre Geheimer Rath
Dr. Hanns Bruno Geinitz, früher Professor der Mineralogie und Geo-
logie an der K. Technischen llochscliide und Director des K. Mineralogisch-
geologischen und Prähistorischen Museums in Dresden, von 1838 — 1894
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wirkliches, dann Ehrenmitglied und seit 1896 Ehrenpräsident unserer Ge-
sellschaft.
Eine SclulJemng der reichen I.eb€nsarbcit des Verewigten ist diesem Hefte
Torangestellt.
Am 14. Februar 1900 starb Giovanni Canestrini, Professor der
Zoologie und vergleichenden Anatomie an der Universität in Padua, Prä-
sident der Societä Veneto-Trentina di Scienze Naturali, correspondirendes
Mitglied der Isis seit 1860.
Am 4. März 1900 starb Privatus Carl Specht in Niederlössnitz,
wirkliches Mitglied seit 1899.
In Wien starb am 23. März 1900 der Professor der Paläontologie an
der dortigen Universität Dr. Wilhelm Heinrich Waagen, K. K. Ober-
bergrath, correspondirendes Mitglied seit 1877.
Am 27. März 1900 starb der um die Firforschung der F'lora der
Umgehung von Meissen verdiente Apotheker Alfred Moritz Schlimpert
in Colin bei Meissen, correspondirendes Mitglied seit 1893.
In Klotzsche- Königswald starb am 30. März 1900 nach vollendetem
71. Lebensjahre Ilofratb Professor Gustav Adolf Neubert.
Er war in Hartenstein im Erzgebirge geboren und besuchte, um sich zum Volks-
schullehrer auszuhilden, ilas Seminar iii Dre.sden- Friedrichstadt Nach wnhlbestandeuer
Lehrerprüfung übernahm er die Stelle eines Hauslehrers in Ostpreussen in der Familie
des Grafen zu Dohna -Schlowitten, eines Nachkommens der alten Grafen von Dohna.
Mit welchem Segen er dort gewirkt, geht aus den Worten hervor, die ihm wenige
Wochen vor seinem Tode sein .Schüler noch zurief: „.Je Älter ich werde, um so mehr
lerne ich schätzen, wa.s ich Ihnen zu danken habe“. Nach Sachsen zurückgekehrt wurde
er Lehrer am Hiittclier'schen Institut in Dresden, daniach Oherlehrer für Naturgeschichte
und Chemie an der Neustädter Kealschule, welche Stelle er später mit der Professur
für dieselben Fächer au dem hiesigen Cadettenhanse vertauschte.
Unserer Isis gehörte er von 1857 bis zur üebersicdelung nach Klotzsche -Königs-
wald im Herbst 1897 als wirkliches Mitglied an, von da an als correspondirendes Mit-
glied. Wie sehr man seine Kraft zu schätzen wus.ste, geht daraus hervor, da.ss man
ihn in den Jahren 187Z und IH7t zum ersten Vorsitzenden der Section für Physik und
Chemie, in den Jahren 1873, 1881, 1885, 1888, 1888, 1889, 1895 und 1898 zum zweiten
Vorsitzenden dieser Section wählte.
Verschiedene Abhandlungen von bleibendem Werthe zieren unsere Zeitschrift, ans
ihnen seien nur hervorgehoben : „Resultate aus den meteorologischen Beobachtungen
zu Dresden 1878 — 1885“ und „Ergebnisse aus den Beobachtungen der meteorologischen
Station zu Dresden 1848—1888“.
Am 23. April 1900 verschied ganz unerwartet Geheimer Regierungs-
rath Professor Dr. Karl Ernst llartig, wirkliches Mitglied seit 1866.
Geboren am 20. .lanuar 1838 zu Stein bei Rochlitz, bildete er sich auf den tech-
nischen Lehran.stalten in Chemnitz nnd Dresden, sowie in der Fabrik von Richard
Hartniann für das Maschinenwesen aus, besuchte darauf die Universität Leipzig und
widmete sich dann dem technologischen Lehrfache. Zuerst war er Assistent des Directors
lies Dresdner l’olytechnikums Ibrof. Hülsse ; darauf wurde er an derselben Anstalt 1863
selbständiger Lehrer. .Seit 1885 bekleidete er die Professur der mechanischen Techno-
logie an der K. Technischen Hochschule, auch war er Vorstand der mechanisch - techno-
logischen und bautechnologischen .Sammlung wie der djTiamonietrischen Station. Sein
Leben ist Arbeit und wieder Arbeit gewesen.
Seit 1877 war er auch Mitglied des Kaiserlich Deutschen Patentamtes, als welches
er das Werk: „.Studien in der Praxis des Kai.serlichen Patentamtes“, Leipzig 1890, ver-
öffentlichte. Ausser die.sem veröffentlichte er noch: „Untersuchungen Uber die Heizkraft
der Steinkohlen Sachsens“, Leipzig 18(91, welche einen starken Band des von H. B. Geinitz
herausgegebenen grossen Werkes über die Steinkohlengebiete der ganzen Erde ftillen,
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nnd in Terschiedenen Zeitungen, auch in nnseren Abhandlungen, Aufsätze über techniscbe
Versuche an Arheitsmaschinen u. a. 1875 übernahm er noch die Redaction des „Civil-
ingenieur“.
Dabei fand er für unsere Isis noch immer Zeit. In den Jabren 1880, 1889 und
1890 bekleidete er in derselben das Amt eines ersten Vorsitzenden, in den Jahren
1870—1872 und 1876—1879 das eines zweiten, von 1867—1869 das des ersten beziehentlich
des zweiten Vorsitzenden in der Section für Physik nnd Chemie und 1896 das des ersten
Vorsitzenden der Section für Mathematik.
Gegen 50 längere A'orträge über technologische Gegenstände, die sein tiefes und
ansgebreitetes Wissen bekundeten, weisen unsere Sitzungsberichte auf. Seine elementare.
Allen fassliche nnd Alle packende Vortragsweise fesselte uns von Anfang bis zu Ende
eines jeden an sein Wort
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Beckel, E., emer. Lehrer in Dresden, i ne i -i mnn
Bernkopf, Georg, Bildhauer in Dresden, I
Beythien, Adolf, Dr. phil., Director des chemischen Untersuchungsanites
in Dresden, am 26. Januar 1900;
Bock, Maximilian, Dr.phil., Fabrikbesitzerin Dresden, am 22. Februar 1900;
Jü Illing, Franz, [nstrumenterifabrikaiit in Dresden, am 26. April 1900;
Keller, Wilhelm, Ingenieur in Grosszschachwitz, am 25. Januar 1900;
Meier, Gustav, Gymnasiallehrer in Dresden, am 26. April 1900.
In die correspondi rend en Mitglieder ist iibergetreten ;
Altenkirch, Gustav, Dr. phil., Realschullehrer in Oschatz.
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Kassenabschluss der Gesellschaft ISIS vom Jahre 1899.
Einnahme. Position. Ausgabe.
18
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Dresden, am 21. Februar 1900. G. Lehmann, z. Z. Kassirer der Isis.
Sitzungsberichte
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1900.
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I. Section für Zoologie.
Vierte Sitzung am 1. November 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. H.
Nitsche. — Anwesend .37 Mitglieder.
Dr. K. Heller bespricht die neueren französischen Untersuchungen
über die Biologie der Copropbagen, besonders der südlichen Ateuchus-
Arten unter Vorlage von
Fahre, J. H.: Souvenirs entoraologiques V. Paris 1897, und
Carus Sterne: Der heUige Käfer und seine Verwandten. Prometheus 1899,
Nr. 531 und 63Z.
Derselbe theilt ferner, um etwaigen späteren Irrungen bei faunisti-
schen Zusammenstellungen vorzubeugen, mit, dass die im Dresdner Anzeiger
vom 6. October 19(X) enthaltene Nachricht über den Fang einer 2 Pfund
schweren Schildkröte in der Skala bei Gröditz, Amtshauptmannschaft
Bautzen, sich nicht etwa auf die für das sächsische Fauuengebiet noch
nicht nachgewiesene Sumpfschildkröte, Eniys liitaria, sondern auf ein
aus der Gefangenschaft ausgekommenes Exemplar der griechischen Land-
schildkröte, Testudo qracea beziehe. Dies wurde auf Bitte des Vor-
tragenden durch Prof. H. Naumann in Bautzen festgestellt. Das Stück
stammte aus dem Parke des Rittergutsbesitzers Struve.
Prof. Dr. H. Nitsche theilt anschliessend, um ähnlichen Irrthümem
zuvorzukommen, mit, dass er im Sommer 1900 bei Tharandt verschiedene
der sächsischen Fauna nicht ungehörige Amphibien habe aussetzen lassen,
nämlich in je 10 Exemplaren den schwarzen Alpcnsalamander, Sala-
mander atra und den Schweizermolch, Triton helveticus (T. palmatus,
T paradoxus), sowie zwei Exemplare der Geburtshelferkröte, Ahjtes
obstetrkans und 10 Stück der gelbbäuchigen Bergunke, Bombinator
pachypus. Ein Exemplar des ersteren ist inzwischen bereits wieder ge-
sehen worden.
Derselbe bespricht ferner kritisch und legt vor
Zehn der, 1..: Die Entstehung des Lebens aus mechanischen Qrundlagen ent-
wickelt, Th. I und II. Tütjingen 1899 vrnd 1900.
Bibliothekar K. Schiller legt als Neuerwerbung vor die Schluss-
lieferungen von
Tümpel, R. : Die Geradflügler Mitteleuropas. Eisenach 1900.
Prof. Dr. H. Nitsche demonstrirt den Schädel einer vierhörnigen
Gabelantilope, Antilocapra americana, den die Tharandter Sammlung
kürzlich erworben hat, als erste bekannt gewordene solche Monstrosität
»♦
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u
bei einem nicht domosticirten üoviden, da die bisher beschriebenen Fälle
von Vierhörnigkeit bei Gemsen sich stets als Fälschungen gewinnsüchtiger
Händler erwiesen haben.
Derselbe berichtet ferner über einige im Herbst 1900 im Engadin,
besonders bei Tarasp und Pontresina gemachte ornithologische Be-
obachtungen.
Dieselben beziehen sich auf Pasner domesticus var. italiae, Hirundo rupestris,
Cypsclus melba, Cindtis cinclus var. meridionalis, Stema nigra, Pyrrhocorax alpinus
awi Xucifraga caryocatactes. Von letzterem und vom Eichhörnchen beschädigte Arven-
zapfen werden vorgelegt.
Ffinfte Sitzung am 6. Dec«mber 1900 (in Gemeinschaft mit der
Section für Botanik). Vorsitzender: Oberlehrer Dr. J. Thallwitz. — An-
wesend 32 Mitglieder.
Der Vorsitzende lässt ein Rundschreiben des ornithologischen
Vereins zu Dresden circuliren über Missbrauch beim Verkauf von
Krammetsvögeln. Zugleich legt er zwei Tafeln Abbildungen von Drosseln
vor aus
Fürst, H.: Deutschlands nützliche und schädliche Vögel. Berlin 1893.
Director A. Schöpf demonstrirt eine grössere Anzahl sibirischer
Rehgeweihe, eigenartig in Grösse, Stärke und Gestaltung, und knüpft
daran Bemerkungen über das sibirische Rehwild und Aussetzungsversuche
mit diesem.
Derselbe führt zwei zoologische Phantasiegebilde chinesischer Her-
kunft aus Baumwurzeln vor, über deren Herkunft Geh. Hofratb Prof.
Dr. 0. Drude noch einige Worte spricht.
Prof. Dr. R. Ebert hält einen Vortrag über Chun’s Tiefsee -
Expedition. Es circulirt
Chun, C.: Aus den Tiefen des Weltmeeres. Jena 1900.
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude demonstrirt und bespricht das
neueste Mikroskop der Firma Seibert in Wetzlar und legt vor
Hager, H., und M et z, C.: Da.s Mikroskop und seine Anwendung. Berlin 1899;
Schiniper, A. F. W.: Anleitung zur mikroskopischen Untersuchung der
vegetabilischen Nahrungs- und Gennssmittel. Jena 1900.
Dr. B. Schorler berichtet über einige neuere Publicationen und giebt
herum
Eyferth, B.: Einfachste Lehensformen des Thier- und Pflanzenreichs, 3. Auflage.
Braunschweig 1900;
Engler, A., und Prantl, K.: Die natürlichen Pflanzenfamilien, Bd. I,
Abth. I und II. Leipzig 1896—1900;
Weigelt, C.; Unsere natürlichen Fi.schgewässer, wie sie sein sollten und wie
sie geworden sind. Berlin 1900;
Blücher, H.: Das Wasser, seine Zusammensetzung u. s. w. Tjcipzig 1900.
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II. Section für Botanik.
FQnfte Sitzung am 8. NoTcmber 1900. Vorsitzender: Geh. Hofrath
l’rof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 38 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende legt zunächst neu erschienene botanische Werke
systematiscli-tioristischen Inhalts vor, nämlich
Engler, A.: Das Pflanzenreich. 1. Heft: Musaceae. Leipzig IWOü;
Dalla Torrc, C.ti.ile.iiml Harras, H.: (ieneraSi|ihonagaraamm LeipziglStOO;
tViesner, .1,: Kohstofle de.« Pflanzt nreiche.s, 2. .Auflage, I. Bil. Leipzig IHOU;
Fritsch, K.: Schulflora für die ii.sterreichischeii Sudeten- mul Alpenländcr.
Wien HHXt;
Schinz, H.. und Keller. R.: Flora der Schweiz. Zürich 1900;
Winkler. W.: Sudetcnflura. mit polychroraischen Ähbildungen von Nenke und
Ostermaier. Dresden 1!KX);
Buhse, F. (-}- Riga): Flora des Alburs und der kaspischen Slldküste. Riga 1S99,
Bibliothekar K. Schiller legt einen Katalog der Handelsgärtnerei
von K. Böhmer & Co. in Yokohama vor, welcher durch seine -\b-
hildungen und Herstellungsweise hemeikenswerth erscheint; daran schliesst
sich die Vorlage eines botanischen Heftes von dem Bulletin of the College
of agriculture, Tokyo, mit Darstellung japanischer Nutzhölzer und Bei-
trägen zur Kenntniss der Gattung Tilia.
Den wissenschaftlichen Vortrag für tliese Sitzung hat der Vorsitzende
zusammen mit Dr. B. Schorler vorbereitet, indem beide über ihre
floristischen Arbeiten und K.xcursionen im verflossenen Sommer
sprechen und dabei eine Auswahl bemerkenswerther Arten aus ihren
Sammlungen zur Vorlage bringen.
Zunächst spricht Dr. B Schorler über das Fichtelgebirge und das obere Eger-
thal von Weissenstadt bis gegen Eger hin. hemerkcnswertii durch Dimilhus !ierfuieri,
Polyqntn Chamntburua (ein ganzer Hügel voll davon bei Sinnatengrfin nahe Wun-
siedel!) und Erica camea. sowie über das fränkische (iebiet südlich von Bamberg.
Geh. Hofrath Prof. Dr.O. Drude fügtnwh Beobachtungen über die Felsfloia zwischen
Berneck am Weissen Main und der Saaleqnelle am Grossen Waldstein hinzu, und lie-
spricht alsdann das sehr iiitcreseaiite Thüringer Trias- Gelände der Drei Gleichen und
Seeberge zwischen Arnstadt und Gotha. Das.selbe ist dadurch bemerkensweith, dass
hier ilie südwestlichste Ecke des an seltenen Arten reichen Thüringer Steppengebietes
mit Oj-ytrnjris pilosa, Nepeta niuln, Peucedaimm alsalicum n. s. w. liegt, in welchem
vor einigen Jahren Gartenmeister Zaiiel aus Hann. Münden (jetzt in (iothai Orobanche
Crrvariae auf einer Grasirift mit Ptticcdanum Cervaria in Masse entdeckt hat. Es
war dem Vortragenden vergönnt, diesen auserlesenen .Standort, an dem auch t'leuro-
spermum auatriacum wächst, unter Zabels trefflicher Führung am 11. August d. J. zu
besuchen.
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Dritte Sitzung am 15. November 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. W.
Bergt. — .Anwesend 40 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende legt, theilweise mit Besprechung, vor
Toula, F.; Lehrbuch der Geologie, mit .Atlas. AATen 1990;
Berichte über den internationalen Geologencongress in Paris,
enthalten in der Zeitschrift für prakti.sche Geologie 1900, 11. Heft, und
im Centralblatt für Mineralogie 1900, 7. Heft;
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Nekrolog anf K. F. Kammcisberg. C'eiitralblatt für Mineralogie 1900,
7. Heft;
Dalmer, K.: Die westerzgebirgische ürauitmassivzone, Zeitschrift für
praktische Geologie 19(XJ, 10. Heft;
Frech, F.: Ccber die Ergiebigkeit und voraussichtliche Erschöpfung der
Steinkohlenlager, aus Dethäa paläozoica. Stuttgart 19(K).
l’rof. Dr. E. Kalkowsky spricht üher kieselige Sandsteine aus
den „Salzpfannen“ Südafrikas mit Vorführung von Proben und Dünn-
schliflfen.
Ür. E. Naumann legt vor und bespricht ein neues interessantes
Kalkspathvorkommniss vom Zwieseler Erbstolln bei Berggiess-
hübel in Sachsen.
IV. Sectiou für prähistorische Forschungen.
Dritte Sitzung am 18. October 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. J.
Deichraüller. — Anwesend 28 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende legt das soeben erschienene Werk von
Woermann, K,: Geschichte der Kunst aller Zeiten und Völker. 1. Band:
Die Kunst der vor- und ansscrchristlichen Volker. Leipzig und Wien 1900
vor und berichtet eingehend über den von ihm besuchten 12. inter-
nationalen Congress für Anthropologie und prähistorische
Archäologie in i’aris vom 20. — 26. August 1900 und über die prä-
historischen Sammlungen in Paris.
Im Anschluss hieran bringt Oberlehrer Dr. P. Wagner zur Vorlage
Giraud, 1’.; Lcs iuvasions palcolithiques daus l’Europe occidentale. Les
origines de l'art en France. Paris IVOO.
Oberlehrer 11. Döring legt eine in Thon geformte Axt und zwei Kinder-
klappern, die eine in Vogelform, die andere in Form eines Topfes, aus
einem Urnengrabe von Löbsal bei Diesbar vor und giebt eine Ueber-
sicht üher die bisher in Sachsen gefundenen Kinderklappern.
Lehrer H. Ludwig berichtet über eine Niederlassung aus der
Zeit der Gräberfelder vom älteren Lausitzer Typus auf dem
Gartengrundstück des Lehrers M. Weidner zwischen Oberpoyritz und
Kleingraupc östlich von Pillnitz.
Ausser Holzkohlen und .Stücken von Wandbewurf fanden sich in den aufgedeekten
Herdstellen und in ilercui ünigebnng zahlreiche GefiGsresle, ilaruntcr dickwandige mit
aufgekleljten, kettenanig gekerbten Thonleiaten , das Hruchstftck eines duppelcohischen
Najifes mit einer Scheidewand, eine tlachc, einerseits .<chalenartig vertiefte Thonperle
und eine tonueiiförmige Kinderklapper. Ein Theil der Funde wird vorgelegt.
Oberlehrer II. Döring bringt zum Schlüsse einen schnhleistenfcirraigeu
Steinkeil und ein Flachbeil aus Stein von Möritzsch westlich von
Leipzig zur Ansicht.
Vierte Sitzung am 13. December 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. J.
Deiclunüller. — Anwesend 26 Mitglieder.
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Prof. Dr. J. Deichmüller bespricht eingehend das Werk von
Montelins, 0.: Die Chronologie der ältesten Bronzezeit in Norddentechland
und Skandinavien. Brannschweig 1900.
Prof. H. Engelhardt bringt ein im Rittergutsbezirk Grossseitseben
bei Bautzen get^uudenes, wohl erhaltenes Steinbeil aus grobkörnigem
Diabas zur Vorlage.
Prof. Dr. E. Kalkowsky hält einen Vortrag: Prähistorisches aus
Ungarn mit besonderer Berücksichtigung der ungarischen Kupferzeit.
Unter den ausgelegten Werken befinden sich
Pulszkj-, Fr.: Magyarorszky archaeologiäja, Bd. I und 2. Budapest 1897;
Kalauz, A.; Magyar nemzeti muzeum. Budapest 1899;
Much, M. : Die Kupferzeit Europas und ihr Verhältniss zur Cultur der (ler-
manen, 2. Auflage. Jena 1893;
Cesnola, L. Palma di: Cypeni. Seine alten Städte, Gräber und Tempel,
deutsch von L. Stern. Jena 1879.
Prof. Dr. J. Deichmüller bespricht eine grössere Anzahl ausgestellter
schnurverzierter Gefässe aus Sachsen, welche den öfl'entlichen
Sammlungen in Leipzig, Pegau und Bautzen, sowie verschiedenen Privat-
sammlungen entnommen sind.
V. Section für Physik und Chemie.
Vierte Sitzung am 4. October 1900. Vorsitzender: Oberlehrer H.
Rebenstorff. — Anwesend 48 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende führt eine Anzahl physikalischer und chemi-
scher Versuche vor.
ln vereinfachter Anordnimg zeigt er die bekannte gegenseitige Einwirkung zweier
gleichlanger Fadenpendel, die Füllung eines Reagensglase.s mit dem mittels Natrium
aus Wasser entwickelten Wnsserstoft' ohne pneumatische Wanne, das Abfangen des
nach der Verbrennung von Natrium auf Wasser zurückbleibenden Kügelchens von
Natriumhydroxyd mittelst eines am Ende glühend gemachten Glasstabes. Sodann wird
ein für die Verbrennung von Magnesium in Wasserdampf, sowie in Kohlensäure ge-
eigneter Verbrennungsraum vorgefilhrt; um das Zerspringen des Halses des gewöhnlich
zu diesen Zwecken bcnuiztcn Kolbens zu vermeiden, nimmt mau ein Becberglas, welches
einen Deckel aus Schablonenhlech erhält, den man mit einer centralen Oeffnung ver-
sieht. Der so hergestellte Verbrennnngsranm kann sehr bequem gereinigt werden
Verbrennt man das Magnesium nicht in trockener, sondern in mit viel Wasserdampf
vermischter Kohlensäure, so ist die Verbrennung ruhiger, Magnesium wird weniger
stark fortgespritzt und der aus der Kohlensäure abgeschiedene Kohlenstoff ist in Stücken,
welche die Form des Magnesiiimhandcs nachahnien, gut zu erkennen (Zeitschr. für den
physik. und chem. Unterricht Xlll, S. 31, 183 und 218).
Der Vorsitzende zeigt die Benutzung der neuen Form des Car-
tesianischen Tauche rs nebst einer der Taucherglocke ähnlichen
Vorrichtung (dieselbe Zeitschrift Xlll, S. 249),
macht im Anschlüsse hieran einige Mittheilungen über die Erfindung
der Taucherglocke und
giebt einen Abriss der Geschichte der Erfindung des Thermo-
meters unter Benutzung des zur Vorlage gelangenden Werkes von Ger-
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2ß
land und Traumüller; „Cieschichte der physikalischen Experimentir-
kunst“, Leipzig 1899.
Prof. Dr. II. Heger spricht über Energetik ira Unterricht.
Die herrschende Stellung, die der Satz der Erhaltung der Arhcit in der Physik
einnimmt, verpflhhtet den mechanischen Untenichi, im .Sinne der Energetik zu ver-
fahren. Xaehdeui bereits die der Mechanik voi hei gehenden Äbsihniite Arbeit.-hetrach-
tungen in dm Vordergrund gestellt haben, hat die Mechanik die energelisihen (inind-
heniiffe nicht erst neu zu schaffen Dabei darf dem Sehnlunterricht nicht ahverlangt
werden, rein energetisch zu verfahren; der Krafthegiiff kann nicht ans dem Untenient
ganz entfernt werden, so lange er in der Wissenschalt noch lebt. Der mechanische
Unterricht beginnt (1. Abschnitt) mit der Arbeit gegen die Schwere. Aufnahme,
Üebertragung, Verw andlung der Arbeit in Wärme und W ucht (hier noch ohne Formel),
An dieser .Stelle, nicht in einer vorausgeschickten, in der Luft hängenden Phoronomie,
tritt der Begriff der (Seschwindiitkeit auf. 2. Abschnitt. Arbeitsübcrtragnng bei
verbundenen Gewichten. W^enn die Gewichte 0,, Gj ideal und so mit einander
verbunden sind , dass die senkrechte Bewegung von G, bestimmte verhälrnissglei. he
.senkrechte Bewegungen von (Jj, (},.... bedingt, und wenn dabei die algebraische
Summe der Hubänderungen Null ist, so sind G„ G« im Gleichgewichte, d. i.
es verharrt Ruhe, sowie gleichförmige Bewegung. Einfache Maschinen, Gewichte an
einer starren drehbaren Ebene, Hebel. 3. Abschnitt. Freier Fall, getreu nach Galilei,
unter Hervorhebung von v=gt als Hypothese, sowie der Wurf, unter der Hervor-
hebung der H.vpolhese von der Znsainnien.setzung endlicher Bewegungen der Beharrung
und der Schwere. Gültigkeit des Arbeits.satzes als beste .Stütze dic.ser Hypothesen. W’ueht-
formel. 4. Abschnitt. Bewegung verbundener Gewichte: Wagen auf wagcrechter
Bahn, durch sinkendes Gew-icht gezogen, Gewichte an einfachen idealen Maschinen.
Die Arbeitsgleichung führt überall zu v:*~2g,h, und hierin wird gleichlbrmig be-
schleunigte Bewegung mit der Be.schleuuigung g, erkannt. 5. Abschnitt. Hub eines
schweren Küriters; der Schwerpunkt als der Punkt, in dem man bei Hubändernngen
das Gewicht des KSrpers vereinigen kann, H. Abschnitt. Wucht bei Achsendrebung,
Trägheitsmoment. Schwungrad, durch sinkendes Gewicht bewegt u s. w. 7. Abschnitt,
Der Stoas weicher und elastischer Kugeln. Hierbei können die Beziehungen P = mp
u. a. m. nicht wohl nmgangeii werden. Wirkung und Gegenwirkung. Die Unterscheidung
weicher und elastischer Körper erfolgt energetis< h , so dass für den ela-'tis. hen Stoss
die (fleichheit der Gesummt wncht vor und naih dem Stoa<e sofort ausgesproi hen wird.
8. Abschnitt Arbeit elastischer Kräfte, als Traj.ezfläche bereihnet: hieraus die
Formeln der elastischen Schwingung abgeleitet. Das Pendel. 8. Abschnitt. Gleich-
förmige Bewegung im Kreise. Ihre Abbildung auf einen Durchmesser ergicht elastische
Schwingung woiau.« ceniripetale BeMblennigurg c* r geschlo-sen wird Kt Abschnitt.
Arbeitsflb" rtrngnng diinh eine ideale gewichtslose Flüssigkeit; Boden- und Seiiendrnck
schwerer Flüssigkeit, selbstredend rein energetisch abgeleitet, desgleichen Niedettrieb
und Auftrieb, sowie die Ansllussfonuel Zum .Schluss das Wasser als Aibeitsnuelle:
.Sto.ssräiler, ober- und mittelschlächtige Mühliäder, Turbinen unter einfachsten Voraus-
setzungen. 11. Abschnitt. Bei den Gasen nehmen das Mariotte-Ga.v- Lussae’sche
Gesetz und die Abnahme des Drucks mit der Höhe den breitesten Kaum ein und gehen
zunächst keinen Anlass zu Arbeitsbetrachtungen. Wohl aber kommen diese wieder zu
ihrem Rechte bei der Arheilsülierirngnng durch Gase und hei einem Schlu.ssabschniite
Uber die specilischen Wärmen der Luft iiaumgleich, drnckgleieh, gleiches Verhältniss
von Raum und Druck, wärmedichtt. Hieran kann sich als weitere meihanische Er-
gänzung der Wärmelehre die Heisslnftmaschiue und die Heissdampfmaschine schliessen*).
Fünfte Sitznng am 22. November 1900. Vorsitzender: Oberlehrer
II. Rebenstorff. — Anwesend 51 Mitglieder und Gäste.
Dr. J. Pinnow hält einen Vortrag über Unterscheidung von Talg
und Schmalz.
Talg und Schmalz werden stenertechnisch an ihrem verschiedenen Oleingehalte
erkannt. Dieser setzt den Erstarrungspunkt der abgeschiedenen F’ettsäuren herab
♦) Weitere Ausführungen in K, Heger; Die Erhaltung der Arbeit. Hannover 1886.
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(Finkener) und erhöht die Jodzabl (Hübl). Beide Methoden leiden an technischen
Fehlern nnd benihen auf mantrelhafter wissenschaftlicher Grundlage. Der Erstarrnn^s-
pnnkt ist auch abhängig vom Verhältniss zwischen Palmitin und Stearin, 3U'% Stearin-
säure setzen den Er.'tarrungspunkt der Palmitinsäure um H* herab (de Visser). Der
Oleingehalt schwankt luneihalb weiterer Grenzen, als man gemeinhin annimmt, und wird
zumal durch Mä.stung erhobt (Müntz) De.ihalb wurde des Oefteren für reine ameri-
kanische oder australische Talgsendungen, weil si bmalzverdächtig, der höhere Steuersatz
gefordert. Eine brauchbare ITiiterscbeidung könnte dagegen aufgebaut werden auf die
Beobachtung von Kaumers, da-s Schmalz ein Linolaäureglycerid enthält, welches sich
durch eine höhere innere Jodzahl verrätb, nämlich die .lodzahl der ungesättigten Säuren,
deren Bleisalze in Aether löslich sind. Das Auflihden eines Nachweises der Dinolsänre
auf Grund von Löslicbkeitsverhältnissen ist nicht sehr wahrscheinlich. Eher emiitiehlt
sich ein vorhergehendes systematisches Studium mehrfach ungesättigter Säuren der
Fettreihe von bekannter Constitution und Anwendung der hierbei gemachten Erfahrungen
auf die Erkenntniss der Linolsäure.
Dr. A. Beythien, Director des städtischen chemischen Untersuchungs-
amtes, spricht über Geheiminittel und Nährpräparate.
Nach einem Hinweis auf den noch immer weite Kreise der Bevölkerung beherr-
schenden Aberglauben als die Quelle des Gebeimmittelnnwesens bespricht Vortragender
zunächst die zur Heilunk' menschlicher Krankheiten, darauf die für verschiedene Zwecke
der Technik nnd des Hanshalts nnd schlics.<lich die zur Verschünening des mensch-
lichen Körpers iKosmetica) angepriesenen Geheiminittel. das Wesen der einzelnen Gruppen
an der Hand einer Reihe typischer Beispiele vor Augen führend. Durch jedesmalige
GegenUberstcllnng der Hcrstellumjsko.sten und des Veikaufspreises. sowie durch Hercor-
hebnng der meist völligen Wirknngslosigkeit der Präparate winl gezeigt, welche grosse
Schädigung der socialen Wohlfahrt durch den Vertrieb dieser Mittel erwächst, und wie
nothwendig die unanagesetzte Bekämpfung dieses Unwesens besonders von Seiten des
urtheilsrähinen Publikums i.st.
Im zweiten Theile seiner Ausführungen wendet sich Vortragender zu den diäte-
tischen Nährpräparaten, welche, zur Ernährung Kranker bestimmt, ihre Nährstoffe in
leicht löslicher Form enthalten, und hebt besonders hervor, dass das Tropon, im Gegen-
satz zu der vielfach herrschenden Annahme, nicht zu ihnen zu rechnen ist, da es völlig
unlösliches Eiweiss daratclit, und sich von dem in Fleisch und Hnhenftlb hten befind-
lichen Eiweiss nicht unterscheidet. Das von Professor Finkler zu dem Zwecke geschaffene
Tropon, den notorischen Eiweissniangt 1 in der Nahrung des armen Mannes zu ersetzen,
kann nur als Nahiungsmittel beurtbeilt werden, ln die.ser Hinsicht i.st es aber zu theuer,
da der gleiche Zweck durch einige Fleisch.sorten, besonders aber durch das in der Milch
und dem Magerkäse enthaltene Eiweiss auf billige Weise erreicht wird. Vortragender
schliesst mit dem Hinweise, dass das Problem der billigen Eiwei.'snahrung mit dem
Tropon nicht gelüst sei, nnd mit dem Wunsche, dass gleiche dahin zielende Bestrebungen
von Erfolg gekrönt sein möchten.
YI. Section für Mathematik.
Tierte Sitznng am 11. October 1900. V orsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 15 Mitglieder und Gäste.
Privatdocent Dr. E. Naetsch spricht über Translationsflächen.
Ausgehend von einigen historischen Bemerkungen bespricht Vortragender zunächst
die wichtigsten allgemeinen Eigenschaften der Translatiüii.sffächen. wobei insbesondere
derjenigen Flächen gedacht wird, welche sich auf mehr als eine Art als Translations-
fläcdien darstellen lassen. Hieran schliesscn sich Mittheiliingen über solche Translations-
flächen, welche zugleich als Rotationsflächen angesehen werden können, sowie kurze
zVndeutnngen Uber die Mittel, alle derartigen Flächen zu bestimmen.
Prof. Dr. R. Heger spricht über Kugelherührungsaufgabeii und
Kugel verwandt Schaft.
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Im Anschluss an seine in der vorhergehendin Sitzimg (am 10. Mai 1900) gegebene
Mittheiinng Uber die Ijösnng der KreisberUhrungsaiifgaben durch Kreisverwaudtsebaft
entwickelt der Vortragende die Auflösung der KugelberUhrungsaufgaben durch die
Kngelvcrwandtschaft, das rSumliche Seiten.stUck der Kreisverwandtschaft. Die 15 Auf-
gabeu werden auf 2 Stufen vertheilt ■. der Unterstufe, die hier ausser Betracht blieb,
werden die 5 Aufgaben zugewieseu, bei denen nur Punkte und Ebenen gegeben sind,
sowie noch die Aufgabe ,.3 Ebenen nnd 1 Kugel“, da sie durch einen die 3 Ebenen
berührenden Uindrehungskegel auf die ebene Aufgabe „2 Iterade und 1 Kreis“ zurtlck-
gefuhrt wird. Die Aufgaben, hei denen neben Ebenen nnd Kugeln noch mindestens
1 Punkt gegeben ist, werden gelöst, indem man eine Kugelvcrwandtschaft benutzt,
deren Verwandtschaftsmitte der gegebene Punkt (bez. einer der gegebenen Punkte) ist,
denn die gesuchte Kugel wird alsdann als Ebene abgcbildet Hiernach sind noch die
Aufgaben zu erledigen, bei denen 2 Ebenen nnd 2 Kugeln, oiler 1 Ebene und 3 Kugeln,
oder 4 Kugeln gegeben sind. Aus dem Gesainmtgebiete dieser Aufgaben kann man
zwei Gebietstheile ausscheiden. die zum Ganzen ein endliches Verbältniss haben. Wenn
nilmlich 3 von den gegebenen Flüchen x,, >f,, x, einen gemeinsamen (realen) Punkt O
haben, so werden sic von O als Vcrwandtsch’aftsmitte aus als Ebenen r/, z,’, z,' abge-
bildct, und hierdurch wird die Aufgabe auf „3 Ebenen und 1 Kugel“ zurückgefUhrt.
Wenn ferner unter den 4 gegebenen Flüchen 2, z, und z,, sind, die sieh nicht schneiden,
so kann man sie in 2 mitteugleiche Kugeln verwandeln, indem man einen der lieiden
Xullimnktc de.s Büschels z, z, als \’erwandtschaft.smitte benutzt; man hat dann die
Kugel y zu zeichnen, welche 2 mittengleiche Kugeln z,’ und z/ und noch 2 andere
Kugeln z/ und z,' berührt. — Für das Uestgehiet führen folgende Betrachtungen zum
Ziele. Eine Kugel, die den Ebenen «, n, eingeschrieben ist, wird von einer der beiden
Mittelcbencn von rechtwinklig geschnitten; durch Kugelverwandtschaft folgt hieraus
sofort, dass eine Kugel sr, welche die Kugeln z, z„ berührt, von einer der beiden Kugeln
z , und z,,' rechtwinklig geschnitten wird, die dem Büschel z, z. angehören und die
Kugeln z, z,. unter gleichen Winkeln schneiden. Haben die Kugeln die Normal-
gleichungen z, — 0, Zj = 0 und die Halbme.sser r, nnd Vj, so ist
* 1 r. ,1,1
*u c =0, *n =
r, Tg r,
Zu den 4 Kugeln z,, z,, z„ z, gehören 3 Paare winkelhalbirende Kugeln
>•«
n'
=
0,
*at,--r
n
+ r
• *4 ^
4
= 0
bilden 8
Bündel ;
zu je
ti Kugeln,
nii inlieb
n
12,
23,
13,
14.
24,
34
5) 2.3,
34,
24,
12',
13',
14'
2)
12,
23,
13,
It',
24',
:u'
ti) 12,
34,
13',
24',
23',
14'
3)
12,
24,
It,
13',
2.3'.
3t'
7) 13,
24.
12',
34',
2:)',
14'
4'
13,
3t,
14,
12',
23',
24'
8) 14.
23,
12',
24',
34',
13'
Man hat nun die s Kugeln zu zeichnen, welche je eins die.ser 8 Bündel recht-
winklig .schneiden und eine der 4 gegebenen Kugeln berühren ; von jedem der 8 Bündel
hat man dabei natürlich 3 Kugeln z. u. »■ zu verwenden, welche nicht ein Büschel
bilden. Haben /.. .u, x einen realen Punkt gemein, so nimmt man diesen als Verwandt-
schaftsiiiitte; .P hat dann den Schnittpunkt der Ebenen i', (i\ x' zum Mittelpunkte.
Wenn unter den 3 Kugeln i.. ii. x zwei sind, die sich nicht schneiden, z. B. 2 und so
bilde man sie als mittengleiche Kugeln ä' /t' ah; y ist daun eine Ebene, welche die
g'emeinsame .Mitte von X' und sowie die 5Iitte von y enthillL Wenn keine dieser Voraus-
setzungen zutriüt. so beachte man. dass die Kugeln, welche X, «, x rechtwinklig schneiden,
ein Büschel bilden, dessen (realer) Grnudkreis die auf der Mittelebene von A, «, x ent-
haltenen Hauptkreise dieser Kugeln rechtwinklig schneidet. Nimmt man einen Punkt
dieses Grundkreises als Verwaudtschaftsmitte , so bildet sich r als Ebene i' ab, die
eine gegebene Gerade enthält.
.\n jeden der beiden Vorträge scliliesst sich eine kurze Discussion.
llerrI{..M. 1‘estel legt ein Sphärometer für d io p Irische Zwecke vor.
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29
Ffinfte Sitzung am 13. December 1900. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 18 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. G. Helm spricht über Mathematik und Chemie.
Vortragender erinnert einleitend an die Thatsache, dass chemische Processe bei-
nahe ebenso früh zu mathematischen Betrachtungen Anlass gegeben haben, wie astro-
nomische nnd physikalische Vorgänge; denn der einfachste wie der compUcirteste chemische
Process kann niemals Tüllig erklärt oiler auch iinr beschrieben werden ohne Berück-
sichtigung Ton quantitativen Verhältnissen, also von Grüssenbeziehnngeu. — Zunächst
zeigt sich der Vortheil streng mathematischer Betrachtungsweise beim Studium stfichio-
metrischer Beziehungen; den Sinn und die Bedeutung einer chemischen Gleichung kann
man in erschöpfender Weise wiedergeben, indem man dieselbe durch ein gewisses System
homogener linearer Relationen ersetzt, wie vom Vortragenden ausführlich gezeigt wird. —
Tiefer greift die mathematische Behandlung ein auf dem Gebiete der Energetik. Führt
das Princip der Energie noch auf lineare, wenn auch nicht mehr auf homogene Gleichungen,
so erfordert der Begriff der Entropie sogar die Znhillenahme von Differentialgleichungen!
— Im weiteren Verlaufe seines v’ortrags bespricht Redner eingehend die neuerdings
von Gordan nnd Alexejeff entwickelte Theorie, welche die chemischen Formeln mit
der mathematischen Invariautcntheoric in Verbindung bringt.*) Die üntersnehungen
Ton Gordan und Alexejeff, welche übrigens znm Theil an frühere Arbeiten von Syl-
vester und Clifford (American Journal of Mathematics, I) anknüpfen. legendär, dass
die auf der Werthigkeitstheorie beruhenden sogenannten Structurfonueln ersetzt werden
können durch symbolische Ausdrücke, welche nach den Principien der Invariantentheorie
aufgebaut sind. Vortragender zeigt an einfachen Beispielen, wie hierbei zwei der lu-
variantentheorie geläufige Operationen, der Evectanten- und der Faltungs-iUeber-
schiebnngs-) Process zur Verwendung kommen. Redner erinnert dann noch kurz an die
Möglichkeit, unsere Vorstellungen über chemische Vorgänge in der Weise mathematisch
einznkleiden, dass jeiles Atom als ein Strahlbüschel mit gewis.sen ausgezeichneten Strahlen
gedeutet wird, wobei dann der eindeutigen (projectiven) Verknüpfung mehrerer derartiger
.Strahlbüschel die chemische Verbindung der betreffenden .Atome entspricht
VII. Hauptversammlungen.
Siebente Sitzung am 27. September 1900. Vorsitzender: Prof. H.
Engelhardt. — Anwesend 3.B Mitglieder und 1 Gast.
Prof. Dr. 0. Schneider hält einen Vortrag über die pillen wälzenden
Käfer und ihre Bedeutung für die ägyptische Mythologie.
Zur Vorlage kommen hierbei zahlreiche präparirte Coprophagen, Pillen, geschnittene
Scarabacen nnd andere religiöse .Sculptnren, sowie verschiedene, auf deu Gegenstand
des Vortrags bezugnehmende Schriften.
Ergänzende Bemerkungen zu dem Vortrage macht Dr. K. Heller.
Prof. H. Engelhardt legt vor
Zeiller, R.; Elömeuts de palöobotanique. Paris litOO.
Achte Sitzung am 2a. October 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 53 Mitglieder und Gäste.
*) P. Gordan und W. Alexejeff: Ueberein.stiminung der Formeln der Chemie
nnd der Invariantentheorie (Sitznugsberichte der physikalisoTi-mcilicinischen Societät zu
Erlangen).
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30
Dr. A. Stübel giebt einen Rückblick auf den vulkanischen
Ausbruch des Jahres 1866 im (Jolfe zu Santorin unter Voifübrung
zahlreicher Projectionsbilder von Karten und Ansichten dieses Vulkan-
ausbruches.
Neunte Sitzung am 29. NoTember 1900. Vorsitzender: Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 43 .Mitglieder und Gäste.
Nach der statutengemäss vorgenonimenen Wahl der Beamten der
Gesellschaft für das Jahr 1901 (vorgl. die Zusammenstellung auf S. 32) hält
Geh. Hofrath Prof. Dr 0. Drude einen Vortrag über die Entwicke-
lungsgeschichte der mitteldeutschen Hügelflora. (Vergl. Abhand-
lung IX.) •
Eine reichhaltige Auswahl von V’ertretem dieser Flora ist in Herbarinms-Eiemplaren
ausgelegt.
Herr J. Osterniaier bringt eine Anzahl Postkarten mit Blumen-
darstellungen zur Ansicht und \'ertheilung unter die Anwesenden.
Zehute Sitzung am 20. December 1900. Vorsitzender; Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 59 .Mitglieder mul 4 Gäste.
Auf Anregung von Prof Dr. E. Kalkowsky und Geh. Hofrath Prof
Dr. (). Drude wird beschlossen, die 8itzungen der Gesellschaft während
der Monate Januar, Februar und März 1901 probeweise erst um 8 Uhr
beginnen zu lassen.
Prof Dr. J. Deichmüller hält einen Vortrag über megalithische
Denkmäler.
Der Vortragende giebt eine eingehende Schilderung der der jüngeren Steinzeit an-
gehürenden Dolmen, megalithischen tianggrSber, Menhirs, Cromlechs und Steinreihen,
bespricht deren Verbnätung von Indien über die Küstenländer des Mittelmeere.s bis
nach Skandinavien und führt in 55 Projeclionsbildem eine grössere Reihe derartiger
Bauten aus dem gesammten Verbreitungsgebiete, namentlich aus der Bretagne vor.
Teränderungen im Mitgliederbestände.
Neu aufgenoinmene wirkliche Mitglieder;
Grübler, Mart., Kaiserlich Russischer Staatsrath, Pro-]
fessor an der K. Technischen Hochschule in Dresden, I am 26. October
Heller, Karl, Dr. phil., Gustos des K. Zoologischen und! 1900;
Anthropologisch-ethnographischen .Museumsin Dresden, J
Mann, .Max Gg., Dr. nied. in Dresden, ]
Naumann, Bruno, Geh. Commerzienrath in Loschwitz, I am 29. No-
Petrascheck, Willi., Dr. phil., Assistent an der K. Tech- | vember 1900;
nischen Hochschule in Dresden, J
Stutz, Ludw., Docent an der K. Technischen Hochschule in Dresden, am
20. December 1900;
Thiele, Karl, Apotheker in Dresden, am 25. October 1900;
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31
Weinmeister, J. Philipp, Dr. phil., Professor an der K. ForstakaJemie
in Tharandt, am 29. November 1900.
In die wirklichen Mitglieder ist ühergetreten ;
Wiechel, Hugo, Finanz- und Bauratli in Dresden.
Freiwillige Beitrüge zur Gesellschaftskasse
zahlten; Dr. Amthor, Hannover, 3 Mk.; Prof. Dr. B achmann, Plauen i. V.,
3 Mk.; K. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. ModelleurBlaschka,
Hosterwitz, 3 Mk. 10 Pf.; i'rivatus Eisei, Gera, 3 Mk.; Bergingenieur
Hering, Freiberg, 3 Mk. 15 Pf.; Prof. Dr. Hibsch, Liebwerd, 3 Mk.;
Bürgerschullehrer Hofmann, Grossenhain, 3 Mk.; Oberlehrer Dr. Lohr-
mann, Annaberg, 3 Mk.; Stabsarzt Dr. Naumann, Gera, 3 Mk. 6 Pf.;
Prof. Naumann, Bautzen, 3 Mk.; Fabrikbesitzer Dr. Naschold. Aussig,
10 .Mk.; Betriebsingenieur a. D. Prasse, Leipzig, 3 Mk.; Dr. Reiche,
Santiago-Chile, 3 Mk.; Director Dr. Reidemeister, Schönebeck, 3 Mk.;
Oberlehrer Richter, Aue, 3 Mk. 15 Pf.; Apotheker Schlirnpert, Cölln,
3 Mk.; Oberlehrer Seidel 1, Zschopau, 3 Mk. 10 Pf.; Rittergutspachter
Sieber, Grossgrabe, 3 .Mk. 15 Pf; Fabrikbesitzer Dr. Siemens, Dresden,
100 .Mk.; Chemiker Dr. Stauss, Hamburg, 3 Mk.; Oberlehrer Dr. Sterzei,
Chemnitz, 3 Mk.; Landesgeolog Dr. Steuer, Darnistadt, 3 Mk.; Prof
Dr. Vater, Tharandt, 3 Mk.; Oberlehrer Wolff, Pirna, 3 Mk. 5 Pf —
ln Summa 179 Mk. 75 Pf
G. Lehmann,
* Kaasirer der „Isis“.
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32
Beamte der Isis im Jahre 190L
Yorstand.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. Fr. Förster.
Zweiter Voi-sitzender: Prof. H. Engelhardt
Kassirer: Hofbuchhändler G. Lehmann.
Directorinm.
Erster Vorsitzender; Prof. Dr. Fr. Förster.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Als Sectionsvorstiinde;
Prof. Dr. H. Nitsche,
lieh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude,
Prof. Dr. E. Kalkowsky,
Prof. Dr. J. Deichmüller,
Prof. Dr. H. Freiherr von Walther,
Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause.
Erster Secretär; Prof. Dr. J. Deichmüller.
Zweiter Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
Y erwaltungsrath.
Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Mitglieder: 1. Prof. H. Fischer,
2. Civil-Ingenieur und Fabrikbesitzer Dr. Fr. Siemens,
3. Fabrikbesitzer L. Guthmann,
4. Privatus W. Putscher,
5. Fabrikbesitzer E. Kühnscherf,
6. Dr. Fr. Kaspe.
Kassirer; Hofbuchhändler G. Lehmann.
Dibliothekar; Privatus K. Schiller.
Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
Sectionsbeamte.
I. Seotion für Zoologie.
Vorstand: Prof. Dr. H. Nitsche.
Stellvertreter; Oberlehrer Dr. J. Thallwitz.
Protocollant; Institutsdirector A. Thümer.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
n. Seotion für Botanik.
Vorstand: Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude.
Stellvertreter; Prof. K. Wobst.
Protocollant: (iarteninspector F. Ledien.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
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33
nx Seotion f&r Uineralogie xind Geologie.
Vorstand: Prof. Dr. E. Kalkowsky.
Stellvertreter: Prof. Dr. W. Bergt.
Protocollant: Oberlehrer Dr. R. Nessig.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr, P. Wagner.
IV. Seotion fär prähistorisobe Forschungen.
Vorstand: Prof. Dr. J. Deichmüller.
Stellvertreter: Oberlehrer H. Döring.
Protocollant: Lehrer 0. Ebert.
Stellvertreter: Lehrer H. Ludwig.
V. Seotion für Physik und Chemie.
V'orstand: Prof. Dr. R. Freiherr von Walther.
Stellvertreter: Oberlehrer H. A. Rebenstorff.
Protocollant: Oberlehrer Dr. G. Schulze.
Stellvertreter: Dr. R. Engelhardt.
VI. Seotion für Mathematik.
Vorstand: Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. A. Witting.
Protocollant: Privatdocent Dr. E. Nätsch.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. J. von Vieth.
Redactions - Comitd.
Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Secretärs.
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Bericht des Bibliothekars.
Im Jahre 1900 wurde die Bibliothek der „Isis“ durch folgende Zeit-
schriften und Bücher vermehrt:
A. Durch Tausch.
I. Europa.
1. Deutschland.
AUmhurg-, Naturforschende Gesellschaft dos üsterlandes.
Arinaherg-BuchhoJz-. Verein für Naturkunde.
Augshiirg: Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg. —
3-1. Bericht. [Aa 18.]
liambeiy: Naturforschende Gesellschaft. — XVII. Bericht. [Aa 19.]
Bautzen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“.
Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verhandl., Jahrg.41
[Ca 6.]
Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 51, Heft 3
und 4; Bd. 52, Heft 1 und 2. [Da 17.]
Berlin: Gesellschaft für Antliropologie, Ethnologie und Urgeschichte. —
Verhandl., April 1899 bis Mai 1900. [G 55.]
Bonn: Naturhistorischer Verein der preussischen liheinlande, Westfalens
und des Keg.-Bez. Osnabrück. — Verhandl., 66. Jabrg., 2. Hälfte.
[Aa 93.]
Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für N.atur- und Heilkunde. — Sitzungs-
ber., 1899, 2. Hälfte. [Aa 322.]
lirannschtveig: Verein für Naturwissenschaft. — 8. Jahresber. [Aa 245.]
Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abh.andl., Bd. XVI, Heft 3.
[Aa 2.1
Breslau: Schlesische Gesellschatt für vaterländische Cultur. — 77. Jahresber.,
1899. [Aa 46.]
Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. — XIV. Bericht. [Aa 20.]
Chemnitz: K. Sächsisches meteorologisches Institut. — Jahrbuch, XV. Jahrg.,
3. .Vbth. [Ec 57.] — .Ahhandl., Heft 4. [Ec 67b.] — Dekaden Monats-
berichte 1898 und 99. [Ec 57c.|
Danzig: Naturforschende Gesellschaft. — Schriften, Bd. X, Heft 1. [Aa 80.]
Darmstadt: Verein für Erdkunde und Grossherzogi. geologische Landes-
anstalt. — Notizbl., 4. Eolge, 20. Heft. [Ea 8.]
Donaueschingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und
der angrenzenden Landesteile. — Schriften, X. Heft. [Aa 174]
Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber., 1898 — 99.
[Aa 47.]
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36
Dresden'. Gesellschaft für Botanik und Gartenbau „Flora“.
Dresden: K. Mineralogisch -geologisches Museum.
Dresden: K. Zoologisches und Anthrop.-ethnogr. Museum.
Dresden: K. Oeffentliche Bibliothek.
Dresden: Verein für Erdkunde.
Dresden: K. Sächsischer Altertumsverein. — Neues Archiv für Sachs.
Geschichte und Altertumskunde, Bd. XXI. [G 76.] — Die Sammlung
des K. Sachs. Altertumsvereins in ihren Hauptwerken. Bl. XXXI — C.
[G 76b.l
Dresden: Oelconoraische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mittheil.
1899- 1900. [Ha 9.]
Dresden: K. ThierärztUche Hochschule. — Bericht über das Veterinärwesen
in Sachsen, 44. Jahrg. [Ha 26.]
Dresden: K. Sächsische Technische Hochschule. — Bericht über die K. Sächs.
Techn. Hochschule a. d. Jahr 1899 — 1900; Verzeichniss der Vorlesungen
und Uebungen sammt Stunden- und Studienplänen, S.-S. 1990, W.-S.
1900— 1901. [Je 63.] — Personalverz. Nr. XXI. [Je 63b.l
Dürlihehn: Naturwissenschaftlicher Verein der Kheinpfalz „Pollichia“. —
Festschrift zur 60jährigen Stiftungsfeier (1900). [Aa 66.]
Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher Verein. — Mitteil., Heft 4 (Festschrift).
[Aa 310.]
Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein.
Emden: Naturforschende Gesellschaft. — 83. und 84. Jahresber. [Aa 48b.]
Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer.
Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften.
Erlangen: Physikalisch-medicinische Societät. — Sitzungsber., 31.Heft, 1899.
[Aa 212.1
Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht
für 1900. [Aa 9 a.]
Frankfurt a.M. : Physikalischer Verein. — Jahresber. für 1898 — 99. [Eb 36.]
Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaftlicher Verein des Begiemngsbezirks
Frankfurt. — „Helios“, 17. Bd.; Societatum litterae, Jahrg. XIII,
[Aa 282.]
Freiverg: K. Sächs. Bergakademie. — Programm für das 136. Studien-
jahr 1900-1901. [Aa 323.]
Freihurg i. B.: Naturforschende Gesellschaft.
Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften. — Bericht und
F’estbericht über die 26jährige Jubelfeier der Abteilung für Tier-
und Pflanzenschutz. [Aa 49.]
Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.
Görlitz: Naturforschende Gesellschaft.
Görlitz: Oberlausitzische GeseUschaft der Wissenschaften. — Neues Lau-
sitzisches Magazin, Bd. 76, 2. Heft. [Aa 64.]
Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz. —
Tafel vorgeschichtlicher Altertümer der Oberlausitz. 1900. [G 113.]
Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu -Vorpommern und
Rügen. — Mittheil., 31. Jahrg., 1899. [Aa 68.]
Greifstiald: Geographische Gesellschaft. — VII. J^resber., 1898 — 1900.
[Fa 20.]
Guben: Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. —
Mittheil., VI. Bd., Heft 2 — 6. [G 102.]
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36
GiMrow ■■ Verein iler Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg.
Halle a. S.: Naturforschende üesellschaft.
Halle a. S.: Kais. Leopoldino-Caroliuische deutsche Akademie. — Leopoldina,
Heft XXXV, Nr. 12; Heft XXXVI, Nr. 1-11. [Aa 62.]
Halle a. S.'. Verein für Erdkunde. — Mitteil., Jabrg. 1900. [Fa 16.]
Hanibtiry: Naturhistorisches Museum. — Jahrbücher, Jahrg. XVI, mit Bei-
heft 1—4. [Aa 276.]
Hamburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XVI, 1. Hälfte.
[Aa 293.) — Verhandl., III. Folge, 7. Heft. 1899. [Aa 293b.]
Hanmirg: Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. — Verhandl.,
Bd. X, 1896—98. [Aa 204.1
Hanau: VVetterauische Üesellschaft für die gesammte Naturkunde.
Hannover: Naturhistorische Gesellschaft.
Hannover: Geographische Gesellschaft.
Heidelberg: Naturliistorisch-medicinischer Verein. — Verhandl.. Bd. VI,
Heft 3. [Aa 90.]
Hof: Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landes-
kunde. — Bericht II. [Aa 325.]
Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher t'erein. — Verhandl., Bd. XII — XIII.
[Aa 88. 1
Kassel: Verein für Naturkunde. — Abhandl. und Bericht, Nr. 45. [Aa 242.]
Kassel: N’erein für hessische Geschichte und Landeskunde.
Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein.
Köln: Kedaction der Gaea. — Natur und Leben, Jahrg. 36. [Aa 41.J
Königsberg i. Jb\: Physikalisch -ökonomische Gesellschaft. — Schriften,
40. Jahrg., 1899. [Aa 81.]
Königsln-rg i. Pr.: Altertums-Gesellschaft Prussia. — Sitzungsber., Heft 21.
[G 1 i4.]
Krefeld: Verein für Naturkunde.
Landshui: Botanischer Verein.
Leipzig: Naturforschende Gesellschaft.
Leipzig: K. Sächsische (iesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über
die Verhandl., mathem.-phys. Classe, 1899, LI. Bd., mathemat. Theil,
Heft 6 mit einem naturw. und einem allgem. Theile. [Aa 296.J
Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung. — Erläuterungen
zu Sect. Waldheim -Bölingen (Bl. 62), 2. Aull. [De 146.]
Lüheck: Geographische Gesellschaft und naturhistonsches Museum.
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Füretentum Lüneburg.
Magdeburg: Naturwissenschaftlicher V’erein. — Jahresber. und Abhandl.,
Jahrg. 1898-1900. [Aa 173.]
Mannheim: Verein für Naturkunde.
Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesammten Naturwissen-
schaften. — Sitzungsber., Jahrg. 1898. [Aa 266.]
Meisse^x: Naturwissenschaftliche Gesellschaft ..Isis“. — Beobacht, d. Isis-
Wetterwarte zu Meissen i. J. 1899. [Ec 40.] — Mittheilungen aus den
Sitzungen des Vereinsjahres 1899 — 1900. [Aa 319.]
Minister: Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. —
27. Jaliresber., Jahrg. 1898—99. [Ca 231.]
Keisse: Wissenschaftliche Gesellschaft „Philoniathie“.
Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. — Jahresber. für 1899, nebst
Abhandl., XHI. Bd. [Aa 5.]
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Offetibach: Verein für Naturkunde.
Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein.
Ihssau: Naturhistorischer Verein.
Posen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Zeitschr. der botan. Abtheil.,
6. Jahrg., Heft 3; 7. Jahrg., Heft 1 — 2. [Aa 316.]
Regenshurg: Naturwissenschaftlicher Verein. — VII. Bericht. [Aa 296.]
Regensburg: K. botanische Gesellschaft.
Reichenbach i. V.: Vogtländischer Verein für Naturkunde.
Reutlingen: Naturwissenschaftlicher Verein.
Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein.
Stettin: Ömithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt.
Geflügelzucht, Jahrg. XXIV. [Bf 57.1
Stuttgart: Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. ' — Jahres-
hefte, Jahrg. 66. [Aa 60.]
Stuttgart: Württemhergischor Altertumsverein. — Württemberg. Viertel-
jahrshefte für Landesgeschichte, n. F., 9. Jahrg. [G 70.]
Tharandt: Redaction der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land-
wirtsch. Versuchsstationen, Bd. LH, Heft 5 — 6; Bd. LHI — LIV. (In
der Bibliothek der Versuchsstation ira botan. Garten.)
Thom: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst.
Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen. — Jahresber., 1894 — 99.
[Aa 262.]
TJhn: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften.
Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oherschwahen.
Weimar: Thüringischer botanischer Verein. — Mittheil., n. F., 13. — 14. Heft
[Ca 23.]
Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes.
Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jahrg. 53.
[Aa 43.J
Würzburg: Physikahsch-medicinische Gesellschaft — Sitzungsber., Jahrg.
1899. [Aa 85.]
Zerbst: Naturwissenschaftlicher Verein. — 1. Bericht (1892 — 98). [Aa 332.]
Zuickau: Verein für Naturkunde.
2. Oesterreioh-Üngarn.
Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein.
Bistritz: Gewerbelehrlingsschule. — XXIV. Jahresber. [Je 105.]
Brünn: Naturforschender Verein. — Verhandl., Bd. XXXVII, u. 17. Bericht
der meteorolog. Commission. [Aa 87.]
Brünn: Lehrerverein, Club für N^urkunde. — Bericht I (1896 — 98),
II (1899). [Aa 330.]
Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft — Foldtani Közlöny, XXIX.
köt, 11.— 12. füz.; XXX. küt, 1—9. füz. [Da 26.]
Budapest: K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische
Akademie der Wissenschaften.
Oraz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — Mitthoil., Jahrg.
1899. [Aa 72.]
Hermannstadt: SiebenhürgischerVerein für Naturwissenschaften. — Verhandl.
und Mittheil., XLIX. Jahrg. [Aa 94.]
Iglo: Ungarischer Karpathen -Verein. — Jahrbuch, XXVH. Jahrg. [Aa 198.]
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38
Innsbruck: Naturwissenschaftlich -niedicinischer Verein. — Berichte, XXIII.
und XXV. Jahrg. [Aa 171.]
Klagenflirt: Naturhistorisches Landes-Museum von Kärnthen.
Krakau: Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1899, Nr. 8—10; 1900,
Nr. 1-8. fAa 302.]
Laibach: Musealverein fiir Krain.
Lim: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Knns. — 29. Jahresber.
[Aa 213.]
Lim: Museum Francisco-Carolinum. — 68. Bericht nebst der 52. Lieferung
der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. [Fa 9.]
Prag: Deutacher naturwissenschaftlich -medicinischer Verein für Böhmen
„Lotos“. — Sitzungsber., Bd. XIX. [Aa 63.]
Prag: K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsber., mathem.-
naturwissensch. CI., 1899. [Aa 269.] — Jahresber. für 1899. [Aa 270.]
Prag: Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Starozit
nosti zemfi öeske, dil. 1. [G 71.]
Prag: Lese- und Kedehalle der deutschen Studenten. — Jahresber. für 1899.
■ [Ja 70.]
Prag: Ceska Akademie Cisafe Frantiska Josefa. — Rozpravy, Trida II,
Rocnik 8. [Aa 313.1
Presburg: Verein für Heil- und Naturkunde. — Verhandl., n. F., Heft 11.
[Aa 92.]
Beicnenberg: Verein der Naturfreunde. — Mittheil., Jahrg. 31. [Aa 70.]
Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde.
Temesvlir: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes-
zettudomänyi Füzetek, XXIV. köt., füz. 1 — 3. [Aa 216.]
Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein des Trencsiner Comitates. —
Jahresheft, Jahrg. XXI — XXU. [Aa 277.]
Triest: Museo civico di storia naturale.
Triest: Societä Adriatica di scienze naturali.
Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften.
Wien: Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. —
Schriften, Bd. XL. [Aa 82.J
irie«: K. K. naturhistorisches Hofmuseum. — Annalen, Bd. XIV, Nr. 3 — 4;
Bd. XV, Nr. 1—2. [Aa 280.1
Wien: Anthropologische Gesellschaft. — Mittheil., Bd. XXIX, Heft 6;
Bd. XXX, Heft 1—6. [Bd 1.]
llVen: K. K. geologische Reichsanstalt. — Jahrbuch, Bd. XLIX, Heft 3—4;
Bd. L, Heft 1. [Da 4.] — Jubiläums -Festbericht 1900. [Da 4b];
zur Erinnerung an die Jubelfeier. [Da 4c.] — Verhandl., 1899,
_ Nr. 11—18; 1900, Nr. 1—12. [Da 16.]
Wien: K. K. zoologisch -botanische Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XLIX.
[ Aa 95.1
T17en: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität.
Wien: Central - Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. — Jahr-
bücher, Jahrg. 1897. [Ec 82.]
. 3. Rmnänien.
Bukarest: Institut meteorologique de Roumanie. — Annales, tomeXIV, 1898.
[Ec 75.]
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4. Sohweiü.
Aarau: Aargauische naturforschende Gesellschaft.
Basel: Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XII, Heft 3. [Aa 86.J
Bern: Naturforschende Gesellschaft.
Bern: Schweizerische botanische Gesellschaft — Berichte, Heft 10. [Ca 24.]
Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft.
Chur: Naturforschende Gesellschaft Graubündens. — Jahresber., n. F.,
Jahrg. XLIII. [.\a 51.]
FrauenfeUl: Thurgauische naturforschende Gesellschaft.
Freiburg: Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. — Bulletin, vol. VII,
no. 3-4. [Aa 264.]
St. Gallen: Naturforschende Gesellschaft. — Bericht für 1897—98. [Aa 23.]
Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 4. ser.,
vol. XXXV, no. 133—134; vol. XXXVI, no. 135—137. [Aa 248.]
Neuehatel: Societe des Sciences naturelles. — Bulletin, tome XaVI. [Aa 247.]
Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft — Mittheil.,
Vol. X, Heft 6—7. [Bk 222.)
Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles. — Bulletin,
fasa XX VH — XXVIII. [Ca 13.]
Winterthur: Naturwissenschaftliche Gesellschaft.— Mitth., Heft 1—2. [ Aa 331.]
Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Vierteljahrsschr., Jahrg. 44,
Heft 3 — 4; Jahrg. 45, Heft 1 — 2. [Aa 96.]
5. Frankreich.
Amiens: Societe Linneenne du uord de la France. — Bulletin mensuel,
tome XIII, no. 293—302; tome XIV, no. .303 — 322. [Aa 252.]
Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles. — Memoires,
ser. 5, tome III, cah. 2; tome V et appendice au tome V; proces-
verbaux, annee 1898 — 99. [Aa 253.]
Cherbourg: Societe nationale des Sciences naturelles et luathematiques.
Dijon: Academie des Sciences, arts et helles Icttres.
Le Mails: Societe d'jigriculture, Sciences et arts de la Sarthe. — Bulletin,
tome XXIX, fase. 2 — 3. [Aa 221.]
Lyon: Societe Linneenne. — Annales, tome 46. [Aa 132.]
Lyon: Societe d’agriculture, Sciences et industrie. — Annales, ser. 7. tome 6.
[Aa 133.]
Lyon: Academie des Sciences et lettres.
Paris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXIV'. [Ba 24.)
Toulouse: Societe Francaisc de botanique.
6. Belgien.
Brüssel: Societe royale malacologique de Belgique. — Annales, tome XXXI,
fase. 2; tome XXIII. [Bi 1.] — Bulletins des seances, tome XXXIV',
pag. 97 — 128. [Bi 4.]
Brüssel: Societe entomologique tle Belgique. — Annales, tome XLIll.
[Bk 13.] — Memoires, tome VII. [Bk 13b.]
Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique. — Bulletin, tome XXX VIII.
[Ca 16.1
Oeinblouo’: Station agronomique de l'etat. — Bulletin, no. 67 — 68. [Hb 75.]
Lüttich: Societe geologique de Belgique.
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40
7. Holland.
Oent\ Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“.
Oroningen-. Naturkundig Genootschap. - 99. Verslag, 1899. [Je 80.] —
Centralbureau voor de Kennis van de Provincie Groningen en onigebgen
streken: Bejdragen, deel I, stuk 2. [Je 80b.]
Harlern: Mus6e Teyler. — Archives, ser. II, vol. VI, p. 5; vol. VII, p. 1 — 2.
[Aa 217.]
Hartem: Societe Hollandaise des scienees. — Arebives Neerlandaises
des Sciences exactes et naturelles, ser. II, tonie III, livr. 3—6; tome IV,
livr. 1. [Aa 257.]
8. Lnxembnrg.
Luxemburg: Societe botanique du Grandduche de Luxembourg.
Luxemburg: Institut royal graiid-ducal.
Luxemburg: Verein Luxemburger Naturfreunde „Fauna“. — Mittheil., 8. bis
9. Jahrg. (1898—99). [Ha 26.]
9. Italien.
Brescia: Ateiieo. — Commentari per l’aniio 1899. [.Aa 199.]
Catania: Accadeniia Gioenia di scienze naturale. — Atti, ser. 4, vol. XII.
[Aa 149.] — Bollettino, fase. LX — LXIII. [Aa 149b.]
Florem: K. Institute.
Ftorem: Societii entomologica Italiana. — Bullettino, anno XXXI — XXXII.
[Bk 193.]
Mailand: Societä Italiana di scienze naturali. — Atti, vol. XXXVIll,
fase. 4; vol. XXXIX, fase. 1—2. [.Aa 150.]
Mailand: B. Instituto Lonibardo di scienze e lettere. — Rendiconti, ser. 2.
vol. XXXII. [.Aa 161.] — Memorie, vol. XVIII. fase. 7 — 10. [Aa 167.]
Modena: Societä dei naturalisti. — Atti, ser. 4, vol. 1. [Aa 148.[
Fadua: Societä Veneto Trentina di scienze naturali. — Atti, ser. 1, vol. V,
fase. 2; vol. VI; vol. Xll, fase. 1; ser. 2, vol. IV, fase. 1. [Aa 193.]
Fltrma: Redazione del Bullettino di paletnologia Italiana.
iA'sa : Societä Toscana di scienze naturali. — Processi verbali, vol. XI (2. ATI. 99);
vol. XII (19. XI — 1. ATI. 99); Memorie, vol. XATI. [Aa 209.]
Eom: Accademia dei Lincei. — .Atti, Rendiconti, ser.5, vol. VIII, fase. 11 — 12;
vol. IX, 1. sein.; 2. sein., fase. 1 — 10. [Aa 226.]
Eom: R. Comitato geologico dTtalia.
Turin: Societä meteorologica Italiana. — Bollettino mensuale, ser. II.
vol. XIX, no. 8 — 10; vol. XX, no. 1 — 6. [Ec 2.]
Venedig: R. Instituto Veneto di scienze. lettere e arti.
Verona: Accademia di Verona. — Memoire, ser. III, vol. LXXA', fase. 1 — 3.
[lla 14.[
10. Grossbritannien nnd Irland.
Dublin: Roy.al geological society of Irland.
Edinburg: Geological Society.
Edinburq: Scottish raeteorological society. — Journal, 3. ser., no. XA' — XAT.
[Ec- 3.]
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41
Glasgow. Natural history society.
Glasgow: Geological society.
Manchester: Geological society. — Transactions, vol. XXV^I, p. 10—19.
[Da 20.]
NewcasÜe-upon-Tyne: Tyneside naturalists field club, und: Natural history
society of Northumberland, Durham and Newcastle-upon-Tyne. —
Nat. history transactions, vol. XIII, p. 3. [Aa 126.]
IL Schweden, Norwegen.
Bergen: Museum. — Aarsberetning 1899; Aarbog 1899, 2. Heft und 1900,
1. Heft. [Aa 294.]
Christiania: Universität — Den Norske Nord havs- Expedition 1876 — 78,
Bd. XXXV-XXXVU. [Aa 251.1
Christiania: Eoreningen til Norske fortidsniindesraerkers bevaring.
Stockholm: Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Arg. 20.
[Bk 12.]
Stocwiolm: K. Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien.
Tromsoe: Museum.
Upsala: Geological Institution of the university. — Bulletin, vol. IV, p. 2.
[Da 30.]
12. Russland.
Ekatharinenhurg: Societe Ouralienne d'amateurs des Sciences naturelles. —
Bulletin, tome XX, livr. 1; tome XXI. [Aa 259.]
Helsingfors: Societas pro fauna et flora fennica. — Acta, vol. XV und XVIL
[Ba 17.]
Kharkow: Societe des naturalistes ä l’universite imperiale. — Travaux,
tome XXXHI- XXXIV. [Aa 224.]
Kiew: Societe des naturalistes. — Memoires, tome XVI, livr. 1. [Aa 298.]
Moskau: Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, annec 1899, no. 1 — 4.
[Aa 134.] _
Odessa: Societe des naturalistes de la Nouvelle-Russie.
Petersburg: Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, tome XV,
fase. 2; tome XVH, und kurzer Abriss der Geschichte des K. botani-
schen Gartens. [Ca 10.]
Petersburg: Comite geologique. — Bulletins, vol. XVIII, no. 3 — 10. [Da 23.] —
Memoires. vol. VII, no. 3 — 4; vol. IX, no. 5; vol. XV, no. 3. [Da 24.]
Petersburg: Physikalisches Centralobservatorium. — Annalen, Jahrg. 1898.
[Ec 7.] — Histoire de l’observatoire, p. 1. [Ec 7b.J
Petersburg: Academie imperiale des Sciences. — Bulletin, nouv. serie V,
tome X, no. 5; tome XI; tome XII, no. 1. [Aa 315.]
Petersburg: Kaiserl. mineralogische Gesellschaft. — Verhandl., 2. Ser.,
Bd. 37; Bd. 38, Lief. 1. [Da 29.] — Materialien zur Geologie Russ-
lands, XX. Bd. [Da 29 b.] — Travaux de la section geologique du
cabinet de Sa majeste, vol. III, livr. 1. [Da 29c.]
Riga: Naturforscher-Verein. — Arbeiten, n. h., 8. — 9. Heft. [Aa 12.] —
Korrespondenzblatt, XLIl — XLIII. [Aa 34.]
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42
11. Amerika.
L Nord-Amerika.
Albany. New York state museum of natural history.
Baltimore: John Hopkins university. — University circulars, vol. XIX,
no. 142— 14.H. [Aa 278.1 — American journal of matheniatics, vol. XXI,
no. 3 — 4; XXII, no. 1. [Ea 38.] — American Chemical journal, vol. XXI,
no. 6; vol. XXII; vol. XXIII, no. 1 — 4. [Ed 60.] — Studies in histor.
and politic. Science, ser. XVII, no. 6 — 12; ser. XVIII, no. 1 — 4.
[Fb 126.] — American journal of philology, vol. XX, no. 1— 4. [Ja 64.] —
Maryland geoloRical survey, vol. III. [Da 35.] — Maryland weather
Service, vol. I. [Ec 95.1 — Annual report, no. 24. [Aa 278 b.]
Berkeley. University of California. — Departement of geology; Bulletin II,
no. 5—6; register 1898 — 99, vol. I. no. 1 — 2. [Da 31.) — University
chronicle, vol. I, no. 6; vol. II, no. 3—4. [Da 31h.|
Boston: Society of natural history. — Proceedings, vol. XXIX, no. 1 — 8.
[Aa 111.]
Boston: American acaderay of arts and Sciences. — Proceedings, new ser.,
vol. XXXV, 4-27; vol. XXXVI, 1—8. [Aa 170.1
Buffalo: Society of natural Sciences. — Bulletin, vol. VI, no. 2 — 4. [Aa 186.]
Cambridge: Museum of comparative zoology. — Bulletin, vol, XX.XV,
no. 7 — 8; vol. XXXVI, no. 1—4; vol. .VXXVII, no. 1 — 2. [Ba 14.]
Chicago: Academy of Sciences. — Bulletin, vol. III. [Aa 123b.]
Chicago: Field Columbian Museum. — Publications 40 — 44 , 46 — 50.
[Aa 324.J
Davenjiort: Academy of natural Sciences.
Halifax: Nova Scotian institute of natural Science. — Proceedings and
transactions, 2. ser., vol. III, p. 1. [.Aa 304.]
Lawrence: Kansas University. — Quarterly, series A; Science and matbe-
matics, vol. VIII, no. 4; vol. IX. no. 1—2. [Aa 328.]
Madison: Wisconsin Academy of Sciences, arts and letters.
Mexiko: Sociedail cientifica „Antonio Alzate“. — Memorias y Revista,
toino XII, cuad. 11—12; tomo XIV, cuad. 1 — 10. [Aa 291.]
Müwaukee: Public Museum of tbe City of .Milwaukee. — 17. annual report.
[Aa 2.33 b.J
Milwaukee: Wisconsin natui-al history society. — Bulletin, new ser., vol. I,
no. 1—2. [Aa 23.3.]
Montreal: Natural history society. — Tbe canadian record of Science,
vol. VIU, no. 2 — 3. [Aa 109.]
New-Haven: Connecticut acadeniy of arts and Sciences.
New- York: Academy of Sciences. — Annals, vol. XII, no. 2 — 3. [Aa 101.] —
Meinoirs, vol. 11, p. 1. [.Aa 258b.]
New -York: .American museum of natural history.
News- York: State geologist.
Philadelphia: Academy of natural Sciences. — Proceedings, 1899, p. II — 111;
1900, p. I. [Aa 117.]
Philadelphia: American philosophical society. — Proceedings, vol. XXXVIII,
no. 160; vol. XXXIX, no. 161 — 162. [Aa 28.3.] — Memorial vol. I (1900).
[Aa 283b. [
lliiladelphia: Wagner free institute of Science.
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43
Philadelphia: Zoological society. — Annual report 28. [Ba 22.]
Pochester: Academy of Science. — Proceedings, vol. III, broch. 2. [Aa 312.]
Pochester: Geological society of America. — Bulletin, vol. X. [üa 28.]
Salem: Essex Institute.
San Francisco: California academy of Sciences.
St. Louis: Academy of science.
St. Louis: Missouri botanical garden. — 11. annual report. [Ca 25.]
Topeka: Kansas academy of science. — Transact., vol. XVI. [Aa 303.]
Toronto: Canadian institute. — Proceedings, n. ser., no. 9, vol. II, p. 3;
.4a 222.] — Transactions vol. VI; semi-centennial meinorial vol. 1849 — 99.
Aa 222 b.]
Tafts College. — Studies, no. 6. [Aa 314.]
Washington: Smitbsonian institutiou. — Report of tbe U. St nat. muscum,
1897. [Aa 120c.]
Washington: United States geological survey. — XIX. annual report,
1897-98, p.2, 3, 5; XX. annual report, 1898—99, p. 1. [De 120a.] —
Bulletin, no. 150—162. |Dc 120b.J — .Monograpbs, vol. XXXII, p. 2;
vol. XXXIII; XXXIV; XXXVI— XXXVIK. [De 120c.l
Washington: Bureau of education.
2. Sttd-Ämerika.
Buenos- Aires: Museo nacional. — Anales, tomo VT; communicaciones,
torao I, no. 5—7. [Aa 147b.]
Buenos- Aires: Sociedad cientifica Argentina. — Anales, tomo XLVTII,
entr. 6; tomo XLIX; tomo L, entr. 1 — 3. [Aa 230.]
Cordoha: Academia nacional de ciencias.
Moyitevideo: Museo nacional. — Anales, fase. XII — XVI. [Aa 326.]
Pio de Janeiro: Museo nacional.
San Jose: Instituto fisico-geografico y del museo nacional de Costa Rica. —
Informe 1898 — 99, 2. sem.; 1900. [Aa 297.]
Sdo Pzido: Commissao geographica e geologica de S. Paulo.
La Plata: Museum. — Revista, tomo IX. [Aa ,308.]
Santiago de Chile: Deutscher wissenschaftlicher V'crein.
111. A. s i e n.
Batavia: K. naturkundige Vereeniging. — Natuurk. Tijdschrift voor
Xederlandsch Indie, Deel 59. [Aa 250.]
Calcutta: Geological survey of India. — Momoirs, vol. XXVTII, p. 1;
vol. XXIX; vol. XXX, p. 1. [Da 8.] — Palaeontologia Indicsi, ser. XV\
vol. I, p. 2; vol. II; vol. III, p. 1; new series, vol. 1. (Da 9.] — General
report 1899 — 1900. [Da 18.]
Tokio: Deutsche Gesellschaft für Natur- und V'ölkerkunde Ostasiens. —
Mittheil., Bd. VTI, Th. 3. [Aa 187.]
l'V. Australien.
Melbourne: Mining department of VTctoria. — .\nnual report of tbe sccretary
for mines, 1899. [Da 21.]
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44
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Beythien, A.: Ueber die Gesundheitsschädlichkeit bleihaltiger Gebrauchs-
gegenstände, insbesondere der Trillerpfeifen. Sep. 1900. [Hb 129a.]
Beythic7i, A.: Ueber die Genauigkeit des Jörgensen'schen Verfahrens zum
Bestimmen der Borsäure der Fleiscbkonserven und über die Trennung
von Borsäure und Borax. Sep. 1899. [Hb 129 c.|
Beythien. A.: Beiträge zur chemischen Untersuchung des Thees. Sep. 1900.
IHb 129 b.J
Beythien, A.: Bericht über die Thätigkeit des chemischen Untersuchungs-
amtes der Stadt Dresden im Jahre 1899. [Hb 129d.]
Bruxelles: Societe beige de geologie, de paleoutologie et d’hydrologie. —
Proces-verbaux, 1900, tome XIV, fase. 1—3. [Da 34.]
Buchanan, J.: The meteorology of Ben Nevis in clear and in foggy weather.
Sep. 1899. [Ec 9-y
Central- Commission, K. K., für Erforschung und Erhaltung der Kunst-
und historischen Denkmale. Normative und Bericlite. Wien 1899.
[G 142J
Cory, Ch.: The birds of Eastern North America, p. 2: Landbirds. [Bf 72.]
Credner, H.: Die seismischen Erscheinungen im Königreich Sachsen 1898
und 1899 bis zum Mai 1900. Sep. 1900. [De 137 h.]
Deichmüller, J.: Sachsens vorgeschichtliche Zeit. Sep. 1899. [G 119b.]
Dieck, G.: Moor- und Alpenpflanzen und ihre Cultur im Nationalarboretura
und Alpengarten Zoeschen bei Merseburg. 2. Aufl. [Cd 122.]
Föyn. N.: Wolkenbeobachtungen in Norwegen. 1896 — 97. [Ec 96.]
Oeinitz, E.i Hans Bruno Geinitz, ein Lebensbild aus dem 19. Jahrhundert.
[Jb 82.]
Oeinitz, E.: Mittheilungen aus der Grossherzoglich Mecklenburgischen
Landesanstalt. X — XI. [De 217f, g.]
Hauer, J.: Drei Nekrologe. [Jb 83, 84, 85.]
Janct, Ch.: Separata über Ameisen. [Bk 240 q—y.]
Jentzsch, .4.: Ueber die im Ostpreussischen Provinzialmuseum aufbewahrten
Gewichte der jüngsten heidnischen Zeit Preussens. [De 114dd.]
Jentzsch, A.: Der tiefere Untergrund Königsbergs mit Beziehung auf die
Wasserversorgung der Stadt. [De 114ee.J
Kesselmeyer, A.: 3 Separata über Maasse. [Ea 46a — c.]
Koch, -4.: Die Tertiärbildungen des Beckens der Siebenbürgischen Landes-
theile. II. neogene Abtheil. [De 241.]
Krone, H.: Dichtungen, Bd. 1 und 2. [Ja 80.]
Lauhe, 0.: H. B. Geinitz. Sep. 1900. [Jl) 81.]
Montelim, O.: Der Grient und Europa. 1. Heft. [G 144.J
Nicolis, E.: Marmi pietre e terre coloranti della provincia di Verona.
[Hb 129 a.]
Ferez, B.: La provincia di Verona ed i suoi vini. Sep. 1900. [Hb 129c.]
Sars, G.: An account of the Crustacea of Norway, vol. III, p. 3 — 8.
[Bl 29b.]
Stossich, M.: Contribiito allo studio degli Elminti. Sep. 1900. [Bm 54 gg.]
Verheeli, R.: Voorloopig verslag over eene Geologische reis door het
oostelijk gedeelte van den indischen Archipel in 1899. [De 234b.]
Zahälka, C.: Ueber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideforniation.
Sep. 1900. [De 2271).]
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■ib
C. Durch Kauf.
Abhandlungen der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft,
Bd. XX. Heft 2; Bd. XXV, Heft 1; Bd. XXVI, Heft 1—2. [Aa 9.]
Anzeiger für Schweizer Alterthümer, neue Folge, Bd. II, Heft 1 — 2, mit Beil.
[G 1.]
Ayizeiger, zoologischer, Jahrg. XXIII, Nr. 605 — 631. [Ba 21.]
Bronn' s Klassen und Ordnungen des Thierreichs, Bd. H, Abth. 3 (Echino-
dermen). Lief. 29 — 36; Bd. III (Mollusca), Lief. 48 — 63; Suppl.,
Lief. 21 — 25; Bd. IV (Vennes), Lief. 59—62; Bd. V (Crustacea), Abth. 2,
Lief. 57—69; Bd. VI, Abth. 6 (Mammalia), Lief. 57 — 60. [Bb 54.]
Oehirgsverein für die Sächsische Schweiz: UeberBerg und Thal, Jahrg. 1900.
[Fa 19.J
Geradflügler Mitteleuropa’s von Tümpel, Lief. 7. [Bk 243.]
Hedtviqia, Bd. 39. [Ca 2.]
Käferfauna der Schweiz von Stierlin. I. Theil. [Bk 244.]
Jahrbuch des Schweizer Alpenclub, Jahrg. 36. [la 6.]
Monatsschrift, deutsche botanische, Jahrg. 18. [Ca 22.]
Nachrichten, entomologische, Jahrg. 16. [Bk 235.] (Vom Isis-Lesezirkel.)
Natur, Jahrg. 48. [Aa 76.] (Vom Isis-Lesezirkel.)
Pälaeontographical society.
Prähistorische Blätter, Jahrg. XII. [G 112.1
Wochenschrift, naturwissenschaftliche, Bd. XV. [Aa 311.] (Vom Isis-Lese-
zirkel.)
Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, Bd. 72, Nr. 3 — 4;
Bd. 73, Nr. 1—2. [Aa 98.]
Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 17. [Ec 66.]
Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. XVT, Heft 4; Bd. XVII,
Heft 1—2. [Ee 16.]
Zeitschrift, Oesterreichische botanische, Jahrg. 50. [Ca 8.]
Zeitung, botanische, Jahrg. 58. [Ca 9.]
Abgeschlossen am 31. December 1900.
C. Schiller,
Bibliothekar der „Isis“.
Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der
„Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag
von 3 Mark können eine grosse Anzahl Schriften bei Selbstbeforderung
der Lesemappen zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Biblio-
thekar entgegen.
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Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1900.
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I. Schulversuche mit dem Cartesianischeii Taucher.
Von H. BebenstorfT.
Fast sämmtlichc Apparate, mit deren Hilfe die naturwissenschaftliche
Bildung unserer Jugend begründet wird, haben an der Hand der Fort-
schritte Ton Wissenschaft und Technik besonders in den letzten Jahr-
zehnten Constructionsänderungen erfahren, um sie für ihren Zweck noch
geeigneter zu machen. Nur an wenigen, besonders einfachen Apparaten
gab es so gut wie nichts zu verbessern, sondern es war höchstens die
Zahl der Anwendungen zu vermehren. Hierhin gehört jene Vorrichtung,
„zwar nicht von grossem Belang, aber auch nicht ohne Interesse“, wie
l’oggendorff in seiner „üescbichte der Physik“ sagt, an welcher sich
Descartes’ Name verewigt hat. Mit seltener Lebenskraft haben sich
die Cartesianischen Taucher oder Teufelchen in derselben Form erhalten,
welche ihnen von dem Entdecker der zu Grunde liegenden Erscheinungen
gegeben war. Auch wenn man von der Benutzung von menschlichen
Figuren als Taucher absieht, erscheint das hübsche Sinken und Steigen
der Glaskörper fast als Spielerei, aber gerade mit der gefallenden Leb-
haftigkeit ihrer Bewegungen hängt nun einmal der Werth der Taucher
für den elementaren Physikunterricht zusammen.
Zweck der Taucherversuche. Wer sich im experimentellen Unter-
richt mit dem Nachweis der grundlegenden Gesetze begnügt, wird mit
anderen Apparaten auskommen. Nun ist aber in der neueren Zeit die
Erkenntniss immer allgemeiner geworden, dass es von besonderem Nutzen
für die gründliche Einführung in die Naturwissenschaft ist, das Experiment
wirklich das sein zu lassen, was es sein soll, ein Theil der Sprache
des Lehrers; dies gilt nicht nur für die Ableitungen der Grundgesetze,
sondern der Lehrer hat, wenn er durch Wiederholungen und allerlei Auf-
gaben ein gesichertes W'issen und vor Allem ein freies Verfügen und
„Können“ auf seinem Gebiete hervorrufen will, auch hierbei vom Experi-
mente Gebrauch zu machen. Eine reiche Auswahl von Versuchsreihen
stellen Experimentirbücher und die bekannte Zeitschrift für den physi-
kalischen und chemischen Unterricht von Poske zur Verfügung, um
auch den Wiederholungen nicht das anschauliche Element fehlen zu lassen
und den zu stellenden Aufgaben wenigstens theilweise Gegenstände zu
verschaffen, die auf dem Tische Gebrauch linden und eine Nachprüfung
der Aufgabeulösung zulassen. Ueberaus erleichternd wirkt es ebenso bei
der kurzen Denkfrage, wie bei der eine längere Uechnung erfordernden
Aufgabe, wenn deren Gegenstand aus dem Gebiete der Phantasie heraus-
gerückt werden kann, die vielleicht nur deswegen in manchen Fällen
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4
nicht recht mitarbeitet, weil sie sich wegen mangelnder Gelegenheit au
der concreten Wirklichkeit noch nicht hinreichend ausbilden konnte.
Bisherige V'erwendung des Tauchers. Einen kleinen Beitrag
zur praktischen Durchführung der angedeuteten unterrichtlichen Maass-
nahmen kann der Cartesianische Taucher liefern, der vielfach schon früher
in dem geschilderten Sinne Anwendung fand. Schon der fundamentale
Taucherversuch des Sinkens und Steigens in Folge von Diuckänderungen
giebt Anlass zur Wiederholung der Gesetze über die Volumänderung der
Gase durch Druckwechsel, des Archimedischen Princips, sowie der Fort-
pflanzung und Grösse des Druckes in Flüssigkeiten. Von besoiiderena
Werthe ist hierbei die bequeme und anschauliche Vorführung des eigen-
artigen labilen Gleichgewichtes. Nicht sonderlich geht die Möglichkeit,
diesen Begriff mit Hilfe des Tauchers zu erklären, aus der in Hand- und
Lehrbüchern mehrfach anzutreffenden Bemerkung hervor, „es ist nun
leicht, den Druck auf die Membran so zu bemessen, dass der Taucher in
jeder Lage schwebt“. Lässt man den auf die Membran
oder besser mittels einer Wassersäule ausgeübten Druck
(Fig. 1) von einem Augenblicke an ungeändert bestehen,
in welchem der Taucher t mitten in der Flüssigkeit an-
scheinend zur Ruhe gekommen ist, so sieht man nach
wenigen Augenblicken, dass der Taucher nicht wirklich
schwebte, sondern nur sehr langsam stieg oder sank und
sich in beschleunigter Bewegung von der Stelle entfernt,
wo er zu schwehen schien. Heben oder Senken des Druek-
rohres*) verlegt in kürzester Frist den Punkt des labilen
Gleichgewichtes weiter nach oben oder unten, wodurch
der Versuch wiederholt wird. Deutlich erkennt man,
dass der Zustand wahren labilen Gleichgewichtes in einer
nur angenähert, aber nicht vollkommen erreichbaren Grenz-
lage des Tauchers besteht. Das charakteristische Kenn-
zeichen dieses Gleichgewichtes, dass der Körper bei der
allerkleinsten Ueberachreitung der Grenzlage aus der Ruhe in beschleunigte
Bewegung übergeht, ist mit dem Taucher klar demonstrirbar. Bezüglich
der praktischen Ausführung der Versuche ist zu bemerken, dass man
natürlich bei richtiger Füllung einen Taucher jeder Form verwenden kann,
dass aber der weiter unten beschriebene Apparat die Mühe der Vor-
bereitung auf ein sehr geringes Maass beschränkt und daher auch für
die längst bekannten Versuche empfohlen werden kann. Die bisher ge-
brauchten Taucherformen erfordern eine bisweilen recht zeitraubende,
weil leicht misslingende Füllung, was nicht bei einmaligen, wohl aber bei
schnell auf einander folgenden Anwendungen des Tauchers in Betracht
kommt. Methoden zur Füllung tindet man in den ausgezeichneten Vor-
schriften der bekannten Werke über physikalische Demonstrationen von
Weinhold, Frick-Lehmann u. A.**). Es sei nur noch die Bemerkung
*1 Die Vcrauthsaiionlming der Figur ist die gleiclie wie in der Mitlliciluiig-
„Versnobe mit Tanehern“, Poske's Zeitsehr. für den physik. n. ehern. Unterricht XI,
S. 213. Versuch 1.
**j Weinhold; Vorschnle der Experimentalphysik, 4. Aufl., S. 179. — Frick-
Lehmann: l’hysikal. Technik. 6. .\ufl. 1. .S. 3.33. — Wein ho Id: Physik. Demonstrationen,
3. Anfl., S. 17ü. — Uosenherg: Experimentirhnch für den Elementarunterricht in der
Natnrlehre II, S. 42. — K. L. Bauer, Pogg. Aiin. Ergiiuzungsband 6, S. 332.
Fig. 1.
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gestattet, dass man gut thut, dem Wasser, in dem man etwa einen Taucher
dauernd verweilen lässt, etwas Salicylsäure hinzuzufügen, den Taucher für
diesen Zweck in der bekannten Weise aus einem Keagensglase, einem
Kork mit Glasröhrchen und Quecksilber als Beschwerungsmittel herstellt,
da das Luftvolumen in Folge Diffusion sich bei anderen Formen schneller
verkleinert. Zum Abschluss des Cylinders dient besser ein Gummipfropf
(Weinhold), als eine Membran; ein Stück Blase sollte man vor dem
Aufbewahren wenigstens etwas loser binden, weil sonst in Folge der Ver-
dunstung von Wasser langsam Luftverdünnung eintritt, die saugend auf
die Luft im Taucher wirkt, so dass er später wieder neu zu füllen ist.
Ist das Röhrchen des erwähnten Tauchers entsprechend gebogen, so zeigt
man die beim Steigen auftretenden Drehungen in Folge des Rückwirkungs-
druckes. Einige für besondere Zwecke geschaffene Taucherformen sind in
den erwähnten Werken beschrieben, ebenso findet man daselbst ver-
schiedene Verfahren, den Druck zu ändern*).
Von anderweitigen Verwenduugsarten des Tauchers sind seit geraumer
Zeit bekannt die Methode von Schwalbe**), den Taucher als Druck-
indicator zu benutzen bei Versuchen über Fortpflanzung des Druckes in
Gasen, ferner die Anwendung zur Erläuterung der Fallbewegung und zu
einigen anderen Zwecken nach Heyden***). Liebreichf) benutzte den
Taucher zu Demonstrationen über den interessanten „todten Raum“ bei
Reactionen. Sodann hat der Verfasser vor zwei Jahren eine kleine Zahl
von Versuchen mitgetheilt, welche der Anwendung des Tauchers theils
im Unterricht bei Gelegenheit von Wiederholungen, theils bei den soge-
nannten Scbülerversuchen dienen sollten ff).
Einfacher Reagensglas-Taucher. Um die Anstellung der Ver-
suche recht bequem und auch mit den geringsten Mitteln ausführbar zu
machen, wurde a, a. U. vom Verfasser ein Taucher einfachster Art, nur
aus einem Reagensglase bestehend, empfohlen. Die Füllung mit der
erforderlichen Luftmenge geschieht folgendermassen. Man giesst zunächst
soviel Wasser in das Gläschen, dass es aufrecht auf dem W'asser schwimmt,
und tröpfelt alsdann vorsichtig weitere Mengen Wasser hinein, bis es nur
noch wenig aus der Wasseroberfläche hervorragt. Hierauf zieht man das
Gläschen heraus, verschliesst es mit dem Finger und taucht es verkehrt
in einen zum Ueberlaufen vollen Cyliiider mit Wasser hinein. Bei einiger
Hebung gelingt es auf diese Weise leicht, die Taucher fast regelmässig
richtig zu füllen, so dass nur etwa die Hälfte des Bodens aus dem Wasser
hervorragt. Zu empfehlen ist, ein leichtes Drahthäkchen mit Siegellack
auf der äusseren Seite des Bodens zu befestigen, um einen zu wenig
Luft enthaltenden Taucher mit einem unten kurz umgebogenen Draht schnell
wieder empor ziehen zu können. Auch hat man daran zu denken, dass
durch unnöthiges Umfa.ssen des Gläschens mit der Hand vor dem Ver-
schliessen mit dem Finger ein Theil der Luft durch Erwärmen entfernt
würde. Uebrigens gehört ein ein- oder zweimaliges Misslingen der
*) Ferner bei Antolik, PoskeVs Zeitechr. IV, S. 124.
**) Schwalbe, Zeitechr. zur Förderung des phys. Unt. III, 1886.
*•*) Heyden, ebenda.
f) Liebreich, Vortrag in der physik. Gesell.schaft in Berlin, ref. in Poske’s
Zeitechr. IV, S. 211, den Hinweis auf den labilen Gleichgewichtszustand des Tauchers
enthaltend.
ff) Rebenstorff, a. a. 0., S. 213 — 221.
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beschriebenen Taucherfüllung wohl zu denjenigen Momenten des Unter-
richtes, die bei manchen Schülern erst recht zur Gewinnung des Ver-
ständnisses beitragen.
In letzter Zeit hat der Verfasser den einfachen Reagensglas-Taucher
mit einer seitlichen Oeffnung dicht unter derjenigen Stelle versehen,
bis zu welcher das innen befindliche Wasser bei richtiger Füllung reicht.
Man erzielt dadurch die Wirkung, dass man den Taucher nur ruhig in
das im Cylinder befindliche Wasser einzusenken braucht, um ihn sofort in
brauchbarem Zustande zur Verfügung zu haben. Hierbei ist es von \'or-
theil, das Luftvolumen im Taucher vergrössern zu können; deswegen wird
der Taucher entweder unten mit Rlei beschwert oder er wird aus stark-
wandigem Glasrohr hergestellt. Die erstere Art der Ausführung eignet
sich auch zur Anfertigung durch Schüler und man kann diesen vorher
die Aufgabe stellen, aus dem Gewicht des Gläschens und seinem Inhalt
das Gewicht der Bleimenge zu berechnen, welche bewirkt, dass der Taucher
noch eben schwimmt, wenn die Oeffnung am Ende des ersten Drittels
— von der Mündung des Gläschens an gerechnet — sich befinden würde.
Die Heretellung des beschwerten Tauchers geschieht in folgender Weise.
Von einer 2 bis 3 mm dicken Bleiplatte schneidet man mit der Scheere
einen schmalen Streifen ab, welcher annähernd das berechnete Gewicht
hat. Man windet ihn spiralig um das Ueagensgläschen, so dass er zunächst
am geschlossenen Ende desselben durch Reibung festsitzt. Hierauf bringt
man das Gläschen auf das in einem weiten Gefäss befindliche Wjisser
und tröpfelt so viel Wasser hinein, bis der Rand nur noch wenig heraus-
ragt. Man verschliesst dann das etwas angehobene Gläschen, ohne viel
mit der Hand zu erwärmen, mit dem Finger und taucht es verkehrt unter
Wasser. Bevor man loslässt, schiebt man die Bleispirale hinab, so dass
diese nun an der Mündung des Gläschens liegt. Man überzeugt sich
hierauf davon, ob das Gläschen, etwa mit der Hälfte seines Bodens aus
dem Wasser ragend, an der Oberfläche schwimmt. Andernfalls wird die
Manipulation des Füllens wiederholt. Man kann übrigens auch mit einem
U-förmig gebogenen Glasfaden mit recht feiner Oeffnung, der noch an
dem Glasrohre sitzt, welches man zu seiner Herstellung auszog, Luft in
kleinen Mengen in den Taucher treiben oder daraus entfernen. Mit einem
auf das Glasrohr geschobenen kurzen Stück Gummischlauch, den man in
geeigneter Weise zudrückt, gelingt es noch leichter als durch Blasen und
Saugen mit dem Munde, kleine Luftmengen in Bewegung zu setzen.
Ist die Luftmenge ira Taucher die richtige, so hebt man ihn, unten zu-
greifend, etwas empor und markirt den Stand des Wassers in ihm mit
dem Sehreibdiamanten oder auch nur durch Anlegen des Daunicnnagels
der linken Hand, hebt den Taucher vollends aus dem Wasser und macht
etwa 1 mm unterhalb der markirten Stelle einen Feilstrich, den man vor-
sichtig bis zur Durchbohrung des Glases vertieft oder an dessen Stelle
man mit der Stichflamme und durch Abziehen des Glases eine kleine
Oeffnung herstellt.
Als käufliches Lehrmittel empfohlene Taucherform. Für
die .Anfertigung ilurch den geübteren Glasbläser eignet sich mehr die
im Wesentlichen übereinstimmende Herstellung des Tauchers aus stark-
wandigem Glasrohr. Die von A. Eichhorn in Dresden verfertigten
Taucher sind etwa 12 cm lang und die seitliche Oeffnung befindet sich
etwa 4 cm vom oll'enen Etide. Durch bloses Einsenken erhalten sie <lie
«VSle
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für die Versuche geeignete Luftfüllung und schwimmen und tauchen in
fast genau senkrechter, durchaus stabiler Haltung. Nur durch heftige
Erschütterung werden Luftbläschen zu der seitlichen Oeffnung hinausge-
trieben. Man kann sich dies zu nutze machen, wenn man beabsichtigt,
die Luftmenge etwas zu verkleinern. Hat man den Taucher in das
Wasser gleiten oder auch aus einiger Höhe senkrecht hineinfallen lassen,
so kann man bei einiger Hebung an der Grösse des aus der Oberfläche
hervorragenden Bodenstückes sofort erkennen, ob ein geringerer oder
grösserer Wasserdruck nöthig ist, die Luftmenge so weit zu verdichten,
dass der Taucher die ürenzlage des labilen Gleichgewichts überschreitet
und in die Tiefe sinkt Es ist jedoch empfehlenswerth, durch eine Marke,
Diamantstrich, eingeätzten Bing oder dergleichen sich die Stelle über der
seitlichen Oeffnung zu bezeichnen, bis zu welcher die Luftfüllung reicht,
wenn jene Grenzlage erreicht wird. Um die Marke anbringen zu können,
legt man provisorisch einen Zwirnsfaden oder sehr schmalen Schlauch-
abschnitt um den Taucher, einige .Millimeter über der seitlichen Oeffnung.
Man erhöht alsdann nach Abschluss des Cylinders den Druck in irgend einer
Weise und merkt sich die Lage des Wasserniveaus in dem Augenblicke,
in dem der Taucher zu sinken beginnt Die Anbringung der Marke durch
den Fabrikanten kann den überaus geringen Preis der Taucher nur wenig
erhöhen.
Taucherglockenartige Vorrichtung als Zubehör zu den
Tauchern. Ein Taucher, dessen Luftfülluug nicht bis zu der
erwähnten Marke reicht, sinkt zu Boden. Um ihn durch Zu-
führung von Luft zum Ansteigen zu bringen, kann man über
den aufrecht am Boden stehenden Taucher ein oben geschlossenes,
weites Glasrohr stülpen. Aus diesem füllt sich der Taucher
fast völlig mit Luft, so dass er beim Anheben der weiten
Böhre mit heraufkommt. Da die oben und unten gleich-
weite Böhre das Wasser im Cylinder leicht zum Ueberlaufen
bringt, so benutzt man bequemer ein weites Bohr g (Fig. 2),
welches nur einige Uentimeter länger als der Taucher ist und sich
in eine etwa 4 mm weite, etwas starkwandige Böhre r fortsetzt.
Der ganze Apparat wird 5 bis 6 dm, für besonders hohe Cylinder
entsprechend länger angefertigt. Die lange Böhre der „Taucher-
glocke“, wie der Apparat wohl der Kürze halber genannt werden
darf, wird natürlich beim Zuführen von Luft oben mit dem
Finger verschlossen. Zur Erleichterung des Anfassens befindet
sich am Ende der Böhre ein Kork k, der zugleich die Böhre Fig. 2.
vor dem Zerbrechen schützt, wenn man sie — die Erweiterung
nach oben — zum Umrühren des Wassers iin Cylinder gebrauchen will;
ferner kann man die verkehrt eingesenkte „Taucherglocke“ zum Hinab-
drückeu eines Tauchers verwenden, weswegen die Endfläche des Korkes
concav ausgeschnitten wird.
Handhabung der Taucher, ihr Verhalten im Wasser. Lässt man
die Taucher aus der einige Ceutimeter über der Wasseroberfläche gehaltenen
Hand senkrecht in das Wasser gleiten, so sind dieselben so weit gefüllt,
dass die Grenzfläche der Luft annähernd mit dem oberen Bande der
seitlichen Oeffnung abschneidet. Beim Einfallenlassen aus grösseren
Höhen, wobei der bis auf den Boden hinabgehende Taucher grössere
Mengen Luft mit fortreisst, fällt die Füllung weniger gleichmässig aus.
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Ist die Zimmerluft erheblich wärmer als das Wasser, oder hatte man den
Taucher lange in der Hand gehabt, so kommen natürlich ebenfalls
Unregelmässigkeiten der Taucherfülluiig vor; einfaches Anheben und Ein-
senken des eine kurze Zeit im Wasser befindlichen Tauchers gleicht jede
Unregelmässigkeit wieder aus. Bei den von A. Eichhorn gefertigten
Exemplaren war ein Druck von 5 bis 7 dm Wassersäule erforderlich, den
ohne Hast eingesenkten Taucher zum Untersinken zu bringen.
Soll die Luftfüllung geringer sein, so ergreift mau den an der Ober-
fläche schwimmenden Taucher mit den Fingern, hebt ihn einige Centimeter
empor, und stösst ihn, ohne loszulasseu ein oder mehrere Male in das Wasser.
Dadurch wird meistens eine kleine Luftmenge zur seitlichen üeft'nung
hinausgetrieben. Man überzeugt sich durch Loslasseu, ob man seinen
Zweck erreicht hat, indem man entweder, wie schon oben erwähnt, auf
die Grosse des herausragenden Bodentlieils oder auf die Lage des Wasser-
niveaus zu der die Grenze desselben beim labilen Gleichgewicht angehenden
Marke achtet.
Ein anderes, vielleicht noch besseres Mittel, die Luftfüllung zu ver-
kleinern, besteht in dem Einsenken des kurz zuvor aus dem Wasser
gezogenen Tauchers in schräger Stellung, wobei die seitliche
Oeffnung o nach oben zu halten ist (Fig. 3). Nöthigenfalls
neigt man auch den Cylinder liierbei etwas auf die Seite.
Merkt man sich mit dem Augenmaass den Winkel, unter
dem man den Taucher langsam einsenkt, so kann mau
in dieser höchst einfachen Weise leicht die Luftfüllung mit
einiger Sicherheit beliebig bemessen, so dass der Taucher
je nach Wunsch sofort untersinkt oder seine labile Gleich-
gewichtslage nur ein kleines Stück unterhalb der Wasser-
oberfläche erreicht, ln Folge der Dicke des Glases erwärmt
sich die Luft im Taucher durch die Finger während der
kurzen Handliabung nicht merklich.
Der beschriebene Taucher ersetzt also auch jene grossen
Formen der Cartesianischen Vorrichtung, die von Weinhold
u. A.*) angegeben, an der Oberfläche schwimmen, nach
dem Hinabdrücken bis zu einer gewissen Tiefe sich
nicht wieder erheben können.
Gleicht man nach dem mitgetheilten Verfahren das Luftvolumen so
ab, dass die labile Lage 1 bis 2 dm über dem Boden des Cylinders ist.
so wird der Taucher dadurch sehr hübsch wieder in die Höhe gebracht,
dass man den Cylinder um einige Centimeter vom Tische erhebt und ihn mit
etw'as Naclidruck wieder hinstcllt. A'ur bei gar zu heftigem Stoss treten
Luftmengen zu den seitlichen OetVnungen hervor; ist dies, wie gewöhnlich,
nicht der Fall, so hüpfen die Taucher — man lässt, um den Eindruck
des Versuches noch zierlicher zu gestalten, am besten mehrere farblose
und bunte bis auf den Boden sinken — genügend weit empor, um die
labile Gleichgewichtsstcllo zu überschreiten. Die Taucher müssen hierzu
aber den Boden wirklich berührt haben, sonst können dessen Schwingungen
beim Hinsetzen sie nicht treffen.
Ebenfalls recht gefällig sieht das Emportreiben der etwas zu schweren
Taucher durch einen Wirbel aus, den man durch Umrühren des Wassers
*) AVeinlinlil, Frick-Lehmiinn, a. a. ü.
Fig. 3.
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ira oberen Theil des Cylinders hervorruft. Sobald die rotirende Bewegung
auch die unteren Flüssigkeitsschichten erfasst, erheben sich die Taucher,
um, wenn ihre Luftfullung es zulässt, oben schwimmen zu bleiben. Das
Emporwirbeln eines Körpers in einer Flüssigkeit, worin er nur noch ein
sehr geringes Gewicht hat, ist eine ebenso alltägliche, wie wohl wenig in
den Kreis der Betrachtungen gezogene Erscheinung. Es erinnert zwar
an die im Innern von Luftwirbeln u. s. w. auftretende Luftverdünnung,
die aufsteigende Bewegung in der Mitte des Flüssigkeitscylinders , welche
die Taucher mit empnrreisst, ist hier aber nicht wie dort eine der
Ursachen, sondern Wirkung der Rotation. Der centrale, nach oben
gerichtete Strom ist der Gegenstrom einer an den Wänden des Cylinders
in Spiralen abwärts gehenden Strömung, welche aus der Centrifugal-
kraft der Flüssigkeit und dem Umstande resultirt, dass die Flüssigkeit
am Boden eine geringere Geschwindigkeit hat. Man kann sich in
leicht ersichtlicher Weise von dem Vorhandensein der beiden Strömungen
durch Versuche mit kleinen, im Wasser nahezu schwebenden Körpern
überzeugen.
Hatte man einen Taucher mit so wenig Luft versehen, dass er nicht
mehr in der erwähnten Weise zum Schwimmen an der Oberfläche zu
bringen ist, so stülpt man die oben mit dem Finger zugehaltene Taucher-
glocke über ihn und zieht ihn in bequemster Weise wieder empor. Lässt
man hierbei die lange Röhre geschlossen, so wird der Taucher bis über
die Wasserobeidläche angehohen. Kähert man die lufterfüllte Taucher-
glocke einem am Boden liegenden Taucher, bis sein oberer Theil dicht
unter der Taucheröffnung liegt, und lässt jetzt durch Oeffnen der langen
Röhre plötzlich die Luft oben heraustreten, so schnellt der Taucher in
die Glocke hinein. Die lebhafte Bewegung erinnert in besonderem Maasse
an die Saugwirkungen des Luftdruckes und eine vergleichende Behandlung
dieser Wirkungen ira Anschluss an den Versuch ist wohl im Stande, das
Verständuiss der oft nicht recht klar werdenden Vorstellungen in Betreff
des Luftdruckes zu verbessern. Man wähle bei dem letzten Versuch den
Cylinder recht hoch, so dass der Wasserdruck den Taucher möglichst
energisch in die Glocke emporschleudert.
Wenn man die Taucherglocke einige Zeit in Gebrauch hat, wird man
finden, dass die einfache Vorrichtung auch anderweitig verwendet werden
kann. Ausser zur Demonstration des durch die Bezeichnung angedeuteten
Apparates dient die Vorrichtung in recht wirksamer Weise zum Nachweis
des Wasserstosses und zu manchen anderen Zwecken. Ein halbes Dutzend
Taucher nebst „Glocke“ liefert Eichhorn, Dresden, Mittelste, für 2 Mark.
Die Taucher werden theils aus weissem, theils aus hellfarbigem Glasrohr
hergestellt.
Versuche mit Tauchern. Die 1898 vom Verfasser a. a. 0.
beschriebenen Versuche werden durch Benutzung der neuen Taucherform
bequemer ausführbar, soweit sie nicht derart sind, dass sie ein Reagens-
glas erfordern, an dem eine seitliche Oeffnung nicht vorhanden sein darf.
Letzteres gilt insbesondere von den Versuchen zur Messung des Dampf-
druckes leicht siedender Flüssigkeiten und des Gasdruckes von höclist
concentrirtem Ammoniak. Auch die Versuche über das Auf- und Nieder-
steigen eines Tauchers durch den wechselnden Dampfdruck von Aether,
sowie von Wasser in einer unten erwärmten Flüssigkeitssäule erfordern
ein gewöhnliches Reagensglas.
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Bei allen Versuchen über das fast röllige Schweben eines Tauchers
in einem gänzlich mit Wasser gefüllten und überall abgeschlossenen Cylinder
ist die Benutzung des Tauchers der neuen Form bequemer. Man kann
dann auch die Verwendung des mit aufgeschlilfener, durchbohrter Glas-
platte versehenen Cylinders umgehen (a. a. 0. S. 215). Dadurch gestaltet
sich der Versuch sehr einfach: Eine recht hohe Flasche mit einer Oeffnung,
die nur etwas weiter ist, als der Durchmesser des Tauchers beträgt, wird
mit Wasser ganz gefüllt und dafür gesorgt, dass nicht an den Wandungen
ein Luftbläschen zurück bleibt. Alsdann senkt man den Taucher, am
besten schräg — unter seitlichem Neigen der Flasche — in das Wasser
und setzt auf die Mündung einen Kork mit gebogenem Glasrohre, an
welchem ein Schlauchstück von einigen Centimetern Länge sitzi Nach dem
Einfügen des Korkes darf weder unter diesem, noch in der Rohrverbindung
ein Luftrestchen bleiben; es ist rathsam, die Röhren vor dem Aufsetzen
des Korkes mit Wasser vollzusaugen, das Ende des Schlauchstückchens
zuzudrücken und dies erst während des Eindrehens des Korkes zu öffnen.
Hinterher schliesst man es durch ein zugeschmolzenes Stückchen Glas-
rohr ah. Der Kork muss natürlich sehr dicht sein; da er keinen grossen
Durchmesser zu haben braucht, wird man leicht einen genügend reinen
finden, so dass man nicht nöthig haben wird, ihn mit einem der bekannten
Hilfsmittel abzudichten.
Nach dieser Vorbereitung wird auf das Schlauchstückchen ein
Schraubenquetschhahn gesetzt und dessen Schraube etwas angezogen;
meistens wird dies den Taucher noch nicht zum Sinken bringen. Man
schiebt dann unter Drehungen das im Kork sitzende Knierohr langsam
so weit in die Flasche, dass der Taucher seine gleichfönnige Bewegung
nach unten beginnt. Durch leise Aenderungen des Druckes, welche man
am Quetsebhahn vornimmt, bringt man den Taucher dahin, dass seine
Bewegungen äusserst langsam werden und er auf geringe Aenderungen
der Temperatur reagirt. Weiteres in Betreff des Verhaltens des Tauchers
unter den Umständen des Versuches bietet die citirte Mittheilung. Es sei
noch hervorgehoben, dass der Versuch die charakteristische Eigenschaft
der Flüssigkeiten, die überaus leichte Verschiebbarkeit der Theilchen,
besonders deutlich hervortreten lässt. Man sorge bei der Vorbereitung
für möglichst klares Wasser.
Um den T.aucher zum sogenannten wirklichen Schweben zu bringen,
kann man ihn in einen Cylinder fallen lassen, welcher zur Hälfte mit
Wasser, zur andern Hälfte mit verdünntem Spiritus gefüllt ist. Dieser
Taucher reagirt durch mehr oder weniger tiefes Einsinken auf Aenderungen
von Temperatur und Uarometerstand und kann als Gegenstand von Auf-
gaben Verwendung finden.
Dasselbe gilt von einem Taucher, den man mittels einer dünnen
Glasröhre, die von unten her in den Luftraum des Tauchers bineinragt,
zum Schweben bringt. Anleitung zur Bildung von Aufgaben ergeben sich
aus dem a. a. 0. S. 216 — 218 Gesagten.
Der für fast völliges Schweben vorhin beschriebene Apparat kann
auch nach Anfügen einer längeren Gumtniröhre nebst geradem Glasrohr
anstatt des kurzen Schlauchstückes zu tleni Versuche (a. a. 0. No. 1) benutzt
werden, die Druckhöhen des Wassers im Rohre s zu vergleichen, die hin-
reichen, um den Taucher einmal oben, einmal unten ins labile Gleichgo-
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wicht zu bringen (Fig. 4). Es ergiebt sich OU = o u. Die Volura-
änderung der eingescblossenen Luft während des Emporsteigens oder Sinkens
macht sich durch Verschiebung der Wassersäule in der Röhre s be-
merkbar.
Eine annähernde Messung dieser Volumänderung ist auch am Taucher
selbst deswegen leicht ausführbar, weil er überall gleiche Weite hat.
Eine Erhöhung des Druckes um 10 cm Wassersäule
verkleinert zwar das Luftvolumeu im Taucher nur im
Verhältniss der Zahlen 1043 : 1033, d. h. um ca. 1 Pro-
cent, also ein 8 cm langes Luftvolumen wird um etwa
0,8 mm verkürzt. Macht man die mit dem Knierohr
verbundenen Röhren etwa 1 m lang, so kann man durch
senkrechtes Anheben derselben nach oben, bez. Senken
nach unten schon den Druck um mehr als das 20-fache
variiren (es kommt noch die Steighöhe des Tauchers
in der Flasche hinzu). Das lange Glasrohr nehme man
bei diesem Versuch etwas eng, damit das Wasser beim
Verkleinern des Druckes nicht herausrinnt. Klebt
man einen sehr schmalen Streifen Millimeterpapier,
den man mit Lack bedeckt, an den Taucher in der
Gegend der seitlichen Oeffnung, so kann man einen
Schüler die mehr als 20 Procent betragende Gesammt-
änderung des Luftvolumens ablesen lassen und die
gefundene Grösse mit der Länge der Luftsäule im
Taucher und dem Unterschied der Druckhöhen zu
einer einfachen Rechnung auf Grund des Mariotte’schen
Gesetzes verbinden. Bei diesem Versuche kann das
Wasserniveau im Taucher nicht unerheblich unter die
seitliche Oeffnung sinken; die Luft wird am lleraus-
treten durch das Oherflächenhäutchen gehindert.
Hat man einen Taucher in eine enghalsige Flasche gebracht, in
welcher er durch irgend welche Ursachen einen zu grossen Theil seiner
Luftmenge eingebüsst hat, so kann man den Taucher auch dadurch wieder
zum Aufsteigen bringen, dass man die Flasche — etwa mit einem Heber
entleert und dann neu füllt.
Die Expansion der Luft zeigt man sehr anschaulich durch den Luft-
pumpenversuch, bei dem ein halb mit Luft gefülltes Reagensglas in ein
Gefäss mit Wasser verkehrt eingestellt und unter den Recipienten gebracht
wird. Es empfiehlt sich, auch hier den Taucher mit seitlicher Oeffnung
zu verwenden. Man senkt denselben derart schräg in das in einem
Cylinder befindliche Wasser, dass der Taucher auf den Boden sinkt, und
stellt den Cylinder entweder unter einen hohen Recipienten oder man
versieht ihn mit einem guten Kork, in dessen Durchbohrung ein recht-
winklig gebogenes Glasrohr sitzt, das man durch weitere Stücke Glasrohr
und festzubindende Gummiröhren an die Kolben- oder Wasserluftpurape
anschliesst. Gleich nach dem Beginn des Evaeuirens erhebt sich der
Taucher und eine Luftblase nach der anderen entweicht aus der seitlichen
Oeffnung. Wenn man nun nicht gleich möglichst grosse Luftverdüunung
hervorruft, sondern von Zeit zu Zeit das Arbeiten der Pumpe unterbricht,
so kann man mit dem Taucher annähernd den Grad der bereits erreichten
Luftverdünnung feststellen. Man lässt hierzu vorsichtig etwas Luft zurück-
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treten (bei Benutzung der Kolbenluftpumpe lässt man einfach den Kolben
zurückgehen), bis der Taucher gerade zu sinken beginnt. Dieser fällt
jetzt viel schneller auf den Boden, als wenn über dem Taucher der
gewöhnliche Luftdruck besteht, weil das Luftvolumen im Taucher in Folge
des unten grösseren Wasserdruckes jetzt viel stärker verkleinert wird.
Aus der Grösse dieser Volumabnabme und der Höhe der Flüssigkeitssäulen
kann man in einer einfachen Aufgabe eine ungefähre Feststellung des
über der Wasseroberfläche vorhandenen Druckes gewinnen. Beim weiteren
Evacuiren macht sich der Einfluss des Dampfdruckes immer mehr bemerk-
bar. Benutzt man die Kolbenluftpumpe, so kann man mit diesem Versuch
den Nachweis des Siedens von Wasser in der Kälte unter geringem Druck
gleichzeitig erledigen.
Lässt man einen Taucher längere Zeit hindurch in nicht desinficirtem
Wasser, so beobachtet man eine langsame Abnahme der Luftmenge, die
in erster Linie von dem Verbrauch des im Wasser gelösten Sauerstofifes
durch Mikroorganismen herrührt. Auch ahgcsehen hiervon treten ausser
durch VV'echsel von Temperatur und Barometerstand Aendeningen des im
Taucher befindlichen Luftvolumens ein. Will man zu Versuchen , die am
Schluss angedeutet sind, das Luftvolumen recht lange ungeändert durch
Lösungsvorgänge bewahren, so wählt man zur Aufnahme des Tauchers
eine andere, leicht bewegliche Flüssigkeit, Petroleum oder dergleichen.
Versuche hierüber bat der Verfasser erst begonnen. Man hat in dem
Aufsuchen des Punktes, in welchem der Taucher sieb im labilen Gleich-
gewicht befindet, ein ziemlich genaues Mittel, ganz kleine Aenderuiigen
des Volumens unter Berücksichtigung von Temperatur und Barometerstand
zu messen.
An einer etwa ’/j m langen (ilasröhre sk (Fig. 6), die innen eine
Millimetertbeiluug auf Papier enthält und an beiden Enden zugeschmolzen
ist, befinden sich unten zwei verschiebbare, aber
durch Reibung ziemlich festsitzende Spiralen aus
Draht oder kurze Blechcylinder b. Dieselben haben
zwei kurze, von der Röhre senkrecht fortragende
Ansätze, welche den Taucher zwischen sich fest-
halten, jedoch derart, dass derselbe sieb um 1 bis
2 mm aufwärts, bez. abwärts bewegen kann. Der
untere Träger des Tauchers ist ein einfacher, wie
die Figur zeigt, gebogener Draht d; der obere ist
ein am Ende zu einem Ringe r gebogener Draht.
Der Ringdurchmesser ist kleiner als derjenige des
Tauchers. Mau befestigt das Skalenrohr des kleinen
Apparates, nachdem man diesen mit eingesetztem
Taucher, in schiefer Stellung in die in einem Cylinder
befindliche Flüssigkeit eingesenkt hat, so in einer
Stativklemme, dass es leicht in senkrechter Richtung
verschoben werden kann, und sucht nun diejenige
Höhenlage für den Taucher auf, in welcher er nach
einer leichten Erschütterung durch Klopfen an das
Stativ mit dem Finger sich etwa ebenso geneigt
zeigt, sich an den oberen, als den unteren Tbeil
der seine Bewegung begrenzenden Stützen anzulegeu. Man kann auch die
Skalenröhre, nachdem der Ort des labilen Gleichgewichts annähernd ge-
rfLTl
r
U*
Fig. 5.
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fiinden ist, in der Klemme fester spannen und mit einem als Pipette
benutzten Röhrchen das Flüssigkeitsniveau im Cylinder ändern. Schliess-
lich liest man das Skalenrohr wie ein Aräometer ab und notirt Temperatur
der Flüssigkeit und Barometerstand.
Diese Beobachtung wird nach einigen Tagen, während welcher der
Apparat ruhig stehen bleibt, wiederholt und die Ursache der inzwischen
eingetretenen Aenderungen besprochen. Auch bei Schülerversuchen dürfte
eine Genauigkeit der Beobachtung bis auf 2 mm leicht erreichbar sein,
ein Werth, der einer Aenderung des Barometerstandes um etwa ’/, mm
entspricht. Die Methode gestattet möglicherweise auch Anwendungen
auf der Schule fernerstehenden Gebieten*).
Für solche Gase, die wie Kohlensäure und Acetylen in Wasser leichter
löslich sind als Luft, kann diese Eigenschaft mit dem Taucher viel ein-
facher constatirt werden. Man füllt diesen entweder wie in der pneu-
matischen Wanne oder durch bloses Einleiten mit dem Gase, wobei man
den Taucher mit Daumen und Mittelfinger, die seitliche Oeffuung ab-
schliessend, festhält; nach dem Füllen legt man den Zeigefinger auf die
Endöffnung des Tauchers und lässt diesen nunmehr in das in einem
Cylinder befindliche W'asser gleiten. Der mit Kohlensäure gefüllte Taucher
sinkt in reinem Wasser in 10 bis 15 Minuten, in sehr verdünntem Ammoniak
in etwa 2 Minuten zu Boden. Ein mit Acetylen gefüllter Taucher braucht
in reinem Wasser erheblich mehr Zeit. Die hierbei raitwirkenden Um-
stände sollen noch näher untersucht werden.
Wie schon Eingangs erwähnt, wurde zuerst von Schwalbe der Car-
tesianische Taucher als Druckindicator bei Schulversuchen benutzt**).
Durch sein Sinken, bez, sein Steigen macht der Taucher das vielleicht
nur äusserst kleine Ueberschreiten zweier Druckgrenzen in einer die Auf-
merksamkeit stark erregenden Weise bemerkbar***). Man kann nun auch
den Taucher dazu verwenden, die innerhalb zweier Grenzwerthe vor-
handenen Drucke in einer zwar nicht für genaue Messungen geeigneten,
aber dafür besonders deutlich sichtbaren Weise anzuzeigeu. Bringt man
nämlich mit den oben angedeuteten Mitteln einen Taucher zum sogenannten
Schweben!), so wird durch Di-uckänderungen im Cylinder, den man auf
der Aussenseite mit einer lapidarisch gemalten Sk.ale versehen kann, ein
breit herstellbarer Index verscboben. Auf diese Weise sind die a. a. 0.
beschriebenen Apparate, ein Thermoskop, sowie ein Differential -Thermo-
skop construirttf). In justirtem Zustande nicht transportirbar, weil die
*) Die angegebene Genauigkeit entspricht einer solchen der Beobachtung kleiner
Volumftnderungen um etwa * y™. Mit Hilfe von auf gleichem Princip beruhenden
Apiiarateu kUnnen auch grosse VolumSnderungen genau gemessen werden — soweit
dies bei Benutzung von Wasser als Sperrflüssigkeit miiglich ist Weiteres hierüber
möchte ich einer späteren Arbeit Vorbehalten.
*•) Vergl. auch den Versuch von üeschöser, l’oske's Zeitschr. XII, S.
***) Beide Grenzwerthe des Druckes liegen soweit auf einer Wasserdnickskale von
einander, wie die Höhe der vom Taucher dnrchfallenen Flüssigkeitasäule beträgt.
!) Nimmt man es genau, so könnte man auch bei jenen Versuebsanordnungen
(a. a. 0. S. 214 unten und S. 21H 218) nur von einer besonderen Art des Schwimmens
reden und wohl behaupten, dass nur die KlUssigkeitsmolekeln und die in die gleichen
Zustände übergeführten Molekeln und Jonen gelöster Körper zu .schweben“ ver-
mögen.
f!) Das Farbenthermoskop hat als ein Indicator für die Ueberschreitnng zweier
Temperaturen seinen Anwendungsbereich für sich.
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Luft des Tauchers beim Kippen heraustritt, haben dieselben vorläufig
noch den Nachtheil, dass die Luftmengen auch bei ruhigem Stehen der
Apparate sich langsam verkleinern. Dieser Umstand wird wohl durch
Aenderungen der Construction, insbesondere durch Fortschaffen der ohne-
hin durch Schlechtwerden die Brauchbarkeit der Apparate beeinträch-
tigenden Gummischläuche und Ausprobiren der besser als Wasser geeigneten
Flüssigkeit zu beseitigen sein.
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II. lieber Feuersteingerätlie aus sächsischen Fundorten.
Von H. Döring.
Ein Vergleich zwischen nordischen und sächsischen Feuersteingeräthen
muss ohne Zweifel zu Ungunsten der heimathlichen Funde ausfallcn. Im
Norden, wo der Feuerstein der Kreide eingebettet ist, lag das Rohmaterial
zur Fabrikation von Waffen und Werkzeugen massenhaft und in bester
Qualität zur Auswahl bereit. Bei uns findet sich Feuerstein dagegen nur
an secundärer Lagerstätte; er ist in den Grundmoränen der diluvialen
Gletscher, also im Gcschiebelehm eingelagert oder wurde bei der Auf-
arbeitung der Formation durch diluviale Wässer über die Ebene verstreut
Die unseren neolithischen Vorbewohnern zur Verfügung stehenden Feuer-
steinknollen waren also nach Zahl, Umfang und Güte wesentlich geringer.
Aber gleichwohl wurde das durch Gletschereis importirte Rohmaterial
wegen seiner Härte und Spaltbarkeit von den heimathlichen Urbewohnern
gern zu Geräthen verarbeitet.
Bisher sind von folgenden Fundstellen Sachsens Feuersteingeräthe
bekannt geworden:
1. Im Domholz von Grossdölzig westlich von Leipzig: 2 ge-
schliffene und polirte Flachbeilchen.
2. In einer Herdstelle von Grossmiltitz westlich von Leipzig:
Messerchen und Schaber.
3. An der Pulvermühle nördlich von Zwenkau: gemuschelte
Lanzenspitze.
4. In Herdstellen bei Zauschwitz nördlich von Pegau; Messerchen.
5. Auf Flur Ilohnstädt nördlich von Grimma: geschliffenes Flach-
beil (13,8 cm lang, grösstes Exemplar aus Sachsen).
6. Auf dem Gaumnitzhügel bei Casabra bei Oschatz; 1 ge-
schliffenes Flachbeilchen, 1 gemuschelte Pfeilspitze, Bohrer, Schaber,
Messer, N’uclei, Splitter, Kugler.
7. Auf dem Festenberg bei Baderitz südwestlich von Mügeln:
gemuschelte Pfeilspitze.
8. Bei Kiebitz südlich von Mügeln: Messerchen.
9. In einer Herdstelle bei Hof bei Stauchitz; Messerchen.
10. Auf Feldern von Xünchritz und Leckwitz an der Elbe bei Riesa:
mehrere geschliffene Flachbeilchen, 4 gemuschelte Pfeilspitzen,
Hunderte von Messern und Schabern, sowie zahlreiche Splitter.
11. Bei Radewitz bei Riesa: Nucleus und Messerchen.
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12. Bei Coss ebaude bei Dresden: 3 geschliffene Flachbeile, 1 Meisel.
13. Bei Cotta bei Dresden, in Herdstellen: zahlreiche Messerchen,
Schaber, Pfeilspitzen, Abfallsplitter, Schlagsteine oder Kugler.
14. in Löbtau bei Dresden, in Herdstellen: zahlreiche Messerchen
und Schaber, 1 Bohrer und Splitter in grosser Anzahl.
15. In der Haide nördlich Weisser Hirsch bei Dresden: Messer und
Abfallsplitter.
16. Auf Feldern von Sporbitz südöstlich von Dresden: geschliffenes
Flachbeil.
17. Bei Lockwitz südöstlich von Dresden, in Trichtergruben: Messer,
Schaber, Nuclei, Klopfsteine, Schleudersteine, Bohrer, Pfeil- und
Lanzenspitzen, sowie Abfallsplitter in grosser Zahl.
18. Bei Kamenz: 1 Flachbeilchen.
19. Am Abgott bei Oehna nördlich von Bautzen: zahlreiche Schaber
und Splitter, 1 Nucleus.
Vorstehende Zusammenstellung will auf Vollständigkeit nicht Anspruch
machen, es geht jedoch mit Sicherheit daraus hervor, dass in unserem
Heimathlande das Kleingeräth überwiegt. Geschliffene und fein ge-
muschelte Artefacte sind selten. Es besteht darum Neigung, dieselben
als prähistorische Importwaare aus nordischen Ländern anzusehen.
Von dem rohbehauenen Geräth wird man gewiss als sicher annehmen
dürfen, dass dasselbe im Lande hergestellt wurde, da man nicht nur
geeignetes Rohmaterial, sondern auch zahlreiche Klopfsteine, Nuclei und
Abfallsplitter auf ncolithischen Plätzen vortindet. Solcher Feuerstein-
werkstätten haben wir demnach im eigenen Vaterlaude eine ganze Reihe.
Die ausgeprägteste derselben ist jedenfalls Lockwitz bei Dresden, aber
auch Leckwitz und NUnchritz bei Riesa, Casabra bei Oschatz und Oehna
scheinen ergiebig zu sein.
Einzelne der kleinen Geräthe, wie Schaber und Bohrer, sind am Rande
gemuschelt oder gedengelt, um an der abgenutzten Schneide neue Schärfe
zu erzeugen. Wenn wir nun dem neolithischen Erzeuger des Gerüthcs die
Geschicklichkeit Zutrauen, sein Handgeräth zu schärfen und Grünstein-
beile zu schleifen und zu glätten, so mag er wohl auch fähig gewesen
sein, kleine Pfeilspitzen zu muscheln und Flachbeilchen zu schlagen und
zu schleifen. Es ist doch auffällig, dass wir in unserem Lande nur kleine
Formen von Feuorsteingeräth finden, während der Norden durchgehends
Funde von bedeutenderen Dimensionen aufweist. Dieser auffällige Unter-
schied findet leicht und einfach seine Erklärung, wenn man annimmt, dass
unsere neolithischen V'orbewohner wegen der quantitativ und qualitativ
geringeren Auswahl an Rohmaterial eben nur kleinere Formen erzeugten,
während der neolithische Rugianer bei seinem Reichthum an Rohstoff
die Dimensionen anders bemessen konnte. Sicher würde doch auch bei
einem Imi)ortiren der geschliffenen Feuersteinbeile vom Norden herein die
grössere llandelswaare, wie sie eben der Norden führt, eine höhere Be-
werthung erfahren haben als kleineres Geräth. Es dürfte darum die
Annahme, dass gemuschelte Pfeilspitzen und geschliffene Flachbeilchen
aus Feuerstein heimische Prodiicte seien, nicht als unberechtigt erscheinen.
Da allerdings der Feuerstein bei uns in Sachsen nicht überall gleich
häufig vorhanden ist, so ist immerhin möglich, dass vollkommen aus-
gestaltete Feuersteingerätlie eia Object des Binnenhandels gewesen sind.
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Eine gewisse üebereinstimmung zwischen nordischen und sächsischen
Fabrikaten besteht nicht blos hinsichtlich der Hauptformen des Geräthes,
sondern auch in Bezug auf die Technik der Herstellung (Klopfsteine,
Nuclei, Spähne und Splitter). Es erklärt sich diese Harmonie zum Theil
durch die Gleichartigkeit des Stoffes; vielleicht haben auch die einge-
wanderten Neolithen unseres Landes die Fertigkeit der Feuersteinbe-
arbeitung mitgebracht.
Drei der erwähnten sächsischen Werkstätten (Leckwitz, Nünchritz und
Casabra) haben übrigens in ihrer örtlichen Lage noch ein Moment gemein-
sam, worin sie ebenfalls den Uügen’schen Plätzen gleichen: sie liegen
sämmtlich auf einer flachen Bodenwelle; der Untergrund wird von Kies
oder Sand gebildet, doch das Wasser ist nicht allzuweit entfernt.
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III. Zwei neue Funde neolithischer schniirverzierter
Gefiisse aus Sachsen.
Von Prof. Dr. J. DeiohmüUer.
Klotzsche bei Dresden.
Das Gebiet der Haltestelle Klotzsche der Dresden -Görlitzer Eisen-
bahn wird nach NO. hin von einem tiefen Graben begrenzt, dessen
Böschung im Herbst 1899 heftige Regengüsse zerrissen und zerfurcht
hatten. In einem der Wasserrisse waren Gefiissscherben biosgelegt worden,
welche die mit der Ausbesserung der entstandenen Schäden beschäftigten
Arbeiter zu weiterem Nachgrahen veranlassten , wodurch ein ziemlich
vollständiges Gefäss, das Untertheil eines zweiten und neben letzterem
eine wohlerhaltene Steinaxt zu Tage gefördert wurden. Die Fundstücke
gelangten in den Besitz der K. Prähistorischen Sammlung in Dresden,
leider in stark verletztem Zustande; eine nochmalige Nachgrabung an der
Fundstelle verlief fast ergebnisslos, da seit der Auffindung mehrere
Wochen vergangen waren und die örtlichen Verhältnisse eine ausgedehntere
Untersuchung nicht zuliessen.
Die Fundstelle liegt ganz in der Nähe des in den Abhandlungen der
naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis 1899, S. 86 beschriebenen ürnen-
feldes vom älteren Lausitzer Typus. Der Fund besteht insgesamnit aus
drei Gefässen und einer Steinaxt, welche nach Angabe der Arbeiter dicht
bei einander in geringer Tiefe unter der Erdoberfläche ohne Steinpackuug
in dem lockeren Haidesandhoden standen; Skelettreste sind nicht be-
obachtet worden.
Das am besten erhaltene Gefäss (Fig. 1), ein deutlich in Hals und
Bauch gegliederter Becher mit breiter Bodenfläche, soll nach Aussage
der Finder gehenkelt gewesen sein, doch ist ein Henkel nicht mehr vor-
haiulen, auch die Ansatzstelle eines solchen weder am Gefässbauch noch
an dem erhaltenen Theile des Halses zu bemerken. Letzterer steigt
senkrecht auf und ist oben wie unten mit einer vierfachen horizontalen
Schuurlinie, dazwischen mit unregelmässig schräg schraftirten Dreiecken
aus Schnureindrücken verziert. Acht an einander gereihte ähnliche Drei-
ecke uinsäumen den Hals oben auf dem Gefässbauch*). Alle Schnurein-
*) J)ie Si'hnnrvcrzieniiigpn sind an allen liier beschriebenen Gefftssen mit nach
recht.s gedrehten .Schnuren bergest eilt.
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drücke sind paarweise angeordnet und scharf ausgeprägt. Die Aussen-
fläche des sauber ausgeführten, ziemlich hart gebrannten Gefässes ist
gelb- bis schmutzigbraun, die Innenfläche dunkelgrau , der Querbruch der
4 mm starken Wandung schwarz gefärbt. Weisse Quarzkörnchen und
dunkle Glimmerblättchen durchsetzen in reichlicher Menge den zur Her-
stellung des Gefässes verwendeten Thon.
Von einem zweiten Gefäss (Fig. 2), einem gehenkelten Krug ist nur
ein grösseres Bruchstück mit dem Henkel und der Boden erhalten
geblieben. Hals und Bauch gehen in seicht S-förmig geschwungener
Linie ohne scharfe Trennung in einander über. 13 unregelmässige,
horizontale Schnurlinien bedecken, z. Th. durch den Henkel unterbrochen,
die ganze Halsfläche
mit Ausnahme eines ca.
9 mm breiten Streifens
unter dem Rande, an
einander gereihte,
schräg schraffirte, mit
der Spitze nach unten
gestellte Dreiecke aus
Schnurlinien den obe-
ren Theil des Gefäss-
bauches. Auch der
Henkel trägt Schnur-
verzierung in drei-
facher, im Zickzack
gebrochener Linie. Die
Verzierungen sind
scharf eingedrückt. Die
äussere Oberfläche hat
schmutzigbraune, die
innere schwarzgraue,
der Querbruch der ca. 3,3 mm starken Wandung schwarze Färbung.
Der reichliche Zusatz von z. Th. gröberen Quarzkörnern zu dem ver-
wendeten Thon macht das Gefäss rissig und bröcklig.
Von dem dritten Gefäss sind leider nur so wenige Bruchstücke vor-
handen, dass sich dessen Form nicht genau feststellen lässt. Der untere
Theil (Fig. 3) ist weitbauchig, der Hals (Fig. 3a) anscheinend senkrecht.
Das Gefäss unterscheidet sich von den beiden andereu desselben Fundes durch
das Fehlen von Schnurverzierungen, an deren Stelle Schnittverzierungen
angebracht sind. Auch hier wird die Basis des Halses von an einander
gereihten, schräg schraffirten , mit der Spitze nach unten gerichteten
Dreiecken in roher Ausführung umsäumt (Fig. 3b). Wie das Bruchstück
des Halses erkennen lässt, war auch dieser mit solchen Dreiecken verziert
(Fig. 3a*). Die Striche sind scharf und tief eingeschnitten. Bemerkens-
werth ist die im Verhältniss zur Grösse des Getässes geringe Wandstärke
von ca. 4 mm. Querbruch wie Innen- und Ausscnfläche sind erbsgelh bis
fleckig gelbbraun gefärbt, dunkle Glinimerblättchen in reichlicher .Menge
und sparsamer weisse Quarzkörner in der ganzen .Masse vertheilt.
Die hei letzterem Gefäss gefundene Steinaxt (Fig. 4) ist am Stielloch
beiderseits verstärkt, der Grundriss fast fünfseitig, der Querschnitt am
Bahnende gerundet. Bahn und Oberseite sind in der Längs- und (^uer-
’/j (1er natürlichen Grösse.
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richtung flach gewölbt, die stärker gewölbte Unterseite zeigt Spuren von
FacettenschliflT. Jn der Seitenansicht verbreitert sich das Geräth nach
der scharf gekrümmten Schneide zu axtartig. Die Achse des nahezu
cylindrischen, oben 16, unten 14,5 mm weiten Stiellochs verläuft fast
genau in der Ilichtung der Schneide, der Rand der Dohrung ist oben
scharfkantig, unten verbrochen. Die Steinaxt ist aus feinkörnigem Diabas
hergestellt, allseitig sorgfältig abgeschliCfen und nur wenig verw'ittert.
Dieses Vorkommen neolithischer schnurverzierter Gefässe bei Klotzsche
ist nicht das erste in dortiger Gegend, bereits 1888 wurde beim Grund-
graben für die Villa des Hofstuckateurs C. B. Hauer in Klotzsche-
Königswald unter den Wurzeln eines Baumes vereinzelt eine sehnur-
verzierte Amphore gefunden, welche sich jetzt in der Sammlung des
Fabrikbesitzers Emil Kühnscherf in Dresden betindet. Die Fundstelle
liegt ca. 660 ra in südwestlicher Richtung von der ersteren entfernt.
Das wohl erhaltene Gefäss (Fig. 5) hat eine Höhe von 12,4 cm. Der
niedrige, weite, nach innen geschweifte Hals sitzt auf einem fast kugeligen
Bauch, der über der BodenÜäche eingeschnürt ist; wenig über dem grössten
Durchmesser in halber Höhe des Gefässes sind zwei
.0^ ' 3 rohe, ca. 17,5 mm breite, horizontal durchbohrte
Henkel angebracht. Um den Hals läuft spiralig ge-
wickelt eine neunfache horizontale Schnurlinie, welche
^ r V w ^ nach unten umsäumt wird von neun an einander
\ ^ gereihten, nach unten gerichteten Dreiecken aus
\ / drei- bis fünffach in einander gestellten Winkeln
y von Schnurlinien, welche durch je fünf kurze senk-
^ rechte Schnurlinien über den Henkeln in zwei Gruppen
'/j der natürlichen Grösse, zu vier und fünf Dreiecken getrennt werden. Das
Gefäss, dessen Wandungsstärke am Rande des Halses
4 bis 5 mm beträgt, ist ziemlich roh gearbeitet, die Oberfläche uneben
und durch den reichlichen Zusatz von Quarzkörnern zu der Thonmasse
rauh und körnig. Die Verzierungen sind flüchtig und wenig scharf aus-
geführt, namentlich in dem Saum von Dreiecken, deren Schnurlinien bald
regelmässig parallel in breiten Abständen angeordnet sind, bald dicht
beisammen liegen, z. Th. in einander fliessen. Das Gefäss ist ziemlich
hart gebrannt und innen wie aussen gelblichroth, mit erbsgelben Flecken
gefärbt.
Die Funde von Klotzsche sind bis jetzt die südlichsten im Gebiet
der neolithischen schnurverzierten Keramik innerhalb des Königreichs
Sachsen, welche sich von hier aus über eine schmale Zone längs des
Elblaufs bis in die Gegend von Riesa verbreitet, einerseits nach Westen
hin durch ähnliche Funde bei Lommatzsch, Oschatz, Wurzen, Leipzig,
Zwenkau und Pegau mit dem grossen thüringischen Steinzeitgebiet zu-
saramenhäugt, andererseits mit ihren östlichen Ausläufern bis in die
Gegend von Bautzen reicht. Im unteren sächsischen Elbthal ist als
neuer Fund der eines schnurverzierten eimerartigen Bechers bei
NUnchritz
hinzugekommen. Das Gefäss wurde im Februar 1900 beim Abräumen
der Erddccke im Hangenden eines der zwischen Nünchritz und Sageritz
in dem dort anstehenden Biotitgneiss betriebenen Steinbrüche gefunden
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und der Dresdner Prähistorischen Sammlung von Lehrer K. Peschei in
Niinchritz zum Geschenk gemacht.
Der Becher (Fig. 6) ist fast cylindrisch mit nur leicht geschweifter
Wandung und war dicht über der mittleren Höhe mit einem kleinen,
12 mm breiten, horizontal durchbohrten Henkel versehen, der aber vom
Finder abgestossen worden und verloren gegangen ist. Das sauber aus-
geführtc Gefäss hat eine Höhe von 8, .5 cm und eine Wandungsstärke von
4 mm. Ein 6 mm breiter Streifen längs des Oberraiides und wenig mehr
als das untere Drittel der Aussontläche sind unverziert, das obere Drittel
wird von zehn horizontalen Schuurlinien bedeckt, welche z. Th. durch den
Henkel unterbrochen und nicht schraubenförmig, sondern in einzelnen
Hingen, deren Anfang und Ende au mehreren Stellen deutlich sichtbar
werden, um das Gefäss gelegt sind. Den Abschluss nach unten bildet
ein Saum von neun Dreiecken, deren Spitzen nach unten stehen und die
aus je vier regelmässig in einander gelegten Winkeln von
Schnurlinien zusammengesetzt sind. Die Henkelansätze lassen
erkennen, dass auch auf dem Henkel fünf senkrechte Schnur-
linien angebracht waren. Die Schnurverzierungen sinil regel-
mässig gelegt und scharf abgedrückt. Das Gefäss ist aus
reichlich mit Quarzkörnchen, spärlich mit feinen Glimmer-
blättchen gemengtem Thon hergestellt und fest gebrannt.
Durch die röthlichgelbe, sehr dünne Oberflächenschicht
scheint die scbwai'ze Färbung des Inneren vielfach hindurch.
Die Funde von Klotzsche und Nünchritz haben die aus dem König-
reich Sachsen bekannte neolithische schnurverzierte Keramik durch neue
Formen oder Ornamente nicht wesentlich bereichert. Becher wie Fig. 1
mit deutlicher Gliederung in Hals und Bauch, z. Th. gehenkelt, waren
bereits früher bei Cröbern südlich Leipzig, bei Stauda bei Priestewitz,
bei Nadelwitz, Lubaebau und Quatitz in der Umgegend von Bautzen
gefunden worden, Amphoren wie Fig. 5 bei Auritz östlich Bautzen und
in mehreren Exemplaren bei Cröbern. Fundorte für cylindrische Becher
wie Fig. 6, ein- oder zweihenkelig, sind Cröbern, Burgstädt (V), Bornitz
bei Oschatz und Niedercaina bei Bautzen. Nur die in Fig. 2 abgebildete
Krugform, ungegliedert mit S-förmig geschweiftem Profil, scheint bisher
aus Sachsen noch nicht bekannt zu sein; einige Aehulichkeit mit dieser
F'orm zeigt der durch H. Jentsch*) beschriebene Krug von Strega in der
Niederlausitz. Unter den Verzierungsmustern, welche in mannigfaltiger
Abwechselung zu den häufigsten der neolithischen schnurverzierten Keramik
gehören, ist die an dem Becher Fig. 1 streng durchgeführte paarige
Anordnung der Schnurlinien bemerkenswerth.
Die hier besprochenen Gefässformen haben von Neuem gezeigt, dass
sich die neolithische Schnurkeramik im Königreich Sachsen in Form wie
Ornamentirung an die Thüringens, speciell des Saalegebietes**) eng an-
schliesst, deren Einfluss sich bis in die sächsische Lausitz geltend macht.
*/s der natUrl.
Grüsse.
♦) Niederlansitzer Mittheilnngeu Bd. VI, Hft. 2, 1900, S. 55, Fig. 1.
**) A. Götze: Die Gefässformen und Ornamente der neoüthischen schnurverzierten
Keramik im Flussgebiete der Saale. Jena 1S91.
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IV. Spätslavisches Skelettgräberfeld bei Niedersedlitz.
Von Prof. Dr. J. Deichmüller.
Im April 1900 theilte mir Herr Caiid. jur. Alexander Teetzmann
mit, dass an der Windmühlenstrasse in Niedersedlitz beim Abgraben von
Kiesmassen ein slavisches Skelettgräberfeld aufgedeckt worden sei.
Leider kam diese Nachricht zu spät, um der Vernichtung der Kunde Vor-
beugen zu können, denn als ich anderen Tages die Fundstelle besichtigte,
waren die letzten Gräber bereits beseitigt und zerstört. Neue Funde
haben sich seitdem nicht wieder gezeigt, obgleich die jetzt beendeten
Ausschachtungsarbeiten um mehrere Meter weiter vorgeschritten und auch
nach Süden ausgedehnt worden sind.
Die Fundstätte liegt am östlichen Rande der den Ausgang des Thaies
zwischen Lockwitz und Niedersedlitz auf dem linken Ufer des Lockwitz-
baches begleitenden, flach nach N. geneigten diluvialen Schotterterrasse,
die nach dem Bache zu durch eine mehrere Meter hohe Steilböschung
abgeschnitten wird. Die von Niedersedlitz nach der Lockwitz -Dresdner
Landstrasse an der ehemaligen holländischen Windmühle vorüberführende
Windmühlenstrasse durchschneidet diese Böschung etwa 350 m östlich der
Mühle. Südlich dieses Punktes sind im März und April d. J. die Schotter-
massen längs des Terrassenrandes in ca. 1,8 bis 2,o m Mächtigkeit von
0. nach W. ahgegrahen worden, um zur Anschüttung neuer Strassenkörper
in Niedersedlitz Verwendung zu finden. Hierbei stiessen die Arbeiter
auf Reihen von Skeletten, die aber bis auf wenige unbedeutende Reste
zerstört wurden. Herr Teetzmann hatte noch Gelegenheit, den Rest eines
Kindesgrabcs zu untersuchen und hierbei eine Silbermünze zu finden.
Üeber die Anordnung und den Inhalt der Gräber konnte mir der
die Erdarbeiten leitende Schachtmeister einige Mittheilungen geben.
Hiernach wurden etwa 20 bis 22 Gräber gefunden, die in drei in nord-
südlicher Richtung verlaufenden Reihen angeordnet waren. Die Gräber
begannen ca. 60 in südlich der Windmühlenstrasse; die erste Reihe lag
ungefähr 8 m vom Rande der Terrasse entfernt und bestand aus vier oder
fünf Gräbern, darunter ein Kindergrab. Durch einen ca. 1 m breiten
Streifen davon getrennt folgte eine zweite Reihe aus sieben oder acht
und weiter im gleichen Abstande eine dritte aus neun Gräbern, unter
diesen mehrere Kindergräber. Die Grabstellen je einer Reihe waren
ca. 0,9 bis 1,0 in von einander entfernt, wenn auch nicht immer in gleichen
Zwischenräuinen; die Skelette sollen nicht senkrecht, sondern schief zur
Längsachse der Reihen in der Richtung WNW\ — OSO. gelegen haben.
Diyiiizöd by tjoogle
23
Pig. 1.
Aufgefallen ist dem Schachtmeister die wechselnde Lage der Skelette in
den drei Reihen: in der ersten waren dieselben mit dem Kopf nach W.,
mit den Füssen nach 0. orientirt, in der zweiten umgekehrt, während in
der dritten Reihe die Anordnung der ersten sich wiederholte. Die Gräber
zweier benachbarter Reihen alternirten mit einander.
Die Skelette lagen gestreckt auf dem Rücken in 90 bis 96 cm Tiefe
unter der Oberfläche ohne Unterlage auf dem Kiesgrund. In der Be-
stattungsform hat sich zwischen Erwachsenen und Kindern
ein Unterschied bemerkbar gemacht: während die Leichen
Erwachsener ohne jede Umhüllung in der Erde ruhten,
waren die Kinderleichen kistenarti^ mit Plänersandstein-
platten umbaut, die derart auf die Schmalseite gestellt
waren, dass die Ränder der einzelnen Platten die der
beiden benachbarten überdeckten, auch sollen solche
Platten zuweilen den Kopf der Kinderleichen bedeckt haben
(Fig. 1). In einigen Gräbern erwachsener Individuen ist
weiter beobachtet worden, dass auf der Leiche einzelne
grössere, flache Gerolle und darauf Holzkohlen lagen. Die
Gräber selbst hoben sich durch dunklere Färbung von
dem lichteren Kiesgrund der Umgebung ab.
Von dem Inhalt der Gräber ist leider nur sehr wenig
gerettet worden, obgleich die Skelette der Erwachsenen
gut erhalten, die der Kinder aber meist zerdrückt gewesen sein sollen.
Von Skelettresten sind erhalten der unvollständige Schädel eines älteren
Individuums und zwei Bruchstücke von Unterkiefern kindlicher Leichen,
von Beigaben das Bruchstück eines Thongefässes und eine Silbermünze.
Sämmtlicbe Funde sind der K. Prähistorischen Sammlung in Dresden über-
geben worden.
Die nachstehenden Mittheilungen über die Skelettreste verdanke ich
Herrn Dr. Jablonowski, Assistenten am K. Zoologischen und Anthro-
pologisch-Ethnographischen Museum in Dresden, welcher auf meine Bitte
die Untersuchung derselben bereitwilligst vorgenommen hat.
„1. Fragment eines ziemlich geräumigen Schädels, aus verschiedenen
Stücken zusammengeleimt. Das Schädeldach ist ziemlich vollständig
erhalten, doch fehlen u. a. die vorderen Partieen der Squama frontalis;
sonst sind nur noch geringe Reste der Seitenwände und der Basis vorhanden,
darunter die Squama occipitalis fast vollständig und von den Schläfen-
beinen die Pyramiden und die Umgebung des Porus acusticus externus.
Farbe im Ganzen schmutzig braun -gelb, stellenweise heller oder
dunkler. Oberfläche vielfach angegrifien, Knochensubstanz sehr zerreiblich.
Sutura coronalis, sagittalis und lambdoidea verstrichen 'oder stark
im Verstreichen, an der inneren Oberfläche im Allgemeinen in höherem
Grade als an der äusseren, übrigens regelmässig gebildet
Norma verticalis eiförmig. Norma occipitalis fünfeckig, die drei
oberen Winkel abgerundet der Spitzenwinkel ziemlich flach. In der Norma
temporalis erscheint der Umriss des Schädeldaches aus drei ziemlich
geradlinigen Abschnitten zusammengesetzt: der erste reicht bis etwa zur
Grenze zwischen zweitem und drittem Fünftel der Sutura sagittalis, der
zweite bis zur Mitte des Planum occipitale der Squama occipitalis, der dritte
bis zum hinteren Rande des Foramen magnum. Der höchste Punkt der
Scheitelcnrve fällt anscheinend in das zweite Fünftel der Sutura sagittalis.
,uglt
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Squama frontalis wenig gewölbt, Tuber frontale kaum bervortretend.
Foramina parietalia vorhanden, linkes grösser; Tuber parietale wenig aus-
geprägt. Protuberantia occipitalis externa sehr schwach markirt. Es
lassen sich beiderseits ca. 3 bis 4 cm weit deutliche Reste der Sutura
occipitalis transversa wabrnehmen. Im lateralen Theile der Sutura lamb-
doidea beiderseits Nahtknocben, darunter rechts zwei grössere. Planum
nuchale squamae occipitalis schwach skulpirt, nur Leiste für den Musculus
obliquus capitis superior sehr kräftig. Incisura mastoidea ziemlich tief.
Fossa mandibularis tief, mit kräftigem Ttiberculum articulare posticum,
besonders rechts. Linea temporalis frontal schwach ausgeprägt, weiter-
hin undeutlich, ihre supramastoidale Partie wulstig. Porus acusticus
extemus oval, vorgeneigt; Spina und Fossula supra meatum ausgeprägt.
Processus mastoideus massig gross. — An der Innenfläche am Os parietale
deutliche Sulci meningei, am Os occipitale die Eminentia cruciata stark
ausgeprägt.
Folgende Maasse lassen sich annähernd bestimmen: grösste Breite
ca. 144 mm, Intertuberal- Länge ca. 183 mm (?) (vorderer Messpunkt am
Schädel nicht erhalten), Ohrhöhe ca. 113 mm. Danach würde sich ein
Längen-Breiten-Index = 78,7 (?), ein Längen-Ohrhöhen-Index = 61,7 (‘.■‘)
ergeben, der Schädel also als raeso-orthocephal zu bezeichnen sein.
2. Ein Stück Alveolarfortsatz, entsprechend den linken Incisivi und
kleinen ar^renzenden Partieen, vom Unterkiefer eines etwa achtjährigen
Kindes. Es zeigt mehrfach, besonders am Limbus alveolaris incis. sin.,
grüne Färbung*).
Die Alveolen der beiden linken Incisivi des Milchgebisses sind voll-
ständig vorhanden, aber leer. Incis. 1 sin. des Dauergebisses nahe am
Durchbrechen, 2 war ungefähr ebenso weit entwickelt, ist aber verloren.
3. Ein Stück des linken Alveolarfortsatzes, entsprechend dem Caninus
bis Molaris 2, vom Unterkiefer eines etwa zwölfjährigen Kindes. Unten
ist an dem Bruchstück das Foramen mentale gerade noch erhalten. —
Von Zähnen sind vorhanden: vom Milchgebiss der 1. und 2. Molar, vom
bleibenden Gebiss 1. Molar, Caninus (mit der Krone bis zur halben Höhe
vorgerückt), Praemolaris 1 (im Begriff hervorzubrechen und den 1. Milch-
molaren zu ersetzen) und, noch im Kiefer verborgen, Praemolaris 2. —
Die drei functionirenden Zähne ersten bis leicht zweiten Grades abge-
schliffen; der Dauermolar ausserdem mit beginnender Caries.“
Beigaben sind nach Aussage des Schacht-
meisters nur in zwei Gräbern gefunden
worden und zwar ein Thongefäss bei dem
® j : Skelett eines Erwachsenen und eine Silber-
münze am Unterkiefer einer Kiuderleicbe,
M y- 1. letztere von Herrn Teetzmann gefunden.
H w ‘1®"* ursprünglich unverletzten, von
S y' ; ’ ■ ilen Arbeitern aber zerschlagenen Gefäss
\ / ist nur noch ein Bnichstück (Fig. 2) vor-
r', '•■/ banden, aus welchem sich die ungefähre
!T“! Form des Gefässes ersehen lässt. Es ist
Fis. 2. der natürlichen Grosse. «lavischen Burgwällen, Siedelungen
und Gräbern wiederholt aufgefundene henkellose Topf oder Napf mit ab-
der natürlichen Grösse.
*) Au diesem Unterkiefer ist die später erwähnte SilbermUnze gefunden worden.
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gestampft kegeligem Untertheil, auf welchem ein niedriger, eingeschnürter,
nach aussen geschweifter Hals mit scharf abgestrichenein Rand aufgesetzt
ist. Die Kante zwischen Hals und Bauch ist mit einer Reihe schräger
ovaler Eindrücke verziert. Der obere Durchmesser des Gefässes beträgt
13 cm, die Wandungsstärke 3,6 bis 7,o mm. Das Material ist reichlich
mit Quarzkörnchen durchsetzt; dichtgedrängte feine Horizontalstreifen auf
der Innenwandung und auf der Aussenseite des Halses weisen auf die
Herstellung mittels der Drehscheibe hin; der Brand ist hart, die Farbe
schmutzig- bis röthlichgelb, mit einzelnen schwarzen Flecken.
Die an der einen Seite beschädigte Silbermünze (Fig. 3) hat durch
Oxydation so stark gelitten, dass das Gepräge nur undeutlich sichtbar
wird. Der Rand ist beiderseits erhaben. Auf der besser
erhaltenen Seite sieht man innerhalb eines anscheinend
geperlten Kreises eiti Kreuz, zwischen dessen breitdrei-
eckigen Armen sich je eine Perle bez. eine Winkel-
verzierung mit Perle gegenüberstehen. Die Rückseite
zeigt in einem Kreis ein Kreuz mit schmalen Armen,
an deren Enden je zwei (oder drei?) Perlen stehen. Die Umschriften
zwischen Rand und Perlenkreis sind beiderseits unleserlich. Der Durch-
messer der Münze beträgt 11 mm. Nach Bestimmung durch Herrn
Geh. Hofrath Dr. Erbstein, Director der K. Münzsammlung in Dresden,
ist die Münze ein Wendenpfennig, sogenannter Hälbling der späteren
Gruppe aus dem 11. Jahrhundert nach Chr.
Das Niedersedlitzer Gräberfeld gehört demnach den ersten J.ahr-
hunderten des zweiten christlichen Jahrtausends an.
Die weitere Umgebung der Fundstätte ist ziemlich reich an Ueber-
resten aus slavischer Zeit. Manche der in der Nähe gelegenen Dörfer
lassen die alte slavische Dorfform des Rundlings noch jetzt deutlich er-
kennen, sehr klar z. B. Grossborthen, wie auch Niedersedlitz und Sobrigau
in ihren ältesten Theilen. Der jetzt zum grössten Theil eingeebnete
Burgwall auf der Höhe über dem Steinbruch an Adam’s Mühle bei Lock-
witz ist eine reiche Fundgrube für Gefässscherben vom Burgwall -Typus*),
ebenso wie die Herdstellen in den alten Siedelungen im Hof des Ritter-
gutes in Lockwitz und südlich von Neuostra au der Strasse nach Gostritz.
Derartige Herdstellen mit Gefässresten und ringförmigen Webstuhlgewichten
sind neuerdings in der Lehmgrube der Ziegelei von Pahlisch & Voigt in
Prohlis**) aufgeschlossen worden. Auch die bei Sobrigau entdeckten
Skelettgräber***) aus frühchristlicher Zeit sind von einer slavischen Be-
völkerung angelegt und dürften zeitlich von den Skelettgräbern bei Nieder-
sedlitz kaum verschieden sein.
*) .Sitzungsberichte der Lsis in Drc.sden 1878, S. 24; 1891, S. 11; 1898, S. 7.
*♦) Ueber Berg und Thal, 19(X), No. 3 (2(55), S. 2,'lt).
***) Ebenda, 1891, No. 3 (157), S. 125.
Fig. 3.
Natürliche Grösse.
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y. Yorliluftge Bemerkungen über die floristische
Kartographie von Sachsen.*)
Von Prof. Dr. O. Drude.
Von grösster Bedeutung und allseitig begründetem Ansehen ist der
Äntheil, welchen die Landesgeologie durch ihre genauen kartographischen
Aufnahmen an der Geographie Mitteleuropas genommen hat und weiterhin
vertieft ausarbeitet.
Dass die planmässigen Landesdurchforschungen auch hinsichtlich der
Flora schliesslich zu kartographischen Zusammenfassungen führen müssen,
ist selbstverständlich. Schon oft sind Uebersichtskarten den Floren bei-
gefügt; es ist zu wünschen, dass dieselben stets mehr in die hohen
Leistungen eintreten, welche den geologischen Landesaufnahmen seit lange
innewohnen. Es handelt sich hierbei — in Anbetracht Sachsens und
Thüringens — um die Aufnahme „kleiner Länder in grossem Maass-
stabe“, wie ich das Verfahren in Kürze auf dem internationalen Geographen-
tage zu Berlin 1899 charakterisirte und an die Formations- Kartographie
anschloss. (In dem darüber von der Hettner’schen ,, Geographischen Zeit-
schrift“, Jahrgang V, 1899, Heft 12, S. 697 enthaltenen Bericht ist irr-
thümlich als der Maassstab, unter welchen die topographisch -botanischen
Karten nicht wesentlich sinken sollen, 1 : 500000 anstatt 1 : 200000 an-
gegeben, was hier ausdrücklich hervorgehoben werden mag. Eine passende
Grundlage für die Flora um Dresden würden z. B. die beiden Blätter
31“61“ und 32“51'' Dresden und Bautzen, in 1:200000 herausgegeben
vom K. K. Militär-geographischen Institut in Wien, liefern. Dieselben
stellen das ganze Gelände zwischen Scheibenberg im Erzgebirge und dem
Muskauer Forst nördlich von Görlitz in brauner Gebirgsschununerung,
blauen Wasserläufen und grünen Waldflächen plastisch dar und erlauben
die Eintragung tloristisch hervorragender Punkte.)
Als allgemeinen Grundsatz für solche floristische Kartographien
betrachte ich, dass man mit allen Hilfsmitteln dahin strebt, die Be-
ziehungen der Bodenbedeckung zu den massgebenden äusseren
Factoreu in der Orographie und Hydrographie und dem dadurch
modificirten örtlichen Klima aufzudecken, und ferner bei der .\n-
gabe der herrschenden Formationsgruppen — Wald, Wiese, Moor, Haide,
•) Vortrag, gehalten in der botani-schen Section der natorwissenschaftlichen Ge-
sellschaft Isis m Dresden am 8. März ItClU.
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Felsgehänge, Teiche etc. — deren allgemeine Bezeichnung durch
Angabe der hauptsächlichsten Charakterpflanzen mit der
8j>eciellen Landesflora zu verbinden. Es sollen also die floristischen
Karten in ihrer Farbengebung ebenso ein deutliches topographisches Bild
des Landes, als auch die nothwendigen botanischen Einzelheiten dar-
bieten.
Botanische Institute können ihre systematischen Herbarsammlungen
durch genaue topographische Karten im Anschluss an besondere Formations-
herbarien ergänzen, wie das jetzt die botanische Sammlung der Technischen
Hochschule ausführt. Als Vorlage eines einzelnen Kartenblattes mag hier
die Section No. 67 der topographischen Karte von Sachsen 1 : 25000 dienen,
Blatt Pillnitz, welche in Farbstift-Colonrung die Formationen der Hügel-
wälder, Haidewälder, Bergschluchtenwälder mit Tanne und Bergahorn,
der sonnigen Geröllhänge mit trockenen Grastriften und Weinbergen, der
Flussniederungs- und der Moorwiesen am Bande von Teichen neben ein-
ander hinstellt und durch eingetragene Ziflern die besondere Formations-
auspräguug nach dem jetzt von mir dafür entworfenen Eintheilungsschema,
sowie die Standorte hervorragend wichtiger Species kenntlich macht.
Solche topographische Karten in 1:25000 sind zur Vervielfältigung
im Druck zu umfangreich; nur gleichsam als Probeblätter können einzelne
von besonderer Wichtigkeit herausgegeben werden. Sie eignen sich aber
vorzüglich als Unterlage für die im Druck herauszugebende, zusammen-
fassende Karte, besonders dann, wenn sie die Verbreitung solcher wichtiger
Arten genau darstellt, welche zur Kennzeichnung einzelner Formationen
besonders geeignet sind oder w'elche sogar die Abgrenzung kleinerer Landes-
territorieu begründen.
Auf diese Auswahl hervorragender Arten in der weiteren Umgebung
von Dresden möchte ich zunächst eingehen und deren Einzelstandoi-te, be-
ziehentlich Nord- oder Südgrenzen der Verbreitung zur genaueren Bekannt-
gabe durch vielfältige Mitarbeiterschaft empfehlen. Sie zerfallen natur-
gemäss in die drei Gruppen der Bergpflanzen, Arten des warmen Hügel-
landes und diejenigen der Lausitzer Teichniederung.
I. Montane Arten, deren Nordgrenzen genau festzustellen sind (bei
den mit * bezeichneten .selteneren Arten die Einzelstandorte in Voll-
ständigkeit).
Ahies pectinata
Acer Rcudoplatanus
Sambums racemosa
Senecio nemoreiisis
Actaea spicata
Prenanthes purpurea
Arunms silventer
Kuphorbia dulcis
Thalictnnn aquileaifoUum
Calamagrontis Himeriana
Luzula silvaticn
II. Arten des Hügellandes, deren Anschluss an das Elbhügelland
durch Süd- und Nordgreuzen genauer festzustellen ist, beziehentlich * öst-
liche Arten mit Westgrenzen in Sachsen.
Thlaspi alpedre
Meum atlmmanticnm
Cirsium heterophyllum
Orchis mascula
* — samhttcina
* — ylobosa
* Astrantia major
'Dianlhus Seguicri
*Denturia enneuphyüa
* Viola bißura.
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a) Leitpflanzen der Elbhügel-
Formationen.*)
b) Einzelstandorte.
Cytisus nigricans
Andropogun Ischactnum
Scabiosa ochrolenca
Peucedanum Oreosdinum
Pulsatilla pratensis
Centaurea maculosa (= panicuhta)
Antherimm Liliago
Carex humUis
I * Omphalodes scorpioidcs
i * OlaUiohis imbricatus
i *Iiosfi trachi/phylla subsp. Jinuhilli
* Symphytum tuberosum.
c) Gemeine Cbarakterarton des Hügellandes.
Verbascum Lychnitis
Chrysanthcm um corymbosum
Inula Conyza
Salvia pratensis
I Cynanchiim Vincetoxicum
■ Trifolium alpestre
I — montanuni
\ Dianthus Carthusianorum.
d) Nord- und Südgrenzen von Wiesenpflanzen.
Ornithogalum umbellatum 'Iris sibirica.
Hi. Atlantiscli- baltische Niederungsarten, deren Südgrenzen genau
festzustellen sind (bei den mit * bezeicbneten selteneren Arten die Einzel-
standorte in Vollständigkeit).
Teesdalia nudicauUs
Corynephorus canescens
Udichrysum arcnarium
Drosera intennedia
Peucedanum (Thyssdinum) palustre
Hydrocotyle vulgaris
Hydroeburis Morsus ranae
* Lysimachia thyrsiflora
'Carex filiformis
* Rhynchospora alba
* Rhynchospora f usca
' Lycopodiu m inundatum
* Oenfiana Pneumonanthe
'Erica Tetralix
' Alisma natiins
^ 'Stratiotes alaides
I 'Ledum palustre (im Elbsandstein-
j gebirge als niedere Bergpflanze).
Der besseren Uebersiebt wegen stelle ich dieselben Arten nochmals
in alphabetischer Iteihenfolgo mit abgekürzten Signaturen zusammen, welche
auf den topographischen Karten in 1:25 000 direct Verwendung finden
können :
Abies pectinata Ab. p.
Acer l^eudoplatanus A. Ps.
Actaea spicata .Act.
Alisma natuns Al. n.
Andropogon Ischaemum And.
Anthericum Liliago .A. L.
Aruncus Silvester Ars.
Astrantia major Ast.
Calainagrostis Halleriana C. H.
Carex filiformis Cr. f.
— humilis Cr. h.
i Centaurea maculosa Ct. m.
Chrysanthemum corymbosum Cb. c,
Cirsium heterophyllum Cs. h.
■ Corynephorus canescens Cor.
Cynanchiim Vincetoxicum Cyn.
! Cytisus nigricans C. ng.
’ Dcntaria cnneaphylla Dt. e.
Dianthus Carthusianorum D. C.
' — Seguieri D. S.
; Drosera intermedia Dr. i.
I Erica Tetralix E. T.
*) Siehe Festschrift der Isis IfWö, S. 84, und Isis- Abhandlungen 1895, S. .89.
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Euphorbia dtUcis Eu. d.
Gentiana Pneimonanthe G. P.
Gladiolus imbricatus Gl. i.
Helichrysum arenariuni Hel.
Hijdrocotyle vulgaris Hyd.
Hydrocharis Morsus ranae H. M.
Jnula Conyza I. C.
Iris sibirica Ir. 8.
Leduin pabistre Ld.
Luzula silvatica Lz. s.
Lycopoditim inundatum Ly. i.
Lysimachia thyrsiflora Ls. t.
Meum athamantiaim Mm.
Omphalodes scorpioides Omp.
Orchis globosa Or. g.
— mascula Or. m.
— sambttcina Or. s.
Omithogalum umbellatum Ot. u.
Pfucedanum Orcoselinum P. 0.
Peucedanum palustre P. pl.
Prenanthes purpurea Prn.
Pdsatilla pratensis Ps. p.
Rhynchospora aJba Rh. a.
— fusca Rh. f.
Rosa JundziUi R J.
' Salvia pratensis, Sl. p.
Sambucus racemosa Sb. r.
Scabiosa ochroleuca Sc. o.
Senecio ?iemorensis Sn. n.
Stratiotes aloides Str.
Symphytum tuberosum Sy. t.
Teesdalia nudicaulis Td.
Thalictrum aquilegifolium Th. a.
Thlaspi alpestre Thl.
Trifolium alpestre Tr. a.
— montanum Tr. m.
Verbascum Lychnitis V. L.
I Viola biflora Vi. b.
Die Beobachtnng der hier aufgeführten 60 Arten ist natürlich nur
an den Standorten wichtig, wo ihr Auftreten kein allgemeines ist Dadurch
aber, dass aus ihren das Land durchschneidenden Vegetatiouslinien sich
auf breite Grundlage gestellte Abgrenzungen der Territorien oder „Land-
schaften“ ergeben, sind sie berufen, eine wichtige Rolle zu spielen. Noch
viele andere Arten hätten aufgeführt werden können, deren Auftreten
sehr bezeichnend ist, z. B. im Hügellande Allium *montanuni (fallax) und
Peucedanum Cervaria; da aber diese hier nicht genannten Arten doch
im Umkreise der übrigen Leitpflanzen auftreten, so besagen sie für die
Territorial-.^bgrenzung nichts wesentlich Neues. Aber sie gehören selbst-
verständlich ebenso wie die zur Beobachtung in erster Linie empfohlenen
Arten zu den kennzeichnenden Species der betreffenden Formationen, auf
die es ja bei der Kartographie hauptsächlich ankommt.
Wie soll nun später die erstrebte Karte im .Maassstabe von 1 ; 200000
ausseheuV Wir besitzen aus dem südlichen Frankreich von Flahault
eine vortreffliche Vorlage in der floristisch kartographirten Section Per-
pignan, an welcher man Vergleiche ziehen kann. Auch Flahault erstrebt
eine genaue, plastische Territorial -Eintheilung und gewinnt dieselbe aus
den Arealen von charakteristische Waldungen mit Begleitpflanzen bildenden
Waldbäumen, neben denen noch Küstenlandschaften, alpine Wiesen und
andere baumlose Landschaften selbständig dastehen. Es ist leicht zu
zeigen, dass in Mitteldeutschland eine Kartographie nach den herrschenden
Waldbäumen unmöglich wäre oder nur stiitistische Forstkarten liefern
würde. Wie ich schon früher in „Deutschlands Pflanzengeographie“
auseinandergesetzt habe, ist auch die Unterscheidung unserer herrschenden
Waldformationen durchaus nicht nur in einzelnen Bäumen zu suchen,
sondern in dem Baumgemisch und dem Hinzukommen besonders kenn-
zeichnender Stauden und Gesträuche. Die Territorial-Abgrenzung
hat sich demnach auf die Gesammtheit der eine bestimmte
Landschaft auszeichnenden Merkmale zu stützen, und dazu ist
für jede sie darstellende Karte eine besondere, sehr gut durchdachte
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Erklärung nöthig, ohne welche eine Florenkarte gar nicht denkbar
wäre.
Im weiteren Umkreise um Dresden, dessen Flora sich wegen ihrer
Mannigfaltigkeit ganz besonders zu einer kartographischen Aufnahme
empfiehlt, kommen folgende Territorien zusammen;
1. Das Hügelland der mittleren Elbe mit sonnigen Felshüheu und
den Arten der oben genannten Gruppe II; dieses Territorium
wird östlich von Stolpen zum Lausitzer Hügellande;
2. das Erzgebirge im Süden mit der Hauptmasse der unter Gruppe I
genannten Montan- Arten;
3. das Lausitzer Bergland mit dem Elbsandsteingehirge, in welchem
einige neue Montan-Arten auftreten. andere fehlen;
4. das Muldenland im Westen (bei Nossen), gegen welches fast
alle Arten der östlichen Hügelgenossenschaft aus der Gruppe
Andropoijon Ischaemum ostwärts scharf abschneiden;
5. die Lausitzer Teich niederung im Norden mit der Hauptmasse
der unter Gruppe III genannten Niederungsarten.
Dies würden die wichtigsten bei uns zu unterscheidenden Theile sein
und die Generalkarte in 1:200000 würde deren Umgrenzung in rothen
Linien zu zeigen haben, ebenso wie der Text die Begründung der Be-
grenzungslinicn zu geben hätte. Flahault hat nicht farbige Grenzlinien,
sondern mit je einer Farbe voll angelegte Flächen auf seiner Karte für
die verschiedenen Waldareale gegeben. Ich würde cs aber vorzichen, die
verschiedenen Farben, in stets wiederkehrender Weise und gleichmässig
in den genannten Territorien angewendet, für die Stellen mit charakteristi-
schen Ausprägungen der herrschenden Formation zu gebrauchen. Indem
ich mich in <lieser kurzen Uebersicht nur an die in den Abhandlungen der
Isis 1898, S. 80 gegebene Formationsgliederung halte, nenne ich für die-
selbe folgende Farbenwahl:
I — III. Wälder: grün; Unterscheidung durch eingeschriebene Ziffer
der genauer charakterisirten Formation; Bruchwälder mit blauer
Schraffiruug vom Wasser her, ebenso montane Quellfluren.
IV. Kiefernhaide, Sandfluren etc.: gelbe Flächen.
V. Hain-, Fels- und Geröllfluren: gelbe Abhangs- und Fels-
zeichnung in gebrochenen Linien; bei (montan -subalpine
Felsen) tritt br.aune Farbe dafür ein.
VI. Wiesen: grüne Schraffirung.
VH. Moore: blaue Schraffirung.
VIII. Berghaide und Borstgrasmatte: rothbraune Flächen, bei
vorhandenen Geröllabhängen in gebrochenen Linien.
IX. Binnengewässer: blaue Flächen, beziehentlich Flussläufe in
blauen Linien.
X. Culturformationen: weisse Flächen.
Somit wären einschliesslich des Roth für die Territorialgrenzcn nur
fünf Farben in Anwendung, deren Zahl unter Zuhilfenahme von ZiflTeru
für die Einzelformationen genügen müsste, ein plastisches Bild von dem
Lande in Gelände und Flora zu geben. Da ich Gewicht darauf lege, dass
diese Farben auf das richtige orographische Kartenbild aufgelegt er-
scheinen, nicht aber (wie bei geologischen Karten üblich) auf weisse
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Fläche mit allein eingetragenen Städtenamen und Flüssen, so wird kaum
an eine Verwendung von mehr Farben gedacht werden können, wenn die
Deutlichkeit erhalten bleiben soll. Das kann man an den schon jetzt in
Braun, Blau und Grün gehaltenen Karten des K. K. Militär-topographischen
Instituts deutlich sehen. Auch ist zu bedecken, dass in vielen Territorien
die eine oder andere P'arbe ganz fehlen würde, z. B. die gelbe Farbe im
Erzgebirge, die rothbraunen Flächen in allen Territorien mit warmen
Hügelformationen, so dass diese beiden Farben sich nahezu ausschliessen.
In dieser Weise halte ich die Kartographie des interessanten Floren-
gebietes von Sachsen für ausführbar, ebenso auch die anderer durch
gleich interessantes Rorengemisch ausgezeichneter Gegenden Deutschlands,
während grosse Territorien mit gleichmässiger Flora, z. B. weite Strecken
Norddeutschlands, überhaupt auf Uebersichtskarten in viel kleinerem Maass-
stahe genügend dargestellt werden können. Es wird darauf ankommen,
den für das Interesse der betreffenden Gegend nothwendigen kleinsten
Maassstab der Kartenunterlage herauszufinden, um die Herausgabe solcher
Karten zu einem möglichst geringe Kosten beanspruchenden Unternehmen
zu machen.
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YI. Bemerkungen über das Yorkomnien des schwarz-
bauchigen Wasserschmätzers und einiger anderer
seltenerer Vögel im Königreiche Sachsen.*)
Von Prof. Dr. H. ITltsohe-Tbarandt.
Der bekannte Charaktenrogel unserer Forellenbäche, den man als
Wasserschmätzer, Wasseramsel, Wasserstaar, wohl auch als Wasser-
schwätzer — letzterer Name nach meiner Ansicht ursprünglich eine jetzt
allerdings durch den langen Gebrauch völlig sanctionirte t erdrehung des
richtigeren Wasserschmätzer — bezeichnet, wurde von Linne in der für
die wissenschaftliche Nomenclatur maasgebenden X. Auflage seines „Systenia
Naturae“ als Sittrvus Cinclus bezeichnet. Im Jahre 1802 entfernte Bech-
stein passender Weise den Vogel aus der Gattung Sturnus, gründete,
den Linne’schen Speciesnamen als Gattungsnamen benützend, für ihn das
Genus Cinclus, und veränderte in der bei solchen Anlässen früher be-
liebten Weise den ursprünglichen Speciesnamen in „aquaticus“, da man Be-
zeichnungen mit gleichem Art- und Gattungsnamen damals verschmähte
und die absolute Unveränderbarkeit des mit nicht raisszudeutender Kenn-
zeichnung gegebenen ersten Artnamens noch nicht zum Gesetz erhoben
war. Lange Zeit wurde daher der Wasserschmätzer allgemein als Cijicliis
aquaticus Bchst. bezeichnet.
Genauere Untersuchung vieler Stücke zeigte nun aber bald, dass der
Wasserschmätzer auch erwachsen in verschiedenen Kleidern verkommt.
Dies wurde wohl zur ersten Veranlassung, die Art zu spalten. Am weitesten
ging hierin Christian Ludwig Brehm, der 1823 in seinem „Lehrbuche der
Naturgeschichte aller europäischen Vögel“ drei verschiedene Arten anführt;
den braunbäuchigen Wasserschmätzer, C. aquaticus Bchst.,
den nordischen Wasserschmätzer, C. se]>tvntrionalis Brehm,
den schwarzbäuchigen Wasserschmätzer, C. melanogaster Brehm.
1831 fugt er in dem „Handbuch der Naturgeschichte aller Vögel
Deutschlands“
den mittleren Wasserschmätzer, C. medius Brehm,
zu, und schliesslich 1836 in seinem „Vogelfang“ noch
den südlichen Wasserschmätzer, C. metidionalis Brehm.
*) Per den Wasscrsohmiltzer behandelnde Theil dieses Aufsatzes ist die Nieder-
schrift eines am 17. Mai 1!K)0 in der zoologischen Section der naturwissenschaftlichen
Gesellschaft Isis in Dresden gehaltenen Vortrages.
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IJei der Trennung dieser Arten berücksichtigte er aber nicht nur die
Färbung, sondern auch angeblich constante Unterschiede in den plastischen
Merkmalen und den Körperniaassen, sowie die gleichfalls angeblich con-
stant verschiedene Anzahl der Schwanzfedern.
Die Unhaltharkeit einer solchen Zersplitterung, von der sich J. F.
Naumann völlig frei hielt, weist J. H. Blasius in der Fortsetzung der
Xachträge zu Naumann's Naturgeschichte der Vögel Deutschlands 1860
schlagend nach. Er schliesst seine Auseinandersetzung mit den Worten:
„Ueberblicke ich die ganze Reihe von 48 vor mir liegenden Exemplaren
verschiedenen Geschlechts und Gefieders aus Nordrussland, Skandinavien,
von der Ostsee, vom Harz, aus verschiedenen Gegenden der Alpen und
aus Spanien, so muss ich eine jede Speciesunterscheidung der euro-
päischen Wasserschmätzer für unnatürlich und unmöglich erklären.“
Nach dieser Auffassung steht also die gesammte Menge aller euro-
päischen Wasserschmätzer, die darin übereinstimmen, dass sich hei ihnen
die weisse Brust gegen den übrigen dunkleren Theil der Unterseite scharf
absetzt, als eine grosse Art scharf gegenüber dem asiatischen braunen oder
einfarbigen Wasserstaar, der als Irrgast auch zu den europäischen Vögeln
gerechnet werden kann, da Gätke berichtet, derselbe sei zweimal auf
Helgoland zwar nicht erlegt, aber doch beobachtet worden. Es werden
diese Beobachtungen gegenwärtig auf die in Ostsibirien, China und Japan
heimische Form Cindxis BaUasi Temm. bezogen. In wie weit die jetzt
in der Litteratur beschriebenen weiteren beiden einfarbigen Arten, C. asior
ticus Sw. aus dem Himalaya und Afghanistan und C. sordidus J. Gd.
aus Nordkaschmir und Tibet wirklich von C. PüUasi unterschieden sind,
ist noch nicht sicher zu übersehen. Mir ist es wahrscheinlich, dass auch
die drei letzteren Arten nur Farbenvarietäten einer grossen asiatischen
Art sind.
Ist dies richtig, so wären die altweltlichen ttwclws- Formen in zwei
Arten zu trennen, in den weisskehligen europäischen Wasser-
schmätzer und den einfarbigen asiatischen Wasserscbmätzer.
Diese Arten müssten dann, da nach den von der „Deutschen Zoologischen
Gesellschaft“ festgestellten „Regeln für die wissenschaftliche Benennung
der Thiere“ bezeichnet werden als Cinclus dnchis L. und Cinchis pallasi
Temm. Es sind nach diesen Regeln nämlich jetzt auch Artbezeichnungen
mit gleichem Art- und Gattungsnamen zulässig, und es wird empfohlen,
die Artnamen nach dem Vorgänge der englischen und amerikanischen
Zoologen stets, also auch, wenn sie den Genitiv eines menschlichen, sonst
gewöhnlich mit grossem Anfangsbuchstaben geschriebenen Namens dar-
stellen, mit kleinem Anfangsbuchstaben zu schreiben.
Solche grosse Zusammenfassungen können natürlich in keiner Weise
die unzweifelhaft feststehende Thatsache verschleiern , dass es deutliche
Färbungsunterschiede unter den verschiedenen Exemplaren des weiss-
kehligen europäischen Wasserschmätzers giebt, welche, wie ich aus Nau-
mann, Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropa’s, herausgegeben von
C. Hennicke, der neuen Auflage der Vögel Deutschlands von J. F. Nau-
mann entnehme, neuerdings einschliesslich der weisskehligen, inzwischen
auch aus Nordasien bekannt gewordenen Formen nach Dress er in nicht
weniger als 10 Unterarten vertheilen lassen. Dass nach den neueren An-
schauungen die besondere Bezeichnung solcher auf sehr geringfügige
Unterschiede hin, ja sogar hlos nach Grössenverhältnissen zulässig ist.
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34
muss zugestanden werden; ob die Dresser’sche Abgrenzung derselben
glücklich ist, wage ich nicht zu entscheiden.
Auf jeden Fall steht aber fest, dass man die weisskehligen Europäer
nach der Färbung wieder in zwei verschiedene Gruppen zerlegen kann.
Bei der einen, in unseren Breiten häufigsten nnd daher meist als Normal-
form angesehenen, folgt auf den weissen, scharf ahgesetzten V’orderhals
eine mehr oder weniger breite rostbraune Binde auf der Vorderbrust, die
allmählich in die dunkel schwarzhraune Unterseite verläuft. Bei der
anderen, bisher mehr aus den nördlichen und östlichen Gegenden bekannt
gewordenen fehlt dagegen diese rostbraune Färbung und es folgt auf den
weissen Vorderhals direct die dunkel schwarzbraune Färbung. Dass, wie
J. U. Blasius behauptet, auch bei dieser dunkleren Farbenvarietät stets
wenigstens eine schmale röthlichbraune Querbinde hinter dem Weiss der
Unterseite vorkommt, kann ich nicht bestätigen, da in der Tharandter
Sammlung letztere einem 1881 von Schlüter in Halle gekauften schwedischen
Weibchen völlig fehlt.
Es ist ferner klar, dass es diese dunkle Form ist, die Linne be-
schrieben hat. Lautet doch seine Diagnose einfach ,,S(turnus) niger,
per.tore albo“. Hiernach ist also diese dunkle Form als Typus der Gattung
anzusehen und im Einklang mit der von der Deutschen Zoologischen
Gesellschaft im „Thierreich“ angewendeten Nomenclatur als Cindm cindm
typicus zu bezeichnen. Die Brehm’schen Namen C. Siptentrumalis und
C. melanogaster können nur als Synonyme angeführt werden. Die An-
erkennung, dass die dunkle Form die typische ist, sollte daher auch in
den speciell die deutsche Fauna behandelnden Werken klar zum Aus-
drucke kommen, so gross auch die Versuchung sein mag, hier die häu-
figere, rostbäuchige voranzustellen.
Eine weitere Frage ist, ob man mit Rudolf Blasius, dem Bearbeiter
des die Gattung Cinclns betreffenden Abschnittes in der neuen Ausgabe
von Naumann die schwarzbäuchige Farben Varietät als Localform an-
seheu darf. Dazu scheint mir doch ihre Verbreitung eine zu sporadische
zu sein. Denn mag auch der nordische Wasserschmätzer vorzugsweise in
Skandinavien und Nordrussland brüten, so kommt er, wie R. Blasius
selbst hervorhebt, doch auch in Pommern und nach Prazak auch in den
grösseren Höhen der Tatra und in den Karpathen als Brutvogel vor.
Er reicht aber auch viel südlicher. So berichtet neuerdings 0. Reiser
in seinen „Materialien zu einer Omis Balcanica, IV. Montenegro“; „Von
der aus einem Dutzend E.xemplaren bestehenden Suite Montenegrinischer
Wasserschmätzer, welche Führer im October und November 1893 in den
Gewässern in der näheren und weiteren Umgebung von Podogorica zu-
sammenbrachte, gehört etwa ein Drittel entschieden zur südlichen Fomi
meridionalis Chr. L. Br. (= aUncollis Vieill.), ein Drittel ist so dunkel, dass
man die Vögel füglich zur var. melanogaster rechnen könnte, und das
letzte Drittel besteht aus Zwischenstufen in der Färbung. Alle Exemplare
haben 12 Steuerfedern. Diese Wasserschmätzer stammen offenbar aus den
Gebirgen des Landes und brachten den Späthberbst und Winter an den
Flussläufen der Niederung zu, wo sie im Sommer nur selten zu sehen sind.“
Ich selbst habe ferner neuerdings Beweise von dem Vorkommen der
schwarzbäuchigeu Form in Sachsen und zwar als Brutvogel erhalten. An
dem durch Tharandt fliessendeu Schloitzbache, wenig oberhalb der Stadt
wurden am 8. Januar 1900 durch einen jugendlichen Schützen zwei sich
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zusammen haltende Wasserschmätzer erlegt und mir übergeben. Da ich
seither an diesem Wässerchen die sonst jahraus jahrein dort hausenden
Wasserschmätzer vermisse, bin ich geneigt anzuneWen, dass es das hier
seit langer Zeit eingewöhnte Paar war, das im Januar erlegt wurde. Das
Geschlecht konnte ich an den Stücken nicht mehr bestimmen, sie waren
zu zerschossen. Das eine Stück zeigte nun die gewöhnliche Färbung, nur
war die röthliche Binde sehr schmal; das andere war dagegen tj-pisch
schwarzbäuchig, ohne Spur von rostroth, so dass man es, mit dem alten
Brehm zu reden, als C. melanoyaster ansprechen muss. Hiervon über-
zeugte sich auch llud. Blasius, dem ich die Exemplare schickte (vergl.
Beilage zur Morgenausgabe der Braunschweigschen Landeszeitung vom
21. April 1900). Immerhin fehlt in diesem Falle der absolut sichere
Beweis, dass es sich hier um Tharandter Brutvögel handelte.
Anders liegt ein zweiter Fall. Am 8. Mai erhielt ich aus Nieder-
bobritzsch d. h. aus einem 6 km östlich von Freiberg i. S. in einer mittleren
Meereshöhe von 400 m an der Bobritzsch, einem im Erzgebirge ent-
springenden Zuflusse der Freiberger Mulde, gelegenen Dorfe, durch einen
Herrn, der irrthümlicher Weise glaubte, der Sächsische Fischerei-Verein
prämiire auch die Erlegung dieser unschuldigen Vögelchen, wiederum ein
Paar frisch erlegter Wasserschmätzer. Hier konnte ich durch anatomische
Untersuchung die Geschlechtsverhältnisse feststellen. Das eine Stück war
ein völlig reifes Männchen, das andere ein Weibchen, dessen Eierstock
deutlich erkennen Hess, dass es bereits heuer Eier gelegt hatte. Das
Männchen war ein typisch schwarzbäuchiger N'ogel, das Weibchen dagegen
hatte zwar eine schmale braune, aber durchaus nicht röthlich braune
Binde und stand einem echten Schwarzbauche sehr nahe.
Der zuletzt geschilderte h'all beweist einmal deutlich, dass die schwarz-
bäuchige Form des Wasserschmätzers auch als Brutvogel Heimathsrecht
in Sachsen hat, andererseits aber ebenso klar, dass sie nur eine indivi-
duelle Varietät darstellt, mag sie auch im Norden häufiger sein, als im
Süden. Auch werden beide Extreme durch alle möglichen üebergänge
mit einander verbunden.
Zum Schlüsse füge ich das Verzeichniss einiger im Laufe der Jahre
im Königreiche Sachsen erlegter und in die Sammlung unserer Forst-
akademie gelangter, seltenerer Vögel bei.
Lojia bifasciata Brehm, Weissbinden-Kreuzschnabel. Jüngeres <f,
Schneeberg im Erzgebirge, 1856.
Tichodroma muraria (L.), Alpenmauerläufer. Auf Postelwitzer Revier
bei Schandau a. d. Elbe 1859 gefangen; gestopft von C. F. Hohlfeld
in Ottendorf, erworben von B. W. Hohlfeld 1879. Noch jetzt kommen
nach Aussage der Königl. Revierverwaltung gelegentlich Mauerläufer
in den dortigen Steinbrüchen vor.
Strir (Nijctca) scandiaca B„ Schneeeule. Aelteres Exemplar mit geringer
dunkeier Zeichnung. Zu Plagwitz bei Wurzen Anfang November 1888
erlegt und frisch hierher gesendet.
CircaHuf; gallims (Gm.), Schlangenadler. 9, auf Kreyerer Revier bei
Moritzburg am 14. August 1888 erlegt und frisch hierher gesendet.
Syrrhaptes paradoxus (Pall.), Steppenhuhn. 9, auf Reinhardtsdorfer
Revier in der Sächsischen Schweiz am 5. Mai 1888 erlegt und frisch
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hierher gesendet. Nach diesem Exemplar wurden die in der ..Deutschen
Jägerzeitung“ Bd. XI, S. Sä46 hetindlichen Abbildungen von mir ge-
fertigt. Die dort gegebene Zeichnung der Sohle des Busses ist als
in den meisten übrigen Darstellungen des Thieres fehlend besonders
hervorzuheben.
Himantopus himantopns (U), Stelzenläufer. Drei junge Exemplare
wurden im August 1899 an einem Teiche bei Scheibenberg im Erz-
gebirge in einer Seehöhe von ungefähr 650 m erlegt und als „junge
Reiher“ zur Prämiirung hierher eingeseiidet.
Ardea purpurca L., Purpurreiher. Nur der Kopf vorhanden, der behufs
Erlangung der Schusspräraie eingesendet wurde und von einem in
Königswartha am 9. September 1892 erlegten jungen Vogel stammt.
Anser minutus Naum., Zwerggans. Junges 9, auf Reinhardtsdorfer
Revier in der Sächsischen Schweiz am 17. November 1888 verendet
gefunden und im Eleisch hierher gesendet.
Anser (Branta) bernicla (l/.), Ringelgans. Junger Vogel, hei Grossenhain
erlegt una bereits gestopft der Sammlung geschenkt.
Fidigula hyemaUs (L), Eisente. Erwachsenes d. auf dem Tharandter
Schlossteiche (wahrscheinlich in den vierziger Jahren) erlegt.
Fnligida marila (L.), Bergonte. cf, auf der VVesenitz bei Pillnitz am
1. Januar 1900 erlegt.
Oedemia fusca (L), Sammetente. Junges J, auf dem Tharandter Schloss-
teiche am 7. November 1888 durch Rittmeister von Jäckel erlegt.
Podiccps aurittis (L.), arktischer Steissfuss. Todt auf einem Bache
bei Grumbach in der Nähe von Tharandt eingefroren gefunden am
14. Januar 1888.
Tharandt, den 14. Juli 1900.
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VII. Der Pläiierkalkbruch bei Weinböhla.
Von Prof. Dr. W. Bergt.
(Mit Tafel I.)
In der kleinen Abhandlung „Die Melaphyrgänge am ehemaligen Eisen-
hahntunnel im l’lauenschen Grunde hei Dresden“, Abhandl. Isis Dresden
1895, S. 20 ist der Verfasser scheinbar schlecht unterrichtet gewesen.
Denn die darin vollständiger Vernichtung preisgegebenen Gänge sind durch
Strassenhau zwar bedeutend gekürzt, dem „mente et malleo“ der Geo-
logen jetzt sogar näher gerückt und zugänglicher gemacht als vordem.
Darauf wies bereits Dr. H. Francke am 1. üctoher 1896 hin*). Der
Verfasser ist für diese falsche Nachricht insofern unverantwortlich, als er
in dem Aufsatze lediglich den Auftrag des damaligen Vorsitzenden der
mineralogischen Isisabtheilung ausführte, in gedrängter Zeit „den Lebens-
lauf und die Schicksale“ der Melaphyrgänge zu einem Sterbelied zusammen-
zustellen, während das Todesurtheil von der anderen Seite gefällt war**).
Heute freilich kann der Verfasser aus eigener Anschauung und mit
persönlicher Verantwortlichkeit von dem Verfall einer anderen geologischen
Sehenswürdigkeit in Dresdens Umgebung berichten. Seit drei Jahren ist
in den Kalkbrüchen von Weinböhla der Betrieb eingestellt, und damit
dürften die geologischen Erscheinungen, welche zu den interessantesten
und wichtigsten Sachsens gehören, bis zu einer etwaigen Neuaufnahme
des Kalkabbruches allmählicher Verwischung und schnell fortschreitender
Vernichtung anheim gegeben sein.
Während nach unseren jetzigen Anschauungen und Erfahrungen den
erwähnten Melaphyrgängen im Laufe eines Jahrhunderts zu grosse geo-
logische Bedeutung beigemessen***) und zu viel Ehre angetban worden
ist, lassen die folgenden Erörterungen erkennen, welche unendlich grössere
Wichtigkeit den Verhältnissen im Kalkbruch zu Weinböhla im Verein mit
einigen anderen Punkten Sachsens und Böhmens nicht nur für die Geo-
logie Sachsens, sondern auch für die Entwickelung der geologischen An-
schauungen überhaupt innewohnt.
Bekanntlich verläuft auf der rechten Elbseite von Oberau bei Meissen
über Weinböhla, Hohnstein und Saupsdorf in Sachsen, Sternberg und
*) Sitzungsberichte Isis Dresden ]8!H), S. :U.
**) Vergl. auch Sitzungsberichte Isis 1895, S. 10.
***) Vergl. z. B. H. B. Öeiuitz in Abhandl. Isis Dresden 1895, S. .30 — 32.
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38
Khaa in Böhmen bis zum Jeschkengebirge die sogenannte Lausitzer Haupt-
verwerfung. Das ist ein Bruch, an dem sich die getrennten Gebirgstheile
gegen einander bewegt haben. Dabei ist zunächst, relativ betraclitet, der
nordöstliche Theil vertical nach oben, zum Theil auch seitlich nach
SW. über den anderen Theil hinübergeschoben worden, so dass die hier
in Betracht kommenden jüngeren Kreideschichten (Quadersandstein, Pläner
und Kalk) tiefer, an den Bruchrändern geradezu unter den älteren Bildungen
der nordöstlichen Hälfte liegen. Die Geologie ist wohl nie in der glück-
lichen Lage, derartige Bruchlinien ununterbrochen zu beobachten. Auch
hier bei dieser Verwerfung gewährten nur einzelne, oft weit aus einander
liegende Punkte durch günstige Aufschlüsse unmittelbaren Einblick. Und
das war für die Lausitzer Hauptverwerfung seit fast einem Jahrhundert
in den Kalkbrüchen von Weinböhla der Fall. Hier konnte mau ausser-
dem bis zuletzt und in der ausgezeichnetsten und klarsten Weise eine
häufige Begleiterscheinung von Verwerfungen beobachten, nämlich die
Aufrichtung geschichteter Gesteine an solchen Verwerfungsklüften aus
der ursprünglichen horizontalen in eine mehr oder weniger steile
Lage.
Der Abbau des Weinböhlaer Plänerkalkes, welcher der turonen Stufe
des Inoceramus Bronqniarti angehört, hat 1823 in den nordwestlichen
Theilen der Kalkscholle begonnen und ist immer mehr nach Südosten
gerückt. In jenen war der hinter und über dem Kalk liegende Syenit
sichtbar, wie die bunte Carus’sche Zeichnung bei Weiss (Litt. No. 3, Taf. VII)
vortrefl'lich vorführt. In letzter Zeit wurde nur noch im südöstlichsten
Theile gebrochen. Hier ist man an der nordöstlichen Wand nicht bis an
den Syenit gekommen. Tafel I giebt die Verhältnisse Mitte der neunziger
Jahre wieder. Fig. 1 zeigt den Bruch von dem Wege aus, der an der
südwestlichen Seite entlang von NW. nach SO. läuft. Auf der rechten
Seite, etwa rechtwinkelig zur Bildfläche befindet sich die Wand der F'ig. 2
und in der Mitte von Fig. 1 deutet ein weisses Kreuz die von Kalkowsky
beschriebenen Sandsteingänge an (Litt. No. 34), welche in Fig. 3 etwas
grösser dargestellt sind. Sie verlaufen etwa rechtwinkelig zur Bildfläche,
rechtwinkelig zur Verwerfung und parallel zur Wand. Fig. 2 lässt deutlich
die Umbiegung der Kalkbänke aus der horizontalen Lage in die senk-
rechte erkennen. Die Grenze zwischen dem Pläner und Haidesand tritt
deutlich hervor.
Hätte der Verfasser von dem Aufliören des Abbaues und dem schnellen
Verfalle Kenntniss gehabt, dann würde er die nur gelegentlichen und
mangelhaften Aufnahmen durch bessere ersetzt haben. Unter den gegen-
wärtigen Verhältnissen glaubte er aber auch hiermit der OeffenÜicbkeit
einen kleinen Dienst zu erweisen und die Bilder nicht untergehen lassen
zu sollen, zumal da bisher nur schematische Profile von dem südöstlichen
Bruche bei Weinböhla vorhanden sind.
Geschichtlicher Rückblick.
Die Geschichte und Entwickelung der Lausitzer Verwerfungsfrage ist
zwar auch in den letzten Jahrzehnten wiederholt dargestellt worden (Lenz,
Litt. No. 2Ü; Bruder, No. 29; Siegert und Beck, No. 32; Uothpletz, No. 33),
aber mehr mit Bezug auf Hohnstein und das Allgemeine. Das folgende
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39
Lätteraturrerzeichniss stellt Weinböhla in den Vordergrund und der Rück-
blick soll in erster Linie zeigen, welche Rolle die dem Verfalle entgegen-
gehenden Brüche von Weinböhla gespielt haben.
Litteratur.
1. Weiss, Chr. Sam.: lieber einige geognostische Punkte bei Meissen
und Hohnstein. Karsten’s Archiv für Bergbau und Hüttenwesen XVI,
1827, S. 3 — 16. (Vollständig abgedruckt in Leonhard’s Zeitschrift
für Mineralogie 1827, II, S. 518 — B28.
2. Keferstein, Cb.: Teutschland, geognostisch- geologisch dargestellt.
V, B. Stück, 1828, S. 67 — 71. (Ausführlicher Auszug aus Weiss mit
einer Nachschrift von Keferstein.
3. Weiss, dir. Sam.: Zur Erläuterung der beiden Abbildungen des
Steinbruchs von Weinböhla bei Meissen. Karsten’s Archiv für
Mineralogie I, 1829, S. 156 — 160, Taf. VI, VII.
4. Beaumont, Elie de: Annales d. sc. nat. f. 1829 (nach Kühn
S. 745).
5. Klipstein, A.: Mittheilung an Bronn. Leonhard’s Zeitschrift für
Mineralogie 1829, S. 495 — 613 (wesentlich nur Hohnstein S. 607; 510
theoretische Erörterungen).
6. Naumann, C. F.: lieber die Granitformation im östlichen Theil des
Königreichs Sachsen. Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie
19, 1830, S. 437— 440.
7. Kühn, K. A.: Handbuch der Geognosie. 1833, S. 737 — 754, 1013,
1014.
8. Münster, G. Graf zu: Mittbeilung. Neues Jahrbuch f Min. 1833,
S. 68; auch in Keferstein VII, II, 1, S. 2.
9. Leonhard, C. von: Einige geologische Erscheinungen in der Gegend
um Meissen. Neues Jahrbuch f. Min. 1834, S. 127 — 150, Taf. III,
IV. ff. 144-150.
10. Buch, L. von: Mittheilung an Bronn. Neues Jahrbuch f. Min. 1834,
S. 532 - 534.
11. Bericht, kurzer, über die in der mineralogisch-geognostischen Section
der Versammlung deutscher Naturforscher im September 1834 in
Stuttgart abgehandelten Gegenstände. Neues Jahrbuch f. Min. 1835,
S. 48.
12. Gumprecht, T. E. : Beiträge zur geognostischen Kenntniss einiger
Theile Sachsens und Böhmens. 1835, S. 108 — 183.
13. Naumann, K. Fr.: Einige Bemerkungen zu Herrn T. E. Gumprechts
Schrift: Beiträge u. s. w. Neues Jahrbuch f. Min. 1836j S. 1 — 13.
Anmerkung von C. von Leonhard.
14. Cotta, B.; Geognostische Wanderungen I. 1836.
15. — Aufforderung an das geognostische Publikum, die Erforschung der
Altersbeziehungen zwischen Granit und Kreide in Sachsen betreffend.
Neues Jahrbuch f. Min. 1836, S. 14 — 29.
16. — Berichte über die Arbeiten bei Hohnstein. Neues Jahrbuch f. Min.
1836, S. 571/2, 577.
17. — lieber die bisherigen Resultate der geognostischen Untersuchungen
bei Hohenstein. Ein am 25. September 1836 bei der Versammlung
in Jena gehaltener Vortrag. Euenda 1837, S. 1 — 9, 314.
•«
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40
18. Cotta, B.: Geognostische Wanderungen II: Die Lagerungsverbältnisse
an der Grenze zwischen Granit und Quadersandstein bei Meissen,
Hobnstein, Zittau und Liebenau. 1838. Taf. III, Fig 8.
19. — Bericht über das vorige. Neues Jahrbuch f.Min. 1838, S. 307 — 31Ü.
20. Naumann, C.F., und Cotta, B.; Geognostisclie Beschreibung des König-
reiches Sachsen. 5. Heft. 1845, S. 127, 380, 418, 450.
21. Geinitz, H. B.: Das Quadersandsteingebirge oder Kreidegebirge in
Deutschland. 1849, S. 53 4; S. 40 Analyse des Plänerkalkes.
22. — Charakteristik der Schicliten und Petrefacten des sächsisch-böhmi-
schen Kreidegebirges. 1850 (.S. 4 Analyse des Plänerkalkes von Wein-
böhla).
23. Gutbier, A. von: Geognostische Skizzen der sächsischen Schweiz.
1858, S. 47—54, Fig. 50 auf S. 48.
24. Wunder, Herbrig und Eulitz: Der Kalkwerkbetrieb Sachsens. 1867,
S. 10, 17, 22, 56, 63 (S. 17 3 Analysen des Kalkes von Weinböhla).
25. Körnich, A.: Geologie der Umgegend von Meissen. 1870,8.234.
26. Lenz, 0.: Ueber das Auftreten der jurassischen Gebilde in Böhmen.
Zeitschr. f. d. ges. Naturw. 1870, Mai.
27. Geinitz, II. B.: Das Elbthalgebirge in Sachsen. 2 Bde. 1871 — 1875.
28. Dechen, H. von: Ueber grosse Dislocationen. Sitzungsber. nieder-
rbein. Ges. Natur- und Heilkunde 1881, S. 18 — 25.
29. Bruder, G.: Die Fauna der Jura-.\blagerung von Ilohnstein in
Sachsen. Denkschriften kais. Ak. Wiss.; mathem. natunv. Klasse, Wien
1885, S. 4 (siehe dort das ausführliche Litteraturverzeichniss).
30. Hettner, A.: Der Gebirgsbau der sächsischen Schweiz. 1887,
S. 21—28.
31. Suess, G.: Das Antlitz der Erde I. 1883—1888, S. 181, 275—276.
32. Siegert, Th.: Blatt Kötzschenbroda (No. 49) der geologischen Special-
karte des Königreichs Sachsen. 1892. Erläuterung: S. 3, 35, 46,
schematische Profile S. 45. Karte; Randprofil 2 und 3. Vergleiche
auch die Blätter Pillnitz No. 67, S. 41; Ilohnstein -Königstein No. 84,
S. 23; Sebnitz-Kirnitzscbthal No. 86, S. 29; Hinterhermsdorf-Daubitz
No. 86, S. 27.
33. Rothpletz, A.: Geotektouische Probleme. 1894, S. 101 — 100.
34. Kalkowsky, E.: Ueber einen oligocänen Sandsteingang an der I.,au-
sitzor Ueberscbiebnng bei Weinböhla in Sachsen. Abhandl. Isis
Dresden 1897, S. 80—89, Taf. 111.
35. Beck, R. : Geologischer Wegweiser durch das Dresdner Elbthalgebiet
zwischen Meissen und Tetschen. 1897, S. 66 7.
.36. Nessig, R.: Geologische Excursioncn in der Umgegend von Dresden.
1898, S. 81—83.
37. llerrmann, 0.: Steinbruchimlustrie und Steinbnichgeologie, 1899,
S. 187, 288, 313 (S. 288 Analysen nach Geinitz und Wunder).
Zwar ist zuerst im Jahre 1827 eine gedruckte Mittheilung über Wein-
böhla an die Oefl'entlichkeit gelangt. Nach einer Anmerkung bei Leonh.ird
(Litt, No. 9, S. 145j aber liegt die erste Beobachtung der merkwürdigen
Lagerungsverhältnisse noch um 10 Jahre zurück.
„Herr Professor Reich zu Freil>erg sah — so erzählte man uns in Sachsen —
bereits 1818 die Auflagerung des Syenits auf l’ISner bei W'einWbla.“
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41
Ob die folgende von Keferstein (Litt. No. 2, S. 71) angeführte Stelle
aus Charpentier*) auf unsere Erscheinungen bezogen werden kann, ist
der Orte wegen ganz unwahrscheinlich.
„Der Planerkalk der Gegend von Dresden verliert sich mit unter einem thon-
oder purphvrartigen Gesteine, das besonder» in der Gegend von Possendorf, Naundorf,
Burg, Kohlsdorf und Kesselsdorf häufig zu finden und unter verschiedenen Namen be-
kannt isf*. Keferstein fugt hinzu: „Hiernach scheint es, da.ss schon Charpentier Be-
obachtungen gemacht hat, die dafrir sprechen, dass der Granit und Porphyr bei Meissen
über dem Plilnerkalk, wenigstens zum Theil gelagert wäre“.
Die erste wissenschaftliche Darstellung erfolgte durch Weiss münd-
lich in der Sitzung der physikalischen Klasse der Akademie der Wissen-
schaften zu Berlin am 6. Februar 1827 und gedruckt in demselben Jahre
(siehe Litt. No. 1). Indem Weiss die Erscheinungen bei Weinböhla und
Hohnstein den von L. von Buch geschilderten „berühmten Phänomenen
von Predazzo“ an die Seite stellt, beschreibt er ausführlich die einzelnen
Orte.
„Der erste, bei weitem schönste Punkt sind die Steinbrflehe von Weinböhla ....
hier sind die Entblüssnngen Jetzt so schön, dass das Unglaubliche selbst mit ganzer
Evidenz da liegt, im eigentlichsten Sinn mit Händen zu greifen Man sieht den
Syenit- Granit ... ganz einfach ohne Widerrede auf dem Plänerkalkstein aufliegend“.
(S. 5.)
Weiss’ Darstellung ist ausserordentlich klar und erschöpfend. Mit
scharfem Auge erkennt er die gegen ein flüssiges Hindurchdringen des
Granites sprechenden Punkte.
.Er (der Granit) kann nur in erstarrtem, festem Zustande durch diese neue Ge-
birgsrinde durchgedrängt wonlen sein .... keine ^'erwachsungen mit dem durchbrochenen
Gesteine; keine Ramificationen des Granite» von der HaupGagerstätte aus in kleinen
Gängen. Continunm mit der grossen Masse bildend, ins Nebengestein setzend . . . Ebenso
wenig Verglasungen, Sinterungen oder andere begleitende Phänomene . . .“ (S. 7!8.)
Weiss regt sofort als Erster auch pl.anmässige bergmiinuische Arbeiten
zur Aufklärung der rätbselhafteii Verhältnisse in Weinböhla und Hohnstein
an. Er spricht sich entschieden gegen die nach ihm verfochtene An-
lagerung der Kreideschichten an den Granit aus (S. 13) und erkennt, dass
bei Hobostein untere Flötzgebirgsschiebten (des Gryphitenkalkes) herauf-
gebracht worden sind (S. 12), Verhältnisse, welche von den späteren Dar-
stellern vielfach wieder verdunkelt worden sind.
Die Beobachtungen Weiss’ erregten die ganze geologische Welt und
Hessen sie lange Zeit nicht zur Ruhe kommen. G. von Leonhard druckte
den Aufsatz fast ungekürzt in seiner Zeitschrift und Keferstein (Litt. No. 12)
/.um grossen Theil in seinem „Teutschland“ ab. ln der Nachschrift zieht
Keferstein u. a. folgenden Schluss:
„Die Ansicht gewinnt grosse Wahrscheinlichkeit: dass die Granite. Syenite, Por-
phjTe u. s. w. in Sachsen ihre jetzigen Lagerungsverhältnisse wohl zum Theil erst in
einer Periode erhalten haben, wo die Kreide gebildet wiinie oder gebildet war.“ (S. 70.)
Weiss’ Mittheilung verursacht zugleich eine Wanderung der Geologen
nach Weinböhla und Hohnstein. Im Frühjahr 1828 bestätigt Professor
II offmann zuerst aus eigener Anschauung die Beobachtungen von Weiss.
(Litt. No. 2, S. 71.)
•) W. Charpentier: Mineralogische Geographie der ehursäehsischen Lande. 1778,
8. 40.
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42
1829 berichtet A. Klipstein (Litt. No. 6) über seine Reise, die aber
nur Hohnstein, nicht Weinböhla berührt zu haben scheint. Er kann keine
der Weiss’schen Ansichten zu der seinigen machen, zweifelt das höhere
Alter, das Heraufschleppen und die Zertrümmerung des Hohnsteiner Kalkes
an und ist geneigt anzunehmen:
„Der Granit mflsste gegen das Becken des (inadersandsteines an verschiedenen
Stellen beträchtlich iiherhängende Massen gebildet haben, unter welche sich die Bänke
des letzteren hereinschoben.“ (S. 51 1.)
In dem gleichen Jahre veröffentlicht Weiss (Litt. No. 3) zwei vom
K. Leibarzt Hofrath Carus in Dresden angefertigte vortreffliche Zeichnungen
von „dem geognostisch merkwürdigsten wohl aller bekannter Steinbrüche
in Sachsen“ (Weinböhla) und sieht bei seinem Besuch am 1. October 1828
mit Carus seine anfängliche Annahme, dass die Pläner und Syenit tren-
nende Thon- und Mergelschicht ein Zerreibsei von Syenit und Kalk mit
„Bohnen von Syenit“ ist, bestätigt.
Wie Klipstein, so wendet sich zunächst auch Naumann (Litt. No. 6)
gegen Weiss. Kr hält den Hohnsteiner Kalk für Pläner und glaubt,
„dass der Granit des Elbthales nach der Bildung des Grünsandes nnd der Kreide ompor-
gestiegen, und sich noch während seines Eraporsteigens in einem zähflüssigen Zustande
befand, weil sich ohne eine solche Nachgiebigkeit seiner Masse weder die Ueberlagemng
des Kalkes und Sandsteines bei Weinböhla, Oberau und Hohenstein, noch die Ver-
flechtungen der Granitsnbstanz mit Ädern und Partien von Kalkstein erklären lassen.“
(S. 43ü.)
Vorher hatte schon E. de Beaumont (Litt. No. 4), ohne allerdings
eigene Anschauung von den Oertlichkeiten zu haben, den Granit und Syenit
des Elbthales für feurigflüssige Empordringungen, den Syeuitgrauit des
linken Elbufers für älter, den des rechten für neuer als Quadersaudstein
und Pläner angesprochen.
Die Zweifel über das Alter des Hohnsteiner Kalkes werden 1833
durch eine kurze Mittheilung des Grafen zu Münster beseitigt (Litt. No. 8),
indem er die untersuchten Versteinerungen von Hohnstein für Jurassisch,
die von Weinböhla säramtlich für cretaceisch erklärt.
Ein gemeinsamer Besuch von Weinböhla durch Naumann, Breit-
haupt, von Weissenbach und Kühn zeigte (Litt. No. 7), dass die
Granitramificationen Naumann’s nur isolirte Gesteinsplatten im Thon waren,
ln gleicher Weise hatten Versuchsschürfe, Stollen und l'allörter, welche
auf Kühn’s Vorschlag 1828 bei Hohnstein unter Leitung des K. Bergamtes
zu Altenberg angelegt worden waren, das Fehlen Jeglicher Ausläufer des
Granites in den Quadersandstein ergehen (Litt. No. 7, S. 739). Im üebrigen
wendet sich Kühn mit apodiktischer Gewissheit, welche angesichts seiner
schliesslich verfehlten Behauptungen einen etwas unangenehmen Eindruck
machen, in allen Punkten gegen Weiss. Er sucht die Klipstein’sche An-
n.ahme von den überhängenden Granitmassen noch weiter zu stützen
(S. 472) und hält, walu-scheinlich mit der Münster’schen Erklärung noch
nicht bekannt, an dem cretaceischen Alter des Hohnsteiner Kalkes fest.
Im Herbst des Jahres 1833 sieht die Umgegend von Meissen und
Weinböhla eine aus C. von Leonhard, B. Cotta als Führer, Professor
Kap]) und Dr. R. Blum bestehende Geologengesellschaft. Leonhard fasst
die Ergebnisse der gemeinsamen Untersuchungen in folgende Sätze zu-
sammen (Litt. No. 9, S. 149):
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43
„I. In der Gegend um Dresden und Meissen sind die Glieder der Kreidegruppe
. . . jüngerer Entstehnng als der Syenit . . .
II. Jener Granit hingegen, welcher bei Zscheila Pläncrkalkfragmente nmschliesst,
der bei Nieder- Fehre nnd bei Wcinbühla Gänge ira Syenit bildet, endlich der Granit,
von dem der Jurakalk bei Hohenstein Uber den ({nadersandstein gehoben worden, ist
jünger, nicht nur in Vergleich zum Syenit, sondern auch was den (Quader- oder Grün-
sandstein und den Flänerkalk betrifft.
Es erscheint mithin als sehr glaubhaft,
III. dass dieser jüngere Granit hei Weinböhla den Syenit ebenso über den Pläner-
kalk geschoben habe, wie der Jurakalk bei Hohenstein von ihm über den Qnadersandstein
getragen worden seyn dürfte. Die geringe Mächtigkeit der Granitgänge im Syenit bei
Weinböhla . . . widerstreitet dieser Ansicht keineswegs; jene Gänge sind nur Ver-
zweigungen sehr mächtiger Granitmassen, welche in grösserer Tiefe ihren Sitz haben.“
Eine Verschiedenalterigkeit der rechts- und linkselbischen Granite und
Syenite befürwortet auch Gumprecht (Litt. No. 12). Dagegen wendet er
sich in den meisten Punkten gegen Weiss, Naumann und Leonhard. In
der trennenden Tlion- und Mergclschicht sieht er nicht ein Zerreibungs-
produkt, sondern eine normale sedimentäre Bildung. Die weitgehende
Zersetzung und Zertrümmerung des Granites und Syenites von Weinböhla
sucht er durch die Schwefelsäure des reichlich vorhandenen zersetzten
Eisenkieses zu erklären. Den wenig mächtigen Granitgängen, für deren
Zusammenhang mit grösseren Granitmassen gar kein Anhalt vorliege,
spricht er schon jede I’ähigkeit, so gewaltige Gebirgsmassen zu heben,
vollständig ab. Er ist also darin gegen die berühmtesten (ieologen der
damaligen Zeit ein Vorläufer und Verfechter der jetzt herrschenden An-
schauung. Endlich bekämpft er trotz Münster das jurassische Alter des
Hohnsteiner Kalkes und erklärt ihn für Pläner.
Die Gumprecht’sche Kritik gerade der Hauptbeweisgrüude der vorigen
machte böses Blut. In ziemlich gereiztem Tone antworten Naumann
und Leonhard (Litt. No. 13 und Anmerkung daselbst S. 4). Leonhard
schliesst seine Abweisung mit folgenden anzüglichen Worten:
„Nach mir waren die Herren von Buch und von Humboldt in Zscheila. Von
solchen Koryphäen würde ich gerne Belehrung angenommen haben. — Es giebt
mancherlei Mittel, zu einem Namen zu gelangen; aber nicht alle Wege führen nach
Jerusalem!“
Bezeichnend für das Aufsehen, welches die geologischen Verhältnisse
bei Meissen und Hohnstein in der wissenschaftlichen Welt erregten, sind
die folgenden Sätze aus einem Brief L. von Buch’s an Bronn im Jahre
1834 (Litt. No. 10):
„ . . . Ich war mit Herrn Bernhard Cotta am 20. Mai (1834) in Hohnstein, nnd
Sie können glauben, wie sehr ich aufgeregt war, diese wichtigen Orte zu sehen.
Die Erscheinung ist eine der grössten in Europa: von der Gegend von Zittau bis
Meissen ist dieses Anfliegen des Granites ununterbrochen, auf so lange Aus-
dehnung hin!“
Weinböhla hatte L. von Buch damals noch nicht gesehen, seine Be-
merkungen beziehen sich wesentlich nur auf die Versteinerungen von
Hohnstein.
1834 berichtet Weiss zur Versammlung deutscher Naturforscher
zu Stuttgart an der Hand von Zeichnungen über die räthselhaften Ver-
hältnisse in Sachsen (Litt. No. 11), und auf dem folgenden Naturforscher-
tage in Bonn 1835 wird den zahlreichen anwesenden Geognosten ein von
Humboldt, Weiss, Leonhard, Naumann, G. Rose und J. Nöggerath Unter-
zeichneter Plan B. Cotta’s unterbreitet: „Aufforderung an alle Geognosten
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44
Deutschlands, sowie an alle Freunde der Geologie, durch gemeinschaft-
liche lieiträge eine massige Geldsumme zusamraenzubringen, mittelst
welcher die Grenzverhältnisse des Granites zur Kreideformation in Sachsen
bis zur Evidenz aufgeschlossen werden können.“ (Litt. No. 15, S. 26.) Es
werden Actien zu einem Reichsthaler vorgeschlagen, für welchen ausser dem
Verdienst, ein wichtiges Phänomen offen zu Tage gelegt zu haben . . .,
ein Exemplar der zu druckenden Ergebnisse in Aussicht gestellt werden.
Der Kostenanschlag beträgt 240 — 400 Ueichsthaler. Zur Bonner V’ersamm-
lung melden sich .S2 Subscribenten mit 153 Actien. (Litt. No. 15, S. 28 9.)
Die Zahl steigt auf 109 mit 356 Actien, darunter König Friedrich August
und Prinz Johann von Sachsen mit je 15 Actien. (Litt. No. 18, S. 54 — 58.)
Am Endo ergab sich eine Einnahme von 356 Reichsthalern gegenüber
359 Thalem Kosten.
Dem Aufruf von Cotta war eine klare und ausführliche Darstellung
des Standes der Frage im Jahre 1835 beigegeben. Darin spricht Cotta
zuerst deutlicher von einer Umkehrung der ursprünglichen Lagerungs-
verhältnisse bei Hohnstein; weiter führt er acht Punkte gegen das jüngere
Alter auch des Granites an.
Mit diesem Aufruf von 1835 bemächtigt sich der junge, damals
sechsundzwanzigjährige Bernhard Cotta der ganzen .Angelegenheit und
er führt sie mit rastlosem Eifer zur Entscheidung. Die berühmtesten
Geologen der damaligen Zeit und des 19. Jahrhunderts Hessen sich von
Cotta an die Hauptpunkte des Problemes führen.
„So Uatte ich allem in den letzten fünf Jahren (1833 — 1838) die Freude, die Herren
Alexaniler von Humholdt, Leopold von Buch, von Leonhard, Nöggerath, Ehe de licaumont
und Oustav Kose in diesen Oegenden zu hegrUssen und auf ihren Wanderungen nach
Hohnstein und Meis.sen zu begleiten.“ (JjitL .\'o. 18, S. 1.)
Er leitet die vorgeschlagenen Enlblössungsarbeiten und vollendet sie
in den Jahren 1836 und 1837. In seinen „Geognostischen Wanderungen 11,
1838“ (Litt. No. 18) giebt er den versprochenen Bericht, den Actionären
unentgeltlich. Zwar ist Weinböhla bei den Aufschlussarbeiten nicht be-
rührt worden; diese entschieden aber ebenso über Hohnstein, wie über
Weinböhla und alle anderen Orte mit gleichen oder ähnlichen Lagerungs-
verhältnissen auf der Linie Oberau-Jeschkengebirge. Aus den Zusammen-
stellungen und Folgerungen (Litt. No. 18, S. 47 — 63), welche die Ansichten
in der ersten Darstellung überhaupt von Weiss (1827) vollständig be-
stätigen, obwohl Weiss nach einer Aeusserung Cotta’s in Jena 1837 (Ijtt.
No. 17) seine Ansicht wieder aufgegebeu zu haben scheint, mögen nur
einige kurze Stellen wörtlich angeführt werden.
„Uer wirkliche Ueberhang (des Granites über den Sandstein hei Hohnstein) . . .
ist jedenfalls sehr l)«triichtlich. Henkt man sich den Sandstein als nicht vorhanden, so
bleibt ... ein uiinilestens i):)0 Fuss vorspringender Granitnberbang, iiiitcr de.ssen Be-
dachung man di« ganze Stadt Hohnstein bauen künnte, ohne den vorhandenen Kaum
damit zu erfüllen ... Es scheint mir ebenso bedenklieli, einen so grossen frei hervor-
ragenden Ueberhang als einst vorhanden anzunehmen, als cs gefährlich sein wünle.
darunter zu wohnen. — Wenn nun aber schon aus diesem einzigen Punkte mit ziemlicher
Sicherheit hervorgeht, das.s der Granit hier nicht vor dem (iuadersandstein seine jetzige
Stellung eingenommen haben kann, d. h. dass der Sandstein luitergelngert, sondern der
Granit erst später darüber gekommen ist, um wie viel mehr muss dami nicht die An-
nahme gewaltsamer Hebung des letzteren bestärkt wenien, wenn man die lange Kette
Von uugewiihnlichen liagerungsverhältnissen an seiner SUdwenzc' beuchtet iS. 49) . . .
I)a,s8 der Granit in unserem Falle nach der Ablagerung des (^uadersaudsteines eine
Ortsveriindemng in der Kichtung von unten nach olitm erlitten hat, kann wohl keinem
Digitiz=.d i,, ' '^k
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Zweifel mehr unterliegen; es fragt, sieh jetzt nnr noch: in welchem Zustande dürfte er
empurgctreten sein'? — Die Prüfung der Grenzerscheinungen in ilieser Kücksicht wird
dem Leser wie dem Beobachter zeigen, dass dies ein trockener (fester) Zustand gewesen
sein müsse (es folgen die bereits von Weiss vorgebrachten Beweise) ... Es muss daher
irgend ein uns unbekanntes Agens den Granit und Syenit ... in der langen Ausdehnung
der merkwürdigen Grenzlinie enii)orgehol)en, und liie und da — bei Hobnstein zugleich
mit .Tnraschichten — über den Sandstein und Pläner hinweggeschoben haben, während
.\llcs, was südlich von dieser Erhebungslinie liegt, ruhig in der alten Lage heharrte.“
(S. 53.)
Damit waren die Lagerungs- und Altersvcrhältnisse geklärt, und es
ist daran bis zum heutigen Tage niclits geändert worden. Dagegen be-
anspruchte die Beantwortung der Frage nach der treibenden Kraft noch
mehrere Jalirzelinte.
Noch 1849 sah H. B. Geinitz im Widerspruch mit den letzten Er-
gebnissen den Granit als treibende und hewegonde Masse, indem er schreibt
(Litt. No.21, S. 53;54):
„Bei Weinböhla und in dem Eckertschen Kalkbruche sieht man eine ungefähr
3(X) Ellen lange Plänerwand, welche 14 — IH Ellen durchschnittlich mächtig ist, durch
oft 24 Ellen hohe Syenitmassen überdeckt, welcher durch den hinter ihm empor-
gedrungenen Granit über den Pläner gestürzt worden ist.“
Einen bedeutenden Fortschritt in der Auffassung der Gebirgsbildung
stellt Gutbier’s Ansicht dar. In seinen „Geognostischen Skizzen“
(Litt. No. 23) bringt er die Lausitzer Verwerfung und Ueberschiebung mit
den Igigerungsveränderungen des Firzgebirgos in Zusammenhang, setzt sie
aber, wie II. B. Geinitz noch in seinen späteren Schriften (Litt. No. 27,
S. 7; auch Isis Abh. 1896, S. .30 — 32), auf Rechnung basaltischer Empor-
treibungen.
Unterdessen war der Glaube an die gebirgsbildende Kraft der Eruptiv-
gesteine besonders durch Suess in den siebziger Jahren beseitigt und die
Lagerungsveränderungen in der Erdrinde durch die Schwerkraft und die
daraus entspringenden tangentialen Druck- und Schubkräfte erklärt worden.
Diese neue Auffassung fand auch schnell auf die Lausitzer Ueberschiebung
Anwendung.
1875 und 1877 brachte H. Credner*) die sächsischen Erdbeben mit
fortdauernden, wenn auch schwachen Lagerungsstörungen an der Lausitzer
V'erwerfung in Zusammenhang. Dechen (Litt. No. 28) fasst gegen Cotta
die Bewegung nicht als einseitig auf, indem er den Granit als das ge-
hobene und die Kreide als das gesunkene Gebirgsstück bezeichnet.
Sucss (Litt. No. 31) sieht die ungewöhnlichen Lagerungsverhältnisse
als Rückfaltungen an, hervorgebracht durch eine Bewegung des Riesen-
und Isergebirges in nordöstlicher Richtung. Nicht die Hebung des Granites,
sondern das Absinken des südlich von der Bruchlinie gelegenen inneren
Gebirgsflügels hat die Aufrichtung der Kreide, sowie Einklemmung und
Ueberstürzung der Juraschichten zur Folge gehabt. (Litt. No. 29, S. 5.)
Es bleibt nur noch eine interessante Erscheinung zu erwähnen übrig,
welche Mitte der neunziger Jahre im südöstlichsten Bruch bei Weinböhla
biosgelegt und von E. Kalkowsky (Litt. No. 34) beschrieben wurde. Den
Pläner durchsetzte wie eine Mauer senkrecht zur Verwerfung ein Sand-
*) H. Creilncr: Bericht über da.s vogtläiutisch-erzKcliirffifiohc Enlheben vom
2.3. November 1876. Zeitschr. f ges. Natiirw. 4«. 187.5, S. 24(i— 2ti8. — Derselbe: D.is
Dippoliliswalilaer Erdbeben vom 5. October 1877. Ebenda Hd. 50, S. 275. (Vergl. auch
Liit. No. 28.)
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stßingang. Dieser stellte eine mit oligocänem verfestigtem Sand ausgefüllte
Spalte dar, die durch Bewegungen, Erdbeben, gleichsam als Vorläufer der
Lausitzer Verwerfung, iin l%ner entstanden war.
Die Versteinerungen von Weinböhla sind von H. B. Geinitz (Litt.
No. 21, 22, 27) beschrieben und abgebildet worden. Sie finden sich auf-
gezählt bei Siegert, Beck und Nessig. (Litt. No. 32, 36, 36.)
Bereits im Jahre 1899, mehr noch im Erülijahr 1900 nach dem langen
strengen Winter, konnte man mit Bedauern die starken Verwüstungen,
welche die Atmosphärilien im Bruch bei Weinböhla angerichtet haben,
wahrnehmen. Bruchstückhaufen des ausserordentlich leicht verwitternden
1‘länerkalkcs waren durch den Frost in sanft gewölbte Hügel kleiner
Splitter und Scherbchen zusammengesunken. An manchen Orten fand
man sauber ausgewaschene Versteinerungen. Nur kurze Zeit wird die in
Fig. 2 abgebildete Wand, welche so prachtvoll die Umbiegung und Auf-
richtung zeigte, der Verwitterung standhalten, ausserdem ist sie schon
stark von dem darüberliegenden Sand überrollt. Im Frühjahr 1900 war
das in Fig. 2 abgebildete tiefe Loch des Steinbruches hoch mit kalk-
reichem W'asscr gefüllt, welches mit seiner milchigen blaugrauen Farbe
an die Wässer der Kalkalpen zur Schneeschmelze erinnerte. Obwohl nach
Herrmann (Litt No. 37, S. 313) die Erschöpfung der Plötze, sowie die
Erfolglosigkeit der Bemühungen, durch Bohrungen seitlich von den ab-
gebauten Linsen neue Lagerstätten nachzuweisen, die Gründe für tlas
Erlöschen des Abbaues waren, mag trotzdem die Hoffnung nicht aufgegeben
werden, dass der jetzige Zustand und Verfall des Bruches von Weinböhla
nur eine Ruhepause sei.
Cotta braucht in seinen geognostischen Wanderungen II, S. 1 folgendes
hübsche Wortspiel: „Wie das alte Felsenschloss (Hohnstein) in früherer
Zeit den feindlichen Angriffen der wohlgewaffneten Ritter „Hohn“ sprach,
und daher seinen Namen ableitet, so scheint er diesen Namen auch in
neuerer Zeit rechtfertigen zu wollen, indem die Felsen und Steine dieser
Gegend den schulgerechten Geognosten verhöhnen.“ Auch Weinböhla hat
an diesem „Verhöhnen“ theilgenommen. Aber nachdem das Räthsel gelöst
war, verwandelten sich die Kopfschmerzen, die Rathlosigkcit der Geologen
in eine erhebende Freude bei Betrachtung eines Profiles, wie Fig. 2 es
d.irstellt. Vielleicht wird späteren Geschlechtern diese Freude, dieses
geologische Vergnügen im schönsten Sinne wieder erschlossen.
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Abhondl. d, Isis in Dresden, 1000.
Taf. I.
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Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1900.
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VIII. Die Gymnospermen der nordböhmisclien
Braunkohlenformation.
Von Dr. Paul Menzel.
Theil I.
Mit 3 Tafeln.
Seit Ettingshausen in seiner fossilen Flora des Tertiärbeckens von
Bilin zum ersten Male eine grössere Darstellung der böhmischen Tertiär-
flora bot, hat sich die Zahl der aus den Schichten der Brauukohlen-
formation Böhmens bekannt gewordenen Pflanzen sehr erheblich ver-
grössert; nicht nur von den altbekannten Fundorten der Biliner Umgegend
liegen zahlreiche Neuentdeckungen vor, vor Allem haben eine Reihe neuer
Fundorte, -zumal im Mittelgebirge und im Egerthalc, eine überraschende
Fülle von pflanzlichen Resten dargeboten, deren Bearbeitung in einer
langen Reihe von Abhandlungen vorzugsweise Prof. H. Engelhardt zu
danken ist.
Das reiche, bisher in verscliiedenen einzelnen Localfloren beschriebene
Material, zu dem noch eine Menge in mehreren Sammlungen aufbewahrter,
noch nicht publicirter Funde hinzukommt, lässt mir eine vergleichende
Zusammenstellung aus allen Fundorten der uordböhmischen Braunkohlen-
formation als eine dankbare Aufgabe erscheinen, und es soll im Nach-
stehenden versucht werden, die Gymnospermen des nordböhmischen Tertiärs
zusammenhängend darzustellen.
Die Untersuchung gründet sich auf die bisher in der Litteratur be-
schriebenen Reste und auf das in verschiedenen Sammlungen aufbewahrte
Material.
Die geologischen Institute der Deutschen Universität und der Deutschen
Technischen Hochschule in Prag, das Böhmische Landesmuseum in Prag,
das Museum in Teplitz, die Landwirthschaftliche Schule zu Liebwerd bei
Tetschen, das Königl. Mineralogisch-Geologische Museum in Dresden und
Herr Prof. Dr. Deichmüller in Dresden stellten mir in dankenswerthester
Weise ihre tertiären Pflanzenreste zur Verfügung; weiteres Material bot
mir meine eigene Sammlung.
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60
A. Conlferae.
1. Äbietineae.
Zu den Äbietineae gehörige fossile Reste werden im Allgemeinen
unter der Gesammtgattung J^mis zusammengefasst. Ihrer bieten die
böhmischen Tertiärschichten eine reiche Menge; es sind Zapfen, einzelne
Zapfenschuppen, Samen, Zweige, Kurztriebe und einzelne Nadeln sowie
Rlüthenkätzchen, die von verschiedenen Fundorten vorliegen. Fast immer
sind diese Theile isolirt gefunden worden, nur einzelne nadelbüscheltragende
Zweige und Samen im Zusammenhänge mit Zapfen oder einzelnen Schuppen
sind zu meiner Kenntniss gelangt, während Zapfen im natürlichen Zu-
sammenhänge mit Zweigen und Blättern bisher nicht vorgekommen sind.
Es scheint mir daher nicht gerechtfertigt, Zapfen und Blattorgane zu be-
stimmten Arten zusammenzubringen, selbst wenn wiederholte Vergesell-
scbafterung den Schluss auf deren Zusammengehörigkeit nahelegt, zumal
auch von keiner der beobachteten Arten an anderen Orten Zapfen und
Nadeln in natürlicher Verbindung bekannt sind. Ich ziehe deshalb vor,
die einzelnen Organe getrennt zu behandeln, und unterlasse es auch, die
vorliegenden Reste bestimmten Sectionen der Gattung Hniis zuzu weisen.
Zapfen.
Pinus oviformis Endl. sp. Taf. II, Fig. 1 — 4.
Pinites oviformis Endlicher: Syn. Conif., p. 287.
(ioeppert in Bronn: öesch. d. Nat. III, 2, p. 41.
Monogr. d. foBs. Conif., p. 224.
Conites stroboides RoBBmässIer; Alteattel, p. 40, t. 12, fig. 52.
Pitys stroboides ünger: Sju. pl. foss., p. 197.
Gen. et sp. pl. foss., p. 364.
IHnus ovtf'ormis Engelhardt; Sitaungsber. Isis Dresden 1878, p. 3.
Braonkohlenfiora von Dux, p. 5 Anm.
Foss. Pfl. V. Tschemowitz, p. 15, t 1, fig. 1—3.
Foss. Pfl. V. Grasseth. p. 17.
Sieber: Zur Kenntn. d. Nordb. Braunkohlenflora. Sitzungsber. Ak. d.
Wiss. Wien 1880, p. 74, t. I, fig. 1.
Schimper: Traite de pal. veget. II, p. 291.
Pinus ripios (d. Zapfen) Ettingshausen: Bilin I, p. 41, t. XIII, fig. 15.
’t l'imtes striatus Presl. in Sternberg: V'ers. 11, p. 202, t. 52, fig. 1-9.
Endlicher: Syn. Conif., p. 289.
Unger: Gen. et sp. pl. foss., p. 377.
Goeppert: Monogr. d. foss. Conif., p 227.
Pitys striata Unger; Syn. pl. foss., p. 197.
Pinus strobilis ovatis, 8 — 12 cm longis, 5,5 — 8 cm latis; squamarum
.ipophysi integra, conipresso-tetragona, carina transversa arguta, umbone
conico subrecurvo; seminibus ovatis.
Vorkommen: Zapfen dieser Art liegen vor aus dem Sandsteine von
Tschemowitz, dem Basalttufle von Waltsch, dem plastischen Thone von
Preschen, aus dem Hangendletten der Braunkohle vom Concordiaschachte
bei VV eschen bei Teplitz, aus der Braunkohle von Thürmitz, aus Sphaero-
sideritknollen vom Lipneibusche bei Teplitz, aus dem Letten des Beustr
Schachtes bei Brüx, aus einem glimmerreichen Thone von Komotau und
aus dem Brauukohleiithone von Strahn bei Saaz.
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61
Die Grösse der Zapfen schwankt zwischen 8 und 12 cm lünge bei
5,5 bis 8 cm Breite; ihre Gestalt ist eiförmig bis länglich eiförmig. Die
Schuppen, in 10 — 15 Spiralreihen angeordnet, sind nach dem Grunde zu
ziemlich rasch verjüngt (Fig. 3b), sind in der Mitte der Aussenseite mit
einer niedrigen Längsleiste versehen und tragen am freien Ende zusammen-
gedrückt-rhombische Schilder, die in der Mitte des Zapfens am grössten
sind und zwischen 12 — 20 mm Breite und 7 — 12 mm Höhe messen.
Die Apophysen sind stark verdickt und ragen stumpf kegelförmig vor,
sie sind mit einem querverlaufenden, scharfen, meist etwas gebogenen
Kiele versehen, in dessen Mitte sich aus länglich -rundem oder stumpf-
rhombischem Nabel ein kurzer, kräftiger, stumpfvierkantiger, etwas ge-
krümmter Dorn erhebt. Die Wölbung der Schuppenschilder ist bald
oberhalb und unterhalb des Kieles die gleiche, bald ist die obere Hälfte
stärker gewölbt; die Schilder tragen häufig eine oder zwei vom Nabel ab-
wärts gehende, mässig hervortretende Längskanten; seltener finden sich
vom Nabel aufwärts laufende Kanten.
Samen sind an längsgebrochenen Zapfen im Tschemowitzer Sandsteine
zu beobachten; sie sind oval, 6—7 mm lang, 4 mm breit; Flügel derselben
sind noch nicht aufgefunden.
Die Zapfen von P. oviformis Endl. sp. sind hauptsächlich in Abdrücken
vorhanden; selten sind sie in Kohle erhalten; ein solcher ist Fig. 1 dar-
gestellt; ein anderes in Kohle verwandeltes Exemplar von Thürmitz habe
ich im Böhmischen Landesmuseum zu Prag gesehen; in Sandstein um-
gebildet bietet sie der Purberg von Tschernowitz.
Dass P. oviformis Ludwig, Palaeontogr. VIII, p. 76, t. XIV, fig. 3 von
P. oviformis Endl. sp. verschieden ist, hat bereits Schimper, Traite de
pal. veget II, p. 266 hervorgehoben.
Ettingshausen giebt in der Flora von Bilin I, t. XIII, fig. 15 die
Abbildung eines aufgebrochenen Zapfens von Preschen und bezeichnet ihn
als P. rigios Ung. sp., ihn willkürlich mit den im plastischen Thone von
Priesen entdeckten Nadeln der P. rigios combinirend. Das Exemplar ist
mangelhaft erhalten, dementsprechend beschreibt es Ettingshausen auch nur
kurz mit den Worten: „Strobilis ovato-oblongis, squamis apice incrassatis.“
Ich habe eine grössere Anzahl von Zapfen der P. oviformis aus derselben
Fundstelle in den Händen gehabt, die genau dieselben Conturen der zer-
rissenen Schuppen aufweisen — auch unsere Fig. 3 zeigt solche — wie
Ettingshausen's Zapfen, die aber durch wohlerhaltene Apophysen ihre Zu-
gehörigkeit zu P. oviformis unzweifelhaft machen; ich halte daher auch
den Zapfen der Biliner Flora für nicht verschieden von unserer Art.
Unter der Bezeichnung Pinites striatus Presl. sind in Stemberg’s
Vers. II, p. 202, t. 62, fig. 1 — 9 einige ziemlich mangelhafte Abdrücke
von Zapfenfragmenten dargestellt; diese erwecken mir, zumal fig. 1, 2, 3
und 7, durchaus denselben Eindruck wie die Abdrücke abgerollter Zapfen-
bruchstücke von P. oviformis, deren Apophysen nicht mehr eine deutliche
Sculptur erkennen lassen, — im Tschemowitzer Sandsteine sind solche
häutig aufzutinden — oder wie die Längsbrüche von Zapfenabdrücken,
deren der Preschener Thon ähnliche bietet. Im Sternbergeum des Böh-
mischen Landesmuseums in Prag habe ich die Originale nicht aufgefunden,
ich kann daher meine auf die erwähnten Abbildungen gegründete Ansicht
ihrer Identität mit P. oviformis nur vermuthungsweise aussprechen.
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Endlicher hält allerdings (Syn. Conif., p. 289) Finites striattis Presl. für
proprii generis.
Die Zapfen von P. ovifonnis Endl. sp. kommen denen der recenten
p. pinaster Sol. aus Südeuropa nahe; unter den fossilen ist von unserer
Art kaum zu unterscheiden F. pinastroides Unger, Iconogr., p. 29, t. XV,
fig. 1 aus der Wetterau, eine Art, von der die gleichbenannten Zapfen
von Pohnsdorf in Unger’s Sylloge I, p. 10, t. III, fig. 1 — 3 abgetrennt
werden müssen, wie bereits von Stur, Beitrag zur Kenntniss der Plora der
Süsswasserquarze der Congerien- und Cerithienschichten, p. 72 hervor-
gehoben worden ist.
Firnis hordacea Rossm. sp. Taf. II, Fig. B; Taf. III, Fig. 23 — 27.
Conites hordaceus Rosamässler; Altsattel, p. 40, t. 12, fig. 50, 61.
Pitys hordacea Unger: S^n. pl. foss., p. i07.
Finites hordaceus Endlicher: Sjn. Conif., p. 284.
Abietites hordaceus Goeppert in Bronn: Gesch. d. Natur III, 2, p. 41.
MonoCT. d. foss. Conif., p. 207, t, 29, fig. 9, 10.
Abies hordacea Schiniper: Trait^ de pal. v^göt. II, p. 303.
Pinu« hordacea [p. p.] Engelhardt: Sitznngsber. Isis Dresden 1878, p. 3.
Foss. W. V. Tschemowiti, p. 16, t. 1, fig. 6—9.
Pinus strobilis ovnto-oblongis; squamis basi angustata sursum dilatatis,
apice incrassatis, longitudinaliter striatis vel sulcatis; apopliysi dimidiata,
3 — 5 angulari; urnbone terminali.
Vorkommen: Im Sandsteine von Tschernowitz und Altsattel, im
plastischen Tlioue von Preschen.
Diese Art war den älteren Autoren nur in den durch Rossmässler
von Altsattel mitgetheilten Zapfenbruchstücken bekannt, deren höchst
mangelhafter Zustand nur eine sehr ungenügende Diagnose gestattete, bis
Engelhardt's Bearbeitung des Tschernowitzer SUsswassersandsteines aus
diesem neue Belegstücke von Zapfenresten und einzelnen Schuppen zu
Tage förderte. Die sehr wenig bestimmte Beschreibung Rossmässlers
(Conites ovatus, squamis longis latisque) musste die Deutung der neu-
aufgefundenen Reste und ihre Identificirung mit Rossmässler's Art ausser-
ordentlich erschweren, und daraus erklärt es sich, dass von Engelhardt
verschiedenartige Reste unter der Bezeichnung P. hordacea zusammen-
gefasst worden sind. Ich komme zu dieser L’eberzeugung, nachdem ich
eine grössere Anzahl von Resten dieser Art von Tschernowitz und aus
dem Preschener Thone untersucht habe.
.Meine Ansicht gründet sich darauf, dass die Schuppen an dem von
Engelhardt 1. c., t. 1, fig. 4 abgebildeten Zapfenfragmente eine andere
Beschaffenheit aufweisen als die von Engelhardt erwähnten isolirten
Schuppen, deren verscliiedene von diesem Autor selbst gesammelte und
als F. hordacea bestimmte Exemplare sich in meinem Besitze befinden.
Während der abgebildete Zapfen nämlich Schilder von durchaus dem
Typus der apophyses integrae besitzt, Schilder, deren Placentarhöcker ein
deutliches Dickenwachsthum mit abwärts gedrängter Spitze und einem
quer verlaufenden Kiele darbicten, gehören die nicht selten vorkommenden
isolirten Schuppen dem Typus derer mit apophyses dimidiatae an, deren
Placentalhücker vorwiegend durch Flächenwachsthum vergrössert ist, mid
die daher am oberen Theile nur massig verdickt sind imd die Spitze end-
ständig in der Mitte des oberen Schuppeurandes tragen.
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Diese wesentlichen Abweichungen veranlassen mich, Engelhardt’s Fig. 4
von P. Iwrdacea zu trennen und mit einem anderen später mitzutheilenden
Reste zu einer neuen Art zusammenzustellen, dagegen die mit Rossmässler's
Abbildungen correspondirenden Zapfenfragmente Engelhardt's und die von
beiden Autoren angeführten vereinzelten Schuppen zu P. hordacea zu-
sammenzufassen und die Diagnose dieser Art auf Grund der neuen Funde
zu ergänzen.
Ein vollständiger Zapfen liegt leider nicht vor; die Zapfengrösse ist
daher nicht festzustellen, sie scheint aber nicht unbeträchtlich gewesen zu
sein; Fragmente und LängsbrUche, die in Tschernowitz nicht selten sind,
— Engelhardt bildet 1. c. einige ab — lassen eine länglich eiförmige
Gestalt vermuthen.
Ich gebe Abbildungen eines Zapfenfragmentes von Preschen, das eine
Anzahl Schuppen von ihrer Innenseite zeigt (Tat II, Fig. 5), und mehrerer
einzelner Schuppen (Tat III, Fig. 23—27) von der Aussen- und Innenseite,
zum Theil mit Samen ; ich identificire diese Reste, da ihre Beschaffenheit
den von Rossmässler und Engelhardt gegebenen Beschreibungen — ab-
gesehen von des Letzteren Darstellung der Schuppenschilder — entspricht.
Die Schuppen besitzen eine beträchtliche Grösse, bis zu 6 cm Länge
und bis 26 mm Breite; eine wahrscheinlich vom Zapfengrunde herrührendo
Schuppe ist Tat III, Fig. 27 dargestellt, die nur 23 mm Länge bei 20 mm
Breite misst. Aus schmalem Grunde verbreitern sie sich nach der Spitze
zu allmählich und erreichen ihre grösste Breite kurz vor dem Ende, um
dann eine abgerundete oder stumpf dreieckige Spitze zu bilden, deren
Mitte einen kleinen, knopfförmigen, dreieckigen Nabel trägt. Die Aussen-
seite der Schuppen besitzt eine flache, drei- bis fünfeckige Apophyse, die
in der Mitte eine vom endständigen Nabel nach der unteren Schildecke
verlaufende, stärkere und seitlich von dieser mehrere ganz flache, vom
Nabel radiär ausgehende Kanten aufweist. Der untere Schuppentheil ist
aussen durch eine in der Mittellinie verlaufende Längskante ausgezeichnet,
der an der Innenseite eine vertiefte Furche entspricht. Ausserdem sind
Aussen- und Innenseite von feineren Längskanten und Furchen durch-
zogen. Die nur wenig dicken Schuppen besitzen ein sehr lockeres Ge-
webe, wie es auf Querbrüchen von Engelhardt 1. c., Fig. 6, 7 dargestellt
ist; die dort beschriebenen, auf den Bruchflächen sichtbaren Poren und
die eben erwähnten Läugskanten bez. lüefen dürften auf die in den Schuppen
verlaufenden Leitbündel zurückzuführen sein; weiteren anatomischen Details
nachzuforschen, erlaubt die Gesteinsbeschaffenheit nicht.
Die eben geschilderten Eigenthümlichkeiten der Schuppen und deren
Gestaltung verrathen eine überaus grosse Aelinlichkeit mit den Schuppen
von Arten der Section Strobus\ insbesondere auf die Gruppe
üustrobus (P. Strobus L., P. cxcelsa Wall.) weisen auch die Samen hin,
während sie von denen der Cemira- Gruppe abweichen. Die Samen von
P. hordacea sind eiförmig, 7 — 10 mm lang, 4-6 mm breit, sie besitzen
schlanke, bis 3', cm lange, in der Mitte 6 mm breite Flügel mit fast
gradlinigem Innenrande, gleichmässig nach Spitze und Grund gekrümmtem
Aussenrande und abgestumpfter Spitze [Taff. III, Fig. 23, 25; Engelhardt 1. c.,
fig. 5], sie weichen von den genannten lebenden Arten dadurch ab, dass
bei diesen die Samenflügel länger zu sein pflegen.
Der Umstand, dass häufig isolirte Schuppen gefunden werden, ver-
anlasste Rossmässler und nach ihm Goeppert und Schimper zu der Ver-
54
muthung, dass unsere Art zu Ahies gehören möchte; dem ist bereits Engel-
hardt entgegengetreten; der gesammte Bau der Schuppen und Samen
stimmt keineswegs zu dem der entsprechenden Theile von Arten,
zudem hat sich nie auch nur eine Andeutung verschieden gestalteter Frucht-
und Deckschuppen, wie sie Ahies zukoramt, gezeigt, vielmehr deuten, wie
oben ausgeführt, die vorliegenden Verhältnisse auf eine Verwandtschaft
mit den Arten der Section Strohns.
Engelhardt glaubte, die 1. c., t. 1, fig. 10 und 11 wiedergegebenen
Nadeln und das Zweigstück 1. c., t. 2, fig. 1 zu dieser Art stellen zu
sollen; ich kann mich nicht dazu entschliessen, einzig auf Grund gemein-
samen Vorkommens Frucht- und Laubtheile zusammenzubringen, kann
vielmehr die Tschernowitzer Nadeln und das Zweigstück, wie später aus-
zuführen ist, nicht von dem als P. rigios Ung. sp. zu bezeichnenden Or-
ganen trennen.
Pinus ornata Stembg. sp. Taf. II, Fig. 6 — 9.
ConiUs omatus Sternberg: Vers. I, 4, p. 39. t 55, fig. 1, 2.
Pitys ornata Unger; Syn. pl. foss., p. 197.
IHnites omatus Unger: Gen. et sp. pl. foss., p. 364.
Goeppert in Bronn: Geschiente der Natur III, 2, p. 41.
Monogr. der foss. Conif., p. 224.
Endlicher: Syn. Conif., p. 287.
Pinus ornata Brongniart: Prodr., p. 107.
Engelhardt: Isis, Sitzungsber. 1876, p. 9; 1878, p. 3.
Tert. Pfl. d. I.eitm. Mittelgeb., p. 61, 1. 10, fig. 4,
Foss. Ptl. V. Tschemowitz, p. 15, t. 2, fig. 4.
Tert Pfl. V. Waltsch, Verh. k. k. geol. R. A. 1880, p. 113.
Schimper: Traiti? de pal. vdg^t. II, p. 291.
Pinus strobilis conicis vel oblongis, 3,5—9 cm longis, 2 — 6 cm crassis;
squamarum apopbjsi integra, tetragona, planiuscula, radiatim striata,
Carina transversa prominentiore ; umbone transversim-rhombeo, plano.
Vorkommen; Im Süsswassersandsteine von Tschemowitz und von
Schüttenitz, im Basalttuffe von Waltsch, im plastischen Thone von Preschen.
Die Zapfen sind hauptsächlich in Abdrücken vorhanden, einige wenige
haben mir in wirklich versteinertem Zustande Vorgelegen, wie der Zapfen
Taf. II, Fig. 6 aus dem Böhmischen Landesmuseum in Prag.
Die Grösse der Zapfen schwankt bei Exemplaren verschiedenen Alters
innerhalb weiter Grenzen; der grösste, den ich sah, mass 9 cm Länge bei
5 cm Breite, der kleinste S'/a cm Länge bei 2 cm Breite.
Die Zapfen sind von schlanker, kegelförmiger Gestalt und haben die
grösste Breite kurz oberhalb der Basis; zuweilen ist die Form mehr
länglich eiförmig; sie sind meist symmetrisch, seltener steht der Stiel,
wie ich an Exemplaren von Tschemowitz beobachtet habe, excentrisch
am Zapfengrunde; die Zapfen standen daher wenigstens theilweise am
Zweige zurückgebogen.
Wie die Zapfen variiren auch die Schuppen in der Grösse; die Apo-
physen weisen Breitenmaasse zwischen 7 und 16 mm, Höhen zwischen 6
und 11 mm auf. Die Apophysen sind fast ganz flach, von rhombischem,
selten durch gegenseitigen Druck unregelmässig fünfseitigem Umriss; der
obere Band ist abgerundet oder stumpfwinkelig, selten, wie im oberen
Theile des Taf 11, Fig. 8 abgebildeten Zapfens, spitzwinkelig; quer über
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55
die Schilder yerläuft ein schmaler, aber deutlich hervortretender Kiel, dessen
Mitte einen verhältnissmässig grossen, querrautenfönnigen, nur wenig vor-
tretenden, stumpfen, in der Mitte zuweilen etwas vertieften Höcker trägt.
Obere und untere Hälfte der Apophyse sind radiär gestreift, und beide
tragen meist je in der Mitte eine schärfer hervortretende Längsleiste, die
an einzelnen Exemplaren in der oberen Schildhälfte besonders deutlich
ausgeprägt ist; vor Allem ist dies dann der Fall, wenn der obere Schild-
rand spitzwinkelig ausgezogen ist (Fig. 8). Hin und wieder ist die obere
Apophysenhälfte etwas stärker gewölbt als die untere.
Engelhardt erwähnt von Schüttenitz ein Zapfenbruchstück mit eiför-
migen Samen; mir sind nur an einigen Zapfenfragmenten Samengruben
als eiförmige Vertiefungen am Schuppengrunde zu Gesicht gekommen.
Schon von Sternberg ist die Aehnlichkeit der Zapfen von P. ornata
mit denen von P. halepensis Mill. hervorgehoben worden; ich kann die
grosse Uebereinstimmung beider nach der Vergleichung des mir zu Ge-
bote stehenden Materials an fossilen und lebenden Zapfen durchaus be-
stätigen. Die gegenwärtige Verbreitung der lebenden Art im Mittelmeer-
gebiete lässt einen genetischen Zusammenhang beider nicht unwahrscheinlich
erscheinen.
Engelhardt vereinigt mit P. ornata Bruchstücke von zweinadeligen
Kurztrieben (Mittelgebirge, p. 62, t. 10, fig. 5 — 7); dieselben sind nicht
vollständig erhalten, stimmen aber zu Nadeln, die ich zum Theil noch
an Zweigen befestigt von Waltsch kennen gelernt habe und die von der
Belaubung der P. halepensis nicht abweichen. Ich komme später auf
diese zurück.
Pinus Laricio Poir. Taf. II, Fig. 10 — 14; Taf. III, Fig. 7 — 10, 22.
Finus Laricio Heer: Balt. Flora, p. 22, t. I, fig. 1—18.
Ettingahansen: Beitr. z. Erforsch, d. Phyllogenie der Pflanzenarten.
Denkschr. kaia. Akad. d. Wiss., math. nat. CI., XXXVUI. Bd., p. 73,
75, 76, t. VI, fig. 1, 2, 4; t. VII, fig. 1, 3-11 ; t. VlU, fig. 4a, 5a, 6;
t. IX, flg. 11, 12; t. X, fig. 2a, 3—6.
— FosaUe Flora von Leoben I, p. 16, t. II, fig. 6, 7.
Menzel: Beitr. z. Tert. Fl. v. Kundratitz. Abhandl. Isis Dresden
1896, p. 5, 1. 1. fig. 1.
Schimper: Trait6 de pal. vdgdt II, p. 267.
Finites Thomasianus (ioeppert: Der Bernstein und die in ihm enthaltenen
Pflanzenreste, p. 92, t. III, fig. 12—21.
Monogr. d. foss. Conif., p. 226, t. 36, fig. 6—9.
Endlicher: Syn. Conif., p. 289.
ünger: Gen. et. spec. pl. foss., p. 366.
Weber: Tert. Flora d. niederrhein. Braunkohlenformat. Falaeontogr.il,
p. 50.
Pinus Induni Massalongo., (Nach Angabe von Heer, 1. c. p. 24).*)
Pinus strobilis subsessilibus, ovoideo-conicis vel oblongis, 6 — 8 cm
longis, 2,6 — 5 cm crassis; squamarum apophysi integra, rhomboidali,
convexa, carina transversa elevata, latere superiore plerumque convexiore,
umbone rhombeo, mutico vel subspinato; seminum ala nucula bis triplove
longiore, apice augustata.
*) Wo Finus Induni von Massalongo pnblicirt worden ist, habe ich nicht in Er-
fahrung bringen können; in der Flora tertiaria italica von Meschinelli und Squinabol
ist sie nicht verzeichnet.
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56
Eino eingehende Untersuchung fossiler Reste dieser Art und den
darauf gegründeten Nachweis, dass diese nicht von den Organen der
lebenden P. Laricio 2U trennen sind, hat Heer in seiner baltischen Flora
geliefert; er kannte die Art aus dem Samlande, aus den rheinischen
Hraunkohlen und aus der Lombardei; es ist von Interesse, sie nunmehr
auch aus den böhmischen Tertiärschichten nachweisen zu können.
Sie ist in Böhmen gefunden worden im Sandsteine von Tschernowitz
und Davidsthal, im Basalttufte von Waltsch, im plastischen Thone von
Preschen, im Brandschiefer des Jesuitengrabens und in den Cypris-
schiefern von Grasseth und Krottensee, und zwar liegen von ihr vor
Zapfen, einzelne Schuppen und Samen.
Die Zapfen sind von sehr verschiedener Grösse — ebenso wie bei
der recenten Art und ihren Varietäten. Die kleinsten mir vorliegenden
messen 6 cm Länge bei 2.7 cm Breite, der grösste (Taf. 2, Fig. 10) — mit
P. Laricio var. Pillasiana vergleichbar und dem von Goeppert, d. Bern-
stein, t. III, fig. 19 abgcbildeten ähnlich — 8 cm Länge und 6 cm Breite.
Heer hat nach der Gestalt und Grösse der Zapfen mehrere Formen unter-
schieden, auch mir kamen kleine und grössere, kurz-ovale Zapfen neben
solchen von eiförmiger und kegelförmiger Gestalt zu Gesicht. Ihr Er-
haltungszustand ist ein verschiedener; meistens liegen nur Abdrücke vor,
seltener sind die Zapfen selbst erhalten. Auf Taf. H sind mehrere Zapfen
und Bruchstücke von solchen wiedergegeben; Fig. 11 stellt einen auf-
gesprungenen reifen Zapfen dar; bei dem grossen Zapfen Fig. 10 sind die
Schuppenschilder grossentbeils abgerieben, und nur einzelne lassen noch
die charakteristische Sculptur erkennen, die die Bestimmung ermöglichte.
Die Schuppen haben eine Länge von IB — 30 mm; die Apophysen
sind stark gewölbt, rhombisch, selten mehreckig, breiter als lang; sie
messen 7 — 15 mm Breite bei 6 — 9 mm Höhe, ganz am Grunde und an
der Spitze der Zapfen stehen noch kleinere, nicht völlig ausgebildete
Scbuppenschilder. Eine erhabene Querleiste tbeilt die Schilder in zwei
Hälften, diese sind bald gleich stark gewölbt, bald ist die Wölbung der
oberen Hälfte stärker; die Schilder erscheinen danach entweder pyramiden-
förmig oder mehr hakenförmig. Die Mitte des Kieles trägt einen quer-
rhombischen, scharf begrenzten, erhöhten Nabel, der entweder stumpf ist
oder ein kleines Wärzchen — keinen spitzen Stachel — besitzt. Ceber
die Mitte der unteren .Apophysenbälfte verläuft nicht selten eine schwach
ausgeprägte Längskante, die sich zuweilen auch auf den bedeckten Theil
der Zapfenschuppe fortsetzt.
Samen sind von Heer beschrieben und abgebildet worden, die denen
der lebenden Art entsprechen, und Ettingshausen hat (Beiträge zur
l’hyllogenie 1. c.) eine ganze Musterkarte von Samen lebender und fossiler
P. Laricio mitgetheilt. Sie bestehen aus einem ovalen Nüsschen von
4 — 8 mm Länge und 2 — 5 mm Breite und einem bis 20 mm langen und
bis 6 mm breiten Flügel, der sich aus breitem Grunde allmählich nach
vorn verschmälert, eine stumpfabgerundete Spitze besitzt, und dessen
Innenrand wenig, dessen Aussenrand dagegen stark gebogen verläuft.
Die Beschaffenheit der Samen, Grösse und Gestalt der Sameuflügel
sind bei den recenten Arten recht variabel; die verkümmerten Samen und
Schuppen an Basis uTid Spitze der Zapfen weichen oft wesentlich von den
ausgebildeten Samen aus der Zapfenmitte ab; man kann sich davon durch
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57
die Untersuchung jedes beliebigen Zapfen überzeugen. Je mehr Samen
von lebenden Jünus- Arten ich untersucht habe, desto mehr bin ich zu
der Ueberzeugung gekommen, dass diesen für die einzelnen Arten ganz
sichere Unterscheidungsmerkmale nicht zukommen; und eine Art, die wie
P. Laricio in mehreren Varietäten schon verschieden gebildete Zapfen
aufweist (vergl. die typische Form und die var. PMasiana), bietet nicht
weniger V'erschiedenheiten in der Bildung der Samen und Samenflügel; die
beiden citirten Werke von Heer und Ettingshausen geben eine grössere Anzahl
ziemlich verschieden gestalteter Samen als zu P. Laricio gehörig wieder.
Es scheint mir überaus misslich, isolirt gefundene Samen bestimmten
Arten zuzuweisen, und es erscheint mir auch mindestens gewagt, wenn
Ettinghausen in seiner scharfsinnigen Abhandlung über die Pbyllogenie
der deutschen JV'nus- Arten so variable Gebilde wie die Coniferensamen
mit dazu benützt, Uebergangsformen aufzustellen und einen Stammbaum
der gegenwärtigen deutschen Kiefernarten zu errichten.
Nur mit Vorbehalt stelle ich infolgedessen eine Reihe einzelner in
den böhmischen Tertiärschichten aufgefundener Samen zu P. Laricio:
Taf. 111, Fig. 7 und 8 entsprechen Samenformeu, die bei P. Laricio
häufig zu beobachten sind;
Taf. 111, Fig. 22 stellt eine Schuppe von der Innenseite mit zwei wohl-
erhaltenen Samen dar, deren Flügel eine feine Querrunzelung erkennen
lassen; Flügelsamen derselben Beschaffenheit haben sowohl Heer wie
Ettingshausen zu P. Laricio gestellt (vergl. u. a. Heer 1. c., t. 1, fig. 9;
Ettingshausen 1. c., t. Vll, fig. 2), auffällig erscheint hier aber die im
Verhältniss zur Schuppe geringe Grösse der Flügel; die Flügel der wohl
als reif anzusprechenden Samen reichen hier nur bis wenig über die Mitte
der Schuppe, während ich bei recenten Zapfen von P. Laricio als Regel
beobachtete, dass die Samenflügel mindestens ’/4 der inneren Schuppen-
fläche bedecken.
Zwei weitere Exemplare können möglicherweise noch in den ge-
staltenreichen Formenkreis der P. Zan’oo- Samen gestellt werden:
Taf. III, Fig. 10 ist eine Copie des von Engelhardt, Cyprisschiefer,
t VII, fig. 9 abgebildeten, als P. furcata Ung. sp. bezeichneten und mit
Pinites furcatus Unger, Iconographie, p. 27, t. XIV, fig. 7, 8 verglichenen
Samens, und Taf. 111, Fig. 9 stellt eine Copie dar von Engelhardt, Cypris-
schiefer, t VII, fig. 8, die dieser Autor als vielleicht zu P. rigios Ung. sp.
gehörig bezeichnet. Ich fasse, wie noch auseinanderzusetzen sein wird,
P. rigios nur als Bezeichnung für bestimmte Pint« -Laubblätter auf und
habe den als P rigios bezeichneten Zapfen Ettingshausen’s (siehe oben
S. 61) von diesen Nadeln abgetrennt; diese beiden Samen (Taf. III, Fig. 9
und 10) können vielleicht zu P. Laricio gezogen werden; ähnliche Samen
sind wenigstens von Ettingshausen 1. c., t. VII, fig. 4 und D zu dieser Art
gestellt worden.
Pinus Engelhardti nov. spec. Taf. III, Fig. 28.
Syn. Pinus hordacea (p. p.) Engelhardt; Foss. Pfl. v. Tschemowitz , p. 16,
1. 1, fig. 4.
Pinus strobilis magnis; squainis latis; squamarum apophysi integra,
rbomboidea, crassa, elongata, compresso-pyramidata, linguaeformi, recte
patente vel subrecurva, obtusa; umbone brevi, obtuso.
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58
Das Dresdener Königl. Mineralogisch- Geologische Museum bewahrt
ein Stück einer Sphaerosideritknolle vom Franz Joseph -Schacht bei
Thürmitz mit dem Abdrucke des Bruchstückes eines grossen i^'ntif-Zapfens,
der mir durch die auffällig tiefen Eindrücke der Schuppenschilder be-
merkenswertli erschien. Durch einen 'Wachsabguss des vorliegenden
Stückes gelang es, ein anschauliches Bild des Zapfen -Fragmentes zu ge-
winnen, und nach diesem wurde die Reconstruction des Zapfens (Taf. 111,
Fig. 28) versucht. Die ausgeführte mittlere Parthie der Abbildung stellt
das im Abdruck einzig Erhaltene dar.
Das Bruchstück lässt auf einen Zapfen von erheblicher Grösse
schliessen; im Abdrucke sind zehn Schilder vollständig, die benachbarten
neun theilweise erhalten; das Knollenstück lässt die scharfen Grenzen
der Apophysen als breite, rhombische oder fünfeckige, oben meist Hach
gerundete Gestalten von 22 — 28 mm Breite bei 10 — 13 mm Höhe er-
kennen. Die Gestalt der Apophysen verdeutlicht der Wachsabguss. Die-
selben sind stark verdickt und erheben sich auf der breiten, unregelmässig
rautenförmigen Grundfläche zu flach zusammengedrückten, fast zungen-
förmigen Pyramiden von 13 — 15 mm Höhe, die vorn stumpf abgerundet
sind, auf der Spitze einen kleinen, länglichen stumpfen Nabel tragen, an
beiden Seiten von einem scharfen Kiele begrenzt werden und gerade oder
schwach zurückgebogen vom Zapfen abstehen. Obere und untere Hälfte
der Apophysen sind von je einer feinen, aber scharfen mittleren und zwei
schwächeren seitlichen Längskanten bedeckt.
Der leider nur in einem unbedeutenden, aber scharf ausgeprägten
Bruchstücke erhaltene Zapfen schliesst sich in der Bildung der Apophysen
an die Zapfen der beiden lebenden zur Gruppe Taeda gehörigen Arten
P. longifolia Roxb. aus Nepal und P. Ocrardiana Wall, vom Himalaya
am nächsten an.
Bei der Besprechung von P. hordacea Rossm. sp. hahe ich oben, S. 52,
angeführt, dass ich den Zapfen, den Engelhardt in „Die foss. Pfl. des
Süsswassersandsteines von Tschernowitz“, t. 1, fig. 4 abgebildet, von
dieser Art zu trennen veranlasst bin. Engelhardt giebt an: „Der freie
Theil der Schuppen ist gross, stark aufgequollen, gebogen, mit länglichem
kleinen Nabel und wellig gebogenem Kiele versehen“ und „in der Mitte
der Schuppen befindet sich eine hervortretende Längskante“. Diese Be-
schreibung stimmt in allen Theilen zu den Merkmalen unserer Art; auch
die Engelhardt’sche Abbildung lässt sich mit dem vorliegenden Abdrucke
in Einklang bringen, wenn man bei beiden verschiedene Entwickelungs-
zustände annimmt; während es sich beim letzteren um einen geschlossenen
Zapfen handelt, scheint das Tschernowitzer Bruchstück einem aufge-
sprungenen Zapfen angehört zu haben. Es ist mir leider nicht möglich
gewesen, das Originalexemplar Engelhardt’s zu vergleichen, da mir dessen
gegenwärtiger Aufbewahrungsort unbekannt ist.
Finus horrida nov. spec. Taf. IV, Fig. 1.
Pinus strobilis conicis; squamanim apophysi elevato-pyraniidata, patente
vel recurva; umbone acuto, elongato.
Aus dem plastischen Thone von Preschen besitze ich einen längs-
gespalteneu Zapfen, der Taf. IV, Fig. 1 photolithographisch wiedergegeben ist
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Der mangelhafte P^haltungszostand erlaubt leider nicht, eine genaue
Beschreibung des Zapfens zu geben, der von allen bisher aus tertiären
Schichten bekannt gewordenen abweicht Es handelt sich um einen kegel-
förmigen Zapfen von 7 cm Länge und 3,5 cm grösster Breite, der sich
aus breiter Basis gleichmässig nach der Spitze zu veijüngt und schwach
gekrümmt ist. Einzelne messbare Schuppen am Zapfengrunde weisen
eine Länge von 2 cm auf. Deutliche Apophysen sind nicht zu erkennen;
der Rand des Abdruckes zeigt nur die Aufbrüche erhöhter, abstehender
oder zurückgekrümmter Schuppenschilder, die anscheinend von einem
langen, dornigen Nabel gekrönt sind.
Die BeschaflFenheit des Stückes verhindert, Beziehungen zu lebenden
Zapfen aufzusuchen; erwähnt sei nur, dass seine Conturen Aehnlichkeit
mit denen der Zapfen von P. inops Sol. aus Nordamerika darbieten. Es
muss weiteren Funden überlassen werden, besseren Aufschluss über diesen
Zapfen zu bringen.
Als Pinites ovatus Presl. wird in Sternb. Vers. II, p. 202, t. 62, fig. 10
ein Coniferenrest von Altsattel bekannt gegeben mit der Diagnose:
P. strobilo ovato-subgloboso; squamis imbricatis, adpressis, lineari-
oblongis; seminibus ovato-subrotundis, ala angusta cinctis; rhachi crassa.
Derselbe ist ferner citirt bei:
Cioeppert: Monogr. der foss. Conif., p. 227.
Unger: Gen. et. ep. pl. foss., p. 376.
— Synops. pl. foss., p. 197.
Endlicher: Synops. Conif., p. 289.
Ich erwähne dieses Fossil, dessen Original mir im Stembergeum zu
Prag nicht zu Gesicht gekommen ist, nur, um die Liste der aus böhmischen
Tertiärablagerungen mitgetheilten Hwtts-Zapfen vollständig zu geben. Die
Zuweisung derselben zu einer bestimmten Art oder gar die Begründung
einer besonderen Art auf dasselbe scheint mir aber durchaus nicht
gerechtfertigt. Das Bruchstück bietet nichts Charakteristisches; es ist
nichts weiter, als das Stück einer Zapfenspindel mit einigen Samen und
Schuppenansätzen, das irgend einer der bekannten Arten angehören kann.
Samen.
Samen, die der Gattung IHniis zuzuweisen sind, gehören im böhmischen
Tertiär nicht zu den Seltenheiten. Sie finden sich theils isolirt, theils
im Zusammenhang mit den Zapfen oder einzelnen Zapfenschuppen, so bei
P. omformis und P. omata, deren Samen ohne die Flügel, und bei
P. hordacea und P. Larido, deren vollständige Samen bekannt und im
Vorstehenden beschrieben worden sind; zu P. Larido wurden ausserdem
— wenn auch mit Vorbehalt — einige isolirte Samen gestellt, die theil-
weise bereits unter anderer Benennung in der Litteratur verzeichnet waren.
Neben diesen sind mir noch einige weitere vereinzelte Flügelsamen
bekannt geworden; ich führe sie an, ohne aber aus den oben angegebenen
Gründen ihnen bestimmte Artnamen beizulegen.
Taf. IIL Fig. 6a, vergrössert 6b, ist ein Same aus dem Cyprisschiefer
von Krottensee.
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Der Same ist 6 mm lang, 2 mm breit, unten abgerundet, nach oben
Ecbief zugespitzt, schräg gestreift; der Flügel ist 14 mm lang mit fast
geradem Innenrande, stark gebogenem Aussenrande und stumpfgerundeter
Spitze; oberhalb der Mitte erreicht er mit 4 mm seine grösste Breite;
der Same selbst ist flach; vielleicht handelt es sich um einen tauben
Samen.
Ich vermag nicht, ein Analogon unter den recenten i\'n«s-Samen
für den vorliegenden anzuführen, wenn schon ich Samen von ähnlicher
Bildung, aber von viel bedeutenderer Grösse von P. canatietisis Smith ge-
sehen habe. Fast übereinstimmende fossile Samen sind von Ettings-
hausen, Foss. Flora von Schoenegg bei Wies I, p. 15, t. I, fig. 83 — 85
als P. stenosperma beschrieben worden.
Taf. III, Fig. 6 stammt ebenfalls aus den Cypnsschiefem von Krotten-
see; der schräg gestellte ovale Same misst 5 mm Länge und 3 mm Breite;
sein Flügel ist verkehrt eiförmig, an beiden Rändern, und zwar stärker
am Aussenrande gebogen, vorn breitabgerundet, nach dem Grunde zu
verschmälert und erreicht eine Länge von 12 mm und etwas oberhalb der
Mitte eine Breite von 6 mm.
Dieser Same erinnert an die Bildung der Samen verschiedener Picea-
Arten, z. B. unserer P. excelsa Link, der P. Khutrow Royle (Himalaja)
und der P. orientalis L. (Kl. Asien), in der Flügelform auch an Pinus
lanceolata Ung. sp. (Unger, Iconogr., p. 22, t. XII, fig. 6; Sylt. pl. foss. lU,
t. XX, fig. 4).
Taf. III, Fig. 11 ist eine Copie des von Engelhardt, Cyprisschiefer,
p. 136, t. VII, fig. 10 als Pi7ius pseudonüjra initgetheilten Samens. Er
ist klein (1 mm breit, 2 mm lang), elliptisch; der Flügel ist 10 mm lang,
3 mm breit, am Grunde verschmälert, an der Spitze etwas gestutzt (falls
er an dieser Stelle nicht etwa zerstört ist), mit geradem Innenrande und
gebogenem Aussenrande. Engelhardt vergleicht ihn mit den Samen von
P. nigra Link aus Nordamerika.
Taf. III, Fig. 12 endlich ist eine Copie des Samens, den Engelhardt,
I'lora der Tertiärschichten von Dux, p. 24, t. 2, fig. 39 aus dem Letten
von Ladowitz anführt.
Der Same ist sehr klein, kaum 1 mm breit und 2 mm lang, der
Flügel 13 mm lang, in der Mitte 5 mm breit; nach Spitze und Basis ver-
schmälert, vorn zugespitzt, mit schwach gebogenem Innenrande und stark
gebogenem, etwas geschweiftem Aussenrande. Er kommt den Samen von
Picea rubra Link (Nordamerika) nahe.
Käimliche Blüthen.
Abdrücke, die als männliche Blüthen der Gattung Pinm zugeschrieben
werden, sind in der Litteratur nicht selten verzeichnet. Zumeist lassen
solche Abdrücke nicht eben viel Genaues erkennen: es sind längliche
Kätzchen, die gewöhnlich im Längsbruche vorliegen und Längsschnitte
der gestielten schuppenfürmigen Staubblätter darbieten. Derartige Fossilien
liegen auch aus Böhmen vor.
Taf. III, Fig. 13 stellt ein lilüthenkätzchen aus dem Sandsteine des
Steinberges bei Davidsthal, nahe Falkenau, dar, ein schlankes, 23 mm
langes, 5 mm dickes Kätzchen, das mit zahlreichen Staubblattbruchstücken
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61
besetzt ist. Sehr ähnliche Blüthenkätzchen sind u. a. von Ettingshausen,
Beiträge zur Phyllogenie der Pflanzenarten, t. X, fig. 3, 4 zu P. Laricio
Poir. gezogen worden; da aber nicht mehr als nur eben der Kätzchen-
charakter der Blüthe und ihre Grösse festzustellen sind, von der Form
der Staubblattschuppe aber nichts zu erkennen ist, muss füglich eine
nähere Bestimmung unterbleiben.
Taf. III, Fig. 14 giebt ein kleines, rundliches Kätzchen aus dem
Cyprisschiefer von Krottensee wieder, welches noch weniger als das vorige
Einzelheiten erkennen lässt; es ist 10 mm lang, 5 mm breit und besitzt
noch am Grunde eine kleine pfriemliche Hüllschuppe.
Taf. III, Fig. 15 a ist ein Fund aus dem Preschener Thone wieder-
gegehen, der weit besser als die eben genannten eine Untersuchung ge-
stattet. Es liegt die Spitze eines Zweiges mit noch fast geschlossener
Gipfelknospe vor; unterhalb von dieser stehen gedrängt eine Anzahl
männlicher Blüthenkätzchen, die bei 5 mm Dicke eine Länge bis zu 27 mm
erreichen. Der Abdruck ist dadurch ausgezeichnet, dass sich an den
Kätzchen einzelne der zahlreich vorhandenen Staubblätter getreu in ihrer
Form erhalten haben, Fig. 15b und 15c geben vergrösserte Ansichten
der Staubblätter von der Seite und von vorn; deutlich ist die am unteren
Rande excentrisch gestielte Schuppe zu erkennen, deren flacher Endtheil
von stumpffünfeckigem Umriss einen Durchmesser von 1,6 mm besitzt,
radiär zart gestreift ist und etwas unterhalb des Centrums eine punkt-
förmige Vertiefung trägt, von der aus nach beiden Seiten Furchen
verlaufen. Die Anthereu von P. Laricio Poir. und von P. halepensis Mill.
bieten ähnliche Gestaltungsverhältnisse dar.
Laubblätter und Zweige.
Coniferenhlätter gehören im böhmischen Tertiär durchaus nicht zu
den Seltenheiten; es finden sich zwei- oder dreinadelige Kurztriebe, isolirt
oder in Zusammenhang mit Zweigen, die ohne Zweifel zu IHnm-krtm
gestellt werden müssen; selten sind henadelte Langtriebe erhalten, die
vielleicht Formen von Abies oder Tsuga entsprechen.
Pinus rigios Ung. sp. Taf. III, Fig. 1, 2, 3; Taf. IV, Fig. 2.
Finites rigios Unger: Gen. et spec. pl. foss., p. 3H2.
Iconogr., p. 26, t XIII, fig. 8.
Finus rigios Kttmgsfiaasen : Bilin I, p. 41, t. XIII, fig. 11, 12.
Beitr. z. Erf. d. Pliyllog. d. Pflanzenarten, t. IV, fig. 6.
Engelhardt; Cjprisscliiefer, p. 13K, t. VII, fig 6 — 7; t. IX, fig. 1.
Eos». Pfl. Nordbiihmens, Lotos 1895, p. 2 und 3.
Fom. Pflanzenreste v. Nattemstein, Lotos 1896, p. .3.
Wcntzel: Vcrh. d. k. k. geol. Reichsanstalt 1881, p. 90.
Schimper; TraiO' de pal. v^get. II, p. 276.
Finus hordacea (p. p.) Engelhardt: Foss. Pfl. v. Tschemowitz, p. 16, t. 1,
fig. 10, llj t. 2, fig. 1.
Pinus foliis ternis, 18—24 cm longis, 2—2,5 mm latis, rigidis; vaginis
2 cm longis.
Nadeln dieser Art sind sehr häufige Funde, vereinzelt kommen
Zweige vor. Sie sind bekannt aus den Thonen von Preschen und
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62
Priesen, aus den Polierschiefern vom Nattemstein bei Zautig und ron
Wamsdorf, aus Basalttufien von Liebwerd, aus den Cyprisscbiefem von
Krottensee, Falkenau und Grasseth, aus Erdbrandgesteinen des Duppauer
Gebirges und aus dem Süsswassersandsteine des Purberges bei Tscber-
nowitz.
Ich beziehe die Bezeichnung P. rigios lediglich auf Blatt- und Stengel-
organe.
Unger hat die Art auf das Vorkommen von Nadelbüscheln im Thone
der Biliner Gegend begründet; von Ettingshausen sind damit Zapfen und
Samen zusammengebracht worden, die ich von den Nadeln abzutrennen
genöthigt bin (siehe oben S. 51).
Die Nadeln stehen zu dreinadeligen Kurztrieben vereinigt, sind am
Grunde von einer bis 2 cm langen Scheide umgeben und erreichen eine
Länge von 18 — 24 cm bei einer Breite von 2 — 2,5 mm; sie weisen eine
zarte Längsstreifung auf; soweit sie mit der Bauchseite vorliegen, sind sie
von einer scharfen Längskante durchzogen; Spuren von Spaltöffnungen
konnte ich an keiner der vielen mir vorliegenden Nadeln erkennen. Nach
dem vorderen Ende zu sind die Nadeln allmählich zugespitzt; vereinzelt
beobachtete ich Nadeln, die an der Spitze gespalten sind, eine Erscheinung,
die sicher nur auf Druck zurückzufuhren ist.
ln seiner Arbeit über die fossile Flora des Süsswassersandsteines von
Tschernowitz hat Engelhardt t. 1, fig. 10, 11 dreinadelige Kurztriebe ab-
gebildet und zu P. hordacea Uossm. sp. bringen zu sollen geglaubt, die
sich nach den Abbildungen nicht von denen der P. rigios unterscheiden,
und die ich deshalb hierher ziehe.
Taf. III, Fig. 1^ — 3 sind mehrere wohlerhaltene Kurztriebe von Preschen
und Falkenau wiedergegeben.
Taf. IV, Fig. 2 bringt die photolithographische Wiedergabe eines
grossen Zweigstückes mit zahlreichen Nadelbüscheln von Preschen. Eine
Platte von demselben Fundorte, die ich im böhmischen Landesmuseum in
Prag sah, ist von einem 9 cm langen Zweigende mit vielen wohlausgeprägten
Nadelbündeln dieser Art bedeckt; dieses Stück ist insofern interessant,
als es deutlich die Sculptur der am unteren Theile des Zweiges von Nadeln
entblössten Rinde wiedergiebt; es entspricht durchaus dem von Engelhardt,
Foss. Pfl. von Tschernowitz, t. 2, fig. 1, abgebildeten, aber stärkeren
Zweige, dessen genaue Beschreibung dieser Autor 1. c. p. 17 giebt; es
lässt spiralig angeordnete Blattpolster von zweierlei Art erkennen, und
zwar mehrmals abwechselnd einige Reihen schmal -rhombischer und zahl-
reiche Reihen grösserer, hervortretender, rundlicher Blattkissen. Die Ueber-
einstimmung des Tschernowitzer Zweiges mit dem von Nadeln der P. rigios
besetzten Zweige des Prager Museums lässt vermuthen, dass der erstere
ebenfalls einer P. rigios aiigebörte.
Unger hat seine P. rigios nach den ihm vorliegenden nur theilweise
erhaltenen Nadeln mit P. riyida Mill., P. taeda L. und P. Gerardiana
Wall, verglichen; nachdem vollständige Nadeln bekannt geworden sind,
muss 1\ Gerardiana aus der Reihe der Vergleichsobjecte ausscheiden, da
diese Art wesentlich kürzere Nadeln besitzt; die langen Nadeln der P. taeda
kommen den fossilen am nächsten.
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Pinus Suturni Ung. sp. Taf. III, Fig. 17 — 21.
Pity» Satumi ünger: Syn. plant, foss., p. 198.
Finites Satumi Unger: Chloris protog., p. 16, t. 4, t. 6.
Syll. pl. foss. III, p. 66, t Xi, fig. 5 — 7.
Gen. et spec. pl, foss., p. 362.
Goeppert in Bronn: Gesch. d. Xatnr III, 2, p. 41.
Monogr. d. foss. Conif., p. 223, t. 36, fig. 8, 9.
— — Endlicher : Synops. conif., p. 286.
Pinus Satumi Engelhardt: Sitzungsber. der Isis Dresden 1882, Abh. p. 14.
Tert. Flora d. Jesaitengrabens, p. 18, t. 1, fig. 41.
Tert. Pfl. V. Waltsch, Leopoldina 1884, p. 129.
Schimper: Trait6 de pal. v6gct II, p. 277.
Pinites taedaeformis ünger: Iconogr., p. 25, t. XIII, fig. 4.
Pinus taedaeformis Ettingshausen: Bilm 1, p. 41, t XIII, fig. 13, 14.
Beitr. z. Phyllog. d. Pfl., t III, fig. 1 ; t V, fig. 1—13; t. VI, fig. 6.
Engelhardt: Sitzungsber. Isis Dresden 1883, Abh. p. 48.
Tert. Fl. von Dnx, p. 24. t 3, fig. 1.
Schimper: Traitd de pal. v^giit II, p. 277.
Pinus foliis ternis, 12 — 18 cm longis, 0,7 — 1 mm latis; vagina 16 bis
20 mm longa.
Vorkommen: Im Menilitopal von Schichow, ira Letten vom Kreuz-
Erhökungs-Schacht bei Dux, im Thone von Komotau, im Brandschiefer des
Jesuitengrabens bei Kundratitz, im Basalttuffe von Waltsch.
Die Nadeln stehen zu drei in Kurztrieben vereinigt, erreichen bei
O, 7 — 1 mm Dicke eine Länge von 12—18 cm; sie haben, wie die Nadeln
dreigliedriger Kurztriebe überhaupt, an der Innenseite eine hervorstehende
Kante und sind am Grunde von einer 15 — 20 mm langen Scheide umgeben.
Büschel mit drei langen Nadeln und noch öfter Bruchstücke von
solchen sind in der Litteratur wiederholt von verschiedenen Fundorten
unter den Bezeichnungen P. Satumi Ung. sp. oder P. taedaeformis Ung. sp.
beschrieben worden. Als Unterscheidungsmerkmal beider wurde einzig
die bei P. Satumi beträchtlichere Länge der Nadeln angegeben; im Uebrigen
wurde (z. B. Heer, Fl. tert. Helv. III. p. 160; Schimper 1. c. p. 277) die
grosse AehnUchkeit beider Formen hervorgehoben. Bei den nicht selten
unvollständig gefundenen Exemplaren muss daher beim Fehlen anderer
Unterscheidungszeichen die Zutheilung zur einen oder anderen Art als
rein willkürlich erscheinen.
Ettingshausen hat (Beitr. z. Erf. d. Phyllog. d. Pflanzenarten, p. 77,
und Foss. Fl. v. Sagor I, p. 11) zahlreiche Nadeln vom Typus der P. taedae-
formis aus den Schichten von Schoenegg, Parschlug, Podsnsed und Sagor
einer eingehenden Untersuchung unterzogen; auf Grund dieser grenzte er
von der Form taedaeformis mehrere neue Formen ab: P. praetaedaeformis,
P. posttaedaeformis, P.prae-Cebra und P. Palaeo-Taeda und benützte
diese (mit Ausnahme der letztgenannten Form von Sagor) dazu, eine
Abstammungsreihe der lebenden P. Cembra L. von der tertiären P. Palaeo-
Strobus Ett. abzuleiten. So interessant dieser phyllogenetiscbe Versuch
einerseits für die Würdigung der in den verschiedenen aufeinanderfolgenden
Horizonten des steirischen Tertiärs erhaltenen dreinadeligen Piw«s-Kurz-
triebe ist, ebenso sehr erschwert die Aufstellung neuer, sehr ähnlicher
Formen die Deutung der anderwärts gefundenen Nadelbüschel von ent-
brechender Beschaffenheit, bei denen, wie z. B. für die ziemlich spärlichen
Funde aus der böhmischen Braunkohleuformation, eine Gliederung nach
verschiedenalterigen Horizonten unmöglich ist.
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64
Für die Unterscheidung der P. taedaeformis von P. Satumi hat mich
die mehrfach angezogene Arbeit Kttingshausen’s aber davon überzeugt,
dass der ursprünglich als Trennungsmerkmal angeführte Längenunterschied
zwischen den Nadeln beider nicht aufrecht zu erhalten ist, bildet Ettings-
hausen doch Nadeln von P. taedaeformis ab, die denen von P. Satumi
an Länge gleichkommen, sie sogar übertreten (z. B. 1. c., t. V, fig. la).
Nachdem so von Ettingshausen das Princip der Scheidung von P. Satumi
und P. taedaeformis auf Grund der verschiedenen Nadellänge durchbrochen
ist, ein anderes Unterscheidungsmerkmal aber nicht angegeben worden
ist, trage ich kein Bedenken, beide zu vereinigen, und zwar unter der
älteren Bezeichnung Pinus Satumi Ung. sp., die sich auf die ausgezeich-
neten Exemplare gründet, die Unger in der Chloris protogaea wiedergiebt
Die Benennung P. taedaeformis erscheint mir zudem insofern nicht ganz
glücklich gewählt, als die hierher gehörigen Reste mit P. Taeda L. nur
die Dreizabl in den Kurztrieben gemein haben, in der Breite der Nadeln
aber von dieser Art erheblich abweichen.
Die von Ettingshausen aufgestellten, oben angeführten Formen lasse
ich in voller Würdigung von dessen verdienstvollen Untersuchungen be-
stehen, kann ihnen aber eine praktische Bedeutung nur für die besonderen
Verhältnisse ihres Vorkommens im steirischen Tertiär beimessen.
Dass zur vorliegenden Art noch manche andere, besonders benannte
Kurztriebe mit drei langen dünnen Nadeln gehören mögen, will ich hier
nur vermuthungs weise anführen, z. B. P. trichophyUa Sap. und P. divari-
cata Sap. (Et. sur la Vegetation du sud-est de la France ä l'epoque
tertiaire II, p. 71, pl. IV, fig. 9; p. 73, pl. IV, fig. 2); die letztere Art
Saporta’s hat schon Ettingshausen (Foss. Flora v. Sagor I, p. 12) mit
P. taedaeformis vereinigt.
Aus den böhmischen Tertiärschichten liegen nur wenige und unvoll-
kommene Reste von P. Satumi vor, deren einige Taf. III, Fig. 17 — 21
dargestellt sind. Fig. 17 ist eine Copie nach Engelhardt, Tert. Fdora des
Jesuitengrabens, t. 1, fig. 41, dort als P. Satumi bezeichnet; Fig. 18 nach
Engelhardt, Fl. d. Tertiärschichten von Dux, t. 3, fig. 1; Fig. 19 und 20
Copien nach Ettingshausen, Foss F'lora von Bilin, t. XIll, fig. 13, 14
(F’ig. 18 — 20 sind 1. c. als P. taedaeformis beschrieben); Fig. 21 endlich
giebt ein Exemplar des Dresdener Museums aus dem Thone von Komotau
wieder ; ein anderes hier nicht abgebildetes Exemplar desselben Museums,
ebenfalls aus dem Thone von Komotau stammend, ist insofern bemerkens-
werth, als es deutlich die Spuren reihenförmig aiigeordneter, dichtstehender
Spaltöffnungen erkennen lässt .
Unger stellt seine P. Satumi der mexicanischen P. patula Schiede
und Deppe nahe; zum Vergleich mit den Nadeln können noch manche
andere dreinadelige Arten hcrangezogen werden, z. B. P. serotina Mchx.
und P. sabiniana Dougl, aus Nordamerika und P. canariensis Smith.
Pinus hepios Ung. sp. Taf. 111, Fig. 4.
Finites hepios Dnger: loonogr., p. 25, t. XIII, fig. H— 9.
lien. et sp. pl. foss., p. 3Ö2.
(ioeppert; Monogr. d. foss. Conif., p. 228.
Finus hepios Heer: Flor. tert. Helv. 1, p. 57, t. XXI, fig. 7.
Ettingsliansen: Foss. Fl. v. Sagor I, p. 13, t. I, fig. 29.
F'oss. Fl. v. Leoben I, p. lü.
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65
Pinus licpios Kttingshausoii; Fo-is. Fl. v. Sehoenegg I, ]i. 14.
— — — Beitr. z. Krf. il. J’hyllog. d. l’ll., t. VIII, lig. Ic, d; t. IX, fig. 9.
Schimpcr: Traitß de, pal. v6get II, p. 26.5.
Pinus Irptophi/lla Saporta: Et. sur T^tat de la veg. du sud-est de la France
ä IV’ponne tertiaire II, p. 77, pl. IV, Bg. 11.
Pinus ornata (pp.) Engelhardt: Tert. Ffl. a. d. Leitui. Miltelgeb., p. 62, t. 10,
fig. 5—7.
Fos.<i. Flora v. Tschemowitz, p. 17.
Pinus foliis geminis, 9 — 15 cm longis, 0,6 — 0,8 mm latis, rigidis vel
flexuosis, basi vagina 10 — 16 mm longa inclusis.
Vorkommen; Im Basalttuffe von Waltscli, im Sandsteine von Schüttenita
und Tschemowitz,
Unter dem Namen Pinus hepios Ung. sind seit Unger’s erster Pub-
lication Nadelreste von verschiedenen Fundorten mitgetheilt worden, die
sich theils an die Unger’sclien Originalabbildungen anschlossen, theils Ab-
weichungen von diesen, besonders in der Stärke darboten, wie die Nadeln
bei Heer, Haitische Flora, p. 58, t. XIV, fig. 2 — 4; Engelhardt, Tertiär-
flora von Berand, p. 12, t. I, flg. 19.
Ettingshausen hat früher (Fl. v. Bilin I, p. 41), die Vermuthung aus-
gesprochen, dass die Nadelbüschel der P. hepios Ung. als unvollständige
Büschel von P. taedaeformis Ung. aufzutässen seien, später ist er aber
ohne Zweifel von dieser Ansicht zurückgekommen, denn er hat in späteren
Publicationen P. hepios wiederholt aufgeführt, er hat in seinen phyllo-
genetischen Untersuchungen (Beitr. z. Erf. d. Phyllog., p. 73) P. hepios als
Glied in die Abstammungsreihe der P. Laricio aufgenommen, und er hat
in der eben citirten Abhandlung und in seiner Fossilen Flora von Sagor
(1, p. 13) den ArtbegrilT der P. hepios Ung. praecisirt, indem er ihn auf
Kurztriebe mit zwei dünnen Nadeln beschränkte, die aus zwei dicken
Nadeln bestehenden Büschel aber davon abtrennte und mit P. Laricio
Poir. vereinte.
Mich führt die Untersuchung der zweinadeligen Kiefemreste der
böhmischen Braunkohlenformation zu gleichem Kesultate; mir lagen ins-
besondere von Waltsch eine Anzahl benadelter Zweige und isolirte Kurz-
triebe vor; ein solcher Zweig ist Taf. III, Fig. 4 abgebildet; er trägt an
der Spitze einen Schopf nicht eben dicbtgestellter Nadelbüschel, die von
je zwei langen und dünnen, am Grunde von einer I — 1,5 cm langen und
bis zu 1,5 mm dicken Scheide umgebenen Nadeln gebildet werden; am
unteren Theile des Zweiges sind nur vereinzelte Nadelpaare stehen ge-
blieben. Die Nadeln am abgebildeten und an verschiedenen anderen
Exemplaren weisen eine Länge von 9—16 cm auf bei einer Breite, die
zwischen 0,6 — 0,8 mm schwankt; sie waren zuweilen leicht gebogen (wie
bei Taf. III, Fig. 4). Die Binde der Zweige lässt, wie auch auf der Ab-
bildung angedeutet ist, und wie es an anderen untersuchten Exemplaren
noch besser zu erkennen war, deutlich in entfernten Spiralen (Intervalle
durchschnittlich 1 cm) angeordnete, quergestellte, ovale Blattkissen mit
herablaufenden Blattspuren wahrnebmen.
Beim Vergleiche mit lebenden Kieferzweigen bot sieb mir als Analogon
P. halepensis Mill. dar, die in allen Eigenschaften, in der Beschaffenheit
der Kurztriebe, in deren Anordnung, im schlanken Habitus der Zweige
und in der Bindenbildung der letzteren mit den fossilen Kesten eine über-
raschende Uebereinstimraung aufweist.
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Filter den fossilen Kiefern ist P. h-pios im engeren Sinne mit unseren
Resten identisch, ebenso stimmen mit ihnen die Nadeln von F. leptophyUa
Sap. (ßtudes II, p. 77, pl. IV\ fig. 11) überein, die Ettingshausen bereits
mit P. hepios vereinigt hat, und die Saporta ebenfalls mit den Nadeln
von P. halcpemis Mill. vergleicht.
Unger hat seine P. hepios mit der nordamerikanischen P. mitis Mchx.
verglichen.
Mit der vorliegenden Art glaube ich die von Engelhardt, Tert. I*fl.
d. Leitm. Mittelgeb., p. 62, t. 10, tig. 5 — 7, und Foss. Pfl. von Tschernowitz,
p. 17 angegebenen und von ihm zu P. ornata Sternbg. sp. gestellten Nadel-
fragmente vereinigen zu können; sie übertreffen an Stärke die typischen
Nadeln der P. hepios um ein Geringes, da sie etwa 1 mm Breite erreichen,
sie kommen damit den von Heer in der Tertiärfiora der Schweiz, t XXI,
tig. 7 abgebildeten Nadelpaaren nahe.
Die Beziehung dieser Nadeln zu P. ornata scheint nicht ganz der
Berechtigung zu entbehren. Nadeln und Zweige von P hepios Ung. habe
ich mit denen von P. halcpensis Mill. verglichen; oben tsiehe S. 55) ist
die grosse Aehnlichkeit der Zapfen von P. ornata mit denen von P. hale-
pcnsis hervorgehoben; beiderlei Reste, die zu P. ornata bez. P. hepios zu
ziehen sind, kommen an drei böhmischen Fundorten gemeinsam vor, es
liegt daher die Wahrscheinlichkeit sehr nahe, dass dieselben combinirt
werden können, zumal die gegenwärtige Verbreitung der P. halepcn-sis
sehr w'ohl die Annahme zulässt, dass diese im mitteleuropäischen Tertiär
bereits vertreten war oder doch in P. ornata-hepios einen sehr nahe-
stehenden Vorläufer besass. Immerhin aber nehme ich Anstand, die
Zapfen P. ornata mit den Nadeln P. hejrios bestimmt zu vereinigen, so
lange dieselben nicht in natürlichem Zusammenhänge aufgefunden
worden sind.
Engelhardt erwähnt (Tert. Pfl. d. Leitm. Mittelgeb., p. 62) Zweigstücke,
die übereinstimmend mit dem von Rossniässler (Altsattel, p. 41, t. 12,
tig. 55) abgebildeten nadellosen Zweige mit spiralig angeordneten Blatt-
polstern bedeckt sind, und die man vielleicht hierher ziehen kann, wenn
man überhaupt solche Reste benennen will.
Pinus laricioides nov. spec. Taf. III, Fig. 16.
Pinus hepios Heer: Balt. Flnra, p. ,tS, t. XIV, fig. g — 1.
Eiigelhanlt : Tertiiirflora v. Berand, p. 12, t. I, fig. 19.
Pinus Loricio (p. p.) KttingshauBeii; Beitr. z. Erf. d. Bh.vllogenic d. Pfl., t. VI,
fig. 1, 2, 4; t. VIII, fig. 4a, 5a, 6; t IX, fig. 11, 12.
Pinus foliis geminis, 8 — 15 cm longis, 1,5 — 2,5 mm latis; vaginis
1 — 1,5 cm longis.
Vorkommen: Im Schieferthone von Sulloditz-Berand.
Dem Beispiele Ettingshausen’s folgend trenne ich von P. hepios Ung.
sp. die Kurztriebe mit zwei dicken Nadeln, die bisher zumeist mit dieser
Art vereinigt wurden, so vor Allem die von Heer fragw'eise hierher
gestellten Nadcl])aare von Rixhöft und unter den böhmischen Funden das
von Engelhardt 1. c, angeführte Stück von Berand.
Heer hat bereits auf das Abweichende seiner Rixhöfter Nadeln von
der Unger'sclien P lujjios hingewiesen und hat sie in Beziehung zu
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67
P. Laricio Poir. und P. pinaster Sol. gebracht; Ettingshausen hat sie
dann direct mit P. Laricio vereinigt (Eoss. P'lora von Sagor 1, p. 13;
Beitr. z. Phyllogenie 1. c. p. 73).
ln der That stimmen diese Kurztriebe mit zwei 8 — 15 cm langen
und 1,5 — 2,5 mm breiten Xadeln, die am Grunde von einer 1 — 2,5 cm
langen Scheide umgeben sind, mit denen von P. Lando sehr wohl über-
ein, besonders mit denen der var. FaUasiana', ich mochte diese isolirten
Nadelpaare aber nicht unter diesem Namen aufführen, nachdem bereits
fossile Zapfen als mit der lebenden Art identisch publicirt worden sind,
getreu dem Princip, nichts zusammenzubringen, was nicht wirklich im
Zusammenhänge gefunden worden ist, ohne jedoch damit die grosse Wahr-
scheitdichkeit der Zusammengehörigkeit der tertiären P. PanWo -Zapfen
mit den P. Zanewirfes- Nadeln in Frage zu stellen.
Taf. III, Fig. 16 stellt das bereits von Engelhardt mitgetheilte Bruch-
stück von Berand dar; es ist auffällig durch die verschiedene Ausbildung
der beiden Nadeln; die eine zeigt die normale für unsere Art angenommene
Breite, die andere ist wesentlich schmäler; wahrscheinlich handelt es sich
um eine Entwickelungsheramung dieser einen Nadel, wie sie zuweilen,
wenn auch selten in so holiem Grade, an den Kurztrieben der Kiefern
zu bcobiichten ist; eine zufällig entstandene Zerstörung ist ausgeschlossen,
davon überzeugt mich der in beiden Platten in meiner Sammlung be-
tindliche Abdruck, und wie ich an mehreren Querbrüchen sehen kann, ist
es auch nicht stichhaltig, die verschiedene Stärke der Nadeln dadurch
zu erklären, dass diese mit verschiedenen Seiten, die eine mit der breiten
Fläche, die andere mit der schmalen Kante vorliegen.
Pinus lanceolata Ung. sp.
Elate lanceolata Unger: Sju. pl. foss., p. 200.
1‘inites lanceolatus Unger: Iconogr. pl. foss., p. 22, t. XII, tig. 5, ö.
Gen. et sp. pl. foss., p. 357.
— Sylloge pl foss. III, p. ti5, t. XX, tig. 3, 4.
KniUicher: Svnops. coiiif,, p. 284.
Goeppert: Monogr. d. foss. Conif., p. 207.
Abies lanceolata Scliimper: Traitß de pal. v^get. II, p. 302.
IHnus lanceolata Kngelhardt: .Sitzuugsber. Isis Dresden 1882, Abli. p. 14.
— TertiärHora d. Jesuitengr^ens, p. 18, t. 1, fig. 31.
Pinus foliis subdistichis, planis, lanceolato-linearibus, aeutiusculis.
Von dieser Art sind aus Böhmen nur unbedeutende Reste bekannt
geworden; ausser dem von Engelhardt 1. c. mitgetheilten Zweigstückchen
ist ein Zweigfragment mit einigen Nadeln aus dem Preschener Thone
hierher zu stellen, das sich in meiner Sammlung befindet.
Die Art ist charakterisirt durch gescheitelt beblätterte Langtriebe
mit flachen, bänglich -laucettlichen, zugespitzten Blättern von 1 — 1.5 cm
Länge und 1 — 2 mm Breite, die von einem kräftigen mittleren Längsnerven
durchzogen sind.
Unger verglich diese seine Art mit Tsuga (PinusJ canadensis Carr.
und vereinigte mit ihr Samen, die denen von Tsuga-, Ahies- und Picea-
Arten ähneln; Schimper stellte sie zu den .Abietes verae; andererseits wurde
die Fixistenzberechtigung von P. lanceolata angefochten, z. B. führt sie
Staub in D. Aquitan. Flora des Zsiltliales, p. 30 als Synonym von Sequoia
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()K
Laiii/sdorfii Bi'gt. sp. auf. Jeclenfalls ist sie eine auf nur mangelliaft er-
haltenes Material begründete, noch zweifelhafte Art, zu deren Sicherstellung
die böhmischen Tertiärschichten geeignete Reste bisher nicht geboten haben.
Terzeichniss der Abbildungen.
[In Klammern ist die Sammlung beigefügt, die die Originale bewahrt.]
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 3»~
Fig. 3 b-
Fig. 4»'
Fig. 4 b-
Fig. 5.
Fig. 6».
Fig. Üb.
Fig. 7.
Fig. 8.
Fig. 9.
Fig. 10.
Fig. 11.
Fig. 12.
Fig. 1.3.
Fig. 14.
Tafel II.
Pinus oviformis Endl. sp. Zapfen in Braunkohle vom Concordi.*!-
schachte bei Weschen bei Teplitz [Königl. Mineral.-Geol. Museum,
Dresden].
Pntis oviformis Endl. sp. Zapfen vom Lipneibusche bei Teplitz,
nach einem .4bgusse [Museum zu Teplitz].
Ihnus ovifonnis l'indl. sp. Zapfenabdruck aus dem Tlione von
Preschen [Sammlung Menzel].
Hnus oviformis Endl. sp. Einzelne Zapfenschuppe aus dem Sand-
steine von Tschernowitz [Sammlung Menzel].
Pifius oviformis Endl. sp. Zapfeiiabdruck von Preschen [Sammlung
Menzel].
lintis oviformis Endl. sp. Einzelne Apophyse desselben Zapfens.
linus horducea Rossm. sp. Zapfenbruchstück, Abdruck von
Preschen (Sammlung Menzel].
linits ornuia Sternbg. Versteinerter Zapfen von Waltsch [Böh-
misches Eandesmuseum, Prag].
Pnus ornaia Sternbg. Einzelne Apophyse desselben Zapfens.
Piniis ornaia Sternbg. Längsbruch eines Zapfens von Waltsch
[Böhmisches Landesinuseum, Prag].
Pinus ornaia Sternbg. Zapfenabdruck von Preschen [Sammlung
Menzel].
Pnits ornaia Sternbg. Apophysenabdrücke von Waltsch [Böh-
misches Landesinuseujn, Prag].
Pinus Larido Poir. Abgerollter und theilweise zerbrochener
Zapfen von Tschernowitz [Sammlung der landwirthschaftlichen
Schule zu Liebwerd].
Pinus Laricio Poir. Zapfenabdruck von Tschernowitz [Museum
zu Teplitz].
Pinus Laricio Poir. Zapfenabdruck von Davidsthal, nach einem
Abgusse [Sammlung Menzel],
Pinus Laricio Poir. Zapfenabdruck von Waltsch, nach einem
Abgusse [Böhmisches Laudesmuseum, Prag].
Pinus Laricio Poir. Zapfenabdruck von Tschernowitz, nach einem
Abgusse [Museum zu Teplitz].
Tafel III.
F’ig. 1,2. Pinus rigios L'ng. sp. Kurztriebe von Preschen [Sammlung
Menzel].
Fig. 3. Hnus rif/ios Ung. sp. Kurztrieb aus dem Cyprisschiefer von
Falkenau [Sammlung Menzel].
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69
Fig. 4. JYwks hcpios Ung. sp. Zweig von Waltsch [Böhmisches LanJes-
luuseum, Prag],
Fig. 5a. Pmas sp. Same von Krottensee, vergrössert Fig. 5*>. [Böhmisches
Landesmuseum, Prag].
Fig. 6. l'inm sp. Same von Krottensee [Böhmisches Landesmuseum,
Prag].
Fig. 7. Pinus Laricio Poir. Same von Preschen [Sammlung Menzel].
Fig. 8. Pinus Laricio Poir. Same vom Jesuitengraben [Sammlung Menzel].
Fig. 9. Pinus Laricio Poir. Same aus dem C^prisseuiefer von Grassetn
(Copie nach Flngelhardt).
Fig. 10. Pinus Laricio Poir. Same von Krottensee (Copie nach Engel-
hardt).
Fig. 11. Pinus pseudoniyra Engelh. Same von Krottensce (Copie nach
Engelhardt).
Fig. 12. Pinus sp. Same von Ladowitz (Copie nach Engelhardt).
Fig. 13. Pinus sp. Blüthenkätzchen von Davidsthal [Sammlung Menzel].
Fig. 14. I^nus sp. cT Blüthenkätzchen von Krottensee [Böhmisches Landes-
miiseum, Prag].
Fig. 15»- Pinus sp. Blüthenkätzchen von Preschen [Sammlung Menzel],
Fig. 15 1>, c. einzelne Antheren desselben von der Seite und
von vorn.
Fig. 16. Pnus laricioides nov. sp. Kurztrieb von Berand [Sammlung
Menzel].
Fig. 17. Pinus Satumi Ung. sp. Kui-ztrieb vom Jesuitengraben (Copie
nach Engelhardt).
Fig. 18. Hnus Saturni Ung. sp. Kurztrieb von Dux (Copie nach Engel-
hardt).
Fig. 19, 20. l^inus Saturni U^ng. sp. Kurztriebe von Schichow (Copien nach
Ettingshausen).
Fig. 21. Pinus Saturni Ung. sp. Kui-ztrieb von Komotau [Königl. Mineral-
Geol. Museum, Dresden].
Fig. 22. Pinus Laricio Poir. Zapfenschuppe von Krottensee [Böhmisches
Landesmuseum, Prag].
Fig. 23, 24, 26, 27. Pinus hordacea Rossm. sp. Zapfenschuppen von Preschen
[Sammlung Menzel].
Fig. 25. Pinus hordacea Rossm. sp. Zapfenschuppe von Preschen [Böh-
misches Landesmuseum, Prag],
Fig. 28. Pinus Emjelhardti nov. sp. Zapfen, nach einem Abgusse ergänzt,
von Thünnitz [Königl. Mineral.-Geol. Museum, Dresden].
Tafel IV.
Fig. 1.
Fig. 2.
Pinus horrida nov. sp.
Menzel].
Pinus ng-ios Ung. sp.
Zapfenabdruck von Preschen [Sammlung
Zweig von Preschen [Sammlung Menzel].
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IX. Die postglaciale Entwlckelungsgeschiclite
der hercynischeii Hügelformationen und der montanen
Felstlora.*)
Von Prof. Dr. Oaoar Drude.
Die Vorstellungen, welche wir uns von dem Kntwickeluugsgange der
Flora unserer hercynischen, noch im Norden w.ührend der Eiszeiten von
den Wirkungen des grossen Inlandeises direct berührten Gaue machen
können, werden stark beeintlusst durch die Gesamnitvorstellung über diese
Eiszeiten und das durch sie in Deutschland geschaffene Bild, an dessen
Entriithselung so viele tüchtige Kräfte unausgesetzt arbeiten. Vieles
Zweifelhafte ist dabei noch übrig gehliehen; noch haben die Geologen
hinsichtlich der Zahl, Dauer und Ablösung der einzelnen Eiszeit-Perioden
längst nicht einen endgültigen Abschluss erreicht; Pflanzengeographen
wie A. Schulz-Halle nehmen an deren .\rbeit über diese Fragen positiven
Antheil und entwickeln selliständige Meinungen. Es ist hier nicht der
Ort, auf die vielen Controversen einzugehen, welche zumal die Frage be-
trefl’en, ob zur letzten grossen Eiszeit Deutschland ein verödetes, Grön-
land in seiner Flora vergleichbares Land gewesen sei oder ob der Wald
(Fichte. Moorbirke) in .Mittcldeutscldand bis gegen ilie Grenze des Inland-
eises hin sich habe halten können. Ich selbst halte mich an diese letztere
.Meinung, wie ich sie wesentlich in einem früheren Aufsatze über die
hypothetischen Einöden zur EiszeiP**) ausgesprochen hatte, wenngleich
sich vielleicht das dort über Skandinaviens Flora Gesagte nach den von
Nathorst gemachten sachlichen Erwiderungen***) nicht aufrecht erhalten
lässt. Hier genügt es, zunächst darauf liinzuweisen, dass fast alle fach-
männischen Urtheile darin übereinstinmien, dass mehrere Vergletscheriings-
perioden in Deutschland abgewechselt liaben und besonders die zwei
grossen Hauptperioden durch eine Interglaei.alzeit getrennt sind, welche
an vielen Stellen die unzweideutigsten Spuren einer reichen, von «'ärmerem
Klima als die Jetztzeit zeugenden Flora zurückgelassen hat. Diese
wärmere Flora wurde durch eine zweitmalige Hauptvergletscherung zurück-
gedrängt, welche weniger weit ihre Wirkungen erstreckte als die vorher-
*) Zusammenfassung iler Vorlriige in den Hiuiptversammlnngen vom 23. Fe-
bruar 1899 und 29. November 19(J0.
•*) Peterm. Geograph. Mittheilnngen 1889, S. 282. — Siehe anch Geogr. .fahrb. XV.
1891, S. 350.
**•) Eugler’s liotan. Jahrb. f. Sjst. etc. XllI, Beiblatt zum 3J4. Hft, Jlärr 1891.
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71
gegangene; an diese zweite Ilauptvergletscheniug und deren Ablösung
durch Steppen, Wiesen- und Wald-Vordringlinge hat demnach unsere
pflanzengeographische Betrachtung anzuknüpfen, und wenn die Zahl der
Hauptvergletscnerungs-Zeiten nach geologischen Forschungen als grösser
angenommen werden muss, jedenfalls an deren letzte. Dahei ist es zu-
nächst ziemlich gleichgültig, oh es sich daun um eine zweite oder vielleicht
vierte Eiszeit handelt, obgleich Nehenumstände verwickelter Art auch
darnach eine verschiedene Beurthcilung erfahren würden, ln der Haupt-
masse einzelner Fragen und Anschauungen stehe ich auf dem gemässigten
Standpunkte, den Nehring in seinem bekannten, vortrefl'lichen Buche
über Tundren und Steppen im Jahre 1890 eingenommen und seitdem
vertheidigt hat.
Es ist klar, dass die Ausdehnung des skandinavischen Landeises süd-
wärts bis nach Schlesien und Sachsen zwar einen Begriff von den Ent-
stehungsbedingungen im Centrum, weniger aber von den klimatischen Be-
dingungen am Südrande giebt. Für das letztere müssen wir an andere
bewiesene Darlegungen anknüpfen, welche, zunächst dem osthercynischen
Gau, sich aus l’artsch's Studien über die Gletscher des Iliesengebirges*)
ergeben. Nach diesem Forscher erzeugte die erste, grössere Eisbedeckung
eine klimatische Firnlinie zwischen 1100 — 1200 m Höhe und liess aus
einer 84 qkm grossen Gletscherfläche im Weisswasser- und Aupathal bis
800 m Tiefe Gletscherzungen herabreichen; die Grenze des nordischen
Landeises aber lag 6‘/j km vom Riesengebirgs- Gletscher bei Hermsdorf
in 350 — .380 m Höhe entfernt. Die Firnlinie zur zweiten Haupteiszeit
aber glaubt Bartsch nur bei 1350 m Höhe annehmen zu sollen, ca. 200 in
höher als erstmalig. Hiernach lassen sich auch die physikalischen Ver-
hältnisse in den hercynischen Bergländern vom Jeschken westwärts einiger-
massen beurtheilen; denn so unzweideutige geologische Relicte wie in den
Sudeten liegen hier nicht vor. (Vergl. übrigens auch Bayberger’s Geogr.-
geolog. Studien aus dem Böhmerwald.)**)
Die Scbneelinie liegt bekanntlich da, wo die Wärme der sommer-
lichen Jahreszeit eben noch die Schneeniassen des Winters zu schmelzen
vermag; sie liegt also in sehr schneereichen Gebieten bei gleichen Soimiier-
temperaturen tiefer als in schneearmen, muss daher in den Berioden
mitteldeutscher Eisbedeckung (im Riesengebirge) sehr tief gelegen haben.
Ihre Lage in den Central-Alpen zur .Jetztzeit trifi't etwa auf eine Höhe
(2750 — 2860 m), in der die Jahrestemperatur zwischen — 3“ und — 4“C.
zu liegen pflegt, in der Schweiz hei — 2,8“ C'.,***) die Schneelinie kann
aber in feuchten Klimaten, wie wir sie auf der südlichen Hemisphäre
antreffen, so tief herabgehen unter dem Einfluss der so viel stärkeren
Schneefälle und der an Sonnenstrahlung armen Sommer, dass diese tiefe
Lage auf eine mittlere Jahrestemperatur von -|- 3“ C. trifi't. Im Flrzgebirge
herrscht jetzt bei 1200 m Höhe eine mittlere Jahrestemperatur von -f- 2,3"C.,
welche Ziffer man bei Eiszeit- Hypothesen nicht überschätzen sidl. Aber
bekanntlich wird Mitteleuropa jetzt von einer Temperatur- Isanomale des
Jahres von 4“ C. geschnitten; um so viel ist es bei uns jetzt zu warm,
und zweifelsohne war die Temperatur- Isanomale der Eiszeit bei uns zu
*) Forschungen z. deutsch. Landes- und Volksk., VIII, Hft. 2, Karte Taf. 6.
**1 Geogr. Mittheilungen, Ergünzun^heft No. 81, Gotha 1886.
**•) Vergl. Heim: Gletscherkunde, Tabelle S. 18—19.
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72
Gunsten anderer Länder negativ. Nehmen wir die jetzigen (continentalen)
Klimaverhältnisse der Alpen zum Muster und beurtheilen die Temperatur
an der schlesischen Firnlinie bei 1200 m darnach als etwa um — 3“ C.
liegend, so würde das einer Temperaturdepression im Erzgebirge von etwa
5— 6®C. gegen das heutige Jahresmittel entsprechen. Unter Vergleichung
der thatsächlichen V^erhältnisse in feuchten Klimaten kann man demnach
die obere Fichtenwaldgrenze der llaupteiszeiten in dem zwischen Erz-
gebirge und Sudeten liegenden Landstriche auf 3(X) — 600 m Höhe als
möglich ansetzen, welche den hier vorkommenden Relicten von Strcptopus
und Viola hiflora (Lausitzer Bergland und Elbsandstein) entspricht. Allein
schon bei der Fortnahme des jetzigen Temperaturüherschusses von
+ 4® C. würde das Klima im jetzigen sächsischen Elbthale den Charakter
vom heutigen Erzgebirge in 800 m Höhe, also um Altenherg und Reitzen-
hain erhalten.
Soweit Zungen des nordischen Inlandeises sich local südwärts vor-
geschoben haben oder kleine Gebirgsvergletscherungen in Thäleru vor-
gedrungen sind, sind damit selbstverständlich besondere Temperatur-
depressionen verbunden gewesen. Aber das allgemeine Temperaturbild
braucht dadurch nur modilicirt worden zu sein, und in der Hercynia
voraussichtlich zur Zeit der zweiten llaupteisbedeckung im Bereich der
jetzigen Hügel- und unteren Bergregiou nur wenig, ln wie weit aber zur
Zeit der grössesten Eisbedeckung arktisch -alpine Glacialflora in den
niederen Vorbergen des Erzgebirges, und zwar nachgewiesen am Ausgange
des Weisseritzthales gegen das Elbthal bei Dresden, formationsbildend
auftreten konnte, zeigt die Abhandlung von Nathorst voll höchsten
Interesses über die fossile Glacialtlora von Deuben (1894) mit Salix
herbacea und mi/rtilloides, Saxifraga Hircnlus und oppo.<ilifolia, Eriophorum
Schtmhzeri etc., Arten, welche gemäss der von mir jener Abhandlung
beigefügten Karte ihre jetzigen nächsten Standorte ziemlich weitab und
viele Arten überhaupt nur über der Baumgrenze gelegen haben.
Ohne auf Einzelheiten einzugehen, welche um so breiter und weit-
schweifiger begründet werden müssen, je mehr es an positivem Wissen
fehlt, will ich nur als meine Ansichten über den Schluss der letzten
Hau])teiszeit kurz angeben, dass damals Betula odonita und JVrea exceha
als Repräsentanten der Waldbäume gemischt mit den Arten unserer
heutigen Hochmoore und des obersten Bergwaldes und vielen jetzt fort-
gew'anderten Glacialpflanzen das hercynische Hügelland besonders in den
östlichen Gauen besetzt hielten, während im Südwesten ein reicherer Be-
stand von Wald- und Wiesenarten herrschte und hier vielleicht Tanne
und Buche ihre damaligen Ostgrenzen hatten. Die gesammte „südöstliche
Genossenschaft“ aber wird sich damals viel weiter südwärts, vielleicht
von Kroatien-Bosnien und den dinarischen Alpen an zerstreut bis N’ieder-
österreich, .Mähren und Böhmen als äussersten Vorposten, zurück-
gehalten haben.
Deren Zeit und Einwanderung folgte dann später, und es genügt
hier auf Nehring’s Schilderungen hinzurveisen, um den Gang und die Ent-
wickelungsinöglichkeit zu verstehen. Wenn auch die Altersbestimmungen
für viele der Reste von Steppenthieren auf die Interglacialzeit fallen oder
nicht scharf auf einen bestimmten jüngeren Zeitabschnitt deuten, so lässt
doch die ganze Idee von alternirenden Eiszeit- und Wärmeperioden die
Deutung zu, dass ein von Steppenpllanzen einmal genommener Weg auch
73
ein zweites Mal ähnlich entstehen konnte, und deshalb ist die für das
Land der unteren Saale und Braunschweig gewonnene genaue Bekannt-
schaft mit den Steppenthier-Resten in Westeregeln und Thiede (Nehring!)
von grosser und weitergehender Bedeutung. Dass hier die Thierreste
für die Pflanzen, mit denen sie den Aufenthalt theilen, mit eintreten
müssen, ist aus den Schwierigkeiten, die der fossilen Krhaltung von
Steppenpflanzen entgegeutreten, leicht verständlich. Nach ü. Ändersson’s
Uebersicht über die schwedische Quartärflora, beurtheilt nach Fossilresten
in den Mooren, sind darunter Bäume, Sträucher und Zwerggesträuche
überwiegend, aber auf trockenem Boden vorkommende Arten sind über-
haupt nur durch ganz wenige zufällige Funde vertreten. Daher ist es
durchaus nothwendig, der Zoologie mit ihren gut erhaltenen Resten von
Steppenthieren in der Beurtheilung dieser Periode den Vortritt zu lassen,
und Nehring entwickelt darüber folgendes Bild der Wechsel;
Lemming-Periode = Ausbreitung arktischer Tundra;
Pferdespringer -P. = Ausbreitung nördlicher Steppenflora;
Eichhörnchen - P. = Zurückdrängung der letzteren durch Waldflora.
Erscheint ein solcher Wechsel interglacial annehmbar, so ist ebenso
wahrscheinlich, dass im Bereich der hercynischen (Laue eine postglaciale
Steppenzeit die letzte grössere Eisbedeckung ablöste, immer aber in der
von Nehring selbst betonten massvollen Weise. Die Steppen können
weite Strecken im sonnigen Hügellande eingenommen haben, auf den
Gebirgen und in den feuchten Thälern braucht um deswillen der Wald-
und Wiesenbestand nicht erheblich eingeschränkt gewesen zu sein.
Nur bei Annahme solcher massvollen Anschauungen, welche nicht
damit rechnen, dass insgesammt Glacialtundren nur von Steppen, und
diese dann von Wiesen- und Waldflora abgelüst wurden, kann man be-
greifen, dass noch heute Relicte dieser verschiedenen Perioden friedlich
neben einander wachsen und sich an einigen Stellen zu Bildern von merk-
würdig gemischten Genossenschaften vereinigt haben.
So bedarf es denn, um das hypothetische Bild der Vergangenheit für
die heutige Kenntniss von unserer Pflanzendecke praktisch zu gestalten,
besonders des Aufspürens der Glacialrelicte und der Steppeiirelicte in
denjenigen Formationen, die sie erhalten konnten. Zu dem Zweck ist
eine genauere Betrachtung der Hügelforinatiouen, der Hochmoore
und der subalpinen Berghaide nothwendig; erstere enthalten Steppen-
und Glacialrelicte zusammen, die Moore und Berghaiden nur Glacial-
relicte. Dabei wird unter Relictenflora das Vorhandensein am sporadischen
Standorte fernab vom jetzigen Hauj)tareal jener Art verstanden und dieser
sporadische Standort mit der früheren grösseren Allgemeinverbreitung
zu einer der genannten Quartärperioden in hypothetischen Zusammen-
hang gebracht.
Die Ufigelformationen enthalten neben den Arten sonniger Ge-
büsche, lichter Haine und trockener Grasfluren von noch heute den
Steppen vergleichbarem Niederwuchs besondere Fels- und Geröllpflanzeu,
und die felsigen Standorte besiedeln sowohl Glacial- als auch Stepjien-
pflanzen. Insofern wird hier eine Möglichkeit für ein engeres Beisammen-
sein beider Kategorien geboten, sofern die Länge der Vegetationsperiode und
die Temperaturausschläge nicht einer von ihnen hinderlich sind. Bedenkt
man, wie im nördlichen Russland Steppenarten wie Anevione sih'cstris
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74
weit iiuch Norden fast bis zur Berührung mit dem Tundrengebiet auf
sonnigem Kalkboden Vordringen (11. Pohle 1899!) und andrerseits die
nordische Sarifraya decipietis in der warmen Hügelregion des Böhmischen
Mittelgebirges an sonnigen Felsen unbestrittene Standorte besitzt, so haben
wir in diesen beiden Pflanzen einen Maaßstab für die Leistungsfähigkeit
mancher Arten, sich an neue Formationen anzuschliessen. Selbstverständ-
lich wird unter den gegenwärtigen Verhältnissen die grössere Anpassungs-
fähigkeit von den boreal-alpinen Arten erwartet, da die Stepj)enpfianzen
auf trockenen Sanden und Kiesen, Kalk- und Granitschotter, in Fels-
spalten, auf harten Lehm- und Lettenböden oft mit etwas Salzgehalt
eine Menge Relictenstandorte vom Klbhügellande bis zum Werragebiete
finden konnten. Die boreal-alpinen Arten vertheilen sich demnach in der
Hauptsache auf zerstreute Stationen der niederen Bergzone von ca. 500
bis 800 m, die Steppenpflanzen bleiben in der Hauptsache unterhalb
600 m.
Die Kategorie der präalpinen Arten, die im Vorlatule der Alpen den
niederen und mittleren Stufen der Bergregion (ca. 600 — 1600 m) ange-
hören, ist aber im Verein mit den Steppenpflanzen der unteren, wamien
Stufe der hercynischen Gaue eingefügt und besiedelt zum grössten Theile
den Muschelkalk.
Die hier bezeichneten Kategorien lassen sich nach den Arealformen
bezeichnen, welche ich in einem fiüheren Vortrage der Isis über die
„Resultate der floristischen Reisen in Sachsen und Thüringen“*) unter-
schieden habe, und zwar kommen hier folgende in Betracht:
a) IF für Arten wie Polijgala Chatiiaefntxus (Fger- und Elster-Bergland),
Aster alpinns (Oberlausitz und Rosstrappe, Tliü-
ringen),
Carduus deftoratus (Werra- und Thüringer Land),
Gi/psophila repens (Südharz),
ll'' für .\rten wie Cotoneaster vidga7-is (zerstreut),
EcMnosjternmm deflexum (Harz bei Rübeland,
Vogtland {?), Bölindsclies Mittelgebirge),
Mm für Arten wie Centaurea montava (Werra — Thüringen),
Dianthus Seguieri (Erzgebirge— Vogtland).
Die vorstebend bezeichneten .Areale gehören den präalpinen Arten
weiten Sinnes an.
b) AE* allein für Suadfraga decipicns (Harz — Böhmen),
AH für die Arten AW/uw Schoenoprasum *sihmcum (Bodethal, süd-
liche Oberlausitz, Sudeten),
llosa cinnamomea (Südbarz, Millescbauer),
Äraliis alpma i nur am Südharze bei Ellrich etc.
— petraea 1 auf Gyps der Zechsteiuformatiou,
Salix hastata ebendort am Alten Stollberg.
Diese unter b) vcrzeichneten Areale bilden also den arktisch-boreaJen,
bez. arktisch - alpinen Bestand seltener Relicte im Bereich der llügel-
formationen.
*) Isis-Alihanillaiigeu 1898, 8. 82 — 94.
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75
c) Po"
Po’
PM’
für die Gesaramtheit der eigentlichen Steppenpflanzen, be-
sonders ausser den in Isis (1. c. S. 93) genannten Arten die
seltenen Artemisia • Kvten des Gebietes, Oxytropis pilosa,
Pulsatilla pratensis, Andropogon Ischaemum und sehr viele
andere Stauden, von Sträuchem IVunus Chamaecerasiis.
Ausführliche Verbreitungslisten und Aufzählungen werden in dem jetzt
in Veröffentlichung begriffenen Buche: „Grundzüge der Pflanzenverbreitung
im hercynischen Berg- und Ilügellande“,*) zu finden sein. Hier soll es
sich nur um die Zusammenfassung der Hauptpunkte handeln. i
A. Die lichten Haine, Grastriften, Schotter- und Felsfluren von der
Weser bis zur Elbe und Görlitzer Neisse in 100 — 600 m Höhe.
An allen unseren grossen Strömen im Bereich der Hercynia sind auf
steilen Berggehängen die Hügelformationen am reichsten entwickelt und
besiedeln oft landschaftlich anziehende, scharf gegen den Strom vor-
springende Punkte (Bosel a. d. Elbe bei Meissen, Camburg a. d. Saale,
Badenstein a. d. Werra bei Witzenhausen, Ziegenberg a. d. Weser bei
Höxter). Der Reiz der Flora s])richt sich darin aus, dass rund 500 Arten
Blüthenpflanzen diese Formationsgruppe zusammensetzen, das ist also ’/a
der Gesammtzahl von ca. 1600 Arten! Diese Fonnationsgruppe ist die
artenreichste der ganzen Hercynia.
Ihr Aussehen ist in den zwei früheren Abhandlungen unserer Gesell-
schaft über die östlichen Genossenschaften in dem Elbhügellande von
Pirna bis Meissen**) genügend geschildert, soweit es die sächsische Flora
anbetrifft. Eine weit grössere Bedeutung erhält die Formationsgruppe in
Thüringen. Hier sind nicht nur die Gehänge an Flüssen und kleine Busch-
gehölze von ihr besetzt, sondern weite, wellige Flächen wie an den beiden
Mansfelder Seen, und im Bereich der Triasforination alle Steilgehänge
und Schotterfelder mit Muschelkalk, sowie bedeutende Antheile des Bunt-
sandsteins mit seinen blauen Letten und rothen, kalkreichen Lehmen von
bedeutender Trockenheit und Bindigkeit. Im Wesergebiet schränkt sich
die Formationsgi-uppe gegenüber dem Auftreten des Waldes mehr ein;
in der Oberlausitz besitzt sie von der Xeisse an westwärts über zei-streute
Basaltberge und granitische Höhenzüge hin noch ein nicht unhedeutendes
Areal bis Stolpen, in dessen Mittelimnkt der Rothstein bei Sohland liegt
Hinsichtlich der Mitwirkung des Substrates ist demnach zwischen
krystallinischen Gesteinen, Basalt und kalkreichen Sedimenten der Trias-
formation, am Harze wie in Thüringen von Gera an westwärts auch
zwischen Zcchsteingyps zu unterscheiden, und die Wirkung des Kalkes
auf die Zus.ammensetzung der ganzen Formation ist so bedeutend, dass
man von der Elbe zur Thüringer Saale oder ünstruth kommend die
grössesten Verschiedenheiten in gemeinen, besonders atier in den die
Genossenschaft charakterisirenden Arten bemerkt. Sehr viele Arten fehlen
unzweifelhaft aus dem Grunde östlich der Weissen Elster, weil hier auch
die Triasformation fehlt. Die Plänerkalke südlich der Elhe und die
*) .\btheilung der bei W. Engclinann erscbeiiiendcii „Vegetation der Erde*’, heraus-
gegeben von Engter und Drude.
**) I.sis-Abhaudlnngen 18)S5, S. 75 (Festsihrift) und lSi)5, S. ;15, besonders 8. 13—46.
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7G
wenigen Stellen, an denen Urkalke im Vogtlande und im Elbgebiete zu
Tage treten, haben dafür so gut wie keinen Ersatz zu bieten vermocht.
Da die Muschelkalkberge kaum 500 m übersteigen, so gehört die ganze
hercynische Trias zu dieser unteren Stufe.
In derselben zähle ich 457 Arten, welche neben einzelnen überall an
sonnigen Plätzen vorkommenden ihre eigentlichen Standorte hier besitzen,
und zwar
47 Sträucher und Zwerggesträuche, besonders Rosaceen!,
37 Gräser und verwandte llasenbildner,
373 perennirende, 2- und 1 -jährige Kräuter.
Diese 457 Arten sind nur zur kleineren Hälfte überall zu finden
(Beispiel: Tliijtmis ScrpyUum, Hdianthemnm mdyare, Rosa ruhiyinosa,
P)unus spino$a)\ die grössere Mehrzahl tritt sehr zerstreut, viele Arten
nur an wenigen Standorten auf. Rechne ich diejenigen Arten, welche
wenigstens irgendwo 1) im Weser- und Werralande, 2) in Thüringen und
an der unteren Saale — Elbe bis Magdeburg, 3) im sächsischen Elbgebiete
oder im Lausitzer Hügellande jetzt gleichzeitig verbreitet Vorkommen, als
solche von gemeinsamer Verbreitung, so zähle ich davon 277 Arten. Die
übrigen 180 Arten sind beschränkt auf je 1 oder 2 der ebengenannten
Landgruppen, und unter diesen haben wir die wichtigeren Relictstandorte
zu suchen.
Von diesen 180 Arten sind:
93 Species (oder rund der Gesammtzahl) pontisch (Areal
PM oder Po), nämlich von Sträuchern und Rasenbildnern:
Prunus Chamaccerasus | Melica ciliata
Rosa Junihilliaiia \ Agropyrum glaucum
Cytisvs nigricans P>a badensis
Car ex humüis
Andropogon Iscliaemum — Schreberi
Stipa capilUita \ — supina
— pennaia \ — obtusata
und 80 Stauden oder Q Kräuter.
Ferner befinden sich unter diesen 180 Arten:
36 Species (oder rund */is <äer Gesammtzahl) präalpin (Areal
ID— Mm), nämlich von Sträuchern und Rasenbildnern:
ISorbus Aria Vibiirnum Lantana
Amelanchier vulgaris
Rosa repms Seslcria coerulea
Riibus bifrons Carex ornithopoda
— tomentosus \ Calamagrostis varia
und 28 Stauden, so gut wie sämmtlich bei uns kalkstet oder kalkhold.
Von den erstgenannten 93 Arten, welche durch die Signatur PM
oder Po ihre politische Zugehörigkeit anzeigen, besitzt
Sachsen östlich des Weissen Elster-Gebiets (also mit Aus-
schluss der Floren von Gera bis Leipzig) 48 Arten,
von den letztgenannten 36 Arten mit iiräalpinem Areal
dagegen nur 7 Arten;
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77
von der ersteren Gruppe also die grössere Hälfte, von der letzteren
kaum ’/j.
Sachsen ist demnach relativ viel reicher an pontischen,
als an präalpinen Arten!
Diese Thatsache ist zu berücksichtigen bei der Discussion über die
Wanderungswege beider Artengruppen. In der Vertheilung der
pontischen Arealspecies nämlich ist die Landschaft der unteren Saale
(Halle-Wettin, Mansfelder Seen bis Ostharz) allen über, theilt aber ihren
Iteichthum mit den Trias-Landschaften des Thüringer Ileckens bis in die
Gegend von Arnstadt und Gotha, wo auf den Drei Gleichen und den
Seebergen noch einmal prächtige Artgenossenschaften pontischen Charakters,
Ptucedannm akatienm, Kepda nuda mit Adonis vertialis, Olaucium etc.
auftreten. (S. Sitzungsberichte dieses Jahrgangs, botan. Section vom
8. November.) Hier ist die hercynische Arealausdehnung von Luvatera
(hurintßaca, Althaca hirsiita, der pontischen Astragaleen A. exscapus,
dankus (= Hijpotjlotlis) und Oxytropis pilosa, von Seseli Hippomarathrum
mit einem der interessantesten, ziemlich beschränkten I'M®- Areale!, hier
finden sich Artemisia rupestris, pontica und laciniata, während A- scopuria
ihren einzigen das Gebiet im Osten berührenden Standort auf der Lands-
krone bei Görlitz hat.
Nicht alle auf den Osten weisenden Arten sind hier und in Sachsen
versammelt, einige recht merkwürdige Fundorte besitzt das Werragebiet.
Hier zeichnet sich der Bielstein bei Allendorf im Höllenthal durch den
Besitz von Allium strictum (nächster Fundort ostwärts der Böllberg im
Böhmischen Mittelgebirge!) aus, sowie durch Salvia Aetliiopis, von welcher
wohl mit Unrecht Verwilderung vermuthet wird. Aber eine Hauptmasse
pontiseher Arten steckt doch nur im Bereich Halle — Magdeburg — Kyff-
häuser — Gotha, und ein grosser Theil davon steckt auch in Sachsen
östlich der Weissen Elster. Es ist nun mit Recht die Frage aufgeworfen'*'),
wie das zu verstehen sei, dass der hercynische Osten und besonders das
sächsische Elbhügelland so viel ärmer an Arten politischer Herkunft sei,
als das westlicher gelegene Saaleland, da doch der hypothetische Zuzug
dieser Arten nach Schluss der letzten Haupteiszeit durch Sachsen hin-
durch anzunehmen sei. Denn im Böhmischen Mittelgebirge ist wiederum
der grösste Theil der um Halle a. d. Saale vorhandenen, bei Dresden —
Meissen a. d. Elbe aber feblenden Arten in reicher Standortsvertretung
zu linden. Schulz glaubte damals annehmen zu sollen, dass alle diese
Arten im sächsischen Elbthal früher vorhanden gewesen und dann später
ausgestorben, an der Saale aber erhalten geblieben seien.
Wenn dies auch zum Theil richtig sein mag — denn jede Relicten-
flora giebt schon in ihrem Namen die Möglichkeit des Aussterbens mancher
Arten derselben Genossenschaft und des Verlorengehens vieler Standorte
noch vorhandener Arten zu — so erscheint die Sache doch in einem
wesentlich anderen Lichte. Zunächst ist nochmals darauf hinzuweisen,
dass von den 93 I’- Arten mit beschränkt- hercynischem Vorkommen
Sachsen die grössere Hälfte mitbesitzt, das Werra- und Weserland nur
sehr wenige (die wichtigsten sind vom Bielstein genannt). Diese Gesammt-
A. Scliulz: Vegetatioii.sverh. li. Umgeb. von Halle. Mittli. Venön f. Erdkunde
zu Halle 18K7, 8. 30— 1Z4.
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zahl erscheint nun für Sachsen gar nicht gering, wenn man die schwache
Ausdehnung der Standorte bedenkt, die dafür in Betracht kommen. Ein
Blick auf die der zweiten Abhandlung über die östlichen Genossenschaften
in Sachsen beigefügte Karte der Gegend von Dresden bis Hirschstein
nördlich von Meissen (Isis 1895, Taf. II) zeigt den verhältnissmässig
schmalen Hügelsaum an der Elbe und die westlich von Meissen statt-
tindende Ausbuchtung am Lommatzscher Wasser, wo die Mehrzahl der
oben gezahlten 48 besonderen politischen Species der Hügelformationen
vorkoinmt. Dieser Hügelsaum setzt sich stromabwärts nur noch eine
kurze Strecke mit einigermassen reicher Standortsvertretuug bis Riesa
fort und verarmt dann (aus topographischen Gründen: Mangel an felsigen
Höhen!) ausserordentlich; stromaufwärts dagegen hält sich sein nördliches
Ufer gut besetzt bis Pirna und hat auf dieser Strecke einige Sachsen
besonders auszeichnende Arten {Lactuca viminca bei Pillnitz, Hilene italica
'nenioralis \Y. K. bei Loschwitz — Wachwitz — Zehista und Cotta), aber
der Hauptreichthum der interessanteren Arten steckt doch in
der unterhalb Dresdens gelegenen Landschaft um Meissen und
Lommatzsch und endet südlich von Dresden mit dem jetzt durch
menschliche Eingriffe stark entstellten Plauenschen Grunde am Durch-
bruch des Weisseritz -Thaies. Auf diesen wichtigen Umstand haben wir
schon in der Isis-Abhandlung des Jahres 1895 (siehe besonders 1. c. Seite 39)
aufmerksam gemacht und ich komme hier sogleich noch einmal darauf
zurück, wenn für den grösseren Reichthum des unteren Saale -Landes ein
anologer Erklärungsversuch zu machen sein wird.
Vergleicht man mit dieser eng umgrenzten Landschaft an den Elb-
höhen die weiten Gefilde der sonnigen Hügelformationen im Thüringer
und unteren Saale -Lande und nimmt die dort herrschende Mannigfaltig-
keit der Schotter bildenden Gesteine in Vergleich mit der Einförmigkeit
der nur durch Plänerzüge unterbrochenen Bildung krystallinischer Gesteine
an der Elbe in Sachsen, so kann es keinem Zweifel unterliegen, dass die
Thüringer Lande weit mehr befähigt sind, eine grosse Zahl von empfind-
licheren Stej)penpflanzen zu erhalten. Auch darauf ist hinzuweisen, dass
dies letztere Gebiet östlich vom Harze zugleich die regenärmsten Land-
schaften der ganzen hercynischen Gaue enthalten, in denen nämlich nach
Assmaun die jährliche Regenhöhe nur 450 —500 mm beträgt.
Nun aber kommt noch die Hauptsache. Es braucht gar nicht daran
gedacht zu werden, dass der Wanderungsweg für die vielen bemerkens-
werthen politischen Arten an der Thüringer Saale und westlich von ihr
bis zum KytHiäuser und den Gleichen bei Arnstadt nur die Elbstrasse
von Böhmen durch Sachsen hindurch gewesen w'äre. Dieser Wanderungs-
weg mag für viele Arten die Einzugslinie gewesen sein, theils im Eluss-
thal selbst nach Ueberwindung der waldbedeckten Elbsandstein-Gehäiige,
theils auf dein Wege Sattelherg (Sjiitzberg) bei Olsen — Cottaer Spitz-
berg—Gottleubathal — Elbe entlang der zur Heerstrasse benutzten Ein-
sattelung zwischen dem östlichen Erzgebirge und westlichen Elbsandstein-
Gehänge hei Hellendorf; aber er ist nicht der einzige.
Die geidogischen Forschungen haben uns mit den V’eränderungen
bekannt gemacht, welche die ostdeutschen Ströme vor und nach dem
Ahschmelzen des südbaltischen Inlandeises durchgeniacht haben. Keil-
huck hat nach vielen vorhergegangenen Einzelstudien eine zusammen-
fassende Abhandlung darüber bei Gelegenheit des VH. Internationalen
79
Geographen -Congresses zu Berlin 1899 veröffentlicht,*) der eine zur Be-
urtheiluug der so oft den Klussthälern folgenden Wanderungswege äusserst
wichtige Karte beigefiigt ist. Sie enthält die Stillstandslinien des Inland-
eises zur letzten Eiszeit, deren südHchste (unsicher) südlich von der Oder
bei Glogau nach Magdeburg verläuft, während die dritte (gesicherte) von
der Warthe nördlich von Posen über Frankfurt a. 0. und dann nordwest-
wärts durch Mecklenburg auf Schwerin zu zieht. Zur Zeit dieser dritten
Stillstandslinie ergossen sich die Wasser des Bug, der Weichsel, Warthe,
Oder und Spree durch das Khinthal in das heutige Elbbett; aber auch
die Flussthai- Linien des ersten (südlichsten) und zweiten (mittleren, von
Glogau nach dem Elbthal nördlich Magdeburg seine Wasser sammelnden)
Stillstandes werden für die Besiedelung noch in Thätigkeit gewesen sein.
Dies lässt voraussetzen , dass ein nördlicher Zug von politischen
Steppenpflanzen von der Weichsel her westwärts bis an die Elbe bei
Magdeburg gelangen konnte, und thatsächlich hat Loew schon seit langer
Zeit die Uelictentiora dieses Charakters ira südlichen Balticum mit den
interessanten Standorten zwischen Frankfurt a. 0. und Oderberg bekannt
gemacht. Unter Annahme dieser Wanderlinie wird es verständlich, dass
an der Elbe bei Magdeburg und von da sich strahlig ausbreitend eine
Ansammlung politischer Arten statttinden konnte, die nun stromauf zur
Saalemündung und an der Mündung der Mulde vorbei in das Elbthal
nach Meissen gelangen konnte. Hierdurch würde es ferner verständlich,
dass an der Elbe um Meissen herum eine grössere Zahl pontischer Relicte
sich findet als weiter stromauf, da der durch Bergländer erschwerte Ver-
bindungsweg aus dem Böhmischen Mittelgebirge nach Dresden vielleicht
weniger wirksam war als der eben bezeichnete stromauf gerichtete.
Einzelheiten anzuführen würde ein grosses topographisches Detail erfordern
und interessirt nur solche, welche die Standorte Sachsens aus eigener An-
schauung kennen; ich beschränke mich daher darauf, zu sagen, dass die
Erwägung der Standortsvertheilung daselbst zu einer Annahme führt, wie
ich sie eben auseinandersetzte, und dass dem Kenner der Landesflora
eine gewisse Wahrscheinlichkeit sich aufdrängt, viele Arten auf den Weg
von Böhmen (z. B. Lactuca viminca), viele andere (z. B. Anemone silvestris)
auf den Weg stromaufwärts zurückzuführen. Das kleine Gebiet von be-
merkenswerthen Pflanzen östlicher Areal form in der Oberlausitz zwischen
Neissethal und Bautzen — Stolpen nimmt naturgemäss Antheil an der
Verbindung mit Böhmen in südlicher Angrenzung und an der südlichsten
Wanderlinie von der Oder bei Glogau westwärts.
Auf ganz anderen Wegen wird der Einzug der präalpinen Arten
erfolgt sein, wie wir ihn auch in eine andere Zeit zu versetzen haben,
und zwar voraussichtlich in die der letzten Steppeneinwanderung voraus-
gehende Vergletscherungszeit der Alpen. Es ist in einem Vortrage über
die Anordnung der Vegetation im Karwendelgebirge (siehe Sitzungsberichte
14. J uni 1900, bot. Section, S. 7) von mir darauf hingewiesen worden,
dass für die Floren -Entwickelungsgeschichte Mitteldeutschlands auch die
genauere Kenntniss der von Beck aufgestellten Formation des Voralpen-
waldes bedeutungsvoll sei. Man kann sagen, dass, vAe wir in unserem
sonnigen Hügellande lichte Haine, trockene Grastriften auf steinigem
•) Thal- und Seebildung im Gebiet des Baltischen Höhenrilckeus , veröffentlicht
von der Ges. für Erdkunde zu Berlin.
” : ' ;ed by Coogle
80
Boden und die Cliarakterfonnation der Scliotterböden mit anstelienden
Belsen, die in ihren Spalten besondere Arten gedeihen lassen, neben
einander und in einander verwirkt finden, dass so eine ganze Gebirgsstufe
höher im Anstieg unserer nördlichen Kalkalpen, in den Höhen von ca. 700
oder 800 in bis in die volle Krummholzforination bei 16 — 1700 m hinein,
neben dem eigentlichen Alpenwalde von Buche, Tanne, Fichte und Lärche
ein Gemisch sonniger, Schotter- und Felsböden besiedelnder Arten zu-
sammen mit Gras- und Gebüschbedeckung zu unterscheiden sei. Das
nenne ich die „präalpinen Formationen'^, die Vertreter der „sonnigen
Hügelformationen“ im Gebirge, in denen durchaus die Beimischungen
politischen Charakters fehlen. Zur Zeit der letzten Hauptvergletscherung
der Alpen waren diese präalpinen Formationen (deren durch ihre Be-
ziehungen zu der mitteldeutschen Flora wichtige Arten in jenem Vortrage
S. 8 genannt sind) nordwärts der Gletscherlinie in so viel niederen Berg-
stufen zu suchen, und nach den von Gradmann so anschaulich zusammeii-
gestellten Belicten im Schwäbischen Jura darf man dieses Gebirge und
seine gegen den Main hin gerichtete Fortsetzung als ein solches Rück-
zugsgebiet ansehen, dessen Verlängerung nordwärts des Main zwischen
dem Südwesthange des Thüringer Waldes und der Uhön auf welligem
Triaslunde diese Formationen entlang der Werra in die westliche Hercynia
führen konnte. Hier giebt es kein trennendes höheres Gebirge ; die
Wasserscheide zwischen Werra und der fränkischen Saale wird von einer
niederen Schwelle gebildet, neben welcher im Westen die Basaltberge der
hohen Khön mit ihren Verlagerungen von bunten Mergeln und Muschel-
kalk noch heute eine Menge präalpiner Bürger halten, und besonders
weiter nördlich die Berge des lliiiggaues und der Goburg bei Allen-
dorf a. d. Werra angelehnt an den Bergstock des Meissner. Von diesem
letzteren Berge ist früher Ih ijas octopetala angegeben. Dieser Fund hat
sich nicht mehr wiederholt und steht daher ungewiss da: aber aus
theoretischen Gründen könnte man gerade hier in diesem Bergzuge bei
ca. 700 m Lh-yag, die so tief in die präalpiuen P’elsschotter herabsteigt,
als Relict für möglich halten.
Von hier aus konnten sich die präalpinen Formationen nach N. bis
in das Leinethal gegen Hannover und nach 0. bis an die Grenze der
Zechsteingypse sowohl am Südrande des Harzes als an der Weissen Elster
bei Gera ausbreiten und haben die verschiedenartigsten Relicte hinter-
lassen, die aber mit dem Aufhören des Muschelkalkes gegen 0. in der
Hauptsache abschliessen. Den Mangel Sachsens östlich der Saale- und
Weissen Elster-Linie an präaljiinen Arten leite ich hauptsächlich von dem
Fehlen der geeigneten Böden ab, wie sie die Triasformation den prä-
alpinen Bürgern geboten hat. Daher enden 1‘Hanzen wie Sesleria coertüea,
Nippocrepis comosa und Ophrys muscifera im Westen des osthercynischen
Gaues. Auch in den Alpen und Karpathen finden wir reiche, tief herab-
steigende Gemische präalpincr Bürger haujitsächlich auf Kalkboden; die
Silicathöden bieten dafür der Massenansiedelung von Vaccinien, Calluna,
torfigen Riedgräsern und geselligen gemeinen Sträuchern wie lihamnus
Fravyula und aurila zu günstige Existenzbedingungen. In unserem
Falle aber handelt es sich um die gegenwärtigen Zeugen aus längst ver-
schwundener Epoche, und diese hatten nach dem Rückzuge der alpiuen
Gletscher und während der Invasion der Steppenpflanzen den Kampf uni
den Boden mit eigener Anpassung zu führen, die ihnen durch die oft
Digitiz®.-!
81
gerühmten Eigenschaften des dysgeogenen Kalkbodens allein ermöglicht
worden zu sein scheint. So tindeu sich diese Zeugen nur auf solchen
Kalken, z. B. auf den höchsten Spitzen vereinzelter westlicher Kalkzinnen
Amelanchier, der in den Voralpen so häufig ist, und dort wie auf den Basalten
Sorbus Aria] auch Cotoneaster (der Sachsens Graniten und dem Ost-
barze nicht fehlt) hat doch seine Hauptverbreitung auf vorragenden Kalk-
höben, von den Dolomiten des Süntels im Weserlande bis zu den Muschel-
kalken an der Saale bei Camburg.
Während die Zechsteinhügel des Südharzes bei Ellrich, Walkenried
und Nordbauscu neben mehr verbreiteten Arten wie Biscutella laeviyata
besonders den so merkwürdigen Kelict von 2 Arabis, Gypsophila repens,
Rosa cinnamomea, Salix hastata und die endemische Pingniaila *gypsophila
als höchste Leistung des Ueberduuerns auf niederen Bergstufen führen,
ist vom fränkischen Jura her gegen die Umgebung des Fichtelgebirges
von solchen präalpinen Bürgern merkwürdiger Verbreitung nur Ihlygala
Chaniaebiixus und Erica carnea vorgedrungen, beide in eigenthümlicher
Umformung ihrer Bedürfnisse. Trotz der Anpassung der genannten
Polygala an den Boden krystallinischer Gesteine und cambrischer Sedi-
mente zeigt doch ihr Vorkommen auf dem Dolomit bei Sinnatengrün un-
weit Wunsiedel, wo sie allein einen an einer Seite zu Kalkbrüchen ab-
gesprengten Hügel mit dichtem Massenwuchs in lichtem Kiefernhain
überzielit, auch hei ihr die Bevorzugung kalkigen Substrates. Und so
ist die Meinung wohl begründet, dass, wenn der Böhmer Wald aus Jura-
kalk anstatt aus krystallinischen Gesteinen aufgebaut wäre, er ein nicht
hercynisches Gebirge, voll von präalpineu Arten wie die Rauhe Alb, vor-
stellen würde, und dass der Harz in seinen oberen Höhen viel mehr
Arten vom Charakter der G nippe bei Ellrich und Walkenried bergen
würde, wenn er nicht aus denselben krystallinischen Gesteinen aufgebaut
wäre. Die Einwanderung von Palsatilla alpina und Hieracium alpinum,
jetzt nur auf der Höhe des Brockens, mag aus derselben geologischen
Hauptperiode oder aus einer anderen stammen, jedenfalls gehörten diese
Arten mit Linnaea zu einer anderen Formationsgruppe als die 2 Arabis
und Oypsophila, so wie sie auch jetzt in den Hochalpen und nicht im
Bereich der präalpinen Genossenschaft ihre Massenstandorte besitzen.
Mit den Erklärungsversuchen der Einzugsrichtungen und -Zeiten für
die pontischen und präalpinen Genossenschaften ist zwar die Hauptsache
für unsere Hügelformationen gesagt, doch nicht Alles. Es giebt west-
liche Arten wie iMctura virosa, südliche wie RtUa graueolcns, Arten der
südwestlichen Voralpeu wie HeUeborus foetidiis, die alle hier Berück-
sichtigung verdienen, aber ihre Beurtheilung ist schwieriger, ihre Zahl
geringer. Arten wie Clematis Vitalba sind weder priialpin noch Steppen-
pfianzen, machen aber trotzdem auf dem Zechsteinkalk an der Weisseu
Elster bei Gera gegen Osten (Sachsen) hin Halt und fehlen auch sogar
im Böhmischen Mittelgebirge, wo die präalpiuen Arten reichlich vertreten
sind. Für viele solcher Arten lässt sich wohl eine besonders wahrschein-
liche Erklärung ihrer heutigen hercynischen Vertheilung gar nicht geben
und ich breche daher für die heutigen Zwecke kurz ab.
Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass in einer fast zu sehr ein-
gehenden Weise A. Schulz in seinen jüngeren Arbeiten über die Ent-
wickelungsgeschichte der mitteleuropäischen Flora alle möglichen Er-
wägungen auf Grund der heutigen Vertheilung der Arten angestellt hat.
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H2
die unser sächsisch -thüringisches Gebiet tief berühren, und dass in den
jüngst von ihm geäusserten Anschauungen über Wanderungswege und
Besiedelung viel Gemeinsames mit den hier vorgetragenen Grundanschau-
ungen enthalten ist oder doch die Möglichkeit einer gleichen Theorie
zulässt.
B. Die Felspflanzen auf den zerstreuten Basalt- und krystallinischen
Felshöhen von (3tX)j 500— 800 m: „Montane Felsformation^*.
Die unter A betrachtete Formationsgruppe der sonnigen Hügel hält
die Thalzüge unserer grossen Ströme und deren Hauptzuflüsse besetzt,
ebenso bedeckt sie in zusammenhängender Fläche das warme Triasland
in Thüringen und dem Westen. Hier giebt es überall Felspflanzeu,
welche wie Sedum rupestre und Asplenium Hula muraria der trockenen
Sommerhitze gewachsen sind und sich in die trockenen Grasrasen inittel-
und osteuropäischer Arten mischen, die zwischen den Spalten sich ein-
genistet haben (Carex huntüis, Mdica ciliala etc.). F.ine höhere Stufe
montaner Felsen ist nun noch zu betrachten, welche die Spitzen niederer
Vorberge bilden, die Basalte der Rhön und Überlausitz, Granitfelsen und
Diabase in der Umgebung höherer Gebirge, wie die Rosstrappe im Harz
oder die Felsen über dem Ulschnitz- und Weissen .Main-Thal bei Berneck.
Sagt schon die Lage dieser Berge, dass hier von der warmen Hügel-
formation ebenso wenig die Rede sein kann, wie die zu geringe Höhe
(bis 800 m) das .\uftreten subalpiner Formationen mit Caiamaffrosti-g
Halleriana und Empvlriim verhindert, so zeigt auch die Prüfung der
Flora hier eine eigene Formation, welche für die Besiedelungsgeschichte
unseres Landes nicht ohne Bedeutung erscheint. Manche dieser Arten
sind schon unter A genannt, da sie auch ira sonnigen Felsgebiet aus-
halten; die merkwürdige Gruppe von 2 Arahig und Gypgophäa mit Salix
hastuta und iüo.s-a cinnamomca gehört ihrer ganzen Beschafl'enheit nach
gleichfalls zu der montanen Felsgruppe und verdankt wohl nur ihrer Lage
am Harze den Umstand, in so geringer .Meereshöhe aushalten zu können,
die für die montanen Arten sich ausnahmsweise von 500 m auf 300 m
oder noch etwas tiefer als untere Grenze erniedrigt.
Ich theile hier eine Liste der übrigen montanen Gefässpflanzen mit:
Cotoneaster t ulgaris (iniegerrima)
Polygala Vliamai Imxus
Sedum purpureum, rupestre
Sempervivum tectorum, soboUferum
Saxifraga decip iens
Silene Armeria
Dianthus caesim und Seguieri
Alsine verna (Harz)
Aster alpinus
Hieracium Schmidtii
— bifidum, Caesium
Echinospermum defteocum
[Centaurea montana (Kalk)
Carduus de/loratus (Kalk)
Thesium alpinum, alle 3 .\rten
im Anschluss an Gruppe A.j
Alliuni * sibiricum.
Farne :
■1 sjdeni u m septen trionale
— Trichomanes
— Adiantum nigrum
— adxdterinum
— viride
Cystopteris fragilis
Eejdirodium Bobertianuvi
Aspidium Lonchitis
Ceterach officinarum
Woodsia ilvensis.
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Diese ganze Liste bezeugt für den Kenner unserer Ilügelflora eine
andere Zusammensetzung und zeigt als erstes und wesentlichstes Merk-
mal, dass sämmtliche pontische Arten fehlen! Eine einzige Art
ist mit dem Areal PM* zu belegen, nämlich Sempervivum soboliferum, die
auch thatsächlich in Kiefernhainen des Balticums ausserhalb des mittel-
deutschen Hügellandes noch angetroffen wird; diese Art ist wahrschein-
lich aus den Bergländern an der unteren Donau (Serbien etc.) mit
anderen präalpinen Arten eingewandert. Im Uebrigen gehören die Arten
zu den Arealen, welche auf den Ursprung aus den Alpenländern hinweisen
(Signaturen Mm oder H" — H"), ausgenommen die drei durch Sperrdruck
ausgezeichneten. Allium sibiricum, bei uns auf dem Kleis und Rosstrappe
zu finden, hat die Signatur AH wie Salix hastata u. a. A.; Saxifraga
decipiens aber und Wordsia ilvensis erreichen die Alpenkette nicht und
entstammen dem Korden. Zwischen montan-alpinen Arten sind
demnach hier arktisch-boreale eingestreut. Von manchen der
ersteren ist es schwierig, zwischen alpinem und hochnordischem Ursprünge
zu entscheiden, zumal viele nordische Bürger wahrscheinlich in den mittel-
asiatischen Bergländem ihren Ursprung gehabt haben werden. Die grossen
Eiszeiten bewirkten eben eine Vermischung von vielerlei Gebirgspflanzen
und hochnordischen .Vrten, deren Heimathsberechtigung sich jetzt nur
mühsam und unsicher nach der Verwandtschaft beurtheilen lässt.
Der Besitz einiger, wenn auch weniger, nordischer Arten zeichnet
also besonders die montane Felspflanzen-Formation aus, und es muss auch
nochmals bestätigt werden, dass die pontischen Arten nicht in die montanen
Felshöhen hinaufsteigen. Soweit meine Beobachtungen reichen, habe ich
nur an einer Stelle des Gebiets, auf den Grünsteinfelsen bei Berneck-
Stein des westlichen Fichtelgebirges Melica ciliatu mit Semperviimm
sobolife7~um, das bei uns streng montan ist, in etwa 600 m Höhe ver-
einigt gefunden; nie würde man im hercynischen Bezirk erwarten, auf
diesen Bergen pontische Arten wie Centaurea maculosa oder Palsatilla
pratensis mit Androjwgon Ischaemum zu finden; nur Cytisus nigricans
stellt sich noch neben das Sempervivum in seinem Vermögen, so hoch als
möglich die montanen Felsen zu ersteigen und sich mit Calluna und
Arnica zu mischen. Viscaria aber und Digitalis ambigua haben in den
Höhen von 400 — 800 m ihre, wie es scheint, eigentlichste hercynische
Standortsverbreitung.
Wenn nun also die Arten, welche die Besiedelung der montanen
F'elsen übernommen haben, in erster Linie mitteleuropäisch -montan oder
präalpin und in zweiter Linie arktisch- boreal sind, so lässt sich darnach
auch ihre Besiedelung.speriode beurtheilen. Die präalpinen Arten wie
Aster alpinus und Hieracium Schmidtii gehören wohl derselben Periode
an, welche auch Sesleria und Sorbus Aria auf ihre zahlreichen Stationen
im jetzigen Muschelkalk-Gebiete brachte, nur dass sie vielleicht erst etwas
später die höheren Stationen erreichten und sich dort erhielten. Ob
Woodsia ilvensis, AUium “sibiricum und die von dem Bodethal im Harz
durch Thüringen, das Fichtelgebirgsland und das Elsterthal (Vogtland)
bis zum Milleschauer im böhmischen Mittelgebirge an seltenen Standorten
zerstreute Saxifraga decipiens sich gleichzeitig vom nordischen Eisgürtel
her in der Ilercynia festsetzten, als auch die präalpinc Genossenschaft
von den alpinen Gletschern in die mitteldeutschen Hügel verdrängt war,
lässt sich muthmassen, aber nicht entscheiden. Es hat dann später, bei
H4
(1er allinählicbeu Umkehr der klimatischen Verhältnisse durch die Wirkungen
der trockenen Steppenperiode , eine Neuordnung der Verhältnisse statt-
gefunden, nach der die genannten nordischen Arten und viele präalpin-
montane Arten zerstreute Bergstandorte besetzten, während eine grosse
Menge anderer präalpiner Arten zusammen mit den jünger eingewanderten
Steppenpflanzen sich zu den Ilügelformationen besonders auf kalkreichem
Boden verschmolzen haben.
Neigt man einer Annahme von einer grösseren Zahl oscillirender
kühler (Eiszeit-) und wärmerer Perioden zu, so hätte auch eine der
letzten postglacialen Hauptsteppenzeit folgende kühlere Periode vom
Charakter einer schwächeren Eiszeit die präalpinen Bürger in die Relicten-
standorte der Steppenbürger hineinbringen können. Die Mischung der
Formationen bleibt dieselbe; hinsichtlich der Wanderungsperiode enthält
man sich wohl am besten so lange eines allzu bestimmten Urtheils, als
die Geologie noch nicht mit allen ihren Unterlagen fertig ist, welche die
Pflanzengeographie zu der Ausarbeitung ihres eigenen Bildes dieser Ent-
wickelungsgeschichtc nöthig hat.
Aber gerade der Umstand, dass sich mancherlei verschiedene Floren-
elemeute in der Formationsgruppe zusammengefunden und gemischt, zu
einheitlich beisammen wachsenden Genossen vereinigt haben, die nach
ihrer Arealform beurtheilt ein recht verschiedenes Herkommen besassen,
macht die Hügelformationen der Hercynia in ihren Niveaus von 100 — 800 m
besonders werthvoll und Hess den Versuch machen, das im Anfang dieser
Skizze entworfene Bild floristischer Umgestaltung unserer Gaue an dem
reichen Gemisch dieser ca. 500 xerophilen, mit dem Gesteinsschotter eng
verbundenen Arten näher auszuführen. Es mag wenigstens daraus ent-
nommen werden, zu welchen Betrachtungen das auf botanischen Excursionen
zusammeugebrachte Material benutzt werden kann und dass gegenüber
dem Ausgehen auf blosse Sammlungsinteressen dieser Theil der pflanzen-
geographischen Methode einen hohen Werth besitzt, der dazu beiträgt,
(len Naturforscher-Spruch zu erfüllen: „Herum cognoscere causas“. Ein
ganz anderer, nicht minder wichtiger Gesichtspunkt ist dann der der
ökologischen Einrichtungen, welche den Pflanzen gestatten, ihren Kampf
um den Standort erfolgreich durchzuführen.
Wie (las hier an den Hügelformatiouen gezeigt oder angedeutet ist,
so lassen sich ähnliche interessante Betrachtungen hinsichtlich der glacial-
alpinen Arten an der Formation der Hochmoore und der subalpinen
Berghaide anstellen, welche auf eine spätere Abhandlung verspant bleiben
sollen. D,is Wesentliche bleibt dabei die Zurückführung des allgemeinen
Problems unserer Floren -Entwickelungsgeschichte auf die besondere Be-
handlung ihrer einzelnen, natürlich abgegrenzten Vegetationsformationen.
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X. Die Gymnospermen der nordbölimischen
Braunkohlenformation.
Von Dr. Faul Uenzel.
Theil II.
Hit 1 Tafel und 1 Abbildnng im Text
2. Taxodieae.
Taxodium distichum miocenicum Heer.
Phyllxtea dubius Stemberg: Vers. I, p. 37, t XXXVI, fig. 3, 4.
Taxodites dubius Sternberg: Vers. II, p 204.
Unger: Iconogr., p. 20, t. X. fig. 1—7.
Taxodium dubium Stemberg sp., Kttingshausen: Foss. Fl. v. Bilin I, p. 34,
t X, fig. 13; t XII. fig. 1—16.
Stur: Neog. Fl. v. Brilx, Verb. d. k. k. geol. R. A. 1873, p. 201.
Sieber: Nordb. Braunkohlenfl. Sitzungsber. Akad. d. Wiss. Wien 1880,
p. 93.
Wentzel: Foss. Pfl. v. Warnsdorf. Verb. d. k. k. geol. R. A. 1881, p. 90.
— — Velenov.sky: Fl v. Vrlovic b. Laun, p. 14, t I. fig. 27.
Taxodium distichum miocenicum Heer, Engelbardt: Sitzungsber. Isis Dresden
1876, p. 2; 1877, p. 20; 1882, p. 14; 1883, Abb. p. 48.
Tert. Pfl. d. Leitm. Mittelgeb., p. 15.
Braunkoblenfl. v. Dux, p. ö Anm. ; p. 23, t. 2, fig. 23—34; t 3, fig. 9, 10.
Tertiärfl. d. Jesuitengr., p. 17, t 1, fig. 20.
Uebr. Litt. s. Staub: Aquit. Fl. d. Zsiltbales, p. 17.
Taxodium ramulis perennibus foliis linearibus, demum cicatriculis
tectis; ramulis amiuis caducis filiformibus, foliis distantibus, alternis,
distichis, hinc inde duobus valde approximatis, basi apiceque angustatis,
lineari -lanceolatis vel aequaliter linearibus, breviter petiolatis, planis,
uninerviis; amentis masculinis subglobosis, plurimis, in spieam terminalem
dispositis; strobilis oviformibus vel subglobosis; squamis excentricc pcltatis,
primum marginibus conniventibus, demum hiantibus, e basi tenui sursum
incrassatis, dilatatis, disco convexo, costa transversali et umbone medio
ornatis, margine superiore verrucosis.
Vorkommen; In den Thonen und Letten von Ladowitz, Dux, Ilawran,
Brüx, Tschausch, Prohn, Preschen, Priesen, den Tuffen von Warnsdorf,
Salesl, den Brandgesteinen von Schellenken, Straka, Vrsovic, Pohlerad-
Lischnitz, in den Schiefern des Jesuitengrabens, in der Kohle des Tag-
baues Peter und Paul bei Dux.
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Taxodium distichum miocenium Heer, eine der weitestverbreiteten
und in allen Theilen bestgekannten fossilen Coniferen, besitzt dauernde
Triebe und aus den Achseln solcher entspringende Seitentriebe, die all-
jährlich abgeworfen werden. Die Blätter sind linear, kurz gestielt, spitz,
einnervig und stehen an den perennirenden Zweigen spiralig angeordnet,
aufgerichtet und ziemlich entfernt von einander, an den sammt den Blättern
abfallenden Jahrestrieben bilateral gerichtet Aeltere Zweige sind mit
den Narben von Blättern und abgefallenen Jahrestrieben bedeckt. Bei
den hauptsächlich vorliegenden Jahrestrieberi sind die Blätter 8— 15 mm
lang, 1 — 1*/, mm breit seltener, bei der früher als Taxod. avgustifoUum
Heer bezeichneten Form, bis 20 mm lang; die Blätter sind in der Mitte
der Zweige am längsten und nehmen nach Basis und Ende der Zweige
an Grösse ab; sie sind mehr oder weniger parallelseitig, nach Grund und
Spitze verschmälert, kurz gestielt von zarter Besch aflen heit, mit deutlichen
Mittelnerven; sie laufen am Stengel nicht herab; selten gehen von der
Insertionsstelle zarte Streifen aus, die in gerader Richtung am Zweige
verlaufen, niemals aber nach den gegenüberstehenden Blättern sich wenden
oder Kanten bilden wie bei Sequoia Langsdoi-fii. Zuweilen stehen einige
Blätter unregelmässig einander genähert. Die fertilen Zweige sind mit
aufrechten, kurzen, spiralig gestellten Blättern bedeckt.
Die männlichen Blüthen stehen zahlreich in Rispen oder Aehren, in Form
kleiner, 2 — 3 mm langer, ovaler Kätzchen, die je in der Achsel eines
kurzen, vorn zugespitzten Blattes stehen und aus einer Anzahl dachig
angeordneter, eiförnjiger, vorn zugespitzter Deckschuppen gebildet werden,
welche 6 — 8 Staubblätter umgeben.
Die weiblichen Blüthen stehen einzeln oder zu wenigen am Grunde
der männlichen Blüthenstände oder an kurzen Seitenästen älterer Zweige;
es sind rundliche, 6 — 8 mm Durchmesser haltende Zäpfchen, aus rund-
lichen Schuppen gebildet, meist zerdrückt, so dass Einzelheiten des Baues
schwer zu erkennen sind.
Die Zapfen sind kurz gestielt, von eiförmiger bis rundlicher Gestalt,
messen ausgewachsen 24 — 30 mm Länge und 20 — 26 mm Breite; sie
werden von 20 — 25 Schuppen gebildet, deren mittelste im freien Theile
verhältnissmäs.sig gross (13-15 mm hoch, 13 — 17 mm breit) sind, während
sie nach Basis und Spitze rasch an Grösse abnehmen; die kleinen Schuppen
an der Spitze und um den Stiel herum sind steril.
Die Schuppen verjüngen sich zu einem schief nach unten gehenden
Schuppenstiel, der an der Zapfenachso befestigt ist; der obere freie Schild
der Schuppen besteht aus zwei Theilen, die durch einen vortretenden,
bogenförmigen Wulst von einander getrennt sind; der untere, glatte Theil
stellt das verholzte eigentliche Fruchtblatt dar, dessen Spitze als
Höcker erhalten ist; dieser Höcker ist verschieden stark entwickelt, oft
tritt er an den unteren Zapfenschuppen stärker hervor. Der obere Theil
der Schuppe wird gebildet von der ebenfalls verholzten, auf der Innen-
seite des Fruchtblattes entstandenen und dieses überragenden W'ucherimg,
der Samenschuppe, und stellt einen vorn stumpfwinkeligen oder halbkreisför-
migen, mehrere .Millimeter breiten Rand dar, der von 3—8 runzlichen Höckern
bedeckt ist; diese Höcker sind zuweilen an den Schuppen der Zapfenspitze
stärker entwickelt und bilden kleine spitze Zacken; nicht selten sind sie
verwischt, und die Schuppenränder erscheinen dann fast ganz glatt.
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An den Innenseiten der Schuppen sind die Samen zu je zwei ange-
heftet; diese sind unregelmässig dreikantig, oft zackig, messen 8— 12 mm
Länge und 6—7 mm Breite.
Von Taxodium distichum mioceniciim Heer finden sich an den oben
angeführten Orten sehr zahlreiche Reste, am häufigsten abfällige beblätterte
Zweige, deren Abbildungen in der citirten Litteratur reichlich vorliegen,
ferner ältere Zweige; von mehreren Orten männliche Blüthenähren (cf.
Ettingshausen, Bilin, t. XII, fig. 6 — 10; Engelhardt, Dux, t. 2, fig. 23, 24. 33);
isolirte Zapfenschuppen theilt Engelhardt aus den Braunkohlenschichten
von Dux mit (1. c. t. 2, fig. 27, 29 — 31 ), ebensolche liegen mir aus den Thonen
von Priesen und dem Brandgesteine von Schellenken vor; ganze Zapfen
scheinen selten zu sein, ich besitze einen einzigen von Schellenken. Samen
bildet Engelhardt von Dux ab (1. c. t. 2, fig. 32, 34).
Ettingsbausen hat mehrere Fossilien als Reste von Taxodium abge-
bildet, die ohne Zweifel nicht dazu gehören; die Samen (Flora von Bilin,
t. X, fig. 8, 9) und die Zapfen (ebenda fig. 20 — 22) hat bereits Heer zu
Sequoia Couttsiae verwiesen; auch von den Laubzweigen (t. XII der Biliner
Flora) scheinen wenigstens nach den Abbildungen einige nicht zu Taxodhm,
sondern wie fig. 6, 11, 15 zu Ghjptostrohus zu gehören, während Ettings-
hausen's Taxodium laxum von Priesen (fig. 4 derselben Tafel) sehr an
sterile Zweige von Widdrinqtonia erinnert.
Dass lüxodium distichum miocenicum, das zur Tertiärzeit sich über
Nordamerika, die Polarländer, Nordasien und ganz Europa verbreitete,
von dem heute auf die Südstaaten von Nordamerika beschränkten Taxodium
distichum Rieh, nicht zu unterscheiden ist, ist von Heer nachgewiesen
worden.
Glijptostrohus europaeus Brongn. sp. Taf V, Fig. 1 — 3.
Taxodites europaeus Brongniart: Ann. des Sciences nat., 1. ser., vol. ZXX,
p. 168.
Qlyptostrobus europaeus Ettingshausen: Foss. Fl. v. Bilin I, p. 37, t. X,
fig. 10—12; t. XII, fig. 3— 7, 11, 12.
— biltnicus Ettingshausen: Foss. Fl. v. Bilin I, p. 31t, t. XI, fig. 1. 2, 10.
— europaeus Engelhardt; Sitznngsber. Isis Dresden 1876, p. 5; 1878, p. ,6;
1880, p. 70, t. I, fig. 2; 1883, p. 48.
Tert. Pfl. d. Leitm. Mittelgeb., p. 20, t. 4, fig. 0.
Braunkohlenflora von Dux, p. 24, t. 2, fig. 35—38; t. 3, fig. 8; t. 14,
fig. 24; t. 15, fig. 22, 25.
Foss. Pfl. Xordböhmens, Lotos 1896, p. 3.
Stur: Verh. d. k. k. geol. R. A. 1873, p. 204.
Wentzel: Verb. d. k. k. geol. R. A. 1881, p. 90.
Sieber: Znr Kenntn. d. Nnrdb. Braunkohlenflora. Sitznngsber. Ak. d.
Wiss. Wien 1880, p. 9.3, t. V, fig. 47c.
— — Velenovsky: Fl. v. Vrsovic b. Laun. p. 16, t. I, fig. 21—26.
üebr Litt. s. Staub; Aqmtan. Fl. d. Zsilthales, p. 21.
Glyptostrobus ramulis strictis; foliis spiraliter insertis, in ramis
perennibus squamaeformibus, adpressis, oviformibus, apiccm versus latiori-
bus, breviter acuminatis, dorso 2 — 3-striatis, basi decurrentibus, in senio-
ribus ramis saepius apice patentibus; in ramulis annuis deciduis foliis
subdistichis, erectis, linearibus, apice acuminatis, basin versus numquam
angustatis, late decurrentibus, nervo medio valido; amentis masculinis api-
calibus, rotundatis, multifioris, basi foliis brevibus, ovatis, acutis circum-
datis; amentis femineis terminalibus ad ramulos breves laterales foliis
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squamaeformibus instructos, ovalibus; strobilis oboTatis vel subglobosis;
squamis ligncscentibus, imbricatis, maturis biantibus, e basi cuneata in
discuin ovalem, sulcatum incrassatis, disco sub apice mucronato, margine
anteriore toro semicirculari 6 — 9-crenato et longitudinaliter sulcato circum-
datis; seminibus sub quavis squama duobus, ovatis, arcuatis, erectis,
marginibus alis angustis, basi ala producta instructis.
Vorkommen: In den Sandsteinen von Altsattel und Sebüttenitz, in
den Thonen und Letten von Prohn, Preschen, Priesen, Dux, Lado-
witz, Brüx, Komotau, Littmitz bei Falkenau, in den Spbärosideriten
der Duxer Umgebung, den ßrandgesteinen von* Üuppau, Oberhostomitz
bei Bilin, Scliellenken, Vrsovic, Pohlerad -Lischnitz, in den Tuffen von
Warnsdorf, in den Ilolaiklukscbiefern nnd in den Saazer Schichten von
Liebotitz; nicht selten bilden Zapfen und Zweige von Glypiostrobtus ganze
verkohlte Schichten, wie in dem Tagbau Peter und Paul bei Dux und in
den Thonen der Priesener Rachel bei Bilin.
Olyptostrobus besitzt perennirende und abfällige Zweige; die Blätter
stehen spiralig und sind von zweierlei Form. Au den ausdauernden
Zweigen sind sie schuppenformig, eiförmig, vom aus breiter Fläche kurz
zugespitzt, an älteren Zweigen oft etwas abstehend, niemals aber sichel-
förmig gekrümmt — dadurch sind solche Zweige von den oft recht ähn-
lichen der Sequoia Couttsiae zu unterscheiden — , an der Basis herab-
laufend, am Rücken mit zwei oder drei Streifen versehen. Die Blätter
der abfälligen Zweige (Taf. V, Fig. 1) sind lineal verlängert, 5 — 15 mm
lang, ca. 1 mm breit, vorn zugespitzt, an der Basis nie verschmälert,
sondern breit am Zweige herablaufend; sie sind von kräftigem Mittelnerv
durchzogen; sie stehen bilateral, mehr oder weniger nach vorn gerichtet;
am Grunde der abfälligen Zweige befindet sich eine Anzahl kleiner schuppen-
förmiger Blätter, die mit denen der Dauerzweige übereinstimmen und,
allmählich länger werdend, in die linealen Blätter übergehen.
Die männlichen Blüthenkätzchen stehen einzeln, endständig an den
Zweigen und sind an der Basis von kurzen eiförmigen, zugespitzten Blättern
umgeben.
Die weiblichen Blüthen stehen an kurzen seitenständigen Aesten,
die von schuppenförmigen Blättern dicht bedeckt sind; bei der Reife bilden
sie einen holzigen, verkehrt eiförmigen oder fast kugeligen Zapfen; dieser
besteht aus dachziegelig sich deckenden, bei der Reife etwas klaffenden
Schuppen, die gegen die Basis keilförmig verschmälert, nach vorn zu
einem ovalen, an der .\nssenflilche seicht gefurchten und vor der Spitze
mit einem spitzen Höcker versehenen Schilde (der Deckschuppe) ver-
breitert sind und am abgerundeten vorderen Rande von einer halbkreis-
förmigen, am Rande mit G — 9 Kerben versehenen und tief gefurchten
Wucherung des Fruchtblattes (der Samenschuppe) umgeben sind. Die
Zapfen haben einen Durchmesser von 1 — 2 cm; die Länge der Schuppen
schwankt zwischen 6 und 10 mm bei etwas geringerer Breite. Deckschuppe
und Samenschuppe haben etwa den gleichen Längsdurchmesscr. Jede
Schuppe birgt zwei aufrechte Samen von eiförmiger, mehr oder weniger
gebogener Gestalt, die am Rande von einem schmalen, an der Basis aber
verlängerten Flügelsaume umgeben sind.
Von Oh/ptostrobus europacus sind alle wesentlichen Theile an ver-
schiedenen Fundorten Böhmens aufgefunden worden, nur Samen sind mir
bisher nicht bekannt geworden. Letztere sind zuerst von Ettingshausen
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in fossilem Zustande (Foss. Fl. v. Schoenegg, p. 10, 1. 1, fig. 40 — 68) mit-
getheilt worden; derselbe giebt an, dass die früher als Pterospennites
vagans und Ixinulatus Heer bezeichneten Samen zu Olyptostrobus gehören.
Ich vereinige Olyptostrobus TJiigeri Heer und Olyptostrobus bUinicus
Ett. mit Olyptostrobus europaem Brongn. sp., die früher als einzelne Arten
aufgestellt und dann von verschiedenen Autoren für nicht specifisch ver-
schieden erklärt worden sind; wegen des Nachweises ihrer Zusammen-
gehörigkeit verweise ich auf Staub, Aquitan. Flora des Zsilthales, p. 26 fg.
Die böhmischen Tertiärschichten bieten buntgemischt Reste von Olypto-
strobus, die in Zapfenbildung und Belaubung die Merkmale sowohl des
Gl. eurojiaeus wie die der beiden anderen angeführten Formen darbieten.
Taf. V, Fig. 2 und 3 gebe ich einige Zapfen aus dem plastischen Thon
von Preschen in Abbildung, in Fig. 2 zwei geöffnete Zapfen mit unbewehrten
Schuppenschildern, in Fig. 3 einen geschlossenen Zapfen mit hakenförmigen
Fortsätzen der Schilder, wie sie Ettingshausen für seinen Ol. hüinicus
in Anspruch nimmt.
Der lebende Nachkomme des im Tertiär der ganzen nördlichen Hemi-
sphäre weit verbreiteten Glmtostrohus europaeus ist der jetzt auf die Nord-
provinzen Chinas beschränkte Gl. heterophyllus Endl.
Sequoia Langsdorfii Brongn. sp. Taf. V, Fig. 26—28.
Ta.rites Langsdorfii Brongniart; Prodr., p. 108, 208.
Sequoia Langsdorfii (p. p.) Kttingshansen: Foss, Fl. v. Bilin I, p. 39, t. XIII,
fig. 10.
Engelhardt: Sitzungsber. Isis Dresden 1876, p. 2; 1877, p. 20.
— — — Tert. Pfl. d. Leitm. Mittelgeb., p. 16, t. 1, fig. 3.
Pflanzenreste v. Liebotitz u. Pntschim. Sitzungsber. Isis Dresden
1880. p. 78, t. I, fig. h.
Velenovsky: Flora v. Vräovie. p. 16, t. I, fig. 28—36.
Sieber: Z. Kenntn. d. Nordböbni. Braunkohlenflora. Sitzungsber. Ak.
d. Wiss. Wien 1880, p, 93, t. V, fig. 47b.
Uebr. Litt, und Syn. s. Staub: Aquitan. B'l. d. Zsilthales, p. 29, und Friedrich:
Beitr. z. Kenntn. d. Tertiärilora d. Provinz Sachsen, p. 86.
Sequoia foliis rigidis, coriaceis, linearibus, apice obtusiusculis vel bre-
viter acuminatis, planis, basi angustatis, adiiato-decurrentibus, patentibus,
distiebis, confertis; nervo medio valido; strobilis breviter ovalibus vel sub-
globosis, squamis compluribus, peltatis, niucronulatis.
Vorkommen: ln den Thoneii von Priesen, Preschen, Prohn, den Brand-
gesteinen von Schellenken, Straka, Vrsovic, den Tuffen von Waltsch und
Salesl, dem Süsswasserkalk von Kostenblatt, den Menilitopalen von Luschitz,
den Schichten von Liebotitz.
Die Zweige tragen eine zweizeilig gescheitelte Belaubung; am Grunde
der im Frühjahre aus den Knospen hervorgehenden Zweige steht eine
Anzahl kurzer, schuppenförmiger, angedrückter Blätter, auf welche die
längeren zweizeiligen Blätter folgen; den Sommersprossen fehlen die schup-
penförmigen Blätter am Grunde.
Die zweireihigen Blätter sind lineal, steif lederig, mit mehr oder
weniger parallelen Rändern, vorn zugespitzt oder stumpf lieh und dann
am Ende des auslaufenden, kräftigen Mittelnerven mit einem kleinen
Spitzchen versehen, am Grunde verschmälert und am Zweige hcrablaufend.
In Folge des herablaufenden Blattgnindes erscheint der^ Zweig gestreift;
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die Streifen verlaufen zumeist von der Blattinsertion aus schief nach der
anderen Seite. Die Blätter sind mehr oder weniger dicht gestellt und
stehen vom Zweige unter rechtem Winkel oder mehr nach vorwärts ge-
richtet ab.
Wahrscheinlich trugen die Sommersprosse (wie bei S. sempei-virens
Endl.) kleinere Blätter als die älteren Zweige. Nach der Beschaffenheit
der Belaubung hat Heer (Beitr. z. foss. Flora Spitzbergens, p. 59fg.) eine
Anzahl von Formen unterschieden; bei der typischen Form sind die
Blätter 8 — 14 mm lang, in der Mitte etwa 2 mm breit, erreichen aber
bei den anderen Formen Längen zwischen 10 und 30 mm bei l‘/g — 3 mm
Breite.
Dass eine Angabe fossiler Scqiwia- krien (b\ distüJia H., brevifoUa H.,
Nordenshiildn H., Tournalii Sap., Heerii Lesqu. etc.), die auf Grund
abweichender Blattbildung von Serin. Lavgsdorjii getrennt worden sind,
besser nur für Formen von dieser letzteren zu halten sind, hat Friedrich
(Tertiärflora der Provinz Sachsen, p. 88) wahrscheinlich gemacht; nur be-
züglich der von Friedrich mit angeführten S. longifoUa Lesqu. und acu-
minata Lesqu. bin ich anderer Ansicht (vergl. weiter unten bei Torreya).
Die kleinen männlichen Blüthen sind oval und stehen endständig auf
Stengeln mit schuppenförmigen, angedrückten Blättern; die weiblichen
Blüthen bilden ovale, aus kleinen, aussen verdickten Schuppen bestehende
Zäpfchen.
Die reifen Zapfen sind kurz oval oder fast kugelig, am Grunde
stumpfer als vorn, 18 — 2B mm lang, 12 — 20 mm breit; sie stehen auf
kurzen Stielen mit angedrückten Schuppenblättern und werden aus etwa
50 Schuppen gebildet. Die Zapfenschuppen sind nach dem Grunde zu
allmählich verschmälert und tragen rhombische Schilder; diese messen
6 — 9 mm Breite bei 4 — 6 mm Höhe und besitzen in der Mitte eine
rhombische Vertiefung mit einem centralen Wärzchen; der Rand der
Schilder ist wulstartig aufgeworfen und von zahlreichen Runzeln durch-
zogen.
Die Samen sind länglich oval, etwas gekrümmt, 6 — 7 mm lang,
4 — 6 mm breit und von einem ziemlich breiten Flügelrande umgeben.
Aus den böhmischen Tertiärschichten liegen von dieser Art verschie-
dene Theile in fossilem Zustande vor. Am häufigsten sind Zweige auf-
gefunden worden, Abbildungen solcher bietet die angeführte Litteratur.
Der Zweig bei Ettingshausen, Bilin, t. XIII, tig. 9 ist allerdings von unserer
Art zu trennen und zu Torreya zu stellen. Weibliche Blüthen hat Vele-
novsky von Vrsovic mitgetheilt und abgebildet, ebendaher kennen wir
Samen und reife Zapfen. Die letzteren sind mir ausserdem von Preschen
und Waltsch bekannt geworden (s. Taf. V, Fig. 26 — 28).
Sequoia Langsdorfii kommt in der Bildung der Zweige, Blätter,
Zapfenschuppen und Samen der lebenden Sequoia sempeitnrevs Endl.
ausserordentlich nahe, so dass Heer (Flora foss. arct. I, p. 93) geneigt ist,
beide zu vereinigen; die fossile, weit verbreitete (Nordamerika, Nordasien,
arktisches Gebiet, Europa) .Art unterscheidet sich von der lebenden, auf
Californien beschränkten nur durch die kleinere vom verlängerten Mittel-
nerv gebildete Blattspitze und durch die grösseren und von zahlreicheren
Schuppen gebildeten Zapfen (S. sempervirene hat nur ca. 20 Zapfen-
schuppen).
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Sequoia Couttsiae Heer. Taf. V, Fig. 17 — 25.
Sequoia Coutttiae Heer: Bovev Traeey. Phil. Trans, vol. 152, pt II, p. 1061i
t. 59; t. 60, fig. 1-46; t.'61.
Foss. Flora of Xorth Oreenland, p. 464, pl. XLI, fig. 1—9; pl. XLII,
fig. 1; pl. XLVIII, fig. 4 d, e.
— — — Flor. foss. arcf. I. p. 94, t. III, fig. 1 ; t. VIII, fig. 14; t. XLV, fig. 19.
Mioc. halt. Flora, j. 55, t. XIII, fig. 17—23; t XIV, fig. 17-19.
Nachtr. z. mioc. Fl. Grönlands, p 6.
Saporta; Etudes II, 3, p. 49, pl. II, fig. 2.
Schenk; Botan. Zeitung, Jahrg. 27, p. 376.
Schimper: Traite de p^. veg. II, p. 318, t. LXXVII, fig. 1—12.
Ettingshausen : Foss. Fl. v. Sagor I, p. 10, t II, fig. 1—8.
Foss. Fl. V. Leoben I, p. 14.
Foss. Fl. T. Scboenegg I, p. 12, t. 1, fig. 69, 70.
Pilar: Flora fossilis Susedana, p. 28, 1. 111, fig. 10.
Beck ; Beitr. z. Kenntn. d. s&chs. Oligocaens. Zeitschr. d. D. geol. Ges.
1886, p. 361.
Friedrich: Tertiärfl. d. Provinz Sachsen, p. 14, 47, 83, t. III, fig. 9, 10;
t. XI, fig. 1-3.
Gardner ; British Eocene Flora II. p. 36, pl. VI.
Scbmalhausen: Beitr. z. Tertiärflora SUdwest • Kusslands , p. 19, 30,
t. V, fig. 3—4; t. IX, fig 4—13.
Sequoia Toumalii (qnoad strobilos) Saporta: Etudes II, 3, p. 51, pl. II, fig. 1
C, D.
Schimper: Traitö de pal. vög. II, p. 320, t LXXVII, fig. 20, 21.
Sqninabol: Contrib. alla flora foss. della Liguria III, Gimnospemie,
p. 28, t. XVI, fig. 5.
— — Ettingshausen: Foss. Fl. v. Sagor I, p, 10.
— Foss. Fl. V. Leoben I, p. 14.
Sequoia imbricata Heer: Bomstedt, p. 9, 1. 1, fig. 4.
Sequoia affinie Lesqnereux ; Ann. Report 1874, p. 310.
— — — Text. Flora, p. 45. t. VII, fig. 8 — 5; t. LXV, fig. 1 — 3.
Sternbergii Heer: Sächs.-Thttring. Braunkohlenflora, p. 4, t V, fig. 10.
Taxodium dubium (pp.) Ettingshausen : Fl. v. Bilin I, t. X, fig. 8, 9, 20 — 22.
Sequoia raiuis curvato-ascendentibus, alternis, ramulis junioribus elon-
gatis, gracilibus; foliis raniorum innovatioiiuimjue squamaefoniiibus, basi
adnata decurrentibus, rigidis, imbricatis, semipatentibus, subfalcatis, acu-
minatis, dorso leviter carinatis; foliis ramulorum productioribus, laxe im-
bricatis, falcato-sublitiearibus; amentis luasculinis axillaribus, rotundis, e
bracteis conferte imbricatis; strobilis globosis vel subglobosis, ad ramu-
lorum apices plerumque solitarie appensis; squamis paucis, peltatis, rhom-
boideis, medio brevissime mucronulatis, rugosis; seminibus curvatis, com-
pressis, alatis.
Vorkommen: Im plastischen Thone von Preschen und Priesen, im
Sandsteine von Altsattel, im Tuffe von Waltsch, im Brandgesteino von
Schellenken.
Bei Sequoia Couttsiae weist die Belaubung an älteren und jüngeren,
an sterilen und fertilen Zweigen verschiedenartige Gestaltung auf. Die
Blätter sind spiralig gestellt und allseitsweiidig; von den sterilen Zweigen
sind die jüngeren schlank, ihre Blätter mehr oder weniger dicht gestellt,
dreieckig pfriemlich bis kurz nadelformig, meist sichelförmig aufwärts
gekrümmt, steif, mit der Basis herablaufend, am Bücken schwach gekielt;
am Grunde jüngerer Zweige stehen dichter gestellte, kurze Blätter, die
früheren Knospendeckeu, die allmählich in die eigentliche Blattform über-
gehen. Aeltere Zweige sind dicker und dicht mit breiteren schuppen-
förmigen Blättern bedeckt. An mehrjährigen Zweigen bemerkt man die
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Narben abgefallener Blätter und Triebe. Die Fruchtzweige sind mit dacbig
anliegenden, kürzeren und breiteren Schuppenblättern besetzt.
Die männlichen Blüthen stehen endständig an kurzen axillären, mit
kleinen aufrechten Blättern besetzten Aestchen.
Die Zapfen, ebenfalls endständig, befinden sich einzeln oder zuweilen
zu mehreren an kurzen, von schuppenförmigen Blättern bedeckten Zweigen.
Die Zapfen sind kugelig oder kurzoval, 15 — 24 mm lang, 15 — 17 mm
breit und bestehen aus 8 — ^12 Schuppen. Diese sind schildförmig, central
gestielt; die Schuppenschilder sind rhombisch oder polygonal, messen
8 mm Breite bei 7 mm Länge, tragen in der Mitte einen kurzen Fortsatz
und sind mit radiären Runzeln bedeckt. Jede Schuppe trägt 5—7 Samen ;
diese sind flach, etwas gekrümmt, ca. 5 mm lang und 3 mm breit, an
der Insertionsstelle etwas ausgerandet, nach vorn zugespitzt und rings
von einem flachen, schmalen Flügel umgeben.
Sequoia Couttsiae ist von Heer zuerst von Bovey Tracey beschrieben
worden; später hat derselbe Autor diese Art aus der arktischen und aus
der baltischen Tertiärflora angegeben; Saporta wies eine etwas abweichende
Form als S. Couttsiae polymorpha von Armissan nach.
Gardner (Brit. Eocene Flora II, p. 38 fg.) kommt nach seinen Unter-
suchungen zu dem Resultate, dass diese unter dem nämlichen Namen
publicirten Funde nicht zusammengehören, sondern dass Sequoia Couttsiae
Ileer’s und Saporta’s mehrere Arten repräsentiren.
Den Namen S. Couttsiae behält er für die zuerst so genannten Reste
von Bovey Tracey bei und stellt hierher die von Ettingshausen in der
Flora von Bilin als Tuaodium duhium abgebildeten Samen und Zapfen.
Als Sequoia Whymperi bezeichnet Gardner die Reste von Grönland,
Spitzbergen, Mackenzie und aus den baltischen Tertiärschichten; diese
unterscheiden sich nach ihm von der zierlicheren S. Couttsiae durch die
etwa doppelt so grossen Dimensionen der Blätter, Zapfen und Samen
und durch dimorphe Belaubung (schuppenförmige und verlängerte bis
nadelförmige Blätter); Gardner ist der Meinung, dass zu S. Whymperi
auch verschiedene in der Litteratur anders benannte Zweige zu ziehen
sind , z. B. der als Glyptostrohus Unyeri bezeichuete Zweig in der Flora
foss. arct. Bd. IV (Beitr. z. foss. Fl. Spitzbergens), t. XI, fig. 2— 8, — die
Blüthen insbesondere, 1. c. fig. 8 seien nicht von den Äv/uoin-Blüthen
zu unterscheiden, wie sie Heer, Fl. v. Bovey Tracey, pl. LX, fig. 43 ab-
bilde — ferner die zu S. LanysdorfU gestellten Zweige in Fl. foss. arct
Bd. I, t. XLVn, fig. 3(> und Foss. Fl. of North Greenland, pl. XLIV, fig. 2,
auch S. Sternhergii von Oeningen (h'l. tert. Ilelvetiae I, t. XXI, fig. 5).
Sequoia Couttsiae var. polymorpha Saporta’s (Etudes II, 3, p. 49, pl. II,
fig. 2) hält Gardner für eine eigene Art mit dimorpher Belaubung, deren
eingehende Beschreibung Saporta 1. c. gegeben hat.
Den Formen, die Gardner unterscheidet, lässt sich noch Sequoia
Couttsiae var. rohusta Sclimalbausen (Beitr. zur Tertiärflora Südwest-
Russlands, p. 19 und 30, t V, fig. 3, 4 und t IX, fig. 4 — 13) anschliessen,
die sich von der typischen Form durch kräftigere Triebe, dickere Aeste
und durchschnittlich längere Blätter unterscheidet
Ich stimme Gardner vollständig darin bei. dass verschiedene als
Gbyptostrobus oder Sequoia iMnysdorfii bez. Sternhergii beschriebene Reste
besonders der arktischen Flora nicht von Sequoia Couttsiae zu trennen
sind, dagegen kann ich ihm in der .Aufstellung seiner verschiedenen Arten,
•4.
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die er von der typischen S. CouHsiae von Bovey Tracey ahtrennt, nicht
beipflichten. Gardner weist selbst auf die Schwierigkeit hin, nach relativ
geringen Abweichungen in der Belaubung allein fossile Arten zu trennen;
solche Abweichungen gehören, bedingt durch Temperaturverschiedenheiten
und andere physikalische Umstände, bei den Individuen derselben lebenden
Coniferenart zu häufigen Erscheinungen. Die Formen Garduer’s, Saporta’s
und Schmalhausen's sind räumlich auf gewisse Gebiete beschränkt (England
— arktisches Gebiet — Südfrankreich — Südwestrussland), und diese
boten ohne Zweifel zur Tertiärzeit mancherlei durch Klima und locale
Verhältnisse bedingte Verschiedenheiten der Lebensbedingungen dar, die
in den einzelnen Gebieten bei den Pflauzen-Individuen derselben Art
massige Abweichungen in der Ueppigkeit der Triebe und der Grösse und
Gestalt einzelner Organe, insbesondere des Laubes, hervorrufen konnten.
Ausserdem ist das Alter der Schichten an den verschiedenen Fundorten,
die Reste von S. Couttsiac bergen, durchaus nicht das nämliche, so dass
in den Formabweichungen auch Entwickelungsfortschritte der Art erblickt
werden dürfen.
Nun ist aber S. Couttsiae mit ihren Formen keineswegs auf die bisher
genannten Gebiete beschränkt, vielmehr sind von verschiedenen anderen
Orten Reste als S. Couttsiae oder unter deren Synonymen mitgetheilt worden.
Dass S- Toumalii Sap. keine selbständige Art darstellt, sondern auf
einer Combination von Zapfen der S. Couttsiae mit Zweigen der ä Langs-
dorfii beruht, ist schon von Heer (Fl. foss. arct. I, p. 94) hervorgehoben
worden. Saporta giebt S. Tournalii an von Arraissan und Bois d’Asson;
sie wird ferner erwähnt von Leoben und Sagor, von Kumi und aus
Ligurien.
Sequoia Couttsiae ist durch Schenk und Beck aus dem Oligocän der
Leipziger Umgegend, von Heer und Friedrich aus dem Tertiär der Provinz
Sachsen nachgewiesen; Sequoia imbricata Heer von Borustedt stellt nichts
anderes als einen Rest unserer Art dar. Ettingshausen fand sie in den
Schichten von Sagor, Leoben und Schoenegg; Pilar giebt sie aus der
Flora von Sused bekannt; Lesquereux theilt aus der nordamerikanischen
Tertiärllora zapfentragendo Zweige mit als S. affinis, die kaum erhebliche
Abweichungen von der typischen S. Couttsiae darbieten.
Schliesslich liegen mir zahlreiche Reste von unserer Art von mehreren
Tertiärfundorten Böhmens vor, deren einige auf Taf. V wiedergegehen
sind. Dass die von Ettingshausen unter der Bezeichnung Taxodium
dubiwn iu der Flora von Bilin, t. X, tig. 8 und 9 abgehildeten Samen von
Sobrussan und die Zapfen von Priesen, ebenda fig. 20 — 22, nicht zu
Taxodium, sondern zu Sequoia Couttsiae gehören, ist schon von Heer
bemerkt worden; ich habe eine grosse Anzahl von Zapfen in dem plastischen
Thone von Preschen aufgefunden, deren einige in verschiedenen Alters-
und Erhaltungsstadien Taf. V, Fig. 19 — 23 abgebildet sind; ausserdem sind
mir Zweigstücke von Preschen, Altsattel und Waltsch bekannt, deren
einige Taf. V, Fig. 18, 24, 25 wiedergegeben sind, und die theilweise in
der BeschaflTenheit der Belaubung einige besondere Fiigenthümlichkeiten
darbieten.
Das schlanke Zweiglein Fig. 25 entspricht den zarten Zweigen von
Bovey (bes. Fl. v. Bovey Tracey, t. LX, fig. 45), wie sie Gardner für seine
S. Couttsiae im engeren Sinne in Anspruch nimmt; der Zweig von Waltsch
Fig. 24 stimmt dagegen mit den Zweigen der S. Whymperi Gardners von
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Grünland überein (s. Fl. of North Greenland, t. XLI); die Belaubung
unserer zapfentragenden Zweige findet Analoga sowohl unter den arktischen
Resten der S. Couttsiae Heere wie unter denen von Bovey Tracey.
Besonders bemerkenswerth ist das grosse Zweigstück Fig. 18; es
zeigt eine verschiedenartige Belaubung; es besitzt Zweige mit kurzen,
spitzen, gesichelten und herablaufenden Blättern, neben solchen, die an
der Spitze kurze, stumpfe, schwach sichelförmig gebogene und herahlaufende
Blätter (vergl. vergr. Fig. 18a), im Uebrigen aber stark verlängerte Blätter
tragen; dies sind Verhältnisse, wäe sie Saporta’s Form polymorpha auf-
weist, wie sie aber auch Heer wiederholt, z. B. von Bovey (1. c. pl. LX,
fig. 12), von Spitzbergen (Beitr. z. foss. Fl. Spitzbergens, t. XI, fig. 2, 6 — hier
zu Glyptostrobus gestellt), von N’ordgrönland (Fl. of North Greenland,
pl. XLI) u. a. abbildet; einige Zweige von Schmalhausen’s var. robusta
(Tert. Fl. v. Südwestrussland, t. IX, fig. 12^ sind ebenfalls zum Vergleich
heranzuziehen. Ileer’s S. concinna aus den Patootschichten Grönlands
(obere Kreide) bietet ähnliche Belaubungsverhältnisse dar (cf. Fl. foss.
arct. Bd. VII, p. l.S, t. XLIX, fig. 8b, c; t. L, fig. Ib; t. LI, fig. 2 — 10;
t. LII, fig. 1 — 3; t. LIII, fig. Ib); Heer bezeichnet S. Couttsiae als die
nächstverwandte Art der S. concinna. Erwähnt sei schliesslich noch, dass
Gardner (Brit. F,oc. Fl., Gymnosp., pl. Vlll) als Podocarpus ehgans de la
Harpe sp. eine Anzahl anscheinend nicht zusammengehöriger Zweige ab-
bildet, deren einige unserem Zweige Fig. 18 nahe kommen, während andere
zu S. Langsdorfii gehören dürften.
Die Mehrgestaltigkeit der S. Coidtsiae-Reste der böhmischen Tertiär-
schichten, die im Wesentlichen einem Fundorte, dem plastischen Thone
von Preschen entstammen, und <lie die Eigenthümlichkeiten der verschie-
denen von Gardner als Arten unterschiedenen Formen von S. Couttsiae
darbieten, lässt cs mir durchaus unwahrscheinlich erscheinen, dass es sich
in der That um mehrere verschiedene Arten von Sequoia handele. Vielmehr
meine ich, dass S. Couttsiae eine weit verbreitete Art der Tertiärfiora
darstcllt, deren Gebiet — ähnlich wie bei S. Langsdoi'fii und Tarodium
distichum — sich über die arktische Zone, Nordamerika und ganz Europa
bis nach Südrussland erstreckte, und die in der Anpassung an klimatische
und locale Verhältnisse eine erhebliche Variabilität in der Ausbildung
einzelner ihrer Organe sich erwarb.
S. Couttsiae steht zwischen den beiden lebenden S. semperviretis Endl.
und S. gigantea Torr, aus Californien. Die Belaubung ähnelt der von
S. gigantea, von der sich S. Couttsiae durch geringe Grösse und kugelige
Gestalt der Zapfen unterscheidet; S. £cmpe)'virens besitzt ähnliche Zapfen,
aber mit einer grösseren Zahl der Zapfenschuppen, und andere Belaubung.
Nach Schenk (Botan. Zeitung 1869, Jahrg. 27, p. 376) erinnert bei S. Couttsiae
die Structur der Blattepiderniis an S. gigantea, die Epidermisstructur der
geflügelten Samen und die Anordnung der Zapfentheile an S. setnpen irefis.
Sequoia Sternbergii Ett. Taf. V, Fig. 35,
Sequoia Sternbergii Ettingshausen: Foss. Flora v. Bilin I, p. 40, t. XIII.
lig. 3—8.
Sequoia ramis alternis, elongatis, crassiu.sculis; foliis spiraliter dis-
positis, imbricatis, ovato-lanceolatis, subfalcatis, rigidis, apice obtuso-acu-
minatis, basi decurrentibus.
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V'ürkommeii: Im l’olirschiefer von Kutschlin.
Unter der Bezeichnung Sequoia (Äraucarites) Sternberyü üoepp. sp.
sind von mehreren Autoren (üoeppert, Heer, Unger, Ettingshausen, Massa-
longo, Sismonda u. A.) von verschiedenen Fundorten der Polarzone und
des mittel- und südeuropäischen Tertiärgebietes belaubte Coniferenzweige
beschrieben worden, die augenscheinlich nicht zu einer und derselben
l’flanzenart gehören. Die meisten der so genannten Beste entsprechen dem
Typus der von Häring und Sotzka beschriebenen Zweige (Ettingshausen,
Foss. Fl. V. Häring, p. 36, t. VH, fig. 1 — 10; t VHl, tig. 1 — lü; Unger,
Foss. Fl. V. Sotzka, p. 27, t. III, fig. 1—14; t. IV, fig. 1 — 7); daneben finden
sich unter dem gleichen Namen verzeichnet Zweige mit bedeutend längeren
und breitereu Blättern (z. B. bei Sismonda, Materiaux p. serv. ä la Pal.
du terr. tert. du Piemont, pl. IV, fig. 6; bei Heer, Flor. foss. arct. I, t. XXIV,
fig. 7 — 10) und schliesslich Zweige mit viel kürzeren und relativ breiten
und wenig zugespitzten Blättern, wie die Zweige Ettingshausen's von Bilin
(F’l. V. Bilin, t. XIII, fig. 3 — 8) und Heer’s von Netluarsuk (Nachtr. z.
mioc. Fl. Grönlands, p. 10, t. II, fig. 1—4).
Wenn auch Heer ausdrücklich von S. SteniberyU Formen mit kürzeren
und mit längeren Blättern unterschied, blieb doch — bei aller Variabilität
der Coniferenlaubblätter — die Annahme ausserordentlich gezwungen,
dass z. B. die Biliner Zweige Ettingshausen’s und Sisinonda’s Zweig von
Turin einer und derselben Pflanze angehört haben sollten. Lange Zeit
waren Zapfen, die in zweifellosem Zusammenhang mit den fraglichen
Zweigen sich befanden und die genauere Deutung der Beste ermöglicht
hätten, unbekannt; umsomehr ist es zu begrüssen, dass neuerdings F'unde
von zapfentragenden Zweigen die Trennung der verschiedenartigen, unter
dem Sammelnamen Sequoia Stertibergii begriffenen Fossilien gestatten.
Zuerst gelang es Marion (Comptes rendues de l’Acad. des Sciences
1884, p. 821, und Annales sc. geol. XX, no. 3, 1889 — dazu; Benault,
Cours de Botanique fossile IV; Gardner, Brit. Eoc. Flora, Gymnosp., p. 93;
Zeiller, Elements de Paleobotanique, p. 265) nachzuweisen, dass ein Theil
der S. Sternberffii-Vormen einem neuen Genus angehört, welches der
Zapfenbildung nach der Gattung Dammara nahe steht: Doliostrobus
Sternbergii, mit spiralig stehenden, mehr oder weniger anliegenden, pfriem-
lichen, schwach sichelförmigen, starren Blättern, die am Bücken gekielt
erscheinen.
Auf Grund zapfentragender Zweige stellte ferner Gardner (Brit. Eoc.
Flora, Gymnosp., p. 85, pl. X, fig. 2, 3, 10—13; pl. XX; pl. XXI) fest, dass sich
unter S. Sternbergii Beste von Crijptomeriu verbargen (Cr. Stertibergii)',
die augenfällige Aehulichkeit der ArKHcaritcs-Zy/eige von Häring, Sotzka,
Monte Promina mit solchen von Cryptomeria war früher schon von Ettings-
hausen hervorgehobeu worden (Fl. v. Häring, p. 36); Cr. Stertibergii besitzt
Zweige mit lancettlichen bis verlängert nadelfürmigen, spitzen, gekrümmten,
am Grunde herablaufenden Blättern; hierher scheint die Mehrzahl der
S. Sternbergii- Reste zu gehören.
Für die lang- und breitblättrigen Zweige Sismonda's von Turin und
Heer’s von Island besteht nach meiner Kenntniss eine sichere Deutung
noch nicht.
Aus dem böhmischen Tertiär hat Ettingshausen belaubte Zweige von
Kutschlin als S. Sternbergii beschrieben ; eine Anzahl mit diesen überein-
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stimmender Zweige von demselben Fundorte liegen auch mir vor; einer
derselben ist Taf. V, Fig. 35 abgebildet.
Diese Zweige sind ziemlich lang und verhältnissmiissig dick, fast
cylindriscli, auch nach den Enden zu kaum verjüngt; die Verzweigung ist
meist alternirend; die Zweige sind sehr dicht von dachig anliegenden
Blättern bedeckt; die Blätter stehen spiralig, sind steif, dick lederartig,
von eiförmig -lancettlicher Gestalt, an der Basis herablaufend, nach vorn
verschmälert und stumpflich zugespitzt. Der Durchschnitt der Blätter war
ohne Zweifel dreieckig, die Hache Seite dem Zweige zugewendet; die
dieser flachen Seite gegenüber liegende Kante der Blätter erscheint in
den Abdrücken als Mittelnerv, die Seitenkanten der Blätter treten ira Ab-
druck an den zu beiden Seiten des Zweiges stehenden Blättern deutlich
hervor (vergl. die vergr. Figur 35a der Taf. V). Die Blätter sind meist
schwach sichelförmig gekrümmt. Ein grosses reich verästeltes Zweig-
stück der Prof. Deichmüller’schen Sammlung, das abzubilden der ver-
fügbare Raum leider nicht gestattete, lässt einige an der Spitze seiten-
stäiidiger, etwas verschinächtigter Zweiglein mit gleicher Belaubung
stehende, ovale Köpfchen erkennen, die aus einer Anzahl dichtstehender
lancettlicher Blättchen gebildet werden; diese stellen vermuthlich BlUthen-
anlagen dar.
Die Zweige dieses Typus führe ich vorläufig noch unter der Bezeich-
nung Sequoia Sternhergii\ sie ähneln manchen Sequoien der Kreideformation,
z. B. S. fastiniata Stbg. sp. (von Heer!) — vergl. Velenovsky, Gymnospermen
der böhmischen Kreideformation, p. 21 — und scheinen den ältesten Typus
der Sequoien im Tertiär darzustelleu ; als S. Couttsiae var. robusta führt
Schmalbausen (Beitr. z. Tert. Fl. Südwestrusslands, p. 19, t. V, fig. 3, 4i
einige Zweigstücke an. die unseren nahe kommen; unter den fossilen
Resten, die als S. Sicynbergii bezeichnet sind, sind es die von Heer, Nachtr.
z. mioc. Fl. Grönlands, p. 7, 1. 11, fig. 1 — 4 dargestellten, die den Kutschliner
Zweigen zunächst kommen.
Die Laubzweige des Doliostrobus Stervbergii Marion’s zeigen eine
ähnliche Anordnung der Blätter; diese scheinen aber nach den mir be-
kannten Abbildungen schärfer zugespitzt zu sein als bei den böhmischen
Resten, ich trage daher Bedenken, diese mit ersteren zu vereinigen,
zumal in Böhmen noch keinerlei Zapfenreste von der Beschaffenheit des
Doliostrobus bisher aufgefunden worden sind.
Die (lestaltung der Zweige und die Belaubung der Kutschliner Reste
besitzen unverkennbar Anklänge an die Verhältnisse bei der lebenden
Gattung Athrotaxis', möglich ist, dass sie und vielleicht auch andere fossile
Sequoien mit Athrotaxis -artiger Belaubung wirklich zu Athrotaxis zu
stellen sind — darauf hat Solms aufmerksam gemacht (Einleitung in die
Palaeophytologie, p. 59) — möglich auch, dass unsere Zweige zu den
nachstehend zu beschreibenden Zapfen in Beziehung stehen, die in ihrer
Bildung an ,4 f/(rofa;ris- Zapfen erinnern; die fertilen Zw'eige der letzteren
zeigen allerdings Abweichungen von unseren S. Sterubergii-Zweigea, und
so lange Laub- und Fruchtzweige nicht in natürlichem Zusammenhänge
vorliegen, lässt sich mehr als eine Vcrmuthung nicht aussprechen.
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Athrotaxidium hilinicum iiov. sp. Taf. V, Fig. 13 — 16.
Athrotaxidium foliis irabricatis, erecto-incurvatis, lanceolatis, acutis,
dorso costatis, decurreutibus; strobilis ovatis; squamis imbricatis, incrassatis,
rugulosis, apice triaiigulari-ovato, acuto, producto.
Vorkommen: Im plastischen Tbone von Preschen.
Von genanntem Fundorte liegen mir eine Anzahl Zweige mit Zapfen
vor, die augenscheinlich verschiedenen Altersstadien angehören. Diese
Zapfen weichen von allen bisher aus tertiären Schichten beschriebenen
Coniferenzapfen ab; sie sind von eiförmiger (jestalt, messen 7 — 16 mm
Länge bei 6 — 11 mm Breite und werden von einer massigen Anzahl
spiralig angeordneter, sich daehziegelig deckender Schuppen zusammen-
gesetzt. Der Erhaltungszustand meiner Exemplare ist leider kein be-
sonders guter, doch lassen sie erkennen, dass der freie Theil der Schuppen
stark verdickt ist, ohne aber ein deutlich umgrenztes Schildchen zu bilden;
die SchuppenoberHäcbe ist fein runzelig; die Spitzen der Schuppen treten
als starke, dreieckig-eiförmige, zugespitzte, mehr oder weniger gekrümmte
Höcker nach aussen vor; an dem jüngsten Zäpfchen (Fig. 15) erscheinen
diese vorstehenden Schuppenhücker als verhältnissmässig schlanke Dornen,
während sie an den älteren Zapfen (Fig. 13, 14, 16) eine plumpere Ge-
stalt besitzen.
Die Zapfen stehen am Ende kürzerer Seitenzweige, wie es scheint,
gewöhnlich zu mehreren an längeren Zweigen. Die zapfentragenden Zweige,
oft unter dem Zapfen verdickt, sind dicht von schuppenförniigen, kleinen,
ovalen, spitzen Blättern bedeckt; die übrigen Zweige tragen schnppen-
förmige, zugespitzte, lang berablaufende Blätter von lancettlicher Gestalt,
die spiralig angeordnet, etwas entfernt stehen und theilweise mit der
Spitze etwas gekrümmt sind; die Blätter besitzen einen .Mittelnerven.
Diese auffälligen Zapfen weisen nach dem leider allein bekannten
äusseren Anblicke die meiste Aehnlicbkeit mit den Zapfen der lebenden
Athrotaxis-krim auf, welche ebenfalls stark verdickte, mit der Spitze
nach aussen vorstehende Zapfenschuppen besitzen ; allerdings haben diese
kleinere Zapfen, und ihre Zapfeustiele sind anders beschallen; immerhin
besteht eine Aehnlichkeit, welche durch die gewählte Benennung aus-
gedrückt werden soll. Ob bei unseren Zapfen die Attroteris zukonimende
wulstförmige Anschwellung an der Innenseite der Schuppen vorhanden ist,
erlaubt unser Material nicht zu entscheiden; auch von Samen unserer Art
ist nichts bekannt. Die Stellung unserer Zapfen zu Athrotaxis kann des-
halb nur mit Vorbehalt geschehen; die Belaubung besonders der unteren
Zweigabschnittc lässt sieb mit der von A. laxifolia Hook, vergleichen.
Von fossilen Coniferengeschlechtern besitzt eine entfernte Aehnlich-
keit mit unserer Art, die sich aber nur im Umrisse des Zapfens ausspricht,
der Echinostrobus Sternberfjii Schimp. des lithographischen Schiefers;
das kleine Zäpfchen (Fig. 15), das ich schon seit längerer Zeit besitze,
erinnerte mich zunächst an die Zapfen der Gattung üeratostrolms, die
Velenovsky aus der böhmischen Kreide (Gymn. d. böhm. Kreideform.,
p. 24 und 25) in zwei Arten beschrieben bat. Genauere Untersuchung
besonders des übrigen, mir später zugegangenen Materiales bat mich aber
davon überzeugt, dass die l’reschener Zapfen aus Schuppen von ganz
anderem Typus zusammengesetzt sind als die von Ceratot'liobus', während
die letzteren ein rhombisches Schildchen mit einem verlängerten, starken
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Schnabel besitzen, ist bei unseren Zapfen eine Schildcbenbildung an den
Schuppen nicht nachzuweisen, die dornigen Höcker der Zapfen erscheinen
vielmehr als die al)stehenden Spitzen der verdickten Zapfenschuppen.
Von der Belaubung unserer Art ist nicht viel bekannt; die der
zapfentragenden Zweige ist in Vorstehendem angegeben worden; ob hier-
her ein Theil der häufig nufzufindenden sterilen Zweige mit schuppen-
förmiger Belaubung, die als Sequoia angesprochen werden, gehört, muss
vorläufig dahingestellt bleiben; vielleicbt sind die sterilen Zweige der
Sequoia Sk-rnbcrgü mit Athrotaxis- artiger Belaubung mit unseren Zapfen
in Verbindung zu bringen, allerdings erinnert der untere Theil der längsten
unserer zapfentragenden Exemplare (Fig. 13) nicht eben sehr an die Zweige
von S. Sternber(jn. Die Entscheidung dieser Frage muss jedenfalls voll-
ständigeren Funden Vorbehalten werden.
3. Cupressineae.
Callitris Brongniartii Endl. sp. Taf. V, Fig. 29 — 34.
Thuytes eallitrina Unger; Chloris protog. , p. Ü2, t VI, (ig. 1 — 8; L VII, fig.
1-10.
Caliitritee Brongniartii Kndlicher: Syn. Conif., p. 274.
Callitris Urongniartii Engelliardt: Sitzungsber. Isis Dresden 187(5, p. 5; 1882.
Abh. p. 14.
Tert. Ptl. d. Leitm. Mittelgeb., p. .SO, t. 4. fig. 10, 11.
Tert. Fl. d. .lesnitengrabens, p. 18, t. 1, äg. 32.
— Tert. Flora v. Berancl, p. 13.
Uebr. Litt. s. Mesehinelli et Squinabul: Flora tertiaria italica, p. 116.
Callitris ramulis saepius sympodialiter divisis, com])ressis, articulatis;
foliis (lecussatim 2 -verticillatis; verticillis in ramulis jutiioribus approxi-
matis, in senioribus distantibus; foliis lateralibus linearibus, adpressis,
apice obtuse acuminatis vel breviter acuto liberis, basi decurrentibus;
facialibusobtusatis; amentismasculinisternatimaggregatis; strobilis squatiiis
(piattuor inaei|ualibus, extus leviter rugoso-sulcatis, infra apicem appen-
diculatis, maturis hiantibus; duabus exterioribus late obovato -triangu-
laribus, duabus interioribiis a latere compressis, apicem versus attenuatis;
seminibus ad squamam 2—3 ovatis, compressis, utroque latere ala magna
semilunari suporne producta instructis.
Vorkommen: In den Schiefern des Jesuitengrabens, des Holaikluk
und von Sulloditz-Berand.
Die Zweige sind sparrig, meist sympodial getheilt, plattgedriickt, ge-
gliedert; die kleinen Blätter stehen angedriiekt in zweizäuligen decussirten
Wirteln, die an den jüngeren Zweigen einander genähert, an den älteren
durch intercalares Wachsthum der Internodien mehr und mehr auseinander
gerückt sind; die Seitenblätter sind kurz, mehr oder weniger zugespitzt,
oft mit etwas abstehender Spitze, mit herablaufender Basis; die facialen
Blätter sind stumpf zugespitzt und angedrückt. Fig. 34 stellt ein älteres
Zweigstück dar.
Die männlichen Blüthen stehen endständig, kurzgestielt an Seiten-
zweigen, gewöhnlich zu dreien.
Die Zapfen (Fig. 32, 33), im reifen .Zustande klafi'end, stehen an
kurzen Seitenästeu, sind rundlich eiförmig, messen 10 — 12 mm Durch-
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messer und werden von vier in zwei zweizähligen alternirenden Wirteln
stehenden Schuppen gebildet; die Schuppen des äusseren Paares sind
breit dreieckig-eiförmig, die des inneren schmäler und mehr zugespitzt.
Die Schuppen sind am Rücken runzelig und tragen unterhalb der Spitze
einen oft verwischten kleinen Höcker. Die Schuppen — bei der lebenden
C. quadrivalvis Vent. sind nur die äusseren fertil — bergen je zwei bis
drei Samen; diese sind länglich -eiförmig, zusammengedrückt, 3 — 6 mm
lang und tragen einen breiten halbmondförmigen, nach vorn jederseits
stumpf abgerundet vorstehenden Flügelrand (Fig. 29—31).
Von dieser Art sind aus böhmischen Schichten bekannt: Zweigstücke
vom Holaikluk und von Berand, Samen von diesen beiden Orten und vom
Jesuitengraben, Zapfen von Berand.
Die entsprechende lebende Art ist Callitris quadrivalvis Vent., welche
in der Gestalt der Zapfeuschuppen Abweichungen aufweist.
Widdringtonia helvetica Heer. Taf. V, Fig. 6 — 8.
Widdringionin helvetica Heer: FL tert. Helv. I, p. 48, t XVI, fig. 2—17.
Schimper: Traiti' de pal. \6g. II, p. 327.
EttingsLansen: Fl. v. Bilin I, p. 34.
Engelhardt: Sitzungsber. Isis Dresden 1878, p. H.
Foss. Pfl. T. Tsehemowitz, p. 14, t. 2, fig. 2, 3.
Foss. Pfiu V. Grasseth, p. 17, t. 2, fig. 5, 6.
Pllanzenreste v. Liebotitz und Putsehim. Sitzungsber. Isis Dresden
1880. p. 78, 1. 1, fig. .34.
Widdringtonia bohemica Ettingshausen: Fl. v. Bilin I, p. .34, t, X, fig. 16—19.
Tajcodium la.rum Ettingshausen: FL v. Bilin I. p. 37, t. XII, fig. 4, (5V).
Widdringtonites Ungeri Endlicher: Syn. Couif., p. 271.
Juniperites baccifera Unger: Oliloris protog., p. 80, t, 21, fig. 1 — 3.
ThugtcB gramineuB Steniberg: Vers. 1, 3, p. 31; I, 4, p. 38, t. 35, fig. 4,
Muscites Stoltzii Stemberg: Vers. II. p. 38, L 17, fig. 2, 3.
Thuja graminea Brongniart: Prodr., p. 109.
Widdringtonia ramis erectis, fastigiatis, ramulis filiformibus, confertis;
foliis in ramulis junioribus alternis, in senioribus spiraliter dispositis; in
ramulis fertilibus squainaeformibus, ovato-ellipticis, acuminatis, adpressis,
sumrais erecto-patentibus, in ramulis sterilibus elongatis, apice patentibus,
basi decurrentibus; strobilis ovalibus, stjuamis 4 lignosis, verticillatim
dispositis, apice mucronatis, maturis hiantibus; seininibus ad squamam
quamcunque 1 — 3 ovatis, anguste alatis.
Vorkommen: Im plastischen Thone von Preschen und Priesen, im
Polirschiefer von Kutschlin, im Sandsteine von Tsehemowitz und Altsattel,
in den Schichten von Liebotitz.
Die Zweige sind schlank und zart, alternirend, dicht verästelt, in
spitzen Winkeln auseinander tretend. Die Belaubung weist wie bei vielen
Coniferen an Zweigen verschiedenen .Vlters ,\bweichungen auf. An jüngeren
Zweigen stehen die Blätter in zweizähligen decussirteii Wirteln; die Wirtel
sind zuweilen dicht zusammengerückL An den älteren, besonders sterilen
Zweigen stehen die Blätter in Folge intercalaren Wachsthums zerstreut,
spiralig angeordnet. Die Blätter der fertilen Zweige sind schuppenförmig,
eiförmig bis elliptisch, nach vorn zugespitzt, ohne deutliche Längsrippe,
mit zwei oft verwischten Längsstreifen versehen; sie sind angedrückt, mit
der Spitze etwas abstehend. Bei den sterilen Zweigen sind die Blätter
am Grunde elliptisch, schuppenförmig und angedrückt, nach der Zweig-
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spitze zu etwas verlängert und in spitzem Winkel abstehend. Alle Blätter
laufen am Grunde herab. Bei den Blättern der lebenden Widdringtonien
befindet sich an der Itückentläche unterhalb der Spitze eine Harzdriise;
Andeutungen dieser habe ich bei fossilen Blättern nur vereinzelt be-
obachtet.
Die Belaubung ist durch Fig. 6 und 7 unserer Taf. V wiedergegeben.
Männliche und weibliche Bliithen sind klein und stehen endständig an
Seitenzweigen; Heer bringt (1. c. t. XVI, fig. 16 — 17) einige vermuthliche
Blüthen zur Darstellung, und ich glaube, dass die von ünger (Chlor,
protog., t. X.\I, fig. 1) als Früchte der Juniperites haedfera beschriebenen,
nicht recht deutlichen Gebilde nichts anderes als Blüthen sind.
Der Zweig Taf. V, F'ig. 6, von Preschen stammend, trägt neben
mehreren kleinen rundlichen Blüthen, die den Unger'schen gleichen, einen
jungen Zapfen in noch nicht ausgewachsenem Zustande, dieses Fixemplar
beweist, dass Ungcr’s vermeintliche kleinen reifen Früchte nicht als solche,
sondern eben nur als Blüthen angesprochen werden dürfen. Ich nehme
daher nicht Anstand, Widdringtonia üngvri Kndl. (= Juniperites baed-
fera Ung.) zu der vollkommener durch Heer beschriebenen Widdr.
helretica zu ziehen; in der Belaubung sind trennende Merkmale beider
nicht vorhanden.
Die Zapfen (Taf. V, Fig. 6, 8) sind länglich oval, ca. 16 mm lang,
geschlossen G — 9 mm dick; sie bestehen aus vier, im reifen Zustande
klaffenden, holzigen Schuppen, die in zwei zweizähligen decussirten W'irteln
stehen. Die Schuppen sind an der Aussenseite gewölbt und glatt, eine
am Bücken bcrabgeschobene Spitze, wie den lebenden Arten von Calliiris,
Section Widdringtonia zukommt, ist an den fossilen Zapfenschuppeii noch
nicht beobachtet worden. Heer giebt an, dass die Spitzen der Schuppen
zu einem kleinen Schnabel verlängert und einwärts gerichtet sind; dieses
Verhalten, das von der Zapfenbeschaffeuheit der lebenden Widdringtonien
auffällig abweicht, kommt aber nur bei einigen von ihm abgebildeteu
Exemplaren (1. c. fig. 6, 8, 9) zur Darstellung, während bei anderen
(1. c. fig. 4, 7, 11, ISJ) dieser Schnabel fehlt. Das Fehlen der schnabel-
förmigen Verlängerung der Zapfeuschuppen bot Ettingshausen Anlass.
Widdr. bohemica von Widdr. helvetka abzutrennen ; da aber Heer selbst
zu Widdr. helvetka Zapfen mit geschnabelten und mit ungeschnabelten
Schuppen bringt, folge ich dem Beispiele Engelhardt’s (Foss. Pfl. d. Süss-
wassersandsteines von Tschernowitz, p. 14) und vereinige Widdr. helretica
und bohemica.
Jede Schuppe birgt 1 — 3 ovale, schraalgeüügelte Samen; die Zugehörig-
keit des von Ettingshausen in der Fl. v. Bilin, t. X, fig. 16 abgebildeten
grossen und breitgellügelten Samens zu Widdringtonia scheint mir zweifel-
haft, er dürfte eher zu Sequoia gehören. Heer giebt übrigens an, dass
die Samen ungeflügelt seien; diese Annahme ist vielleicht auf ungenügenden
Erhaltungszustand der Schweizer Exemplare zurückzuführen.
Von dieser Art sind aus den böhmischen Tertiärschichten Zweige und
Zapfen bekannt. Die Zweige sind zum Theil, zumal wenn nur kleine
Stücke vorliegen, schwierig von denen des Glyptostrobus europaeiis zu
unterscheiden; Heer giebt als Unterschied an, dass bei Widdringtonia die
Blätter mehr zugespitzt und am Bücken ohne Längsrippe seien. Diese
Treiinungsmerkmale sind recht unscheinbare, zumal die Wahrnehmbar-
keit von Hippen sehr vom Erhaltungszustände der Fossilien und vom
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Gesteinsmateriale abhängig ist. Einwandfrei erscheint mir die Zuweisung
fossiler Zweige zu Widdringtonia nur dann, wenn sie ihre Blätter in
zweizähligen decussirten Wirteln tragen. Solgiie Zweige liegen mir vor
von Priesen, Preschen und Altsattel; Fruchtzapfen sind bekannt von
Kutschlin, Liebotitz und Tschernowitz.
Als verwandte lebende Art ist Widdringtonia cupressoides Endl. aus
dem Caplande anzugeben.
Libocedrus salicornioides Ung. sp.
Thuytes salicornioides ünger: Ohloris protog., p. 11, t. II, fig. 1—4; t. XX.
lig. 8.
Libocedrus salicornioides Ettingshau.sen : Fl. v. Bilin I, p. 33, t, X, lig. 1—6, 14.
Engelhardt: Sitzungsber. Isis Dresden 1876, p. 5; 1882, Ahhandl.,
p. 14.
— Leopoldina 1884, p. 129.
Tert. Pfl. a. d. Leitm. Mittelgeb., p. 28, t. 4, fig. 4—8.
— Tert. Fl. d. Jesnitengrabena, p. 18, t. 1, fig. 27 — 30.
— — — Lotos 1896 (Xatternstein), p. 2, (Sulloditz), p. 3.
— — — Tert. Fl. v. Berand, p. 13.
— — Menzel: Flora d. tert. Poliersch. v. Sulloditz. Sitzungsljer. n. Abhandl.
d. nat. fies. Isi.s Bautzen 1896 97, p. 3.
l'ebr. Litt. s. Mescliinelli et Squinabol; Flora tertiaria italica, p. 117.
Libocedrus ramis ramuHsque plerumque oppositis, compressis, articu-
latis, articulis elongatis vel obovato-cuneatis, in summitatibus ramulorum
moniliformibus; foliis squainaeformibus, quadrifariam imbricatis; lateralibus
coraplicato-carinatis (navicularibus), adnato-decurrentibus, adpressis, re-
curvatis, longitudinaliter sulcatis; facialibus apice angulatis vel obtusato-
rotundatis, carinatis, infra apicem glanduliferis.
Vorkommen: In den Polirschiefern von Sulloditz, Berand, Leinischen-
dorf, Natternstein, Kutschlin, den Schiefern des Ilolaikluk und des Jesuiten-
grabens, den Menilitopalen von Schichow, den Gyprisschiefern von Krotten-
see und dem Süsswasserkalke von Waltscb.
Die Verzweigung ist monopodial; die Zweige sind flach zusammen-
gedrückt, gegliedert, gegenständig gestellt; die Stengelglieder sind ver-
längert keilförmig, nach den Spitzen der Zweige zu verkleinert, die jüngsten
sind rundlich und bilden fast rosenkranzförmige Heihen.
Die Blätter stehen vierzeilig in zweizeiligen decussirten Wirteln; je
zwei Paare sind zu scheinbar vierzähligen Wirteln zusammengeschobeu;
an älteren Zweigen erscheinen die Blattpaare durch intercalares Wachs-
thum aus einander gerückt. Die Blätter sind ungleich gestaltet: die beiden
seitlichen sind kahnförmig, gekielt, mit herablaufender Basis, anliegend,
längs gefurcht; sie sind an der Spitze schwach nach aufwärts gekrümmt,
wenn sie in der Achsel einen Seitenzweig tragen. Die facialen Blätter
sind rhombisch, flach anliegend, vorn stumpfwinkelig oder bogenförmig
begrenzt, nicht selten am vorderen Rande schwach eingekerbt oder kurz
stumpf-zugespitzt, am Rücken flach gekielt oder von mehreren Längs-
streifen bedeckt, unter der Spitze eine Harzdrüse tragend.
Diese Art war im Tertiär weit verbreitet; doch sind von ihr mit
Sicherheit nur Zweigstücke und einzelne Stengelglieder bekannt, die sich
auch an den angeführten böhmischen Tertiärfundorten nicht selten, theil-
weise sogar, wie in Sulloditz und im Jesuiteograben recht häufig vor-
finden.
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Was als Bliitheu bezüglich als Zapfen und Samen von Liboc. sali-
cornioides in der Litteratur bisher angegeben ist, scheint mir sehr zweifel-
haft; die als männliche und weibliche Blüthen von Unger (Chlor, protog.,
p. 12, t. II, fig. 4) angesprochenen Gebilde, die dieser Autor mit den ent-
sprechenden Organen von Thuja occidentalis L. vergleicht, haben wenig
Aehnlichkeit mit den an den Enden kurzer Seitenzweige stehenden Blüthen
von Libocedrus.
Das nach der Beschreibung einen kurzgestielten, vierklappigen Frucht-
zapfen darstellende Gebilde, das Ettingshausen in der Flora von Bilin,
t. X, fig. 6 mittheilt und zu Lib. salicoryiioides stellt, kann ich überhaupt
nach der Abbildung kaum für einen Coniferenzapfen halten; jedenfalls
weist es mit Zapfen von Libocedrus nicht die mindeste Ueberein-
stimmung auf.
Schliesslich gieht Ettingshausen von Schoenegg (Foss. Flora von
Schoenegg I, p. 10, t. I, fig. 21) einen Samen als zu Liboc. salicornioides
gehörig bekannt, der zwar ungleiche Flügel trägt, aber die Form des
Samens, die Differenz der zwei Flügelliälften ist nicht wie hei Libocedrus',
mir liegt die Vermuthung nahe, dass der Schoenegger Same nur ein kleiner,
unregelmässig entwickelter Same von Callitris ist.
Libocedrus salicornioides steht in der Art der Verzweigung der leben-
den Libocedrus chilensis Endl., in der Belaubung der L. decurrens Torr,
nahe.
4. Taxeae.
Cephalotaxites Olriki Heer sp. Taf. V, Fig. 11, 12.
Tajites Olriki Heer: Flor. foss. arct. I, p. 9.5, t. I, fig. 21 — 'Z4C; t. XLV,
fig. 1 a, b, c.
Flor, fo.ss. aret. II, Mioc. Fl. n. Fauna Spitzbergens, p. 44, t. VI,
fig. 1, 2.
ibid. Flor. foss. alaskana, p. 23, t. I, fig. 8; t. II, fig. 5 b.
ibid. Kose. Fl. of North Greenland, p. 4tiö, t. LV, ng. 7 a. b.
Flor. foss. arct. 111, NacUtr. z. miöc. Fl, Grönlands, p. 15, 16, 1. 1,
fig, 9, 10.
Flor. foss. arct. IV, Beitr. z. foss. Flora Spitzbergens, p. 64, t. XVI,
fig. 8 b.
Flor. foss. arct. VII, p. 56.
Schimper: Traitö de pal. veg. II. p. 351.
Lesquereux: L'outrib. to the fossU flora of the westem territories
III. p. 240, pl. L, fig. 6.
Cephalotaxites ramulis gracilibus, foliis distichis, firmis, coriaceisi
linearibus, lateribus parallelis, apice hrevi acuminatis, basi angustatis, non
decurrentibus, sessilibus, suhtus fasciis duabus stomatum multiseriatis
percursis.
Vorkommen: Im Menilitopal von Schichow.
Es sind bisher nur einige isolirte Blätter gefunden worden; diese
messen 2,6 — 4 cm Länge hei 3 — 4 mm Breite; die Abdrücke verrathen
eine derbe, lederige Beschaffenheit der Blätter; diese sind linear gestaltet,
mit parallelen Bändern, vorn kurz zugespitzt, am Grunde verschmälert,
nicht herahlaufend; sie besitzen einen breiten Mittelnerven und auf der
Unterseite beiderseits vom Mittelnerven einen deutlich sich abhebenden
breiten Ijängsstreifen; im Uehrigen ist die BlattHäche fein längsgestreift.
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In den angeführten Eigenschaften stimmen die Blätter vollständig
mit den von Heer aus den Tertiärschichten Spitr-hergens, Nordgrönlands
und Alaskas heschriehenen Blättern von Taxites Olriki üherein. Die mir
vorliegenden drei Exemplare gestatten eine genaue Untersuchung; sie liegen
alle drei auf Platte und Gegenplatte mit der Ober- und Unterseite vor.
Die Oberseiten der Blätter zeigen einen ca. mm breiten, kräftigen,
etwas hervortretenden .Mittelnerven, der eine zarte Längsstreifung besitzt;
die seitlichen Theile der Blattoberfläche sind von zahlreichen feinen Längs-
streifen durchzogen.
Die Unterseiten bieten den Mittelnerven in derselben Breite, aber
glatt und nicht vortretend und jederseits von diesem, durch eine schmale
Zwischenschicht getrennt, je einen ca. ’/s breiten Längsstreifen, der
von der begrenzenden Itandparthie des Blattes sich abhebt; letztere Iland-
zone und die erwähnte Zwischenschicht neben dem Mittelnerven erscheinen
glatt und glänzend, während die beiden den Mittelnerven begleitenden
seitlichen Längsstreifen matt und etwas rauh erscheinen ; an einem Exem-
plare, das in einem graubraunen Menilitopal abgedrückt ist, erscheinen die
glänzenden Ilandparthien dunkler und braun, Mittelnerv und die Längs-
streifen dagegen heller und grau, die einzelnen Zonen dadurch sehr deut-
lich diflerenzirt.
Günstiger Weise erlaubt das feine Gesteinsmaterial eine mikroskopische
Untersuchung der Reste;
Die Oberseite zeigt sich bei stärkerer Vergrösserung von zahlreichen
feinen Längsstreifen durchzogen und fein gerunzelt.
Auf der Unterseite bieten die schon makroskopisch unterscheidbaren
Theile ein verschiedenes Bild dar; die Kandparthien und die Zwischen-
schichten zwischen .Mittelnerv und seitlichen Längsstreifen erscheinen sehr
zart längsgestreift; der Mittelnerv ist fast glatt, lässt nur hin und wieder
eine ganz feine Streifung erkennen; die beiden seitlichen Längsstreifen
aber sind besetzt mit zahlreichen vertieften, grösseren Punkten, die in
mehreren Längsstreifen — ich konnte deren an einzelnen Stellen 7 — 12
zählen — angeordnet sind, und die ohne Zweifel Spaltöffnungen darstellen.
Heer erwähnt in seinen Beschreibungen von Taxites Olriki das Vor-
handensein von Spaltöffnungen nicht; einige seiner Abbildungen (z. B. Flor,
foss. arct. I, t. I, fig. 23, 24c) zeigen aber, dass auch er auf einzelnen
Blättern die Gegenwart in Längsstreifen angeordneter Punktreihen be-
obachtet hat. Die von Heer zuweilen gefundene Querrunzelung der Blätter
habe ich an den Schichower Blättern nicht bemerkt.
Der günstige E.rhaltungszustand unserer Fossilien gestattet eine genaue
Vergleichung mit den Blättern lebender Coniferen; nach der Beschaffen-
heit des Laubes, insbesondere der Unterseite desselben sind zum Vergleiche
lieranzuziehen, vor Allem Cephalotaxus, Cannhighamia sinensis II. Br. und
Saxegothea conspiaia Liiidl.
Eine Beziehung zu Saxegothea dürfe mit Rücksicht auf die Beschränkung
dieser Gattung auf das Gebiet der Anden von Patagonien auszusch Messen
sein, während Cephalotaxus und Ctinninghamia, gegenwäirtig Bew'ohner
von Japan und China, recht wohl Verwandte im europäischen Tertiär
gehabt haben können. Von Cunninghamia weichen unsere Blätter durch
die Form und die ganzrandige Beschafi'enheit ab; mit Cephalotaxus da-
gegen bieten sie eine auffallende Uehereinstiinmung dar, auf welche schon
Heer (Flor. foss. arct. I, p. 95) hingewiesen hat. Die l’eststellung der
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Structurverliältnisse , die unsere mit Heer's Tajites Olriki übereinstim-
menden Exemplare ermöglicht haben, bestätigt die Annahme ihrer Zu-
gehörigkeit zu Ceiihalotaxns. Ceph. Fortunei Hock, besitzt dieselbe Be-
schaffenheit der Epidermis: Oberseite mit kräftigem, etwas vortretenden
Mittelnerven und feiner Längsstreifung, Unterseite ebenfalls fein längs-
gestreift, mit tlachem Mittelnerv und zwei neben diesem verlaufenden
Bahnen, die von den in Längsreihen angeordneten Spaltöffnungen gebildet
werden und durch den NVachsüberzug der Spaltöffnungen als weisse Streifen
vortreten.
In der Blattform kommen unsere Reste der Cephalotaxus pedunculata
Sieb, et Zucc. am nächsten.
Früchte unserer Art sind bisher noch nicht nachgewiesen; ich trage
aber kein Bedenken, auf Urund der übereinstimmenden Blattbildung Taxites
Olriki zu Cephalotaxus zu stellen, und die Benennung soll dies andeuten.
Der Verbreitungsbezirk der Ceph. Olriki erfährt mit dem Nachweise
ihres Vorkommens im böhmischen Tertiär eine bemerkenswerthe Erwei-
terung: sie lebte in Spitzbergen, Nordgrönland, Alaska, in Califoniien und
in Mitteleuropa.
Torreya hilinica Sap. et Mar. Taf. V, Fig. 4, 6.
Torreya bilinica Saporta et Mariun: Recherches sur les v6g4taui fossiles de
Meximiciix, p. 221.
Seiptoin Ijangsdorfii (p. p) Kttingshansen: Fl. v. Bilin 1, t. XIII, fig. 9.
Torreya foliis distichis, rigidis, breviter petiolatis, decurrentibus,
e basi rotundata linearibus, apice acuminatis, mucronatis, partim sub-
falcatis.
Vorkommen: Im plastischen Thone von Preschen, im Menilitopal von
Schichow.
Ettingshausen hat 1. c. unter dem Namen Se(pioia Langsdorfii einen
beblätterten Zweig von Schichow abgebildet, der in Form und Urösse der
Blätter von den im böhmischen Tertiär häutig anzutreffenden Zweigen
der Seqtt. Langsdorjn abweicht; Sa])orta und .Marion haben diesen Zweig
von tivquoia getrennt und als Torreya bilinica bezeichnet.
Ich habe neuerdings im Thone von Preschen einen beblätterten Zweig
(Taf. V, Fig. 4) aufgefuuden, der besser als das Exemplar Ettingshausen's,
das mir allerdings nur in der Abbildung bekannt ist, Eigenschaften er-
kennen lässt, die von denen tler Sequoia abweichen; dieser Zweig sowohl
wie der Ettingshausen’sche bieten zwar einige Aehnlichkeit mit gross-
blättrigen Formen von Sequ. T.angsdorfii , wie sie Heer in den Beiträgen
zur fossilen Flora Spitzbergens t. Xll, .\I1I und XIV*) abbildot, aber
diese Aehnlichkeit besteht nur im Habitus; während im Einzelnen, be-
sonders in der Bildung der Blattbasis und Spitze Abweichungen von Sequ.
Langsdorfii vorhanden sind.
Die Blätter stehen zweizeilig, sind von derber Beschaffenheit und
von linealer Form; sie messen 1'/., — 3 cm Länge bei 2 — 3'/j mm Breite;
die Blätter sind an der Basis zugerundet, haben parallele itänder, ver-
jüngen sich schwach nach vorn und laufen in eine kurze Spitze aus, über
*) Möglidier Weise siiiii niicli einige dieser Fermen von Sequoia hanijsdorfii zu
trennen.
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die der kräftige aber flache Mittelnerv deutlich als scharfe Stachelspitze
heraustritt. Die Blätter sind sehr kurz gestielt und laufen mit den Stielen
am Zweige herab; der Zweig erscheint dadurch gestreift, und diese Streifen
laufen parallel am Zweige herab, während sie bei Sequoia Langsdorfii von
der Blattinsertion aus schief nach der anderen Seite herüber zu laufen
pflegen.
Einige Blätter des vorliegenden Zweiges sind schwach sichelförmig
gebogen; die Blätter desselben Zweiges haben etwa gleiche Länge, sie
nehmen, insbesondere nach der Zweigspitze zu, au Länge nicht wesentlich
ab. (Vergl. Taf. V, Eig. 4, vergr. 4 a.)
In den eben geschilderten Eigenschaften bieten Ettingsbausen’s und
mein Zweig eine unverkennbare L'ebereinstiinmung mit den Zweigen von
Torreya taxifnlia Arn. aus Florida dar. Leider geben beide keinen Auf-
schluss über die Bildung der E]>idermis; fittingshausen’s Abbildung lässt
nur den Mittelnerveu erkennen, und mein Exemplar, mit der Blattober-
seite vorliegend, zeigt ebenfalls nur den kräftigen, in die Stacbelspitze
auslaufenden Mittelnerven; es ist dies zu bedauern, da die Kenntniss der
Blattunterseite durch die charakteristische Anordnung der Spaltöffnungen
eventuell für die Zugehörigkeit zu Torreya noch beweiskräftiger sein würde.
Immerhin halte ich es für sicher, dass die vorliegenden Fossilien
nicht zu Sequoia Langsdorfii gehören, und für sehr wahrscheinlich, dass
sie zu Torreya zu stellen sind.
Von demselben Fundorte, dem mein Zweig entstammt, liegt mir ein
Same vor, der zu Torreya gehören könnte (Taf. V, Fig. 6). Er ist eiförmig,
18 mm lang bei 9 mm grösster Breite, am Grunde stumpf abgerundet,
nach vorn zugespitzt; die Oberfläche ist fast glatt, nur von einigen feinen
Längsfurchen durchzogen. Der Same ist im Abdruck flach zusammen-
gedrückt. Er erinnert sehr an die Samen von Torreya, auch von Cephalo-
taxus, könnte daher möglicher Weise zu Torreya hilinica gehören; es ist
das nicht mehr als eine Vermuthung, da das vereinzelte Vorkommen
eines Zweiges und eines Samens am selben Orte natürlich nicht ohne
Weiteres eine Combination erl.aubt, zudem könnte dieser Samen nach
seiner äusseren Form, die einzig und allein bekannt ist, auch noch ver-
schiedenen anderen rflanzenfamilien angehören.
Fossile Reste von Torreya sind wiederholt beschrieben worden: aus
der Kreide Grönlands Torreya parvifoUa Heer: Fl. foss. arct. 111, p. 71,
t. XVH, fig. 1, 2; VI, 2, p. 15, t. II. fig. 11; T. Dieksoniana Heer: Fl. foss.
arct. HI, p. 70, t. XVHI, fig. 1 — 4; VI, 2, p. 15; aus dem grönländischen
Tertiär T. borealis Heer: Fl. foss. arct. VH, p. 5ö, t. LXX, fig. 7a.
Saporta und Marion geben aus dem Pliocän von Meximieux (1. c. p. 217)
T. nucifera var. brcvifoUa an und ziehen Taxites validus Heer (Balt. Flora,
p. 26, t. III, fig 12; Flor. foss. arct. III, Xachtr. z. mioc. Fl. Grönlands, p. 13,
t. 1, fig. 11; Flor. foss. arct. VII, p. 56) zu Torreya.
Nach Schenk (Handbuch der l’alaeophytologie, p. 298) dürften Sequoia
acuminaia Lesquereux (Contrib. to tbe fossil 11. of the Western terr. II,
the tertiary flora, p. 80, pl. VH, fig. 15, 16), von Lesquereux selbst schon
mit Torreya californica Torr, verglichen, und Sequoia longifoUa Leseju.
(1. c. p. 79, pl. VH, fig. 14; pl. LXl, fig. 28, 29) zu Torreya gehören und
schliesslich stellt Schenk (Handbuch, p. 331) auch Cunninghamiies borealis
Heer aus den Ataneschichten Grönlands (Flor. foss. arct. VI, 2, p. 55, t. XXIX.
fig. 12) zu Torreya.
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Es ergiebt sich daraus, dass der heute in je zwei Arten in Nord-
amerika und in China-Japan vertretenen Gattung Torreya in der Kreide-
bez. Tertiärzeit ein Verbreitungsgebiet zukain, das sich über Nordamerika,
Grönland, Frankreich, Böhmen und das Saniland erstreckte.
Vielleicht ist Torrtya auch im Tertiär Japans bereits aufgetreten.
Xathorst bildet (Contrib. ii la flore fossile du Japon, p. 35, pl. I, fig. 8)
als Taxites sp. einen Coniferenzweig ab, den er mit Sequoia Lanysdorfii
sowohl als mit Taxus vergleicht, der aber auch zu Torreya gehören könnte;
er ist freilich zu mangelhaft, als dass ein bestimmtes Urtheil über seine
Gattungszugehörigkeit abgegeben werden könnte.
5. Podocarpeae.
Podocarpus eocenica Ung. Taf. V, Fig. 9, 10.
Podocarpus eocenica Unger: Fl. v. Sotzka, p. 28, t. II, fig. 11 — 16.
— Syll. pl. fo9s. I, p. 10, t. III, fig. 4—8.
(len. et sp. pl. foss., p. 392.
— — Heer: Flor. tert. Helv. I, p. 53, t. XX, fig. 3.
— — Ettingshanseir. Tert. Flor, v. Häring, p, 37, t IX, fig. 4—15.
Foss. Fl. V. Leoben, p. 277.
Foss. Fl. V. Scboenegg I. p. 16, t. I, fig. 94.
Fl. V. Bilin I, p. 42, t. XIII, fig. 1, 2.
Schiinpcr: Traiti de pal. v^g. II, p. 353.
— — Engelhardt: Sitziiugsher. Isis Dresden 1882, p. 14.
Tertiärfl. d. Jesuitengr., p. 19, t, I, fig. 37, 38.
Flora von Bernnd, p. H.
Podocarpus haeringiana Ettingshausen: Tert. FI. v. Häring, p. 36, t. IX, fig. 1.
— Ta-rites Unger; Fl. v , Sotzka, p. 2», t. II, fig. 17.
Ettingshausen : Fl. v. Häring, p. 37, t. IX, fig. 2.
— mucronulatu Ettingshausen : Fl. v. Häring, p. 37, t. IX, fig. 3.
Podocarpus foliis coriaceis linearibtis vel lanceolato-linearibus, sub-
falcatis, versus basim et apicem angustatis, in petiolum brevem coutortum
attenuatis, integerrimis; nervo medio valido.
Vorkommen: In den Tuffen von Warnsdorf, den Schiefern von Sulloditz-
Berand und vom Jesuitengraben, den Polirschiefern von Kutschlin, den
Menilitopalen von Schichow und dem Süsswassersandstein von Schütteiiitz.
Zu Pjdocarpus werden isolirte Blätter gestellt, die an zahlreichen
Tertiärfundorten entdeckt worden sind; eine Anzahl ursprünglich auf-
gestellter Arten, die sich im Wesentlichen durch die Grösse der Blätter
unterschieden, sind von Heer — entsprechend der Veränderlichkeit der
Blattgrösse bei den lebenden Arten — zu einer Art, Pod. eocenica Ung.,
vereinigt worden.
Es sind dicke, lederige Blätter, öfters mit runzeliger Oberfläche, von
linealer bis lineallancettlicher Form, die zwischen 2 und 11 cm Länge
schwanken bei 3—9 mm Breite; zuweilen sind die Blätter von der Mittel-
rippe nach den Bändern zu gewölbt. Sie sind nach Grund und Spitze
mehr oder weniger zugespitzt und gehen an iler Basis in einen kurzen,
gedrehten Stiel über. Von Nerven ist nur ein kräftig entwickelter Mittel-
nerv sichtbar.
■\us dem böhmischen Tertiär sind durch Ettingshausen und Engel-
hardt Blätter von Podocarpus von Kutschlin, Schichow, Berand und vom
Jesuitengraben beschrieben worden; mir liegen sulche von den beiden
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letztgenannten Fundorten, sowie von Schüttenitz und Wamsdorf vor. Die
Blätter von Kutsclilin und Schichow sind grossere Exemplare, welche
Pod. haeringiana EU. entsprechen; von den übrigen Fundorten stammen
kleinere Blätter, die mit den Formen von Pod. eocenica Eng. Überein-
kommen, wie sie Ettingshausen in der Flora von Häring inittheilt.
Die Oberflächenstructur zu untersuchen, wozu Unger (Syll. pl. foss. I,
p. 10) Gelegenheit gehabt hat, gestatteten die mir vorliegenden Fossilien
nicht.
Die grossblättrigen Formen entsprechen unter den lebenden Podocarims-
Arten am meisten Pod. tnacrophylla Don. und Pod. chinensis Wall., die
kleineren Pod. elongata Herit. und jFbrf. spinulosa R. Br.
B. Cyeadeae.
Podozamites miocenica Vel.
Podozamites miocenica Velenovsky : Flora von Vrsovic bei Laun, p. 13, L I,
fig. 18-20.
Podozamites foliis obovatis, in petiolum crassum attenuatis, firrais,
coriaceis, multinervosis; nervis parallelis, percurrentibus, flexuosis, nervulis
tenuissimis interpositis.
Aus dem Brandgestein von Vrsovic bei Laun hat Velenovsky zwei
Blattfragmente mitgetheilt und als Cycadeenreste gedeutet; er weist sie
der Gattung Podozamites zu, deren Arten freilich jurassisclien Alters sind,
weil bei dieser ähnlich gebaute Blätter Vorkommen; doch deutet dieser
Autor auch auf die grosse Aehnlichkeit seiner Reste mit Blättern der
lebenden Dammara orientalis Lamb. hin; er sieht von einem definitiven
Urtheil ab und betrachtet die gewählte Bestimmung als eine provisorische.
Schenk (Handbuch, p. 279) hält die Zugehörigkeit der Vrlovicer Blätter
zu Dammara für möglich, deutet aber zugleich an, dass sie auch einer
lOdocarpus aus der Section Nageia angehören könnten.
Mir sind ausser den Blättern Velenovsky’s, deren Originale ich im
böhmischen Landesmuseum in Prag zu sehen Gelegenheit hatte, Exemplare
dieser Art nicht bekannt geworden; ich muss mich eines bestimmten Ur-
theils über die Zugehörigkeit derselben enthalten, verschweige aber nicht,
dass für mich ihre Deutung als Dammora-Blätter die meiste Wahrschein-
lichkeit besitzt.
Als üycadites salicifoUus und Cycadites angustifolius hatte Sternberg
(V^ers. II, p. 195, t. 40, fig. 1 und ibid. p. 195, t. 44) Blattreste beschrieben,
deren Palmennatur alsbald von Unger (Gen. et. spec. pl. foss., p. 333)
festgestellt wurde.
Eine zusammenfassende Darstellung der tertiären Gymnospermen Nord-
böhmens kann nicht abgeschlossen werden, ohne dass der Presl’schen
Gattung Steinhauera Erwähnung geschieht, die von mehreren .Vutoren
zu den Coniferen bez. Cycadeen gestellt worden ist.
In Sternberg's Versuch einer geologisch -botanischen Darstellung der
Flora der Vorwelt hat Presl drei Arten dieser Gattung aufgestellt.
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Sleinhauera subglobota, 1. c II, p. 2(12, L 4M, fig. 4; t 57, fig. 1—4;
Steinbauera oblonga, 1. c. II, p. 2U2, t. 57, fig 5;
Sleinhauera minuta, 1. c. II, p. 202, t. 57, tig. 7 — 15.
Presl hat dieselben nach den ihm vorliegenden Zapfen von Alteattel,
Waltsch und Peruz mit Piniis verglichen.
Endlicher (Synops. Conif., p. 302), Unger (Gen. et spec. plant, fuss.,
p. 383) und Goeppert (Monogr. d. foss. Coniferen, p. 237, t. 45, lig. 3, 4, 5)
stellen Steinhaiiera zwischen Araucarites und Dammarites, Heer dagegen
(Flor. tert. Helv. III, p. 317, Anm.) deutet sie als Sequoia-Zapfen, und stellt
St. snbglobona zu Sequoia Sternbergii, St. minuta zu Sequoia Langsdorfii;
Schimper (Traite de pal. veget. II, p. 317, 320) folgt dem Beispiele Heer’s.
Später sind wiederholt Reste der St. subglobosa von Engelhardt aus
böhmischen Tertiärfundorten beschrieben worden: von Schüttenitz (Sitzb.
Isis Dresden 1876, p. 9; Tert. Ptl. d. Leitra. Mittelgeb., p. 59, t. 9, fig. 7—9;
t. 10, fig. 1 — 3), von Tscbernowitz (Sitzb. Isis Dresden 1878, p. 3; Foss.
PH. V. Tscbernowitz, p. 12, t. 2, tig. 5), von Grasseth (Foss. Pfi. v. Grasseth,
p. 15, t. 1, fig. 8, 9) und von Putchirn (Pflanzenreste von Liebotitz und
Putschirn, Sitzb. Isis Dresden 1880, p. 84, t. II, fig. 6, 7). Dieser Autor
reiht Stcinhauera den Cycadeen ein, indem er (Tert. Pfi. d. Leitm. .Mittelgeb.,
p. 60) auf die Aehnlichkeit ihrer Früchte mit denen neuholländischer
Zamien und .Macrozamien hinweist.
Von anderen Autoren sind einzelne der als Stcinhauera beschriebenen
Reste als Fruchtstände dicotyler Angiospermen gedeutet worden. So stellt
Schimper (Traite de pal. veget. II, p. 711) St. oblonga Weber (Tertiär-
florii der niederrheinischen iTraunkohlenformation, Palaeontographica II.
p. 166, t. XVIII, tig. 11) zu Liquidambar europaeum A. Br., ebenso erklärt
Schlechtendal (Beitr. z. näh. Kenntniss d. Braunkohlenflora Deutschlands,
Abh. d. Naturforsch. Ges. zu Halle, Bd. XXI, 1897, p. 105), dass Goeppert’s
St. subglobosa von Schossnitz (Goeppert, Tertiäre F'lora von Schossnitz, p. 8)
nichts anderes als ein Fruchtstand von Liquidambar sei.
Brongniart (Tableau des genres des vegetaux fossiles, p. 71) wies
darauf hin, dass St. subglobosa die Sammelfrucht einer dicotylen Pflanze
sei, und verglich sie mit Rubiaceenfrüchten; ibm folgte Crie, welcher den
böhmischen Resten analoge Früchte (Crie: Recherches sur la Vegetation
de l'ouest de la France ä l'epo(pie tertiaire, p. 43, pl. 13, fig. 88 — 96)
als Morinda Brovgniarti beschrieb.
Schliesslich hat Schmalhausen (Beiträge zur Tertiärflora Südwest-
Russlands, p. 39, t. XI, fig. 16 — 20) aus dem tertiären Sandsteine von
•Mogilno in Wolhynien Fruebtstände von grosser Aehnlichkeit mit Stein-
hauera bekannt gegeben, die er unter der Bezeichnung Sgnearpites ovalis
zu den Myrtaceen stellt.
Von den böhmischen Steiiihuuera-licsten habe ich die Originale Presl's
von Altsattel und Engelhardt's von Putschirn, Tschernowitz und Gr.assetb
in den Händen gehabt, weitere Reste sind mir von Davidsthal, .Altsattel
und aus der Kohle von „Anton Einsiedler“ bei Dux bekannt geworden.
Ich bin nach deren Untersuchung zu der Ueberzeugung gelangt, dass sie
weder als Coniferen- noch als Cycadeenreste anzusprechen sind, und ich
sehe deslialt) hier, in einer Abhandlung über die böhmischen tertiären
Gymnospermen, von einer eingehenden Besprechung derselben ab, indem
ich mir Vorbehalte, hei anderer Gelegenheit ausführlich über sie zu
berichten.
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Nachtrag.
Nachdem der erste Theil der vorstehenden Arbeit bereits gedruckt
Torlag, bekam ich durch Vermittelung der Herren Prof. Hibsch und
Prof. Bruder eine Anzahl Coniferenreste aus den Sammlungen der land-
wirthschaftlichen Schule zu Liebwerd bei
letschen und des Comnmnal- Obergym-
nasiums in Aussig zur Durchsicht; unter
diesem Material befanden sich einige i-t'nns-
Zapfen, die mir von besonderem Interesse
waren.
Die Sammlung von Liebwerd bewahrt
den Abdruck eines Zapfens von l^nus
hordacea Ilossm. sp. aus dem Tscherno-
witzer Sandsteine, der hier wiedergegeben
ist. Von Zapfen dieser Art waren mir
bisher nur Quer- und Längsbrüche und
einzelne Schuppen bekannt, von denen
Engelhardt’s Foss. PH. v. Tschernowitz, 1. 1,
sowie Taf. II und III der vorliegenden
Arbeit einige Abbildungen geben; der neue
mir vorliegende Abdruck stellt nun die
Oberfläche eines geschlossenen Zapfens
dar; er ist am unteren Theile nicht voll-
ständig erhalten, lässt aber die verlängert
eiförmige Gestalt und die ungefähre Grösse
erkennen; die Apophysen sind abgerieben,
zeigen aber deutlich, dass es sich um apophyses dimidiatae handelt.
In der Sammlung des Aussiger Gyiunasiiims wird das Original zu
Eugelhardt’s Abbildung Taf. 2, Fig. 4 der „Fossilen Pflanzen von Tscherno-
witz“ aufbewahrt, welches 1. c. als Hntts ornata Stbg. sp. bezeichnet ist.
Nach der Untersuchung dieses Abdruckes kann ich mich der Deutung des-
selben als F. ornata nicht anschliessen. F. ornata besitzt — so wie ich
die Art (vergl. oben S. 54) nach einem umfänglichen Materiale umschrieben
habe — fast ganz flache Apophysen; das vorliegende Engelhardt’sche
Fixemplar zeigt nun, dass die Schuppenschilder desselben in der Haupt-
sache allerdings als flache Abdrücke erscheinen; dies hat aber seinen
Grund darin, dass die Mehrzahl der Schilder al)gerieben und verdrückt
ist, dieselben tragen auch keinerlei deutliche Sculptur mehr zur Schau;
an der linken Seite des Abdruckes aber befinden sich einige noch wohl-
erhaltene Apophysen — sie sind auch an Engelbardt’s Abbildung durch
genauere Darstellung der Oberflächenbildung hervorgehoben ■ -, und diese
wohlerhaltenen Schuppenschilder erscheinen am .Abdrucke als vertiefte,
stumpfkegelförmige Eindrücke, deren Gestaltung ganz und gar mit der
Apophysenbildung bei Finuti oviformis Endl. sp. übereinstimmt. Der Rest
ist daher von der letztgenannten Art nicht zu trennen.
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Terzeichniss der Abbildungen.
[In Klammern ist die Sammlung beigefügt, die die Originale bewahrt.]
Tafel V.
Fig. 1. Ohjptostrohus eHropaeusBrongn. sj). Abfällige Zweige von Preschen
(Sammlung Menzel].
Fig. 2, 3. CHi/ptostrobiis europaeus Brongn. sp. Zapfen von Preschen [Samm-
lung Menzel].
Fig. 4. Torreija hüinica Sap. et Mar. Zweig von Preschen, vergr. Fig. 4»
[Sammlung Menzel].
Fig. 5. Torreya hüinica Sap. et Mar. Same (?) von Preschen [Samm-
lung Menzel].
Fig. 6. Widdringtonia Helvetica Heer. Zweig mit jungem Zapfen und
9 Blüthen von Preschen [Sammlung Menzel].
Fig. 7. Widdringtonia Helvetica Heer. Zweig von Priesen, vergr. Fig. 7»
[Königl. Mineral.- geol. Museum, Dresden].
Fig. 8. Widdringtonia Helvetica Heer. Zapfen von Preschen [Sammlung
Menzel].
Fig. 9, 10. rodocarpHS eocenica Ung. Blätter von Berand [Sammlung
Menzel].
Fig. 11, 12. CepHalotaxites Olriki Heer sp. Blätter von Schichow [Sammlung
Deichmüller].
Fig. 13 — 16. Äthrota.ridium bilinicum nov. sp. Zapfen von Preschen [Samm-
lung Menzel].
Fig. 17. Sequoia Couttsiae Heer. cT Blüthe von Preschen [Sammlung
Menzel].
Fig. 18. Seqtwia Couttsiae Heer. Zweig von Preschen, vergr. Fig. 18*
[Sammlung Menzel].
Fig. 19 — 23. Sequoia Couttsiae Heer. Zapfen von Preschen, von aussen
und quergebrochen [Sammlung Menzel].
Fig. 24. Sequoia Couttsiae Heer. Zweig von Waltsch, vergr. Fig. 24»
[Sammlung des geolog. Inst, der deutschen Carl Ferd.- Univer-
sität, Prag].
Fig. 25. Sequoia Couttsiae Heer. Zweig von Altsattel [Sammlung Menzel],
Fig. 26. Sequoia Langsdortii Brongn. sp. Quergehrochener Zapfen von
Preschen [Sammlung Menzel].
Fig. 27, 28. Äff/Ho/a Langsdorfn Brongn. sp. Zupfen, längsgehrochen und
von aussen, von Waltsch [Böhmisches Landesmuseum, Prag].
I'4g. 29 — 31. Callitris Brongniartii Endl. sp. Samen von Berand [Samm-
lung Menzel].
Fig. 32, 33. Callitris Brongniartii Endl. sp. Zapfen von Berand [Samm-
lung Menzel].
Fig. 34. Callitris Brongniartii Endl. sp. Zweigstück von Berand [Samm-
lung Menzel].
F'ig. 35. Sequoia Stembergii Ett. Zweig von Kutschlin, vergr. Fig. 35»
[Sammlung Deichmüller].
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XI. Lausitzer Diabas mit Kantengeröllen.
Mittheüung aus dem K. Mineralogisch -geologischen Museum zu
Dresden
von Prof. Dr. W. Bergt.
Mit 1 Tafel.
In der geologischen Sammlung des mineralogisch-geologischen Museums
fand sich unter alten Beständen das auf Taf. VI abgebildete Geröll, das
in mehrfacher Beziehung Beachtung verdient. Leider ist es ohne I'und-
ortangabe. Wahrscheinlich gehört es zu den von Dr. L. Rahenhorst
geschenkten Diluvialgeschieben der Lausitz*), eine Annahme, die durch
weiter unten zu erwähnende Punkte unterstützt wird.
Das Stück stellt im Ganzen ein mehr flaches Gerülle dar. In seinem
jetzigen, auf Taf. VI in natürlicher Grösse ahgebildeten Zustande sind
nur drei Begrenzungsflächen unversehrt, die breiten Seiten (Ober- und
Unterseite, Fig. 1 und 2) und eine kurze Seitenfläche zum Theil, die in
Fig. 1 und 2 oben liegt und durch Fig. 3 wiedergegeben wird. Die in
den Figuren 1 und 2 unten abschliessende gerade Linie (Fläche) ist durch
einen Schnitt erzeugt, der Schleifmaterial liefern musste, und die übrige
Begrenzung bilden unregelmässige frische Bruchflächen. Die grösste Länge
und Breite beträgt etwa 85—90 cm. Wie die Abbildung zeigt, sitzen in
einem festen Gestein zahlreiche Gerölle und Kantengerölle. In Fig. 1 sind
deren 14, in Fig. 2 deren 13 sichtbar, im Ganzen kann man an dem Stück
35 zählen.
Das Wirthsgestein. Die Bruchflächen des ganzen Stückes zeigen als
Wirthsgestein der Gerölle ein dunkelgrünes, feinkörniges, massiges Gestein,
das, wie die mikroskopische Untersuchung ergiebt, Uralitdiabas ist.
Seine Gemengtheile sind Plagioklas, uralitische, aus Augit hervorgegangene
Hornblende ohne Augitrest, Quarz, Magnet- und Titaneisen, aus diesem
hervorgegangener grauwolkiger Titanit und primärer Titanit. Die typische
ophitische Structur lässt keinen Zweifel an der Diabasnatur des Gesteines
aufkommen. Schon mit blossem Auge kann man um jedes Geröll einen
schwarzen , etwa * , mm breiten Rand bemerken. Er besteht aus dicht
*) H. B. Deinitz: Das K. Min. Mns. in Dresden 18.58, S. 23.
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gedrängten schlanken Augitsäulcheii, die meist senkrecht zu den Grenzen
der Gerolle gestellt, durchgehends in Üralit umgewandelt oder in Chlorit
und faserigen Serpentin zersetzt und massenhaft mit schwarzen Krzkörnern
{Magneteisen) überdeckt sind. In diesem Augitkrauz hat man eine
endogene Contaetwirkung zu sehen. Feine, zuweilen ganz hindurch-
gehende. von Diabas ausgefüllte Sprünge in den Gerollen entsprechen ihrer
Zusammensetzung nach dem Contactring, indem sie sehr augit(uralit-) reich
sind, aber mit wirrer Lagerung der Säulchen.
Die Gerolle. Die vom Diabas eingeschlossenen Gerolle gehören
einem feinkörnigen bis dichten, harten, (juai-zitiihnlichen Gesteine an. Auf
frischem Bruche besitzen sie weissgraue liis graue Farbe. Bei genauerer
Betrachtung und durch den mikroskopischen Befund aufmerksam gemacht,
bemerkt man mit der Lupe, besonders deutlich nach Anfeuchtung der
Gerolle, dass die grössere Zahl derselben aus zweierlei Mineralien ziem-
lich gleichmässig gemengt ist, aus rauchgrauem Quarz und einem trüben
röthlichen bis deischrothen Mineral. Dieses scheint vielfach Zwischen-
räume von rundlicher oder gekrümmter wurraähnlicher Gestalt auszu-
füllen.
Die mikroskopische üntersuchung ergiebt nun höchst merkwürdige
Verhältnisse, ln der That besteht der „Quarzit“ hauptsächlich aus klarem
Quarz und regelmässig mit ihm gemengten, kürnerähnlichen, trüben Partieen.
Der Quarz ist verhältnissmässig rein. Durch Flüssigkeitseinschlüsse und
„Thonschiefernädelchen“ giebt er sich als ursprünglicher Gemengtheil alter
krystalliner Gesteine zu erkennen. Die Korngrösse wechselt in den ver-
schiedenen Gerollen. An einem derselben sieht man mit unbewaffnetem
Auge die 2 mm grossen Quarze. Bei gröberem Korn und bei Reichthum
an dem rothon Mineral trägt das (jestein durch die abgerollte Form der
Quarzkörner und die Verbiiidungsweise mehr einen Sandsteincharakter,
bei feinerem Korn und bei Armutli oder Mangel an dem rotheu Mineral
dagegen ()uarzitcharakter.
Merkwürdiger ist der andere Gemengtheil. Derselbe hat unter dem
Mikroskop ein körnigtrübes .Aussehen, rötliliche bis rothbraune Farbe und
grosse Aehiilichkeit mit stark getrül)tem, ferritisch geröthetem Orthoklas.
Zuweilen bemerkt man schon im gewöhnlichen Lichte bei stärkerer Ver-
grösserung eine zarte radialfaserige Structur und zwischen -j- Nie. im
])arallelen polarisirten Lichte mehr oder weniger regelmässig das Inter-
ferenzkreuz oder Theile desselben. Es liegen also echte Sphärolithe vor.
Sehr häutig enthält diese rothe Substanz Erzkörner, schlanke Säulen der
gleichen uralitischeu Hornblende und diese ebenso wie besonders im Con-
tactring mit Erzkörnern besetzt, endlich winzige Nüdelchen von unbestimm-
barer Natur und massenhaft aus winzigen Körnchen zusammengesetzte
Striche (Margarite), die zottenartig, fächerförmig so dicht geschaart sind,
dass die betretfenden Stellen schwarz erscheinen. Man ist vielleicht zuerst
geneigt, diese sphärolithische Substanz für Chalcedon zu halten. Sie wird
indessen ziemlich schnell von Flusssäure angegriffen, w, ährend der Quarz
noch vollständig unversehrt geblieben ist. Dagegen wirkt heisse Salzsäure
nicht auf sie ein, auch die rothe Farbe erfährt dadurch kaum eine Aen-
derung. Der Verfasser gl.aubte darnach in ihnen eine dem Mikrofelsit
entsprechende Substanz von feldspathähnlicher (Orthoklas) Zusammen-
setzung annehmen zu müssen. Als Stütze kann angesehen werden, dass
manche dieser rothen Partieen keine faserige Structur, sondern eine an
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113
Feldspath erinnernde Aggregatpolarisation zeigten, und ganz selten erkennt
man an den dem Cjuarz zugewendeten Krystallenden und eingeschalteten
Zwillingslamellen die Feldspathnatur.
In den verschiedenen Gerollen hetheiligt sich diese rothe sphäroli-
thische Substanz in wechselnder Menge an der Zusammensetzung. Nur
wenige scheinen ganz frei davon oder arm daran zu sein. Man unterscheidet
sie schon mit blossem .\uge, es sind sehr feinkörnige, fast dichte Gesteine.
In anderen Gerollen betinden sich (juarz und „Mikrofelsit“ im Gleich-
gewicht und ein Ueherwiegen des letzteren findet in einem untersuchten
gröberen Gestein statt, an dem die Korngrösse etwa 1'/, — 2 mm erreicht.
Eine hemerkenswerthe lleohachtung macht man häufig an dem Augit-
kranz, welcher die Gerölle umgieht. Da, wo dieser an den Quarz grenzt,
ist er am breitesten und ungestörtesten, die .\ugitsäulchen (üralit) sind
am dichtesten und regelmässigsten radial zum Geröll gestellt. An den
Grenzen gegen den Mikrofelsit dagegen tritt eine Lockerung des Augit-
kranzes ein, ja ein vollständiges Aussetzen, eine Lücke im Contactsaum,
und man hat den Eindruck, als ob die rothe Substanz durch das offene
Thor in den Diabas hinüherströme , während umgekehrt zuweilen der
schmal gewordene Uralitsaum in den „.Mikrofelsit“ des Gerölles umge-
bogen erscheint. In einem Präparat, in welchem zwei Gerölle nur durch
eine wenige Millimeter breite Diabasmasse getrennt sind, ist diese mit
„Mikrofelsit“ gemengt.
Wie sind diese merkwürdigen Verhältnisse, für die dem Verfasser
nichts Aehnliches in der Litteratiir bekannt geworden ist, zu deutenV
Die im Folgenden versuchte Erklärung kann, da das vom Diabas
eingeschlossene Gestein in seinem ursprünglichen Zustand nicht bekannt
ist, nur hypothetischer Natur sein.
Zunächst ist es unzweifelhaft, dass die Gerölle auf Grund ihrer
Structur Sedimentgesteine sind, und es liegt nahe, sie für mehr oder
weniger thonhaltige Sandsteine und zwar, wie unten noch zu erwähnen sein
wird, der nordsächsischen Grauwackenformation zu halten, Sandsteine,
die durch den Diabas contactmetamor])h verändert wurden. Es ist denkbar,
dass das feine thonig schlammige liindoniittel der Quarzkörner zu niikro-
lithenhaltigem Glas geschmolzen wurde, dass also ähnliche Veränderungen
eintraten, wie sie Ilibsch*) au den oligocäueu Sandsteinen z. II. der
Kolmer Scheibe im Contact mit IJasalt beschreibt. Der Verfasser konnte
sich überzeugen, dass die oben erwähnten margaritenreichen Stellen grosse
Aehnlichkeit mit dem „trüben glasartigen Kitt“ der böhmischen Sand-
steine haben; auch hier treten nach llibsch häufig farblose, schief aus-
löschende Nadeln von unbestimmbarer Natur auf. Das Glas würde sich
dann in unserem Falle in .Mikrofelsit umgesetzt haben, wie man es ja
theilweise für die l’echsteiue und Porphyre anniinmt, und stellenweise in
Feldspath. Oder wenn man idcht erst ein Glasstadium voraussetzen will,
dann bestand die Contaetwirkung in einer Umwandlung des thonigen Binde-
mittels in Mikrofelsit-Sphärolithen und Feldspath. Zugleich »ieutet der
verhältnissmässige Augil(üralit-)reichtlium der Gerölle auf eine stoffliche
Beeinflussuug des Sandsteines durch den Diabas.
♦) .T. E. Hibsch. Eilitiiternngen zur geol Karte des hfihmischen MittelgeMiges.
Blatt 1 (Tetsclitn). S. 71. Tsi-heim. iniii. u. petr. .Milth. XV, S. 271.
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Herkunft des Diabasgerölles. Giebt nun der geschilderte Befund
einen Anhalt für die Beurtlieiluiig der Herkunft unseres Stückes? Oder,
da bereits am Eingang die Lausitz als Heimath vermuthet wurde: sind
unter den zahlreiclien Diahasvorkommnissen der Lausitz solche mit ähn-
lichen Einschlüssen bekannt?
Während der Diabas im Allgemeinen auch hier in der Lausitz sehr
selten Einschlüsse fremder Gesteine enthält, geben die Erläuterungen zur
geologischen Specialkarte von Sachsen auf drei Blättern des lausitzer
Gebietes einschlussreiche Diabase an. Blatt Bischofswerda No. 53, S. 24:
„Der an der W’indmühle bei N’iederneukirch aufgeschlossene, 6 m mächtige
Gang von ülivindiahas ist von Fragmenten so reichlich angefüllt, dass
deren in einem etwas über kopfgrossen Blocke etwa 60 gezählt werden
konnten. Diese Einschlüsse bestehen zum weitaus grössten Theile aus
Quarzbrocken, welche nur ausnahmsweise die Grösse eines Hühnereies
erlangen.“
Blatt Neustadt- Holl wald No. 69, S. 20: „In dem Gange vom Stein-
berge an der Hohwaldstrasse fallen schon von Weitem zahllose rundliche
oder unregelmässig geformte, bis über faustgrosse Körner und Brocken
rissigen, fettglänzenden Quarzes auf, welche ganz den Habitus der im
Granit so häufigen Quarzhrocken oder des Gangquarzes besitzen . . . .
Der Gang des Niederneukircher Bahneinschnittes (zwischen Niederneukirch
und l’utzkau zwischen Schneisse 26 und 27) ist sehr reich an kleineren
Quai-zkörnern.“
Blatt Hinterherrasdorf-Daubitz No. 86, S. 18: „Nur au einem Punkte
der Klippe im N. von Wölmsdorf strotzt der Diabas so von fremden
Einschlüssen, dass er geradezu weiss gefleckt erscheint Die Quarz-
einschlüsse erreichen fast Faustgrösse. Die kleineren Fragmente sind
theils eckig, theils rundlich und meist glattrandig, während die grösseren
Bruchstücke oftmals an ihrer Peripherie zerklüftet sind, so dass Diabas-
materi.al mehr oder weniger tief in dieselben eingedrungen ist.“
Von den gemannten Oertlichkeiten konnte der Verfasser im Spät-
herbst 1900 nur eine aufsuchen, den zuerst genannten Diabasgang au der
Windmühle bei Niederneukirch. Obwohl die Windmühle nicht mehr vor-
handen ist, kann der im Verschütten und Verwachsen begriffene Bruch
leicht gefunden werden. Die in der Erläuterung zu Blatt 53 geschilderten
Verhältnisse sind noch gut zu beoh, achten und die massenhaften Quarz-
einschlüsse zeigt am besten eine glatte Wand im hintersten Theile des
Bruches. In ein Ilamlstück des IMahases bekommt man freilich nur
wenige ()uarze, dagegen würde das in der Erläuterung angeführte kopf-
grosse Stück mit 60 Einschlüssen etwa unserem Geröll in Bezug auf lieich-
thum an jenen entsprechen.
Fäne Vergleichung der erwähnten lausitzer Vorkommnisse mit unserem
Stück führt mm zu folgendem Ergehniss: Zunächst ist es bei der grossen
Verschiedenheit der lausitzer Diabase in petrographischer Beziehung und
hei dem häutigen Wechsel auf kleinem Baume ohne jede Bedeutung, oh
unser Diabas mit den angeführten einschlussreichen Vorkommnissen über-
einstimmt oder nicht. Der Diabas unseres Stückes stimmt z. B. mit dem
ülivindiahas von N’iederneukirch nicht überein. Wichtiger ist wohl das
Auftreten der Fünschlüsse überhaupt. Wäe aus Obigem hervorgeht, gleicht
unser Stück in der Art und Weise der Einschlüsse den bekannten lau-
sitzer Vorkommnissen, ln Bezug auf Häufigkeit, Grösse und Form der
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115
Einschlüsse besteht kein wesentlicher Unterschied. Auch die oben ge-
schilderten endogenen Gontacterscheinungen werden in der Erläuterung
zu Blatt Bischofswerda ganz entsprechend beschrieben: „Die Quarzbrocken
sind mit einem bis 0,5 mm breiten Saum umgeben, der sich aus Augit
nebst wenig Biotit und noch spärlicherem Eisenerz und Plagioklas zu-
sammensetzt. ln einzelne Quarze dringt dieses Gemenge auf feinen
Kissen ein,“
Durchgehends verschieden scheint nur das Material der Einschlüsse
in beiden Fällen zu sein. Während unsere Gerolle jenen eigenthümlicheu
contactmetamorphen Grauwackensandstein darstellen, haben wir dort
neben Granitbrocken und seinen Gemengtheilen nur homogenen wasser-
klaren oder milchig trüben fettglänzenden Quarz gleich dem, der auch so
häutig als Einschluss im lausit/.er (iranit auftritt. Aber auch dieser Um-
stand kann keineswe^^s gegen die Lausitz als Ursprungsort unseres Stückes
sprechen. Pis ist vielmehr anzunehmen, dass es von einem lausitzer
Diabasgange stammt, der gegenwärtig nicht beobachtbar, dessen Aus-
gehendes vielleicht zerstört und von jungen Deckschichten verhüllt ist.
Die Kantengerölle.
Unser Diabasgeröll ist aber noch in einer anderen Beziehung inter-
essant, dadurch, dass die vom Diabas eingeschlossenen Gerolle an der
Oberfläche zu „Dreikaiitern“ umgewandelt sind. Die Dreikanterfrage hat
für Dresden dauernde Wichtigkeit und Bedeutung, weil seine Umgebung
bekanntlich reich an diesen merkwürdig geformten Geschieben ist. Des-
halb und weil man hier noch immer Ansichten über ihre Entstehung
begegnet, die dem gegenwärtigen Stand unseres Wissens keineswegs ent-
sprechen, glaubte der Verfasser nicht auf eine Darstellung der Ent-
wickelung der Dreikanterfrage verzichten zu sollen, obwohl eine solche
schon oft, auch im letzten Jahrzehnt, zuletzt wohl 1899 von Papp gegeben
worden ist.
tieachichtliclier Rückblick.*) Nach der bekannten Litteratur hat
zuerst A. von Gutbier 1858 Kantengcrölle erwähnt und abgebildet. Er
brachte sie sofort mit der IGszeit und zwar mit der damaligen Drifttheorie
in engste Verbindung. Die Diluvialgeschiebe haben nach Gutbier einer
zweifachen Abnutzung unterlegen: „Einer ersten oder Abrollung im
W’asser an der Küste; einer zweiten oder Abreibung, wo ein Theil der-
selben im Eise eingefroren, gleichsam gefasst war, mit den Schollen der
Schaukelbewegung des Wellenschlages folgte, und jedenfalls während langer
Zeit gegen andere am Grunde festliegende Blöcke oder angofrorenc Ge-
schiebe geriehen wurde (S. 70) .... Manche Steine unterlagen einem
mehrseitigen Schlitfc, einer Facettining mit mehr oder minder scharfen
Kanten. Dies konnte nur geschehen, wenn sie im Eise sich wendeten und
wieder festfroren“ (S. 71).
Diese unmittelbare Verknüpfung der Kantengerölle mit der Eiszeit
hat etwa 30 .Jahre bestanden, liier und da sind auch ähnliche (iebilde
für menschliche Erzeugnisse gehalten worden. 1871 treten z. B. Virchow
und Braun einer solchen Auffassung entgegen und sehliessen sich ira
•) Eine Zusainmeiistelluntf der <lem Verfasser liekannten Litteratur befindet sich
am Ende dieser Abhandlung.
*»
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lir.
Allgemeinen der Gutbier'sclien Erklärung an. Braun lässt sie „durch
gegenseitige Reibung nebeneinander liegender (iesteinsstUcke, welche durch
das Wasser hin- und herbew'egt, jedoch nicht von der Stelle gerückt
werden“, entstehen. Seit dem Jahre 1876, in dem Berendt eine grossere
Anzahl Kantengerölle aus dem Diluvium von Berlin in der deutschen
geologischen Gesellschaft vorgelegt hatte, kommt die Dreikanterfrage mehr
in Fluss. In den verschiedensten Gegenden werden sie aufgefunden. Aber
erst das neunte Jahrzelmt des vorigen Jahrhunderts brachte zusaminen-
fassende Bearbeitungen der sich immer mehr häufenden Beobachtungen
und Untersuchungen. Besonders erwäes sich die Arbeit von Berendt 1885
auf Jahre hinaus von entscheidendem Einfluss. Nach Berendt waren die
„Dreikanter“ durch gegenseitiges Abschleifen lose aufeinander liegender
Geschiebe entstanden, welche durch stark bewegtes Wasser, und zwar, da
man weder vom Meeresboden noch aus dem Bereiche der Brandung der-
artige Geröllformen kannte, durch stürzende und strömende Gletscher-
schmelzbäche in rüttelnde Bewegung versetzt wurden. Diese Ansicht
Berendt’s betrachtete man vielerorts als die ,. zweifellose“ Lösung des
Dreikanterräthsels. Ja man sah, in einem Kreisschluss sich bewegend,
die „Dreikanter“ als eine Stütze für die Gletschertheorie an.
Ausser dieser eben erwähnten Erklärung war aber noch eine zweite
aufgestellt w'orden, die bis jetzt freilich weniger Anklang gefunden hatte.
Sie führte die Kantengerölle auf ilie Wirkung des Flugsandes zurück.
Die Notiz von Travers aus dem Jahre 1869, in der dies zuei-st aus-
gesprochen wurde, scheint in Europa nicht bekannt geworden zu sein,
denn sie wird erst 1886 von Xathorst wieder ans Liebt gezogen. Unter-
dessen waren die Erscheinungen der Wind- und Sanderosion der Sand-
wüsten und Steppen immer bekannter in Europa geworden und hatten
der kommenden Erklärung der „Dreikanter“ den Boden bereitet. Nach-
dem Flnys 1878 eine ganz ähnliche Darstellung wie Travers gegeben hatte,
sprach sich 1883 Gottsche für die äolische Entstehung der Facetten .an
den Kantengeröllen aus. 1885 traten Schmidt und .Mickwitz entschieden
der Berendt’schen Theorie entgegen, indem sie auf Grund von Beobach-
tungen an den Fundstellen von Byramidalgesehieben zugleich ausser auf
die herrschenden Hauptwindriebtungen auch auf die Wichtigkeit der ört-
lichen Verhältnisse, welche im Kleinen den Wind und den Flugsand ab-
lenken, binwiesen. Obwohl nocli einige eingehende Darstellungen der ,. Drei-
kanter“ in den nächsten Jahren (E. Geinitz, Theile) den Berendt’schen
Ausführungen zustiniuien, gewinnt die neue Erklärung immer mehr An-
hänger und selbst solche, die sich eben noch für Berendt ausgesprochen
hatten, wenden sich ihr zu. Ganz besonders hat u. a. J. Walther durch
seine Beobachtungen in den ägyptischen Wüsten und seine anschaulichen
Beschreibungen der Wind- und 8auderosion (Detl.ation) zur Befestigung und
zuin Siege der neuen Ansicht beigetragen. Zwar haben sich noch im letzten
Jahrzehnt vereinzelte Stimmen (z. B. Stapff und Stone) in ablehnendem
Sinne erhol)en, gegenwärtig aber ist die Entstehung der Kantengerölle
durch Flugsand ganz allgemein angenommen. Von der Thatsache ab-
gesehen, dass man Kantengerölle in den Sandwüsten gewisserinassen
hat entstehen sehen und jederzeit in Bildung begriffen wahrnehnien kann,
abgesehen auch von einer ganzen Reihe anderer Punkte, mögen nur fol-
gende schwerwiegende Fänwendungen gegen die Berendt’sche Theorie an-
geführt werden.
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117
A. Heim safit 1887; „Im schweizer Diluvium ist bisher nirgends etwas
Aehnliches gefunden worden — was doch der Fall sein müsste, wenn
Gletscherwasser bei ihrer Bildung irgend welche Rolle spielen würde;
hingegen liegen die Kantengerölle im Flugsande auf Ilochllächen, der bei
uns fehlt.“
Sauer führt 1889 aus: „Wenn ferner die Berendt'sche Erklärung
zuträfe, so wäre die grösste Iläutigkeit der Kantengeschiebe in jenen
rückenartigen Geschiebeanhäiifungen zu erwarten, die mau als Rückzugs-
oder Endmnränenbildungen zu deuten mit gutem Grunde Veranlassung
hat Und doch trifft man im Innern dieser Geröllanhäufungen nicht
ein einziges Kantengerölle, vielmehr, gleichwie in der Deckschicht des
Geschiebelehms, nur auf die obersten äussersten Theile dieser Rücken
beschränkt.“
Während man die Kantengerölle also früher als Beweise für die
Gletschertheorie betrachtete, spielen sie jetzt ira Verein mit den Resten von
Steppenthieren dieselbe Rolle für das ehemalige Vorhandensein von Steppen
in Älitteleuropa.
Um den Vorgang der Dreikanterbildung weiter aufzuklären, bat man
auch das Experiment zu Hilfe genommen. Preussner’s V'ersuche 1887
waren ergebnisslos, dagegen hat de Geer 1886 erfolgreiche, besonders
aber Thoulet weitgehende und die verschiedensten Punkte berücksich-
tigende Versuche angestellt, deren Ergebnisse aber noch genauerer Ver-
gleichung mit den in der Natur gegebenen Verhältnissen harren.
Im Einzelnen freilich ist die Entstehung der Kantengerölle noch längst
nicht genügend aufgeklärt. So gehen die Meinungen in Bezug auf die
Frage auseinander; wie weit ist die Gestalt, sind die Flächen und scharfen
Kanten besonders der regelmässigen „typischen“ Kanter auf tlie Rechnung
des Sandschliffer zu setzen. Während man auf der einen Seite die
Herausarbeitung solcher Formen aus einem runden Geröll allein durch
den Sandschliff für möglich hält, will man auf der anderen Seite eine so
starke formende Kraft und Tbätigkeit nicht zugestehen. So hat Keil-
hack 1883 als erste Veranlassung angesehen, dass bei der Zertrümmerung
dieser (harten) Gesteine Bruchstücke mit mehreren annähernd ebenen
Flächen entstehen. Nach Heim 1887 hängt die Zahl und Anordnung der
Kanten und damit die Form der geschliffenen Pyramiden ab von der
ursprünglichen und wenig veränderten Umrissform des Gesteinsstückes.
Dieser Ansicht schliesst sich van Calker 1890 an.
Auch betreffs der Abhängigkeit der Flächen und Kanten in Zahl und
Richtung von den herrschenden Winden kommen die verschiedenen Darstel-
lungen zu abweichenden Ergebnissen. Im Allgemeinen hat sich seit den ersten
Zeiten der Sandschlifftheorie bis jetzt eine Wandlung in dieser Frage voll-
zogen. Lange suchte man eine den Hauptwindrichtungeu der betreffenden
Gegend entsprechende Zahl und Lagerutig der Flächen und Kanten heraus-
zufinden und zu construiren. Mit der wachsenden Erkenntniss aber, dass die
Sandströme oft von den kleinsten örtlichen Verhältnissen bestimmt werden,
sah man von dem oft vergeblichen oder zu erzwungenen Ergebnissen
führenden Bemühen ab. Diese Frage dürfte am besten durch einige
Citate beleuchtet werden. Heim 1887: ,,I)ie Gestalt der Kanter ist nur
unwesentlich von den Windrichtungen, weit massgebender hingegen von
der Umrissform der Steinsstücke abhängig.“ Dames 1887: „l'erner kann
man beobachten, wenn auch nicht durchweg, so doch in vielen Fällen,
, ; ;ed by Coogle
118
dass die nach Süden gewendete Seite der Geschiebe intacl gehlichen:
und es erklärt sich das leicht daraus, dass diese Seite durch den steilen
Nordahfall des Uegensteines (hei lllankenhurg am Harz) vor der Ein-
wirkung heftig wehender Winde mehr geschützt ist.“ Verworn 1896;
„Unzweifelhaft erscheint noch, dass ein llollstein nur von einer Richtung
iingehlasen, zwei oder drei Schlifftlächen bekommen kann, indem nämlich
der Wänd den unterliegenden Sand allmählich wegbläst und das Gerolle
zum Stürzen bringt.“
Walther 1887: „Von Uedeutung schien es zu sein, dass die Gerolle
nahe aneinander liegen, indem dadurch Hindernisse und Interferenzstreifen
geschaffen wurden für die Bewegung des wirbelnden Sandes.“
Die klarste Vor.stellung von der Entstehung der Kantengerölle dürfte
wohl folgende, eigene Anschauung wiedergehende Schilderung .1. W'alther's
(1891) vermitteln: „Einen Zusammenhang zwischen der Richtung der
Kanten und der W'indrichtung konnte ich nicht finden und solches scheint
mir auch leicht begreiflich, da die Richtung des Windes in der Wüste
oft jede Stunde wechselt ....
Der Sand tliesst in kleinen Strömen über den Boden hin und die auf
dem Boden liegenden Kiesel bilden ebenso viele Hindernisse und Wider-
stände für die kleinen Sandgerinne. Vor einem grösseren Kiesel theilt
sich der Sandstrom, um sich oft hinter dem Hinderniss wieder zu ver-
einigen, oft laufen die getheilten Stromäste eine Strecke isolirt weiter,
um dann wieder mit anderen henachharten zusammen zu laufen, ln dieser
Gabelung und Wiedervereinigung kleiner Sandströme, hervorgerufeu durch
die am Boden liegenden Steine, werden solche Steine, auf welche con-
vergirend zwei Sandströme stossen, mit zwei Facetten versehen, deren
jede durch einen Sandstrom gebildet wurde. Indem sich diese Facetten
immer mehr vergrössern, kommen sie endlich zum gegenseitigen Schneiden
und bilden dadurch eine Kante, (ierölle, welche constant durch ähnliche
Sandströme bespült werden, erhalten scharfe Kanten; wechselt aber die
Richtung der Saiulströme, so werden die Kanten und Flächen undeutlich
und wieder verwischt“ (S. 447). Und derselbe 1900; ,.Der anfänglich ge-
machte Versuch, die Kanten der Dreikanter mit den Windrichtungen
jtarallel zu orientiren, ging von falschen Voraussetzungen aus. Denn die
Fläche der Facettengeschiehe. ist das Wesentliche und nur clurch zwei
sich schneidende Schlifillächen entsteht die Kante. Die auf dem sandigen
Boden regellos vertheilten Gerolle werden durch die sich gabelnden und
wieder convergent zusammentrefi'enden Sandströine angeschliffen und die
entstandenen Schlitl’tlächen verbreitern sich mehr und mehr. Ihre Mittel-
linie ist nicht nothwendig j)arallel der Windrichtung in der .\tmosphäre,
sondern nur der durcli viele Hindernisse abgelenkten Luftströmung am
Boden und kann mithin rasch wechseln“ (S. 51).
Was lehrt nun nach den vorausgegangenen Betrachtungen unser
Geröll auf Tafel VI V
Dem Verfasser erscheint es zunächst nicht zweifelhaft, dass die
Herausarheitung der Gerölle aus dem Diabas und die weitere Gestaltung
ihrer blossgelegten Seiten durch den Sandschlill' erfolgt ist. Die rauhe
körnige Ohertläche des zwischen den Geschieben befindlichen Diabases,
die geschweiften, oft tief unter die harten Gerölle eingeschnittenen, durch
Entfernung des Diabases erzeugten Rinnen (in Fig. 1 oben links leider
nicht gut erkennbar, besser in Fig. 3 zwischen den beiden zusammen-
'■'nogle
119
laufenden Gerollen), die mannigfache Gestalt der herausragenden Geröll-
enden mit ebenen oder concav und convex gekrümmten llegrenzuugsflächeii,
mit scharfen geraden und ganz unbestimmten, gebogenen Kanten kann un-
möglich nach der Berendt’schen Theorie durch Reibung mit so und so
vielen losen Gerollen erklärt werden. Ebenso augenscheinlich ist der
Mangel einer einheitlichen, gesetzmässigen Lage der Elächen und Kanten
etwa nach bestimmten Windrichtungen. Wir sehen vielmehr den von
Walther beschriebenen, oben angeführten Vorgang, bei welchem der Sand-
strom zwischen den naheliegenden Geröllen schlängelnd seinen Weg suchen
muss, hier abgelenkt, dort sich theilend, anderswo mit den Abzweigungen
sich wieder vereinigend, an unserem Stück in natürlichem Zustand fest-
gelegt. Wie deutlich springt z. B. in Fig. 2 die Bahn des von oben (im
Bilde) kommenden Sandstromes in die Augen, der das links oben betind-
liche harte Gerolle unterhöhlt, auf die Breitseite des vorliegenden langen
Geschiebes auftrifft und senkrecht zu seiner Richtung die lange Kante
erzeugt. Unmittelbar links davon hat sich im Schutze (Windschatten) des
obersten Gerölles der Diabas noch bis an den äussersten Rand erhalten
können, dagegen ist die linke Seite des langen Geschiebes schon stärker
betrotfen und mit voller Kraft wirft sich der Sand auf die beiden out-
gegenstehenden bellen Flächen.
Die Oberflächen unserer Gerolle sind glatt, aber nicht glänzend,
eine grubige Beschaffenheit ist kaum bemerkbar jedenfalls wegen des
feinen Kornes und wegen der geringen Ilärteunterschiede der Gemeng-
theile, höchstens machen sich diese durch mattere und weniger matte
Stellen bemerkbar. Auf Bruch- und Anschnittsflächen unseres Diabas-
gerölles wollte es scheinen, als ob die im Diabas steckenden Seiten einiger
Geschiebe ähnliche scharfe Kanten zeigten wie die freien, als ob mit
anderen W'orten der Diabas bereits fertige Kantongerölle eingeschlossen
hätte, deren Flntstehung dann in die paläozoische Zeit hätte versetzt
werden müssen. Indessen erwies sich dies als trügerisch, und es bildet
so unser Geröll kein Seiteustück zu den von Nathorst beschriebenen
cambrischen Kantengescliieben oder zu denen des Buntsandsteins, die
Chelius entdeckt hat.
Es wurde oben erwähnt, dass unser Diabasgeröll in seinem jetzigen
Zustand theilweise von frischen BruchHächen begrenzt wird. Nichts
spricht gegen die Annahme, dass es vor seiner Verletzung rings herum
die gleiche Beschaffenheit zeigte wie an den abgebildoten Seiten, dass also
auch an den .abgebrochenen Stücken die Einschlüsse aus dem Diabas
herausgearbeitet waren. Dies war natürlich nur möglich durch eine
mehrfache Wendung des Stückes, die, wie oben in einem Citat angedeutet
ist, jedesmal nach dem Wegblasen des unterlagernden Sandes erfolgte.
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Mag. 1889, S. 415 — 426. (Enthält hier nicht angeführte ausländ. Litte-
ratur.) — Ber. Neues Jahrb. f. Min. 1891, I, S. 91.
1890. Sauer, A., und C. Chelius: Die ersten Kantengeschiebe im Gebiete der Rhein-
ebene. Neues Jahrb. f Min. 1890, II, S. 89—91.
Calker. F. .1. P. van; Ueber ein Vorkommen von Kantengeschicben u. s. w. in
Holland. Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 42. S. 577 — 583.
1891. Walther, .1.: Die Denudation in der Wüste und ihre geologische Bedeutung.
Abhandl. math.-phys. Kl. Ges. d. Wiss. Leipzig, XVL
1892. Wahnschaffe, F.: Beitrag zur Lössfrage. Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f.
1889, 8. 328—346.
1893 .Stapff, F. M.: Eine zerbrochene Fensterscheibe. Glückauf, S. 365 — 370. —
Ber. Neues Jahrb. f. Min. 1894. II, S. 279.
1894. Woodworth, J. B. : Postglacial eolian action in southem New England.
Americ. Journ. of Sc. 47, S. 63—71. (Enthält ein Verzeichniss der amerik.
Arbeiten über unseren Gegenstand.) — Ber. Neues .Jahrb. f. Min. 1895, II,
8. 474,
1895. übrntschew. W.: Ueber die Processe der Verwitterung und Deflation in Central-
asien. Verh. russ. min. Ges. St. Petersburg (2) 33 , 8. 229. — Ber. Neues
Jahrb. f. Min. 1897, II, S. 469.
1896. Verworn, M.; Sandschliffe vom Djebel Nakfls. Neues Jahrb. f. Min. 1896, I,
S. 200 -210, Taf. VI.
Woldfich. J. N.: Ueber einige geologisch - aerodynamische Erscheinungen in
der Umgebung Prags. (In tschechischer Sprache mit deutschem Auszug.)
Sitzungsber. bühm. Ges. d. Wiss. Math. - naturw. Klasse (1895) 1896,
Abhandl. XXXI, 20 8., 2 Taf — Ber. Neues Jahrb. f. Min. 1896, II, S. 276.
1897. — Fossile Steppenfauna aus der Bulovka nächst Kosif bei Prag u. s. w. Neues
Jahrb. f Min. 1897, II, S. 208.
1899. Papp, K.; Dreikanter auf den einstigen Steppen Ungarns. Földtani Közlönv,
Suppl. XXIX, S. 193-203, 1 Taf.
? Wittich, E.; Ueber Dreikanter aus der Umgegend von Frankfurt a. M. (Ohne
nähere Angabe bei Papp citirt.)
? Bather, F. A.: Wind-wom pebbles in the British Isles. Geologists' Ass. Proc.
XVI, S. 396—420. — Ber. Geol. Centralblatt 1, 8. 104, No. 331.
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JbhmdL. d Isis in Dresden, 1900.
'Jimzel del.
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TafL
litK Ans! v: iKreUuhel. Drtsden
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P Memel del.
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Taf.m.
Fi^.9.
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üth Anil V » wtujdiii Drtuin
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JbhmdL. d Isis in Dresden, 1900.
P. Menzel del.
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Taf.
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JbhanäLdkis in Dresden, 1900.
PMeruel deL.
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Taf.m.
üth. Aftst. V Krtl»Oi*i Or«$4len
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Abhandl. d. Isis in Dresden, 1900.
Taf. IV.
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^bhoJuiL d. Isis in Drestien. 1900.
P. . yfrnzf/ <M .
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Taf.y.
«^m
H^EIH
1 W
Alibandl. d. Isis in Uitsdeii, 1900.
Tiif. VI.
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Naturwissensehaftliehen Gesellschaft
in Dresden.
Heransgegeben
von dem Redactions-Comite.
Jahrgang 1901.
Mit 1 Karte, 3 Tafeln nnd 3 Abbildungen iin Text,
Dresden.
In Commission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Bnrdach.
1902.
Inhalt des Jahrganges 1901.
Friedrich Raspe f S. V.
VeraelchnUs der MttKlIeder S. VII.
A. Sitzungsberichte.
I. Section für Zoologie S. 3 und 17. — Heller, K.; Ausgestorhene madagassieche
Riesenstrans-iie S.4. — Nitsche, H.; Stimmapparnt der Cicaden S.3; Beobachtungen
über tropische Ameisen, zoologi.scbe Ueiseeindrücke in Siidungam, Vorlage eines Kranich-
kopfcs S. 4; zoologische Seiten der Malaria- Frage S. 17 ; neue Litteratur S. 3 tind 17. —
Reibiscli, Th.: Demonstration von Missbildungen S. 17, mit Bemerkungen von
H. Nitsche.— Ribbe, K.: Künstliche Krzeugung von Schmetterlin^varietäten S.3. —
Richter, A.; Vorlage eines Elepliantenstos.«zahnes S. 4. — Schiller, K.: Gattungs-
kennzeichen der in Sachsen vorkommenden Hydrachniden S. 4: Vorlage von Aeridiiim
tartaricum, neue Litteratur S.3. — Vichmeyer. H.: Wie finden die Ameisen den
Weg zn ihrem Neste zurück? S. 3.
II. Section rUr Botanik S. 4 und 17. — Beck, R. : Einige Parasiten von forstlicher
Bedeutung S. 5; .... und Nitsche, H.i Bekämpfung des SchUttepilzes S. 5. —
Drude, U.; Holzzuwachs beim Lärchenkrebs S. o; .Tubiläum der K. K. Zoologisch-
botanischen Gesellschaft in Wien, Gründung einer iuteniationalen Botaniker -Vereinigung,
Kuntze’s Eingabe betreffeud einen Staatsznschuss zu Engler's „Pflanzenreich“, syste-
matische Morphologie der Gattungen .Ihies, Picea. Lari-r und Pinus 8. 6; einige
physiologische ( 'ultnrversuche S. 17; Aussaat - Ergebnisse von Samen einer gelben
Keineclaudensortc, An.strichmittel gegen Hasenfrass, Topographie der RhSn, über
Eaphraria minima .laci|U., UUgelflora der Basalte des l.ausitzer Hügellandes S. IH:
Vorlage eines Piniis -Zweiges S. 4; neue Litteratur S. 5 und 18; ... . und
Nitsche, H.: Neuere Anschauungen auf dem Gebiete der Descendenztheorie S. 5, —
Fritzsche, F.: Nene Funde des Elbhügellandea S. 18. — Missbach, R.: Bestände
von Rhododendron nii/rtif olium in Siebenbürgen S. IH. — Naumann, A.: Wand-
tafeln für den botanischen Unterricht, Imtaniscbe Ergebnisse seiner Reise nach
Siebenbürgen 8. 19. — Nitsche, H.: Leuchten der Hallimasch- Mycelien S. 5. —
Schneider, ü.; Vorlage und Besprechung einer Sammlung von Skorpionen 8.19.
— Schorler, B.; Bryogeographisebe Forschungen von A.Geheeb S. 18. — Thümer, A.:
Demonstration eines Mikroskops S. 5: Flora der Commons S. 19. — Wobst, K.: Nene
Funde ausserhalb Sachsens S. 19. — Worgitzky, G.: Ueber Blüthengeheimnisse S. 19,
mit Bemerkungen von U. Drude.
III. Section für Mineralogie nnd Geologie S. ti und 20. — Bergt, W.: Lausitzer
Diabas mit Kantengeröllen, Erzlagerstätten und Erzgänge bei Freiberg S. 7 ; über
Kngelgranite S. 20; neue Litteratur S. 7 nnd 20. — Döring, H.: Strudellücher im
Elboett, geschrammte Geschiebe von Zschertnitz S.7. — Engelhardt, H.: Geologische
Beschaffenheit und Erforschung Bosniens S. 0. — Kalkowsky, E.: Schlammvulkan
von Modena. Flysch in Ligurien, eruptiver Gneiss des Erzgebirges, Erkennung
künstlich gebleichter Gr.inite S. 20: Vorlagen S. 8. neue Litteratur S. B, 7 und 20. —
Kruft, L.; Phosphoritknollen im vogtländisrhcn Silur nnd ihre organischen Ein-
schlüsse S. 20. — Nessig, K.: Neue Bohrung in der Dresdner Haide S. 6. —
Petrascheck. AV.: Ammoniten der .sächsischen Kreide S. 7. — Wagner, P.: Das
Centralplatean in Frankreich .S. 6.
IV. Section für prUhistnrisrhe Forschnngen S. 7 und 20. — Deichmüller, .1.; Hügel-
gräber nördlich von Bucha in .Sachsen S. 7; neue Umenfiinde in Blasewitz S. 8; Inven-
tarisirung der urge.schichtlichen .Alterthümer des Königreichs Sachsen S. 20; neue
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IV
Ijittcratnr SS. — Deichmüller, J., Döring, H. und Ludwig, H.: Yorliwe und
Besprechung neuer Funde von Stcingeräthen , Urnen , Bronzen u. s. w. ans Sachsen
S. 7, 8, 20 und 21.— Döring. H.: BurgwäUe von Schlieben und Cosilenzien S. 7. —
Engelhardt, II.: Knnensteine von Bnmholm S. 7. — Jentsch, A.; Slavisches
(iefäss mit Laichenhrand S.20. — Wiechel, H.: Die ältesten Wege in Sachsen S.8.—
Excursion nach der (löhrischschanze bei Diesbar 8. 8,
V. Sectlon für Physik nnd Chemie S. 8 und 21. — Kühler, W.: Die gebräuchlicben
Methoden der drahtlosen Telegraphie S. 21. — Schlossmann, A.: Bedeutung des
Phosphors in der belebten Natur S.8. — Walther, R. von; Rednetionen mit Hülfe
von Metallen, die Aluminothermie S. 8. — Exenrsion nach der Nährmittelfabrik
von Dr. Klopfer in Ijenbnitz-Neuostra S. 9.
VI. Sectlon für Mathematik S. 9 und 21. — Heger, R.: Ueher Parabel nnd Ellipse
S. 9; über einen Satz der Determinanten -Theorie S. 24. — Henke, R.: Die Be-
ziehungen de.s Dreiecks znm Kreise im geometrischen Unterricht S.23. — Kranse,M.:
Charles Henuite 8.9. — Naetsch, E.: Ueher ein in der Vector-Analvsis auftretendes
System partieller Differentialgleichungen I. Onlnung S. 10. — Rohn, K.: Die
8 Schnittpunkte dreier Flächen II. Grades S. 22. — Weinmeister, Ph.; Sebmiegungs-
farabebi der Ellipse S. 9; .Vukreis- Mittelpunkte der Dreiecke mit gleichem Um- und
nkreis S. 10; die Strophoide ((jnetelet'sche Fokale) in synthetischer Behandlung S. 21.
VII. Hanptversamininngen .8. 10 nnd 24. — Beschluss über Beginn der Sitzungen S. 11.—
Beamte im Jahre 1902 S 29. — Wahl eines Mitgliedes des Verwaltungsrathes S. 11.—
Ka.sseuabschln.ss für 1900 S. 10, 11 nnd 13. — Voranschlag für 1901 S. 10. — Frei-
ivillige Beiträge zur Kasse S.28. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 12. und 27.—
Bericht des Bibliothekars S. 31. — Dr. Fr. Raspe t ,S. 11. — Drude, ().: Die Ent-
wickelung der „Technischen Botanik“ bis 19(X) S. 24. — Engelhardt, H.: Vorlage
Von PÜanzcii aus Califnniien S. 10. — Foerstcr, Fr.; Ueber elektrische Oefen S. 19;
Demon.«trationcn S. 11. — Hcmpel, W.: Vorkommen des Schwefels in der Natur
.S. 11. — Nitsche, U.: Das Renthier als Jagd- nnd Hanstbier der Polan-Ölker S.26.—
Schiller. K.: Vorlage von Apu» productu» S. 11, von Polypomi giganteui S.26.—
Schlossmaun, A.: Die biologischen Anschauungen des l9. Jahrhunderts S. 26. —
Wolf, C. : lufectionskrankheiten und die Art der Uebertragung derselben auf den
menschlichen Körper S. 1 1. — Excursion nach Waldheim S. 11, nach dem K. Femheiz-
und Klektrieitiitswerk in Dri'sden ,S. 12, nach dem Albertpark in Dresden S. 26.
. . . B. Ahhaiidluugen.
Deichmüller. .1.: Ein verzierte.- Steinbeil ans Sachsen, Mit 1 Abbildmig. S, 16.
Frenzei, A : Ueber ein Steinbeil von Halsbach. Mit 2 Abbildungen. S. 111.
Kslkowskv, E.* Die Verkie.selnng der Gesteine in der nördlichen Kalahari. Mit
3 tafeln. S. ön.
Krause, M.: Charles Hermite,’ S. 3.
Nessig, R.: Tiefimhmug in der Dresdner Haide, ,8. 14.
l’etrascheck.W.; üejrer eine Discordanz zwischen Kreide nnd Tertiär bei Dresden. S. 108.
Wiechel, H.: Die ältesten Wege in Sachsen. Mit 1 Karte. 8. 18.
/>!> Autoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer
A hhandl ungen .
Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf
besonderen Wumsch 25 Sonder- Abzüge gratis, eine grössere Anzahl gegen Erstattung
der Herstellungskosten.
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t
Dr. Friedrich Baspe.
Am 7. April 1901 verschied in Dresden der Chemiker Dr. Friedrich
Raspe, wirkliches Mitglied unserer Gesellschaft seit 1880.
Friedrich Rospe wurde am 15. März 1836 in Rostock geboren, wo sein
Vater als Professor der Rechte an der Universität wirkte. Nach dem
Besuch des Gymnasiums seiner Vaterstadt und nach dem Abschluss seiner
Lehrzeit als Apotheker in Hamburg war er mehrere Jahre als Apotheker-
gehülfe in Chemnitz und Gotha thätig und studirte dann in Rostock, wo
er 1862 den Doctorgrad erlangte. 1863 associirte er sich mit dem Apo-
theker Minder in Moskau, um eine von diesem geplante, mit der Apo-
theke verbundene Mineralwasserfabrik einzurichten. Durch unermüdliche
Thätigkeit und peinlichste Sorgfalt bei der Herstellung der künstlichen
Mineralwässer der verschiedensten Art brachte er diese Fabrik schnell zu
grosser Blüthe. 1866 verheirathete er sich mit Marie Feuereisen und
lebte mit ihr bis zu seinem Tode in glücklichster, durch sieben Kinder
gesegneter Ehe. Die anstrengende Thätigkeit und das für ihn ungünstige
Klima von Moskau erschütterten seine Gesundheit leider derart, dass er
sich genötbigt sah, 1877 seinen Wirkungskreis aufzugeben; seitdem lebte
er mit seiner Familie in Dresden in leidlich wiederhergestellter Gesundheit.
Die unfreiwillige Muse, zu der der energische und an rastloses
Schaffen gewöhnte Mann schon mit 41 Jahren gezwungen war, füllte er
mit praktischen Arbeiten, z. B. mit der Herstellung von Obstweinen, vor
allem aber mit chemischen Untersuchungen und litterarischen Arbeiten
aus dem Gebiete seiner früheren Thätigkeit aus. 1885 erschien bei
Wilhelm Baensch in Dresden sein hervorragendes Werk „Heilquellen-
Analysen für normale Verhältnisse und zur Mineralwasserfabrikation be-
rechnet auf 10000 Theile“, in welchem alte und neue Analysen der Heil-
quellen fast aller Badeorte der Erde kritisch gesichtet und zum Zwecke
der bequemeren Handhabung für den Fabrikanten nach einheitlichen Ge-
sichtspunkten umgerechnet sind. Die hier mit ganz ungewöhnlicher Sorg-
falt und ausserordentlicher Gewissenhaftigkeit aufgestellten Tabellen bilden
eine wesentliche Besonderheit der kurz vor Raspe’s Hinscheideu erschienenen
vierten Auflage von L. von Bertenson’s „Heilwässer, See- und Schlamm-
bäder in Russland und im Auslande“, ln der Vorrede zu diesem Werke
gedenkt der Verfasser mit besonderer Dankbarkeit der mühevollen und
selbstlosen Hülfe, die ihm Raspe’s bis in die neueste Zeit fortgesetzten
Untersuchungen gewährt haben. Das Material für den grössten Theil einer
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VI
neuen vermehrten und umgearbeiteten Auflage seines umfangreichen Werkes
über die Heilquellen-Analysen hat Fr. Raspe hinterlassen. Zahlreiche
kleinere Abhandlungen aus seiner Feder finden sich in verschiedenen Fach-
zeitscliriften, im Archiv für Hygiene eine Arbeit über „Frauenmilch und
künstliche Ernährung der Säuglinge“, auf Grund eigener Untersuchungen
der Milch verschiedener Frauen von der ersten Woche bis zum vollendeten
ersten Lebensjahre des Säuglings; in den achtziger Jahren in der Zeit-
schrift für Mineralwasserfabrikation eine Reihe von Aufsätzen, in denen er
das Verfahren der Fabrikation wesentlich aufklärte und sich ener^sch
gegen die Kunstbrunnenwässer ä la Appollinaris aussprach; in der Zeit-
schrift für die gesammte Kohlensäure- Industrie noch 1896 eine Abhand-
lung über „Die Angabe der Mineralwasser-Analysen in Form von Ionen“.
Im Jahre 1880 trat der Verewigte als wirkliches Mitglied in unsere
Gesellschaft ein und nahm mit regem Interesse bis kurz vor seinem Tode
an den Sitzungen derselben Theil, selbst durch zahlreiche kleinere Mit-
theiluugen, Vorlagen und einzelne grössere Vorträge, u. a. über den Ein-
fluss der Wasserleitung und der Canalisation auf die Infection und die
Desinfection des Rodens, über Untersuchungen der Frauenmilch, über einen
alten Regräbnissplatz bei Moskau, zur Belebung der wissenschaftlichen Ver-
handlungen nicht unwesentlich beitragend. In den Jahren 1883 — 1885
gehörte er dem Vorstände der Sectionen für Zoologie und für vorgeschicht-
liche Forschungen an, Anfang 1888 berief ihn das Vertrauen unserer Mit-
glieder in den Verwaltungsrath der Gesellschaft, dem er bis zu seinem
Tode angehörte und als dessen Vorsitzender er in den Jahren 1891 — 1897
die vermögensrechtlichen Angelegenheiten der Isis mit grosser Hingebung
leitete.
Asthmatische Leiden, zu denen er den Grund schon früher gelegt
hatte, quälten ihn seit einigen Jahren derart, dass er trotz energischen
Kampfes seiner Willenskraft gegen die Leiden seines Körpers allmählich
jede ernstliche Arbeit cinstellen und auch den Sitzungen unserer Gesell-
schaft oftmals fernbleiben musste. Am 7. April 1901 verschied er nach
kuiv;er Krankheit an Herzlähmung, betrauert von Allen, die ihm im Leben
nahe gestanden und seinen scharfen Verstand, seine Willenskraft und die
unbedingte Rechtlichkeit seines Charakters kennen gelernt hatten. Unsere
Gesellschaft wird dem V'ercwigten in dankbarer Anerkennung seiner Ver-
dienste ein dauerndes Andenken bewahren.
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Verzeichniss der Mitglieder
der
N atu r Wissenschaft liehen Gesellschaft
ISIS
in Dresden
im Juni 1901.
Berichtigimgen bittet man an den Secretär der GeaeUachaft,
d. Z. Prof. Ür. J. Y. Ueichmilller in Dresden, K. Mineral. -geologisches Unsenm im
Zwinger, zu richten.
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I. Wirkliche Mitglieder.
A. in Dresden. j^r der
AuXotlune.
1. AlTengleben^ Lndw. Osc. von, Landschaftsmaler, Kaitzerstr. 7 1895
2. Baensch, Wilh., Verla^buchhandlung; nnd Bucbdrnckerei, Waisenhansstr. 34 1898
3. Barth, Curt, Dr. phil., Chemiker an der städtischen Gasanstalt, Künigsbrücker-
strasse 97 1899
4. BaDmerer. G. Hermann, Privatus, Holbeinstr. 38 1852
5. Beck, P. Heinr., Bezirksschullehrer, Lortzingstr. 15 1896
6. Beckel, Ednard, em. Lehrer, Schandanerstr. 33 1900
7. Becker, Herrn., Dr. med., Pragerstr. 46 1897
8. Beiger, Gottl. Kud., Bürgerschollehrer, Wittenbergerstr. 67 1893
9. Berger, Carl, Dr. raed., Struvestr. 14 1898
10. Bemkopf, Georg, Bildhauer, Wittenbergerstr. 43 1900
11. Besser, C. Emst, Professor a. D., LObtanerstr. 24 1863
12. Beyer, Th. WashinWon, Maschinenfabrikant, Grossenhainerstr. 19 . . . . 1871
13. Beythlen, Adolf, Dr. phil., Director des ehern. Untersuchnngsamtes der Stadt
Dresden, Lothringerstr. 2 1900
14. Biedermann, Pani, Dr. phil., Professor an der K. Thierärztlichen Hochschule
und Oberlehrer an der Annenschule, Rabenerstr. 7 1898
15. Bley, W. Carl, Apothekenverwaltcr am Stadtkrankenhause, Friedrichstr. 39 . 1862
16. Bock, G. Max., Dr. phil, Fabrikbesitzer, Beethovenstr. 3 1900
17. Böttger, Adolf, Realschnloberlehrer, ZSllnerstr. 19 1897
18. Bose, C. Mor. von, Dr. phil., Chemiker, I.eipzigcrstr. 11 1868
19. Bothe, F. Alb., Dr. phil., Professor, Conrector an der Dreikönigschule, Tieck-
strasse 9 1859
20. Calberla, Gnst. Mor., Privatus, BUrgerwiese 8 1846
21. Calberla, Heinr., Privatus, BUrgerwiese 8 1897
22. frusins, Georg, Dr. plül., Privatus, Lindengasse 24 1888
23. Cüppers, Friedr., Kaufmann, Comeniusstr. 43 1896
24. DefchinüHer, Joh. VicL, Dr. phil., Professor, Custos des K. Mineral.-geolog.
Museums nebst der Prähistor. Sammlung, Fürstenstr. 64 1874
25. Ilenso, Paul, Dr., Ingenieur, Reichenbachstr. 13 1901
26. USring, Herrn., BeziÄsschuloberlehrer, Reissigerstr. 19 1885
27. Doering, Carl, Bezirksschullehrer, an der Ziegelschenne 22 1899
28. Drude, Osc., Dr. phil.. Geh. Hofrath, Professor an der K. Technischen Hochschule
und Director des K. Botanischen Gartens, Stllbel-Allee 2 1879
29. Ebert, Gust. Rob., Dr. phil., Professor a. D., Gr. Plauenschestr. 15 ... . 1863
30. Ebert, Otto, Lehrer an der Taubstummenanstalt, Löbtanerstr. 9 1885
31. FJinert, Osc. Max, Vermessungsingenieur, Zinzendorfstr. 50 . . . ' . . . . 1893
32. Engelhardt, Bas. von, Dr. phil., Kais. Rnss. Staatsrath, Astronom, Liebig-
strasse 1 • 1884
33. EngelbardL Herrn., Professor an der Dreikönigschule, Bautznerstr. 34 . . . 1865
34. Fischer, Hugo Rob., Professor an der K. Technischen Hochschule, Schnorr-
strasse 57 1879
35. Flachs, Rieh.. Dr. med., Pragerstr. 21 1897
36. Foerster, J. S. Friedr., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule,
Werderstr. 23 1895
37. Freude, Aug. Bruno, Bürgerschullehrer, Peter.str. 40 1889
38. Freyer, Carl, Bürgerschullehrer, Tittmannstr. 25 1896
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X
Jahr der
Attfnahm«,
39. Friedrich, Edm., Dr. med., Sanitätsrath, Tjindeiigasse 20 18»i5
■10. Frölich, (just., t Hofarchitect und Uofbauinspector, Lndwig Eichterstr. 9 . 1888
41. Galewstr, Eng. Eman., Dr. med., Waisenliansstr. 8 1H99
42. Gebhardt, Mart, Dr. phil., Oberlehrer am Vitzthmn’sohen Gymnasium, Winekcl- ' *
maunstr. 47 1894
43. Gelnitz, C, Leop., Bürean- Assistent an den K. Sächs. Staatsbahnen, Lindenan-
strasse 10 1888
44. Glseke, Carl, Privatus, Franklinstr. 9 1893
45. GraTelins, Harry, Dr. phil., .\stronom, Professor an der K. Technischen
Hochschule, Heissigerstr. 13 1897
46. Grosse, C. Job., Dr. med., Kyffhäuserstr. 20 . . 1895
47. Grob, Carl, Stabsapotheker a. D., Hassestr. 6 1890
48. GrObler, Mart., Kais. Russ. Staatsrath, Professor an der K. Technischen Hoch-
schule, Sedanstr. 18 1900
49. GrUndler, .loh., Dr. med., Comeniusstr. 31 1897
50. GUhne, Herrn Bemh., Dr. phil., Oberlehrer an der Dreikönigschule, Jngerstr. 28 1896
51. Günther, Rnd. Biederm., Dr. med.. Geh. Rath, Präsident des K. Landes-
medicinal - Collegiums, Eliasstr. 22 1873
52. Guthmann, Louis, Fabrikbesitzer, Pragerstr. 34 18H4
63. Hünel, F. Paul, Chemiker, Hertclstr. 29 1899
54. Uallwschs, Willi., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule,
MUnchnerstr. 2 1893
65. Hartmann, Alb., Ingenieur, Reichenbachstr. 11 1896
66. Uefelmann, Rnd., Dr. )ihil, Chemiker, Schreiber^se 6 1884
57. Heger, GusL Rieh., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule und
am Wettiner (^■mna.sium, Winckelmann.str. 37 1868
58. Heinrich, Carl, Buchdruckereihesitzer, Nieritzstr. 14 1898
69. Heller, Carl, Dr. phil., Custos des K. Zoolog, und Antbrop.-ethnogr. Museums,
Franklin.str. 22 1900
60. Helm, Georg Ferd., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule,
Lindenaustr. 1 a 1874
61. Hempel, Waith. Matthias, Dr. phil.. Geh. Hofrath, Professor an der K. Tech-
nischen Hochschule, Zelleschestr. 44 1874
62. Henke, C. Rieh., Dr. phil., Professor, C'onrector an der Annenschule, Lindenan-
strasse 9 1898
63. Hertwig, Theod., Bergdirector a. D., Holbeinstr. 26 1888
64. Hirt, F. Roh., Stadtrath a. D., Fabrikbesitzer, Bürgerwiese 1 1886
65. Hofmann, Alex. Emil, Dr. phil., Geh. Hofrath, Goethestr. 5 1866
66. Hoyer, C. Ernst, Dr. phil., Oberlehrer an der I. Realschule, Schubertstr. 29 1897
67. llObnen Georg, Dr. phil., Apotheker, Am Markt 3 und 4 1888
68. Jahr, J. Rieh., Photoebemiker, Schubertstr. 15 1899
69. Jenke, Andreas, Bezirksschullehrer, Circusstr. 10 1891
70. Jentsch, Job. Aug., Bezirksschullehrer, Eisenbergerstr. 13 1885
71. Jöhling, Frz., Streichinstrnm.- und Saitenfabrikant. .Stephanienstr. 43 . . . 190o
72. Ihle, Carl Herrn., Professor am K. Gymnasium zu Neustadt, Kamenzerstr. 9 1894
73. Kümnitz, Max, Chemiker, Bantzuerstr. 79 1894
74. Käseberg, Mor. Rieh., Dr. phil., Institutslehrer, Kl. Plauenschestr. 29 . . . 1886
75. Kalkowsky, Ernst, Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule
und Director des K. Miner.-geolog. Museums nebst der Prähistor. Sammlung,
Franklinstr. 32 i 1894
76. Ka Tser, Agnes, Sanitätsraths -Wittwe, Terrassenufer 3 1883
77. Kelling, Ein. Georg, Dr. me<l., Cliristianstr. 30 1899
78. Kiähr, Max., Kcalsclmllehrer. Bergmannstr. 18 1899
79. Klein, Herrn., Dr. phil., Professor a. D., Grosse Plauenschestr. 16 .... 1863
80. Klette, Alphons. Privatus, Residenzstr. 18 18K3
81. König, Clem., Professor am K. Gymna.sium zu Neustadt, Katharineiistr. 16. 1890
82. Kopeke, ClausB, Geh. Rath, Strehlenerstr. 25 1877
83. Krause, Mart., Dr. phil.. Geh. Hofratli, Professor an der K. Technischen Hoch-
•schule, Kaitzerstr. 12 1888
84. Krone, Herrn.. Professor an der K. Technischen Hochschule, Josephinenstr. 2 18.52
85. KUhnseberf, Emil, Fabrikbesitzer, Gr. Platienschestr. 20 1866
86. Knntze, F. Alb. Arth . Bankier, an der Kreuzkirche 1 1880
87. I,edebur, Hans Em. Freiherr von, Friedensrichter, Uhlandstr. 6 . ... 188.5
88. Ledlen, Franz, Garten-lnspeetor am K. Botanischen Garten, Stübel-AUee 2 1889
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XI
Jahr <Jcr
Aufuabme.
89. Lehmann, F. Georg, E. Hofbachhändler, Älbrecbtütr. 22 1898
90. Lenner, F. Osc., Ingenicnr, Lannerstr. 3 1885
91. Lewirki, J. Leouidaa, Geh. Hofrath, Professor an der K. Technischen Hoch-
schule, Zelleschestr. 29 1875
92. Lohmann, Haus, Dr. phil., Oberlehrer an der Annenschnle, Falkenstr. 7 1896
93. Lohrmann, Emst, Dr. phil., Oberlehrer an der II. Realschule, Stnivestr. 34 1892
94. Lottermoser, C. A. Alfred, Dr. phil., Assistent an der K. Technischen Hoch-
schule, Zelleschestr. 31 1898
95. Ludwig, J. Herrn., Bezirksschullehrer, Wintergartenstr. 58 1897
96. Hann, ilax Georg, Dr. med., Ostra-Allee 7 19(X)
97. Meier, E. F. Gust., Gymnasiallehrer, Gr. Plauenschestr. 17/19 1900
98. Heinert, Eug., Dr. jur., Moltkeplatz 3 1895
99. Meissner, Herrn. Linus, Blirgcrschullehrer, Lobtauerstr. 24 1872
100. Menzel, Faul. Dr. med., Hathildenstr. 46 1894
101. Meyer, Ad. Bernh., Dr. med.. Geh. Hofrath, Director des K. Zoolog und
Anthrop.-ethnogr. Museums, Wienerstr. 43 1875
102. Meyer, Emst von, Dr. phil,. Geh. Hofrath, Professor an der K. Technischen
Hochschule, Lessingstr. 6 1894
103. Modes, Herrn., Ingenieur, Antonstr, 18 1887
104. Hühlau, Rieh., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule,
Semperstr. 4 1895
106. Mollier, Roh. Rieh., Dr phil., Professor an der K. Technischen Hochschule,
Uhlandstr. 40 1897
106. Morgenstern, Osc. Wold., Oberlehrer an der Annenschnle, C'heninitzerstr. 21 1891
107. MDhlfrledel, Rieh., Bezirksschuloberlelirer, Ludwigstr. 1 1898
108. MUUer, C. Alb., Dr. phil., Oberlehrer an der öffentlichen Handelslehranstalt,
AJbrechLstr. 35 1888
109. Hflller, Herrn. Otto, Forstassessor, Cirensstr. 8 1896
HO. MUller, Max Erich, Dr. phil., Chemiker, Wasastr. 15 1898
111. Nanmann, C. Amo, Dr. phil., Assistent am K. Ihjtanischeu Garten und Lehrer
an der Gartenbanschule, Nicolaistr. 19 1889
112. Nessig, Rob., Dr. phil., Oberlehrer an der Dreikünigschnle, Lutherplatz 9 . 1893
113. Niedner, Chr. Franz, Dr. med., Obermedicinalrath, Stadtbezirksarzt, Winckel-
mannstrasse 33 1873
114. Nowotny, Franz, Oberfinanzrath a. D., Chemnitzerstr. 27 1870
115. Pattenhansen, Bemh., Professor an der K. Technischen Hochschule und
Director des K. Mathera.-physikal. .Salons, Eisenstuekstr. 43 1893
116. Panlack, Theod., Apotheker, I’anl Gerhardtstr. 4 . 1898
117. Pestei, Rieh. Martin, Mechaniker und Optiker, Hanptstr. 1 und 3 . . . . 1899
118. Penckert, F. Adolf, Institutslehrer, Seilergasse 2 1873
119. Piltzner, Paul, Dr. phil., Gymnasiallehrer, Fiirstenstr. 3 1901
120. Piitschke, Jul., Techniker, Gärtnergaase 5 1882
121. Pohle, Rieh., Ingenieur, Schweizerstr. 12 1897
122. Polscher, A., Zahnkünstler, Pragerstr. 13 1897
123. Prinzhom, Joh. Ludw., Pastor und Director a. D., Zinzendorfstr. 13 . 1896
124. Pntscher, J. Wilh., Privatus, Bergstr. 44 1872
126. Rabenhorst, G. I.udw., Privatus, .Stolpenerstr. 8 1881
126. Bange, E. Alb., Finanz- und Bauratb, Moltkeplatz 9 1898
127. Rebenstortr, Herrn. Alb., Oberlehrer beim K. Cadettencorps, Priessuitzstr. 2 1895
128. Retchardt, Alex. Wilibald, Dr. phil., Oberlehrer am Wettiner Gymnasium,
Chemnitzerstr. 35 1897
129. Renk, Friedr., Dr. med.. Geh. Medicinalrath, Professor an der K. Technischen
Hochschule und Director der Centralstelle für öffentliche Gesundheitsptlege,
Residenzstr. 16 1894
130. Richter, C. Wilh., Dr. med., Hiihnel.str. 1 1898
131. Richter, Conr., Oberlehrer an der Annenschnle, Leipzigerstr. 9 1895
132. Risch, Osc., Privatus, Gutzkowstr. 10 1893
133. Rühner, C. Wilh., Bezirksschullehrer, Elisenstr. 16 ■ . 1898
134. Rohn, Carl, Dr. phil.. Geh. Hofrath, Professor an der K. Technischen Hoch-
schule, Liebig.str. 18 1885
135. Salbach, Franz, Ingenieur, Victoriastr. 3 ... 1895
136. Schanz, Alfr., Dr. med., Räcknitzstr. 13 1897
137. t^heelc, Curt. Dr phil., Oberlehrer am Wettiner Gymnasium, Blasewitzer-
stnusse 13 1893
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Aufoaiime.
138. Schiller, Carl, Privatus, Bautznerstr. 47 1872
139. ScblossDiann, Arth. Herrn., I)r. med., Priratdocent an der K. Technischen
Hoch.schnle, Franklinstr. 7 1896
140. Schmidt, Herrn. G., Bezirkäschullehrer, Niederwaldstr. 15 1898
141. Schneider. Bemh. Alfr., Dr. phil., Corpsstahsapotheker, KietscheUtr. 14 . . 1895
142. Schnuge, \Vilh., Privatns, Werderstr. 22 1901
143. Schöpf, Adolf, Betiiehsdirector des Zoologischen Gartens, Thiergartenstr. 1 1897
144. Schorler, Bemh., llr. phil., Realschullehrer und Assistent an der K. Tech-
ni.scheu Hochschule, Haydnstr. 5 1887
145. Sehnlze, Georg, Dr. phil., Oberlehrer an der DreikSnigschule, Markgrafen-
strasse 34 1891
146. Schulze, Jul. Ferd., Privatus, Liebigstr. 2 1882
147. Schuster, Osc., Generalmajor z. D., Sedanstr. 1 1869
148. Schwede, Kud., Chemiker, Gutzkowstr. 28 1901
149. Schweigsinger, Otto, Dr. phil., Apotheker, Medicinalassessor, Dippoldis-
waldaerplalz 3 1890
150. Schweizer, Mor., Bürgerschullehrer, Kl. Plnuenschestr. 12 1891
151. Seyde, F. Erii.st, Kaufmann, Strehlenerstr. 29 1891
152. Slegert, Theod , Professor, Antonstr. 16 1895
153. Slemeng, Friedr., Dr. ing., Civilingenieur und Fabrikbesitzer, Liebigstr. 4 1872
154. Sieiiiers, Auguste, Privata, Schnorrstr. 45 1872
156. Siemers, Florentinc, TonkUnstlers Wittwe, Schnorrstr. 46 1872
156. Stiefelhagen, Hans, Bezirksschullehrer, Löttichaustr. 13 1897
157. Streit, Willi., Verl^sbuch- und Kunsthilndler, Uhlandstr. 8 1897
158. Stresemann, Rieh. Theod., Dr. phil., Apotheker, Residenzstr. 42 .... 1897
159. Struve, Alex., Dr. phil., Fabrikbesitzer, ßtravestr. 8 1898
160. Stiibei, Mur. Alphons, Dr. phil., Geolog, Feldgasse 10 ia56
161. Stutz, Ludw., Docent an der K. Technischen Hochschule, Schnorrstr. 38 . 1900
162. Teichiiiaiiii, Balduin, Major a. D., Coraeniusstr. 16 1896
163. Tempel, Paul, Oberlehrer am K. Gymnasium zu Meustadt, Markgrafen-
strasse 37 1891
164. Thallwitz, .loh., Dr. phil., Oberlehrer an der Annenschule, Schnorrstr. 70 . 1888
165. Thiele, Carl, Apotheker, Leipzigerstr. 60 1900
166. Thiele, Kenn., Dr. phil., Chemiker, Winckelmannatr. 27 1895
167. Thonner, Franz, Pnvatns, Uhlandstr. 9 1896
168. Toepler, Ang., Dr. phil. et med.. Geh. Hofrath, Professor a. D., Winckel-
mannstr. 43 1877
169. Toepler, Max., Dr. phil., Privatdocent und Adjunct an der K. Techn. Hoch-
si liule, Winckelmannstr. 43 1896
170. lllbrlcbt, F. Rieh., Ur. phil., Oberbaurath, Professor an der K. Technischen
Hochschule, Strehlenerstr. 43 1885
171. l'inlanf, Carl, Dr. phil., Oberlehrer an der Dreikönij^chule, Schillerstr. 40 . 1897
172. Vetters, Civrl W. E.. em. BUrgersc.huloherlchrer, Görlitzerstr. 28 1865
173. Viehnieyer, Hugo, Bezirksschullehrer, Reis.sigerstr. 21 1898
174. Vieth, Joh. von, Dr. phil., Oberlehrer am K. Gymnasium zu Kenstadt, Amdt-
stra.sse 6 1884
175. Vogel, G. Clem., Bezirk.sst^hullehrer, Lindenaustr. 25 1894
176. Vogel, J. Carl, Fabrikbesitzer, Leubnitzerstr. 14 1881
177. Vorländer, Horm., Privatns, Parkstr. 2 1872
178. Wälimann, Friedr., Bezirk.sschullehrer, Hüblerstr. 10 1898
179. Wagner, Paul, Dr. phil., Oberlehrer an der I. Realschule, Hüblerstr. 9 . . 1897
180. Walther, Reinhold Freiherr von, Dr. phil., Professor an der K. Technischen
Hochschule, Schnorr.str. 40 1895
181. Weher, Friedr. Aug., Institutslehrer, Cirensstr. 34 1865
182. Weigel, Johannes, Kaufmann, Marienstr. 12 1894
183. Weisshach, Rob., Geh. Hofrath, Professor an der K. Technischen Hochschule,
Schnorrstr. 5 1877
184. Wertlier, Johannes, Dr. med., Pragerstr. 15 1896
185. Wiechel, Hugo, Finanz- und Baurath, Bismarckplatz 14 1880
186. Wilkeiis, Carl, Dr. phil., Director der Steingutfabrik von Villeroy & Boch,
Leipzigerstr. 4 1876
187. Wittlng, Alex., Dr. phil., Oberhdirer an der Kreuzschule, W'aterloostr. 13 . 1886
188. Wobst, Carl, Professor an der Annenschule, Ammonstr. 78 1868
189. Worgitzky, Eug. Georg, Dr. phil., Oberlehrer an der Kreuzschule, Elisenstr. 28 1894
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190. Zenner, Gast, Dr. pliil., Geh. Rath, Professor a. D., Lindenanstr. 1 a . . . 1874
191. ZIelke, Otto, Apotheker, Altmarkt 10 1899
19it. Zipfel, E. Aug., Oberlehrer nnd Dirigent der II. städtischen Fortbildnngs-
schnle, Zöllnerstr. 7 1876
193. Zacbnppe, F. Ang., Finanz -Yermessungsingenienr, Holbeinstr. 15 .... 1879
B. Ansserhalb Dresden.
194. Beck, Ant. Rieh., Forstassessor in Tharandt 1896
195. Bergt, Waith., Dr. phil. , Professor an der K. Technischen Hochschule nnd
Assistent am K. Mineral.- geolog. Museum, in Plauen b. Dr., Bienertstr. 19 1891
196. Boxberg, Georg von, Rittergutsbesitzer auf Rehnsdorf bei Kamenz . . . 1883
197. Carlowltz, Carl von, K. Kammerherr, Majoratsherr auf Ijiebstadt .... 1885
198. Contractor, Noshirvan, Student an der K. Forstakademie in Tharandt . . 1899
199. Begenkolb, Herrn., Rittergutsbesitzer auf Rottwerndorf bei Pirna .... 1870
200. Dressier, Heinr., Seminar-Oberlehrer in Plauen b. Dr., Reisewitzerstr. 30 . 1893
201. Drossbacb, G. P., Dr. phil., Fabrikbesitzer in Freiberg 1897
202. Fjigelbardt, Rnd., Dr. phil., Chemiker in Radebeul, Goethestr. 7 . . . . 1896
203. FIckel, Joh., Dr. phil., Professor am Wettiner Gymnasium, in Alt-Gruna,
Pimai.schestr. 37 1894
204. Franeke, Hugo, Dr. phil., Mineralog in Planen b. Dr., Rathhausstr. 5 . . . 1889
205. Frltzscbe, Felix, Privatu-s in Niederlössnitz, Wilhelmstr. 2 1890
206. GOntber, O.sw., Chemiker in Pirna, Gartenstr 1899
207. Gttntber, Rieh , Architect in Blasewitz, Forsthausstr. 7 1891
208. HShle, Herrn., Dr. phil., Chemiker in Radebcnl, Albert-str. 5 1897
209. Jaroby, Julius, K. Uofjiiwelier in Blasewitz, Emser Allee 12 1882
210. Jentzsch, Albin, Dr. phil., Fabrikbesitzer in Kadebenl, Goethestr. 181 . . 1896
211. Keil, Rieh., Dr. phil., Professor a. D., Fahrikbesitzer in Radebeul, Garten-
strasse 18 1873
212. Kessclm^er, Charles, Esqu., in Bowdon, Cheshire 1863
213. Klette, Emil, Privatus, in Trachenberge b. Dr., Kändlerstr. 8 ..... 1895
214. Krutzseb, Herrn., K. Oberförster in Holinstein 1894
215. Lenlckl, Emst, Ingenieur, Adjunct an der K. Technisehen Hochschule, in
Plauen b Dr., Berahardstr. 20 1898
216. Müller, Rnd. Ludw., Dr. med. in Blasewitz, Friedrich Auguststr. 25 . . . 1877
217. Naetseh, Emil, Dr. phil , Privatdocent an der K. Technischen Hochschule, in
Blasewitz, Striesenerstr. 5 1896
218. Naumann, Brano, Geh. Commerzienrath in Loschwitz, Bautznerstr. 20 . . 1900
219. Osborne, Wilh., Privatus in .Serkowitz. Wasastr. 1 1876
220. Osborne, Wilh., Dr. phil., Chemiker, in Serkowitz, Wasastr. 1 1898
221. Osterinaier, .Toseph. Kaufmann in Blasewitz, .Striesenerstr. 27 1896
222. Petrascheck, Wilh., Dr. phil., .\ssi.stent am mineralog. Institut der K.
Technischen Hochschule, in Planen b. Dr., Hohestr. 17 1900
223. Relblscb, Theod., Privatlehrer in Plauen b. Dr., Bienertstr. 24 1851
224. Richter, F. Arth,, Privatus in Blasewitz. Marsehall-Allee 18 1899
225. Scheidbauer, Rieh., Civilingenieur in Bla.sewitz, Thielaustr. 4 1898
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227. Schunke, Th. Huldreich, Dr. phil., Seminaroberlehrer, in Blasewitz, Waldpark-
ötrftssc ^ 1
228. Seidel, T. .1. Rudolf, Kunst- und Handclsgärtner in I.aubegast, Uferstr 7 . 1899
229. Süg«, P., Dr. phil., Assistent an der K. Technischen Hoch.schule, in Blase-
witz, Dühnaerstr. 4 1899
230. Tbogg, Fr. Aug., Seminaroberlehrer in Plauen b. Dr., Hohestr. 56 ... . 1898
231. ThUmer, Ant. Jul., Institutsdirector in Bla-sewitz, Residenzstr. 12 ... . 1872
232. Weber, Rieh., Apotheker in Künigstein a. E 1893
233. Welnmelstcr, Joh. Philipp, Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in
Tharandt 1900
2.34. Wlsllcenus, Adolf, Drjihil., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt 1899
235. Wolf, Curt, Dr, med.. K. Polizeiarzt in Plauen b. Dr., Rei.sewitzerstr. 22 . 1894
236. Wolf, Theod., Dr. phil., Privatgelehrtcr in Plauen b. Dr., Hohestr. 15 . . . 1891
2.37. Zschao, E. Fchgtt, Professor a. D. in Plauen b. Dr., Poststr. 6 1849
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XIV
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A»fn&hise.
1. Agasslz, Alex., Dr. phil., Cnrator a. D. des Mnsenms of Comparative Zoologj- in
Cambridge, Hass 1877
2. Caras, Jul. Viet.., I)r. phil., Professor an der Universität in Leipzig . . . 1869
3. Credner, Henu., Ur. phil., t)eh. Bergrath, Professor an der Universität und
Uirector der geologischen Ijandesiintersnohnng de.s Königreichs Sachsen in
Leipzig (1869)1895
4. Flilgel, Felix, Dr. phil., Vertreter der Smithsonian Institution in Leipzig . 18.55
5. Galle, .1. 0., Dr. phil., Oeh. Regierungsrath, Professor a. D. in Potsdam . . 1866
6. Haughton, Rev. Sam., Professor am Trinity College in Dublin 1862
7. Jones, T. Rupert, Professor a. D. in London 1878
8. KSllirker, Alb. von, Dr., Geh. Rath, Professor an der Universität in Würzbnrg 1866
9. Laube, Gust., Dr. phil., Professor an der Universität in Pra^ 1870
10. Ludwig, Friedr., Dr. phil., Professor am Gymnasium in Greiz. . . . (1887)1895
11. Magnus, Paul, Dr. phil., Professor an der Universität in Berlin 1895
12. Mercklln, Carl von, Dr., Geh. Rath, in Petersburg 18t>8
13. Möhl, Heinr., Dr. phil., Professor in Kassel 1875
14. Kitsche, Ilinr., Dr. phil.. Geh. Hofrath, Professor an der K. Forstakademie in
Tharandt • 1893
15. Kostiz-Wallwrltz, Herrn, von, Dr., Staatsminister a. D. in Dresden, Kaiser
Wilhelmsplatz 10 1869
16. Omboni, Giov., Professor an der Universität in Padua 1868
17. Silva, Mig. Ant. da, Professor an der Ecole centrale in Rio de Janeiro . . 1868
18. Stäche, Guido, Dr. phil., K. K. Oberbergrath , Director der K. K. Geolo-
gischen Reichsanstalt in Wien (1877)1894
19. Tschermak, Gst., Dr., Hofrath, Professor an der Universität in Wien . . . 1869
20. Verbeek, Rogier D. M., Dr. phil., Director der geologischen Landesuntersnchung
von Niederländisch-! ndien in Bnitenzorg Is85
21. Virchowr, Rud., Dr. med., Geh. Medicinslrath, Professor an der Universität in Berlin 1871
22. Wolf, Frz., Dr. phil., Professor, Realschnidirector in Rochlitz 1895
23. /enner, Gust., Dr. phil.. Geh. Rath, Professor a. D. in Dresden, Lindenaustr. la 1874
24. Zirkel, Ferd., Dr. phil.. Geh. Rath, Professor an der Universität in Leipzig . . 1895
III. Correspondirende Mitglieder.
1. Alberti, Oac. von, Bergaiutsrcferendar in Freiberg 1890
2. Alteiikirch, Gust. Mor., Dr. phiU Realschullehrer in Üschatz 1892
.3. Amtbor, C. E. A., Dr. phil, in Hannover 1877
4. Ancona, Cesare de, Dr., Professor am R. Instituto di studi snperiori in Florenz 1863
5. Ardissone, Frz., Dr. phil., Professor an dem Technischen Institut und der
Ackerbauscliiile in Mailand 1880
6. Artzt, Ant., Verme.ssungsingenieur in Planen i. V 1883
7. Asclierson, Paul. Dr. phil., Professor an der Universität in Berlin .... 1870
8. Bachniann, Ewald, Dr. phil, Professor an der Realschule in Planen i. V. . 1883
9. Kaesslcr, Herrn., Director der Strafanstalt in Voigtsberg 1866
10. lialdunf, Rieh., Bergdircctor in Dux 1878
11. lialtzcr, Armin, Dr. phil, Professor an der Universität in Bern 1883
12. Iternhardl, .loh., Landbauinspector in Altenburg 1891
13. Ulbllothck, Königliche, in Berlin 1882
14. lllanford. Will T., Esqu., in London 1862
15. lllaschka, Rud., naturwissen.sch. Modelleur in Hosterwitz 1880
16. Itlochiiiann, Rud., Dr. phil, Physiker am Marine-Laboratorium in Kiel . . 1890
17. Bonibicci, Lnigi, Professor an der Universität in Bologna 1869
18. Bruslna, .Spiridion, Professor an der Universität in Agram 1870
19. Bnreau, Fhl, Dr., Professor am natnrhistor. Museum in Paris 1868
20. Carstens, C. Dietr., Ingenicnr in Varel 1874
21. Conw'cntz, Hugo Wilh., Dr. phil, Professor, Director des Westpreuss Pro-
vincialmuscums in Danzig 1886
22. Danzig, Emil, Dr phil, Oberlehrer an der Realschule in Rochlitz .... 1883
23. Dathe, Ernst, Dr. phil, K. Preuss. I.andesgeolog in Berlin 1880
n. Ehrenmitglieder.
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XV
Jahr d«r
AQfn&bme.
24. DIttmarscb, A., Bergschuldirector in Zwickan 1870
25. 1)811, Ed., Dr., Oberrealscbnldirector in Wien 1864
26. Wo8S, Brnno. Dr. phil., Doeent am Kais. Polytechnikum in Riga 1888
27. Pzlednszycki, Wladimir Graf, in Lemberg 1852
28. Eiael, Kob., Privatus in Gera 1857
29. Flohr, Conrad, Ämtagerichtsrath, Amt.srichter in Leipzig 1879
30. French, C., Esqn., Govemement Entomologist in Melbourne 1877
31 . Frenzel, A., Dr. phil., Lehrer an der Bergschule und K. Hüttcnohemiker in Freiberg 1872
32. Friederieh, A., Dr. med., Sanitätsratn in Wernigerode 1881
33. Friedrich, Üsc., Dr. phil., Professor, Conrector am Gymnasinm in Zittau 1872
34. Fritsch, Ant., Dr. med., Professor an der Universität und Custns nra liühmi-
scheu Landesmuseum in Prag 1867
35. Gandry, Alb., Dr., Membre de l'Institut, Professor am natnrhistorischen
Museum in Paris 1868
36. (leheeb, Adelb., Apotheker in Freibnrg i. Br 1877
37. Geinitz, Frz. Eug., Dr. phil., Professor an der Universität in Rostock . . . 1877
38. Gonncrmann, Max, Dr. phil., Apotheker und Chemiker in Rostock . . . 1865
39. Groth, Paul, Dr. phil, Professor an der Universität in München 1865
40. llartung, II., Bergmeister in Lobenstein 1867
41. Heim, Alb., Dr. phil., Professor an derUniversität und am Polytechnikum in Zürich 1872
42. Heine, Ferd., K. DomänenpKchter und Klostergnt.sbesitzer auf Hadraersleben 186.3
43. Hennig, Georg Rieh., Dr. phil, Docent am Kais. Polytechnikum in Riga 1888
44. Herb, Salinendirector in Traunstein 1862
45. Hering, C. Adolf, Berg- und Hütteningenieur in Freiberg 1895
46. Herrmann, Willi., Dr. tbeol. et phil, Professor an der Universität in Marburg 1862
47. Hibacb, Emanuel, Dr. phil, Professor an der Höh. Ackerbanschule in Lieb-
werd bei Tetschen . 1885
48. Hllgard, W. Eug., Professor an der Universität in Berkeley, Californien . . 1869
49. Hilgendorf, Frz., Dr. phil, Professor, Cnstos am K. zoolog. Museum in Berlin 1871
50. Hirzel, Heinr., Dr. phil, Professor a. D. in Leipzig 1862
51. Hofmann, Herrn., Bürgerschullehrer in Grossenlmin 1894
52. Hübner, Ad., Oberbütteumeister auf der HalsbrUckner Hütte bei Freiberg . 1871
53. Hüll, Ed., Dr., Professor in London 1870
54. Israel, A., Oberschnlrath, Seminardirector a I). in Blasewitz 1868
55. Issel, Arth.. Dr., Professor an der Universität in Genua 1874
56. Jentzscb, Alfr., Dr. phil, Professor, K. Preuss. Landesgeolog in Berlin . 1871
57. lesselmeyer, Wilh., in Manchester 1863
58. Klrbaeb, Fr. Paul, Dr. phil, Oberlehrer an der Realschule in Mei.ssen . . 1894
59. Klein, Herrn., Herausgeber der „Gaca“ in Köln 1865
»Ml. Kühler, Emst, Dr. phil., Seminaroberlehrer a I). in Schneeberg 1858
61. Künig von Warthausen , VV'ilh. Rieh. Freiherr von, Kammerherr auf Wart-
hausen bei Biberach 1855
62. Kornhnber, Andreas von, Dr., Professor am Polytechnikum in Wien . . . 1857
63. Krebs, Wilh., Privatgelehrter in Altona 1885
64. Krieger, W., Lehrer in König.stein 1888
65. Kühn, Eni., Dr. phil, Schulratb. Bezirkssclmlinspec.tor in Leipzig .... 1865
66. Kyber, Arth,, Chemiker in Riga 1870
67. Lange, Theod., Dr. phil, Apotheker in Werningshausen 18!K)
68. Ijanzi, Matthaens, Dr. med., in Rom 1880
69. Lapparent, Alb. de, Ingenieur des mines, Professor in Paris I8f>8
70. Lefevre, Theod, Dr., in Brflssel 1876
71. Le Jolls, Aug., Dr. phil, Präsident der Soeiöte nation. de,s Sciences natnr.
et mathöm. in Cherbourg 1866
72. Leonhardt, Otto Emil, Seminaroberlehrer in Nossen 1890
73. Lüttke, Joh., Dr. phil, Fabrikbesitzer in Hamburg 1884
74. Mayer, Cliarles, Dr., Professor an der Universität in Zürich 1869
75. Mehnrrt, Ernst, Dr. phil, Seminaroberlehrer in Pirna 1882
76. Menzel, Carl, Obcrbergratli, Bergamt.srath in Freiberg 1869
77. Müller, Valerian von, Kais. Russ. Staatarath, Oberberghauptmann in Peters-
burg 1 869
78. Naschold, Heinr., Dr. phil, Fabrikbesitzer in Aussig 1866
79. Nanmann, Emst, Dr. phil, Geolog in Berlin ■ . . . 1898
80. Nanmann, Ferd., Dr. med., Marinestabsarzt a. D. in Gera 1889
81. Naumann, Herrn., Professor an der Realschule in Bautzen 1884
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XVI
J«br der
Aufnahme.
82. Nobbe,Friedr.,Dr. phil., Qeh. Hofrath, Frof.anderK.Forstakademie inTharandt 1864
83. Pabst, Mor., Dr. pliil., Professor, Conrector am Kealgymnasium in Chemnitz 1866
84. Pabst, Wilh., Dr. phil., Custos der naturhistor. Sammlungen in Uotha . . 1881
85. Pap(^rltz, Erwin, Dr. phil., Oherbergrath, Professor an der K. Bergakademie
in Freiberg 1886
86. Pescbel, Emst, Lehrer in Nünchritz 1899
87. Petennann, A., Dr., Director der Station agronomiqne in Gemblonz . . . 1868
88. Plgorini, L., Dr., Professor an der Universität und Director des Mnsenms
Kircherianum in Rom 1876
89. Prasse, Emst Alfr., Betriebsingenienr a. D. in Leipzig 1866
90. Rebmann, Antoni, Dr., Professur an der Universität in Lemberg .... 1869
91. Reiche, Carl, Dr. phil., in Bantiago, Chile 18K6
92. Reidemelster, C., Dr. phil., Fabnkdirector in Schönebeck 1884
9,3. Schimpfk}', Pani Rieh., Lehrer in Lommatzsch 1894
94. Sclillenen, H. L. von. Oberst z. D. in Radebenl 1862
95. Schneider, Osc., Dr. phil., Professor a. D. in Blasewitz 1863
96. Schnorr, Veit Hanns, Professor a. D. in Zwickau 1867
97. Schreiber, Paul, Dr. phil., Profes.sor, Director des K. Sächs. Meteorolog.
Instituts in Chemnitz 1888
98. Scott, Dr. phil., Director der Meteorological Office in London 1862
99. Seidel, Osc. Mor., Seminaroberlchrer in Z.schopau 1883
100. Seidel, Ueinr. Berah,, Seminaroherlehrer in Zschorau 1872
101. Seldlitz, Georg von. Dr. phil , in Ludwigsort bei Königsberg i. Pr. ... 1868
102. Sieber, Georg, Rittergutspächter in Grossgrabe bei Kamenz 1879
103. Sonntag, F , Privatus in Berlin 1869
104. Stange, Waith., Dr. phil., Chemiker in Hamburg 1885
105. Stephani, Franz, Kaufmann in Leipzig 1893
106. Stcrzel, Joh. Traug., Dr. phil., Professor an der I. höheren Mädchenschule
in Chemnitz 1876
107. Steuer, Alex., Dr. phil., Grossherzogi. Hess. Landesgeolog in Damistadt . 1888
108. Stevenson, John J., Professor an der University of the City in New-York 1892
109. Stosgich, Mich., Professor in Triest 1860
110. Teniple, Rud., Director des Landesversicherungsamts in Pesth 1869
111. Ulbricht, R., Dr. phil., Professor a. D. in Dahme 1884
112. Ulrich, George H. F., Dr. phil., Professor an der Universität in Dnnedin,
Neu- Seeland 1876
113. Vater, Heinr., Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt . 1882
114. Vetters, K., Dr. phil., Professor an den Technischen Staatslehranstalten in
Chemnitz 1884
115. Voigt, Bernh., Stenerrath, Bezirksstenerinspector in Chemnitz 1867
116. Voretzsch, Max, Dr. phil., Professor am Hcrzogl. Emst-Realgymnasium in
Altenbnrg 1893
117. Wartmann, B., Dr. med., Professor in St. Gallen 1861
118. Weinland, Dav. Friede., Dr., in Hoben Wittlingen bei Urach 1861
119. Weise, Ang., Buchhalter in Ebersbach 1881
120. Welemeiisky, Jac., Dr. med. in Prag 1882
121. White, Charles, Dr., Curator am National -Museum in Washington . . . 1893
122. Wiesner, Jul.. Dr., Professor an der Universität in Wien 1868
123. WollT, F. A., .Seminaroberlehrer in Pirna 1883
124. Wilusche, F. Otto, Dr. phil, Profc.ssor am Gymnasium in Zwickau . . . 1869
125. Ziinmermann, Osc., Dr. phil, Professor am Realgymna.sium in Chemnitz . 1880
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Sitzungsberichte
der
N aturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in. Dresden.
1901.
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I. Section für Zoologie.
Erste Sitzung am 21. Febmar 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. H.
Nitsche. — Anwesend 30 Mitglieder und Gäste.
Herr K. Ribbe als Gast berichtet über die von ihm angestellten
Versuche, durch Einwirkung hoher und niederer Temperaturen auf die
Jugendstadien Schmetterlingsvarietäten künstlich zu erzeugen.
Verwendet wurden hierzu Vanessa Jo, V, Atalanta, V. Polychloros , V. Urticae
und F. Antiopa. Die Ergebiüsse dieser Znchtversuche werden vorgelegt.
Der V’orsitzende lässt folgende mit dem Inhalt des Vortrags in
Beziehung stehende Werke herumgehen:
Weismann, A.: Studien zur Descendenztheorie. I. Ueber den .Saisondimor-
pbismus der .Schmetterlinge. Leipzig 1875;
Derselbe: Nene Versuche zum .Saisondimorphismus der Schmetterlinge.
.Jena 1895;
Fischer, E.: Transmutation der Schmetterlinge infolge Temperaturänderungen.
Berlin 1895;
Derselbe: Experimentelle Untersuchungen und Betrachtungen über das Wesen
und die Ursachen der Aberrationen in der FaltergmppeVanessa. Berlin 1896.
Privatus K. Schiller legt eine der Mediterranfauna angehörige Heu-
schrecke Acridium tartaricum (= A. aegyptium L.) in einem frischen,
nach Dresden mit italienischem Gemüse cingeschleppten Exemplare vor
und erläutert deren Unterschiede von der eigentlichen Wanderheuschrecke.
Prof. Dr. H. Nitsche spricht über den Stimmapparat der Cicaden
unter Vorlegung von Präparaten.
ZweiteSitznngamll. April 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche.
— Anwesend 35 Mitglieder und 1 Gast.
Bibliothekar K. Schiller legt als neue Erwerbung vor:
Abhandlungen der .Senckenhergischen naturforschenden Gesellschaft, Band XXV,
Heft 1 und 2.
Bezirksschullehrer H. Viehmeyer hält einen Vortrag über die Frage:
Wie finden die Ameisen den Weg zu ihrem Neste zurück? Als
einschlägige Litteratur legt der Vortragende vor:
Lubbock, J.: Ameisen, Bienen und Wespen. Beobachtung u.s.w. Leipzig 1883;
Derselbe: Die Sinne und das geistige Leben der Thiere, insbesondere der
Insecten. Leipzig 1899;
Weismann, A.: Wie sehen die Insecten? Deutsche Kundschau 1895, Heft 9;
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Was mann, E.: Die psychischen Fähigkeiten der Ameisen. Mit 3 Taf.
Stuttgart 1899;
Bethe, A.: Dürfen wir den Ameisen und Bienen psychische Qualitäten zn-
schreiben? Bonn 1898.
Anschliessend hieran referirt der Vorsitzende über einige von C. Chun
während der Reise der „Valdivia“ gemachte Beobachtungen über tro-
pische Ameisen.
Prof. Dr. H. Nitsche legt den frischen Kopf eines vor wenigen
Tagen in Grünberg bei Hermsdorf, 12 km nördlich von Dresden erlegten
Kranichs vor und bespricht Kopfgefieder und Schnabelbau.
Gustos Dr. K. Heller hält unter Vorlegung von Skelett- und Eier-
abbildungen einen Vortrag über die ausgestorbenen madagassischen
Riesenstrausse.
Dritte Sitzung am 20. Juni 1901. Vorsitzender: Geh. Hofrath. Prof.
Dr. H. Nitsche. — Anwesend 27 Mitglieder.
Privatus K. Schiller bespricht die Gattungskennzeichen der iu
Sachsen vorkommenden Hydrachuiden unter Vorlegung einiger
lebender Thiere, mikroskopischer Präparate und besonders vieler selbst-
gefertigter Abbildungen.
Auf Anregung des Vorsitzenden wird der Vortragende gebeten, die instnictive, an
der schwarzen Tafel vorgeführte Bestimmungstabellc der Gattungen mit erläuternden
Abbildungen für die Abhandlungen der Gesellschaft anszuarbeiten.
Es circulirt ein von Chemiker A. Richter mitgebrachter Querschnitt
eines Elephantenstosszahnes mit eingewachsener Bleikugel.
Geh. Hofrath Prof. Dr. H. Nitsche spricht über die von ihm auf einem
Frühjahrsausfluge gewonnenen zoologischen Reiseeindrücke in Süd-
ungarn unter Vorlegung verschiedener Objecte.
Erläutert wird der Vortrag durch Projectionsbilder, unter denen Originalaufnahnien
von Seeadlerborsten und ein Seeadlerflugbild hervorzuheben sind.
II. Section für Botanik.
Erste Sitzung am 10. Januar 1901 (in Gemeinschaft mit der Section
für Zoologie). Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend
68 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende begrüsst die Versammlung im begonnenen neuen
Jahrhundert und hebt hervor, dass das für den heutigen Abend zum Doppel-
vortrag von botanischer und zoologischer Seite gewählte Thema dazu be-
stimmt sei, einen Rückblick auf eine der gewaltigsten Leistungen in der
letzten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts zu veranstalten und Umschau
zu halten, welchen Einfluss diese Leistungen auf die weitere Forschung
unserer Zeit zu nehmen haben.
Vor Beginn der Vorträge wird ein lebender Zweig von Pinus Pinasü^
= P. maritima mit Zapfen aus Südfrankreich vorgelegt;
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ferner demonstrirt Institutsdirector A. Thümer sein grosses Mikro-
skop von Leitz in Wetzlar, dessen Vergleich mit dem ähnlichen von
Seibert in Wetzlar gewünscht worden war.
Der Doppelvortrag über neuere Anschauungen auf dem Gebiete
der Descendenztheorio wird dann von Geh. Ilofrath Prof. Dr. 0. Drude
und Prof. Dr. H. Nitscho in gegenseitiger Ergänzung gehalten, woran
sich ein lebhafter Meinungsaustausch im Anschluss an einige neuerdings
erschienene Bücher anknüpft.
Im botanischen Tlieil bespricht vom botanischen Standpunkte O. Drude die von
Sachs aufgestellten „Architypen“ mit den von von “SVettstein daran angekuilpften
Moditicationen und sucht dieselben mit den von Koken („Die Vorwelt und ihre Knt-
wickelungsifeschichte“, 1893) ausgesprochenen Ideen Uber die sehr frühzeitige Trennung
der wesentlichsten Thiertypen in Kinklang zu setzen.
Vom zoologischen Standpunkte unterzieht H. Kitsche Fleischmann's Buch:
„Die Descendenztheorie“ einer eingehenden Kritik.
Zweite Sitzung am 7. März 1901. Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof.
Dr. 0. Drude. — Anwesend 32 Mitglieder.
Der Vorsitzende legt an neuerer Litteratur vor:
Plowright, Ch.: A monograpli of the British üredincae and üstilagineae.
London 1899 ;
Dalla Torre und L. Graf von Sarntheim; Die Litteratur der Flora von
Tirol, Vorarlberg und Liechtenstein. Innsbruck 1900;
kluller, K.: Genera muscorum frondosorum. Leipzig 1901;
Mac Millan, C.: Minnesota plant life. St. Paul, Minnesota 1899;
Wissenschaftliche Beiträge zum Gedächtuiss der 100jährigen Wiederkehr
des Antritts von L. von Iluraboldt's Iteise nach Amerika am 5. .luni 1799.
Ges. für Krdkimde zu Berlin 1899l
Forstassessor U. Beck hält einen Vortrag über einige Parasiten
von forstlicher Bedeutung unter Vorlage natürlichen Demonstrations-
materials und entsprechender Abbildungen.
Vortragender be.spricht unter Berück.sicbtigung der Lebensweise und der wirksamen
Gegenmittel von den Wurzelparasiten: Agaricu« mclleus und Trnmetes radiciptrda,
von Stammparasiten: Trametes pini, von Kindenpara.siten : die krebserzeugenden Nectricu
und vor allem Peziza iVillkommii, den Lärchenkrebs, schliesslich von Nadelparasiten;
Htjsterium Finaatri, welches die Pilzsebütte erzeugt.
Zu einer Aussprache regt eine Bemerkung des Prof. Dr. H. Nitsche
an, welcher eine eigene Erfahrung über das Leuchten der Hallimasch-
Mycelien mittheilt.
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude berichtet über eine den Holzzuwachs
beim Lärchen krebs betreffende Beobachtung Sorauer’s.
Prof. Dr. H. Nitsche macht auf die Schwierigkeit der Bekämpfung
des Schüttepilzes durch Bespritzung mit Bordelaiser Brühe aufmerksam,
welche bei grösseren Beständen in der Beschaffung des nöthigen Wassers
liegt
Forstassessor K. Beck theilt die Beobachtungen Tuboeufs mit, dass
das Bespritzen bei Sämlingen und einjährigen Pflanzen unwirksam ist.
Der Vorsitzende macht noch einige Mittheilungen über die K. K.
Zoologisch-botanische Gesellschaft in Wien und ihre Wirksamkeit
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Dritte Sitzung am 2. Mai 1901 (im K. Botanischen Garten). Vor-
sitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 27 Mitglieder.
Der Sitzung ist eine Monatsversammlung im botanischen Garten mit
Besichtigungen vorausgegangen.
Der Vorsitzende berichtet über seine Reise nach Wien zum Jubiläum
der K. K. Zoologisch-botanischen Gesellschaft, erzählt von der
liebenswürdigen Aufnahme, die er sowohl für seine Person wie als Vertreter
der „Isis“ daselbst gefunden und hofft, die botanische Section selbst einmal
dorthin zu floristischen Studien führen zu können (zu Pfingsten 1902).
Derselbe legt einen Aufruf zur Gründung einer internatioualen
Botaniker-Vereinigung („Association internationale des botanistes“) vor,
wozu die Anregung von Genf ausgebt, und bespricht die darin hervor-
tretenden Tendenzen.
Gleichfalls bespricht er in herber Kritik als schlechtes Zeichen der
Zeit Dr. 0. Kuntze’s Eingabe an den preussischen Landtag zur Verhinder-
ung eines Staatszusehusses zu Engler’s „Pflanzenreich“, — eine Frucht der
durch die Nomenclatur-Streitigkeiten hervorgerufenen Zersetzung unter den
Botanikern.
Im Anschluss au die im Garten vorangegaugenen Demonstrationen hält
Geb. Ilofrath Prof. Dr. 0. Drude einen Vortrag über die systematische
Morphologie der Gattungen Ahies, Picea, Larix und Pinus unter
vergleichender Heranziehung der verwandten Gattungen Cednis, Pseudo-
tsuga und Tsuga.
Die Gesammt.'iumme der Arten dieser Gattungen betrug in Endlicher’s Synopsis
Coniferarum U2. jetzt etwa 125— 1.30, von denen auf Europa 4 Tannen, 3 Fichten,
2 Lätrchcn, 11 Kielern entfallen (Ein Eingehen auf die Sectionen, endemischen Arten,
geographischen Areale als Fortsetzung des Vortrags ist für eine ähnliche Sitzung im
botanischen Galten für das Jahr 1902 beab.sichtigt.;
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Erste Sitzung am 17. Januar 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 34 Mitglieder und Gäste.
Oberlehrer Dr. R. Nessig macht Mittbeilung über eine neue Boh-
rung in der Dresdner Haide, welche Tlionlager im Haidesand und das
alte Klbbett auf Plänerunterlagc .tufschloss. (Vergl. Abhandlung II.)
Prof. 11. Engelhardt berichtet über die geologische Beschaffen-
heit und Erforschung Bosniens.
Oberlehrer Dr. P. Wagner hält einen Vortrag über das Central-
Plateau in Frankreich unter Vorlage von Karten und zahlreichen
Photographien.
Zweite Sitzung am 14. März 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 40 Mitglieder.
Der Vorsitzende legt einige neu erworbene Mineralien und neue
Litteratur vor.
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Dr. W. Petrascheck hält einen Vortrag über die Ammoniten der
sächsischen Kreide unter Vorlage der neu bestimmten Arten.
Prof. Dr. W. Bergt legt Lausitzer Diabas mit Kantengeröllen
vor (vergl. Abhaudl. der Isis 1900, Heft 2, S. 111) und
spricht dann über die Erzlagerstätten bei Freiberg in Sachsen.
Prof Dr. E. Kalkowsky legt vor und bespricht R. Beck: Die Lehre
von den Erzlagerstätten. Berlin 1901.
Dritte Sitznng am 9. Mai 1901. Vorsitzender: Prof Dr. W. Bergt.
— Anwesend 29 Mitglieder.
Der Vorsitzende legt neue Litteratur vor und hält einen Vortrag
über die Erzgänge von Freiberg.
Oberlehrer H. Döring macht Mittheilung über Strudellöcher im
Elbbett und über geschrammte Ueschiebe im Geschiebelehm von
Zschertnitz.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Erste Sitzung am 7. Februar 1901. Vorsitzender: Prof Dr. J. Deich-
müller. — Anwesend 20 Mitglieder.
Prof H. Engelhardt bringt Nachbildungen mehrerer Runensteine
von der Insel Boruholm zur Ansicht und erläutert deren Inschriften.
Oberlehrer H. Döring berichtet über einen Besuch des Burgwalls
von Schlieben und des zwischen Cosilenzien, Cröbeln und Oschätzchen
gelegenen Rundwalls.
Lehrer H. Ludwig legt einen zwischen Nickern und Sobrigau
gefundenen Mahlstein aus Quarzporphyr, mehrere Gefässe aus den
Urnenfeldern bei Kauscha und Kleinzschachwitz und ein in der
Elbe bei Laubegast aufgefundenes Flachbeilchen aus Hornblende-
schiefer vor.
Prof Dr. J. Deichmüller spricht über die von ihm mit Pastor Rin-
hardt in Bucha im Herbst 1900 untersuchten Hügelgräber im Lampcrts-
wulder Rittergutsforst nördlich von Bucha in Sachsen.
Die in den Grabhügeln aufgefundenen Thongefä.«sc, darunter nicht selten Buckel-
gefSsse verschiedener Form, beweisen, dass diese Hügelgräber derselben Zeit angchüren
wie die Umenfelder vom älteren Lausitzer Typus. Ziu- Vorlage kommen anch photo-
graphische Aufnahmen der Hügelgiäber-Gruppe und einzelner besser erhaltener Grab-
hügel.
Zum Schluss macht Derselbe noch aufmerksam auf einige ausgestellte
Fundstücke; den Abguss einer eisernen .\xt mit Silbertauscliirung
von Guben in der Niederlausitz, einen Bronzedolch aus der Luppe-
aue bei Grossdölzig westlich von Leipzig und einen prachtvollen, B2 cm
langen Bronzedolch aus dem Lchmlager der Nötzold’schen Dampfziegelei
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in Briessnitz bei Dresden, welcher von Herrn M. Nötzold nebst einem
daselbst bereits vor mehreren Jahren gefundenen Flachcelt aus Bronze
der K. Prähistorischen Sammlung in Dresden als Geschenk überwiesen
worden ist.
Zweite Sitzung am 18. April 1901. Vorsitzender; Prof. Dr. J. Deich-
müller. — Anwesend 35 Mitglieder und 3 Gäste.
Der Vorsitzende bespricht folgende neuerschienene Schriften:
Beltz, ß.: Neue steinzeitliche Funde in Mecklenburg. Jahrbüch, des Vereins
für mecklenburg. Oeschichte LXVI, S. 115 u. f. ;
Götze, A.; Beiträge zur Kenntniss der neolithischen Keramik. Zeitschrift
für Ethnologie und Verhandl. d. Berliner Ges. tür Anthropologie 1900:
ßeinecke, P.: Zur jüngeren Steinzeit in West- und Süddeutschland. West-
deutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst XIX, Heft III.
Derselbe berichtet weiter über neue Funde auf dem Ürnenfelde
vom älteren Lausitzer Typus in Blasewitz, Emser-Allee No. 9, und
legt vor ein im Lehm der Nötzold’schen Dampfziegelei in Briessnitz
gefundenes Steinbeil, einen Steinhammer aus dem Garten des Stadt-
guts in Lommatzsch und zwei Steinbeile aus dem Aulebm der
J. A. Bose’schen Ziegelei nordwestlich von Borna.
Finanz- und Baurath H. Wiechel hält einen Vortrag über die ältesten
Wege in Sachsen und ihre Beziehung zur ältesten Geschichte
und zu prähistorischen Fundstätten. (Vergl. Abhandlung IV.)
Fxcursion. Am 15. Juni 1901 besuchten 12 Mitglieder die auf dem
linken Elbufer unterhalb Meissen, Diesbar gegenüber gelegene Göhrisch-
schanze.
Die hohe I'imvallung ist auf der Nord- und Nordwestseite des Göhrischfelsens noch
wnhlerhalten; zahlreiche in dem vom Wall umschlossenen Kessel gesammelte Geiäss-
scherben und eine bereits in früherer Zeit da.selbst gefundene Lanzenspitze aus Bronze
weisen <larauf hin, dass die Anlage der Umwallung bereits in vorslavischer Zeit er-
folgt ist.
V. Sectioii für Physik uud Chemie.
Erste Sitzung am 24. Januar 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. R. Frei-
herr von Walther. — .\mvesend 50 Mitglieder und Gäste.
Privatdocent Dr. A. Schlossmanu hält einen Vortrag über die Be-
deutung des Phosphors in der belebten Natur und erläutert seine
Ausführungen durch Versuche.
Zweite Sitzung am 21. März 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. R. Frei-
herr von Walther. — - Anwesend 38 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. R. von Walther spricht über Reductionen mit Hülfe
von Metallen und über die Aliiminotliermie und erläutert seine
Ausführungen durch zahlreiche Versuche.
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Vortragender bespricht zunächst die Rednctionsweisen und Reductionsmittel für
Metalle und geht dann ausführlicher ein auf V'ersuche, die schon aus den Zeiten Berzelius’
und Wöhler’s stammen, aber erst durch Clemens Winkler eine rationelle Untersuchung
gefunden haben, nämlich aus Metalloiydverbindungen und einem zweiten Metall das erste
zu verdrängen und zu isoliren. Dieser Vorgang ist wesentlich begründet in der Differenz
der Wärmetönungen der betreffenden Metalle. So ist es beispielsweise möglich, Natrium,
Kalium, Calcium, Rubidium, Chrom, Cer (ebenso wie die Metalloide Kohlenstoff,Silicinm)etc.
aus ihren Oxyden durch Erhitzen mit Magnesium zu gewinnen. Noch energischer wie
Ma^esium w irkt Aluminium, welches <len Vortheil grösserer Billigkeit hat. Letzteres
wira nach dem Vorschläge von Dr. Goldschmidt- Essen gegenwärtig zu den sogenannten
aluminothermischen Processen benutzt.
Vortragender bespricht des Weiteren die Anwendungsformen des .Thermit“ (einer
Mischung von Eisenoxyd und Aluminiurapnlver) und das mit dieser Mischung dnreh-
geführte neue Goldschmidt'sche Schweiss- und Uiessverfahreu.
Exenrsion. An Stelle der dritten Sitzung fand am 6. Juni 1901
eine Excursion unter Führung von Prof. Dr. R. von Walther nach der
neuen Nährniittelfabrik von Dr. V. Klopfer in Leubnitz-Neuostra
statt, deren moderne Eitirichtung den zahlreich erschienenen Theilnehmern
von dem Besitzer selbst in der zuvorkommendsten Weise erläutert wurde.
VI. Section für Mathematik.
Erste Sitznng: am 14. Februar 1901. — Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 8 Mitglieder.
Prof. Dr. R. Heger spricht über Parabel und Ellipse.
Der Vortragende entwickelt Methoden, um ohne analytisch-geometrische Hülfsmittel
die Krümmung von Kegelschnitten, speciell die Krümmung der Parabel und der Ellipse
zu untersuchen. Dabei wird jedesmal zuerst der besondere Fall der Krümmung im
Scheitel, resp. in den Scheiteln, erledigt und nachher die Krümmung in einem beliebigen
l’unkte der betreffenden Curve besprochen. Ausserdem werden einige Anwendungen
der gefundenen Resultate gegeben, u. a. eine auf Benutzung mehrerer Krümmungskreise
beruhende Nähernug.sconstrnction der Ellipse.
Au den Vortrag schliesst sich eine kurze Discussion.
Zweite Sitzung am 18. April 1901. — Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 14 Mitglieder.
Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause spricht über Charles Hermite.
(Vergl. Abhandlung I.)
Prof. Dr. Ph. Weinmeister spricht über die Schmiegungsparabeln
der Ellipse.
Als Schmiegnngsparahcl einer gegebenen Ellipse ist eine Parabel zu bezeichnen,
sobahl die vier gemcinscbaftlicheii Punkte der beiden Kegelschnitte znsanimenfallen.
Redner zeigt, wie eine Reihe von Aufgaben, zu denen die Schmiegung.sparabeln einer
Ellipse Anlass geben, in einfachster Weise gelüst werden kütinen; und zwar dient als
Ausg;uigspunkt der Betrachtungen die That.«ache, dass die gegebene Ellijise und eine
beliebige Schroiegungsparabel dersella>n durch eine geeignete Paralleliirojection stets
übergeführt werden können in einen Kreis und eine Parabel, welche von dem letzteren
in ihrem Scheitel usculirt winl.
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Dritte Sitzung am 13. Juni 1901 — Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Ur. M. Krause. — Anwesend 11 Mitglieder und Gäste.
Dr. E, Naetscli spricht über ein in der Yector-Analysis auf-
tretendes System partieller Differentialgleichungen I. Ordnung.
Nach einigen kurzen Kemerkuugen über Entstellung und Grundlagen der Vector-
Analysia, insbesondere über die liegritfe Vector, Divergenz und Curl, bespricht Vor-
tragender die .\ufgabe, einen Vector zu ermitteln, dessen Curl ein gegebener Vector
ß sein soll; dieselbe i.st identisch mit dem Problem, drei Functionen A’, V, Z der drei
Veränderlichen .r, y, z zu linden, welche mit drei gegebenen Functionen P, Q, K dieser
drei Veränderlichen dnrch die Gleichnngen
- 1', = P, X. - Z, = (?, Y, -X, = R
Zusammenhängen Es wird anseinanderge.setzt, dass man dieses Problem vollständig
erledigen kann, ohne von der Theorie der partiellen Differentialgleichungen II. Ordnung
Gehranch zu machen; nur der Lehre vom Jacobi'schen Multiplicator und der Theorie
des Pt'nfi~schcn Prohlems hat man je einen Satz zu entlehnen.
Hierauf bespricht Prof. Dr. Ph. Weinmeister die Ankreis-Mittel-
punkte der Dreiecke, die denselben Umkreis und Inkreis haben.
Jene Punkte gehören einem dritten Kreise an, dessen Durchmesser noch einmal
so gross als der des Umkreises ist und der ausserdem mit dem Umkreis den Inkreis-
Mittelpunkt zum äusseren Aebnlichkeitspnnkt bat
Vn. Hauptversammlungen.
Erste Sitznng am 31. Januar 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. Fr.
Foerster. - — Anwesend 88 Mitglieder und Gäste.
Prof. II. Engelhardt legt eine Sammlung getrockneter wildwachsender
Pflanzen und eine grössere, aus ajner Sequoia geschnittene Platte aus
Califoriiien vor.
Prof. Dr. Fr. Foerster spricht über elektrische Oefen.
Der Vortragende schildert die wesentlichen Ergebnisse, welche Moissan mit Hülfe
der hohen Tenipcratnrcn des elektrischen Ofens erzielt hat. Er verweilt dahei besonders
bei den Versuchen über die künstliche Darstellung des Diamanten und bei den von
Moissan besonders eingehend hearheiteten neuen und cigcn.artigen Kohlenstoffverbindungen
der Elemente. Von cliesen werden be.sunders die technisch wichtigen, das Calciumcarbid
und das Siliciunicarbid (Carborundnra) ausführlicher behandelt und dabei das teclmische
Arbeiten mit dem elektrischen Ofen näher beschriehen und an kleinen Modellen vor-
gefiihrt. Zum .Schluss wird die Frage nach der billigsten Gewiimiiug elektrischer Energie
erörtert und der grosse EinHuss dargelegt, den das Vorliandcnsein grosser geeigneter
Wasserkräfte auf die Ceutralisation und die Ausbildung gewisser Thcile der elektro-
chemisehen Technik in den .\lpen ansgeübt hat.
Zweite Sitzung am 28. Februar 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. Er.
Foerster. — .\nweseml 42 Mitglieder und Gäste.
Prof. H. Engelhardt erstattet Bericht über den Kassenabschluss
der Gesellschaft vom .lahre 1900 (vergl. S. 13) und legt den Voranschlag
für 1901 vor, welcher genehmigt wird.
Als Rochmingsrevisoren werden B.ankior A. Kuntze und Architect
U. Günther gewählt.
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Hieran schliessen sich die von Prof. Dr. Fr. Foerster angekiiudigten
Demonstrationen.
Eä werden zanüchet Exemplare der auf der Pariser Ansstellnng von Chenal,
Pouillct & Co. ausgestellten, sehr sorgfältig gereinigten Salze des Neodyms und Prase-
odyms, sowie des Gadoliniums und .Samariums vorgelegt. Die .Salze der beiden ersteren
Metalle zeigen ähnliche complementUre Färbungen wie die von Kobalt und Nickel.
In zweiter Linie gelangen AluminiumstUcke zur Vorlage, welche die Verwendung
dieses Metalles zu elektrischen Leitungen illustriren, sowie eine Sammlung, welche die
mannigfache Verwendbarkeit des Magnaliums darthut.
An dritter Stelle wird eine grössere Sammlung von fnit (ilanzgold, Glanzplatin
und ähnlichen Edelmetallen überzogenen Porzellan- und (ilasgegenständen besprochen,
und dabei insbesondere die durch (ilanzmetalle beim Aufträgen in verschieden dicker
Schicht hervorgerufene Aendernng der Färbungen hervorgehoben. Die Sammlung zei^t
stetige Uebergänge von den Färbungen der reinen Metalle zu denen, mit welchen die
Metalle Glasflüsse färben, und deren Uebereinstimmung mit den Farben der colloidalen
Metalllösnngen durch Versuche nachgewiesen wird.
Dritte Sitzung am 28. März 1901. Vorsitzender: Prof. Dr.Fr. Foerster.
— Anwesend 79 Mitglieder und Gäste.
Prof. H. Engelhardt theilt mit, dass die Rechnungsrevisoren den
Kassenabschluss für 1900 geprüft und richtig befunden haben. Der
Kassirer wird hierauf entlastet.
Sodann wird beschlossen, die Sectionssitzungen wie die Haupt-
versammlungen in Zukunft pünktlich um 8 Uhr beginnen zu lassen.
Geh. Hofrath Prof. Dr. W. Hempel hält dann einen Vortrag über
das Vorkommen des Schwefels in der Natur.
Vierte Sitzung am 25. April 1901. Vorsitzender: Prof. II. Engel-
hardt. — Anwesend 30 Mitglieder.
Der Vorsitzende widmet dem am 7. April 1901 verstorbenen lang-
jährigen zweiten Vorsitzenden der Gesellschaft Dr. Fr. Haspe einen
ehrenden N.aehruf.
Privatdocont Dr. C. Wolf spricht über Infectionskrankheiten und
über die Art der Uebertragung derselben auf den menschlichen
Körper.
An verschiedenen Karten wird gezeigt, wie sieh Infectionskrankheiten über die
Erde und in einzelnen Städten verbreiten, an tabellarischen Zusammenstellungen die
Sterblichkeit au Lungen.schwindsui ht in Städten von mehr als 5<K)000 Einwohnern, nach
Älterskla-ssen und Geschlechtern geordnet, die Abnahme der Sterblichkeit an Tuberkulose
in verschiedenen deutschen Staaten im Vergleich zu Oesterreich -Ungarn und die Zu-
nahme der Tuberkulose an Kindern unil Sehweiuen.
Privatu.s C. Schiller zeigt lebende Exemplare von Aptis pro-
ductus L. aus Wieseiigräben in der Nähe des Grossen Gartens in Dresden.
An Stelle des verstorbenen Dr. Fr. Raspe wird als Mitglied des Ver-
waltungsrathes Prof. Dr. F. G. Helm gewählt.
Excuraionen. Am 16. Mai 1901 vereinigten sich 14 Mitglieder zu
einem Ausfluge nach Waldheim, um die Grauulite mit den sie durch-
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setzemleu Graiiitgiingen und die Serpeiitiue der dortigea Gegend zu be-
sichtigen. Der Weg wurde* von Waldheim durch das Zschopauthal bis
Kriebstein-Khrenberg und zurück über die goldene Höhe nach Waldheiin
genommen. —
Am 27. Juni 1901 besichtigten 46 Mitglieder und Gäste das K. Fern-
heiz- und Elektricitätswerk in Dresden.
Geh. Baurath .T. K. Temper erläuterte an der Hand von Plänen in längerem Vor-
trage die Grundgedanken, welche zur Krriohtung des Fernheizwerkes geführt hatten
und bei seiner Erbauung verfolgt wurden. Alsdann fand ein Rundgang durch die Kessel-
und Masfhinenräume des Fernheizwerkes nml der damit verbuniieneu elektri.schen Licht-
Station statt, au welchen sich eine ausgedehnte Wanderung durch den die Femdampf-
leitung und die elektrischen Lichtleitungen einschliesseuden untcrirdischeu Kanal an-
schloss.
Veränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 21. Januar 1901 starb Bankbeamter Paul Stopp in Dresden,
wirkliches Mitglied seit 1896.
Am 7. April 1901 verschied in Dresden Chemiker Dr. Friedrich Raspe,
wirkliches Mitglied seit 1880.
Nekrolog s. am Anfänge dieses Heftes.
Xeu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Denso, Paul, Dr., Ingenieur in Dresden, i
Pfitzner, Paul, Dr. phil., Gymnasiallehrer in Dresden, t ‘ ' " ’
Schnuse, Willi., Privatus in Dresden, am 28. Februar 1901;
Schwede, Rud., Chemiker in Dresden, am 31. Januar 1901.
In die wirklichen Mitglieder sind übergetreten:
Lohrmann, Ernst, Dr. phil., Realschullehrer in Dresden;
Richter, Conrad, Realgymniisialoberlehrer in Dresden.
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Kassenabscliliiss der Gesellschaft ISIS vom Jahre 1900.
Einuahmo. Position. Ausgabe.
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Sitzungsberichte
tler
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1901.
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I. Section für Zoologie.
Vierte Sitzung am 5. December 1901. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend 49 Mitglieder und Gäste.
Director Th. Ueibisch demonstrirt mit kurzen Erläuterungen zwei
Missbildungen, d.as Gehörn einer vierhörnigen Ziege und das Rumpf-
und Extremitätenskelett eines dreibeinigen Huhnes.
In der sich anschliessenden Hesprechuug, an welcher sich Geh. Hof-
rath Prof. Dr. 0. Drude und Geh. llofr.ath Prof. Dr. Hempel be-
theiligen, weist der Vorsitzende darauf bin, dass bei dem Huhne offenbar
ein Fall von unvollkommener Doppelmissbildung vorliege, und erläutert
die Entstehung solcher Doppelbildungen an einigen anderen Beispielen.
Geh. Hofrath Prof. Dr. H. Nitsche bespricht alsdann in längerem,
durch Tafeln und Präparate erläutertem Vortrage die zoologischen
Seiten der Malaria-Frage unter Hinweis auf eine Reihe ähnlicher
Krankheiten, welche gleichfalls auf durch Arthropodenstiche verursachter
Infection mit krankheitserregenden Protozoen beruhen.
Ks werden von letzteren besonders liesprochen die Tsetsefliegen -Seuche der süd-
afrikanischen nnd das Texastieber der ameriKanischeu Sinder. Der Vortragende knüpft
seine Darlegungen an das ueuerschienene Werk von F. Doflein: Die Protozoen als
Parasiten und Krankheitserreger. Jena 1901.
Ausserdem gelangt zur Vijrlage A. Labbe; Sporozoa. 5. Lief, von: Das Thierreich.
Kine Zusammenstellung nnd Kennzeichnung der recenten Thierformen, herausgegeben
von der deutschen zoologischen Ge.sellschaft. Berlin 1899.
An der folgenden Discussion betheiligon sich Geh. Hofratli Prof.
Dr. 0. Drude, Geh. Hofrath Prof. Dr. W. Hempel, .Medicinalrath Dr.
W. H esse, Dr. A. Schlossmann und Dr. A. Stübel.
II. Section für Botanik.
viert« Sitzong am 3. October 1901 (im K. Botanischen Garten).
Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. ü. Drude. — Anwesend 18 Mitglieder.
Geh. Hofrath Prof. Dr. O. Drude bespricht einige physiologische
Culturversuche mit Vorführung der betreffenden Pflanzen.
1. MaispHanzen auf Wasser cultivirt und mittelst Nährstofflosung bis zur Kr-
zcugnng von Kolben gebracht.
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2. K ilrbispflanzen in gewöhulicher aber sehr nährstoffarmer Erde, welcher ein dem
normalen Nährstoff bedUrfnisse entsprechendes Nährsalzgemenge, aber z. Th. ohne das
nothwendige Stickstoffsalz, zugesetzt wurde, zur Demonstration der Wichtigkeit dieses
Nährstoffes. Pflanzen ohne jede Nährsalzzusätze werden nicht schlechter als die letzteren.
Früchte lagen ebenfalls vor,
3. Erbsen, in derselben Weise behandelt wie die Kürbisptlanzen , zeigten ein
anderes Verhalten als diese; das Fehlen einer Stickstoffgabe beeinträchtigt ihre Ent-
wickelung nicht, da sie sich durch Symbiose mit Wurzelbakterien den Stickstoff der
Luft nutzbar machen.
Derselbe berichtet ferner über Aussaat-Ergebnisse von Samen
einer gelben Ueineclaudensorte, welche blaufrücbtige Bäume er-
gab, und
legt zur Warnung vor einem gegen Hasenfrass empfohlenen
Anstrichmittel „Antilepin“ gespaltene Stammstücke eines Pflaumen-
baumes vor, dessen in diesem Jahre zu bildender Jahresring an den be-
strichenen Stellen zerstört bez. nicht zur Entwickelung gekommen war,
was den Tod des Baumes im Sommer herbeiführte. Apfel- und Birnbäume
hatten nicht in demselben Masse gelitten.
Dr. B. Schorler spricht über bryogeographische Forschungen
von A. Geheeb (früher in (Jeisa, jetzt in Freiburg i. B.), welche die Be-
deutung der Moosflora der Rhön in pflanzengeographischer Hinsicht be-
sonders an dem reizend geschriebenen Aufsatz über „die Milseburg“ in
das rechte Licht setzen.
Der Vorsitzende erläutert die Topographie der Rhön an einer
von ihm im Sommer aufgenommenen Skizze für die Vertheilung der Vege-
tationsformationen in der Rhön.
Zur Vorlage gelangen noch:
Dennert, E.: Die Wahrheit Uber Ernst Häekel und seine Welträthsel.
Halle 1901;
Nippold, Fr.; Kollegiales Sendschreiben an Emst Häekel. Berlin 1901.
Die Nothwendigkeit, sich mit dem Inhalt der „Welträthsel“ Häckel’s
selbst bekannt zu machen, wird betont.
Fünfte Sitznng am 10. October 1901 (Floristenabend). Vorsitzender:
Prof. K. Wobst. — Anwesend 27 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude legt vor und bespricht Euphrasia
minima Jac(|u.
Die.se alpine l'orm wurde von Dr. F. Naumann-Gera in diesem Jahre bei ge-
nannter Stadt gesammelt und dem Herb. Flor. Saxoniea übermittelt. Im Anschluss
daran erläutert Vortragender eingehend die Arten genannter Gattung, ganz besonders
den Euphrasia officinalis -Typxis.
Derselbe spricht weiter über die interessante Hügelflora der
Basalte des Lausitzer Hügellandes und legt zahlreiche Formen aus
genanntem Gebiete im Bereich des „Bernstädter Hügellandes“ zwischen
Löbau und Zittau vor.
Privatus F. Fritzsche bringt zur Vorlage eine Anzahl neuer Funde
des ElbhUgellandes zwischen Dresden und Meissen.
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l’rof. K. Wobst berichtet über zwei neue Funde ausserhalb
Sachsens.
1. Medicago arabica All. (M. maculata Wils.) mit Wollstaub, welcher als Dünger
verwaudt wurde, bei Ileinersdorf, Kreis Lebus, 1901 eingesclilcppt;
2. Cirtium olernrium x arvense. Ein einziges Exemplar zwischen zahlreichen
.Stammformen genannten Bastards Juli 1900 bei Bad Salzungen in Thüringen gesammelt.
Assistent Dr. A. Naumann halt einen Vortrag über die bota-
nischen Ergebnisse seiner Reise nach Siebenbürgen, mit Zu-
grundelegung zahlreicher von ihm gesammelter Pflanzen, welche nach
Formationen auf grossen Papptafeln zusammengestellt waren.
Im Anschluss daran schildert Lehrer R. Missbach seine Beobachtungen
über die Bestände von Rhododendron myrtifoliiim im genannten
Gebiete.
Dr. A. Naumann giebt noch Auskunft über das Vorkommen von
Tanne, Zirbelkiefer und Lärche in Siebenbürgen.
Sechste Sitzung am 21. November 1901 (in Gemeinschaft mit der
Section für Zoologie). Vorsitzender; Geh. llofrath Prof. Dr. 0. Drude. —
Anwesend 40 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. 0. Schneider zeigt mehrere lebende Exemplare von
Eutcorißius italiais und eine reiche Sammlung z. Th. in Spiritus, z. Th.
trocken conservirter Skorpione aus allen Welttheilen.
Er bespricht deren Lebensweise in Freiheit und Gefangenschaft Selbstmord des
Skorpions in der Gefangenschaft ist von zuverlässigen Beobachtern noch niemals be-
richtet worden.
Dr. G. Worgitzky legt sein Buch über „Blüthengeheimnisse“
(erschienen bei Teubner in Leipzig) vor und macht in seinem Vortrage
über die Entwickelung dieser Kenntnisse besonders auf die neueren
Knuth’schen .Arbeiten aufmerksam.
Der Vorsitzende betont die hohe Bedeutung des vom Vortragenden
erwählten Themas für die heutige Biologie, sowohl nach der Seite
der floristischen Landesforschung als nach der des naturkundlichen Unter-
richts, und hebt das Bedürfniss hervor, dass ein ausgezeichueter und
kritischer Bearbeiter der zahlreich sich findenden Einzelheiten auch für
die Zwecke unserer Arbeitstheilung in der Isis erstehe, welche Lücke der
Vortragende ausfüllen möge.
Dr. A. Naumann zeigt Wandtafeln, welche er für den bota-
nischen Unterricht in der hiesigen Gartenbauschule angefertigt hat,
die wie das vorerwähnte Buch die Blüthenforraen und ihre Anpassung
für eine durch Insecten herbeizuführende Fremdbestäubung demonstriren.
Institutsdirector A. Thümer schildert von einer Reise durch England
die Flora gewisser als „Commons“ (Gemeingut) bezeichneter Landstriche,
welche, da sie nicht irgendwie in Benutzung genommen werden dürfen,
die ursprüngliche Pflanzendecke bewahren.
Ein Hanptrepritsentant der dortigen Flora, VUi- nanu«, lag im Uerbarexemplar vor.
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III. Section für Mineralogie und Geologie.
Tierte Sitzung am 17. October 1901. Vorsitzender; Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 46 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende legt neue Litteratur vor.
Prof Dr. W. Bergt referirt über die Arbeit von J. T. Sterzei: Gruppe
verkieselter Araucariten- Stämme. Chemnitz 1900, und über die Unter-
suchungen von F. E. Suess über den Moldavit.
Derselbe spricht ferner über Kugelgranite unter Vorlage von
Stufen aus Dr. A. Stübel’s Sammlung.
Prof Dr. E. Kalkowsky hält einen N'ortrag über den Schlamm-
vulkan von Modena, den Flysch in Ligurien und den angeblich
eruptiven Gneiss des Erzgebirges.
Fünfte Sitzung am 12. üecember 1901. Vorsitzender: Prof Dr.
E. Kalkowsky. — Anwesend 35 Mitglieder.
Der Vorsitzende führt eine Reaction aus, durch die es luöglicli ist,
künstlich mit Schwefelsänre gebleichte Werkstücke von Granit als solche
zu erkennen, ohne sie zerschlagen zu müssen.
Dr. L. Kruft hält einen Vortrag über die Phosplioritknollen im
vogtländischen Silur und ihre organischen Einschlüsse.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Dritte Sitzung am 14. November 1901. Vorsitzender Prof Dr.
J. Deichinüller. — Anwesend 24 Mitglieder.
Prof. Dr. .1. Deichinüller spricht über die von ihm im Sommer d. J.
im Aufträge des K. Sächs. Ministeriums des Innern begonnene Inven-
tarisirung der vorgeschichtlichen Alterthümer des Königreichs
Sachsen und über deren bisherige Ergebnisse.
Oberlehrer H. Döring legt bearbeitete Feuersteine und Gefäss-
scherben mit Bandverzierung aus einer Sandgrube bei Merschwitz vor
und bespricht Gefässreste und Thierknochen, u. a. drei linke Unter-
kieferhälften vom Biber, aus einer slavischeu Siedelung östlich vom
Burgwall bei Leckwitz, germanische und slavische Scherben vom
Burgberg bei Zehren und ein ziemlich vollständig erhaltenes Gefäss
Von der lleidenschanze bei Roschütz, welches keine Spur der An-
wendung der Drehscheibe erkennen lässt und doch einen sogenannten
Bodenstempel, eine Töpfermarke zeigt,
Lehrer .1. A. Jentsch macht auf den Fund eines slavischen' Ge-
fässes mit Leichenbrand von Lössnig bei Strehla a. E. aufmerksam,
welches in den Verhandl. d. lierl. Ges. f Anthropologie 1901, S. 39, be-
schrieben ist.
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Lehrer H. Ludwig legt Gefässscherben vor, die aus einer Herd-
stelle in der Nähe der Windmühle von Niedersedlitz stammen
und die solchen aus Gräberfeldern vom Lausitzer Typus ähnlich sind,
ferner aus Herdstellen in der Nähe des Gräberfeldes der LaTene-Zeit
bei Kauscha ein Flachbeil aus Gneiss, ein sogenanntes Webstuhl-
gewicht und Gefässscherben, aus dem Gräberfelde von Kauscha
selbst die Bruchstücke einer Thonschale und einen Eisenring, einen
zwischen Niedersedlitz und Lockwitz gefundenen Klopfstein, ein
in der Elbe bei Riesa gefundenes Steinbeil aus Amphibolit, Reste
grösserer, dickwandiger Gefässe vom Kuhhübel bei Sörnewitz und eine
geschnittene, an einer Seite doppelt durchlochte Knochenplatte von
der Heidenschanze bei Koschütz.
Prof. Dr. J. Deichmüller bringt aus den neueren Erwerbungen der
K. Prähistorischen Sammlung in Dresden mehrere Beile aus Amphibolit
zur Vorlage, welche in der Umgebung von Nünchritz, auf der Ritter-
gutsflur Riesa und beim Kirchenbau in Zeitbain aufgefunden worden
sind, weiter eine sauber gearbeitete Pfeilspitze aus weissem Feuerstein
von Roda bei Grossenhain, ein beim Abteufon eines Brunnens in der Brauerei
Chrieschwitz bei Plauen i. V. gefundenes Amphibolitbeil, einen aus
neun Gegenständen bestehenden jüngeren Bronzedepotfund von Lausa
bei Dresden und verschiedene Beigaben aus Skelettgräbern der Völker-
wanderungszeit bei Werningshausen im Herzogthum Sachsen-Co-
burg-Gotha.
Derselbe macht zum Schluss noch aufmerksam auf einen roh be-
arbeiteten Hammer aus Gneiss mit angefangener Bohrung von Lockwitz
und auf einen Hammer aus Diabas von Naundorf bei Ortrand,
dessen F'orm auf nordische Herkunft schliessen lässt.
V. Section für Physik und Chemie.
Dritte SiDinng am 7. November 1901. Vorsitzender: Prof. Dr.
R. FVeiherr von Walther. — Anwesend 101 Mitglieder und Gäste.
Prof. W. Kühler hält einen Fixperimentalvortrag über die gebräuch-
lichen Methoden der drahtlosen Telegraphie.
Yl. Section für Mathematik.
Vierte Sitzung am 10. October 1901. V brsitzender: Geb. llofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 9 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. Pb. Weinmeister spricht über die Strophoide (<jue-
telet’sche Fokale) in synthetischer Behandlung.
Vorfrageuder hebt einleitend hervor, dass bei einer Reihe von ebenen Oiirven, die
in der Regel naeh den Methoden der analytischen (leonietrie behandelt werden, zahl-
reiche Eigenschaften auch in leichter und eleganter Weise auf elementarem, synthetischem
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Wege gefuuden werden künn^u, sobald ein genil^nd einfaches EnUCehungsgeaetz der
betreffenden Cnrve vorliegt. Ein ausgezeichnetes Beispiel hierfür bietet die Strophoide,
über deren Geschichte und Littcratur der Redner eine Reihe von Uittheilnngen macht
Als Ausgangspunkt für die synthetische Behandlung der Strophoide dient ein
Entstehungsgesetz, bei welchem ein fester Punkt F — „Brennpunkt“ — , eine feste
Gerade — „Leitlinie“ — und ein auf der letzteren gelegener zweiter fester Punkt 0
vorausgesetzt werden ; wenn dann ein beliebiger Punkt Q der Leitlinie mit F durch eine
Gerade verbunden und auf letzterer ein Punkt!’ so bestimmt wird, dass PQ = 0^ ist,
so gehört P der Strophoide an. Aus dieser Entstehungsart wird ohne Schwierigkeit
eine zweite hergeleitet, bei welcher die Strophoide als geometrischer Ort für den
Scheitel eines veränderlichen Winkels erscheint, dessen Halbirungslinie und dessen einer
Schenkel durch je einen festen Punkt gehen, während der andere Schenkel einer festen
Richtung parallel ist. Auch wenn drei feste Punkte Ä, B, C gegeben sind, und nun-
mehr Winkel construirt werden, deren beide Schenkel bez. durch A und durch B gehen,
während die Halbirungslinien durch C verlaufen, erhält man als geometrischen Ort für
die Scheitel eine Strophoide. Ans den Entstehungsgesetzen leitet Redner eine Reihe
von Eigenschaften der Strophoide ab, welche sich auf den Doppelpunkt und die zuge-
hörigen Tangenten, die Asymptote, den Wendepunkt n. a. beziehen; auch der besondere
Fall der sogenannten geraden Strophoide, bei welcher OF senkrecht zur Leitlinie ist,
wird in Betracht gezogen. Eingehende Behandlung finden sodann die zahlreichen und
interessanten Bezi^nngen zu den Kegelschnitten, mit denen die Strophoide auf maunig-
fache Weise in Zusammenhang gebracht werden kann. Eine besondere Beleuchtung
erfährt die Rolle, welche die Strophoide als t^netelet’sche Fokale spielt: Wenn E irgend
eine die Achse eines g^ebenen Rotationskegels enthaltende Ebene, t eine zu E senk-
rechte Tangente dieses Kegels ist, und nunmehr durch t beliebige Ebenen gelegt werden,
so ist der Ort der Brennpunkte der entstehenden Kegelschnitte eine in E gelegene
Strophoide, welche als (^uetelet’sche Fokale bezeichnet wird; ihr Brennpunkt ist der
Spni^nnkt der Geraden t auf der Ebene E.
Fflnfte Sitzung am 21. Noyember 1901. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 13 Mitglieder.
Geh. Hofrath Prof.Dr. K. Rohn spricht über die acht Schnittpunkte
dreier Flächen II. Grades*).
Da sich leicht beweisen lässt, dass die sümmtlichen cc- Flächen II. Grades, welche
man durch sieben willkürlich angenommene Punkte legen kann, stets noch dnreh einen
gewissen achten Punkt bindnrebgehen, so ist sicher, dass die acht Schnittpunkte ilreier
beliebiger Flächen II. Grades nicht voneinander unabhänpg sein können, dass vielmehr
jeder einzelne von ihnen durch die sieben übrigen bestimmt sein muss. Es entsteht
daher das Problem , zu sieben gegebenen Punkten eines solchen Punktsystems den achten
Punkt zu finden, ein Problem, welches sowohl geometrisch - constmetiv. als auch analy-
tisch behandelt werden kann. Redner giebt — nach einigen Notizen histori.scheu und
litterarischeu Inhalts — im ersten Theife seine.s Vortrages eine analytische I.ösung des
Problems; dieselbe besteht darin, dass ein Weg gezeigt wird, auf dem man zu linearen
Gleichungen gelangen kann, denen die Coordinafen des gesuchten Punktes Genttge
leisten müssen.
Vortragender bezeichnet ilurch 1, 2, 3 ... 8 die acht Punkte des in Frage kommenden
Punktsystems, durch 0 einen weiteren, laufenden Punkt und durch (i, k, 1, m) die ans
den 16 homogenen Coordinaten der vier Punkte i, k. 1, in gebildete vierreihige Determinante.
Dann kann zunächst leicht nachgewiesen werden, dass die Gleichung
(8524) (6724) -f (8624) (7524) + (8724) (5624) = 0
eine Identität ist. Ferner lässt sich sofort übersehen, dass die in Bezug auf die Co-
ordinaten des laufenden Punktes 0 quadratische Gleichung
Q (8520) (6730) + a (8620) (7530) r (8720) (5630) = 0
eine Fläche II. Grades darstellt, welche, wie auch die t'oeffizienten e, o, r gewählt werden
mögen, stets durch die sechs Punkte 2, 3, 5, 6, 7, 8 hindnrehgeht ; und wenn insbesondere
*) Uelier den gleichen Gegenstand hatte Vortragemler liereits in der vorangehenden
(vierten) Sectioussitzuug eine Jlittheilung gemacht.
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(> = (H724) : (6734), « = (7524) : (7534) , i = (5624) ; (5634)
gesetzt wird, so enthält die betreffende Fläche auch noch den Funkt 4, wie man mit
Hilfe der obigen Identität sofort veritiziren kann Da mitliin diese Fläche durch sieben
Punkte des betrachteten Punktsystems geht, muss anf ihr anch noch der achte Funkt
desselben, d. h. der Punkt 1, gelegen sein, es muss also zwischen den Coordinaten der
acht Punkte des Systems die Kelation
(6724) (8521) (673D , (7524) (8621 ) (7581) (5624) (8721 ) (^1) _
(6734) ^ ^ (7534) ^ (5634) " —
stattlinden. Diese ist aber offenbar eine in Bezug anf die Coordinaten des Punktes 8
lineare Gleichnng.
Im zweiten Tbeile des Vortrages werden die Resultate der analyti.schen Be-
trachtungen geometrisch gedeutet.
Sechste Sitzung aiu 12. Deceniber 1901. Vorsitzender: Geh. Hofratli
l’rof. Dr. M. Kr.tuse. — Anw'esend 14 Mitglieder.
Conrector Prof. Dr. R. Henke spricht über die Beziehungen des
Dreiecks zum Kreise im geometrischen Unterricht.
Den Gegenstand des V ortrages bilden eine Reihe von Thatsachen ans der Geometrie
des ebenen Dreiecks, welche, obwohl im geometrischen Unterricht nur selten berück-
sichtigt , demselben dennoch sehr wohl auf seinen verschiedenen Stufen zugänglich sind
und anch reichhaltigen Stoff zn Aufgaben constmetiver und rechnerischer Art bieten.
Im ersten Theile des Vortrages handelt es sich in der Hauptsache nm gewisse
Beziehungen, zu denen man gelangen kann, wenn ein lieliebiges Dreieck, sein Umkreis
und die Halhimngsliuie eines Dreieckswinkels in Betracht gezogen wird. Dabei werden
die Seiten nnd Winkel des Dreiecks, sowie die Railien des Umkreises und Inkreises in
der üblichen Weise bezeichnet, ausserdem wird \ (a — b)— d, | (n — |3) = d gesetzt, und
unter q der Abstand der Seite c vom .Schnittpunk e des Umkreises mit der Halbirungs-
linie des Winkels y verstanden. Anf Gnind der gedachten Beziehungen lässt sich lus-
dann das Dreieck construireu, bez. berechnen, wenn r, tf, d oder h, p, d' oder r, A, d ge-
geben sind, wobei in den beiden ersten Fällen das Dreieck eindeutig, im dritten Falle
hingegen zweideutig bestimmt ist.
Im zweiten Theil seines Vortrages zieht Redner den Feuerbach'schen Kreis in
Betracht und giebt einen Beweis des Feuerbach'schen .Satzes, nach welchem dieser Kreis
sowohl den Inkreis, als anch die drei Ankreise des Dreiecks berührt. Dabei wird
der Aufgabe gedacht, ein Dreieck aus r, p, d zn constmiren, welche im Allgemeinen
zwei Lflsnngen znlässt. Ein bemerkenswerther Umstand zeigt sich, wenn man von
irgend einem Punkte U des Umkreises Lothe auf die drei Beiten des Dreiecks fällt nnd
die gerade Linie (Simson'sche Gerade) constmirt. auf welcher die Fusspunkte dieser drei
Lothe gelegen sind, wird nämlich U mit dem Hohenpnnkte II des Dreiecks verbunden,
so liegt der Halbirnngspunkt V von UH stets anf der genannten geraden Linie; und
wenn f/ den ganzen Umkreis durchläuft, so beschreibt gleichzeitig V’ den Feuerbach'schen
Kreis. Zu interessanten Betrachtungen giebt anch der Begriff der Gegentransversale*)
Anlass. Verbindet man irgend einen Pnnkt P der Ebene mit den drei Ecken eines
gegebenen Dreiecks nnd constmirt zu diesen drei Verbindungslinien die Gegentrans-
versalen, so geben die letzteren durch einen Punkt P, , den sogenannten Gegenpunkt
von P in Bezug anf das betreffende Dreieck. Ist insbesondere P ein Punkt des Um-
kreises, so liegt P, unendlich fern, indem alsdann die drei Gegentransversalen zu ein-
ander parallel sind.
Au der auf den Vortrag folgenden Discussion betheiligen sich Prof.
Dr. Pli. Weinmeister, Prof. Dr. R. Heger und Dr. J. von Vieth.
*) Zwei von einer Ecke des Dreiecks ausgehende Transversalen desselben werden
Gegentransversalen genannt, wenn sie symmetrisch liegen zur Halbiruugslinie des be-
treffenden Dreieckswinkels.
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24
Hierauf spricht Prof. Dr. R. Heger über eine« Satz der Deter-
m in ante «-Theorie.
Die ÄnsfUhnmgeii des Vortragenden beziehen sich auf den Nachweis, dass die
Gleichung
(14 n) . (23 «) -f (24 «) . (31 a) -f (34 «) . (12 «) = 0,
in welcher « zur Ähkürznng steht für 567 . . . n , eine IdentitSt ist.
VII. Hauptversammlungen.
Fünfte Sitzung am 24. October 1901. Vorsitzender: Prof. Dr.
Fr. Foerster. — Anwesend 47 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. Dr. U. Drude spricht über die Entwickelung
der „Technischen Potanik“ bis 1900.
Die „Technische Botanik“ begreift in sich diejenigen Beziehungen der Wissen-
schaft zu der anwendenden Präzis, welche zum Lehrgebiet der technischen Hochschulen
gehören. Sie ist demgemäss an sich kein eigenes abgeschlossenes Wissensgebiet, son-
dern vielmehr eine sich in stetiger Weitereutwickelung betindeiide Kette vielseitiger
Beziehungen, welche ebenso sehr vom Fortschritte der reinen Wissenschaft als von den
Forderungen technologischer Praxis abhängen. Die Fortschritte in der Erkenntniss der
Gährungsphysiologie einerseits und das Bcdilrfuiss, die zu Papier benutzten pflanzlichen
Rohstoffe bei ihrer steten Vermehrung sicher mikroskopisch unterscheiden zu können,
anderseits mögen als zwei treffliche Beispiele für diese Beziehungen und ihre Ab-
hängigkeit dienen.
Den Haupttheil der Technischen Botanik bUdet die seit 1793 von Beckmann
und Böhmer wissenschaftlich begründete und begrenzte technologische Rohstoffleh re
oder „Waareukunde“, welche zuer.st mit äusserlichen Beschreibungen und der Anfzählnug
der be.sonderen Eigenschaften der diese Rohstoffe liefernden Nutzpflanzen und der
geographischen Verbreitung derselben begann. Heute erkennen wir tu der festen Ver-
bindung dieser älteren „Waarenkunile“ mit der bestimmenden Anatomie und der Zell-
physiologic das wissenschaftliche Gefüge und den dauernd befestigten Untergrund, auf
dem allein die Beziehungen zwischen den Bedürfnissen der Technologie und der wissen-
schaftlichen Botanik zur selbständigen Blüthe gelangen können, und dies liefert zugleich
den Massstab für unsere Beurtheilung iu der Geschichte der Rohstofflehre und ihrer
eigenen Handbücher. Wenn wir die jetzt au der Jahrhundertwende erscheinende neue
Rohstofflehre von J. Wiesner in ihrer chemisch- physiologisch und nnatoraisch-systematisch
durchgeführten Vertiefung mit den vor mehr als 100 Jahren erschienenen, damals hoch-
gelehrten uud dem cntstehemlen Bedürfniss der Praxis vollkommen gerecht werdenden
Büchern von Beckmann uud Böhmer vergleichen, so überblicken wir sofort den
ganzen Entwickelungsgang und wissenschaftlichen Fortschritt der technischen Bot.anik
und sehen, dass wie auf anderen Gebieten so auch hier ans einer einfachen Empirie
sich ein complicirtes Lehrsystem entwickelte. Die „Waareukunde“ hezeichnete einen
Lehrgegenstand für technische Gewerbeschulen, die Rohstofflehre von heute einen solchen
für die technischen Hochschulen der Gegenwart.
Die ersten Jahrzehnte des nunmehr abgeschlossenen .fahrhunderts, in dem neben
so vielen blühenden Gebieten angewendeter Natuiforschung auch die technische Botanik
heranwuchs als ein in seiner Bedeutung kaum schon genügend gewürdigter Zweig,
zeigten nach den Eingangs genannten Werken keinerlei grössere Fortschritte. Die
mikroskopische Technik musste sich erst selbst zu grösserem Umfange ausbildcn, und
nachdem .Schleiden s vernichtende Kritik gegen den lahmen Geist in der Botanik der
vierziger .Jahre und gegen die Ablehnung alles dessen, was die Praxis mit wissen-
schaftlichcr Anregung zu befruchten im .Staude sei, auch die noch mangelhaft genug
gebliebenen Beziehungen auf teibuiscbem Gebiete herb hervorgehoben hatte, blieb es
einigen Arbeiten von Schacht und Reissek zunächst Vorbehalten, die neue Zell-
physiologie auf dem Gebiete der Technologie der Gespiunstfasem praktisch zu ver-
wertheu und eine Brücke von der Waarenkiinde zur angewandten Anatomie herüber zu
schlagen. Aber eine grosse Entscheidung wurde dadurch noch nicht herbeigeführt.
Dieselbe konnte erst durch modenie Umarbeitung des Gesammtstoffes erfolgen, durch
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26
zielbewusstes Vorgehen und Belehren der Jünger dieser Richtung, und hier war der
Mann der That Julius Wiesner in Wien, der zuerst an der dortigen Technischen
Hochschule die Fundamente der ganzen uns heute beschäftigenden Richtimg neu be-
gründete. Seine Einleitung in die ..Technische Mikroskopie“ vom Jahre 1867 und seine
erste Ausgabe der „Rohstoffe des Pflanzenreiches“ im Jahre 1873 sind die Marksteine
der eigenartigen und kräftigen Entwickelung eines neuen Lehrzweiges angewandter
Botanik. Auch nach seinem llebertritt von der Technischen Hochschule zur pflanzen-
physiologischen Lehrkanzel an der Universität in Wien hat Wiesner dieses Kind seiner
ersten wissenschaftlichen Anstrengungen weiter gepflegt und konnte es unter der Obhut
von Schülern kräftig heranwacbsen sehen. So ist die zweite Ausgabe seiner „Rohstoffe“,
von der jetzt erst noch der 1. Band vollendet vorliegt*). ein ebenso bedeutungsvoller
Markstein für das Ende unseres Jahrhunderts. Nicht weniger als elf Autoren haben
neben Wiesner an demselben mitgewirkt, ausser Mikosch in Brünn und Molisch in
Prag lauter Wiener Naturforscher; ihr stattlicher Kreis zeigt ebenso deutlich den Um-
fang und die Mannigfaltigkeit verschiedenartiger Beziehungen in der Rohstofflebre, als
die BlUthe, zu der dieser Zweig der Wissenschaft gerade in Wien gelangt ist. „Die
technische Waarenknnde auf wissenschaftliche Grundlage gestellt zu haben bleibt ein
Verdienst Wiesner's“, so lautet in knappen, sehr viel Wahrheit in sich schliessenden
W'orten ein Ansspruch in der Geschichte der Botanik in Wien im Jnbelbande der
dortigen zoologisch -botanischen Gesellschaft 1901.
Die einer wissenschaftlich begründeten Lehre von den technisch verwendeten Roh-
stoffen des Pflanzenreichs zufallendeu Aufgaben erstrecken sich auf folgende Hauptpunkte ;
1. Genaue Unterscheidung.
2. Ermittelung der die Verwendung beeinflussenden Eigenschaften, vom botanischen
.Standpunkte.
3. Ermittelung der Herkunft und (iewinnnngsweise ;
a) nach anatomischer Organographie,
b) nach systematischer rharakterisirnng.
c) nach Heimath. bez. f'ulturgebiet imd geographischen Rassen.
Zumeist werden sich die praktischen Technologen mit Punkt 1 — 2 begnügen und
sich durch diese zu mikroskopischen Untersuchungsmethoden führen lassen.
Immer mehr stellt sich eine nützliche Arbeitstheilung zwischen Mitteleuropa und
den reichen tropischen ProductionslUndem heraus der Art, dass die Entfaltung der
technologischen Industrie zur Verarbeitung von Rohstoffen in den Ländern der närdlich
gemässigten Zone statttindet, während die Tropen zur Entfaltung des Plantageubaues
und der rationellen Ausbeutung natürlicher Vegetationsbestände zur Gewinnung solcher
Rohstoffe schreiten. In der Vielseitigkeit wissenschaftlicher und praktischer
Rücksichten entwickelt sich dabei die U ohstofflehre der Pflanzen zu
einer besonderen Disciplin. und der Lage der .Sache nach zu der bota-
nischen Besonderheit technischer Hochschulen.
So können wir heute mit besonderem Stolz auf das schauen, was auf diesem Ge-
biete von 1870 — 1900 geleistet worden ist; war die erste Periode der Geschichte der
„Technischen Botanik“ von 1793 — 1867 im Wesentlichen „Waarenkunde“. so gestaltete sich
die zweite Periode seit Wiesner's „Techni.scher Mikroskopie“ zu einer strebsamen
Vertiefung auf dem Gebiete der anatomisch physiologischen Mikroskopie, welche leb-
haften Antheil an dem Gesammtfortschritte der lVissen.schaft nahm und in einer grossen
Zahl technisch wichtiger Ptlanzenkürper das wi.sseiischaftliche Lehrgebäude selbständig
förderte. Allseitig ist das Interesse an den Nutzpflanzen und ihren Prodneten erwacht;
die botanischen Museen eröffnen diesen ihre Säle und bemühen siih, gemeinnütziges
Wissen dadurch zu fördern; Monographien aus ilen Tropen werden in ihnen zu dem
Zwecke bearbeitet, wie z. B. der grosse Band über die „Nutzpflanzen üstafrikas“ ans
dem Berliner .Museum. Gleichzeitig arbeitet ilie Chemie mächtig an der .Synthese so
vieler Hinge, die sie aus dem Pflanzenreiche kennen lernte, und sucht die Natur der
Rohstoffe von ihrem .Standpunkte aus ebenfalls zu charakterisiren uml aufznhellen.
So lässt sich erwarten, dass die tei hnischen Hochschulen diesen Zweig der Botanik
weiterhin kräftig ausbilden helfen «erden, den sic als ihr eigenstes Gebiet im Kreise
der organischen Natnrwissen.sc haften überkommen haben. Die jetzt noch geringe Schüler-
zahl wird sich in dem Umfange heben, wie die Verwendung der analytischen Mikros-
•) Die Rohstoffe des Pflanzenreichs, Versuch einer technischen Rohstofflehre des
Pflanzenreiches. Von Ur. .lulius Wiesner. Leipzig. Verlag von W. Engelmann.
Bd. I, 1900. 795 8. 8 ».
26
kopie auch in den Unterauchuugaiimteni für Nahmngsmittel und für Inndwirtbscbaft-
liche Gewerbe steigt. Die einmal geknüpfte Verbindung der Botanik mit den tech-
nischen Hochschulen wird sich von selbst kräftigen und vertiefen, sowohl wegen ihrer
jetzt die weitesten Kreise beschäftigenden physiologischen Lehrmethode, als auch wegen
der den Sinn auf grosse Verbindungen richtenden Weltlage.
Privatus K. Schiller lässt zum Schluss einen Polyporus giganteus
circulireu.
Sechste Sitzung am 28. NoTember 1901. Vorsitzender; Prof. Dr.
f’r. Foerster. — Anwesend 51 Mitglieder und 4 Gäste.
Nach der Wahl der Beamten der Gesellschaft für das Jahr 1902
(s. S. 29) spricht
Dr. A. Schlossmann unter Vorführung zahlreicher Projectionsbilder
über die biologischen Anschauungen des 19. Jahrhunderts.
An den Vortrag schliesst sich eine längere Discussion, an welcher
sich Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude, Prof. Dr. Fr. Foerster, Geh. Hof-
rath Prof. Dr. E. von Mej'er und der Vortragende betheiligen.
Siebente Sitzung am 19. December 1901. Vorsitzender: Prof. Dr.
Fr. Foerster. — .\nwesend 61 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. Dr. H. Nitsche spricht in längerem, durch Wand-
tafeln, Projectionsbilder, Geweihe und Modelle erläutertem Vortrage über
das Kenthier als Jagd- und Hausthier der Polarvölker.
Hervorznheben ist ans der Darstellung, dass der Vortragende, gestützt auf eigene
eingehende Studien, nachweist, dass das Renthier von den verschiedenen altweltlichen
Polarvfilkem als Hansthier in vier ganz verschiedenen Weisen genützt wird.
Bei den Lappen ist das Ken im Sommer Jlelkthier und Tragtbier, während es im
Winter einspännig den einem halben Boote ähnlichen Schlitten zieht. AU Keitthier
verwenden es die Lappen niemals
Bei allen weiter Ustlich wohnenden Kenthierzüchtem wird das Ken dagegen nicht
gemolken, sondern nur als Transportthier verwendet.
Bei den Samojeden zieht dasselbe sowohl im Sommer wie im Winter den mehr-
spännigen Kufenscblitten, dessen Sitz ziemlich hoch über den Kufen steht.
Von den Tungusen (und Jakuten) « ird das Ken nicht vor den .Schlitten gespannt,
sondern als Reit- und Tragtbier benutzt. Reit- und Lastsattel sind nach dem Muster
des gewöhnlichen Boeksattels für Pferde gebaut, so dass dieser Lastsattel sich typisch
unterscheidet von dem nach ganz anileren Prineipien gebauten Lastsattel der Lappländer.
Die Behringsvölker des östlichsten Asiens, besonders die Tsclmktschen und K^f^äken
benutzen dagegen das Ren wieder ausschliesslich als Zugthier an mehrspännigen Kufen-
schlitten. dessen Sitz aber, wie der der Hundeschlitten, sehr niedrig steht.
Aus letzteren Thatsachen ergiebt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass bei
den Tungusen die Renthiernutzung nicht ursprünglich üblich war, sondern bei ihnen
das Ren an die Stelle des Pferdes trat, als dieser mongolische Volksstamm aus seiner
ursprünglichen südlichen Heimath in die polaren Gebiete hinaufgedrängt wurde.
Ebenso scheinen die Bebringsvölker ans ihrer eigentlichen Heimath, dem nörd-
lichsten Amerika nur den Hund als Zugthier mitgebracht und erst in Asien das Ren
als theilweisen Ersatz für ihn angenommen zu haben.
Excursion. An Stelle der Hauptversammlung vom 26. September 1901
fand am Nachmittag des 28. September d. J. unter Führung von Prof.
H. Engelhardt eine Besichtigung des Albertparkes in Dresden-
Neustadt statt, au welcher sich 12 Mitglieder und Gäste betheiligten.
Digitiz: ;: 1 . CoO^Ic
27
TeränderuDgen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 14. September 1901 starb in Blasewitz Architect Richard Günther,
wirkliches Mitglied seit 1891.
Am 1. December 1901 starb der consultirende Bergingenieur Adolf
Hering, von 1895—1899 wirkliches Mitglied unserer Gesellschaft, seitdem
correspondirendes Mitglied in Freiberg.
am 24. Oc-
tober 1901;
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Barthel, Theod., Kais. Obertelegraphenassistent in Dresden, am 19. De-
cember 1901;
Dieseldorff, Arth., Dr. phil., Assistent am raineralog. Institut
der K. Technischen Hochschule in Dresden,
Fehrmann, Max, Bürgerschullehrer in Dresden,
Gerlach, G. Th., Dr. phil., I’rivatus in Dresden, am 28. November 1901;
Hesse, Waith., Dr. med., Mediciualrath in Dresden, i ..
His, Wilb., Dr. med,, Oberarzt am städtischen Krankenhaus I 19. De-
in Dresden,
Hoffmann, Rieh., Dr. med. in Dresden, J l^Oli
Kunz-Krause, Herrn., Dr. phil, Professor an der K. Thierärztlichen Hoch-
schule in Dresden, am 28. November 1901;
Meigen, Frdr., Dr. phil, Realschuloberlehrer in Dresden, am 19. De-
cember 1901;
Meiser, Emil, Mechaniker in Dresden, am 28. November 1901;
Müller, Otto, Dr. med. in Dresden, am 19. December 1901;
Richter, M. Em., Dr. jur., Rechtsanwalt in Dresden, am 28. November 1901;
Rössner, Paul, Bezirksschullehrer in Löbtau, ;
Schanz, Fritz, Dr. med. in Dresden, / December 1901.
In die wirklichen Mitglieder sind übergetreten:
Staues, Waith., Dr. phil, Chemiker in Dresden;
Vater, Heinr., Dr. phil, Professor an der K. Forstakademie in Tharandt.
Neu ernanntes Ehrenmitglied:
Radde, Gust., Dr. phil, Kais. Russ. Staatsrath, Director des Kaukasischen
Museums in Tiflis, am 28. November 1901.
In die correspondirenden Mitglieder ist übergetreten:
Petrascheck, Wilh., Dr. phil, Sectionsgeolog in Wien.
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28
Freiwillige Keiträge zur tiesellschaftskasse
zahlten: Dr. Anithor, Hannover, 3 Mk.; Prof. Dr. Bachmann, Plauen i.
3 Mk.; K. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. ModelleurBlaschka,
Ilosterwitz, 3 Mk.; Privatus Eisei, Gera, 3 Mk.; Bergmeister Hartung,
Lobenstein, 4 Mk.; Bergingenieur Hering, Freiberg, 3 Mk. 15 Pf.; Prof.
Dr. Hibsch, Liebwerd, 3 Mk.; Bürgerscbullehrer Hofmanu, Grossenhain,
3 Mk.; Apotheker Dr. Lange, Werningshausen, 6 Mk.; Fabrikbesitzer
Dr. Nascbold, Aussig, 15 .Mk. 10 Pf.; Prof. Naumann, Bautzen, 3 Mk.;
Stabsarzt Dr. Naumann, Gera, 3 Mk.; Betriebsingenieur a. D. Prasse,
Leipzig, 0 Mk.; Dr. Reiche, Santiago -Chile, 3 .Mk.; Director Dr. Ueide-
ineister, Schönebeck, 3 Mk.; Prof. Dr. Schneider, Blasewitz, 9 Mk.;
Oberlehrer Seidel I, Zschopau, 3 Mk. 20 Pf.; Rittergutspachter Sieber,
Grossgrabe, 3 .Mk. 15 Pf.; Fabrikbesitzer Dr. Siemens, Dresden, 100 .Mk.;
Dr. Stauss, Hamburg, 3 Mk.; Prof. Dr. Sterzei, Chemnitz, 3 Mk.; Landes-
geolog Dr. Steuer, Darmstadt, 3 Mk. 10 Pf.; Prof. Dr. Vater, Tharandt,
3 Mk.; Oberlehrer Wolff, Pirna, 3 Mk. — In Summa 197 Mk. 70 Pf.
G. Lehmann,
Kassirer der „Isis“.
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29
Beamte der Isis im Jahre 1902.
Torstand.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. Fr. Foerster.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Kassirer: Hofbuclihändler G. Lehmann.
Directorium.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. P’r. Foerster.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Als Sectionsvorstände:
Geh. Hofrath Prof. Dr. II. Nitsche,
Geh. Ilofrath Prof. Dr. 0. Drude,
Prof. Dr. E. Kalkowsky,
Prof. Dr. J. Deichmü Iler,
Privatdocent Dr. A. Schlossinann,
Prof. Dr. Ph. Weinmeister.
Erster Secretär: Prof. Dr. J. Deichmüller.
Zweiter Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
Terwaltungsrath.
Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Mitglieder: 1. Fabrikbesitzer L. Guthraann,
2. Privatus W. Putscher,
3. Fabrikbesitzer E. Kühnscherf,
4. Prof. Dr. G. Helm,
5. Prof. H. Fischer,
6. Fabrikbesitzer Dr. Fr. Siemens.
Kassirer: Hofbuchhändler G. Lehmann.
Bibliothekar: Privatus K. Schiller.
Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
Sectionsbeamte.
I. Seotion für Zoologie.
Vorstand: Geh. Hofrath Prof. Dr. H. Nitsche.
Stellvertreter; Oberlehrer Dr. J. Thallwitz.
Protocollant: Institutsdirector A. Thümer.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
n. Seotion für Botanik.
Vorstand: Geh. Hofnath Prof. Dr. 0. Drude.
Stellvertreter: Prof. K. Wobst
Protocollant: Garteninspector F. Ledien.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
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30
m. Seotion für Kineralogie und Geologie.
Vorstand: Prof. Ur. E. Kalkowskj'.
Stellvertreter: Prof. Dr. W. Bergt
Protocollant: Oberlehrer Dr. R. Nessig.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. P. Wagner.
IV. Seotion für prähistorisohe Forschungen.
Vorstand: Prof. Dr. J. Deichmüller.
Stellvertreter: Oberlehrer H. Döring.
Protocollant: Taubstuminenlehrer 0. Ebert
Stellvertreter: Lehrer H. Ludwig.
V. Seotion für Physik \ind Chemie.
Vorstand: Privatdocent Dr. A. Schlossmann.
Stellvertreter: Dr. A. Beythien.
Protocollant: Dr. H. Thiele.
Stellvertreter: Dr. K. Engelhardt.i
VT. Seotion für Mathematik.
Vorstand: Prof. Dr. Ph. Weinmeister.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. A. Witting.
Protocollant: Privatdocent Dr. E. Naetsch.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. J. von Vieth.
Redactionä-Comit4.
Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Secretärs.
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Bericht des Bibliothekars.
Im Jahre 1901 wurde die Bibliotliek der „Isis“ durcli folgende Zeit-
schriften und Bücher vermehrt:
A. Durch Tanseh.
I. El u r o p a.
1. Dentsohland.
Altenhury. Naturforschende üesellsohaft des Üsterlandes. — Mitteil., neue
Folge, 9. Bd. [Aa 69.]
Annaberg-Buchhoh: Verein für Naturkunde.
Amjsbnr<j-. Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg.
Bamberg- Naturforschende Gesellschaft. — XVIII. Bericht. [Aa 19.]
Bautzen'. Natui-wissenschaftliche Gesellschaft „Isis“.
Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verhandl., Jahrg.42.
[Ca 6.]
Berlin'. Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 52, Heft 3
und 4; Bd. 53, Heft 1-3. [Da 17.]
Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. —
Verband]., Juni 1900 bis April 1901. [G 55.]
Bonn: Naturhistorischer Verein der preussischen Rheinlande, Westfalens
und des Reg.-Bez. Osnabrück. — Verhandl., 57. Jahrg. [.Aa 93.]
Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Sitzungs-
ber., 1900. [Aa 322.]
Brannschweig : Verein für Naturwissenschaft.
Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XV, Heft 3;
Bd. XVII, Heft 1. [Aa 2.1
Breslau: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 78. Jahresber.
[Aa 46.]
Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft.
Chemnitz: K. Sächsisches meteorologisches Institut. — Jahrbuch, XVI. Jahrg.,
1. — 2. Abth. [Ec 57.] — Ahhandl.. Heft 5 — 6. [Ec 57b.| — Dekaden
Monatsberichte 1900. [Ec 57 c.] — Das Klima des Königreichs Sachsen,
Heft 6. [Ec 57.]
Danzig: Naturforschende Gesellschaft. — Schriften, Bd. X. Heft 2 — 3.
[Aa 80.]
Darmstadt: Verein für Erdkunde und Grossheraogl. geologische Landes-
anstalt. — Notizbl., 4. Folge, 21. Heft. [Fa 8.]
Donaueschingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Haar und
der angrenzenden Landesteile.
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Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber., 1899 — 1900.
[Aa 47.]
Dresden: Gesellschaft für Botanik und Gartenbau „Flora“. — Sitzungsber.
u. Abhandl., 4. u. 5. Jahrg. [Ca 26.]
Dresden: K. Mineralogisch -geologisches Museum.
Dresden: K. Zoologisches und Anthrop.-ethnogr. Museum.
Dresden: K. Oelfentliche Bibliothek.
Dresden: Verein für Erdkunde.
Dresden: K. Sächsischer Altertunisverein. — Neues Archiv für Sachs.
Geschichte und Altertumskunde, Bd. XXII. [G 76.]
Dresden: Oekonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mittbeil.
1900— 1901. |Ha 9.]
Dresden: K. Thierürztliche Hochschule. — Bericht über das Veterinär wesen
in Sachsen, 45. Jahrg. [Ha 26.]
Dresden: K. Sächsische Technische Hochschule. — Bericht über die K. Sachs.
Techn. Hochschule a. d. Jahr 1900 — 1901; Verzeichniss der Vorlesungen
und Uebungen sammt Stunden- und Studienplänen, S.-S. 1901, W.-S.
1901— 1902. [Je 63.] — Personalverz. Nr. XXIH. [Je 63b.]
Dürkheim: Naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz „Pollichia“. —
LVII. u. LVHI. Jahresber.; Mitteil. Nr. 13 — 15. [Aa 66.]
Düsseldorf: Xaturwissenschaftlicher Verein.
Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein.
Emden: Naturforschende Gesellschaft, — 85. Jahresber. [Aa 48b.]
Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer.
Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahrb., Heft XXV
bis XXVII. [Aa 263.]
Erlanjien: Physikalisch -medicinische Societät.
Franiefurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht
für 1901. [Aa 9a.]
Frankfurt a. M.: Physikalischer Verein. — Jahresber. für 1899 — 1900.
[Eb 36.]
Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks
Frankfurt. — „Helios“, 18. Bd.; Societatum litterae, Jahrg. XIV.
[Aa 282.]
Freiberg: K. Sächs. Bergakademie. — Programm für das 136. Studien-
jahr. [Aa 323.]
Freiburg i. B.: Natiirforschende Gesellschaft,
Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften.
Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.
Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. — Abhandl., Bd. 23. [Aa 3.J
Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Neues Lau-
sitzisches Magazin, Bd. 76; Codex diplomat. Lusatiae superioris II.
Bd. II, Heft 1. [Aa 04.1
Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz.
Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu -Vorpommern und
Rügen. — Mittheil., 32. Jahrg. [Aa 68.]
Greifsnald: Geographische Gesellschaft.
Guben: Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. —
Mittheil,, VI. Bd., Heft 6—8. [G 102.]
Güstrow: Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg.
Halle a. S.: Naturforschende Gesellschaft.
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33
Halle a. S.: Kais. Leopoldino-Carolinische deutsche Akademie. — Leopoldina,
Heft XXXVI, Nr. 12; lieft XXXVII. [Aa 62.]
Halle a. S.: Verein für Erdkunde. — Mitten., Jahrg. 1901. (Fa 16.]
Hamburg-. Naturhistorisches Museum. — Jahrbücher, Jahrg. XVlI, mit Bei-
heft 1—4. [Aa 276.]
Hamburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XVI, 2. Hälfte.
j^Aa 293.] — Verhandl., IH. Folge, 8. Heft. [Aa 293b.]
Hanmtnj: Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. — Verhandl.,
Bd. XI. [Aa 204.]
Hanau: Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde.
Hannover: Naturhistorisclio Gesellschaft. — Jahresber. 48 u. 49. [Aa 62.]
Hannover: Geographische Gesellschaft.
Heidelberg: Naturnistorisch-medicinischer Verein. — Verhandl., Bd. VI,
Heft 4—5. [Aa 90.]
Hof: Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde.
Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., Bd.XlV. [Aa 88.
Karlsruhe: Badischer zoologischer Verein. — Mitteil., Nr. 1 — 10. [Ba 27.
Kas,‘sel: Verein für Naturkunde. — Abhandl. und Bericht, Nr. 46. I Aa 242.
Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. — Zeitschr,,
Bd. XXIV, 2. Heft; Bd.XXV; Mittbeil., Jahrg. 1899 u. 1900. [Fa 21.]
Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. — Senriften,
Bd. Xll, 1. Heft. [Aa 189.]
Köln: Redaction der Gaea. — Natur und Leben, Jabrg. 37. [Aa 41.]
Königsberg i. Pr.: l’hy.sikalisch -ökonomische Gesellschaft. — Schriften,
41. Jahrg. [Aa 81.] — Bericht über die Verwaltung des Ostpreus-
sischen Provinzialmuscums von 1893 — 95. [Aa 81b.]
Königsberg i. P>-.: Altertums-Gesellschaft l’russia.
Krefeld: Verein für Naturkunde.
Landshut: Botanischer V'erein. — Bericht 16. [Ca 14.]
Leipzig: Naturforschende Gesellschaft. — Sitzungsber., Jabrg. 26 u. 27.
, [Aa 202.]
Leipzig: K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über
die Verband]., mathem.-phys. Classe, LII. Bd., Heft 6 u. 7; LIII. Bd.,
Heft 1—3. [Aa 296.]
Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuutersuchung. — Erläuterungen
zu Sect. Glauchau -VVaUlenburg (Bl. 94), 2. Aull. [De 146. J
Lübeck: Geographische Gesellschaft und naturhistorisches Museum. —
Mitteil., 2. Reihe, Heft 14 u. 16. [Aa 279 b.]
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Füi’stentura Lüneburg.
— Jahresh. XV, mit Erinnerungsschrift. [Aa 210.]
Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein.
Mainz: Römisch-germanisches Centralmuseum. — Bericht 1895 — 1900.
[G 145.]
Mannheim: Verein für Naturkunde.
Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesammten Naturwissen-
schaften. — Sitzungsber., Jahrg. 1899 u. 1900. [Aa 266.]
Meissen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Beobacht, d. Isis-
Wetterwarte zu Meissen i. J. 1900. [Ec 40.] — Mittheilungen aus den
Sitzungen des \'ereiusjahres 1900 — 1901. [.\a 319.]
Münster: Westfälischer I’rovinzialverein für Wissenschaft und Kunst.
Xeisse: Wissenschaftliche (iesellschaft „Philomathie“. — 30. Bericht. [Aa 28.]
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34
Nürnberg'. Naturhistorische Gesellschaft. — Festschrift zur Säcularfeier
1901. [Aa 5.]
Offenbach: \ ereiu für Naturkunde. — 37. — 42. Bericht. [Aa 27.1
Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein. — XIV. JahreAer. [Aa 177.]
I^issau: Naturhistorischer Verein. — 18. Jahresber. [Aa 56.]
Posen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Zeitschr. der boten. .Abtheil.,
7. Jahrg., Heft 3; 8. Jahrg., Heft 1 — 2. [Aa 316.]
Regensbury: Naturwissenschaftlicher Verein.
Regensburg: K. botanische Gesellschaft.
Reichenhach i. V.: Vogtländischer Verein für Naturkunde.
Reutlingen: Naturwissenschaftlicher Verein.
Schneeherg: Wissenschaftlicher Verein.
Stettin: Örnithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt.
Geflügelzucht, Jahrg. XXV. [Bf 67. J
Stuttgart: Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres-
hefte, Jahrg. 67. [Aa 60.]
Stuttgart: Württembergischer Altertunisverein. — Württemberg. Viertcl-
jahrshefto für Landesgeschichte, u. F., 10. Jahrg. [G 70.]
Tharandt: Redaction der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Laud-
wirtsch. Versuchsstationen, Bd. LV; LVl, Heft 1. (In der Bibliothek
der Versuchsstation ini boten. Garten.)
Thorn: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst.
Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen. — Die Saecularfeier mit
Festschr., 1901. [Aa 262.]
Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften.
Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben.
Weimar: Thüringischer botanischer Verein. — Mittheil., n.F., 15. Heft. [Ca 23.|
Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes.
Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde.
Würzburq: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. — Sitzungsber., Jahrg.
1900^ [Aa 85.]
Zerbst: Naturwissenschaftlicher Verein.
Zwickau: Verein für Naturkunde.
2. Oesterreioh-Üngarn.
Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein.
Bistritz: Gewerbelehrlingsschule. — XXV. Jahresber. [Je 105.]
Brunn: Naturforschender Verein. — Verhandl., Bd. XXXVHI, u. 18. Bericht
der meteorolog. Commission. [.Aa 87.]
Brünn: Lehrerverein, Club für Naturkunde. — Bericht HI. [Aa 330.]
Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft. — Földtaui Közlony, XXX.
köt., 10 — 12. füz.; XXXI. köt., 1 — 9. füz. [Da 25.]
Budapest: K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische
Akademie der Wissenschaften. — Mathemat. u. naturwissensch. Berichte,
14.— 16. Bd. [Ea .37.1
Graz: Naturwisseiischaftlicner Verein für Steiermark. — Mittheil., Jahrg.
1900. [Aa 72.]
Hermannstadt: SiebenbürgischerVercinfürNaturwissenschaften. — Verhandl.
und Mittheil., L. Jahrg. [Aa 94.]
Iglo: Ungarischer Karpathen erein.
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35
Innsbruck: Naturwissenschaftlich -mediciuischer V'erein. — Berichte, XXVI.
Jahrg. [Aa 171.]
Klagenfurt: Naturhistorisches Landes -Museum von Kärnthen. — Jahrbuch,
26. Heft. [Aa 42.] — Diagramme der magnet. ii. meteorolog. Beobacht,
zu Klagenfurt, 1900. [Ec 64]
Krakau: Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1900, Nr. 10; 1901,
Nr. 4-7. [Aa 302.1
Laibach: MuseaVerein für Krain.
Lim: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. — 30. Jahresber.
[Aa 213.]
Lim: Museum Francisco-Carolinum. — 59. Bericht nebst der 53. Lieferung
der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. [Fa 9.]
Prag: Deutscher naturwissenschaftlich -medicinischer Verein für Böhmen
„Lotos“. — Sitzungsber., Bd. XX. [Aa 63.]
Prag: K.BöhmischeGesellschaftder Wissenschaften. — Sitzungsber., mathem.-
naturwissensch. CI., 1900. [Aa 269.] — Jahresber. für 1900. [Aa 270.]
Prag: Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Gescnäftsber.
1900. [.\a272.] — Pamätky archaeologicke, dil.XVIIl, ses.6 — 8; dil.XlX,
ses. 1 — 5. [G71.] — StaroJit nosti zeme ceske, dil. 1, svazek2. [G71.]
P-ag: Lese- und Uedehalle der deutschen Studenten. — Jahresber. für 1900.
[Ja 70.]
Pag: Ceska Akademie Cisafe Frantiska Josefa. — Uozpravy, trida II,
roenik 9. [Aa 313.]
P-esburg:\' cvc\n für Heil- und Naturkunde. — Verband!., n.F., Heft 12. [Aa92.]
lieichenberg : Verein der Naturfreunde. — Mittheil., Jahrg. 32. [Aa 70.]
iSalzlnirg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mittheil., Bd. XL.
[Aa 71.]
Temesviir: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes-
zettudoraänyi Füzetek, XXIV. köt., füz. 4; XXV'. köt. [Aa 216.]
Trencsin: Naturwissenschaftlicher V'erein des Trencsiner Comitates.
Triest: Museo civico di storia naturale.
Triest : Societä Adriatica di scienze naturali.
Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. — Mittheil, der praehistor.
Commission, Bd. 5. [G 111.] — Anzeiger, 1898, Nr. 13—27; 1899;
1900; 1901, Nr. 1-20. [Aa 11.]
Wien: Verein zur V^erbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. —
Schriften, Bd. XLI. [Aa 82.]
Wien: K. K. naturhistorisches Hofmuseum. — Annalen, Bd. XV, Nr. 3 — 4.
[Aa 280.]
Wien: Anthropologische Gesellschaft. — Mittheil., Bd. XXX, Heft 6;
Bd. XXXI, Heft 1 — 5; Generalregister zu Bd. XXI — XXX. [Bd 1.]
Wien: K. K. geologische Reichsanstalt. — Abhandl., Bd. XVI, Heft 1. [Da 1.]
— Jahrbuch, Bd. L, Heft 2. [Da 4.] — V'erhandl., 1900, Nr. 13 — 18;
1901, Nr. 1 — 14. [Da 16.] — Geologische Karte der Oesterreich-
Ungarischen Monarchie. S.-W.-Gruppe, Nr. 71 u. Nr. 121, mit Erläut
(Da 33.]
Wien: K. K. zoologisch -botanische Gesellschaft — Verhandl., Bd. L, u.
Festschrift. [Aa 95.]
Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität.
Wien: Central - Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. — Jahr-
bücher, Jahrg. 1898; 1899, 1. Theil. [Ec 82.]
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3. Rumänien.
Bukarest; Institut meteorologique de Roumanie.
4. Schweiz.
Aarau: Aargauische naturforscliende Gesellschaft. — Mittheil., Heft9.[Aa317.]
Basel: Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XIII, Heft 1 — 2;
Register für Bd. XI — XII; Bd. XIV. [Aa 86.J
Bern: Naturforschende Gesellschaft. — Mittheil., Nr. 1451— 1499. [Aa 254.1
Bern: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte, Heft 11. [Ca 24.J
Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft. — Verhandl. der 82.
u. 83. Jahresversammlung. [Aa 255.]
Chur: Naturforschende Gesellschaft Graubündens.
Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesellschaft — Mitteil., Heft 14.
[Aa 261.]
Freiburg: Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. — Bulletin, vol. VIII.
[Aa 264.] — Memoires: Chemie, Bd. I, no. 1 — 2; Botanik, Bd. I, no. 1;
Geologie und Geographie, Bd. I. [Aa 264b.]
St.Gallen: Naturforschende Gesellschaft — Bericht für 1898— 99. [Aa 23.]
Lausanne: Societe Vaudoiso des Sciences naturelles. — Bulletin, 4. ser.,
vol. XXXVI, no. 138; vol. XXXVU, no. 139 — 141. [Aa 248.]
Netichatel: Societe des Sciences naturelles.
Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mittheil.,
Vol. X, Heft 8. [Bk 222.]
Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles.
Winterthur: Naturwissenschaftliche Gesellschaft.
Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Vierteljahrsschr., Jahrg. 45,
Hefts — 4; Jahrg. 46, Heft 1 — 2. [Aa 96.] — Neujahrsbl. 1901. [Aa 96b.]
5. Frankreich.
Amiens: Societe Linneenne du nord de la France.
Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles. — Memoires.
ser. 5, tome V, cah. 2; appendice au tome V; proces verbaux. annee
1899—1900. [Aa 253.]
Cherbourg: Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. —
Memoires, tome XXXI. [Aa 137.]
Dijon: Academie des Sciences, arts et belles lettres. — Memoires, tome VII.
[Aa 138.]
Le Mails: Societe d’agricnlture. Sciences et arts de la Sarthe. — Bulletin,
tome XXIX, fase. 4; tome XXX, fase. 1. [Aa 221.]
Lgon: Societe Linneenne.
Lgon: Societe d’agriculture, Sciences et industrie.
Lyon: .\cademie des Sciences et lettres.
Baris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXV. [Ba 24.1
Toulouse: Societe Fran^aise de botanique.
k
6. Belgien.
Brüssel: Societe royale malacologique de Belgique. — Anuales, tome XXXIV
bis XXXV. [Bi 1.]
Brüssel: Societe entomologique de Belgique. — .\nnales, tome XLIV.
[Bk 13.] — Memoires, tome VIII. [Bk 13b.]
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Brüssel: Societe royale de botauique de Belgicjue. — Bulletiu, tome XXXIX.
rCa 16.J
Genwloux: Station agronoinique de l’etat. — Bulletin, no. 69 — 70. [Hb 76.]
Lüttich: Societe geologique de Belgique.
7. Holland.
Gent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“.
Groningen: Naturkundig Genootschap. — Centralbureau voor de Kennis
van de Provincie Groningen en omgebgen streken; Beidragen, deel I,
stuk 3-4. jjc 80 b.]
Harlein: Museo Teyler. — Archives, ser. II, vol. VII, p. 3. [Aa 217.]
Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Arcbives Neerlaudaises
des Sciences exactes et naturelles, ser. II, tome IV, livr. 2 — 3; tome
V u. VI. [Aa 257.]
8. Lnxembnrg.
Luxemburg: Societe botanique du Grandduche de Luxembourg. — Memoires
et travaux, Nr. XIV. |Ca 11.]
Luxemburg: Institut grand-ducal. — Publications, tome XXVI. [Aa 144.]
Luxemburg: Verein Luxemburger Naturfreunde „Fauna“. — Mittheil., 10.
Jabrg. [Ba 26.]
9. Italien.
Brescia: Ateneo. — Commentari jier l'anno 1900. [Aa 199.]
Catania: Accademia Gioenia di scicnze naturale. — Atti, ser. 4, vol. XIII.
[Aa 149.] — Bollettino, fase. LXIV — L.XX. [Aa 149b.]
Florenz: It. Institute. — Section für Physik und Naturgesch., Publicat.,
Nr. 28 — 29; Section für Medicin und Chirurgie, Publicat., Nr. 15,
18-20. [Aa 229.]
Florenz: Societä entomologica Italiana. — BuIIettino, anno XXXII, tr. 4;
anno XXXIII, tr. 1 — 2. [Bk 193.]
Mailand: Societä Italiana di scienze naturali. — Atti, vol. XXXIX,
fase. 3 — 4; vol. XL, fase. 1 — 3. [Aa 150.] — Memorie, vol. VI, fase. 3.
[Aa 160b.]
Mailand: R. Institute Lombardo di scienze e lettere. — Uendiconti, ser. 2,
vol. XXXIII. [Aa 161.] — Memorie, vol. XVIII, fase. 11; vol. XIX,
fase. 1 — 4. [Aa 167.]
Modena: Societä dei naturalisti.
lüdua: Societä Veneto Trentina di scienze naturali.
Falermo: Societä di scienze naturali ed economiche. — Giornale, vol. XXII.
[Aa 334.]
Farma: Redazione del BuIIettino di paletnologia Italiana.
r^sa: Societä Toscana di scienze naturali. — Processi verbali, vol. XII (26. XI.
1900-5. V. 1901.) [Aa 209.)
Rom: Accademia dei Lincei. — Atti, Rendiconti, ser. 5, vol. IX, 2. sem.,
fase. 11 — 12; vol. X, 1. sem.; 2. sem., fase. 1 — 11. [Aa 226.]
Rom: R. Comitato geologico d’ltalia.
Turin: Societä meteorologica Italiana. — Bollettino mensuale, ser. II,
vol. XX, no. 7 — 12; vol. XXI, no. 1 — 8. [Ec 2.]
Venedig: R. Instituto Veneto di scienze, lettere e arti.
Verona: Accademia di Verona. - Atti e Memoire, ser. IV, vol.L, fase. 1. [Ilal4.j
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10. ßrossbritannien und Irland.
Dublin: Royal geological society of Irland.
Edinburg: Geological Society. — Transactions, vol. VIII, p. 1. (Da 14.]
Edinburg: Scottish meteorological society. — Journal, new. ser., no.70 — 79.
[Ec 3.]
Glasgow: Satural history society.
Glasgow: Geological society.
Manchester: Geological society. — Transactions, vol. XXVII, p.l — 7. [Da 20.]
Neucastle-upon-Tgne: Tyneside naturalists field club, und: Natural history
society of Northuniberland, Durham and Newcastle-upon-Tyne.
11. Schweden, Norwegen.
Bergen: Museum. — Aarsberetning 1900; Aarbog 1900, 2. Heft und 1901,
1. Heft, [Aa 294.] — Meeresfauna von Bergen, Heft 1. [Aa 294b.]
Christiania: Universität.
Christiania: Foreningen til Norske fortidsmindesmerksers bevaring. —
Aarsberetning for 1898 — 1900. [G 2.] — Kunst og handverk fra
Norges fortid, 2. Reihe, Heft 4. 81.]
Stockholm: Entomologiska Foreningen. - Entoraologisk Tidskrift, Arg. 21.
[^Bk 12.1
Stodaiolm: K. Vitterbets Historie ocb Antiqvitets Akademien. — Mänuds-
blad, 1896 u. 1900. [G 135 a.]
Tromsoe: Museum. — Aarsberetning 1898 — 1900; Aarshefter XXlIl. [Aa243.]
Upsala: Geological Institution of the university. — Bulletin, vol. V, p. 1.
[Da 30.]
12. Russland.
Ekatlutriiienburg: bociete Ouralienne d'amateurs des Sciences naturelles. —
Bulletin, tome XXII. [Aa 259.]
Helsingfors: Societas pro fauna et nora fennica.
Kharkow: Societe des naturalistes ä l’universite imperiale.
Kiew: Societe des naturalistes. — Memoires, tome XVI, livr. 2. [Aa 298.]
Moskau: Societe imperiale dos naturalistes. — Bulletin, 1900; 1901, no. 1 — 2.
[Aa 134.] _
Odessa: Societe des naturalistes de la Nouvelle - Russie. — Memoires,
tome XXtll, p. 1—2. [Aa 256.]
Petersburg: Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, tome XVI;
tome XVHI, fase. 1 — 3. [Ca 10.]
Petersburg: Comite geologique. — Bulletins, vol. XIX; XX, uo. 1 — 6. [Da 23.]
— jfeiuoires, vol. XIII, no. 3; vol. XVHI, no. 1 — 2. — Bibliotheque
geologique de la Russie, 1897. [Da 24.]
Petersburg: Physikalisches Centralobservatoriuin. — Annalen, Jahrg. 1899.
[Ec 7.]
Petersburg: Aeademie imperiale des Sciences. — Bulletin, nouv. serie \,
tome XII, no. 2 — 5; tome XIII, no. 1 — 3. [Aa 315.]
Petersburg: Kaiserl. mineralogische Gesellschaft. — Verhandl., 2. Ser.,
Bd. 38, Lief. 2; Bd. 39, Lief. 1. [Da 29.1 — Travaux de la section
geologique du cabinet de sa majeste, vol. III, livr. 2; vol. IV. [Da 29c.]
Piga: Naturforscher-Verein. — .Arbeiten, n. F., 10. Heft. [Aa 12.] —
Korrespondenzblatt, XLIV. [Aa 34.]
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11. A. m e 1* i k a.
1. Nord- Amerika.
Albany. New York state museum of natural history. — Ännual report
49, p. 3; 50, p. 2; 51. [.\a 119.]
Baltimore: John Hopkins university. — University circulars, vol. XIX,
no. 144 — 147; vol. XX, no. 148 — 153; vol. XXI, no. 154. [Aa 278.] —
American Journal of nrntlieraatics, vol. XXII, no. 2 — 4; vol.XXlII. [Ea38.]
— .American Chemical Journal, vol. XXIII, no.5 — 6; vol. XXIV; vol. XXV;
vol. XXVI, no. 1—3. [Ed 60.] — Studies in histor. and politic.
Science, ser. XVIII, no. 5 — 12; ser. XIX, no. 1 — 9. [Fb 125.] —
American Journal of philology, vol. XXI, no. 1 — 4; vol. XXII, no. 1— 2.
[Ja 64.] — Maryland geological survey, Allegany county, w. Atlas;
Maryland and iU natural recources; eoceue report. [Da 35.]
Berkeley: University of California. — Departement of geology: Bulletin II,
no. 7; register 1899 — 1900, vol. II, no. 1; presidents report, vol. II,
no. 3; lihrary bulletin, no. 13. [Da 31.]
Boston: Society of natural history. — Proceedings, vol. XXIX, no. 9 — 14.
[Aa 111.] — Memoirs, vol. V, no. 6—7. [Aa 106.]
Boston: American academy of arts and Sciences. — Proceedings, new ser.,
vol. XXXVI, 9 — 29; vol. XXXVII, 1 — 3. [Aa 170.] — Occasional
papers, vol. I, p. 3. [Aa 111b.]
Buffalo: Society of natural Sciences. — Bulletin, vol. VII, no. 1. [Aa 185.]
Cambridye: Museum of comparative zoology. — Bulletin, vol. XXXVI,
110.5— 8; vol. XXXVII, no. 3; vol. XXXVIII, no. 1 — 4; vol. XXXIX,
no. 1. — Annual report 1898 — 1901. [Ba 14.]
Chicago: Academy of Sciences.
Oiicago: Field Columbian Museum. — Publications 46, 61 — 59. [Aa 324.]
Davenport: Academy of natural Sciences.
Halifax: Nova Scotian institute of natural science. — Proceedings and
transactions, 2. ser., vol. III, p. 2. [Aa 304.]
Latvrence: Kansas University. — Quarterly, seriesA: Science and mathe-
raatics, vol. IX, no. 3 — 4; vol. X, no. 1 — 2. [Aa 328.]
Madison: Wisconsin Academy of Sciences, arts ancl letters. — Transactions,
vol. XII, p. 2; vol. XIII, p. 1. [Aa 206.]
Mexiko: Socicdad cieutifica „Antonio Alzate“. — Memorias y Uevista,toraoXIII,
cuad. 1 — 2; tomo XIV, cuad. 11—12; tomo XV, cuad. 1—10. [Aa 291.]
Mexiko: Instituto geologico de Mexico: Bosqueio geologico, boletin 10 — 13.
[Da 32.1.
Milwaukee: Public Museum of tbe City of Milwaukee.
Milwaukee: Wisconsin natural history society. — Bulletin, new ser., vol. I,
no. 3—4. [Aa 23.3.]
Montreal: Natural history society. — The canadian record of science,
vol. VIII, no. 6. [Aa 109.1
Netv-Have7K Connecticut academy of arts and Sciences. — Transactions,
vol. X, p. 2. [Aa 124.]
New- York: Academy of Sciences.— Annals, vol. XIII, no. 1 — 3. [Aa 101.] —
Memoirs, vol. II, p. 2— 3. [Aa 258b.]
New -York: American museum of natural history.
Philadelphia: Academy of natural Sciences. — Proceedings, 1900, p. U — III;
1901, p. I. [Aa 117.]
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Philadelphia : American philosophical society. — Proceedings, vol. XXXIX ;
Tol. XL. [Aa 283.1
Philadelphia: Wagner iree institute of Science.
Philadelphia: Zoological society. — Animal report 29. [Ba 22.]
Rochester: Academy of Science. — Proceedings, vol. IV, pag. 1 — 64. [Aa312.J
Bochester: Geological society of America. — Bulletin, vol. XI; Index to
vol. I— X. [Da 28.]
Salem: Essex Institute.
San Francisco: California academy of Sciences. — Proceedings, 3. ser.,
vol. II, no. 1—6. [Aa 112.] — Occasinal papers, vol. VII. [Aa 112 b.]
St. Pjoxtis: Academy of Science. — Transactions, vol. IX, no. 6 — 9; vol. X,
no. 1 — 8. [Aa 125.]
St. Liouis: Missouri botanical garden. — 12. annual report. [Ca 25.]
Topeka: Kansas academy of Science.
Toronto: Canadian institute. — Proceedings, vol. II, p. 4. [Aa 222.] —
Transactions, vol. VII, p. 1. [Aa 222b.]
Tafts College.
Washington: Smithsonian Institution. — Annual report 1898 und 1899. —
Report of the U. St. nat. museum, 1897, p. 2; 1898; 1899. [Aa 120c.]
Washington: United States geological survey. — XX. annual report,
p. 2 — 7; XXI. annual report, p. 1, 6. [De 120a.] — Bulletin, no. 163
bis 176. [De 120b.] — Monograplis, vol. XXXIX u. XL. [De 120c.[
— Preliminary report on the Cape Nome gold region Alaska. [De 1 20d.[
Washington: Bureau of education.
Z. Sttd-Amerika.
Buenos-Aires: Museo nacional.— Comniunicaciones, toraol, uo.8-9. [Aal47b.]
Buenos- Aires: Sociedad cientifica Argentina. — Anales, tomo L, entr. 4 — 6;
tomo LI; tomo LU, entr. 1 — 3. [Aa 230.]
Cordoha : Academia nacional de eiencias. — - Boletin, tomo XVI, entr. 2 — 4.
[Aa 208 a.l
Montevideo: Museo nacional. — Anales, fase. XVII — XXL [Aa 326.]
Rio de Janeiro: Museo nacional.
San Jose: Instituto fisico-geografico y del niuseo nacional de Costa Rica. —
Insectos, Moluscos de Costa Rica. [Aa 297.1
Sao Ikulo: Commissäo geographica e geologica de S. Paulo.
Im Pf ata: Museum.
Santiago de Chile: Deutscher wissenschaftlicher Verein.
III. A. s i e n.
Batavia: K. naturkundige Yereeniging. — Natuurk. Tijdschrift voor
Nederlandsch Indie, Deel 60. [.\a 250.]
Calcutta: Geological survey of India. — Memoirs, vol. XXVIII, p. 2;
vol. XXX, p. 2; vol. XXXI, p. 1; vol. XXXIII, p. 1. [Da 8.] — Palaeon-
tologia Indica, ser. XV, vol. III, p. 2; ser. IX, vol. II, p. 2; vol. III, p. 1;
new. ser., vol. I, p. 3. [Da 9.] — General report 1900 — 1901. [Da 18.]
Tokio: Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. —
Mittheil., Bd. VIII, Th. 2 u. Supplem. [Aa 187.]
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IV. TVusti'a.lien.
Melbourne: Mining department of Victoria. — Annual report of the secretaiy
for mines, 1900. [Da 21.]
B. Durch Geschenke.
Aqitila, Zeitsclirift für Ornithologie, Jahrg. V — VI. [Bf 68.]
Beythien, A.: 11 Separata über Untersuchungen der Nahrungs- und Ge-
nussmittel. 1900. [Hb 129k — q.]
Blanford, W. T.i The distribution of vertebrale animals in India, Ceylon
and Burma. Sep. 1901. [Bb 69 b.]
Conuente, H.: Subfossile Reste der Wassernuss. Sep. 1900. [Cd 109 bj.
Credner, H.: Die vogtländiscben Erdbebenschwärrae während des Juli
und des August. Sep. 1900. [De 137i.]
Credner, //.: Das sächsische Schüttergebiet des Sudetischen Erdbebens
am 10. Januar 1901. Sep. [De 137k.]
Credner, H.: Armorika. Sep. 1901. |Dc 1371.]
Dat}ie,E.: 6 Separata über geologische\ erhältnisse in Schlesien. [Dcl96k— p.]
Deichmüller, J.: Die steinzeitlichen h'unde im Königreich Sachsen. Sep.
1900. [G 119C.1
Engelhardt, H.: Ueber Tertiärpflanzen vom Himmelsberge bei Fulda.
Sep. 1901. [Dd 94r.]
Fremd, A.: Ueber den Plusinglanz. Sep. 1901. [Db 93h.]
Fritsch, A.: Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformation
Böhmens. Bd. I\', Heft .3. [Dd 19.]
Geinitz, E.: Mittheilungen aus der Grossherzogi. Mecklenburgischen Landes-
anstalt. Nr. XII u. XIII. [De 217h-i.J
Ooppelsrocder, F.\ Capillaranalyse und das Emporsteigen der Farbstoffe
in den Pflanzen. Sep. 1901. [Cc 66.]
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Weltgeschichte. Mit Atlas. 1894. [Fb 133.1
Maiden, J.: Botauic gardens and domains in Sydney. Report for 1899. (Cd 118.]
Möhl, H.: Die Witterungsverhältnisse des Jahres 1900. [flc 91.]
Neupert, C.: Mechanik des Himmels und der Moleküle. 1901. [Ea 47.]
Niedenta, F.: Arbeiten aus dem botanischen Institut in Braunsberg, Ost-
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Worgitzky, 0.: Blütengeheimnisse. 1901. [Cc 68.]
Ziegler, J. und König, Das Klima von Frankfurt a. M. [Ec 85.]
C. Durch Kauf.
Abhandlungen der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft
Bd. XXV, Heft 2; Bd. XXVI, Heft 3; Bd. XXVIII. [Aa 9.]
Anzeiger für Schweizer Alterthümer, neue Folge, Bd. III, Heft 1, mit Beil. [G 1.]
Anzeiger, zoologischer, Jahrg. XXIV. [Ba 21.]
Bronn's Klassen und Ordnungen des Thierreichs, Bd. II, Abth. 3 (Echino-
dermen), Lief. 37 — 43; Bd. III (Mollusca), Lief 64 — 61; Suppl.,
Lief 26—30; Bd. V (Crustacea), Abth. 2, Lief 60—62; Bd. VI, Abth. 1
(Pisces), Lief 1. [Bb 54.]
Oehirgwerein für die Sächsische Schweiz : Ueber Berg und Thal, Jahrg. 1901.
[Fa 19.J
Hedungia, Bd. 40. [Ca 2.1
Jahrbuch des Schweizer Äipenclub, Jahrg. 36. [Fa 6.]
Monatsschrift, deutsche botanische, Jahrg. 19. [Ca 22.]
Nachrichten, entomologische, Jahrg. 17. [Bk 235.1 (Vom Isis-Lesezirkel.)
Natur, Jahrg. 49. [Aa 76.] (Vom Isis- Lesezirkel.)
Prähistorische Blätter, Jahrg. XHI. [G 112.]
Suess, E.: Das Antlitz der Erde. Bd. III, 1. [De 161.1
Wochenschrift, naturwissenschaftliche, Bd.XVL [AaSll.J (Vom Isis -Lese-
zirkel.)
Zeitschrift, allgemeine, für Entomologie, Bd. VI. [Bk 245.]
Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, Bd. 73, Nr. 3 — 6;
Bd. 74, Nr. 1 — 2. [Aa 98.1
Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 18. [Ec 66.]
Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. XVII, Heft 2 — 4;
Bd. XVIU, Heft 1—2. [Ee 16.]
Zeitschrift, Oesterreichische notanische, Jahrg. 51. [Ca 8.]
Zeitung, botanische, Jahrg. 59. [Ca 9.]
Abgeschlossen am 31. December 1901.
C. Schiller,
Bibliothekar der „Isis“.
Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der
„Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag
von 3 Mark können eine grosse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung
der Lesemappen zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Biblio-
thekar entgegen.
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Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1901.
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I. Charles Hermite*).
Von Martin Krause.
Am 14. Januar d. J. starb in Paris der Altmeister der französischen
Mathematiker, Charles Hermite. Ein Leben, ausgefüllt von der reinsten
und tiefsten Pflege unserer schönen Wissenschaft, reich an Erfolgen und
Ehren, nahm damit sein schmerzliches Ende. Wie weit verbreitet und
hochangesehen der Name Hermite war, wie einschneidend und mächtig
seine Arbeiten auf den verschiedenen Gebieten unserer Wissenschaft ge-
wirkt hatten, das zeigte sich vor allem an seinem 70. Geburtstage, den
er am 24. December 1892 in voller geistiger und körperlicher Frische
verleben durfte. Die gesamraten Mathematiker Frankreichs vereinigten sich
mit vielen Hunderten von Mathematikern aus der ganzen civilisirten Welt,
darunter die besten Namen, um ihm ihre Huldigung und den Ausdruck
ihrer Dankbarkeit darzubringen.
Wir Deutschen haben besonderen Grund, seiner mit Pietät zu gedenken.
Als junger Student sandte er seine Erstlingsarbeiten an Jacobi, aus dessen
Schriften sie hervorgegangeu waren, und nahm von ihm die ereten Lor-
beeren in seinem an Erfolgen so reichen Leben entgegen. Jacobi’s Ein-
fluss hat ihn sein Leben lang begleitet — die Fundameuta nova lagen
stets auf seinem Arbeitstische — daneben aber verbanden ihn unausgesetzt
enge wissenschaftliche und pei-sönliche Beziehungen mit den besten unserer
deutschen Mathematiker, mit Borchardt, Kronecker, Heine und vielen
der jetzt noch Lebenden. In einer etwas dürren Zeit war es ihm be-
schieden, das Studium der Werke von Gauss und von Jacobi in Frank-
i’eich heimisch zu machen, und während seines ganzen wissenschaftlichen
Lebens war er ein Vermittler der deutschen und der französischen Mathematik.
Als Rosenhain, als Kronecker, Kummer und Weierstrass uns durch
den unerbittlichen Tod entrissen wurden, da war er es, der ihren Verlust
in der französischen Academie verkündigte 'und dem Schmerze um den-
selben beredten .\usdruck gab. Als die Universität Heidelberg im Jahre
1886 ihr fünfhundertjähriges Jubiläum feierte, da nahm er als Ehrengast
und Vertreter der französischen Academie daran Theil, kurz, bei allen
Gelegenheiten, wo er konnte, zeigte er sein Interesse und seine Sympathie
für unsere deutsche Wissenschaft.
•) Vortrag, gehalten in der mathematischen Section der naturwissenschaftlichen
Gesellschaft Isis in Dresden am 18. April 1901.
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Umgekehrt aber ist sein Einfluss auf die Entwickelung der mathe-
matischen Studien in Deutschland in den letzten Jahrzehnten ein grosser
und mächtiger gewesen. In erster Linie waren es naturgemäss seine
Schriften, die sich hierbei wirksam zeigten, zumal ein wichtiger Theil der-
selben in deutschen Journalen veröffentlicht ist, daneben aber war es auch
der Einfluss seiner ebenso liebenswürdigen, wie mächtigen Persönlichkeit,
die sich in seinen Briefen an alle diejenigen aussprach, die sieb ihm
wissenschaftlich nahten. In seiner Begrüssungsrede am 24. December 1892
sagte Herr Darboux mit vollem Recht: „Accueillant avec bienveillance
toutes les Communications, M. Herraite n’a pas tarde ä entrer en relations
avec les etudiants et les geometres du monde entier. Repondant ä tous,
au plus humble comme au plus illustre, sans mesurer son temps ni sa
peine, que de fois il a su repandre d’une main liberale, et sans rien re-
clamer pour lui meme, ces indications geniales, qui communiquees ä un
esprit bien doue, peuvent Teclairir subitement, lui faire franchir le pas
dinicile et lui inspirer une longue suite d’excellents travaux.“
Unter diesem Briefwechsel nimmt der mit deutschen Mathematikern
einen hervorragenden Platz ein. Selbstverständlich ist es nicht möglich,
das von hier aus statistisch festzustellen, sicher aber hat Hermite durch
seine stets anerkennende, aufmuuternde und liebenswürdige Art auf viele
unserer deutschen Eaehgeuossen in glücklichster Weise gewirkt.
Da ist es denn eine Pflicht der Pietät, wenn seiner auch bei uns in
dankbarer und eingehender W’eise gedacht wird.
Ueber die äusseren Lebensschicksale Hermite’s ist mir nur wenig
bekannt geworden. Zu Dieuze in Lothringen im Jahre 1822 geboren, be-
suchte er nach einander das Lyceum von Nancy und die Lyceen „Henry IV“
und „Louis le Grand“ in Paris. Schon auf der Schule fesselte ihn die
Leetüre mathematischer Werke, insbesondere der Algebra von Lagrange
und der Zahlentheorie von Gauss. Er pflegte später öfters zu bemerken,
dass es vor allem diese Werke gewesen seien, aus denen er Algebra ge-
lernt habe. Ende 1842 bezog er die polytechnische Schule in Paris in
der Absicht, Ingenieur zu werden. Hier fesselte ihn aber das Studium
der reinen Mathematik in dem Grade, dass er die praktische Laufbahn
aufgab und sich ganz der reinen Mathematik zuwandte. 1848 begann
Hermite als Repetent für analytische Mathematik am Polytechnicum seine
Lehrthätigkcit. Ln Jahre 1856 wurde er zum Mitglieds der Pariser Academie
der Wissenschaften gewühlt, im Jahre 1862 schaffte man für ihn einen
Lehrstuhl an der Ecole Normale, nur wenig später wurde er zu gleicher
Zeit Professor an der Ecole Polytechnique und an der Sorbonne. Hier
entfaltete er eine äusserlich und innerlich reich gesegnete und bedeutungs-
volle Thätigkeit, unter anderem war es ihm vergönnt, jene hervorragenden
jungen Männer zu seinen begeisterten Schülern zu zählen, die jetet den
ersten Platz unter den Mathematikern Frankreichs einnehmen.
Bewunderungswürdig war die geistige Frische, die er sich bis an sein
Ende bewahrte. Bis in die letzten Lebensjahre hinein noch schöpferisch
thätig, beobachtete er die mathematische Entwickelung der neuesten Zeit
mit Liebe und mit Interesse. Fand auch nicht jede Phase derselben seine
Zustimmung, so schied er doch mit der Ueberzeugung und der Gewissheit
aus dem Leben, dass der Mathematik im 20. Jahrhundert eine glückliche
und grosse Zukunft gewiss sei.
6
Die Zahl der in vielen Zeitschriften der verschiedensten Länder zer-
streuten Arbeiten von Hermite ist eine sehr bedeutende, die Arbeiten
selbst erstrecken sich im wesentlichen auf drei Gebiete, die Analysis, die
Algebra und die Zahlentheorie.
Es kann mir nicht beikommen, im Laufe einer kurzen Stunde eine
eingehende und abgeschlossene Würdigung aller dieser vielen Arbeiten
geben und damit den wissenschaftlichen Inhalt eines so überaus reichen
und gesegneten Lebens erschöpfend darstellen zu wollen. Schon die Art
seiner Arbeiten würde das unmöglich machen. Mit dem sicheren Blicke
des Genies hat Hermite es verstanden, Probleme herauszufinden und zu
bearbeiten, die den Keim einer grossen Entwickelung in sich trugen, und
hat dieser Entwickelung die Wege gezeigt und geebnet. Unter solchen
Umständen schliesst eine eingehende Darstellung seiner Arbeiten zu gleicher
Zeit die Geschichte grösserer mathematischer Disciplinen in den letzten
fünfzig Jahren in sich und würde mehr Zeit beanspruchen als mir zur
V'erfügung steht Ich will mich daher damit begnügen, gewisse Arbeiten
analytischen Charakters zusammen mit ihren Anwendungen auf Algebra
und Zahlentheorie in etwas ausführlicherer Weise zu besprechen, die übrigen
Arbeiten Hermite’s dagegen nur kurz zu charakterisiren.
Eine überaus grosse Anzahl analytischer Arbeiten, die ihn vor allem
in den späteren Jahren seines Lebens in Anspruch nahmen, fällt in das
Gebiet der Differential- und Integralrechnung sammt deren mannigfachen
Anwendungen und Beziehungen zu anderen Theorien, wie der Theorie der
Fourier’schen Reihen, der elementaren, der Kugel, der Bemouilli’schen
und der Gammafunctionen. Es sind vielfach kleinere Aufgaben, die hier
behandelt werden. Hermite liebte es, einzelne specielle Probleme, auch
solche, die schon von anderen Analytikern behandelt waren, herauszugreifen
und in eigenartiger Weise zu Ende zu führen. Hierhin gehören Aufgaben
aus der Theorie der höheren Differentialquotienten, der Mac-Laurin’schen
Reihe, der Interpolationstheorie, der Partialbruch-Entwickelung gebrochener
Functionen, der Auswerthung bestimmter und unbestimmter Integrale,
Beziehungen zwischen der Integralrechnung und den Kettenbrüchen, Ent-
wickelung wichtiger Eigenschaften der Gammafunctionen und ähnliche
Probleme. Es sind nicht immer die höchsten Aufgaben, die sich hier dar-
bieten, gleichbleibend ist aber das analytische Geschick und die Originalität
in der Behandlung derselben. Es zeigt sich eine Meisterschaft und eine
Feinheit in der Behandlung des Calcüls, wie sie vor ihm etwa Cauchy
besessen hat und wie sie heute immer mehr und mehr im Verschwinden
begriffen ist.
Unter allen jenen vielen Arbeiten dürften nun wohl den ersten Platz
diejenigen über die Kettenbrüche einnehmen, die ihn lange beschäftigten,
ihn im Jahre 1873 zu der folgenschweren Untersuchung über die Zahl e
führten und damit die Brücke zur Lösung des Quadraturproblemes des
Kreises abgaben. Jahrhunderte lang hatten sich Berufene und Unberufene
damit beschäftigt, die Quadratur des Kreises mit Hülfe von Zirkel und
Lineal durchzuführen, ohne weder dieses Problem lösen, noch die Un-
möglichkeit seiner Lösung nachweisen zu können. Es ist das grosse Ver-
dienst von Hermite, hier die Wege geebnet zu haben. Im Jahre 1873
erschien die schon angedeutete Arbeit über die Zahl e. In ihr wies er
nach, dass e nicht Wurzel einer algebraischen Gleichung irgend welchen
Grades mit rationalen Coefficienten sein kann und zwar geschah der Nach-
.^Ic
6
weis mit Hülfe gewisser Belationen zwischen bestimmten Integralen, die
auf’s engste mit der Theorie der Kettenbrüche Zusammenhängen. Hermite
konnte damals einen Zusammenhang zwischen seinen Theorien und dem
Quadraturproblem nicht entdecken oder doch nicht durchführeu — wenigstens
schreibt er in demselben Jahre 1873 an Borchardt: „Je ne me hasarderai
point ä la recherche d’une demoustration de la transceiidance du nombre ft.
Que d’autres tentent l’entreprise, nul ne sera plus heureux que moi de
leur succes, mais croyez-m’en, mon eher ami, il ne laissera pas de leur
coüter quelques efforts“.
Und doch bildeten seine Untersuchungen die wesentliche Grundlage
für die Lösung des Problems, die im Jahre 1882 von Herrn Lindemaiin
gegeben wurde und allen bisherigen Versuchen einen glänzenden Abschluss
gab. Muss hiernach Herrn Lindemann schlechterdings die endgültige
Lösung des berühmten Problems als grosses Verdienst zugeschrieben werden,
so darf doch auch das Verdienst von Hermite hierbei nicht ausser Acht
gelassen werden. Mit Recht bemerkt hierzu Herr Camille Jordan;
„On se ferait une idee bien incomplete du role des grandes esprits en
les mesurant exclusivement sur les verites nouvelles qu’ils out enoncees
explicitement. Les methodes qu’ils out leguees ä leurs successeurs, en
leur laissant le soin de les appliquer ä de nouveaux prohlemes qu’eux-memes
ne prevoyaient peut-etre pas, constituent une autre part de leur gloire et
parfois la principale, comme le montre l’exemple de Leibnitz“.
Wir kommen nunmehr zu einer zweiten grossen Kategorie von Arbeiten,
die sich auf die Theorie der elliptischen und hyperelliptischen Transcen-
denten und deren mannigfache Anwendungen beziehen. Wie ein rother
Faden ziehen sich diese Arbeiten durch das Leben von Hermite — sie
beginnen mit dem Jahre 1843, werden zeitweise durch andere Arbeiten
durchbrochen, kehren aber bis in sein spätes Alter immer w'ieder. ln
einer seiner ersten Arbeiten aus diesem Gebiete, die sich in einem Briefe
an Jacobi aus dem Jahre 1844 befindet, wird schon jenes wichtige
Princip entwickelt, welches unter dem Namen des Hermite’schen Trans-
formationsprincipes bekannt geworden ist und eine überaus einfache Dar-
stellung der überwiegenden Slehrzahl der Thetarelationen zulässt. Kurz
skizzirt besteht der Inhalt jenes Theorems darin, dass alle ganzen trans-
cendenten Functionen, die gewissen Functionalgleichungen Genüge leisten,
sich aus einer bestimmten Anzahl bekannter Functionen linear zusaramen-
setzen lassen.
Hermite giebt in der citirten Arbeit die ersten Anwendungen auf die
Transformationstheorie — in späteren Jahren verwendet er sein Theorem
in ausführlicher Weise für die Entwickelung der gesammten Theorie der
elliptischen Functionen und zwar in dem Anhang zur sechsten .\usgabe
von Lacroix’s Traite üleracntairc de calcul difierentiel et integral. Andere
Autoren haben sich diesem Verfahren augeschlossen, insbesondere möge
hier auf das bekannte Werk von Weber verwiesen werden. Die Vorzüge
der hier vertretenen Auffassungsweise beruhen in der ungemeinen Durch-
sichtigkeit, Klarheit und Allgemeinheit der Methoden, Vorzüge, vor denen
die Nachtheile, die in der heuristischen Art des Vorgehens beruhen, zurück-
treten müssen.
Auch sonst hat Hermite sich mit der Transformationstheorie viel-
fach beschäftigt. In das Jahr 1858 fällt die vollständige Bestimmung der
Constanten für die lineare Transformation der Thetafunctionen mit Hülfe
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der Gaussischen Summen und etwa in dieselbe Zeit gehört die Auf-
stellung der Transformationstabellen für die schon von Jacobi eingefuhr-
ten achten Wurzeln der Moduln der elliptischen Functionen sowie einiger
anderer Ausdrücke. Beide Untersuchungen haben auf das Wesentlichste
zur Förderung der Transformationstheorie Anlass gegeben und eine weitere
Anzahl wichtiger Arbeiten aus demselben Gebiete hervorgerufen, von denen
hier nur an die Arbeiten der H. H. Weber und Koenigs berger erinnert
werden möge.
In eingehender Weise hat sich sodann Hermite mit den allgemeinen
doppelt periodischen Functionen beschäftigt, die er in drei Arten eintheilt.
Für die Functionen erster und zweiter Art giebt er eine Zerfällung in
gewisse Elementarfunctionen und auch bei den Functionen dritter Art, die
er vielfach in den Kreis seiner Betrachtungen zieht, ist ihm die Elementar-
function bekannt, auf welche Herr Appell in seinen grundlegenden Arbeiten
über diese Functionen geführt wird. Diese Elementarfunctionen sowie
andere einfache doppelt periodische Functionen der verschiedenen Arten
sucht Hermite auf mannigfachem Wege durch unendliche Reihen, seien es
Potenz oder F'ourier’sche Reihen, darzustellen. Er kommt hierbei in glück-
lichster Weise zu neuen Resultaten, die befruchtend und anregend auf die
spätere Entwickelung der genannten Disciplinen gewirkt haben und zu dem
eisernen Bestand der heutigen Theorie der elliptischen Functionen gehören.
Mit den angedeuteten Arbeiten ist der Kreis der Hermite’schen
Untersuchungen aus der Theorie der elliptischen Transcendenten aber noch
keineswegs abgeschlossen. Es finden sich noch Arbeiten über die ver-
schiedensten Theile derselben, über das Additionstheorem, über die Reihen-
entwickelungen für den Modul der elliptischen Functionen, über die Inte-
graltheorie, weitere specielle Fragen der Transformationstheorie u. s. f , so
dass man füglich sagen kann, dass es nur wenige Theile dieser weitver-
zweigten Wissenschaft geben dürfte, die von ihm nicht wesentlich ge-
fördert sind. Die Arbeiten reichen bis in sein Alter — es finden sich in
ihnen eine Fülle von Keimen, die noch der Entwickelung harren.
Neben der Pflege der eigentlichen Theorie hat Hermite es sich an-
gelegen sein lassen, Beziehungen zu andern Disciplinen herzustellen und zwar
zu der Algebra, der Zahlentheorie und der Theorie der Differentialgleich-
ungen.
Nachdem Abel im Jahre 1824 die Unmöglichkeit nachgewiesen hatte,
allgemeine algebraische Gleichungen vom 6. Grade mit Hülfe von Irrationali-
täten zu lösen, handelte es sich darum, Kategorien von Gleichungen heraus-
greifen, die algebraisch lösbar sind. Es war Galois beschieden, auf diesem
Gebiete bahnbrechend vorzugehen. Seine erste Arbeit über die algebra-
ische Auflösung der Gleichungen stammt aus dem Jahre 1830, seine letzten
Betrachtungen finden sich in einem Schreiben, das er einen Tag vor seinem
im Jahre 1832 ira Duell erfolgten Tode an seinen Lehrer Chevalier ge-
richtet hat. Galois stellt den so folgenschwer gewordenen Begriff der
Gruppe einer algebraischen Gleichung auf und wendet denselben auf die
Modulargleichungen an, die vor allem von Jacobi in die Theorie der
elliptischen Functionen eingeführt worden sind. Es gelingt ihm die Gruppe
derselben zu bestimmen, er giebt ferner an, dass die zu den Transforma-
tionsgraden 5, 7, 11 gehörenden Modulargleichuugen erniedrigt werden
können. An diese letzten Resultate von Galois knüpft Hermite an. In
einer berühmt gewordenen Arbeit vom April 1858 führt er die Reduction
.^Ic
8
für den 5. Transformationegrad wirklich durch. Die Modnlargleichnng ist
vom 6. Grade, nennt man ihre Wurzeln in bestimmter Reihenfolge i»j,
V,, t’g, v^, i'oo und setzt y = (v^ — voo) (Vj — fg) (u, — t;.), so leistet y einer
Gleichung 6. Grades Genüge, die unmittelbar aut die oekannte Jerrard-
Bring’sche Form zu reduciren ist. Damit war das lange vergeblich unter-
suchte Problem gelöst, die Auflösung der allgemeinen Gleichung B. Grades
in glänzender Weise zu Ende geführt Die Hermite’sche Entdeckung
traf sich mit einer von Kronecker. Schon im Juni desselben Jahres
theilte letzterer Hermite mit, dass er sich vor zwei Jahren mit ähnlichen
Untersuchungen beschäftigt habe und gab eine zweite Lösung desselben
Problems. Mit diesen beiden Arbeiten, denen sich sehr bald solche von
Brioschi anschlossen, war der Weg für die mächtige Entwickelung ge-
ebnet, welche die Theorie der Gleichungen 6. Grades seither gefunden hat.
Auch nach anderer Richtung hin zeigte sich die Beschäftigung mit
den Modulargleichungen für die Algebra von grosser Bedeutung. Es ge-
lang Hermite im Jahre 1859 die Discriminantengleichungen derselben
wirklich aufzulösen und damit eine neue Kategorie von Gleichungen höheren
Grades der Rechnung zugänglich zu machen. Der Grundgedanke dieser
Auflösung beruht darin, dass zu gleichen Moduln der elliptischen Func-
tionen Werthe der Thetaparameter gehören, die in einer linearen Bezieh-
ung zu einander stehen. Hermite hat diesen Satz seiner Arbeit aus dem
Jahre 1859 stillschweigend und ohne Beweis zu Grunde gelegt, im Jahre
1877 kommt er in einem Briefe an Herrn Fuchs auf denselben zurück und
zwar mit folgenden Worten: „N’y aürait il point lieu d’observer qu’en
faisant x-=f{H), il resulte de votre analyse que toutes les Solutions de
Teciuation f (H) = f (Ho) sont donnees par la formule H =
en insistant sur l’extreme importance de ce resultat, pour la deter-
ininatiou des modules singuliers de M. Kronecker, et en remarquaut (jue
les helles decouvertes de l’illustre geometre, sur les applications de la
tbeorie des fonctions elliptiques ä Parithmetique paraissent reposer essen-
tiellement sur cette proposition, dont la demonstration n’avait pas encore
ete donnee?“
Wir stehen hier bei einem der folgenschwersten Punkte in der Ent-
wickelung der heutigen Functionentheorie. Noch in demselben Jahre 1877
erklärte Herr Dedekind in seiner fundamentalen Arbeit über die Modul-
functionen jenen Satz als die Grundlage seiner Theorie. Sie alle wissen,
welchen grossartigen .\ufschwung diese und ähnliche Theorien in den Händen
der ersten Mathematiker unserer Zeit sowie ihrer Schüler genommen haben
und da dürfte es von Interesse sein hervorzuheben, dass Hermite den
fundamentalen Lehrsatz unabhängig von Kronecker schon im Jahre 1859
benutzt und im Jahre 1877 zuerst auf seine Bedeutung öffentlich aufmerk-
sam gemacht hat.
Weitere Anwendungen der elliptischen Functionen beziehen sich auf
die Zahlentheorie. Auf derartige Anwendungen hatte schon Jacobi in den
Fundamenten und später in einer Arbeit im 37. Bande des Crelle’schen
Journals aus dem Jahre 1848 hingewiesen.
Im Jahre 1859 eröffnete Kronecker ein neues Gebiet unerwarteter
Beziehungen und erweiterte dasselbe in den Jahren 1862 und 1875. Er
zeigte nämlich, dass mit Hülfe der complexen Multiplication der elliptischen
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Functionen eine Reihe merkwürdiger Beziehungen zwischen den Classen-
zahlen gewisser quadratischer Formen hergestellt werden können und gab
eine eigenartige Darstellung von drei Producten von je drei Thetafunc-
tionen mit Hülfe der unendlichen Reihen. An diese Arbeiten von Kronecker
knüpfen eine Anzahl von Arbeiten von Hermite an, und zwar stammen
die ersten aus den Jahren 1861 und 1862, während die letzten in das Jahr
1884 und später fallen. Die Grundlage von Hermite ist eine wesentlich
andere als bei Kronecker. Er legt die Theorie der doppelt periodischen
Functionen dritter Art zu Grunde und zwar insbesondere die Entwickelung
in Fourier’sche Reihen. Indem er eine und dieselbe Function auf mehr-
fachem Wege darstellt und die Integraltheorie hinzunimmt, erhält er durch
einige wenige geschickte Operationen die vorhin genannten Kronecker-
schen Resultate. Hermite geht aber noch über dieselben hinaus. Er
zieht auch weitere Producte von Thetafunctionen in Betracht und zwar
von drei und fünf Factoren und bestimmt mit ihrer Hülfe, wie oft eine
ganze Zahl als Summe von drei und von fünf Quadraten dargestellt werden
kann. Auch sonst enthalten die diesbezüglichen Arbeiten noch viele neue
Resultate zahlentheoretischer Natur. Bei allen diesen Arbeiten sind vor
allem die schönen und durchsichtigen Methoden zu bewundern, welche die
neuen arithmetischen Sätze von vorneherein in ein eigenartiges und helles
Licht setzen.
Die dritte Anwendung der elliptischen Functionen bezieht sich auf die
Theorie der Differentialgleichungen. Aufgaben aus der Wärmelehre führten
Lame zu einer Differentialgleichung zweiter Ordnung, die neben einer
ganzen positiven Zahl n noch einen willkürlichen Parameter h enthielt. Es
gelang Lame ein Integral dieser Gleichung zu finden, wenn h in bestimmter
Weise gewählt wird, Liouville und unabhängig von ihm Heine haben
für dieselben Wertbe von h das zweite Integral bestimmt.
An diese Arbeiten knüpft Hermite an und findet im Jahre 1872 für
einen beliebigen Werth von h die beiden Integrale der vorgelegten Gleichung
und zwar mit Hülfe der von ihm eingeführten doppeltperiodischen Functionen
zweiter Art. Hermite hat seine Resultate im Jahre 1872 zunächst nur einem
kleineren Kreise zugänglich gemacht, erst im Jahre 1877 wurden sie durch
Veröffentlichung in den Comptes Rendus weiteren Kreisen bekannt. Auch
hier begegnet er sich mit den Arbeiten eines deutschen Mathematikers
und zwar von Herrn Fuchs. Letzterer legte in demselben Jahre 1877
seinen diesbezüglichen Untersuchungen die Theorie gewisser allgemeiner
Differentialgleichungen zweiter Ordnung zu Grunde, mit denen er sich schon
früher beschäftigt hatte und gelangte durch Umkehrung der Integrale zur
Integration der Lame’schen Differentialgleichung im Hermite’schen Sinne.
Mittlerweile hatten auch andere Mathematiker diesem interessanten Gegen-
stand ihre Aufmerksamkeit zugewandt, vor allem war es wieder Brioschi,
neben ihm die Herren Mittag-Leffler und Picard. In enger Fühlung
mit ihnen gelang es Hermite noch weitere Differentialgleichungen mit
doppeltperiodischen Coefficienten der Integration zugänglich zu machen.
Alle die soeben skizzirten Hermite’schen Untersuchungen, die im Jahre
1885 in einem eigenen Werke zusamraengefasst wurden, sind verwoben mit
der Lösung einiger mechanischer Probleme und zwar des Jacobi’schen Ro-
tationsproblemes, des Problemes der Gleichgewichtsfigur einer elastischen
Feder und des sphärischen Pendels, die alle drei mit Hülfe der doppelt-
periodischen Functionen zweiter Art zu Ende geführt werden. Das ge-
ci b, luj^le
10
nannte Werk gehört zu den schönsten Erzeugnissen unserer mathematischen
Litteratur. Es zeichnet sich ebenso durch Gedankenreichthum wie durch
Eleganz der Darstellung aus und bat Anregung zu einer grossen Reihe
weiterer Arbeiten über dasselbe Gebiet gegeben, von denen nur nochmals
auf die geistvollen Arbeiten von Herrn Picard hingewieseii werden möge.
— Mit der Theorie der elliptischen Functionen ist die der hyperelliptischen
enge verbunden. In ihr Gebiet fällt eine der ersten Arbeiten von Hermite.
ln einem Briefe an Jacobi vom Januar 1843 giebt der zwanzigjährige
Student die Lösung des Divisionsproblemes der hyperelliptischen Func-
tionen erster Ordnung und zwar sowohl für beliebige Werthe des Argu-
mentes, wie für die Nullwerthe derselben. Jacobi erkannte sofort die
hohe Bedeutung der Arbeit, die ihren Verfasser mit einem Schlage den
Mathematikern ersten Ranges gleichstellte. Er antwortete ihm mit den
Worten: „Je vous remercie bien sincerement de la belle et importante
communication que vous venez de me faire, touchant la division des fonc-
tions abeliennes. Vous vous etes ouvert par la decouverte de cette divi-
sion un vaste champ de recherches et de decouvertes nouvelles qui annon-
cent un grand essor ä Part analytique. Je vous prie de faire mes compli-
ments ä mon illustre ami M. Liouville. Je lui sais bon gre d’avoir bien
voulu me procurer le grand plaisir que j’ai ressenti en lisant le Memoire
d’un jeune geometre, dont le talent s’annonce avec tant d'eclat dans ce
?[ue la Science a de plus abstrait.“ Lame und Liouville erstatteten der
ranzösischen Academie über die Arbeit Bericht und veranlassten ihre Auf-
nahme in den Recueil des Savants etrangers.
In das Jahr 1855 fällt die classische Arbeit über die Transformation
der Abel’schen Functionen. Wer immer sich auf diesem schwierigen Ge-
biet bethätigen will, wird zu derselben als dem Quell und dem Ausgangs-
punkt aller weiteren Untersuchungen zurückgehen müssen. Was Göpel
und Rosenhain für die allgemeine Theorie der hyperelliptischen Func-
tionen geleistet haben, das hat Hermite für die Transformationstheorie ge-
leistet — er hat das Fundament gegeben, auf welchem mit Sicherheit weiter
gebaut werden kann.
Neben all’ diesen vielen speciellen Functionen blieb Hermite auch
der Theorie der analytischen Functionen nicht ferne. In einem Alter, in
dem es im Allgemeinen schon schwer wird, sich in neue fremdartige Ideen-
kreise herein zudenken, widmete er sich dem Studium der Weierstrass-
scheu und Mittag-Leffler’schen Arbeiten und kam hierbei zu neuen
selbstständigen Methoden, sowie zahlreichen .Anwendungen, die er in mehreren
Arbeiten aus dem Jahre 1880 und später niederlegte. Daneben liess er
sich angelegen sein, das Studium der Weierstrass’schen Arbeiten in Frank-
reich einzubürgern, mit welchem Erfolge, das lehren die schönen Arbeiten
der jungen französischen Mathematiker auf diesem Gebiet.
Mit dem soeben Bemerkten dürfte der Kreis der Arbeiten einigermassen
umgrenzt sein, die entweder rein analytischen Charakters sind oder mit
der Analysis in tieferer Beziehung stehen. Zu ihnen kommt eine grössere
Anzahl von Arbeiten arithmetischen und algebraischen Inhalts, wobei
freilich eine scharfe Umgrenzung nicht möglich ist, da auch in ihnen sich
Untersuchungen rein analytischer Natur vorfinden. Alle diese Arbeiten
fallen in sein kräftigstes Mannesalter. Die Erfindungsgabe zeigt sich in
ihnen in bewunderungswürdiger Weise. Die neuen Ideen, die neuen Re-
sultate und Sätze drängen einander, sie bringen den Namen Hermite in
■u^lc
11
immer weitere und weitere Kreise und eröffnen dem Vierunddreissigjährigen
die Hallen der französischen Academie.
Die Arbeiten arithmetischen Charakters setzen ungefähr im Jahre 1860
ein. Ihr Zweck war es, zunächst die Annäherungsmethode schärfer zu
untersuchen, die Jacohi in seiner bekannten Arbeit über die Unmöglich-
keit von Functionen einer veränderlichen Grösse mit mehr als zwei Perioden
aufgestellt hatte. Hermite überzeugte sich bald, dass diese Fragen, sowie
eine grosse Anzahl ähnlicher von der Ileduction der quadratischen Fonnen
abhängig zu machen ist. „Mais une fois arrive ä ce point de vue“, so
schreibt er im Jahre 1860 an Jacohi, „les problemes si vastes que j’avais
cru me proposer, m’ont semble peu de chose ä cöte des grandes questions
de la theorie des formes, considerees d’une maniere generale.“ Auf diesem
Wege gelangt er zu der arithmetischen Theorie der Formen und traf sich
hierbei mit den Arbeiten von Gauss, Eisenstein, Jacobi und Anderen.
Hermite untersuchte zunächst die quadratischen Formen mit beliebig
vielen Veränderlichen. Er führte sie auf gewisse reducirte Formen zu-
rück und wies nach, dass die Classenanzahl bei vorgelegter Determinante
und ganzzahligen Coefficienten eine endliche ist. Für den Fall der in-
definiten Formen war hierbei eine grosse Anzahl von Schwierigkeiten zu
überwinden, die er in geistvollster Weise löste. Er führte dazu unter
anderem den Begriff der continuirlichen Veränderungen in die Formen-
theorie ein und gab damit eine Reduction von Fragen über ganze Zahlen
auf Fragen rein analytischen Charakters. Auch das Problem, die Trans-
formationen einer Form in sich selbst zu finden, musste in Angriff ge-
nommen werden.
In ähnlicher Weise wird die Theorie der F’ormen von beliebigem Grade
untersucht, welche in lineare Factoren zerfällt werden können. Hier findet
Hermite jenen schönen Satz über die vertauschbaren ganzzahligen Trans-
formationen einer Form in sich, welche die Theorie derselben auf die Po-
tenzen von Transformationen zurückführt.
Auch die Ilinzunahme complexer Grössen zeigt sich von schwerwie-
gender Bedeutung. Hermite führte zuerst die nach ihm benannten bilinearen
Formen mit conjugirt complexen Veränderlichen ein und gab damit die
Grundlage für weitgehende neuere Untersuchungen, unter denen vor allem
diejenigen von Herrn Picard zu erwähnen sind. Daneben gelang es ihm,
die schönen Sätze von Jacobi über die Zerlegung ganzer Zahlen in die
Summe von vier Quadraten von neuem zu beweisen. Auch die Theorie
der in Linearfactoren zerlegbaren Formen beliebigen Grades mit ganzen
complexen Coefficienten wurde in den Bereich der Betrachtungen gezogen
und gab Anlass zu dem berühmten Satze, dass die Wurzeln der algebra-
ischen Gleichungen mit ganzen complexen Coefficienten und gleicher Dis-
criminante sich durch eine begrenzte Anzahl von einander verschiedener
Irrationalitäten ausdrücken lassen.
Glänzend waren die Anwendungen auf die Algebra. Es gelang ihm,
das Sturm’sche Problem über die Anzahl der reellen Wurzeln einer
algebraischen Gleichung zwischen vorgelegten Grenzen auf Grund des
Trägheitsgesetzes der (juadratischeu Formen in einer eleganten Form zu
lösen. Herr Weber hat diese Lösung in seiner Algebra dem deutschen
Publicum allgemein zugänglich gemacht. Auch algebraische Gleichungen
mit complexen Coefficienten werden betrachtet. Hermite associirt den-
selben gewisse quadratische Formen und kommt damit zu Resultaten,
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welche die Cauchy’ sehen Theoreme über die Anzahl complezer Lösungen
in einem vorgeschriebenen Bereiche als unmittelbare Folgerung ergeben.
Mittlerweile war eine neue Richtung in der Formentheorie hervorgetreten.
Durch die Bemühungen von Boole und Cayley hatten sich in den vier-
ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die ersten Keime der Invarianten-
theorie entwickelt. Auch hier war es Hermite beschieden, schöpferisch
in die Entwickelung einzugreifen und neue Wege vorzuschreiben, die
später von Anderen weiter verfolgt werden. Seine Arbeiten beginnen im
wesentlichen im Jahre 1854 und berühren sich vielfach mit den Arbeiten
von Cayley und Sylvester, so dass es, wie Herr Jordan sagt, schwer,
ja kaum wünschenswerth ist, den Antheil eines Jeden an dem gemeinsamen
Werke zu präcisiren. „Wir, Cayley, Hermite und ich“, so sagt Syl-
vester, „bildeten damals eine invariante Trinität“. Jedenfalls istHermite
das berühmte Reciprocitätsgesetz zuzuschreihen, welches die invarianten
Bildungen im binären Gebiete in einer merkwürdigen Art zu Paaren ordnet
und eine überaus grosse Anzahl wichtiger Anwendungen zulässt. Indem
Hermite ferner, wie H. F. Meyer bemerkt, im Falle einer binären Form
ungerader Ordnung zwei lineare Covarianten als neue Veränderliche ein-
führt, vermag er die erstere in eine „typische“ Gestalt zu bringen, in
welcher die Coefficienten selbst Invarianten sind. Im unmittelbaren Zu-
sammenhänge damit stehen die Systeme „associirter Formen“, von denen
jede weitere zur ursprünglichen Form gehörige Bildung in rationaler Weise
abhängt. Eine überaus interessante Anwendung dieser Theoreme bezieht
sich auf die Formen 5. Grades. Hier findet Hermite neben den drei
von Sylvester entdeckten Invarianten eine vierte von der Eigenschaft,
dass sich alle anderen Invarianten als ganze Functionen dieser vier fun-
damentalen Grössen darstellen lassen. Dieselbe bietet das erste Beispiel
einer schiefen Invariante dar, d. b. einer solchen, die in sich selbst multi-
plicirt mit einer ungeraden Potenz der Substitutionsdeterminante übergeht.
Die Coefficienten der typischen Form vom 6. Grade drücken sich rational
durch diese Invarianten aus. Hieraus folgert Hermite, dass jede Gleichung
6. Grades so umgeformt werden kann, dass sie nur von zwei Parametern
abhängt, die absolute Invarianten sind, und giebt luvariantenkriterien für
die Realität ihrer Wurzeln.
„La lecture de ces beaux Memoires“, so sagt Herr Picard, „laisse
une Impression de simplicite et de force; aucun mathematicien du
XIX” siede n’eut, plus qu’Hermite, le secret de ces transformations al-
gebri(iues profondes et cachees qui, une fois trouvees, paraissent d’ailleurs
si simples. C’est ä un tel art du calcul algebrique que pensait sans doute
Lagrange, quand il disait ä Lavoisier que la Chimie deviendrait un
jour facile comrae l’Algcbre“.
Ich bin am Schlüsse meiner Betrachtungen angelangt Vieles habe
ich nur andeuten und flüchtig berühren hönnen, vielleicht aber dürften
Sie doch aus dem Bemerkten entnommen haben, wie mächtig und um-
fassend der Geist war, der mit Hermite dahingegangen ist.
Ungezählte Jünger unserer Wissenschaft haben aus seinen Werken
Weisheit und Belehrung gezogen. Wie aus einem tiefen unerschöpflichen
Born, so strömen aus ilinen krystallhell eine Fülle neuer Gedanken und
zwingen den Leser zur Mit- und Fortarbeit. Viele seiner Ideen und
Resultate sind zum Gemeingut unserer Wissenschaft geworden, aber auch
sie wird inan in Zukunft gerne an der Quelle studiren wollen, viele andere
13
dagegen harren noch der Entwickelung. So hat sich denn Hermite in
seinen Werken ein Monument gesetzt, welches die Zeiten überdauern
wird und seinen Namen mit dem Zauber der Unsterblichkeit umgiebt.
Wir aber, die wir ihm persönlich nahen durften, werden des grossen und
gütigen Mannes nimmermehr vergessen!
Litteraturangaben.
Ausser den Werken von Hermite habe ich benutzt:
1. Die Fortschritte der Mathematik.
2. Enneper: Elliptische Functionen. Theorie und Geschichte.
Halle 1890.
3. Krause: Theorie der doppeltperiodischen Functionen einer
veränderlichen Grösse. Leipzig. Litteratumachweise.
4. F. Klein; Vorlesungen über das Ikosaeder. Leipzig 1894.
5. Franz Meyer: Bericht über den gegenwärtigen Stand der
Invariantentheorie. Jahresbericht der deutschen math. Ver-
einigung 1892.
6. Vahlen: Arithmetische Theorie der Formen. Encyklopädie der
math. Wissenschaften.
7. Jubile de Hermite. Paris 1893.
8. Notice sur M. Ch. Hermite; par M. C. Jordan. Comptes Rendus
21. Janvier 1901.
Nach Fertigstellung des Manuscriptes wurde mir die Arbeit von Herrn
Picard über Hermite aus dem letzten Hefte der Annales de l’Ecole Nor-
male bekannt Ich konnte diese geistvolle und eingehende Untersuchung
unter solchen Umständen nicht mehr in eingehender Weise berücksichtigen
— immerhin sind einige Bemerkungen derselben in den Vortrag auf-
genommen worden.
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II. Tiefbohruiig in der Dresdner Haide.
Von Dr. Bobert ITesslg.
Eine im Jahre 1899 in der Dresdner Haide hinter dem Waldschlösschen
Yorgenommene Bohrung*) schloss in einer Tiefe von 20,80 m ein 3,70 m
mächtiges Thonlager auf und führte weiter in die diluvialen Thalkiese
und Thalsande des Elbstromes bis zur Teufe von 40,io m hinab. Als
weiterer Beitrag zur Keuntniss der Untergrundverhältnisse des rechten
Elbufers dient folgende Bohrliste, die sich aus einer in unmittelbarer Nähe
des erwähnten Aufschlusses im Frühjahr 1900 vorgenommenen Tiefbohrung
ergab :
0,oo — 0,30 m aufgefüllter Boden,
0,30 — 10,zo grauer Sand,
10.20 — 13,40 ti grauer Sand mit Steinen (Granitfragmente),
Haidesand — 18, lo „ gelber Sand mit Steinen,
1 18.10 — 18,60 „ grauer, feiner Sand,
1 18,60—20,20 „ feiner Kies,
\ 20.20 — 20,60 „ grober Kies,
20,60 — 21,30 „ brauner Thon,
21,, •10 — 23,80 „ blauer Thon,
23.80 — 24,40 I, Thon mit Eisensandschicbten,
24.40 — 26,16 „ thoniges Gerolle,
26,1.6 — 26,.tO ,, grober Kies,
26„60 — 27,10 „ grauer Sand,
27,10 — 32,20 „ Erbskies,
32.20 — 33,70 ,1 grober Kies,
33,70 — 34,80 „ feiner Sand,
34,80 — 36,3(> „ grober Kies,
36.30 — 38,40 „ feiner Sand,
38.40— 40,30 „ feiner Kies,
40.30 — 41,50 „ grober Kies,
41,50—42,40 „ feiner Kies,
42,40 — 44,80 „ grober Kies (einschliessl. schlammige Schicht
6 — 10 cm mächtig),
44.80 — 46,30 „ grober, thoniger Kies,
46,30— 46,70 „ grober Kies,
*) Abbaudl. d. naturwias. Oes. Isis in Dresden 1899, S. 16.
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46,70 — 47,20 m feiner Kies,
47,20 — 47,35 „ gelber Thon,
47,86 — 47,90 „ blauer Thon,
47,90 — 60,oo „ Pläner (Labiatus- Pläner).
Aus dem gebotenen Profile geht abermals die Anwesenheit des Thon-
lagers in einer Mächtigkeit von 3,80 m hervor. Ueber demselben sammeln
sich die „verlorenen Wasser“ der Haidesandterrasse an (auch in den Brunnen
der Simmig’schen Villen nacbgewiesen). Der Thon offenbarte als speckiges
Material die bekannte Beschaffenheit, d. h. er zerfloss beim Brennen im
Steingutofen bei 1250'* in Folge des starken Eisen- und Kalkgehaltes zu
einem rothbraunen Kuchen, ein Verhalten, welches z. B. dem Brongniarti-
Mergel nicht eigen ist. Die über dem Thone lagernden Sande erwiesen
sich als echte Haidesande, die nur direct im Hangenden des Thones in
Kies übermngen, so dass wir hier, wie anderwärts im Gebiet, die kiesigen
Basisschichten des Haidesandes vor uns haben. Dies Verhältniss kommt
auch zum Ausdruck durch die Vergleichung der trigonometrischen Fest-
punkte, die hier in Frage kommen. Der im Niveau der jüngsten Thal-
stufe der Elbe befindliche Elbbolzen N'r. 736 an der Südwestecke des
Wasserwerkes zeigt 109,094 m, das Terrain in der Umgebung des Bohr-
loches 133,772 m, so dass das Niveau des Thonlagers bei einer Tiefenlage
von 20,60 — 24,40 m ziemlich genau der Höhenlage der unteren Eibaue
entspricht. Damit ist die Entstehung des Thones als Elbschlick über dem
alten zugeschütteten Elbbett wahrscheinlich gemacht, auch besonders des-
halb, weil unter dem Thon der Bohrer deutliche Elbschotter mit zahl-
reichen, charakteristischen Geschieben, als Basalt, Phonolith, Quadersand-
stein, metamorphosirte Andalusitgneisse und selbst Porzellanjaspis von den
Kohlenbrandherden aus Böhmen durchteufte.
Wie aus der Bohrliste ersichtlich, findet eine deutliche Wechsellagerung
von Sand und Kies statt, und schliesslich folgen bei 47,36 m blaue Thone,
die nach dem Befunde als verwitterte und aufgearbeitete Pläner anzusehen
sind und die im Gegensätze zu dem oben erwähnten Thone beim Brennen
wenig deformirte, gelbgraue Scherben lieferten. Unter dieser, nur wenig
mächtigen Lage erscheint der feste Labiatus -Pläner, das Grundgebirge
der Elbthalwanne, welches, durch die Lausitzer Verwerfung am Lausitzer
Granit abgesunken, sich sicher bis zum Bruchratule der Granitplatte unter
der Haidesandterrasse hinzieht, wie die Aufschlüsse an den Hellerbergen
verrathen. Ausser im artesischen Brunnen*) auf der Antoustrasse, im
Brunnen der Werft zu Uebigau*) und im Bohrloch im Priessnitzgrunde**)
sind die Pläner auf dem rechten Elbufer sonst nirgends in der Tiefe auf-
geschlossen worden, und dürfte die jüngste Bohrung als weiterer Beitrag
zur Lösung der Frage nach der Entstehung des Elbthales, der Lage und
Ausdehnung des diluvialen Elbbettes dienen.
*) Sect. Dresden, S. 84.
**) Abhandl. d. naturwiss. Ges. Isis in Dresden 189», .S. 18.
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w
in. Ein verziertes Steinbeil aus Sachsen.
Von J. DeiohmüUer.
Im Herbst vorigen Jahres kam die Königliche Prähistorische Samm-
lung in Dresden in den Besitz von drei Steingeräthen, welche auf der Flur
Zeicha bei Mügeln, Regierungsbezirk Leipzig, von dem dortigen Guts-
besitzer Herrn Grüble bei der Bestellung seiner Felder einzeln gefunden
und Herrn Oberlehrer Fl. Schubert in Mügeln als Geschenk für das Dresdner
.Museum übergeben worden waren. Das eine derselben ist ein wohlerhal-
tenes, 19 cm langes, facettirtes Steinbeil aus Ämphibolit von der in Sachsen
schon mehrfach gefundenen Form mit Verstärkungsrippen zu beiden Seiten
des Schaftlochs, das zweite das 11 cm lange Schneidenende eines am
Schaftloch abgebrochenen Steinbeils von viereckigem Querschnitt aus ähn-
lichem Gestein; das dritte, auch nur ein Schneidenende, zeichnet sich
durch die auf demselben angebrachten vertieften Ornamente aus.
Das wenig mehr als 8 cm lange Bruchstück hat schlank dreieckigen,
nach der stumpfen Schneide zugerundeten Grundriss (siehe nebenstehende
Abbildung), fast rechteckigen, an der Bruchfläche 4 cm
breiten und 3 cm hohen Querschnitt und an der Schneide
eine Höhe von 2,3 cm. Ober- und Unterfläche sind eben,
die Seitenflächen gleichmässig flach gewölbt. Mit Aus-
nahme der unteren Fläche sind alle übrigen mit ver-
tieften, eingeritzten Ornamenten bedeckt. Auf den Seiten-
flächen verlaufen je vier ungleich starke, bis 1 mm tiefe
und breite Längslinien in ziemlich regelmässigen Ab-
ständen von 7 mm, die auf der in der Abbildung sicht-
baren Seitenfläche 4 cm, auf der gegenüberliegenden
4,6 cm vor der Schneide enden. Die obere Fläche wird
längs der Mitte durch eine 3 — 3,5 mm breite, gegen
1 mm tiefe, nach der Schneide verflachte, gerundete
der natUrl. Grösse. Furche getheilt, von welcher beiderseits schief nach den
Rändern unregelmässige, eingeritzte schwächere Linien ahzweigen, wodurch
ein tannenzweigartiges Ornament entsteht.
Das zu dem Geräth verwendete Gestein ist nach der im Königlichen
Mineriilogisch -geologischen Museum in Dresden durch Prof. Dr. W. Bergt
ausgefuhrten mikroskopischen Untersuchung ein massiger „Grünstein“,
wahrscheinlich ein durch Gehirgsdruck besonders in der Zusammensetzung
veränderter, in der Struktur aber noch erkennbarer, feinkörniger Diabas.
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Derartige verzierte Steingeräthe gehören allgemein zu den Seltenheiten ;
unter den aus dem Königreich Sachsen bisher bekannten, nicht aus Feuer-
stein hergestellten Steinwerkzeugen, deren Zahl bereits mehr als 300 be-
trägt, ist das Zeicha’er Bruchstück das einzige, welches mit vertieften
Linien geziert ist. Ein dem hier beschriebenen ähnliches tannenzweigartiges
Ornament hat E. Friedei auf dem Bahnende eines Steinhammers von Jüter-
bogk gefunden und in den Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für
Anthropologie 1875, S. 183 ahgebildet.
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IV. Die ältesten Wege in Sachsen*).
Von Finanz- und Baurath H. Wieohol.
Mit 1 Karte.
Die Eckpunkte des zu untersuchenden Gebietes bilden im Nordwesten
die Saaleiibergänge Halle, Merseburg, Weissenfels, Naumburg, im Siidweslen
die Uebergangspunkte am Nordrande des Fichtelgebirges Hof, Asch, Eger;
im Süden bildet die Eger und Prag, im Osten die Iser-N'eisselinie die
Intcressengrenzo, während im Norden die altalluviale Niederung Eilenburg-
Torgau-Elsterwerda-Senftenberg-Friebus einen natürlichen Abschluss dar-
bietet.
Dieses Gebiet wurde noch 1100 n. Chr. quer durchzogen von einem 20
bis 60 km breiten Waldgebirge, dessen etwa 1250 n. Chr. vollendete Rodung
und Besiedelung dem Lande die äussere Erscheinung gegeben hat, welche
es fast unverändert noch heute besitzt. Eine ähnliche durchgreifende Ver-
änderung des ganzen t,andeshildes könnte man sich für die Zeit des Ueber-
ganges von Weidewirthschaft zum Ackerbau vorstellen; indessen fohlen, um
hierauf einzugehen, heute noch ausreichende Anhaltspunkte. Bestehen doch
noch Zweifel über die Agrarzustände in der Broncezeit, deren Simren fast
in allen Ortschaften, die die deutsche Eroberung seit etwa 800 n. Chr.
von Slaven besiedelt antraf, zu Tage treten. Das Bedürfniss nach einem
sicheren Heim für den langen Winter, nach Ansammlung von Essvorrath
für die unwirthlichen Monate kann schon in der jüngeren Steinzeit, deren
Fundgebiet sich in unerwarteter Weise fortwährend erweitert, zu einer ge-
wissen Sesshaftigkeit, Bodenvertheilung und Bodenbearbeitung geführt haben,
wozu übrigens auch der milde fruchtbare Lössboden auf der Linie Pegau-
Lommatzsch-Bautzen einladen musste. Jedenfalls hat sich, wie alle prä-
historischen Funde beweisen, das Leben der Bewohner seit den ältesten
Zeiten auf demselben Gebiete abgespielt, auf dem wir die Siedelungen
der Wenden bei der deutschen Besitzergreifung vorfinden, auf einem
Gebiet, das sich in seinem Aeusseren nur wenig verändert erhalten haben
dürfte.
Untersuchungen über die ältesten Wege im Zeitabschnitte der deutschen
Besitznahme, also etwa 800 bis 1200 werden daher nicht nur grundlegende
Bedeutung für die Weiterverfolgung der Entwickelung des Wegenetzes bis
*) Unter lienutzung seines am 18. .\pril 1901 in lier .8ection für prähistorische
Forsi^hungen der natnrwisscuschaftlkhen Gesellschaft Isis in I)re.sden gehaltenen Vortrags.
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zur Neuzeit, sondern auch für die Rückblicke in die vorhistorische Zeit
besitzen.
Die historischen Nachrichten, die wiederholt bearbeitet worden sind*),
beschränken sich für die älteste Zeit auf Nennung einiger weniger Orts-
und Localnamen in Berichten über Ileereszüge und vereinzelte Reisen oder
über Zollstiitten. So werthvoll diese Anhaltspunkte sind, so reichen sie
doch nicht aus, ein Wegenetz für jene alte Zeit aus ihnen zu construiren,
so wenig wie man aus den Triangulationspunkten einer Landesvermessung
eine Landkarte zu entwerfen vermag.
I-'ür die Erkenntniss der Einzellieiten der ältesten Wegeanlagen fliesst
aber eine überraschend reiche Quelle, aus der noch wenig geschöpft worden
ist — das ist die Spur der Vorzeit auf dem heutigen Antlitz des Landes.
So mancher älteste Weg ist noch vorhanden, sei es in der vornehmen
Gestalt einer grossen Strasse oder eines bescheidenen Verbindungsweges,
oder gar nur als vom Verkehr verlassener, grasüberwucherter Feldweg, als
seibib liegen gebliebener Hohlweg von Strauch- und Baumwuchs erfüllt.
Ja bis zum Feldrain, bis zur Grenzlinie schreitet die Rückbildung vor,
wenn nicht gar durch Zusammenlegungen von Feldfluren jedwede Spur des
alten Weges in den Ackerfurchen untergeht.
Aber nicht nur die sichtbar wie auf einem Palimpseste auf der Landes-
oberfläche von den aufeinanderfolgenden Jahrhunderten eingegrahenen Weg-
zeichnungen selbst sind uns zur Entwirrung aufhewahrt, sondern auch un-
sichtbare, aber gleich fest an die Scholle gebundene üeherlieferungen erzählen
von den ältesten Wegen: die Localnamen, zunächst die Wegnaraen selbst.
Bei der Treue der Erhaltung vieler Localnamen lässt sich sogar zuweilen
noch deren althochdeutscher oder mittelhochdeutscher Charakter und da-
mit deren Zeitstellung erkennen.
Alle diese topographischen Einzelheiten und Flurnamen liefert in un-
übertrefflicher Klarheit die Landesaufnahme des kursächsischen In-
genieurcorps aus der Zeit um 1780, die in Kupfer gestochen als
Oberreit’scher Atlas**) bekannt ist.
Es ist nun versucht worden, an der Haifd der historischen Angaben
unter Voraussetzung eines Siedelungszustandes vor der deutschen Colonisa-
tion, also vor 1200 die ältesten Wegzüge in allen Einzelheiten aus dem
vielgefalteten Antlitz des Landes selbst abzulesen. Ehe auf die einzelnen
Wegzüge eingegangen wird, sind die Grundsätze in der Führung der Strassen
und die mit dem Wege ira Zusammenhang stehenden Anlagen, wie sie jener
Culturepoche in unserem Gebiete entsprechen, zu erörtern.
*1 H. Schnrtz: Die Pä.«e des Erzgelärijes. I,eipzig 1H91. — A .Simon: Die
Verkehrsstrassen in Sachsen n. s. w, .Stuttgart 1892.
Zu nennen sind noch:
0. Posse: Die Markgrafen von Meissen. Leipzig 1H8I. Umfasst die Zeit von
968 his ll.vH- — K. O. Schulze: Die Cohmisirung und tiermanisirung der Gebiete
zwischen .Saale und Elbe. Leijizig 1886.
•*) Es ist zu bedauern, dass diese Karte für wissenschaftliche Zwecke nicht mehr
abgedruckt und in den Haniiel gebracht wird. Anf kostspielige Nachträge kfinnte wohl
verzichtet werden, da neuere Kartenwerke da.s miKlcme Bedllrfniss befriedigen. Die
Vervielfältigung der älteren Platten, sei es auch nur durch Umdruck, ist aber für die
culturgeschichlliche Forschung so werthvoll, weil sie eine Fülle von Einzelheiten und
Namen enthalten, die man auf den neuen Kartenwerken vermisst.
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Die Trasslrung der Wege.
Wenn auch Wege sowohl in der Urzeit wie heute jede Kinzelsiedelung
mit der benaclibarten verbanden, also in der Gesammtheit ein unentwirr-
bar dichtes Netz bildeten,
„Seitab liegt der Sitz des Feindes
Wenn er am W'ege auch wohnt;
Zum Freunde aber führt ein Richtsteig,
Zog er auch fenihin fort.“ (Edda.)
so hoben sich doch immer die „länderverbindenden“ Ilauptwege ab, um die
es sich hier nur handelt. Diese Wege mieden nun in alter Zeit mit
Aengstlichkeit das Alluvium, die Thalaue sowohl in der Längserstreckung
der Thäler als auch bei Durchquerungen, so dass immer der bestgangbare
Pass durch das Inundationsgebiet sorgfältig ausgesucht wurde. Auch die
Lage unmittelbar parallel dem Alluvialrande auf erhöhtem Boden war un-
beliebt wegen der Nothwendigkeit, zahllose Querbäche zu kreuzen und das
gerade an den Stellen, wo diese Seitenzuflüsse das meiste Wasser führen.
Die ältesten Wege ziehen sich daher stets in der Nähe der Wasserscheiden
auf den Landrücken hin, ohne gerade peinlich diese Lage zu suchen,
weil die Kreuzung kurzer Wasserläufe in der Nähe des Ursprunges, mithin
ohne grösseres Sammelgebiet, nie schwierig ist. Oft findet man gerade an
diesen Uebergängen Damm- und Teichanlagen zur Anstauung der nicht
übermässigen W asserläufe und fast regelmässig findet sich dann der Local-
name „Strassenteich“ oder „alte Teich“.
Besondere Schwierigkeiten bereitete stets die Querung wasserreicher
Thalauen. Hier mussten Siedelungen, Schutzbauten von Uranfang an ent-
stehen, war doch das Heer, der Reisende bei hohem Wasserstand, wie ihn
nicht nur das Schneeschmelzen, sondern auch Gewitterregen erzeugen konnten,
geradezu gezwungen, wie wiederholt historisch überliefert, wochenlang auf
günstige Verbältnisse zu warten. Dass aus diesen Siedelungen an den
Fürthen die meisten grösseren Orte, Handelsstädte erwachsen sind, ist be-
kannt.
Auf einen wichtigen Umstand ist hier noch hinzuweisen. Konnten
die ältesten Wegzüge nicht an der Grenze zwischen Alluvium und Diluvium
gesucht werden, so ist doch diese Scheidelinie von ausschlaggebender Be-
deutung für die Siedelungen. Alle alten Orte finden sich wie Perlenschnuren
zu beiden Seiten der Alluvialränder aufgcrelht. In die Thalaue selbst baute
man nur die Zufluchtsorte, Wasserburgen. In diesem Zusammenhang sind
auch die Pfahlbauten zu erwähnen. Mit Zunahme der Cultur rutschen die
alten Stra.ssen so zu sagen zu Thal. Schon die wasserbaukundigen Colonisten
aus Friesland, Holland, Vlamland werden in den Jahren 1100 bis 1250 das
ihrige zu diesem Process beigetragen haben. So läuft der erkennbar älteste
Südweg von Leipzig, der „Dösener Marktweg“ bei Wachau, unter dem höchst
bezeichnenden Namen „Heerweg“ etwa 13 km landeinwärts vom Pleissenauen-
rand, dem entlang die „alte Poststrasse“ über Rötha nach Borna hinzieht,
w'ährend von Crostewitz ab die „alte Strasse“ die Verbindung mit dem Heer-
weg in Magdeborn herstellt. Offenbar ist die Bezeichnung „alt“ nur eine
relative, sie liefert für die absolute Zeitstellung noch kein entscheidendes
Merkmal. Aehnlich liegt es bei der alten HauptstrasseChemnitz-Lichtenstein-
Zwickau, die in der Kappelhachaue und weiter im Lungwitzthale hinzicht
und wohl erst nach 1100, Lichtenstein wird um 1200 erstn)alig genannt.
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aufkoramt. In der „Pflockenstrasse“ von Chemnitz über den Zschockenberg
und der anschliessenden „Freitagsstrasse“ nach Zwickau, die sich immer
auf den Höhenrücken halten, sodann in der mehr nördlich von Chemnitz
durch den Rabensteiner Wald ziehenden „Hartstrasse“ über den Rödenberg
dicht nördlich Hohenstein nach Glauchau haben wir wahrscheinlich die ältesten
West- Ost-W’ege dieser Gegend vor uns. Ein drittes Beispiel einer alten Thal-
strasse bietet der später zur Hohen- und Stapelstrasse ausgewachsene Weg
Altenburg -Gössnitz -Werdau, der die Pleissenaue nicht verlässt und mit der
Entwickelung Altenburgs aufgekommen sein dürfte, während die ohne Zweifel
ältere Nordsüdstrasse etwa 12 km westlich von Euckau auf dem Rücken über
Meuselwitz, Kayna, Hohenkirchen, Ronneburg nach Reichenbach u. s. w.
binzieht.
Es soll nur angedeutet werden, dass fernere Untersuchungen auch
die verschiedene Lage von Sommerwegen und Winterwegen erkennen lassen
mögen, da das winterlich hartgefrorene Alluvium manche wünschenswerthe
Durchquerungen zulässt, die im Sommer besser umgangen werden.
Die Scheu vor dem tieferen Wasser bringt es auch mit sich, dass die
ältesten Wege gern einzelne Flussarme oder Nebenflüsse vor der Vereinigung
durchqueren, weil jeder einzelne Wasserlauf leichter zu bewältigen ist, als
nach der Vereinigung. Bekanntlich verfährt die neuere Wegebaukunst
genau entgegengesetzt, so dass derartige alteTrassirungen seltsam anmuthen.
Die Unabhängigkeit der ältesten Wege von den Einzelheiten der Fluss-
windungen ermöglicht auf dem hindemisslosen Rückengebiet eine schlanke
Linienführung ohne Knicke oder scharfe Abbiegungen. Da die Baukunst
hier nicht wie bei den alten Römerstrassen in Spiel kommt, sind genau
eingefluchtete, geradlinige Richtungen bei alten Wegen absolut ausgeschlossen,
solche schnurgerade Linien sind sogar ein untrügliches Kennzeichen moderner
Entstehung. Trotzdem lassen sich in unserem Gebiete zahlreiche alte 100
bis 200 km lange Wegrichtungen erkennen, die gleichsam als Naturproducto
entstanden sind, die zwar keine schnurgerade Linie bilden, aber von ihr
kaum mehr als einige wenige Kilometer abweichen, so der 210 km lange
Wegzug Halle-Strehia-Bautzen-Görlitz mit nirgends mehr als 4 km Seiten-
abweichung.
Localnanien an Wegen.
Von der Heranziehung der vorgeschichtlichen Funde selbst soll hier
abgesehen werden, da sie noch nicht in grösserem Umfange für unser
Gebiet veröffentlicht sind und da sie ausserdem für die Ermittelung von
Durchgangsstrassen nur dann bestimmend sein können, wenn cs sich um
sogenannte Depotfunde, die wandernden Händlern zuzuschreiben sein dürften,
handelt. Geräthe, Waffen, Schmuck, Begräbuissbeigaben vertheileii sich
dagegen offenbar über sämmtliche Siedelungen und sind keineswegs an
Heerstrassen, Handelswege gebunden.
Entscheidende Bedeutung haben aber die Localnamen, welche für
unser Gebiet die Oberreit’sche Speoialkarte in reichster Fülle darbietet
und zwar zunächst die Wegenamen selbst. Wir lassen eine Sammlung
aus Sachsen folgen.
Heerweg, lleerstrtisse, Kriegerstrasse, Reiterweg, Rennweg, Rennsteig
(d. i. Rennerweg, Courierpfad, Läuferweg), Kaiserstrasse, Kaiserweg, alte
Königsweg, Königstrasse, Grafeiiweg, Staatssteig(!), hohe Strasse, hohe
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Weg, Hochsteig sprechen für sich; ebenso kleine Strasse, Schleifweg, Dieb-
steig, Diebstrasse, Käuberstrasse, Pascberweg, Bettelsteig, Zigeunerberg,
Ziegersteig, Mörderweg, Galgenweg, Amtsweg, Gerichtssteig. Andere un-
günstige Eigenschaften bezeichnen die Namen Höllenweg, Höllsteig, schlimme
Weg, Elendsweg, Hundemarterweg, Lottersteig, l’estweg, l’estilenzweg
(Umgehung verpesteter Orte), rauhe Weg. Der Strassenverkehr führt zu
den Namen Rollweg, Spurweg, Kutschweg, Katzschweg, Karrnweg, Kärrner-
weg, Reitersteig, VVanderweg, Ranzenweg, Geleitsstrasse, alte Poststrasse,
Poststeig, Botenweg, Briefsteig, Briefträgerweg; ferner nach dem trans-
portirten Gegenstand; Alte Salzstrasse, Eisenweg, Zinnstrasse, Silbersteig,
(Katzensilberweg), Eisensteinweg, Kalkweg, Thonstrasse, Topfgasse, Töppel-
strasse, alte Kohlstrasse (Holzkohlen), Pechweg, Fischweg, Garnstrasse,
Schachtelweg, Klötzerweg, Ziegelweg, Methsteig, Malzweg, alte Bierweg,
Bierstrasse, Zwiebelberg, Brodsteig, Butterstrasse, Buttermilchsteig, Molken-
steig, Milchsteig, Holzweg, Holzstrasse, Beersteig, Viehweg, Schaafweg,
Triftweg, Sauweg, Ochsenweg, Bocksweg, Mistweg. Hierzu treten die
Bezeichnungen, die von den benutzenden Personen und gewissen persönlichen
Beziehungen entlehnt sind: Hofweg, Zehendweg, Zebndenweg, Fröhnerweg,
Frohnweg, Bauersteig, Feldweg, Scheibenweg, Folgenweg, Hufenweg, Land-
steig, Graslersteig, Grassteig, grüne Weg, Kleesteig, Heuweg, Rasenweg,
Häuersteig, Hauerweg, Hüttensteig, Zechensteig, Hammerweg, Köhlerweg,
Ascheweg, Töpferstrasse, Glaserweg, Leineweberweg, Drechslerweg, Zimnier-
steig, Pfeiferweg, Böttchersteig, Bäckerstrasse, Gärtnerweg, Fischersteig,
TucWachersteig, Marktsteig, Messweg. An den Wald erinnern: Wald-
strasse, F'orstwcg, Buschweg, Harthweg, Hartstrasse, Leithenweg, Wurzel-
weg, Heideweg, Hahneweg, Hainweg, Haickweg, Heckenweg, Heegweg, Erl-
weg, Ebschweg, Espigweg, Eichweg, Lindenweg, Rothweg, Brandweg, Dorn-
gasse, während Steinweg, Boblweg, Reissigweg, Strauchweg sich auf die
überflächenbefestigung des Weges beziehen werden. Nach der Lage sind
die Namen gegeben: Bergweg, Bergstrasse, Kaminweg, Fürstenweg (d. i.
Firstweg), lange, schiefe, krumme Weg, tiefe, breite, schmale Weg, Hohl-
weg, Winkelweg, Mittelweg, Querweg, Kreuzweg, keilige Weg, Zwiesel-
weg (Gabelung), die Dehne. Die kirchlichen Einrichtungen spiegeln sich
wieder in: Kirchweg, Brautweg, Heiligenweg, Pfaffenweg, Pfaiicngasse,
Nonnenweg, Münchweg, Möuchsweg, Bischofsweg, Pfarrsteig, Pfarrweg,
Todteuweg, Loichenwcg, Spitalweg, Spittelweg, Sehülersteig. Auf Grenzen
beziehen sich: Grenzweg, Markweg, Scheidung, Rainweg, Limselweg (von
limes?). Zum Schlüsse noch einige seltenere Namen; Hessweg, Klüften-
steig, Kliebenstrasse, Stelzenweg, Kesselweg, Hordweg, Feilweg, Zoppei-
steig, Lageweg, Pflockenstrasse(Ptlocken=Wollkämmereiabfall), Liebstrasse,
Krutschenweg, Brauschenweg, Warmweg, Raitzenweg (Raita = Heerfahrt),
Hipweg, Engelweg, Rosenweg, Wisselsweg, der Schlung, Lachtweg, Klingen-
weg, Nieschweg, Kalaunenweg.
Die Namensübersicht ist in weiterem Umfange dargeboten worden,
um ein Bild der Mannigfaltigkeit der Benennungen zu gehen; allerdings
wird nur ein kleiner Theil der Namen aus ältester Zeit stammen.
Entlang der Wege müssen in gewissen Abständen U nterkunftsbauten,
Schutzanlagen vorhanden gewesen sein in jenen Zeiten geringerer Sicher-
heit gegenüber Mensch und Thier. Die llaupttheilung folgt der täglichen
Marschleistung, die je nach der Wegsamkeit 20 bis 40 km betragen haben
dürfte. Diesen Abstand halten die Stationen an der sibirischen Heerstrasse
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inne, 30 km beting der römische Soldatentagemarsch. Die erohernden
Deutschen erhauten mit slavischen Arbeitskräften etwa zwischen 030 und
1200 Strassenhurgen als Standquartiere der Milites oder Geleitsmänner
nebst Bauernwachen. In Verbindung mit diesen Ijagerwachen werden
Wirthshäuser bestanden haben; in Abhängigkeit sind die Einzelwacht-
posten gewesen, die an geeigneten Punkten auch seitwärts der Wege ein-
gerichtet werden mussten, um akustische oder optische Signale dem Stand-
quartier zukommen lassen zu können. So entstanden die folgenden Local-
namen, welche die alten Strassen begleiten: Schlössl, Burg, Wall, Trotzling,
Grötsch, Hradschin, Schanze, Wahlberg, Wachberg, Wachtelberg (doch
nicht vom VogelV), Wachstange, Wachholderschänke, Wachholderberg,
Wachholderbaum (= Wacbhalterbaum, Posten im Gezweige eines Baumes
wie die Kosakenposten), Laurich, Lauerberg, Lerehenberg (wohl von lauern,
nicht vom Vogel, oder dem BaumV), Lagerholz, Lagerweg, Hutberg (Vieh-
hut?), Kiebitz (von kupic= künstlicher spitzer Hügel?), Spiegelberg (specula =
Warte), Kübauch (cubare = lagern), Kühberg (vom Thier?), Krähenberg
(chrana = Schutz oder vom Vogel?), Strassberg, Strohwalde, Strohschütz
(straz = Wache), Stubenberg (stupa = Wachthurm), Beuthe, Beuthenberg
(mittelhochd. beiten = warten). Kriegberg, Kriegbuscb, Mordgrund, Zug-
mantel, Zickmantel (Ort, wo der Mantelsack zur Verzollung vom Ross
gezogen wurde, oder Stelle, wo Räuber den Mantelsack rauben?), Raitholz,
Riedenbolz, die Reiten, Reitzenhain (reite = kriegerischer Angriff, gireiti =
Heergeräthwagen, Risswagen).
Von den akustischen Wachpostensignalen stammen die Local-
namen; Trommelsberg, Schallberg, Schaller Raum, Schellberg, Schellenberg
(von schulen = verborgen sein?), Klingelstein, Glockenpöhl, Klingenberge, die
Klinge (von klinec = Keil, klinice = Schossbalken, also Strassensperre ?),
Bombenberg.
Auf optische Si gnale, Feuerzeichen weisen: Brennhaufen, Sprüh-
birke, Meisensprüh (oder Meisensprenkel V),Zietsch,Zietschholz(zici = glühen),
Gnandstein (von gnaneist = Funke ?), Funkenburg, Finkenburg, Schillerberg,
Gockelsherg, Jockisch, Gukelsberg, .läckelsbcrg, Guksen, Kukuksberg, Kux,
(gokeln = Feuerzeichen geben?). Gehören etwa auch die Schwedenschanzen
(althochdeutsch sweda = Rauchdampfj hierher?
Den Durchgang, Durchhau durch Waldsperren deuten an: Friebus
(privoz = Durchgang, z. B. Prebischthor), Possek, Ossek, Preseka (sek —
hauen), Satzung und Xatschung (sateska, nateska von tes = Hieb mit der
Axt).
Von einer alterthümlichen Wegbezeichnung, wie sie noch als ge-
zeichnete Bäume, Steinhaufen, Stcinmandl der Aljmii vorkommt, stammen
vielleicht: Taschenberg, Tatzberg (tacen = Zeichen?), der eine oder andere
Ziegenberg (mhd. Zeichen oder vom Thier?), Steinhügel, Steinhübel, Stein-
berg (nicht immer von natürlicher Felsenbildung!), Markstein, Marstein,
Rinnelstein, Rinnenstein, Weisestein (oft an den ältesten Wegen, vielleicht
um eine Grenze oder Wegrichtung zu „weisen“?) u. s. w.
Den Richtpunkt des Zusammenlaufens von Wegen bedeutet viel-
leicht Geiersherg (althochdeutsch heran = richten, wenden, gehre = Keil-
stück, Gierfähre, der Vogel Geier = der Gierige).
Zu erwähnen sind noch Zolldorf, Tollensteiu, Birkwitz (berka = Steuer-
einnehmer, berna = Steueramt); endlich deutet Zigeunerbrunn (auch ab-
gekürzt Ziegenbrunu), Zigeunerlager auf alte durchlaufende Pfade, welche
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diese allerdings erst seit 1488 urkundlich erwähnten Leute mit Vorliebe
benutzen; dahin gehören auch die Diebsteige.
Nach diesen Vorbemerkungen, die nöthig waren, um die Art der
Forschungshülfsmittel andeutungsweise zu bezeichnen, die neben dem spär-
lichen historischen Quellenmaterial bei der Aufsuchung der ältesten Wege
herangezogen wurden, sind nun die Wege im Einzelnen kurz zu verfolgen.
Die östlichen Salzwege von Halle.
Aus der Nordwestecke unseres Gebietes drang nicht nur die deutsche
Cultur herein, schon seit den ältesten Zeiten wird von hier aus das älteste
Frachtgut, das Salz, verbreitet worden sein. In fast rein östlicher, fast
ganz gerader Richtung zieht sich eine Gruppe von Wegen, noch heute den
Namen „alte Salzstrasse“ tragend, 'die Mulde, Elbe, Neisse kreuzend durch
unser Gebiet. Die Verfolgung dieser Salzwege von Halle und ihrer Haupt-
seitenzweige wird den Faden bei der Entwirrung des Wegenetzes liefern.
1. Von Halle laufen zunächst zwei Wege nach dem Muldenübergang
Eilenburg, die beide den Namen „alte Salzstrasse“ tragen. Der südlichere,
dem Wasserscheidenrücken mehr angepasste Zweig zieht über Canena, Os-
münde, Beulitz über das Breitenfelder Schlachtfeld am „Schatzhaufen“ vor-
bei überLimehna; der nördlichere, geradere Zweig berührt Crondorf, Burg bei
Reideburg, Zwochau, Cletzen. In Eilenburg zweigt nordöstlich ein Weg nach
Torgau ab; die östliche Fortsetzung derStrasse gabelt sich in den „Kärner-
weg“ über Schilda und die „Salzstrasse“ über Staupitz, Beckwitz, die sich am
Elbübergange Beigem vereinen, um sich über Liebenwerda, Senftenberg,
Spremherg nach dem Neisseübergang Muskau (Priebus) östlich fortzusetzen.
2. Berührte die Richtung 1 das Gebiet Sachsens nur, so läuft die zweite
Oststrasse ab Halle kurz vor Schladitz von dem besprochenen Wege ab-
zweigend als „Kamweg“ und „Töpferweg“ über Grebehna, Hohenhaida,
Lübschütz als „alte Salzstrasse“ nach der Muldenfurth Wurzen und von
hier immer ungefähr parallel der sächsischen Nordgrenze als „hohe Strasse“
über Dornreichenbach, Knathewitz, als „kleine Strasse“ nach Dahlen, über
Lampertswalde, Lübschütz nach der Elbfurth Strehla. Zu erwähnen
ist die Verbindung vom Weg 1 ab Liraehna nach Püchau mit Namen „Salz-
strasse“, die weiter über Lübschütz nach Wurzen führt, aber auch auf
einen alten Muldenübergang bei Püchau hinweisen kann, denn es liegt gegen-
über an der Mulde die „Renne Wiese“, von wo der „Rasenweg“ den An-
schluss nach Dornreichenbach herstellt. Auch die alte Verbindung vom
Eilenburger Uebergang, über Mölbitz entlang der Grenze südlich Kobers-
hain auf der Wasserscheide nördlich Ochsensaal nach Olganitz bis zum
Uebergang Strehla hinlaufend, ist hemerkenswerth. Vom llauptübergang
Strehla verzweigen sich nun folgende alte Wege in östlicher und südöst-
licher Richtung ab.
2a. Die „alte Salzstrasse“ läuft von Strehla über Streumen, Görzig,
Zabeltitz, üehigau nach Weissig, wo sich ein Hauptzweig ahtrennt, der über
Linz, Röhrsdorf, Laussnitz, Pulsnitz, Bischofswerda nach dem wichtigen
Spreeübergang Kirscliau führt. Von Weissig setzt sich die Ostrichtung
fort über Ortrand als „alte Strasse“ nach Cosel, nun sich spaltend erstens
nach Hoyerswerda, dann zweitens über Ossling, Wittichenau, Ratzen, Uhyst
nach der Nei ssefurth Rothenburg und endlich drittens über Strass-
gräbchen, .Milstrich, Zorna nach Bautzen. Kurz vor Cosel zweigt bei Zeis-
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bolz ein anderer Hauptast ab, der über Schwepnitz, Jesau (oder Kamenz)
nach Bautzen gerichtet ist.
2 b. Der zweite Hauptweg von Strehla läuft als „Rollweg“ über Zeit-
bain, Glaubitz, Wildenbain nach Grossenhain; dazu der in Glaubitz mündende
Seitenzweig der „hohe Weg“ nördlich um Zeithain. In Grossenhain schliesst
sich auch der relativ alte (aber wohl nicht älteste) Weg durch die Elbfurth
bei Boritz-Hirschstein-Merschwitz „die alte I’oststrasse“ an. lieber Grossen-
hain setzt sich mit mehrfachen Nebenwegen die bekannte alte Haupt-
strasse über Köuigsbrück, Kamenz nach Bautzen und weiter zurNeisse-
furth Görlitz fort unter den Namen: „hohe Strasse“, „alte Poststrasse“,
„kleine Poststrasse“, „kleine Strasse“, „die alten Strassen“. Von dem süd-
lichsten der alten parallelen Nebenwege zwischen Bautzen und Görlitz, der
zwischen Peschen und Unwürde (nördlich Löbau) den Namen „alte Strasse“
führt, zweigt bei Peschen eine alte Wegrichtung ab über Grossdehsa, Löbau,
„ZuckmanteP'biszueinemKreuzungspunkt alter Wege nördlichStrah-
w a 1 d e , wo die Localnamen ,, Zigeunerplan“,,, Rumburgsborn“, „ J ohannisborn“,
„Lerchenberg“ Vorkommen. Von hier laufen zwei Wegarme nach der alten
Neissefurth Ostritz als „alte BemstUdter Strasse“ über Bernstadt und als
„alte Löbauer Strasse“ über Niederrennersdorf, den „rothen Berg“, „Butter-
berg“, als „hohe Strasse“ nach Ostritz und weiter über Seidenberg, Marklissa
nach Liegnitz. Von dem alten Wegknoten von Rumburgsborn (nördlich Strah-
walde) laufen auch zwei alte Wege als „Hinterstrasse“ westlich, als „alte
Strasse“ östlich vom Königsholz am Sonnenhübel nach Zittau. Von
Grossenhain spaltet sich von der Bautzcnor „hohen Strasse“ eine ebenfalls
bemerkenswerthe Strasse ab über Wessnitz, Göhra, Niederrödern, Radeburg,
Radeberg, Stolpen, Neustadt, Schluckenau, Rumburg, Tollenstein, Böhm.-
Leipa, „Mikenhan“, Hirschberg, Zolldorf, Brandeis, Prag. An diesen ältesten
ostelbischen Lausitzer Gebirgsübergang schliesst sich auch die süd-
östliche Fortsetzung des Weges 2 a über Kirschau an.
Zu erwähnen sind östliche Seitenzweige von dieser Hauptstrasse in der
Richtung Bautzen und zwar über Okrylla als „alte Strasse“ über Grossnaun-
dorf, als „Gasse“ nach Elstra und als „Karner Weg“ ebenfalls von Okiylla
über Lomnitz nach Pulsnitz. Ein wichtiger Weg zweigt in Rumburg als „langer
Weg“ und „Kälberweg“ nach Zittau ab, wo ersieh wieder gabelt nach Kratzau,
Reichenberg, Gablonz zum Iserübergang in Eisenbrod und andererseits über
Friedland nach Schlesien.
2c. Der dritte Haujjtweg von Strehla zieht sich südöstlich in etwa 4 km
Abstand östlich der Elbe hin, setzt sich auch nördlich von Strehla in gleichem
Charakter fort; er ist als östlicher Parallelwog, der durch das Elbthal seine
Richtung empfangen hat, anzusehen. Von ihm laufen die Seiteuzweige nach
den alten Elbfurthen oder Fährstellen. Dieser Weg berührt zwischenNünchritz
und der Schwedenschanze bei Leckwitz auf etwa LS km das Hochufer der
Elbe, läuft dann über Göltzscha, Kmehlen, Gröbern, Weinböhla, als „alte
Strasse von Mühlberg“ nördlich Coswig vorbei, hier das Waldwegzeichen Z
tragend, weiter durch die Lössnitz über das „Weisse Ross“ nach Radebeul
und von hier durch die Haide auf verzweigten Nebenwegen, die wiederum
das Zeichen Z und ge.strichenes Z und die Namen „Rennsteig“*), „Diebs-
steig“, „Schwesternsteig“ tragen. Der Rennsteig hält sich möglichst auf
•) II. Wiechel: K«'nnstcij;e und KainweKC iu .Sachsen. Wi.ss. Heil. il. Leipz. Ztg.
1898. Xo. 81. — b. Uertcl: Ilic Heniistcigc uiul Henmvege. Ilihlhurghauseii 1899.
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den Wasserscheiden und tritt in Biela-Quohren aus der Haide, von wo sich
die Wegrichtung als „alte Poststrasse“ bis Uossendorf fortsetzt, über Ditters-
bach als „hohe Strasse“ bis Hohnstein, als „alte böhmische Glasstrasse“
über Lohsdorf, Ulbersdorf, Tliomasdorf, als „Diebsstrasse“ überllemnihübel,
Schünlinde bis Tollensteiu läuft, wo der Anschluss an die ebenfalls alte
Strasse 2 b über Stolpen-Schluckenau- Ruinburg stattfindet.
Dem am meisten der Elbe auf der üstseite genäherten Wege 2c ent-
spricht der knapp das Elbsandsteingebiet umziehende Weg nach Prag von
Zeidler über Wolfsberg, „Hohle Ditte“, Schnauhübel, am„Henimhübel“ vorbei
nach Altdaubitz, über „Irichtberg“, Kreibitz, „Nusshübel“, „Auberg“, Hasel,
Kamnitz, „Hanne“, Gersdorf, „Oberratzel“, Karlsthal, Sandau, Pölitz, Gräber,
IJeiswedel, Raschowitz, „Wochberg“, „Lümmel“ nach Aujezd, Brotzen, Liboch,
an dem Hochufer der Elbe hin bis Melnik und weiter nach Prag. Ver-
längert man diese fast genau südnördliche gerade Richtung von Prag nach
Zeidler über diesen Ort nördlich weiter, so trifft man in den Weg über
Kunnersdorf, „Lodersberg“, „Silberberg“, Schluckenau, Rosenhain, Sohland,
wo das Spreethal erreicht wird, in dem der Weg über Schirgiswalde, Kirschau
bis Postwitz und dann weiter bis Bautzen läuft, sich auch in gleicher N’ord-
richtung über Radibor, Ratzau nach Spremberg fortsetzt. Ohne Zweifel
stellt dieser Weg die geradeste Verbindung von Prag mit Bautzen dar;
seiner Trassirung nach scheint er als Durchgangsweg doch jünger zu sein,
wie der etwas weiter nach Osten ausholende sehr alte Weg über Zwickau-
Tollenstein, wenn auch einzelne Wegstrecken die Zeichen höheren Alters an
sich tragen. Zahlreich sind die erwähnten Anschlüsse an die Elbübergänge
zwischenPirna undStrehla, die nicht im Einzelnen behandelt werden können.
Einzelne dieser Elbübergänge werden mit dem Auftauchen und Wichtig-
werden der Orte Pirna, Dresden und Meissen entstanden sein. Aus dem
Charakter der alten Wege ist aber zu schliesseu, dass die ältesten länder-
verbindenden Richtungen dem Elbübergang Strehla folgen.
3. Von Halle ist deutlich eine alte Wegrichtung nach der Mulden-
furth Trebsen erkennbar. Aus der alten Salzstrasse 2 über Ilohenhaida
löst sich dieser Zweig los, führt über Wüste Mark Pesswitz entweder über
iMochern, Leutitz oder überGerichshain, Brandis, Polenz nach Trebsen. Hier
setzen zwei beinerkenswerthe Richtungen an: die eine östlich am Rodaer See
als „Bischüfsweg“ nach Wermsdorf und nun mehrfach verästelt als „hohe
Weg“, „das alte Q“, „die Trift“, ,,die breite Allee“, „der Oberwog“, „Butter-
weg“, „lauge Rain“ dicht südlich am Collmberg vorbei nach Oschatz
laufend, mit einem südlicheren Parallelweg über Lampertsdorf, Thalheini,
Kreischa als „Kaiserweg“ östlich bei Oschatz vorüber durch Borna nach
Strehla. Die andere Hauptrichtung wendet sich von Trebsen über N'erchau
nach Südost und bildet in ihrer Fortsetzung den alten Oederan-Brüxer
Gebirgsübergang, der auch durch einen rechtsmuklischen llochuferweg nörd-
lich über Trebsen hinaus an die Uebergänge Wurzen (Püchau), Eilenburg
angeschlossen ist. Diese alte böhmische Strasse scheint sich in der
That au diese ältesten Muldenfurthen der Halle’schen Wege anzuheften,
wozu auch der bekannte Reisebericht Ibrahim ben Jakub’s von 973
stimmt, der vom Hoflager Kaiser Ottos II. in Magdeburg nach Prag zu-
rückreiste überQaliwa (Kalbe), Nubgrad (Nienburg), die Saline „al-Jahüd“ =
Halle am Flusse „Salawa“, von da nach Nurnhin, was als Wurzen*) oder
•) W. Schulte in der wiss. Beil. d. Lcipz. Ztg. I89Z, No. 14.
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Nerchau gedeutet worden ist. Es folgen die Angaben; von da (N'urnhin)
bis zur (nördlichen) Grenze des Waldes 25 Meilen, vom Anfang bis zum
Ende des Waldes über Berge und durch Wildnisse 40 Meilen, vom (süd-
lichen) Ende des Waldes (Oberleutensdorf) bis zum Sumpf (Seewiesen) bis
zur hölzernen Brücke durch den Sumpf (Brüx) 2 Meilen; dann geht man
ein in die Stadt Braga (Prag). Der alte Weg misst von Oberleutensdorf
bis Wurzen 106 km, bis Nerchau 95 km, so dass bei 65 (arabischen) Meilen
sich für jede 1,6 bezw. 1,5 km berechnete, was beides nicht unwahrschein-
lich ist, da diese Meilen 1000 Doppelschritte umfassen, wie die römische
Meile von = 1,4785 km Länge, bei der der Schritt der kleineren Italiener sich
auf 0,74 m stellt. Ermittelt man den Waldanfang nach dem Verhältnisse
von 25 zu 40 Meilen, so fällt er von Wurzen gerechnet auf die Wegstelle
am Vorwerk Masseney, von Nerchau gezählt, auf die Striegisfurth dicht vor
Hainichen. Die dortigen Localnamen, besonders der Name Hainichen selbst
machen die letztere Annahme recht wahrscheinlich; es sind somit weder aus
der Richtung der ältesten Wege noch aus der Lage des Urwaldanfanges
Einwendungen gegen die Deutung auf N'erchau zu entlehnen.
Der alte böhmische Weg selbst lief über N'erchau, Pöhsig, Dürr-
weitzschen am „Zetsch“ vorbei durch die Muldenfurth bei Altleisnig auf
dem Rücken über die Elurstelle „der Vogelgesang“ (Wohnungen oder Wach-
posten auf Bäumen, ähnlich Wachhalterbaum), Hartha, bei Waldheim die
Zschopau kreuzend, Vorwerk Masseney (gegenüber der „Wachholderberg“),
den Nonnenwald westlich berührend, durch die jetzigen Orte Hainichen,
Cunnersdorf, oder wahrscheinlicher auf dem etwa 0,8 km nördlich parallel
laufenden Rückenweg über Ottendorf sieh nach Bockendorf und durch die
Waldstelle „die Beutha“ nach Oederan wendend. Der weitere Verlauf über
Mittelsayda als „alte böhmisebe Heerstrasse“ und Sayda und Purschenstein
ist bekannt. Von hier spaltet sich der Weg in die Richtung über Einsiedel,
Kreuzweg, östlich Georgenthal nach Brüx und in die ältere Richtung über
Göhren, Rascha oder Zeltl, Obcrlcutensdorf, Rosenthal, Kopitz, Brüx.
4. Von der südlicheren alten Salzstrasse unter 1 zweigt bei Beulitz ein
Weg nach Schkeuditz ab, das auch direct von Halle durch die ebenfalls
alte Strasse über Bruckdorf, Grosskugel erreicht wird. Dicht am rechten
Elsterhochufer läuft der Weg dann über Wahren nach Lei])zig, einen Zweig
von Wahren über dieSanctThekla-Kirclie und den„KrätzBerg“ nach Taucha
und weiter nach der I'urth Wurzen und als „Töpferweg“ über Brandis nach
der Furth Trebsen entsendend. Diese Wege sind erst mit dem Auf-
kommen von Tauchau und Leipzig entstanden. Der Leipziger Zweig zieht
sich dann über Holzhausen, Naunhof als „alte Poststrasse“ nach Grimma.
Aeltcr wird der Weg von Ilolzhausen dicht neben dem Collmberg und dem
„Kriegteich“ vorbei durch Grosspössna nach dem Kreuzpunkt ältester
Strassen am „alten Schloss“, einer nahezu rechteckigen Strassen-
schanze*), die wenig verändert noch im Universitätsholze zu erkennen ist.
Von hier lief über Köhra, Lindhardt die „hohe Strasse“ nach Grimma;
ferner zweigte hier die „alte Strasse“ nach Rochlitz über Belgershain,
Lausigk ab, von der sich wieder ein alter Zweig in Belgershain abspaltete
über Pomsen, Grossbardau, Grossbothen, am Waldort „Zuckemandel“ vor-
bei nach der Muldenfurtli Sermuth und auf dem linken Ufer bleibend
als „alte Strasse“ über „Zschetsch“ nach dem Uebergang Colditz. Noch
") Vcrgl. VeiliaiiJI. der Berlin. Ges. ftir Authrü[i in der Zeitsclir. für Etbnol. IWl.
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ein dritter rein südlich gerichteter Weg zweigt am „alten Schlosse“ ab, um
Borna zu erreicheu als „alte Strasse“, durch den Forstort „Uosenthal“ als
„breiter Weg“ nach Kamlitz und am Flurort „Rosendorf“ in den „Heerweg“
einmündend, der von Leipzig über die „Funckenburg“, Dösen (auch Dösener
Weg genannt), Güldengossa, Dalitzsch ebenfalls Borna zustrebt. Aber auch
die älteste OstwestverbindungGrimma-Eythraläuft neben dem „alten Schloss“
vorbei, sich hier theilend in die alten Zweige über Cröbern, Gaschwitz, Budi-
gasser Mark und andererseits über Magdeborn. Stöhna, Zeschwitz, Zwenckau.
4a. Jenseits der alten Muldenfurth Grimma läuft der Weg östlich
am „Lerchenberg“, „Iluthbaum“ neben dem Huthberg vorbei über Brösen
als „alte Salzstrasse“ über einen zweiten „Huthberg“ und „Wachberg“ nach
Zschoppach, Klemmen, immer auf dem Rücken nach Zaschwitz, Jessnitz
zur Jahnafurth Zschaitz über Glaucha, von wo sich mit dem Aufkommen
Meissens der Zweig überLeuben, Kubschütz durch den ,,tiefenGrund“ über
Mohlis und den Jahneberg .ansetzt, während der älteste Weg über Kurschütz,
Lommatzsch immer auf dem Rücken als „Ochsenstrasse“, Seitenzweige nach
den Uebergängen Zadel, Seusslitz entsendend, nach der Elbfurth Boritz-
Merschwitz lief. Beachtlich ist der Name Ochsenstrasse, der auf die
Ochsenkarren der ältesten Zeit hinweist und den auch der älteste Nordsüd-
weg auf dem Landrücken in Schleswig und Holstein trägt, ln diesem echten
Höhenwege Grimma-Zschaitz-Lommatzsch-Boritz lässt sich wohl der älteste
östliche Durchgiingsweg dieser Gegend erkennen.
4b. Jenseits der Muldeufurth Colditz zieht sich ein Verbindungs-
weg nach der Strasse 4a rechts von Collmen bei der „Glocke“, dem „Lasten-
herg“, dem „Gieks“ vorbei über Brösen und durch Leisnig. Ausserdem läuft
ein Weg auf dem Höhenrücken über Meuselwitz, den „Wachhübel“ nach
Harthau zum Anschluss an den alten böhmischen Weg unter S.
4c. Jenseits Rochlitz, d.as als Mittelpunkt ältester Sicdelungen seit
ältester Zeit von Bedeutung war, verzweigen sich zwei anscheinend alte Wege.
Der eine läuft überZschachwitz, Aitzendorf, Geringswalde als „Töpelstrassc“
nach der Zschopaufurth Töpeln, die ganz anolog der Muldenfurth Sermutli
gelegen ist, nach Döbeln. Von diesem wichtigen Muldenübergang lief ein
Seitenzweig über Mochau nach Lommatzsch, ein anderer über Grossstein-
bach, Lüttewitz, Mutzschwitz, Leippen über den Kuhberg als „Kuhberg-
strasse“ neben „Stroischen“ nach Meissen, während ein dritter älterer Weg
weiter südlich, dem Rücken folgend, Dübeln mit Meissen verband über die
Funkte „Juchhee“, „Höhbaum“, „Troramelherg“, Choren, Gruna, als „grüner
Weg“ nach Mahlitzsch, Heinitz und Luga. Bei Mahlitzsch zweigte von diesem
alten Rückenwege und dessen Farallelwegen die Richtung in den (iau
Nisani ab, als „Salzweg“ zur Triehischfurth hei Munzig hinablaufend und
überWilsdruff, Pennrich, Pesterwitz, Döltzschen, Plauen, Leubnitz nach Dohna
hinziehend (da Dresden erst später Anziehungsmittclpunkt wurde), der die
Weisseritz auf der Linie Kesselsdorf, Potschappel, Coschütz, Leubnitz
kreuzt. Diese Wege dürften die älteste Verbindung der Landschaften Glomaci
und Nisani darstellen; die Linie Meissen- WilsdruÜ- Dresden ist offenbar
erst die Folge des Aufkommens dieser Orte.
Der zweite alte Weg zieht von Rochlitz südöstlich am „Trotzling“ vor-
bei über Neugepülzig nach der Zschopaufurth Mittweida, um den An-
schluss an die alte böhmische Strasse über den Flurort „Tabakspfeife“ am
„Behnitz Winkel“ östlich Kossau zu gewinnen. Diese Einmündung liegt un-
mittelbar vor der unter ;} erörterten Urwaldgrenze an der Striegisfuith.
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Eine ziemlich alte Fortsetzung findet dieser Verbindungsweg über Otten-
dorf, „Steintisch“ (hier vom Parallelweg der böhmischen Strasse sich los-
lösend) über Kiechberg, Bräunsdorf, Freiberg, Halsbach, Naundorf, als ,, Salz-
strasse“ über „Diebskaramer“, „Streitbübel“, Klingenberg mit dem „Gickels-
berg“, Höckendorf mit dem „Mückenberg“ (mig-nouti = flimmern, also
Funkenberg), „Geierswacbt“ hinter Grossölsa sich in die Richtungen Kreischa,
Sayda, Dohna, ferner Possendorf, Babisnau, Lockwitz und endlich Bannewitz,
Räiknitz, Dresden theilend. Dieser Weg Halle- Rochlitz- Mittweida- Dohna
dürfte als das etwas jüngere Seitenstück zu dem ältesten nördlicheren Westost-
Weg nach dem Gau Nisani über Munzig oder Roitzschen anzusehen sein.
4d. Aus dem Wegzweig über Lausigk nach Rochlitz zweigt hei dem
Wegknoten Ebersbach ein Ast über Geithain, den „Wachhübel“ bei Ober-
gräfenhain nach der Muldenfurth Lunzenau ab, sich von hier auf dem
Rücken über den ,, Gickelsberg“ am „Tauerstein“ vorbei nach der alten
Chemnitzer Strasse wendend.
Die sQdiichen Salzwege von Halle.
Der besseren üehersicht halber sind die folgenden W'ege in eine neue
Gruppe zusammengefasst worden.
5. Der wichtige Muldenübergang Penig ist durch mehrere alte Wege
mit Halle verbunden, deren Verfolgung zur Klärung des ältesten Wegnetzes
wesentlich beiträgt.
An den ältesten östlichen Salzweg von Halle unter 1 schliesst sich ein
echter Rückenweg an, der mit 2 als „Karnweg“, „Töpferweg“ in grossem
Bogen über Wüste Mark Pesswitz, Brandis, Polenz, als der „hohe Weg“ über
den „Kiewitz“, Klinga, Pomsen, den „Groitzsch“, Lausigk, Ebersbach, Altdorf-
Geithain, Ossa, Jahnshain, als „alte Strasse“ nach Penig führt, dessen Seiten-
zweige nach Trebseu, Grimma, Colditz, Rochlitz, Lunzenau bereits erwähnt
sind, llervorzuheben ist ein 1 bis 3 km östlich gelegener Parallelweg
zwischen Ebersbach, Neumarkt-Geithain, Rathendorf mit dem „Kaiserborn“
und „Satzberg“ nach Penig. Diese Wegrichtung ist besonders bemerkens-
werth, weil auf ihr Penig von Halle aus ohne üurchfurthung von Flüssen
erreicht wird; Kreuzungen finden nur mit Bächen ohne grosses Sammel-
gebiet statt.
Aehnlich trassirt, aber gerader gerichtet verläuft die sich an Weg 4
über Schkeuditz, Leipzig anschliessende Richtung über Borna. Der beiden
Wege von Leipzig über Güldengossa (Heerweg) und das alte Schloss
(breite Weg) war schon gedacht. Von Borna zieht der sich auf dem
Rücken haltende älteste Wog über Nenkersdorf, den „Strassenteich“, Roda,
Kohren, Sahlis, Linda, durch das Pastholz zum Anschluss an die soeben
erwähnte alte Strasse von Jahnshain nach Penig. Ein anderer, ab Borna
das rechte Hochufer der Wyhra begleitender Weg durchfurthet diese bei
Frohburg und läuft über Gnandstein, Goldener Pflug, den „Speckbusch“
nahezu geradlinig als die „lange oder Thonstrasse“ nach der Muldenfurth
Waldenburg.
Die anderen Wege von Halle, die zweimal die Elster und die Pleisse
kreuzen, schliossen sich an den später zu behandelnden Salzweg durch die
Schkeuditzer Furth an.
Jenseits Penig läuft die Richtung als die bekannte Hohestrasse weiter
am „Strassenteich“, „Zugmantel“, „Mordgrund“ vorbei, wo der Luuzonauer
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Zweig anschliesst, über Chemnitz, den „Kriegshübel“, den „Schellberg“, das
„Uaithholz“ am „Uollfeld“, Gornau, Zschopau zur Hilmersdorfer Höhe.
Hier trennen sich die Wege nach den drei alten Uebergängen Reitzenhain,
Kühnhaide und Rübenau, von denen nach den Localnamen der letztere der
älteste sein muss, obgleich dieser Weg die Pockau bei Lauterstein an einer
schwierigeren Stelle wie bei Kühnhaide und Reitzenhain durchfurtheL Dieser
somit älteste Weg läuft über Lauta, Lauterstein, Zöhlitz fast geradlinig
nach Rübenau, Kallich, Bernau und auf dem Rücken über Platten (Blatno)
nach Kommotau. Auf einem Seitenweg über Gersdorf, Uhrissen kann auch
Görkau erreicht werden. Ein Parallelweg hierzu mit Abzweigung am „Rung-
stockborn“ oder am „Steinhübel“ führt als „alte Kommotauer Str.asse“ über
„Kriegwald“ an der „Schwedenschanze“ vorbei nach Obernatschkau (oder
Natschung), über die Annasäule am Steinhübel, Rodenau, Quinau ebenfalls
nach Kommotau. Welcher von beiden Wegen der ältere ist, ist schwer zu
entscheiden.
Der mittlere Weg von der Hilmersdorfer Höhe zieht sich über
Marienberg, früher Dorf Schlettenberg, Gelobtland als „Jörkauer Strasse“
über Kühnhaide sich an den vorigen Weg in Obernatschung anschliessend.
Der westliche Weg läuft über die drei Brüder Höhe (Scbacht-
name), nimmt die „Kärrner Strasse“ von Wolkenstein auf und zieht sich
fast gerade über die „Fuchskaloppe“, die „hohe Brücke“ nach Reitzenhain,
Sebastiansberg, Krima, den „Klinger“, Domina nach Kommotau.
Von Kommotau und Görk.au laufen die Wege über die Egerfurthen
bei Saaz, Posteiberg oder Laun, sich jenseits vereinigend über Schlau
nach Prag.
Auf diese Gebirgsübergänge bezieht sich die Notiz in der etwa 1015
geschriebenen Chronik des Merseburger Bischofs Thietmar aus dem Jahr 892:
„in der „Provinz“ Daleminzien nicht weit vom Flusse Caminizi in dem
„Gaue“ Chutizi starb Arno, neunter Bischof von Würzburg, als er von
einem Feldzug gegen die Böhmen zurückkehrte und unweit der Land-
strasse auf der nördlichen Seite in seinem auf einem Hügel aufge-
schlagenen Zelte Hochamt hielt, umringt von einem H.aufen Feinde, mit
den Seiuigen den Märtyrertod“. Da der alte „Gau“ Chutizi den Chemnitz-
Huss zur Ostgrenze hatte*), die Kirchenprovinz Meissen, in der Hauptsache
aus dem Gau Daleminzien bestehend, zu Thietmar’s Zeit aber sich über
die Chemnitz bis zur Mulde erstreckte, so p.asst die Thietmar’sche Orts-
beschreibung nur auf das Gebiet zwischen Chemnitz und Mulde. Hier
läuft aber „unweit (d. h. 1 bis 3 km westlich) der Chemnitz“ der unter
4d envähnte Lunzenauer Weg hin. Der „Tauerstein“ bei Burgstädt bietet
hier einen dem heranziehenden Arno nördlich von der Landstrasse er-
scheinenden Hügel dar, der wohl geeignet ist, sich zur Rast in feindlich
gesinnter Umgebung zurückzuzichen. Die Trassirung dieses Weges spricht
durchaus für ein hohes Alter, so dass auch von dieser Seite Bedenken gegen
die Localisirung nicht vorliegen.
6. Der unter 4 behandelte Salzweg über Schkeuditz sendet hier die
Elster durchfurthend einen wichtigen Zweig nach Süden in den 20 bis
40km breiten, 125 km langen Landrücken zwischen Saale und Elster,
der zwar nur zum kleinsten Theile unserem Gebiete angehört, dessen mittlerer
*J U. Posse a a. 0.
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liängsweg aber nicht ausser Betracht bleiben kann. In der verkehrsreichen
Nordspitze dieses Landrückens treten die Einwirkungen der wohl von jeher
wichtigen Uebergiinge Burgliebenau -l’retsch (Elster), Merseburg -Pretsch,
Corbetha sowie Weissenfels (Saale), Eythra und Pegau (Elster) und später
Plagwitz-Leipzig hinzu. Der Ilalle’sche rein südliche Verkehr kann daher
abkürzend wenn auch durch zweimalige Saalekreuzung und in späterer Zeit
die genannten Saalefurthen anstatt den Pass bei Schkeuditz benutzt haben.
Der alte Ilückenweg gewinnt nach der Elsterdurchfurthung bei Gross-
dölzig das Südhochufer und läuft von hier weiter, den Zweig von Pretsch
aufnehmend und den Zweig „die Salzstrasse“ über Knauth- Naundorf nach
Eythra entsendend. Kein südlich setzt sich der Weg durch die Wüste Mark
PfaÖ’endorf 1 km östlich Schköhlen bis Schkeitbar fort, wo die von
Pretsch und dem jüngeren Dürrenberg herkommende südlichere Salzstrasse
nach Eythra kreuzt, wo sich auch ein gerader Weg nach der Elsterfurth
Pegau ablöst. Von Schkeitbar zieht auch ein Zweig die „alte Strasse“
rein westlich über Meyhen südlich durch das „Rosentbal“ um Lützen über
Bothfeld nach Corbetha und weiter über das Kossbacher Schlachtfeld, bei
Leiha in die llauptstrasse nach Freiburg laufend. Weiter berührt der
Rückenweg Eisdorf, wo der Anschluss von Eythra aufgenomnien wird,
als „grosser (oder kleiner) tiefer Weg“ Grossgörschen, unter dem Namen
„die hohe Eisenberger Strasse“ Grossgrimma, wo der „Zwiebelweg“ direct
von Eythra und ein ostwestlicher Weg von Pegau nach der Saalefurth
Naumburg, der den bemerkenswerthen Namen „Ocbsenweg“ trägt, sich an-
schliesst. Auf der Höhe läuft der Weg über Köttichau -Trebnitz nach
Meineweh, wo sich ein Parallelweg Eisdorf-Steckelberg-Teuchern wieder
anschliesst. lieber Koda, wo Seitenzweige von Naumburg und Zeitz ein-
münden, zieht der Kückenweg über Eisenberg, Klosterlausnitz, wo der Zweig
nach Gera, Tautendorf, wo der Zweig nach Weida, Greiz, Elsterberg sich
ablöst, nach dem „Radberg“, „Gebeege“ und Auma. Hier trennen sich
wichtige Aeste nach Zeulenroda -Pöllwitz -Elsterberg, nach Pausa-Plauen
und nach Strassberg, während der Kückenweg über Schleiz, „Zollgrün“,
Gefall oder Münchenreuth, Feilitzsch und den „Labyrinthberg“ die Saale-
furth Hof erreicht und von hier über Asch die Verbindung mit Eger
findet. Dieser Kückenweg dürfte seinem Verlaufe nach wohl als die ent-
scheidende Leitlinie im Westen unseres Gebiets anzusehen sein.
Es sind nun die Wege, die sich jenseits der Elsterfurthen südöstlich
ansetzen, zu verfolgen.
Ga. Von Eythra wird der Weg anfänglich rein östlich nach der Budi-
gasscr Mark die Aue durchquert haben. Von hier läuft der unter 4 ge-
nannte alte Ostweg Güldengossa-Altes Schloss, von hier verzweigt sich nur
noch als Wegrest ein „Kaiserweg“ nordöstlich, von hier zieht in gerader
Richtung die „Heerstrassc“ nach Pulgar und weiter als „Salzstrasse“ nach
Borna. Gelegentlich ist der Prödel-Zeschwitz verbindende „Kennsteigweg“
zu nennen, ln Kieritzsch zweigt von der Bornaer Salzstr.asse ein Weg ab
am ,,Strassenteich“ und Lutherdenkmal vorbei über Breunsdorf, Breitingen,
Gerstenberg nach Altenberg, von wo in südlicher Richtung über Saara,
Zürchau, die Pleissefurth Gössnitz, „Schwanefeld“, „Ameisenbüschel“ mit
„Burgstadt“, den „Bog“, Mosel der westliche Hochuferrand der Mulde und
dem entlang Zwickau erreicht wird. Von Altenburg nach der Mulden-
furth Waldenburg zieht sich der alte Weg über Paditz, „Burgberg“, „Wach-
hügel“ mit „Tominelgrund“, Goesdorf, Wickersdorf, „Meisensprüh“.
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6b. Von der Elsterfurth Pegau-Groitzsch zieht sich ein Wege-
paar „der Pfaffenweg“, „der Gösser Weg“, „die alte Strasse“ nach dem
alten Strassenknoten Borna. Der Hauptweg läuft über „die Wachtel“ bei
Lucka nach Altenburg. Bei Lucka schliesst sich ein wichtiger Ilücken-
weg zwischen Pleisse und Elster an, der sich auch noch nördlich
über Obertitz, Stolpen, Pulgar in der Richtung des Rennsteigweges und
, Kaiserweges bis zum Pleisseübergang bei Raschwitz südlich Leipzig ver-
folgen lässt. Von Lucka südlich läuft er über Meuselwitz, den „Geyersberg“,
Kayna, Hohenkirchen, Grossenstein, Ronneburg, „Vogelgesang“, „Lerchen-
berg“, Trünzig, Teichwolframsdorf, Reudnitz, Reichenbach und von hier
fast geradlinig bis Eger. Zunächst läuft die Wegfortsetzung von Reichen-
bach mit der grossen Hofer Strasse die Göltzsch durchfurthend oder mehr
geradlinig durch die Weissensander Furth, über Treuen, Poppengrün, über
Schöneck oder als älterer Weg dicht östlich bei Schöneck vorbei als „grüner
Weg“ nach dem „Geierswald“, Fribus, über den „Kühbauch“, Mark-
neukirchen, „Schanzholz“, Landwüst, „alte Schloss“, am „Geyei-sberg“ vor-
bei nach Schönberg mit den „Geyerhäusern“, „Altenteich“, Oberndorf,
Langenbrück, Lehenstein bis Eger. Dieser Weg stellt mithin eine zweite,
aber fast geradlinige Verbindung Halle (-Merseburg -Zeitz) -Eger dar und
zwar ebenfalls als Rückenweg entsprechend dem westlicheren Weg unter 6.
6c. Von der Elsterfurth Zeitz zweigt sich ein Weg ab, der den
Rückenweg 6 b bei Sachsenroda kreuzt und sich weiter über Reichstadt,
Raudenitz, Schönhaide, „Scheidegrund“, Rudelswalde dicht südlich Crimmit-
schau, bei „Kniegasse“ und „Karthause“ die Pleisse kreuzend, als Rücken-
weg über den „finsteren Graben“, die „Hölle“, Denkritz, die „Schatzgrube“,
den „Wachholderberg“ und Weissenborn nach Zwickau hinzieht. Ausser-
dem zweigt ein südwestlicher Weg nach Gera, Auma, Schleiz, Hof ab.
Der wichtige Ostwestweg durch Zeitz wird später behandelt.
6d. Vom Rückenweg unter 6 zweigt ein Seitenweg über Weida nach
der Elstcrfurth Greiz ab, der sich weiter bis Reichenbach fortsetzt.
In der Richtung dieses Weges schliesst sich der zweite Gebirgsübergangs-
weg nach dem Egerthale an, der von Reichenbach hinzieht über Lengen-
feld, den „Finkenberg“, als „Königstrasse“ nach Auerbach, „Tollengrün“,
Hohengrün, als „hohe Strasse“ über Jägersgrün nach dem „Aschberg“, über
„Grünberg“ nach Grasslitz, Heinrichsgrün, sich hier nach den Egerfurthen
Falkenau, Ellbogen und über Cbodau nach Rodisfort gabelnd. Sowohl die
Localnamen als die Weglage lassen in den beiden Wegen 6 b und 6d von
Reichenbach ins Egerthal alte Verbindungen erkennen. Der Name Königs-
weg ist wohl mit dem 1086 gekrönten Böhmeuköuig Wratislaw, der lebhafte
Verbindung mit seinem Schwiegersohn Wiprecht von Groitzsch unterhielt,
in Zusammenhang zu bringen.
6e. Die unweit Greiz gelegene Elsterfurth Elsterberg vermittelt
ebenfalls den Uebergang eines alten Weges nach Süden und zwar nach
Asch über Reinhardtsgrün, die „Possecke“, am „Gräfenstein“ und „Schloss
Reuth“ mit „Wallwiese“ vorbei durch Thossfell, Altensalz, N’euensalz,
Theuma, als „alte Strasse“ am „alten Berge“ und „Salzhübel“ durch die
Elsterfurth Oelsnitz über den „Geiersberg“, „Heinzens Höbe“, Rossbach.
Von Oelsnitz zweigen zwei Parallelwege über den Geiersberg ab als „alte
Strasse“ über Obertriebei, Poscck und die (jüngere V) über Untertriebei;
beide über Gassenreuth mit dem „alten Schloss“ und der „alten Schanze“
nach Hof laufend.
ea oy Googlf
33
6f. Ein alter Zweig der Rückenstrasse 6 trennt sich in Auma ab, um
ohne den Umweg über Hof das Egerthal direct zu erreichen; er läuft über
Zeulenroda nach dem alten Wegkiotenpunkt Pausa, wo er einen Seiten-
weg über Schönberg, Misslareuth nach Hof entsendet. Von Pausa über Mehl-
theuer als „hohe Strasse“ am Flurorte „der weise Stein" vorbei zieht der
Weg als „Schaafweg“ nach der alten Elsterfurth Strassberg mit „Warth-
Hübel“ und der „Burg“, Taltitz, den „üeiersberg“, Raschau, durch das jetzige
Oelsnitz überTirschendorf, Schöneck, „Wachtelbusch“, Kottenhaide, Klingen-
thal, den Anschluss an die alte Strasse unter 6d in ürasslitz suchend.
6g. Nach der später mehr in den Vordergrund getretenen Elster-
furth Plauen zweigt bei Mehltheuer vom vorigen ein Weg ab, der über
Syrau mit „Neumarkt“, den „Strassenhübel“, „Bäreustein“ nach Plauen
und weiter am „Wachhübel“ vorbei über Oberlosa, am „Salzliübel“ den
Weg 6e kreuzend, über Voigtsberg, Görnitz, „Warthebaum“, Leubetha am
westlichen Elsterhochufer gegenüber Adorf liinläuft. Der merkwürdige
Localuame „Wachbaum“ kommt nordöstlich Voigtsberg noch einmal vor.
6h. Adorf ist eine alte Elsterfurth für die Verbindung Schüneck-
Asch und zugleich Anschlusspunkt für den interessanten Kamm- und
Grenzweg über Misslareuth, Grobau, Hainersgrün, „Wachhübel“, die
„Beuten“, am „Assenberg“ mit „altem Schloss“ nach Sachsgrün, in Gasseu-
reuth den Zweig 6e kreuzend, über Oberbergen, Freibeig nach Adorf, von
wo aus der Anschluss als „hohe Strasse“ und „alte Poststrasse“ über Jugels-
burg, „Finkenburg“ (Funkenburg?), „Strassenbusch“ in Landwüst an die
grosse Nordsüdstrasse 6 b erfolgt.
Alle bisher verfolgten Wege strahlen von Halle, wenn man will auch
von den später aufgekommenen Nachbarorten Merseburg und Leipzig aus,
entweder sich rein östlich hiuziehend, das unzugängliche Elbsandsteingebirge
in grossem Bogen östlich umziehend, das Erzgebirge südöstlich über-
schreitend oder endlich der Ficlitelgebirgsabdachuiig Hof-Eger zustrebend.
Mannigfache alte Verästelungen könnten noch erwähnt werden, andererseits
sind noch eine Reihe von wichtigen alten Verbindungen hervorzuheben, die,
um die Uebersicht nicht zu stören, bisher nicht genannt wurden.
Die Wege von Prag.
Was Halle für den Norden ist Prag für den Süden unseres Gebietes;
ist es auch erst seit etwa 869 der herrschende politische Mittelpunkt, so
haben wohl von jeher die Hauptorte der früher selbständigen Einzelland-
schaften wie Ellbogen, Saaz, Leitmeritz, Tetschen zur Mitte des Böhmer-
landes lebhafte Beziehungen gehabt. Auch nach den Fundkarten bildet
Prag etwa die Mitte des in prähistorischer Zeit besiedelten Gebietes, das
gegen Sachsen liin durch eine Linie Kaaden-Tetschen begrenzt wird. Wenn
für Halle die nordwärts gerichteten Flussthäler als Hindernisse, deren
Fürthen als Leitpunkte anzusehen waren, so ist für Prag der Gebirgskamm
zwar als Hinderniss, die am Südfuss desselben hinlaufende alte Westost-
strasse aber als Leitlinie mit den Wegknoten als Leitpunkten aufzufassen.
7. Die alte nordböhmische Querstrasse ist deutlich von Eger bis
zu den Iserkammpässen zu verfolgen. Ueber „Langenbruck“, wo die er-
wähnten alten W’ege von Hof, Adorf und Reichenbach zusammenlaufen, wo
auch ein anscheinend alter Zweig über „Ensenbruck“ und „Bruck“ nach
Fraureuth und weiter sich anschliesst, zieht der Querweg über Mariakulm
\ooogle
34
(wo ein Nordsüdweg kreuzt, der von Klingenthal über Cossengrün nach der
Egerfurth Königsberg läuft), weiter über Zwodau neben der Eger-
furth Falkenau nach Cbodau (chodba = Fussweg, chod = Gang). An
diesen beiden alten Orten schliessen sich zwei Ausläufer vom alten Pass
bei Sauersack mit „Posteiberg“ und Frühbuss an, deren einer über
Schönlind, dicht östlich Heinrichsgrün über „Hochfeld“, „Hochtanne“, „Knot-
berg“, Thein nach Zwodau -Falkenau, deren anderer über „Kuhberg“, Ordt,
Kösteldorf, „Leitenberg“ nach Chodau und zur Egerfurth Ellbogen sich
hin zieht.
Von Chodau zum wichtigen Egerübergang „Rodisfort“ laufen zwei
Parallelwoge; der nördliche über Neurohlau nimmt hinter Spittengrün den
östlichsten Zweig vom Passe bei Frühbuss, der Neudeck, „Gibacht“, Tüppels-
grün berührt, und weiterhin den alten Gebirgsweg von Halbmeil-Kuhberg-
•Mückenberg auf, welcher letztere über „Irrgang“, Bäringen, „Drachenfels“
(draha - Spur, Strasse), Edersgrün herabsteigt. Kurz vor Rodisfort mündet
noch ein anscheinend alter Rückenweg, der sich am Mückenberg abzweigt
und über „Hahnberg“, „Spitzberg", „Schimitzberg“ (westlich Joachimsthal),
„Kobei-stein“, Pfaffengrün und Schlackeuwerth läuft. Der südliche ältere
Parallelweg geht über Altrohlau, Zettlitz, Hohndorf, Elim nach Rodisfort.
Der Anziehungspunkt Karlsbad gehört in spätere Zeit, doch wird bei
den Schiffhäusern und Drahowitz (draha = Weg) eine alte Egerfurth
bestanden haben, die über Ottowitz Zweige nacli den Passwegen über
Frühbuss und Halbmeil entsendet, auch südlich Fortsetzung über „Espen-
thor“, Engelhaus, Sollmus gefunden haben wird.
Laufen in Rodisfort alle alten Wege von Westen zusammen, so gabeln
sie sich auch von hier aus nach Osten. Der Hauptweg läuft auf dem
Rücken über „Höllenkoppe“, llermersdorf, „Hochwald“, Liesen, „Lapgenau“,
„Laugensack“, „Kolinerberg“, Pohlig, Quon und Liebotschan nach der Eger-
furth Saaz; ein Seitenzweig führt von Liesen über den „Sahlerberg“,
Rodenitz, „Höllen berg“, Atschau nach der Egerfurth Kaaden. Westlich
Atschau, kaum 1 km von dieser Strasse liegt das Plateau des „Burgbergs“,
etwa 1 km lang und 0,7 km breit mit dem Dörfchen Burgberg, nach allen
Seiten steil abfallend und recht geeignet, eine Volksburg (die Kadansburg?)
aufzunehmen.
Zwischen Rodisfort und Kaaden ist zu erwähnen die Egerfurth bei
Okenau mit Anschlüssen im Süden bei Hochwald, im Norden über „Pür-
stein“, „Höllenstein“ nach Schmiedeberg und „Schlössl“ bei Hammerunter-
■wiesenthal, sowie nach Weipert. Jünger dürfte die Egerfurth Klösterle mit
ihren Weganschlüssen sein.
Der wichtige Uebei'gang Kaaden ist mit drei Parallelwegen an den
alten Pass Pressnitz angeschlosseu, deren ältester (der mittlere) über
„Königsberg“, Wernsdorf, Radis, Kretscham läuft.
7a. ln Kaaden tritt die nordböhmische Querstrasse in altbesiedeltes,
fruchtbares Flachland mit zahlreichen vorgeschichtlichen Fundorten und
spaltet sich in den die Seewiesen südlich umgehenden Zweig über Pröhl,
Tuschmitz, Priesen, Kidlitz, Püsswitz, Holtschitz, Triebschitz, Brüx, Prohn,
Priesen nach dem alten Wegknoten O.g km östlich Dux und den nörd-
licheren über Seehäusl, Prösteritz, Retschitz, Körbitz, Sporitz, „Gröschl“ (grod),
Kommotau, Görkau, Türmaul, Schimberg, Eisenberg, Tschemitz, Bettelgrün,
Oberleuteusdorf, Ladung, „Saleshöhe“, Üssegg. Diese beiden Parallelwege
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werden nun auf dieser Strecke durchkreuzt von den alten Gebirgsüber-
gangswegen nach Prag.
Vom Pressnitzpasse läuft ein alter Zweig auf der Höhe über den
„Reischberg“, durch Sonnenberg, Zollhaus nach Krima, sich hier an den
Keitzenhainer Weg anschliessend. Auch drei directe Parallelwege nach Saaz
zweigen an dieser Stelle ab, deren westlicher von Zollhaus über Platz,
D. Kralupp, „Spielhübel“, „Ruhstein“, Dreihöf den Charakter eines Rücken-
weges in hohem Masse besitzt. Die Gebirgswege nach Kommotau sind
schon benannt; es bleibt noch die alte Verbindung Sayda-Saaz über Grün-
thal, Brandau, Kleinhan, Ladung, Stolzenhan, Türmaul, Görkau oder
Kleinhan-Göttersdorf nach Görkau und von hier weiter über Eidlitz, Horatitz
zu erwähnen.
Jenseits der Seewiesen kreuzt der uralte Heerweg über Purschen-
stein mit den erwähnten Parallelwegen über Einsiedel und Göhren, die
sich in Brüx vereinigen.
Der jüngere Pass bei Rechenberg entsendet den alten Weg über
Zollhaus, Eleyh, Langenwiese, „Droscheberg“ (draha, droha = Weg), Ladung,
das Dorf Wiese (zu vergl. Langenwiese) und Paredl nach Brüx. Von Langen-
wiese läuft ein Zweig über Riesenberg, Ossegg, Unterhaan, am „Riesen-
bad“ vorbei nach dem Wegknoten östlich Dux, sich nach Bilin fort-
setzend. Die weitere Fortsetzung der Wege bis zu den Egerfurthen bei
Saaz, Posteiberg und Laun und weiter bis Prag kann hier ausser Betracht
bleiben. \ach dem Cliarakter der ältesten Wegzüge muss der Postei-
berger Uebergang später zwischen die beiden älteren Fürthen einge-
schoben sein.
7b. Zwischen Ossegg-Dux und Tetschen bildet jetzt Teplitz den An-
ziehungspunkt. Im alten Wegnetz eischeint dagegen Teplitz nur als an
einer alten W'egrichtuug gelegen, keineswegs aber als wichtigster Weg-
knoten wde in neuerer Zeit. Die nordböhmisclie Querstrasse über den
W'egknoten östlich Dux setzt sich über Losch, Hundorf, Teplitz, Turn,
Soborten nach .Mariaschein fort, wo sie sich mit dem Weg am Gebirgsfuss
vereint, welcher von Osseg über Deutzendorf, Klostergrab, Kosten, Tischau,
Eichwald, Pisanken, Dreibanken (Drahenky) und Graupen gleichfalls Maria-
schein erreicht. Von hier läuft ein alter Seitenweg über Karbitz am
„Bihana“-Berg vorbei nach Aussig, während der nordböhmisclie Querweg
nun vereint über Hohenstein, Straden, Kulm, Arbesau bei Kninitz die Wasser-
scheide des Eulaer Baches erreicht, um sich über Eula, Schönborn, Kröglitz
nach Tetschen zu wenden. Die Strecke Kninitz-Eula ist allerdings in
ihrer alten Trassirung aus der österreichischen Generalstabskarte 1 : 76 000
nicht so genau wie bei allen bisher erwähnten alten Wegrichtungen er-
kennbar — die Lage der jetzigen Kunststrasse durch Königswald, die stets
in der Eulabachaue hinläuft, kann für die älteste Zeit wohl nicht in Frage
kommen. Der alte Weg muss sich von Kninitz am „llutberge“ bei Klein-
kahn vorbei, wo noch die Flurgrenze hinläuft, nach dem „Hegeberge“ ge-
wendet haben, wo sich dann der noch deutlich sichtbare Theil des Höhen-
weges, gleichfalls an einem ,,Hutberge“ nach Tetschen laufend, anschliesst.
Der Kninitzer Sattel stellt den bei weitem günstigsten Abstieg vom
Erzgebirgskamm dar; beträgt doch der Höhenunterschied nur 310 m, während
die anderen alten Abstiege bei Kulm, am Geiersberg und bei Graupen je
etwa 510 in Höhenunterschied aufweisen. Unzweifelhaft läuft der Weg
nach dem alten Elbübergang Aussig über den NollendorferPass, Kninitz,
uj<1l
36
„Zuckniantel“, Troschig, „Spiegelsberg“, „Lerchenfeld“. Neben Aussig be-
standen für die Nordwege die westlicheren Zielpunkte Uilin und Brüx, die
beide über Teplitz und den Wegkuoten östlich Dux erreichbar waren.
Hierhin zogen sich die Abstiege von den drei alten Nachbarpässen am
„Mückenberge“, am „Geyersberge“ und am „Schauplatz“ (mit Kulmer Kapelle).
Nebenher senden diese drei Abstiege auch Seitenwege nach Aussig und
zwar: G raupen -Mariaschein- Marschen - Karbitz, ferner Geiersberg-Hohen-
stein-Karbitz und endlich Kulmer Kapelle -Kulm- Böhm. Neudörfl-Herbitz-
Prödlitz -Aussig.
Mit dem \'ortreten des Einflusses von Prag wird auch das Bestreben
erwachsen sein, diesen Mittelpunkt nicht erst durch die zwischenliegenden
Orte Aussig, Bilin, Brüx, Saaz, sondern möglichst direct zu erreichen.
Vielleicht erst in dieser um 800 n. Chr. zu setzenden Zeit wird das Hinderniss,
das das böhmische Mittelgebirge darbot, durch ein wirkliches Wege-
netz überzogen worden sein. An die genannten drei Pässe sowie an den
von Kninitz setzen sich nun die Wegzweige direct nach Süden au. Der
Zielpunkt ist Weissaujezd (Ujez.d = Wegfalirt), wo die Wege von Aussig
über „Ellbogen“, Duhitz, „alte Berg“ und von Wiklitz über die Bielafurth
Hlinai. Schinia zusammenlaufen, um sich über Wellemin zu spalten nach
den fünf Egerfurthen zwischen Perutz und Leitmeritz, von wo sie sich
dann wieder in Schlau zusammenschliessen. In Wiklitz laufen von Graupen,
Hohenstein, Kulm und Kninitz die Wegzweige von den Gebirgspässen zu-
sammen. Zu nennen ist der anscheinend jüngere Parallelweg durch das
Mittelgebirge über Milleschau. Nach Weissaujezd führen überdies auch
Seitenzweige von der nordböhmischen Querstrasse einmal von Kosten über
„Kleintijezd“, Settenz, dicht westlich bei Teplitz vorbei, über „Wachhübel“,
Weibine, Schallan, „Wachtberg“ und „Paschkopole“ und sodann in Teplitz
ansetzend am „Schlossberg“ vorbei über Drakowa, Suchei, Haberzie, Hlinai,
hier in die alte Nordsüdstrasse mündend.
7c. Von Tetschen bis zu den Neissefurthen zieht sich der alte nord-
böhmische Querweg südlich um das Lausitzer Gebirge hin zwischen „Poppen-
berg“ und „Ealkenberg“ hindurch in Richtung auf die Markersdorfer Kirche,
beim „Wachberg“ und „Hachenberg“ vorüber, Böhm. Kamnitz und den
„Schlossberg“, Steinschönau, Pärchen berührend, über den „Kainmberg“,
Blüttendorf, dicht am „Kleiss“ und „Ealkenberg“ vorbei nach Zwickau,
einem alten Wegknoten, wo die Richtungen von Rumburg über Tollenstein,
von Lübau über Grossschönau, an der Lausche vorüber, von Zitt.au, von
Leipa und von Niemes Zusammentreffen. Von Zwickau ziehen zwei Parallel-
woge zwischen Isergebirge und Lausitzer Gebirge nach Eriedland und
weiter östlich; der nördliche über Cunnersdorf, am „Lerchenberg“, „Haide-
berg“, „Hutberg“, an der „Brückellehnc“ nach Einkendorf, über den „Lerchen-
hübel“, den „Passerkamm“ mit 450 m Seehühe*) erreichend und über
„Giebelsberg“, die Neissefurth Ketten und die wichtige Burg „Grafenstein“,
üppelsdorf als „Diebsstrasse“ über Zollhaus Friedland zustrebend. Der
südliche Weg läuft von Zwickau über Gabel, Ringelshain oder Jahnsdorf
nach Pankratz, überschreitet in nur 391 m Seehöhe*) den Kamm am
„Rabenstein“, sinkt zur Neissefurth Weisskirchen herab und erreicht über
„Schelleberg“, „Gickelsberg“, „Lichtenberg“ als „Diebsteig“ am „Wachberg“
und „Geiersberg“ vorbei E'riedland. Die geringere Passhühe und die Local-
*) Nach der S.steireicli. Generalstabskarte 1 : 7.5 000.
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nameii sprechen für ein höheres Alter dieses Weges; andererseits ist die
Linienführung des nördlichen Weges eine alterthümlichere.
In die Stationen dieses alten Querweges laufen von Norden die bereits
erwähnten alten Wege aus der rechtselbischen Gegend. Zu bemerken ist
der alte Wegknoten bei Finkendorf, wobin auch ein Zweig von Zwickau
über Kunnersdorf, Gabel, Vogelsang, „Eicbkamni“ fübi-t. Von Finkendorf
setzt sieb nicht nur der alte Weg über rasserkaniin nach Grafenstein-
Friedland fort, es setzt sich am Passerkamin auch ein Zweig über Grottau
an, der als Rückenweg zwischen Neisse und Wittig über Reibersdorf, .als
„Loh- (Lug)-Strasse“ über den „Lobnberg“ nordwärts läuft. Rei Finkeu-
dorf zweigt auch eine alte Verbindung nach Zittau ab über „Raub-
scbloss“, „Scheibenberg“, die „3 Orln“, bei der „Ausspannung“ die wohl
etwas jüngere Strasse von Gabel über Petersdorf, Lückendorf kreuzend,
als „Grenzweg“ am „Zigeuuerberg“ und den „Hölllöcbern“ vorbei, über das
Rathsvorwerk in die böhmische Vorstadt, über die Kuhbrücke nach Zittau,
Die Lage dieser ältesten Zittauer Drücke ist vom Standpunkte der alten
W'egtrassirung bemerkenswerth, weil hier wieder die Kreuzung zweier Ge-
wässer kurz vor deren Vereinigung erfolgt. Von der Kuhbrücke über die
Mandau läuft der alte Südostweg nach Reichenberg nach der Papiennühlen-
brücke über die Neisse, während nur 400 m östlich beide Flüsse zu-
samnienlaufen.
Die sächsischen Wege ttber das Erzgebirge.
Es bleiben nach der Erwähnung der alten Salzstrassen von Halle, des
böhmischen Wegenetzes südlich des Gebirges und des voigtländischen Netzes
noch einige ältere Wegrichtungen nachzutragen.
8. Von dem alten Wegknoten Zwickau laufen als Fortsetzung der
besprochenen Nordstrassen alte Wegzüge nach sämmtlichen alten Eger-
furtbeu zwischen Ellbogen und Saaz über die erwähnten alten Gebirgs-
Passstellen.
Ein alter Weg wird von Zwickau über Oberhohndorf, Vielau, Schönau
nach Wiesenburg gegangen sein, von wo ein echter Rückenweg über
„Vogelheerd“, „Wolfsscbacht“, „Saupfütze“, „Luchsplatz“, „Pferdehrunn“
nach dem „Sonnenberg“ und „Rissigberg“ nebst einem dicht westlich gc-
legeuen Parallelweg hinziebt, um über die „Ochsentränke“ zur Muldenfurth
Obcrblauenthal hinabzusteigon und weiter über den „Rösnigberg“, Eiben-
stock und über das „Ilirtenraumel“, die „Spinnei, jetzt die Tafel“, Weiters
Glashütte, die Mordhütte, .an der Grenze am „Kranichsee“ östlich vorbei-
ziehend den Pass Sauersack- Frühbuss zu erreichen.
Es ist aber wahrscheinlich, dass ein älterer Weg eingeschlagen
wurde, der die zweimalige .Muldendurchfurthuug vermeidet, der sich also
von Zwickau über den „Schleif berg“ oder Planitz nach Wendisebrott-
mannsdorf, Nicdercrinitz, an den „Boblteichen“ am „Hohlberge“ vorüber bis
Kircbberg hingezogen haben musste. Allerdings vermisst man auf dieser
wahrscbeinlicb schon zeitig mit dem Aufblühen Zwickaus und Wiesen-
burgs verlassenen Strecke den üblichen Charakter der schlanken lang-
gestreckten ältesten Wegzüge. Von Kircbberg scbliesst sich dann einer
der gewohnten alten Rückenwege über den „Jüdenstein“, Bärnwulde, den
„Schirrberg“, am „Zollhaus“ und „Hohenstein“ vorbei mach llundsliübel
über den „Hemmstein“, bei Muldenhammer die Mulde durchfurthend nach
Eibenstock an.
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Ein in Unterblauenthal die Mulde kreuzender östlicher Zweig über
Losa, den „ßiesenberg“, Sauschwemme -Steinbach, an der Landesgrenze
ebenfalls einen „Kranichsee“ (daher wohl ohne Zweifel mit hranice =
Grenze zusammengesetzt) streifend, über „Henneberg“, die „Farbenleithe“,
den „tiefen Graben“, der dicht östlich von Platten vorbeiziebt und bei
Bäringen Anschluss an den erwähnten Halbmeilpass findet, scheint
weniger alt zu sein. Dasselbe gilt mit noch grösserer Wahrscheinlichkeit
von dem westlich gelegenen Verbindungsweg über Hirschenstand.
8 a. Der Hauptgebirgsweg von Zwickau wird aber den für die Prager
Richtung hestgelegenen Pressnitzer Pass gesucht haben. Zunächst ist
der sich an die Muldenfurth Wiesenburg anschliessende anscheinend alte
Weg zu neunen, der sich an der Saupfütze an den Eibenstocker Weg unter
8 anschliesst und über Lindenau, den „Schimmelberg“ südlich um Neustadt,
über den „Lercbenberg“ nach Albernau, Bockau, über den „Sachsenstein“
bis Schwarzenberg läuft. Ein nördlicher, wohl älterer Parallelweg zieht
über die „goldene Höhe“, den „Mühlberg“ dicht südlich Schneeberg vorbei
über den „Gleesberg“, „Brünlassberg“, durch Aue und über Lauter nach
Schwarzenberg. Von hier lief die älteste Richtung als Höhenweg über
den „Knochen“, den Rücken südlich Langonberg, nördlich um den „Krahen-
hübel“ am „Schaafberg“ und südlich dicht am „Scheibenberg“ vorbei unter
dem Namen „Fürstenweg“, setzt sich fort bei der „Ruine“ in Crottendorf,
als „böhmische Strasse“ durch Cranzahl, am Zollhaus in eine ebenfalls
alte, hier von Stollberg, Chemnitz und Wolkenstein zusammenlaufeude Strasse
einmündend und mit ihr über „Kübberg“, „Schloss Stein“, den „weisseu
Hirsch“, Pleil dem Pressnitzer Passe zustrebend.
8b. Zeichen eines sehr hohen Alters trägt der den Muldenbogen öst-
lich umgehende Weg, der mit der Oststrasse am „Brückenberge“ östlich
die Mulde quert, am „Freytag“ diese Strasse verlässt, als „hohe Strasse
oder Freytagsstrasse“ über „Einsiedel“, den „Käseberg“, Hartenstein,
„Hundsberg“, die „grüne Lücke“, Lössnitz, über den „Grünwald“- Rücken,
das „Kornbau“, den „Einsiedel“, „Spiegelwald“, die „3 Tannen“, Waschleithe,
„Hemmberg“, Schwarzbach hinzieht und sich am Scheibenberg dem südlichen
Parallelweg anschliesst. Von hier läuft ein jüngerer Zweig über Neudorf,
Rothenkretscham als „Fürstenweg“ nach dem schon genannten Scli^össl,
Schmiedeberg und Pürstein.
Bemerkenswerth ist der Passweg über Gottesgab (ehemals Winters-
grün), nach dem zwei Parallelwege von Lössnitz laufen; der westliche über
Pfannenstiel, den „Riss“, den „Krabl“, Schwai-zenberg, die „Bärcustallung“,
das ,,hohe Rad“, Pöhla, als „hoher Weg“ über den „Sechserberg“ und
Dreieberg (draba = Strasse); der östliche Zweig über „Spiegelwald“,
„3 Tannen“, „Fürstenberg“, „Fürstenbrunn“, „üswaldkircbe“, „Langen-
berg“, Mittweida, „Ziegenfels“ als „Hundeinarterweg“ über die „faule
Brücke“, sich am Dreieberg mit dem westlichen vereinigend und über den
Flurort „in der Rachel“ an der „goldenen Höhe“ vorbei nach Gottesgab und
von hier über Schlackenwerth nach dem alten Ueberg.ang Rndisfort an der
Eger laufend. Der Gottesgaber Pass ist mit dem Aufkommen Joaebims-
thals lebhafter geworden und hat noch Seitenwege von Scheibenberg (den
„Proviant- oder Klötzerweg“ über den grossen ..Hemmberg“) und von
Schlettau (die „Thalerstrasse“ über den kleinen „Hemmberg“ und Katzen-
stein) entstehen lassen.
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9. Von der GlauchauerMuldenfurthläuft ein reiner Rückenweg durch
den „Rumpf-Wald“, über die „Funkenburg“ (Signalstation der Zwickau-
Lichtensteiner Strasse), Heinrichsort, Neuesorge, hier einen „Kärrnerweg“
von Lichtensteiu aufnehmend, „Zschockenberg“, „Sahrberg“ als „hohe
Strasse“ bis zum Anschluss an die alte Strasse über Lössnitz.
Von der Muldenfurth Waldenburg zieht ein Weg über „Ausspann-
Callenberg“, die „Katze“, den „Eisenberg“, Lungivitz, auf dem Rücken
über das „Kieferholz“, Jägerhaus, Würschnitz, als „Fürstenweg“ über den
„Panzerberg“, das „Lutzenholz“, Beutha, die „grüne Lücke“ nach Lössnitz.
Ein östlicher, wohl wesentlich jüngerer Parallelweg läuft von Würschnitz
über Stollberg, Hohneck, Zwönitz, Grüuhain zum Anschluss an den alten
Weg im Spiegelwald,
9a. Ein bemerkenswerther nach den Localnamen alter Gebirgsüber-
gangsweg setzt in Wüstenbrand an, das, auf der W'asserscheide zwischen
Lungwitzbach und Kappelbach liegend, als Wegdurebgang besonders ge-
eignet ist. Hierher laufen Zweige von Waldenburg über die „Katze“, den
„Pfaffenberg“ oder „Rödenberg“ bei Hohenstein, ferner von Wolkenburg
als „Bergstrasse“ auf dem Rücken westlich Bräunsdorf oder über den
„hohen Busch“, Bräunsdorf selbst nach Meinsdorf, endlich von Penig über
Tauscha, die Sorge in Bräunsdorf anschliessend. Von Wüstenbrand läuft
der Weg südöstlich als „Landgraben“ über „Dreidörfel“, östlich Leukers-
dorf am „Beuthenberg“ vorbei, an den „drei Teichen“ die Würschnitz
kreuzend, über „Zigeunerbrunn“ nach Jahnsdorf, hier sich in zwei Parallel-
wege, die den Abtwald östlich und westlich umgehen, spaltend. Der West-
weg zieht sich als Kärmerweg bei Meinersdorf die Zw'önitz (die eigentlich
den Namen Chemnitz zu führen hätte) kreuzend, als „Kärrnerstrasse oder
Kalkweg“, dann wieder als „Kärrnerweg“ nach der Höhe nördlich von
Thum, wo sich alte Wege kreuzen, wo auch der östliche Zweig, der als
„Rollweg“ durch das „Rollholz“ über Burkhardtsdorf läuft, sich wieder
anschliesst. Der Weg setzt sich von der Thumer Höhe als „Kärrner Strasse“
durch Herold, Neudorf, am „Lerchenhübel“ vorüber, zur Zschopaufurth
Wiesa fort, steigt über die „Riesenburg“ zur Stelle zwischen dem Pöhlberg
und dem später erbauten Annaberg, wo alte Wegspuren in der Karte er-
kennbar sind. Hier trennt sich der alte Weg in zwei Parallelwege, den
einen über Königswalde als der „alte Ilemmweg“ über Ziegenbrücke
(Zigeuner?), Jöhstadt, Dürrenberg nach Pressnitz und in den anderen älteren
über den „Lerchenhübel“ nach dem Kuhberg mit Schloss Stein, wo er in
die erwähnte alte Zwickau-Pressnitzer Strasse mündet
10. Da die alten Hauptübergänge über Chemnitz (unter 5) und Oederan
(unter 3) bereits erwähnt worden sind, ist zu den Freiberger Wegen
weiterzugehen. Freiberg ist ebenso wie Leipzig und Dresden kurz nach
der für diese Studie massgebenden Zeit Hauptmittelpunkt des Wegnetzes
geworden; indessen scheinen auch in ältester Zeit Wege die Gegend, wo
später Freiberg aufkam, gekreuzt zu haben, soll doch das Silbererz durch
Harzer Fuhrleute zuerst erkannt worden sein, ln der That wird aus dem
Herzen von Daleminzien, der Gegend Nossen-Lommatzsch-Meissen ein Weg
nach dem ältesten Pass bei Sayda geführt haben, der sich nach den
Kegeln der Trassirung ältester Wege finden lässt im Zuge: Wendischbohra,
als „Zeisigweg“ über Hirschfeld, Drehfeld (draha = Strasse), „Rabeustein“,
hier die Bobritzsch durchfurthend, Bieberstein. Haida, bei Vorwerk Hals
über die Mulde, auf dem Rücken bis dicht östlich an die spätere Frei-
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berger Sächsstadt. Von hier über den Münzbach sucht der Weg Anschluss
au die alte böhmische Heerstrasse in Mittelsayda, Dörnithal oder Sayda
auf jetzt vielfach verästelten Wegen, deren ältester über „die drei Kreuze“,
„alte Mordgrube“, den „Kuhberg“, den „weissen Schwan“, Vorwerk München-
frey, durch das Waldstück „Zehntel“, dicht östlich Hartmannsdorf, die
„untern Lichten“ führt, wo ein alter Weg von Rauenstein als „Fürstenweg“,
„Diebssteig“ und „Kammweg“ einraündet Von hier zieht sich der Weg
als „Kamm weg“ um Obersayda herum nach Dörrnthal.
Aus diesem anscheinend sehr alten Wege zweigen überdies bei der
„alten Mordgrube“ alte Wege über Langenau als alte Poststrasse nach der
alten Zschopaufurth Rauenstein und als „Rosenweg“ über Leubsdorfer
Hammer, Metzdorf, am Schellenberg vorbei nach Chemnitz ab.
Die directenWege Freiberg-Rechenberg und Freiberg-Pass von Graupen
werden etwas jünger sein; der ältere von beiden ist wohl der Weg nach
dem älteren Pass bei Graupen, der auch bezüglich der Localnamcn Be-
achtung verdient. Von Freiberg zog dieser Weg über die Hilbersdorfer
Muldenfurth durch „das Geheege“ bei der Kirche über die Bobritzsch, als
„Geiersweg“ am „Geiersberg“ vorbei, als „Bergstrasse“ durch den , .Lücken-
busch“ und Röthenbach, den Röthenbacher Berg, am „Burgberg“ vorbei
zur Weisseritzfurtb, von hier auf dem Rücken empor zur „kahlen Höhe“
als „langer Rainsteig“, an der „faulen Pfütze“ vorbei durch Hennersdorf,
Ammeisdorf, Schönfeld, am „Reinberg“ vorüber durch den „grünen Wald“,
auf dem Rücken als „schwarzer Leichenweg“ über den Pfaffenbusch. Hinter-
und Vorderzinnwald bis zum Anschluss an die uralten Pässe Graupen-
Geiersberg.
Ein südlicher Parallelweg über Weissenborn, Frauenstein wendet sich
den jüngeren Pässen Moldau -Zaunhaus zu.
ln den alten Graupener Passweg mündet unweit der „kahlen Höhe“
ein Zweig aus dem Gau Sisani über Possendorf, „Einsiedlerstein“, Dippoldis-
walde und als „Fürstenweg“ bis zum Anschluss hinter Sadisdorf.
11. Der Plauensche Grund durchschneidet den alten Gau Nisani;
beide Theile werden durch die drei Weisseritzfurthen am Vorwerk Heils-
J)erg, bei Potschappel und Plauen verbunden, nach denen alte Wege von
Wilsdruff, dem Uebergangspunkt nach dem Daleminzier Gau ausstrahlen.
Durch die westliche Furth läuft ein Weg Meissen-Prag über Wilsdruff.
Braunsdorf, „Hirschberg“, Rabenau, „Götzenbüschchen“, an der „Klause“
vorbei über das „steinerne Messer“, Dippoldiswalde, Elend, als „Fürsten-
weg“ über den „Windberg“, „Ochsenteich“, den „hoben Wald“, „Schenkens
Höhe“ bei Falkenhain und von hier den „Riesengrund“ westlich über „die
Klinge“ umgehend oder ihn bei der „Ladenmühle“ durchquerend nach
Altenberg, am „tiefen Bach“ hinab nach Geising und über den „Schauhübel“
bei der „Wachsteinrücke“ vorüber nach dem alten Pass von Graupen.
Eine zweite Verbindung Meissen-Prag, durch Vermeidung der Kreuz-
ungen tief eingeschnittener Thäler bemerkenswerth und deshalb älter,
zweigt schon von Sora (Kneipe) ab und läuft über den „Kühbusch“ durch
die „Struth“ als „Längenwe^* später „langer Weg“ auf dem Rücken nach
Spechtshausen, als „breiter Weg“ oder „Klingenweg“ über Grillenburg
dicht westlich Klingenberg am rechten Hochufer des Colmnitzbaches auf-
wärts durch den „I.ückenbuscb“, sich hier an die erwähnte alte Freiberg-
Graupcner Strasse anschliessend. Die Verbindung vom Lückenbusch über
Frauenstein nach dem Rechenberger Pass scheint etwas jünger zu sein.
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Der mittleren Furth bei Potschappel strebt der Weg von Wilsdruff
am „wüsten Berg" vorbei über Wurgewitz, seitwärts des „Burgwardberges“
zu, dann führt er über Neucoschütz, Coschütz mit dem bekannten Burg-
wall, als „Kohlweg“ über Mockritz. Leubnitz, Lockwitz, Dohna und damit
in das Herz von Nisani. Ueber die untere Furth Plauen läuft entsprechend
ein nördlicher Parallelweg, der sich in Leubnitz anschliesst.
12. Die anscheinend allerältesten Erzgebirgsübergänge heften sich an
das Plateau zwischen Dohna-Meusegast -Zehista; ein alter Weg zweigt aller-
dings schon von Lock witz ab und läuft über Röhrsdorf, den „Blauberg“,
„Lerchenhubel“, Maxen, „Heideberg“, Hausdorf, „Grimmstein“ dicht öst-
lich Cunnersdorf nach Glashütte, über den „Sonnenberg“, Börnchen nach
dem „Schulhübel“, wo er sich in den Ast über Lauenstein, Fürstenau,
Graupen und in einen zweiten über den Mühlberg, Liebenau nach Geiers-
berg oder Kulm spaltet.
Von Dohna läuft der bekannte alte Weg über Eulmühle, Seidewitz
als „alte Strasse über den Geiersberg“, jetzt „Kalkstrasse“, über den
„Laurich“, „Käferberg“ am „Mückengeplerre“ (Waldstück) und „Scherbens
Knochen“ vorbei durch Börnersdorf, seitlich „Scherbers Berg“ nach Breite-
nau, wo er in den zweiten alten Weg mündet, der von der Eulmühle
über Seidewitz, Friedrichswalde, Rittergut Gersdorf nach dem „Jagdstein“
läuft und nun den Namen „Königsweg“ und „alter Königsweg“ führt,
sich am „Raithau“ vorbei nach dem Forstorte „Rennpläne“, durch Hart-
mannsdorf am „Lerchenhübel“ vorbei nach Breitenau zieht. Von hier läuft
der gemeinschaftliche Weg unter dem Namen „alte Töplitzer Strasse“
nach einem Punkt östlich Fürstenwalde, wo sich ein Zweig über Strecke-
walde nach Nollendorf, Kninitz ablöst, während der Stammweg weiter
südlich bei den „schwarzen Wiesen“ die jetzige Grenze überschreitet und
fast geradlinig über den „Schauplatz“ nach der Kulmer Kapelle läuft,
während der Weg über die Ebersdorfer Kircbe nach dem Geiersberg fast
rechtwinklig abbiegt, ein Zeichen, dass der letztere jünger sein
wird wie der Kulmer W’eg, den überdies auch die erste historische
Erwähnung betrifft: Markgraf Ekkehard zog 1040 mit einem Sachsenheer,
das er bei Donin versammelt hatte, auf einem W'eg, der bei der Burg
Hlumec (Kulm) aus dem W'alde in das böhmische Land tritt. Diese Burg
wird wohl auch in dem älteren Berichte von 1004 gemeint sein, nach
welchem der vertriebene Herzog Jaromir dem siegreich das Erzgebirge
überschreitenden Kaiser Heinrich II. eine Burg, die so recht an der Thür
des Bühmerlandes liegt, übergiebt. Dass es 1126 mehrere Pässe gegeben
hat, geht aus der Notiz hervor, der Böhmenherzog Sobeslav babe gegen
ein heranziehendes deutsches Heer einige der Pässe verhauen und ver-
rammeln lassen.
Nach der Art der Trassirung und der Namen der Wege scheint der
Weg über den Laurich der älteste zu sein; ihm trat seit König Wratislaw
um 1080 der wohl von ihm eingerichtete Königsweg zur Seite, dem er an-
scheinend die Richtung Breitenau -Jagdstein-Schäferbrunn — östlich bei
Ottendorf vorbei — Galgenberg -Zehista gegeben hat. Der Verbindungsweg
von Seidewitz, der den „Leiteugrund“ (Bahratbal) zwischen Friedrichs-
walde und Gersdorf ohne zwingende Nothwendigkeit für eine alte Strasse
kreuzt, wird später hinzugetreten sein.
Der älteste W'eg nach dem wegen seiner Höhe besonders günstig ge-
legenen Wasserscheideupunkt Kninitz über Nollendorf hat sich ohne
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Zweifel in der Gegend der Gersdorfer Wände und der „Rennpläne“ von
den hier zusammeiüaufenden Wegen über Seidewitz und über Zehista ab-
gezweigt, um bei Gottleuba das Thal zu kreuzen und an den „14 Noth-
helfern“, dem „Leichengründel“, „wüsten Schloss“, „Wachstein“ und „Huth-
stein“ vorbei auf dem Rücken über die „Oelsener Höhe“ östlich vom
„Sattelberg“ über Schloss Schönfeld und durch den „Kühbusch“ die
Nollendorfer Kirche zu erreichen.
Dieser nach der Trassirung und den Localnamen uralte Weg erhielt
später als Concurrenz eine begünstigtere östliche Parallelstrasse, die sich
schon bei Cotta loslöst und über den „Ladenberg“, Dürrhof, Berggiess-
hübel, den „dürren Berg“ nach Hellendorf, am „Bocksberg“ und der
„Silbergrube“ vorbei durch Peterswald, am „Keibler“ vorüber nach Nollen-
dorf läuft und sich in der Einsattelung des Gebirgskammes bei der Kirche
an den vorerwähnten W'eg anschliesst. An Verbindungswegen zwischen
den beiden Parallelstrassen fehlt es nicht
Kurz ist noch des Rückens zwischen Müglitz und Seidewitzbach zu
gedenken, auf dem ein W'eg von Dohna ohne jedwede Thalkreuzung bis
Fürstenwalde hätte geführt werden können. Nirgends lassen sich aber
die charakteristischen Spuren eines alten Weges entlang dieses Rückens
erkennen; der hier vorkommende Name „Langenbrückenberg“ ist alter-
thümlich, kann aber einem Localwege sein Dasein verdanken.
Die unschwierigen Seidewitzbachfurthen an der Eulmühle, bei Zuschen-
dorf und Zehista haben wohl in ältester Zeit bestanden und sind nicht
als ausschlaggebende Verkehrshindernisse angesehen worden.
Als die älteste Passstrasse wird die Richtung Pirna-Dohna über
Zehista -Rennpläne- Gottleuba - Oelsener Höhe - Nollendorf - Kninitz -Aussig
anzusehen sein. Von Aussig, wo die Biela mit ihrem altbesiedelten Ge-
biete in die Elbe mündet, führten alte Rückenwege nach Leitmeritz sowie
nach den Egerfurthen und Prag.
Als Nebenweg ist die Verbindung Pirna-Tetschen, die zum Theil den
Namen „hohe Strasse“ führt, zu erwähnen.
Die ostelbischen Nordsfidwege.
Schon unter 2a, b, c ist eine Reihe paralleler Wege, die das Elbsand-
steingebirge östlich umziehen und sich südlich nach Prag oder nach den
Iserfurthen wenden, erwähnt. Den Schlüssel dieser Wege auf böhmischer
Seite bilden Tollenstein und Zwickau.
12. Nordsüdwege laufen von den Elsterübergängen Mückenberg, Ruh-
land, Senftenberg in das Milzienerland, ebenso z. B. von Hoyerswerda,
Wittichenau über Nausslitz, Crostewitz, als „kleine Strasse“ über Uhyst
nach Bischofswerda und weiter; ferner von Hoyerswerda, über Königs-
wartha,Neschwitz, als „Fisch we g“ auf dem Rücken überGrosshänichen eben-
falls nach Bischofswerda. Ein anderer Südweg zieht von Ratzen, wo alte
Wege von Spremberg und Muskau zusammcnlaufen, am „Lerchenberg“ vor-
bei über Radibor, Cölln, Salzförstgen , Weissnausslitz, „Kleeschänke“,
Tautewalde, „Dahrener Berg“, Weifa, „Jerkens Berg“, Wehrsdorf, Mittel-
sohland nach Schluckenau zum Anschluss in Zeidler an die alte Tollen-
steiner Strasse. Dieser Nordsüdweg läuft möglichst auf der Höhe und
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dürfte daher älter sein als der in Radibor abzweigende östliche Parallelweg
die Bautzener Spreefurth, die Münchswalder Spreefurth, die „Adler-
schenke“, Kleinpostwitz zum Wegknoten Kirschau, Schirgiswalde, I'eters-
bach bis zum Anschluss in Mittelsohland an den Ostweg.
Besonders beachtlich ist der schon gestreifte Südweg, der in Löh au,
wo ein System von alten Wegen nach den Neissefurthen zwischen Zittau
und Radmeritz (Joachimstein) abzweigt, sich südlich in gerader Richtung
nach Zwickau wendet, sich bis zur „Landbrücke" nördlich Waltersdorf in
Parallelwege theilend. Der westliche Weg läuft über „Nonnenberg", Gross-
schweidnitz, Kottmarsdorf, die „Tümmeln“,„Spreehorn“,Gersdorf, „Wechsel-
stein“, „Stachelhergelchen“, Seifliennersdorf, die „Leutherau“, am „Burg-
berg“ vorbei über Warnsdorf zur Landbrücke. Der Ostweg zieht als „hoher
W'eg" dicht westlich Niedercunnersdorf über „Steinglanz“, wo der alte
Kirschau-Zittauer Weg üherschnitten wird, am „Haderplan“ vorbei, als „Leier-
oder Grasweg“ dicht westlich um den „Kottmar“ am „Jockelsberg“ und west-
lich am „Spitzberg“ vorüber über den „Pfaffenberg", die „Dreibome Wiese“,
am „Weissenstein“ und „Schwarzenstein“ vorbei über einen zweiten Pfaffen-
berg zur Land brücke. Eine östlich den Kottmar umziehende Variante durch
Nieder- und Obercunnersdorf trägt den Namen , .Viehweg oder Königstrasse“,
führt über den „Hungerbrunn“, den „Rötherberg“, um sich in Eihau an den
vorigen Weg wieder anzuschliesscn. Auch hier kann an König Wratislaw oder
einen späteren böhmischen König gedacht werden, die längere Zeit Milska
beherrschten, Heerzüge von Böhmen über Bautzen gegen Meissen unter-
nahmen und dieseWegvariante wohl angelegt haben können. Schon vom Feld-
zug 1004 wird berichtet, dass Kaiser Heinrich II. nach seinem Uebergang
(bei Kulm?) nach Böhmen wieder zurückgeht auf unwegsamen Pfaden
nach Bautzen, wo er eine Besatzung zurücklässt. Nach den bisherigen
Erörterungen fallen diese „Pfade“ entweder in die Richtung über Zwickau
und Löhau oder, was nicht unwahrscheinlich ist, in die anscheinend alte
Abzweigung vom Spreeborn bei Gersdorf am , schlechten Berg“, „Bauer-
berg“, „Euchslöcherberg“ nach den neuen Häusern östlich Cunewalde. Vom
Pass an der Lausche bis hierher läuft dieser alte Weg fast gerad-
linig. An dieser Stelle weicht der Weg mit westlicher Umbiegung den
Bergen von Wnischke aus, zieht als Brettstrasse über Schönberg, Kosel,
zwischen „Schmorz“ und „Drohmberg“ hindurch über Strehla nach Bautzen.
Die Trassirung dieses sich möglichst auf den Rücken haltenden, schlank
hinlaufenden VVeges lässt in der That auf ein höheres Alter schliessen.
Von der Landbrücke aus läuft auch ein anscheinend alter Weg, sich in
Seifhennersdorf vom genannten ablösend, am „Gockelberg“, „Kuhberg“,
„Föppelberg“ vorbei nach Altgeorgswalde und weiter über Oppach, sich
nach den alten Spreefurthen Kirschau und Postwitz gabelnd. Von hier
findet dann die weitere Fortsetzung nach Bautzen statt. Es wird schwer
sein, unter den in Frage kommenden alterthümlichen Wegverbindungen
jenen unwegsamen, also damals noch wenig ausgefahrenen „Pfad“ vom
Jahre 1004 ausfindig zu machen. Jedenfalls ist dabei auch der fast gerad-
linige Südnordweg von Prag über Melnik, Sandau, Zeidler, Kirschau nach
Bautzen unter 2c in Betracht zu ziehen, dessen Vorhandensein bereits im
Jahre 1004 sehr wahrscheinlich ist.
Zu erwähnen sind noch die alten Parallel-Strassen westlich der Neisso
zwischen Görlitz und Zittau, die theils am Hochuferrande, theils über die
Rücken führen.
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Die mittleren West- Ostwege.
Zwischen den rein östlichen alten Halleschen Salzstrassen und der
nordböhmischen Querstrasse ziehen sich noch Westostverbindungen hin,
die vereinzelt schon berührt wurden, hier aber noch kurz zu erwähnen sind.
14. Mit dem Aufkommen Leipzigs und Grossenhains verschob sich der
Haupttheil des Verkehrs Halle, Eilenburg, Beigem und Strehla auf die
bekannte Hohestrasse, die via regia der Urkunden, bei deren Benutzung
von Leipzig aus die drei Uebergänge Eilenburg, Wurzen, Grimma
wahlweise frei gegeben waren. Der Elbübergang fand in Boritz-Mersch-
witz statt. Näher auf diesen bekannten Strassenzug und auf seine späteren
Varianten einzugehen, kann hier unterbleiben.
Auch auf die in der alten Elsterfurth Eythra sich sammelnden und
östlich weiter ausstrahlenden Wege ist bereits unter 4 und 6 hingewiesen
worden.
Der nächste Ostweg lief von Weissenfels über Zorbau, Steckelberg,
„Zotzsch“, Grossgrimma als „Ochseuweg“ nach Pegau, Borna (No. 6b),
weiter über den „alten Strassenteich“, Flössberg mit „Schlossberg“, das
„Schlangenloch“, Lausigk, Ballendorf, die „Einsiedelwiese“, die „Brauuicke“,
das „Dornicht“ nach Colditz und auf erwähnten Wegen (4b) weiter.
Weiter südlich folgt der Ostweg von Naumburg über Pretsch nach
Zeitz und Altenburg und östlich weiter über Clause, Lohma, die Strassen-
häuser Beiern am , .Messberg“, Steinbach am „Mäuseberg“, den „Zeissig“
nach Penig. Von Altcnburg läuft ein alter Weg über den „weissen Berg“
(hier wie bei Prag am Punkte des Zusammeulaufens der Wege dicht vor
der Stadt gelegen, also vielleicht „wegweisender Berg“), Bocka, Gnand-
stein, Kohren, Ossa nach Bochlitz und weiter.
Schon von Zeitz trennt sich ein nördlicher Zweig, der über Lucka,
Kamsdorf, am „Geiersberg“ vorbei nach Haselbach, Treben, als „alte Strasse“
nach Frohburg, über Greifenhain als „Heerstrasse“ durch Ebersbach und
als „grüner \Veg“ nach Colditz läuft. Von Frohburg trennt sich ein Weg
über Koda nach Kochlitz ab, der entweder über Geithain und „Gickels-
berg“ oder auf dem anscheinend sehr alten Kückenweg, dem „Laagweg“
(lag = Ordnung, Gesetz, also „Kechtsweg“) über Breitenborn läuft.
15. Für Sachsen von Bedeutung ist der Ostweg von der Saalefurth
Kahla über die Leuchtenburg, Koda, St. Gangloff, „Lerchenberg“, Gera,
Konneburg, „Raitzhain“, Stolzenberg, Posterstein, Sommeritz, als „Krieger-
stnisse“ über Ponitz nach Meerane, Gesau, bei Glauchau über die Mulde,
über den „Schcerberg“, den Lungwitzbach, durch das „Audorf“, über den
„Elsterberg“ immer auf dem Rücken über den „Kirchberg“, die „Katze“,
den „Rödenberg“, dicht nördlich Hohenstein und Wüstenbrand, den „Todten-
stein" nach Rabenstein und als „Hartstrasse“ nach Chemnitz hinlaufend,
wo Anschluss an die alten Ostwege gefunden wird. Sowohl die Trassirung
wie die Ortsnamen sprechen für ein hohes Alter dieses Weges.
16. Von der Saalefurth Orlamünde, Hummelshain läuft ein alter
Ostweg, der sich mit der ,. hohen Strasse“ von Pössneck bei Rosendorf
vereinigt, über Zwackau nach Triptis, wo iler alte Rückenweg von Saal-
feld anschlicsst, Oestlich setzt sich diese Richtung fort über Nieder-
])öllnitz nach Weida, Veitsberg, Pohlen, Vogelgesaug, Mannichswalde nach
Crimmitschau und weiter, ^'on Weida entsendet diese alte Oststrasse
einen Zweig über Berga, Klein-Gundorf, den „Diebskeller“, Katzendorf,
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Trünzig mit der „Wache“, als „Laiidsteig“ über Stöcken, als Querweg zur
alten Strasse von Ronneburg nach Werdau und von hier über den „Wind-
berg“ nach Zwickau.
Von dem wichtigen Verkehrsknoten Saal fehl läuft ein zweiter Ost-
weg über Schleiz und von hier sich spaltend über l’ausa, „Wacbbolder-
schenke“, Dobia, Wellsdorf, Trifle nach (ireiz und andererseits über Mübl-
troflf, Scbönberg, über Demeusel, als „Plauenscber Steig“ über Leubnitz,
den „Kübberg“, „Scbneckengrün“, am „Weisenstein“ (wohl wegweisender
Stein?) die alte Richtung l'ausa-Strassberg kreuzend, Neundorf mit„Wartb-
hübel“, „Ochsenhübel“ nach Plauen.
Von Saalburg über Culm und Zollgrün, Unterkoskau läuft ein Ost-
weg nach Stelzen, wo er sich in die Richtungen nach den Elsterfurthen
Plauen, Strassberg, Kürbitz und W' eischlitz verästelt.
17. Jenseits Plauen schliessen sich bemerkenswerthe alte Ostwege
an. Zunächst der südlichere über Friesen, Mockeigrün mit dem „ Z sch oc kau-
berg“, „Plauerberg“, Schönau, „Rammelberg“, Auerbach, „Ameishübel“,
Scbnarrtanne, „Lauberg“, Schönheide, Eibenstock, das „hohe Thor“, Zinimer-
sacher, Sosa, zu beiden Seiten des „Sonnenberges“ als „Tollberger Weg“
und „neuer Weg“, über den „Fellberg“ nach Breitenbrunn zum Anschluss
an den Pass bei Ilalbmeil, über den „llabnberg“ nach üottesgab, VViesen-
thal, Königsmühle, Oberhals, Kupferberg, Kaaden. Ein nur wenig nörd-
licherer Parallelweg läuft von Plauen über Thosfell nach Treuen als
„Königstrasse“, südlich Eich über den „hohen Brunnen“ nach Rode-
wisch, als „Kohlstrasse“ und „hohe Strasse“ durch den ,, Ringswald“ nach
Sehnarrtanne zum Anschluss an den südlicheren Weg, setzt sich aber auch
von Rodewisch selbständig östlich fort über den „Judenstein“, „kalten
Frosch“, Oberstützengrün, den „hohen Stein“, als „alte Strasse“ über den
„kalten Born“ bei dem Forstorte „fröblicbe Zusammenkunft“, Zschorlau,
Bockau nach dem alten Wegkuoten Schwarzenberg. Von hier läuft der
Weg über den „Graul“ an der „Oswaldskirche“ vorbei nach Elterlein, am
„Zieg“ und an der „Wahrsage“ vorbei über Geyer, „Streitberg“, „kalten
Mufif“ nach Wolkenstcin. Von diesem wichtigen üebergange laufen alte
Wege nach den erwähnten Pässen Reitzeidiain-Rübenau; der Ostweg aber
zieht in Parallelwegen, deren jeder den Namen „Fürstenweg“ und weiterhin
„Seydenweg“ trägt, der nördliche über Rauenstein, der südliche über den
,,Flöhberg“, Görsdorf, den „Ochsenberg“ nach Mittelsayda. Von hier
setzt sich der Weg wie erwähnt nach Freiberg, aber auch nach dem Gau
N'isaui fort über Zethau, durch die Fürthen in Mulda, Lichtenberg und
Pretzschendorf, hier einen Ast über Dippoldiswalde und einen anderen in
den Plauenschen (irund entsendend, der als „Fürstenweg“ oder „Butter-
steig“ vor Höckendorf sich der „Butterstriisse“ oder „Mittelgebirgischen
Strasse“ von Rechenberg-Frauenstein anschliesst und mit ihr gemein-
schaftlich über Somsdorf nach Cossmannsdorf läuft.
Die Hof-Chemnliz-Dresden-Bautzener Stra-sse.
Den Schlussstein bildet dieser bekannte Ostweg, dessen Ausbildung
in das Ende des für diese Studio bemessenen Zeitraums fallen dürfte und
der bald nachher zu hoher Bedeutung gelangte.
18. Von Hof nach Zwickau lassen sich drei Parallelwege unter-
scheiden, deren mittlerer die ehemalige hohe Strasse, jetzt die Chaussee
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darstellt; er läuft von Hof über den „Labyrinth-Berg“ bei „Blosenberg“,
„Wiedersberg“ und dem „alten Schlosse Haag“ mit den nachbarlichen
Localnamen „Weisenstein“ (wegweisender Stein'?), „Wachhübel“, die
„Beuten“, der „graue Stein“ über den „Kronenberg“, Zöbeu, durch die
Elsterfurth „Rosenthal“ über Siebenhitz, die Sonne, neben dem „Glocken-
berg“ vorbei über den „Posthübel“ nach der Elsterfurth Plauen, wo der
Weg sich in zwei alte Hauptrichtungen gabelt; die westliche läuft als
„alte Strasse“ am „Warthberg“, „Strassenhübel“ vorbei über Pöhl, den
„Scheerhübel“, „Kuhholz“, „Marktpöhl“, die „Possecke“, wo nicht nur
die alte Verbindung Elsterberg-Treuen gekreuzt wird, sondern sich auch
ein alter Weg über die Gölzschfurth Mylau als „Kutschenweg“ über
Brunn nach Werdau zum Anschluss an die Pleissethalstrasse nach Alten-
burg ablöst. Von der Possecke läuft der Weg über Limbach nach Reichen-
bach aus als „alte Strasse“ dicht östlich bei Reichenbach vorbei über die
„Hölle“, das „Brandei“, als „Marktsteig“ beim „Katzenschwanz“ vorbei
durch Ebersbrunn, Planitz nach Zwickau. Der später zur Chaussee
ausgebaute Weg zieht sich durch die Stadt Reicbenbach, hier einen Zweig
nach dem erwähnten Kutschenweg aussendend, über Neumark, Schönfels,
Stenn am „Götzenbusch“ vorbei zum Anschluss an die eben erwähnte
Strasse über Planitz oder (als Chaussee ausgebaut) über den „Liebberg“,
„rothen Berg“ nach Zwickau. Ein anscheinend älterer Parallelweg von
Neumark führt über den „langen Berg“, „Kuhberg“ nach Altschönfels.
Der östliche Weg von Plauen läuft über den „Weinberg“, als „Lengen-
felder Weg“ über die „Warthe“, Altensalz mit dem „Pfannenstiel“, nach
Thossfell mit der „Warthe“ und dem Flurorte „Zetergeschrei“. Hier
schliesst der später zu erwähnende alte Weg Hof-Üelsnitz sich an; von
hier trennen sich wiederum die eben vereinten Pfade in den Weg nach
Altenlmrg und den nach Zwickau. Ersterer läuft, ein echter Rückenweg, als
„Oelsnitzer Steig“ über Pfaffengrüu, „krumme Birke“, an der „Igelstaud“
vorbei über den „Mylberg“ zur Elsterfurth Mylau; letztere zieht als
„Königstrasse“ durch Treuen, als „alte Strasse“ über die Gölzschhäuser
beim „Zigeunerholz“ vorbei nach dem Katzenschwanz und Ebersbrunn,
wo die alten Wege von Plauen nach Zwickau sich vereinigen.
Hier ist eines alten Rücken weges zu gedenken, der sich vom Katzen-
schwanz südlich abzweigend über den „Forellenteich“, „Lerchenberg“, als
„Waldstrasse“ über den „Wachthübel“ westlich bei Plohn und Abhorn
vorbei (hier die ,, Finkenburg“, wohl = Funkenburg'?) sich nun östlich
durch die „Zeidelweid“, „Rebesbrunn“ zum Anschluss am „Judenstein“
an den alten Ostweg 17 über Stützengrün wendend hinzieht.
Von Hof führt ein östlicher Parallelweg nach Altensalz -Thossfell
zum Anschluss an den mittleren Weg über Plauen; er überschreitet bei
Gassenreuth zwischen der „alten Schanze“ und dem „alten Schloss“ die
Wasserscheide und ist bereits unter 6e erwähnt.
19. Zu gedenken ist des westlichen Weges nach Plauen ohne Elster-
kreuzung, der sich allerdings weniger stark ausgeprägt über Tropen,
Mar.\grün, Kröbes, am Burgstein über Schwand mit dem „Schutzberg“,
den „Butteriiöhl“ und „Gö8snitzberg“nacli Strassberg und über den „Glocken-
berg“ nach Plauen hinzog, sich auch weiter bis zur Elsterfurth in Elster-
berg über Vorwerk Heidenreich, „Strassenteich“, Jössuitz, „Auspanu“ und
„Görschiiitzberg“ fortsetzte.
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47
20. Zwischen Zwickau und Freiberg lassen sich ausser dem zur
Chaussee ausgebauten Wege noch Nebenrichtungen erkennen. Der Haupt-
weg kreuzt das Muldenthal, läuft über den „Brandberg“ mit der „Funken-
burg“ über Lichtenstein, den „Chemnitzer Berg“ durch das Lungwitzthal
und Kappel bachthal nach Chemnitz, durch diese Linienführung in den
Thalauen seine Entstehung erst um etwa 1100 wahrscheinlich machend.
Von Chemnitz läuft die Chaussee in sichtlich neuerer Trassirung durch den
Zeisigwald, die „Flöher Aue“, Gückelsberg, die „Ausspannung“, Oederan,
das „kalte Feld“, in älterer Richtung über Rittergut Oberschöna am
„Geiersberg“ und „Fernesiechen“ nach Freiberg.
Die älteste Wegrichtung zwischen Chemnitz und dem alten
Wegknoten Oederan wird nach den Trassirungsgrundsätzen für älteste
Wege sich von Chemnitz hingezogen haben als „Fürstenweg“ entweder am
„Beuthenberg“ vorbei direct durch Euba nach Plaue oder etwas süd-
licher nächst der Eubaer Kirche über den „Katzenberg“ ebendahin. Von
der Zschopaufurth Plaue durch die „Schweddei“ führt über den „Küh-
stein“ der Leithenweg nach der Flöhafurth Falkeuau, so dass ganz folge-
richtig die Flusskreuzung vor der Vereinigung in Flöha stattfindet. Von
hier erstieg der alte Weg die Thalgehänge entweder über das Mühlfeld
(wo die Gückelsberger Strasse durchläuft) oder über den „Schussberg“
am Höllengrund direct der „Ausspannung“ zustrebend.
Interessanter ist der südliche Parallelweg von Zwickau nach
Chemnitz. Von Zwickau läuft die erwähnte „Freytagstrasse“ bis zum
„Zschockenberg“ (von althochd. suochan = suchen, eigentlich sich
anhängen?), einem sehr alten Wegknoten, von wo der Rückenweg nach
Chemnitz als „Pflockenstrasse“ über das Jägerhaus, Ursprung, als „Fürsten-
weg“ um Neukirchen und westlich Helbersdorf nach Chemnitz zieht.
Aus der Freytagstrasse zweigt ein Cliemnitz völlig südlich umgehender
Weg nach Freiberg am „Käseberg“ ab, läuft über Hartenstein bei Beutha
oder Waitzengrün vorüber nach dem „Katzstein“ oder „Drachen fels“
(draha = Weg), „Ellbogenthor“, „Brand“ und „Martinsberg“ in die
Nähe des „grossen Steins“, einer alten Wegkreuzungsstelle. Von hier
läuft der Kückenweg weiter als „Eisenweg“ und „Zeller W'eg“ (Klösterlein
Zella bei Aue) über die „Tabaktanne“, das „schwarze Kreuz“, das „Höllen-
loch“, durch das „Rollholz“, am „Drachenstein“ und „Geiersberg“ vor-
über, bei Einsiedel die Zwönitz (richtiger die Chemnitz zu nennen) kreuzend,
als „Fürstenweg“, „Heege oder Spurweg“ am Adelsberg vorbei, den
„Galgenberg“ südlich Euba erreichend, von wo er sich fortsetzte über die
Zschopaufurth nördlich Erdmannsdorf, am „Lilienstein“ und „Schellenberg“
vorüber nach Metzdorf und als schon erwähnter „Rosenweg“ nach Freiberg.
Von diesem fast alle alten Wegnamen tragenden anscheinend sehr
alten Höhenwege zweigen sich ebenfalls alterthümliche Verbindungswege
nach verschiedenen Seiten ab, die hier nicht weiter zu verfolgen sind.
Hier mag noch gelegentlich einer weiter südlich parallel gelegenen
Verbindung gedacht werden, die in Schwarzenberg ansetzt, um über Elter-
lein, als „8“ oder „Fürstenweg“ über die „Winterleithe“, die „Kutten“,
die „Abschiedstanne“, am „Wilden Mann“, über die „Honigwiese“, das
„Rabenholz“, als „breiter Weg“ und „Kohlweg“ beim Steinberg vorbei auf
dem Rücken nördlich des „Göckelsbergs“ über den „Ameisberg“, als „Eisen-
strasse“, bei Zschopauthal diesen Fluss durchfurthend, über die „Waldkirche“,
Grüuhainichen, Borstendorf, Eppendorf, Langenau, Freiberg zuzustreben.
48
Der Trassirimg nach ist auch eine Verbindung, die sich mit Zweigen
an die Nachbarfurthen Plaue und Falkenau ansetzt, um fast rein südlich
den Anschluss an den alten Strassenknoten auf der Hilmersdorfer Höhe
bei Lauta zu suchen, von gleichem Alter wie die von hier abzweigende
Gruppe von Gebirgsübergängen. Dieser Weg läuft über „Schellenberg“, den
„Ileuterberg“ nach der „Waldkirche“, Börnichen streifend, über die „kalte
Küche“, den „Donnersberg“ im „Bomwald“, am „Zeisighübel“ und der
„Heinzebank“ vorbei.
21. Von Freiberg werden die ältesten Wege sich an die vor dem
Aufkommen Dresdens vorhandenen Wege zunächst angeschlossen haben,
also an die Richtungen von Wilsdruff über Potschappel oder Plauen nach
Leubnitz, l.ockwitz, die übrigens, was noch unerwähnt geblieben ist, eine
naturgemässe, anscheinend alte Fortsetzung über Gommern, Mügeln zur
Elbfurth Birkwitz, über „Lohecke“, „steinerne Brücke“, „Lerchenberg“,
Lohmen bis zum Anschluss an Hohnstein findet.
Der directeWeg läuft von Freiberg in Richtung Dresden über die Mulden-
furth bei Halsbach am „Hammerberg“ über Naundorf, wo die Salzstrasse (4c)
östlich nach Dohna abzweigt, in zwei Parallelwegen: westlich über das
„Kellerbrückchen“, als „Fürstenweg“ am „Tellhayn“ und „Laux“ vorbei,
als „breiter Weg“ neben dem „Ascherhübel“, Spechtshausen, als „Hipweg“
über Braunsdorf, Kesselsdorf zum Anschluss an die ältesten Wege nach
Nisani (11). Der östliche Parallelweg läuft als Chaussee ausgebaut über
„Mückensack“, „Grüllenburg“, „gebrannte Stein“, „Borchelsberg“ als
„Fürstenweg“ ebenfalls nach Braunsdorf oder als „Holzstrasse oder Wald-
weg“, Braunsdorf nördlich umgehend, direct nach Kesselsdorf. Beide
Parallelwege tragen die Kennzeichen alter Trassirung. Bei Borchelsberg
zweigt ein Weg ab, der als „Jagdweg“, „Winkelweg“ den Schlotitzgrund nicht
umgeht, sondern bei Tharandt durchquert und über den „Schlafberg“ als
„hoher Weg“ nach Döhlen zum Anschluss an die alte Weisseritzfurth
Potschappel führt.
Von der Dohnaer Salzstrasse (4 c) zweigt bei Obercunnersdorf ein Weg
ab, der über den „Mückenberg“ an der „Geierswacht“ vorbei über die
„Capelllinde“, „Martersäule“, „W'eissenstein“, Grossölsa, neben dem
„Lerchenberg“ nach der Anhöhe die „Laue“ bei Börnichen hinzieht,
von wo er sich nach den Ortschaften im Gau Nisani verästelt, dabei
auch einen Zweig über den „Käferberg“, „Gohligberg“, am ,, Lerchenberg“
vorbei über den Horkenberg, den Kaitzbach umgehend, oder direct über den
„Läuseberg“, „Thonberg“, am „Bothenberg“ vorbei nach Dresden entsendend.
Westlichere, wohl jüngere Verbindungen laufen von Freiberg über Hutha,
Grund-Mohorn, Herzogswalde, Grumbach nach Kesselsdorf.
Auch der Weg von Freiberg über Plankenstein, der sich an die
Richtung Wilsdruff-Eula-Nossen hier anschliesst, ist jünger wie diese
Richtung selbst gegenüber dem älteren Triebischtlnalübergang bei Munzig
und dem wohl noch älteren Uebergaug bei Roitschen mit den alten Local-
namen Geiersherg, Kuhberg, Moderloch, Schanze.
22. Jenseits von Dresden theilen sich die Wege an der Priessnitz-
furth, zu beiden Seiten des „Meisenbergs“ (von mezi = zwischen?) westlich
nach Radeberg am „Brodberg“, „Hengstberg“, „Erzberg“, „Dachsenberg“
vorbei nach Radeberg und weiter nach Bautzen, östlich über den weissen
Hirsch, Ouohreu, als „alte Poststrasse“ über Possendorf nach Stolpen oder
Bischofswerda und Bautzen führend.
49
Zu erwähnen ist der „Bischofsweg“ von Meissen über Klipphausen,
der hei Briesnitz die Elbe übersetzt, Dresden umgeht und die Priessnitz
etwa 300 m nördlich des vorigen Weges durchfurthet, sich auch in diesem
Abstand nördlich parallel der alten Radeberger Strasse hinzieht, hinter
dem Brodberg sich mit dieser auf eine Strecke vereinigt, sie vor der
„Hengstbrücke“ verlässt, als „Haackschaar oder Bischofsweg“ hinzieht und
über Ullersdorf mit dem „Todtberg“ kurz vor Wilschdorf die Haupt-
strasse erreicht.
Welche Bedeutung die Dresdener Elbfurth vor der Verlegung des
Markgrafensitzes dahin, also in ältesten Zeiten gehabt hat, ist schwer zu
construiren. Der sich westlich der Priessnitz bis dicht an die Elbe ziehende
leicht gangbare Landrücken wird einen Uebergang an dieser Stelle von
jeher begünstigt haben, deshalb werden die Wegrichtungen Dresden-
Scheunhöfe-Hechts Weinberg oder Wilder Mann-Boxdorf-Kreyer und weiter,
sowie Dresden-Königsbrücker Strasse-Reiterexerzirplatz-Klotzsche, am „Eier-
busch“ und „hohen Berge“ vorbei über Gommlitz, Lausa nach Okrilla
und weiter aus ältester Zeit stammen, ebenso wie die erwähnten Zweige
nach Radeberg und Quohren, sowie endlich die Seitenzweige, die der unter
2 c erwähnte ostelbische Parallel weg f nördlich Dresden Rennsteig genannt)
nach der Dresdener Furth, insbesondere von Kötzschenbroda und Rade-
beul ausgesendet hat.
Wenn wir die vorstehende knapp gefasste, nur durch Stich worte be-
zeichnete Darstellung des Wegnetzes in Sachsen und seiner Anschlüsse
in der Zeit von 800 bis 1200 überblicken, so ist sofort zu erkennen, dass
dieser erste Versuch nichts Abgeschlossenes bieten kann. So manche alte
Wege, die sich von selbst aufdrängen, liegt nur einmal das Hauptgerüst
fest, sind, um nicht zu weitläufig zu werden, unbenannt geblieben, andere
haben wieder gelegentlich 4ufnanme gefunden, obschon sie wahrscheinlich
der unmittelbar folgenden Periode etwa 1200 bis 1400 angehören. Nirgends
wird aber das Gegebene in Widerspruch mit dem im Specialkartenbilde
niedergelegten thatsächlichen topographischen Material, noch mit den spär-
lichen historischen Notizen stehen. Zu dem bisher Bekannten und Ver-
öffentlichten neu hinzu treten aber die Ergebnisse der sozusagen natur-
wissenschaftlichen Forschungsmethode, die gewonnen sind durch Beachtung
der urzeitlichen Wegtrassirungsgrundsälze und Heranziehung der Local-
namen. Freilich liegt ausreichendes Material zu solchen Studien nur in
der von Oberreit veröffentlichten vortrefflichen kursächsischen Landes-
aufnahme aus der Zeit um 1780 vor, während für das anstossende Gebiet
die österreichische Karte in 1:75000 und die Reichskarten in 1:100000
zwar schätzbare Angaben enthalten, aber bei weitem nicht jenen, bis in
die kleinsten Einzelheiten diingenden Aufschluss gewähren wie der Ober-
reit’sche Atlas. Im nordwestlichen fruchtbaren Tieflande wird die Forschung
überdies beeinträchtigt durch die seit etwa 18.30 vorgenommenen Zusammen-
legungen und die damit verbundene Störung des alten Wegnetzes. Für
diese aussersächsischen Gegenden müsste man daher bei specieller Be-
arbeitung auf älteres Specialkartenraaterial zurückgehen.
Auf der beigegebenen Kartenskizze sind Ortsnamen und Localnamen
so weit eingetragen, dass eine Auffindung der benannten Wegricbtungen
möglich ist. Zur Erleichterung der Aufsuchung enthält die Skizze die im
uj<Ic
50
Text gebrauchte Nummerirung des Wegnetzes. Etwas willkürlich und
in Folge dessen der Kritik unterworfen ist die Abstufung der Wege, die
aber nicht wohl entbehrt werden kann, soll die üebersichtlichkeit einer
Kartenskizze nicht ganz verloren gehen. Die gegebenen Wegstrecken
selbst nebst den im Text genannten, entlang derselben vorkommenden
Localnamen sind jedoch sämmtlich den Specialkarten entnommen. Eine
Meinungsverschiedenheit kann nur darüber entstehen, ob die getroffene
Auswahl und Combination der einzelnen Wegstrecken die wahr-
scheinliche ist. Zahlreiche Wege von unzweifelhaft hohem Alter Hessen
sich, wie bereits erwähnt, noch Zwischenschalten; hier handelte es sich
aber darum, zunächst ein Gerüst zu gewinnen, die entscheidenden, richtungs-
weisenden Hauptverkehrszüge festzulegen und den Anlass zu geben zur
Ausgestaltung einer Verkehrskarte jener zwischen Vorzeit und Jetztzeit
stehenden kritischen Epoche, einer Karte, die zugleich eine brauchbare
Vorarbeit für die zukünftige Culturkarte jener Zeit abgeben würde.
Im Anschlüsse an die vorstehenden Ausführungen ist kui*z eines Um-
standes zu gedenken, der bei einer sozusagen naturwissenschaftlichen
Untersuchung der ältesten Wege Beachtung verdient: das Verhältniss der
Wegzüge zu den Flurgrenzen und zu dem Liniensystem der Flurein-
theilung. Dass die ältesten Wohnplätze, Schutzanlageu, Marktstätten in
innigster Beziehung zum ältesten Wegnetz stehen müssen, ist bereits aus-
geführt worden; in dieser Hinsicht lieferte die benutzte Quelle ausgiebige
Anhaltspunkte, sie lässt jedoch völlig im Stich bezüglich der Grenzlinien.
Diesen Mangel der deutschen, sonst so trefflichen, amtlich -militärischen
Kartographie sollen die in Veröffentlichung begriffenen „Grundkarten“ in
1:100Ö(X) mit Flurgrenzlinien beseitigen; indessen ist deren Fertigstellung
noch nicht so weit fortgeschritten, dass grössere zusammenhängende Ge-
biete bearbeitet werden könnten und ausserdem bietet die Verschiedenheit
der Verjüngungen und die Kleinheit des Massstabes der „Grundkarte“
Schwierigkeiten dar, die sich der genaueren Erkenntniss der relativen Lage
der Wegzüge zu den Grenzlinien entgegonstellen. Dass diese relative
Lage von ausschlaggebender Bedeutung für die Erkenntniss des relativen
Alters von Grenze und Weg ist, leuchtet sofort ein, wenn wir unsere
modernen Verkehrswege, die Eisenbahnen vergleichen, wie sie rücksichtslos
das vorhandene Netz von I’arzellengrenzen durchschneidon, wie sich ihnen
aber die späteren Zufahrtsstrassen und Stadtviertel auf das Genaueste
anpassen.
Eine wirklich werthvolle Bereicherung der analytischen Mittel, von
denen wir bisher neben den vereinzelten kurzen historischen Ueberlieferungen
die thatsächlich in die Landesfläche eingegr.abenen, in der Specialkarte
festgehaltenen Wegspuren, die Siedelungen und vorgeschichtlichen Funde,
die Wegnamen, die nachbarlichen Localnamen und die Trassirungsweise
angewendet haben, lässt sich nur gewinnen durch Zurückgreifen auf die
Flurkarten selbst. So weit gehende Forschungen erfordern aber eine
längere, ausschliessliche, amtlich unteretützte Beschäftigung mit diesem
Gegenstände; schon heute darf aber wohl vor.ausges:igt werden, dass diese
dritte und letzte Etappe in der Wegforschung in absehbarer Zeit gelegentlich
der bevorstehenden Studien über die örtlichen Einzellieiten der Entwickelung
der Flureintheilung erreicht werden wird. Vorläufig gilt es, über die von
den Historikern bearbeiteten Zusammenstellungen des geschichtlichen
Materials und die beigegebenen, mehr graphischen Darstellungen als wirk-
Google
51
liehen Landkarten ähnelnden linearen Versinnlichungen des historischen
Materials hinauszugehen und nach der naturwissenschaftlichen Methode
wahrscheinliche Karten der Niederschläge des Verkehrslebens der
jeweiligen Epochen zu entwerfen und kritisch zu yerbessern, in ähn-
licher Weise, wie sie uns die Geologie aus weit älteren Perioden ohne
Anhaltspunkte an historischen Daten von der Gestaltung der Erdoberfläche
selbst in immer wachsender Vollendung darbietet.
Die wirksamste Förderung aller derartigen culturgeschichtlichen
Arbeiten würde, wie angedeutet, die Veranstaltung von weiteren Kreisen
zugänglichen Abdrücken des Oberreit’schen Atlas des Königreichs Sachsen
sein. Sind die örtlichen wissenschaftlichen und auch touristischen Vereine
im Besitze der ihr Gebiet betreffenden Kartensectionen, so ist ihnen treff-
liches Material und Anregung zur eingehenden weiteren Durcharbeitung
der hier behandelten und anderer culturhistorischen Fragen gegeben und
mancher W'anderlustige wird nicht nur das malerische Waldthal, den aus-
sichtsreichen Gipfel, sondern auch die seitabliegenden, aber durch Alter
und Geschichte ehrwürdigen Pfade als Zielpunkte wählen und ein im
eigentlichen Wortsinne „Bewanderter“ in unseres Volkes und Landes Ver-
gangenheit werden.
Berichtigungen und Zusätze.
In der Karte hat zu stehen: Alte Strasse für Allenstrasse nördlich
i.öbau, Uiesenberg für Riesenburg, Püchau für Pücha, Fribus für Frühbuss
südlich Schöueck, Tauerstein für Jauerstein östlich Penig.
Der Weg Zittau-Gabel läuft nicht über die Kuhbriieke, sondern über
die Hospitalbrücke.
Zu den auf optische Signale, Feuerzeichen hinweisenden I.ocal-
namen ist wahrscheinlich zu rechnen der „Bützberg“ südwestlich Eilen-
burg und der „Blitzeuberg“ südüch Johnsdorf bei Zittau.
»♦
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Tafel I.
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1901.
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y. Die Yerkieselung der Gesteine in der nördlichen
Kalahari.
Mittheilnng ans dem KBniglichen Mineralogisch -Geologischen Mnsenm
nebst der Prähistorischen Sammlung in Dresden.
Von Prof. Dr. Emst Kalkowsky.
(Mit drei Tafeln.)
I. Salzpelit und seine Kruste.
A. Der Salzpelit.
B. Die Kruste des Salzpelites.
C. Genetisches.
II. Kalahari -Kalk.
III. Botletle- Schichten.
A. Methoden der Untersuchung.
B. Gesteinsreihen.
C. Gemengtheile.
D. Structur.
IV. Refiaka- Schichten.
V. Ueber^ngsgHjiteine.
VI. Xgami-Si'bicbten südlich und sttdBstUch vom Ngami-See.
A. Kio.selige Grauwacke.
B. Kalkstein mid Mergel.
C. Dolomit.
D. Contactmetamor])her, granathaltiger Kalkstein.
E. Kalkstein -Breccie.
F. Rothsandstein.
G. Ssakke-Sandstein.
VII. Ngami - Schichten der Kaikai- Berge.
VIII. Dolomite von Garn.
IX. Chanse- Schichten.
X. Eruptive Gesteine.
Erläuterung der Tafeln.
1. In den Jahren 1896 bis 1898 durchforschte Herr Dr. Siegfried Passarge
in Steglitz bei Berlin das Ngami -Land in Süd-Afrika in geographischer
und geologischer Hinsicht. Er wird über die Ergebnisse seiner Reisen in
einem grösseren Werke Bericht erstatten; bis jetzt liegen von ihm nur
vor sein am 8. April 1898 in Berlin in der Gesellschaft für Erdkunde ge-
gebener Bericht „Reisen im Ngami-Land“ in den Verhandlungen der Ge-
sellschaft, Bd. XXVI, 1899, No. 4 mit einer Kartenskizze, ein Vortrag „Die
Hydrographie des nördlichen Kalahari-Beckens“ in den Verhandlungen des
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56
VII. Internationalen Geographen-Congresses in Berlin, 1900, mit einer Karte,
und eine Abhandlung „Beitrag zur Kenntniss der Geologie von Britisch-
Betschuana-Land“, Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin,
Bd. XXXVI, 1901, mit 5 Tafeln. Das Gebiet seiner Reisen lässt sich durch
das Dreieck Palapye - Gobabis - Andara begrenzen. Die Entfernungen auf
der Karte betragen von der jetzigen Eisenbahnstation Palapye (ungefähr
27® 20' ö. L. V. Gr. und 22® 40' s. Br.) bis Gobabis in Deutsch-Süd-West-
Afrika (19® ö. L. und 22® 20' s. Br.) ungefähr 800 km, von Gobabis bis
Andara am Okavango (21® 30 ö. L. und 18" s. Br.) in Deutsch-Süd-West-
Afrika ungefähr 760 km und von Andara bis Palabye ungefähr 760 km.
Der Ngami-See liegt so ziemlich in der Mitte dieses Gebietes, das als
nördliche Kalahari seit der Diluvialzeit der Umvrandlung in eine Sand-
steppe immer mehr anheimfällt
2. Ueber die geologischen Verhältnisse dieses Gebietes der nördlichen
Kalahari schreibt mir Herr Dr. Passarge Folgendes:
„Die Hochfläche des südafrikanischen Continentes ist eine ausgedehnte
Ebene, die sich allmählig von Westen nach Osten hinsenkt und nur ge-
ringe Niveauunterschiede zeigt, einige isolirte Bergketten ausgenommen.
Im Westen wird sie von den hohen Gebirgen des Damara-Landes überragt,
die den Rand des Plateaus bilden; im Osten dagegen endet die Hochfläche
mit einem scharfen Plateaurand, der zu dem Tschobe- und Sambesi-Thal,
dem Scholleulaud des Betschuauen-Landes und der Limpopo-Ebene hin steil
abfällt Nördlich des Malopo, der nach Westen hin in die Kalahari hin-
einfliesst, endet das Plateau in nicht näher bekannter Weise. In der Mitte
dieses langen von Nord nach Süd streichenden Plateaus finden wir an
seinem östlichen Rande eine deutliche Einsenkung, die Maklautsi -Pforte.
Sie vermittelt den üebergang zwischen den Makarikari-Pfannen, der tiefsten
Stelle des nördlichen Kalahari-Beckens, und der Limpopo-Ebene.
In dem Plateau haben wir in geologischer Hinsicht zwei verschiedene
Componenten zu unterscheiden, das Grundgebirge und die Deckschichten.
A. Das Grundgebirge besteht aus drei verschiedenen Formationen:
1. Die archäische Formation — Gneisse, Granite, alte krystalline
Schiefer und Eruptivgesteine — setzt den grössten Tbeil des östlichen
(Maschona-Matabele-Land, Transvaal) und westlichen (Damara- und Nama-
Land) Randgebirges zusammen. Auf der Hochfläche wurde sie nur bei
Okwa (Granite und Gneisse) und in den Tschorilo-Bergen (glimmerreicbe
Quarzschiefer) gefunden.
2. Die Chanse-Schichten bestehen aus alten Grauwacken, Grau-
wackensandsteinen und Sandsteinen. Untergeordnet kommen Kalksteine
und Schieferthone vor. Sie sind durchweg steil aufgerichtet, durch Ge-
birgsdruck transversal zerklüftet und bilden im ganzen Westen der nörd-
lichen Kalahari das Gnindgestein. ln dem Dreieck zwischen Oas (West),
Andara (Nord), Chaina-Feld (Ost) dominiren sie vollständig. Ihrem Alter
nach sind sie wahrscheinlich den Swasi- Schichten Transvaals und den
Malmesberg-Schichten des Kaplandes gleichzustellen.
Während der Periode der Chanse-Schichten fand die Eruption der
Totin- Diabase statt, die durch starke Epidotisirung ausgezeichnet sind.
Nach der Gebirgsbildung, die der Ablagerung der Chanse-Schicbten folgte,
drangen die Quarzporphyre der Mabale-a-pudi-, der Monekau- und Kwebe-
Berge südlich vom Ngami-See auf längerer Bruchspalte hervor.
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3. Die Ngami-Scbichten liegen als Schollen zwischen den aufge-
richteten Chanse-Schichten. Wo sie vollständig entwickelt sind, bestehen
sie aus drei Stufen: a) Untere Ngami-Schichten — Sandsteine, Grauwacken
und Conglomerate; b) Mittlere Ngami-Schichten — Kalksteine, Dolomite,
Kalkmergel und Kalksandsteine; ein auffallend schneller Facieswechsel ist
für diese Gruppe charakteristisch; c) Obere Ngami-Schichten — Sandsteine,
Conglomerate, Grauwacken.
Die Ngami-Schichten sind den Kap-Schicliten gleichzustellen, die eben-
falls in drei Glieder zerfallen; unten liegt der Tafelberg-Sandstein, Inder
Mitte liegen die Bokkeveld- Schiefer und der Malmami-Dolomit, oben die
Zuurberg- oder Ghatsrand-Schichten.
Die Ngami-Schichten finden sich local als Schollen zwischen Grau-
wacken an dem Südufer des Ngami-Sees und im Schadum-Thal. Ausge-
dehnte Ablagerungen bilden sie iin Gebiet der Kaikai- Berge bis nach Garn
hin und bei Gobabis. ln ersterem Gebiet sind sie nur als Dolomite und
Kalke entwickelt, bei Gobabis aber in typischer Dreitheilung. Ein isolirtes
Vorkommen finden wir in der kleinen Makarikari-Pfanne westlich Ntscho-
kutsa (25" ö. L.); dort tritt ein für die mittleren Ngami-Schichten charak-
teristisches Gestein am Boden des Pfannenrandes zu Tage.
Im Mangwato-Laud finden wir zwischen dem Kalahari-Plateau und
Palapye eine Formation entwickelt, die höchst wahrscheinlich ebenfalls den
Kap-Schichten gleichzustellen ist, und die Mangwato-Schichten genannt
werden mag. Sie sind in typischer Dreitheilung entwickelt: unten dickbankige
quarzitische Sandsteine (Palapye-Sandstein), in der Mitte sandig-thonige
Schiefer (Lotsani-Schiefer), oben mürbe, dickbankige Sandsteine (Ssakke-
Sandstein).
Am Ende der Zeit der Ablagerung der Ngami-Schichten erfolgten er-
hebliche tektonische Bewegungen, die von der Eruption der gangförmig
auftretenden Ngami-Aphanite begleitet wurden. Im Mangwato-Land er-
goss sich eine gewaltige Decke von Mandelstein (Loale-Mandelstein) über
die Mangwato-Schichten.
Es scheint nach jener Periode im heutigen Kalahari-Becken ein Ge-
birgsland bestanden zu haben, das im Laufe der folgenden Zeiten eine
gründliche Denudation erlitt und zwar zur Zeit der permo-triassischen
Karroo-Schichten. Wenigstens finden wir von den letzteren in unserem
Gebiete keine Spur. Die Denuilation bewirkte anscheinend die Bildung
einer grossartigen Denudationsebene, peueplaine. Bis auf eingeklemmte
Schollen fielen die Ngami-Schichten der Abtragung zum Opfer. Das Re-
sultat des Processes war die Bildung des j)lateaufürmigen, complicirt aus
Schollen zusammengesetzten Grundgerüstes des heutigen Süd-Afrika.
B. Die Deckschichten sind auf der Denudationstiäche des alten
Gebirgslandes zur Ablagerung gelangt. Diese jungen Schichten lassen sich
in zwei Gruppen gliedern.
1. Die Botletle-Schichtcn sind vorwiegend Sandsteine mit kiese-
ligem Cement, von oft glasglänzendem Aussehen, die dickbankige klobige
Massen bilden. Daneben kommen aber auch gut gebankte Sandsteine
ohne „glasiges“ Cement vor. Die Botletle-Schichten sind über das ganze
nördliche Kalahari-Becken hin verbreitet. Ara östlichen Rande des Kala-
hari-Plateaus brechen sie mit steilem Abfall ab (Loale bis .Mohissa). Sie
bilden den Untergrund der östlichen Kalahari bis Tlakani, finden sich im
ganzen Botletle-Thal und am Südrande des Ngami-Sees, liegen in Schollen
58
auf den Chanse-Schichten des Cbanse-Feldes und reichen westwärts bis nach
Oas und anscheinend bis nahe an Windhoek heran. Im Kaukau-Keld und
an den Popa-Fällen des Okavango haben sie dieselbe Lagerung und Ge-
steinsbeschaffenheit wie im Süden.
Als besondere Ausbildung der Botletle-Schichten sind aufzufassen die
Renaka-Schichten und die Pfannen-Sandsteine.
a) Die Reftaka-Schichten sind Sandsteine vom Tjpus der Botletle-
Schichten, die sich in der Ebene zwichen Benaka und Litutwa an der
Südseite des Ngami-Sees Anden und nur eine besonders mächtige Aus-
bildung der untersten Partien der Botletle-Schichten vorstellen. Sie liegen
dort über den Chanse-Grauwacken, und zwar sind die zu unterst befind-
lichen Bänke mit eckigen Bruchstücken der Grauwacken erfüllt. Dasselbe
kann man überall beobachten, wo Botletle-Schichten auf dem Grundgestein
liegen, so z. B. in den zahlreichen Pfannen des Chanse-Feldes, deren Boden
von Botletle-Schichten gebildet wird. Fis handelt sich hier anscheinend
nicht' um eine transgredirende Formation mit Abrasion, sondern um eine
auf primärer Denudationsfiäche in Aachen Seebecken, vielleicht auch nur
in Sümpfen abgelagerte Schichtenreihe. Dabei bestehen die untersten
Glieder aus infiltrirtein und verkittetem Schutt des liegenden Gesteins,
vielleicht Wüstenschutt.
b) Die Pfannen-Sandsteine: nach oben hin werden die Botletle-
Schichten kalkreicher, kieseliges Gement tritt neben kalkigem auf. In vielen
Fällen wird nun letzteres so vorherrschend, dass uns reine Kalksandsteine
entgegentreten. Letztere bilden, wo sie vorhanden sind, stets das oberste
Glied der Botletle-Schichten und zwar vermitteln sie am Botletle selbst
direct den Uehergang zu der unteren Abtheilung der Kalahari-Schichten,
dem Kalahari-Kalk. Die Pfannen-Sandsteine bilden in sehr vielen Fällen
den Boden und die wasserhaltende Schicht in der Kalahari.
Das .\lter der Botletle-Schichten ist nicht festzustellen, wahrscheinlich
sind es aber relativ junge Ablagerungen von vielleicht tertiärem Alter.
Interessant und wichtig ist es, dass ein Theil der kieseligen Botletle-
Schichten an der Oberfläche in zelligen Brauneisenstein — Latent von
tertiärem .\lter — verwandelt worden ist. Die grosse Ausdehnung dieser
Lateritdecke wird durch folgende Fundorte genügend charakterisirt: Plateau-
rand Loale-Mohissa, Oas, Popa-Fälle; wahrscheinlich liegen Botletle-Schich-
ten mit Laterit auch an den Victoria-Fällen des Sambesi.
2. Die Kalahari-Schichten schliessen sich unmittelbar an die
Pfannen-Sandsteine an. Sie zerfallen in den Kalahari-Kalk und den Kala-
hari-Sand.
a) Die Kalahari-Kalke sind sandige oder sandarme Kalke, die in
grosser Zahl Conchylien enthalten, die mit den Arten der jetzigen Oka-
vango-Sünipfe vollständig identisch sind; sie dürften also höchstens dilu-
vialen Alters sein. Sie bedecken den grössten Theil des nördlichen Kala-
hari-Beckens und werden selbst überlagert von dem
b) Kalahari-Sand, einem fein- bis niittelkörnigen Sande.
Es dürfte sich der Nachweis führen lassen, dass die Kalahari-Kalke
zum grössten Theile Ablagerungen in Sümpfen sind, und dass der Kala-
hari-Sand die Ausfüllungsraasse jener Sümpfe durch Flusssande ist
Wir haben nun zweierlei recente Ablagerungen, die mit den Gliedern
der Deckschichten zu vergleichen sind. Einmal haben wir in den Oka-
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vango-Sürapfen und in den vom Botletle gespeisten Becken der grossen
Makarikari-Pfannen Ablagerungen von Kalktuff und kalkreichen Sanden —
sie entsprechen den Kalahari-Kalken, sodann aber finden sich in zu- und
abflusslosen Becken des Makarikari-Gebietes — Ntschokutsa, kleine Makari-
kari-Pfanne — ganz eigenthUmliche kieselsäurereiche Ablagerungen, die an
der Oberfläche zu harten Chalcedonmassen erstarrt sind und in vieler Be-
ziehung Aehnlichkeit mit den kieseligen Sandsteinen der Botletle-Schichten
haben, so dass man vielleicht berechtigt ist, auch für die entsprechenden
älteren Formationen ähnliche Bildungsverhältnisse anzunehmen“.
3. Herr Dr. Passarge übergab mir gegen 400 Nummern Gesteine aus
diesem Gebiete — weitere Sammlungen sind leider vielleicht endgültig ver-
loren gegangen — zur Durchsicht seiner Bestimmungen. Das schien an-
fangs eine leichte Arbeit, da es sich fast nur um Grauwacken, Sandsteine
und Kalksteine handelte. Allein die flüchtige Untersuchung der Handstücke
und einer Anzahl Dünnschliffe ergab bald so eigenartige und schwierige
Verhältnisse, dass zu der genauesten und eingehendsten Untersuchung ge-
schritten werden musste. Es stellte sich heraus, dass bei der Bildung
und Umbildung der meisten, namentlich aber der jüngeren sedimentären
Gesteine Vorgänge eine Rolle gespielt haben, die meines Wissens bisher
noch nicht genauer untersucht wonleii sind. Das vorliegende Material bot
aber weiter noch den grossen Vortheil, dass hier recente Bildungen Vor-
lagen, die für die Deutung älterer von wesentlichem Belange sind.
Sedimentäre Gesteine zu untersuchen, die man nicht selbst geschlagen
hat, ist eine besonders heikle Sache; soweit wie irgend möglich wurden
die Schwierigkeiten durch mehrere Conferenzen mit Herrn Dr. Passarge
in Dresden und in Steglitz zu beseitigen gesucht. Doch blieben immer
noch Fälle, in denen ich auf Grund der Untersuchungen an dem Material
eines kleinen Handstückes zu keinem endgültigen Resultat über die Natur
des Gesteins oder seine Zugehörigkeit zu einem bestimmten Schichten-
verbande kommen konnte. Herr Dr. Passarge wird sich in seinen Aus-
arbeitungen auf manche Diagnosen, tlie ich ihm für alle V'orkoramnisse
zur Verfügung stelle, stützen und dieselben weiter verwenden können; in
dieser Abhandlung berücksichtige ich aber nur solche Stücke, bei denen
sich zwischen dem geologischen Feldbericht und der mikroskopischen u. s. w.
Untersuchung völlige sichere Uebereinstimmung ergab.
Die Untersuchungen der Gesteine waren recht schwierig und mühsam,
und nur langsam konnte zur Flrkennung des wahren Sachverhaltes durch-
gedrungen werden; deshalb wolle man aber auch erst am Schlüsse der
Arbeit die Ueberzeugung erwarten, dass das Richtige getroffen worden ist.
Manche Verhältnisse müssen zunächst ohne strengen Beweis vorgeführt
werden, weil sich ein Beweis überhaupt erst aus dem Zusammenhang er-
giebt. Ist es hier doch auch meist unmöglich, Gesteinstypen im Einzelnen
erschöpfend zu beschreiben und wegen des beständigen Wechsels der Ge-
steinsbeschaffenheit auch überflüssig: es sollen die einzelnen Phänomene
im Allgemeinen und die Erscheinungsweise der Gesteine im Grossen und
Ganzen geschildert werden.
4. Die Fundstätten der Gesteine sollen im Folgenden nur gelegentlich
angegeben werden unter Andeutung, wo die Localität in diesem weiten
Gebiete zu suchen ist. Auf unseren geographischen Karten fehlen meist
alle hier in Frage kommenden Ortsbezeichnungeu, und selbst auf den an-
uglt
l
60
geführten Kartenskizzen des Herrn Dr. Passarge sind sie bei dem kleinen
Massstabe derselben nicht sämmtlich verzeichnet Nach Herrn Dr. Pas-
sarge sind in dem Gebiete überhaupt nur Gaunamen das einzig Sichere;
gelegentlich kommen die Namen einzelner Häuptlinge als Ortsangaben zur
Verwendung, ln der Orthographie der Namen folge ich natürlich Herrn
Dr. Passarge, jedoch unterdrücke ich alle Schnalzlaute der Buschmann-
sprachen. Die Schreibweise Ngami ist einmal eingebürgert obwohl das
Wort „Wasser im Allgemeinen“ in der Sprache der Hottentotten bedeutend,
gami mit einem Schnalzlaute vor dem g lautet; was bei dem einen Namen
allgemein angenommen ist, kann in einer geologischen Abhandlung auch
für andere neueinzuführende geographische Bezeichnungen billig sein.
I. Salzpellt und seine Krnste.
5. Südwestlich von dem grossen auf unseren Karten verzeichneten
Gebiete der Makarikari (d. h. Salzpfannen) liegen nahe an dem Rande des
Kalahari-Plateaus noch drei kleine Pfannen, die Passarge auf seiner Reise
berührt hat. Nur von einer derselben, der Pfanne von Ntschokutsa, hat
er von einer Stelle das derselben eigenthümliche Gesteinsmaterial gesammelt,
das aber auch in den beiden anderen gefunden wurde. Den Boden der
der Uebertluthung jetzt nur periodisch ausgesetzten Pfanne bildet nämlich
ein Salzpelil von unbekannter Mächtigkeit, der eine dünne harte Kruste
trägt. Die Kruste ist unzweifelhaft secundär aus dem Salzpelit entstanden.
Ich erachte es für zweckmässig, die allgemeine und unbestimmte Be-
zeichnung „Pelit“ zu verwenden, da hier zum ersten Male eine Unter-
suchung dieser offenbar in grosser Masse vorkommenden Substanz aus-
geführt worden ist. Nach einigen Notizen von Dr. E. Holub scheint
dieselbe Substanz auch in dem weiten Gebiete der grossen Salzpfannen
der Makarikari vorzukommen. Es wird vielleicht die /eit sein, der Sub-
stanz einen besonderen petrographischen Namen beizulegen, wenn sie ein-
mal auch von anderen ,Stellen und an reichlicherem Material erforscht
sein wird.
A. Der Salzpelit.
6. Der Salzpelit ist in trockenem Zustande eine dichte, weisse bis
ganz lichtgrüne Masse .von geringem specifischem Gewicht; er ist feinporös,
hängt au der Zunge und saugt Wasser auf. Passarge schnitt Stücke des
feuchten und dann noch hellgelblich-braunen Salzpelites mit dem Messer
heraus; ausgetrocknet aber ist die Masse ziemlich fest, sie zerbröckelt unter
dem Messer; sie färbt nicht ab, fühlt sich nicht wie Thon an, sondern
vielmehr ganz schwach fettig etwa wie Bol oder Saponit. In der weissen
Masse stecken unregelmässig vertheilt und makroskopisch sichtbar Sand-
körner und Oolithkörner; manche der vorliegenden Stücke sind anscheinend
frei von diesen Beimengungen, die dem Ganzen eine Art porphj’rischer
Structur geben. Ferner aber ist der Salzpelit in allen Proben brccciös;
es liegen in einer Grundmasse bis einige Centimeter im Durchmesser hal-
tende und viele kleinere Stücke von abweichendem Earbentone und ab-
weichender Festigkeit, meist aber mit .scharfen Kanten und deutlichster
Bruchstücksform. Die gen.auere Untersuchung lehrt, dass alle diese Bruch-
stücke auch selbst Salzpelit sind und nur zum Theil eine von der Haiipt-
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masse wenig verschiedene Zusammensetzung haben. Obwohl nur wenig
Material zur Untersuchung vorlag, so zeigt dieses doch deutlichst, dass
Habitus und Beimischungen des Gesteines schnell wechseln, und dass die
brecciöse Structnr nicht durch Zusammenschwemmung und Ablagerung
von Brocken entstanden ist, sondern durch eine Zerstückelung der Masse
in situ, wohl bei ihrer Bildung und Umbildung unter Beihülfe von Salzen.
7. Die Sandkörner in Salzpelit erreichen eine Grösse von 2 bis 3 mm
im Durchmesser; die meisten sind jedoch unter einem Millimeter dick,
herab bis zu sehr geringen Dimensionen. Das Material ist vorherrschend
Quarz, doch finden sich auch Körnchen, die als Sandsteinbröckchen auf-
zufasseu sind. Dazu kommen harte Körner von dichter Beschaffenheit,
die als Cbalcedon zu deuten sind, eine Bezeichnung, die erst weiter unten
gerechtfertigt werden kann. Es mag aber noch angegeben werden, dass
diese Chalcedonkörner wesentlich identisch sind mit der Substanz der
Kruste des Salzpelites. Unter den Sandkörnern kommen auch solche von
dichtem Kalkstein vor, doch ist es hier manchmal sehr schwer zu ent-
scheiden, ob diese Carbonatkörner wirklich Bruckstückchen dichten Kalk-
steins sind, oder nur missgestaltete und umgewandelte üolithkörner,
8. Bald in geringerer, bald in grösserer Menge sind in dem Salzpelit
isolirte Oolithkörner vorhanden; ihre Gestalt ist kugelfornng bis wenig
regelmässig, ihre Grösse beträgt am häufigsten nur 0,1 bis 0,5 mm, doch
sind auch grössere bis von über 1 mm Durchmesser nicht gerade selten.
Sie bestehen aus lichtbräunlichem Kalk und sind nach mikrochemischer
Analyse frei von Magnesia. Die mikroskopische Untersuchung lehrt, dass
sie die gewöhnliche radiale und concentrisch-schalige Structur besitzen
und nicht selten einen fremden Kern enthalten. Löst man die Oolith-
kömer in stark verdünnter Salzsäure langsam auf, so bleibt ein Skelett
von feinstem Thon von der Form der Oolithkörner übrig, das zwar locker,
aber lückenlos ist : die Oolithkörner enthalten gleichmiissig in ihrer ganzen
Masse feinsten Thon, der wohl wirklicher Thon, nicht etwa Salzpelit ist.
Mir stand nicht genügend Material zur Verfügung, um eine genauere che-
mische Prüfung des Lösungsrückstandes vorzunehmen.
Besonders auffällig ist das verhältnissniässig häufige Vorkommen von
halbirten Oolithkörnern im Salzpelit; diese halben Körner und noch kleinere
Bruchstücke zeigen unter dem Mikroskop dieselbe Beschaffenheit und Struc-
tur wie die ganzen vollständigen Oolithkörner. Es dürfte ihre Zerstücke-
lung durch krystallisirende Salze herbeigeführt worden sein. Auch in den
norddeutschen Kogensteinen kommen solche halbirten Oolithkörner mit
noch weiteren interessanten Erscheinungen vor; ich werde darüber in kurzem
in einer anderen Abhandlung berichten und dann Gelegenheit haben, auch
auf diese afrikanischen recenten Oolithkörner näher einzugehen.
Im Salzpelit spielen die Oolithkörner nur die Rolle der allothigenen
Sandkörner; oolithische Gesteine oder auch nur vereinzelte Oolithkörner
kommen sonst nirgends in der nördlichen Kalahari vor.
9. Nicht selten sinken die Bruchstücke von Oolithkörnern zu recht
geringen Dimensionen hinab; aber dennoch scheint es, dass die im Salz-
pelit überdies noch vorkommenden kleinsten Partikelclien von kohlensaurem
Kalk nicht als völlig zcrtheilte Oolithkörner aufzufassen sind, sondern als
Carbonat anderen Ursprungs. Solche Partikelchen mögen kurz als Kalk-
staub bezeichnet werden, sie sind u. d. M. durchaus alle einzeln wahr-
62
nehtnbar, aber zweifelhaft bleibt es, ob sie unregelmässige Form oder die
Gestalt von Rhomboedern haben. Winzige scharfe Rhomboeder von Kalk-
spath und von Dolomit werden aus anderen Gesteinen mehrfach zu be-
sprechen sein.
10. Für die Bestimmung der Salze wurde der Salzpelit mit kochen-
dem Wasser behandelt. Vermengt man die wässerige Masse nach dem
Erkalten mit frisch gefälltem Eisenhydroxyd, so gelingt es leicht, den Kalk-
staub, der sonst, man möchte sagen mit Vorliebe, auch durch das beste
Filtrirpapier geht, von der Salzlösung zu trennen. Letztere zeigte starke
Reaction auf Chlor und schwächere auf Schwefelsäure; von Erden konnte
nur Magnesia festgestellt werden. Die Spectralanalyse zeigte, dass neben
reichlichem Natron kein Kali in dem Salzgemisch vorhanden ist. Ebenso
fehlte Kohlensäure durchaus in den in Wasser löslichen Salzen der unter-
suchten Proben. Die mikrochemische Analyse mit Kieselfluorwasserstoff
ergab ebenso ein Vorherrschen des Natriums vor dem Magnesium und das
Fehlen von Kalium. Die wasserklare wässerige Lösung der Salze wird
beim starken Eindampfen gelblich ; in den zur Trockne eingedampften Salzen
bleibt eine kleine Menge verbrennbarer, organischer Substanz. Es ist
also in dem Salzpelit ein geringer Betrag einer in Wasser oder doch in
salzhaltigem Wasser löslichen organischen Substanz vorhanden.
Eine quantitative Analyse der Salze wäre werthlos gewesen, denn der
Gehalt des Salzpelites an Chlomatrium und an Magnesiumsulfat schwankt
sowohl qualitativ wie quantitativ. Nach den Mittheilungen des Herrn
Dr. Passarge wird das ausblühende Salz in einer südlich von Ntschokutsa
gelegenen kleinen Nebenpfanne von den Buschmännern als Speisesalz ge-
sammelt; andererseits litten seine Lastthiere unter der abführenden Wir-
kung des Wassers der Pfanne, was ihn schon dort die gelegentliche reich-
lichere Anwesenheit von Magnesiumsalzen erkennen Hess. Jedenfalls aber
stecken in dem Salzpelit der Pfanne von Ntschokutsa doch im Ganzen
bedeutende Mengen von Salzen.
11. Ein glatt geschabtes Stückchen des Salzpelites wurde mit durch
Chloroform verdünntem Canadabalsam bis zur Erhärtung desselben gekocht
und dann dünngechliffen. Während des Kochens schien der Salzpelit sich
nicht zu verändern, namentlich .auch nicht Wasser zu verlieren. Das Prä-
parat zeigte ausser den Sand- und Oolithkörneni und dem Kalkstaube nun
auch die eigentliche Salzpelit-Substanz als eine anscheinend homogene
Masse mit sehr schwacher feinkörniger Aggregatpolarisation, in der sonst
weiter keine Einzelheiten erkennbar und unterscheidbar waren. Wenn also
die Substanz auch entschieden schwach doppelbrechend ist, so kann sie
doch als amor|)he Masse bezeichnet werden in dem Sinne, in dem der
Mineralog wohl den Meerschaum, den Bol u. dergl. als amorphe Mineralien
bezeichnet, obwohl sie nicht optisch isotrop sind.
Für die chemische Analyse wurde homogenes Material in folgender
Weise gewonnen. Da der Salzpelit in kaltem Wasser nicht völlig zertheil-
bar ist, so wurde er im Handteller mit wenig W'asser zerrieben, wobei eben
möglichst ein Abreiben der Kalkköruer durch die Quarzkörner vermieden
wurde. Durch Schlämmen wurden dann die Sand- und Oolithkörner ab-
gesondert. Der zerriebene Salzpelit setzt sich im Wasser nicht völlig zu
Boden; ein Theil also musste weggegossen werden, um den Salzpelit mit
möglichst wenig Wasser und ohne lösliche Salze auf das Filter zu bringen.
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Die Poren des Filters aber werden sehr bald vesstopft, und das Abfiltriren
des letzten Wasserrestes mit Hülfe der Saugvorrichtung auf einem Scheiben-
filter nahm viele Stunden in Anspruch; es bleibt auf dem Filter eine ganz
hellgrüne filzige Masse zurück. Diese enthält noch etwas Kalkstaub, offen-
bar auch winzige Quarzsplitter, war aber doch homogen zu nennen und
frei von Salzen; nach der chemischen Zusammensetzung des Pelites ist es
auch nicht zu vermutlien, dass die beim Decantiren fortgegossenen Par-
tikelchen eine andere Zusammensetzung batten, als die gewonnene Masse.
Doch ist kein Zweifel vorhanden, dass jede andere Probe des Salzpelites,
auch wenn dieser direct ohne alles Schlämmen in einer dem Anschein nach
von Saudkörneni aller Art freien Partie analysirt worden wäre, andere
Zahlen bei der Analyse ergeben haben würden. Da aber gerade ein Stück
mit möglichst geringer brecciöser Structur verwendet wurde, so glaube ich
behaupten zu können, dass die gewonnene filzige Masse wirklich die Durch-
schnitts-Zusammensetzung des Pelites ergeben muss.
Diese homogene Silicatmasse ist vor dem Löthrohr schwer schmelz-
bar, sie wird dabei hart bis zum Glasritzen. Heim Austreiben des Wassers
im Platintiegel sintert die vorher zerriebene Masse stark zusammen. Die
Mikroanalyse mit Kieselfluorwasserstoflfsäure ergab einen Gebalt an Natrium
und Magnesium. Das Wasser wurde quantitativ durch Glühverlust be-
stimmt, da die analysirte Masse nur Spuren von Kohlensäure ergab. Die
Kieselsäure wurde durch zwei Analysen bestimmt, das Natrium nur als
Verlust. Die sehr geringe Menge vou Eisenoxyd besonders zu bestimmen,
wurde unterlassen.
Das Silicat ist sowohl in concentrirter Salzsäure wie in concentrirter
Kalilauge bei anhaltendem Kochen schwer löslich; kochende Lösungen von
Chlornatrium und von Magnesiumsulfat blieben ohne jede Einwirkung.
Die quantitative Analyse ergab folgende Zahlen;
H*0 18,986
SiO* 52,799
ADO» 10,643
Fe»0« Spur
MgO 9,650
CaO Spur
Na»0 7,922
12. Der Salzpelit der Pfanne von Ntschokutsa ist somit ein Chlor-
natrium und Magnesium haltiges, an Sand- und Oolithkörnern verschieden
reiches, amorphes, wasserhaltiges N’atrium-Magnesium-Aluminium-Silicat
von einer keinem bisher bekannten Minerale entsprechenden Zusammen-
setzung, mit brecciöser Structur. Es ist wahrscheinlicher, dass das aua-
lysirte Silicat aus lauter einander gleichen Thcilchen besteht, als dass es
ein Gemisch etwa von Kaolin mit einem Natrium-Magnesium-Silicat ist.
Der ganze Salzpelit ist ein Gestein sui generis, dem wolil ein besserer ein-
facher Name gebührt, als die Verlegenheits-Dezeichnung Salzpelit. Aus-
drücklich muss betont werden, dass der Salzpelit durchaus nichts mit irgend
einer eruptiven Masse oder ihren Zersetzungsproducten zu thun hat; nach
Angabe des Herrn Dr. Passarge spukt in Afrika die Bezeichnung Trachyt
für die Masse herum.
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B. Die Ernste des Salzpelites.
13. Der Salzpelit der Pfanne von Ntschokutsa ist von einer Kruste
bedeckt, die sich als ein äusserst hartes, zähes und schwer zersprengbares
Gestein von grünlicher bis schwärzlicher Farbe darstellt und mit blossem
Auge Sandkörner und Oolithkörner wie der Salzpelit erkennen lässt. Vor-
liegende Handstücke zeigen eine Mächtigkeit von 4 bis 6 cm; an einigen
Stücken haftet auch noch der Salzpebt an dieser Kruste, und die Grenze
ist recht scharf durch den Farbenunterschied und ebenso durch den Gegen-
satz zwischen der mürben und der mit dem Messer nicht ritzbaren Masse.
Die Kruste hat stets eine ausgesprochen brecciöse Structur; lagert die
Kruste nach Passarge’s Mittheilungen an einzelnen Stellen in grosse und
kleine Schollen zerbrochen auf dem Salzpelit, so hat sie auch noch in
diesen Schollen an und für sich eine kleinstückige Zusammensetzung; alle
Bruchstücke sind aber oft wieder zu einem festen lückenlosen Gestein ver-
kittet. Unter den Bruchstücken fallen besonders solche auf, die einem un-
reinen Cbalcedon ähneln. In einigen Handstücken sind die Lücken zwischen
den Bruchstücken nur theilweise ausgefüllt; kleine Poren mit einem Ueber-
zug von kohlensaurem Kalk konnten mehrfach beobachtet werden.
14. Dünnschliffe von diesem harten Gestein zeigen zunächst die
Quarz-Sandkörner von derselben Grösse und Form wie der Salzpelit. Die
Oolithkörner, ebenso regellos und im Ganzen nicht gerade reichlich ver-
theilt wie im Salzpelit, sind in manchen Präparaten etwas kiystallinisch
geworden. Sonst finden sich dieselben halbirten Oolithkörner und die
kleinsten Bruchstücke von Oolithkürnern, immer noch an ihrer Structur
als solche erkennbar, wie im Salzpelit. Kalkstaub ist in der Kruste in
stark schwankender Menge vorhanden, in einem Präparat erscheint er ge-
radezu als der beinahe vorherrschende Bestandtheil. Beachtenswerth ist
es, dass der Kalkstaub gelegentlich in deutlichen kleinsten und selbst etwas
grösseren Calcitrhomboedern auftritt. Einige kleinere und grössere Frag-
mente zeigen die Structur eines feinkörnigen Chalcedons zwischen gekreuzten
Nicols. Opake Eisenerzpartikeln verursachen die dunkele Farbe des Ge-
steins, obwohl sie gar nicht in besonders reichlicher Menge auftreten.
15. Die Grundmasse nun, die in diesem brecciösen Gestein meist
vor allen erwähnten Bestandtheilen vorwaltet, zeigt zwischen gekreuzten
Nicols eine schwache, ganz feinkörnige Aggregatpolarisation. Feinste wie
Staub erscheinende Partikelchen dürften nur sehr feine Poren sein; sonst
ist die Grundmasse aus homogenen Partikeln zusammengesetzt, abgesehen
von dem Kalkstaub. Mit Rücksicht auf ihre gleich anzugebende chemische
Zusammensetzung und mit Rücksicht auf die Verhältnisse in anderen Ge-
steinen der nördlichen Kalahari muss diese Grundmasse als Cbalcedon
bezeichnet werden, als ein unreiner Cbalcedon von ganz feinkörniger Structur.
Nur selten wird seine Structur dadurch etwas grobkörniger, dass kleine,
aber noch deutlich aus einzelnen Körnchen zusammengesetzte Partien beim
Drehen des Präparates zwischen gekreuzten Nicols auf einmal das Maxi-
mum der Dunkelheit erreichen. Eine Art poikilitischer Structur dürfte
diese Erscheinung erklären. Grössere Bruchstücke im Gestein haben im
Wesentlichen dieselbe Beschaffenheit wie die ganze Alles verkittende Masse.
Diese Grundmasse ist auch in dünnsten Splittern vor dem Löthrohre
unschmelzbar, doch backt das Pulver beim Glühen im Platintiegel noch
ein wenig zusammen. Für die quantitative Analyse wurde das pulverisirte
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Krustengestein mit verdünnter Salzsäure entkalkt, um den Vergleich mit
der Analyse des Salzpelit-Silicates zu vereinfachen. Die Analyse ergab:
11*0 2,724
SiO* 92,614
A1*0» 1 „
Fe*0* I
MgO 0,500
CaO —
Na*0 1,514
16. Die beiden Analysen des Salzpelit-Silicates und der entkalkten
Kruste lassen sich aber noch nicht ohne Weiteres vergleichen, da ja aus
dem Salzpeht auch der Quarzsand entfernt worden war. was natürlich bei
der Kruste unmöglich war. Wenn man aber im Auge behält, dass Material,
das direct seiner chemischen Zusammensetzung nach verglichen werden
konnte, überhaupt nicht vorlag und nicht präparirt werden konnte, so wird
man zugeben dürfen, dass die mitgctheilten Analysen vergleichbar werden,
sobald man zu der Zusammensetzung des Silicates des Salzpelites noch
einen gewissen Betrag Kieselsäure als dem Quarzsandgehalt der Kruste
entsprechend hinzuschlägt. Wie viel Procent Quarzsand aber in dem Krusten-
gestein, das für die Analyse verwendet wurde, drinstecken, lässt sich auch
wieder nicht genau angeben. Es müssen deshalb willkürliche Mengen SiO*
— also wie unten geschehen 30 und 40 Procent als hohe Beträge — zu
der Zusammensetzung des Salzpelit-Silicates hinzugerechnet werden:
Silicat
Silicat
Silicat
Kruste
+ 30% SiO*
+ 40% SiO*
H*0
18,986
13,290
11,392
2,724
SiO*
62,799
66,959
71,6*9
92,614
A1*0*
10,043
7460
6,386
} 2,648
Fe*0*
—
—
—
MgO
9,660
6,755
5,790
0,BOO
Na»0
7,922
5,546
4,753
1,614
Da nun der Augenschein lehrt, dass die Kruste unzweifelhaft aus dem
Salzpelit hervorgegangen ist, und dass ferner die Kruste auch keine wesent-
lich andere Structur hat als der Salzpelit, so ist bei der Bildung der Kruste
viel Kieselsäure und etwas Eisen zugeführt, dagegen Thonerde, Magnesia,
Natron und viel Wasser weggeführt worden. Zufuhr von Kieselsäure allein
genügt nicht, um die chemische Veränderung zu deuten. Die Kruste ist
also ein Kieselgestein, das durch hydatogene Metamorphose .aus dem
Salzpelit hervorgegangen ist; ihre Chalcedon-Grundmasse ist eine Pseudo-
raorphose nach dem Silicat des Salzpelites.
C. Genetisches.
17. Die Pfanne Ntschokutsa liegt am südlichen Bande des grossen
Makarikari-Gebietes. In der Gegenwart wird dieses mehrere Kilometer
ira Durchmesser haltende Becken nur noch periodisch, z. B. 1898 99, von
üeberschwemmungen überfluthet, wohl aber muss das früher regelmässig
der Fall gewesen sein. Dennoch wird Niemand behaupten können, dass
der Salzpelit einfach ein primäres Sediment sei. So wenig auch bisher
über die Sedimente in Seebecken ira Inneren von grossen Continenten und
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in Steppen auf Grund genauer Untersuchung bekannt ist, so erscheint doch
die directe Ablagerung eines wasserhaltigen Natron-Magnesia-Thonerde-
Silicates nach allen geodynaniischen Theorien unmöglich, zumal vulcanisches
Material ausgeschlossen ist. Ich bin mir vollkommen bewusst, dass ich
über einen Gegenstand zu speculiren im Begriffe bin, den ich in seiner
ganzen geologischen Massenhaftigkeit nicht gesehen habe; ja mir standen
für die Untersuchung nur kleine Proben und nur von einer Stelle der
Pfanne zur Verfügung. Und Herr Ür. Passarge konnte an Ort und Stelle
ebenso wenig die winzigen Oolithkörner als solche erkennen, wie auf die
Vermuthung kommen, dass der im feuchten Zustande wie Thon aussebende
Salzpelit doch kein Thon, sondern etwas ganz Besonderes sei. Deshalb
werden auch erst in Zukunft die in Frage kommenden Phänomene genauer
studirt und discutirt werden können; es ist aber doch nothwendig, an
diesem Orte die theoretischen Vorstellungen darzulegen, die ich mir nach
meinen Untersuchungen und nach den Schilderungen Passarge’s gebildet
habe. Denn die Erkennung der Entstehung der Salzpelit-Kruste giebt den
einzigen Anhalt für die Erklärung des Phänomens der Verkieselung von
Gesteinen, das uns in der nördlichen Kalahari in einem gewaltigen Ge-
biete überall entgegentritt. Die Thatsachen liegen schon jetzt vor, ihre
theoretische Erklärung wird erst in Zukunft gesichert werden können.
18. Von den Bestandtheilen des Salzpelites sind die Oolithkörner am
leichtesten zu erklären. Dass sie vegetabilischen Ursprungs sind, ist in
der neueren Zeit erkannt worden; ich werde bald Gelegenheit haben, in
einer anderen Arbeit weitere Beweise dafür aus den Oolithen und ver-
wandten Gesteinen selbst beizubringen. Ist also die Ntschokutsa-Pfanne
ein Seebecken oder wenigstens periodisch unter Wasser gewesen, so sind
die Oolithkörner im Salzpelit einfach primäre Bestandtheile desselben.
Die Zerstückelung der Oolithkörner kann am leichtesten durch Auskrj'stal-
lisiren von Salzlösungen erklärt werden, die in die abgestorbenen Oolith-
körner eingedrungen waren. Zweifelhaft, ja unwahrscheinlich ist es, dass
auch der Kalkstaub, dass aller Kalkstaub von Oolithkörnern herstammt.
Wir wissen vielmehr, dass von vielen niederen Ptlanzen auf ihrer Ober-
fläche, manchmal auch in einer pflanzlichen Gallerte, Körnchen von Cal-
ciumcarbonat abgeschieden werden. Auch für den Kalkstaub also können
wir pflanzlichen Ursprung annehmen.
19. Die Quarzsandkörner und die selteneren Gesteinsbröckchen haben
meist nur geringe Dimensionen; ihre Form lässt keinen sicheren Schluss
zu, auf welchem Wege sie in die Pfanne gekommen sind. Einschwemmung
ist nicht unmöglich, daneben aber würde ein Transport durch den Wind
in F'rage kommen. Jedenfalls ist es auffällig, dass die Sandkörner im
Salzpelit ganz unregelmässig vertheilt sind.
20. Eingeschwemnit in die Salzpfanne wird eine gewisse Menge von
einem thonerdehaltigen Schlick sein. Aber auch in dem Gebiet der grossen
Makarikari wuchert an allen Seen und Flussläufen eine üppige Schilfvege-
tation, ein Vegetationsgürtel namentlich an den Rändern der Becken, der
wohl geeignet ist, bei Ueberfluthungen der Becken d.as trübe Wasser zu
filtriren, die Hauptmasse des Schlickes vom Becken fern zu halten, wie
wir darüber Berichte auch aus anderen Gebieten Afrikas haben. Die Ried-
gräser selbst aber sterben auch ab; sie enthalten in ihren Membranen
Kieselsäure, die in allerleichtesten Flöckchen und Theilchen im Verein mit
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organischer Substanz doch in die Becken gelangt. Es ist mir nicht ge-
lungen, in botanischen Lehrbüchern Angaben über die Schicksale der Kiesel-
säure in abgestorbenen Pflanzentheileu zu finden; irgendwo muss sie doch
bleiben oder im festen oder gelösten Zustande hingeführt werden. Von
den Diatomeen allein kennen wir den Verbleib der Kieselsäure, und Dia-
tomeen werden wohl auch hier bei der Bildung und Umbildung des Salz-
pelites eine Rolle gespielt haben, wenngleich ich sie in ihm nicht mehr
nachweisen konnte. In den Kalahari-Kalken aber habe ich sie gefunden,
wie weiter unten erwähnt werden wird. Ich bin also der Meinung, dass
in den Salzpfannen ein an Kieselsäure vegetabilischen Ursprungs reicher
Schlick abgelagert wurde, der ebenso reich war an Kalkstaub und der
auch organische Substanz in Menge enthielt. Ein bedeutender Theil des
Schlickes mag aber auch gar nicht durch Wasser an Ort und Stelle trans-
portirt worden sein, sondern vielmehr eingewehter Staub, ein äolisches
Sediment sein.
21. Kohlensäure Alkalien konnte ich in dem Salzpelit nicht nachweisen,
er enthält vielmehr nur NaCl und MgSO*. Der Ursprung dieser Salze
wird auf dieselbe W'eise zu erklären sein, wie der Salzgehalt von Binnen-
seen — so viel oder so wenig wir davon eigentlich wissen. Hier in diesem
Falle dem Ursprung der Magnesiasalze besonders nachzuforschen, würde
ein eitles Unternehmen sein. Allein es ist wohl denkbar, dass diese Salze,
Chlornatrium und Magnesiumsulfat und vielleicht jetzt nicht mehr vor-
handene Alkalicarbonate, ira Verein mit Kieselsäure in mehr oder minder
leicht löslicher Form und im Verein mit organischer, humoser Substanz
im Stande gewesen sind, aus dem Schlick das wasserhaltige Xatron-Mag-
nesia-Thonerde-Silicat zu erzeugen, ln wie weit hierbei auch noch klima-
tische und meteorologische Verhältnisse in Frage kommen könnten, ent-
zieht sich vorläufig jeder Beurtheilung. Nach Allem, was mir Herr Dr. Pas-
sarge mitgetheilt hat, entsteht der Salzpelit jetzt nicht mehr, er ist ent-
standen in der allerjüngsten Vergangenheit.
22. Die Entstehung der brecciösen Structur des Salzpelites bietet der
Erklärung keine besonderen Schwierigkeiten. Bei periodischer Trocken-
legung wird der sich bildende Salzpelit von Spalten durchzogen werden,
zu deren Vermehrung und Erweiterung auskrystallisirende Salze noch das
Ihrige beitragen: die Breccien sind nicht durch Gebirgsbewegung entstanden,
nicht zusammengeschwemmt, sondern eine Bildung in situ bei der Ent-
stehung der Massen selbst.
23. In dem Salzpelit sind aber wahrscheinlich die Bildungsvorgänge mit
der Entstehung des Silicates doch noch gar nicht abgeschlossen; es finden noch
weitere chemische Processe statt, bei denen Kieselsäure in Bewegung ge-
räth, in Trockenperioden capillar aufsteigt und eine Verkieselung der ober-
fiächlichsteii Partien herbeiführt, die Bildung der Kruste verursacht. Die
Sonne und die Thiere zerstückeln die sich bildende Kruste, deren Bruch-
stücke immer wieder von Neuem verkittet werden.
Kieselsäure organischen Ursi)ruiigs und ihr Transport bei
Gegenwart von Salzen verschiedener Art und organischer, etwa
humoser Substanzen, dazu in anderen Fällen Verschleppung
dieser Reagentien durch Sieker- und tjuellwasser — das sind die
Factoren, die in der nördlichen Kalahari das Phänomen der
Verkieselung hervorgerufen haben. Geysirphänomene kommen
durchaus nicht in Frage.
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II. Kalahari- Kalk.
24. Die jungen Kalahari- Kalke sind mürbe bis ganz feste und
harte Gesteine von dichter Structur und hellen bis hellbraunen Farben.
Die festen Kalksteine zeigen im Dünnschliff meist fleckige Deschaflenheit
durch Herausbildung von Stellen mit etwas gröber krystallinem Korn. Die
mikrochemische Analyse wies in einigeu Vorkommnissen einen geringen und
bedeutungslosen Gehalt an Magnesia nach. Beim Auflösen in verdünnter
kalter Salzsäure bleiben übrig feiner Sand, Thon und stets auch Flocken
von organischer Substanz. Es wurden nur einige wenige Vorkommnisse
untersucht, in mehreren aber doch im Lösungsrückstand Spongillen-Nadeln
und Diatomeen, meist in Bruchstücken, in nicht unbeträchtlicher Menge
nachgewiesen. Die Diatomeen werden von anderer Seite bestimmt werden.
Mit Ausnahme der Oolithkörner enthält also der Kalahari-Kalk alle Be-
standtheile, die für das supponirte Substrat des Salzpelites angesetzt wurden,
wenn vielleicht auch in anderen Mengenverhältnissen.
Die Kalahari-Kalke haben schon makroskopische Eigenthümlichkeiten
der Structur, die dazu führen, diese Kalksteine wesentlich als Kalksinter-
bildungen in Binnengew'ässern aufzufassen, als Kalksteine terrestrischen,
phytogenen Ursprungs. Diese Auffassung genauer zu begründen, muss an
dieser Stelle unterlassen werden.
25. Hier ist es für den Gegenstand der Abhandlung nur von Bedeu-
tung, dass in einem Vorkommniss von Kalahari-Kalk auch der Beginn der
Verkieselung mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte. Es ist das
der Kalahari-Kalk von der Pfanne Kauganna, östlich von Gam, also west-
lich vom Ngami-See in der Nähe der Grenze von Deutsch-Süd-West-Afrika.
Dieser Kalkstein zeigt in typischer Weise Kalksinterringe von bis 1 cm Durch-
messer, innerhalb deren sich zum Theil ein fast ganz sandfreier Kalk vor-
findet, während die Masse zwischen den Bingen an Sand sehr reich ist.
Stellenweise ist nun an Stelle des Calcites sowohl der Sinterringe wie der
innerhalb und ausserhalb derselben befindlichen Gesteinsmasse ein ganz
feinkörniger, unreiner Chalcedon getreten mit kleinsten fetzenartigen Relic-
ten des Calcites, Erscheinungen, die weiter unten ausführlicher beschrieben
werden sollen. Löst man das Gestein in Salzsäure auf, so bleiben thon-
reiche Brocken übrig, die leicht zerdrückbar sind. Unter dem Mikroskope
findet man in dem in Wasser ausgebreiteten Lösungsrückstand zahlreiche
zackig-faserige Aggregate, die Chalcedon sind. Die Bestimmung dieser in
kochender concentrirter Salzsäure unlöslichen Aggregate als Chalcedon
ergiebt sich aus analogen Verhältnissen in anderen Gesteinen. Die Art
der Verkieselung in diesem Kalahari-Kalk ist überhaupt durchaus analog
der anderer Kalksteine, weshalb hier nicht weiter darauf eingegangen zu
werden braucht.
111. Botletle - Slchichten.
A. Methoden der üntersnchnng.
26. Die Gesteine der Botletle-Schichten und die aller übrigen Schichten-
systeme wurden in Dünnschliffen auf ihre Zusammensetzung und Structur
untersuclit. Es wurden gegen 350 Schliffe von den verschiedenen Hand-
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stücken angefertigt, ausser yon denen, die schon makroskopisch mit Sicher-
heit die Identität mit anderen Stücken von demselben Fundpunkte erkennen
Hessen. Es stellte sich aber heraus, dass diese mikroskopische Unter-
suchung in sehr vielen Fällen zur Erkennung der wahren Sachlage nicht
genügte. Zunächst ist es wie bekannt bei den- dichten Carbonatgesteinen
nicht möglich, unter dem Mikroskope Kalkspath und Dolomit zu unter-
scheiden; hier, wo es sich meist nur um kleinste Körnchen dieser Mine-
ralien handelt, versagen alle formalen und structurellen Verhältnisse, die
man zum Anhalte nehmen möchte. Dann aber verdecken die Carbonspäthe
durch ihre starke Doppelbrechung sehr häufig allen Gehalt au Thon und
vor Allem auch allen feinvertheilten Chalcedon. Wo es nöthig schien,
wurden besondere Dünnsclilifie von solchen Kalksteinen augefertigt; die
fertig geschliffenen Präparate wurden dann entkalkt, d. h. der Kalkspath
wurde langsam durch kalte verdünnte Salzsäure aufgelöst. Verfährt man
hierbei behutsam, so kann man ein solches entkalktes Präparat auch aus-
wässern, ohne dass bei den Proceduren irgend wie die Lagerung und der
Zusammenhang der unlöslichen Partikeln gestört wird. Das trocken ge-
wordene Präparat wird dann zur Hälfte mit einer Lösung von hartgekochtem
Canadabalsam in Chloroform mit einem weichen Pinsel vorsichtig über-
strichen. Ist der Lösungsrückstand auf der Canadabalsamscliicht sehr ge-
ring oder augenscheinlich sehr locker, so lässt man einen Tropfen der
Canadabalsamlösung aus dem Pinsel darauf fallen, ln jedem Falle ist es
nöthig, entkalkte Kalksteinpräparate frei und mit Canadabalsam bedeckt
zu untersuchen.
27. Aus allen Schichtensystemen wurden zusammen 135 Proben mikro-
chemisch Untersucht zur Entscheidung, ob Kalkstein oder Dolomit vor-
liegt. Mit der Untersuchung des Lösungsrückstandes unter dem Mikroskope
und mit allen Vorbereitungen nimmt jede Probe ungefähr 20 Minuten in
Anspruch, auch wenn 10 bis 20 Proben auf einmal bearbeitet werden.
Man schlägt sich kleine Stückchen von etwa 20 bis 30 mm“, womöglich
in Form flacher Scherbchen und möglichst gleich gross von den verschie-
denen zu untersuchenden Gesteinen. Diese Stückchen und ihre Lösungen
werden ferner stets mit denselben vorbereiteten Reagentien und mit gleich
grossen Mengen derselben behandelt, so dass man die Vorgänge mit ein-
ander vergleichen kann. Während der Ausführung der Untersuchung wurden
sofort die lleobaclitungen bei jeder Probe auf einem besonderen Zettel notirt.
Die Stückchen Carbonatgestein wurden in ein Reagenzgläschen gelegt,
das zu einem Viertel mit ungefähr 20procentiger kalter Salzsäure gefüllt
war. Kalkstein und Dolomit unterscheiden sich dann nur zum Theil durch
die Art der Entwickelung der Kohlensäure; es kann auch ein normaler
Dolomit in solcher Salzsäure stark aufbrausen, und es kann ein Kalkstein,
der reichlich Thon oder feinvertheilten Chalcedon enthält, nur ganz scliwache
Kohlensäure-Entwickelung aufweisen. Nach der Beobachtung der Einwir-
kung der kalten Salzsäure wurde diese einmal oder mehrmals bis zum
anhaltenden Kochen erhitzt, bis möglichst alle Kohlensäure ausgetrieben
war. Die Lösung in dem Reagenzgläschen wurde nun verdünnt bis zur
Ausfüllung des Gläschens. Zu einem Tröpfchen dieser verdünnten Lösung auf
eiuem Übjectträger wurde dann ein Tröpfchen eines ziemlich verdünnten
Gemisches von 50 Ammoniak, 25“u einer Lösung Natriumphosphat
und 25 "lg einer läisung von Ammoniumoxalat gebracht. Man muss sich
den besten Concentrationsgrad des Reagenzes durch Vorversuche mit Calcit
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und Dolomit ermitteln. Stehen Lösung und Reagenz in bestem Verbält-
niss zu einander, dann geht die Reaction auf Kalk beim Fallenlassen des
Reagenztropfens augenblicklich und bis zur völligen Ausfüllung des Calcium-
oxalates in den bekannten winzigsten, eine zusammenhängende Haut bil-
denden Körnchen vor sich.. Das Ammonium-Magnesium-Phosphat scheidet
sich langsamer ab, doch ist auch diese Reaction in 2 bis 3 Minuten be-
endet. Die Krystallgnippen des sich bildenden Magnesiumsalzes sind ihrer
Form nach abhängig von dem Concentrationsgrade der angewandten
Lösungen, in jedem Falle aber höchst charakteristisch und von dem Kalk-
niederschlag leicht zu unterscheiden. Man wird durch diese Reactionen
nicht nur leicht Kalkstein und Dolomit unterscheiden können, sondern auch
genügend den Gehalt an Magnesia in mehr oder minder dolomitischen
Kalksteinen zu bestimmen im Stande sein.
Ein etwaiger Lösungsrückstand der Proben wurde pun gleich weiter
untersucht; es kommt darauf an, ob die Probe eine klare oder trübe
Lösung giebt, ob das Stückchen seine Form unverändert beibehält oder
in Brocken zerfällt, ob der Rest hart ist oder mehr oder minder leicht
zerdrückbar. Pulveriger oder zerdrückter Rückstand wurde stets in Wasser
auf dem Objectträger unter dem Mikroskope untersucht; in vielen Fällen
aber wurde ein besonders beachtenswerther Lösungsrückstand auch noch
nach dem Auswaschen mit Alkohol in Canadabalsam unter Deckglas
untersucht.
B. Gesteinsreihen.
28. Es erwies sich bei der Untersuchung und für die Schilderung als
nüthig, die Gesteine der Botletle-Schichten und die von Passarge als I’fanneu-
Sandsteine bezeichneten Vorkommnisse gemeinsam zu behandeln; ich muss
es Herrn Dr. Passarge überlassen, auf Grund meiner ihm zur Verfügung
gestellten Eiuzeldiagnosen unter Berücksichtigung des Vorkommens und
der Lagerung zu entscheiden, ob durchgreifende Unterschiede zwischen
den Gesteinen der beiden Stufen bestehen. Ich vereinige also diese Vorkomm-
nisse unter der Bezeichnung der Botletle-Gesteine. Es wurden 90 sicher
zu diesen Schichtensystemen gehörige Gesteine von ungefähr 20 Locali-
täten untersucht, die sich über das ganze grosse Gebiet vertheileu. Regio-
nale Unterschiede zwischen den Vorkommnissen konnten in geringem Grade
festgestellt werden, aber irgend welche Schlüsse daraus auf genetische
Verhältnisse zu ziehen, bin ich nicht im Stande gewesen. Deshalb kann
ich es auch unterlassen, die einzelnen Localitäten namhaft zu machen,
die man ja doch vorläufig noch auf keiner Karte aufsuchen kann. Wie
von Herrn Dr. Passarge ein häufiger und schneller Wechsel in der mine-
ralischen Zusammensetzung der Botletle-Gesteine im Grossen beobachtet
werden konnte, so wechseln sie auch im Kleinen, im Handstück und sogar
im einzelnen Düuiischlitf; mehrfach zeigte ein und dasselbe Präparat zwei
bis drei ganz verschiedene Structuren und Verhältnisse der Gemengtheile
zu einander.
Die Botletle-Gesteine zerfallen in die zwei genetisch getrennten Typen
der sandigeti Kalksteine und der Chalcedon-Sandsteine, die im Grossen
und Ganzen auch den geologischen Abtheilungen der Pfannen-Saudsteine
und der eigentlichen Botletle-Schichten zu entsprechen scheinen.
29. Als Typus der sandigen Kalksteine müssen alle diejenigen
sehr verscliiedenen Gesteine zusammengefasst werden, die primär mehr
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oder minder kalkreiche Sandsteine und sandige bis reim; Kalksteine sind
oder waren. Die Gesteine treten jetzt auf als seit ihrer Ablagerung wesent-
lich unverändert oder als durch hydatogene Metamorphose verändert Die
Veränderungsvorgänge sind die der Dolomitisirung und der Verkieselung,
Vorgänge, die einzeln auftreten oder zusammen und dann augenscheinlich
doch von einander unabhängig. Es ist allerdings ungemein schwierig, sich
hier ein Urtheil zu bilden; ich will auch nur sagen, dass ich im Laufe
der Untersuchungen zu der V'orstellung gekommen bin, dass im Wesent-
lichen eine Dolomitisirung vor der Verkieselung eingetreten ist, ohne dass
irgend wie ein geologisch grosser Zeitraum zwischen den beiden Vorgängen
gelegen ist. Leide Vorgänge könnten also auch als geologisch gleichzeitig
aufgefasst werden; sie sind aber vor Allem von einander unabhängig in
ihrem Auftreten.
Die Dolomitisirung befällt die Gesteine so, dass der kohlcnsaure Kalk
nur zum Theil in Dolomit umgewandelt wird, oder dass alles oder fast
alles Calciumcarbonat in Dolomit übergeht. Von 50 mikrochemisch unter-
suchten Proben ergaben 25 nur Calcium, 9 erwiesen sich als mehr oder
minder inagnesiumhaltig, und in 16 l’roben war der Gehalt an Magnesium
so hoch, dass das Gestein einfach als Dolomit zu bezeichnen ist, ohne
damit das Vorhandensein von geringen Mengen von reinem magnesiafreien
Calciumcarbonat in Abrede stellen zu wollen.
Die zweite Veränderung dieses Typus der Dotletle-Gesteine, die Ver-
kieselung, ist die, dass in ihnen Calcit und Dolomit in Chalcedon ver-
schiedener Art umgewandelt sind, ein Vorgang, der von einer Spur von Ver-
kieselung bis zur völligen Verkieselung und Verdrängung alles Carbonates
durch Kieselsäure fortschreiten kann. Dieser Vorgang soll als Verkiese-
lung bezeichnet werden. Hierbei wird diese Hezeichnung in engerem
Sinne gebraucht als in dem Titel der Abhandlung; doch wird d.adurch ein
Irrthum nicht veranlasst werden.
Zu dem Typus der sandigen Kalksteine gehören auch Vorkommnisse,
die eine scheinbare oder echte breceiöse Structur besitzen. Die schein-
bar breceiüse Structur wird entweder durch primär sehr nngleicbmässig
vertheilten und rasch wechselnden Sandgehalt verursacht oder durch un-
gleichmässig eingetretene Verkieselung. Es ist bisweilen gar nicht leicht,
diese scheinbar breceiösen Gesteine im liandstück von den wirklich brec-
eiösen zu unterscheiden. Die echten Breccien aber haben alle eine solche
Zusammensetzung und Structur, dass die Breccienbildung auch in situ,
ohne Gebirgsbewegung und ohne Zusammenschwemmung in ganz analoger
Weise wie bei dem Salzpelit und seiner Kruste vor sich gegangen sein muss.
30. Der Typus der Chalcedon-Sandsteine umfasst Gesteine mit
einem Chalcedoncement, von dem an Structur und Art des .\uftretens nicht
nachweisbar ist, dass es pseudomorph, authigen secundär, an Stelle von
Carbonat getreten ist Hier ist der Chalcedon authigen primär wohl in
lockere Sande eingedrungen, diese erst zu einem festen (iestein machend.
Dieser Vorgang soll hier von dem der Verkieselung im engeren Sinne als
Einkieselung unterschieden werden. Für einen entfernt ähnlichen \ Organg
bei der Entstehung der Kohlenge.steine hat W. v. Gümbel ilas Wort In-
kohlung gebildet gehabt, das den Vorgang knapp und klar bezeichnet aber
doch sprachlich unrichtig gebildet ist Das neue Wort Einkieselung ist
nach Analogie mit einseifon, einfetten u. s. w. gebildet. Eine scharfe Unter-
scheidung von Verkieselung und Einkieselung ergab sich mir im Laufe der
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Untersuchung; erst als diese beiden Vorgänge als zwei ganz verschiedene
Arten der Imprägnation mit Kieselsäure aus einander gehalten wurden, kam
Klarheit in tlie liestimmung der Natur der Gesteine der verschiedenen
Schichtensysteine.
Zu dem Typus der Chalcodon-Sandsteine gehören auch echte Breccien
und ferner solche Gesteine, die hei einem reichlichen Gehalt an Braun-
eisenstein kurz als Eisen- Sandsteine bezeichnet werden können. Einige
Vorkommnisse der Chalcedon-Saiidsteine, aber auch einige der Kalk-Sand-
steinc sind als Köhren-Sandsteine entwickelt, d. h. sie sind durchzogen von
geraden oder gekrümmten hohlen und mit lockerem Material eiTüllten
itidiren, die als durch Wurzeln, Schilfstengel und dergleichen verursacht
zu erklären sind; genau die gleiche Erscheinung zeigt sich ja auch in
jüngeren, lacustren Sandsteinen unserer Gegenden.
31. Die Zahl der petrographisch unterscheidl)uren Arten der Botletle-
Gesteine ist recht gross; namentlich liefert der Typus der sandigen Kalk-
steine viel Varietäten, zu deren Bezeichnung nur lange zusammengesetzte
Ausdrücke verwendet werden können. Eine recht arge Verirrung würde
es sein, wollte man im Bereiche der sedimentären Gesteine der Mode
fröhnen, die bei der Beschreibung der Eruptivgesteine im Schwünge ist,
wo man womöglich jedem Handstücke einen besonderen ,,Species“-Namen
heizulegen beliebt. Die Botletle-Gesteine gehören genetisch zusammen ;
es wird nützlich sein, auf kleinem Kauine die Varietäten zusammen ge-
nannt zu linden, die auf Grund der genauen Untersuchung, aber nicht
mit blossem Auge unterschieden werden können. Wahrscheinlich kommen
in der nördlichen Kalahari noch andere Varietäten vor, als die sogleich
aufzuzählenden, ja man kann aniiehmen, dass dort alle Varietäten Vor-
kommen, die sich ii'gend durch die Combination der Begriffe Sand, Kalkstein,
Dolomitisirung, Verkieselung, Einkieselung, breceiös, conglomeratisch u. s. w.
benennen Hessen. Da aber die Bestimmung der einzelnen Vorkommnisse
eben nur für die llandstücke gilt, die mir gerade Vorlagen, so ist eine
genauere Ortsangabe wohl überflüssig; von lledeutung ist nur die Zahl
der Vorkommnisse der unterscheidbaren Varietäten. Es zeigt sich, dass
Kalk-Sandstein und Chalcedon-Sandstein am häutigsten als feste primäre
Gesteine erscheinen, dass unter den umgewandelten die dolomitisirteii
seltener sind als die verkieselten. Lockerer Quarzsand und mehr oder
minder kalkreicher Sand sind es, die zuerst in Becken oder dergleichen
abgelagert worden sind.
I. Gruppe:
1. Kalkstein. Zahl der Vorkommnisse 2,
2. schwach verkieselter Kalkstein 1,
3. schwach verkieselter dolomitischer Kalkstein 1,
4. Dolomit 4.
II. Gruppe:
1. sandiger Kalkstein 1,
2. sandiger dolomitischer Kalkstein .3,
3. halbverkieselter sandiger Dolomit 1,
4. halbverkieselter breceiöser sandiger Kalkstein 5.
III. Gruppe:
1. mürber Sandstein 3 Vorkommnisse untersucht,
2. Kalk-Sandstein 12,
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3. brecciöser oder coiiglomeratischer Kalk-Sandstciii G.
4. lialbverkieseltcr Kalk-Sandstein 4,
5. lialbverkieselter brecciöser Kalk-Sandstein 1,
G. verkieselte sandige Ureccie 1,
7. völlig verkieselter Kalk-Sandstein G.
8. lialbverkieselter doloraitiscber Kalk-Sandstein G,
J). lialbverkieselter brecciöser dolomitischer Kalk-Sandstein 1,
10. lialbverkieselter Dolomit-Sandstein 1,
11. Dolomit-Sandstein 4,
IsJ. brecciöser oder coiiglomeratischer Itolomit-Sandstein 4.
IV. Gruppe:
1. Chalcedon-Sandstciii 16,
2. Kiystall-Saiidstein 1,
3. brecciöser Chalcedon-Sandstein 4,
4. Chalcedon-Dreccie bis Conglomerat 2,
5. (conglonieratiscber) Eisen-Sandstein 1.
C. Geniengtheile.
3*2. Die Sandkörner in den Botletle-Gestcinen sind stets klein, alle
Sandsteine sind als feinkörnig zu bezeichnen. Unter den Sandkörnern
waltet der Quarz bei Weitem vor. Die Qiiarzkörner zeigen durchweg
eine Abhängigkeit der Eorm von der Grösse; die kleinsten Körnchen sind
eckig, die mittleren subangular, die grössten stark abgerundet. Im .\iif-
treten dagegen herrscht llegellosigkeit: in manchen (iesteinen sind alle
Quarz-Sandkörner gleich gross, in anderen kommen alle Grössen durch
einander und ohne jede Sonderung, z. 1!. nach Lagen, vor. Die Quarz-
Sandkörner enthalten oft reichliche und zum Theil grosse l'lüssigkeits-
einschlüsse, seltener sind die bekannten diinnen opaken Nadeln; es hat
den Anschein, dass Granite und Gneisse das Sand-Material geliefert haben.
U'nter den selteneren Feldspath-Sandkörnem wurden nur Orthoklas und
Mikroklin gefunden; Gesteinspartikeln als Sandkörner sind auch nur
selten und spärlich vorhanden. Dagegen ist noch besonders liervor-
zuheben das Vorkommen von „Flint“-Sandkörnern, von Körnern von ver-
kieseltem Ngamikalk (siehe weiter unten). Hieran schliessen sich Fetzen
und llruchstücke von feinkörnigem Chalcedon und Gerölle davon. Es ist
bisweilen recht schwer zu entscheiden, ob grössere Stücke solcher Kiesel-
gesteine wirklich Gerölle sind oder nur Bruchstücke, da es wohl denkbar
ist, dass unter der Tropensonne von Kieseln Stücke abgesprengt werden,
so dass runde Kerne übrig bleiben. Doch kommen hier in den Botletle-
Gesteineii auch unverkennbare Bollkiesel vor.
33. Im Allgemeinen enthalten die Botletle-fiesteine nur wenig Thon,
der überdies im DüniischlilV meist nicht als solcher erkennbar ist, denn
iin Kalkspath und im Dolomit verschwindet er durch die starke Dop)iel-
brechung dieser Substanzen, und im Chalcedon ist er in Folge der Zu-
sammensetzung desselben aus kleinen Theilchen auch nur sehr schwer und
unsicher zu erkennen. Beim Auflösen von carboiiathaltigen Gesteinen in
Salzsäure kommt aber der Thon zum Vorschein: als ,.Thon“ gelten dann
die unbestimmbar winzigen Stäubchen, deren Verschiedenartigkeit man
zum Theil erkennen kann, über deren mineralische Beschafl’cidieit sich
aber weiter nichts aussagen lä.sst. Leider ist es auch nicht möglich, die
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fiir genetische Verhältnisse wichtige I’rage zu entscheiden, ob vielleicht
in dem Thon, wenigstens in den nicht nietamorphosirten Kalkgesteinen,
organogene freie Kieselsäure in feinster Vertheilung voThanden ist.
:J4. Eisenh)-droxyd als Brauneisenstein und vielleicht in manchen
Fällen Eisenglanz ist in den Botletle-Gesteinen meist nur spärlich vor-
handen; seine Menge variirt seihst im einzelnen llandstück, so dass auch
einmal kleine Stellen mit reinem Eisen-Bindemittel neben sonst anders
beschaffenem Bindemittel Vorkommen können. Tritt Brauneisenstein in
etwas grösserer Menge auf, so liebt er es, die Quarz-Sandkörner zu um-
hüllen, oder er erscheint in Fetzen zwischen Chalccdon- oder Calcitkörnern.
Als vorherrschendes Cement im Eisen-Sandstein wird das Brauneisenerz
im IHinnschlilf mit kräftig rothbrauner Farbe durchscheinend; durch
chemische Anal3’se wurde in solchem Brauneisenerz eine nicht unbeträcht-
liche .Menge von Kieselsäure nachgewiesen, die im Dünnscldill' nicht als
solche hervortritt. Nur selten erscheint Eisenhydroxyd als jüngste Ab-
lagerung in Poren der Gesteine.
35. Bei der Entstehung der Botletle-Gesteine hat sich augenschein-
lich zuerst dichter Kalkspath als Bindemittel oder als Gestein gebildet,
der also aus allerwinzigsten, kaum unterscheidbaren Körnchen von Calcit
besteht. Auch bei aller Umänderung bleibt der Kalk immer doch noch
mikroskopisch feinkörnig, namentlich treten in diesen jungen Gesteinen
niemals so grosse, von anderen Gestein.sgemengtheilen erfüllte Calcit-
individuen auf wie in den älteren Kalksteinen der N'gami-Schiehten. Sehr
bald ist in den Botletle-Gesteinen der dichte Kalk tlieilweise bis ganz
krystalliniscb geworden, d. h. die Coinponenten des Calcitaggregates sind
so gross geworden, dass sie mikroskopisch einzeln deutlich unterschieden
werden können. Diese Erscheinung zeigt sich ja in unendlich vielen
makroskopisch dichten Kalksteinen; hier in den Botletle-Gesteinen ist es
besonders boachtenswerth, dass bei dem Krystalliniscbwerden des Kalkes
öfter runde dichte Partien von geringem Durchmesser übrig bleiben, die
dem Dünnschliff eine scheinbar oolithisebe Structur verleihen können oder
Anlass geben, organische Gestalten wie etwa Foraminiferen zu vermuthen.
Man kann behaupten, dass dieser Vorgang des Krystallinischwerdens
des Calcites erst durch ähnliche Reagenfien bewirkt worden ist, wie sic
auch bei der Dolomitisirung in Frage kommen. .Vbgesehen davon, dass
der Dolomit stets mikroskopisch-körnig, nicht dicht, erscheint, besteht
kein durchgreifendes Kennzeichen, das gestattete, Calcit von Dolomit
u. d. M. zu unterscheiden; allenfalls ist noch für Dolomit charakteristisch
das Vorkommen einer äusserst gicichmässigen. mikroskopisch feinkörnigen
Structur in grösseren Partien. Recht sonderbar ist beim Calcit wie beim
Dolomit das ,\uftreten einer Structur, die ich nicht besser denn als
„plastisch“-körnig bezeichnen kann: die einzelnen Körner beben sich deut-
lich von einander ab, sie scheinen alle rundliche Conturen zu besitzen,
und doch steckt zwischen ihnen keine andere Substanz als eben wieder
Carbonat. Haben nun solche Körner des Aggregates nicht kugelige, sondern
etwa walzenförmige (icstalt, so erscheint eine Structur, die man nur als
ein Geflecht bezeichnen kann. (Vergl. hierzu die Abbildung eines solchen
völlig verkicselten (ieflechtes Taf. 111, Fig. 1).
.Mit dem Krystallinischwerden des Calcites und andererseits mit seiner
rmwandlung in Dolomit gebt llaml in llaml die Bildung von schlecht
bis sehr gut und scharf ausgebildeten Rhomboederchen von mikro-
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skopischen Dimensionen, tlie aber ancb gelepentlicb relativ gross werden
können. Rhomboeder von Calcit und von Dolomit sind u. d. M. nicht
von einander zu unterscheiden; es kann auf Zufall beruhen, dass
in den untersuchten Gesteinen nur von Dolomit Rhomboeder auftreten,
die durcli einen Kern und zum Tlieil dureb Anwachszonen ausgezeichnet
sind. Poren und Thon sind hier wohl die die 8tructur verursachenden
Elemente. Solche Rhomboeder mit Kern kommen vereinzelt vor, oder sie
bilden auch die Hauptmasse des (jesteins, wie in dem der Abbildung
Taf. III, Fig. 5 zu Grunde liegenden Vorkommniss von der Pfanne Garu,
nordwestlich von Garn.
Die Dolomitisirung kann eine im Dünnschliff hervortretende scheinbar
breceiöse Structur erzeugen.
Wird der Calcit oder Dolomit in Chalcedon umgewandelt. so bleiben
bisweilen sehr charakteristische fetzenartig zerrissene und zerlappte Par-
tikeln ilavou übrig, die im Chalcedon regellos vertheilt die eingetretene
Verkieselung ganz besonders leicht kenntlich machen. Solche ,.Relicte“
von Carbonat können aber auch mehr geschlossene Formen, wie die rund-
licher oder gestreckter Körner besitzen. E. Geinitz bat in seiner Ab-
handlung „Studien über .Mineralpseuilomorphosen“ im Neuen Jahrbuch
für Mineralogie 1876, S. 449 bei der Reschreibung der Pseudomorphosen
von Chalcedon nach Kalkspath die Auffassung vertreten, dass solche
Partikeln von Kalkspatli dort doch eine Neubildung seien. Ich glaube
auch, dass die Relicte nicht direct die Reste des ehemaligen Calcites
sind ohne Umwandlung oder Umlagerung der Molekeln etwa; aber die
Substanz des Carbon.ates ist eben nicht von aussen hinzugeführt worden,
sondern ein Rest des Carbonates, das sonst in Chalcedon pseudomorphosirt
ist. Dass aber das Carbonat auch gewiss in molekularer Umlagerung im
Chalcedon erscheint, geht schon daraus hervor, dass Calcit und Dolomit
auch in kleinsten Partikeln und auch in winzigen Rhomboedern im Chal-
cedon auftreten.
Als secundär kann derjenige Kalks])ath bezeichnet werden, der in
kleinen Adern und öfters das Centrum von Poren ausfüllend auftritt; er
erscheint meist in viel grösseren Körnern, als in der Gesteinsmasse selbst.
36. Die Erscheinungsweise des Chalcedons und anderer Moditica-
tionen der Kieselsäure, ilie als Stoff der Verkieselung und der Einkiese-
lung auftritt, ist dieselbe in allen Gesteinen der nördlichen Kalahari,
welchem Niveau sie auch angehören. Es ist deshalb zweckmässig, an dieser
Stelle zusammen fassend Alles anzugeben, was über die Substanz, die im
Allgemeinen als Chalcedon zu hezeichnen ist. auszusagen ist. Die Kiesel-
säure tritt auf als amorpher Opal, als Chalcedon, als Quarz, aber mit so
allmählichen Uebergängen, dass es oft nicht möglich ist anzugeben, ob die
vorliegende Substanz noch Oi)al oder schon Chalcedon, ob sie noch Chal-
cedon oder schon Quarz zu nennen ist. Man könnte wohl behaujiten,
dass sich amorpher Opal bei schnellem Absatz der Kieselsäure bildet,
Chalcedon bei langsamerem und endlich Quarz bei sehr langsamer /ufüh-
rung der Kieselsäure in stärkerer Verdünnung. Aber abgesehen davon,
dass sich auch ein verschiedener Intensitätsgrad der Metamorphosirung
der Gesteine geltend macht, so möchte man in manchen Fällen Andeu-
tungen dafür finden, dass Opal im Laufe der Zeit in Chalcedon, der Chal-
cedon in Quarz übergehen kann durch Umlagerung der Molekeln und durch
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AusstossuD" der Wasser-Molekelp. Meines Wissens kennt man bisher weder
Opal noch Chalcedon, von dem sich nachweisen Hesse, dass er älter ist,
als etwa die obere Krcideformatimi.
In den Gesteinen der nördlichen Kalahari findet sich mehrfach der
Chalcedon auch in grösseren Massen und grösseren Stücken; vielfach er-
scheint er in den Gesteinen, kleine Poren und zum Theil kleine Spalten
und Schinitze fast oder ganz erfüllend. Ist er nur allgemein fein vertheilt
im Gestein vorhanden, dann verleiht er demselben meist, nicht immer,
einen bald schwächeren bald stärkeren Glasglanz auf frischen Bruchflächen;
welche Varietät von Kieselsäure dann aber in dem (iestein enthalten ist,
lässt sich makroskopisch nicht bestimmen.
37. Die Kieselsäure tritt seltener auf als meist wasserklarer Opal
oder llyalit, vollkommen isotrop auch in den besten Präparaten und bei
stärk.ster Beleuchtung. Entweder findet sich der Opal in Säumen von etwa
Ü.oi bis 0.02 mm Breite um Sandkörner und andere Bestandtheile der Ge-
steine sich herumschmiegend, oder in kleinen unregelmässig gestalteten
Partien. Die Säume von Opal sind entweder ganz homogen oder aus
einzelnen feinsten Lagen zusammengesetzt, die sich mehr oder minder
ileutlich von einander abhebeu. Die Trennung einzelner Lagen von Opal
von einander wird wohl durch Anhäufungen winzigster Poren verursacht.
Im auffallenden Lichte glaubt man auch sonst eine Trübung des Opals
auf Poren zurückführen zu können; ist die Trübung stark, dann liegt keine
Möglichkeit mehr vor zu entscheiden, ob die Masse noch isotrop ist. In
den unregelmässig gestalteten Partien von Opal, die z. B. mitten in anderer
Kieselma.sse liegen, sieht man ihn namentlich bei starker Vergrösserung
von feinen Linien, wohl von Sprüngen durchzogen: der Opal zeigt körnigen
/.erfall, wie man sich ausdrücken kann. Die Abbildung Taf. II, Fig. 5 zeigt
namentlich in ihrer mittleren Partie die Erscheinung sehr deutlich; die
AbbildiingTaf.il, Eig.C zeigt dieselbe Stelle zwischen gekreuzten Nicols: der
Band der Opalmasse hat ziemlich krältige Doppelbrechung und Zerfall in
faserige Bestandtheile, während im zerstreuten Lichte isotroper Opal und
sein doppelbrechender Band von einander durchaus nicht zu trennen sind;
letzterer hat sich augenscheinlich im Laufe der Zeit aus dem Opal entwickelt.
Zwischen gekreuzten Nicols zeigen die Säume von Opal hisweilen stellen-
weise auch eine ganz sehwache Aufhellung: der Opal ist schwach doppel-
brechend gervorden. So kommt es vor, das zwischen völlig isotropen Lagen
von Opal in Säumen sich eine Lage mit schwacher Doppelbrechung ein-
stellt, ein Uebergang von Opal in Chalcedon. Auch sonst kann man Massen
von Kieselsäure finden, die zwar die Structur des gemeinen Chalcedons
besitzen, aber nur sehr schwache Do])pelbrechung aufweisen. Dazu ge-
hören ferner .Massen von fein vertheilter Kieselsäure, die erst in entkalkten
Dünnschlitfen zum Vorschein kommen und in Bezug auf ihr optisches Ver-
halten erst geprüft worden können, wenn der entkalkte Schliff mit Canada-
balsam bedeckt wird. Solche Kieselmasscn bleiben aber auch dann noch
oft schwer mit Sicherheit erkennbar, während im einfachen Dünnschliff
eines zum Theil verkieselten Kalksteins gar nichts von ihnen zu sehen ist.
3S. Diese schwach doppelbrechende Kieselsäure führt vom Opal hin-
über zu dem C halcedon, der zunächst einmal in seiner typisch faserig-
büscheligen .Vusbildungsweise auftritt. Da es sich fast immer um kleine
Bäume handelt, in denen der Chalcedon sich ablagern konnte, so sind seine
Fasern auch niemals so lang, wie manchmal in den grossen Clialcedon-
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I i
masseii in grossen Drusen und auf Klüften. Kugelförmige Aggregate,
manchmal etwas grösser, meist recht klein, mit gutem, scharfem Inter-
ferenzkreuz, wurden nur ausnahmsweise beobachtet. Meist erscheint der
faserige Chalcedou in Büscheln, also körperlich in Kegeln, die in bekannter
Weise neben einander zu Lagen angeordnet sind. Auffällig war nur das
.Vuftreten von isolirten Chalcedonkegeln von kräftiger Doppelbrechung mitten
in völlig amorphem Opal. Auch hier, vergleiche die Abbildung Taf. IV, Kig. 1,
erhält man durchaus den Eindruck, dass sich der Chalcedon secundär im
Opal entwickelt hat.
Die Büschel von Chalcedon gruppiren sich auch in schmäleren bis
breiteren Säumen, die oft im zerstreuten Licht durchaus nicht von Opal
zu unterscheiden sind; sie zeigen sich auch ebenso aus z. B. 6 bis 8 Lagen
aufgebaut wie der Opal. Ein solcher Chalcedon mit ilurch die Büschel
hindurchgehenden Lagen ist dann also gleich dem Achat in mikroskopischem
Massstabe. Man kann hier also etwa den Ausdruck Mikroachat verwenden.
Als ein üebergang von Chalcedon in Quarz ist es dagegen anzusehen,
wenn ein zwischen gekreuzten Nicols feinfaserig und stark divergent-
strahlig erscheinender Ch.alcedon sich im zerstreuten Licht aus 12 bis
14 Lagen aufgebaut erweist, die durch allerfeinste Linien von einander
getrennt sind von zackigem, Krystallspitzen entsprechendem Verlauf «ic
beim Festungsachat oder beim Amethyst (vergl. hierzu E. tieinitz 1. c.).
Ausser dem feinfaserigen Chalcedon erscheint nun aber auch mehr
oder minder gröbsten gel iger Chalcedon, bei dem die Stengel noch
ebenso nach einem Centrum convergiren wie beim feinfaserigen, während
man doch schon leichter die einzelnen Constituenten iles Aggregates von
einander unterscheiden und um so leichter in ihrem optischen Verhalten
prüfen kann, je gröber — immer in mikroskopischem Massstabe — sie
sind. Da zeigt sich denn, dass die einzeln unterscheidbaren Stengel eine
undulöse Auslöschung zwischen gekreuzten Nicols besitzen, als wären sie
aus nicht erkennbaren, submikroskopischen Faserbüscheln aufgebaut. In
anderen Fällen kann man aber bei den einzelnen Chalcedonstengeln auch
ganz homogene Auslüschung constatiren.
30. Querschnitte solchen grobstengeligen Chalcedones erscheinen im
Dünnschlitf als grobkörniger Chalcedon; doch dürfte auch wirklich
Chalcedon Vorkommen, der aus Aggregaten von gröberen Körnern, nicht
aus Stengeln besteht. In sehr auffälliger Weise sind in solchem grob-
körnigen Chalcedon die Grenzen der Körner im zerstreuten Lichte oft
gar nicht oder nur mit Mühe zu erkennen. Die einzelnen Körner löschen
undulös oder homogen aus; in letzterem Falle ist immer noch ein Unter-
schied von Quarz festzustellen, erstens durch das Vorkommen von
charakteristischen Einschlüssen, wie sie in anderen .\rten des Chalcedons
auftreten, zweitens durch die schwächere Lichtbrechung des Chalcedons
im Verhältniss zum Quarz. Aber alle solche Kennzeichen können auch
völlig versagen; es giebt keine scharfe Grenze zwischen einem körnigen
Chalcedon-Aggregat und einem Quarzkorn-Aggregat. Ich habe mich im
Laufe der Untersuchung mit den .\usilriicken „fast Opal“ und „fast Quarz“
für solche Uebergangsstufen zu behelfen versucht, möchte aber diese un-
beholfenen Ausdrücke nicht weiter verwenden. Dass aber auch „echter“
Quarz als Endglied der ganzen Reihe erscheint, ist ganz unzweifelhaft.
40. In ziemlich bedeutendem Gegensatz gegen den mikroskopisch
grobkörnigen Ch.alcedon steht der ganz feinkörnige (’halcedon. Mit
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recht grosser Sicherheit kann man behaupten, dass bei der Umwandlung
von Carbonspath in Kieselsäure eine Beimengung von Thon die Heraus-
bildung von klarem, deutlich faserigem oder stengeligem Chalcedon ver-
hindert. Es tritt dann der Chalcedon in zum Theil äusserst feinkörnigen
Aggregaten auf, deren Elemente wahrscheinlich kleinste Büschel sind.
Solche Massen können scheinbar, in Folge der Dicke der Präparate, eine
sehr schwache Einwirkung auf polarisirtes Licht aufweisen. Wo aber die
Körnchen bei starker Vergrösserung noch gut prüfbar sind, zeigt sich
ausnahmslos ungleichmässige undulöse Auslüschuug. Im zerstreuten Licht
können Stellen von recht feinkörnigem und dabei reinem Chalcedon eine
gewisse Aehnlichkeit mit Tridymit-Aggregaten haben, ohne dass dabei
natürlich an wirklichen Tridymit zu denken ist.
41. Opal und Chalcedon können sich unmittelbar mit scharfer Grenze
an die Quarz-Sandkörner ansetzen. Nicht selten aber schliesst sich die
neu hinzugeführte Kieselsäure als Quarz mit paralleler Lagerung der
Molekeln an die vorhandenen Quarzkörner an, diese ausheilend. Da
kann dann eine Lage um die Quarzkörner vorhanden sein, die gegen diese
genau dieselbe Auslöschungsrichtung, genau dieselbe Stärke der Doppel-
brechung besitzt, während sie nach aussen hin in Körner mit undulöser
Auslöschung, in Chalcedon-Aggregate übergeht, ln anderen Fällen tragen
die Quarz-Sandkörner eine dünne Hülle von unzählig vielen Krystallspitzen
in der Itichtung der Hauptaxe, von kurzen geradlinig begrenzten Theilchen
in der Prismenzone; es haben sich also viele authigene Subindividuen an
das allothigene Quarzkorn angesetzt, und das optische Verhalten zeigt
auch hier, dass die Substanz wirklich Quarz, nicht Chalcedon ist. Die
Abbildung Taf. II, Fig 4 zeigt solche Kijstallspitzen an dem Korn in der
Mitte in besonders grossem Massstahe.
Recht interessant ist eine Erscheinung in dem einzigen Krystall-
Sandstein zu nennenden Gestein der Botletle-Schichten vom Massarwa-
Thal an der Südseite des Ngami-Sees. Hier sind alle Quarze mehr oder
minder gut mit gleichmässigen Conturen zu Krystallen ausgeheilt, aber
der ausheilende Quarz zeigt oft gekrümmte An wachsstreifen etwa
parallel den Conturen iles Sandkornes im schärfsten Gegensatz gegen den
oben erwähnten stark divergent- büscheligen Chalcedon mit zackig gerad-
linigen Anwachsstreifen. Die Abbildung Taf. IV, Fig. 4 zeigt diese nur
bei gewisser Beleuchtung hervortreteuden Anwachsstreifen auf das Deut-
lichste. Das Quarz-Sandkorn und die ausheilende Krystallspitze zeigen
genau dieselbe Interferenzfarbe und völlig homogene Auslöschung zwischen
gekreuzten Nicols; die Sichtbarkeit der Anwachsstreifen muss auf mini-
malen Unterschieden beruhen. Aber macht nicht das Ganze wieder den
Findruck, als wäre der aushcilende Quarz einst als amorpher Opal ab-
gelagert worden V
42. Der Chalcedon ist öfters feinporös, denn wohl nur als Poren
sind die feinsten Pünktchen zu deuten, die im auffallenden Licht weiss,
im durchfallenden dunkel erscheinen. Recht charakteristisch für den
Chalcedon ist es auch, dass feinere und gröbere Poren in Flocken, an
Stellen in grösserer Anzahl erscheinen. Relativ grosse Poren sind aus-
gezeichnet durch ihre unregelmässigen eckigen Conturen. wodurch sie sich
lebhaft auch von den am sonderbarsten gestalteten Poren z. B. in Granit-
Quarzen unterscheiden. Durch eine grosse Anzahl winziger Poren wird
der Chalcedon im auffallenden Licht milchig weiss, eine Erscheinung, die
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nur selten beobachtet wurde. Die Armuth oder der Reichthum an ver-
schiedenartigen Poren in wesentlich aus Chalcedon bestehenden Massen
kann die Ursache einer makroskopisch im Handstück wie im DUnnschlifT
auffallenden Fleckigkeit sein.
43. In den verschiedenen Gesteinen der nördlichen Kalahari zeigt sich
die authigene Kieselsäure bald nur in einer einzigen Ausbildungsweise, bald
in mehreren Varietäten, die meist wie verschiedene Generationen nach
einander zur Ablagerung gelangt sind. Diese verschiedenen Folgen von
„Chalcedon“, wie wir kurz sagen wollen, können durch scharfe Grenzen
von einander geschieden sein; sie können aber auch in schnellem Ueber-
gang mit verschwimmenden Grenzen mit einander verbunden sein. Die
Grenzen sind dann manchmal im zerstreuten Licht, manchmal gerade
zwischen gekreuzten Nicols verschwommen; es tritt z. 15. der Fall ein, dass
eine im zerstreuten Lichte ganz homogene Masse im polarisirten Lichte
in einen Kern von völlig amorphem Opal und eine Rinde von kräftig polari-
sirendem Chalcedon zerfällt, vergl. oben S.76 und Taf.II, Fig.6 und 6. Solche
Erscheinungen geben immer wieder der Vorstellung Nahrung, dass die
einzelnen Varietäten des Chaleedons auch im Laufe der Zeit in einander
übergehen können in der Richtung auf Entstehung von Quarz. Unzweifel-
haft aber ist hier der oft so schnell zu Hülfe herbeigezogene Gebirgsdruck,
die sogenannte Dynamometamorphose, ganz unschuldig an undulöser Aus-
löschung des Quarzes. Es liegt dann eben kein Quarz vor, sondern ein
dem Quarz nahekommender Chalcedon. Aeltere Freiberger Geologen haben
z. 15. von wasserhaltigem Quarz auf den Erzgängen gesprochen; neuere
Untersuchungen liegen darüber noch nicht vor.
Für die Verbindung der Varietäten des Chaleedons unter einander
wäre noch die ziemlich häufige Erscheinung zu erwähnen, dass grössere
Partien von feinkörnigem Chalcedon von einem unregelmässigen Netzwerk
von grobkörnigerem durchzogen zu sein pflegen.
44. Die bisher besprochenen Verhältnisse beziehen sich auf reinen und
farblosen Chalcedon. Es kommt daneben, aber doch seltener, auch ein
homogener lichtgelb gefärbter Chalcedon vor, der z. B. auch klein-
körnig und dabei mit tridymitähnlichem Habitus erscheinen kann. Ge-
wöhnlicher ist das Vorkommen einer gelblichen, faserig-streifigen Masse,
die doch auch Chalcedon, von einer Spur von Eisenoxyd gefärbt, sein muss.
In diesem Chalcedon sind niemals Büschel von Fasern vorhanden, die
faserigen Elemente sind vielmehr in verschiedener Weise mit einander ver-
flochten, meist mit striemig-streifiger Anordnung; einzelne Fasern treten
beim Drehen des Präparates zwischen gekreuzten Nicols in verschiedenen
Richtungen besonders hell hervor, und doch kann man im zerstreuten Lichte
auch bei starker Vergrösserung und guter Beleuchtung keine fremden Ele-
mente unterscheiden. Eisenhaltig ist die Substanz gewiss, ob auch noch
andere chemische Bestandtheile darin vorhanden sind, lässt sich nicht
entscheiden.
45. Dagegen tritt auch wirklich Sericit, winzige Partikelchen eines
faserigen Glimmers, als Verunreinigung des Chaleedons auf; er ist recht
wohl von den Theilchen des Chaleedons zu unterscheiden, doch muss der
Nachweis der Sericit-Natur dieser Elemente auf weiter unten verschoben
werden. Thon als Verunreinigung des Chaleedons ist als solcher
u. d. M. nicht erkennbar, es sind nur Vermuthungen über seine gelegent-
liche Anwesenheit möglich. Dagegen ist im Chalcedon stets leicht zu cr-
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kennen jedes auch noch so winzige Partikelcheu von Calcit oder Dolonflt.
Diese liegen in allen Arten der authigeuen Kieselsäure vom amorplien Opal
bis zum Quarz. Sehr oft haben dabei Calcit und Dolomit die Form von
mehr oder minder scharfen Rhomboedern. Chalcedon und Carbonspäthe
erscheinen in allen Zwischenstufen gemischt vom reinen Chalcedon bis
zum reinen Carbonspatb. Herrscht aber der Carbonspath stark vor,
dann ist der Chalcedon u. d. M. oft schwer aufzulinden; erst in dem
l.iisungsrückstande findet man dann höchst charakteristische Chalcedon-
>kelette, die lebhaft an Lithistiden-Skelette erinnern können. Seltener wurde
im Lösungsrückstande der Chalcedon in faserig-zackigen porösen .\ggre-
gaten gefunden; auch das seltene Vorkommen von einzelnen an die Quarz-
Sandkörner nngewachsenen Fasern und Zacken von Chalcedon konnte nur
im Lösungsrückstande nachgewiesen werden.
4G. Eine besonders beachtenswerthe Erscheinungsweise des Cbalcedons
ist nun noch das Vorkommen von Pseudomorphoscn von Chalcedon
nach Caleit oder Dolomit in mehr oder minder scharfen Rhomboedern
von mikroskopischen Dimensionen ira Gesteinsgewebe. Dabei kann der
Chalcedon auftreten als feinkörnige Masse, mit faserig-büscheliger Structur,
körnig mit undulöser Auslöschung der einzelnen Körner, endlich als ein-
heitliches Korn mit homogener Auslöschung, also (juarzähnlich. Diese
Pseudomorphoseu sind oft wesentliche Ilülfsmittel für die Erkennung der
eingetretenen Verkieselung, sie werden daher noch mehrfach bei den Ge-
steinen der einzelnen Schichtensysteme zu erwähnen sein. Es mag hier nur noch
auf die Abbildungen Taf. 111, Fig. 5 und Taf. IV, Fig. 3 hingewiesen werden.
47. ln der Mehrzahl der mikrochemisch untersuchten Gesteine der
Botletle-Schichten zeigte sich beim Auflösen derselben in verdünnter Salz-
säure ebenso ein Gehalt an organischer Substanz wie im Kalahari-
Kalk. Es scheiden sich beim Auflösen leichte F’locken von heller Farbe
ab, die sich in der Lösung meist schnell zu Boden setzen, weil sie Thon
enthalten. Bei einigen Gesteinen, die sich leicht schon in kalter verdünnter
Salzsäure lösen, wurde ira Lösungsrückstand die organische Substanz auch
als eine Hülle um Quarz-Sandkörner vorgefunden. Die Verbrennbarkeit
der Flocken und damit ihre Natur als organische Substanz weist man am
leichtesten nach, wenn man den Lösungsrückstand im Uhrglas mit .\lkohol
auswäscht und die feuchte Masse, in der die Flocken doch zu oberst liegen,
anzündet; beim Abbrennen des Alkohols verglimmen dann die Flocken mit
einem Ueberrest von Thon. Solche organische Substanz, dem Gewichte
nach offenbar eine sehr geringe Menge, kommt sowohl in kalkigen wie in
dolomitischen, in den härtesten wie in mürberen Gesteinen vor.
Die Schalen von Gastropoden, die in einigen wenigen Gesteinen
vorhanden waren, sind für die vorliegende Untersuchung weiter nicht von
Bedeutung; verkieselte Schalen wurden nicht gefunden.
Es mag noch an dieser Stelle erwähnt werden, dass Chlornatrium
in einem mürben Sandsteine chemisch in reichlicher Menge nachgewiesen
werden^konnte in Uebcreinstimmung mit der Angabe des Herrn Dr. Pas-
sarge. Sonst wurde nach dem Vorhandensein etwa von Spuren von Na CI
als _ziemlich_selbstverständlich gar nicht erst gesucht.
D. Structur.
48. Bei der Entstehung von Sandsteinen aus Ablagerungen von lockerem
Sand(! s])ielt das sogenannte Porenvoluincn der letzteren eine bedeutende
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Rolle. Die leeren Räume zwischen den Sandkörnern werden bei der Ent-
stehung" der Sandsteine oft durch ein besonderes Bindemittel ausgefüllt.
dessen Menge dem Rauminhalt nach z. 15. also gleich dem des Poreuvolumens
des abgelagerten Sandes sein kann. Da aber ein fester Sandstein immer
noch porös sein kann, so empfiehlt es sich, bei der Beschreibung der
mikroskopischen Structur von Sandsteinen den Unterscliied festzuhalten
zwischen luterstitien und Boren. Interstitien mögen die Räume zwischen
den einzelnen allothigenen gröberen und feineren Körnern der Sandsteine
und ähnlicher Gesteine genannt werden im tJegensatz zu den Boren, die
bei der Verfestigung der Sandsteine in den Interstitien unausgefüllt übrig
bleiben können. Im lockeren Sand ist also das Interstitialvolumen gleich
dem Borenvolumen; es nähert sich dem möglichen Maximum umsomehr,
je gleichmässiger gross und je mehr kugelförmig die allothigenen Körner
sind. Im festen Sandstein kann nun aber das Volumen des Bindemittels
grösser sein, als das Interstitialvolumen des primären körnigen Sedimentes
zum Beispiel schon dadurch, dass mit den Quarz-Sandkörnern zugleich
Kalkschlamm in grosser Menge zum Absatz gelangte. In einem sandreichen
Kalkstein ist also nacli der hier vorgescldagenen Nomeuclatur das Biiide-
mittelvülunien, das Interstitialvolumen sehr gross.
Eür die Sandsteine der Botletle-Schichten ist es nun in hohem Grade
charakteristisch, dass in allen Vorkommnissen, sowohl von Kalk- und
Dolomit-Sandsteinen, wie in den verkieselten Sandsteinen und in den
Chalcedon-Saiidsteinen, das Interstitialvolumen sehr gross ist. Dieses Ver-
hältiiiss zeigt sich in einfachster Weise darin, dass die Sandkörner sich
in den Gesteinen im Allgemeinen, einzelne Punkte natürlich ausgenommen,
nicht berühren, sondern Bindemittel zwischen sich haben. .Man kann das
Verbältniss nur ungenau so ausdrücken, dass man sagt, das Bindemittel
herrsche vor den Sandkörnern vor; das kommt auch vor, aber eben nur
dann, wenn das Interstitialvolumen ganz besonders gross ist, eine Er-
scheinung, die bei den Botletle-Sandsteinen, die in mehr oder minder
reine Kalksteine oder Dolomite übergehen, natürlich auch vorkommt.
Porös aber sind die Sandsteine der Botletle-Schichten wohl in allen
Eällen nur dadurch geworden, dass bei der Verkieselung ein Theil des
Cementes weggeführt wurde und dass bei der Einkieselung Theiie der
Interstitien unausgefüllt blieben.
49. Bei der Besprechung von Kalkspatb und Dolomit in 35. ist schon
die Structur der zu dem Tj])Us der sandigen Kalksteine gehörigen
primären Calcitgestcine und ihrer mehr oder mimier dolomitisirten
Varietäten genügend mit berücksichtigt worden, da die allothigenen Sand-
körner, regellos veitheilt und wie im vorhergehenden Abschnitt erwähnt
sich niemals berührend, keine weiteren allgemein beachtenswerthen
structurellen Erscheinungen verursachen. Nur das mag noch erwähnt
werden, dass in einigen wenigen Vorkommiusseu die Sandkörner zunächst
von radial gestellten kurzen Stengeln von Kalkspath umgeben werden, die
bei der Umkrystallisatiou des Kalkcementes diese Anordnung erhalten
haben. Solche Calcitsäume haben eine grosse .\ebnlicbkeit mit Chalcedon-
säumen.
Die dolomitischeiilGesteine haben keine wesentlich andere Structur
als die t'ulcitgesteine.
In den verkieselten Gesteinen erscheint der f'dialcedon in den
Düiiiischlitleii au der Stelle der Carbouspäthe. er hat sie verdräi gt. Man
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möchte mit einem etwas krassen aber doch ber.eiclincnden Ausdruck sagen,
in manchen Fällen hat der Chalcedon den Carhonspath aufgefressen.
Man findet kleine Partien von reinem Chalcedon, die sich nach aussen
in die Carbonspäthe verlieren; diese Partien sind in anderen Vorkomm-
nissen grösser, in einigen wenigen ist eine völlige V’crkieselung eingetreten;
in letzterem Falle kann nur die Structur des Chalcedons. der Vergleich
mit nur stark verkieselten Gesteinen die Auffassung rechtfertigen, dass
man es mit verkieselten und nicht mit eingekieselten Gesteinen zu thun
hat. Bei der Verkieselung bleiben bald Ilelicte von Carhonspath übrig,
bald vermisst man sic. Im ersteren Falle kann sich auch eine völlige
Umlagerung der Carbonate einstellen, und das Bindemittel eines solchen
(iesteins ist dann, vielleicht nur an einzelnen Stellen, ein sehr feinkörniges
und schwankendes Gemisch von Calcit- (Dolomit-) Körnchen und Chalcedon-
körnchen, das unter dem Mikroskop schwer, aber doch noch an den
dünnsten Bändern der Präparate auflösbar ist; die bedeutenden Unter-
schiede in der Doppelbrechung erleichtern die Trennung der beiden Sub-
stanzen. Ist aber nur wenig Chalcedon gleichmässig im Carbonspath-
gemenge vertheilt, dann wird man ihn durchaus nur im Lösungsrückstand
in skelettartig durchbrochenen Partikeln, selten in zackigen .\ggregaten
auftinden.
Wo der Chalcedon in grösserer Partie sich dem Carhonspath nähert,
da löst sich letzterer meist in einzelne Körnchen auf, von denen dann
einige schon ganz in Chalcedon eingebettet sind, während andere noch
mit der primären Carbonatmasse direct Zusammenhängen, dabei aber eine
etwas andere Form aufweisen als die Körnchen der letzteren. Gar nicht
selten ragen von den unumgewandelten Carbonatpartien Krystallspitzcn
in den Chalcedon hinein; Calcit und Dolomit sind auch in diesen Krystall-
spitzen nicht von einander zu unterscheiden, und namentlich ist es sicher
nicht blos der Dolomit, der solche Spitzen bildet.
Solche Structuren lehren, dass bei der Verkieselung erst der Carbon-
spath molekulare Umlagerung erleidet und dann in Chalcedon pseudo-
morphosirt wird. Dieser Verlauf wird noch dadurch nachgewiesen, dass
— in den Botletle-Gesteinen allerdings nur ausnahmsweise — auch Pseudo-
inorphosen von Chalcedon in scharfer Bhomboederform auftreten, und
dass ferner auch Partien mit so auffälliger Structur wie die eines
.,])lastisch“-körnigen Calcit-Aggregates völlig in Chalcedon metamorphosirt,
man darf sagen pseudomorphosirt worden sind.
50. In den verkieselten Botletle-Gesteinen erscheint in den einzelnen
V'orkommnissen meist nur eine .Vrt von Chalcedon. und zwar fein- bis
feinstkörniger. Dieses Verhältniss erleichtert auch die Erkennung der
Verkieselung in völlig verkieselten Gesteinen, ln anderen Vorkommnissen
können sich auch zwei Generationen von Chalcedon zeigen, die durch
ihre Korngrösse oder durch ihre Einschlüsse von einander verschieden
sind. So findet sich öfters ein stark poröser Chalceilon zunächst um die
Quarzkörner, ohne aber dass diese regelmässig oder g.anz von ihm um-
hüllt werden. Man muss sich beiläufig bemerkt hüten, solchen im auf-
fallenden Lichte weissen, im diirchfallenden Lichte trüben Chalcedon mit
einem Chalccdon-Calcit-Gemisch zu verwechseln. In den Chalcedonmasseu
kann man auch Opal im ('entrum derselben finden, oder es liegen um-
gekehrt do])pel brechen de Clialcedonpartien im Upal; die Structuren sind
eben so verschieden, dass eine erschöpfende Beschreibung nicht gegeben
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werden kann. Aber niemals finden wir in den verkieselten Gesteinen
scliarfe Säume von Clialcedon- Varietäten um die Sandkörner; treten diese
doch gclegentlicti in irgend einer Weise in geringer Menge auf, dann muss
mau hier ausser der Verkieselung auch noch eine später eingetretene Ein-
kieselung annehmen; zeigt es sich doch, ilass bei der Verkieselung grössere
Foren im Centrum der Interstitieu übrig bleiben können.
Dadurch, dass ilie Verkieselung meist von einzelnen wenig von ein-
ander entrcrnten l’unkten ausgeht, kann ein ganz oder stark verkie.seltes
Gestein ein kleintleckiges Aussehen erlangen, das im Handstück entfernt
an oolithische Striictur erinnert. Auch ein an Hrauneisenerz reiches,
w'ahrscheinlich aber dabei auch stets kieselhaltiges Bindemittel stellt sich
öfters in kleinen Partien, Flecken erzeugend, ein.
Es ist noch hesonders hervorzuheben, dass verschiedene Structuren
in verkieselten Gesteinen neben einander Vorkommen. So zeigte ein h.alh-
verkieselter, stark dolomitischer Kalk-Sandstein von Pompi am Botletle
in einem und demselben mikroskopisch stark fieckigen Präparat folgende
drei verschiedene Aushildungsweisen des Binileniittels: 1. dichter Carbon-
spath (CalcitV) mit Chalcedon im Centrum; 2. Clialcedon mit Carbonspath
(DoloniitV) im Centrum; .3. sehr feinkiirniges schwankendes Gemisch von
Chalcedon und Carbonspath.
51. Bei ungefähr dem vierten Theile aller Botletle-Gcsteine, die von
Carbonspäthen völlig frei sind, waren die Erscheinungen der Verkieselung
nicht nachweisbar; ihr Kieselcement muss durch Einkieselung entstanden
sein, ln diesen Gesteinen, Typus der Chalcedon-Sandsteine, erscheinen in
buntem Wechsel alle Arten von Kiesel vom amorphen <)pal bis zum „echten“
Quarz und zwar meist zwei Arten zugleich; einartige Kieselmasse kommt
nur ausnahmsweise vor. t harakteristisch für die eingekieselten Gesteine
ist das häufige Vorkommen von i>äumen um die Sandkörner und zwar, wie
hervorgehoben werden muss, um alle Sandkörner einzeln, wie das die Ab-
bildung Taf. II, Eig. 1 zeigt. Die Säume lieben die Quarzkörner oft sehr
scharf von dem übrigen, anders struirten Bindemittel ab und bestehen bald
aus Opal, bald aus verschiedenartigem Chalcedon; eine gesetzmässige Auf-
einanderfolge der Kieselvarietäten ist nicht zu erkennen. Sandkörner mit
Säumen und einem weiteren Kieselcement zwischen sich stellen die genauen
Analoga der Ringel- oder Sphärenerze dar. Zu dieser Erscheinung gehört
auch das Auftreten von ausheilendem Quarz um die Sandkörner in schmaler
continuirlic’ier Lage o<ler, aber nur selten, in zaiillosen Krystall-Subiudi-
viduen. Meist ist die Ausheilung in den Botletle-Gesteinen nur wenig
stark entwickelt, doch steigert sie sich in einem Falle bis zur Heraus-
bildung eines Gesteines vom Massarwa-'l'hal an der Südseite des Ngami-
Sees, das nach dem mikroskopischen Befunde nur als Krystall-Sandstein
bezeichnet werden kann; in ihm schliessen sich die Quarzkörner sämmtlich
mit Ausheilung polyedrisch an einander wie in einem Quarzit Die ge-
krümmten Ausheilungszonen wurden oben S. 78 erwähnt. Das Gestein
hat kleine Poren, ist sonst von hohlen bis 1 cm starken unregelmässigen
Ridiren durchzogen, zeigt aber keine Spur von Ojial oder Chalcedon.
Ein Staub von Eisenliydro.vyd im Chalcedon oder eine dünne oder
stärkere Hülle von Eisenhydroxyd um Quarzkörner kommt auch bisweilen
in diesen eingekieselten Gesteinen vor.
52. Die eingekieselten Gesteine sind immer, wie schon aus der oben
S. 73 gegebenen .\ufzählung der Varietäten hervorgeht typische Sandsteine.
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Das Gement ist niemals iu vorherrschender Menge vorhanden, aber aus
dem Vorkommen von Säumen um die Sandkörner geht sclion liervor, dass
oft, sogar meist, das Poreuvolumen des primären Sandes in den mannig-
faltigsten Abstufungen von dem Interstitialvolumen der festen Sandsteine
iibertroft'en wird. Bei den zum Vergleich herheigezogenen llingclerzcii
kann man ja die Entstehung nur so erklären, dass die au8kr)’stallisiren-
den Ganginiiieralien die Bruchstücke des Nebengesteins allmählich von ein-
ander entfernt haben. Zu derselben Auffassung nöthigt uns auch die
Structur der eingekieselten Botletle-Sandsteine; die fertigen Sandsteine
haben ein grösseres Volumen, als die primären Sandablagerungen. Hier-
nach könnte man erwarten, dass solche Chalcedon-Saridsteine entweder
bald nach der Ablagerung der Sande entstanden sind, oder dass sie vor
der Einkieselung nicht von anderen mächtigen Massen überlagert worden
sind. Ich kann hier leider keine genügende Auskunft geben, da Herr Dr.
Passargo noch nicht in der Lage gewesen ist, meine Bestimmungen der
einzelnen Gesteine mit seinen Beobachtungen in der Kalahari zusammen-
zustellen. Nur soviel weiss ich, dass die eingekieselten Chalcedon-Sand-
steino bisweilen nur Massen innerhalb von lockeren Sandsteinen bilden.
Andererseits werden wir bei den Reflaka-Gesteinen, die auch Chalcedon-
Sandsteine sind, eine auffällige Verschiedenheit der Structur linden, die
auf den Druck überlagernder Massen zurückzuführen ist.
53. Breccien und Congloinerate gehören ihrer Zusammensetzung
und ihrem Vorkommen nach zu einem der bereits besprochenen Typen,
aber sie geben doch noch Anlass zu einer besonderen Erwägung. .Mit
Sicherheit kann man zunächst angebeu, dass die grösseren Gesteinsstücke
in diesen Gesteinen sowohl bei <ler Verkieselung als auch bei der Ein-
kieselung in Mitleidenschaft gezogen worden sind. So sind Stücke rothen
Mergelkalkes in ilirer äusseren Partie ärmer geworden an Eisenhydroxyd,
Aederchen von Chalcedon gehen als Eortsetzungen des Bindemittels des
ganzen (icsteins in die grösseren Stücke hinein, Gerölle von Chalcedon-
masse zeigen eine innere concentrische Lage, die im SchlilV trübe und
milchig, also porös ist, während die äusserste Partie klarer durchscheinend,
also wohl noch weiter von Kicselmasse iniprägnirt ist. Aber eben diese
Gerölle sind doch schon als wenigstens vorlierrschend aus Chalcedon be-
stehende Massen zur Ablagerung gelangt. Ferner treten mehrfach Bruch-
stücke von dem älteren Ngami-Kalkstein in den Botletle-Gcsteinen auf,
die theilweise oder völlig ganz in der Art verkieselt sind, wie cs beim
anstehenden Ngami-Kalk vorkommt. Darnach will es sclieiricn, dass die
Phänomene der Verkieselung und Einkieselung nicht nur in einem Zeit-
räume, nicht nur einmal stattgefunden haben, sondern entweder in meh-
reren Perioden oder längere Zeit hindurch. Es musste doch auch schon
erwähnt werden, dass gelegentlich und in geringerem Masse bei den ver-
kieselten Gesteinen auch die Erscheinungen der Einkieselung, und zwar
diese immer als spätere Phänomene, Vorkommen. Auch weiter unten werden
noch Verhältnisse zu erwähnen sein, die gleichfalls für zwei Perioden der
Zufuhr von Kieselsäure sprechen. Im vornherein aber kann erklärt werden,
dass eine sichere Entscheidung auch weiterhin nicht möglich sein wird; die
grossen Vcrscliiedenheiten der Structur werden für diese Frage immer wieiler
dadurch zum Theil bedeutungslos, dass es sich immer nur wesentlich um eine
Siibsüinz, Kieselsäure, handelt. L’eberdies kommen hier sjieciellere Altersver-
hältnisse und die genauere Lagerung in Betracht, die ich nicht beurtheilen kann.
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85
IV. Renaka-Hchichten.
54. Herr I)r. l’assarße sali sich bei seinen Aufnahmen am Südufer des
Nganii-Sees veranlasst, die liegendsten unter den jungen Sedimenten unter
der besonderen Bezeichnung der Heftaka-Schichten zusammenzufassen. Die
zunächst darüberliegemlen halbverkicselten Dolomit-Sandsteine gehören zu
den Typen der Botletle-tiesteine. Die Gesteine der Keflaka-Schichten sind
sänirntlich Chalcedon-Sandsteine, von denen weitaus die Mehrzahl im
Dünnschlitf durch die mikroskopische Untersuchung von den Chalcedon-
Sandsteinen der Botletle-Schichten unterschieden werden konnte. Es kommen
als Kefiaka-Schichten auch mürbe, poröse und also cementarme Sandsteine
vor; diese geben aber weiter keinen Anlass zu besonderen Beobachtungen,
zumal von ihnen auch nur wenige Droben Vorlagen. Wahrscheinlich ent-
halten auch diese cementarmen Sandsteine ihren Zusammenhalt durch
geringe Mengen von Kieselsäure, deren Nachweis n. <1. M. kaum mög-
lich ist. Die vorliegenden Sandsteine sind meist sehr spröde und hart,
von gleichmässigem Korn und glasig glänzenden Bruchflächen; viele sind
kleinfleckig mit in einander verschwimnienden Partien von heller bis
bräunlich-violetter Farbe durch verschiedenen Ueichthum an Eisenoxyden.
Auch drei echte Brcccien lagen von den Rertaka-Gesteinen vor; es treten
in ihnen scharfkantige bis subangulare Bruchstücke von Chalcedou-Sand-
stein in einer reichlichen Grundmasse von Chalcedon-Sandstein auf, und
immer hat der Chalcedon in den Bruchstücken eine andere Beschaft'enheit,
als der des Grundmasse-Sandsteins. Es herrscht also dasselbe Verhältniss,
wie bei der breceiösen Kruste der Salzpfanne Ntschokiitsa; auch die Refiaka-
Breccien sind nicht durch Gebirgsbewegungen gebihlet, sie zeugen vielmehr
nur von einer längeren oder in mehrere Abschnitte zerfallenden Periode
der Verkieselung. •
55. Die Reflaka-Sandsteine enthalten ganz dieselben allothigenen
Quarzkörner wie die Botletle-Gesteine. Dagegen sind ein klein wenig
häufiger allothigene Gesteinskörnchen, ein feiner Gesteinsschutt des
Liegenden. Dazu gehören auch vereinzelte Körnchen von Epidot. Von
den Chalcedon-Variotäten der Reihe Opal bis Quarz kommen als
Bindemittel nur gerade diejenigen beiden nicht vor, die in allen Gesteinen
der nördlichen Kalahari gern in grösseren Partien erscheinen, nändich
fein- und langfaseriger Chalcedon und solcher mit deutlichen Interferenz-
kreuzen. Die übrigen Varietäten treten in den einzelnen Vorkommnissen
in sehr wechselnden Mengen auf, doch könnte man behaupten, dass Opal
relativ spärlich, gelber feinkörniger oder strieniig-streifiger Chalcedon ver-
hältnissniässig häutig erscheint. Eisenoxydhydrat, wohl Brauneisenstein,
findet sich el»enfalls in wechselnden .Mengen, gern Hüllen um die Quarz-
Sandkörner bildend.
5ft. In den Reftaka-Sandsteinen ist das Bindemittel, abgesehen von
lockeren besonders cementarmen \'orkommnissen, selten in überreichlicher
Menge vorhanden; meist scheint das Cementvolumen dem Interstitial-
volumen des primären Sandes an Menge gleichzukomnien oder es doch
nur wenig zu übertreffen. iJamit steht in engem Zusammenhänge das
Auftreten der authigenen Kieselsäure; es soll versucht werden, hierüber
den genetischen Vorgängen, wie sie sich wahrscheinlich abgespielt haben,
folgend, zu berichten.
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lu Auhäufungen lockeren Sandes dringt eine Kieselsäure enthaltende
Solution nur spärlich oder in besonders starker Verdünnung ein. Aus
der Lösung scheidet sich die Kieselsäure unmittelbar in krystnllinischem
Zustande als Quarz ab, der sich an die allothigenen Quarzkörner ansetzt,
bald in Hiiideu, bald in zahllosen kleinen Spitzen und Subindividuen; die
Hedingiingen für diese Verschiedenartigkeit liessen sich nicht erkennen.
Die Menge des in dieser Weise ausheilenden Quarzes schwankt sehr,
von Spuren, die nur mit Mühe aufzufinden sind, bis zu reichlichen Mengen.
Die Neubildung von Quarzsubstanz findet ringsherum um alle Quarzkörner
mehr oder minder gleichmässig statt, sie bleibt aber aus, wo auf den
Quarz-Sandkörnern Ablagerungen von Brauneisenstein vorhanden waren
oder sich vielleicht erst bei dem ersten Zutritt der Kiesellösungen bildeten.
Durch die Ausheilung verwachsen vielfach reine Quarz-Sandkörner an den
Berührungsstellen so innig, dass sie zwischen gekreuzten Nicols gerade
so an diesen Stellen an einander grenzen, wie die Quarzkömer in einem
krystalliriischen Gestein ; die unregelmässige Grenze ist oft im zerstreuten
Licht gar nicht zu erkennen. Durch die Verwachsung entstehen Gruppen
von zwei und mehreren Körnern, bisweilen kurze Ketten, Formen, die als
allothigene Sandkörner unmöglich sind. Die Abbildung Taf. II, Fig. 3 zeigt
alle Quarzkörner mit sehr feinzackigen rauhen Conturen und einige durch
Ausheilung mit einander verwachsene Sandkörner. Diese Vereinigung von
Quarz-Sandkörnern zu Gruppen wurde nur in den Reflaka- Sandsteinen,
niemals in den Botletle-Gesteinen gefunden.
Allein die Vereinigung der Quarzkörner konnte nach dem Befunde
in einigen Vorkommnissen ausser durch Ausheilung auch noch durch einen
anderen Vorgang stattfinden, den ich in meiner Abhandlung „Ueber einen
oligocänen Sandsteingang an der Lausitzer üeberschiebung bei Weinböhla in
Sachen“ (diese Abh. 1897, S. 84) als Versch weissung von Quarz-
körnern bezeichnet habe. Es zeigt sich, dass öfters ein Quarzkom in
ein benachbartes eingedrungen ist wie ein Gerölle in ein anderes in der
KalknagelÜuh. Die AbbildungTaf.il, Fig. 2 zeigt quer hindurch eine Kette
von vier in einander gej)ressten Körnern ohne Ausheilung. Auch bei den
kleinen Sandkörnern findet man meist das Korn oder die Stelle eines
Kornes mit kleinerem Krümmungsradius eingedrungen in eine Stelle eines
anderen Korns mit grösserem Krümmungsradius; auch hier sind chemische
und mechanische Vorgänge in Wechselwirkung getreten. Druck über-
lagernder Massen und Krystallisationsdruck, der durch das auskrystallisirende
Bindemittel erzeugt wird, veranlasst die Erscheinung der Verschweissung.
Der Druck wirkt aber nicht nur auf die Berührungsstellen, sondern auch
auf die ganzen Körner, die in Folge davon Feldertheilung und undulöse
Auslöschung annehmen. Ein unrichtiges Llrtheil ist hier gewiss besonders
leicht möglich; Feldertheilung und undulöse Auslöschung kann die Sub-
stanz der Quarzkörner schon in dem Gestein besessen haben, von dem
sie herstammen, und Quarz-Sandkörner mit diesen Eigenschaften finden
sich wohl in allen Sandsteinen. Aber in den Refiaka-Sandsteinen ist eben
diese Erscheinung besonders häufig, ja sie wurde als besonders auffällig
gerade in dem Gestein gefunden , das die stärkste Verschweissung der
(juarzkörner erkennen liess.
57. In den Renaka- Sandsteinen wird die Erkennung der Gruppen
von Quarz-Sandkörnern oft noch dadurch erleichtert, dass diese Griiiipen
sich bei der weiteren Einkieselung wie ein Korn verhalten. Nach der
VjuOgIc
Bildung des ausheilenden Quarzes, der immer nur in geringer Quantität
vorhanden ist, tritt eine Pause ein in der Zufuhr von Lösungen, aus denen
sich Kieselsäure abscheiden kann, oder vielleicht nur eine Aenderung der
chemischen Zusammensetzung der Lösungen; es scheidet sich nicht mehr
Quarz ah, sondern amorpher Opal oder Chalcedon. üefters tritt diese
(ieneration der Kieselsäure in scharf begrenzten Säumen um die Sand-
körner und um die Gruppen von Quarz- Sandkörnern auf, diese letz-
teren in höchst charakteristischer Weise als Gemengtheil-Einheiten hervor-
hebend. Bald sind es opal-, bald mikroachatartige Chalcedon-Säume ohne
erkennbare Ursache der Verschiedenheit, die diese Structur erzeugen; durch
Säume um Gruppen von Körnern unterscheiden sich die Chalcedon-Sandsteine
der liefiaka-Schichten lebhaft von denen der Botlctle-Schichten. Auf die
Säume folgt meist noch eine dritte Generation von Kieselsäure, irgend ein
Chalcedon von anderer Structur oder Opal. Andererseits tritt in den Refiaka-
Sandsteiuen ziemlich häufig in auffallender Weise auch nur eine Art von Chal-
cedon als Cement auf, z. B. nur sehr feinkörniger und dabei ganz klarer Chal-
cedon, oder nur grober körniger Chalcedon, oder nur gelber Chalcedon. Dem
Absatz dieses einartigen Chalcedons kann Ausheilung der Quarz -Sand-
körner vorausgegangen sein oder nicht. Verschiedene Structuren des
Cementes in einem und demselben Dünnschliff, z. B. das nur sporadische
Auftreten von Säumen, konnten mehrfach beobachtet werden.
W'eun sich aber überhaupt um viele Quarzkörner oder um Gruppen
von Quarzkörnern Säume bilden konnten, so muss auch, analog dem Kalle
bei den eingekieselten Botletle-Gesteinen, eine Volumvergrös.serung der
Massen bei der Ausseheidung der zweiten Generation von Kieselsäure
stattgefunden haben; es ist aber wohl denkbar, dass dieses Phänomen
räumlich beschränkt gewesen ist, so dass hieraus kein Widerspruch gegen
die Erscheinung der Verschweissung der Quarzkörner zu folgern ist. Die
Reflaka-Sandsteine besitzen im Allgemeinen wenig Kieselcement.
58. Bei der Einkieselung konnten in den Centren der Interstitien
Poren bleiben, die in einem Kalle durch secundären Kalkspath ausgefüllt
wurden. Sonst fehlt der Kalkspath den Reflaka- Sandsteinen durchaus
und auch Pseudomorphosen von Chalcedon nach einer „plastisch“-körnigen
Calcitmasse wurden nur einmal iu den Bruchstücken eines brecciösen
Chalcedon-Sandsteines gefunden. Es ist doch auch leicht denkbar, dass
in den primären Sanden, aus denen die Reflaka-Sandsteine durch Ein-
kieselung entstanden, auch kleinere Partien vorhanden waren mit einem
Kalkcement, das dann verkieselt w’urde.
59. Höchst auffällig bleibt dabei immer der Unterschied zwischen den
Refl.aka-Gesteinen und den Botletle-Gesteinen im Grossen; in den ersteren,
die ausschliesslich eingekieselte Chalcedon-Sandsteine sind, kommt allein
die Verwachsung der Quarz-Sandkörner durch Ausheilung und Verschweis-
sung vor, während unter den Botletle-Gesteinen die primär kalkhaltigen
bei Weitem vorwalten und die secundäre Verkieselung eine häufige Er-
scheinung ist. Die jiingste.n Glieder der ganzen vielleicht tertiären Schichteu-
reihe, die Pfannen-Sandsteine, konnte ich nicht von den Botletle-Gesteinen
nach petrograpliischen Kennzeichen trennen; wohl aber ist die Abtrennung
der ältesten Glieder, der Reüaka-Gesteine, möglicli. Aber alle diese Ge-
steine gehören doch zu einer grösseren Einheit zusammen; ihre Entstehung
und Metiimorphoso wird ilurcli die jungen sandigen Kalahari-Kalke und
88
(len lockeren Kalahari- Sand der Steppe einerseits und die re(»nten Salz-
pelite und ihre Kruste andererseits in trefflicher Weise erläutert.
V. UeberKan{(«4{;e8teine.
60. „Die Deckschichten sind auf der Denudationsfläche des alten Ge-
birgslandes zur Ablagerung gelangt“, so schreibt oben S. 67 Herr Dr. l’as-
sarge. Die untersten Deckscbichteu, die sich unmittelhar auf dem Aus-
gehenden der älteren Gesteine abgelagert haben, enthalten oft so viel
Material von diesen letzteren, dass es bei der petrographischen Unter-
suchung einigerinassen schwer hält, sie mit der unteren Abtheilung, den
Uefiaka-Schichten, direct zu vereinigen. Dazu kommt noch, dass auch das
Grundgebirge selbst in seinem oberflächlichsten Ausgehenden eine andere
.\rl der Metamorphose, andere Phänomene bei der Zufuhr von Kieselsäure
aufweisen kann, als die Hauptmasse des Grundgebirges. Ich muss des-
halb eine Gruppe der Uebergangsgesteine ausscheiden, (lie also geo-
logisch entweder zu den Deckschichten oder zu dem Grundgebirge gehören,
obwohl die Entscheidung darüber selbst im Felde schwierig sein kann.
Wenigstens ergaben sich gerade bei den hier unter dem Namen der Ueber-
gangsgesteine zusammengefassten Vorkommnissen bei meinen Besprechungen
mit Herrn Dr. Passarge Meinungsverschiedenheiten über die Zugehörigkeit
zu der einen oder anderen Gruppe. Da ein continuirliches Profil durch
die oberen Ngami-Schichten am Südufer des Ngaini-Sees nicht vorhanden
ist, lässt sich die Zusammenfassung etwa eines Dutzends von Vorkommnissen
als Uebergangsgesteine wenigstens für die vorliegende Abhandlung recht-
fertigen. Sie geben zu einigen wenigen Bemerkungen Anlass.
61. Conglomerate, z. B. Quarzpoiphyrconglomerate von Tsillinyana
am Südufer des Ngami-Sees, die geologisch unzweifelhaft zu den Ngami-
Schichten gehören, können eine Menge von ganz besonders röinem Chalcc-
don zwischen ihren grösseren und kleineren Bestandtheilen enthalten, der
bisweilen schon makroskopisch wahrnehmbar ist. Obwohl also die klas-
tischen Bestandtheile nicht selten isolirt im reinen Ghalcedon liegen, gehört
doch der Ghalcedon durchaus nicht etwa der Periode der Ngami-Schichten
an, sondern er ist bei der Einkieselung des Gesteins in jüngerer Zeit ent-
standen. An die Conglomerate schliessen sich dann diejenigen Gesteine
an, die als Schutt und Grus von alten Gesteinen mit jungem, meist
auch sehr reinem Ghalcedon zu deuten sind. Als Uebergangsgesteine sind
solche Gesteine deshalb auzuführen, weil in ihnen das alte Gesteinsmaterial,
das aufgelockerte, zerklüftete alte Gestein gar keine Aufbereitung er-
fahren hat; es ist vollständig lockerer, grober Schutt von Kieselmasse
durchdrungen worden. Eine dritte Gruppe bilden dann diejeidgen Gesteine,
die vor der Einkieselung nicht nur zu Schutt, sondern völlig zu Sand
aufgelöst worden waren. Hier treten dann dieselben Phänomene auf, w'ie
bei den Deckschichten; Quarzkörner können neuen, ausbeilenden Quarz
aufweisen, es erscheinen alle Arten von Kieselsäure vom Opal bis zum
grobköridgen Ghalcedon, es treten Säume von Kieselsäure von verschiedener
Art auf, es kiinnen die Partikeln durch die sich verfestigende Kieselsäure
von einander entfernt worden sein. Dass dann Zweifel bestehen können,
ob man es mit einem Deckgestein oder noch mit einem alten Gestein zu
thun hat, ist leicht erklärlich. Schliesslich können aber auch noch feste
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aber poröse alte Gesteine, z. B. ausgelaugte Kalksandsteine und Grau-
wacken eingekieselt worden sein, Gesteine also, die ohne eine vorherige
Beeinflussung durch die Atmosphärilien unmöglich eingekieselt werden
konnten. Dass auch Aederchen und kleine Drusen von Chalcedon in
solchen Gesteinen stecken, üherrascht nicht weiter.
62. Ist also Kinkiesclung die herrschende Erscheinung hei diesen Ueber-
gangsgesteinen, so zeigen sich in ihnen doch auch die Phänomene der
Verkieselung in ganz derselben Weise, wie bei den alten Gesteitien überall
da. wo kohlensaurer Kalk vorhanden war. So sind in solchen hierher ge-
hörigen Conglomeraten und Breccien nicht selten Bruchstücke von ver-
kieseltem Ngami-Kalkstein, die wieder auf den Gedanken hringen, dass
zwei getrennte Perioden der Zufuhr von Kieselsäure zu unterscheiden sind,
dass die Verkieselung zeitlich der Einkieselung der ganzen Massen vor-
ausgegangen ist Da es aber wohl denkbar ist, dass bei der Einkieselung
vorhanilene Kalkstein-Bruchstücke in ganz derselbenWeise verkieselt wurden,
wie anderswo der anstehende Kalkstein, so liefern auch diese üebergangs
gesteine keinen Anhalt für eine sichere Entscheidung dieser Frage.
VI. N)(ami-Schichten südlich und MÜdiiMtlich vom Nganii-
Mee.
A, Kieselige Grauwacke.
63. Eines der vorherrschenden Gesteine der unteren und der oberen
Ngami-Schichten ist die Grauwacke, ein Name, der den betreftemleii
Gesteinen sowohl nach ihrem Alter wie nach ihren Gemengtheilen und
ihrem ganzen Habitus zukommt, wenngleich manche Vorkommnisse mehr
einen reinen t^uarzsandstein darstellcn. In allen iliesen Gesteinen herrschen
unter den allothigenen Gemengtheilen die Kiirner von Quarz hedeutend
vor. Daneben linden sich aber auch mehr oder minder reichlich nament-
lich Plagioklas, Epidot und zu Viridit umgewandelte Körnchen, Gemeng-
theile, die oft'enbar von basischen Eruptivgesteinen herstammen. Ferner
sind allothigene Körner von Gesteinen zu .erkennen, z. B. in den Grauwacken
der oberen Ngami-Schichten auch Körnchen von Kalkstein.
64. Die Quarz-Sandkörner zeigen in den Grauwacken nun auch die
Erscheinungen der Ausheilung, ohne dass diese immer auftritt. Die
Qu.'irz-Sandkörner können mit Krystallspitzen oder mit Lagen von Quarz
ausgeheilt sein; ganz besonders häutig tritt d.aboi der Fall ein, dass alle
(^uarz-Sandkörner so innig mit einander verwachsen sind, oder in so in-
nigem Verbände mit dem gleich zu erwähnenden t'emente stehen, dass das
ganze Gestein im Dünnschlitf zwischen gekreuzten Nicols den Eindruck
eines holokrystallinen Gesteins macht. G. Linck hat zuerst die Aufmerk-
samkeit auf diese Structur der Grauwacken gelenkt in seiner Abhandlung
„Geognostisch-petrographische Beschreibung iles Grauwackengel)irges von
Weiler hei Weissenhurg-* in Abhandl. z. geol. Öpecialkarte von Elsass-Loth-
ringen, Bd. 111, 1891, S. 1.
Die „verschwommene .Abgrenzung“ der Quar/körner gegen einander
und gegen das Bindemittel lässt sich in den Ngami-Grauwacken mit Sicher-
heit auf .Ausheilungs-N’orgänge zurückführen. Diese Vorgänge sind wesent-
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lieh gleich denen in den Deckschichten, sie gehören aber eben alten Zeiten
an und haben mit der jungen Verkieselung der Kalahari-Gesteine nichts
zu schaffen.
65. Und doch wirkten hei der genaueren Untersuchung der Ngami-
G esteine diese in der Erscheinung ganz gleichen Ausheilungen der Quarze
verwirrend, um so mehr, als das llindemittel dieser Grauwacken erstens
oft in überreicher Menge auftritt, und zweitens weil es aus einem Aggregat
von Partikelchen besteht, das mit einer feinkörnigen Chalcedonmasse die
allergrösste Aehnlichkeit hat. Das Bindemittel erscheint oft in körner-
artigen Partien, vielleicht auch eben deshalb, weil die Quarz-Sandkörner
sich zunächst durch ausheilenden Quarz zu Gruppen zusammengeschlossen
hatten. Die Kieselpartikeln des Bindemittels sind wohl Quarz zu nennen;
ist das Bindemittel etwas grobkörniger, so nimmt man in den einzelnen
Körnern desselben auch nicht selten undulöse Auslöschung wahr, die wohl
auch auf Krystallisationsdruck zurückgeführt werden kann, nicht darauf
zurückgeführt zu werden braucht, dass etwa die Quarzkörnchen durch
molekulare Umlagerung aus divergent-strahligen Chalcedoukörnern enU
standen sind.
Ueberall enthält ferner das Bindemittel der Grauwacken winzige BlätU
eben und Fäserchen eines glimmerartigen Minerals, das einfach als Sericit
bezeichnet werden kann. Etwas grösser waren die Blättchen desselben
nur in einem Vorkommniss. Den Sericit werden wir aber merkwürdiger
Weise auch in den verkieselten Ngami-Gesteinen in der jungen Kieselmasse
wiederfinden.
66. Die Ngami-Grauwacken zeigen gar keine Spuren einer jüngeren
hydrochemischen Umwandlung durch Zufuhr von Kieselsäure; in ihnen war
eben nichts mehr da weder für eine Verkieselung noch für eine Einkiese-
lung. Durch ihr Bindemittel verlangen die Ngami-Grauwacken ihre spe-
cielle Bezeichnung als kieselige Grauwacken; es ist damit möglich, diese
alten Gesteine scharf von den jungen Kieselgestcinen getrennt zu halten,
mit denen sie merkwürdige Analogien der Structur auf^weisen.
B. Kalkstein und Mergel.
67. Die Kalksteine und Mergel der mittleren Ngami-Schichten sind
dichte Gesteine von ganz heller bis gelbbrauner, brauner und violetter
Farbe; es finden sich darunter ganz reine Kalksteine, mergelige Kalksteine
und Mergel. Von 29 mikrochemisch untersuchten HandstUcken zeigten nur
zwei einen geringen Gehalt an M.agnesia, der einen Uebergang zu den
Dolomiten dieses Niveaus andeutet. Der Kalkspath zeigt recht oft in
diesen mikroskopisch dichten Gesteinen u. d. M. grosse Körner, die, wie
schon S. 74 erwähnt, von anderen Gemengtheilen des Gesteins erfüllt sind;
dies geht so w^eit. dass einige Vorkommnisse in den Handstücken grosse,
5 — 8 mm im Durchmesser haltende, spiegelnde, aber dabei meist gekrümmte
Spaltungsfiächen des Kalkspaths aufweisen und ganz aus solchen grossen
Kalkspath-Individuen bestehen. Diese Kalksteine etwa deshalb grobkörnig
zu nennen, will nicht zutreffend erscheinen, denn da gerade sie reich sind
an Thon, so bildet in ihnen der Kalkspath gleichsam nur ein in grossen
Individuen entwickeltes Cement, aber nicht einen für sich bestehenden Ge-
inengtheil, nach dem die Korngrösse des Ge.steins zu bestimmen wäre.
Ein grosser Theil dieser Gesteine ist mergelig, er enthält Sandkörner
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und Thon. Der Thon ist in einem solchen kalkreichen Gestein kaum nach
seinen Bestandtheilen u. d. M. zu bestimmen; in den Lösungsrückstiindeii
zeigt er sich bestehend aus feinsten Quarzsplittern, Glimmerblättchen,
Eisenhydroxydpartikeln und winzigsten Elementen, die wohl ein Thonerde-
liydrosilicat sind.
68. Die dichten Ngami-Kalksteine zeigen meistens schon makroskopisch
kleine Partien und Schmitzchen von wenigen Millimetern Durchmesser,
die aus klarem, kleinkörnigem Calcit bestehen und bald nur spärlich, bald
in grösserer Zahl auftreten. Als ein Extrem dieser Herausbildung groben
Kornes ist es zu betrachten, wenn einige Vorkommnisse von einem un-
regelmässigen Geflecht gröberer, meist etwas Eisencarbonat haltiger Adern
durchzogen werden. Aber auch in mikroskopischem Massstabe zeigen sich
im dichten Kalk kleine, bisweilen auffällig runde Partien von etwas grö-
berem, klarem Korn in ganz derselben Weise, wie dies bei den Botletle-
Gesteinen erwähnt worden ist. Diese Veränderungen haben vielleicht ein
hohes Alter und nichts zu thun mit den jüngeren Phänomenen; wahrschein-
lich aber können wir als junge Veränderungen des dichten Kalkes die Her-
ausbildung von Rhomboederchen und von radial-strabligen Kalkspath-
gruppen betrachten, die bei ihrer Entstehung die thonigen, zum Tlieil eisen-
reichen Bestandtheile in auffälliger Weise zur Seite drängen. Es wurde
schon angeführt, dass die Ngami-Kalksteine öfters unter dem Mikroskope
gerade relativ grosse Kalkspathkörner als einheitliches Cement zeigen; in
diesen ist regelmässig Thon, Eisenhydroxyd und Quarzsand ganz gleich-
mässig vertheilt. Die mikroskopisch kleinen Rhomboederchen aber haben
sich Platz geschafft im Thon, sie sind concretionäre Gebilde im Thon.
Ebenso deutlich ist der seltenere Vorgang, dass radial-strahlige Calcit-
groppen, gleichsam grobe Sphärulite, sich Platz geschafft haben; ein eisen-
reicher mergeliger Kalkstein besteht nur aus solchen Gruppen mit eisen-
schüssigem Thon als Fülle.
69. Chalcedon erscheint in den Ngami-Kalksteinen zunächst in grosser
Menge bei Tsillinyana am Ngami-See, wo die Schichten eine bogenförmige
Stauchung erlitten haben und dadurch eine Zertrümmerung; die vorliegen-
den Handstücke zeigen Bruchstücke von dichtem, gelbem Kalkstein in recht
reinem Chalcedon mit klein-sphärulitischer Structur. Die Kalksteinbruch-
stücke ergaben im Lösungsrückstande kleine Stückchen von Chalcedon-
Skeletten. Ausser in diesem Vorkommniss, das bald als Breccie, bald als
von Chalcedonadern durchzogener Kalkstein erscheint, findet man den
Chalcedon gelegentlich auch in kleinen Schmitzen und in feinen Aederchen
schon makroskopisch; u. d. M. bestehen die Aederchen aus einem Gemisch
von Calcit und Chalcedon; Calcit-Kryställchen ragen auch von den Seiten
in die Chalcedon-Adern hinein, und der Chalcedon seinerseits ist in den
Kalkstein eingedrungen.
70. Ein Theil der Ngami-Kalksteine zeigt durch die ganze Masse hin
eine Verkieselung, eine Verdrängung des Kalkspathes durch Chalcedon.
Es fanden sich einige schwach verkieselte, ein halb verkieselter und zwei
stark verkieselte Kalksteine. Mitten im Kalkstein ohne allen Zusammen-
hang mit Adern treten Stellen von sehr feinkörnigem, schwach polarisi-
rendem Chalcedon auf; in anderen Vorkommnissen kann man den Chalce-
don erst im entkalkten Schliff oder im Lösungsrückstande auffinden. Beim
Auflösen von Kalkstein-Stückchen bleiben (ausser etwa einem die Lösung
trübenden Staube) Stückchen übrig mit ziemlich bedeutendem Zusammenhalt..
.^If
92
die 1)cini Zerdrücken auf dem Objectträger knirschen. Der halb verkieselte
Kalkstein mit einem geringen Gehalt au Magnesia zeigt u. d. M. einen
mittelkörnigen, gleichmässig mit Kalkspathkömern und länglichen Fetzen
von Kalkspath erfüllten Chalcedon, der auch einige Glimmerblättchen ent-
hält. Die Fetzen von Kalkspatli geben sich zum Theil wenigstens zu er-
kennen als Kerne von Pseudomorphosen von Chalcedon nach Kalkspath,
wie denn auch im zerstreuten Lichte ganz aus Chalcedon bestehende
Pseudomorphosen hervortreten, die sich zwischen gekreuzten Nicols nicht
von der übrigen Chalcedonmasse abheben. Pseudomori)hosen nach Rhom-
boedern wurden auch in anderen Vorkommnissen, z. Th. auch in Gesell-
schaft von nicht veränderten Kalkspath-Uhomboedern aufgefunden. Fan
Gestein ergab sich als ein völlig verkieselter eisenschüssiger, stark mergeliger
Kalkstein; er hat kleine Poren von gerade solcher Form und Vertheilung,
wie sie sonst die makroskopisch sichtharen Schmitzchen von gröberem
Kalkspath aufweisen.
71. Auch die Mergel sind zum Theil verkieselt; in einem Handstück
zeigte ein stark eisenschüssiger schiefriger Mergel eine jaspisartige, etwa
1,5 cm mächtige Lage, die sich durch ihre unregelmässigen, die Schichtung
durchquerenden Conturen als eine secundär verkieselte Masse erwies; im
SchlilV verdeckt auch hier noch der Kalkspath stark den Chalcedon, der
erst im entkalkten Schliff neben den zahlreichen allothigenen Quarzsplittern
hervortritt.
72. Zwei Handstücke eines 3,5 cm mächtigen Ganges von dunkel-
braunem Chalcedon bestehen aus grossen, meist grobfaserigen Sphäru-
liteu, die in den centralen Partien von feinem Eisenhydroxydstaub erfüllt
und von einander durch zwischengeklemmte blätterige Fetzen von Braun-
eisenstein getrennt sind. Fis hat den Anschein, dass dieser Gang nichts
anderes ist als ein verkieselter, in Chalcedon umgew'andeltcr Gang von
körnigem, Eisencarbonat haltigem Kalkspath.
C. Dolomit.
73. Nur zwei Vorkommnisse aus den mittleren Ngarai-Schichten am
Südufer des Ngami-Sees erwiesen sich bei der mikrochemischen Unter-
suchung als so reich an Magnesia, dass sie als Dolomit bezeichnet werden
müssen. Beide Vorkommnisse von Sepote’s Dorf sind aber auch in recht
beachtenswerther Weise völlige .\naloga zweier eben deshalb vorbin und S. 91
besebriebener Kalksteine. Das eine ist ein von grobem Netzwerk von
Chalcedon durchzogener Dolomit. Der t'halcedon des .Netzwerkes ist sehr
rein und zeigt ausser staubartigen Poren nur etwas Eisenerz; er hat schönste
grosse Sphärulite im Gemisch mit grobkörniger, fast (luarzartiger Masse;
im zerstreuten Licht ist von der ganzen Structur recht wenig zu sehen.
Der Dedomit liegt im Chalcedon in allerkleinsten bis in grossen Bruch-
stücken; in die kleinsten ist der Chalcedon stark, io die grossen nur wenig
i'ingedrungen; im Lösungsrückstande der letzteren findet man Chalcedon-
.Skelette und Pseudomorphosen nach Kalkspath in Rhomboedern: dieser
Chalcedon enthält auch noch Carbonatkörnchen als Zeugen seiner pseudo-
mori)ben Fintstehung.
Das andere Vorkommniss ist ein halb verkieselter Dolomit, der im
1 landstück grau und verschwommen dunkelileckig ist und täuschend ähn-
lich dom vorhin erwähnten halb vcrkicsclten Kalkstein aussieht. Im Schliff
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liegen kleine T)oloniitkömchen und Kryställchen um alle Brocken einer
aus Dolomit und Cbalcedon bestehenden Miisse, die durch grobkürnigen
reinen Chalcedon verkittet sind; die Brocken sind die Beste des Carbonat-
gesteins in situ, nicht etwa brecciöse Theilchen; in ihnen sind Partien von
sehr feinkörnigem Chalcedon mit Partien von feinkörnigem Dolomit
durchmengt.
D. ConUetmetamorpher, granatlialtiger Kalkstein.
74. In der Ilefiaka-Bucht am Südufer des Ngami-Secs haben Aphanit-
gänge den von ihnen durchbrochenen Kalkstein der mittleren Ngaini-
Schichten mctamorphosirt. Die Contactmetamorph ose bat makro-
skopisch wahrnehmbare Veränderungen in dem Kalkstein kaum hervor-
gerufen. so dass es Herrn Dr. Passarge in diesem Palle ganz unmöglich
war, sie im Felde zu beachten. Trotzdem liegen glücklicher Weise sieben
iiandstücke vor, von denen eines ein granathaltiger Kalkstein, ein anderes
ein halb verkieseltes und die übrigen fünf völlig verkieselte solche Contact-
gesteine sind. Sie liefern den handgreiflichen und unwiderlegbaren Be-
weis, dass die Vorgänge der Verkieselung und Kinkieselnng als jüngere
sccundäre Phänomene in der nördlichen Kalahari anfzufasseti sind.
Stammen die Handstücke auch nicht von einem continnirlichen l’rotil,
sondern von verschiedenen Stellen her, so lassen sie doch in ihrer Ge-
sammtheit alle eingetretenen Veränderungen mit völliger Sicherheit ver-
folgen ; es können deshalb die Erscheinungen zum Theil aus den einzelnen
Vorkommnissen combinirt besprochen werden.
75. Der helle, dunkeldeckige contactmetamorpho Kalkstein,
der sich bei der mikrochemischen Untersuchung als nur schwach magnesia-
haltig erwies, zeigt unter dem Mikroskope eine klare, feinköniig-krvstalline
Structur. Er enthält stellenweise reichlich Quarz-Sandkörner,' die an
.anderen Stellen ganz fehlen oder nur vereinzelt auftreten. Fiisenoxyde
sind in ihm schon vor der Contactmetamorpbose vorhanden gew'esen;
einmal tritt (in einem der verkieselten Vorkommnisse) Eisenglanz als
Uontactproduct auf. Das hauptsächlichste Contactproduct aber ist farb-
loser Granat, der aus dom Kalkstein mit Salzsäure leicht isolirt werden
konnte. Das isolirte, aber durch Quarzsplitter und etwas Eisenerz ver-
unreinigte Granatmaterial löst sich im Schmelzfluss von kohlensaureni
Natron-Kali nur schwer und langsam auf; die qualitative Analyse ergab
nur Kieselsäure, Thonerde und Kalk, keine Magnesia. Der Granat ist
also ein farbloser Kalk-Thonerde- Granat. Er ist überall in dem Kalk-
stein vertheilt, und zwar erstens in Gruppen von Körnchen, die wie aus
Subindividuen ohne scharfe Krystallform aufgebaut erscheinen; diese
Haufwerke sinken zu winzigen Dimensionen herab, die dann besser in
isolirtem Granatmaterial untersucht werden. Da A. Sauer kürzlich über
Granat-Aggregate aus dem bunten Keuper in Baden (Versammlung des
Oberrheinischen geologischen Vereins 1900) berichtet hat, so mag erwähnt
werden, dass, nach der .Abbildung bei Sauer zu urtheilen, die hier vor-
liegenden Granatcomple,ve gar keine Aehnlichkeit mit ilen badischen
haben. Ferner tritt der Granat in einzelnen Haufwerken aus grösseren,
zum Theil als sehr scharfe Bhombendodekaeder ausgebildeten Individuen
auf. Zufällig sind die Rhombendodekaeder gerade in den völlig ver-
kieselten Gesteinen besonders schön, scharf und gross, entwickelt; sie er-
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reichen in diesen Gesteinen einen Durchmesser yon 0,08 mm. Die
Kryställchen sind oft wasserklar und optisch vollkommen isotrop. Auch
an solchen grösseren Granaten kann man bisweilen noch die Spuren eines
.\ufbaues aus Subindividuen erkennen. Die Haufwerke grösserer Granaten
pflegen von einem schmalen Saume von Gruppen von winzigen Granat-
körnchen umgeben zu sein. In der Abbildung Taf. IV, Fig. 6 nach einem
der ganz verkieselten Gesteine erscheint dieser Saum von winzigen Granaten
als dunkele Zone, da sich diese nur bei sehr starker Vergrösserung in
ihre Bestandtheile auflöst. Drittens erscheint der Granat reichlicher an-
gehäuft in Zügen und Schmitzen, hier besonders mit F.isenerzen vermengt
Auch in dem an Sand reichen (jetzt völlig verkieselten) Kalkstein steckt
der Granat wenigstens vereinzelt zwischen den Sandkörnern. Der Granat
und die Art seines Auftretens lassen die Gesteine als unzweifelhaft
contactmetamorpli erkennen.
76. Dieser granathaltige contactmetamorphe Kalkstein ist nun stellen-
weise in jüngerer Zeit einer hydatogenen Metamorphose unterworfen
worden. In dem einen Ilandstück lässt sich keine Spur von Chalcedon
nachweisen, auch nicht in dem Lösungsrückstande. Ein anderes Vor-
kommnis zeigt im Schliff grössere Partien, die stark, andere, die schwächer
verkieselt sind, mit einer Menge Kalkspath in Fetzen als Relicte, weitere
Stellen, in denen kein Chalcedon nachweisbar ist. Der Chalcedon hat
sich an die Stelle von Kalkspath gesetzt, ihn aufgefressen, ganz wie in
den bisher beschriebenen Gesteinen. Dasselbe ist der Fall in den ganz
verkieselten Gesteinen; hier ist Kalkspath nur noch in vereinzelten
Resten oder gar nicht mehr vorhanden. Die Granaten liegen unverändert
in dem Chalcedon mit ganz demselben Verband und Habitus wie in
dem Kalkstein, hier iin Chalcedon dem Studium noch viel schöner zu-
gänglich als im Kalkstein. Der verkieselnde Chalcedon ist feinkörnig bis
grohstengelig und grobkörnig; seine Structur in diesen Gesteinen genauer
zu beschreiben, ist überflüssig, doch muss angeführt werden, dass er auch
in scharf begrenzten Pseudomorphosen nach Rhomboedern von Kalkspath
vorkoinnit. Neben dem verkieselnden Chalcedon steckt nun aber in diesen
völlig verkieselten Gesteinen auch noch ein anderer Chalcedon, der durch
Einkieselung an Ort und Stelle gekommen ist; er tritt zum Theil selbst
in makroskopisch sichtbaren Schmitzen auf, in den Dünnschliffen in
grösseren, völlig reinen Partien. Er bildet auch schmale Säume um andere
Gemengtheile, also z. B. um Sandkörner, die in einem Vorkommniss noch
mit Krystallspitzen besetzt, ausgeheilt sind. Da bei der Einkieselung der
Chalcedon sich in vorhandenen Poren ablagert, so ist es nicht sonderlich
auffällig, dass Säume von Mikroachat gelegentlich auch einzelne grössere
Granatindividuen umgeben und dass an anderen Stellen der einkieselude
Chalcedon eine Menge winziger Granat-Haufwerke enthält. Der contact-
metamorphe Kalkstein ist eben zum Theil oder stellenweise vor seiner
Verkieselung schon durch die Tageswässer ausgelaugt und porös geworden,
die Granaten aber mussten in den entstehenden Poren liegen bleiben.
E. Kalkstein-Breccie.
77. Iin Anschluss an die Kalksteine ist ein Gestein aus der Reüaka-
Bucht an der Südseite des Xgami-Sees anzuführen, das gewiss zu der
Gruppe der Uebergangsgesteine gehört, aber vorherrschend aus verkieseltem
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Ngami-Kalkstein besteht Das Gestein war ursprünglich eine Breccie
aus sehr kleinen Bruchstücken von Ngami-Kalkstein, die durch sand-
haltigen Kalk verkittet waren. Jetzt liegt es in völlig verkieseltem Zu-
stande vor mit einer Structur, die jeder erschöpfenden Beschreibung
spottet und nur durch die photographische Abbildung veranschaulicht
werden kann. Die fünf Abbildungen Taf. III, Fig. 1 — 6 sind alle nach
einem einzigen Präparat von 1,6 qcm Fläche aufgenommen. Das Binde-
mittel der Breccie besteht neben den bald reichlich vorhandenen, bald
ganz fehlenden Quarz-Sandkörnern wesentlich aus Pseudomorpbosen von
feinkörnigem Chalcedon nach Kalkspath-Uhomboederchen, Taf. III, Fig. 5,
die zwischen gekreuzten Nicols nicht einzeln zu unterscheiden sind. Es
mag nur erwähnt werden, dass die Structur dieser Pseudomorpbosen in
einzelnen Fällen übereinstimmt oder wenigstens nahe kommt der von ge-
wissen Vorkommnissen in den Gesteinen der Kaikai-Berge, die weiter
unten besprochen werden. Die Bruchstücke von Ngami-Kalkstein aber
zeigen jetzt in verkieseltem Zustande die allerverschiedensten Structuren,
Taf. III, Fig. 1 — 4, die sich nur zum Theil als verschiedene Schuittricbtungen
einer und derselben Structur deuten lassen, ln ihnen kommt stellenweise
neben der Verkieselung auch etwas Einkieselung vor. Das ganze Gestein
erweckt die Vorstellung, dass Alles, Bruchstücke und verkittender Sand-
kalk, auf einmal durch einen Process verkieselt worden ist; die Ver-
schiedenheiten der Structur mussten dann auf Verschiedenheiten der mole-
kularen Umlagerung des Kalkspathes zurückgefuhrt werden, was allerdings
auch seine Bedenklichkeiten hat.
Die fünf Abbildungen geben nur eine beschränkte Vorstellung von
den Verschiedenheiten der Structur, die überhaupt bei den verkieselteu
Kalksteinen der nördlichen Kalahari verkommen.
F. Rothsandstein.
78. Als eine Facies der Kalksteine und Mergel der mittleren Ngaini-
Schichten treten namentlich in Inseln im Alluvium an der Südseite des
Ngami-Sees meist Eisenhydroxyd haltige feinkörnige Sandsteine auf, die
von Herrn Dr. Passarge kurz Rothsandsteine genannt wurden. Die
mikroskopische Untersuchung zeigte in der That, dass sie zu einem Typus
zusammengehören. Die geologischen Beziehungen kommen dadurch auch
im Kleinen zum Ausdruck, dass in den Kalksteinen der mittleren Ngami-
Schichten gelegentlich auch dünne Lagen von Rothsandstein auftreten und
ferner dadurch, dass die Rothsandsteine ursprünglich stets Kalk- Sand-
steine waren.
Alle hierher gehörigen Handstücke zeigen eine sehr feinkörnige
Sandsteinmasse; das Mikroskop lehrt, dass die Quarz-Sandkörner ins-
gesammt geringe Dimensionen und die Form von scharfkantigen Splittern
haben; stark gerundete Körnchen kommen darunter gar nicht vor. Im
Dünnschliff erscheinen also alle Quarzkörnchen mit scharfeckigen Conturen,
höchstens tritt untergeordnet auch eine gerundete Stelle auf. Solche
Körner können gelegentlich auch einmal eine regelmässige, quadratische
oder rhombische Gestalt haben. Das ist aber doch ein seltener Ausnahmefall.
Die grosse Mehrzahl der Rothsandsteine enthält Eisenhydroxyd und
ist dadurch dunkel gefärbt, es gehören aber auch eisenarme, graue und
helle Sandsteine nach der Form ihrer Quarz-Sandkörner zu diesem Typus.
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Urspriinglicli ist das Bindemittel in allen diesen Rothsandstcinen
ein thonhaltiger Kalkspath gewesen; es liegt aber nur ein Handstück vor.
das nicht verkieselt ist. In diesem bildet der Kalkspatb 1 — 5 mm im
Durcbmesser haltende Körner, die mit Thon und den Quarzsplittern nach
Art des sogenannten krystallisirten Sandsteins erfüllt sind.
79. Bei der Verkieselung geht diese Structur verloren; ein Hand-
•stück, das halb verkieselt ist, zeigt stellenweise nur Chalcedon-Cement,
au anderen Stellen reichliche Reste und Fetzen von Kalkspath, die aber
nicht mehr zu grösseren Individuen zusammengehören. Alle anderen lland-
stucke zeigen den Rothsandstein in völlig vcrkieseltem Zustande; auch
kommt bei ihnen stellenweise eine Einkieselung vor, die sich schon ma-
kroskopisch durch dünne, wellige Lagen von Chalcedon als Auskleidung
von grösseren Hohlräumen kenntlich macht. Im Präparat zeigt sich solcher
Chalcedon als rein und von feinfaseriger Structur, während der Chalcedon
als Verkieselungsproduct meist sehr feinkörnig, selten etwas grobkörnig
ist und ausser Eisenoxyden meist mehr oder minder reichlich und deutlich
winzige Blättchen und Fäserchen von Sericit enthält der sich gewiss erst
hei der Verkieselung als authigener Gemengtheil gebildet hat In recht
dünnen Schliffen ist der Serecit im zerstreuten Lichte wie zwischen ge-
kreuzten Nicols namentlich bei stärkerer Vergrösserung leicht im Chalce-
don zu erkennen. Dieser aus dem ursprünglichen Tliongehalt des Kalk-
spathes entstandene Sericit, ferner ihrer Natur nach nicht genauer be-
stimmbare rothbraune Partikelchen einer Eisenoxyd- Verbindung und feinste
Poren treten als Trübung des feinkörnigen Chalcedons auf.
80. Winzige, äusserst scharfkantige Rhoniboederchen, die selten im
Rothsandstein Vorkommen, sind ohne Mühe als Chalcedon-Pseudomorphosen
zu erkennen. Ausser ihnen gewahrt man aber in den Dünnschliffen aller
Kothsandsteine in reichlicher Anzahl grössere Objecte mit im Allgemeinen
rhombischen scharfen Konturen, aber oft mit etwas abgerundeten Ecken,
die auch als Pseudomorphosen von Chalcedon nach Kalkspath aufgefasst
werden müssen. Sie bestehen manchmal deutlichst aus feinkörnigem, fein-
porösem Chalcedon, dann aber auch aus gröberen Körnern mit stark undu-
löser Auslöschung mit oder ohne Interpositionen von Sericit und von Car-
bonatkörnchen, die ja stets leicht an ihrer starken Doppelbrechung zu er-
kennen sind. Nun kommt aber auch ein einheitliches klares Korn mit
völlig homogener Auslöschung als Substanz der auffällig scharf conturirten
Dinge vor, das von Quarz kaum zu unterscheiden ist. Solche Körner sehen
auf den ersten Blick den allothigencn Quarzsplittern in hohem Grade ähn-
lich aus, und ihre richtige Deutung ist mit grossen Schwierigkeiten ver-
bunden. Ich kann auch nach langem Studium dieser Verhältnisse nicht
behaupten, dass ich im Stande wäre, jedes der scharfeckigen und gerade-
kantigen wasserklaren Körnchen in den Schliffen sei es als allothigencn
• juarz, sei es als quarzähnliches Chalcedonkorn zu bestimmen. Quarz-
Krystalle sind letztere gewiss nicht, da die Auslöscbungsrichtungen von den
Conturen unabhängig sind, und wahrscheinlich ist ihre Substanz nicht
Quarz, sondern ein quarzähnlicher Chalcedon von etwivs schwächerer Doppel-
brechung als der Quarz In manchen Vorkommnissen sind solche zweifel-
haften Objecte überneschend häufig; das mag aber darin seinen Grund
haben, dass dann die primären Gesteine stärker mergelig waren, als die
gemeinen Rothsandsteine.
81. Ist es schon für die Deutung der Erscheinungen der Verkieselung
■u^It
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von Interesse, dass von dem scharf cbarakterisirten T3'pus der Rothsand-
steine sowohl primäre kalkige, als auch halb und völlig verkieseltc Ge-
steine Vorlagen, so kommen nun noch contactmetamorphe Vorkomm-
nisse hinzu, die mit Sicherheit erkennen lassen, dass die Contactmetamor-
phose vor der Verkieselung eingetreten ist. Die mir von Herrn I)r. Pas-
sarge als aus der Nachbarschaft von Aphanitgängcn herstanimend und als
mehr oder minder stark contactmetamorph bezeichneten Vorkommnisse
zeigen im HandstUck und im Dünnschliff eine dunklere Farbe, weil in ihnen
das Eisenhydroxyd in Eisenglanz umgewandelt ist, der deutlich als solcher
bestimmbar ist. Mit der Umwandlung des Eisenhydro.xydes in Eisenglanz
ist zugleich das Kalkspath-Bindeniittel krystallinisch-kleinkörnig geworden,
wobei die Kalkspath-Körner und Rhomboeder bisweilen den Eisenglanz
und die thonigen Restandtbeile deutlich zur Seite gedrängt haben, so dass
sie als Fülle zwischen den Kalkspathkörneni auftreten. In einem stark
metainoq)hen Gestein zeigt sich auch Granat in Häufchen von winzigen
Körnchen, die im Schliff im auffallenden Licht als weisse Pünktchen er-
scheinen. Abgesehen davon, dass manchmal ihre Isotropie festgestellt
werden konnte, war ihre Bestimmung als Granat natürlich nur möglich
auf Grund ihres Vorkommens auch in den oben beschriebenen contact-
metamorphen Kalksteinen.
Diese contactmetamorphen Rotbsandsteine liegen nur in völlig ver-
kieseltem Zustande vor; Granat und Eisenglanz finden sich eingeschlossen
im Ch.alcedon, der also eine jüngere Bildung sein muss.
8*L An die Rotbsandsteine reiht sich durch seine Structur ein Vor-
kominniss von kalkiger Grauwacke aus den unteren Ngami-Schichten
an; auch in diesem Gestein liegen die Quarz-(und Feldspatb-)Sandkörner
von einander getrennt ihrer ein Dutzend und mehr in je einem Kalkspath-
korn. Es wiederholt sich also dieselbe Structur in verschiedenen Ge-
steinen der Ngami-Shichten. Wahrscheinlich liegt in einem anderen
Vorkommniss ein verkieseltes Aequivalent auch dieses Typus der kalkigen
Grauwacke vor, die Phänomene sind aber darin so wirr, dass ich nicht
nur auf eine Beschreibung, sondern sogar auf eine sichere Deutung ver-
zichten muss.
G. Ssakke-Sandstein.
8:1. Als Aequivalent der oberen Ngami-Schichten fasst Herr Dr. Passarge
den Ssak ke-Sandstein der .Mangwato-Schichten am Loale-Plateau
der Kalahari westlich von Palapye auf. Es herrscht als Ssakke-Sandstein
ein Quarz-Sandstein mit kieseligem Bindemittel, das in porösen Varietäten
zum Theil spärlich vorhanden ist. Die Quarz-Sandkörner zeigen öfters
mehr oder minder starke Ausheilung durch Quarz; etwas jünger als der
ausheilende Quarz ist dann ein feinkörniges, aus Quarz und Glimmer be-
stehendes Bindemittel. Dass diese Quarz-Sandsteine auch im Contact mit
Melaphyr verändert verkommen, soll nur beiläufig bemerkt werden; eine
jüngere hydrochemische Veränderung ist an ihnen nicht nachweisbar.
Dagegen gehört zu diesem Schichtensysteme auch ein hellbrauner Kalk-
Sandstein, dessen kleine stark gerundete Quarz-Sandkörner alle mit einer
dUnneu Haut von Eisenhydroxyd überzogen sind; das Kalkspath-Biiide-
mittel, der Menge nach nicht reichlicher als das Interstitialvolumen ver-
langt. ei-scheint auch hier in grösseren, von vielen Sandkörnern durch-
brochenen Individuen. Die mikrochemische Analyse ergab neben Kalk
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nur sehr geringe Mengen von Magnesia; im Lösungsrückstande waren
entschiedene Chalcedon- Skelette nachweisbar, die im Dünnschliff durch
den Kalkspath völlig verdeckt werden. Das Gestein zeigt, dass auch im
äussersten Osten des von Herrn Dr. Passarge durchforschte« Gebietes
das Phänomen der Verkieselung vorhanden ist, wie in dem nun zu be-
sprechenden westlichen und nördlichen Theil der nördlichen Kalahari.
TU. Mganii- Schichten der Kalkal- Berge.
84. Die Kaikai-Berge bilden ein Hügelland mit einer Erhebung von
wenigen hundert Metern über das Kalahari -Plateau, WNW. vom Ngami-
See ungefähr unter 19® 45' südlicher Breite und 21® 15' östlicher Länge
nahe der Grenze gegen Deutsch-Süd-West-Afrika. Ihre Gesteine gehören
dem Niveau der mittleren Ngami-Schichten an. Dieselben Massen
linden sich auch noch weiter nördlich in Schollen im Schadum-Thal unter
19® südlicher Breite. Die Schichten sind der Hauptsache nach primäre
Kalksteine, die hier in ähnlicher Weise wie südlich vom Ngami-See durch
hydrochemische Processe metamorphosirt worden sind. Die Phänomene
sind hier in diesem westlichen und nördlichen Gebiete unzweifelbaft von
demselben Charakter und durch dieselben Reagentien hervorgerufen, aber
die Endproducte sind doch etwas verschieden. Zunächst finden wir in
diesem Gebiete die Doloraitisirung der Kalksteine in umfangreicherer Weise,
dann die ebenfalls in grossem Massstabe auftretende Verkieselung; ob
aber diese letztere zugleich mit der Doloraitisirung oder erst nach ihr
oingetreten ist, lässt sich mit Sicherheit nicht entscheiden. Das Erstere
scheint mir nach allen meinen Studien das Wahrscheinlichere. Herr
Dr. Passarge giebt an, dass die kieseligen Massen, in denen wir verkieselte
Carbonatgesteine erkennen, in Stöcken, gangartigen Gebilden und Liigern
inmitten ;der Carbonatgesteine erscheinen. Phänomene der Einkieselung
konnten nur bei einigen Gesteinen der Ebene zwischen den einzelnen
Hügeln festgestellt werden.
85. Nur ein Gestein der Kaikai-Berge erwies sich bei der mikro-
chemischen Prüfung als magnesiafreier Kalkstein. In dem Dünnschliff
des dichtenj röthlichen Gesteins gewahrt man feinkörnigen Kalkspath
zwischen groben Kalkspath-Körnern mit polysynthetischer Zwillingsbildung
und ungewöhnlich grossen Rhomboedern von Kalkspath ohne Zwillings-
bildung. Sandkörner und vereinzelte Häufchen von Chalcedonkom-Aggre-
gaten kann man im Schliff wne im Lösungsrückstande beobachten. Aus
dem Schadum-Thal liegt ein schwach dolomitischer dichter Kalkstein vor,
in dessen Lösungsrückstand einige zum Theil sehr porenreiche Chalcedon-
Aggregate und überdies einige Glimmerblättchen und einige Turmalin-
säulchen zu beobachten sind. Ein stark mergeliger Kalkstein aus dem
Schadum-Thal erwies sich bei der mikrochemischen Analyse als magnesia-
frei; wegen des Zusammenhaltes eines mit kochender Salzsäure behandelten
Stückchens ist eine geringe Menge von Chalcedon auch in diesem Gestein
zu vermuthen.
86. Vierzehn Handstücke von den'^Kaikai-Bergen (einschliesslich
dreier aus dem Schadum-Thal) ergaben bei der mikrochemischen Analyse
einen so hohen Gehalt an Magnesia, dass sie als normale Dolomite
zu bezeichnen sind, obwohl in einigen auch noch polysynthetisch ver-
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zwillingte Carbonatkörner zu finden waren. Die Dolomite sind unzweifel-
haft aus dichten Kalksteinen hervorgegangen, indem sich dabei wie ge-
wöhnlich ein mikroskopisch-krjstallinisches Korn herausbildete. Die Ver-
änderung der primären Structur ist öfters ungleichmässig vor sich gegangen,
so dass die Dünnschlifife gefleckt aussehen; solche Flecken sind bisweilen
stark gerundet, es zeigen sich auch Conturen, die an Oolithkörner oder
an organische Reste entfernt erinnern. Tritt noch Verkieselung hinzu, so
findet man wohl in einem und demselben Präparat ganz verschieden auf-
gebaute rund und scharf begrenzte Objecte, z. B. innen aus feinkörnigem
und aussen aus grobkörnigem Dolomit bestehend, oder innen Calcit oder
Dolomit und aussen ein Chalcedonring, oder innen klarer einheitlicher
Chalcedon, aussen ein Ring von stark porösem, dolomithaltigero, sehr fein-
körnigem Chalcedon; auch Poren können in der Mitte solcher rundlichen
Gebilde vorhanden sein. In der Abbildung Taf. IV, Fig. 5 zeigt die ovale
Partie in der Mitte dichten Dolomit mit einer gi-össeren centralen Pore,
darum eine Zone von gröberen Dolomitkornern, die bisweilen mit Krystall-
conturen an den klaren Chalcedon anstossen.
Eisenhydroxyd, manchmal Eisenglanz, ist in geringer Menge meist vor-
handen; im Lösungsrückstande konnte mehrmals Turmalin in kleinen Säul-
chen nachgewiesen werden. Besonders hervorzuheben ist der Gehalt tler
Dolomite an Glimmer, der als authigener Gemengtheil in kleinen Blättchen
im LösungsrUckstand isolirt und dann auch im Chalcedon eingewachsen
erkannt *erden konnte. Absichtlich wird hier das Mineral Glimmer, nicht
Sericit genannt
87. Alle Dolomite enthalten mehr oder minder viel Chalcedon. So
sind zunächst mehrere Handstücke makroskopisch aus zum Theil gekrümm-
ten Schalen von Chalcedon im Wechsel mit Schalen von Dolomit zusammen-
gesetzt Die Grenzen der einzelnen Lagen sind stets etwas unregelmässig,
im Kleinen gezackt, zum Zeichen, dass wir es mit Umwandlungen, nicht
mit primärer Wechsellagerung zu thun haben. Die mikroskopische Unter-
suchung zeigt, dass Dolomit und Chalcedon niemals scharf getrennt sind,
sondern sich in vielen Abstufungen mit einander mischen. Im Chalcedon,
der kleinkörnig, stellenweise auch ganz klar quarzähulich und grobkörnig
ist hegt der Dolomit vielfach in winzigen, ziemlich scharfen Rhomboeder-
chen in unendlicher Anzahl, wie das die Abbildung Taf. IV, Fig. 2 zeigt.
Umgekehrt liegen quarzartig klare Körner von Chalcedon mit winzigsten
rundlichen Dolomitkörnchen namentlich in ihren centralen Partien in einem
vorherrschenden Dolomit-Aggregat.
In anderen Dolomiten findet man den Chalcedon in geringerer oder
grösserer Menge erst im Düunschlifi’ auf; dieser Chalcedon ist stets körnig,
niemals tritt faseriger Chalcedon auf, niemals erscheinen Mikroachat- oder
Opal-Säume. Der Chalcedon ist äusserst feinkörnig bis ganz quarzartig
grobkörnig, öfters porös und mit Dolomit durchwachsen. Meist enthält
dieser Chalcedon winzigste Körnchen bis kleine und grössere Rhomboeder-
chen von Dolomit, ferner Eisenhydroxyd-Partikeln und Blättchen von authi-
genera Glimmer. Diese Einschlüsse erscheinen durchaus auch in dem
grobkörnigen Chalcedon, der bald stark undulös, bald ganz homogen aus-
löscht, aber auch im letzteren Falle eben wegen seiner Einschlüsse eine
Neubildung ist, die in diesen Gesteinen noch nicht den Namen „Quarz“ er-
halten kann.
88. Obwohl in diesen Dolomiten der Kaikai-Berge bisweilen auch
100
grössere Khomboeder von Dolomit unter dem Mikroskope gefunden werden,
und obwohl die Verkieselung oft weit vorgeschritten ist, so Hessen sich
doch in den Dunnschliflen nirgends Pseudoinorphosen von Chalcedon
nach Dolomit- Rhomboedern nachweisen. Und doch sind sie in wenigstens
der Hälfte dieser Dolomite vorhanden. Man findet sie erst im Lösungs-
rückstande der Gesteine als höchst auffällige Objecte. Nach dem Studium
dieser konnte ich sie auch einmal in einem Dünnschliff mit Sicherheit
nachweisen; für gewöhnlich wird ihre Anwesenheit völlig von dem stark
doppelbrechenden Dolomit verdeckt, ln dem Lösungsrückstand der Dolo-
mite findet man neben Chalcedonkorn-Aggregaten, Ulimmerbluttchen, Tur-
raalinsäulchen, Eisenerzen und eventuell einigen allothigenen Quarzkörn-
chen viereckige Plättchen, seltener dickere viereckige Körner von winzigen
Dimensionen bis zu etwa 0,03 mm Seitenlange bald nur vereinzelt, bald
in grosser Anzahl. Diese Dinge haben zumeist zwei parallele ganz ge-
radlinige Seiten und zwei dagegen mehr oder minder rechtwinklige Seiten
mit nicht geradlinigem, unregelmässigem Verlauf. Es kommen aber diese
Dinge auch vor mit vier geradlinigen, paarweise parallelen Seiten, die sich
dann stets unter schiefen Winkeln schneiden, also Rhomben bilden; ver-
gleiche Taf. IV, Fig. 3. Besonders gerade an den kleinsten Individuen ist
solche rhombische Gestalt zu finden, die ja zu allererst an die Rhomboeder
der Carbonspäthe erinnert. Obwohl auch manche dieser Dinge sicher
nicht platt, sondern dick sind, habe ich doch nie, auch niclit im auffal-
lenden Liclit an der trockenen Substanz gute, leibhaftige Rhomboeder be-
obachten können. Rührt man den isolirten Staub in Canadabalsara ein,
so findet man leicht, namentlich in den grösseren Dingen stets, Partikeln
von Eiseuhydroxyd, meist auch winzige Körnchen von Dolomit. Form und
Einschlüsse sprechen dafür, in diesen Dingen Pseudoinorphosen von Chal-
cedon nach Dolomit zu sehen; vielleicht stellen sie nur verkieselte Stellen
der Dolomitkörnchen, man möchte sagen verkieselte Spaltungsstückchen von
Dolomit dar. ln welcher W'eise besonders die kleinsten Plättchen im
Dolomit liegen, ob in Dolomitkömeru oder zwischen Dolomitkörnern,
das war nicht möglicli zu erkennen.
Die Form und Begrenzung dieser Pseudomorphosen, — als solclie
müssen diese Dinge aufgefasst werden — prüft man am besten niebt an den
im Canadabalsam, sondern an im Wasser befindlicben Proben, ln beiden
Mitteln zeigen sich nun aber auch iHe höchst auffälligen Polarisations-
verhältnisse. Fast alle Vierecke zeigen zwischen gekreuzten Nicols eine
/.ertheilung in vier Felder nach zwei sich kreuzenden, den Seiten mehr
oder minder parallelen Linien. Je zwei Felder über Eck löschen bei der-
selben Stellung aus; dreht man das Präparat, so kommt man an eine
Stellung, hei der alle vier Theilstücke den gleichen Grad von Helligkeit
besitzen, während ihre Grenzen gegen einander als ganz feine dunkle Linien
hervortreten. Die Feldertheilung ist bisweilen erstaunlich regelmässig; in
den meisten Fällen sind die Grenzen sehr unregelmässig und es zeigen
sehr oft zwei über Eck liegende Felder eine Brücke zwischen sich, wäh-
rend die beiden anderen dann natürlich ganz von einander getrennt sind
wie in der Abbildung Taf. IV, Fig. 3. Diese Pseudoinorphosen verhalten
sich also etwa wie Durchkreuzungszwillinge. Die Polarisationserseheinungen
sind aber doch im Ganzen unregelmässig und zwar umsomehr, je dicker
die Pseudoinorphosen sind; in dicken sind wohl mehr als vier, wahrschein-
lich acht im Raume, Theilstücke vorhanden. Die ganze Structur ist aber
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durchaus nur eine verhältnissmässig regelmässige Ausbildung der Aggre-
gation von Chalcedonkörnern, wie sie sonst in den Pseudomorphosen von
Chalcedon nach Calcit oder Dolomit nur andeutungsweise vorkommt. Die
Polarisationsverhältnisse des Chalcedons, wie er in all diesen verkieselten
Gesteinen pseudomorph nach irgend welcher Fonn des Carbonspathes er-
scheint, im Einzelnen verfolgen und studiren zu wollen, ob sich besondere
Gesetzmässigkeiten dabei ergeben, würde eine undankbare und wohl auch
zwecklose Aufgabe sein.
Als auffällig ist es noch besonders hervorzuheben, dass diese über
Kreuz auslöschenden Chalcedon-Partikeln nur in den Dolomiten der Kaikai-
Berge gefunden wurden.
89. Aus den Kaikai-Bergen liegen ferner ungefähr zehn Handstücke
vor, die so geringe Mengen von Carbonspäthen enthalten, dass es niclit
möglich ist zu entscheiden, ob es verkieselte Kalksteine oder verkieselte
Dolomite sind. Die wahre Natur dieser Kieselgesteine lässt sich auch
nur im Zusammenhang mit den nicht völlig verkieselten Carbonatgesteinen
erkennen. Ihr Chalcedon ist wieder feinkörnig bis grobkörnig-(]uarzartig
in den verschiedensten Mischungen und Uebergängen. Partikeln von Eisen-
oxyden, Blättchen von Glimmer, Staub von Carbonspath und Poren sind
überall in wechselnden Mengen im Chalcedon vorhanden. Selten sind
relativ grosse Pseudomorphosen von Chalcedon in Uhomboederform, wobei
der Kaum bisweilen nur zum Theil erfüllt ist. Makroskopisch zeigen diese
Kieselgesteine bald homogene dichte Beschaffenheit, bald sind sie klein-
fleckig; einige Vorkommnisse sind wahre Breccien.
Es mag an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass unter den Ge-
steinen der Kaikai-Berge auch solche mit Quarz-Sandkörnern Vor-
kommen, in denen die Sandkörner durch Quarz derart ausgehcilt sind,
dass sie zwischen gekreuzten Nicols ganz in die Hauptmasse des Kiesel-
gesteins durch Auflösung in kleine Körnchen überzugehen scheinen. Ein
solcher nur zum Theil verkieselter sandhaltiger Dolomit zeigt die aus-
geheilten Sandkörner mitten im Dolomit, an einer Stelle des Präparates
aber in Kieselmasse; die ausheilende Quarzsubstanz enthält in beiden
Fällen zahlreiche winzige Rhomboederchen von Dolomit.
90. In dem südwestlichen Theil des von Herrn Dr. Passarge durch-
forschten Gebietes, zu Gobabis in Deutsch-Süd-West- Afrika unter
22“ 10' südlicher Breite und 19“ östlicher Länge, erscheint in mittleren
Ngami-Schichten ein reiner, sehr feinkörniger Dolomit, in dessen Lösungs-
rückstand einige Chalcedontheilchen, darunter einige wenige gute l’seudo-
morphosen von Chalcedon nach Dolomit-Rhomboedern nachgewiosen werden
konnten. Es lag nur ein Vorkommniss aus diesem Gebiete vor.
VIII. Dolomite von Garn.
91. Südlich von den Kaikai-Bergen in der Umgebung von Garn in
Deutsch-Süd-West-Afrika und über die Grenze hinaus erscheinen als Ver-
treter der mittleren Ngami-Schichten feinkörnige, zum Theil znckerkörnige
bis grobkörnige Dolomite. Alle elf Handstücko von bis ungeHihr 23 km
weit von einander entfernten Punkten erwiesen sich bei der mikro-
chemischen Prüfung als normale Dolomite; nur ausnahmsweise wurden
unter dem Mikroskope vereinzelte Körner mit polysynthetischer Ver-
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zwillingung gefunden. Die Dolomite enthalten Einsprenglinge von Spath-
eisenstein und Körner und Pentagondodekaeder von Pyrit.
Diese Dolomite, die so ganz andere Beschaffenheit besitzen als wie
die sonst dichten Dolomite der Ngami-Schichten, sind doch auch wieder
nichts anderes als umgewandelte dichte Kalksteine. Aber hier bei Garn
hat sich die Umwandlung in wieder anderer Weise vollzogen als in den
Kaikai-Bergen. Die Gesteine sind zu körnigen Dolomiten geworden, in
denen als authigene Gemengtheile noch Quarz und Phlogopit erscheinen,
überdies noch zum Theil auch Rutil und Apatit ; eine umfangreichere Ver-
kieselung ist nicht eiugetreten.
92. Ira Dünnschliff wie im Lösungsrückstand findet man den Phlogopit
bald spärlich bald reichlicher in bis 0,6 mm im Durchmesser haltenden
Körnchen und Blättchen; letztere eignen sich für die Bestimmung des
Winkels der optischen Axen, der immer klein gefunden wurde; doch zer-
theilt sich das Kreuz im Axenbild stets deutlich in Hyperbeln. Die
Blättchen haben am Rande und die Körnchen überall eine grosse Zahl
von Scheiuflächen, die durch die Dolomitkörner hervorgerufen sind. Spal-
barkeit nach der Basis ist an den isolirten Blättchen wie im Dünnschliff
leicht zu erkennen. Mit Kieselfluorwasserstoffsäure ergab der Phlogopit
reichliche Kryställchen des Kali- und des Magnesiumsalzes. Die Bestimmung
dieses farblosen Glimmers als Phlogopit ist also sicher. Er enthält bis-
weilen als Einschlüsse stark doppelbrechende gelbe Nüdelchen mit Neigung
zur Zwillingsbildung, die also w'ohl als Rutil gedeutet werden können, und
meist Körnchen von Dolomit. Beachtenswerth sind in ihm oft grosse
rundliche Gaseinschlüsse, eine für Glimmer sehr ungewöhnliche Erscheinung.
Das Vorkommen von Phlogopit in den Dolomiten von Garn dient in vor-
trefflicher W'eise zum Beweise, dass auch die Bestimmung der Blättchen
und Fäserchen in dem Chalcedon anderer Gesteine als Glimmer resp. als
Sericit zutreffend ist; wie hier die Phlogopite isolirt im Dolomit liegen
oder nur verwachsen mit Quarz verkommen, so sind auch die Glimmer
und Sericite in den anderen Gesteinen stets vor dem Chalcedon gebildet
worden, in dem sie als Einschlüsse erscheinen; hier ist noch die gelegent-
liche Anhäufung der Glimmer um allothigene Quarzkörner zu erwähnen.
93. Die isolirten authigenen Quarzkörner zeigen ira trockenen
Lösuiigsrückstaud oder in Wasser eingerührt stets eine Begrenzung durch
eine grosse Anzahl von Scheinflächen, die sich in scharfen Kanten und
Ecken schneiden. Diese Form ist höchst charakteristisch und dabei be-
weisend für authigene Natur. Letztere ergiebt sich auch aus den Ein-
schlüssen; als solche erscheinen selten Rutilnadeln, fast immer Partikeln
von Brauneisenstein und von Dolomit. Die Quarze zeigen entweder
homogene Auslöschung oder seltener schwache Feldertheilung und undulöse
.'Vuslöschung. Ein negatives Kennzeichen ist bei den Quarzen noch be-
sonders beachtenswerth: sie zeigen niemals erkennbare Flüssigkeits-
einschlüsse. E. Geinitz schreibt 1. c. S. 463 bei „Hornstein und Kalk-
spath“: „alle Quarze sind frei von Flüssigkeitseiuschlüssen“. Das ist nun
aber auch das charakteristische Merkmal aller Varietäten von Chalcedon;
es ist deshalb hier noch besonders zu betonen, dass ich nur in diesen
niakroskopiscli-krystalliii gewordenen Dolomiten von Gam an den authigenen
Qiiarzkörnern so gar nichts mehr gefunden habe, was noch die Bezeich-
nung als Chalcedon gerechtfertigt hätte; alle diese Körner sind einheitliche
selbständige Individuen und das Bischen undulöse Auslöschung, das ich
103
einzig und allein — wenn das überhaupt nötbig ist — auf Kiystallisations-
druck zurückführen muss, kann dem ganzen Habitus gegenüber nicht ins
Gewicht fallen. Dass sonst der mikroskopisch gröber körnige Chalcedon
quarzähnlich im höchsten Grade sein kann, ist ja öfters angegeben worden
und mehr wie einmal ist mir der Zweifel rege geworden, ob ich nicht
geradezu Quarz statt Chalcedon sagen müsste. Die letztere Bezeichnung
ist gewählt worden, um die Zusammengehörigkeit auch solcher „quarz-
ähnlicher“ Massen nach Habitus und Entstehung mit dem „typischen“
Chalcedon hervorzuheben.
94. Herr Dr. Passarge hatte bei Koanagha, östlich von Garn, auch
Dolomite geschlagen, die ihm durch die grosse Anzahl von harten Körnern,
„Sandkörnern“, die auf der Verwitterungskruste übrig bleiben, aufgefallen
waren. Dieses Vorkommniss erweist sich als an authigenem Glimmer und
Quarz und deren körnigen .Anhäufungen überreich; ihnen gegenüber tritt
der Dolomit in manchen Lagen zurück, so dass er nur in einzelnen
Körnern dem Quarz-Glimmer-Gemenge eingelagert ist. Neben Phlogopit
und Quarz und Würfelchen von secundär in Brauneisen umgewandeltem
Pyrit enthält dieses Gestein auch in reichlicher Menge kurze, dicke und
nicht von ebenen Krystallflächen begrenzte Prismen von Apatit. Phosphor-
säure wurde chemisch qualitativ in Menge nachgewiesen. Die Apatite
haben eine dünne äussere Schicht von farbloser Substanz, die Hauptmasse
ist intensiv gefärbt mit überraschend starkem Pleochroismus: die Basis-
farbe ist bräunlich-grün, die Prismenfarbe blass bräunlich.
In diesem Gesteine stecken nun auch zwischen den authigenen Quarzen
und Phlogopiten noch Körner von Orthoklas, Mikroklin und von Quarz
mit grossen Elüssigkeitseinschlüssen wie unerwartete Fremdlinge. Sie
liefern den untrüglichen Beweis, dass auch die Dolomite von Garn aus
Kalksteinen entstanden sind, die stellenweise oder schichtenweise auch
Sandkörner enthielten; die Körnchen von Dolomit im authigenen Quarz
und im Phlogopit beweisen die Entstehung dieser Gemengtheile aus den
erdigen Beimischungen des Kalksteins; das Fehlen der Flüssigkeits-
einschlüsse im authigenen Quarz beweist, dass er ganz ähnlichen Ursprung
hat wie sonst der Chalcedon.
IX. Chanse- Schichten.
96. Aus dem tiefsten Schichtensystem der nördlichen Kalahari, den
Chanse-Schichten, lagen nur wenige Handstückc aus verschiedenen Ge-
bieten zur Untersuchung vor. Es gehören zu diesen Schichten phyllitartige
Schiefer, an Feldspath reiche und kalkhaltige Arkosen mit einem weiteren
Bindemittel aus einem Quarz-Glimmer-Gemenge, Grauwacken von anschei-
nend krystallinem Gefüge, zum Theil mit deutlich erkennbar ausgeheiltem
Quarz und mit einem Bindemittel auch aus Quarz und Glimmer. Durch
Contactmetamorphose veränderte Gesteine kommen auch vor. Nur einen
Kalkstein aus den Chanse-Schichten konnte ich untersuchen, und dieser
zeigt sich von Chalcedon durchdrungen, in einzelnen Fleckchen ziemlich
stark verkieselt. Die mikrochemische Analyse ergab einen geringen Ge-
halt an Magnesia. Beim Kochen eines Stückchens in verdünnter Salzsäure
behält dieses ;,in der gelben, schwach trüben Lösung seine Form unver-
ändert, es ist dann aber leicbt zerdrückbar. Im Lösungsrückstand, im
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entkalkten Dünnschliflf und im gewöhnlichen mikroskopischen Präparat
zeigt sicli der Chalcedon in einzelnen Körnern und in zusammenhängenden
Massen ; überall gehört er der grobkörnigen Varietät an. In dem Lösungs-
rückstand und in dem entkalkten Schliff findet man auch unzweifelhafte
Pseudomoiidiusen, die sich zwischen gekreuzten Nicols aus kleinen Par-
tikeln mit wandernden Schatten zusammengesetzt erweisen. Manche der-
selben zeigen fast dasselbe Verhalten, wie die über Kreuz auslöscbenden
Pseudomorphosen aus den Kaikai-Gesteinen.
X. Eruptive Gesteine.
96. Unter den zahlreichen Diabasen und Diabasaphaniten der nörd-
lichen Kalahari, die ich untersucht habe, befindet sich auch ein Aphanit
aus der Ilefiaka-Ducht au der Südseite des N'gami-Sees, der von win-
zigen, ganz unregelmässig verlaufenden Aederchen und kleinen Partien von
Chalcedon durchzogen ist. ln einem etwas breiteren Aederchen zeigten
sich scharf begrenzte winzige Pseudomorphosen von Chalcedon in Rhom-
hoederform. Kleine Partien von Chalcedon sitzen fast überall mitten in
den Icistenförmigen Plagioklasen und an ihren Rändern. Auch dieses Ge-
stein ist also verkieselt; der Chalcedon hat nichts an sich, was an Chal-
cedondnisen erinnerte, deren Substanz von der Zersetzung des Gesteins
herstammt. liier hat sich unzweifelhaft hei der Zersetzung des Aphanites
nur Kalkspath gebildet; an seine Stelle ist später der Chalcedon getreten
ganz ebenso wie in den sedimentären Gesteinen.
Neben den Diabasen des Ssane-Ilügels am Loale-Plateau westlich
von Palapye schlug Herr Dr. Passarge ein llandstück, das er für einen
gefritteteii Sandstein dicht neben dem Eruptiv-Gestein hielt. Das klein-
fleckige Gestein ist hart und splitterig. Im Dünnschliff erkennt man nur
vereinzelte Quarz-Sandkörner, dann kleine Partikeln und Partien von Ferrit
und einer serpentinartigen, nicht näher bestimmbaren Substanz — alles
Ueln-ige, die Hauptmasse, ist unreiner Chalcedon. Die Structur der Masse
ist höchst sonderbar, und ich kann sie nur in folgender Weise erklären.
Das Gesteinsmaterial war ursprünglich eruptives Magma, das im Contact
mit alten Sandsteinen eine Menge Sandkörner aufgenommen hatte; es er-
starrte zu einem etwa einem Variolit ähnlichen Gestein, in dem je ein
Sandkorn zum Mittelpunkt eines sphärulitartigen Gebildes wurde, das sich
aus Plagioklasleisten .aufbaute. Dieses Gestein wurde zersetzt unter massen-
hafter Bildung von Kalkspath. Endlich wurde die ganze Masse in Chal-
cedon verwandelt, verkieselt, und zwar so, dass die ganze Umgebung eines
Quarz-Sandkornes dieselbe optische ürieutiruug erhielt, die das Quarzkom
besitzt. Zwischen gekreuzten Nicols zerfällt also das ganze Präparat in
grössere ausgezackte Körner, die zum Theil von einander durch Ferrit und
serpentinartige Masse getrennt sind. Eine bessere Auskunft kann über
das einzelne vorliegende Hand.stück nicht gegeben werden, die Verkiese-
lung aber ist unzweifelhaft.
Die weite Verbreitung des Chalcedons in Süd -Afrika ist bereits seit
längerer Zeit bekannt; W. 11. Penning hat schon 1886 ((juart. Journ. nf the
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Geol. Soc. of Londou, l$d. XLI, S. 576) deu Namen „Chalcedolite“ benutzt
offenbar für Gesteine, die als rerkieselt zu deuten sein werden. Und erst
kürzlich spricht Dantz in einem vorläufigen Bericht über seine Reisen in
Deutsch-Ost-Afrika in der Zeitschrift d. Deutschen Geol. Ges. Berlin, 1900,
Bd. 62, S. -45- von „Chalcedon führenden, sandigen Kalksteinen südöstlich
Ujiji“. Es ist somit zu erwarten, dass das Phänomen der Verkieselung
in einem sehr grossen Tlieil von Süd-Afrika durch weitere Forschungen
und Studien nachgewiesen werden wird. Dass die Chalcedon führenden
Gesteine und die Dolomite Phänomene der Umwandlung darbieten, ist auch
schon von anderen Forechern angedeutet und erörtert worden. Doch glaube
ich in dieser Abhandlung zuerst den Beweis geliefert zu haben, dass i n
der nördlichen Kalahari die Erscheinung der Verkieselung mit
oder ohne Dolomitisirung als eines der grossartigsten Phäno-
mene der hydatogenen Metamorphose an Gesteinen jeden geo-
logischen Alters auftritt, in denen Kalkspath als Haupt- oder
Uebergemengtheil vorhanden ist oder war.
Erläuterung der Tafeln.
Tafel II.
Fig. 1, Seite 83.
Chalcedon-Sandstein der Botletle-Schichten um Südrande der Refiaka-
Bucht an der Südseite des N’gami-Sees.
Einkieselung. .\llc Sandkörner sind meist völlig umgeben von sehr
schwach doppelbrechenden Säumen von .Mikroachat. Das Centrum der
Interstitien ist wasserklarer, kleinbüscheliger Chalcedon. Vergrösserung 60.
Fig. 2, Seite 86.
Chalcedon-Sandstein der Reüaka-Schichten, östlicli von Bolibing in
der Refiaka-Bucht an der Südseite des N’gaini-Sees.
Einkieselung. Verschweissung der Quai-z-Sandköruer. (juer durch
die Abbildung vier zu einer Kette vereinigte Sandkörner. Die Interstitien
sind erfüllt von schwach doppelbrcchendem, sehr feinkörnigem Chalcedon
von tridymitartigem Habitus. Vergrösserung 60.
Fig. 3, Seite 86.
Chalcedon-Sandstein der Refiaka-Schichten vom Kap Refluka an der
Südseite des Ngarai-Sees.
Einkieselung. Die Quarz-Sandkörner sind durch schwache Ausheilung
mit viel winzigen Subindividuen mehrfach mit einander verwachsen, wodurch
Formen entstehen, die für freie Sandkörner unmöglich sind. In den Inter-
stitien schwach doppelbrechender, sehr feinkörniger Chalcedon. Ver-
grösserung 60.
Fig. 4, Seite 78.
Chalcedon-Sandstein, Uebergangsgestein der untersten Renaka-Schichten
aus der Refiaka-Bucht an der Südseite des Ngami-Sees.
Einkieselung. Die direct aus der Grauwacke der Chanse- Schichten
herstammenden Quarz-Sandkörner zeigen .4usheilung durch Krystallspitzen,
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besonders das mittelste Korn in der Abbildung. Alle Sandkörner sind
Ton Säumen von Mikroachat ganz umgeben, der im auffallenden Licht
weiss erscheint. Die Interstitien sind ertüllt Ton ganz klarem feinfaserig-
feinbüscheligem Chalcedon. Vergrösserung 60.
Fig. 5 und 6, Seite 76 und 79.
Chalcedon-Sandstein der Botletle-Schichteu östlich von Totin ira Bett
des Ngami-Flusses.
Einkieselnng. Die Interstitien zeigen sich im zerstreuten Licht in
Fig. 5 von Opal ,,mit körnigem Zerfall“ erfüllt, der vom Rand bis zum
Centrum keinerlei Verschiedenheiten aufweist. Zwischen gekreuzten Nicols
aber in Fig. 6 zeigen die äusseren Partien der Interstitialmassen kräftige
Aggregatpolarisation. Vergrösserung 60.
Tafel III.
Fig. 1 bis B, Seite 9B, 74, 80.
Verkieselte Kalkstein-Breccie; üebergangsgestein aus Schutt von Kalk-
stein der mittleren Ngami-Schichten aus der Refiaka-Bucht an der Süd-
seite des Ngami-Sees.
Verkieselung. Alle fünf I’iguren zeigen Stellen nur eines Präparates.
Vergrösserung 60.
Fig. 1: Ein „plastisch“-kömiges Geflecht von länglichen Calciten ist
völlig verkieselt.
Fig. 2: Ein grob radialstrahliges Aggregat von Calciten ist völlig
verkieselt.
Fig. 3; Völlig verkieselter Kalkstein; die Masse ist ein trübes gekröse-
artiges Geflecht von Strängen von Chalcedon mit kleineren Partien von
reinem Chalcedon; einige an Eisenhydroxyd reichere Flecke.
Fig. 4: Völlig verkieselter, schwach sandiger Kalkstein; die Stränge
von Chalcedon erinnern mit ihren Krümmungen und Windungen an Skelette
von Lithistiden; die hellen Stellen in der Abbildung sind meist reiner
Chalcedon, seltener Quarz-Sandkörner.
Fig. 6: Bindemittel der Breccie, bestehend aus Quarz-Sandkörnern
(vier vom Rande her in die Abbildung hineinragend) und einem Aggregat
von Pseudomorphosen von Chalcedon nach Rhomboedern von Calcit (oder
Dolomit); die dunkleren Flecke in der Mitte der Pseudomorphosen werden
erzeugt durch etwas trüben Chalcedon in sehr feinen concentrischen
Schalen.
Fig. 6, Seite 7B.
Brecciöser Dolomit-Sandstein der Botletle-Schichten nordwestlich von
der Pfanne Garu unter 20® s. Br. in Deutsch-Süd-West-Afrika.
Die Abbildung stellt ein Bruchstück von Dolomit dar, das aus Rhom-
boedern zusammengesetzt ist, die oft einen dunkelen, eisenhaltigen, tho-
nigen Kern enthalten. Vergrösserung 60.
Tafel IV.
Fig. 1, Seite 77.
Halb verkieselter Kalk -Sandstein der Botletle- Schichten von Meno
a kwena am Ufer des Botletle-Flusses.
Die dunkelen Stellen der Abbildung sind dichter Calcit, die hellen
sind Opal. In der Mitte der Abbildung um eine centrale Pore eine Partie
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von Opal, iu der, wie auch an anderen Stellen der Abbildung, isolirte
Büschel (Kegel) von stark doppelbrechendeni Chalcedon liegen. Vergrös-
serung 60.
Fig. 2, Seite 99.
Halbverkieselter Dolomit mit Lagen von fast reinem Chalcedon aus
den mittleren Ngami-Schichten der Kaikai-Berge.
Die Abbildung giebt eine Partie von Chalcedon mit reichlichem „Staub“
von Dolomit- Rhomboederchen; einige Eisenglanzkiyställchen. Vergrös-
serung 60.
Fig. 3, Seite 80 und 100.
Isolirte Pseudomorphose von Chalcedon nach einem Carbonspath aus
einem schwach verkieselten Dolomit der mittleren Ngami-Schichten der
Kaikai-Berge.
Die Pseudomorphose ist in Wasser zwischen fast gekreuzten Nicols
photographirt. Vergrösserung 220.
Fig. 4, Seite 78.
Ausgeheiltes Quarz-Sandkorn aus dem Krystall-Sandstein der Botletle-
Schichten vom Massarwa-Thal an der Südseite des Ngami-Sees.
Die obere ausheilende Krystallspitze zeigt genau dieselben Interferenz-
Farben zwischen gekreuzten Nicols wie das untere Sandkorn, dabei aber
doch bei schiefer Beleuchtung sehr feine gekrümmte, dem Umriss des
Sandkorns parallele Anwachsstreifen; an der rechten Seite gehen Anwachs-
streifen auch parallel der Krystallfläche. Vergrösserung 220.
Fig. 5, Seite 99.
Stark verkieselter Dolomit der mittleren Ngami-Schichten der Kai-
kai-Berge.
Verkieselung. Die dunkleren Stellen der Abbildung sind Dolomit, die
ganz hellen sind Chalcedon; um eine Pore im Centruin der Abbildung zu-
nächst feinkörniger Dolomit, dann eine Zone von gröberkörnigem Dolomit,
von der aus einzelne Krj'stallspitzen in den Ch.alcedon hineinragen. Ver-
grösserung 60.
Fig. 6, Seite 94.
Völlig verkieselter, contactnietaraorpher, granathaltiger Kalkstein der
mittleren Ngami-Schichten in der Reftaka -Bucht an der Südseite des
Ngami-Sees.
Verkieselung. Grössere Rhombendodekaeder (von circa 0,o7 mm Durch-
messer) von farblosem Granat liegen gedrängt in klarem Chalcedon und
sind umgeben von einer Zone von winzigen, aus Subindividuen zusammen-
gesetzten Granaten; das Ganze liegt im Chalcedon. Vergrösserung 60.
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VI. lieber eine Discordanz zwischen Kreide und Tertiär
bei Dresden.
Vun Dr. Wilhelm Petrasoheok.
Nördlich vom Dorfe Oberau durchsetzt die Berlin - Elsterwerdaer
Eisenbahn in einem etliche Meter tiefen Einschnitt einen Höhenrücken, der
aus diluvialem Schotter und Sand, aus oligocänem Thon und turonen
Plänern aufgebaut ist. Sümmtliche Schichten sind in ihrer Ueberlagerung
entblösst und jetzt in Folge von Erweiterungsbauten für ein zweites zu
legendes Geleis aufs Neue in frischem Anschnitte der Untersuchung zu-
gänglich. Dieser Ort, in unmittelbarer Nähe der grossen lausitzer Ver-
werfung gelegen, gewinnt erhöhtes Interesse dadurch, dass er neben der
Lausche in Sachsen der einzige Ort ist, an dem tertiäre Schichten die
Kreide überlagernd angetroflen werden können. Die letzteren werden hier
dargestellt durch Pläner mit Inoceramus labiatus Scbloth., die erstereii
durch lichtgraueu Thon, der namentlicli an der Basis von grobem Sand
erfüllt ist und überdies vereinzelte Knollenstcine führt. Seine petro-
grapbische BeschalTenheit verweist ihn ins Oligocaen.
Der Pläner fällt unter 8 — 10” nach OSO. ein und wird discordaut
vom Tertiär überlagert. Dies lehrt ebensowohl die Gesammtansicht des
langen Protileinschuittes, wie einzelne Stellen desselben, an denen der die
Basis bildende thonige Sand über die nach oben thonig aufgearbeiteten
Plänerbänke hinwegsetzt. Die Auflagerungstliicho zeigt einen flach welligen
Verlauf, indem der oligocäne Thon in weite, 0,6 m Tiefe erreichende, in
den Pläner- Untergrund eingesenkte Mulden eingreift. Kleine eckige Pläner-
brocken findet man mitunter im Thone eingebettet Die geschilderten
Verband Verhältnisse schliessen die Möglichkeit, dass es sich hier um
Sedimente handelt, die zwar tertiären Ursprungs sind, sich jedoch auf
secundärer Lagerstätte befinden, aus.
Man kann wohl die Lagerungsstörung der Plänerschichten mit der in
nur ca. 600 m Entfernung, im Streichen des Pläners gemessen, liegenden
lausitzer Verwerfung in Zusammenhang bringen und somit auf das Alter
dieser grossartigen Dislocation schliessen. Während für tektonische Stör-
ungen hercynischer Richtung am Harze von Koenen*) eine jungmioeäne
Entstehung angenommen wird, lehrt das Profil übereinstimmend mit den
•) Jahrlmcli ilcr Preuss. geolog. l.ivnilesaustalt, 1893, S. 79.
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Anschauungen anderer Autoren, dass an dieser A'emerfuiig die Bewegungen
bereits in früherer Zeit begonnen haben müssen. Aus der Art des Auf-
tretens von Basalten und Phonolithen beiderseits der lausitzer Ueber-
schiebung folgert Siegert*), dass die Terrainverhältnisse zur Zeit der
Ablagerung des miocänen Braunkohlenbeckens von Zittau bereits den heutigen
sehr ähnlich gewesen sein müssen, dass also nicht nur die Ueberschiebung
bereits vorhanden war, sondern auch die Abtragung der Kreideschichten auf
der lausitzer Platte weit vorgeschritten gewesen sein muss. Kalkowsky**)
verlegt wegen des Vorhandenseins eines die aufgerichteten Plänerkalke von
Weinböhla durchsetzenden Sandsteinganges, der seiner petrographischen
beschaifenheit nach oligocaenen Alters ist, den Beginn der Bewegungen an
das Ende des Unteroligocaens. Das beschriebene Profil lehrt, dass dieser
noch weiter zurückzuverlegen ist, dass nämlich die Bewegungen schon vor
Ablagerung des Oligocaens Anfang genommen haben müssen. Ob die
Ueberschiebung selbst bereits zu dieser Zeit fertig gebildet war, oder ob
dieselbe erst wenig später erfolgte, wie Kalkowsky daraus schliesst, dass
der Sandsteingang zerbrochen und die beiden Theile desselben um etwas
über 6 m aneinander verschoben wurden und zwar so, dass die Harnisch-
streifung der Verschiebungsfläche senkrecht zur lausitzer Dislocationsfläche
steht, ist nicht zu entscheiden. Der Umstand, dass im erwähnten Eisen-
bahneinschnitt das Oligocaen sich in schwebender Lagerung befindet, schliesst
weitere Bewegungen nicht aus.
Von Wichtigkeit für die Präcisiruiig des Endes der die lausitzer
Ueberschiebung bewirkt habenden Krustenbewegungen ist das durch Beck
und Hermann***) mitgetheilte Auftreten eines, die an der Verwerfung
heraufgebrachten jurassischen Kalksteine quer durchsetzenden Ganges von
Feldspathbasalt, der sich bis in den Granit hinein erstreckt. Da die Basalt-
decken der Lausitz das Oberoligocaen überlagern, das Miocaen aber unter-
teufen, kann man folgern, dass die Störungen auf der lausitzer Verwerfungs-
spalte spätestens zu Beginn des Miocaens ihr Ende erreicht haben.
Will man auf Grund des geschilderten Profils annehmen, dass auch
die Ueberschiebung schon vor der Ablagerung des Oligocaens erfolgt sei,
so führt das \’orhandensein des Sandsteinganges zu der weiteren Annahme,
dass die Pressungen an der Verwerfungskluft noch länger andauerten und
das Aufreissen der Gangspalte zur Folge hatten. Ihre Richtung liegt
innerhalb derjenigen des muthmasslich wirkenden Druckes. Dies erfolgte
innerhalb des Oligocaens. Später müssten auf derselben Verwerfungskluft
neue Bewegungen stattgefunden haben, die die Verschiebung des Ganges
verursachten. Dass auf einer Dislocationsspalte zu verschiedenen Zeiten
Zerreissungen und Verschiebungen eingetreten .sind, ist eine wiederholt
erwiesene Thatsache. Vielleicht kann man in gewissen seismischen Er-
scheinungen die Aeusserung noch heute andauernder Spannung erblicken j).
Da man in der Regel die Entstehung der Randbrüche der böhmischen
•Masse mit der Faltung der Alpen in Beziehung bringt, sei daran erinnert,
dass dieselbe, soweit sie auch postcretacischen Alters ist, sich ebenfalls
in verschiedenen Phaseti vollzogen hat. Bekanntlich lässt sich die lausitzerc
*) Erläuterungen zu Section Zittau, .S. 23.
•*) Abhandlungen der natnrwi.ss. Gesellschaft Isis. 1897, 8. 88.
••*) Erläuterungen Section Hinterherm.sdorf- Daubitz, S. 42.
f) Vergl. Credner. Zeitschrift für Naturwissenschaft, Bd. 60 (1877), ,S. 287.
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sudetiscbe Verwerfung selbst noch ini östlichsten Böhmen nachweisen.
Hier, wo sie nach Süd umbiegt, wird sie von parallelen Brüchen begleitet,
lieber den von Geiersberg nach Böhm. Trübau streichenden Hauptbruch
greift, wie auf Krejci’s geologischer Karte von Böhmen dargestellt ist,
das Miocaen hinweg, woraus ebenfalls folgt, dass der Bruch älter als
miocaen ist. Für den Pottensteiner Parallelbruch liingegen wird von
Hinterl echner*) ein sehr jugendliches, vielleicht sogar quartäres Alter
angenommen, ein Beweis dafür, dass auch in dieser Gegend auf der
sudetischen Bruchlinie Krustenbewegungen sich in verscliiedenen Phasen
vollzogen haben.
Sicher erwiesen ist für Sachsen bis heute nur, dass schon vor Ab-
lagerung des Oligocaens im Gebiete der heutigen lausitzer Verwerfung
Lagerungsstörungen stattgefunden haben, dass die Spannung während des
Oligocaens anhielt und dass vor der Ablagerung des Miocaens nicht nur
die Ueberschiebung stattgefunden hat, sondern auch beträchtliche Abtrag-
ungen auf dem nördlichen Theile erfolgt sind.
Dresden, Mineralogisch-geologisches Institut der Königl. Sächsischen
Technischen Hochschule. Juli 1901.
•) Jahrbuch iler K. K. geoloe. Reichsanstalt, IHOO, S. 610.
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TU. lieber ein Steinbeil Yon Halsbach
Von Dr. A. Frensel.
Im April 1901 wurde bei dem Ackerstürzen eines dem Rittergut Ualsbach
zugehörigen Feldes ein Steinbeil aufgefunden. Ein einähriger Knabe fand
bei dem Steinelesen das Beil, welches ihm, seiner Form und Glätte wegen,
anffiel und nahm es deshalb mit nach Hause. Der genaue Fundort ist
auf dem beigegebenen Kärtchen durch
ein + bestimmt. Die Angehörigen
des Knaben — der Vater ein Berg-
arbeiter — hielten den Fund für
einen Wetzstein, wie sich solcher die
Landleute zum Schärfen ihrer Sensen
und Sicheln bedienen. Indessen er-
kannte doch ein älterer Bruder des
Finders, ein Schüler der Königl.
Freiberger Bergschule, das Object für
ein Steinbeil und brachte es mir zur
Ansicht.
Der Ort Halsbach, den Mineralogen
durch den Achatgang mit seinem
schönen Korallenachat bekannt*),
liegt am rechten Muldengehänge, etwa Stunde östlich von Freiberg.
Der Ort wird hauptsäcblicli von Berg- und Hüttenarbeitern bewohnt, welche
in kleinen Häuschen wohnen, die an dem Gehänge wie angeklebt erscheinen.
Der Untergrund wird von Gneiss gebildet. Darüber lagert als Ackerboden
diluvialer Gehängelchm. Es ist nicht das erste Mal, dass man in Frei-
bergs Umgebung ein Steinbeil auffand. Das Museum des Freiberger Alter-
thumvereins besitzt bereits vier Exemplare aus der Freiberger Gegend, zu
welcher Sammlung das Halsbacher Beil als fünftes hinzukam.
Ueber diese Beile kann Folgendes bemerkt werden;
1. Eingang 26. Februar 1876. Finder Ingenieur Paul Siede aus
Grossschirma (eingeliefert durch Obersteiger Teuchert auf Kurprinz). Ge-
funden in den Wiesen hinter dem Gasthof von Gaumnitz in Grossschirma.
Grosses Beil mit Durchbohrung. Länge 17 cm, Schneidenbreite 7 cm.
Professor Kreischer schlug seiner Zeit einen Splitter behufs Herstellung
eines Dünnschliffes ab, wobei sich das Gestein unter dem Mikroskop als
*) Siehe H. Müller; Die Erzgäiige des Freibeiger Bergrevieriw, ISOl, Sä26.
Nord
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ein Hornblendeschiefer ergab. Professor Dr. Beck, dem neuerdings der
Dünnscblifif vorgelegt wurde, bezeichnete das Gestein als einen Biotit
führenden Amphibolit.
2. Eingang 6. Mai 1876. Ge.scbenk des Bergakademikers, jetzigen
Betriebsdirectors Wengler. Streitaxt, aufgefunden bei dem Ausgraben eines
Schlämmteiches für die alte Thurmhofer Erzwäsche von Himmelfahrt, zwischen
dem Thurmhofschacht und der Frauensteiner Strasse, bei dem dortigen
ehemaligen hohlen Weg. Das Beil zeigt Durchbohrung, ist aber leider
von den Arbeitern damals zerschlagen worden. Das Museum besitzt den
vorderen Theil des Beiles mit der Schneide; derselbe hat eine Länge von
10 cm. Die Flächen des Beiles sind sehr glatt, die Structur des Gestein-
materials feinkörnig, weniger schiefrig als bei den anderen vier Beilen.
3. Eingang 26. Juni 1876. Schenker Oberlieutenant Yollbom. Ein
kleines Beil von schöner Form, Schneide gut erhalten, dagegen das andere
Ende etwas beschädigt. Die Länge beträgt 8^/4 cm, Schneidenbreite 5 cm.
Das Beil wurde aufgefunden bei der kleinen alten Halde unterhalb Reiche
Zeche, am linken Muldenthalgehänge. Es besteht gleichfalls aus Ainphi-
holit mit schiefriger Structur und ist dem Beil von Halsbach überaus
ähnlich, so dass man zu der Meinung kommen kann, diese Beile sind aus
dem gleichen Material hergestellt.
4. Eingang 8. März 1884. Schenker Rittergutsbesitzer Karl Philipp
Steyer in Naundorf. Die Hälfte eines Steinbeiles, aufgefunden auf Naun-
dorfer Flur. Das Beil hat Durchbohrung und misst von der Schneide bis
zur unteren Bohrfläche 3,6 cm. Es besteht gleichfalls aus Amphibolschiefer.
5. Das eingangs gedachte Beil von Halsbach ist ohne Durchbohrung
und besitzt die aus der beigegebenen Abbildung ersichtliche Form, es hat
eine Länge von 9 cm und misst an der breitesten Stelle 4,6 cm. Eine vor-
zügliche Photographie, von dem Photographeu Saemann
in Freiberg hergestellt, giebt ein höchst getreues Bild
des Beiles. Die Farbe des Beiles auf frischem Bruche
ist sehr dunkel, schwärzlichgrau, dagegen zeigt das Beil
eine hellgraue Verwitterungsrinde, die es durch das
wohl Jahrtausend lange Liegen in dem Gehängelebm
erhalten hat Legt man das Beil in Wasser, so lassen
sich dann gut die zwei Gemengtheile, die dunkelgrüne
Hornblende und der weisse Plagioklas, unterscheiden,
auch Eisenkieseinsprenglinge kann mau gewahren.
Ein abgeschlagener Splitter zu einem Dünnschlifif
verwendet wurde nach dem mikroskopischen Befunde
durch Herrn Professor Dr. Beck als Amphibolit erkannt
Auch die vorgeschichtlichen Menschen, die einst-
';'j der natUrl. Grösse, mals unser Muldenthal bewohnt oder durchstreift haben,
werden ihr Material zu den Beilen und Meisein nicht
weit her geholt haben. Amphibolite finden sich vielfach als Einlagerung
im Gneisse und auch aus der Freiberger |Gegend sind dergleichen bekannt.
Man denke an die „Diorite“ von Halsbrücke und aus dem Stadtgraben
von Freiberg (Schwedensteine, durch Springen einer Belagerungsmine
emporgekommen); auch der im hiesigen Obermarktpflaster eingelassene
Stein, auf welchem der Richtklotz des Prinzenräubers Kunz von Kaufungen
gestanden haben soll, ein Wahrzeichen Freibergs, ist Amphibolit.
Di’ii'i/'txj . >y t’* -^Ic
Alihiindl. il. I^Ls in DresUrn, IllOI.
Tuf. II.
rh'it. V. Vci f.
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Äbbaiidl. d. Isis in Dresden, 1001.
Tat IV.
Phot. V. Verf.
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098 900 333
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